Hlnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 166. Mittwoch, den 29. August. 1300 (Nachdruck vtrbolen.) 2t) Die Fanfare. Noman von Fritz Manthner. XI. Die verivitwete Knegsrätin sah dem neuen Jahre mit ihrer alten Bitterkeit entgegen. Aber Johanna setzte den Klagen und Anspielungen der Mutter ihre stille Sicherheit entgegen, von welcher'die beschränkte Frau sich täuschen ließ. Sie gönnte ja auch der Tochter alles Gute. Wenn Johanna ihr Glück machte, wie es ihre Pflicht gegen die Familie war, so war auch Achiin versorgt. Ganz im Hintergrunde, erst spät hinten nach dem glänzenden Schicksalswechsel Achims sah die alte Danre auch für sich»vieder bessere Tage. Sie konnte neue Möbel, neue Wäsche und Kleider anschaffen und den armen Rätinnen ihrer Bekanntschaft einen großen standes- gemäßen Kaffee geben. Das Glück. welches Johanna„nmchen" mußte, war natürlich die Heirat mit Herrn Haffner-Von-Hernc. An den redlichen Absichten des reichen Mannes war längst nicht mehr zu zweifeln. Sein Charakter war außer seinein Adel die beste Enipfehlung i er war vornehm und gutmütig, wie die Kriegsrätin täglich wiederholte. Es war vornehm, daß er die Armut der Dmnen nicht zu bemerken schien, und es war gutmütig, daß er einige uncingelöste kleine Ver- pflichtungen Achims auf sich geuxnümen hatte. Seit Monaten wartete die verwitwete Kriegsrätin mit ihrer verzweifelnden Geduld auf die Erklärung Haffners. Sie zitterte davor, daß Johanna oder doch Johannas Schönheit den anstrengenden Nachtarbeiten erliegen könnte. Sie ahnte auch, was in des Mädchens Herzen vorging, sie las ihr ganz wohl bis zum Weihnachtsabend die Trauer um die verlorene Jugend- Hoffnung ans den Augen, und sie fühlte ganz richtig, daß Haffner vor dieser Trauer Scheu empfand und den Kampf mit einer so treulich gepflegten Jugendliebe nicht vorschnell aufzunehmen wagte: aber sie wurde an ihrem Ztind deshalb nicht irre. Johanna ist eine echte Havenov Trienitz und wird mit leichtem oder schivcrem Herzen ihre Pflicht thun. Als Haffner nun am ersten Weihuachtsfeiertage seinen Besuch niachte, schien Johanna plötzlich so verwandelt, sie hatte so fröhlich einen dichten Veilchenbuschen vorgesteckt, daß ihre Mutter und ihr Verehrer überzeugt lvareu, jetzt sei der Augenblick für die Werbung günstig. Er ließ es zwar heute bei einigen rednerischen Andeutungen bewenden, aber schon am dritten Feiertag, kurz vor der Probe Ausstihnnig der Fata Morgana, nach der ja auch Richards Vereinigung mit der schönen Lcontine besiegelt werden sollte, traf im Hause der Alvenslebcnstraßc für das gnädige Fräulein ein riesiger Blnmenaufsatz ein, dazu ein Brief an die Mutter, in welchem Haffner feierlich und förmlich lim die Hand seiner angebeteten Johanna anhielt. In den Jahren der Not waren die Augen der Kriegsrätin immer trocken ge- blieben: heute konnte sie endlich wieder weinen, da sie las: „Fräulein Johanna ist eine zu gute Tochter, um nun bei ihrer Entschließilng nicht auch an ihre Familie zu denken. Und ich schlvöre Ihnen teuerste und Ivürdigstc Frau, daß Johannas Mutter allezeit imd immerdar in mir einen Sohn finden ivird. der sich glücklich schätzen muß, mit einer solchen Mutter, mit einem solchen Bruder alles zu teilen. Glück und Unglück, was die gütige Vorsehung ihm beschieden hat." Johanna kam erst nach drei Uhr aus der Fabrik nach Hanse: sie hatte sich bei Frau Käthe anfgehalten. die sich über den Sender des Kinderspielzengs den Kopf zerbrach. Die Mutter las ihr mit gehaltener Freude HaffnerS Brief vor. Sie lvar gerührt, sie tvar sogar geneigt, in ihrem Jubel für alles zu danken, waS Johanna bisher schon an ihr und Achim gethan hatte. Das Mädchen hörte zu, ohne sich zu erregen, ohne zu erbleichen. Vorsichtig, schonend zog sie ihre Handschuhe aus und sagte dabei: „Ich überlasse es Dir, liebe Mutter, in welcher Form Tu Herrn Haffner vou-Herne Nein sagen willst. Es ist mir undenkbar, daß ich ihn heirate, und darum ist es auch unmöglich. Und Dich bitte ich, liebe Mutter, daß über den Antrag zwischen unS kein Wort mehr gesprochen wird." DaS gab einen Sturm. Ohne cineil einzigen häßlichen Ausdruck zu gebrauchen, ohne in Ton und Beivegung ihrer Würde zu vergessen, überschüttete die alte Frau ihre Tochter mit einer Flut von Vorwürfen. Spöttisch schilderte sie ihr die Stellung und die Pflichten einer arme» Adeligen, die einen glänzenden Offizier zum Bruder hat. Mit Verachtung sprach sie von den cnüvürdigenden Arbeiten Johannas, die doch kaum ausreichten, sie vor dem Hnnger zu schützen. Johanna nickte nur traurig mit dem Kopf, aber sie blieb bei ihrer ersten Anttvort: sie lasse sich nicht einmal ans ein Gespräch über den Antrag des Herrn Haffner ein. Da versuchte die Kriegsrätin ihr großes Mittel, mit welchem sie Johanna zu allein zwingen zu können glaubte, Iveil diese bisher niemals eine Antwort fand, wenn die Mutter deS Grafen Trienitz erwähnte. So richtete sie sich auch jetzt steif in den Schultern und sagte mit dem ivohlbekannten, todbereiten Augenanfschlag: „Möchtest Du lieber, daß wir den Namen Trienitz wieder ablegen, um uns seine Unterstützung z» erkaufen?" Sie stannte den Grafen niemals: er lvar für sie immer Er. Johanna spielte mit ihren Fingern in den Veflchen, blickte ihre Mutter fest an und erwiderte ruhig: „Du hast mich das schon oft gefragt, liebe Mutter: ich will Dir endlich sagen, was ich von dieser Sache denke. Wir heißen nach dein Vater zn Recht von Hävcnow; wenn ciye Trienitz einen Haveiww geheiratet hat. so hätte sie ihrem Gatten auch ihren Namen opfern sollen. Nach der allgemeinen Sitte ist es unweiblich, wenn ein Weib seinen Mädchennamen weiterführt. und wenn es Adelige thun. ebenso wie Opernsängc- rinnen, so glaube ich immer, ihre bräutliche Liebe ist nicht so groß gewesen, wie bräutliche Liebe sein sollte. Dies gilt für mich wie für Achim. Mein Vater war ein Havenow, und ich bin stolz auf diese Erbschaft, aber wenn ich sonst glücklich werden könnte, ich würde über den Namen, den ich in Zu- kunft tragen soll, nicht nachdenken. So denke ich über den Vorschlag deS GrafeN Trienitz. Ich selbst brauche seine Unterstützung nicht: wenn Achiin seiner bedarf, so soll er für sich entscheiden. Und wie ich ihn kenne, willigt er nur darum nicht darein, weil der Graf als Bedingnng verlangt, was ein Ehrenmann nur freilvillig thun darf." Und dabei blieb Johanna, mochte auch die Mutter die Bedeutung der Familie Trienitz noch so hochmütig über die der Haveuolvs stellen. Nachdem die Kriegsrätin sich müde geredet hatte, nmßte sie sich entschließen, dem Werber einen unbestimmten, hin- haltenden Brief zu schreiben. Johannas Herz sei noch frei. sie bedürfe aber einer Bedenkzeit für ihr Jawort: das liebe romantische Mädchen werde eine um so treuere Gattin sein, je ernster sie den wichtigsten Schritt eines Frauen- lebcns erwäge. Fran von Havenow glaubte gar nicht, Ausflüchte nieder- geschrieben zn haben. Sie zweifelte nicht daran, daß Johanna »nr zn sehr überrascht worden sei. daß sie sich ein wenig be- sinnen müsse und daß sie am Ende dennoch„ihre Pflicht" thun würde. Sie warf sich vor, zu hastig gewesen zu sein und die mädchenhaften Eiiipfittdnngen einer Havcnow-Trienitz nicht gciiug geschont zu haben. Und sie wollte den Fehler nachträglich wieder gut machen. Durch Sanftmut und durch herzliches Eingehen auf ihre Stimmung wollte sie die Tochter bekehren und wollte außerdem ihren Achim sofort zu Hilfe rufen. Der Lieutenant war das Haupt der Familie und hatte darum nach ihrer Meinung über alles zu entscheiden, auch über die Verheiratung seiner Schwester. In einem klugen Briefe schrieb sie sofort um seine Hilfe. Sie deutete vorsichtig auf die minder glänzenden Verhältnisse des Hanfes hin und legte es ihrem Sohn nahe, das völlig mittellose Mädchen zu ihrem eignen Glück zu überreden. Von Achims Antwort er- warte sie sichere Unterwerfung des Mädchen?. Inzwischen wurde sie nicht müde, ihrer Tochter mit ver- ändertem Tone und mit milderen Worten denselben Text zu predigen. Nicht nur den behaglichen Reichtum, eine prächtige Wohnung und glällzendc Gewänder hatte sie für die Zukunft bereit, sie traf auch empfindlichere Punkte in Johannas Seele. Wie konnte die reiche Frau von Herne die schöne Gewohnheit des WohlthnnS annehmen, wie konnte sie durch Reisen und durch die Shmft die Welt geuieke»! Und als letztes Mittel der llebeneduiig blieb immer die Aussicht: wie konnte sie Achini sördcrn, ivenn der durch eine reiche Schwester nller Sorgen enthoben Ivar. Von sich selbst sprach sie nicht, sie kam jn auch wirklich nur als Achims Mutter in Betracht. ZoHamm blieb fest; sie wollte für Achim jedes, Opfer . bringen, nur ein solches nicht, das der Bruder nicht an- . nehmen durfte. Die Äriegsrätin hatte auf alles eine Antwort. So weit .die Verzweigungen in ihrer Familie reichte», so weit gab es Oisiziere, die auch einmal jung gewesen waren, und immer hatte die Gesaintfaniilic für den Lieutenant eintreten müssen. Es waren viele darunter, die sich lieber eine Kugel vor den Kopf schießen, als sich durch fremde Opfer retten lassen wollten. Da hatte man ihnen die Sachlage verschwiegen und sie getrost gegen ihren Willen aus der Klemme gezogen. Manche Stunde, die sonst mit Abschreiben nützlich an- gelvandt worden war, verging mit einförmigen Unterhaltungen . der beiden Frauen; unablässig forderte die Mutter das Opfer, und»»erschüttert sagte Johanna»ei». Endlich nach zwei Tagen kam mit dem verfrühten Nenjahrswnnschc Achims und ' der Biite um neue Visitenkarten auch sein Brief an die Schwester. Auf Rat der Mutter that er diplomatisch so, als habe Haffner selbst seine brüderliche Unterstützung nachgesucht. Mit zwanzigjähriger Weisheit empfahl er Johanna. die günstige Gelegenheit wahrzunehmen, denn das Schicksal eines alternden Mädchens sei kein beneidenswertes, fordere vielmehr den Spott der argen Welt heraus. Er höre mit Vcdauer», daß seine Lieben sich einschränken und auf die kostspieligsten Vergnügen der Großstadt hie und da verzichten müßten. Das Vergnügen sei freilich der Güter größtes nicht, ober alter Adel verpslichte eigentlich zum Wohlstand. Sein Ideal für die kleine Schwester sei allerdings nicht gerade Herr Haffner von Herne. Der Adel desselben sei nicht ganz legitim crtvorbe» und dazu nicht einmal sehr alt mid sei» Vermögen ans sehr bürgerliche Weise zusammen gebracht Ivorden, aber die Neuzeit fordere vielleicht solche Schritte. Haffner sei ein guter Mensch. Er, Achim, habe Beweise dafür und dürfe gerade darum seine brüderliche Autorität nicht zn schnell in die Wagschale werfen. Kurz, er übertrage fein Amt ans die Mutter; ihr habe Johanna in allem zu gehorchen wie eine richtige Havenow. lFortsctzmig folgt.) (Ailittmut VCllCtCU.) Die thittefifcho Sttzeift. Wen» lvir die chinesische schritt ansehen, so erscheint sie»nS zncrjt als ein Buch mit sieben Siegeln. Jeder, der eine bessere . Schule genösse» hat, hat einige Brocken französisch ergattert, die ihm das Bild der spräche zu verstehen erleichtern. Er sieht bekannte Schristzcichen, die sogenannten lateinischen, vor sich, und ist im stände, sich das fremde Wort nach den Buchstaben z» merken, ohne eine» andern nach seiner Bedeutung zu frage», Bei der englischen und den skandinavischen Sprache» überrasche» uns sogar einige Worte, die ivie deutsche geschrieben werden und denen man daher dieselbe Bedentung beiniißt, iüic derselbe» Bnchstabensolge im Deinschc». midi wen» man sich dabei gründlich irrt, z»„i Beispiel lüinl= gütig, back= hinten. Auch die romanischen Sprache», vor allem die italienische, erinnern uns lebhaft an das Lateinische, und es findet wohl auch der Nichtkenncr einmal ein Wort, dessen Bc- dcinnng er sich ziisannnenreime» kann. Beim Portugiesischen und dem ilinniänische» ist das schon schivercr. Bor dem Magyarische» mit seiner Isolierung in der cnropäischen Sprachensannlie, mit seiner durchaus andren Syntax, macht die Divination nnd die.tkomvinatioir Halt, bei dem Russischen und Griechischen versucht man sie gar »idst. denn hier ist das Bnchslabenvild ein andres, und es würde verlorene Liebesmüh sein, aus den wenige» Buchstaben, die dem Lateinischen gleichen, Worte z» erraten, haben doch manche eine» ganz andren Klang, z. B. B= W. P= 9k, H= 9i usw. - Immerhin sind doch Forme» in den Buchstabe» vertrete», ivclche die Brücke zn nnsrem Gedächtnis bilden. Ganz anders ivird es nun sein, wenn lvir arabische Schrift odcr gar chinesische vor nnS haben. Bei der arabischen Schrift läuft die Zeile horizontal von rechts nach .linls, die Seite» von hinten nach vorn: vei der chinesischen sängt das Büch auch Hinte» ä», aber die Zeile läuft vertikal von oben »ach mite», Die chinesische Schrift schreibt man nicht, sondern man »>alt sie mit einem Pinsel. Wer die chinesische Schrift gesehen hat, wird dies sehr begreiflich finden.»Wir wollen hier mit den in enro- päischen Septästen befindlichen Schriftzeichcii versuchen, einige Wörter zu bilden: JL Mensch. □ Wund, i I i Berg.) Die chinesische Schrift ist eine Wortschrift, d. h. jedes einsilbige Etammivort hat sein besonderes Zeichen, maiiche mehrere Barianten. Die Wörter ähneln sich sehr in der Aussprache nach unser» Bc- griffen, sie Iverde» aber i» der Schrift durch verschiedene Zeichen »nterschieden. Betonung und Laut machen den Unterschied in ihrer Bedeutung. Wir Deutsche haben kein so seines Sprachgefühle Wenn wir Häute odcr heute sagen, so mutz die Bedeutung des Worts'ans dem Satze hervorgehen, beide Wörter sprechen wir gleich ans, iit den Wörtern gebet und Gebet unterscheide» wir nicht in der Schrift, ivohl aber in der Betonung der Silben. Im Chinesischen ist die Zahl der nach nnsrcm Begriffe-lautlich.verschiedene» Wörter daher sehr gering, sie erreicht cttva 900/ aber die Töne gebeu dtm Worte die Bedeutung. Jedes Wort. besitzt nämlich feinen eigentiirn- lichen Ton, der' ihm imtrcunbar anhaftet. Diese Tvitc sind»ach der Tonlage, Quantität»nd Qualität verschieden. Ter Ton ist erstens entweder hoch oder tief, zweitens entweder gleichmätzig oder im- gleichmäßig und im letzteren Falle entweder langsan» oder rasch steigend oder fallend oder endlich knrz abgebrochen. Wörter von gleichem Lanllverte können auf Liese Weise je»ach dem zugehörigen Tone die verschiedenste Bcdentintg haben. Bei Apostrophen hinter f. k', p', tsch'; tV»mß ein h mitgesprochen werden, wie in statt- hast, Blockhaus,.Kapphahn. Die chinesische Sprache ist sehr alt. Man unterscheidet nach ihrer Littcratur drei Perioden, die vorklajsischc Periode von vor 3000 v. Chr. vis de» großen Philosophen Lao-tsi»nd K'nng-lsi (Kmisiieins) im 6. Jahrhundert v. Chr.— hier sind die Hauptdenk- mäler das kanonische llrlundenbnch und das tanonischc Liederbuch—, die klassische Periode, von den beide» Philosophen bis zum erste» Jahrhundert v. Chr. reichend,— ihr. angehängt oder nachgefolgt ist der»achklaffischc Stil, der an Kraft und Kürze verliert, an Bieg- samkcit gewinnt»nd in der modernen Littcratur von dem Essayisten- stil vertreten wird— nnd die dritte Periode, seil dem Bnflonnnen der Mongolcndyitasiic(1209—1308); die sich in ihrer niederen Belletristik an die jeweilige llnigangssprache anschließt. Was die Aussprache anbetrifft, so ist der Mandarinendialelt die allgemeine Sprache(kuan-hoa), er wird von allen Gevildctc» vcr- standen, außerdem giebr cS eine größere Anzahl Proviiizialdialelte. Wie die Sprache, so hat auch die Schrift im Laufe der Jahrhunderte Wandlungen erfahren. Tic Formen der ältesten Schrift sind ctiva ini' 3/ Jahrtausend vor Christus crsnnden ivorden. Es sind rohe Bilder und Symbole, aber sie zeugen von einer trcsflichcn Auf- fnffungSgave. Zivcilam'cnd Jahre später wurden aus den Bildern grade und gebogene slriche. immer gleichmäßig, das war die große Schrift, ta-tschuen. Sechshundert Jahre später wurde diese Schrift vereinfacht und somit die kleine Schrift, mao-tscbneii, geschaffen. Tai»! kam zu Beginn unsrer christlichen Zeitschrift die Ciirialschrift, li-schu, mit ihren eckigen und groben Schriftzüge» ans, nnd neben dieser bürgerte sich eine sehr flüchtige, oft willkürliche Schnell schri st. die GraSschrift, ts'ao-schu genannt, ein. Seit sechszchnhnndert Jahren ist die jetzige Schrift(k iai-selmj im Gebrauch, die wohl für alle besseren Drucke verwandt wird. Daneben existiert noch eine Knrffvschrift. suug-schn. Aach ihrer Entstehnngsweise zerfallen die Schristzeichen in sechs Klaffe». Einige Beispiele, die lvir ans unfrei» setzlästen zu bilde» suchen, die also nur die Form in grober Weite aiidcuieil tonnen, mögen die Bekanntschaft mit diesen Klassen vermitteln. Die erste Klasse ist die Bilderklasse. ES ivird geschrieben Sonne, sebit, in alter Schrift S, jetzt Mond, yuet. alte Schrift jetzt Solche Bilder giebl es«tlva 900. Die zweite Klaffe e»t- hält die Symbole, ctiva 100. Mau schreibt: oben sebang, alt—. jetzt unten bia, alt~, jetzt|. Die dritte Klasse enlhält die symbolischen Znsainnlensetznngeii, cllva 710, z. B. Mund, k'cu Q, — l'i Wart, ye», 0 lvahr, sin,[0. Man sieht hieraus, ivie auö Mmtd schliesflich das Wort wahr emsteht. lliigalaniertveise lvolle» wir»och hiiiziifügeil, daß, wenndaS Zeichen fürWeibziveintal, nebeneinander, steht. es Zank bedeutet. Die vierte Klasse enthält die Zeichen mit gewendeter Bedentimg, ctiva 370. Zum Beispiel schreibt man Fürst, bcu, 0, dagegen Beamter, s»i. 0. Die fünfte Klasse enthält etwa 900 Zeichen für die HilfSwörrer imd die sechste, die lantangebeudc, gegen 20 000 Schnstzeichen, die aus zwei vereinigten Teilen bestehen, deren einer die Begriffskategorie, der andre mehr öder minder dir Aussprache ausdrückt. Nehme» ivir z. B. das Wort Arbeiter, kung, I. Hieraus wird gebildet j' I k'ung, Ungeduld, indem'j', Herz, siin. hinzugefügt wird, ferner Wasser schui,"| verbünde»"il ergiebr stroni, kiang; reden oder Wort yen □ mit k verbunden giebt bmig, Zank. Bei einiger Phaiiiasic nnd KonibinationSgabe wird man die innere Berivandlschaft dieser Wörter erkennen. Ungeduld— das arbeitende Herz, Strom— das arbeitende Wasser, Zank— die arbeitende Rede. Ans diesen Beispielen crgicbt sich auch die Anordnung der chinesische» Wörterbücher» die enttvcdcr nach der Bedeutung der Wörter, eücyklo-. pädisch, nach ihrem Laut, phonetisch, oder nach der Form der Schristzeichen. graphisch, geordnet sind. Tie Anordnnng der ersteren ergiebt sich von selbst, die der graphischen ist nach Klassciihänptcrn geordnet. 21-t nieistcnS siniiailgcbcndc Bestand- teile bilden diese Klasicnhänpter(Schlüssel, Radikale). Sie sind nach der Zahl der einfachen Striche, aus denen sie bestehen, geordnet. So giebt es Klassenhäupter bis zn 17 Strichen. Als einfache Striche gelten der Punkt(Komma), Querstrich, senkrechte Strich, der Haken, der linksschräge, der rcchtSschräge Strich, der Speer. Die Schrift- zeichen folge» sich senkrecht, voii oben nach unten, in ziveispr�chige» Bllchm» tvird die Schrift»ach Zeichen»nd Zeilcnfolge wie die ondre Schrift, also horizontal, geschrieben. Als Jntcrpunktions- zeichen niiunrt inan incistciis einen Ring oder eine» Punkt. Hervor- Hebungen finden statt durch Abbrechen der Zeile. Ringe, Einrahmung, durch einfache oder doppelte Längsstriche, wie bei Büchcrtiteln. Die Chinesen schreiben mit Pinsel und Tusche, sie setze» den Pinsel senk- recht an und schreiben den oberen Strich vor dein unteren, deir linken vor dem rechten, den kreuzenden Querstrich oder Haken vor dem durchkreuzten senkrechten oder schrägen.— G c o r g H i l l e r. Kleines Feuilleton» n Leuchtturm erster Klaffe ganz erheblich billiger als ffür alle andren BelenchtungSarten, sie. belaufen sich nnr auf CAÖ M., ivährend die llmwemdlrnrg cineS Lenchlfeners znm Ersatz von Ohl- durch Petrolemulicht nicht weniger als 4000 M. kostet. Danach scheint das Acetylc» mich in der Küstcn- bclcnchtniig eiste bedeutende Zulnnft zn haben.— Litterarisches. Die sieben Gesichter bon Jules C a j r. Miinchtii, Albert Langen.— Natürlich handelt cS sich ivieder um eine Weiber- gcschichte. Für gcwiise französische Antore» scheinen nnr erotische Stoffe zn existieren. Biclleichl steht daS mit der Vorliebe des PnblikNmS für derartige Dinge i» einem bestimmten Zrisaminenhang. Geld verdienen ist auch siir Dichicr eine schöne Sache. Etwas Vesser als die Erschcinnngcii. die wir in der letzten Zeit besprochen, ist das vorliegende Brich. Es enihält mehr künstlerischen Ernst, mehr Psychologie und inchr GestattniigSkrast. Mit den „sieben Gesichtern" sind die verschiedenen Gesichter gemeint, die ein Weib st» Lauf ihres Lebens zeigt. DaS Gesicht des KindS, das Gesicht deS naiven, das deS begehrenden jungen Mädchens nsiv. Die Mittel der Wirkung sind bnilal. die Handlung ciiffetzlich ge- schraubt, ivas bereits«ine kurze Juhallsaiigabc bcjvcise» ivird. Der Held des Bnchs ist i» guter Kindersrenndschaft ,nit einem llcincn Mädchen ansgrivachsen. Als er sie später wieder sieht, findet er sie voll erblüht, ohne sie indes zn lieben. Es bleibt ein Gcschivistcrverhältiiis, so frei von Sinnlichkeit, daß er sogar ihre Verlobung mit seinem besten Freund begünstigt. Als er aber eines Tags von einer Reise zurückkehrt, zeigt sie ihm ein andres Gesicht. Ihre Sinnlich- kcit ist erwacht, sie ist Weiv geworden und mm Ivird er von einer glühenden Leidcm'chaft gefaßt. Er gönnl sie scinrni Freund nicht und wird in seiner wahnsinnigen Eifersucht zum Verbrecher. In einer bösen Nacht stürzt er ihn zum Fenster hinaus. Bei der Unter- snchnng, die nun geführr ivird, sällt auf ihn kein Verdacht. Man glaubt' an ciiien Selbstmord, begangen im Zustand hoch- gradigcr nervöser Erregung. Die verlassene Braut ist zunächst irostlös, später aber stellt sich hcrans, daß sie ihren Jugendfreund, den Mörder, glühend liebe, vielleicht immer geliebt hat. Das ist mir bei der geschraubten Art des Ganzen nicht recht klar geworden. Kurz: sie heiratet ihn. Er aber ivird seines Glückes nicht froh. Selbst in den heißesten Stunden quält ihn die Enmicrimg an seinen Freund. Er tan» nicht leben, ohne sein Gcivissen durch ein Geständnis zuj erleichtern. Er gesteht also, nnd seine Frau zieht sich' ciilsetzt vo» ihm zurück, indem sie klagend den Rainen' ihres ersten Verlobten nnirmelt. Darüber crivacht in ihm die alte Leidenschaft. Der Gedanke, daß sie seinen Freund am Ende noch immer liebt, macht ihn zur Bestie. Er vergeivaltkgt sie. Als er später in seine Wohnimg zurück- kehrt, hat sie sich erschösscii. Er aber, der eine zähe Natur zn sein scheint, Icbl iveitcr„ivie eine Maschine, die gut in Stand gehalten ist mid von selbst ftrnktioniert." Im Verhältnis zn den aufgebotenen krassen Mitteln ist der künstlerische Inhalt des Buch? entsetzlich armselig. Außerdem widert cS durch seine theatralische Uiniatnr an. 7» Geographisches. en. Neue II n t c v s Ü ch»» g e n von Salzseen hat ei» russischer Geograph I g n a t o f f in> Gonvenienient Akuioliiisk iui ivcstliche» Sibirien uiiternounneir Die dortigen Salzseen zeigen manche Eigenschaft, die sie als besonders nicrklvürdigc Gebilde er- scheinen lassen. Zunächst erforschte Ignatoss de» See Kysyllak, der eine Länge von IS und eine Breite von IL Kilonietcrn bcsi�t rnid viel Salz enthält. Seine Oberflächentemperatur»st hoch, da sie zwischen 20 und 27 Grad schwanlt, ivährcnd am Boden die Temperatur noch um 7 Grad höher war. Die umwohnenden Kirgisen behaupten, was»ach diesen Thatsachen gar nicht wunderbar erscheint, dag dieser Sc« selbst bei der strengsten Winterkälte niemals gefriert. Dazu besitzt der See eine blnstrote Farbe, die von einer grohcn Zahl kleiner Krebstiere herrührt, mit denen das Wasser reichlich bevölkert ist. Die Stellung diese« Salzsees wird noch merkwürdiger durch dei« Ilmstand, daß in nächster Nähe»nchrere Süstivasserseen bestehen, von denen einige mehrere Kilometer nn Durchmesser haben. Wie diese in dem abflnstloscn Gebiet ihr Wasser süfj zu erhalten vermögen, ist ganz»»erklärlich, nian miijzte denn der sonderbaren Anitahme stattgeben, das; das Röhricht an den Ufern das gesamte im Wasser enthaltene Salz verbraucht: diese Pflanzen sind allerdings stark salzhaltig. Der zlveile voir Ignatoss untersuchte See, der Selcly- Dengis, ist bedeutend grösser als der vorige, enthält aber«veniger Salz. Die Tcinperatur ist an der Oberfläche fast dieselbe«vie dein» Kysylkak. Der Boden ist übersät mit fanlcnden, organischen Resten, von denen fortgesetzt Blasen von Schivefcllvasserstofs aufsteige». Trotzdem vermögen auch in diesem Wasser Krebstiere ihr Leben zu friste«», während sonst die Eiilivicklnng von EchlvcfeNvasscrstoff in der Natur der Tierivelt durchaus feindlich ist. Der dritte See. Tele, hat eine Länge von 1l7 Kilonietcm bei lg Kilometer Breite nnd besteht anS einer starken Salzlauge: dennoch leben ckuch hier einige Arten von Knistern. Eine Abnahme der Rassennenge durch Ver- dunstung,«vie dies in den andern geuauuteu Seen zu beobachten ist, scheint hier nicht stattziisiadeu. Ganz im Gegensatz zu der»»- geivöhnlich hohen Tcmperatnr, die am Boden des Kysylkak fest- gestellt«vurde, ist hier der Boden schon liö Centimeter nnter der Oberfläche in einer geographischen Breite von nur SS Grad dauernd gefroren.— AnS dein Tierleben. — Der afrikanische Maden Hacker«vilrde bisher als Befreier der Rinder von Schinarotzerinseltcu für eil» so nützlicher Bogel ge- halten, daß man ihm auf der kürzlich abgehaltenen ilitcrnatlonnlcn Konferenz zur Erhaltung der ivildci» Tiere Afrikas besonderen Schutz zuerkannte. Eine von Prof. Ray-Laukaster iir der.Natu«' veröffentlichte Znschrist von Kapitän H i n d e zeigt nun aber,«vie dieser Vogel infolge einer plötzliche», durch den Menschen veranlagten Aendernng seiner LebeuSbeoingniigeil in Ostafrika zn eine»» gefährlichen und schädlichen Gelchöpf gcivorden ist. Hiude schreibt, das; der Madenhacker sich m Ostafrika früher von Zecke»» und ander» Schmarotzern ernährt habe, die Wild»nid Hanslicre befallen: gc- legentlich hätten die Vögel,»venu ein Tier ein Geschivür halte, dieses so gründlich sondiert, das; das Tier dadurch getötet«vnrde. Seitdem die Rinderpest die grossen Heerde» in Nkambani vernichtet hätte,»md fast alle Schafe und Ziegen ivährcnd der letzten Hungersnot verzehrt worden«värc», seien die ihrer Nahrung beraubte«» Vögel zn Fleischfresser«» getvordei». und jetzt«verde jede? nicht forttvährend belvachte Tier von ihnen getötet, vollständig gesnilden Tieren«vürdc» die Ohre» bis ans den Knochen abgefressen»nid in den Rücke»»nid die Oberschrnkelgegcnd Löcher geriflcn. Die eiiigeboreucn Knaben belustigen sich zmveilei» damit, nach den ans den Rindern sitzeilden Vögeln»nit Pscilcn zu schieisen. deren Spitze auf etlva Vt Zoll durch«in Stück Holz oder Elfenbein gesteckt ist, fo dast, wem» daS Rind statt des Vogels getroffen«vird, »hm kein Schade geschieht. Die wenigen Vögel, die so getötet»verde», scheinen die Zahl dieser Plagegeister durchaus nicht zn vermindert». Hindc pflegt bei seine» cigenen Tieren, lveini ihnen ein Loch ins Fleisch gefressen worden ist, Jodoform in die Wunde zn streuen; sie«vird dam» in der Siegel von den Vögeln geiniede». oder diese werde«», wen» sie sie doch«vieder angreifen, sogleich schlafjüchtig»md können leicht gc- tötet werden. Das Siittel ist aber zur Beseitigung der Plage nicht sehr«virksam»ud ausserdem sehr teuer. Vor drei Jahren berichtete Kapitän Hiude bereits, dasj die Madenhacker die Jsolirnng der Tiere bei der Rinderpest in einigen Bezirke»«virkmigslos»lachen, da sie die AnstccknngSkeinie auf gesniide Tiere übertrugen. Er hat übrigens die Vögel nie ans den groben Wildherde» in den offene» Ebenen, wohl aber ans Antilope» und Nashörnern in der nnmiltelbarcn Nachbarschaft der Masaidvrfcr n»d auf Rindvichherden gesehen.— Technisches. — Mit der Legung des ersten nnterseeischen Telegraphenkabels»vnrde an» 28. Augnst 1850 begonnen. Der Plan, England»nit den» enropüischei» Kontinent durch ein Tele- graphcnkabel zu verbinden, datiert vmn Jahre 1840, in welchem Jahr Wheatstone dem englischen Unterhanse einen Entlvnrf zn diesem Unternehinei» vorlegte. Die Möglichkeit, nnter Waiser zn telegra- phiercn«var durch die 7000 Fuss' lange Leitung, die ein Jahr früher O'Shaughiiessy. der Chef der elektrische» Telegraphic in Indien, in» Hngky, einen Rebenflnb des Ganges, versenkt hatte, bewiese». Der AnSfnhrimg des Wheatstoiieschcn Plan« gingen erst noch eine Aiizahl andrer Versuche voraus. 1312 legte Morse iin Hafen von Ne>v Jork ein Kabel von Castle Garden»ach GovernvrS Island. Schon daiiials lvnrde von Morse eine snbniarine Knbelverbindnng EnrvpaS mit Amerika durch den Atlantischen Ocea» angeregt. 1345 legte Ezrei Cornell zlvei mit Banmlvollc»innvickelte. durch Kantschnk isolierte»md durch Blcihnllen geschützte Drähte in der Nähe von Nclv Kork durch den Hudson. Im folgende» Jahre verband Professor Haff iin Hafen von Portsinonth zivei Schiffe telegraphi'ch mit dem Lande und legte sodann in demselben Hafen ein längeres Kabel von Watering-Jsland bis zur Insel Wight. 1843 legte Siemens eine Leitung durch den Rhein von Deutz nach Köln, nnd Arnistrong eine mit Guttapercha isolierte dilrch den Hudson. Einen ebensolchen Draht von zlvei Meilen Länge versenkte mit Erfolg 1349 Walker, der Direktor der englischen Siid>vest-Eise>ibabn. bei Dover im Hafen von Folkestone. Damit Ivar die Verlvendbarkeit der Gilttapercha als ei» in jeder Beziehung vortreffliches Jsolations- mittel belviesen, und der Ausführung größerer Kabel stand nichts mehr im Wege. I. Brett»ahn» Wheatstoiies Plan, England mit Frankreich durch ei» Kabel z» verbinden,«nieder ans. DaS Seekabel, das eine von»hm in Paris gegründete Gesellschaft aiifertigen ließ, bestand ans 1.8 Millimeter starke», Knpserdraht»nid «var durch eine 5 Millimeter dicke Gnttaperchaschiiht isoliert. Die Küstenkabel«varei»»nit Blrihüllen«nigeben. Das Kabel «vnrde von dein Raddampfer„Goliath" am 28' August 1350 ohne lllifall inncrhalb zeh«» Stunden zlvischen Dover und dem Kap Griz Nez an der französischen Küste versenkt. Der Versuch«var geglückt. Das Kabel fnnklioiiicrte ausgezeichnet. Wenn es auch am nächsten Tage den Dienst»vieder versagte,«veil der felsige Boden an der französischen Küste die Guttapercha abgescheuert hatte, so«var doch der Beiveis geliefert, daß nach Beseitigung solcher leicht zu ver- hütenden llebelstände über«veite McercSstrecke» hinweg telegraphiert «verde«» konnte. Bald war das Kabel durch ein neues, ununterbrochen gut fniiktioniereiideS ersetzt.— Notizen. — Das Schi II« r-TH e a t e r«vird am 1. September»nit„Faust" erossiiet, der fast ganz unverlürzt an vier Abenden nnsgefiihrt «verde«» soll, nnd zlvar so, doß der erste Teil die beide» ersten, der z>v e i t e Teil die beiden n>«dren Abende füllen«vird.— — Das„Deutsche Theater" gicbt in der neuen Spiel« zeit ei» Abonnement z» ermäßigten Bedingnngen aus,«velches zum Besuch von 40 Donnerstagsvorstellniigen berechligt; die erste dieser Verstellungen findet am 0. September statt.— — Die Berliner Sezession Sbiihne eröffnet znifleich n»it den Borstellmigen an» 15. September in den Theaterräinnen eine«» ständige» K u u st- und L e s e> a l o n.— — Webers„Freischütz"«vnrde kürzlich in Lissabon zum erstenninl mit sehr großem Erfolg anfgesührt.— — Der Nachlaß des K o»» p o>» i st e n M i l l o ck e r be» trägt,«vie in de» HiiitcrlaffenschaftSverhandluugen festgestellt«vnrde, ohne die noch zn erlvartciidei» Tantiemc». gegen 750 000 Kronen.— — Ein Opernsänger von» Sommcrthcater in Posen beabsichtigt, den Kritiker einer Posener Zeitung Ivegen B e rn ss st ö r n»» g zn verklagen,«veil dieser ihn cincn„stimmlich«veniger begabten Säuger" nannte.— — Am 45. Beobachtnngsabend des„Vereins von Freunden der Treptolver Steriiivarte", Mittwoch, den 29. August, abends 8 Uhr, spricht Direktor Archenhold nnter Vorführung zahl- reicher Lichtbilder über ,D i e A st r o n o n» i e b c i d e n E h i n c s en". Bon 9— 12 Uhr nnchls«vird der große, in der Mitte stark verdichtete, «veit nnSgedchnte Sternhaufen im PcgasnS mit dem Riesenfernrohr beobachtet.— — Ein internationaler Kongreß zur Förderung der M e c r e s f o r s ch n n g«vird auch in diesen» Jahre im Oktober in Chrisiiania abgehalten werden.— — Von den durch Prof. Peter in Göltingen beschafften Alpen- pflanzen ist,«vie man der..Voss. Ztg."»nitteilt, der größte Teil ans das unter seiner Leitung stehende Versuchsfeld n u f d e»»» Brocken gesetzt worden, nn» die dortigen Bcetknltnren zn ergänzen »md zu enveitern. Mehrere tausend Radelholzbäimichen solcher Arten, die sich bei den Versuchen ans den» Brocken als für rauhe Gebirgslagen passend crlviesei» haben. ivurdeu aus geeigneten Fläcbcn beim JakobSbruch am Brocke» nnd n»f den» Königsberge forstmäßig an- gepflanzt. Die schon vor einem Jahre ans den» Brockel» begonnenen Kulturen»nit Kartoffelsorten für ranheS Klima fanden auf dem ge- pachteten Landstück bei Brannlage ihre Fortsetznng.— — Im Johcnmisbnrger Kreise(Ostpreußen) befinden sich einige Dörfer, die n u r russische Bevölkerung haben. Die Rnsiei» haben sich zur Zeit des Großen Kurfürsten hier angesiedelr. Sie find zlvar naturalisiert, haben aber russische Sprache»md Sitten voll- ständig bewahrt. Eine nachahnnmgsiverte Sitte ist das BadebanL,. da? sich in jedem Dorfe befindet nnd von jedem«vöchentlich mindc- stens eiunial benutzt ivird. In dem furchtbar erhitzten Rannte»vird der 5körper erst zu»« Schwitzen gebracht und dann mit szetrocknetcn Birkenruteu, die vorher in kochendes Wasser getaucht sind, gepeitscht,' «voraus man mit kaltem Wasser übergösse»«vird.— Veranttvortlicher Redacteur: Wilhelm Schröder i» Wilu»«rödors. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.