Anterhaltungsblatt des Forwärts Nr. 170. Dienstag, den 4. September 1900 (Nachdruck verboten.) 281 Dio F-anfaro. Roman von Fritz Mauthner. xm. Der erste Januar war für den alten Mettmann seit dem Morgen so recht ein Tag nach seinem Herzen: Thätigkeit, Erfolge, Aufregungen und Anlässe genug, seine unklare Philo- sophie der Menschenverachtung zu kräftigen. Da war gleich beim Frühstück die erste Nummer des Blatts, die ganz nach dem Geschmack des Herrn Pinkus eingerichtet und ge- schrieben war und den Ton für die kommende Zeit anschlagen sollte. Ja, Pmkus schien wirklich berufen, überall da die leitende Stelle einzunehmen, wo der Geschmack des Publikums voraus erraten werden mußte. An der Spitze des Morgenblatts stand em würdiger Leit- artikel aus Bodes Feder, dann folgten entsetzlich kriegerische, mit auffallender Schrift gedruckte Berichte aus Konstantinopel und Paris, im Vörsentcil wieder wurde zur Festigung der 5turse die Kriegsfurcht überlegen belächelt. In den kleinen Stadt- Neuigkeiten war unter Pinkus Einfluß ei» blasierter Witz ein- geführt, der über einige Selbstmorde nnd Verbrechen überlegen die Achseln zuckte, als über Dinge, welche die übersättigten Abonnenten des Morgeublatts nichts angingen. Doch der Triuniph der heutigen Nummer war das Feuilleton. Nicht weniger als fünf kleine Notizen über das Privatleben der Bühuenkünstlerinnen hatte Herr PinknS auf- getrieben. Er hatte unter den Opfern vorsichtig solche Damen gewählt, die keinen Offizier zum besonderen Freund und Be- schützer hatten. Er hatte kleine Skaudälchen gefunden, deren Veröffentlichung den Danren nicht einmal unlieb und unwillkommen war. Mrttmann fand die Notizen gut, und er war entzückt von Bodes erstem„Brief ans Italien-; vor allem aber von der kleinen Fcstplauderei, die Frau Leontine und Herr Pinkus mit dem Witzred actcur des Blattes zusammen- gestoppelt hatte»!. In Bodes Brief witterte der Verleger den lang- geträumten, günstigen Erfolg. Schon daß er den Inhalt nicht recht verstand, steigerte seine Meinung. Aber was waren diese Herren gegen eine geschickte Mit- arbeiterin l Der giftige Satz der Frau Leontine war in eine Tändelei von vollendeter Harmlosigkeit eingebettet. Milde und ruhig war zuerst dem hungernden Volk zu Gemüt ge- führt, daß das größte sociale Elend nicht bei ihm, sorrdern bei den aniren Mädchen von Adel zu finden sei. Mit beliebten naturalistischen Wendungen»vurde erzählt, wie entwürdigenden und ungenügenden Erwerb diese wohlerzogenen Mädchen suchen müßte,», sei es, um das glänzende Elend ihres Hauses weiter zu fristen, sei es einfach, um ihren Hunger zu stillen und ihre Blößen bedecken zu können. In den Nacht- cafös der Fricdrichstraße könne man recht viele ju»rge und sogar hübsche Trägerinnen adliger Namen rufen hören. Und mitten in dieser Gesellschaft war von den hübschen Malermodellen die Rede. „Dieser Beruf macht seine Priesterinnen leider gesell- schaftlich unmöglich, wenn auch im Priucip gegen die Tugend eines Modells nichts einzuwenden fft. Nur die Not dieser Aernisten der Armen ka»m es erklären, daß wir zun» Beispiel am Eröffnu»»gstage der Winter-AuSstellung das hübsche Fräulein von H. in der einfachsten Toilette ihres Schlaf- ziinmers bewundern konnten. Ein glücklicher Zufall hat es dem Modell erspart, täglich aufs neue erröte» zu müssen, denn ein reicher Verehrer, Herr von H., hat das berühmte Bild entführt und Niahrscheinlich in seinem eignen Schlaf- zimmer a»»fgchüngt. Er hat wohl zu diesem Gebrauch eines seltenen Kunstwerks ein gutes Recht, dem» Fama erzählt, daß das arme Modell seine Braut geworden ist. Nicht alle armen Mädchen vom Adel enden so gut." Dalm gii»g es noch ein Weilchen weiter über Kunst- stickcrinnen und Theaterfigurantinnen, über allen Enverb junger Mädchen,»velche von Herren, von wirklichen Brotherren, ab- hängig sind. Nur ein geübtes A»lge konnte erkennen, daß die ganze Plauderei uin der»venige»! Zeilen»Villen dastand. die Fräulein v. H. betrafen. „Wenn die Frau kein Geld hätte, müßte sie eine furcht- bare Gegnerin sein." dachte Mettmann; dann empfahl er seinem Sohn, der eben von seinem Morgenspaziergang heimkehrte, die heutige Nummer des Blattes und ging ins Geschäft. Dort war es ihm eine wilde Freude, die Leute zu zählen, die sich herandrängten, um ihm Glück zu wünschen. Der Berg von Karten, den die Briefträger mit unterwürfigem Neujahrsdank auf seinem Schreibtisch gehäuft hatten, achtete er für nichts. 2>as war nicht mehr als ein Gruß auf der Straße, und er tvar es schon seit Monaten geivöhnt. zuerst gegrüßt zu werden. Nur die Menschen, die persönlich vor ihn hintraten, persönlich den Körper beugten und sich für das von ihm gespendete Geld bedankten, nur die schmeichelten semer Eitelkeit. Es ärgerte ihn ernstlich, daß nicht wenigstens eine der Neujahrskarten den Stempel Plötzensee trug. Und er ließ den ganzen Berg von Gratulationen von einem jungen Schreiber daraufhin durchsuchen» ob Doktor Bodes Karte nicht darunter sei. Die andern kamen vollzählig zur Gratulationscour. Die Angestellten der Aktiengesellschaft, der„großen" Fanfare, welche die Industrie für ihren Meister ausbeuteten und davon ihre großen Einnahmen bezogen, sie drückten dem Herrn Direktor die Hand und sprachen ihm ihre Bewunderung auS, als einem leuchtenden Vorbild ihrer zukünftigen Laufbahn. Die Herren aus der Expedition, welche den Geschäftsgang kannten, wünschte» dem Sieger Glück, dessen Bücher jetzt nicht mehr mit schmählichem Bankrott drohten. Die Unter« beamten der Druckerei, denen Herr Mettmann noch vor einem halben Jahr ihren Lohn nicht hatte pünktlich auszahlen können und denen mm eben erst wieder eine Ver- kürzung angezeigt worden war. stammelten ihren Gliickivunsch, und so finster auch ihre Gesichter dreinschauten, keiner von ihnen öffnete den Mund, um zu sagen:„Wir sind ehrliche Leute, Du bist ein Schwindler l" Und die Herren aus der Redaktion kamen Mann für Ma»m; ein jeder von ihnen hatte schon auf MettmannS Wuchersinn geflucht über seine ahnungslose Unwissenheit ge» lacht; aber einer nach dem andern wünschte Glück zu seinen Erfolgen. Und es kamen die Reporter und die freien Mit- arbeiter, welche die anständigen Besitzer und durchgebildete» Leiter der älteren Blätter kannten, welche ironisch die Streiche Mettmanns zur Fabel des litterarischcn Berlins machten, und sie krümmten ihren Rücken und fühlten sich sicherer, wenn Herr Mettmann ihre Hand wieder drückte. Mitten unter ihnen erschien der alte N, der berühmteste unter den lebenden Dichtern Deutschlands, ein Mann von der zartesten Fcinfühligkeit. Er»vünschte Glück. Mettmann�dankte mit seinem breiten Lachen und sagte nur: „Sie nehmen also an? Ich zahle ihm eine Mark und fünfzig Pfennig für die Zeile, meine Herren. Was würden Sie da Zeilen schindeul Nehmen Sie sich ein Beispiel an ihm, er hat's fast so weit gebracht als ich! Andre Zeitungen hätten ihm freilich nicht je vidi zahle» müssen." Pinkus wagte eine« Witz. „Seine Muse ist eine Katze im Sack." sagte er»nit einer Doppelverbeugung. Der Dichter ging erst nach einigen Winnie» fort nach« dem er das Geschäft mit dem Feuilleton der„Fansare" ge« sichert wußte. „Den hätten wir nun auch." sagte Mettmann und richtete sich hoch auf; seine Phantasie riß ihn fort. Sein Sohn war nicht da, er sah nur Leute, die er bezahlte; er mußte eine Neujahrsrede halten. Er forderte die Herren auf. ihn zu unterstützen, weil er mit seinem Blatte euunal alle 5t0llkurrenten überflügeln wollte. „An mir soll es nicht fehlen; ich will durch meinen Sohn die teuersten Maschinen aus Hnglmrd kommen lasten, nnd bestere Kohlen sollen Sie auch haben. Man verlangt beffereS Papier. Sie sollen es haben; man verlangt bessere Letter». ich will sie kaufen; aber dann müssen Sie auch besser schreiben, »neine Herren; glauben Sie mir. das Publikum»»erlangt es. ES soll am Gelde nicht fehlen; lassen Sie schreiben, von wem Sie wollen, von Prosefsorea und von Generaleu, von Lebendigen und Toten, nur machen Sie mir ein gutes Blatt Ich will so viel Abonnenten haben, daß ich mehr verdrucke als meine ganze Papierfabrik zu liefern im stände ist. Ich will, daß meine Konkurrenten alle ihre Dichter und ihre Redacteure, ihre Abonnenten und ihre Inserate an mich ab- geben. Ich will das Zeitungsmonopol für mich." Und wieder ertönte sein krachendes Gelächter. „Meine Herren, gehen Sie an die Arbeit, und nehmen Sie sich die heutige Nummer zum Muster!" Nicht ohne Grund fühlte Mettmann sich so gehoben: heute vor einem Jahre überlegte er zwischen den mürrischen Glück- wünschen seiner Leute, ob er seine Zahlungen einstellen sollte oder nicht. Jetzt war er durch, wenn die Lage des Blatts auch lange nicht so glänzend war. wie er des guten Beispiels wegen seine Leute annehmen ließ. Doch gerade heute führte der Zug plötzlich lebhaft nach oben. Viele neue Abonnenten waren von den Zeitungs- Händlern angemeldet worden, weitaussehende Inseraten- Auf- träge waren von der Aktiengesellschaft„Fanfare" der Zeitung zugekommen und nun begannen in der ersten Stummer die italienischen Briefe Bodes. Die Witterung des Erfolgs war bei den Leuten vom Fach allgemein: fast jeder der Gratulanten hatte ein Wort über den ersten Brief zu sagen. Daß man in den andren Redaktionen sich darüber unterhielt, das war am Ende kein großer Gewinn; aber die Reporter wußten Besseres zu er- zählen. Man sprach von dem ersten italienischen Brief in den Bierhäusern und in den Pferdebahnwagen, man zeigte einander die Nummer des Blattes und citierte einige Worte, man kam sogar aus der Druckerei der„Fanfare" selbst in die Expedition, warf dem Kassierer einen Groschen hin und kaufte das eigne Blatt. Die Setzer wollten lesen, was sie gestern Nacht in der Eile übersehen hatten. Die persönlichen kleinen Bosheiten, welche Bode in seiner Zelle nieder- geschrieben hatte, weil Käthe sie doch nicht verstehen würde, waren für die Leser der„Fanfare" ein Vergnügen und ein Skandal zugleich. Aber auch die weiteren und gebildeteren Kreise, die sich selbst gern„ganz Berlin" nannten, fanden Geschmack an so gepfefferter Kost. Gegen Mittag wurde das Rauschen des Erfolges stärker. Aus Negierungsgebäuden und aus Palästen wurde des Bodeschen Briefes wegen um das Blatt geschickt. _ Es war geschehen. Leute, welche sonst die„Fanfare" nicht zum Einwickeln ihrer Stiefel hätten benützen lassen, wie Gottlieb Mettmann sagte, nahmen es heute in die Hand, um es zu lesen. Mettmanns rege Phantasie verfolgte die Augen der Minister und der Finanzfürsten über jede Spalte des Blatts bis zu der letzten Zeile: für Druck und Verlag Gottlieb Mettnmnn. Bevor er seine Schreibstube verließ, war der Sieg ent- schieden. Erst von der freundlich verwalteten Seltcrbude an der Potsdamer Brücke, dann von einem Händler Unter den Linden und endlich von allen Seiten kamen die Nach- bestcllungen auf die heuttge Nunimer. Es mußte eine neue Auslage gedruckt werden, der Erfolg war da. lFottsetzung folgt.) Vev Vund dev Fugend. lLessing-Theater.) Der RechtSanIvalt Stensgard ist ein strebsamer und uner- schrockener Mann. Das, loas nian so gemeinhin.Gewissen" nennt, besitzt er nicht. Natürlich lächelt er mich mitleidig über.Grundsätze", die nach seiner Ansicht«ine komische Beschränktheit unsrcr Lltvorderen sind. Nicht als ob er Grundsätze nicht zu schätzen wüßte — durchaus nicht. Er kann sie bei seinem Handwerk sogar in keiner Weise entbehren: sie sind das wichtigste Mittel seiner Carricre. Nur daß er nicht starrer Dummkopf genug ist, sich an bestimmte Grundsätze zu halten. Er umsaßt alle Grundsätze, die es zwischen Himmel»nd Erde giebt, mit gleicher Liebe. Er schwört heute zur politischen Linken, um morgen, wenn es sein Votteil fordert, als konservativer Mann die„maßlose Neuenuigssucht" unsrcr Zeit zu beklagen. Er ist heute Republikaner, um morgen tvie ein Kavalier aus den Tagen des Rokoko die lvüste Formlosigkeit der modernen Jugend zu bedauem. Herr StenSgard kann sich eben alle Grundsätze aneignen, iveil er keine hat. Er will ins Parlament, will in eine reiche Familie des Landes hineinheiraten, und ivill es doni Parlamentarier zum einflußreichen Staatsrat bnngen. Das ist sozusagen sein Programm, die„Weltanschauung", für die er länipft, die einzige.Ueberzeugung", der er niemals untreu wird. Als er sich in einem Distrikt des südliche» Norwegens niederläßt, »erstlcht er zunächst in die älteste und einflußreichste Familie der Gegend einzudringen. Er läßt eS sich nicht verdrieße», ztveimal seine Karte abzugeben, um zlveimal nicht empfangen zu werden, weil man ihn dem alten Kammerherrn— dein Haupt der Familie— als Streber und Glücksritter geschildert hat. Natürlich wird Herr Stensgard nunmehr ein über» zeugter Patteigänger der Opposition, wobei gleich bemerkt werden niag, daß es sich iveniger um politische als vielmehr um lokale Opposition handelt. Der Kammerherr ist der Magnat der Gegend, gegen den sich ein Angriff von Spekulanten verschworen hat, nicht ans politischen Gründen, sondenr weil sie selber etwas fischen möchten. Dieser Gruppe, deren Haupt ein gewisser Monsen ist, schließt sich Stensgard an. Bei einem Gartenfest zu Ehren der norwegischen Bersassung springt er auf den Tisch und hält eine flammende Rede gegen den Kammerherrn. Der Kammerherr kommt während der Rede gerade hinzu und da Stensgard von einem Alp spricht, der ans der ganzen Gegend lastet, glaubt er nicht anders, als daß er sich gegen die drohende gcschäst- liche Krisis wendet, die durch Monsens unsolide Spekulationen hervorgerufen ist. Und diesen intelligenten, jungen Menschen hat man als einen.Glücksritter" bezeichnet und er hat ihn zweimal ab- gewiesen I Oh I Der Kammerherr ist ganz indigniert. Um sein vermeintliches gesellschaftliches Versehen wieder gut zu machen, lädt er den Rechtsanwalt am nächsten Tage zu einem Diner ein. Stensgart glaubt selbstverständlich, daß der Kammer- Herr vor seinem neu gegründeten„Bund der Jugend" Furcht hat, nimmt aber die Einladung an. Wie er nun in dem reichen Hause nnt ausrichtiger Liebenswürdigkeit ausgenommen tvird, ändert er seinen Plan, beschließt sofort de».Bund der Jugend" zu verraten und sich an den Kannnerherrn zu halten, der schließlich doch über den solidesten Geldschrank verfügt. Bei einem Pfänderspiel tvird bestimmt, daß er eine Rede halten muß, um sein Pfand einzulösen. Ein aller Jntriguant, der an kleinen witzigen Bosheiten seine Freude bat, giebt ihm den diabolischen Rat, bei dieser Gelegenheit sein Versehen vom Tage vorher gut zu machen. Stensgard ergreift die scheinbar so günstige Gelegenheit mit dem ganzen Eifer des Nenbekehrten. Er hält eine glänzende Rede, in der er ausfübtt, tvie töriibt er gelvesen sei, als er gestern in so unüberlegter Weise den Kammerherr» angegriffen habe. Natürlich erfährt dadurch der Kammerherr erst den eigeirt» lichen Sinn der Versammlungsrede und die beiderseitige Freundschaft nimmt ein sehr jähes Ende. Ebenso natürlich läßt Herr Stensgard sich keinen Augenblick i» Verlegenheit bringen; er schlagt sich einfach zur Opposition und versucht durch Drohungen seine Zivecke zu erreichen. Er hat die bodenlose Frechheit, am Tage nach dem Diner um die Hand der Tochter des Kammer- herni anzuhalten, und erklärt bei dieser Gelegenheit, daß der Kammer« Herr ihn haben könne, tvie er ivoflc— als Freund oder als Feind. .Man kann ihm einc gctvissc Offenherzigkeit nicht absprechen", bemerkt der Kammerherr nach dieser Scene und charakterisiett damit Stensgard als einen jener Streber, die ihr Handwerk mit einem gewissen cynischen Gaunerhumor treiben. Etwa als würden sie von dem Gedanken geleitet:.Thnt nicht so fromm, meine Freunde. Ihr handelt ja zu 9/io aus denselben Motiven, Ivie ich. Nur daß ich offen bin und auf die ganze Sache pfeife." Es würde zu weit führen, die vom Dichter ersonuene Jntrigne in ihren einzelnen Fäden zu verfolgen; nur so viel: Herr Stens« gard hat die besten Anssichten, ins Parlament zu kommen. Die Stimmung der Wähler ist entschieden für ihn. Nur daß ihm leider der Grundbesitz fehlt, den er verfassmigsmäßig haben muß. Er be- ginnt»im eine ivilde Jagd nach einer guten Pattie. Er rechnet bald mit der Tochter des Kammerherrn, bald mit der Monsens und bald mit einer schon recht ehr- würdigen Witlve, die eine einträgliche Gastwirtschaft be- sitzt. Die geschäftliche Krisis, die in der Gegend im Anzüge ist, scheint bald diese und bald jene Familie zu bedrohen. Je nach diesen tvechselnden Aussichten wechselt auch stets Stensgards Liebe mit einer nnheinilichen Sicherheit, woraus sich denn zum guten Teil die komischen Wirkungen des Stücks ergeben. Stensgard bleibt schließlich der Dupiette. Sein Schwanken bringt cS mit sich, daß ihm anr letzten Ende alle Partien eikfgehen. Nicht einmal die bereits eüvas ehrwürdige Witwe erhält er. Mit einem Lachen über den betrogenen Betrüger entläßt uns der Dichter. Ganz allgemein fällt zunächst der Einfluß der französischen Koniödie auf. Von der gerananischen Charalterkmist, zu der Ibsen später vorgedrungen ist, merlt man in dem Stück wenig. Die Gestaltungskraft ist jedenfalls nicht stärker, als sie in guten französi- scheu Komödien eben auch ist. Die französische Technik hat Ibsen eigentlich sein Leben lang beibehalten, wenigstens spielt sie auch in seinen späteren und bettihniten Stücken eine große Rolle; hier aber dichtet er schlechthin im G e i st der französischen Komödie. Ich Ivenigstens hatte den ganzen Abend den Eindruck, als hätte, von einigen Aenßerlichkeitcn abgesehen, ebenso gut der Nanie etwa Augicrs auf dem Zettel stehen können. Auch die Jntttgue ist durchaus französisch ersonnen und gefühtt. Vielleicht hat es doch nicht wenig zu den internationalen Erfolgen Ibsens beigetragen, daß er für seine nenen künstlerischen Ideen eine sozusagen populäre Technik wählte, daß er nenen Wein in alte Schläuche gotzi Er hatte viel Neues und Bedeuteudes zu sagen, was naturgemäß verstimmen mußte, aber er sagte eS wenigstens in einer Theaterfprachc, die man kannte und deren Granmiatik in allen Schulen gelehrt wurde. Im.Bund der Jugend" ist wie gesagt nicht nur die Technik französisch, französisch ist auch die ganze Art der Betrachtung und Darstellung. Hjalmar Ekdal i» der.Wildente' ist die Schöpstnig eines grandiosen satirischen Hninors. Im.Bund der Jugend" finden wir Esprit, bczaubenide». gallischen Esprit, aber eben doch nur— Esprit. Wie sehr eS mehr auf geistreiche Anmerkungen und blitzende Seitenhieb« ankam als auf wirklich gestaltende Satire, beweist an, besten die Figur des konnscben Helden. Stensgard ist schlecht und recht eine Figur des Salonstücks im, letzten Grunde ohne eine Spur von wirklichem Leben, geschweige denn von satirischer Tiefe. Im wirklichen Leben läßt fich kein Streber, am wenigsten ein so abge- brühter, mit einer derartigen taschenspielerhaften Gefälligkeit hinters Licht führen, wie es hier lediglich und ausschließlich im Interesse der Theaterintriguen geschieht. Wenn Stensgard etwa Peterso» hieße und in der Karl-Johann-Straße Nr. 12 in Christiania wohnte, würde er die Finanzen der Familie, in der er Hineinzuheiratens beabsichtigt, besser kenne», als daß ein rhm zugewehtes Wort eine Aendening seiner Dispositionen ver- aulassen könnte. Er würde dann auch zu vorsichtig sein, um seine geheimsten Absichten einem Manne auszuplaudern, in dem von vorn- herein selbst der mittelmäßigste Theaterbesucher de» Feind erkennt. Er hätte vielleicht die Tochter des Kammerherni verspielen können, aber die bereits ehrwürdige Witwe mit der Gastwirtschast hätte er sicher bekommen und wäre ebenso sicher Parlamentarier, am Ende auch Staatsrat geworden. Stensgard ist ein Lustspiel- streber, der eigens zu diesem Zweck ersonnen ist, in bequemer Weise lächerlich gemacht zu werden. Kein Mensch fühlt im Verlans des Abends etivas von dem Ernst deS Stoffs. Kein Mensch glaubt auch nur einen Augenblick, daß diese Sorte von Strebern einein Lande gefährlich werden kann. Nun sind aber Streber wirklich gefährlich und somit unterschlug Ibsen de» Teil seiner Aufgabe, der allein «in Vorivnrf großer Kunst gewesen wäre. Wir Deutsche besitzen ein Buch, in dem die Stensjöard und Konsorten satirisch durchgehechelt find, ohne daß die Tragik verloren gegangen wäre— ich meine Kellers„Martin Salander". Man braucht nur an dieses Buch zu denken, um das Thcaterhafte im.Bund der Jugend" mit Händen z» greifen. Natürlich soll mit all dem nicht gesagt sei», daß uns die Aufführung nicht gefreut hätte. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Einmal war es außerordentlich interessant, den Ibsen zu hören, der seine eigne Sprache noch nicht gefunden hat, und dann haben wir es ja, wenn auch nicht mit einer dramatischen Dich- tung, so doch mit einem ungewöhnlich geistvollen Stück z» thun. Fraglich bleibt nur, warum Reumann-Hofer»nS das Stück in den Tagen der noch nicht ganz erwachten Saison brachte. Es wäre später besser am Platz gewesen. Im Vordergrund der Darstellung stand Hubert Neusch, der den Stensgard mit einer unendlich liebenswürdigen und unendlich einfachen Kunst spielte. In N c u s ch hat das Lcssing-Theater eine» Schauspieler gewonnen, dem wir sehr gern wieder begegnen und zwar um so lieber, je bedeutender die Nolle ist, die er darzustellen hat. Er war Berlin und Deutschland lange untren. Hoffentlich bleibt er jetzt bei uns. Nicht nur das Lcssing-Theater, sondern. die Berliner Kunst Überhaupt kann ihn brauchen. Adolf Klein spielte de» norivegischen Kammerhcrrn wie einen englischen Lord und spielte diese falsche Anffassiing überdies noch mit einer außerordentlich un- angenehmen Deutlichkeit. Er unterstrich in einer Weise, die für die Intelligenz der Besucher eine Beleidigung war und schauspielerte dabei so recht nach der Kunst. Herr Joseph Klein hatte keine Gelegenheit, von den» Talent Gebrauch zu machen, das er in Fuldas„Sklavin" gezeigt hat. Die weiblichen Rollen waren neben- sächlicher Art.— Erich Schlaikjer. Kleines Feuilleton. — Tic Drachen steige». In der„Breslaiicr Zeihuig" finden wir nachstehende Immige Plauderei: Die Zeit hat fich erfüllt, der ztveite Grasschnitt ist vorüber, die. Zugvögel folgen der Sonne nach südlichen Breitegradcn. Wer einen Drachen sein eigen nennt, läßt ihn jetzt steigen. Ausdrücklich sei bemerkt, daß wir nur Papier- brachen meinen. Man kann»virklich in seinen Ausdrücken nicht vor- fichtig genug sein, und besonders»nit dem schönen Geschlecht soll man eS nicht verderben. Zivar weiß jede kluge Frau und jede ge- scheite Schwiegermutter, daß Männer und Schiuiegersöhne, die während der Ferien ihre Drachen steigen ließen— sei es auf die Koppe, oder auf die Hochalpspitze— nicht von der schlimmsten Art find, da sich neckt, Ivos sich liebt— doch»vir reden trotzdem nur von Papierdrachen. Ein heißer Wind geht unsanft über die Stoppeln und die Sturzäcker; der Himmel hat sein lichttrunkcues Sommerbla» verloren, er ist anders gcivorden, und doch läßt sich die Aendening schlver oder gar nicht beschreiben. Der Blick kann freier zur Höhe schauen als in den Tagen der Aehrenblüte, des Reifens und der Ernte; auch ist die Luft durchsichtiger geworden, da die flutenden Lichtmafsen der hochstehenden Sonne das Auge weniger blenden. Ruhig kann eL die papierenen Gebilde verfolgen, die gelassen hoch oben'im klaren Aether schwebe». Diejenigen, die den höchsten Fing nehmen und zuiveilen in Wolkenhöhe den»»ach Beute auslugenden Kondor gleichen, sind die guten alten deutschen, oder besser gesagt: schlcsischen Drachen; das fremde Gezcug. fei es chinefischeii, japanische», italienischen oder französischen Ursprungs, sei es Drache, Adler, Papagei, Taube oder Bär. vermag so hoch nicht zn steigen. Der schlesische Drache ist ein Produkt der Hausindustrie, aber keine Handels- wäre. I» der Siegel arbeiten Vater und Sohn gemeinsan» daran, und ohne daß fie physikalische, äronantische und meteorologische Kenntnisse besitzen, bringen sie ein Kiinstwerk fertig, das gewöhnlich schon— im Gegensatz zu dem Zeppelinsche» Lebenswerke— beim ersten Probestieg tadellos stmktioniert. Während im übrigen Deutsch- la»d die Form des Drachens vielfachen Aenderungen nnterivorfen ist, so daß er bald als runde oder längliche Scheibe, bald als Dreieck erscheint, bewahrt unser schlesischer Drache getreu seine alte bekannte Form, die ihm schon zu Urgroßvaters Zeiten eigen war. Einzelne Versuche, ihn anders zu gestalten, oder ihm durch Bildschinuck nud allerlei Zierrat ein vornehmes Aus- sehen zu verleihen, haben es zu keiner allgemeinen Geltung gebracht. Unser schlesischer Drache ist nur selten ein Knabenspielzeug; in der Regel gilt er als wertvolles Faniilienbesitztmn. Entsprechend der Kunst und der Mühen, die seine Herstellung verursacht hat, wird er vom Familienvater sorgsam gehütet. Am Sonntag zieht die ganze Familie hinaus ins Freie, und wenn ein Baby vorhanden ist,' tritt auch der Kinderwagen in Aktion. Butterschnitten werden eingepackt und Flaschen mit Kaffee und ein Fläschel mit etwas Gutem für den Papa werden mitgenonnncn ans die Wiese. Papa leitet die Operationen, die dem Aufsteigen des papiernen Ungetüms voraus- gehen; er leistet auch die hauptsächlichste Arbeit und ist dabei wahr- hast eifrig, als handle eS sich um die Loslassung eines Fesselballons zur Beobachtung der feindliche» Schlachtstellung. Er allein besorgt, sobald der Draihe'gen Himmel steigt, daS Abivickeln der Schnur, und er traut kemeni seiner Lieben die rechte Fähigkeit und die Kraft zu. den schivebenden Drachen an der Schnur festzuhalteii. Zu einer besseren Ansicht gelangt er erst, wenn er das Bedürfnis empfindet, sich ein wenig lang hinzustrecken, oder wenn fein forschender Blick in nicht allzu iveiter Entfernung eine Bierquelle entdeckt hat. In solchen Fällen gelangt dann sein lieber Nachwuchs zu den» ersehnten Glück, bei» Drachen halten zu dürfen. Die Mutter erhält das Aufsichtsantt, fie gelobt eS gewissenhaft zu ersüllen. Die Kleinen rechtfertigen daS in sie gesetzte Vertrauen, sie halten ab- wechselnd das im hohen Lnftstereich kämpsende papicrne Fabeltier herzhaft an, Bändel fest...— — Die rheinische Zwiebelkerb. Der„Frankf. Zig.' wird ans Boppard unterm 29. Angust geschrieben: Ein Jahrmarkt, der in den westlichen Provinzen wohl nicht seinesgleichen haben dürfte, — die sogenannte„gwiebelkerb"— wurde hier heute abgehalten. Seit Jahrhimdcrtcn deckt der n, ittelrheinische Hunsrücker, Wcsterwälder Bauer auf diesen» Jahnnarkt, der einen interessanten Beitrag zum Kapitel von den Voltsgebräuchen liefert, seinen Bedarf an Zunebeln. Während früher die zinn Verkauf gestellten Zwiebeln bis nach Bonn hernntergegange», wird heute Neuwied die Grenze bilden. Der Umsatz ist im Lans der Jahre zunickgegangeo, doch ist er auch jetzt noch recht bedeutend, er geht in die Tausende von Centnen». Der Markt wird in der Rheinallee abgehalten. In früheren Jahren ivar die Ankunft der Bauen, interessant. Eine ganze Flotille von kleinen Kähnen kam am Vorabend der Kirmeß den Rhein herauf, heute vereinige» sich die Ziviebelziichter nnd konmien mittels Dampfboot und mit großen, Schleppkahn. Schon früh morgens konmien die Kleinbauer« von den Höhen herunter, und vor acht Ubr schon beginnt der Handel, bei den, es oft so lebhast zngeht. als handele es sich»n, den Verkauf ganzer Bauernhöfe; doch tragen viele nur ihre 25 Pfund in, Säckchen auf die Berge. Gute Geschäfte niache» die anwesenden Korbhändler, da auf der Zlviebelkerb auch der Bedarf aii Körben für die bevorstehende Kartoffelernte gedeckt ivird. Das günstige Erntewetter hatte in diesem Jahre viele Landleute ziirückgchalte», iveshalb das Geschäft ein schleppendes war und der Markt nicht tvie sonst gerännit wurde. Die Preise schivankten zivischen 3,60 und 4,50 M. für den Centner. Daß zu Ehren des Zwiebelmarkts mancher Schoppen Landwein ge- stochcu ,»id an» Abend gehörig getanzt wird, bedarf besonderer Er« wähnnng nicht.—• Theater. Freie Volksbühne.»Die Macht her FinsteritiS' von T o l st o j. Deutsch von A» g u st Scholz.— Die Aufführung des Tolstojscheii Dramas gestaltete sich ungewöhnlich eindrucksvoll und fesselnd. Das Lessing- Theater hatte seine besten Kräfte inS Feuer geschickt, die sich vorttefflich hielten und die Dichtung zur Geltung brachten, solveit sie auf der Bühne überhaupt zur Geltung gebracht»Verden kann. Rosa Bertens, Pagay, Waldow, Pfeil, Frau E h s o l d t u. a. ivirtten mit. Fangen wir n,it Frau Berkens an. Jeder Satz der Anisja verlangte nach ihrer Darstellung. Bei der Lektüre inuß nian immer wieder an sie denken, und so tvar es sehr erfreulich, daß»vir sie auch auf der Bühne sehen konnten. Sie ist die geborene Darstellerin der rücksichtslosen weiblichen Sinnlichkeit, der Sinnlichkeit, die in Luise Hilse zur Revolution auffordert, die als Bäuerin in LangmannS„Gertrud Antleß" mit kaltem Egoismus zu Werke geht und die als Anisja de» alten Mann vergiftet, um ihren Galan zu behalten. Wir sahen Momente von prachtvoller Kraft, so in der Zankscene, so in der düsteren Stunde, in der sie Nikita zum Verbreche» zwingt, so im Hochzeitsakt, wo sie wie eine betrunkene Dirne aus die Bühne kommt. Nächstens wird die Duse wieder erfchenien, um durch ihre dekadente Kunst diejenigen zu erfreuen, die sich daran freue» mögen. Mir muß man schon gestatten, Feuer»»d Raff« der Bertens den müden Künsten der italienischen Virtnosin vorzu- ziehen. Frau E y s o 1 d t brachte in ihrer klugen und sicheren Kunst di» Manna zu vortrefflicher Wirlung. Die Akulina war von Martha Altenber� in ihrer einfältig-brntalen Art durchaus richtig erfaßt und durchgeführt, nur daß die'Darstellerin hier und da etwas laut und äußerlich wurde. Die kleine Anjutka lourde von Fräulein S o m i n mit entzückendem Eifer und auch mit entzückenden: Talent gespielt. Unter den mitwirkenden Herren müssen W a l d o Iv, Pagay, Pfeil und Grunewald genamrt iverden. Ich bedauere, daß mich der Raum zwingt, so summarisch zu erfahren. Besonders Waldow brachte den alten hinfälligen Akim in Marke und Spiel ausgezeichnet heraus. In einigen Scenen hätte er vielleicht etwas von' der Ruhe verlieren dürfen, die zu seinen künstlerischen Borzügcn gehört. Ungemigend war nur Lore Jona als Matrone t sie ivar es allerdings auch gründlich. In aller Kürze noch zwei Bemerkungen zu der Regie Witte- Wilds. Erstens: ctivaS mehr llnerschrockenheit den„verlänglichcn" Rollen gegenüber. Ein Verein, der ans künstlerischem Jdealisuins gegründet ist mid künstlcrisch ideale Zwecke verfolgt, kann sich mehr erlauben, als eine öffentliche Bühne, die leider von der verlogenen Priidcrie deS Publikums abhängig ist. Das cynische Wort, das die betrunkene Anisja au ihren Mann richtet, hätte man nicht zu streichen brauchen, um so weniger, als es in Heller Beleuchtung zeigt, wie weit Anisja allmählich hcruntergekonunen ist. Zweitens: im vierten Akt fahren die Gäste unter Schellengeklingel ad. Möglich, daß in einigen russischen Gegenden auch die Wagenpfcrde Scbellen tragen. In uns weckte eS leicht die Illusion, daß sie in Schlitten den of verlassen, zumal ivir das Schlittengeklingel noch ans dem dritten kt im Ohr haben. Die Illusion läßt sich aber nicht anfrecht er- halten, da auf der Bühne die Bäume in vollem Laubschmnck stehen. Die Schellen blieben also wohl besser weg.— E. 3. — Fremde Autoren auf der czechischen R a t i o n a l b n h n e. Ueber die Bühnenthätigkcit deS czechischen Rationaltheaters in Prag in der Zeit von 1883— 1900 hat der ge- wesene Direktor desselben bei seinem Rücktritt von der Theaterleitung eine übersichtliche Darsiellung vcröffeutlicht, die bemcrkens- werte Streiflichter auf die Empfäiiglichkeit und die Geschmacks- richtuug deS czechischen TheaterpublikmuS wirst. Der Bericht enthält daS Eingeständnis. daß eine jede Ibsen- Aufführung für daß czechische Rational- Theater ein in die Tausende gehendes Deficit bedeute. Bon den Werken fremder Autoren waren für die Theaterkasse am»vertvollsten— Ausstattungsstücke. So warfen.Die Reise um die Erde" 130 OOS Kr.,.Die sieben Raben" 173 000 Kr. ab. BizetS„Carmen" brachte eS in der Berichtszeit zu S2 Aufführungen mit eiuer Gesamteinnahme von 122000 Kr.,.Der Müller und fein Kind" warfen im ganzen 161000 Kr. ab. Am er- tragreichsten waren die Opern deS czechischen Komponisten Smetana, die im ganzen 806 000 Kr.. daS sind 10 Proc. der ge- fautten Tageseinnahme in der Berichtszeit, eintrugen..Die ver- kaufte Brant" allein führte zu Einnahme» im Betrage von 430000 Kronen. Die kläglichsten Kassa-Erfolge erzielten Ibsen, Hauptmann und— Schiller. HanptmanuS.Einsame Menschen" brachten es zu Vier Aufführungen, die im ganzen 900 Gulden abwarfen. Schillers »WallensteniS Tod" wurde in 17 Jahren viennal gegeben und brachte der Theaterkasse 993 G.(eine Borstellung ergab 134 G.) ein, JbfenS»John Gabriel Borkinann" wurde dreimal aufgeführt(Ge- famteinnahme 600 G.),.Rosmersholm" viennal(Gesmntemnahme 850 G).„Nora" siebenmal mit Gesamteinnahmen im Bettage von 1365 G. Der beste Theaterabend während der letzten 17 Jahre war ein Gastspiel der Patti, das eine Einnahme von 9300 G. er- zielte, der schlechteste Theaterabend eine Anffühning von„Nora", die der Kasse deS czechischen Nationaltheaters— 78 G. zuführte.— Ans den, Tierleben. — Landschnecken-Wanderungen. Die Schnecken, welche uns als ein Symbol des laugsamstcu VorivärtSkonmieiiS diene», legen doch im Laufe der Jahre beträchtliche Strecken zurück, denn .wer langsam geht, kommt mich zum Ziel" sagt das Sprichtvort. Einige Feststellungen, die R. E. C. Stearns über die Ausbreitung europäischer Schnecken in der Umgebung der Bai von Sa» Francisco gemacht hat und die der„Prometheus" mitteilt, find in dieser Be- ziehuug sehr lehrreich. Bor vierzig Jahre haben sich mehrere in der Nähe von San JosS ansässige sranzästsche Familien die süd- und Ivesteuropäische WeinbergSsckuecke(Helix adspers») kommen lassen, um sie für Küchenzivecke zu züchten. Sie hat sich dort so gut acclimatisiert, daß man bereits über Weinbergsschaden klagt, und man findet sie an Orten, die 80 Kilometer von dem A»s- setzungscenttum entfernt find. Dieselbe Schnecke ist übrigen» auch cm den atlantischen Küsten von Charleston in Süd-Karolina, in Reu-OrleanS, Batonrouge bis Portland(Maine) und Reu-Schottland verbreitet, ivohl überall dort von Lieb- habern ausgesetzt. Unsre gewöhnliche Weinbergsschnecke(Noll» xrnnatia) scheint bei San Francisco weniger gut zu gedeihen? dagegen hat sich von nackten Wegschnecke» Amalia Hewstoni, die sich zuerst vor 15 Jahren bei San Francisco zeigte, jetzt bereits über die ge- santte Südküste der Bereinigten Staaten, von San Diego bis Seattle verbreitet. Man kennt ihre Heimat nicht, obwohl man eine europäische vermntet, da sie der Amalia gagates sehr ähnlich ist. Bon andren europäischen Landschnecken, die in Casifornien vorkommen, nennt StcarnS Bitlimus ventrosns und Zonites cellaria, die man auch in Peimshlvamcn, Michigan, Quebec und Charleston anttifft. Verantwortlicher Nedacteur: H. Ströbcl in Bcrln Wasserschneckcn, die durch Sumpfvögel verschleppt werden, befitzen meist eine sehr weite Verbreitung.— Meteorologisches. — Die Lufttemperatur in großen Höhen. Es ist längst bekannt, daß in großen Höhen über der Erdoberfläche die Lufrwärme sehr gering ist, ja, daß auch dort im Sommer Tempe» ratnren angetroffen werden, die mit der Winterkälte Sibiriens den Vergleich bestehen. Seit April 1893 hat nun der französische Meteo» rvloge Teisserenc de Bort die Wänneverhältnisse der hohen Luft» schichten studiert, indem er unbemannte kleine Ballons aufsteigen ließ, die mit selbstregistrierenden Thermometer» versehen waren. Die Zahl dieser Soudierfahrten beläuft sich auf 100, ivorunter sieben eine Höbe vo» mehr als 14 000 Meter erreichten, 24 kamen bis 13000 Meter, 53 bis 9000 Meter. Die Unlersnchimg der Aufzeichnungen ergab, daß die Lnfttemperattir in verschiedenen Höhen während des Jahres bedeutend größeren Schwankungen unterliegt, als man bis jetzt glaubte. Die Temperatur 0 Grad findet sich in der kalten Jahreszeit oft»»mittelbar am Boden, im Somnier trifft man sie bis» weilen erst in 4000 Meter Höhe an. Die Temperatur von—25 Grad Celsius findet sich in unfein Gegenden nur höchst selten im Winter am Boden; zur Winterszeit trifft man sie aber in 3000 Meter Höhe fast innner, im Sommer erst in Höhe von über 7000 Meter. Die Temperatur vo»— 10 Grad Celsius fand sich iviederholt in 6000 Meter Höhe, gewöhnlich trifft man sie erst in 9000 Meter und zur Sommerszeit meist in noch größerer Höhe. Die Temperatur von —50 Grad Celsius steigt nie merklich nuter 8000 Meter herab, im Juli und September 1399 umrde sie erst in 12000 Meter Höhe an- getroffen. Sonach finden selbst in Höhen bis zn 10 000 Meter noch starke jährliche Schwankungen der Luftwärme statt. Die höchste Temperatur tritt dort gegen das Ende des Sommers ein, die niedrigste am Ende des Winters, aber von einem zum andern Tage finden selbst in großen Höhen starke Teniperatnrscbivanknngcn statt »nd diese Schwankungen sind wie die Temperatur selbst an die ver» schiedencn atmosphärischen Zustände geknüpft. („Köln. Zeittmg".) Hnmoristiichcs — Ein Opfer d e S Berufs..... und Sie schwe'gen dazu, Frau Rechtsamvalt, wen» ihr Manu so spät nachts ans dem Klub heimkehrt?" „Was soll ich thun, Frau Rüliu, er hält danu immer so gläuzcude Verteidigimgsreden I"— — Sensatio uS-Nachricht..Gerhart Hauptmann hat soeben de» Plan zu einem neuen Werk im Nenaissance-Slil eut- worfen." .Mrd es ein Märchen?" «Nein, eine Villa."— — Was ist eine ZuugenLbung? Wen» der Mikado Kakao aus Tiolo und Khaki aus Tokio nach Tal» schickt.— (.Lust. BI.') Notizen. — DaS Schauspiel de? Fürsten Friedrich Nrcde„DaS R e ch t a n f s i ch s e I b st" ist am Deulschen Volkslheater in Wie» mtt Erfolg aufgeführt worden.— — Das Fri e brich- Wikh elui st ädtis ch e Theater wird am 14. September mit der Märchenopcrctte«Der Tugend- ring" von Louis Roth eröffnet werden.— — Die großen philharmonischen Konzerte finden unter Arthur N i ck i s ch S Leitung an den Vkoutagen: 8. Ottvver, 22. Oktober, 5. November. 19. November, 10. Dezember d. I.. 7. Januar(1901), LI. Januar, 4. Februar, 18. Februar und 4. März statt.— — Ein Hölth-Denkmal wird in Hannover errichtet werden; der Bildbanrr G» n d e l a ch ist mit der Ausführung betraut.— — Der Berliner Magistrat hat für das Haydn- Mozart» B e e t h o v e n- D e n k m a l, daS am Goldfijchteich im Tiergarten errichtet werden soll. tOOOO Mark bewilligt.— — Zu dem Wettbewerb für das Straßburger Denkmal des jungen Goethe sind 65 Modell« eingegangen.— — Die Leiter der„Elsässischen. illustrierten Rundschau", Maler Spindlcr, vr. med. Buchcr-Straßburg und Schriftsteller Langel» St. Leonhard haben ein Komitee gebildet,»m ein e l s ä s s i s ch e S Bolls museum zu errichten. In dem VolkSmnscnm sollen die Volkstrachten, die charakteristischen Möbel, soivie Darstellungen der Architektonik im Elsaß systemniisch gesammelt werden. Mit der Gründung dieses Bolksniuseums soll die Errichtung eines elsässischen Volkstrachten Vereins Hand in Hand gehen.— — Ein gutes Legehuhn ist leicht von einem schlechten zu unterscheiden. Je dunkler scharlachrot Kamm und Bart während der Legeperiode sind, um so bessere Eierleger sind die Tiere. Blaßrot gefärbte Kämme, schmutzigweiße, gelblich rosarote. Ohrscheiben deuten ans schlechte Eierleger. Genügende Mengen Kalk oder Eiersckialen, dem Futter beigegeben, sind unbedingt den Hühnern zu reichen, sollen sie reichlich und gut legen.—_________ . Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.