ZliUerhaltungsblait des vorwärts Nr. 174� Sonntag, den 9. September. 1900 (Nachdruck verboten.) 82) Vis Fftttfavo. Roman von Fritz M a u t h n e r. Und als Richard unbetveglich vor ihr stehen blieb und sie tvie in seinen Erinnerungen verloren anstarrte, fügte sie mit unhörbarem Spott, den sie Nlit Aufbietung aller Kraft zu einem deniütigen Lächeln herunterzwang, noch ein Scherzwort hinzu: „Du bist doch kein Frauenverführer, der sein Spiel mit mir treiben will?" Erschreckt küßte Richard ihre Hand und zog sie dann leise neben sich auf das Sofa nieder; ihm war beklommen zu Mute. Natürlich hatte er mit seinen Umarmungen Leontine zum Weibe begehrt, er war ihr Verlobter. Kaum ein Schatten jenes Eni- sctzens, mit dem er vor einer Stunde erst aus ihrem Schoß aufgefahren war, umschleierte jetzt seine Augen; er hatte sich ja nur die Vergangenheit vom Herzen gesprochen und Leontine lvar seine Zukunft. Ganz wie sie es gern hatte. Plauderte er mit ihr nun recht vernünftig über äußerliche Tinge: über das Benehnien während des übrigen Trauerjahrs, über die Möglichkeiten des Erfolgs von Fata Morgana. über seine Aussichten als Maschinenbauer und darüber, ob Graf und Gräfin Trienitz zur Hochzeit geladen werden sollten. Richard antwortete auf alles, wie es sich für einen Bräutigam schickte; er war nicht völlig bei der Sache, in seinem Kopf flackerten wie Stern- schnuppen in finsterer Nacht flüchtige Gedanken ans, deren er nicht habhaft werden wollte. Mit solchen Küssen verlobte nmn sich mit einem Mädchen nicht; das waren gelehrte Küsse gewesen, Witwenküsse. Die schöne LeontiNe hat viel erlebt, er tvird ihr dritter Mann sein. Nein, da ist nichts zu' schaudern! Jeder Mann wird ihn beneiden, wie man die beiden ersten beneidet hat. Wer mag sie so küssen gelehrt haben? Der Kommerzien- rat Pitcrscn schwerlich! Wer war doch ihr erster Mann ge- Wesen? Lebte sie nicht von ihm geschieden? Warum hatte er vorher nie danach gefragt? Aber hat er denn jemals der dritte Mann der Frau Leontine t Verden wollen? Gewiß nicht! Niemals I Wie war's doch? Seine Ruhe wollte er bei ihr- finden. Und ihre Vergangenheit kannte ja sein Vater, der glücklich sein wird,. wenn er alles hört. Wenn nur die Küsse nicht gewesen wären. Wer war da der Lehrer? Jmnler zerstreuter gab Richard seine Antworten. Als Leontine fragte, wohin die Hochzeitsreise gehen sollte, mit- wortcte er sogar: „Kannst Du denn Schlittschuh laufen?" Leontine wurde nicht ungeduldig, aber auch sie dachte an andres: an ihre Rache. Und plötzlich unterbrach sie ihr braut- liches Geplauder und sagte scharf: „Du hast mir vorhin von einem häßlichen Bettelbrief er- zählt, den Du erhalten hast; das Elend der jungen Dame hat mich tief ergriffen; ich kann nicht ganz glücklich sein, wenn ich dort nicht ein wenig helfen darf. Erlaubst Du es mir?" Da wurde Richard ganz munter. Wie gut Leontine war l Das war daS Richtige. Eine weibliche Hand mußte die Unterstützung bringen, wo die Vcr- Hältnisse ihm jeden Freundschaftsdienst untersagten. Johanna durfte nicht durch die äußerste Not gczlvuugen werden, die Hand HassnerS anzunehmen. „Ich danke Dir," flüsterte Richard.„Mich hat dieser Brief so erschreckt, daß ich darüber sogar vergessen habe, unter den andern armen Leuten, die sich anboten, einen Kopisten zu wählen." „Uebcrlasse mir auch das I Sende mir morgen die ganze. Partitur. Ich will meine LieblingSnnmmcrn ans Deinem Originallverk spielen und selbst die Abschrift besorgen lassen. Du sollst keine Mühe davon haben!" „Bei Dir ist die Ruhe!" XIV. Richard konnte sich am nächsten Mörgen nicht entschließen, seinem Vater eine Mitteilung über das Ereignis zu machen; er suchte nach einem Worte, das seine Gefühle ausgedrückt hätte, und er fand keines. Aber Leontine hatte gleich nach ihrem Erwachen ans einem zufriedenen Schlummer an Mett- mann geschrieben, die Heimlichkeiten des Sohnes entschuldigt und um einen Glückwunsch des Vaters gebeten. Gottlieb Mcttmann beeilte sich denn auch, seinen Segen persönlich zu überbringen und mit der schönen Witwe aus biescin Anlaß über Dinge zu reden, die sehr viele und sehr große Ziffern nötig machten. Frau Leontine besann sich gar nicht lange, sich mit. einer beträchtlichen Summe an den Mettniannschen Geschäften zu beteiligen. Das war eine vortreffliche Anlage ihres Geldes, selbst wenn sie Richard dabei ganz außer Augen ließ. Mittags versuchte Mettmann seinen Sohn durch kleine Neckereien zur offenen Aussprache zu bewegen, aber Richard lehnte jedes Gespräch über seine Herzensangelegenheiten ab; bürdete sich, als ob er Versäumtes nachholen wollte, in der Fabrik möglichst viel Arbeit auf, dachte in den Augen- blicken der Selbstbesinnung mit einiger Scheu an sein Verhältnis zu Leontine, befand sich aber im übrigen all- abendlich in ihrer Gesellschaft recht wohl; die stürmischen Auftritte wiederholten sich zwar nicht, aber um so be- haglicher spürte er ihr enges Seidenkleid sein Gewand streifen und ihre weichen Finger die seinen berühren. Sie waren imnier nur kurze Zeit allein; wenn Richard kam, saß jedesmal Graf Trienitz noch da und bevor der Thee gebracht wurde, erschien immer schon Vater Mettmann, wie ihn die Hausfrau jetzt nannte. Zwischen ihr und Richards Vater hatte sich rasch der verwandtschaftliche Ton heraus- gebildet,. doch die zukünftigen Eheleute gingen nicht aus ihrer Zurückhaltung heraus, und beim Abschiednehmen mußte Vater Mettmann jedesmal eilig vorausgehen, damit Fran Leontine von Richard ihren Kuß erhielt. Wenn dieser dann dem jungen Mann einleuchtete nttd er durch die Berührung erst seiner Leidenschaft für hie Braut inne. wurde, dann war es zu spät, und Leontine schickte ihn lachend fort, seinem braven Vater nach. So' verging etwa eine Woche' oder vierzehn Tage, ohne daß Gottlieb Mettmann der Vertraute seines Sohns geworden wäre; er war es auch so zufrieden. Zu Hunderten kamen seit dem 1. Januar täglich die neuen Bestellungen, und auf der Straße wurde die„Fanfare" um der italienischen Briefe willen in Menge verkauft. Mettmanns Freude äußerte sich vor allem in neuen großen Plänen; bis zum Herbste sollte die Redaktion nach. den Ansichten Richards geändert werden, ein-bedentend vergrößertes Format mußte Gelegenheit geben, mit den ver- schiedenen Inseratenpreisen ruckweise in die Höhe zu gehen, und eine wohlgcplante Uebersicht über die größeren Berliner Geschäftshäuser, die als nachträgliche Kritik des Weihnachts- markts jetzt die schlechten Inserenten vornahm, sollte die Handelswelt der Stadt an Mettmann und die„Fanfare" glauben lehren; doch lange vorher, schon binnen acht Tagen konnte er sein Wort einlösen und semcn Leuten das Fest der zehnten Jifferatenfeite geben. Er beratschlagte über diese Frage mit Herrn Pinkus. Wenn man an dem nächsten Sonntage alle Aufträge zählungs- unfähiger Kunden annahm, wenn man ferner diejenigen Inserate, welche nach freiem Ermessen wiederholt werden konnten, großmütig in die wertvollere Sonntagsnummer setzte, so ließ sich plötzlich die zehnte Jnseratenseite orreichen; der Schaden, welchen sich das Blatt durch eine solche Selbst- täuschung zufügte, und die bedeutenden Kosten des Festes waren nicht zu rechnen gegenüber der Reklame, welche das Fest selbst der„Fanfare" niachen mußte. Allerdings mußte das Fest einem allgemein verständlichen Vorwande zu Liebe gegeben werden, am besten aus einem welthistorischen Anlasse; nur die Aktionäre der großen Fanfare und die inächtigsten Inserenten selbst sollten wissen, daß es eigentlich ihnen galt. Der kleine Herr Pinkus stand bewundernd vor Mett« mann. „Gott, Sie haben ein großes Herz! Tausende lassen Sie springen, wenn Sie wiffen, daß sie wieder zurückspringen t Entschuldigen, verzeihen Sie, Herr Mettinann. ich möchte Ihnen eine Eloge machen, welche Sie nicht sollten für was Umgekehrtes halten. Ich iveiß: Sie sind stolz darauf, daß Sie nicht von unsren Leuten sind, aber wenn Sie auch von die Apostel selber abstamnien sollten oder was die ältesten Deutschen Ivciren. was weis; ichr Sic haben einen jüdischen Kopf, einen ausgeruhten jüdischen Kops." Mettmann antwortete gar nicht. Piukus war nicht ge- nifcn worden, um Schmeicheleien zu sagen; er sollte unter der Hand Nachfrage halten, ob die alten Verleger und Redac- teure, die«Aristokraten", Mettmanns Einladung annehmen Würden. „Sie werden annehmen, wenn wir mit der Alticngesell- schaft drohen." sagte Pinkus.„Wenn Ihr Plan gelingt, der- ehrtcr Herr Mettnmnn, und das Publikum sich gewöhnt, durch Ihre große Agentur zu inserieren, so haben Sie alle die Aristo- traten in der Tasche." Der verständige Jnscratenagent sollte noch rasch einen letzten Auftrag ausführen, noch heute zu Frau Doktor Bode gehen und neue italienische Briefe Bodes holen; einige Hundertmarkscheine konnte er gleich mitnehmen. „Den Weg mache ich nicht gern zum zweitenmal." sagte Pinkus kopfschüttelnd. Es ist ein Jammer mit Frau Doktor Bode, in ihrem Zustande soll sie plötzlich ausziehen. Sie wissen doch. Disselhof läßt bauen. Und dann darj mal» daS Geheimnis ihres Mannes ihr nicht verraten. „Was für ein Geheimnis?" fragte Mcttmann zerstreut. „Ach so, daß er im Gefängnis sitzt! Die Frau soll wirklich glauben, er sei in Italien? Unsinn! Sie spielt uns Komödie vor, damit sie mehr Geld für ihre Briefe kriegt!" „Herr Mcttmann. versündigen Sie sich nicht l" sprach Pinkus ernst und hielt die rechte Hand abwehrend von sich. „Die Doktor Bodes sind gute Leute, Sie können sagen, dunime Leute, aber ehrliche Leute. Laß ich mich foppen? Und ich habe ihr doch den einen Brief gelassen, den pikantesten von allen, weil sie mich gerührt hat niit ihrem felsenfesten Glauben an ihren Mann." Auf einen strengen, fragenden Blick Mettmanns berichtete PinkuS ausführlich über seinen Besuch bei Frau Doktor Bode; er wollte den Verleger überzeugen und schilderte den Kampf um den Brief über Berliner Blaustrümpfe mit um so leb- hafteren Farben. Mettmann hörte schweigend zu. dann stand er auf und sagte ruhig: „Sie können sich den Weg ersparen. PinkuS, ich gehe selbst hin." Pinkus zappelte erschreckt mit den Händen. „Sie werden doch nicht Gewalt gebrauchen. Herr Mett- mann? Bedenken Sie doch den Zustand der armen Frau l" „Ich bin kein Räubert Ich bringe Geld!" sagte Mett- mann lachend und machte sich zum Ausgehen fertig. PinkuS kannte das Gesicht deS Verlegers, wenn dieser sich den Abschluß eines vorteilhaften Geschäfts fest bor- genommen hatte; er murmelte darum bloß:„Eigentlich. was geht es mich an? Es geht mich gar nichts an!" und lief feiner Wege. Gottlieb Mettiuann zog bedachtig Pelz und Handschuhe an, setzte den neuen, glänzenden Hut auf und begab sich zu Fuß auf den weiten Weg; er konnte die Wohnung des Doktor Bode nicht verfehlen, er lvußte aus seinen Inseraten, daß das Häuschen Disselhoss in der Gpoßgörschenstraße bisher das letzte Ueberblcibsel aus früherer Zeit gewesen war. Als er um die Ecke der Leipzigerstraße bog. überraschte ihn. wie jedesmal. das aus und nieder wogende Leben der Mittagsstunden;, ihm schmeichelte der Glanz der Auslagen. die auch beim Liiht der Wintcrsonne noch die Aufmerksamkeit auf sich zogen, ihm schmeichelte die Vornehmheit der vorüber- gleitenden Wagen, das Eilen der vollen Pferdebahnwaggons und die Hast der geschäftigen Menschen, ihm schmeichelte das Leben der Großstadt persönlich, als ob seine Fanfare die Herrin oder die Ursache der ganzen reichen Bewegung gewesen wäre. Vom RathauSturm an, wo mehrere seiner bestell Kunden in seicrlichcil Ratsstuben saßen, bis zu dein verfallenen Häuschen der Großgörschenstraße war kein prunkendes Firmen« fchild, das nicht mit ihm in einem nähern oder ferncrn Ver- hältnis stand, und wenn sein erstes Ziel, die Herrschaft der Aktiengesellschaft für Reklaniewcsen, erst erreicht war, wenn als unklarer Aussichtspunkt weiter das Monopol seiner journalistischen Unternehmungen sich soweit als möglich ver- wirklichte, dann werden auch die stillen, voriiehmen Gebäude zu seiner Linken den Klang seiner„Fanfare" vernehmen; er wird seine feste Hand hineinstecken in die großen Finanz- operationen des Reichs, in die Licferungsgeschäfte des Heers.(Fortsetzung folgt.) Vis flvoHcu Lvohltlzäkrv. Heil l»iS. daß wir die großen Wohlthäter haben l WaS wäre die Menschheit ohne die großen Wohlthäter? Rauh streicht der Wind durch das Land, die Blätter fallen, der Wlnter naht. Drohend mit Frost und Hunger lungert vor den Thören die Not.„Schrecklicher Winter," stöhnen die Armen. Und sie sehen mit Grauen auf ihre dünnen, fadenscheinigen Röckchen und sie überschlagen mit Beben den kargen Lohn:„Schreck- licher Winter I" Aber fürchtet Euch nicht, Ihr lieben Leute, seid getrost. Den». wir haben die großen Wohlthäter. Die großen Wohlthäter wissen, was Euch fehlt. Die großen Wohlthäter sprechen. „Hart ist die Zeit, karg ist das Brot. I» kalten Stuben an leeren Tischen fitzen die Annen. Mit wenigen Groschen müssen sie beim gehen von schwerer Arbeit, nicht Fleisch noch Kohlen haben sie. Jil Lumpen gehen ihre Kinder, kein friedsam Heim ist ihnen verliehen; in engen Löchern Hansen sie, müssen die Höhle» voll Kummer und Elend»och mit fremden Elendsgenosien teilen. O wem wollte da? Herz nicht brechen bei dem Jammer der Annen l Wir dagegen I— I» die Taufende stiegen die Einkünfte aus unser» Kohlengruben, fette Dividende» vrackiten unsre Aktien, prächtig war die Ernte nnsrer Gärten und Felder. Roggen und Weizen trugen hundertfältige Fnicht.„Laßt uns mitteilen von unserm Neberfluß, solche Opfer gefallen Gott wohl." Also sprechen frommen Sinns die großen Wohlthäter. Und sie fahren fort:„Harten Herzens schilt man die Neichen. Laßt uns zeigen, daß wir doch nicht harten Herzens sind, daß wir der Slnnnt denken mich in Glück und Glanz. Laßt uns unsre Feste feiern zum Besten der Armen!" Und sie veranstalten große Bälle und glänzende Bazare. sie spielen Theater und in Konzerten, sie opfern den Schlaf ihrer Nääito� und Zeit und Mühe und Geld für die Armen. Und dann lachen die Spötter noch über sie und über ihre„große Barmherziglcil", dann wagen sie es noch von Egoismus und bloßem Glänzcnwollcn zu reden. Ach, es sind bös« Menschen, die Spötter! Ja wohl. schändliche Menschen sind es, sie begeifern alles Edle und Erhabene und ziehen auch daS Reinste in dcii Staub. DaS liegt aber eben n»r daran, daß sie so furchtbar unlvissend sind; sie verstehen gar nichts, sie haben gar keine Idee, welche unendlichen Opfer die großen Wohlthäter mit ihren Festen den Annen bringen. Man überlege doch einmal; solch ein Ball, Ivos macht es schon bloß für Mühe und Arbeit, solch einen Wvhlthätigkcitsball zu ver- anstalten. Zuerst die Komiteesitzungcn; ivcnigsteus ein halbes dutzendmal trifft»tan sich bei 5laffce und Kuchen oder bei einem GlaS Wein, um über alle„Arrangements" zu berate». Es ist wirklich schwierig dies„Beraten". Die Mcimmgcn gehen so sehr anSeinander. Der eine will dies und der andre das. Der eine spekuliert ans einen Saal Unter den Linden und der andre ans einen am Pots- damer Plah. Daneben all die andren wichtigen Fragen, die erledigt werden müssen. Gicbt es ein Konzert oder ein kleines Schauspiel zur Einführung? Stellt mau lebende Bilder oder arranGiert man ein Ballett? Sie haben eS wirklich schwer, die großen Wohlthäter! Und wenn denn endlich alle Entschlüsse gefaßt sind, wenn man weiß, daß an dem und dem Tage in dem und dem Saal ein Ball mit Thcateranflührnng stattfindet, die Arbeit, die denn erst beginnt! Da sind zum Beispiel die Damen. Ach diese armen Danien I Welche 5topfschmerzen bereitet ihnen nicht ihre Toilette! Drei Tage wenigstens müsic» sie sich in Berlins Großbazaren Hern»!- drücken, um Seide imd Atlas nnd Band und Bluii.en und Feder» und Spitzen zusainiucuzukanfen. Und dann die Bcratnngeir mit der Schneiderin und die viele» Anproben. was das alles für Zeit nnd Anstrengungen kostet nnd schließ- lich fitzt die Taille dielleicht doch noch nicht, oder die Conrschlcppc »lacht einen Zipfel. Ja, sie haben ihren Acrger I Und daneben die andern, die, welche bei der Borstellnng„mit- wirken", die sind ani schlimmsten dran, die müssen zu alledem auch noch„lernen". Lernen,— man denke, solch armes Kommerzicurate- töchterche» oder solch kleiner Lieutenant und— lernen. Niemals haben sie daS getha», jetzt aber thun ste's doch, sie opfern sich ans— für die Armen'. Und auch Geldopfer bringen sie, riesige Gcldopfer. Was solch ein Fest für Kosten auferlegt, das ist gar nicht zu sagen. Da sind, um nur eins herauszugreifen,' die Toiletten der Damen. Himmel, was kosten diese Toiletten. In Wolle tanzen? Oder in Kattun? Nein. daS kau» man den„Armen" doch ivirklich nicht aiithmi. das sähe ja ans, als hielte man eS nicht der Mühe wert, sich für sie zu putzen, es muß also Sannnet nnd Seide sein, und, wenn Sammct und Seide Hunderte losten, oh, das thnt nichts, man scheut leine Ans- gäbe— für die Armen I Und all die andern Kosten, die noch so„dnmi und dran' hängen. Da ist zun» Beispiel die Equipage, und dann daS Diner nnd der Wein— ach ja, der Wein, der verschlingt mit daS allerinristc. Keiner trinkt wenig, eher viel, zu viel auch manchmal,— aber kann ma» denn je genug trinken— zum Besten der Annen? Noch mehr Aufopferung als der Ball verlangt der Bazar. Der Ball ist schließlich nur ein Vergnügen und dauert am Ende bloß, eine Nacht. Der Bazar erstreckt sich über mehrere Tage und mach: Arbeit, ivirkliche Arbeit. Ja, Ivenn es für die Annen acht, dann' arbeiten sie sogar auch, die großen Wohlthäte? Und was für Arbeit machen sie! Ich will gar nicht von den Etick« und Malversuchen reden, die die Dam« für Verkauf und Lotterie hingeben, für die sie manches Lcfeftnndchen opfern; aber das Einrichten des Bazars, das Aufbauen der Bude»«ud Zelte, was das für Mühe macht. Stundenlang müssen die Ronüteedamen aufpassen, daß der Tapezierer alles elegant drapiert, der Gärtner die Topfgewächse richtig stellt und der Hausdiener Vasen und Kissen ordentlich aufbaut. Schön mutz ja alles fei», blendend schön, ver- irrt fich doch manchmal auch eine Prinzessin oder ein Prinz zu den großen Wohlthätern. Und wie sie fich dann noch schließlich erniedrigen, die bor- nehmen, die zarten, verwöhnten Damen; sogar Verkäuferinnen werden sie. In Bndeil und Zelten stehen sie und handeln mit Seife, mit Seidenshawls und Majolikaschalen,>vie das erste beste Ladenfräulein. Ja und noch mehr, selbst zu— Kellnerinnen geben sie sich her. Wein und Liqeur schenken sie ans, animiere» und kokettieren gleich einenl Schenkmädchen, und alles— für die Armen. Auch der Bazar erfordert Geldopfcr, noch weit höher sogar als der Ball und das Theater. Alle die Sachen, die dahin gespendet werden, was die für einen Wert haben, es ist unglaublich. Kostbare Juwelen giebt es da und wunderbare Porzellane, herrliche Zimmer- dckorationcn und köstliche Lampen, Schätze wie ans Tausend und Einer Nacht. Sie sind immer freigebig, die großen Wohllhätcr; es ist ihnen nichts zu teuer— für die Armen. Nein, wirklich nichts, das kann nia» auf dem Bazar am besten sehen. Wie sie da einkaufen; sie geben die höchsten Preise, sie be- zahlen Richtigkeiten zehnfach über den Wert. Sic geben der Frau Baronin für' ein Stück Torte zehn Mark, und»venn die niedliche, kleine Bankierfrau zu einem Glase Wein einen recht schmachtenden Blick zngiebt, erhält sie sogar einen Hundertmarkschein— für die Armen. Ja, sie find wirklich spendabel, sie zeigen, daß sie ein gutes Herz haben, die großen Wohlthätcr. Ihr ganzes Denken und Fühle» gehört den Armen. »» Im vorige» Winter klagte mir die alte Waschfrau vom dritten Hof, daß ihr kranker Mann immer kränker würde, da sie ihm nie ein ordentliches Mittagessen kochen und nicht die Stuben heize» könne. Ich wies sie an die Gcneralin Bomst vonBopfingcn. die gerade mit . dem Pastor Liebreich zusammen einen Bazar zur Linderung der Not unter den kleine» Lentcn arrangiert hatte. Sie hat sich hingewandt, die Alte, sie hat auch Antlvort bekommen, sogar schon nach ztvei Monaten. Der Herr Pastor teilte ihr sehr freundlich mit, daß der Bazar leider keine sehr hohen Ueberschüsse ergeben habe, das Geld sei auch der Anncuberlvaltimg überwiesen; da ihr Klagcschrei indessen die Herrschaften tief ergriffen habe, sende man ihr anbei fünf Mark und wünsche im übrigen Gottes Segen.. Sie hat die fünf Marl natürlich behalten, nutzen konnten sie leider ihrem kranken Mann nichts mehr, er lvar inzwischen langsam verhungert.——so. Nleines FeuMckon. — Sklaverei in Florenz während der Rrnalssance. Der „M. Allg. Ztg." lüHd geschrieben: Trotzdem ein vom gcsaintcii florciitunsche» Volt im Parlament bestätigtes Dekret des obersten Magistrats der Republik vom 11. Angnst 1289 die Sklaverei aufgehoben hatte, bestand sie iu Toseanä»nd namentlich in Florenz im 14. und 15. Jahrhundert fort; Der An- und Verkanf orientalischer Mädchen, seltener Knaben und Jünglinge bildete eine» nicht bedentimgsloscn Teil deS damaligen Handels, und der mercator«clavarum, venditor sclavai-uin, wie der Sensal, der derartige Geschäfte vermittelte, traten in Floren- »iner Kontrakten häufig auf. Ei» Aussatz von A. b. Renmont iHifiorisches Jahrbuch der Görres-Gesellschnft. 188S. Burckhardt- Gcigerv a u d e r u n g. Ltusstsche Blätter bringen bemiriihigeilde Nachrichten über da? häufige Auftreten dieser sehr giftigen schwarzen Spinne ll-atroäeotus bveäecmiAiiUatus) in den Kirgiseilstcppen. Der Name Kara-Knrt ist kirgisisch, die Kalmücken»cimcn das Tier „Tschim" oder Belbescn-Kara, o. i.„schwarzer Witwer". Dieses schädliche Tier hat sich in den letzten Jahren in de» kirgisischen Steppen; namentlich in den tnrgaischcn, akmolinschen und semipalatinischen Kreise sehr vermehrt, so daß auf jeden Quadratmeter der Steppe weiiigsteiis ein solches Tier kommt. Durch seiiicu Biß gingen 97 bis 93 Prozent der gebissenen Kamele und 7 bis 8 Prozent der ge- biffeucn Menschen zn Grunde. DaS verbreitete unter den Kirgisen eine» solchen Schrecken, daß sie mit ihren Herden nach China hinüber- zogen, und zwar in so großer Zahl, daß die russische Remrrung darauf, aiifmcrksau» wurde und eine Anzahl von Gelehrten in die kirgisische» Steppe» abordnete, um die Sache näher zn untersuchen. t Die Spinne ist den Kalmücken seit langer Zeit bekannt, und sie erzähle» von ihrer Gefährlichkeit fabelhafte Märchen; ihr Biß ist für das Kamel fast ohne Ausnahme tödlich, während das Schaf die Spinne ohne schlimme Folgen auffrißt. Beim Menschen erscheint an der Stelle deS Bisses eine kleine Beule und starke Entzündung der Haut; a»S der Beule tröpfelt Blut. Ter Gebissene fiebert, fühlt Bccngmigen in derBnlst, Schivindcl, starkes Brcmieu i» der Wimde und verliert am ersten Tage das Bewnßtsci». AIS gewöhnliches Heilmittel verwenden die Kalmücken starke Bouillon ans Schafflcisch sowie siarkeu Schnaps mit Schmalz. Stellt sich starkes Erbrechen ein, so ist der Kranke gerettet, nach drei bis vier Tagen kommt derselbe wieder zmn Be- ivußtseii« nnd fühlt Erlcichtcnmg. Im Herbst legt das Tier einige Eier nnd stirbt. Die Kalmücke» behaupten, daß die ausgeschlüpften Ailiigcii noch in de» Cocons sich auffressen, so daß nur ein Tier Übrig bleibt, daher gaben sie ihm den Nmneu„schwarzer Witwer".! Zum Glück erscheint diese Plage nicht jedes Jahr in gleichem Maße/ sondern hauptsächlich in sehr trocknen und heiße» Jahren.— („GlobnS".) Erziehung nnd Unterricht.\ — Die russische n Sonntags schulen ans der Pariser AiiSstellung. Im Jahre 1879 gründete die Russin E h rist i ne A ltschews ty in Charkow, um die elenden Schul«. berhältnisse dieser Stadt zu heben, eine Sonntagsschule. Durch di« geschickte Leitung nnd die Beharrlichkeit der Stifterin gewann diese Schule rasch an Bedeutinig, sie Ivnrde allerorten zum Vorbild ge- noinme», und heute giebt es»ach ihrem Muster gegen 399 Anstalten in den Städten und mehrere Tausend mif dem Lande. Der Unter- richt begann damit, daß man den Schülern Stücke a,i3 der klnssischen russischen Litteratur borlaS. Viele rieten, diese Stücke dem Verstände des Volks durch Streichimgen, Zusätze und Umäiiderliligen nilmdgerccht zu inachen. Doch als man nun die Probe machte und dieselben Stücke in ihrer«rsprünglichen und daneben in ihrer zu- gestutzten Gestalt dem Volk vorlas, da machte niaii, wie Frau AltschewSky iu ihrem Buche„Was mutz man dem Volk z» lesen geben" eingehend ausführt, die merklvnrdige Beobachtimg, daß die Leute die Meisterwerke m ihrer vollen Gestalt weit besser und schneller erfaßten als in der Uinarbeitung, daß sie sogar die Zustiitzmigen so- fort bemerkte» und unangenchm empfanden. Dies zeigt, wie selbst beim Ungebildeten ein gewisser Kunstgeschmack vorhanden ist. Aber die Litteratur genügte zmn Unterricht nicht. Darum be« schloß die nissische Frau, in einem Lesebuch eine Sammlung von Lcsestücken. die da? gemeinnützige Wissen»mfasseiz sollen, vorzulegen. Da die vorhandenen Lesebücher nicht genügten,' so ninßte eine nene Sammlung aufgestellt werbe». Und so kam eine Art von Polkseneyklopädie zn stände, welche den Titel„Buch der Erwachsenen" erhielt. Mit peinlichster Sorgfalt ivnrde an diesem Buch gearbeitet. Jeder Artikel wurde inehrcremal durchgesehen, dann dem Gutachten eines Fachmanns unterbreitet. da»» von der Redaktion geprüft und endlich dey Schülern zur Probe vorgelegt. Die berühmtesten russischen Schriftsteller sehten ihre» Ehrgeiz darein, diesem Unternehmen niicntgcltlich ihre Feder zur Kerfiigung zu stellen. Und so ivurde das' Werk in sechs Jahren vollendet; es besteht aus drei Bänden. Sowohl die Bücher der Frau Christine Altschewskh als auch die Schrift des Nüssen Abranioff, der die Entstehimg und die Geschichte der SonntagSschnlen darstellt, sind nun auf der Pariser Weltausstellung in fräuzvsischer lieber- fetzuiig ausgelegt und erregen lebhaftes Interesse.— Physiologisches. en. A l b d r ii ck e n bei Kindern und Erwachsenen. Wenige Menschen sind so glücklich, aus einer so vollkommen gesunden Familie zu stammen, daß sie auch in ihrer Kindheit nie an Störungen des Nervensystems gelitten haben, die Ivenigstens meist in einer gewisse» ererbten Nervenschwache ihren Grund haben. ES sind dies die unangenehmen Erscheinungen des Alb- drückens und der Augstzustände, die besonders während des Schlafes und überhaupt vorzugsweise zur Nachtzeit auftreten. Bei Kindern sind sie- wie gesagt sehr gewöhnlich, bei Erwachsenen weit selten�. In der frühen Jugend ist eben das Neveusystem»och mcht genügend gefestigt' und Ivird durch irgend tvelche Reize von innen oder von ansje» her leicht aus dem Geleise gebracht, wie denn auch die lindliche Phantasie sehr leicht in «ine übermäßige und nicht gesunde Thätigkeit versetzt wird. Die Angstzustände äußer» sich des Nachts oft in wirklichen Anfällen, wobei das Kind plötzlich aufschreit und»»eist in Schweiß gebadet imd am ganzen Leibe zitternd mifwacht. Die Eltern sollten solche Ereignisse in» Leben ihrer Kinder nicht leicht nehiuen, sondern sorgsam nach der Ursache forschen. Oftmals liegt diese innerlich, besonders in»mzwcckinäßiger Ernährung und dadurch bedingten VerdauimgSstörungcn, in Katarrhen dcS Danns oder mich der AtnrnugSorgane,»uit deren Beseitigung dann auch die Augstzustände naiblassen. Gefährlicher ist ihr Auftreten bei Tage tvährend des Wachens, sie deuten dann auf ein stark erreg- barcS Temperainent. da? oftnralS eine Folge von Vererbung ist. Auch eine erbliche Faniilienaulage zum Nheumatismus scheint' dazu »nitzuwirken. In» jugendlichen Älter kann durch einsichtige BeHand- Rung manches zur Festigung des Nervensystems geschehen', während sich eine Vernachlässigung der Augstausbrüche in der Entlvicklnng deS Kindes gelegentlich' schwer rächt. Es ist noch der geringste Schade, wenn als Folge davon in» späteren Alter eine Neigung zum Albdrücken zurückbleibt. Es wäre interessant zu wissen, ein wie Kroßer Teil der Menschen gelegentlich unter beängstigenden sTränmcn und ihren Begleiterscheinungen zu leiden hat und wie sich diese Anlage etwa von der Kindheit her herausgebildet hat. Jedenfalls dürften die Menschen selten sein, die das Albdrücke», das bcr. Volksglaube einen» kleinen auf der Brust sitzenden Kobold(Albe) zuschreibt, nie kennen gelernt haben. Zuweilen ist sein Entstehen nur einer»»zweckinäßigcn Körperhaltung im Schlaf zuzuschreiben. Ein Mitarbeiter der.Science" teilt diesbezüglich etwas ans seinen eigenen Erfahrungen»»it. Als Kind hatte er unter Albbruck gelitte». Es trat innner in der Form einer großen Welle von verschiedener Beschaffenheit auf, die sich aNinähIich auf den Schläfer zu wälzen und ihr» schließlich zu be- drücken und zu überdecken schien. Meist war es»mr wie ein große» Kissen oder ein Federbett, färb- und gestaltlos, aber innner be- ängstigend und schrecklich. In den schlimmsten Fällen wurde es zu enicm großen fetten Bären, der langsam auf den Schlafenden zu kroch. Nach Jahrzehnten kehrte eine ähnliche Erscheinung von Alb- drücken bei den» Erwachseneu wieder. als er ii» einen» erleuchteten Räume nachts plötzlich vom Schlaf»übermannt worden war. Eine »»»bestimmbar»: Masse schie»» sich ihm auf Kopf nnd Anne zu legen iiud einen lästigen nnd beängstigenden Druck anszuüben. Beim Erwachen kehrte sofort die Erinnerung an das Albdrücken ans der Kinderzeit zurück. Der Schläfer wollte nun»nöglichst ins klare»iber den cigentiimlichen Besuch konnnen und schloß von »loucn, die Augen,„in wieder das Heranrollen einer uubestimmten Masse zu fühle». Als er den unter den» Kopf liegenden Arn» etwas vewegte, verschwand die Erscheinung, kau» aber bald wieder. Da- gegen lvar sie völlig vertrieben, nachdem er den Arm unter dem Kopf vorgezogen und ii» eine ausgestreckte Lage gebracht hatte. Diese Beobachtung lehrt die Richtigkeit der oft geäußerten Ver- „uitung. daß das Kreuzen der Arme oder auch nur die erhobene Lage eines Anns unter den, Kopf den nonnalen Verlauf des Schlafs beeinträchtigt und aelegentlich zur Entstehung des Albdrückens Anlaß giebt.— Ans dem Tierleben. — Frösche und Libelle»». An einem S»»»pfe zlvischen Hasselt und Zonhofe» war A. Mansion, wie er in der„Rvvue jscientifique" erzählt, Zeuge einer eigentünrlichen Jagdlist, welche die grünen Frösche anwendetei»,»in Wasserjungfern zu fangen. An einem heißen Juni-Vormittage gaukelten dort zahlreiche Scharen dieser Netzflügler über die schlamniige» Gewässer des niit Wasser- pflanzen bedeckten Sunrpfes, mit Mücken- und Schnretterliugsfang ibeschäftigt, während die Weibchen von Zeit zu Zeit das Wasser streiften, ,nn ein Ei hineinglerte» zu lassen. Ans den Wasserpflanzen lagen zahlreiche Grünfrösche. die einen Mterigcl imrklannuert hielten,»»beweglich, tvährend sie den Kopf �riicktvärts geworfen hatten und in dieser Stellung schwer von den BcrmNwortlicher Nedactem: Heinrich Strödel in B« Wasserpflanzen zu unterscheiden waren. Häufig setzten sich die Libellen gerade auf ihre Schnautzenspitze, die sie für eine grün« Stengelspitze hielten, und wurden sofort geschickt ergriffen und ver« schlungen. Das Verschmelzen der unbewegliche» Frösche mit den Wasserpflanzen, so daß sie von den Libellen, deren Auge mehr für die Erkennung bewegter Beutestücke geeignet ist, nicht unterschiede» wurden, reiht sich den Fällen an, die nran jetzt als aktive M i m i c r h bezeichnet.—(.Prometheus".) Technisches. --Aus de» Anfängen der Eisenbahn. Ueber zwei geschichtlich interessante Lokomotiven, die auf der Pariser Welt- ausstellung ausgestellt sind, entnimmt die.Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahn- Vertvaltungen" dem Bericht' des BanratS Niinrott in den.Mitteilungen' des Vereins deutscher Straßen- und Kleinbahnen- Berwaltnugen folgendes;„Ganz verwundert schauen auf diese moderne Versammlung(von Selbst- fahrern, Fahrrädern und Fahrzeugen aller Art) zwei ehrtvürdige Zeugen eines au technischen Errungenschaften reichen und bahn- brechenden Zeitabschnitts, verwundert auch vielleicht darüber, wie sie unter eine solche leichte und aufgeputzte Gesellschaft geraten sind. England hat hier die von George Stephenson im Jahre 183V ent- ivorfene und in seinen Werken zu Neweastle erbaute Lokomotive„Invicta" im Original aufgestellt. Die.invicta.« war die erste Lokomotive, welche auf einer dem ösientlichcn Verlehr dienenden Eisenbahn, die am 3. Mai 1831 eröffneten ÜVtritestabls anä Canterdurzr Railway in Betrieb genommen Wurde. Auch ein Stück des damals auf dieser Strecke im Gebrauch befindlichen Oberbaues(kurze fischbauchähnliche Schienen, in Stühlen auf hölzernen Qnerschtvellen gelagert) ist beigefügt. Ebenso interessant ist die Nachbarin der.Invicta', die von der französischen Westbahu ausgestellte Lokomotive.Oissel". Im Jahre 1814 durch Buddican entworfen und in den eignen Werkstätten der Gesellschaft zu ChartreS erbaut, war sie bestimmt, die Exprcßzügc zlvischen Paris und Nouen zu befördern. Sie hat diese Aufgabe auf das beste ausgeführt und tvährend ihrer Thätigkeit den stattlichen Weg von 1310 000 Kilo- meter zurückgelegt, ehe sie in den sicherlich wohlverdienten Ruhestand versetzt wurde.— Hituioristisckies. — Raffiniert. Schrift st ellersgattin(die mit ihrem Gemahl einen Streit tvegen ihrer Toilette hat):„... ti"d in solchem Zeug läßt Du mich hcrninkaufen I?... Was un'issen die Leute da glauben, tvaS für einen Schmarl'» Du zu- s a ur»r e n s ch r e i b st>"— — Pech. A.: Wannn ist denn der Huber so verstinnnt?" B.:„Ja, denken Sie sich, dem arme» Kerl ist das Ehrenamt eines Volkszählers zu teil geworden, und zu seinem Revier gehören seine sämtlichen Gläubiger!"— — Frage. Ein reicher Mann besaß ein Vermögen von 250 000 M. und hinterließ seiner Frau Ve, seine» drei Söhnen je V?, seiner Tochter Vs, seiner Schwester Vio; das übrige bekam eine Stiftung.— Was hat jeder? Au t wort: Einen Rechtsanwalt.—(„Flieg. Bl.") Notizen. — Der akademische Senat der Wiener Universilät hat beschlossen, der Schrislstcllerin Marie E b n e r- E s ch e n b a ch) zu ihrem siebzigsten Geburtstag den E h r e n d o k t o r t i t e l zu verleihen.— — Die S e c e s s i o n S b ü h n e wird neben den Bühnen- werken modernen Genres an den Sonnabend- und Sonntag- Nachmittagen einen historischen L u st s p i e l- C y k l u S zur Ausführung bringen. Die Aussühnnigen werden im Oktober be- ginnen.— — Das vom Berlin erTheater zur Anfführnng ange- nonmiene Schauspiel„Der Rebell" von Hugo Ganz hat nun- mehr die Ceusur passiert, so daß das Stück noch in diesem Herbst in Sccue gehen kau».— — I», d e u t s ch e n V o l k s t h e a t c r in Wien hatte der Einakter„DieBildsch nitzer" von Karl Schön Herr Er- folg.— — Marzella Sem brich wird nächstens mit einer eignen Truppe bei Kroll zehn Opernvorstcllungcn geben.— — Erwin Strunz nnd Franz Hollfelder haben ein neues Konzert- orchester, das„ B e r I i n e r T o n k ü n st l e r- O r ch e st e r", be- gründet, in welchem 00 Künstler mitwirken. Als Dirigenten werden Karl Gl ei tz und Franz von Blou fungieren. Die Auf- führnngen finden im„Deutschen Hof", Luckanerstraßc, statt.— — Die östreichischeu Theater-Souffleure gedenken sich zn organisieren! eine Generalversammlung zur Schaffung von Grundlagen für einen derartigen Verband ist nach Wien bereits eiu- berufen worden.— iin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.