Mnterhaltungsblatl des HorwSrts Nr. 191. Mittwoch, den 3. Oktober� 1S00 (Nachdruck verboten.) 21 Ankev TVolKvn. Roman von Kurt Aram. In den Häusern brannten keine Lichter mehr, die Scheiben waren wieder dunkel. Die Hausthüren wurden geöffnet, die Männer hinauszulassen. Aus jeder Thür traten drei oder vier. Meist der Vater mit seinen Söhnen, ab und zu auch einmal einer mit zwei oder drei Fremden, denen er eine Kammer vermietet hatte. Danach kamen Mädchen und Frauen, denn auch viele von ihnen gingen ans das Eisenwerk. Alle froren. Die Hände in den Taschen oder in die Schürzen gewickelt, den Kopf in den Hals gezogen, die Hüte und Kapuzen tief in die Stirn, möglichst Zusaminengednckt, möglichst sich klein machend, daß die Luft nur ja keinen Zu- gang zur fröstelnden Haut fände, tappten sie. Rotbraun vom Eiseiiftein waren die Kleider, die Gesichter nieist grau von Rauch und Nuß. Ein jämmerlicher Anblick, wie sie alle schweigend, kraftlos, freudenlos dem Eisenlverk zutappten, das seine großen Thore schon weit und hungrig aufgethan hatte. Oben auf dem kahlen Berg, gerade der grauen Villa gegenüber, tauchten jetzt auch dunkle Gestalten auf. Es sah aus, als stiegen sie direkt aus den gränilichen, grauen Wolken, einer hinter den: andern. Es waren Fabritarbeiter aus den nächsten Dörfern, die schon einen Marsch von anderthalb Stunden hinter sich hatten. Mit langen, langsmnen Schrstten tappten sie zu Thal, die Kniee weit nach vorn. Langsam, schwerfällig, stumm, wie hinter einem Sarge her. Frau Magda ging vom Fenster fort. Was follte sie aber jetzt beginnen? Es inar noch nicht sechs Uhr. Pflichten gab es für sie nicht. Das Haus be- sorgten die Dienstboten, und Kinder hatte sie nicht. Sie legte sich wieder ins Bett. Langsam, schwer tappten draußen unter den Fenstern die Arbeiter vorbei. Sie lauschte, ob nicht wenigstens ein Scherzwort fiel, ob nicht wenigstens einer einmal lachte, aber sie hörte nichts als die schweren, langen, langsamen Schritte. „Sie tragen sich selbst zu Grab," sagte sie leise. „Und ich?" Draußen auf der kleinen Dorfkapelle schlug es sechs. Auf dem Eisenwerk heulte die Dampfpfeifc, und bald darauf wurden die Eisenthore donnernd zugeschlagen. Wer eine Minute später kam, verlor einen viertel Tag am Lohn. Jetzt waren sie wieder für einen Tag gefangen, alle die Männer und Weiber, alle die Jungen und Alten,... und sie?... Noch einnial richtete sich Frau Magda ein wenig auf. Erst ganz von weitem, dann immer näher, lauter, brausend, donnernd, rollte, sanchte es. Daim wieder leise, leise verhallte es. Es war der Schnellzug, der morgens vorbei kam. Abends kam noch einer in entgegengesetzter Richtung. Sonst nur Güterzüge und ein paar Personen- züge.� Aber keiner hielt hier. Sie lauschte innner noch in die Richtung, wo das Ge- rausch sich verlor. Wie raste er ins Leben, vorwärts, daß er ihn ja nicht versäume, den Anschluß nach Berlin! Die Nebel hatten sich inzwischen nrit den Wolken der- einigt. Mit kaltem, gelbem Gesicht sah der Tag über die Berge. Der Fluß lief noch schneller. Jetzt fchänite er sich erst recht. Grämlich, verschlafen hingen die Wolken und sahen stumpf, dumpf aus die abgemähten Wiesen, die dalagen tvie alte, ab- genutzte Felle, in denen Motten sitzen. Kurz vor zwölf Uhr mittags verließ Frau Magda die graue Villa, um einen Spaziergang zu machen. Sie that das sehr selten. Slber heute mußte sie. Sie mochte nicht schon vor Tisch mit ihrem Mann zusammentreffen. Sie schämte sich für ihn. Und dann wollte sie auch gerne einmal ihren Gedanken aus dem Wege gehen, die sie von Tag zu Tag mehr quälten. Wie nur die Häuser ringsum aussahen! Es fiel ihr in der trüben Stimmung bei dem trübseligen Wetter so recht auf. Außer bei den beiden Wirtshäusern traten überall die Balken vor, wie die Knochen bei schwerkranken Menschen. Die Wände waren schmutzig, schief, voller Furchen und Nisse wie die Leiber ihrer Bewohner. Die Scheiben darin starrten sie an wie die matten, glanzlosen Augen ihrer Besitzer. Die Dächer waren tief in die Häuser gedrückt, daß kein Wind zufassen konnte oder gar durchwehen. Einzeln hockten die Häuser da, zwischendurch große Lücken, wo früher einmal in freundlicheren Zellen auch Wohnungen gewesen. Frau Magda ging schneller. Sie fürchtete sich fast vor den schiefen, armseligen Dingern, als könnten sie plötzlich stöhnen, etwas sagen und klagen. Aber resigniert, stumm hockten sie am Weg. Wie die Stcinklopfer, dachte sie, an denen sie manchmal vorbeistihr drüben auf der Ehaussee. Da mußte sie auch weg- sehen, so beängstigte, beklemmte sie der stumpfe Ausdruck auf den ausgemergelten Gesichtern. Aber sie sagten auch nichts; sie grüßten freilich auch nicht. Sie sahen nur starr aus ihren großen Drahtbrillen auf den Wagen, bis er vorbei ivar, dann klopften sie weiter. Die Straße war völlig leer. Die größeren Kinder saßen noch in der Schule, die kleineren in den Stuben, und die Frauen hatten mit dem Mittagessen zu thun. Früher, vor zwanzig Jahren, war hier noch ein Bauern- dorf gewesen. Die Großeltern erzählten manchmal aus dieser Zeit ihren Enkeln, denn ihre eignen Kinder interessierte das nicht mehr. Nur wenn die alten, loeißhaarigen Menschen ein- mal seufzend meinten, damals sei doch alles diel schöner und besser gewesen, selbst der Himmel hätte ganz anders drein- gesehen, dann lächelten die rußigen Söhne und Töchter wohl ein wenig spöttisch. Das kannten sie, dies Lied von der „guten, alten Zeit". In Wirklichkeit hatte die aber gewiß gerade so wenig getaugt wie die ihre. Es war ja immer dasselbe, Jahrhundert für Jahrhundert, dieselbe Schinderei. Die Enkelkinder aber bekamen noch rote Backen, wenn der greise Großvater erzählte, wie dort im Stall zwei Kühe gestanden, wo jetzt eine armselige Geis meckerte, wie hier vorn ein großer Misthaufen sich getürmt, und wie viel Schweine damals aufgezogen worden. Dann meinten die größeren Kinder wohl:„Müßt Ihr aber Geld gehabt haben damals I" «Geld? Nei. Geld hatte mer nit so viel. Aber besser zu esse und feste, selbstgemachte Kleider." Da schwand schnell das Interesse auch der größeren Enkelkinder für Großvaters Geschichten. Geld. Geld, darauf kam es allein an. Das wußten sie schon so gut wie die Eltern. Je mehr Geld, um so besser konnte man sich am Sonntag amüsieren. Sie liefen auch fort, und bald hatte der Großvater nur noch die ganz kleinen Kinder um sich. Denen aber von der guten alten Zeit zu sprechen, lohnte sich nicht. Sie verstanden das so wie so nicht, sie waren noch zu klein dazu. Manch ein Alter seufzte dann schwer und warf einen giftigen Blick in die Richtung der Fabrik, denn sie war schuld, sie fraß alles auf, alles! In Wut ballte sich manche alte Faust, denn sie hatte noch Kraft, mehr als die der jüngeren Leute; sie gehörte einem, der noch Bauer gewesen war. Frau Magda bog in eine Seitengasse, die ins Freie, zu den Bergen führte. Da standen noch einige Häuser mit Strohdächern dicht aneinander gedrängt, alle ziemlich schmutziz bis auf eins. Klein war es ebenfalls und unscheinbar, aber rein sah es aus. Die Hausthür war noch nach der Väter Weise horizontal in zwei Teile geteilt, so daß das Federvieh. wenn die obere Hälfte offen stand« nach Belieben ein- und ausfliegen konnte. Vor dieser Thür stand ein älterer, aber kräftiger Mann. Er trug noch einen blauen Kittel. Es ivar der letzte im Dorf, der nur von» Ackerbau lebte, den das Eisenwerk noch nicht verschlungen hatte. Er zog freundlich die alte Kappe, als die junge Frau vorbei ging. Einen Augenblick zögerte sie, als wollte sie ihn ansprechen, dann that sie es doch nicht. Sie genierte sich. Der Bauer sah ihr lange nach.„Dick war fe nie, und fe wird immer dinner, lang macht die's gewiß nit mehr... STiinn wer mir irüjjf-, ob fc mich mi ihr»accTeich.'I beult, eh's zu spät is." Er scuszte:„Tie an»' Frau bei d e m Mann I" Die Tampfpfeife pfiff auf bor Fabrik, gleichzeitig begann die Uhr auf der Kapelle zu schlagen, es war zwölf, Mittags- pause für die Arbeiter. Frau Magda war froh, daß sie sich beeilt hatte. Nun kam sie doch nicht zwischen all die rußigen, elenden Gestalten. Sie sog gierig die herbe Luft ein und schritt weiter dem dürftigen Walde zu. Haselnußsträucher, ein paar Buchen, ein paar Fichten und Kiefer», das war alles. In der Erde lange tiefe Furchen von schweren Holzfuhrwerlen gezogen; denn jenseits dieses Hügels gab es noch stark bewaldete Berge. Aus dem niederen Ge- sträuch huschten zwei Schwarzainseln mit lautem Geschrei über den Weg. Magda schrak zusammen, so boshaft, zornig hatte das gelautet. Raben hockten hoch oben auf den Fichten und lugten neugierig nach ihr, bis sie ganz nahe war. Dann flogen sie krächzend in die Luft. Halb erstarrt lag ein schwarz und schwefelgelb gesteckter Molch vor ihr in einer Furche. Aber dort, husch, ein Eichhörnchen l Auch es flüchtete. Welke Blätter taumelten, große Tropfen sickerten im Gebüsch, hingen in den dürftigen Halmen, lagen auf dem mageren Steinklee. Wie traurig, wie trübselig ist es auch hier, dachte sie und setzte sich auf einen Stein. Und doch war ihr wohler hier als in der grauen Villa. Diese Natur paßte zu ihrer Stimmung. Freilich, die Gedanken, denen sie entfliehen wollte, kanicn hier erst recht. Es muß anders werden. So halte ich das nicht mehr aus. Aber wie? Wenn sie das wüßte I Fort, in ein Land, wo die Sonne immer hell und warm scheint, wo fröhliche Menschen lachen I Das wäre am besten. Aber ihr Mann ließ sie ja nicht fort. Er hatte Angst, sie könnte sich bei fremden Leuten beschweren, klagen und jammern. Das wollte er nicht. Sich scheiden lassen? Ach ja. Aber ihr Mann würde sie nicht frei geben, so lange er ihr Geld noch nötig hätte. Wenn sie doch jemand fände, der ihr raten könnte I Sie war so unselbständig, sie hatte ja noch nie auf eignen Füßen gestanden. Wenn sie nur einnial eine Freundin fände, bei der sie sich aussprechen könnte, das wäre schon eine große Er- leichtcrung. sFortsetzung folgt.) «Nachdruck rerdoten.) Iwiftheu von Mebon. Wir sind in einem herrlichen Thal der Vorberge des badischen Schwarzlvalds. Am An-Zgmig des Dorfs nach der Ebene zu, ans der der spitze Turin des Stratzburgcr Münster hernbergriitzt, beginnt die Feldgeniarknng; sie zeigt schon in größeren Mengen die für das südliche Deutschland charakteristischen Gewächse wie Tabak, Mais und Hanf. Ausschlaggebend ist aber Löst- und Weinbau. Die Wega»nd Feldraine sind gesniunt mit langen Reihen von Apfel-, Birnen- und Zlvetschgenbäiinicn, auch die Edelkastanie, die in prächtigen, malerischen Exemplaren vorkommt, sei nicht vergessen, die Thalwände aber hinauf, bis zu den Waldrändern, ziehen sich die grünen Rebbcrge. Wir haben heuer eine reiche Obst- ernte. Ucbcrall sind die Acste der Obstbäume mit Stangen gestützt oder den schwanken, schwerbeladenen Ziveigen ist durch starke Bind- fädcn von der Mitte des Baums auS Halt und Stütze gegeben. Die Apfelbäunie sind so reich mit wcitzgrünen oder roten' Früchten ge- schmückt, daß sie lebhaft die Erinnerung an unser Kinderspielzeiig, die grün bemalten und verschwenderisch rot betupften Holzbämnchen oder an Darstellungen von Ruppiner Bilderbogen lvachrufcn. Dem Liebhaberphotographcn geben sie ein dankbares Objekt, und er be- dauert mir, daß die farbige Photographie tvenigstens für ihn noch innner nicht erfunden ist. Die Hanptvcrlvcrtnng des Obstes hierzulande besieht in der wiiiinnig von Frnchlivein.„Obschttvin" ist hier das. was im Norden Bier darstellt, Apfelwein muß namentlich für den grnnd- herrschaftlichen Betrieb in riesigen Mengen vorhanden sein, jeder Taglohn-Arbeitcr beansprucht einen Liter davon pro Tag außer dein Lohn. Heuer wird der Obsttvein nicht nur für das nächste Jahr reichen, es kann auch ein Vorrat für das übernächste gewonnen werden, � da die nächste Obsternte nach der Ueberansttengiing der Bäume in diesem Jahr sicher eine magere sein Ivird. So saust und schnurrt die von einem Göpeltverk getriebene Obstschiieidcniaschine jetzt, wo die„Ochnid", die„Heuernte", vorbei ist, unaufhörlich, und unablässig wandert die braune Masse des zerschnittenen ObsteS zur Trotte, in der ihr durch Hebcldruck der bräunliche Saft abgerungen wird, der dann nach erfolgter Gährimg den goldfarbigen und gold- klaren Apfelwein crgiebt. Es ist gut von Mutter Natur eitignichtet, daß die Zeit der Obsternte eine solche ist, die ausnah, nSweise keine Beschäftigung mit den Rebe» erfordert. Ausnahmsweise! Denn sonst will diese änspruchs- volle Pflanze das ganze Jahr hindurch nicht nur gepflegt und ängst« lich gehütet, sondern geradezu verhätschelt sein. Der Laie, der dank- bar einen guten Tropfen schlürft, hat wohl oberflächlich davon ge- hört, ivie viel Gefahren dem Weinstock drohen, aber er macht sich keinen Begriff davon, wie viel Arbeit und Mühe, Sorge und Kosten eingesetzt werden müssen, um im Herbst froh durch den Weinberg schreiten zn können, in dem unter großblättrigem, frisch-grünem Laube reiche Bouqucts von vollen, gleichmäßig entwickelten, süßen und saftreichen Trauben hängen. Er hat von Feldmäusen und Schnecken, von der ReblauS und vom Sauertvnrm gehört, der dreimal, während der Blüte, während des AnsetzenS der Traubenbeerchen und vor der Reife der Trauben scharf und mühevoll bekämpft werden muß. Er weiß, daß die Wespen und Fliegen so auch Staare, Sperlinge und Singvögel Traubenzcrstörer sind, die Namen von manchen von de» vielen Blattkrankheiten wie Mehlthau, Blattfallkrankheit usw. sind ihm aus den Zeitungen bekaimt. Er weiß endlich, daß ein einziger Frühjahrsfrost alle Aussichten für eine gute Ernte, ein Hagelschlaz alles schon Erreichte in wenigen Augenblicken zerstören kann: aber daß jede Rebe im Kreislauf des Jahrs etwa 16 verschiedene Hantierungen verlangt, wenn sie einen befriedigenden Ertrag ver- sprechen soll— und auch das nur, wenn alle jene Feinde und Gefahren abgewehrt oder gnädig vorübergegangen sind— das wird vielen der Leser doch vielleicht neu sein. „Der Weinstock ist ein Miftfresser; wer an Dünger spart, betrügt sich selber." Poetisch ist das Winzerwort nicht, aber wahr. Auch für den Rcbbau, wie überall in der Landwirtschaft, wo es sich um Nährstoff-Zufuhr handelt, ist der Dünger goldeswcrt. Und so hat auf Grund der Fortschritte der Chemie, der Wissenschaft überhaupt und der Erfahrungen das Kapitel von der Düngung der Reben mit natürlicher oder Grün-Düngmig, mit vegetabilischem, animalischem, mineralischem oder Komposi-Dmig eine stetig wachsende Bedeutung und Ausdehnung erlangt. Die bevorzugten Zeiten der zweimalige» jährlichen Düngung sind der Spätherbst nach der Traubenlese, andrer- seits der April. Will der Weinbauer aber ein mehrere» thu». die Traube nimmt's nicht übel. Dezember und Januar lassen an den von den Pfählen gelösten, meist unter Schnee begrabenen Reben wenig thn». Wohl aber sind die Pfähle im Weinberg selbst auf Kreiizhölzern zn verwahren, die Ersatzpfähle müssen hergerichtet und mit Imprägniermitteln haltbar gemacht werden. Namentlich aber sind die Grundstücke für Sleu- anlogen zn roden und durchzuarbeiten. An milden Tagen deS Februar setzt dann die Arbeit an der Rebe selbst ein. Mit Hand- schuhen wird ihr Holz sorgfältig abgerieben, und herabhängende Rindenteile, die Schlnpfwiiikel von schädlichen Insekte», namentlich von Sauerwurmpuppen, werden entfernt. Mit allen Abfällen muß reiner Tisch gemacht mid möglichst schnell sollen sie verbrannt lverden. Auch mit dem Beschneiden der Reben kann schon begonnen werden; im allgemeinen aber hält man bei Weinbau im großen die goldene Millelstraße zwischen dem frühen Frühjahrs- schnitt und dem Herbstschnitt und geht im mittlere» Frühjahr daran. Fruchtbildung im gegenwärtigen Jahr, Holzbildimg für das künftige Jahr, find die leitenden Gedanken für diese ivichtige Arbeit, die wie besondere Werkzeuge so auch besondere Kenntnisse voraussetzt, und vom Beschneiden der Obstbäume sich in vielen grundsätzlichen Be- zichungcn unterscheidet. Bciin Rcbschnitt ist namentlich Jndividualisicren nötig: die eine Nebe verlangt kurzen, die andre mittleren, noch eine andre lange» Schnitt, und so ist'S nötig zu wissen,- ob man gelben Orleaner oder geschnitztblättrigen Gutadcl, ob man die blaue Laska» oder die frühe Jakobslraube, ob man das blaue' Ochscnang oder den weiße» Lämmerschwanz vor sich hat. Klingt's nicht»ach dem Preissingen in den„Meistersingern", wenn man die hübschen poetischen Bezeich- nungc» liest oder hört? Ein Haupt- Arbcilsmönat ist bereits der März. Dem Schnitt folgt das Pfählen und Anbinden, und letzteres muß vollendet sein, ehe die Augen der Rebe anschivellen. Wie einfach klingt daS Wort Anbinden, und doch wie viel Vorsicht und Sorgfalt muß an- getvendet werde», um lleppigkeit zu verhindern und frühe edle Früchte zu erzielen. Bei Gelegenheit des Bindens werde» auch die wichtigsten Rcbzweige in Bogen aufgebunden, die später mit Traube» besetzt einen so hübschen Anblick gewähren. Schon lveist daS üppig aufkeimende Unkraut auf die Notlvendig» kcit des Bodeiibcarbeitens hin. Ztvcimal wenigstens im Jahr muß das Rcbfeld gelockert und von Unkraut befreit werde», zunächst in der Zeit von April bis Mitte Mai, wenn die Gärten bearbeitet lverden, dann wieder um Jakobi herum.„Gut gegraben ist halb gedüngt," sagt der Winzer und bezeichnend nemit er die erste Arbeit daS„Aufbrechen", weil'' er mit Spaten, Haue oder. Karst, etwa 25 Cemiuictcr tief gehen muß, die zweite„Lüften", weil es sich da' nur lim 6— 1enziuimer". Die Ableitung diese? Worts ist noch nnincr stark umstritten. Eine bcinerkensiverte ganz neue Erklärung giebt Professor Friedrich Heidenhain in einem Aufsatz, den er im Oktoberhcft der„Preußischen Jahrbücher" veröffentlicht. � Die übliche Herlcitnng, ivie die Wörterbücher sie geben, ist folgende: Frauenzimmer bezeichnet erstens am Ausgang oes Miltelalters das fürstliche Franengcmach, zweitens die Gesamtheit der darin wohnenden Frauen, dritten«, seit etlva 1620 nachweisbar, eine Gesamtheit von Frauen überhaupt, und viertens, seit 1730, die einzelne, insbesondcrS die vornehine Frau, lieber das erste und zweite ist nichts weiter zu sagen. Der kollektive Gebrauch des Worts„Frauenzimmer" etlva für„Frauenvolk" ist uns heute fremd, aber steht i» engem Zusammenhang mit der ursprünglichen Bedentnng des Wortes, und er läßt sich, wie Hcidenhain in einer ganzen Reihe von Bcispielenzeigt, in älteren SchriftsteNcrli, besonders im„Simplicissimus" oft nachweisen; Franenzinuner ist danach so gut ein Sammelname wie Heer, Volk. Die schivcrstcn Bedenken erheben sich dagegen gegen den Uebergang von der dritten zur vierten Bedcntmig: ans dem Sammelnamen„Frauenzimmer" soll sich die einzelne Gattmigs- bezeichnnng entwickelt haben. Eine solche Bildung wäre ganz lvider den Sprachgebrauch; der Verfasser iveist auch die verschiedenen Analogien, die man zur Erklärung hat beibringen wollet,, entschieden zurück. Ferner zeigt er auch an Beispielen, daß das Wort in beiden Bedeutungen, als Gattungsname und als Sannnelnanie. in Opitz' Zeit neben einander gebraucht wurde, während die Sprache zu einer rcgellvidrigc» Bildung doch Zeit nötig gehabt hätte. Heiden- Hain meint daher, daß die beiden Worte nichts miteinander zu thun haben, er lvill den Ursprung dieser Bezeichlumg für die einzelnen Frauen auf eine ganz andre sprachliche Bildung zurückführen. „Zimmer" bezeichnet im Mittelalter und ebenso noch im Anfange des 1!).- Jahrhunderts nicht nur das Gemach, sondern auch den ganzen Bau.„Frauenzimmer" konnte demnach nicht nur lvic bei der ältesten Verwendmig des Worts den Bau f ü r die Frau, sondern ebenso gut den Bau der Frau, ihren Aufbau, ihre Gestalt bcdentcir. Das ist eine ciiilvaiidsfreie Bezeichnnng für die einzelne Frau, und das; es diese Bedeutung haben kann. Ivird für unser Empfinden sofort klar, wenn wir, wie Schiller für das früher unfuche„Bild" zur Verdeutlichung„Gebild" setzte, für »Zimmer'' ebenso»Gezimnicr" sagen. Das Wort führt i» eiueu 'Änsck-aunngskreis, der noch eine ganze Anzahl von Ausdrücken halb ernster, halb scherzhafter Art gerade zur Bezeichnung der Frail hergegeben hat. Kommt vom Zimmerhandwerk ans den Mann wohl' nur das„alte fidele Hans", so auf die Frau das „stattliche Gebäude",„das gute Gestelle",„die aufgetakelte Fregatte" und zu gutcrletzt„die alte Schachtel", wobei der letzte Ausdruck in Verbindung z» briugen ist mit der Burg, die dem Volke„schachtelan" für schatelan" hieß und auf die Uneinnehmbarkcit berechnet war.„Zimmer" ist in diesem Sinne mit„Bild" gleich- zusetze», das früher vielfach zur Bezeichnung für Mann und Fran benutzt wurde. Wie die Thätigkeit des Zimmermanns in ihrer tthat- sächlichen Ausübung, so hatte entsprechend auch das Wort„zimmern" früher einen viel bedeutenderen Inhalt: es umfaßte nicht nur das Zusammenfügen der Hölzer zu einem Bau, sondern auch das Arbeiten am Holze, das bildhauermäßige Gestalten; es war ein Ausdruck des Volks, des Arbeiters. Fragt man nun, lvas die Bildhauer-Zimmcr- leute mit dem Worte bezeichnet haben könnten, so weist Heidenhain daraufhin, daß Frau in Zusammensetzungen häufig einen ganz bc- sonderen Sinn hat, nämlich die Jungfrau Maria bc- zeichnet. Solche Bildungen sind in Menge vorhanden:„Frauen- glaS",„Frauentage",„Frauenkirche" uslv. Ebenso bedeutete „Frauenzimmer" gleich„Frauenbild" für die Kreise des Haudiverks „Marienbild". Ist aber dies der Sinn des Worts, so wird seine Verwendung in allen ihren Verästelungen klar. Das Hold- selige, Anmutige, Freundliche, zugleich aber auch das Erhabene und Königliche war damit bezeichnet,' und zlvar bezog sich dies auf die äußere Erscheinung. So erklärt es sich auch, daß die Frauen die Bezeichnnng„Frauenzimmer" gebrauchten, aber nie von sich selbst— die Bescheidenheit verbot es ihnen, sich unter die Schönen zu rechnen und verlaugte„wir Weibsbilder". So erklärt es sich auch, daß wir zlvar„MaiinSbild" neben„Weibsbild", aber nicht„Herrenzimmer" neben„Frauenzimmer" zur Bezeichnung des Einzelnen haben. Unsrer Muttersprache wäre so für eine' verbildete Ausdrucksweise. für ein Urwort eine zierliche, aus ihrem innersten Geiste heraus geborene Bildung gewonnen.— Kulturgeschichtliches. — lieber das erste Auftreten des Eisens hielt der schwedische Archäologe Prof. Oskar Moutel ius in der 31. Versainin» lung der deutschen anthropologischen Gesellschaft zu Halle einen Vortrag. Früher Ivar ganz allgemein die Ansicht verbreitet, daß das Eisen im Norden, also in Skandinavien und Norddeutschland, erst sehr spät aufgetreten sei, etwa erst!X)v n. Chr. und selbst noch vor 30 Jahren meinte nian das Erscheinen des Eisens in Skandinavien jedenfalls nicht vor 300 n. Chr. datieren zu dürfen. Im Gegensatz hierzu sollte das Eisen in den Kultürländern des Südens schon außerordcnt- lich früh bekannt gewesen sein, namentlich in Aegypten, denn man vermochte sich nicht vorzustellen, wie solche Ricsenbauten wie die Pyramiden ohne Anwendung eiserner Werkzeuge errichtet Iverden konutcu. Moutelius vertritt demgegenüber nunmehr die bestimmte Ansicht, daß das Eisen selbst in Aegypten nicht vor Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. Eingang fand. Durch ganz neue Aufdeckungen des Aegyptologcn FlinderS Pctrie wird diese Ansicht in gewissem Sinn gestützt. Das eine Gräberfeld gehört allerdings in das dritte Jahrtausend v. Chr., das zweite aber in die Zeit der 18. Dynastie, also in die Mitte des zlvcitcn Jahrtausends v. Chr. An beiden Punkten sind nicht die geringsten Spuren eiserner Beigaben zn cut- decken gewesen. Eine weit wichtigere Stütze der Montcliusschcn Auf- fassung crgiebt sich auf dcur Wege der vergleichenden Betrachtung. In den alte» Knlttirstättcu Griechenlands findet mau erst im 14. Jahrhundert v. Chr. die allerersten Anfänge des Eisens. Ein so spätes Auftreten wäre daselbst bei den nachbarlichen Beziehungen zu Aegypten ganz undenkbar, wenn das Eisen in Aegypten schon Jahrtausende lang bekannt gelvescn wäre. Wo das Eisen nun über- Haupt zuerst aufgetreten ist,' läßt sich im Augenblick noch nicht über« sehen. Aber sicher darf nian behaupten, daß es weder in Aegypten noch in deir Knllnrlnndcrn des Mittelmeers und im südöstliche» Europa 1300 v. Chr. Eingang fand. Dann freilich verbreitete es sich schnell über alle Gebiete, die mit de» Kulturländern in Verbindung standen. Was Italien betrifft, so wurde es im Süden früher bekannt als in Mittel- und Nord-Jtalien. Nach Moutelius tritt das Eisen in Mittel-Jtalien gleichzeitig mit den Etrnskern auf. Daraus schließt Moutelius, däß sehr wahrscheinlich die Etruskel um 1100 v. Chr. zur See nach Toskana kamen und das Eisen mitbrachten. Nicht viel später treffen ivir im nordischen Europa ans das Eisen. Wir finden es z. B. schon in den Pfahlbauten der Schweiz gleichzeitig mit Bronze, und danach kann man für die Schlveiz und Süddentschland das 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. als Anfangszeit für das Eisen ansehen. Nördlicher findet nian das Eisen auch schoir im 5. und 4. Abschnitt der Bronzezeit, ja, in einem Grabe auf Bornholm, das zweifellos dem.dritten Abschnitt, also der Zeit um 1200 v. Chr. anzurechnen ist, fand sich bereits eine Beigabe aus Eisen, die unter allen Umständen gleichzeitig mit dem Toten in das Grab gelangt ist. Betont muß lverden, daß ein großer Unterschied zu machen ist zlvischen dem Auftreten des ersten Eisens und der Eisenzeit selbst, d. h. der Zeit, in der das Eisen die Kultur vollkommen beherrschte. Zunächst standen sicher für den Norden dem Einzüge des Eisens im letzteren Sinne nicht unerhebliche Schlvicrig» leiten entgegen, denn in, Norden wurde zur Bronzezeit gegossen, während das Eisen geschmiedet werden mußte. Zudem bestand damals noch nicht der' für uns allerwichtigste Unterschied zwischen Eisen imd Bronze, das ist der gewaltige Preismrtcrschied. Damals war zmmchst das Eisen noch teurer, als die übliche Bronze, es wurde erst langsam verbilligt und dadurch zur Verdrängung der Bronze befähigt durch die Verbesserung der technischen Hilfsmittel. deren heutige moderne Entlvicklung ja erst dem Eisen jenen Stempel aufdrückte, der es als den gewaltigen Allbeherrscher unsrer ganzen heutigen Kulturepoche kennzeichnet.— Ans dem Tierreiche. is. Ei« für Deutschland äußerst seltener Vogel ist der Schopfreiher s�rckaa comata), der nur gelegeutlich bis nach Norddeutfchland vordringt und ein einziges Mal in der Unigegend von Bremen brütend beobachtet worden ist. Seine eigentliche Heimat ist das südliche Europa vom mittleren Ungarn au, also be- souders die MUtelmeerländer. dann einige Gebiete des westlichen Asien und schließlich gairz Afrika. Er ist eilt rechter Wandervogel, der schon im Juli südwärts bis in das Nil-Land zieht und sich von dort über den ganzen Schwarzen Erdteil verbreitet. Die Anstnerlsainkeit der Wisseitschast wt>rde auf ihn kürzlich wieder durch ein schönes Exemplar gelenkt, das sich in einer Entfernimg von über 300 Kilometern von der afrikaiiischen Küste auf ein englisches Schiff nieder gelassen hatte. Die Gelvohnheiteu des Schopfrcihers bieten manche nterklvürdigen Züge. So hält er sich z. B. immer gern in der Nähe größerer Säugetiere aus lvie anch der nach dieser Gclvohnheit geradezu benannte Kuhreiher. Er weiß sich den Schutz. den das Vieh seitens der Menschen genießt, zu nutze zu machen und stellt sich z. B. in Ungarn, lvenn ihm Gefahr droht, mitten in eine der dort in ungeheurer Zahl gehaltenen Schuieineheerdni. In Ungarn ist er überhaupt ungemein häufig und brütet dort in der Nähe von Sümpfen in ganzen Kolonien von oft ungeheurer Zahl. Man hat schon 30 000 Vögel in einer einzigen Niederlassung gezählt, imd wenn ein solcher Reiher'horst aufgestört Wird, so verursacht das Flügelschlage», mit dem sich die Vögel in die Luft erhebe», einen geradezu betäuben- den Lärm. Der Schopfreiher ist ebenso wie seine Verlvnndten zn den vorwiegend nützlichen Vögeln zu rechnen, da er sich Haupt- sächlich von Mäusen, Insekten und Mollusken, daneben allerdings anch vmi kleinen Fischen und Fröschen nährt. Die Besuche, die der schöne zierliche Vogel in den Ländern Mittcl-Enropas abstattet, find wie gesagt überaus selten, jedoch sind in England im ganzen etwa 50 Exemplare gefangen worden, soweit sich Nachrichten erhalten haben. Die Federn des Schopfes, von dem der Bogel seinen Rainen bekonmien hat, sind gelblichweiß und schwarzbraun gesäumt, der HalS ist hellgelb, Schultern nird Mantel rötlich, die übrigen Teile des Ge- fieders weiß gefärbt. Die Federn dieses Bogels werden ebenso ge- schätzt wie die der übrigen Reiher, nnd daher hat der Schopfreiher besonders in Ungarn. Ivo er viel nnter Nochstellungen zn leiden hat, seine Zutranlichkeit gegen Menschen nnd Haustiere schon vielfach abgelegt.— Aus den» Tierleben. — Die Blutwärme der Wale� JFn dem zn CPhrfftiania erscheinenden„Renen Magazin für Naturwiffenschaft" veröffentlicht Dr. G. Guldberg einige Beobachtimgen über die Körpcrteniperatnr der Wale, wobei er hervorhebt, wie Mtvollkomrnen nnsre Kenntnis dieses Gegenstands ist. Die Temperatur lebender Wale zn meffen, ist äußerst schwierig, obwohl man es bei einem lebenden Delphin und einem Weißwäl. die man lebend eingefangen hatte, vollführt hat. Bei den größeren Walen ist das aber ganz unmöglich, imd wir sind nnf Beobachtungen nach dem Tode angewiesen. Die dicke Fettschicht unter der Haut, welche die Wale gegen die Kälte schützt, oerlangsanrt auch die Abkuhlimg des Bluts nach dem Tode mehr als bei andren Sängetiercu. so daß Messtingen an unlängst verendeten Walen einen höheren Wert beanspruchen dürften, als sonst. Thatsächlich betrug die Blutwärme bei einem vor drei Tagen getöteten Riefenwal (Libbaldins borcalis) noch 34 Grad, nnd eS wurden an frisch ge- töteten Walarten folgende Temperatnreir beobachtet: Beim Cachelot 40 Grad, beim Grönlandwal 33,8 Grad, beim Meerschwein 35,6 bis 37,8 Grad, beim Buckelwal 35,4 Grad und beim Delphin 35,6 Grad. Die mittlere Blntwärme des Mensche» betrügt 37 Grad, diejenige einiger andrer Säugetiere steigt bis 39 Grad, aber der Cachelot oder Potlvak mit 40 Grad scheint alle Säuger zu übertreffen, während die Blntivärnre der Bögcl bekanntlich bis ans 42 Grad steigt. Mit dieser hohen Blntwärme erkört sich nnter andern» auch der große Wasserdampfaehalt des Atemstrahls.— („Prometheus.") Technisches. — Römische H e i z n n g s a n l a g e n. Die römische Zimmer- Heizung beruhte auf der Zuleitung von Warmluft, die außerhalb der zu heizenden Räume erzengt wurde. Diese Heiznngsart entspricht also im wesentlichen der heutigen„Lnftheiztmg". Unter dem Fuß- boden des zn heizenden Zimmers befand sich ein Hohlraum. In diesem standen parallele Reihen von Zicgelpfeilerche»(0,60 bis 1,15 Meter hoch), welche den aus Ziegelplatten oder Estrich bestehen- de» Zimmerboden trugen. Reben diesem Hohlramn befand sich ein Herd oder Feuerraum von dessen Feuer aus die heiße Lnst i» de» Hohlraum drang. Für den Abzug des Gases imd des Rauchs sorgten schmale Schornsteine, die an den Wändet» des zu heizenden Raums einporgesührt wurden. Sie bestanden ans anfeinander- gesetzten Thonkacheln mit recht winkigem Querschnitt(Cigarren- '.. kistchen vergleichbar, an denen die beiden Schmalseiten fehlen).„Sie find entlveder als einzelne Kamme in den Ecken oder aber in größerer Anzahl nebeneinanderstehend in den Wänden des Zimmers ein» gebaut; sie waren in der Regel mit Verputz überzogen, der die Farbe des Zimmers bekam, so daß fie sich von außen nicht bemerkbar machten"(Jacobi, Römerkastell Saalburg). Die Feuerung geschah höchstivahrscheinlich meist durch Holzkohlen, nicht durch Holz; erstere setzen sehr wenig Ruß ab, und thatsächlich zeigen die erhaltenen Heiz- kanäle einen sehr keinen Rutzansatz. Daß die Römer sehr wohl sich auf Holzkohlen verstanden, beweisen z. B. die zahlreichen Kohlen» meiler, die sich den ganzen Limes entlang finden. Uebrigens haben sich Holzkohlen selbst mehrfach vorgefunden, z.B. in der Saalburg. Ueber- Haupt ivar man im Altertume, wie mehrfache Schriftstellerzeugnisse besagen, bemüht, ranchschwaches Feuer zu schaffen. In Italien dienten die Hypolansten(Heizgewölbe) naturgemäß mehr zum Ge- brauch der Bäder, als der Wohnräume. Im Rheingebiet sind da» gegen Heizungsspnren bei allen nicht gänzlich zerstörten Villen ohns Ausnahme gefunden. Ans ganz ähnlichen Grundsätzen beruhte übrigens die Heizungsanlage der mittelalterlichen Kloster- nnd auch Schloßanlagen. Besonders eingehend ist dies für das Deutsch- ordenshans in Marienburg nachgewiesen worden. Die römischen Heizungen waren auch mit einer sinnreichen Ventilation verschen, ganz wie dies bei den heutigen Ceutralheizniigen der Fall ist; die römischen hatten übrig euS den Vorteil, daß bei der Erwärmung des Heizrmims Ziegel oder Steinpseiler mitwirkten, und nicht, wie es jetzt geschieht, eiserne Platten nnd Röhren, die bei einer starken Feuerung leicht überhitzt werden, so daß die Lust verdorben wird. Außer diesen Pfeilerhypokausten gab es auch sogenannte Kanal- Heizungen. Bei diesen ist der Boden des zn erwärmenden Raums nicht hohl und mit keinen Pfeilerchen untermauert,„sondern es ziehen in Form'eiues Aiidreastreuzes Heizkanäle unter demselben her, deren Mittelpunkt mit einem nach dem Fenerraum führenden Kanal in Verbindung steht". Sie findet sich in Trier bei ver- schiedcnen Bauten, z. B. im Kaiserpakast nnd besonders anch ans der Saalburg, sowohl bei der bürgerlichen Mederlassung als im Kastell. In letzterem sind nach Jrnobi bei einer Anlage die Kanäle anS QnarziNnanerwerk hergestellt, das mit Lehm verputzt war; sie haben einen Querschnitt von 30 ans 40 Ccntimeter nnd sind mit Ziegel- platten überdeckt gewesen, welche, ebenso Wie der zwischen den Kanälen liegende Boden mit Estrich überzogen waren. Bon den Enden der Kanäle gingen Heizröhren, ähnlich wie bei allen Hypokanfte», senkrecht in die Höhe. Endlich gab es auch Heiz- systcme, bei denen Pseilcr- und Kmialhypokansteii kombiniert Waren; bei diesen befand sich unter der Mitte des zu heizenden Raums ein klcnies Pfeilerhypokausturn. von dem aus die Heizkanäle strahlen- förmig anslieseu. Auch diese Art ist ans der Saalburg vertreten. In einem Fenerraum hat man anch SchWefclstückchen gesmidc»; sie dienten jedenfalls beim Fenerauznudeu. vielleicht auch schon zur Herstellung einer Art von Zündhölzchen.— HumoristisesteI. — Von Serenissimus. Sercnissiinns besucht die Sitzung einer Spiritistengesellschast.„Kindermann," sagte er.„äh lassen Sie mal den Geist meines hochseligen Herrn Vaters erscheinen I" „Den G e» st hochdcro Herrn Vaters?* „Ja..." „Unmöglich! Ganz unmöglich!" erwiderte sein treuer Begleiter.— k.Simpl.") — Gute A n s k» Ii f t. Besuch:„Ist Deine Schwester zu Hause. Fritzchen?" F r i tz ch e n:„Bitte, läuten Sie doch lieber an nnd fragen Sie das Stubeimrädchen— die weiß, was sie sagen soll!"— Notizen. — Mit dem 1. Oktober ist die Heransgabe und Redaktion deS „Magazins für Litteratnr" von den Schriftstellern Johannes G a n I k e nnd Franz Philips übernommen worden.— t. Die Philosophische Gesellschaft der Universität Wien hat die Abficht, einen vollständigen Katalog der psychologischen L i t t e r a t u r zu veröffentlichen, die in den letzten 50 Jahren er- schienen ist.— —„Die Bntterseite", Schwank von P s c r h o f e r. wird demnächst im Reuen Theater zum erstenmal in Sceue gehen.— — Die S a n d r o ck ist nister die Dichter gegangen. Mit dem Schriftsteller Robert Eysler hat sie ein Schauspiel„Vergeltung" verfaßt, daß sie bei ihrem Gastspiel am Theater an der Wien Mitte Oktober zur Aufführung bringen will.— — Die nächsten Novitäten des Schauspielhauses sind„Der Wilde Reutlingen" von Moser und Thilo von Trotha, dann folgt„ila bru", unter dem Titel„Meine Schwiegertochter."— — Der Neubau d e S Thöatre FranyaiS wird am 25. Dezember vollendet fein. Die Eröffnung des neueil HauseS soll am 29. Dezember erfolgen.—__ Birimtwortltcher Redacteur: Heinrich Böetster in GrvS-Lichterselde. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin.