Kr. 223 AdonnemeMs-KrdtngMgen: «bonnemenis»PrctZ pränumerando: vterleljährl- z.gll Md, monatl, l.lvMl,, Ivöchenllich 2S PIg. Iret ins Hau«, Einzelne Nummer S Psg. Tonnlag«, Nummer mU illullricrier Eonntag«» Beilage„Die Neue Welt» 10 Psg, Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zettung»- PreiSllste für l»SÜ unter Nr. 7SL0. Unter Kreuzband für Teutschland und Lesterretch- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheink laglich nutzer»out«»». Devlinev VolksblAkt. 16» Jahrg. Die Insrrtions- Gebühr � beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zetle oder deren Raum«0 Psg,, für polittsche und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anfeigen" jedes Wort S Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS l Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt« 3 Uhr vormitlag« geöffnel. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1508� Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrnt Berlin'* Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Strasze 2. Expedition: SW. 19, Veutlz-Strasze 3. rr Karl Kautskys Schrift »Bernstein und das Soeialdemokratische Programm". ii. Nachdem Kautskh dieser Art die auf die Proletarisierung der Masse hinauslaufenden Tendenzen der kapitalistischen Entwicklung charakterisiert hat, bringt das nächste Kapitel eine breitere Diskussion der sogenannten„Verelend migstheorie"(das Wort stammt nicht von Marx), die, obgleich sie für die Marxsche Entwicklungslehre mir eine nebensächliche Bedeutung hat, mit Vorliebe zur Arguinen tation gegen Marx benutzt wird. Kautsky unterscheidcl drei Jntcr. pretatiouen. Zunächst ivürde Marx' Satz, daß mit der zunehmenden kapitalistischen Accumulation die„Masse des Elends, des Druckes, der Knechtung, der Degradation, der Ausbeutung", zugleich aber „auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst ge- schulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse" wachse, einfach als bloße Kennzeichnung zweier einander wider- st reden der Tendenzen, einer nach Herabdrückung und einer nach Erhebung des Proletariats, auf- gefaßt. Eine zweite Auffassung verstände unter dem Worte „Elend" ausschließlich physisches Elend, eine dritte vor allem das sociale Elend, gemessen an den gegebenen socialen Be- dÜrfnissen, der steigenden Produktivität der Arbeit und der gesell schaft Lebenshaltung. Kautsky zeigt, daß Bernstein, obgleich doch in einer socialen Theorie der Begriff des Elends zweifellos im socialen Sinne zu nehmen sei, nur die ziveite Auffassung anerkennt. Dagegen würde die Auffassung des Elends im socialen Sinne, die Bernstein in einer Wendung gegen Cunoiv als eine„pickwicksche" bezeichnet, nicht nur. wie Kautsky durch Citate erweist, von Marx und Engels, sondern auch z. B. von Lassalle und Rodbert us geteilt! „Das Entscheidende ist die Thatsachc, daß der Gegensatz zwischen den Bedürfnissen der Lohnarbeiter und der Möglichkcir, sie aus ihrem Lohn zu befriedigen, damit aber auch der Gegensatz zwischen Lohn- arbeit und Kapital immer mehr wächst. In diesem ivachscndcn Elend einer physisch und geistig kräftigen Arbeiterschaft, nicht in der wachsenden Verzweiflung halb verthiertcr skrophulöser Horden sah der Autor des„Kapital" die mächtigste Triebkraft zum Socialismus. Ihr Wirken wird durch den Nachweis einer steigenden Lebenshaltung der Arbeiterschaft nicht widerlegt." Als Zeichen des wachsenden Elends verweist Kautsky auf die Zunahme der Kinder- und Frauenarbeit, die zur Verkümmerung des proletarischen Haushalts und zur Verwahrlosung der proletarischen Jugend führe, auf die Prostitution. Arbeitslosigkeit usiv. Zwar sei die Zunahme der Frauenarbeit nicht notwendigerweise ein Symptom des wachsenden physischen Elends, wohl aber meist des wachsenden Unvermögens, mit dem Lohn des Mannes allein die Bedürfnisse der Arbeiterfamilie zu decken. Im Deutschen Reiche nun habe sich von 1882 bis 18Sö die Zahl der erwerbsthätigen Frauen um über eine Million vermehrt. In Industrie und Handel sei gar im gleichen Zeitraum die Zahl der weiblichen Angestellten um 234,7 Proz., der der Lohnarbeitcrinnen um 104,9 Proz. gestiegen. Gegenüber der Theorie von der Konzentration des Kapitals und von der Verschärfung der socialen Gegensätze hält KautSky die „K r i s e n t h e o r i e" für sekundär. Die periodischen Wirtschaft- lichen Krisen„verstärken die Wirkungen der erstgenannten Entwickc- lung, beschleunigen den KonzeutrationSprozeß des Kapitals, vcr- mehren die Masse der Proletarier und die Unsicherheit ihrer Lage; aber an dem Endergebnis dieser Entwickclung würde es nichts ändern, wenn die periodischen Krisen nicht notwendig im Wesen der kapitalistiscken Produkt! onslveise begründet wären". Der zehnjährige Kriscn-Cyklus sei keine Theorie von Marx, sondern eine empirisch festgestellte Thatsache. Wenn in letzter Zeit die Krisen- gefahr sich anscheinend vermindert habe, so hänge dicS mit besonderen wirtschaftlichen Verhältnissen zusammen. Vorbedingung der Er- Haltung und Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise sei die stetige Erweiterung des Marktes,„der kaufkräftige» Nachfrage nach den Masscnproduktcn der kapitalistischen Produktion, die doch danach drängt, den Wert dessen, was die arbeitenden Klassen einzutauschen haben, ihrer Arbeitskraft, immer mehr hcrabzudrücken, so daß sie immer weniger von ihrem Produkt selbst kaufen können". Diese nötige Ausdehnung des Marktes, die eines der wichtigsten Probleme für den industriellen Kapitalisten sei, wäre in der letzten Zeit außer- ordentlich begünstigt worden: auf dem inneren Markt durch Vcr- drängung der urwüchsigen Hausindustrie, Verbesserung der Kommu- nikationen, namentlich der Eisenbahnen, Abströmen der Arbeitskräfte vom Lande, bedeutende Veränderungen der Tecknik, speciell durch Entlvickelung der Elektrotechnik, Vermehrung des GclLmctallS zc., auf dem äußeren Markt ebenfalls durch Erweiterung der Kommu- nikationen, Uebergang rückständiger Gegenden zur Großindustrie, Erschließung bisher abseits liegender Gebiete für den Welthandel. Erfordert jedoch die kapitalistische Produktionsweise eine unauf- hörliche weitere Ausdehnung des Marktes, so ist klar,„die kapitalistische Produktionsweise wird von dem historischen Moment an zur Unmöglichkeit, in dem sich herausstellt. daß der Markt nicht mehr in demselben Tempo sich ausdehnen kann, wie die Prodktion, das heißt, sobald die lieber- Produktion chronisch wird." Zu einem solchen Zustand muß es aber, wie Kautsky unter Hinweis auf die Stagnation in der Tcxtil- industrie und die mächtige Entfaltung der Eisenindustrie zu erweisen sucht, kommen,„Ivcnii die ökonomische Entwickclung in derselben Weise wie bisher vor sich geht, denn der äußere wie der innere Markt hat seine Grenzen, indessen die Ausdehnung der Produktion praktisch grenzenlos ist". Aber vermögen nicht die Kartelle der Ucberproduktion und den Krisen vorzubeugen? Auch diese in letzter Zeit ventilierte Frage wird von Kautsky unter Darlegung der amerikanischen Trustverhältnisse mit„Nein" beantwortet. Der letzte Abschnitt behandelt die Frage der T a k t a k. Kautsky geht dort auf die zwar nicht direkt von Bernstern, wohl aber von einzelnen seiner Anhänger vertretene Auffassung ein, das Streben des Proletariats nach politischer Macht sei eitel, falls es nicht vorher ökonomische Macht errungen habe durch gewerkschaftliche und ge- nosscnschaftliche Organisation: eine Auffassung, die Dr. Woltmann sogar zu dem Satz verleitet habe, die Arbeiterklasse könne politische Rechte und Einflüsse nicht erringen ohne wirthschaftliche Organi- sationen. Kautsky legt dar, daß diese Ansicht auf eine Verwechselung von ökonomischer Macht und ökonomischer Organisation beruht. Richtig iväre, daß wenn das Proletariat keine ökonomische Macht besäße, es keine politischen Rechte erringen könnte. Die Grundlage dieser seiner ökonomischen Macht sei aber die Rolle, die es im Produktionsprozeß spiele; deshalb ginge das Wachstum der Macht des Proletariats überall vor sich, in despotischen Ländern wie in demokratischen, in Rußland wie in der Schweiz. Daß die Arbeiterklasse dann aber, sobald sie politische Rechte erlangt, diese dazu anzuwenden habe, um sich eine Organisation zu geben und ihre Macht dadurch weiter- hin zu steigern, sei selbstverständlich.„Aber die grundlegende ökonomische Macht des Proletariats ist jene, die selbstthätig durch die ökonomische Entwicklung geschaffen wird. Und die höchste Form des Klassen- kampfs, die allen andern ihren Stempel aufdrückt, ist nicht der Kampf einzelner ökonomischer Organisationen, sondern der Kampk der Gesamtheit des Proletariats um die mächtigste der gesellschaftlichen Organisationen, den Staat, das ist also der politische Kampf. Er ist der in letzter Linie entscheidende." Damit sei freilich keineswegs gesagt, daß das Verhältnis zwischen ökonomischem und politischem Kampf zu allen Zeiten und unter allen Verhältnissen das gleiche sein müsse. Kautsky unter- nimmt nachzuiveisen, daß bislang immer in den Zeiten der Pro- sperität die Neigung zu ökonomischen Reformen am größten gewesen ist. In der Krisis dagegen schwinde die Aussicht,„auf dem Boden der reinen Oekonomic vorwärts zu kommen" und alles drängt zum politischen Kampf. Eine Periode der Prosperität wäre auch jetzt wieder vorhanden, und diese Situation begünstige die Wirkung des Bernstcinschen Buches.„Seine Betonung der praktischen ökonomischen Kleinarbeit entspricht einem thatsächlich vorhandenen Bedürfnis; sein Zlvcifcl an der Wahrscheinlichkeit großer und rasch eintretender politischer Veränderungen— Katastrophen— entspricht den Erfahrungen der letzten Jahre." Weit wichtiger sei, so fährt Kautsky im nächsten Kapitel fort, die Frage, ob die Arbeiterklasse eine völlig selb st« ständige Klassenpolitik treiben solle: eine Frage, die darauf hinauslaufe: Sollen wir Programm und Taktik der Socialdcmokratie derartig gestalten, daß sie allen demokratischen Klassen und Schichten geöffnet ist. oder nicht? Von den Ucberrcstcn einer wirkliche» bürgerlichen Demokratie werde das vielfach gewünscht, und diese Elemente scharten sich um Bernstein, da seine Untcrschätzuug der der proletarischen Klasscnsolidarität und des Klassengegensatzes zwischen Arbeiter und Bourgeois, sein Hinweis auf die principielle Aufhebung der Klassenherrschaft durch die Demokratie usw., ihnen eine Reihe willkommener Argumente liefern. Doch auch in unserer Partei selbst wäre eine solche rcformcrischc Richtung vorhanden, die nach einer Elvcitcrung der proletarischen Demokratie zn einer großen, a l l e d e m o k r a t i s ch e n E l c m e n t e umfassen- den Volkspartei strebe. Das Motiv sei die Erwartnng, daß eine solche demokratische Partei weit eher die Majorität erlangen könne, als das Proletariat für sich allein. Wohl könne das letztere auf diesem Wege nicht alle seine Forderungen durchsetzen, es müsse auf die bürgerlichen Parteigenossen Rücksicht nehmen, aber, so argumentiere diese Richtung,-„wenn wir unsere Partei nicht aus einer Partei der Lohnarbeiter in eine der Volksmasse umwandeln, verurteilen wir uns auf unabsehbare Zeit zur Impotenz, zu völlig unfruchtbarer Opposition." Kautsky erörtert zunächst, inwiefern Bernstein mit seinem Urteil über die Klasscnsolidarität und seiner Auffassung der Demokratie als principieller„Aufhebung der Klassenherrschaft" recht hat und untersucht dann, welchen Vorteil die Socialdcmokratie von einer Verbindung mit bürgerlich demokratischen Elementen hätte. Schon heute drehe sich, führt Kautsky aus, unsere ganze innere Politik um die Socialdcmokratie. Nicht aus Furcht, unsere Partei könne eines schönen Tages alles kurz und klein schlagen, sondern aus Furcht, die Socialdemokratie könnte die gesamten Arbeitcnuassen um sich scharen. Die bürgerlichen Parteien wären gezwungen, wenigstens einen Teil der Forderungen unserer Partei zu den ihren zu machen, wollten sie sich nicht die Arbeiterklasse vollends entschlüpfen lassen. „Wenn also die Socialdemokratie die reine Klasscnpartci des kämpfenden Proletariats bleibt, so verzichtet sie damit durchaus nicht auf jede positive Thätigkeit. Wollte sie dagegen ihr Programm und ihre Taktik so einrichten, daß sie fähig wird, auch andere Klassen in sich aufzunehmen und ihre Klassenkämpfe zu führen, so würde sie dadurch selbst ihre Angriffskraft lähmen und mit ihrer Einheitlichkeit auch ihre Einheit preisgeben. Das Opfer würde ihr kaum etivas nützen— auch als bloße demokratische Partei bliebe sie eine Partei, in der das Proletariat den Ausschlag giebt; proletarischer Führung unterwerfen sich aber die anderen Klassen nicht. Eine rein demo- kratische Partei ist nur möglich unter bürgerlicher Führung." Und welche Klassen kämen für die Demokratie bei einer solchen Verbindung in Betracht? Kleinbürger, Bauern und die Intelligenz. Was aber wollten diese Kleinbürger und Bauern, die nicht auf proletarischem Standpunkt ständen? Ihre Lage verbessern, d. h. aus kleinen Ausbeutern große werden, meist dadurch, daß sie in der Ausnutzung ihrer Arbeitskräfte keine Schranken fänden. Noch weniger sei die sogenannte Intelligenz zum energischen Klassenkampf geneigt, so sehr sie auch im Herzen das kapitalistische Regime hassen möge. Dadurch würden aber unbedingt auch Ziel und Richtung eine Veränderung erleiden; denn es ist klar,„daß eine Volkspartei, in der die Klasseninteressen der Bauernschaft und des Kleinbürgertums maßgebenden Einfluß haben, stets, auch wenn sie noch so arbeiter- freundlich ist. auf dem Boden der gegebenen Gesellschaftsordnung, des Privateigentums an den Produktionsmitteln, der Freiheit der Privatproduktion stehen bleiben mutz. Sie kann über die Konstitution von 1793, über das Princip des Liberalismus nicht hinaus..." Dagegen müsse ein proletarisches Regime überall anstreben:„Einmal die Aufhebung des privaten Charakters der großen kapitalistischen Monopole und dann die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die Aufhebung der industriellen Rcserve-Armee." Kapitalistische Produktion und politische Herrschaft des Proletariats seien also unvereinbar miteinander. Im letzten Kapitel antwortet Kautsky auf Bernsteins Frage: „Haben wir die zur Abschaffung der Klassen erforderte Höhe der Entwicklung der Produktivkräfte schon erreicht?" Kautsky stellt fest, daß Bernstein für seine Behauptung. die Produktivkräfte seien zur Aufhebung der Klassen noch nicht genügend entwickelt, nicht den geringsten Beweis beibringe und daß die Gewährsmänner, auf die er sich beruft, sich gegen ihn lvenden. Ebenso nichtig sei, was Bernstein über den Umfang und die bunte Mischung des Proletariats sage. Aus ungleich verschiedenartigeren Elementen, als das Prole- tariat, sei das Bürgertum zusammengesetzt, und doch hätte dieses die Herrschaft erlangt. Nicht auf allerlei Unterschiede der Berufs- stellung zc. käme es an, sondern ob aus diesen Unterschieden Interessengegensätze entsprängen, die ein dauerndes Zusammen- wirken in einer politischen Partei unmöglich machten. Gerade in diesem Punkt aber hätte die Socialdemokratie vor den bürgerlichen Parteien einen großen Vorteil voraus. „In jeder Machtposition," sagt Kautsky,„welche die Social- dcnwkratie im letzten Jahrzehnt, ja in den letzten Jahrzehnten, eroberte, hat sie sich behauptet, hat sie sich ihren Gegnern an positivem Schaffen überlegen gezeigt. In tvclchcr Organisation immer sie die Herrschaft errang, überall erwies sie sich der Situation gewachsen. Welchen Grund haben wir, anzunehmen, sie müsse scheitern, wenn die gesamte ökonomische und intellektuelle Macht deö Staates ihr zur Verfügung gestellt wird?" Eine internationale Umfrage über socialdemokratische Taktik. Zu der mehrfach crlvähnten Umfrage der„Pctite Rspu« b I i q u e" über die anläßlich des Dreysushandels akut gewordenen taktischen Fragen— Bebels Antlvort haben lvir bereits veröffentlicht— liegen mehrere weitere Meinungsäußerungen vor, die wir auszugs- weise iviedcrgcbcn. Van Kol, der holländische Socialistenführcr, bemerkt u. a.: Erste Frage: Kann das socialistische Proletariat, ohne gegen daö Princip des Klassenkampfes zu verstoßen, an den Streitigtcitcn der verschiedene» Vonrgcois- Parteien teil- nehmen, fei es ,»» die politische Freiheit zn retten, sei cS, wie in der Slffairc Trcyfns, um die Menschlichkeit zu ver- tcidigen? Das socialistische Proletariat könnte nicht wirksam den Klassen- kämpf führen, wenn es nicht verstände, die bedrohte Freiheit zu retten und— wie in der Affaire Dreyfus— die beleidigte Mensch- heit zn verteidigen. Es muß ungeteilt und jederzeit der wachsame Hüter der Demokratie, der glühende Streiter für Recht und Wahrheit fein. Obgleich es erhobenen Blickes sein Ideal verfolgt, mutz eS den Fuß fest auf den Boden der Wirklichkeit setzen und alle Hinder- nisse aus dem Wege räumen, welche dem Lauf des Fortschritts hinderlich sein können. Wenn die Socialistcn gleiche Rechte für alle verlangen, müssen sie von den Hohen und Niedrigen gleiche Pflichten fordern und selbst dem Arbeiter unrecht geben, wenn er vom rechten Wege abweicht, dem einzigen, der zum Siege führt. Als Jaurös sich in den Streit stürzte, um einen Unschuldigen, ein Opfer klerikaler Vorurteile und militärischer Demoralisation zu retten, hat er die Ehre des französischen Socialismus gerettet. Später Iverden ihm die gebleudete» Massen Dank wissen für seinen ruhmreichen Feldzug im Dienste der Gerechtigkeit unter der Fahne der Wahrheit. Erregen wir die Masse, aber veredeln wir sie auch! Adel ver- pflichtet! Daö gilt auch für das socialistische Proletariat. Nimmer dürfen ihm seine Thaten durch einen kleinlichen und engherzigen Parteigeist inspiriert werden, anstatt dazu durch ein Ideal der Güte, Gerechtigkeit und Menschlichkeit beivegt z» werden. Zweite Frage. In welchem Maße darf daS socialistische Proletariat teilnehmen an der bürgerlichen Regierungs- gcwalt; steht daS Princip dcS Klassenkampfes absolut in alle» Fälle» der teilweise» Vesitznahme der ministerielle» Macht durch die socialistische Partei entgegen? Die Frage, meint van Kol, läßt sich nicht allgemein beantworten. Sie nmß für jeden Fall besonders geprüft werden. Für die gegen- wältige Lage in Frankreich bezeichnet er es als die Pflicht der Sociälisten, sich so lvcit als möglich der öffentlichen Gcwalt zu bc- mächtigen. Wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen. Darum muß man nicht nur in die Kommunalvertretungen und Parlamente eintreten, sondern auch die Unsrigen in die Bürger- meistereien und Ministerien schieben, das socialistische Banner in der Hand. Nicht mit einem Schlage werden ivir uns der Gewalt bemächtigen, nur Schritt für Schritt durch eine langsame und beständige Ersetzung der bürgerlichen Elemente durch Arbeilerelcmente werden wir die herrschende Klasse in der Gesellschaft werden, und werden unsere Ideen im Staate zur Herrschaft gelangen. Zunächst müssen wir den Befähigungsnachweis erbringen und darum die Macht ausüben und sie zeitweilig mit anderen Parteien teilen, i Wenn einer die Zügel der Regierung ergreift und wir das socio listische Ideal rein bewahren, wir seinen Principien treu bleiben ohne Kompromiß und Absindung; wenn wir ferner auf dem Boden des Klassenkampfes bleibend, uns als Feinde der Reichen und Freunde der Enterbten zeigen und ohne Ennatten gegen daS kapitalistische Regime, welches langsam verschwinden muß, kämpfen, so erfüllen wir eine große und' nützliche Pflicht. Aber diese Pflicht, die teilweise Inbesitznahme der mini- steriellen Macht, wird in einem Falle wie dem MillerandS eine heilige Pflicht. Wenn die Fäulnis den socialen Körper ergreift tvenn eine Kontre» Revolution sich vorbereitet, wenn die wertvollsten politischen Freiheiten auf dem Spiel stehen, muß man auf dem Kampfposten stehen. Um die Kontrc-Revolution zu be- kämpfen und zu zerschmettern, mußte Millerand handeln: er handelte und hätte noch besser gehandelt, ivenn man ihn unterstützt hätte. Trotz des Abscheues, welchen ein Henker der Kommune wie G a l l i f f e t einflößt— in einem ähnlichen Fall würden sich andere ganz ebenso wilde finden— mußte Millerand die dringende Pflicht erfüllen, die ihm das Geschick auferlegte und Frankreich von allem Unrat, welcher während der Jahre. als das Volk schlummerte, angehäuft wurde, reinigen helfen Jeder Socialist ist verpflichtet, ihn in seinen Anstrengungen, die Vorurteile zu bekämpfen und die überall ihr Haupt erhebende Reaktion zu töten, zu unterstützen und dadurch verhindern, daß Frankreich seinem Ruin zugeführt werde. Man fordere Thaten; die Kritik konnte nicht mehr genügen; es war dringend erforderlich, zu beweisen, daß die Socialist'en nicht nur zu zerstören wissen, sondern auch fähig sind, die Grundlagen für eine neue Macht zu legen. Die politische Macht drohte in die Hände der schlimmsten Feinde zu fallen, man mußte davon ergreifen, was man konnte, um sie im Sinne der ökonomischen Entwickelung zu benutzen, der man Hindernisse entgegenstellte. Je größer unsere Macht im Staate sein wird, um so größer werden die Resultate sein, die man erhalten wird. Da tvir noch zu schwach sind, um den Willen des Proletariats zum Durchbruch zu bringen, müssen wir alles an- nehmen, was die Lage der Arbeiterklasse ver- bessern, seine Rechte vermehren, seine Macht vergrößern kann. »Auch den kleinsten Fortschritt zu acceptieren, wenn er allein möglich ist"(Vaillant) ist oft unsere Pflicht. Die anarchistische Theorie des„Entweder alles oder nichts" hat nur zu lange die Arbeiterbewegung in ihrem Marsch zu dem Siege aufgehalten. Wenn es möglich ist, müssen wir die gewaltsame Re- volution vermeiden, dadurch, daß wir wirksame Reformen begünstigen und die politische und sociale Entwicklung des Menschen- geschlechts fortsetzen. Und wenn man ernsthafte Reformen will, muß man so weit wie möglich die Macht ergreifen, Thaten ablegen, Resultate zeigen. Die Rekrutierungskraft der socialistischen Partei wird verzehnfacht werden, da wir das Recht auf unserer Seite haben, werden wir nach und nach über die nötige Kraft verfügen, um den Anbruch der neuen Acra zu begünstigen. Wir müssen die schöpferische Kraft in der Straße und in den Parlamenten werden, in den Fabriken wie in den Ministerien, immer und überall vorangehen, den socialistischen Sauerteig allen Gesetzen, allen Regicrungsmaßregeln, hinzufügen, Ivo wir unseren Einfluß zur Geltung bringen können. *» Bandervelde, der Führer der belgischen Socialistcn, demerkt zu der ersten Frage, er verstiinde kaum, wie ein Socialist anders als bejahend antworten könne. Behaupten, daß das Proletariat glcichgiltig bleiben muß in jedem Konflikt, in dem seine Klasscninteresscn nicht direkt berührt sind, heißt den Socialismus verkleinern, den Begriff des Klaffen- kampfes bis zur Verkrüppelung verengen. Das war sicher nicht die Absicht von Marx und Engels, als sie im Kommunistischen Manifest dem klassenbewußten Proletariat empfahlen, die anderen Parteien in der Erringung der modernen Freiheiten zu unterstützen. Die Neutralität der Guesdisten im Dreyfushandcl war eine beklagcus- werte Abdankung in dem erhabenen Kampf für die Civilisation gegen die Freiheit. Verbietet es der Klassenkampf, daß ein Proletarier das Mitglied einer anderen Klasse in Lebensgefahr rettet? Wie sollte er hindern, einen Unschuldigen den Händen der Henker und Wilden zu entreißen. Was den FallMillerand anbetrifft, so bedauert Vandervelde, daß Millerand mangels einer einheitlichen französischen Partei unter seiner persönlichen Verantwortung eine so bedeutsame Entscheidung getroffen hat. Die. Frage selbst, ob ein Socinldcmokrat in ein bürgerliches Ministerium eintreten darf, ist eine Frage der Verhältnisse. Viele unserer Freunde machen eine feine Unterscheidung zwischen den Fällen, wo die Vertreter des Proletariats in eine bürgerliche Institution dank ihrer eigenen Kräfte eindringen, und denen, wo ihnen die Bourgeoisie freiwillig kleine Teile der Macht anbietet. Aber zwischen diesen beiden Extremen giebt eS alle möglichen Ucbergänge. Sobald man zugiebt, daß in gewissen Fällen es das socialdemokratische Interesse erfordert, daß man zu Kom- promissen, Alliancen, Koalitionen seine Zuflucht nimmt, wird es un- möglich, a priori zu behaupten, daß niemals, in keinem Fall, was auch imn, er geschehen möge, Socialisten nicht teilweise die ministerielle Macht ergreifen dürfen. Außergewöhnliche Umstände erfordern außer- gewöhnliche Handlungen. Im allgemeinen freilich ist der Ein- tritt von Socialdemokraten in ein noch so demokratisches Ministerium entschieden zu verwerfen. Das wenig Gute, was sie schaffen könnten, wurde nicht das viele Schlechte aufwiegen, mit dem sie sich solidarisch erklären niüßtcn. Selbst unter der Voraussetzung der parlamentarischen Herrschaft einer Koalition von Radikalen und Socialistcn wäre eine bedingungsweise Unterstützung eines radikalen Ministeriums vorteilhafter, als wenn wir uns mit ihnen in der Rc- gierung teilen. So lange der Socialismus nicht die Macht hat, um im Namen seiner Principien zu herrschen, ist es— von Ausnahme- fällen abgesehen— unzulässig, an einer Regierung teilzunehmen, die sich auf diametral entgegengesetzte Principien stützt. » Plechanoff, der russische socialdemokratische Schriftsteller, meint, das socialistische Proletariat habe nicht allein daS Recht, sondern die Pflicht, in den Konflikten der bürgerlichen Fraktionen zu intervenieren, so oft es ihm für die Interessen der revolutionären Bewegung nützlich scheint. Aber diese Intervention kann der revolutionären Bewegung nur dann nützlich werden und darf nur dann geschehen, wenn sie den Kampf zwischen der Bourgeoisie— den Eignern der Produktionsmittel— und deni Proletariat— der durch die Besitzer dieser Mittel ausgebeuteten Klasse— lebhafter und energischer gestaltet. Damit der Klassen- kämpf verschärft werde, muß das Proletariat mehr und mehr durch- drnnge» werden von dem Bewußtsein des Gegensatzes zwischen seinen Interessen und denen seiner Ausbeuter. Was dieses Bewußt- sein veiffchärft, muß als revolutionäres Mittel erachtet und folglich von den Socialisten angenommen werden. Wer dieses Bewußtseins ver- dunkelt, ist antirevolutionär und muß folglich von uns verurteilt und zurückgewiesen werden. DaS ist daS große Princip, auf dem unsere ganze Taktik beruht. Von diesem Gesichtspunkt aus bin ich sehr geneigt zu sagen, daß die Teilnahme der Socialisten an der Bourgcois-Regierung uns teurer zu stehen kommen würde, als sie wert wäre, weil sie die Ab- schivächung des revolutionären Bewußtseins des Proletariats zur Folge haben würde. Aber keine Regel ohne Ausnahme und jedes absolut aufgestellte Priucip wird durch sich selbst metaphysisch. Die Möglichkeit besteht also, daß in Ausnahmefällen die Socialdcmokratie sich gezwungen sehen könnte, in ein Bourgeois-Ministerimn einen Parteigenossen zu entsenden, aber immer nur im Namen der Gesamt- Partei. Wohlgcmcrkt, auch solcher Entschluß, an einer Bourgeois- Negierung teilznnchmen, darf nur zu dem Zweck geschehen, die Auf- lösung der gegenwärtigen Gesellschaft zu beschleunigen. Pablo JglösiaS, seit zwanzig Jahren der Führer der sp a nisch en Arbeiterpartei, beantwortet die erste Frage dahin: Die Socialdcmokratie mutz in allem intervenieren, was der Vcrteidigmig der politischen Freiheiten und der Erziehung zum proletarischen Jnteressenbewußtsciu dienen kann, in allem, was eine bessere Organisation und eine größere Freiheit gewährt, an dem Verschwinden des Bourgeois-Regimes zu arbeiten. Die Einmischung in die Affaire Drehfus war not- wendig, um die damit verknüpften reaktionären Bestrebungen zu bekämpfen. Indessen ich bin doch der Meinung, daß einige an der Agitation beteiligte Socialisten weiter gegangen sind, als sie hätten gehen sollen, ftidem sie der Angelegenheit eine größere Bedeutung gaben, als sie in Wahrheit für die Arbeiterklaste hat. Rein als Justizfrevcl betrachtet, bedeutet die Affaire Dreifus für das Proletariat nicht mehr als alle die anderen Ruchlosigkeiten, die so oft gegen Proletarier begangen worden sind. Hinsichtlich der zweiten Frage meint JglesiaS, die Socialisten dürsten niemals eine Verantwortung und eine Thätigkeit in einem BourgeoiS-Ministcrium übernehmen. Die Socialistcn dürfen nicht an der Exekutive von Gesetzen teilhaben, die von Ausbeutern ge- schaffen sind, um die Ausgebeuteten in Knechtschaft, Elend und Unwissenheit zu erhalten._ polikifcho Aebevstchk. Berlin, den 22. September, Die Liberalen und die Zuchthausvorlage. In der nationalliberalen„Badischen Landes- zeitung" wird die Haltung des Abgeordneten Bafsermann gegen die Zuchthausvorlage verteidigt. Dabei werden einige interessante Dinge erzählt: »Nach wie vor hat es einzelne Fälle gegeben, in denen der Streikende seinen arbeitenden Kameraden beschimpft, an der Arbeit zu hindern gesucht hat. Heute wie ehedem beklagen wir solche Fälle, vermissen wir eine Fassung der betreffenden Gesetze, unter die jedes einzelne derartige Vorgehen sich zu voller Sühne rubrizieren liehe. Der Wunsch, daß der Schutz der Arbeitswilligen mit aller Energie zur Durchführung gelange, ist nicht weniger lebhaft, alsZ zuvor. Ebenso entschieden aber wie im Frühjahr wird heute die Beeinträchtigung des Koalitionsrcchts abgelehnt, weigert man sich, Gesetze anzunehmen, deren Text weit über daS Maß deffen hinaus geht, was zum Schutze der Arbeit erreicht werden soll. „Vergessen wir aber auch nicht, daß die ganze Vorgeschichte des Zuchthausgesetzes zu dessen Diskreditierung das Wesentliche beigetragen hat. Von einem Gesetze, das 3/i Jahre nachdem verkündet worden war, es gehe seiner Vollendung entgegen, an die Oeffcntlichkcit gelangt, nimmt niemand an, daß es von der Re- gierung für dringend notwendig gehalten wird.... Es hat sich inzwischen bestätigt, daß Graf Posadowöky die Einwendnungcn von Vertretern mehrerer Bundesstaaten weniger mit sachlichen Motive«, als gerade mit dem Hinweis auf die Ochnhanser Rede entkräftet hat. Es soll heute nicht davon die Rede sein, ob und in welchem Grade ein solches Verhalten der kaiserlichen Ratgeber den Anforderungen ihres Amtes entspricht Wohl aber muß mit allerEntschiedenhcit in Abrede gestellt werden daß nationallibcrale Volksvertreter solchen Erwägungen zugänglich sein könnten. Im Gegenteil halten wir eS für sehr begreiflich, daß der Argwohn, es hätten der Sache selbst fernliegende Gesichtspunkte die Herstellung des Gesetzentwurfes beeinflußt, eine große Anzahl von Liberalen ihm von vornherein abgeneigt gemacht hat. Seitdem ist aber sehr viel geschehen, um diese Abneigung zu verstärken. Die„Zuchthausvorlage" ist zum �chibolcth der einscitigstcn, von Egoismus beherrschten Jntcrcffciikrcisc geworden. Unter ihrem Zeichen sammeln sich alle, die in socialpolitischcn Fragen äußerste Zurückhaltung predigen, denen in dieser Hinsicht wohl zn viel, nie aber zu wenig geschieht, die sich zum Notwendigen chicbcn lassen, ohne jemals frische Initiative zu ergreifen. Für das ZuchlhanSgcsctz wird eine lebhafte Agitation unter Anwendung von Einschüchterungsmitteln in Bewegung gesetzt, in einer Weise, die den liberal Empfindenden auf das peinlichste berühren muß. Damit aber wird man den politisch Denkenden nicht z« der Ansicht bekehren, als ördere Shmpathie für den Arbeiterschutz die Socialdcmokratie. Vielmehr ist nichts nichr geeignet, der Socialdemokrntie neue Scharen von Arbeitern in die Arme zu treiben, als engherzige Jntcresieupolitik, selbstsüchtige Zurückhaltmig von den social- politischcn Aufgaben des Staates. Darum glauben wir nicht, dast bei der nächsten Abstimmung die nationallibcrale Partei sich berufen fühlen wird, den Basscrmannschen �Fehler"„wieder gut zn machen"; wir würden uns nicht einmal wundern, wenn die vielfach ungeschickte und skrupellose Agitation, mit der man den Sommer über der ZuchihauSvorlagc neue Freunde zu werben gesucht hat, manchen vor den Kopf ge- koßen haben sollte, der in dem Entwürfe bisher lediglich ein Mittel zu dem sehr wünschenswerten Schutz der Arbeitswilligen gesehen hatte, den aber daS wahre Gesicht der Arbeitsbeschützer, wie eS sich citdem enthüllte, abschreckt. Jedenfalls aber rechnen wir damit, auch in der nächsten Session des Reichstages die Aufchanungen der Nationallibcralcn in dieser Frage auseinandergehen zu 'ehcir. Diese Aussicht hat jedoch für uns durchaus nichts Bc- ängstigendes. In diesen Darlegungen kehren manche von Bassermann im Reichstag geäichertc Gedanken wieder, mir daß es eine unberechtigte Concession an die Zuchthausfreunde ist, den An- chein zn erwecken, als ob der Terrorismus gegen Arbeitswillige irgendwie beträchtlich sei und mit den heutigen Straf- Mitteln keine Ahndung finden könne. Die Thatsachen beweisen das Gegenteil des einen wie des anderen. Wenn das wahr ist, so wird um so dringender die Pflicht, in den Einzellandtagen die Regierungen über ihre Stellung zum Entwurf zu interpellieren und sie nach den Gründen ihrer Zustimmung zu fragen. Eine bemerkenswerte Enthüllung aber liegt in der bei- läufig erwähnten Behauptimg. der ursprüngliche Widerspruch mancher Bundesrats-Bertreter gegen die Porlage sei durch den Hinweis auf die Notwendigkeit beseitigt worden, es gelte den Trinksprnch von Oeynhausen zu erfüllen. Nebcrdics besteht heute das Argument, daß kaiserliche Trinksprüchc Anforderungen darstellen, die auf jeden Fall ein- gelöst werden müssen, nicht mehr; denn gerade die Konser- vativen haben in der Kanalfrage dafür gesorgt, daß die Reden von Dortmund auf die Wirklichkeit der Politik keinen Einfluß gewinnen konnten. Die„National-Zeitung", die den Artikel deS badischen Blattes übernimmt, sieht die Notwendigkeit eines Ausein» andergehens in der nationalliberalen Partei nicht ein. Die Entstehungsgeschichte des Entwurfs verleitet sie nicht dazu, der Prüfung zu entsagen,„ob das anerkannte Bedürfnis wirk- ämercn Schutzes der Arbeitswilligen sich in einwandfreier Art, ohne Beeinträchtigung des Koalitionsrechtes, befriedigen läßt." Das ist die alte nichtsnutzige Heuchelei! Will man die ! Koalitionsfreiheit nicht beeinträchtigen, so muß man alte Strafbestimmungen beseitigen, statt neue zu erfinden.--- Mehr Soldaten— mehr Schiffe erscheinen am Horizont. Die„Berliner Politischen Nachrichten" rühmen die glänzenden finanziellen Ergebnisse des Reichs- Haushalts und fügen hinzu: „Auf die Lage der Reichssinanzen könnte daher ein Wider- spruch gegen etwaige Mehrfordernngen für Heer und Marine nicht gestützt werden." Es scheint, als ob Miquel für seine agrarischen Freunde dadurch wieder gutes Wetter zu schaffen bemüht ist, daß er durch neue Militär- und Marineforderungen die Reichsfeind- schaft der Kanalfreunde und die Reichstreue der Kanal- feinde ins Licht rückt. Ein Militärkonflikt im Reich soll den Kanalkonflikt in Preußen vergessen machen.— � ** « Deutsches Weich. Sankt Manchester wird von Eugen Michter wieder einmal heftig citiert. Die„Freisinnige Zeitung" beschließt eine Betrachtung über die erwerbsthätigen Kinder im Anschluß an die Verhandlungen der Berliner Stadtverordneten-Vcrsammlung nnt folgenden Sätzen: „Wir haben bis jetzt den Eindruck, daß die einschlagenden that- sächlichen Verhältnisse in Berlin noch nicht genügend klargestellt sind, um mit Sicherheit die Grenzen zeichnen zu können, innerhalb deren eine gewerbliche Thätigkeit der Kinder auszuschließen ist. Zu- nächst muß man verlangen, daß die Schnldcpntatiou ihre Enquete amtlich und öffentlich allieitig zugänglich macht. Es kann auf diesen: Gebiet im Interesse aller Beteiiigten nnr sehr vorsichtig und schrittweise vorgegangen werden, wie dies auch bisher in der cilifchlagenden Gesetzgebung in Betreff der Kinderarbeit in Fa- briken von Anfang an der Fall gewesen ist." Wenn es gilt, dem dauernden bethleheniitischen Kindermord in der socialen Entwickelung zu steuern, so verfolgt Eugen Richter die Lcbensrcgel des alten Landsturms, der immer nur laugsam voran will. Richter ist eben in seiner socialpolitischcn Auffaffung in der Zeit des Landstnrnics, der Postkutsche und des Talglichts stecken geblieben, Während seine finanzielle Gesinnung auf der modernen Höhe der Börse, jdes Großhandels und des Großkapitals thront. Jene Znrückgeblicbcnheit dient der Förderung dieses Fort- schritts.— DaS BiSmarck-Mufeum. Wie die„Volks-Ztg." mitteilt, hat der Kaiser es abgelehnt, das Protektorat über das Bismarck-Museum in Stendal zn übernehmen.— Ein Geständnis. Man weiß, daß daS Zuchthausgesetz sich nicht, wie vorgegeben wird, gegen„Ausschreitungen" richtet, sondern gegen daS Koali'tionsrccht selbst. Es gelingt den Verteidigern der Kncbelvorlage nicht stets, dieses Ivahre Motiv zu verheimlichen. So verplaudern sich hent auch die„Berliner Neuesten Nachrichten". Das Blatt deS KanonenkönigS citiert mit Entsetzen den Satz aus dem Jahresbericht unseres' PnrteivorstandeS, daß in den westlichen Jndnstriebezirken die Arbeitervercinigungen„nnbekümmert um ihre religiöse oder politische Richtung" mehr als früher Hand in Hand gingen. Dazu sagt das ziichthäilsschnsüchtige Blatt: „Diese Dinge gewinnen um so mehr Bedeutung, als die Entscheidnng über die Vorlage zum Schutz der Arbeitswilligen h c r a u u a h t, da ja deren Gegner vor allem schrankenlose Koalitionssreihcit fordern und von klerikaler Seite gerade durch erweiterte Organisation der„christlichen" Arbeiter' der socialdemokratischen Organisation entgegen« gearbeitet werden soll. Wir verkennen nicht, daß letzterer Gedanke etwas Verführerisches und einen idealen Cha- rakter hat, daß auch evangelische wie katholische Ar- beitcrverciuc gegen die Socialdemokratie einige Erfolge aufzuweisen haben mögen. Das benimmt der Sache nicht d i e große in ihr siedende Gefahr. Die Erfahrung hat bereits gezeigt, Ivie auch„christliche" Arb eiter- Organi- s a t i o n e n zn ganz»»berechtigten Forderungen und mehr oder weniger in socialdcmokratisches Fahrwaffer gekommen sind; die radikalen Elemente bekommen eben überall leicht Oberwasser und der ursprünglichen Führung gleiten die Zügel aus der Hand. Dazu werden, wenigstens vereinzelt, selbst von g eist- licher Seite, Principien aufgestellt, die bei der thatsächlichen Lage der Dinge geradezu destruktiv wirken müssen." Deutlicher kann nicht verraten werden, ivohin die Unternehmer- schaft zielt. Die„unberechtigten Forderungen" der Arbeiter sind es, welche nuter dem Vorwand der Bekämpfung von terroristischen Ucbelthateir aus der Welt geschafft werden sollen. Sclvst das zahme Auftreten der unter geistlichem Einfluß stehenden Arbcilcrvcrciiien wird den Allcinherrschaflsgelüsteu dcr� Kapitalisten zuwider. Alle diese Orgni'.isationen sollen vermittelst deS neuen Zuchthausgcsetzcs gehemmt und beseitigt werden.— Gegen das VercinSgcsctz verstößt der deutsche Flotten- verein. Es sind nämlich dem Verein, der 62 939 Mitglieder zählen oll, der deutsche Eisenbahn- Beamtenverein zu Hannover mit 9909 Mitgliedern, 19 Marinevcrcine, 46 Krieger- und Landwehr- vereine und 65 sonstige Vereine beigetreten. Das ist offenbar gesetzwidrig, weil eS dem Koalitionsverbot ividcrspricht. Wenn das gestattet ist, könnten auch sämtliche social- demokratische Vereinigungen als Mitglieder einem Berliner Wahl- verein beitreten— ein Jnverbindungtreten, das dann freilich die ofortige Auflösung zur Folge haben würde.— Zwei Rcichötagscrsatzwahlen. Die ReichStagSersatzwahl in Schielt st adt für den verstorbenen Eentruins-Abgeordneten Spieß ist atif den 12. November anberaumt worden.— Die Ersatzwahl lir den 5. württembergischen Wahlkreis Eßlingen ist ans den 27. Oktober angesetzt worden. Won der deutschen Partei wird der LandtaaSabgeordncte v. Ecß, von socialdeinokratischer Seite Gastwirt chlcgel kandidieren.— Für die Ueberfchwemmten in Bayern wird die Wohl« .Hörigkeit eifrig mobilisiert. Das Centralkomitee der deutschen Bcrciue vom Noten Kreuz unter besonderer Mithilfe der Kaiser n veranstaltet die üblichen Sammlungen in Privatkreisen. Hiergegen ist gewiß nichts zusagen. Aber weit ivertvoller wäre es. wenn der Staat sich der Pflicht bewußt wäre, mit seinen Mitteln ofort für die durch die Wassersnot und oft infolge staatlich er Unterlaffungssünden Leidenden eintreten zu müssen.— Halle a. S., 22. September. Eine neue Aktion gegen die onutäglichc Flngblattvcrtcilung nnleruahm die Polizeiverwaltuiig in Cöimcr» gegen den Zimmerinann Genossen Schulze von hier. Er sollte am Sonntag, den 39. Julr d. I.. zu Eönnern dadurch öffentlich„bemerkbare" Arbeit verrichtet haben, daß er ocialdeinokratische Flugblätter d,n Haus zu Haus verteilte. Durch Strasbefchl ist dem„bemerkbaren Sonntagsarbeiter" eine Geldstrafe von 19 M. cvcnt. zwei Tagen Haft zudiktiert worden; auch sollte er 1,29 M. Kosten bezahlen. Die angcb- liche Uebertretung stützt sich auf die§§ 1 und 16 der Polizeiverordnnng des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen vom 23. April 1896. Der Angeklagte beantragte gerichtliche E»t- 'cheidmig und ließ durch seinen Vertreter in der Schöffengerichts- Sitzung in Cöiineru gellend machen, daß die Flngblattverieiluug keine bemerkvarc oder gewerbliche Arbeit sei, da sie gratis geschehe. � Der Aintsanwalt bcaulragte selbst Freisprechung und das Gericht schloß ich diesem Antrage an, da eS in der Fliigblattvcrtcilnng keine bc« merkbare Arbeit finden könne, welche die Anwendung jener Bcrord- nung rechtfertige.— Dresden, 22. September.(Privat-Telegramm.) Soeben wird daS amtliche Resultat über die Wahl im 8. Kreise bekannt. ES erhielten Stimmen Socialdemokrat 11571, Antisemit 19 962, Frei« finnige 182B Stimmen. Die Stichwahl findet schon nächsten Diensta g statt. Nach dem amtlichen Resultat hat die deutsch-soeiale Reform- Partei seit dem vorigen Jahre um 156 Stimmen abgenommen. Die »Staatsbürger-Zeitung", welche ihrer Partei erst einen hedeutendeu Zuwachs zugefälscht hatte, dafür aber das Wölfische Telegraphen-Bureau der Fälschung beschuldigt hatte, wird nun den Rückgang ihrer Partei somie der verbündeten Reaktionsparteien im Pirnaer Wahlkreise nicht länger ableugnen können. Unsere Partei hat seit dem Vorjahre cincu Zuwachs von 1563 Stimme». Unsere Parteigenossen in den sächsischen Schweiz-Bergen werden, so ist zuversichtlich zu hoffen, in einem letzten tapferen Ansturm am nächsten Dienstag den Wahlkreis den Parteien des Zuchthausgesetzes entreißen.— »« » Bettel um die Freisinnsstimmen. Aus dem Wahlkreise Pirna- Sebnitz wird uns noch geschrieben: Die Antisemiten und ihre konservativen Freunde sind infolge der zu vollziehenden Stichwahl in eine höchst drollige Situation geraten. Das Amtsblatt„Pirnaer Anzeiger" giebt sich alle Mühe, die ausschlaggebende freisinnige VollSpartei davon zu überzeugen, daß sie schon wegen ihrer staatserhaltenden Eigenschaften— welche den Freisinnigen vor der Hauptwahl von demselben Blatt aber rundweg abgesprochen wurden— verpflichtet wäre, mit den Reaktionären gemeinsame Sache zu machen. Noch kost- licher ist es natürlich, daß es nicht nur„Ordnungsleute" schlechthin, sondern speeiell die antisemitischen Rassen- h e tz e r sind, welche die Stimmen der freisinnigen Partei erbetteln möchten, ivelche Partei sonst von ihnen als eigentliche Judenpartei heruntergerifien wird. Die Wortführer der freisinnigen Volkspartei fühlen sich be- greiflicherweise von dem antisemitischen Liebeswerben nicht sehr angezogen. Das einzige emsthaft freisinnige sächsische Blatt, die „Zittauer Marge nzeitung" äußert sich zu jenem An- sinnen also: Die Anhänger der freisinnigen Volkspartei werden gut thim, sich dieses„Zeugnis"(nämlich das Zeugnis, zu den„staats- erhaltenden" Parteien zu gehören), das ihnen hier von einem konservativen Blatte anSgestellt wird, gut aufzubewahren. Die Gelegenheit, dasselbe zu verwerten, bietet sich oft genug. Daß diese„Liebeswerbung" sonst irgend welche Bedeutung für die frei- sinnige Wählerschaft des Wahlkreises Pirna-Sebnitz haben könnte, bezweifeln wir, denn die an freisinnige Wähler gerichtete Zumutung, für einen Antisemiten zu stimmen, i st eine direkte Beleidigung für dieie. Es wird natürlich vor der Stichwahl Sache jedes einzelnen Wählers sein, zu erwägen, wo er nunmehr das kleinere Uebel zu erblicken hat, oder ob er sich jetzt der Stimme enthalten soll, aber das eine erscheint uns als eine Unmöglichkeit, daß ein wahrhaft freisinniger und gerecht denkender Mann einen Kandidaten wie den Antisemiten Lotze wählen kann, einen Kandidaten, der sich sogar im Prineip für die Zuchthausvorlage ausgesprochen hat! In der That, es wäre würdelos und unwahr und eine Verleugnung der Ueberzeugungen niid Grundanschauungen der freisinnigen Volks- Partei, wenn mir ihrer Hilfe der Anserwählte der schwärze st en sächsischen Reaktion, derAnti- semit Lotze, in den Reichstag gelangen würde! Es ist bei alledem nicht zu vergessen, daß das Signal der Führer in der freisinnigen Partei von den Wählern keines- wegs immer befolgt wird. Bei der Stichwahl im Jahre 1803 liefen die freisinnigen Wähler im Pimaer Kreise scharenweis zu den Antisemiten über. Ob der jetzt verbliebene Rest der Partei über- zeugungsfester sein wird? Wir würden es um des Freisinns willen bedauern, wenn er es nicht wäre.— Gemütliche Wahlgegner. Im 8. städtischen Landtags- W a h I k r e ifi e in Sachsen(Würzen, Oschatz-e.) stehen sich— eine Frucht des Klassenwahl-Systems— zwei konservative Kandidaten gegenüber. Es sind das der bisherige Vertreter des Kreises Bürger- meister H ä r t w i g aus Oschatz und ein Fabrikant K l i n ck h a r d t aus Würzen. Die Gegnerschaft besteht lediglich in lokalen Kirchtnmis- interessen. Die beiden Kandidaten sind nun als gebildete Leute außer- ordentlich höflich zu einander, versichem sich gegenseitig in ihren Ver- sammlnngen der größte» Hochachtung usw. Nur ihre Trabanten hauen den Juden herüber und hinüber in der bekannten Manier durch Eingesands, Inserate und dergleichen kleine Mittel. Das schönste an offizieller gegenseitiger Höflichkeit leisteten die beiden Herren in einer der letzten WKhlrrversamnflnngen in Oschatz. Dort hielt Herr K l i n ck h a r d t, der Kandidat aus Würzen, seine Progrnmmrede und Herr H ä r t w i g, der Kandidat aus Oschatz— führte den Vorntz! Solche Höflichkeit kann schwerlich übertroffen werden. Offenbar haben die Herren das Bestreben, den sagenhaften Ruf der Ge- mütlichkeit der Sachsen, der durch seine Polizei und seine Gerichte etwas ramponiert worden ist, wieder aufzufrischen.— AuS Oberschlesien. Ausgewiesen wurde aus B e u t h e n der ö st r e i ch i s ch e Staatsangehörige Weiß, der alö Buchhändler hier bei einem Onkel beschäftigl war. Ein Grund der Ausweisung ist dem Ausgewiesenen nicht angegeben worden. DaS fiskalische Steinkohlen-Bergwerk„König" hat das Eigen- tumSrecht an dem 390 697 Quadratmeter großen Grubenfelde „Exeellenz" an den größten oberschlesischen Agrar- und Industrie- Magnaten, den Grafen Guido Henkel von Donners- mark, abgetreten. Gegen welche Entschädigung, ist nicht be- kannt geworden. In dieser Weise arbeitet der preußische Bergfiskus auf die immer nötiger werdende Verstaatlichung der Berg- werke hin. Ein wichtiges Jndnstriestibilänm steht dem oberschlesischen Jndustriebezirk bevor. Die B a l l e st r e m s ch e„Herrschaft" R ii d a- B i s k u p i tz feiert 1900 ihr hundertjähriges Jubiläum. Zu dieser Herrschaft gehört u. a. die uralte„Brandenburg"- Grube, die erste oberschlesische Kohlengrube, auf der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts der erste regelrechte Abbau von Steinkohlen vor sich ging. Außer der genannten Herrschaft gehört dem Grafen Ballestrein noch das Rittergut Plawniolvitz am Klodnitzkanal; dort befindet sich seine„Residenz". AuS Hessen, 21. September.(Eig. Ver.) Allmählich kommt die Agitation für die Landtagöwahlen in Fluß. Offen wird die Wahl- arbeit seither nur von den Soeialdemokraten betrieben. Die Anti» semiten und das Centrum wühlen mehr oder weniger unter der Oberfläche. Die Nationalliberälen schlafen noch und verlassen sich wohl auf den Veamtenapparat, der Freisinn ist mausetot. Am heftigsten wird der Wahlkampf wohl dort-werden, Ivo Soeialdenio- traten, Antisemiten oder Centrumskandidaten gegenüber stehen. Einen Vorgeschmack von dem, was noch alles geleistet werden wird, bekommt man, wenn man das Organ der hessischen Antisemiten, die in Offenbach erscheinende„Volks- wackit", zur Hand nimmt. Der Redaeteur derselben, der ehemalige Reichstags-Abgeordnete Hirschel, ist der Gegenkandidat unseres Genossen Scheideinann im Gießener Landkreis. Nun hat Scheide- mann den Antisemiten seit Jahren schon etwas zu schaffen gemacht und wird deshalb von diesen tödlich gehaßt. Sein Gegenkandidat Hirschel bedenkt ihn in seiner„Volksivacht" n. a. mir folgenden Liebenswürdigkeiten:„Subjekt",„gewerbsmäßiger Verleumder, der sich wieder einmal eine Schleimhaut von seiner brandig roten Jammerseele riß",„Soldschreiber",„dunkler Ehrenmann",„Bravo". „Hund",„Lump" und„Schwindler" usw.— Es wird niemand be- streiten wollen, daß das wenigstens ein vielversprechender Anfang ist. Genosse Scheidemann nimmt die antisemitischen Ergüsse mit gutem Humor ans und bringt seinen Gegner Hirschel durch seine lustigen, aber nie das Ziel verfehlenden Antworten schier zur Ver- zweifluiig. Nun muß der arme Teufel immer stärkere Ausdrücke er- finden.— Schandgesetz— kein grober Unfug. Wegen Vorübung groben Unfugs waren seiner Zeit vom Schöffengericht in München die Ge- nossen Ed. Schmid, Jg. Göttfried, F. Sturm, H. Gaßner und F. Nachtmann zu je 20 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil sie in einer öffentlichen Versammlung die Zucht- Hausvorlage als„Schandgesetz" bezeichnet hatten. Vom Berufungsgericht wurden sie am Donnerstag kostenlos frei« gesprochen. In der'Begründung sagt daö Gericht: „Wenn die Angeklagten erklärten, die Vorlage sei ein„Schand- gefetz", so ist diese Kritik eine äußerst harte, doch ist anzuerkennen, daß es sich um Bekämpftmg eines GesetzeniwurfS handelte, der auf einen besonderen gesetzlichen Schutz keinen Anspruch hat, so wenig wie die Freunde des Entwurfes einen solchen haben. Mit dem Ausdruck„Schandgesetz" haben zwar die Angeklagten die Grenzen der parlamentarischen Formen überschritten, aber der Ausdruck ist nicht geeignet, das Publikum ungebührlich zu belästigen, zumal in den beiden Versammlungen gegen den Gesetz- entwurs eine große Erregung herrschte. ES liegt zum mindesten keine grobe Ungebühr vor. Wiirzbnrg, 21. September. Ein Tiebstahl von Geheim- papieren aus dem Bureau der 2. Feldartillerie-Brigade erregt lebhaftes Aufsehen. Wie die„A. Abendztg." mitteilt, sind die Papiere für eine fremde Macht, falls sie an eine solche ausgeliefert werden, selbstverständlich nicht ohne Wert. Die Papiere waren wie überall. so auch im Bureau der genannten Brigade wohlverwahrt, so daß der Diebstahl nur unter ganz besonderen Umständen und von einer mit der Oertlichkeit vertrauten Person, hinter der man den vor einigen Wochen desertierten Train- Sergeanten Schlosser, früher Brigadeschreiber der 2. Feldartillerie-Brigade, mit Bestimmtheit vermutet, ausgeführt werden konnte.— Austand. Von DrryfuS. Der„Figaro" veröffentlicht den Bericht seine« Redaeteur« Huret. der Dreyfus bis Avignon begleitete. Drcyfiis schilderte dem Re- daeteur die Leiden, die er auf der Teuselsinsel erduldete, und bemerkte dann, er betrachte Mcrcicr als einen bösen,»n- redlichen Menschen, E st e r h a z y als einen Gauner. Der Richtersprnch von Reimes, der dem gesunden Menschen- verstand widerspreche, habe ihn starr gemacht. Er wolle mm seiner Familie leben. Dreysns beteuerte, daß er un- schuldig sei. Er sei das Opfer von Wahnideen; aber eS bleibe bei ihm keine Bitterkeit zurück. Er nehme die Be- gnadigiing als eine Linderung seines Schmerzes an, bleibe aber entschlossen, seine Rchabilttternng weiter z» betreiben. Dreyfus will in C a r p e n t r a S bleiben, bis sein LoS völlig entschieden ist, und sich nicht in daS Ausland begeben, damit nicht die ihm zu Teil werdende Aufnahme als Repressalie gegen Frankreich aufgefaßt werden könne.—_ Dir Tranövaalfragc. AuS Bloemfontein wird vom 2l. September gemeldet: Der Raab drö Oranje-Frcistaats ist heute zusammengetreten. Präsident Steijn verlas eine. Rede, in welcher er dem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß die Beziehmigen zwischen Groß- britannien und Transvaal gespannte seien. Die Mitglieder des Raads sollten daran denken. daß die Vorschläge, welche Präsident Krüger ans der Konferenz mit dem britischen Ober- Kommissar Mil'ner in Bloemfontein gemacht habe, wenn sie auch von Milner verworfen seien, doch im F r e i st a a t e einstimmig als höchst entgegenkommend angesehen wurden. Steffi gab sodaim einen Rückblick auf die Verhandlimgen und sagte, Transvaal sei von dem britischen Agenten Greene getäuscht worden, beschuldigte die ReichSregieriiiig indirekt des V e r- traue nsbrnchs und bestritt, daß er Transvaal geraten habe, die letzten britischen Forderungen anzunehmen. Die Lage sei kritisch. Der Freistaat sei durch den Vertrag mit Transvaal verpflichtel, der Republik beizu- stehen; es sei nun Sache des Rands. sich über das weitere Verhalten des Freistaates schlüssig zu machen. Nichts rechtfertige einen Krieg oder einen Angriff auf Transvaal. Die vorhäiidenen Differenzen könnten durch eine Koni- Mission oder ein Schiedsgericht beseitigt werden. Der Krieg würde ein Hohn ans Religion und(Zivilisation fein. Steijn schloß. Gott möge den Mitgliedern des Raabs die Kraft geben, Beschlüsse zu fassen) welche nicht nur den Frieden und die Wohlfahrt, sondern auch die Sicherheit de? Staate? im Gefolge hätten, und forderte den Raad ans, eine geheime Sitzimg abzuhalten. Der Rand stimmte dieser Forderimg zu. Anö Pretoria meldet das Herold-Biirenu: General Joubert erklärte in einem Interview die Lage für sehr ernst. Die Mit- glicder des Raads erhielten täglich Anfragen von Boeren. die mii die Erlaubnis nachsuchten, die hauptsächlichsten strategischen Punkte an der Grenze besetzen zu dürfen. Nach der Ansicht Jouberts wird der Kampf wahrscheinlich an der Grenze von Natal beginnen. I» London wird angenommen, daß die Regierung versuchen werde, die kritische Situation weiter zu schleppen und mittlerweile die Tnippenniacht in Südafrika zu verstärken. Eine eutscheidende Wandlung wird nicht als nahe bevorstehend angesehen. Oestrcich-Ungarn. Wien, 22. September. DaS„K. K. Telegr.-Corresp.-Biireau" teilt mit: Die Meldung, das Kabinett Thun habe seine Entlastung überreicht, ist falsch.— Zu in Knttenliergcr Mordprozest melden Prager E z e ch e n- b l ä t t er, daß der verurteilte H i l s n e r die Ermvrdnng der Hrnzo in Geiiieinschast mit zwei Mitschuldigen zugestanden babe. HilSner hat, durch das falsche Gerücht, im Hofe des Gefängnisses sei bereits der Galgen für ihn aufgestellt, erschreckt, dem NntcrsiichnngSrichtcr ein Geständnis gemacht und den Aufenthaltsort seiner beiden Mit- schuldigen angegeben. Telegraphische Anfragen ergingen sofort an beide Orte, die Antworten der dortigen Gerichte sind noch nicht ein- gelaufen.— Frankreich. PariS, 22. September. Die„Aurore" veröffentlicht«in Schreibe» ZolaS an Frau Dreyfus. Zola spricht darin seine Freude über die Bcgiiadigiiiig und sein Bedauern darüber aus, daß das Urteil von Reimes nicht vor den KaffationShos gebracht worden sei. Zola kündet seinen Entschluß an, die Bewegung für die Reh a bilitieru n g D re Y fu S' fortzusetzen. � Im Fort Chabrol wurden viertausend Patronen. fünfzehn geladene Karabiner und acht Revolver gefmiden. Alle Zimmer waren so hergerichtet, daß im Falle eines militärischen Au- griffeS der Widerstand von Zimmer zu Zimmer erfolgen konnte. Holland. Amsterdam» 21. Sept. Der bekannte belgische Abbö DaenS hält gegenwärtig in verschiedenen Städten Hollands zahlreich besuchte Versammlungen ab. Die Bewegung ist durch einige katholische Ar- bester in Fluß gebracht und das Ziel ist die Begründung einer deniokratisch-christlicheii Partei. Von feiten der Geistlichkeit wird aber mit Hochdruck ans die ReligionSgenosseii gearbeitet, daß sie a» der Be- wegnug keinen Anteil nehmen. Deshalb war es in verschiedenen Städten nnmöglich, Katholiken zu finden, welche bereit waren, die Beriamm- luiigen einzuberufen. Jetzt hat unsere Partei sich damit befaßt, und in Uebereinstiinmung mit den Grimdeeii der christlichen Volkspartei in Breda, Delft, Hang, Gouda, Zwolle usw. öffentliche Versammlungen veranstaltet. So wurde DaenS das Auftreten er- möglicht. Die Versammlungen sind überall massenhaft besucht. Diese Mitwirkung unserer Partei an der Gründung einer ehrlichen gegnerischen Partei findet unter katholischen Arbeitern viel An- erkennuna.— Türkei. Konstanttnopel, 22. September. In den letzten Tagen haben zahlreiche Verhaftungen wegen angeblicher jung-türkischer Um- triebe stattgefunden. Die Ouai-Compagnie sperrte am 20. d. Mts. die neutrale Zone, mußte dieselbe auf Einschreiten des Zolldirektors jedoch wieder öffnen. Der erivartete Jrade betreffend die Regelung der Ouaifraae ist noch nicht erlassen. Der srniizösische Botschafter Eonstans legte gestern energischen Protest bei der Pforte ein.— Vavtei-Msrszvichten» DaS französische ElnignngSkomttre hat sich in Bezug auf die Organisation des nächstjährigen JuteruationalenArbeiter« ko u gresses vollständig geeinigt, so daß an dem Zustandekommen des Kongresses in Paris und an dessen Gelingen nicht mehr zu zweifeln'ist. Auch in Bezug auf den Allgemeinen Kongreß der f r anz g s i s ch e n S o e i a I i st e n ist man über die Bedingungen der Vertretimg, der Delegiertenwahl usw. zu einer Verstandi- gung gelängt, so daß das Zustandekommen dieses Kongresses, der aller menschlichen Voraussicht nach zur Einigung der franzosischen Soeialisten führen wird, nun gesichert ist. Freilich die praktischen Schwierigkeiten sind größer, al« man an- fang? geglaubt hatte, und vor E n d e Oktober oder der ersten Hälfte des November wird, wie man unS schreibt, der Zusammentritt nicht erfolgen.— Genosse Troclstra, Mitglied der holländischen Generalstaaten. der im Augenblick in Berlin verweilt, teilt uns mit, daß er am 12. Oktober vor dem Gerichtshof im Haag erscheinen soll. Es handelt sich um ein Strafverfahren wegen Beleidigung des Staatsanwalts in der friesischen Hauptstadt Leeuwarden. den unser Genosse beschuldigt hat, er habe in einem ans Befehl des Justizministers veröffentlichen Beschluß in Sachen der unschuldig verurteilten Gebrüder Hogerhuis absichtlich die Thatsachen gefälscht. Nachdem das Tribunal im Haag in erster Instanz ein freisprechendes Nr- teil gefällt hat. indem es annahm, der Anaeklagte habe bewiesen, daß er im öffentlichen Interesse gehandelt, hat der Staatsanwalt Revision eingelegt. Genosse Troelstra bat indes für jeden Fall seinen Zweck vollständig erreicht, weil die Veriiehmung der von ihm geladenen Zeugen die Unrichtig- l e i t des über die Gebrüder Hogerhuis gefällten Urteils dargelegt hat, wodurch die Wiederaufnahme ihrer Sache über allen Zweifel gestellt und die Freilassung der unschuldig Ver- urteilten nur eine Frage der Zeit ist. Poliieilichco, Gerichtliches usw. — Nachklang von der Maifeier. Wegen der Maifeier in Driesen erhielten 5 Parteigenossen Strafmandate von je 50 M. Auf ihren rechtzeitigen Einspruch verhandelte jetzt daS Schöffengericht in Driesen üver die Aiigelegcnhcit und setzte die Strafen auf 10 M. für den einen und je 6 M. für die anderen h�rab. Die Verurteilten wollen sich dabei auch noch nicht beruhigen und das Landgericht anrufen. — Wegen«»befugten Sammelnö für die dänischen Aus- gesperrten soll Genosse Hönisch, der verantwortliche Redaeteur der„Sächsischen Arbeiter-Zestnng" in Dresden, 10 M. Geldstrafe bezahlen._ Ge,vevl»srlzttMicho-s. Pcrlln und Umgegend. Zur Lohubclvcgnng der Glaser. Der Zuzug ist fernzuhalten nach folgenden Werkstätten: Wahl u. Sohn, Badewitz, Jglisch, Jachmann. A. Schmidt(Vehreustraße), Börgmaun, Mutz u. Co.. Sonchard, Diede, Laake u. Ganier. I. A.: Die Streikkommissiou. Zum Streik in der Trppichsabrik von Fctbisch wird uns geschrieben: Herr Feibisch soll, wie in der Freitngnumnier des„Vorwärts" zu leien ist, dem Einigungsamt erklärt haben, daß er ge- nügend Arbeiter zur Verfügung habe. Dem ist nicht so. Herr Feibisch hat in seinem Betriebe 25 Velourstühle stehen, davon sind nur 9 Slühle besetzt, ferner 35 Stühle, aus denen Axminster-Teppiche gefertigt werden; an diesen sind nur 4 Gesellen und 3 Lehrlinge beschäftigt. Im ganzen dürften jetzt— mitinbegriffen die Meister, Bureaupersonal-c.— 30 Personen gegen sonst 130 Personen in der Fabrik thätig sein. Es ist selbstverständlich, daß die Streikenden auf das großmütige Anerbieten des Herrn, einen Teil von ihnen wieder einziistellen, verzichten; die Ausständigen werden zusammen kämpfen und auch gemeinschaftlich siegen.— Achtnug, Holzbildhauer! Wegen Nichtbewilligung der gestellten Forderungen sind Kollegen folgender Werkstätten in den AnSstand getreten: Thum. Grimmstr. 35; Arndt, Neue Königstr. 10 (arbeitet für Bnmzlow); Vogel, Nixdorf, Knesebeckstr. 115; Dittmann, Büschingstr. 7; Bartz, Friedrichsbergerstraße 10; Beyer, Britzerstr. 7; Ben sing. Andreasstraße 39; Pech, Memelerstr. 31; Göhre, Waster- thorstr. 22; Seifert u. Wals(Vonrgett), Frnchtstr. 36; Brnnzlow, Neue Königstratze 15; Schulz. Zicaelstraße 80; Jaeauemin, Alte Jakobstraße 88; Kirschner, Adalberlstr. 42; Grix, Pallisadenstr. 57; Kramer, Koppenstrnße 60; Solontz, Nixdorf, Walterstr. 26' Fiedler, Luiseiinfer 12; Schon, Mariannenstratze; Brandenburg. Wilhelmstr. 124. Es wird ersucht, diese Werlstätten streng zu meiden. Meldungen, auch der Firmen, welche bewilligt haben, find umgehend an die Lohnkonimission, Käpnickerstr. 02(Restaurant Spielberg, Telephon Amt II 8932), in der Zeit von 9—1 und 3—7 Uhr zu richten. Die L o h ii k o m m i s s i o n. Posamrntierc. Noch nicht bewilligt haben folgende Firmen: Bünger Wwe.. Wendel u. Co., H. Plüschke, E. Gustedt, Köstermaun n. ZarinzanSki. W. u. G. Keßler, A. Siusel, Hoffmaim u. Weiland, K. Wagler, Reiß u. Viirmeisler. E. Hoppe. P. Hoppe, Eisner u. Haussig, Przygode, Volmer, Brehmcr. H. Schmidt. Die Lohnlommission. Ter Ausstand der Isolierer und Rohrnmhüller dauert un- verändert fort. Der Vorscblag: vor dem Ciniguiigsamt zu erscheinen. wurde zwar in einer am Freitagabend stattgosuiidenen Versammlung gebilligt. Dagegen machte sich allgemeiner Unwille bemerkbar. von dem anfgestellten Lohntarif etwas auszugeben, da bei der gegenwärtigen Geschäftslage und dem anerkemieiiSiverteii. einmütigen Verhalten der Ausständigen die von ihnen gestellte!! Forderungen von den Unter- »ehrnern(ehr wohl bewilligt weiden können. Die Versammelten beschlossen«instimmig, daß die Delegierten der Arbeiter vor dem CinigungSanit für Bewilligung der zuerst aufgestellten Forderungen iinbedinat einzutreten haben. Die Verhandlimgen sollen in nächster Woche stattfinden. Beim Rixdorfer GcwerkschaftS-Kartcll gingen vom 17. bis 21. September folgende Beiträge ein: Für die ausgesperrten Arbeiter in Dänemark � Liste 209, gesammelt in der Piano-Mechaiiik-Fabrik Berlin, Schlestschestr. 18, 4,25 M. Liste 218, gesammelt in der Fabrik Laborcnz. Rixdorf, 12.60 M. Für die Steinarbeiter Deutschlands, Liste 229, durch Büttner 7.25 Pi. Abgesandt sind für die ausständigen Lederarbeiter in Wilster, 2. Rat«, 35 M.; für die ausständigen Steinarbeiter Deutschlands 30 M. Weitere Beiträge nimmt entgegen Aug. N i e r i ch. Rixdorf, Steinmetzstr, 85, Daselbst sind Listen für die Steinarbeiter zu haben. Achtung, HandelS-Hilföarbetter! In Rixdorf finden demnächst die Wahlen zum Gewerbegcricht statt. Um Stellung zur Wahl zu nehmen und die AnssteNung der Kandidaten zu bclvieken. findet am Sonntag, den 24. d. M, nachmittags 5 Uhr, eine öffentliche Versammlung der Hansdiener, Kutscher und Be- rufs genossen im Gaqle b«s Herrn Mercier, Steinmetz- stratze 55, stgtt. A. Uthetz, VertrauenSman». Acht«, lg, Gewerkschaftc» Steglitz. Am Sonntag früh 7'/2Uhr findet in Steglitz-Fliedenau eine Flugblatt-Verteilung statt. Treffpunkt für Steglitz in den bereits bekannt gemachten Lokalen, in Friedenau bei Grube, Kaiser-Allee 37. Zahlreiche Beteiligung unbedingt nötig. D i e G e lv e r k s ch a f t s- K o m in f s s i o n. Deutsches Reich. Der Bergarbciterstrcik im Plancnfchen Grund kst, tvie uns von dort geschrieben wird, beendet, ohne daß die Ar- beiter etwas errungen haben. Die Schuld daran tragen die Arbeiter aber selbst, da sie nicht ausgehalten haben. Am Freitag voriger Woche stand der Streik für die Arbeiter noch ausgezeichnet, es hatten sich zwar ein paar Mann wieder zur Arbeit gemeldet, dies änderte aber nichts an der ganzen Situation. Am Sonnabend wurden die Meldungen stärker; durch die von den Werken erlassenen Schreckschüsse trat Muthlosigkeit bei einem Teil der Streikenden ein. Sie befürchteten, ihre Arbeit nicht wieder zu er- halten, ihre wohlerworbenen Rechte an der Knappschaftskasse zu ver- lieren usw. und alles Zureden, Anfeuern nutzte nichts, die erst vor- handene Energie, sie war verschwunden. Doch glaubte man, es sei noch nicht alles verloren. Am Montag fand eine Versammlung statt, welche hauptsächlich für die Frauen einberufen war. Die Begeisterung, die auch hier herrschte. berechtigte noch zu den besten Hoffnungen. Aber es war zu spät. Durch die vielen Meldungen Arbeitswilliger vom Freitag und Sonnabend hatten die Werkslcitungen wieder Kourage bekommen. Als die Streikkonimission am Montag wieder bei den Werksleilungen behufs Unterhandlungen vorstellig wurde, wurde ihnen bedeutet, dah es nichts zu unterhandeln gebe, wer sich wieder zur Arbeit melden wolle, ohne die Gewähr der Wiedereinstellung, der solle sich in einer ausliegenden Liste unterschreiben, etwas anderes gebe es nicht; damit war die Kommission entlassen. Das Resultat war auf dem fiskalischen wie auf dem Burgker Werk das ganz gleiche. Daß eS wenige Tage zuvor beiden Werksleitungen noch ganz anders aussah, dost sie schon auf dem Wege waren, wenn nicht alles, so doch ver- schiedeneS zuzugestehen, dafür liegen Anzeichen ausreichend vor. nur dadurch, daß die Arbeiter freiwillig wiederkamen, uni bedingungs- kos wieder in das Joch zu kriechen, schivoll den Herren der Kamm. Am Dienstag wie ebenfalls am vorhergehenden Montag dieser Woche meldeten sich immer mehr, der Anfang war einmal gemacht. Da gab es kein Halten nichr, einer riß den anderen mit fort. Der am Mittwoch tagenden Versammlung blieb weiter nichts übrig, als zu beschließen, den Streik aufzuheben, da unter diesen Verhältnissen die Fortsetzung desselben geradezu Blödsinn gewesen wäre. Am Montag waren es noch ca. 1000 Ausständige und am Mittwoch blieben höchstens noch 300 übrig, die sich noch nicht ge- meldet hatten. Eingestellt ist aber von den ausständig Gewesenen noch nicht ein einziger, alle müssen noch feiern, und es läßt sich heute noch nicht sagen, wann der Betrieb wieder voll aufgenommen wird. Man will den Arbeitern jetzt die Macht des Kapitals richtig fühlen lassen! Jedenfalls wird nian jetzt erst eine Auslese halten unter den Wiedereinzustellenden und wahrscheinlich die Wortführer und Leiter bei dem Streik aufs Pflaster werfen. Wehe dem Besiegten I Das wird auch hier wahr werden! Eine Schonung wird es wohl nicht geben, daß zeigt sckon das jetzige Gebahren des Siegers! Des Siegers? Ja, des Siegers, den die Arbeiter den Sieg selb st aus den Präsentier- t eller entgegen gebracht haben, sonst wäre der Sieger auf eurer anderen Seite! Wie war es nun niöglich, daß in so kurzer Zeit sich ein der- artiger Umschwung vollziehen konnte? Niemand hätte das geglaubt. daß es so kommen könnte, wer gesehen hat, mit ivelcher Kanipfcs- freudigkeit, mit welcher Energie der Kampf einsetzte. Dafür müssen ganz gewichtige Gründe vorliegen! Und das ist auch der Fall. Wir wollen kurz die hauptsächlichsten anführen, tiefer darauf einzugehen, verbietet sich zunächst, da dies eines besonderen Artikels bedarf. Der erste und Hauptsächlichsie Grund ist die ungenügend gc- werkschaftliche Schulung der hiesigen Bergarbeiter. Abgesehen von einem guten Stamm, der vielleicht das fünfte bis 1/4 der sämtlichen hiesigen Bergarbeiter beträgt, sind die anderen trotz energischer Algrtation nicht aus ihrer Gleichgültigkeit herauszubringen. Die Folge war. daß sie, nun der Kampf da, den Strapazen nicht gewachsen waren, und bei dem ersten Schreckschuß fielen sie um. Wenn aber schon beim Mann Aufklärung fehlte, viel schlimmer sah es noch bei den m e i st e n Frauen ans, und auch darin ist ein Grund dieses Rückzuges zu suchen. Hinzu kommt noch das besondere Kassenwesen und das eigenartige Arbeits- Verhältnis selbst, welches besonders im hiesigen Revier mit ver- fchiedenen traditionellen Ueberbleibscln ausstaffiert ist. Durch dies alles und verschiedenes andere läßt sich der eigenartige Ausgang des Streiks zum Teil erklären. Die Porzcllanarbciter der Stcinmannschcn Fabrik in Tiefen- furt sind jetzt in einer Anzahl von 170 Personen im Ausstand. Der Fabrikant hat jedes Entgegenkommen abgelehnt. Streikbrecher haben sich bisher nicht gefunden, obwohl die Firma fleißig inseriert. Der Geist der Streikenden ist ein guter, selbst die Frauen und die Lehrlinge sind mit ausgetreten. Die Mehrzahl der Ausständigen ist organisiert, allerdings haben viele die vorgeschriebene Karenzzeit noch nicht hinter sich und erhalten deshalb eine nur geringe Unter- stützung. Die Streikenden ersuchen deshalb namentlich ihre Berufs- genossen, ihnen pekuniäre Hilfe zuzuwenden. Gelder sind zu senden an: A. Barthelmeß, Maler, Tiefenfurt bei Liegnitz. Die Fäkalicuarbcitcr von Bremen haben fast ihre sämtlichen Forderungen bewilligt erhalten; der Streik ist darauf für beendet erklärt. Socittleo. BergmannSloS. Der Katastrophe, die sich, wie schon kurz gemeldet, am Sonnabend auf der königlichen Grube Reden bei Saarbrücken ereignete, sind neun Menschenleben zum Opfer gc- fallen. Das Unglück ereignete sich, wie der„Rheiuifch- Westfälischen Zeitung" aus Reden geschrieben wird, in dem als sehr schlagwetterreich bekannten Flötze Heiligenwald, wo man damit beschäftigt war, von der zweiten nach der ersten Ticfbansohle eine Wetterstrecke zum Durchschlag zu bringen. Durch Sprengschüsse war die Kohle in Brand geraten, man mußte daher, um de» Brand ersticken zu können, die Brandstelle durch schnell aufgeführte Dämme von der Luftzufuhr abschneiden, um so durch Mangel an Sauer- stoff das weitere Umsichgreifen des Brandes zu verhüten. Mit diesen Arbeiten ivaren zwei Steiger und acht Bergleute beaustragt. Die Wetterzuführung nach der Unfallstelle mußte unterbrochen werden, tveil andernfalls die Ausführung der Arbeiten infolge des Qualmes nicht möglich gewesen wäre.' Die Abdämmung war fast beendet, als sich das schreckliche Unglück ereignete. ES ivaren zwei Dämme aufzuführen, der Raum zwischen den beiden Schutzmauern war mit Sand ausgefüllt, und es war nur noch das Verputzen der Mauerfugen des zweiten Dammes zu erledigen, wodurch der luftdichte Abschluß bewirkt werden sollte. Inzwischen hatten sich aber schlagende Wetter in der Arbeitsstrecke angesammelt, die wohl mit dem Brandherd in direkte Berührung gekonimen sein müssen, wodutch sie zur Explosion gebracht wurden. Mit furcht- barer Geivalt wurde das Maueriverk beider Dämme auseinander gesprengt und die am Ort Arbeitenden wurden von den umher- fliegenden Steinen und von dem Luftdruck in entsetzlicher Weise zerstückelt. Nach der Katasttophe wurden sofort die Nettungs- arbeiten unternommen. Ein grauenhaftes Bild bot sich den Berg- leuten, die zuerst bis zur Unfallstelle vordrangen. Durcheinander- geschleudert lagen die Leiche» der Verunglückten im Schacht, von einem Körper fehlte der Kopf, von einem anderen die Beine oder Arme, bei einem war der Brustkasten iveggerissen, so daß die inneren Organe bloß lagen zc. jc. Die Leichen wurden zu Tage geschafft und in einem Hüttengebäudc aufgebahrt. Was das Unglück iioch verschlimmert, ist, daß sämtliche Verunglückte bis auf einen verheiratet sind und zum Teil starke Familien hinterlassen. Verantwottlicher Rcdactcur: Robert Schmidt in Berlin. Der Jammer der Hinterbliebenen beim Anblick der furchtbar ver- stümmelten Leichen war herzzerreißend. Die Arbeilcn zur Ein- dämmung des Brandes mußten fortgesetzt werden. Man kann sich wohl denken, mit welchen Gefühlen die Ersatzmannschaften sich nach dem gefährlichen Posten begaben. Glücklich wurden diesmal ohne Unfall die Dämme vollendet. In der Nacht erfolgte jedoch, wie von Bergleuten erzählt wurde, eine abermalige Explosion, wobei zum Glück niemand in der Nähe weilte, so daß die zweite Explosion keine weiteren Folgen hatte. Zum drittcnmale ist nian jetzt damit beschäftigt, die Dämme zu vollenden. Anfang nächster Woche werden die ver- unglückten Bergleute dem Schöße der Erde zur letzten Ruhe über- geben werden. Die Grube Reden ist mit einer ganz vorzüglichen 'Wettereinrichtung versehen. Eine Schuld an dem Unfall trifft niemanden. Soweit der Berichterstatter des genannten Unternehmerorgans. Wir vermögen selbstverständlich als Laien nicht zu entscheiden, o b jemandem, und wem eventuell eine Schuld an dem grausigen Unglück beizumessen ist. Dagegen möchten wir nachstehende Erwägungen, die unser Essener Parteiorgan in Anknüpsting an den obigen Bericht anstellt, der Beachtung der inaßgebenden Faktoren empfehlen. Das Blatt schreibt:„Durch die Eindämmung der Brandstelle hatten die Gase keinen Abzug; durch die steigende Hitze serner mußten sick, die Gase ausdehnen und die Dämme mittels einer Explosion fort- schleudern. Die Explosion war unseres Erachtcns selbstverständlich, sobald die Abdämmung nicht stark genug ausgeführt wurde, und das scheint hier der Fall gewesen zu sein." Versa inurlltugen. Die Stcinarbciter hielten am Freitag eine stark besuchte Ver- saminlung ah, um den Bericht über die Verhandlungen der Kommission mit den Unternehmern entgegenzunehmen. Nach dem Bericht, den die Lohnkommission erstattete, hat. nachdem von beiden Parteien der Schiedsspruch des Einigungsamts anerkannt worden war am Mitt- woch eine gemeinsame Sitzung stattgefunden. Ein Resultat wurde jedoch nicht erzielt, da es zu eigentlichen Berntungen gar nicht kam. Von den Ärbcitcrvertretern wurden folgende Vorschläge unterbreitet: Normalarbeitszeit auf den Werkplätzen vom 1 März bis 1. November täglich 8 Stunden. Vom 1. November bis 1. März täglich 70z Siunden. Die Arbeitszeit beginnt morgens 71,'i Uhr und endet im Sommerhalbjahr um 5 Uhr und im Winterhalbjahr um 40s Uhr. Pausen: 0s Stunde Frühstück, 1 Stunde Mittag. An den Sonnabenden Schluß der Arbeitszeit um 4'/? Uhr. An den Tagen vor den großen Festen (Ostern, Pfingsten, Weihnachtens Schluß der Arbeitszeit um 3 Uhr und ivcrden bei Tagelohnarbeit diese Tage voll bezahlt. Auf den Bauten hat der Steinmetz die Arbeitszeit mit den Maurern einzu- halten und muß nur Sonnabends diesen Steinmetzen die nötige Zeit gewährt werden, damit sie zu gleicher Zeit mit den Platzgesellen den Lohn ausbezahlt erhalten. Der niedrigste Lohnsatz eines Steinmetzgescllen beträgt pro Stunde 70 Pf. Ueberstnndcn auf den Werkplätzen werden mit einem Zu- schlag von 20 Pf. bezahlt. Nachtarbeit wird mit einem Zuschlag von 50 Pf. berechnet. Derselbe Zuschlag wird auch für Accordstücke bei Nachtarbeit zum gewöhnlichen Accordpreis hinzugerechnet. Der Zuschlag tritt auch auf den Bauten ein, wenn länger als wie die normale Arbeitszeit der Maurer gearbeitet wird. Bei Accordarbeit ist jedem Steinmetz für die volle Arbeitszeit ein Lohn von 5,00 M. pro Tag zu sichern.(Stücke unter 3 M. werden nur in Lohn an- gefertigt.) Fahrgeld außerhalb der Weichbildgrenze wird vergütet. Jeder Platz regelt ini„Budcnrecht" seine inneren Verhältnisse betreffs Lohnstreitigkeiten, Verstöße seitens der Gesellen, Poliere oder Geschäftsführer soweit tvie möglich selbst. Bei Streitfällen, bei welchen auf den Plätzen keine Einigkeit z» erzielen ist, hat zur schnelleren Erledigung eine Kommission, bestehend aus zivei Meistern und zivei Gesellen, zu entscheiden. Etwaige Unkosten, die den Mit- gliedern des Gesellcnausschusies hierbei entstehen, trägt der- jenige Teil, ivelcher unrecht hat. Alißer diesen Vorschlägen ist von dem Gesellcnansschuß auch ein Accordtarif unterbreitet worden, in dem für diejenigen Accordarbcitcn. die bisher außer- ordentlich schlecht bezahlt worden sind, eine Preiserhöhung von 15 bis 25 Prozent in Vorschlag gebracht wird. Diese Vorschläge bewegen sich völlig in dem Nahmen des gefällten Schiedsspruches. Die Kommission der Unternehmer ist jedoch auf alle diese Vor- schlüge nicht weiter eingegangen und hat erklärt, daß nur der alte Accordtarif um 5 Proz. erhöht werden soll. Demzufolge wurde in keine Beratung eingetreten und soll zunächst über die Vorschläge in den Versammlungen der Unternehmer sowohl als auch in denen von Arbeitern beraten ivcrden. In der sachlichen Diskussion, die dem Bericht folgte, tvnrdc der Vorschlag der 5prozentigen Lohnerhöhung entschieden zliriickgcwiescn und angeführt, daß der Gcsellenausschuß recht minimale Forderungcit gestellt hat, und daß, ivenn die Unternehmer den Frieden tvirklich wollen, sie dieselben ohne weiteres bewilligen könnten. Die Alis- stellung eines genau präcisicrtcn Accordtarifs, wenn schon die Accord- arbeit nicht gänzlich beseitigt ivcrden soll, ist umsomehr notwendig, als bei der Berechnung beständig Differenzen vorkommen, und zwar iveil die einzelnen Stücke zu Ungunsten der Arbeiter berechnet werden. Unter allen Umständen müsse die Forderung, daß auch den Accordarbcitern ein Mindestlohn von 5,60 M. garanttcrt wird, aufrecht erhalten werden, zumal nach dem System auf den meisten Plätzen verfahren Ivird, bessere Arbeiten im Tagelvhn und minderwertige Arbeiten im Accord fertig stellen zu lassen. In der weiteren Diskussion wurde von allen Rednern die Meinung vertreten, daß eine Verständigung wohl anzubahnen ist, aber nicht tlntcr derartige» Bedingungen, wie sie seitens der Unternehmer nnfgcstcllt worden sind, die den Anschein erwecken, als sollten damit die Arbeiter verhöhnt werde«. Die gegenwärtige Situation ivurde allseitig als eine günstigere als bisher bezeichnet und besonders konuncn die letzten bekannten Beschlüsse des Verbandes deutscher Steinmetz- geschäftc, nack welchen auch die„Arbeitswilligen" entlasseir werden sollen, den Ausständigen zu gute. Wie verschiedene Redner ausführten, ist mich ein ziemlich großer Teil der Unternehmer, besonders diejenigen, die nicht so kapital- kräftig sind, mit diesem Vorgehen gegen die Arbeiter durchaus nicht einverstanden. Es Ivird auch aus diesem Grunde erwartet, daß die Unternehmer einen anderen Standpunkt als bisher einnehmen werden und den Arbeitern niehr Entgegenkommen zeigen. Die Stinininng unter den Ausständigen ist eine vorzüglicke und herrscht eine Einmütigkeit wie kaum zuvor, wozu hauptsächlich das Ver- halten der Unternehmer beigetragen hat. Nachdem sich noch mehrere Redner in diesem Sinne geäußert hatten, gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die Versammlung erklärt sich mit dem Zuschlag von 5 Proz. auf den jetzigen Tarif nicht e i n v e r st a n d e n, weil die einzelnen Positionen, wie sie jetzt bestehen, zu dehnbar sind und in der Zu« billigung von 5 Proz. keine Lohnerhöhung erblickt werden kann. Die Ausständigen halten an der Forderung: Garantierung einer wöchentlichen Zahlung von 80 sbczw. 33,60 M. resp. 5 M. bezw. 5,60 M. pro Tag fest. Die Versammelten beauftragen die Lohnkomniission, die Arbeit- geber von diesem Beschluß in Kenntnis zu setzen. Gehen die Arbeit- geber innerhalb 48 Stunden nicht darauf ein, so hat die Lohn- kommission das Gewerbegericht als EinigungSamt auf Grund des letzten Schiedsspruches innerhalb 24 Stunden nach erfolgter Antwort anzurufen, um einen Schiedsspruch in obigem Sinn zu erwirken." Nach kurzer Debatte wurde unter„Verschiedenem" dann noch folgende Resolution angenommen:«Die am 22. September ver- sammelten ausständigen Stcinarbciter Berlins sprechen ihre Miß- billigung ans gegenüber dem Verhalten der in der Kunststeiusabrik Stralau beschäftigten Steinmetzen und Stuccateurc, ivclche einem Beschluß:„die Arbeit dort ruhenzulassen, um llnterschiebungen unmöglich zu machen", strikte entgegen handelten. Die Versammelten fordern den daselbst beschäftigten Steinmetz Albert Kleinert, Schöneberg, Sedanslr. 12, auf, sein Amt als Gewerbcgerichts-Beisitzer sofort niederzulegen. Außerdem wurde beschlossen, daß von jedem Platz, auf welchem bis 25 Steinnietzen beschäftigt sind, je ein, auf jedem Platz. Ivo etwa 50 und mehr Steinmetzen sonst arbeiten, je zwei Delegierte gewählt werden sollen, die genieinsam mit der Lohnkommission alle weiteren Maßnahmen zu beraten haben. Tic Glnscr waren vorgestern in den Arminhallen versammelt; da nur noch zwei Kollegen sich im Ausstand befinden, wurde be- schlössen, daß das Strcilburcau, welches bisher den ganzen Tag bei Stramm, Ritterstraße 123, geöffnet war, von nächste Woche ab nur abends von 3 bis 9 Uhr die Streikenden kon- trolliert resp. Auskunft erteilt. Streikende, welche verheiratet sind, sollen von Montag ab pro Tag 2 M., für jedes Kind 1 M. Aufschlag, Unverheiratete pro Tag 1,50 M. erhalten. Jeder Streikende, welcher unterstützt werden will, hat sich des Morgens im Arbeits- nachlveis- Bureau, Ritterstr. 123, zwischen 8— 9 Uhr zu melden. Hierauf wurden fünf Revisoren für die Streik- Abrechnung gewählt, dieselbe soll gedruckt allen Kollegen zugeschickt werden. Es gelangte darauf ein Antrag der bisherigen Lohnkommission zur Annahme: Eine ständige Lohn« und Agitationskommission zu wählen. Folgende fünf Kollegen wurden dazu auserschcn: Heinr. Schulz, Jahn, B i 1 1 e r b e ck, Joachim und K r ö ck e I. Nach einem Appell an die Kollegen, wöchentlich 10 Proz. an die Streikkasse abzuführen, wurde die Versammlung um 0zl2 Uhr geschloffen. N-ehko Metchvichken und Vepefchen« Der Dreschgraf vor dem Reichsgericht. Leipzig, 22. September.(W. T. B.) Das Reichsgericht ver- warf heute die Revision des Staatöauwalts gegen das Urteil des Landgerichts Glogau vom 13. Mai d. I., durch welches der Rittergutsbesitzer und Amtsvorsteher Graf Walter Pückler auf Kleiu-Tschirne von der Anklage der Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gcwaltthätigkeiten gegen einander begangen durch eine antisemitische Rede, die er in Klein-Tschirne gehalten hat, sowie der Geschäftsführer des„Drnckereivereins" in Glogau, Josef Schliebs, von der Anklage der Beihilfe dazu frei- gesprochen sind. Der Rcichsanwalt beantragte selbst die Verwerfung, da der Mangel des Bewußtseins der RechtSwidrigkeit in aus- reichender Weise von dem Landgericht festgestellt worden sei. Zur Ministerkrise in Oestrcich. Wie», 22. September.(B. H.) Heute wurde am Vormittage unter Thuns Vorsitz ein Miifisterrat abgehalten, an dem sämtliche Mimster teilnahmen. Wien, 22. September.(33. H) die Deutsche Volkspartei, die Deutsche Fortschrittspartei, die Christlich-Socialen und die Deutsch- Radikalen hielten heute vormittag Klubsitzungen ab. Es wurde hierbei beschlossen, die Einladung' des Präsidenten Fuchs zu einer 33erständigungskonferenz nicht anzunehmen. Wien, 22. September.(W. T. B.s Die Vereinigung des ver- fassnngstreucn Großgrundbesitzers hielt eine Klubsitzung ab und beschloß in die morgige Konferenz der Klub-Obmänner der deutschen Parteien die zur Vorbeitung des Pfliiigst- programmms seinerzeit delcgirten Vorstandsmitglieder zu entsenden. Der socialdcmokratische Verband beschloß einstimmig, die Teilnahme an der vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses ein- berufenen Konferenz abzulehnen und verständigte den Präsidenten hiervon durch ein Schreiben, in welchem es heißt, die Socialdenrokraten machten es sich zur Pflicht, eine geregelte Arbeit des Parlaments zu ermöglichen und die Sprachenfrage einer gedeihlichen Lösung zuzuführen; die beabsichtigte Konferenz erscheine für zu ungeeignet. Die Socialdemokraten könnten nicht an einer Aktion teilnehmen, zu deren Milhilje die gegenwärtige unhaltbare Regierung angerufen werde. TrauSvaalfrage. London, 22. Septbr.(W. T. B.s Das Reutersche Bureau erfährt, es sei von der Regierung eine Depesche abgesandt worden, in der gegen die wider den britischen Slgcnten erhobene Beschuldigung der mala, fides entschiedener Einspruch erhoben wird. Die Depesche drücke das tiefe Bedauern über die Ablehnung des Angebots der britischen Regierung aus und teile mit, daß die brittsche Regierung jetzt dazu übergehe, ihre eigenen Borschläge zur Erledigung der Angelegenheit aufzustelle, r. Das„Reuler'sche Bureau" erfährt weiter, daß diese Vorschläge in einem Ende nächster Woche abzuhaltenden Kabinetsrat erivogen werden sollen. In amtlichen Kreisen ver- lautet, daß die gegenwärtige Halttnig Transvaals als eine solche er- scheine, welche die britische Regierung nicht hinnehmen könne, doch werde weitere Korrespondenz erwartet. Kiel, 22. September.(W. T. 33.) Der Kaiser Nikolaus be- sichtigte heute nachmittag»in 4 Uhr mit dein hier eingetroffenen Großherzog von Mecklenburg- Schwerin die kaiserlichen Jachten „Standart" und„Polarstern". Frankfurt a. Nk., 22. September.(B. H.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Mülhausen(El,'.), daß die Trauerfeier für den verstorbenen Senator Scheurer-Kestncr am Montag und die Bei- sctzung voraussichtlich am Dienstag in Thann stattfindet. Frankfurt a. M., 22. Sept.(B. H.) Die„Frkf. Ztg." meldet aus Madrid: In Villarcal in der Provinz Cartagena hat die karlistische Agitation einen bedenklichen Grad erhalten; für einen Fcldzng haben' die Karlisten bereits ihre Führer ernannt. Frankfurt a. M., 22. September.(B. H.s Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus New Jork: Das von der demokratischen Partei in Massachusetts angenommetie Programm bezeichnet den Krieg gegen die Philippinen als verbrecherisch und aggressiv und ver- langt für die Philippinos Unabhängigkeit und Schutz gegen einen fremden Angriff.' Es macht sich eine starke Strömung für Vrhan bemerkbar. Wien, 22. September.(23. T. 83.) Wie die Blätter melden, erfolgt morgen in der„Wiener Zeitung" die Verlautbarung der AuSglcichsgcsctze betreffend das Zoll- und Handelsbündnis und betreffend das Bankprivilegium. Wien, 22. September.(B. B.) Wie offiziell berichtet wird. wurden bei dem heutigen Eiscubahnun glück in der Nähe von Pcnzig nur fünf Soldaten und drei Bahnbedienstete verwundet. Bekanntlich war hier ein Militärzug mit einem Lastzuge kollidiert, wobei drei Waggons zertrümmert wurden. Pariö, 22. September.(33. H.) Der Tod des Divisions- generalS Brault hat in militärischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Da die Witwe des Verstorbenen völlig mittellos ist, wird der KriegSminister vorschlagen, der Witwe eine TabalSagentur I. Klasse zu übertragen. Lcns, 22. September.(W. T. B.) Infolge einer Explosion in den Grube» von Bethune wurden 3 Bergleute getötet, zwei schwer verletzt. London, 22. September.(W. T. B.) Den Abendblättern zu- folge ist in dem heutigen Ministerrat kein endgültiger Beschluß hin- sichtlich eines sofortigen entscheidenden Vorgehens in der Trans- vaalfrage gefaßt worden. Algier, 22. September.(W. T. B.) Wie nunmehr feststeht. hat Max RögiS in der letzten Nacht die„Villa Antijuive" ver- lassen; wohin er sich gewandt hat, ist nicht bekannt. Das Blatt „Telegramme" will wissen, daß sich Negis auf einem kleinen Schiff n a ch S p a n i e n begeben habe. Acht Genossen von Negis»vnrden verhaftet. Algier, 22. Sept.(83. H.) Die Polizei ist der Ansicht, daß der aus seiner Villa geflüchtete Max Rsgis sich in der Umgegend von Algier aufhält und nicht nach Spanien entkommen fft. Auch glaubt man, daß er von seinem Versteck aus einen Handstreich vor- bereitet. Sein Signalement ist allen Gerichtsbehörden übermittelt worden. New Dork, 22. September.(W. T. B.) Von New Orleans werden drei neue Erkrankungen, kein Todesfall an gelbem Fieber gemeldet. In Keywest kamen 24 neue Erkrankungen und 2 Todes- fälle vor. Hierzu S Beilagen. Für den Inseratenteil vcranttvortlich: Tb. Glocke i» Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. 333. 16. l.ßtilnje i>cs Jotioitls" Knlim pteM NommunAles. In ihrer geheimen Sitzung am Donnerstag hat die Stadt- verordneten- Versammlung aus fernere sechs Jahre wiedergewählt: die Biirgerdeputierten Hanfland dei der Schuldcputation, Dr! Bartels bei der Deputation für die städtische Irrenanstalt, Ullmann bei der Steuerdeputation, Dr. Dcite bei der Gewcrbcdcputation, Spindler bei der Parkdeputation und Kuchcnmnllcr bei der Deputation zur Verwaltung des Gcsindebelohnnngs- ec. Fvnds. Ferner tvnrde neu- gewählt der Rcntiicr Julius Cohn, Landgrafenstr. 9. als Bürger- deputierter bei der Friedrich Wilhelms-Anstalt für Arbeitsame. Der Stadtverordnete Hugo Sachs hat in Gemeinschaft mit noch 15 Stadtverordneten in der Stadtverordneten- Versammlung folgenden Antrag eingebracht:„Die Stadtverordnctcn-Vcrsammlung beschließt, den Magistrat zu ersuchen, eine Zusammenstellung der Ortsstatuten, Regulative. Verträge mit Gesellschaften, Tarife u. dergl. zu bewirken und durch Druck vervielfältigen zu lassen." Uokales. Korbmacher Fischers Sammclpolitir. Mit der Verlmglimpfung der Soeialdemokratie läßt sich am Ende ein feines Geschäft machen. So dachte Korbmacher Fischer, nach dem seine ersten Sudeleien den Beifall der Stümmlingc gefunden hatten. Der Biedermann beschloß also, selber zu thun, was er in seinen Vcrlcumdnngs- Märchen von den Socialdcmokratcn erzählt. uäinlich durch Sammlungen zu angeblich agitatorischen Zwecken die eigenen Taschen zu füllen. Fischer„gründete deshalb nn Juni dieses Jahres ein„Agitations- Komitee zur Bekämpfung der socialdcmokratischcn Bcstrclningen". Dies Komitee bestand allerdings nur aus der Person Fischers, der unter obiger Firma Aufrufe zu Geldsamnilungen an eine große Anzahl solcher Personen ergehen ließ, die er ihrer gesellschaftlichen Stclllmg nach für Patrioten und Socialistenfeinde hielt. I» den Aufrufen sagte Fischer mit der an ihm bekannten Wahrheitsliebe, daß hinter dem„Komitee" bekannte und angesehene Männer ständen. die nur aus Furcht vor Verunglimpfung durch die Socialdemokraten ihre Namen nicht zu der„guten Sache hergeben möchten. Die gcsamnielicn Gelder sollten nach Fischers Angabe zur unentgeltlichen Verteilung seiner Broschüren unter die Arbeiter dienen.— Natürlich war es dem eifrigen San, mlcr auch dannn zu thun, daß seinem Unternchinen in den Augen der angeschnorrten Personen ein möglichst vcrtraucnerivcckcndcr Anstrich gegeben werde. Fischer suchte und fand unter seinen alten Bc kannten einen Mann, der von seiner Militärzcit her irgend eine Medaille besaß. Das war es. was der Geschäfts mann brauchte. Mit der blinkenden Medaille auf der Brust mußte der V e r tr a u e« s in a n n Fischers um Gelder„zur Bekäinpsung der socialdemokratischcn Bestrebungen" betteln gehen Endlich zeigte sich der Erfolg dieser Bemühungen. Einer der rni- getchnorrtcn Patrioten spendete eine ganze Mark. Fischer legte diese Mark sogleich in Bier und Cigarrcii an, um sich zum weiteren Kampf gegen die socialdcmokratischen Bestrebungen zu stärken. Im übrigen wartete das„Komitee" vergebens aus den Einganq weiterer Geldmittel. Sei es nun. daß die angebettelten Leute nur da»» für den Kampf gegen die Soeialdemokratie zn haben sind, wenn es nichts kostet, oder sei es. daß sie dem Fischer nicht trauten, gc»»g die Patrioten hielten die Hand auf de» Beutel»nd das„Komitee" faß auf dem Trocknen Aber so leicht gab Fischer das Geschäft nicht auf. Er kalkulierte Wer kein Geld gicbt, setzt sich damit dem Verdacht aus. die Social. dcmokratic heimlich zu b e g ü» st i g e n. Also versandte das„Komitee" erneute und dringendere Brandbriefe an bekannte Pcrsön- Iichlciten. Aber nur einer ließ sein patriotisches Herz erweichen und dieser war der Charitsdirektor Spinola. Er griff in die Tasche und spendete dcni biedern Korbmacher 10 Mark„zur Bekämpfunq der socialdemokratischcn Bcstrebnngcn." Als diese Summe einging. wurde ein Teil derselbe» unverzüglich zur„geistigen Stärkung" des „Komitees" verwandt, während Fischer den Rest' andcrlvcit, jedoch nicht zur Bekämpfung der Soeialdemokratie verbrauchte. Nun niachtc sich Fischer mit seiner Bettelei an den K o m m e r z i e n r a t Kühnemann heran und bei diesem fand er endlich vcr ständnisinnige Teiliiahnie. Großmütig wurde dem gcwerbs mäßigen Verleumder die Kasse des Verbandes d c r Metallindustriellen geöffnet, deren Mittel ihm die Herausgabe seines neuesten albernen Machwerkes ermögliSten. So hat der Fischer in dem von Herrn Kühnemann geleiteten Ver- bände der Metallindustricllen endlich wieder eine» Beschützer gefunden der bereit ist, ihn in seiner Verlcumdnngsarbcit zu unterstützend Das den Arbeitern hinlänglich bekannte Treiben des Verbandes der Melallindustriellcn wird durch die Verbrüderung mit Fischer wieder einmal auch vor der übrigen Welt offenbart. Und das ist immerhin von einigem Wert. Die Einführung der GaSautomatcn steht nach der Mitteilung e, Niger Blatter nahe bevor. Es sollen öO) Liter Leuchtgas für 10 Pf. geliefert werden, so daß der Kubikmeter Gas, automatisch be- zogen, sich auf 16»/? Pf. stellt, während dies Volumen jetzt 16 Pf. kostet. Der»/» Pf. Ucberschuß soll die bei den Automaten formell wegfallende Gasmcsscrnüete decken. Unseres Erachtcns wäre die Einführung der Gasautomaten nur ein halber Schritt. Gleichzeitig müßten Beleuchtungsapparate möglichst billig in Miete gegeben werden, ganz abgesehen davon, daß die Röhreulcgung völlig kosten los zu erfolgen hätte. Mindestens ebenso nonvendig als die anto inatische Beschaffung von Leuchtgas wäre aber die Beschaffung von Kochgas aus dieselbe Weise und die Stellung geeigneter Kochapparate. Nur wenn die städtische Verwaltung sich zu' so umfassenden Maß- nahmen entschlösse, zu der sich noch die Verbilligung des Leuchtgases auf 10 Pf. zu gesellen hätte, wäre darauf zu rechnen, daß auch der Arbeitcrbevölkerung der Gaskonsum zugänglich würde und daß die Gasproduktion sich zum Vorteil der Gemeinde ganz erheblich erhöhte. Die Errichtung einer offenen aber bedeckten, ausgedehnten Unterkunftshalle für die Besucher des F r i e d r i ch's h a i n s in der Nähe der Werneuchencrstratze, welche an beiden Enden eine getreue Nachbildung des Eingangsthores in die Stadt Rothenburg an der Tauber darstellen soll, ist nach einem Plan des Stadtban- rats Hoffmann vom Magiftratskollegium genehmigt worden. Die Baukosten sind auf 32000 M. veranschlagt worden. In unserem Bericht über die Stadtverordneten- Ver- sammln«« vom 21. September ist bei der Wiedergabe der Rede des Genoffen Singer ein Irrtum unterlaufen. Gen. Singer hat selbstverständlich nicht gesagt, daß der geplante„Kinderschutz" deshalb hinfällig werde, weil bis 6»/s Uhr morgens ja doch das Frühstück bereits ausgetragen sei, sondern umgekehrt: der in Aus- ficht genommene„Schutz" werde deshalb seine Wirkung verfehlen, weil die Kinder zum Austragen des Frühstücks zc. ja nach 6'/2 Uhr noch genügend herangezogen werden können. Autiscmiteukampf gegen jüdische höhere Töchter. Ueber neuerdings vorgekommene Zurückiveisungen jüdischer Mädchen von der Aufnahme in höhere Privattöchterschulen, insbesondere im Westen Berlins, ivurde in der letzten Repräsentantenversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde geklagt. Unter anderem wurde ein Schreiben einer Jnftitutsvorsteherin verlesen, worin diese zwar die Aufnahme von Schülerinnen mosaischen Glaubens nicht grundsätzlich ablehnt, jedoch erklärt, jüdische Mädchen nur dann zulassen zu können, falls sie von der neunten bis zur ersten Klasse regelmäßig am christ- lichen Religionsunterricht teilnehmen, um so die einheitlich in christlichem Geiste geleitete Erziehung an der Anstalt nicht zu ge- fährden. Aus der Mitte der Versammlung wurde gegen ein solches Vorgehen Einspruch erhoben und ein derartiges Verlangen als un- erhörter Gewissenszwang bezeichnet. Man wies darauf hin, daß weder das Allgemeine Landrecht noch das sogenannte Judengcsetz von 1847 die jüdischen Kinder zur Teilnahme am christlichen Reil gionsunterricht verpflichte; eine dahingehende Forderung sei geradezu gesetzwidrig, zumal es sich keinestvegs um eine konfcssionclle Schule handle. Dem Kultusminister soll von diesen Vorkommnissen Mitteilung gemacht werden. An der Ccntral Markthallc für den Kleinhandel wird jetzt zu beiden Seiten der an der Kaiser Wilhclmstraße neben der Stadtbahn- Ileberführnng liegenden Durchfahrt je ein Thor für Fußgänger ausgebrochen. Der Verkehr war hier in den letzten Jahren so schwierig und geradezu gefährlich geworden, daß eine endliche Er Weiterung dieses mcistbenutzten Ein- und Ausganges nicht länger abzuweisen tvar. Nach dem Bericht des Kuratoriums des städtischen Vieh- und Schlachthofes sind im Monat August 1899 ans dem städtischen Schlachthose 56 236 Schweine— gegen 47 851 im August 1898— aus Trichinen untersucht worden. Davon sind 8 Stück wegen Trichinen und 18 Stück wegen Finnen als zur menschlichen Nahrung ungeeignet zurückgewiesen worden. Der vorläufig ans der UntersuchnngShaft entlassene Direktor Oskar Focllmer von der Wohlfahrtseinrichtung für deutsche Veteranen-, Invaliden- und Beaintenheime und dem Emil Frommcl-Heim ist wieder verhaftet worden. Das soll in erster Linie mit einer Urkundenfälschung zusammenhängen. Im August d. I. trat Foellmcr au den Bankier Rodewaldt in der Niedcrivallstraßc mit der Bitte heran, für das von ihm gegründete Emil Fromme!- Heim einen Beitrag zu spenden. Er erzahlte dabei, daß Pfarrer Diestelkamp von der Nazarethgemeinde sei» Haus dein Emil Frommcl-Heim verkauft habe, und führte wie immer eine ganze Reihe hochklingender Namen zu Empfehlung seiner Gründung an. Als Direktor des Heims bezeichnete er den Ober- lcutnant a. D. von Gotsch, der sein Gut Etzelbach in Thüringen für einen äußerst geringen Preis dem Frommel-Heim angeboten habe. Zum Ankauf dieses Gutes brauche er, Foellmer, noch einiges Geld. Rodewaldt verhielt sich ziemlich ablehnend, versprach aber, ein Darlehn von 1000 M. geben zu wollen, wenn Foellncr ihm die BürgschaftS-Unterschrift eines der von ihm genannten Ehren Mitglieder bringe. Focllmer lud darauf unter anderen den Schwieger- söhn Ennl Frommels, den Hof- und Garnisonprediger Keßler zu Potsdain, ein, an der am nächsten Sonntag stattfindenden Ein weihnng des Emil Frommel- Heims in Hcrmsdorf teilzunehmen. Dieses Heim ist, nebenbei bemerkt, das eigene. stark vcr- schuldete Hans Focllmcrs. Hofprcdigcr Keßler schrieb dem Vcr anstaltcr einen Brief, worin er bedauerte, an der Einweihnngsfcicr nicht teilnehmen zu können, da er durch Aintsgcschäftc abgehalten sei. Nun hatte Foelliucr wenigstens ein Schreiben eines Ehren Mitgliedes in der Hand. Mit dem Briefe ging er ivicdcr zu Rode waldt in der Hoffnung, ihn damit zufriedenstellen zu können. Als auch dies fehlschlug, überbrachte er dem Bankier einen Bürgschafts- schein mit seiner Unterschrift»ud der des Hofprcdigcrs Keßler,' worauf er das Darlehen erhielt. Die zweite Unterschrift war, wie sich jetzt herausgestellt hat, gefälscht. Das geliehene Geld floß in Focllmer Tasche. Sein Coniplice Fischer soll, wie uns berichtet wird, schon wegen Betruges mit Gefängnis vorbestraft sein. Fischer wußte seine Wirtin um Miete und Kostgeld für sieben Monate zu prellen. Wie uns versichert wird, hat er aber nie unterlassen, beim Mittagessen den Herrn Jesu zu Gast zu bitten. Ebenso wie für Verlegung von Fcrnsprechstclle», wenn sie auf Wunsch der Teilnehmer erfolgt, feste Vergütungen erhoben werden, kommen seit dem 1. April feste Vergütungen auch für solche Arbeiten zur Erhebung, die für Rechnung der Teilnehmer bei den Stadt- Fernsprechstellen znr Ausführung gelangen, ohne daß sie als Verlegung dcrSprechstcllen anzusehen sind. Für dieAnbringung eiserner Wecker ist neben den Beschaffungskosten eine Vergütung von 4 M einzuziehen. Die Vergütung für alle anderen kleineren Arbeite», wie die Abnahme und Wiederanbringutig von Zimmerleitungen usw., ist nach einem Einheitssatze von 50 Pf. für den Arbeiter und die Stunde zu berechnen. Im Anschluß hieran ist der„Deutsch. Vcrk.-Ztg." zufolge neuerdings bestinimt worden, daß die nur unter gewissen Voraussetzungen zulässige vorzeitige Aufhebung von Fern- Iprcchanschlüsscn, besonderen Tclcgraphenanlagcn undNcbcntelegraphe» davon abhängig zu machen ist, daß der Inhaber entweder die Vcr- gütung für die Zeit bis zum Ablaufe des Vertrages entrichtet oder der Postkasse für jede aufzugebende Sprcchstelle nebst der ZnführungS- leituug den Betrag von 15 M. und für abzubrechendes Gestänge und abzubrechende Leitung einen angemessene», der unerfüllten VcrtragSdaner entsprechenden Teil der HerstellnngS- und Abbruchs- kosten vergütet. Für die Beseitigung der Einrichtungen bei der Bcrkehrsanftalt ist eine Entschädigung nicht in Anspruch zu nehmen. Professor Ludwig Knaus vollendet am 5. Oktober daS 70. Lebensjahr. Die Akademie der Künste wird ihm zu Ehren eine Ausstellung seiner Werke veranstalten. Gleichzeitig sollen Arbeiten Franz von Defreggers ausgestellt werden, der jetzt gerade ein Viertcljahrhundcrt der Akademie angehört. Die Doppelausstellung tvird für die Monate Januar und Februar 1900 vorbereitet. Zum Morde in der Wilhclmstraße bringt ein hiesiges, in solchen Dingen vielleicht nicht ganz unerfahrenes Blatt die Mit- tcilung, daß die Kriminalpolizei die Thätcr unter den Zuhältern suche. Zunächst hätten sich bei dem Polizeipräsidium verschiedene unter Sittenkontrolle stehende Dirnen gemeldet, welche zu dem Er- mordeten in Beziehung standen, und ferner sei in letzter Zeit ohne Wissen des Wirts in dem Gartenlokal des HauseS Wilhelmftr. 118 viel derartiges lichtscheues Gesindel aufgetaucht. Nach Wissenschaft des angeführten Journals teilen sich die Berliner Zuhälter in drei Kategorien: die Friedrichstädter, die Voigtländer und die Kictzer. Die Voigtländcr treiben ihr Wesen im Norden Berlins, sie leben von der Prostitution im Quartier latin und Hausen in der Gegend vom Oranienburger bis zum Schönhauser Thor. Die Kietzcr Zuhälter haben ihre Schlupfwinkel am Gesundbrunnen und am Schlesischen Thor. Für den vorliegenden Mord dürften nach dem Blatte nur die Erstgenannten, die Fricdrichstädtcr, in Betracht kommen. Diese Kategorie rekrutiert sich ans Leuten, welche einst bessere Tage gesehen haben und durch Leichtsinn auf diese traurige Bahn des Lasters gc- langt sind. Weiter schreibt das Blatt:„Der Terrorismus, den die Zuhälter auf diese unglücklichen Weiber ausüben, spottet jeder Beschreibung. Man kann sich von der Frechheit dieser Lumpen vielleicht einen Be- griff machen, wenn man ins Auge faßt, daß die Zuhälter eine .lnterstütznngSkasse gebildet haben, auS deren Fonds solche Kollegen, welche durch die polizeiliche Jnternierung ihrer Dirne der Ernährerin beraubt sind, ans die Zeit bis zu deren Rückkehr erhalten werden. Daß jede Spur von Scham und von Gewissen in diesem Abschaum der Menschheit erstorben ist, dafür diene ein kleines Beispiel: Der Verein der Fricdrichstädter Zuhälter trägt den Namen„Glaube, Liebe, Hoffnung".' Nach Spandau gebracht worden ist gestern der Füsilier Schlütermann von der 10. Kompagnie des 4. Garde-Regiments zu Fuß, der als Kompagnieschreiber 100 M.. für die beim Abgang Reserve-Erinnerungen gekauft werden sollten, unterschlug und dann im Dezember vorigen Jahres fahnenflüchtig wurde, und zwar gerade an den. Tage, an dem er zum Gefreiten befördert werden sollte. Der Flüchtige wurde, wie wir seiner Zeit mitteilten, in Hannover erkannt und ergriffen, als er ein Krankenhaus auffuchen mußte. Eine Spielcrgescstschaft wurde am Dienstag in Hoppegarten in voller Thätigkeit von der Polizei überrascht. Die Gesellschaft bestand aus 25 Personen, ihr gehörten außer Buchniachern Rentiers und Handwerker. an. Sie hatte sich nach Schluß der Rennen in einem Privathause zusammengefunden und huldigte dem bekannten „Tippeln". Als die Seele des Ganzen wurde dem„Verl. Tagebl." zufolge ein in Berlin in der Elsasserstraße wohnendes Ehepaar T. festgestellt, das bereits wegen gleicher Vergehen öfter mit der Polizei und dem Strafgericht in Konflikt gekommen ist. Das Ehe- paar besorgte die Bewirtung der Spielcrgesellschaft, indem es trink- baren Stoff aus Berlin herüberbrachte und zu horrenden Preisen absetzte. Die Gendarmerie stellte die Namen der sämtlichen Bc- teiligten fest; nur zwei Mitglieder hatten vorher ein unzugängliches Versteck gesucht. Entführung. Die Frau Bellgart aus der Kaiser Friedrich- straße 45 zu Charlottenburg, die eines Gcmlltsleidens wegen von ihrem Manne bei der Hebamme W. in der Kurfürstenstraße 1 in Pflege gegeben war, ist von dort angeblich samt ihrem Kinde ge- waltsani entführt worden. Nach der Meldung eines Berichterstatters sind der Vater und der Bruder der kranken Frau, niit denen sie in Geldangelegenheiten einen Civilprozetz führte, auf sie eingedrungen und haben' sie gewaltsam unbekannt wohin geführt. Am nächsten Tage sollen sie das Kind, das in der Pension verblieben war, eben- falls abgeholt und nach einem unbekannten Ort gebracht haben. Die Angelegenheit klingt so unglaublich, daß vorab wohl noch nähere Mitteilungen abzuwarten sind. Konknrsverfahren. Nach einer Mitteilung an das„Berl. Tagebl." hat das hiesige Landgericht I den Beschluß des Amts- gerichts I vom 26. August d. I. aufgehoben und das Amtsgericht angewiesen, dem Antrag auf Eröffnung des Konkurses über das Vermögen des Frhrn. v. Broich, Geheimen Ober-Regierungsrats und vortragenden Rats im Staatsministerinm stattzugeben, sobald der Antragsteller einen Kostenvorschuß von 1500 M. eingezahlt hat. Dieser Kostenvorschntz soll, dem„Berk. Tagebl." zufolge, geleistet werden. Ei» Stcnographentag der Anhänger der Svsteme Stolze- S ch r e y findet in der Zeit vom 28. Sepiember bis 3. Oktober in Berlin statt. Arn Sonntag, den 1. Oktober, vormittags 9V4 Uhr, wird ein Weihe- Akt an der Grabstätte Wilhelm Stolzes auf dem Fricdhose der Domgemcinde in der Liesenstrastc abgehalten. Vormittags 11 Uhr bis nachmittags 1 Uhr findet eine östentliche Sitzung im Festsaale des Rathauses, Königstrabe, mit nachfolgender Tagesordnung statt: Geheimer Ober- Regierungsrat Blcnck, Direktor des königlich Statistischen Bureaus: Zum Gedächtnis Wilhelm Stolzes. Dr. Hacks, Dirigent der Realschule in Kattowitz: Kurzschrist und Schule. Gencrallieutenant z. D. v. Bumke: Die Stenographie im Heere. Juktizrnt, Reichstags- und Landtags-Abgeordneter Munckel: Die Kurzschrift in der Rechtspflege. Theater. Im Schiller-Theater können, da bereits für nächsten Donnerstag die erste Aufführung von Ibsens„Nora" angesetzt ist, nunmehr drei Wiederholungen des Sudermannschen Schauspiels„Die Ehre" statt- finden, und zwar Sonntagabend, Mittwoch und Sonnabend der nächsten Woche.— Victor ia-Thcater. In der Sonntaguachmittag-Vorstellung am 24. d. M. tritt zum ersten Male Herr Direktor C. Emmerich als„Ren,- Hardt" in„Dorf und Stadt" auf.- Im M e t r o p o l- T h e a t e r wird die Revue„Berlin lacht" noch diesen Monat gegeben. Der nächste Monat bringt eine neue Burleske.— Die Direktion deS Passage- Panoptikums teilt mit, daß sie das anatomische Museum nächstens er- offnen werde. Jui EirkuS Busch werden heute drei neue Nummern dem Programm eingereiht: Polen zu Pferde, die Xisüt-Cap-Ltalcos und ein Zweirad- Fliegerreuuen. Der Cirkus Schuiucmn wird nächsten Monat seine Saison im Cirkus Renz eröffnen. Fenerbericht. Dos Haus Köslinerstraße 21 wurde in den letzten Tagen wiederholt von Bränden heimgesucht, die zweifel- los auf Brandstiftung zurückzuführen sind. Glücklicherweise konnte das Feuer jedesmal noch im Entstehen gedämpft werden. Die Polizei- liche Untersuchung ist eingeleitet, doch fehlt bis jetzt jeder Anhalt. Ein brennender Heuwagen verursachte Donnerstag gegen Abend einen Alarm der Feuerwehr nach dem H o l st e i n e r User 13/14. Die gesamte Ladung wurde teils vom Feuer zerstört, teils durch die ihr von zwei Schlauchleitungen zugesührte Wassermcnge unbrauchbar gemacht.— Vorsätzlich in Brand gesetzt war heute früh 4 Uhr eine Pappel auf dem Exerzierplatz in der S ch w e d t e r st r a ß e. Die Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit. Der Thätcr ist nicht ermittelt._ Slus den Nachbarorte». In Waidmannölnst tagt am Sonntagnachmittag 3»/, Uhr bei Streckenbach lTanncniväldchcn) eine Volksversammlung, in der ein Vortrag des Genossen K o tz k e sowie die Gründung eines WahlvercinS auf der Tagesordnung steht. Obcr-Schöncwcide. Heute abend 8V2 Uhr tagt der Arbeiter« BildungSvcrcin bei Hafcrland. Verkehröverbeffernngen enthält der neue Winterfahrplan der Linien der w estlich e n Vorortbahn. Namentlich für die Linie Nollcudorfplatz— Kurfürstcndamm— Hallensee— Hundckehlc und für die Verbindung zwischen Schöneberg— Fricdenail und Steglitz sind die« selben von Bedeutung. Es wird nämlich auf der erstgenannten Linie nn Stelle der jetzt mir halb stündigen Wagenfolge zivischcn dem Nollendorfplatz und Halensce von 6 Uhr früh bis 10 Uhr abends ein regelmäßiger 15 Minutenverkehr und dann bis 12 Uhr nachts noch ein Halbstnndcnverkchr eingerichtet werden. Von Halen- see ab ist dann über St. Hubertus nach H n n d e k e h l e zunächst nur ein durchgehender Halbstundenverkehr vorgesehen. Später soll die im Bau begriffene Strecke Halensce— Hundekchle durch die KönigSallee eröffnet und der Viertelstunden« Verkehr in der Weife eingeführt iverden, daß von Halensce aus abwechselnd imnier ein Wagen über St. Hubertus und der andere durch die KönigSallee bis Hundekchle ganz durch- fährt. Weitere wichtige Acndcrungcn soll der Winterfahrplan auf der Hauptlinie„Zoologischer Garten— Rollen dorfplatz— Schöneberg— Steglitz" bringen. Hier ist vor allem die Einschiebung einer ganz neuen Linie von Bedeutung, die vom Wnnnfee-Bahnhof„Gr. Görichcnstrnßc" durch die Bahn-, Haupt« und Friedenauer straße ebenfalls nach Friedenau und Steglitz führen und die Endstrccke der wichtige» neuen Linie Berlin-Linkstraße— Dennewitzstraße— Schöncberg— Steglitz bilden wird. Auf dieser letzteren soll zunächst von morgens' 6 Uhr bis nachts 12 Uhr ein 20 Mi nuten-Verkehr stattfinden. Da- gegen sollen auf der alten Hauptlinie Nollendorfplntz— Steglitz stündlich 3 Wagen ausfallen, d. h. sie sollen nicht bis Steglitz, sondern durch die Maxstraße zum Bahnhof„Ebcrsftraße" geleitet werden. Die hierdurch entstehenden Lücken sollen jedoch wieder ausgefüllt iverden durch die stündlich drei Wagen der neuen Linie„Groß Görschenstraße— Steglitz". Die Fahrt auf der ganzen Linie Nollendorfplatz— Halensee— Hundekehle tvird dann 30 Minuten fgegeii jetzt 38) und bis Halensce 18 Minuten betragen, während für die neue Linie„Groß Görscheustraße— Steglitz 29 Minuten fest- gesetzt sind. Die Explosion in Rixdorf ist auch heute noch nicht aufgeklärt. Die AufräumungSarbeitcn ruhen noch, bis die Baukvmmisston die Unglücksstätte besichtigt hat. Die verunglückten Arbeiter befinden sich auf dem Wege der Besserung. In einer sonderbaren Lage sind immer noch die vier Schiveine, die verschüttet wurden und am Leben blieben. Es sind alle vier große und fette Tiere, die bald zum Schlachten verkauft werden sollten. Man füttert sie durch ein Loch im Trümmerhaufen von oben her. Die Sichcrhcttözustände an der Oberspree erscheinen im bedenklichsten Lichte, wenn die folgenden Zeitungsmcldungen über das dortige Räuberunlvesen zutreffen. Es wird geschrieben: Der Be« r!cht vom lleBerfall im Restaurant„Rübezahl" klang so abenteuerlich, daß die Behörde annahm, es könne sich hier nur um einen dummen Witz handeln. Bald sollte aber die Polizei eines andern belehrt werden. Der Bahnwärter Ferdinand Hauff in Grünau besitzt in der Nähe des Restaurants„Karolinenhof" ein Stuck Land, auf welchem er auch eine kleine Schankwirtschaft be- treibt. Da Herr H. schon wiederholentlich durch Felddicbe bcstohlen worden ist. so pflegte er in seinem kleinen Gartcuhause zu schlafen. Im Garten selbst hält er zur Sicherheit noch aubcrdcm zwei bissige Hunde. In der Nacht zum Domicrstag wurde H. durch das An- schlagen seiner Hunde aus dem Schlafe geweckt. Bald verwandelte sich das wilde Gebell der Hunde in ein langgezogenes Geheul, und gleich darauf vernahm H. cm verdächtiges Geräusch an seinem Hause. Ein Schuh wurde abgegeben, eine Kugel drang durch das Fenster des Schlafzimmers und pfiff dicht an dem Kopf des H. vorbei. Der Bedrohte ergriff ein Tesching und feuerte dieses bindlinaS ins Freie ab. Als Erwiderung croröhnten mehrere Revolverschiisse und drei Kugeln schlugen in die starke eichene Thür des Gartenhauses. Die Thür Ivurde gleichzeitig erbrochen und H. erblickte nun vier Männer, die mit hochgehaltenen Revolvern in die„Festung" hincintraten. Da unter den obwaltenden Umständen jede Berteidung aussichtslos war, so legte Herr Hauff seine Waffe beiseite und traktierte die nun- mehr sehr liebenswürdig gewordenen Räuber mit Bier und Obst, welche sodann eine Haussuchung abhielten. Die Verbrecher fanden ca. 15 M. vor, von dcncil sie eine Marl dem Ueberfalleucn als Wechselgeld zurückgaben. In freundlichster Weise erzählten sie Herrn Hauff, daß sie einen gleichartigen Besuch im Restaurant„Rübezahl" abgestattet hätten, nahmen ihm die Denkmünzen aus den Feldzügen 1870/71 ab und liehen sich schliehlich von ihrem unfreiwilligen Gastgeber daS Versprechen geben, dah er sie nicht verraten werde. Kurz nach 2 Uhr begab sich die Räuberbaude nach dem Ufer der Dahme. Hier öffneten sie das Schräm msche Bootshaus, nahmen sich einen acht Personen fassenden Kahn und fuhren mich dem zu Köpenick gehörigen„Wendcnschloh" hinüber. Dort erbrachen sie die dem Gastwirt Wiese gehörige Wursthalle. Das Eindringen der Verbrecher wurde jedoch von dem Privat- Wächter Schulz bemerkt, der sofort den Sohn des Nestaurateurs und einen Kellner weckte. Die drei Männer gingen nunmehr den Banditen zu Leibe. Diese feuerten auf ihre Angreifer und die letzteren, die sich mit Revolvern bewaffnet hatten, antworteten mit mehreren Schüssen, ohne jedoch jemand zu treffen. Die Strolche entflohen und vcr- schwanden im Walde.— Die Räuber sind junge Leute im Alter von etwa 18 bis 2ö Jahren, die in der Gegend sehr genau Bescheid wissen muffen. Die Gendarmerie des Kreises Teltow wurde gestern nach Köpenick zusammengezogen und veranstaltete eine Streife durch den königlichen Forst, die völlig resultat- l o s verlief. Wahrscheinlich sind die abenteuerlustigen Burschen in Köpenick oder in Friedrichshagen ansässige'Personen. Den guten Leuten, die sich etwa durch solche unglaublichen Zu- stände beunruhigt finden sollten, wird die Thatsache zum Tröste dienen, dah die S i ch e r h e i t s b e h ö d e n in jener Gegend sich in allen ivahrhaft patriotischen Kreisen wegen der intensiven Be- tämpfung der Socialdemokra'tie des besten Ansehens erfreuen. Seit dem 15. d. M. ist daS Vegetarische Kinderheim in Schlachtenscc geschlossen, das von Herrn SecuriuS in Wiesbaden errichtet und eine Reihe von Jahren hindurch unterhalten worden ist. Der Stadt Berlin und der Geuieinde Zchlendorf hatte GeciiriuS f. Z. das Grundstück zum Geschenk angeboten, beide haben indessen abgelehnt, weil sie nicht die Verpflichtung übernehmen wollten, die Kinder vegetarisch zu ernähren. Die in dem Heim noch vorhanden gewesenen Kinder sind in Berlin untergebracht worden. Auf der Pankowcr Feldmark ist längs des Bahnkörpers der Eisenbahn, von der Wollaukstrahe abzweigend, seit Jahren eine Strohe gepflastert, aber noch nicht angebaut worden, ivohl aus dein Grunde, dah sie auf daS KirchhofSgebiet der Sopkicnkirche als sogenannte Sackstrahe stößt. Nunmehr wird die Straße über den Kirchhof hinweg mit der Bölkerstrahe verbunden und damit eine neue Verkehrsstrahe zwischen Berlin und Pankow hergestellt werden. Gerichts-'Neikung. Als„Spukgeister", die allerlei Unfug angerichtet haben, standen gestern das Dienstmädchen Anna Zimmermann und der Matrose Theodor Humburg vor der dritten Strafkammer des Landgerichts l. Die Zimmermann war bei den Schneidermeister Humburgschen Eheleuten bedienstet, welche im vierten Stock des Hauses Grohbecrcnstr. 31 eine Wohnung iune hatten. Das Haus grenzt mit der Rückseite an den Hof des Hauses Hagclsberger- straße 42/43. Im Monat März wurden die Bewohner des letzt- gciianntcii Grundstücks fast allabendlich beunruhigt. Aller- lei Gegeilstände, Preßkohlen, Steine, leere Flaschen usiv. wurden von unsichtbarer Hand auf den Hof geschleudert, die vorüber- gehenden Personcii gefährdend. Eine 14 jährige Schülerin erlitt durch die umherfliegenden Scherben erhebliche Verletzungen. Der Unfug wollte kein Ende nehnicn und es entstand ein Zustand, tvic zur Zeit in dem viclgennnutcii Hause Nene Königstraße 60, wo ei» ähnlicher Kobold sein Unwesen treibt. Der Verlvalter des Hauses legte sich allabendlich auf. die Lauer, iudein er, mit«ine»! Operu- guckcr bewaffnet, vom Trockenboden aus alle Fenster, die nach dem Hofe hinausgingen, beobachtete. Auch ein Kriminalbeamter war im Ncbcnhause postiert. Am Abende des 16. März wurde die Wachsamkeit des Hausverwalters mit Elfolg gekrönt. Er sah, daß das ihm gegenüberliegende Küchenfeustcr der Huuibnrgscheii Wohnung im Hause Großbeerenstraße 51 erleuchtet war. Es be- fanden sich in dem Raum der Sohn der Humburgschen Eheleute, der auf Besuch hier weilende Matrose Humburg, und das Dienstmädchen Zimmermann. Beide Personen wurden von dem Verlvalter deutlich erkannt. Er beobachtete, wie das Mädchen ein Stück Papier aus dem Schrank nahm, es von allen Seiten genan betrachtete und es dann dem neben ihr stehenden Humburg reichte. Dieser bückte sich seitwärts und brachte einen dunklen Gegenstand hervor, den er in das Papier wickelte. Darauf begab sich'das Paar mit der Lampe in die Nebenstube und die Küche wurde fast dunkel. Nach wenigen Augenblicken erschienen sie wieder und der Beobachter konnte bei dem Scheine,, der durch die Thürspalte ans dem Ncbenranme fiel, deutlich sehen, wie Hnmbnrg das Fenster öffnete, einige Schritte zurücktrat und eine werfende Armbewegung machte. Im nächsten Augenblick hörte man das Fallen eines Körpers auf den Hof. Der Spuk war nun geklärt, die beiden Unfugstiftcr wurden am folgenden Tage verhaftet und von der Zeit ab ttat Ruhe ein. Das Schöffengericht verurteilte seiner Zeit die Zimmer- mann wegen groben Unfugs. Sachbeschädigung und fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Wochen Haft und zwei Wochen Gefängnis, Humburg wegen derselben Strafthnten zu einer Woche Haft. Der Staatsanwalt Flicke! hatte hiergegen Bcrufug eingelegt. Er war der Meinung, daß hier ein Unfug der größten Art vorliege, der große Beunruhigung unter den Mietern des betreffenden Hauses hervorgerufen, bedeutendes Aufsehen erregt und eine ganze An- zahl von Polizeibeamten längere Zeit ihren sonstigen Auf- gaben entzogen habe. Der Staatsanwalt beantragte ans diesem Grunde je sechs Wochen Haft und drei Monate Gefängnis. Rechtsanivalt Dr. S ch w i n d t als Verteidiger des Humburg hatte für diesen einen unfangreichcn Eiitlastungsbeweis angetreten und suchte nachzuweisen, daß gegen H. keine greisbaren Beweise, sondern nur ganz allgemeine Venuutungen vorliegen. Er bekämpfte auch die Ansicht des' Staatsanwalts, daß nicht fahrlässige, sondern vorsätzliche Körperverletzung vorliege. Die thatsächlichen und rechtlichen Momente, die sich bei Erörterung des Straffalles ergaben, waren so mannigfaltig, daß der Gerichtshof beschloß, zur Verkündigung des Urteils Terminkauf Freitag, den 29. September, anzusctzen. Die Notwendigkeit, de» Uebermut gewisser Hauswirte ein wenig zu bändigen, ist gestern von einem hiesigen Gerichtshof anerkannt worden.„Eine Wohnung steht unter dem Schutze des Hausfriedens, selbst dem Wirte gegenüber und auch ein Hauswirt macht sich de» Hausfriedensbruches schuldig, wenn er wider den Willen deS Mieters in deS letzteren Wohnung verweilt, selbst wenn im Mietsvertrag der Vermieter sich ausdrücklich das Recht vorbehalten hat, zwecks Reparawren jeder Zeit die Woh- liung zu betreten. Wenn der Vermieter rechtliche Grunde dieser Art geltend machen kann und seine Rechte ver- letzt wähnt, so muß er gerichtliche Hilfe in Anspnich nehmen, darf aber nicht wider den Willen deS Mieters in dessen Räumen verweilen." Diesen Standpunkt vertrat gestern die sechste Straf- kaminer des Landgerichts I. in einer Anklagesache gegen den Haus- besitzer S. Dieser vermietete eine Wohnung an eine Frau, welche von ihrem Ehemanne getrennt lebt; der Mietsvertrag sollte von dem Vater der Mieterin mit unterschrieben werden, dies ivar aber noch nicht geschehen, als die Mieterin mit Genehmigung deSHauswirtes zuzog. Der Wirt scheint dann von dem Eheniann der Frau und durch allerlei Klatschereien aufgeputscht zu sein; eS wurde das falsche Gerücht verbreitet, daß die Frau an Dirnen vermiete und der Hauswirt trachtete daher danach, die Mieterin so bald als möglich wieder los zu werden. Auf Grund der in dem Mietsvertrag enthalteuen Klausel, daß ihm zum Zwecke von Reparaturen jederzeit der Zu- tritt zur Wohnung frei stehen solle, erschien der Hausivirt eines Tages in der Wohuung in Begleitung eines Tischlers, der angeblich Rcparaturarbeitcn an der Thür vornehmen sollte. Die Mieterin, die darin eine bloße Chicane erblickte, verlangte, daß der Haustvirt ihre Wohnräume verlasse, und da trotz mehrmaliger Aufforderung dieses Ersuchen nicht erfüllt wurde, folgte die Strafanzeige wegen Hausfriedensbruches. Das Schöffen- gericht erkannte seiner Zeit auf 50 M. Geldstrafe. Rechtsanivalt Dr. D a V i d s o h n machte hiergegen in der Berufungsinstaiiz geltend, daß eine Verurteilung hier doch gewiß nicht möglich sei, da die Ehefrau, die noch gar keinen Vertrag unterschrieben hatte, doch noch ohne festen RcchtSboden sich befand und überdies dre Mietsverträge des Angeklagten die erwähnte Klausel enthalten. Der Gerichtshof kam aber wiederum zur Verurteilung; er hielt aus den eingangs erwähnten Gründen einen Hausfriedens- brnch sowohl in objektiver, wie subjektiver Beziehung für vorliegend und nicht für zweifelhaft, daß der Angeklagte die Frau in aller Form als seine Mieterin betrachtet habe. Die Strafe wurde auf 20 M. herabgesetzt. Der bekannte Naturpredigcr und Maler Karl Wilhelm Diefenbach war dieser Tage in einem nicht gerade erbaulichen Prozeß wegen Sittlichkeitsvergehens mitverwickelt. Die Vcrhandlinlg spielte sich vör dem Geschworenengericht in Wien ab und war gegen den Maler Paul Ritter v. Spaun gerichtet. Diefenbach hatte in Himmelhof bei Wien eine„Kolonie" gegründet, in der er seine auf Entfaltung von Naturtrieben und Vegetarismus gerichteten Grundsätze so frei als eben angängig bethätigen wollte. Mit der Propaganda für Natürlichkeit meinte der Meister es in seinem Sinne möglichst ernst. Minder aufrichtig scheiut er dem Vegetarismus nachgelebt zu haben, denn es kam in der Verhandlung zur Sprache, daß Diefenbach von seinen Jüngern und Jüugcriunen strengste Enthaltung von Fleischkost verlangte, während er selber sich im Kampfe für die Durchführung seiner Grundsätze an Schinken, Hühnern und A p p c t i t>v ü r st ch e n stärkte. Ritter Paul v. Spaiin stand nun unter der Anklage, mit der damals zwölfjährigen Tochter des MalcrS Diefenbach sträflichen Verkehr unterhalten und ferner in einem Schreiben, in dem er der Behörde den Austritt aus der katholischen Kirche mitteilte, die katholische Religion beleidigt zu haben. Das RcligionSvergehen bestritt der Angeklagte, dagegen gab er den Verkehr mit dem Kinde zu. Ich habe, so sagte er, mich als außer jeder Verbindung mit der übrigen Welt gefühlt und gar nicht daran gedacht, daß ich mit dem Gesetz in Konflikt geraten könnte, umsoivcnigcr als dasMädchen meinen Wünschen entgegenkam'. Sie stand in geistiger und körperlicher Reife vor mir, ihr großartiger Charakter be- ivicS mir, dah ich das Wesen keunen gelernt hatte das ich ersehnt habe. Und aus dem geschwisterlichen Verhältnis wurde ein anderes, das sich aus dem geistigen Verkehr entwickelte. Später hat der Angeklagte sich von Stella, so heißt das Natur- kind, getrennt, weil er bemerkt hatte, daß das Mädchen sich mit semeni, damals mit einer früheren Geliebten Diefenbachs vcr- heirateten Bruder Friedrich v. Spann eingelassen hatte. Zur Verhandlung konnte Stella nicht erscheinen, weil das jetzt 17 jährige Mädchen zn Trieft an den Folgen des Wochenbetts noch zu schwer leidet. Ursprünglich sollte mich Vater Dicfcubach wegen Kuppelei liutcr Anklage gestellt werden, doch hat die Staatsanwaltschaft später aus formalen Gründen die Aiiklagejfallen laffen. Doch ivarDiefenvach zum Termin nach Wien gckonnncn. Die Verhandlung endigte, wie wir einem Bericht der„Wiener Arb.-Ztg." entnehmen, überraschend günstig für den Angeklagten. Die Geschivorenen verneinten die auf versuchte Notzucht gerichtete Schuldfrage mit sieben gegen fünf Stimmeil und bejahten dagegen die Religiolisstörung. Daher wurde Spaun fr e i g e i p r o ch e'n und nur wegen Vergehens nach Z 303 zu acht Tagen Arrest verurteilt. Professor Soxhlct in München und der Hensclschc Mineral- düuger. Die Firma Adolf Börner Nachf. in K ö I n verkauft Hcusclschen Mineraldünger. Gegen letzteren wendeten sich sehr bald die laudivirtschaftlichen'Vcrsnchsstatioiicn, besonders aber auch Prof. Soschlct. Dieser riet den Laudivirten von der Anschaffung solchen Düngers ab. Sehr viele derselben verweigerten die Abnahme des Mineraldüngers, den sie bei der erwähnten Firma bestellt hatten. Letztere strengte nun gegen 5—600 Landwitte Klage auf Einhaltung des Vertrages an. Beraten wurde sie hierbei vom Rechts- auivalt H e l b i n g in' F r e i s i n g. Nachdem Börner Nachf. einige Prozesse verloren hatten, legten sie Berufung ein»nd Rechtsanwalt Helbing fertigte die dazu erforderlichen Schriftstücke an. Herr H. polemisierte darin in schärfster Weise gegen Professor Soxhlct und gebrauchte eine Reihe recht kräftiger Ausdrücke. Der Direktor der technischen Hochschule, welcher Professor Sorhlct angehött, stellte mm Strafantrag wegen Beleidigung des Professor Soxhlct gegen Rechts- anwaltHclbing. Das Landgericht I in München nahm enicBclcidigung als erwiesen an und verurteilte am 28. April Herrn Helbing zu 300 M. Geldstrafe.— Auf die Revision deS Angeklagten, der sich selbst verteidigte, sowie auf den Autrag des ReichsauwaltS hob das Reichsgericht am Donnerstag daS Urteil a u f und verivies die Sache an das Landgericht zurück. Da Professor Soxhlct die Gut- achten für die Landwirte nicht in amtlicher Eigenschaft abgegeben hat, liegt keine Bemssbeleidigung vor. Da er selbst keinen Straf- antrag gestellt hat, der des Direktors aber wirkungslos ist, fehlt es den, Urteile an der prozessualen Voraussetzung, dem gültigen Straf- antrage. Der falsche Militärarzt ans Wannsee, der dortselbst längere Zeit als Dr. med. Ernst Schröder in der Familie des Baumeisters Schulz verkehrte und mit dessen Gesellschafterin, Fräulein Minna Thcws, ein Liebesverhältnis anknüpfte, stand am Doimerstag, aus der Haft vorgefühtt, in der Person des 32jähttgen Arbeiters Wilhelm Holzhüter vor dem Potsdamer Schöffengericht, unter der Anklage des Heiratsschwindels, fälschlicher Beilegung des Doktortitels und' unberechtigter Tragung einer militättschen Uniform. Holzhütcr ist der Sohn eines Arbeiters aus Arnswalde, besuchte dort die Bürgerschule, schtteb dann 5 Jahre bei einem Rechts« anwalt und erhielt hierauf 6—7 Jahre lang in_ Berlin Stellung bei der Deutschen Zeitungs- Verlags- Gesellschaft, um später noch 2 Jahre bei der Versicheruugs-Gescll- schaff„SekuntaS" und der Frankfurter Versicherungs-Gesell- schaft gegen Wasserleitungs- Schäden zu arbeiten. In einem Cignrrcngeschäft in der Pcrlebergersttaße. wo er nach seiner 1897 erfolgten Entlassung von der Gesellschaft sein» Einkäufe machte, nannte er sich bereits Dr. Schröder und lernte dort Fräulein ThewS kennen. Sie fand Gefallen an dem sehr gewandt auftretenden Mann und lud ihn zum Besuch nach Wanusee m die Villa des Vau« meisterS Schulze ein, woselbst Holzhütcr bald in der Familie ein und aus ging und der erklärte Bräutigam des Fräulein ThewS, der er nach und nach 500 M. abschwindelte, war. Die Heirat wußte e» stets hinauszuschieben, weil er erst als Militärarzt bei den Potsdamer Leibgarde-Husaren dienen mußte. In dieser Uniform erschien er wiederholt und düpierte durch sein Auftreten sogar 2 Acrzte, die mit ihm kameradschaftlich verkehrten und ihn bei Patienten mitnahmen. Holzhüter wurde zu 3 Monat Gefängnis und 1 Monat Haft ver- urteilt. Abermals ein prügelnder Tchntiman». Die D a n z i g e r Strafkammer verurteilte den Schutzmann Paul Tucholski, der im Jauuar einen städtischen Arbeiter mit blanker Klinge blutig ge- schlagen und widerrechtlich festgenommen hatte, wegen Körper- Verletzung und Freiheitsberaubung zu neun Monaten Gefäugnis. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre beantragt. Das Schwurgericht zu Beuthen verutteilte den Bureau- Assisteuten Bade wegen Bestechung und Urkniidenfälschuiig zu drei Jahren Gefängnis. Bade hatte Pässe von Reservisten gefälscht, um letztere von militärischen Hebungen zu befreien. Versanttnlttttgem Der Wahlb crein dcö 5. Wahlkreises hatte sich Doimerstag- abend im Alten S ch ü tz e n h a u s. Linienstraße, zusammen- gefunden. Genosse Roth erstattese zunächst den Bericht über die brandenburgische Parteikonferenz; Frl. H a a s e schloß sich dem an und erklärte die Versammlung sich mit der Thätigkcit der Delegierten einverstanden. Zu Revisoren und Verrrauensleuten werden die Genossen Liepmann, Roth und D i t t m a n n gewählt. Ein Antrag, auch heute schon die Agitationskommission neu zu wählen, wird ab- gelehnt. Hierauf geht die Versammlung zum letzten Punkt der Tagesordnung, der Besprechung der in Haunover zur Verhandlung kommenden taktischen Parteifragen, über. Genosse Wels verliest die beiden in der vorigen Versammlung im Schweizergarten eingebrachten Resolutionen Liepmann und Robert Schmidt. �Dieselben sind in dem Versammlung?- berichte vom 5. September enthalten.) In der Diskussion nimmt das Wort Dr. Weil: Wir haben in Berlin sehr wenig Gelegenheit gehabt, über die von Bernstein angeregten Fragen zu sprechen; meiner Meinung nach aber kann dies gar nicht genug geschehen. Ein großer Teil der Genossen des 5. Wahlkreises steht nicht auf dem Boden der Resolution, für die sich Rod. Schmidt ausgesprochen hat; dieser selbst hat sich vor zwei Jahren noch in anderem Sinne geäußert. Man soll also in der Politik niemals„niemals" sagen. Aus dem Briefe Bebels über die französischen Angelegenheiten ist schon ersichtlich, wie derselbe sich zu den schwebendeu Fragen stellen wird. Wir können uns nicht mit einer chinesischen Mauer umgeben. Aber ob man uns Opportunisten oder Revolutionäre iiennt, das Eine eint uns, das Endziel, die Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft und aus diesem Standpunkt bleiben wir jedenfalls die revolutioiiärc Partei. In Bezug auf die Taktik zur bayrischen Landtagswahl sehen wir ähnliche Erscheinungen in Belgien und Frankreich und auch den bayrischen Genossen ist es nur darum zu thun geivesen. größeren Einfluß im Landtage zu erlangen. In Bayern wäre auch ohne die Beteiligung der Partei die Mehrheit des Ce»trums entstanden; auch ivaren die einmal geivählten Wahl- männer gesetzlich zur Stimmabgabe verpflichtet. Nach dem Briefe Bebels käu» mau voraussehen,' daß die von Robert Schmidt dar- gelegten Grundsätze siegen werden. Theoretische Auffassungen aber können die Kraft der Partei nicht beelnflnffen; auch manche An- schal»», gen Laffallcs sind hcnte nicht mehr aufrecht zu erhalten, ohne daß deshalb Lassalle für uns die Bedeutung verloren hätte. Genosse Bernsteiii hat uns Anreginigen gegeben; unsere Sache ist es, sie weiter ausziibaiieii. sBcifall.) F r e n i e l iveudet sich gegen die Auffassung, als ob bei den ge- faßten Beschlüssen Pcrsonenkultus getttebcn worden sei. Genosse Robert Schmidt ist als Vertreter der A»schau»iigen der Resolutionen zum Delegierten für Haiiiiover gewählt worden. Der Resolution Liepmann tönne man daher nicht zustimmen. In Bayern liegen die Verhältnisse nicht wie in Preuße»; die Klciilwirtschaft ist dort weit mehr»och vorherrschend. Vielleicht hätten uiisere Genossen dott aber doch besser gethau, für die Liberalen zu stimmen, die dann noch iminer keine Majorität gebildet hätten. Nehmen Sie die Resolution Schmidt an. L i e p n> a n n: Der Kernpunkt des Streites ist der. ob die bisherige Taktik, sich einzig als proletarische Pattei zu geben, alles durch eigene Kraft, uickit durch guten Willen der andern zu erreichen, iliaßgcbend bleiben soll. In dieser Anschauung des Klassenkampfes siild ivir aber groß geivordcn. Bernsteiii befürivortet den Anschluß au die Demokratie, andere möchten sich den Socialreformern Bcrlcpschcr Ltichtung uähern. Wir haben doch auch bisher schon prainsche Politik gemcbeii, bei den Gewerkschaften, bei den Wahlen zur Krankeukasse, den kommunalen und Landtagsivahlen; wo ist also das Neue, das uns die Theoretiker vorsühren ivollen? DaS politische Kampffcld aber muß der Pattei allein verbleibe», die Vermischung mit anderen Parteien würde unserem Kampf ein anderes Gepräge geben. Wir haben nicht nötig, uitS düpieren zu lassen, wie es das Unter- »chmertum wohl möchte, uns vom Endziel abzudräugeu, der Abschaffung der Lohnsklaverei. � In Bayern selbst ist man heute schon imzufriedc»; die Jesuiten sind dock eben die Schlauesten. Wir aber ivollen uns nicht mit den bürgerlichen Parteien kompromittieren; nehmen Sie meine Resolution an,) die unsere alten Anschauungen hochhält.(Beifall.) O e r t e l schlägt eine dritte Resolution vor, welche das Fest« halten am Parteiprogramin zum Ausdruck bringt. Langer und Warschaivsky be'fürworteu die Resolution Schmidt. R o b e r t S ch m i d t: Es ist zweifelhaft, ob eine Abstimmung hcnte von Wert ist. In der praktischen Arbeit liegt die Bedeutung unserer Parteibeweguiig seit 20 Jahren; dem steht die Resolution Liepmaiiil vollständig eutgegen. Sie verwirft in ihrer Folgerung die ganze sociale Gcsetzgcbuug, die wir im Parlamente nicht aus eigener Kraft' errcickcii konnten. Wir haben in St. Gallen beschlossen, bei der Stichwahl Stimmeiieiithaltung zu beachten; was ist daraus geivorden? In Baden hat mau ichon früh die Taktik unserer bayrischen Genossen eingeschlagen, und trotzdem ivar es den Patteigenossen möglich, jetzt vei den Stadt- verordiicteii-Wahlen in Mannheim die dritte Wählcrklasse glänzend zu erobern, das mögen die Berliner Genossen erst nach- machen. Zu den National- Socialen und Neformlern haben wir immer im strengen Gegensatz gestanden. Wir bleiben die Partei der fortschreitenden'Entwicklung und wir können sagen, nnsere Sacke steht nicht schlecht. Bernstein selbst sagt:„Soweit das Ziel die Schaffung einer sociakistischen Gesellschaft bedeutet, wird kein Socialdcmokrat anders denken, aber man kann noch nickt sagen, wann dieses Ziel sich verwirklicht." Allem Anschein nach besitzt der thönerne Koloß, die kapitalistische Gesellschaft dock noch auSdanerndcre Grundlagen, als wir ehedem glaubten. Lassen Sie sich von dem Worte Kompromiß nicht beirren, unsere Ziele bleiben unverrückbar und von jenen unberühtt.(Lebhafter Beifall.) Wels schließt sich den Ailsfühnmgen Licpmanns an. Man kann nicht immer sagen, welche Partei uns am iiächsten steht. In Krefeld haben unsere Geiiossen Mühe genug gehabt, die evangelischen Arbeiter vom Stteikbrnck fernzuhalten. Dem zweiten Teil der Rc- solution Schmidt würde ich zustimmen, der sich auf den Militarismus bezieht, statt des ersten Teils aber die Resolution Liepmann empfehlen. In der Abstimmiing wird die Resolution Liepmann ab« gelehnt, lieber die Resoliition Robert Schmidt erfolgt ge- trennte Abstimmung; der erste Teil wird mit zwcidrittel Mehrheit, der zweite Teil einstiminig aiigcnommen. Der Vorsitzende Wels teilt noch mit, daß die Vorarbeite» für die Stadtverordneten-Wahlen erledigt sind, und fordert zur regen Beteiligung au der Flugblattvetteilung sowie den Wahlen selbst auf. Mit einem Hoch auf die Socialdemokratie wird die Vcr- sammlung geschlossen. Die Maurer der lokalen Richtung hielten am Donnerstag vei Cohn, Beuthstrabe, eine Bersammlung ab, in der Metzle zu» >iächst die zur letzten Slbrechnung bei der Kominission eingegangenen Anfragen beantwortete. Ohne Diskussion wurde sodann aus Antrag der Nevisoren dem Kassierer die Dccharge erteilt. Heber.Die gegenwärtigen Streiks im Baugewerbe" referierte Kater. Der Redner verwies auf die Lohnbcwcgung der Bauarbeiter, Steinmetzen und Putzer und empfahl den Versammelten nach eingehender Erläuterung folgende Resolution zur An- nähme: I» Erwägung. daß die Maurer Berlins und Um- Legend jetzt im Vertragsverhnltnis mit dem Bund der Arbeitgeber im Maurer- und Zinnnercrgewerbe stehen und auch be- müht sind, diesen Vertrag nicht zu durchbrechen; in fernerer Er- tvägung, daß aber durch die Lohnbewegung der Bauarbeiter, Stein- metzen und Putzer Berlins die Maurer: sehr oft in Milleidenschaft gezogen werden, indem sehr häufig den Maurern Arbeiten auf- gegeben werden, die sonst nicht zu Maurerarbeiten gehören, beschließt die Bersamnilung sVertrauenömänner-Centralisation): 1. Bei Arbeits- nicderlegung der Bauarbeiter verlangen die Maurer, wenn deshalb ausgesetzt werden soll, die Zeit des Feicrns vom Arbeitgeber bezahlt. Wird dieses verweigert, dann verlassen sämtliche Kollegen die Vau- stellen und suchen sich andere Arbeit. Unterstützung aus dem Streik- fonds wird in diesen Fällen überhaupt nicht gezahlt. 2. Wo von Maurern verlangt wird, Steiuinctzen beim Versetzen von Steinen zu helfen, kann dieses nur soweit geschehen, als die Maurermeister bisher kontraktlich dazu verpflichtet waren, Maurer zur Hilfeleistung zu stellen. Selbständiges Versetzen von Steine» ohne Steinmetz, sowie selbständiges Transportieren wird in jedem Fall verweigert, und werden aus diesem Grunde Gemaßregclte im vollen Maße unterstützt. 3. Da sich die Putzer auch im Streik befinden und einen garan- tierten Tagelohn oder Abschlagslohn beanspruchen, stehen auch die Maurer auf dem Standpunkt, Putzarbeiten, an der schon Putzer gc- arbeitet haben, überhaupt nicht anzunehmen. Wo aber Putzer noch nicht gearbeitet und der Bauherr oder Maurcrnreister einen Tage- lohn von 8 M. bei 8Vs stüiidigcr Arbeitszeit bezahlt, kann Putzarbeit auch von Maurern gefertigt werden. Entlassungen wegen Vcr- Weigerung der Piitzarbeit werden als Maßregelung angesehen und erhalten die Kollegen Unterstützung. In allen Fällen ist aber die Lohnkommission frühzeitig zu benachrichtigen. Nach einer längeren Dislussion, in der besonders kritisiert wurde, daß von den Putzern die Accordarbcit noch nicht beseitigt Ivorden ist, wurde die Resolution mit einem Zusatzantrag, daß auch keine Zimmererarbeitcn, wie Balkenabtragcn zc., von den Maurern aus» geführt werden sollen, gegen wenige Stimmen angenommen. Hierauf gab Kater einen kurzen SiMationsbericht. aus dem zu enmehmen war, daß die Verhältnisse auf den Bauten infolge der Abmachungen mit den Unternehmern geregeltere geivorden sind, daß allerdings immer noch seitens der Unternehmer und Poliere Maß- regclungen von solchen Maurern vorgenonmicn werden, tvclche auf Ordmuig achten, und daß aber andererseits auch verschiedene Difle- renzen nur durch das unsolidarische Verhalten einzelner Maurer cnt- standen sind. Dem Bericht folgte eine kurze Debatte und ivurdc so- dann beschlossen, daß bis zum 1. Oktober nolb 60 Pf., von dann ab 26 Pf. zum Streikfonds abgeführt werden sollen. � Die Marmorarbciter waren am Donnerstag wieder zahlreich versammelt, um den von Gerstenberger erstarteten Bericht über die Lohnbewegung entgegen zu nehmen. Wie schon früher mit- geteilt, handelte es sich darum, ob der neu vereinbarte Tarif auch die schriftliche Anerkennung der Unternehmer finden werde. H Finnen haben bis jetzt, ohne die, welche es bereits früher gethan, unbedingt ihre Unterschrift zu Händen der Kommission geleistet. Einige Unternehmer gaben die Unterschrift erst nach einigem Zögern� voil etlichen Unternehmern konnte, wegen ihrer Abwesenheit, die Unterschrift noch nicht verlangt lverden. Die Finnen e p p u. Strehler wollten nur tcillveise bewilligen: Fink verhielt sich wie bisher schroff ablehnend, worauf fast säiniliche Arbeiter sofort die Arbeit ruhen ließen. Nachdem dieser Herr sich schon früher dahin geäußert,' daß er lieber„nuS dem Zuchthaus" Entlassene, als .nnziifriedene" Arbeiter beschäftigen werde, verweigerte er nicht nur jetzt die Auszahlung der bereits verdienten Löhne, sondern forderte die Arbeiter auch brieflich auf, die begonnene Arbeit zu vollenden, obwohl eine Kündigungsfrist nicht besteht. Redner spricht am Schluß seiner Ausführungen die Erwartung aus, daß die Marmorardeiter mit diesen Errungenschaften zufrieden seien und ihre in den letzten Tagen bewiesene Solibarität auch fernerhin bethätigcn werden, lieber de» Betrieb des Herrn Fink wird die Sperre verhängt. Ferner lvird beschlossen, daß Arbeiter nicht für sich, sondern n n r durch Vermittlung oder Beihilfe der Kontrollkommission wegen Lohnstrettigkeiten zc. mit den Unternehmern verhandeln dürfen. UebrigenS seien die streikenden Arbeiter von Fink nahezu vollzählig bereits bei aiideren Firme« untergebracht, so daß eine geringe Zahl von Ausständigen vorhanden ist. An Unter- st ü tz u n g haben die A r b e i t e n d e n 10 P r o z. ihres Verdienstes z» Händen der P l a tz v e r t r e t e r an die AnSständigen abzilfiihren. Die Platzvertreter und die Ausstäudigen haben sich b c st i in m t am Sonnabend, den 23. S e p t c in b c r, bis spätestens 9 Uhr abends im Bureau der Kommission, Restaurant Glane, Krausenstr. 13, eiiiznfindcn. Dort gelangt die Unterstützmig an die Ausstäiidiaen in Höhe von 10 Mark und 50 Pf. für jedes Kind für Verheiratete und 8 Bt. für Unverheiratete pro Woche als Minimalfatz ohne den Zuschuß von den Arbeitenden— von der ersten Woche des Ansstands an— zur AuSzahlun g. Weitere Mitteilungen werden bis zu einer demnächst stattfindenden Bersammlung nur im„Vorwärts" erfolgen. Zum Schluß ivurdc noch auf den General st reik der Sandsteinarbeiter hin- gewiesen und zu Sammlungen für Unterstützuiigen dieser Arbeiter aufgefordert. Es sei unbedingt notwendig, daß sich nicht nur dir beiden Organisationen, Filiale I und Filiale II, sondern auch die Arbeiter gegenseitig im Kampf mit den Unternehmern unter- stützen. Die Platzvertrcter bei den einzelnen Firmen haben diese Sammlungen zu veranlassen. Eine öffentliche Protest-Versammlung der Troschkeubcsitzer ohncFnhrpreis-Zlnzcigcr und ihrerPcrtretcr fand amDonnersiag im großen Saale des„Berliner Handwerkervercius" statt. Als erster Punkt stand ans der TagcSordililiig: Die Vernichtung nn serer E x i st c n z durch Fort nähme unserer Halteplätze zu G u n st e n der Taxameter. Als Referciit trat Herr .Karl Diebel auf, der zimächst Verwahrung dagegen einlegte, daß es ihm darum zu thun sei, die Berechtigung der Taxameter an sich zu bestreiten oder politische Propaganda zu treiben. Für die Droschkcilbcsitzcr und Knislher, welche Droschken ohne Fahrprcis-Aiizeiger besitzen oder fahren, sei es aber geradezu eine Existenzfrage, dagegen zu opponieren, daß' ihnen ein Halteplatz nach dem anderen entweder ganz genommen oder derartig„verlegt" werde, daß dieselben wertlos geivorden sind. Werden dagegen Beschwerden bei der zuständigen Behörde geführt, so heißt es gewöhnlich, das Publikum habe die Umwandlung in Taxameter-Halteplätze verlangt. Redner ist der festen lleberzeugimg, daß jedoch nicht das Publikum, sondern die Interessenten es' sind, tvclche bei dem Polizeipräsidium jcne Aiireglingen geben. Er er- iniiert an die Riescnrcklame, die bei Einführimg der Taxameter eben von jenen Jntcressentcli gemacht wurde, und kann nicht umhin, den„schwarzen" Droschkenkutschern und Droschken- besitzern den Vorwurf zu machen. daß sie nicht mit gleicher Energie für ihre Interessen eiligctxctcn sind. Wollte man sich auf das Publikum berufen, so könnten auch die„schwarzen" Kutscher in Tansenden von Fällen nachweisen, daß sie voni Publikum gesucht werden, das vielfach schlechte Erfahrungen mit den Taxa- meiern gemacht habe. Was die„schlvarzcn" Droschkenkutscher erster Klasse acrlangen, ist nichts weiter, als daß sie gleichberechtigt mit den Taxametern behandelt lverden. Das ist leider bisher nicht gc- schehen. Nicht nur sind den„Schlvarzcn" ihre günstigen Plätze einer nach dem anderen entzogen und an die„Weißlackicrten" ausgeliefert worden, sondern diesen sind auch neue Halteplätze an Stellen angewiesen worden, um deren Eröffnung die Nichttaxamctcr jahrelang vergeblich petitioniert haben. Früher war eine Errichtung von Halteplätzen in der Friedrich» straße zwischen Weidendammer Brücke und Bahnhof Friedrich- straße wegen der geringen Breite der Straße nicht möglich. Die Straße ist inzwischen nicht einen Fuß breiter geworden, sie ist aber jetzt breit genug, daß dort Taxameter Plgtz' haben. Solche und ähnliche Vorfälle zeigen, daß es sich um eine direkte Bevorznglmg der Taxameter und eine Zurücksetzung der„Schwarzen" handelt. Redner empfiehlt deswegen den Anwesenden die Uuterschrcibung einer von Herrn Rcchtsaiiwalt Leonhard Friede mann aus- gearbeiteten Petition.— Der Vorsitzende, Herr H ä n i s ch, führte dann eine Reihe von Plätzen an, wo die Zurücksetzung der „Schwarzen" ganz besonders eklatant erwiesen fei. Redner bedauert, daß' die Versammlung doch nicht in dem Maße besucht ist, wie dies eigentlich der Fall sein sollte. Kuhn ftihrte, vielfacki von Unruhe unterbrochen, aus, daß dies Ivohl wesentlich seine Ursache in der Wahl des Lokals habe, das der Arbeiterschaft nicht zur Verfüguilg stehe. In der Diskusston wird darauf hin- gcwiescil, daß die Behörde es offenbar darauf abgesehen hat, auch die„Schwarzen" zur Anbringung von Kontrolluhren zu zwingen. Diese Kontrolluhren führen jedoch die gänzliche Pryletarisicrung der im Fuhrgewcrbe Beschäftigten herbei und die Folgen werden Aus- stände zc. sei». Als ein Redner den Anwesenden empfiehlt, sich an die Prosse zu halten, welche ihre Interessen vertritt und als solches Blatt den„Vorluärts" hinstellt, nachdem vorher die Liebeuswürdigkeit des Chefredakteurs einer Berliner Zeitung brcitgetrete» worden war, lvird er von den aiilveseliden Fuhrherren nicdergebrüllt.— Die von Herrn Rechtsanwalt Leonhard Friedmann ausgearbeitete Petition fordert die Wicderüberlasnmg der den Droschken ohne Fahrpreis-Anzeiger abgenominenen günstigen Plätze, oder, wenn daS nicht angängig ist, weiiigsteils einen vierteljährlichen Platzwechsel zlvischen Drojchk»» mit und ohne Fahrpreis-Anzeiger. Die Petition wird einstimmig angenommen. Em zum Schluß eingebrachter An- trag Danz, den Ueberschuß der Tellersammlung den st rette üben S t e i n a r b e i t e r n zu überweisen wird abgelehnt!'t Melchiorstraße 1B: Vor ho 8»/, Uhr. Benistein. Tischler-Verein. Heute abend sammlmlg. Bortrag deS Herrn Dr. Eentralvcrbaiid der(klettromoutenre(Seition II). R/z Uhr Schuilg bei Jinmendorser, Sophicnstr. Ib. Heute abend Vevmipchkes- Tie Botschaft von Audrbe. Aus Hammerfcst wird vom Freitag berichtet: Ter'Schiffer Lars! Ask ist mit dem Kutter „Martha" heute hier angekomnien und hat die von ihm gefiliidene Boje, gezeichnet„AndrecS Polarexpcdition", mitgebracht. Die Boje scheint geöffnet worden zn sein, da der Anschranbeteil, welcher oben den Hohlranin der Boje schließen sollte, sehlt und nur Sand heraus- fiel, als man die Boje aufhob. Eine Depesche Ivurdc in der Boje nicht gefunden. Auf Befehl des Ministeriums des Innern lvird heute von dein zuständigen Sccamt ein Verhör abgehalten werden. Ein Justizmord? Die Dortiiiuiider„Tremouia" bringt die aufsehenerregende Meldung, daß eine Frau ihren Mann lvcge» eines 1890 verübten Mordes bezichtigt. Es handle sich um einen in Rauxel bei Casnov an einem Bergarbeiter verüben Raubinord, den ausgeführt zu haben damals der Arbeiter Michnlsti vom Schwurgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. MichalSki habe fortgesetzt seine II u s ch n I d beteuert, indessen war der Indizienbeweis derart, daß daS schuldig sprecheiide Urteil vom Reichsgericht bestätigr und eine Begnadigung abgelehnt wurde. Kurz vor der Hinrichtmig habe MichalSt» nochmals versichert, den Mord nicht begangen zu haben und dieselben Versicherunaen dem Beicht- vatcr gegeben, der ihn absolviert habe. Das Biatt giebt vbigcS Gerücht wieder mit der Benierkung, daß die Staatsanwaltschaft bereits in die Prüfung der Sache eingetreten sei. Eine Hinrichtung steht in Preußen abermals bevor. Ans Osnabrück wird berichtet: Der Kaiser hat das von dein Mörder Möllenkanip eingereichte Segliadigungsgesuch abgelehnt. Die Hinrichtung des seit kurzem ivieder»ach Aurich trausporlirrten Aer« drechcrs wird noch i» dieser Woche erfolgen. Eisenbahn- Zusammenstoß. Aus Wien wird berichtet: Ein ans zivei zusauunengekoppetten Lokomotiven bestehender Maschine»- zug streifte auf der Fahrt von Hüttcldorf nach Matzleinsdors einen in die Station Sankt Veit einfahrenden Militärzng, welcher das auf „verbotene Fahrt" gestellte Signal überfahren hatte. Sieben Personen wurden leicht verletzt. Der Dampfer des„Norddeutschen Lloyd"„Wittckind", welcher bei Montevideo ans Grund geraten war, hat die Reise von Montevideo nach Buenos Aires fortgesetzt. Ter Hauptmann mit der Hnndepeitsche. Ans Karlsbad wird berichtet: Ter hier gamisoiiiemide Hauptmann Prokge attaqnicrte ans der Straße sowie in den Druckercilllkalitätcu zlvri Rcdactcure des„Vesta" ivegcn eines Artikels. Dieselbe» wurden mit einer Hundepeitsche durchgeprügelt und arg inißhandett. Ein Sittenbild. Eine Aufsehen erregende Geschichte hat sich in Burg a. W. zugetragen. Am Freitag der vergangeneu Woche kehrte in einem Gasthanse ein„Ehepaar" ein, um zu nbcriiachten. Am Morgen kommt die Frau in Heller Verzweiflung herunter und meldet, daß ihr Man« in der Nacht gestorben sei. Man bettet den Toten ein, inid die tiefbetrübte Frau verläßt den Ort, um Vor- kehrinigcn zur Abholung der Leiche zu veraiistaltcn. Bis zum Soimtagmorgen war die Frau noch nicht wiedergekehrt. Die Polizei- lichen Ermittelungen haben ergeben, daß der so plötzlich verstorbene Mann Kassierer eines großen industriellen Werkes bei Düsseldorf lvar, scilie Begleiterin ist die Frau eines in Düsseldorf stationierten Eiseilbahiischnffliers. Räch Aussage deS ArzteS, der die Leiche besichtigte, ist der Manu eines natürlichen TodeS, verinntlich infolge Herzschlages, gestorben. Der Verstorbene soll einen Geld- betrag von mehreren hundert Mark bei sich geführt haben, man fand aber nur»och etwas über 4 M. bei ihm, so daß der Verdacht be- gründet erscheint, daß seine Begleiterin den größten Teil des Geldes an sich genommen hat. Eine goldene Uhr und sonstige Wertgcgcn- stände befanden sich noch bei dem Toten. Als dessen Frau tele» graphisch von dem Ableben ihres Mannes, den sie ans einer Gc- schäftSreise glaubte, in Kenntnis gesetzt lvnrde, hielt sie die Meldung anfangs für einen schlechten Scherz, bis ihr durch Gendarmen die Nachricht bestätigt wurde. Hochwasser. Aus Pest wird berichtet: Infolge des gemeldeten vorgestrigen Dammbruchs unterhalb Komorn find die Gemeinden Csicso. Ncma Felsoe-Galla. Also-Geller, Nagy-Tany und Bogya überflutet. Zwischen Lnk und Ekecs wurde der Bahndamm durch- gerissen. Das Waffer fließt mit großer Schnelligkeit gegen Ekecs uiidlGuta. j Eine Falschmünzerbande ist in Bockenheim bei Frank- furt a. M. eindeckt ivorden. Der Techniker Sprengel und der Kanstnann Lehr wurden als Inhaber der Werkstätle verhaftet; mehrere andere Verhaftungen stehen noch bevor. Ncbcr das Touristenungllibk ans dem Groß-Vcucdigcr, wobei der Gasteiner Hotelier Weißmaicr und der Führer Hoch- brugger aus Uteudorf im Pinzgau das Leben verloren, giebt em Mirglied der zur Berguiig der Leichen ausgegangenen Expedition folgenden Bericht: Weißmaicr, der zwei Führer, Hochbrugger und Hacksteiner, bei sich hatte, wollte von der Präger Hütte über die Habachscharte zur Habachhütte. Auf dem Villtragengletschcr vcr- irrten sie sich im Schneesturm und da die Nacht herein- brach, beschloß Weißmaicr, unter einem FelSvorsprung zu übernachten. Hochbrugger blieb bei ihm, Hacksteiner aber sollte von der eine Stunde entfernten Alpe Jnnergschlöß Proviant holen. Er ging, mußte jedoch, da der Sturm iinmer heftiger wurde, wieder umkehren. Alle drei schloffen sich nun eng aneinander, deckten die Mäntel über sich und brachtm so, einig« Zeit sogar söhlafend, dl» Nacht zu. Am Morgen sahen sie mit Entsetzen gewaltige Schnee- massen vor sich. Weißmaicr, der, wie übrigens auch Hochbrugger. leicht gelleidet war, fühlle sich unwohl und konnte nicht weiter. Hacksteiner sollte nun aus Jnnergschlöß Hilfe holen. Nach unsäglicher Mühe langte er auch nach sechs Stniide» bei dieser sonst mir cinc Stunde ent- fcrnten Alpe a». Sofort brachen sechs Mann auf. Als diese an Ort und Stelle kamen, fandon sie Weißmaicr bereits tot und Hochbrugger im Sterben. Sie schleppten diesen noch etwa 40 Schritte mit sich fort; dann ließen sie den vermeintlichen Toten liegen. Es wurden nun die Bergführer von Windisch-Matrei benachrichtigt, welche mit anderen Männern, im Ganzen 18, am nächsten Tage aufbrachen, um die Leichen vom Villtraqenglctscher zu holen. Der Sturm mittete fort und in Windisch-Riatm hegte man große Besorgnis um das Leben dieser Männer. Weißmaicr ivurde sogleich gesuuden; er scheint sanft entschlafen zn sein, dcuu sein GesichtsanSdruck lvar ruhig und friedlich. Hochbrugger aber fand man erst nach längerem Suchen etiva 20 Schritte von der Stelle, wo er zurückgelassen worden war; so weit hatte er sich also noch geschleppt. Er lag vorwärts hingestreckt. daS Gesicht krampfhaft verzogen und ent- stellt. Mit ungeheurer Mühe und»nter großer Gefahr wurde der Transport der Leichen vom Gletscher herab ausgeführt. Abends »ach 9 Uhr(am 15. d.) traf der düstere Zug in Windisch-Matrei ein, Ivo die beiden Toten, von Blninen förmlich überschüttet, in der Leichcnkapclle aufgebahrt wurden. Gestern hat dann unter großer Beteiligung die Beerdigung Hochbrnggers stattgcfmlden. Bergführer trugen ihn zu Grabe. Er hinterläßt eine Wittve mit mehreren Kindern. Die Leiche Weißmaiers wird in seiner Heimat Gastein beigesetzt werden, wohin auch Hacksteiner sich nach seiner Genesung begeben wird. Die Rattenplage in Kopenhagen hat, wie die„Allgcm. Fleischcr-Ztg." berichtet, in der inneren alten Stadt, besonders bei den Fleischern, so um sich gegriffen, daß man ein RattcnvertilgimgS- komitee mit einem Kapital von 30 000 Kronen gebildet hat, das für jede Ratte 10 Oers(100 Oere--- 1 Krone oder 1,12V» M.) vergütet. Die Natten werden an bestimmten Stellen eingeliefert und der Ein- lieferer erhält für jeden Nattenschwanz die ausgesetzten 10 Oere. Vor etwa sechs Wochen hat man mit der Vertilgung begonnen und bis jetzt sind 39 219 Natten eingeliefert worden. Das Komitee be- absichtigt, noch die Hilfe der Behörden in Anspruch zu nehmen. N» der Küste von Nlaöka ist bei einem Erdbeben die sogenamite Kanaliusel ins Meer gesunken. Marktpreise von Berlin am 21. September 1809 nach Ermitteliiligell des lgl. Poitzeiiiriistdtmil«. »)MeIzcn D-Ctr. 15,20 *)9tORßClI, 15,10 Flillcr-Gerfle„ 15,00 Haser gut, 15, 20 „ mittel„ 14,60 „ gering„ 13,00 SItchtslroh. 4,- Oc»„ 6,70 4)Erl>seii„ 40,— t)fpclfc6i)f)llC«, b0,— hLillfcil„ 70,— Kartofselli, neue„ 7,— RilitNieisch, SIcule llig 1,00 do. Bauch„ 1,20 ») Ermtttclt pro Tonne pon der Centralslelle der Prenft. Sandloirt- schaslSkaiinnerll- NolieniiigSstelle— und uulgerechliet vom Poiizeiprästdim» für den Doppel-Ceiltncr. -s) KleiiihandelSpretse. Produktenmarit vom 22. September IS0O. Roggen und Weizen wurden schwach begehrt. Jndch kolinten sich die Preise beider Brotsrüchte im arogeii und ganzen auf dem geättgeu Stand« behaupten, da die amcrika- nischen Berichte höhere Kurse meldeten uiid auch die amerikanischen Ofscrtea ihre Preise etwas erhöht haben. Haser lvar heute ehe etwas schwächer, da reichliche» Angebot vom Öulande und Amerika aus die Preise drückt«. Mais imveräiidert. Rüböl war bei stillem Geschäst nominell behauptet. Bin Spiritusni arkt trat der Aonsum beute mit umsallgretchen Käufen her- vor, so datz die gehandelte» 25 000 Liter 70er Locoware mtt 45 M. und 40 Ps. höher bewertet wurde». Termine zogen etwa 30 Pf. an. Kartossclfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack 11,10 M. Prtiiia trockene Kartosielslärke per 100 Kg. bmtto inN. Sack lind Mehl 20, SO M. Snpra trockene Kartoffelstärke— M. Kartoffelmehl vcr 100 Kg. brutto—. Prima Kartoffelmehl 20,75 M.,(prompt M. per 100 Kz.__ W Itter,»igSiibersieht vom 22. September I89V, morgeuS 8 Uhr. Stationen Bf Wetter Slviuemde Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» Wetter Ltcmltch und frischen 757 iS 751iSSO 7vti!SSW 757 iSW ' � loa SO l05 Still 4 wolkig b, Regen 2jbedeckt 20ebc.it 4 bedeckt —'Nebel VÄ c» ill tz-o Stationen LS 3 E a 2 »- Haparanda Petersburg Carl Abcrdeeu Paris e s Ü S 747 ZW 7B0,SLW 701NW 154 57NSB 7-7 ZSW Wetter *£ - V 5«. CK» 616. ded, 616. beb, 4 heiter 5 HIb. beb, bedeckt S 7 12 9 15 Praguase für Sonnabend, de» 23. September 1809. lühl, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe init etwas Regen westlichen Winden. Berliner Wetterb ureau. Keutral-Araitkeil- 11. Sterbe- kajje dtr Zivüilkrer. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Mitglied 250/10 Emil Rieger am 20. d. Mls. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. September, mittags l'/z Uhr, vom Krankenhaus Bethanien»ach dem Katholischen Kirchhof in Mariendorf statt. Um zahlreiche Beteiligniig ersucht Der Vorstand. Central- Verband der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Verlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 1202/4 Emil Rieger am 20. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. September, nachm. IV, Uhr, vom KranleiihanS Belhaiiien ans nach dem iatholischen Kirchhos m Muten- dors statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Danksagnng. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sowie für die mir überreichte Spende sage ich allen, insbesondere dem Ccntralverband der Zimmerer und dem Vorstand der Metallarbeiter- Krankenkaffe Rixdors meinen innigsten Dank. 27406 Ww. Hamann und Kinder. Adlershof. Den Parteigenosien hierorts die traurige Mittetlnng, dich am Mittwoch, den 20. d. Mts., der Gcnoffe, Arbeiter OUc» Lehmanü nach langem Leide» verstorben ist. Die Partei verliert in dem Dahin. geschiedenen ein rühriges und über- zengtes Mitglied. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. September, nachmittags 4 Uhr, vom TrmierHanse, Kronprinzen- strage 7, aus statt. Zahlreiche Beteili- gung erwartet 204/5 Ter VertrancnSman». Socialdemokratischcr Arbeiter- Bildunsts- Berel»» für Adlcrshof u. Uingeg. Den Mitgliedern zur Nachricht, vast unser Barstaiidsmitglied, der Arbeiter Otto Lehmann am Mittwoch, den 20. d. M., an der Proletarterkraiikheit verstorben ist. Wir verliere» in ihm ein tüchtiges Mitglied. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. September, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Kronprinzenstr. 7, ans statt. Zahlreiche Beteiligniig er- wartet[10/1] Der Vorstand. Hanksngnns. Allen Freunden und Bekannten, sowie dem Veteranenvercin, welche meinem Mann Ferdinand Grande die letzte Ehre erwiesen, und für die reiche Kraiizspende unseren herzlichsten Dank. Die trauernde» Hinter- 2733b bliebenen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Sonntag, den 24. September, vormittags 10'/- Uhr, im Lokal des Herrn Zubeil, Lindenstraße lOS: Einsetzer-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsere Lohnbewegung. 2. Verbandsangelcgenheiten. 121/19 Zur Beachtang für den forden. Bei Thomas, Gartcn- strage 152, ist eine neue Zahlstelle errichtet. ilillbeBpgsilei�er. Oeffentliche Versammlungen. Heute abend S Uhr in Weiftensee bei liülm, Nölkeftrahe 2v. Tagesordnung: 1. Wie schaffen wir einen einheitlichen Lohntarif. Referent Kollege Diek. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 117/15 Montag, 23. Sept., abends SVs Uhr, in Berlin, Zldmiralstr. 18c. Vortrag des Kollegen Zl. Weber über den Jndifferentismuö der Arbeiter specicll in der Nähmaschincnbranche. 2. Diskussion. Hierzu sind die Kollegen von Lückert u. Weiselberg, Drasel, Frister u. Rotzmanu, Lütke, LaborenS, Just, Roth mann und Neuendorf eingeladen. B«r Tertranensmann Bauhandmerker-Krankeukasse für Berlill uitb llingcdciiii.®",8l|ft!*1f8u)f6t0,Te Den Mitgliedern von Nordost zur Kenntnis, dag die Zahlstelle von der Weibenburgerstraste nach der Treskow- und Tiedenhoforsirasie-kscke bei Diail diodiuldt, verlegt ist.— Den Mitgliedern in Charlotten- Äenntnis, daß Herr Hr.«olm, Berlincrstr. 123, nicht mehr A r z't durg zur.,. u n s e r e r K a s s e ist. Der Vorstaad. I. A. 38/9 H. Metzle. Verband der Möbelpolierer. Die Mitglieder werden ersucht, in den 147/14 Oesfentlichen Versammlungen zu erscheinen, welche heute abend 8 Uhr in Weistensee bei Herrn Kühn, Rölkestr. 20, und Montag, den 23. Sept., abendS 8l/z Uhr, in 8D.. Admiralstr. 18a, stattfinden. Die Kollegen, welche sich morgen mittag 11—1 Uhr ärztlich unter- sucheir lasten wollen, können Karten bei unfern ArbeitSnachweis-Bcrmittlern erhalten. Sonnabend, 7. Oktober, in Kollers Festsülcn. Koppenstr. 29; PF* Stiftungsfest. zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Boi Deutsch. Metallarbeiter-Uerband Verwaltungsstelle Berlin. Toniltllg, ben U. Tepttniber, uormittugs 10 Uhr, im LmsenWtWll KenzerthauS, Alte Jakobstrahe Nr. 37: VsessmmBnng»-r k'nemse. Tagesordnung: Beschlnstfassnng über«nsere Lohnbewegung. uMvanx�rd Jeder Former und Berussgenosse muh anwesend sein. BB8BHB Molllng. von 35. September 1899, abends 8'/» Ahe: Li!>'«««« f FI-KBUIIIlIlIUAs aller in der Belenchtnngs- Industrie, Bronze- und Alfenidewaren- Fabrikation beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in den„Arminhallcn", Kommandanteustrahe Nr. 20. Tages-Ordnung: Wie nützen wir die gegenwärtige günstige Geschäftslage zur Verbesserung«nserer Arbeitsverhältnisse aus? 114/6 Angesichts der wichtigen Tagesordnung richten wir an alle in obengenannten Betrieben beschäftigten Kollegen, alS Gürtler, Drücker, Klempner, Schleifer usw. das Ersuchen, zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Um jorstand. Uertiliuil der Sattler. Tailezimr und vcrw. Berufsgenossen. Filiale Berlin I. Sonnabend, 23. September, abends!> Uhr, im liOhal „Fnglischer Hof", Xcne liossstr. 3: Mitglieder-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 157/10 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Aditiiw! Kürschner. Mtnw! Montag, 25. September, abends 81/. Uhr, i» Eohnö Festsälcn, � Beuthstr. 20-21: Große öffentliche Versammlung aller in der Kiirslhlltrbrlllllhe beschliftigten Kbeitcr n. 5lrljcitcriiiiifii. Tages- Ordnung: 1. Die letzten Vorkommnisse in der Berliner Gcwerkschaftskommission und unsere Stellungnahme dazu. Referent Kollege Paul Wittig. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.� 93/12 Der hochwichtigen Tagesordnung wegen erwarten zahlreiches pünktliches Erscheine» Die Vertrauenspersonen. UNS Neuer Abeudkursus der„Elektra" Donnerstag, den 3. Oktober 1899. abends 8 Uhr, ! für Elcktrom ontage, Installation n. Maschinenfach, Zeichnen u. Algebra. Aeltesta u. einzige Lehranstalt auf Wissenschaft!.- prakt. Grundlage. | Keine Vorkenntnisse— glänzende Resultate. Praktische Abendkurse im elektrotechnischen Laboratorium. DiPlomzcugniS— Stcllungsnachweis. � Anmeldungen fchlennigst, persönlich, auch Sonntags bis 1 Uhr. Prinzenstrasse Xo. 55.— Prospekte gratis und franco. Hüte, Schirme. 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Hochachtungsvoll Rudolf Moses, 41 Metzerstrasse 41, Elektrisclie Beleuclitnng! Ecke der Weissenburgerstrasse. Haltestelle der Pferdebahn. Omnibus- und Pferdebahn-Verbindung nach allen Richtungen Berlins. — Jeder Besucher erhält am Eröffnungsabend nach erfolgtem Einkaufe ein hübsches Präsent.— Normal-Uhr, Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt i» Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Db. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Kr. 223. 16. Iahrgavg. 2. Seiligt des„Wmillts" jikilimr WM«».-«»w« Nunfi und AVirsenfihNft. Nun naht wieder die Zeit der winterlichen Konzertstürme; zahl- reiche Ankündigungen bereiten unS schon jetzt auf sie vor und zeigen, daß der gewohnte Charakter der meisten und namentlich der gesell- schaftlich maßgebenden Konzerte sich diesmal nicht ändern, eher noch verschärfen dürste. Als ihre beklagenswerte Haupteigenschast läßt sich wohl kurz die„Solisteilwirtschast" bezeichnen, das Vorherrschen der Virtuositätsleislungcn des einzelnen ausführenden Künstlers. Damit in engem Zusammenhang steht die Buntheit und Einseitigkeit der Konzertprogramme. Daß jene Künstler meistens einander an wirklich tüchtigem Können überbieten, und daß diese Programme immer wieder eine Fülle von Wertvollem bringen, täuscht nur eben hinweg über den erwähnten Grundcharakter, in welchem die individualistischen, egoistischen(wenn auch keineswegs gemein egoistischen) Interessen ihr Spiel treiben. Um?o freudiger darf man Veranstaltungen begrüßen, die über jene Züge unseres Konzertlebens weit hinaus liegen und dafür freilich weniger Ruhm finden. Zwei solche haben jetzt, abgesehen von dem immer wieder vorhandenen Kleineren, die Winterszeit glücklich eröffnet. Profesior H, Reimann begann seine Donnerstagkonzcrte mit einer Reihe historischer Darbietungen, die sowohl geschichtlich zum Teil über das in den alltäglichen Programmen Vorkommende zurückreichen als auch über das sonst m der Musikgeschichte durchschnittlich Bekannte hinausführen. Dann hat Musikdirektor C. Mengewein mit dem Oratorienvercin und dem neuen Berliner Symphonie-Orchester am Donnerstag die 'die„Schöpfung* von H a yd n aufgeführt jund wird sie am nächsten Donnerstag(abermals in der Philharmonie) wiederholen, Ueber dieses Werk selber und über den m ihm liegenden Ausdruck der Zeit vom Ende des vorigen JabrhundertS— das anscheinend geistliche, in der That weltliche Oratorium einer bürgerlich zu- friedenen Epoche— ist heute wohl nichts mehr zu sagen. Die Auf- sübrung, veranstaltet vom„Ausschuß zur Veranstaltung von Volks- auff'ührungen*, entsprach dem echt volkstümlichen und gemein« nützigen Zweck und den verhältnismäßig, zumal für dieses Werk, geringen Mitteln ganz wohl. Unter den drei Solisten sei die S opranistin Frl. H. Oberbeck rühmend genannt; ihre reiche Stimme patzte auch gut zu dem gegebenen Zweck und Raum. Von dem Bassisten G. Rolle kann das letztere ebenfalls gelten. Mehr als die erste Hälfte anzuhören, war uns bei dieser Ver- anstalwng, die leider dem Publikum keine festen Plätze anwies und den in der letzten halben Stunde Kommenden in irgend eine Ecke zwischen guckende und schwätzende„Kunstfreunde* hineinzwang, nicht möglich.—_ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, DienStag und Freitag abends von k bis 8 Uhr statt. L. C. Münster. Die„Landwirtschaftliche Beamten-Zeitung* erscheint in Braunschweig, Madonnenweg Ib. N. G. und andere. Die Verjährungsfrist beträgt in der Regel 30 Jahre. Kürzere Berjährungfristen bestehen im Gebiete deS All- gemeinen Landrechts im wesentlichen für folgende Forderungen: eS ver- jähren in zweiJahren(gerechnet vom 31. Dezember des Jahres ab, in dem die Forderung entstanden ist) die Forderungeu der Fabrilunter- nehiner, Kaufleute. Krämer, Künstler und Handwerker für Waren und Arbeiten, der Apotheker für Privaten gelieferte Arzneimittel. Ausgenomuien von dieser kürzeren Verjährung sind solche Forderungen, welche in Bezug aus den Gewerbebetrieb des Empfängers der Ware oder Arbeit entstanden sind. Dieser zweijährigen Verjährungsfrist unterliegen ferner die Forderungen der Fabrikuntemchmer, Kaufleute, Kräuter, Künstler und Hand- werker wegen der an ihre Arbeiter gegebenen Vorschüsse, der öffentlichen und Privat-Schul- und ErziehungS-, sowie der Pensions- und Verpflegungs- anstalten aller Art für Unterhalt, Unterricht und Erziehung, der öffentlichen und Privatlehrer hinsichtlich der Honorare, der Fabrikarbeiter, Handwerksgesellen, Tagelöhner und anderer„gemeiner Hand- arbeiter* wegen rückständigen Lohnes, der Fuhrleute und Schiffer hinsichtlich des Fuhrlohnes usw., der Gast- und Speisewirte für Wohnung und Be- köstigung. Mit dem Ablauf von 4 Jahren verjähren die Forderungen der Kirchen, Geistlichen, Küster usw. wegen der Gebühren für kirchliche Hand- lungen, der Rechtsanwälte, Notare, Aerzte, Feldmesser, der Makler, der Haus- und Wirtfchaftsoffiziantcn, der Handlungsgehilfen, des Gesindes wegen Lohn, Gebalt usw., wegen rückständiger Zinsen, wegen Miete, Pacht, Ali- menten, wegen Erstattung von Prozehkosten, wegen Gerichtskosten, Stempel oder Stenern. Die Verjährung wird durch Anerkenntnis der Schuld und durch Klage unterbrochen. R. 73. Nein: Sie können nur Ihre Forderung einklagen und dann die einbehaltenen Sachen pfänden lassen.— A. St. 71. Eifersucht ist kein Ehescheidungsgrund. Legen Sie Ihrem Gatten das Kleinliche seiner Sucht klar und denken Sie daran, dast man gegen Kranke Nachsicht üben muß.— A. G. 98. Der Uuistand, daß in der Wohnung jemand an Lungen- und Nierenleiden gestorben ist, ist keineswegs ein Grund zum Rück- tritt vom Vertrage. Ebenso wenig ist die von Ihnen ausgedrückte Be- fürchtung einer Ansteckung berechtigt.— DaS Vorhandensein von Schwaben/ Wanzen, Ratten, Mäusen und ähnlichen Hausfriedeusbrechern berechtigt nur dann vom Vertrage abzugehen oder den Vertrag aufzuheben, wenn diese Mitbewohner ohne Verschulden des Mieters eingedrungen sind, trotz Auf- sorderung vom Wirt innerhalb einer kurzen Frist nicht exmittiert sind und wenn dies lichtscheue Gesindel in so erheblicher und hartnäckiger Weise sein Wesen treibt, das) die Wohnung unbewohnbar, der Ausenthalt in den Wohn- räumen zu einer Gefahr für die Gesundheit seiner Bewohner wird. Ob letzteres zuttifft, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Da bei der Entscheidung die Gcsamtlage und das Empfinden des Richters eine erhebliche Rolle spielt, so ist einer Klage auf Aufhebung des Mietsvertrages der Weg vorzuziehen: den Wirt aufzufordem, innerhalb einer bestimmten kurzen Frist die Wohnung ungezieferfrei zu gestalten, sodann nach fruchtlosem Ablauf der Frist die Mitbewohner durch einen Kammerjäger verjagen zu lassen und die durch diese Jagd erwachseilen Kosten gegen den Wirt einzuklagen. — H. D. S0. Ein Widerspruch hätte keine Aussicht auf Erfolg. Zahlen Sie, um Mehrkosten vorzubeugen.— H. B. 88. Eine Invalidenrente kann auch Unfallrentnern zugestanden werden. Die Invalidenrente ruht aber(gelangt nicht zur Auszahlung), solange und soweit die Unfallrente unter Hinzurechnung der Invalidenrente den Betrag von 4lö M. jährlich übersteigt.— R. E. 1. Handelt es sich um zum Geschäftsbetriebe gelieferte Materialien uud Eisenwaren, so beträgt die Verjährungsfrist 30 Jahre. Handelt es sich um von Gastwirten zum Verzehren gelieferte Ebwaren, so betrögt im linksrheinischen Gebiet die Verjährungsfrist 6 Monate. 2. Im Gebiete deS ooäs civile herrscht Gütergemeinschaft, falls dieselbe nicht durch Vertrag ausgeschlossen war. Die an Ihre Frau gefallene Ervschaft haftet für die von Ihnen während der Ehe gemachten Schulden, es fei denn, daß die Erbschaft aus Grundstücken besteht. Sollte dies der Fall sein, so sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor.— Berlin. 1. Die Ge- nehmigung des Vaters ist erforderlich, die der Mutter reicht nicht aus. 2. Zu der Umschreibung wäre die Genehmigung des Regierungspräsidenten erforderlich. Die Genehmigung kostet b0 M.— W. R. Anzngö- und Ab- ziehtag ist für das städtische Gesinde in der Mark Brandenburg der zweite,, nicht der erste Oktober. Fällt der zweite auf einen Sonntag, so ist Tags zuvor an- und abzuziehen. War bei Ihnen jedoch ein anderer Anz-ehtag vereinbart, ist also z. B. die Stelle am ersten angetreten, so fällt Ihr Ab-. ziehtag auf den ersten Oktober. Da dieser in diesem Jahr ein Sonntag ist,. so tritt an seine Stelle der 30. September, nicht der 2. Oktober. Für den Inhalt der Inserate ckderninimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Berantmortnng._ Sonnabend, 23. S eptember. OpernhauS. Cavalleria rusticana. Bajazzt. Ansang 7»/, Uhr. Schauspielhaus. Ewige Liebe. An- fang?>/, Uhr. Piene» Oper»-Theater lKroll). Die Fledermaus. Ansang 7»/, Uhr. deutsches. Kollege Erampton. Anfang?>/, Uhr. Lessing. Da Moglie di Claudio. Anfang 71/j Uhr. Berliner. Zaza. Anfang?»/, Uhr. Sichtller. Viel Lärmen um nichts. Anfang 8 Uhr. Ateues. Kiwito. Anfang 7»/, Uhr. Westen. Der Waffenschmied. An- fang?»/, Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Ansang 7»/, Uhr. Residenz. Der Schlafwagen-Con- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Ansang 7V, Uhr. 'Luisen. Die Stütze der Hausfrau. Anfang 8 Uhr. Eentral. Die Geisha. Ansang 7-/, Uhr. Ostend. Um tausend Mark. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die weiße Henne. An- fang 7V, Uhr. Friedrich> Wilhelmftädtische». Die Reise nach der Teuselsinsel. Ansang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht. Anfang 7»/, Uhr. Apollo. Frau Luna. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Reichshalle». Srettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage• Panoptikum. Specialt» tälen-Vorstelluiig. Urania. Jnvalidenstr. S7/68. Täglich abends von 3—10 Uhr Sternwarte. Taubenstr. 48/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr. Lchlller-Thelittt (Walluer-Theater). Sonnabend, abendS8Uhr: Viel I.ttrnien am nlcbta. Lustspiel in 6 Akten v. W. Shakespeare. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zlnrl» Stuart. Sonntag, abend» 8 Uhr: Die Ehre. Montag, abends 8 Uhr: Iphigenie aak Tanrl» WM-Karl Weiß-THeater. dir. Franksiirtcrftraste Ilt«. Vorletzte Woche! Vorletzte Woche! Um tausend Mark. Bolksstück mit Gesang von Buchholz und Felfch. Anfang 8 Uhr. VorzugSbillets haben Gültigkeit. Im Tunnel v. 7 Uhr an: KrolKonrert. Junge Damen können sich als Statistinnen im Bureau melbcn. Sonntag 2»/, Uhr: Freie VolkS- bühne: Faust. Abends: Letzte Sonn- tagsaufführung: Um 1999 Mark. Nelropol-l'Keater. g«Kr»n»tr. SS/57. Direktion: Ikichurd Schal». SV* Letzte Woche! V r r l i n leufjtt Jane Plerny. Alice Bonheur. Das sensationelle September- Programm. In Borberettung: Rund um Verlin. Berliner Lokalrevue v. Julius Freund. Musik von EinödöHofcr. Urania Tanbenntraane 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: Der Sieg des Menschen über die Natur. Um 6 Uhr im Hörsaal: Dr. Schwahn über: Vulkane. Jnvalldenatr. 57/62: Tägl. Sternwarte. _ Nachmittags 5—10 Uhr._ Passage-Panoplicum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Hippels Stettiner Quartett- u. Humoristen- Ensemble. ■■ CASTANS PANOPTICÜM II Pill Sensationelle nCU. lebende Photographien: Dreyfus vor dem Kriegsgericht inRennes in 4 Gruppen-Tableaus. QaA|5i(«htt'die Kopf und IC|7 Pfg. imlnschnift■ö"»' pr. 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Mole: DieReise ach der Techlsiilsel Burleske Abenteuer-Posse mit Gesang und Tanz in b Akte» von Musik von Albert Wicher. In Scene gesetzt vom Dir. Max Samst. 1. Bild: Auf zu DreysuS. 2. Bild: Berbündcte Mächte. 3. Bild: Attentat und Verrat. 4. Bild: Das belagerte Haus. b. Bild: Tie Gerichtsverhandlung. 6. Bild: Apotheose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Nkntter und Sohn. Schau- spiel in b Akten v. Charl. Birch-Pseiffer Crntunl Tlientev Direktion: doas Ferenczy. D i v Geisha oder: Eine japanische Dheehaus- geschichte. Operette in 3 Akte» von Oven Hall. Musik von Sidney Joneö. Anfang 7>/, Uhr: Morgen und solgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: Die Fledermaus v. Johann Strauß. W" früher -Pal«~ Feen-Palast, Bnrgstrafte 22. Nur noch biS Tonnabend: Allabendlich um 8:/, Uhr die mit grobem Erfolg aufgenommene Berliner Ausstattungs- GcsangSposse Spvee-'Uottthrn! SV Stürmischer Beifall!'VS Helene Voss uud Wilhelm Fröbel als Tanz-Ducttisten(Pankow kille sc.) Dazu das phänomenale September» Specialitäten- Programm. Anfang 7»/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kasscnöffnuug 1 Stunde vor Anfang. Billet-Vorverkauf vorm. v. 11—1 Uhr. Sonnabend, den 1. Oktober er.: NeucS Programm. Sonnabend, den 7. Oktober er.: Fester grosser vesellschafts-Abend. Vorstellung und Tanzkrünzchen. Thalia-Theater. Tel.AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 73/73. Heute und folgende Tage: Der Platzmajor. Prachtvolle neue Ausstattung! Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mutostop- Terzett. Anfang 7 y. Uhr. Ende IG/, Uhr. Bor der Vorstellung Konzert im Tunnel. Reichshallen. Stettiner Sänger (Mehscl, Pietro, Britton, Steidl. Krone, K t r ch in a u e r, Schneider und Schräder). Zum Schluß, neu: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. AM- Tenor BUckinann (Waohtel redivivus). Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1 Uhr. 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Borzugskarten an Wochentagen gültig j�anssoncl Kottbnserstr. 4 a. Täglich außer Sonnabends Minaims Mord- deutsclie Sänger. Anfang wochentags 6 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 u. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Dann-I�rhnnchen. Alcazar-Theater Varl£t6 I. Banges Dresdenerstr. 53-53. Annenstr. 43-43. Ailftrete» uou absolut erftklassige» Soecialitiiteu Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntag? 6 Uhr. Eutree: Wochentags 20 Pf. SonntagS 30 Pf. 23S8L») Die Direktion: Richard Winkle r. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" Koiljtttgarteu u. PraWle Badstr.16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jede» Donnerstag: Elite-Strcich-Konzert. Sonntags: Groher Ball im neuerbauten Saal. Euipfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeitcn. B. Ballschmleder. Victoria-Theater C. Alexanders tr. 40. Fernsp. VII 1711. Direkt.: V. Bausenwein u.C.Emmerlch. Anfang VjS Uhr. Zum 14. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Novität! Die weisse Henne. Novität! 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Die Arbeiten zur Festsetzung deS Tarifs sind derartig zu beschleunigen, daß spätestens innerhalb 14 Tagen nach Beginn der Tarifverhandlungen die sämtlichen Tarifsätze vereinbart sind. ES wird für richtig gehalten, etwaige Differenzen bei den Beratungen der Arbeitgeber mit ihren Gesellen über den Tarif derart zu beseitigen, daß die Parteien innerhalb 24 Stunden das Gewerbegerickt anrufen und die Entscheidung des Einigungsamtes ein- holen. 2. Auf Grund der Verhandlungen und nach Anhörung der Auskunsls- personen wird vorgeschlagen, daß vom 1. März 1900 ab täglich in den Mo- naten vom 1. März vis 1. November 8 Stunde», vom 1. November biS 1. März 7>/z Stunden zu arbeiten ist. 3. Die Höhe der Bezahlung not- wendiger Ueberstundenarbeit sowie der Sonntags- und Nachtarbeit ist bei der Beratung des Tarifs von den Jnnungsmeiftern mit dem Gesellen- ausschuß zu regeln. 4. Soweit gegen Stundenlohn ge> arbeitet wird, ist mindestens 70 Pf. pro Stunde zu zahlen. 5. Endlich wird für wünschenswert gehalten, daß die Arbeitgeber sich um schleunige Beseitigung der Differenzen mit ihren auswärtige» Arbeitern be- mühen und auf angebotene Vergleichs- Verhandlungen eingehen. Berlin, den 2. September 1899. Das Einigungsauit. gez. v. Schulz, gez. Albert Kretschmar. gez. I. Maaß. gez. A. Knoll. gez. A. Kärsteu. — zu Nr. 322. 99. Gew.-Ger.— Vorstehender Schiedsspruch wird mit dem Bemerken öffentlich bekannt ge- macht, daß sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer sich demselben unter- morsen haben unter Hinzusetzung solgendcr Erläuterungen: Zu 1 de» Schiedsspruchs bezüg- lich Anrufung des Einigungsamtes der Zusatz: soweit eS sich bei der Tarif- beratung uud Feststellung nicht um einzelne technische und Detail- frage» handelt(da letztere in der Beratung der Meistcrschast und des GesellenauSschusses zu er- lebigen sind). Z» S deS Schiedsspruch» bezüg- lich der Arbeitszeit der Zusatz: auf den Werkplätzen, da aus den Bauten sich die Arbeitszeit nach derjenigen der Maure» richtet. Zu s des Schiedsspruchs der Zusatz: das, auch die Arbeitnehmer in gleicher Weise sich nicht ablehnend verhalte». Ferner machen es sich beide Parteien zur Pflicht, daß Maß- regelungen von keiner Seite statt- finden dürfen. Berlin, den 21. September 1899. Der Gcrichtsschreiber. Maßlo. Heute und solgende Tage: Prclu». Biliar«! Spiel im Restaurant von IV. Bebe, Cnvrystr. HB. I.Preis: Piantno. 2492C* 2.„ 1 goldene Damen-Uhr. 3., 1 silb. Herreu-Remontoiruhr. 4.. 1 Musik-Aldum. Btllet 50 Pf. W. Erbe. Dr. Mampes bittere Tropfen(Mar�k Elefant) sind nur echt in dieser Originalflasche. Preis füreine ganze Literflasche Mark Z,75, fiir eure halbe Literflasche Mk. 1,—. Ueberall ! C. Joels Victoria"Garten SO., Köpnicker Landpraß« Nr. 4."•S£;LX.f!i�'a£rt- Grosser Saal, Konzert- Garten, geschützte Veranden, 2387L* fiir Vereine u. 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Verantivortlicher Redactenr: Robert Schmidt in Berlüt. Für den Jnseraienieil verantivortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.