Ur. 234 Kbomemtitts-Krdingunzen: Abonnements-Pietz pränumerando: Vterl-Ijährl. ZL0 Mr., monall. l.iaMk., wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfz. Sonntags- Nummer mU illuNrteriec Sonntags- Beilage„Die Neu« Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZLV Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1809 unter Br. 7880. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» Übrig« Ausland s Mark pro Monat. Erscheint liglich nutzer Zvonlng«. Vevlinev Volksblakt. 16« Jahrg. Die Insertions-Tebaiir beträgt für die sechSgespaltens Kolonel- »eilc oder deren Raum 4ß Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anieigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer muffen biZ i Uhr nachmittag« in derExpedirion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! Rml I, Br. 1508. Telegramm-Adresse: „Sorinldrmokirat Berlin" Centvalorgan der socialdemokratrschen Partei Deutschlmids. Redaktion: 19, Beutlx-Stra�e 2. Sonntag, den 24 September 1869. Expedition: LW. 19, Benttz-Strasze 3. Abonnements-Einladung. Mit dcm 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf den mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Iluterhaltungsblatt und der Sonntags-Beilage „Vio Meuv Lvolt". Im UntcrhaltungSblatt beginnen wir am 1. Oktober mit dcm Abdruck eines ergreifenden, psychologischen Romans ÄZanim Von Peter Egge. Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure sowie unsere Expedition, Bcuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämtliche Po st an st alten Vc- stellungcn zum Preise von S Mark SO Pfennig fiir die Monate Oktober, Novcinber, Dezember entgegen, s Eingetragen ist der»Vorwärts" in der Post-Zeitungslistc unter Nr. 7820.) Die Redaktion des„Vorwärts". Der Parteitag der östreichischen Socialdeniokratie. —st— Wien, 22. September. Am Sonntag tritt in B r ü n n der Gesamt- Parteitag der öst- reichischen Socialdemokratie zusamnien. Er ist nach seiner Art eigentlich der erste; denn bisher war der Parteitag wesentlich eine Tagung der deutschen Socialdcmokratcn, an der sich die anderen Nationalitäten nur mitbeteiligt hatten. Vor zwei Jahren erst ist die neue Organisation beschlossen worden, gemäß der nun jede Nationalität, also auch die deutsche, ihre specifischcn Angclcgeuheiten selbständig ordnet, und auf gemeinsamen Parteitagen nur das allen Gemeinsame verhandelt wird. Es ist kein Zufall, daß nach der nationalen Auseinandersetzung vor zwei Jahren der diesmalige erste Gesamt-Parteitag als den wichtigsten Punkt seiner Tagesordnung die östreichische Nationalitätenfrage findet. Vor zwei Jahren galt es, das Verhältnis der nationalen Zugehörigkeit der Arbeiter zu der internationalen Solidarität des Proletariats ins Reine zu bringen; und nun unternimmt die Socialdemokratie den Versuch, jene Formel festzulegen, in der sich die Entwickeliing der östreichischen Volksstämme am zweckmäßigsten vollziehen kann. Nicht„Patriotismus" treibt die Socialdemokratie dazu, sich mit dem Elend Oestrcichs zu befassen, sondern ihr eigenstes Interesse. Der nationale Streit lähmt in Oestreich alle Kräfte, hemmt die politische und wirtschaftliche Entfaltung und schädigt dadurch von allen Klassen am stärksten das Proletariat. Das Interesse der Arbeiter als Klasse ist es also, das die Socialdemokratie zwingt, sich mit dem östreichischen Problem zu beschäftigen, so viel Abneigung und Widerwillen ihnen auch dieses„Oestreich" einflößt, dessen Existenz- bercchtigung nur in seiner Existenz liegt, DaS mag eine sehr beklagenswerte Thatsache sein, daß Oesweich besteht; aber es ist eben eine Thatsache, mit der zu hadern keinen Sinn hätte, sonder» mit der man rechnen muß. Nur als ein Konstruktionsfehler der Geschichte erscheint dieses seltsame Gemenge von Völkern, deren Sprache, Erinnerungen und Hoffnungen einander so feindlich gegenüberstehen; aber in dein harten Walten der Dinge nützen keine Klagen, und mit ntopistischen Wünschen bannt man nicht die brennenden Sorgen der Völker. Die Socialdemokraten können sich nicht den billigen aber wirkungslosen Luxus gestatten, die Thatsache, daß Oestreich i st, zu ignorieren, aber sie können auch nicht über die sprachlichen, socialen und kulturelle» llnterschicde hinweggehen, die zwischen den einzelnen Vollsstämme» einen Abgrund von Haß und Bosheit gelegt haben, den kein sogenanntes„staatliches Interesse" mehr überbrücken kann. DaS nationale Programm der Socialdemokraten läßt sich also in den einen Satz zusammenfassen: die Scheidungen und Soude- ningcn in Oestreich anzuerkennen und ihnen den staatlichen Ausdruck zu verschaffe». Da der berühmte»östreichische Staats- �edanle" nichts anderes ist, als die Notwendigkeit, daß die einst zu- jammengcheirateten Völker nun beisammen bleiben miiffen, weil sie beisammen sind; da jedoch kein lebendiges Bedürfnis der Völker diesen„Staat" erzeugt hat, noch dieser Staat das lebendige Be- dürstus der Völker zu erfüllen vermag, so giebt es für die östreichischen Völker keinen anderen Ausweg, aus dem Widerspruch ihrer»atioualeii Interessen und der Notwendigkeit, gegen diese einen Staat zu bilden, herauszukommen, als es so einzurichten, daß sie einander mög- lichst wenig stören. Es ist ein lächerlicher Irrwahn, acht Nationalitäten mit ungleichen Kulturen, mit der verschiedenartigsten Ausdehnungskraft, nach einer vorgefaßten Schablone uniformieren zu wollen; nicht miteinander, sondern nur nebeneinander könne» diese Völker leben und sich enttvickeln. DaS künstlich zusammengefügte Oestreich muß„zerfallen", weil nichts da ist, das es zusammenhalten könnte. Aber es wird„zerfallen" in seine natürlichen und darum auch einzig lebensfähigen Bestandteile: in die national einheitlichen Volksstämme. Diese Scheidung und Sonderling der Nationalitäten ist heute schon im vollen Gange; die starren, überlebten Formen der „historischen" Königreiche und Länder als Verwaltungskörpcr des Staates zerbrechen, und Selbstverivaltungskörper der Nationen bilden sich, die das jeder Nationalität Eigene und Bc- sondere, ihre Kultur, zu bewahren habeil werden. Sollen sich aber die Völker entwickeln können, so müssen die Kräfte freigemacht werden, die die Entwicklung wollen. Deshalb ist es vor allem notwendig, daß die Privilegien jener Klassen und Schichren gebrochen werden, denen der Streit der Völker die Grundlage ihrer Herrschaft ist, und daß jene Klassen Einfluß er- langen, deren Lebensinteresse die kulturelle Entwicklung ist. Oestreich braucht die Demokratisierung aller öffentlichen Einrichtungen noch Iveit niehr als jeder andere Staat, denn hier vermag nur die poli- tische Freiheit die Kräfte zu entfesseln, die das friedliche Neben- einanderleben der Völker bewirke» können und die nationaleir Bindungen und Schickungen durch den Klassenkampf, den Zusammenschluß der gleichartigen Klassen über die Gemarkungen der Nationalität hinaus verdrängen würde. Die beiden Gedanken: nationale Antononiie als die Voraussetzung der Entivicklnitg jedes Volkes und Demokratie als die Triebkraft in der Entwicklung des Volkes, sie sind es. die das socialdemokratischcProgramm in der Nationalitätenfrage bilden. Die Nesollition, die von der Parteivertrctuug dem Parteitag vor- gelegt tvird— sie wurde im„Vorwärts" bereits mitgeteilt faßt, trotzdem sich im einzelnen manches gegen ihre Fassung vor- bringen ließe, diese zwei Grundgedanken eindringlich zusammen, und es wird ein geschichtliches Verdienst der östreichischen Social- demokratie bleiben, die Richtlinie der Entwicklung als erste begriffen und formuliert zu haben. Es ist nur kindisches Kritikastertum, das sich über die„Unbestimmtheit" dieses ProgrammcS aufzuhalten unterfängt. Die Socialdemokratie hat nur die E n t w i ck l u n g s- tendenzen aufzuzeigen; weder kann sie einem großen staatlichen Problem gegenüber mit einem ausgearbeiteten Gesetzentwurf debütieren, noch wird sie einen„neuen" Staat aus der Phantasie heraus konstruieren. Der Parteitag wird sich natürlich auch mit anderen, unmittel- baren Angelegenheiten des Proletariats beschäftigen, aber das sind durchaus Dinge, die jeder socialdcmokratischen Partei eigentümlich sind und nur nach Raum und Zeit eine besondere Färbung an- nehmen. Die nationale Frage dagegen belastet in diesem Umfange nur das östreichische Proletariat; sie legt ihm die Lösung eines Problems auf, das die Socialdemokratie in anderen Staaten fast nur theoretisch erregt. Das ist die Frage des Verhältnisses zwischen Nationalität und Jnter Nationalität, die vor die östreichischen Genossen jetzt mit schroffer Hartnäckigkeit tritt. In national einheitlichen Staaten ist die Jnternationnlität überwiegend eine Sache des Gefühls; in Oestreich ist sie eine dringende Angelegenheit unseres täglichen Lebens. Was anderswo nur empfunden wird, muß hier praktisch geübt werden. Dem östrcichi- scheu Proletariat ist von der Geschichte die Aufgabe überwiesen worden, das Problem der Jnternationnlität: internationale Solidarität init eigen eni Nationalgefühl zu ver- knüpfen, der Lösung und Verwirklichung zuzuführen. Daß trotz des bis zur Weißglut erhitzten»ationalen ChauviniSniuS die östreichischen Arbeiter einig sind und geschlossen dastehen, bürgt dafür, daß es ihnen auch weiter gelingen wird, in Oestreich, diesem Lande des Stillstandes, ohne Rast vonvärts zu gehen. Außerhalb Oestreichs wird es wahrscheinlich als eine Selbstverständlichkeit erscheinen, daß die Arbeiter trotz ihrer sprachlichen Ver- schiedenhcit eine Partei sind und zusammen beraten und be- schließen. In Oestreich aber, dessen Bürgertum nicht einmal zu einer unverbindlichen Besprechung zu vereinigen ist, erscheint diese gemeinsame Tagung der Nationalitäten wie ein leibhaftiges Wunderl «« • So weit unser Correspondent. Die reichSdcutsche Socialdemokratie begleitet den Parteitag der östreichischen Brnderpartei mit lebhaftem Jntcreffe und brüderlichen Grüßen. Wir ivünschc» den östreichischen Freunden, die als die Vertreter des klassenbewußten Proletariats zur ernsten Beratung zusammentrete», daß ihre Verhandlungen erfolgreich werden und die Energie und Schlagfcrtigkcit der Partei durch sie gekräftigt und gewehrt werde. Erwerbs-Kittder. Angeregt durch die in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung von den socialdcmokratischen Mitgliedern ge- stellte Forderung auf Schutz schulpflichtiger Kinder vor gewerblicher Ausbeutung, beschäftigt sich die bürgerliche liberale Presse der Hauptstadt mit dieser Frage und ist fast ausnahms- los bemüht, dcnl an sich als notwendig anerkannten Schutz so enge Grenzen als irgend möglich zu ziehen. Allen voran känipft die„Vossische Zeitung" als Vertreterin des ehrbaren Bürgertums dafür, daß St. Manchester bei der Regelung dieser Angelegenheit nicht zu kurz kommt, und plädiert nur für eine langsanie, jeden Schritt reiflich überlegende Unterstützung der auf Beseitigung der gewerblichen Kinderarbeit abzielenden Bestrebungen. Um dieser gezwungenen, lattwarmen, ihrem wirtschaftlichen Princip uneingeschränkter Ansbeutrmgsfrcihcit entsprechenden Haltung einen Schein von Begründung zu verleihen, be- zeugten die liberalen Prcßorgane, daß die thatsächlichen Verhältnisse der Erwerbsthätigkeit von Schulkindern in Berlin nicht genügend bekannt sind, und verlangen eingehende Untersuchungen und Feststellungen über den Um- fang der von Kindern außerhalb der Schulzeit geleisteten gewerblichen Arbeit. Wenn es nicht gar so jammervoll wäre, könnte man lachen über die schnöde Unwissenheit, welche dieser Forderung zu Grunde liegt. In einer Frage, die seit Jahren die Fachkreise— Pädagogen und Aerzte— beschäftigt, die auf zahlreichen Kongressen besprochen ist, über ivelche ein umfangreiches statistisches Material vorliegt, die bereits zu einer großen Zahl von Polizei-Verordnungen zum Schutze der gewerblicher Ausbeutung überlieferten Kinder geführt hat, verlangen die führenden Organe der liberalen Bourgeoisie, bevor sie sich zu Entschlüssen aufzuraffen vermögen, für Berlin erst noch weitere Untersuchungen, um das Maß des zu ge- währenden Schiches abstecken zu können. Wahrlich, deutlicher kann die Unlust zu ernsthaften Maßregeln gegen die auf diesem Gebiet herrschenden grauenhaften Zustände nicht gezeigt werden, als durch die, mit dcm Schein wohlwollender Unterstützung umgebene Mahnung, nur ja nicht zu rasch, und vor allem nicht zu scharf in die Ausbeutungsfreihcit einzugreifen. Diese in den Auslassuitgen der„Vossischen Zeitung" und ihrer Kumpane liegende Tendenz entspricht vollkommen der Haltung, welche die freisinnige Schulverwaltung der Reichshanptstadt gegenüber der Kinderarbeit einnimmt. Auch hier findet man kein oder doch nur ein höchst mangelhaftes Verständnis für die geistig und körperlich gleich schädlichen Folgen der Kinder- arbeit. Von socialem Empfinden in dieser für die Volks- Wohlfahrt und Volksgesnndheit so überaus wichtigen Frage hat man in den der Pflege des Schulwesens eingeräumten Zimmern des Roten Hauses keine Spur, und man steht dort auf einem so tiefen socialpädagogischen Niveau, daß man nur un- wirsch und gezwungen den von außen kommenden Anregungen folgend, sich mit dieser, Leben, Gesundheit und Wissen der schulpftichtigen Jugend so tief berührenden Angelegenheit be- schäftigt. Wer er die Ausführungen des verantwortlichen Leiters des Gemeindcschnlweseits in Berlin, welche derselbe in der Stadt- verordneten- Versammlung gemacht hat, liest, der begreift, warum Berlin in der socialen Fürsorge für die Schulkinder in der letzten Reihe der großen Städte des In- und Aus- landes marschiert. Das hohe Lied gewerblicher Ausbeutung von Schulkindern erklang von den Lippen des greisen Pädagogen und die schul- rätliche Weisheit verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß das Austragen von Backwaren und Zeitungen morgens und abends einen Ansporn bilde, um die vollen 5kräste der Jugend zur Entfnltnng zu bringen. Wer lacht da! Und weiter müsse man der Kinderarbeit das Wort reden, weil sie den Eltern Verdienste bringe und vielfach die Familie vor wirtschaftlicher Not rette. Und solchen Reden zollte der freistumge Chorus leb- haften Beifall. War es den liberalen Herren doch aus dem Herzen gesprochen, als der„Schulrat" für die gewerbliche Ausbeutung der Kinder von 10—14 Jahren eine Lanze brach, und den Stadtvätern damit die Verantwortlichkeit fiir die verwüstenden Folgen solcher Thätigkeit abnahm. Oder sollte der ostentative Beifall, der den inanchesterlichen Ausführungen des Schulrats folgte, nur über die Schwäche und Mangel- haftigkeit derselben hinwegtäuschen? Fast scheint es so; denn sonst wäre die fast einstimmig beschlossene Uebcrlveisung der An- gelegcnhest an einen Ausschuß zu weiterer Verfolgung schwer zu verstehen. Die Diskussion in der Stadtverordneten-Versammlung war höchst lehrreich. Sie erbrachte den'Nachweis, daß, abgesehen von den socialdcmokratischen Kreisen, in der städtischen Ver- waltung Berlins sowohl die thatsächlichen Verhältnisse über die Beschäftigung schulpflichtiger Kinder, als auch das ander- wärts vorhandene Material und die traurigen körperlichen, geistigen und sittlichen Folgen dieser Beschäftigung gänzlich unbekannt sind. Die Thatsache. daß niehr als 26000 schulpflichfige Kinder in Berlin gewerblich ausgebeutet werden, war den meisten Stadtverordneten unbekaimt. Und von den Feststellungen einer Gemeinde, daß 68 Prozent der gelverblich beschäftigten Kinder unter der Durchschnittsleistung der übrigen Kinder stehen, scheint man auch in der städtischen Schuldeputation keine Ahnung zu haben— obschon der Schulrat sich damit brüstete, einen FrühstückSausträger zu kennen, der Primus in seiner Klasse ist. Ebenso wußte man in der Berliner Schulverwaltung nichts davon, wie sittlich verheerend die den Schitlkindern auferlegte Arbeit wirkt. Die Nachweisnngen, wonach 70 Prozent der jugend- lichen Strafgefangenen in Plötzcnsee in ihrer Schulzeit mit Austragen von Frühstück und Zeitungen, oder als Roll- oder Kegcljimgen beschäftigt waren, haben ans den Arbeitstischen der Schuldeputation keinen Platz gesunden; auch das Vorgehen anderer Gemeinden, um die Schuljugend eiiugermaßen vor der Ausbeutimgswut zu schützen. schienen den offiziellen Organen des Berliner Gemeit.oei�nllvesen» völlig unbekannt zu sein. Kurzes herrscht bei den. zur Pflege dieser so überaus wichtigen Frage berufenen Organen eine hochgradige Un- kenntnis, die nur erklärlich ist aus der Unlust, die Mißstände ernsthaft und durchgreifend zu beseitigen. Für diese Unlnst zeugen die Ausführungen des Chefs des rädtischcn Volksschulwescns sowohl, als auch die gänzlich unzulänglichen und nur an der Oberfläche haftenden Maßregeln, zu denen die Schuldcputation sich entschlossen hat. Nur bis zum neunten Jahre soll die gewerbliche Thätig- keit schulpflichtiger Kinder verboten sein. Vom 9. bis 14. Jahre sollen— entsprechend den manchesterlichen Grundsätzen, die in der kommunalen Wirtschaftsordnung Berlins heilig ge- halten werden— schulpflichtige Kinder im Winter morgens vor L'/i- Uhr, im Sommer morgens vor S'/e Uhr und abends während des ganzen Jahres nach 8 Uhr geschützt sein. Das nennt die städtische Schul- deputation ausreichenden Kinderschutz. Ebenbürtig dem Schul- organ zeigt sich der Magistrat, indem er diese Vorschläge sanktioniert hat. Und die liberale Presse, mit einer oder zwei rühmlichen Ausnahmen, giebt ihren Segen dazu, indem sie Bremsen herbeischleppt und sich einigt in der Mahnung— aber nur langsam, nur langsam. Jetzt hat die Stadtverordneten-Versammlung das Wort. Wir wollen sehen, was dieser der Schutz schulpflichtiger Kinder vor gewerblicher Ausbeutung wert ist.— polikisch- Mebei-Nchk. Berlin, den 23. September. Der Umsturzbund. Ueber die Sitzung des Staatsmini st eriumS am Donnerstag erhalten die„Münchener Neue st en Nachrichten" folgendes Telegramm: In der gestrigen Sitzung des StaatSunuisteriums stand, wie uns ein parlamentarischer Berichterstatter meldet, die Stellung der politischen Beamte»zum Bunde der Landwirte ans der Tagesordnung. Angeblich soll ein Ministerial« erlaß den politischen Beamten nicht nur jede Teilnahme am Verein untersagen, sondern auch jede Konnivenz(Sympathie mit ihm anöschliestcu und den Aufsichtsinstanzen besondere Au mcrksanikcit wegen der Gcsctzcsilberschrcitnngc» der Bnndcö- abtcilnnge» zur Pflicht machen. Die„Deutsche Tageszeitung", das Organ des Bundes der Landwirte, übernimmt diese offenbare Falschmeldung mü großem Vergnügen und stellt sich, als ob sie an sie glaubt. Der Bund möchte durchaus ein bißchen verfolgt sein, um an agitatorischer Kraft zuzunehmen. Aber die Regierung wird sich hüten, den Bund anders als mit eingezogenen Krallen anzufassen. Denn der Bund ist die Organisation des Junkertums und das Junkertum ist die Oberregierung. Besonders reizvoll ist uns der Protest der„Deutschen Tageszeitung" gegen die Zumutung aufmerksamer Ueber- wachung der Bundesabteilunaen: Was die„Austnerksamkeit der Aufsichtsinstanzcn wegen der Ge« setzes Überschreitungen der Bundesabteilungen" anlangt, so halten wir einen solchen Ministerialbeschluß für ganz un- möglich, weil er etivas durchaus Selbstverständliches anordnen würde. Die Behörden sind verpflichtet. UebertreNmgen des Vereins- gesetzes zu bestrafen, sei es, auf welcher Seite sie er« folgen. Wenn also ein StaatSminifterlal-Beschluß den Be» Hörden besondere Aufmerksamkeit bei etwaigen Gesetzesüberschreitungen des..Bundes der Landwirte" zur Pflicht machte. so könnte nur der Eindruck erweckt werden, daß der„Bund der Landwirte" mit a n s» a h m s w e i s e r Strenge behandelt werden sollte. Das würde iviedernm gegen die Gleichheir vor dem Gesetze verstoßen und verfassungswidrig sein. Sonach kommen wir zu der Annahme, daß ein derartiger Erlaß nicht beschlossen sein kann." Wir erinnern uns, daß die Führer des Bündlertums über die„Gleichheit vor dem Gesetz" oft andere Ansichten bekundet haben. Wenn im Reichstag die Anwendung eines doppelten Gcrechtigkeitsausmaßcs, eines für Ordnungsbürger, eines für Arbeitersocialdemokraten, wie sie besonders gern in Sachsen in Uebung ist, kritisirt wurde, dann erhob sich der lyrische Redacteur der„Dt. Tagcsztg." und sprach von der-lobens- werten„goldenen Rücksichtslosigkeit" der sächsischen Behörden. Und als ein Berliner Gericht feststellte, daß der höchste sächsische Gerichtshof die Angehörigen einer Partei als minderen Rechts beurteilt habe, da erklärte die„D. T.". die sächsische Justiz habe wohl gethan und die Berliner Justiz zerstöre die Grundlagen des Rechts. Jetzt klingt es anders. Es klingt aus der„D. T." fast — socialdcmokratisch. Aber es bleibt ein Unterschied: Für die Junker„kann ein derartiger Erlaß nicht beschlossen sein". Für die Arbeiter brauchen solche Erlasse nicht gegeben werden, denn sie werden unbesohlcu und ungeschrieben angewendet.— Graf Thuns Ende. AuS Wien wurde Sonnabendmittag telegraphiert: Heute 9 Uhr vormittags fand unter Vorsitz des Minister- Präsidenten Grafen Thun ein Ministerrat statt, in welchem d i e Denrission des Kabinet tjs beschlossen wurde. Graf Kulturbilder aus Schlesien. Von HanS Wandrer. I. Beim Grafen Limburg-Stlrnm. Gleich bei meiner Einfahrt in den großen südöstlichen Zipfel des Deutschen Reiches hatte ich ein Erlebnis, daS ich wegen iciiicr symptomatischen Bedeutung als Einleitung geben will. In Sagau verließen die meisten Ncüendcn den Wagen. Ein Montenr, der in einem Berliner Kraukenhause eine schwere Rur überstanden hatte und nun wieder zurückreiste nach dem Orte seiner Thätigkcit in Oberschlesien, blieb allein mit mir im Abteil. Auf dem Bahnsteig schwirrte es von Marktleuten. Au vielen, in Gruppen stehenden, gedrungenen Ge- stalten in lange» Mänteln, wie sie von Viehhändlern und Klcinstadtschlächtern getragen werden. war zu erkennen. daß beute Viehmarkt gewesen war. Im letzten Augenblick vor der Abfahrt kamen denn auch noch mehrere dieser Marktlente zn uns herein. Zwei von ihnen setzten sich auf die Bank, auf der ich saß. Der dritte betrachtete ebenso wie der Monteur, beim Ausfahren des Zuges das Gewimmel der Menschen unter den Laternen der Bahn- Hofshallen, die nach und nach verschwanden. Plötzlich warf der Mann, der wohl so starkknochig und fett« bäuchig wie ein Viehhändler war, dessen reine Wäsche und sauberer Anzug ihn jedoch als Klcin-GutSbesitzer kennzeichneten, eine zusammengewickelte Decke auf den Platz des Monteurs und legte sich lang auf die Bank. Der Monteur hatte daS bemerkt, rasch die Decke dcZ Gutsbesitzers zur Seite geschoben und sich hingesetzt. Als der Gutsbesitzer seinen Kopf auf die Decke legen wollte, stieß er sich an den Monteur. Wütend drehte er sich um, ivollte den Monteur hinunterschieben und drohte mit Ohrfeigen. „Na, das überlegen Sie sich doch noch!" antwortete der Monteur ruhig.„Ich saß hier und bleibe auch sitzen." „Das ist mir Wurscht I Wie ich mich hinlegen wollte, saßen Sie nicht." „Bitte, wenn ich nicht gesessen hätte, hätten Sie sich ja un- gehindert hinlegen können." Auf diese' logische Enviderung wußte der Gutsbesitzer keine bessere Antivort als:„Wenn Sie noch ein großes Maul haben, stopf ich es Ihnen!" Ein anderer Gutsbesitzer hetzte:. Jabach: nicht erst lange fackeln!" Der Gutsbesitzer war aufgestanden. Er schimpfte und meinte, man sehe ja. mit wem man es zu thun habe; der Monteur sei ja Thun wurde sodann um 10 Uhr vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen, und unterbreitete ihm in Ausführung dieses Be- schlnsses die Demission dcS gesamten Kabinetts. Viele Anzeichen deuteten bo.its feit einiger Zeit hin, daß sich das Ministerium Thun im Zustande der Liquida- tton befinde. Gleichsam knapp vor Thoischluß hat es die Ernennung von 24 neuen Herrenhausmitgliedern verfügt, die Errichtung der czechischen Technik in Brünn durchgesetzt, das so oft angekündigte neue Aktienregulativ erlasien und schließlich ist noch der letzte Verfassungsbruch erledigt Morden, die„Verordnung" der Bankaktcn und des Zollbündnisses. Damit hm der Mohr seine Schuldigkeit gethan und kann gehen. Das Ministerium Thun, das seit März 1898 den östreichi- schen Staat„lenkte", ist widerloillig geschieden. Aber der letzte Rettungsversuch, den Graf Thuir unter Vorschiebung des Reichsrats-Präsidenten v. Fuchs unternahm, ist gescheitert. f räsident v. Fuchs bemühte sich, für nächsten Montag eine onferenz von Vertretern aller Parteien zu stände zu bringen, durch welche die Arbeitsfähigkeit des Parlaments vorbereitet werden sollte. Aber die Opposition dachte nicht daran, sich mit dem Ministerium der Verfassungsbrüche nochmals irgendwie einzulassen. Der Socialdemokratische Verband lehnte rundweg ab. Ebenso ablehnend verhielten sich die Radikalen, die Deutsche Fortschrittspartei, die Deutsche Volkspartei; ja selbst die Christlich-Socialen haben sich unter dem Drucke der Situation genötigt gesehen, ihre Mitwirkung zu verweigern. Gemäß diesen Beschlüssen der einzelnen Parteien hat am Sonnabend- vormittag die Versammlung der Vertreter der deutschen Linken- Parteien die Einladung des Präsidenten abgelehnt. In der Begründung der Ablehnung wurde erklärt: „Mit allem Nachdruck und Ernst muß hervorgehoben werden, daß die vielen Enttäuschungen, welche die Deutschen Ocstreichs bei dem Bestreben, den nationalen Besitz- stand zu wahren und dem Staate die- notwendige Einheit und Kraft zu erhalten, erfahren haben, den Vertretern der deutschen Linken zur Pflicht machen, vor allem auf eine klare politische Lage hinzuarbeiten. Heute jedoch sind die polittschen Verhältnisse vollständig ungeklärt, und es besteht nicht die geringste Bürgschaft für eine durchgreifende Aeuderung der leitenden Grundsätze der Staatsführung, noch für eine Erfüllung der gerechten nationalpolittschen Ansprüche der Deutschen und insbesondere für die von den Deutschen nach wie vor als Bedingung jeder Verhandlung verlangteAufhebungderSprachen- Verordnungen samt deren Wirkungen. Im Gegenteil, die Vertreter der deutschen Linken müssen auf die in der letzten Zeit gefaßte Resolution der czechischen Abgeordneten, sowie auf andere Aeußcrungen hervorragender Mitglieder der heuttgen Majorität verweisen, welche derartig schroffe und den gerechten deutschen Standpunkt vollkommen verkennende Ansichten verraten, daß unter diesen Verhältnissen eine Be- sprechung ohnehin gänzlich aussichtslos er- scheinen m u ß." Die Lage war also durch die Beschlüsse der Klubs bereits vollständig geklärt, und das Wort hatte der Kaiser. Wieder zeigte es sich, daß der entscheidende Faktor der östreichischen Politik allein die Krone ist, daß die Entwicklung der Dinge wesentlich von dem Grade ihrer Erkenntnis abhängt. Die östreichische Bourgeoisie kann eben nicht selbst regieren, und wie sie regiert werden will» bestimmt nicht iie, sondern die Krone. Dieses seltsame Resultat des drei- iährigen Kampfes zeigt an, wohin das Bürgertum komnit, wenn es unfähig wird, seine Kraft zu gebrauchen. Denn der Sturz des Ministeriums Thun bedeutet keines- Ivegs eine Aenderung der östreichischen Politik. Das Ministerium Thun war zwar eine sehr armselige Regierung; trotzdem wird ihm wahrscheinlich nichts besseres nachfolgen. Was das schlimmste ist: an den Z u st ä n d e n Oestreichs wird kein Ministerium etivas zu ändern vermögen. • �• Wie die„Neue Freie Presse" meldet, vollzieht sich die Minister- krise unter der Divise der L e r st ä n d i g u» g mit den Deutschen behufs Beseitigung der O b st r u k t i o n. Die zunächst beabsichtigte Bildung eines klerikal- konservativen Kabinetts Alfred Liechtenstein scheiterte am Widerstand der deutschen Linken. Es verlautet, der ehemalige Handelsmiiiister K ö r b e r sei zum Minister dcS Innern designiert und iverde eventuell den Vorsitz im Ministerium übernehmen, das de» Charakter einck Beaintciiministcrilims haben ivürde. chon ganz blaß vor Angst. AIS der Montenr ihn kalt lächelnd ab- wieS. ivandte er sich auch an mich. Ich meinte, die Bank sei natürlich nicht für eilten zum Schlafen da; ob er nicht sehe, daß der Mann krank sei? Im übrigen hätte ich gehört, daß er mit Schlägen gedroht hätte; ob er es nicht schätze, daß er mit anständige» Menschen zu thun hätte, die ihn nicht der Staatsanlvaltschaft übergeben. Auch das beruhigte ihn nicht. Er fluchte weiter und rief den Schaffner. Als der Ruhe bot, that der Gutsbesitzer so, wie wenn nicht er, sondern die andern die Ruhestörer seien nnd rief fort- lvährend nach Ruhe. Zuletzt sagte er knurrend:.In die Schnauze hauen!— Backzähne spucken!"... Mit diesem Eindruck marschierte ich am nächsten Morgen durch die fruchtbaren Felder eines der Hmiptsührer nnd Erzieher dieser Gutsbesitzer— durch die Klee- und Rübcnäcker des Grafen zn Limbnrg-Stirnm, der wenige Stunden von Breslau auf der Fidei- kommißherrichaft Everspark, Groß Petermitz regiert. Das ist ein prächtiger Herrensitz. Das von starken Tünnen überragte Schloß ist von nmsassciide», gut gehaltenen Wirtschaftsgebäuden umgeben. Jenseits der Rübenfelder zieht sich vom Schloß in die Felder hinein ein gewaltiger Park. An seinem Rand, ein Ende vom Schloß entfernt, liegt die gräfliche Zuckerfabrik. Die zun» Teil schon nm- gepflügten Felder mit ihrem fetten Boden, die mir begegnenden Wagen nnd Ochsengespanne, die große Schläge Biehbohnen in die Schenne» schafften, alles sah in seiner Ordnung, in seiner Vorzug- lichcn Güte und Fülle ans wie eine echte Musterwirtschaft, die eine innncrivährende Quelle strotzenden Rcichttims ist. Als ich am Schloßcingang vorbei kam, läutete es zn Mittag. Von allen Seiten kamen die Kutscher mit ihren Pferden heran, große, glänzende Arbeitstiere mit feurigem Gang. Die Männer nnd Frauen, die bei den Liehbohnen, in den Ikärtoffelfeldenr nnd ans dem Klce-Acker gearbeitet hatten, liefeit hastig herbei und eilten am GutShof vorüber nach dem Dorf hinab. Neben mir ging eine alte Frau, gebeugt und ermattet. Ich kam bald mit ihr m ein Gespräch, das bis zur Ankunft bei ihrer Bchanstmg währte, die weit unten in dem lang ausgcdchnten Dorf lag. „Ja," sagte sie,„die Felder des Grafen sind gut bestellt. Das giebt stets ciiie gute Ernte." „Und wie steht'S denn mit Ihnen? Spüren Sie auch etwas von dem reichen Ertrag?" „Ach— ach!" Sie schüttelte wehmütig ihren verwetterten Kopf; „nich cnial zu'n Paar Stibbeln reicht's." Und sie zeigte niir ihre nackten Füße, mit denen sie dann schweigend auf der steinigen Chaussee vorwärts ging. Ein schöueö intcrnationaleS Fest findet heute— Sonntag. den 24. September— in S ü d fr a n kr e i ch statt, und zwar in Albi, einst dem Hauptquartier der glaubensstarken und kamps- mutigen A l b i g e n s e r, heute einem der festeste» Bollwerke der glaubensstarken und kampfmutige» Socialdemokratie. Die Glashütte der Arbeiter, die vor länger als drei Jahren, nach einem hartnäckigen Kampf mit dem französischen Stumm, den: großen GlaSfabrikanten von Carmanx: Ressoguier, gegründet ward, feiert heute die Inbetriebsetzung ihres dritten Hochofens. Umsonst hat Ressoguier Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um das Zustandekommen der Genossenschaft zu hindern, umsonst hat er die Behörden gegen sie gehetzt und durch käufliche Subjekte Zwietracht unter den Ge- nossen zu säen gesucht— die Glashütte der Arbeiter spottete aller Maßregelungen und Ehieanen, trotzte allen teils offenen, teils heim- lichen Angriffen des konkiirricrendeu Großkapitals, das um jeden Preis da? Unternehmen der Arbeiter zu Fall bringen wollte. Es ist nicht gelungen. Mit bewunderungswürdiger Ausdauer und Unisicht überwanden die Arbeiter, unterstützt von den Genossen ganz Frankreichs alle Schwierigkeiten. Hundertmal wurde von der Bourgeoisprcsse der Bankrott der verhaßten Arbciter-GlaShütte angekündigt, nnd hundert- mal Ivar die Ankündigiina eine Lüge. Das Vertrauen wuchs, der Absatz ivuchS und die Glashütte der Arbeiter ist jetzt so fest begründet, daß Herr Resssguier selbst seine Ohnmacht erkennen muß. Ein echtes Fest der Arbeit ist eS, daS in Albi gefeiert wird. Die meisten socialistischen Abgeordneten, Delegierte der Gewerkschaften ans ganz Frankreich find mit den Arbeitern von Albi, Carmanx und der Umgegend versammelt, um in brüderlichem Verein mit Genossen deS Auslandes daS Fest der Arbeit würdig zn begehen. Die denischen Genossen, an die man sich wandte: Bebel, Singer, Liebknecht, waren zu ihrem lebhaften Bedanern außer stände, der Einladung zn folgen, allein wie ivir hören, werden deutsche Ge- nossen anwesend sein. Belgisch: Deputierte haben ihr Erscheinen zugesagt, und auch auö Italien und England sind Besucher an- gekündigt.; Wir wünschen dem Feste schönstes Gelingen und der Glashütte der Arbeiter ivcitercn nnd vollsten Erfolg! Unseren Grntz de» französischen Briideml— *# 4» Deutsches Weich. Nicht übelnehmerisch ist die Rcgicrnng. Die ministerielle „Berliner Korrespondenz" schwingt sich wieder zu einer Extra-Ans« gäbe auf, um zn versichern, cS verstehe sich von selbst,„daß die gegenwärtig noch bcstchcuden Meinungsverschiedenheiten in der Kanalfrage ein Zusannncngehe» der konservativen Partei mit der Regierung in anderen gesetzgeberischen Fragen nicht hindern können." Die Regiennig leidet entschieden an unglücklicher Liebe zum Junkertum.—'...ü-j; Von der kapitalistischen Schainloflgkcit. Die Schweinburg- scheu„Berliner N e u c st e n N a ch r i ch t e n" schleudern im Anschluß an den Jahresbericht der deutschen Socialdcmokratte fol- genden Gedankenblitz: Diese Einnahmen der Socialdemokratie stammen von den Löhnen, die— wie aus der obigen Thatsache zu entnehmen die deutschen Zlrbeitgcber weit über daS Bedürfnis der Ar- bcitcr hinaus bezahlen; ein großer Teil der abgetrotzten Lohnerhvhiingc» ist nur für die Füllung der socialdemokratischen KriegSkassen bestimmt." Wenn also Arbeiter für ihre idealen Zwecke brüderliche Hilfe beisteuern, so bclvcist daS, nach Schweinburg, daß sie zu hohe Löhne bekommen. Wenn aber Kapitalisten ans den Mitteln, die ihnen die AuS- bentnng der Arbeiter verschafft, ihren Lnxuögelüstcii fröhnen, wenn sie die von den Arbeitern verdienten Summen an Champagner, Dirnen, Karten, Zuchthausagiiationeu, Flvttcnvcreiiie usw. ver« schwenden— beweist das nicht, daß die Arbeiter ihnen noch bei weitem nicht genug Lohn abgetrotzt haben?— Strcikpoftcnstchc» in England. Bei den Beratungen über die Zucbthausvorlage hat, wie er- innerlich. Gras Posadowsky u. a. auch»ach England telegraphiert, nm seine Behauplnng bestätigt zn erhalten, daß dorr das Streikpostcn- stehcn verboten sei. Tie Antivort ans dieses Telegramm hat er nicht verlesen; denn seine Behauptung war unrichtig. Bor einiger Zeit wurde in London der Sekretär der Seemanns- Union verhaftet, weil er sich als Streikposten an Bord eines Schiffes begeben nnd dort die Anwerbung von Mannschaften hatte verhindern wollen, nnd weil er trotz Auffördenmg daS Schiff nicht verließ. Der Polizei-Jnspekror hatte die Haftentlassung angeordnet. da der Polizist als BerhastungSgrnnd angegeben hatte, daß der Verhaftete Arbeitöivillige zur Nichtannahme von Arbeit überredet Jetzt sah ich, daß die Frauen und Mädchen ohne Ausnahme barfuß gingen. Auch viele der Männer schritten in bloßen Füßen einher. Nur einzelne hatten zertretene oder zerrissene Schuhe über das nackte Fleisch gezogen. Nach einer Weile, in der ich gleichen Schritt mit den stnnnnen Gruppen gehalten hatte, fragte ich die Frau nach ihrem Verdienst. Ansänglich>var sie mißmutig und miß- lrauisch.„Warum wollen Sie daS wissen?" Aber schließlich erzählte sie mir doch— brockenweise, da sie zn erschöpft war nnd ab nnd zu Atem holen mußte—, daß sie im Sommer 60 Pfennige Tagelohn bekomme, im Winter aber nur 50 Pfennige. Früh nm 5 Uhr müsse sie ans dem Gut sein. abends»m 7 Uhr solle Feierabend sein, aber meist werde es später. Zwei Sttinden dürsre sie zu Mittag bleiben, aber der Weg sei so iveit, daß nicht viel Zeit übrig bleibe. Ich fragte weiter: Dafür gebe ihr aber doch der Graf eine schöne Wohnung und ein Stückchen von seine» unübersehbaren Felden« als Gartenland? „Hier, hier, das ist meine Wohnung!' sagte sie mit höhnischem Lachen nnd ging über einen Steg auf eine Ruine eines Lehmhauses zu. Die eine Hälfte des Hanfes war teils eingestürzt, teils ab- gebrochen. Die Alte führte mich i» die Stube, über der daS Dach jebief nnd krumm stand und einzubrechen schien. Eine andere Frau und ein zwölfjähriger Junge empfingen uns:„Dar Harr will sich emol uusa Bude besahn", meinte die Alte zu den mich neugierig und feindselig Anstarrenden.„In, vor daS Luch misse mcr zwölf Thaler an den Pauenr zahlen." Die Schäden der Wände waren mit Linnpen verhüllt. Auch die Betten waren nur mit Inmpennrtigen Bettstücken gefüllt. Stühle nnd Tisch, alle.Geräte waren schadhaft und wackelig wie das ganze Hans.„Bei uns armen Leuten is dos cmal nich anders!" murrte die zweite Frau, während sich die Alte Mittagbrot bereitete. Sie schüttete Kartoffeln in einen Topf, den sie in den Ofen schob. Daun setzte sie sich ans Fenster und flickte mit ihren steifen Fingern ihren Rock, durch den sich ein großer Riß zog:„In, das halt nich lange bei uns. das Zeug. Bei der schweren Arbect geht bale was kapnt. Und denn kann man sich nich alle Jahr was Neues uff'u Leibe schaffen. Da dauert's denn nich lange, dann sieht man ans. wie su a Lnmpaweib. Was finden Sie denn su a hibsch an nn, daß Sie mich a sn besuche»? Sahn Sie, nix als Flicken." Und sie zeigte mir ihren Rock, von dessen Grundstoff nicht viel mehr übrig geblieben war, als ein zerfetztes Gerippe für die zwischengesctzte» Lumpen. Unterdessen lvar ihr Mittag gar geworden. Sie goß die Kar- toffeln ab und setzte sie ans den Tisch. AuS einem andern Topf goß sie eine Art Kaffcebrühe, die schon vom Morgen an im Ofen Babc. Nnch bcm Urteil des Polizei-Inspektors berechtigte dies den Polizisten nicht, zur Verhaftung- zu schreiten. Gegen den Sekretär waren min. wie die„Volkö-Zeituug" berichtet, mehrere Klagen er- gangen. Diese Anklagen lauteten: 1. Der Beschuldigte habe sich gegen das Gesetz vergangen, weil er lkcnte zum Streik veranlagt habe für den Fall, daß nicht höhere Löhne bewilligt würden; 2. Weil er sich geweigert habe, das Schiff zu verlassen; 3. Weil er an Bord des Schiffes zum Streik aufgefordert habe. Das Urteil des Polizeigerichts West-Ham, das über diese Klagen zu entscheiden hatte, lautet: 1.„Obgleich es ein Verstoß gegen daöKauffahrtei-Schiffahrts- Gesetz ist. Leute von der Ausübung ihrer Pflicht abzuhalten, so ist es doch kein Verstoß gegen dieses Gesetz, Leute zu überreden, zur Erreichung höherer Löhne zu streiken." 2.„Jackson hat nicht gegen das genannte Gesetz verstoßen, indem er sich weigerte, das Schiff zn verlassen." � 3..Wenn auch das»Verschivörungs- und Eigentumsschutz- Gesetz" es gestattet, Leute außerhalb der ArbeitSräuine zu überreden, nicht die Arbeit aufzunchincn, so ist es doch u n g e s c tz- I i ch, dies an Bord eines Schiffes zu thuu." Jackson wurde wegen dieses Vergehens„an Bord des Schiffes" zu 5 Pfund Geldstrafe verurteilt. Dte Union der Seeleute will auch noch gegen dieses Urteil vorgehen, da sie der Ansicht ist, daß auch an Bord des Schiffes der Streikposten seine Versuche, andere zur ArbcitSciustclluug zu überreden, unternehmen darf.» Aus diesem Prozeß geht die absolute Freiheit der eng- lische» Arbeiter hervor. In Deutschland könnte man es sich gar nicht vorstellen, daß Streikposten sogar auf Schiffe oder iu sonstige Arbeits- stättri» eindringen und noch behaupten, ein Recht dazu zu haben, in der Eigentumssphäre des Unternehmers selbst ihm Arbeiter zu cnt- fremden. Ob PosadowSky bei der zweiten Lesung der ZuchthauSvorlage dieses englische Gerichtsurteil verlesen wird V"— Karl Peters, für die deutsche Studentenschaft einst nach BiS- marck der zweitgrößte Germane, soll gcgcnivärtig in Afrika im Solde des perfiden Albion Gold entdecken. Aber er hat Besseres entdeckt: „schöne und äußerst graziöse Frauen", also sehr geeignete Objekte fürs Hängen und Peitsche». Außerdem berichtet er, der„Volks-Ztg." zufolge, daß er mit etlichen Häuptlingen Champagner gekneipt habe. Wenn der Karl der Größte weitere Errnngenschaftcn dieser Art macht, wird die englische Gesellschaft dem närrischen Scheusal bald den Laufpaß geben.— Vom roten Sigl. Im Münchener Arbeitcr-Wahlvcrcin der Ccntrnmspartei hielt Dr. Sigl eine recht vergnügliche Rede, in derer bekennt: Das vom Ccntrnm mit den Socialdemokraten eingegangene Kompromiß thnc nichts zur Sache. Er(Dr. Sigl) habe bereits bei der ersten Wahl s o c i a I d e n> o k r a t i s ch gclvählt. ich habe das gcthan seit IS Jahre«, ich habe cS gctha», weil ich es von l-hcr liebte, ganze Arbeit zu machen. fRusc: Aha l) Ich hatte an- fangs noch religiöse Bedenken als Katholik, aber ein Mit- arbcitcr von mir, Obcr-LandcSgerichtSrat Glaser, ein tiichtigcr Jurist und sehr guter Katholik. sagte mir einmal: „ich wähle s o c i a I d e m o l r a t i s ch". Auf mein erstauntes Gesicht hin erwiderte er:„ich wähle deshalb socialdemokratisch, weil ich kein anderes Mittel weiß, um meinem Zorn und Acrger nber dic ekelhaften Zustände im Deutschen Reiche Aus- druck zn geben." Ich habe es deshalb gcthan, weil ich glaube, daß in gewissen Gegenden ein roter Zettel mehr Wirkung ausübt, als ein anderer. Jetzt wird der Dr. Sigl erst recht auf den Index kommen.— Aus Hessen, 22. Sept.vie die sehr jingoistische„Pall Mall Gazclte" bissig bemerkt, er jagt mit ben Hunden und läuft mit den Hasen, Das ist aber, genauer zugesehen, die Haltung eines großen Teils derer, die jetzt ihre Stimme für den Frieden erheben. Ihre Opposition gilt mehr der Kriegshetze und der Form des Vorgehens von Chamberlain und Milncr, als der Substanz der englischen Forderniigen. Das muß man im Auge behalten, wenn man diese Bewegung richtig be- urteilen will. Natürlich fehlt eS auch nicht an Stimmen, welche England überhaupt das Recht beslreiten, an die Transvaal-Regierimg Forderungen z» Gunsten der Einbürgerung von Ausländern zu stellen, und diese Forderung als einen Vorwand betrachten, die Boeren zum äußersten zn treiben und alsdann ihr Land oder das Goldgebiet gewaltsam zu annektieren. Diese letztere Ansicht ist namentlich stark in den Reihen der englischen Socialdemokratie und bei einer Reihe von Linksradikalcn verbreitet. Ob Chamberlain und seine Kollegen wirklich mir solchen Absichten umgehen, erscheint mir zivcisclhast, aber das Gebühren eines Teils der konservativ- uniomstischen Presse leistet der vorstehenden Anschauung jedenfalls Vorschub.- ES giebt Blätter, für die eS schon anSgeniacht ist, daß wenn die Boeren ihren Widerstand fortsetzen, England nach seinem, Scharlachficber— hier, ein Junge von meinem Nachbarn ist dran gestorben— sehn Sie. und da ist doch hier der Fußboden aus Ziegel. Ja, und kommen nun die kleinen Kranken heraus aus dem Bett, sind sie halt gleich wieder anfällig; das machen die kalten Stccne..... Ne. einen Stall haben wir nicht. Unser Schwein liegt draußen in der Holzbnde" — sie zeigte nach einem Verschlag, der kaum zivei Meter vor dem Fenster aufgebaut war—„und die Gänse muß man auch so notdürftig nnterbringe». und Kühe oder Ziegen kann man sich überhaupt nicht halten. Das wäre doch aber so nötig, denn die 80 Psennig, die der Mann knegt, reichen nicht hin. nicht her. Im Accvrd hat er wohl manchmal mehr— er soll ans 1 Mark 50 Pfennige kommen, aber es wird nie mehr als 1 M. 20. lind Fcncrmig kriegen wir nicht; alles, was es sonst noch giebt. ist alle Monat ein halber Schcsicl Roggen und ein Stückchen Kartoffclland von einem halben Morgen. Eigentlich sollen wir uns ein Kindcrmadel halten, damit wir Frauen mit ins Feld können. Aber die will halt auch fürs Jahr 12 Thalcr haben und wenn die im bei uns schläft— denn die Kammer ist wirklich zu kalt— dann wird die Stube noch kleiner und enger, dann kann man sich gar nicht wenden. Und die fünfzig Pfennige, die ich denn verdiene, reichen noch nicht mal für das Miidel zum Essen und zum Lohn. DaS Mädel ist auch nicht mit unserer Kost zufrieden— Kartoffel inid Kaffee oder Brot»nd Kaffee— die will immer Fett haben. Und jetzt kriegt blos der Mann mal'» bischen Schmalz zum Mittag. Fleisch sehn wir nur alle 14 Tage oder alle drei Woche» einmal. Na. da geh« die jungen Leute lieber zum Bauern; da kriegen sie das Essen niit am Tisch und schlafen besser und brauchen auch nicht so zu schuften, wie wir aus dem Gut. wo immer einer dahinter steht. Aber es möchte ja noch gehen, wenn der Gras uns blos Bretter in de Stuben legen lassen möchte, damit sich die Kleinen nicht immer erkälten. Aber er kümmert sich eben um uns nicht, er kümmert sich um gar nischt. Und seine Leute?— Na, er mag vielleicht nicht alleS wissen; aber, nicht wahr, so ein Herr sucht sich doch seinen Inspektor aus, der sagt ihm doch, wie er seine Arbeiter behandeln soll?..? Ja, und weg möchte man doch auch hier nicht gleich. Der Vater von meinem Mann und sein Großvater— alle haben sie hier gearbeitet.---" Zum Schluß meinte sie. ich müßte mir aber auch die schönen Dinge in Peterwitz ansehen. Ich solle einmal in den Park gehen, „anständige" Menschen werden hineingelasien. Ich kam denn auch hinein und konnte die schönen Plätze. Blumen-Partcrre und die langen, stillen, überwachsenen Alleen be- wundern. Die Aussichten auf die Felder, wo sich die zerlumpten Arbeiter mühten, waren alle durch dichte Büsche versperrt.-- für sie unzweifelhaften Siege über die Boeren dem Transbaalstaat ein Ende machen wird. Hört man diese Leute, so wird der Kriefl eine Sache von ein paar Wochen sein— man möchte sagen, cm„Spaziergang nach Pretoria". Umgekehrt prophezeien ivicdcr andere einen sich jähre« lang hinziehenden Guerillakrieg. Dem entspricht eS, wenn ein Teil der Boerenfreunde mit Oliver Schreiner von einer Entsendung der ganzen Kriegsmacht des 400 MillioncnrcicheS gegen ein harmloses Volk von 30 000 Bauern spricht, ein anderer Teil aber provhezeit, daß England. das ja mir eine beschränkte Trnppenzahl für den Transvaal diSponibe l hat. dort sünfzig bis sechzig wohlgeübte Schützen, gut befestigte Fort« und eine wohlnusgernstete Artillerie vorfinden werde, die ihm eine harte Nuß zu knacken aufgeben werden. Solcher Ucberrreibunge» nach der einen und anderen Seite könnte ich noch viele aufzählen. Inzwischen ist die Situation gespannt genug, wenngleich die am Dienstag offiziell bekannt gegebene Antwort der Transbaal- Regierung auf die englische Dröh-Note zwar ablehnend, aber doch so gefaßt' ist, daß die Thür zu Verhandlung«» noch offen bleibt. Es fragt sich nur, wie lange man in beiden Lagern den jetzigen Zustand ertragen kann. Die Kriegsvorbcreitnngcn werden unablässig fortgesetzt, an de» wichtigen Grenzplätzen stehen hüben und drüben schon bewaffnete Truppenteile einander gegenüber— eine übermütige Heraus« fordening, und dte Waffen gehen von selber loS. Morgen(Freitag) ist Ministerrat, auf dem voraussichtlich die Replik der englichen Regierung auf die erwähnte Antwort der Transvanlrcgiernng beschlossen werden wird, nachdem gestern Lord SaliSbnry mit Chainbcrlain im Kolonialamt konferiert hat. Auf Sonntag ist hier nach Trafalgar Square ein Massenmeeti'ng ciiiberufcil, das gegen eine überstürzte Eni- scheidnng in der Transvaalsache protestieren, bczw. eine Verlängerung der Verhandlungen für die Erziel»,, g einer friedlichen Beilegung der Differenzen verlangen soll. DaS EiiiladnngSmanisest ist von Friedens- vercinlem«Felix Mosckelc». Hodyson Pratt)„Vorwärts".Radlh,len lF. W. Fischer. G. B. Eliirke), Socialisten(H. M. Hqndma». John Pcnny), Geivcrkschnstsvertrctcril(James Mncdmmld. I. Gregory) und Delegierten radikaler Arbcitcrklubs unterzeichnet,«ehnliche Meetings werden in der Provinz abgehalten. London, 23. September. Der hiesige portugiesische Gesandte erklärte die Meldung deS„Allahabad Pioneer", wonach von England Verhandlungen betreffend die Inbesitznahme der Dclagoebai zum 1. Oktober abgeschlossen seien, für unrichtig. Oestreich-Nnsiarn. Der Poknacr Mädchen, nord. Aus Prag wird am 22. d.M. telegraphiert: Die czcchiichcn Friihblättcr brachten telearaphil»» Mit- teilimgcn aus Knttenberg. daß HilSner seine Teilnahme an der Sr- mordung der.Hruza gestern dem llutersnchnngsrichter eingestanden habe» und daß vo» ihm zugleich d i e M i t s chuldigen genannt worden sind. Diese Nachricht wird>»», vo» der Präger P o I i z e i-Dire k t t on bcstäligt. AuS Knttenberg wird der„Narodnt Listh" hierüber ge« meldet: Seit der Verkündigung dcSllrteileS hat sich der geisiigeZustaiid vo» Hilöncr bedeutend verändert. Während er früher gleichgültig ivar, wurde es nun klar, daß das Todesurteil auf ihn ungemein stark eingewirkt habe. Am Montag verbreitete sich in Knttenberg die Nachricht, daß der Obcringenienr Herr Labler in dem Hofe des KrcisgcrichtS b e r e i t S e i n e n P l a tz zur A u f st« l l u n g d« S Galgens anSfiildig gemacht habe. Diese Mitteilmig ivm: jedoch mir eine Mystifikation. Sic gelangte jedoch zn Ohren Hilsners, ivelcher b i S z u T o d e e r s ch r e ck t war. Er glaubte, e» sei That- fache, daß er bereits in den nächsten Tagen ausgehenkt werde. Die Furcht vor der Hinrichtung vernnlaßte.Hilöncr. ivie daS Blatt be- hanptet. fein Gewissen zu erleichtern. Er ließ sich gestern dem Unter- snchungSrichtcr Adjunkten Bandisch vorführen, welchem er emaestaiid, daß er bei der Ermordung der Hrnza mitgewirkt habe. Ziigletch nannte er zwei Mitschnidige. An jene Orte, wo nach Angabe Hilsnes sich diese beiden Mitschuldigen aufhalten sollen, wurde unverzüglich telegraphiert. Ob d a S Geständnis HilSner» auf Wahrheit beruht oder nur ans Furcht bor der Hinrichtuiig und um jedenfalls einen Aufschub zu e r>v i r k e n, kann man jetzt nicht sicherstellen, denn auf die telegraphsicheli An- fragen langte bisher keine Antwort ein. In der Stadt Kuttenberg herrscht infolge dieser Vorfälle eine große Anfregnng. Heute vormittag ist ein gestern abend in Knttenberg gc- schrieoener Brief des Verteidigers HilSncrS. Dr. Anrednicek, an einen Freund in Wien angelangt, in welchem von der Kriminal« fache HilSners die Rede ist, ohne daß von einem Geständnisse dcS- selben gesprochen wird. Vielmehr ist in diese». Schreiben die fort« da« er» de U e b erz eu g n» g von der Schuld losig- keit deS Verurteilten ausgedrückt.— Frankreich. Pari?» 23. September. Major Hartman», der Haupt- EntlastmigSzcnge im DrcyfnS-Prozeß von RcnneS, ist � vom KriegS- minister zu». Beigeordneten des Direktors der Waffcnfabrik von Pnteanx ernannt worden. Die Eniennnng bedeutet eine besondere Ehning.— Schweden. TtocNiol»,, 22. September. Bei de» heute stattgehabten Wahlen zur zweiten Kammer des RcichStancS wurden für die Stadt Stockholm von den 22 Kandidaten des liberalen WählervercinS 21 gewählt. Nur im ersten Wahlkreise siegte Kapitän Wallenbcrg. Direktor der Trcllcborg— Saßnitz-Linie(ae- mäßigt), über den liberalen Schnllehrer Jonsso». Der Erfolg der Liberalen ist über Erwarten groß.— Serbien. Hochberratö-Prozcs?. Ans Belgrad wird vom 23. Sep« tciiibcr gemeldet: Nach nochmaliger Vernehmung mehrerer Zeugen erklärte oer Vorsitzende die Verhandlung für geschlossen, worauf die Sitzung aufgehoben wurde. DnS Urteil wird demnächst gefüllt werden.— Amerika. New Bork, 23. September.„New Aork Herald" und„World" melden, die Regierung habe General Otis angeiviesen, die Chinesen t» den Philippinen zuzulassen. Sie ha: ihm gleich- zeilig zu berftchei, gegeben, daß er durch seinen Befehl, durch welchen die Ehincsc» von de» Philippinen ansgejchlosscn werden, seine Be- sugnisse überschritten habe.— Parteifragen im„Vorwärts". Genossin Luxemburg sendet nnS eine zugleich in der„Leipziger VolkSzcitnng" veröffentlichte Antwort auf unsere Notiz„Sekte und Gcfnmtpartci" und die Redaktion der„Leipziger VolkSzcitnng" be- antwortet unser Anerbieten, ob sie die Auffrischung einiger RcminiSccnzen ihrer Vergangenheit wünsche. Zunächst Genossin Luxemburg unter der Aufschrift.Unser leitendes Centralorgan": „Der„Vorwärts" antwortet ans nnsere Forderung, er solle als Centralorgan im Sinne der Gesamtpartei bei allen MdiumgS- Verschiedenheiten auftreten, daß er„die Pflicht, zu jeder auf- tauchenden taktischen Frage Stellung zu nehmen, durchaus a n- erkennt". Im Laufe des letzte» Jahres sind in unserer Partei drei Hauptfragen aufgetaucht, die zn lebhaften MeiiiuiigSdifferciizen Anlaß gegeben haben. Es sind dies: 1. Die Theorien von Bernstein. Die gesamte Porteipresse hat sich damit befaßt, die gesamte gegnerische Presse hat das Thema aufgegriffen, das kleinste Provinz- blättchcn der Partei hat in dieser oder jener Weise zu dem Bernsteinschen Buch Stellung genommen. Das Centralorgan und Berliner Parteiblatt„Borwärts" hat bis jetzt mit keinem Sterbenswörtchen seine Stellung zu der Frage verraten. Oder doch? In einem„Eitle Hoffnungen" überschriebenen Artikel vom 28. März bezeichnet der„Vorwärts" das ganze Jubelgeschrei der liberalen Presse, Bernstein hätte sich ihrem bürgerlich-reform- parteilichen Standpunkt" genähert, als ein„unglaublich lächerliches Schauspiel". Hätten diese„bürgerlichen Bieder männer", die«diese Komödie" aufführten, das Bcrnstcinsche Buch nur einmal gelesen,„sie würden entdeckt haben, daß das F u n d a m e n t und„Endziel" der socialdemokratischen Partei-- von Bern st ein gar nicht angetastet wird". Dies ist bekanntlich gerade das, was Bernstein und seine Anhänger be haupten. Und indem der„Vorwärts" seinerseits den Widerspruch, in den sich Bernstein zur Partei gesetzt hat, ableugnet, nimmt er hier, wenn auch verstohlen, wie wir sagten, für die Bernsteinsche Stellung Partei. 2. Die Schippelsche Stellungnahme zum Militarismus Auch bei dieser Gelegenheit, wo die wichtigste Frage der Takti! zur Debatte stand, wo die„Neue Zeit" und die Provinzblätter der Partei in ausführlichster Weise den Gegenstand behandelten, Haidas Centralorgan auch nicht durch eine einzige Notiz seine Stellung zu der Frage durchblicken lassen. Oder doch I Es hat seine Stellung indirekt dadurch aus gedrückt, daß es t. bei der Wiedergabe der Schippeischen Aeußerungen die markanteste, entscheidendste und am meisten angefochtene Stelle die Schippelsche„E n t I a st u n g s" t b e o ri e gänzlich ver schwiegen hat; 2. daß es bei der Wiedergabe der Auseinander setzung Kautskys mit Schippe! über die Stellung von Engels zur Milizfrage ihr in den Augen der Leser eine praktisch- politische Trägweite zu benehmen sich bemühte, indem es ihnen bloß ein„bibliographisches Interesse" zu- schrieb<„Vorwärts" vom 8. Februar); 3. daß er die Behandlung derselben Frage in der übrigen Parteipresse, so in der„Leipziger Volkszeitung"� auf die Genosse Schippel zweimal reagierte, seinen Lesern gänzlich verschwiegen hat. Also auch diesmal keine offene Stellungnahme zur Frage, aber eine Begünstigung des gröbsten Verstoßes gegen das Programm der Gesamtpartei— in verstohlener Weise. 3. Die bayrischenLandtagswahlen. Auch diese Frage hat zu lebhaften Auseinandersetzungen in der Partei geführt, die zum Teil im„Vortvärts" selbst erschienen sind. Genosse Liebknecht hat auch hier— aber nur für s e i ne P e r s o n— den Verstoß der bayrischen Genossen gebrandmarkt. Das Centralorgan hat bis zur Stunde keine Stellung zu der Frage genonimen. Oder doch? Ja, indirekt, indem es die a b f äl l i g e Be urteilung des bayrischen Verfahrens in den deutschen Partcib'lätteni. in der„Sächsischen Arbeiterzeitung", in der„Leipziger Volkszeitung". deren Redaktionen noch Mitte Juli den Kuhhandel scharf kritisierten. seinen Lesern vollständig verschwieg, dafür ober aus einer östreichischen, nicht socialdemokratischen Zeitschrift,„Die Wage", einen Artikel Vollmars in ausführlichster Weise wiedergab— ohne ein Wort der Bemerkung seinerseits. Also auch hier keine offene Stellungnahme, wohl aber ein Vorschubleisten dcni Opportunismus. wenn auch in verstohlener Weise. Es sind treffliche Worte, die der„Vorwärts" da sogt: ihm sei von der Partei die Aufgabe gestellt, das, was die Partei einige, zu vertreten. Nur versteht jedermann unter dem, was die Partei einigt, eben das von der Partei officiell angenommene Programm und ihre offiziell acceptierte und bewährte Taktik. Daß der„Vorwärts" diese nicht vertritt, haben wir an der Hand der Thatsachen gezeigt. Das Centralorgan versteht aber unter dem, was die Partei„einigt", offenbar einen Eiertanz zwischen ein- ander widersprechenden Gesichtspunkten, dem im besten Fall völlige Meinungslosigkeit zu Grunde liegt. Er sieht demgemäß mit Stolz die glänzendste Bestätigung, daß er„dieser Aufgabe nicht allzu un- glücklich gedient" hat, in der Thatsache-- daß er niemanden in der Partei befriedigt hat, weder diejenigen, die von ihm die Vertretung des Parteiprogramms und der Parteitaktik fordern, noch diejenigen, die dieses Programm und die Taktik über den Haufen werfen wollen. Das ist allerdings eine Glanzleistung des„Vorwärts", um die ihm sogar der Großmeister im Eiertanz, Herr Lieber, beneiden könnte. Der„Vorwärts" vergißt aber, daß, während er geradezu die Pflicht hat, die„Unzufriedenheit" derjenigen, die das Partei- Programm und die Parteitaktik angreifen, zu erregen, d. h. sie zu bekämpfen, es eine grobe Pflichtverletzung von ihm ist, wenn er den entgegengesetzten Wunsch, die Grundsätze der Partei zu vertreten, nicht befriedigt. Da der„Vorwärts" auf diese Weise die Grundsätze der Partei von ihrem Gegenteil nicht zu unterscheiden versteht, so ist er nicht einmal im stände, die verschiedenen in der Partei auftauchenden Streitfragen auch nur auf ihren wirklichen Charakter zu schätzen. So kommt er dazu, die A g r a r f r a g e, in der drei verschiedene Gesichtspunkte zum Ausdruck gekommen sind, und die vor allem ein ganz neues, weder theoretisch, noch praktisch erprobtes Gebiet der Parteithätigkeit behandelte, ferner die preußische Wahl- beteiligungsfrage, die nach wiederholten Erklärungen aller Beteiligten keine principiclle, sondern bloß eine Zw eck Mäßigkeitsfrage war, diese beiden Fragen mit der Schippeischen Milizverhöhnung, mit der Bernsteinschen Vcrwerfiing des Endziels, mit der bayrischen Abstimmung für das Centrum auf eine Lime zu stellen. Der„Vorwärts" bemerkt eben in jedem in der Partei auf- tauchenden Meinungsstreit nicht die M e i n u n g e n, sondern den Streit; die letzten Jahre des Parteilcbcns sind ihm bloß eine unterschiedslose Reihe von„Streitigkeiten", wobei er als„leitendes Centralorgan" in dem eifrigsten EiuigungS- und Versöhuungs bemühen seine Mission erblickt. Diese glaubt er aber in d e r Weise am wirksamsten zu erfüllen, daß er seinerseits zu all den Streitig- leite»— schweigt, wie wenn er tot und begraben wäre. Aber es ist nur die bekannte Selbsttäuschung aller Ohnmacht, zu glauben, daß die unliebsame Erscheinung verschwindet, wenn man sich über sie ausschweigt. Thatsächlich verkehrt sich die ,.Vorwärts"sche Einigungspolitik in ihr Gegenteil, in die Verschärfung der vor- handenen Gegensätze, und dies ist es, was uns verbietet, die Be- schwichtigungsaktion unseres Centralorgans blos von der komischen Seite zu nehmen. Durch Vertuschung der Gegensätze durch künstliche„Vereinigung" unvereinbarer Ansichten und Bestrebungen läßt man die Gegensätze nur zur vollen Reife gedeihen, bis sie früher oder später in einer Spaltung sich gewaltsam Luft verschaffen. Nicht w i r verlangen, wie der„Vorwärts" sich fälschend ausdrückt, die«Abstoßung" lwohl ein schüchterner Ausdruck für„Ausstoßung") der opportunistischen Ele- mente; wir haben in der„Leipziger Volkszeitung" die nach unserer Meinung notwendigen Maßregeln deutlich genug dargelegt. Es ist umgekehrt die„Vorwärts"sche„Versöhnungspolitik", die in hohem Maße die Gefahren einer Spaltung heraufbeschwört. Was die Spal- ■ tun(j in den Ansichten Hervorkehrt und bekämpft, arbeitet für die Einigkeit der Partei. Wer die Spaltung der Ansichten vertuscht, arbeitet auf eine Spaltung der Partei hin. � Daß der„Vorwärts" übrigens, ohne zu den Streitfragen je klar und offen Stellung zu nehmen, doch im opportunistischen Fahrwasser schwimmt, beweisen wieder am besten seine eigenen Ausführungen. Denn indem er uns des Bestrebens beschuldigt, die Partei durch Principicnstrenge auf eine„Sekte" reduziere» zu wollen und an „scheinradikalem Gebahren" Gefallen zu finden, wiederholt er ja Wort für Wort dieselben Vorwürfe, die B e r n st e i n unserer Partei n, acht. Aussöhnung aller Meinungsdifferenzen durch eigene Meinung?- losigkeit und Verteidigung der Parteiprincipicn durch Vertuschung der Principienverstoße— diese seine Thätigkcit glaubt das Central« organ in den Worten formulieren zu können:„Der„Vor- wärtS" ist in allen Fragen treu zum Partei- Programm gestanden"! Vielleicht wollte der„Vorwärts" sagen:„treu zum Programm gelegen? Die Partei braucht aber weder ein stehendes, noch ein liegendes, sondern ein vorwärts marschierendes Centralorgan. und es ist zu hoffen, daß ihm der Parteitag in Hannover Beine machen wird. Berlin-Friedenau. Rosa Luxemburg." •• Wir erwidern hierauf: Der kritische Zephyr, den Genossin Luxemburg uns anblies, ist zum wilden Wetter geworden. Hatte Genossin L. zuerst einige Wünsche für den„Vorwärts" ausgesprochen, so tost es nun von Verleugnung des Parteiprogramms und der Parteitaktik und von grober Pflicht Verletzung. Wunderbar I Wie konnte nur unser sündhaftes Wesen so ins Kraut schießen? In wie tiefen Schlummer muß die ganze deutsche Socialdemokratie, alle ihre Partei-Organe und Parteiinstanzen versunken gewesen sein, daß die ganze Zeit hindiirch niemand sich wider die Fülle unserer Sünden erhob? Es scheint, die gesamte Partei hat ihre Pflicht der Programmhütung vergessen und Rosa Luxemburg wird die gesamte Partei aus der Partei ausstoßen.... Genossin L. unternimmt es. ihre Anklage gegen den„Vorwärts zu„beweisen". Die Methode ihrer Beweisführung ist ebenso interessant als deren Begründung. Wir hatten gemeint, daß von der Partei wenig mehr übrig bleiben würde als Rosa Luxemburg, wenn wir nach ihrer Art den großen Parteibann über alle die Ge »offen und Parteivcrbände ausgesprochen hätten, die des Verbrechens des Opportunismus geziehen worden sind. Nicht nur die Genossen, die uns an den Militarismus, an die Bourgeoisie, an das bayrische Centrum verkaufen wollten, auch diejenigen würden dem Gericht verfallen, die das Proletariat den Interessen der Bauern, die preußischen Arbeiter an den Liberalismus auszuliefern bereit waren. Dies geht aber der Genossin L. zu weit, trifft es doch auch die ihr jetzt in anderen Fragen Zunächst- stehenden. Der A g r a r st r e i t und die preußische Landtags wahl-Frage soll, so wünscht sie. aus dem Spiel bleiben. Ü n S freut es, wenn wenigstens noch einige Parteifragen ohne den Schlachtruf hie revolutionär— hie opportunistisch behandelt werden dürfen. Aber wie kann Genossin L. diese Fragen bei ihrem Partei-Neiuigungswerk nebensächlich behandeln? Die Agrarfrage, sagt sie. sei ein neues, unerprobtes Gebiet und die Landtags- Wahlfrage in Preußen sei— keine principielle. Die Bauern schützen zu wollen, d. h.— um in Genossin Luxemburgs Art zu sprechen— den Privatbesitz an Boden zu festigen und so der Kardinal forderung unseres Programms, der Vergesellschaftung des Grund' und Bodens, entgegenwirken— das ist nicht opportunistisch, das ist erlaubt, weil eS eine neue Sünde ist; nur Sünden an altem Parteibestand verfallen den» Messer der Genossin. Dem preußischen Landtags wähl s ü n d e r wird nicht die Neuheit des Problems zu gut gerechnet, sondern zur Abwechslung soll hier kein principicller Verstoß vor- liegen. Und doch ist bei keiner Angelegenheit niehr als bei dieser, auch seitens hervorragender Parteigenossen, die Befürchtung von der Annäherung an bürgerliche Parteien laut ge worden. In Preußen ist es eine Zweckinäßigkeitsfrage, ob man sich an bürgerliche Parteien anlehnen darf, in Bayern aber ist es ein principicller Verstoß, fluchwürdiger Opportunismus! Arnrer ParvuS! Uns dünkt, die streitbare Genossin, welche uns Stellung nähme lehren will, sollte erst einmal zu sich s e I b st Stellung nehmen. Doch es sei. Es giebt nur drei Hauptfragen, bei deren Be- Handlung Verrat am Programm und Taktik begangen sei. Zunächst die Theorien von Bernstein.„Das Centralorgan und Berliner Parteiblatt„Vorwärts" hat bis jetzt mit keinem Sterbenswörtchen seine Stellung zu der Frage verraten. Warum dann der Lärm? Wenn Ivir nichts über unsere Stellung zu der Frage verraten haben, so stehen wir vielleicht auf Genossin L.s einzig wahrhaft revolutionärem Standpunkte. Worum dann der Eifer gegen unfern„verstohlenen Oppor tunismus"? Widersprüche über Widersprüche, die vielleicht darin ihre Erklärung finden, daß allerdings unsere Art der Behandlung dieser Frage gerade derjenigen dcr'Genossin L. entgegen gesetzt ist. Genossin Luxemburg giebt selbst eine Stelle in Nr. 74 des„Vorwärts" wieder, wo wir die Auffassung aussprachen: mögen über theoretische und taktische Parteifragen erhebliche Meinungs- differenzcn vorhanden sein— jedenfalls' hält Bernstein fest am Klassenkampf des Proletariats und am Ziel des Socialismus. Es kann Streit darüber sein, ob unsere Anschauung über Bernstein richtig ist — für die Richtigkeit sprechen seine eigenen, wiederholten Erklärungen — aber Genossin L. leistet in geschwinder Hexerei das Kunststück, uns in demselben Augenblick, da wir dieEndziele der Partei betonen und vom unumwundenen Bekenntnis zu ihnen die Zw geHörigkeit zur Partei abhängig machen, des„verstohlenen Oppor- tunismus" zu beschuldige»! Was ist er da eigentlich: dieser gespenstisch spukende„Opportunismus"? Bisher beliebte Ge nossin L. alles, was ihrer einseitigen Anslegung des Programms und ihren taktischen Ansichten nicht paßt. als p r o g r a Nim>v i d ri g und opportunistisch zu ver- dächtigen. Wie der französische Gcneralstab die Schuld des Juden Dreyfus, so setzt sie die Schuld des Opportunismus, die Verleugnung des Programms und des Endzieles, die Taktik der Auslieferung der Arbeiterklasse an die Bourgeoisie unbekümmert und in selbstsicherer Wiederholung voraus. Start zuerst den Begriff des Vergehens klar zu stellen, statt den Beweis der Schuld zu erbringen, erklärt sie diejenigen, welche die Schuldfrage verneinen, welche glauben, daß innerhalb der Socialdemokrane wohl Abweichungen über Fragen wie die nach der Tragweite der materialistischen Ge 'chichtsauffaffung oder über die Art des Entwicklungsganges zum Socialismus usw. möglich und gestattet sind, für Mitschuldige und Beschöniger der Missethat. Uebrigens ist uns nicht bekannt, daß andere Parteiblätter in der Bernstcin-Diskussion entschiedener und gründlicher Stellung genommen hätten als wir. Wir brachten sofort nach Erscheinen der Bernstein- 'chen Schrift die Besprechung derselben durch Kautsky; wir glauben damit der Partei das beste übermittelt zu haben, was gegen Bern kein geschrieben worden ist. Wir haben auch sonst die in dieser Streitfrage hervortretenden Ansichten unserer Theoretiker wie unserer praktischen Politiker ausführlich mitgeteilt. Soweit wir sehen, ist die gesamte Parteipresse in der Behandlung dieser Frage nicht anders verfahren; man war allenthalben auf Mitarbener angewiesen. Was that denn z. B. die von Genossin L. jetzt protegierte„Lcipz. Volksztg."? Sie brachte eine Anzahl Artikel eiiict Mitarbeiterin und aus eigenem Wissen that sie die Bemerkung hinzu, sie stimme mit der Mitarbeiterin übercin. Unsere zweite Versündigung ist durch die I s e g r i m m- A n- gelegenheit herbeigeführt worden. Wir haben nicht Lust, unsere Zeitung aus dem Frühjahr durchzublättern, ob wir bei unserer durchaus objektiven Wiedergabe der Polemik zwischen Schippel und Kautsky irgend eine der Genossin L. wichtig erscheinende Stelle und einige Aeußerungen in der Parteipresse nicht mitgeteilt haben. Das aber ist völlig nebensächlich. Wichtig ist allein, daß wir„auch nicht eine einzige Notiz gebracht hätten, aus der man eine(des„Vorwärts") Stellung zur Frage ersehen konnte", vodurch wir uns wiederum einer„Begünstigung des gröbsten Ver- toßes gegen das Programm der Gesamtpartei— in verstohlener Weise' schuldig gemacht haben sollen. Genossin L. hat recht: Wir haben bei Gelegenheit jener Debatte nicht den feierlichen Schwur ab- gelegt, nach wie vor zu Punkt 3 der Zunächstforderungeii unseres Programms zu halten. Wir haben keine Veranlassung gesehen, das ohne Not zu bekennen, was selbstverständlich ist. Wir denken gar nicht daran, der Genossin Luxemburg zu Gefallen alle Tage unser Credo.herzubeten, und sie wird sich wohl oder übel gewöhnen müssen, daß wir die in der Partei auftauchenden Fragen etwas weniger erregt ansehen als sie. Die Entwicklung des Jsegrimm-Streits hat uns durchaus recht gegeben. Die Partei ist sich völlig einig in der Gegnerschaft gegen den Militarismus und im Festhalten an der Programmforderung des Volksheeres. Schließlich die bayrischen Wahlen. Hier sollen wir wieder einige abfällige Aeußerungen von Partei-Organen verschwiegen haben. I Wir meinen, daß unser Verfahren bei der Wiedergabe der ver« I schiedencn Anschauungen über die bayrischen Landtagswahlen nur von jemandem getadelt werden kann, dem in„Vorwärts"- Angelegenheiten jede ruhige Besinnung abhanden gekommen ist. Wir haben in einer ganzen Reihe von Artikeln die wider- sprechenden Ansichten zu Worte kommen lassen. Freilich, ein AnfiNneuj wie es uns Genossin L. stellt, die uns verdenft, daß wir de» ersten Führer der Partei im bayrischen Landtag zu Worte kommen ließen, ein solches Ansinnen für die Behandlung derartiger Angelegenheiten weisen wir weit von uns. Unsere Stellungnahme aber zu dieser bayrischen Frage ist unseres Erachtens deutlich zum Ausdruck gekommen. Die Meinungen in dieser wie in andere» Fragen gehen innerhalb der Redaktion auseinander. Mehrere unserer Kollegen haben deshalb in besonders gezeichneten Artikeln ihre Ansicht dargelegt. Anders verfährt in ähnlicher Lage kein Parteiorgan. Dies führt uns schließlich zu einigen allgemeinen Worten über Redaktionsführung. Genossin L. zeigt sich hier fern von jeder Kenntnis der wirklichen Verhältnisse und weiß anscheinend nichts von den ausführlichen Darlegungen über dieses Thema auf unseren Parteitagen. Vielleicht phantasiert sie sich eine Redaktion zurccht, in der ein leitender Kopf alles behandelt, alles nach seiner alleinigen Meinung erledigt. Aber wie wir eine demokratische Partei sind, so sollen auch in unserir Redaktionen demokratische Grundsätze herrschen. Wir möchten den Parteigenossen sehen, der in eine Redaktion eintritt, um dort seine Ucbcrzcugungcn zu Gunsten der llebcrzeugung eines Kollegen zu verleugnen. Wenn nun, wie die Partei- Verhältnisse liegen, in mannigfachen Fragen ausciiiandergchcude An- sichten herrschen, so wird ein gewisser Ausgleich derAnschaimngen gesucht werden müssen. Für den„Vorwärts" ist dies um so mehr nötig, als er die Aufgabe hat. die Gesanitpartci zu vertreten, und die Gesamtpartei besteht nicht nur aus einigen Rosa Luxemburgs. Daraus ergicbt sich, daß der„Vorwärts" als~ Gesnmt- redaktion in seiner Stellungnahme zu den einzelnen Partei« fragen nicht mit der Schärfe ciutrelcn kann, wie der einzelne Redacteur, der nur in scincin eigenen Namen spricht. Würde der „Vorwärts", sei es für diese, sei es für jene Anschauung in der Partei, in extremer Art Stellung nehmen, wie es die einzelnen Vertreter der betreffenden Anschauungen wünschen, so würde allerdings des wilden Streites kein' Ende werden, und unsere Gegner, die so oft von Spaltung vergeblich sprachen, würden Grund haben zu frohlocken. Hierbei sei noch eine unrichtige Behauptung der Genossin L. richtiggestellt; sie habe nicht, sagt sie jetzt, eine Abstoßung der von ihr be- fehdcten Parteigenossen aus der Partei befürwortet, aber in ihrem Artikel vom Freitag, den 1ö. September, in der„Lcipz. Volksztg." sagt sie ausdrücklich in gesperrter Schrift, es sei Zeit, daß die Partei erklärt:„Diese Kritik(nämlich die der Bernstein- Gruppe) ist eine Theorie der Versumpfung, für die es in unseren Reihen keinen Raum giebt". Die Erfahrung hat gelehrt, daß das Verfahren, das von der Redaktion des„Vorwärts" befolgt werden mußte, der Partei wahr- lich nicht zum Schaden geworden ist. Wenn Genossin L. eine unserer Bemerkungen dahin verfälscht, daß wir„niemanden in der Partei befriedigt haben", so haben wir allerdings nicht den Ehrgeiz, die Vertreter Partei- cxtrenier Ansichten, insbesondere nicht'die Ver- treterin eines ebenso doktrinären wie unklaren Scheinradikalismus zu befriedigen. Die breite Masse der Parteigenossen will vor allein den Kampf gegen den politischen und ökonomischen Feind geführt seh en. Sie will diesen Kampf nicht durch die Herabzichung der theoretischen Erörterungen auf das Niveau von Klopffechtereien, die höchstens durch Gehässigkeiten gewürzt sind, beeinträchtigt wissen. Dieser Armee der Parteigenossen glauben wir ebenso wie die andern Blätter der Partei gerecht geworden zu sein. Schließlich aber sollte gerade Genossin Rosa Luxemburg zuletzt der Einbildung leben, sie müsse uns über RedaktionSfühnmg be- lehren. Sie sollte nicht allzu schnell vergessen, wie ihr eigner Ver- such, ein Partciblatt zu leiten, binnen kürzester Frist mit' hurtigem Bcinemachcn tragikomisch endete. »»« Mit der„Leipziger VolkSzeitung" werden wir uns am Montag kurz befassen._ DaS Rheinisch-Westfälische Kohlenstindikat hat, wie schon auS der gestrigen telegrnphischen Nachricht hervorging, in den letzten Monaten recht gute Geschäfte gemacht. Preis- erhöhung, Aufhebung der bisherigen Förder-Einschränkung wurde gestern bereits gemeldet. Die Förderung war gegen Juni, Juli und August deS vorigen Jahres um 7,84 Proz., 4,92 Proz. und 6,76 Proz. höher und um circa ebenso viel der Versand. Der Nachfrage nach Coakskohlen konnte nicht ganz entsprochen werden. Vorräte sind nirgends vorhanden. Die Arbeiter werden von diesem Segen wohl weiter nichts abbekommen wie eine Anzahl Ueber- schichten. Zink-Kartcll. Ein internationales Zink-Kartell ist, wie aus London gemeldet wird, in der Bildung begriffen. Zwischen schlesi- scheu und belgischen Firmen ist schon ein Abkommen erzielt; Unter- Handlungen schweben nur noch mit amerikanischen Firmen. Uetzts Merchvichkvn und Depeschen. Tie Ministerkrise in Ocstreich. Wien, 23. September.(W. T. B.) Nach einer der„Neuen Freien Presse" zugehenden Mitteilung empfing der Kaiser heute vormittäg in Schonbrunn den Fürsten Liechtenstein und den Grafen Goluchowski. Man erwartet die Beendigung der Kabinctsbildung für Montag, spätestens Dienstag._ Bremen, 23. September.(83. T. B.) Die Rettungsstation Amrum telegraphiert: Am 23. Septeniber wurden von dem auf Kaptainsand gestrandeten östreichischen Dreiniastschuner„Jstro" Kapitän Kreeglich, nenn Pcrfonrn gerettet durch das Ncttmigsbvo4 Elberfeld" der Südstation. Es herrschte heftiger Weststnrin mit Regen und Hagelböen. Das Rettungsboot war vier Stunden unterwegs. Köln a. Rh., 23. September.(B. H.) Die„Köln. Ztg." meldet ans Berlin: Die Nachricht von der Entsendung cineS »icderläudischeu Kriegsschiffes nach der Mapia-Jnsel scheint sich zu bcstäligcn. Die Insel galt zwischen Spanien und Holland alS treitiger Besitz. Die niederländische Oberhoheit ist ans spanischer Seite niemals anerkannt worden, vielmehr hat auch Spanien die Hoheitsrechte ausgeübt. Die niederländische Regierung dürste bereits im Besitze deutscher Erklärungen sein, und eine freundschaftliche Er- örtcrnng über diesen Gegenstand dürfte eingeleitet sein. Frankfurt a. M., 23. September.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Zürich: In Schwyz wurde der Buchhalter Päßner, der beschuldigt ivar, seine junge Frau in den Bierwaldsiädter See gc- tößcn zu haben, vom Krmiinalgericht ans Indizienbeweis zu 30 Jahren Zuchthaus verurteilt, wogegen er Revision einlegte. Wien, 23. September. lW. T. B.l Der Verkehr der Orient- und Ostcnde-Exprcßziigc über die Hilfsroute St. Valentin, Gais- dach, Wartberg und Linz ist vollständig hergestel lt. Belgrad,' 23. September.(W. T. B s Knez'ewitsch äußerte in betreff seiner neulichen Erklärung in dem'AttcntatSprozcß, daß er das Attentat auf König Milan verübt habe, ohne dazu angestiftet zn ein, neuerdings, er habe diese Erklärung abgegeben auf Drängen des mit der Ueberwachnng des Gefängnisses beauftragten Gendanncri�- hauptnianns Georgcwitsch. Dieser habe Knezewitsch einen Dolch übergeben und ihn aufgefordert, den Oberst Nikolitsch, Vater von vier Kindern, sowie die anderen Anstifter für unschuldig zu erklären und sich selbst den Tod zu geben, da er ja doch zum Tode ver- urteilt würde. Knezewitsch übergab den Dolch den Behörden, worauf Georgewitsch verhaftet wurde. Derselbe wird vor Gericht gestelN werden. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing m Berlin. sHierzu 4 Beilagen und llntcrhaltuugsblatt. it. 224. i6. MMH. i. jciln p des„Vsmärts" Kerlilltt Wldsdillü. Pntjfci-Xlsiifjvldifciu In der Majestätöbcleidignngsklage gegen den Genossen Albert Schmidt in Magdeburg Ml auf nächste» Freitag Termin zur Hauptvcrhandlung vor der Strafkammer angesetzt worden. Hassent' lich hört man nun auch bald etivas von der Förderung des Wieder« aufnähme» Verfahrens gegen den unschuldig verurteilten Genossen Müller. Echippcl und Bernstein. Im Hamburger„Echo" erörtert I. Stern noch einmal die Fragen des Princlps und der Taktik in besonderer Beziehung auf Bernsteins Buch und Schippels Ansichten über die Milizfrage. Er wendet sich dabei namentlich gegen die Kctzerrichterci. Bernstein habe sich durch seinen letzten Artikel wieder m Reih und Glied der Partei gestellt, indem er darin die Not wendigkeit der Socialisierung der Produktion anerkennt. Sich zu Schippe! wendend, erklärt er, dag dieser zwar für die Slrt, wie er seine Ansichten über die Milizfrage veröffentlicht habe die schärfste Rüge verdiene, baff aber der sachliche Inhalt seiner Kritik wie der Äautskpschen Antikritik viel zur Klärung der An schanungen über die Miliz beigetragen habe. Aus der Polemik zwischen den beiden sei die Milizidee in einer besseren Gestalt her vorgegangen, in einer Gestalt, mit der wir dem Militarismus viel besser zu' Leibe gehen könnten. Die Redaktion des.Hamburger Echo" fügt dem hinzu, daff das nur niit gewissen Einschränkungen verstanden werden dürfe, insofern auch die Milizorganisation nur als ein Uebcrgangszustand betrachtet werden dürfe, bis überhaupt die Bolksbcwaffnung überflüssig werde weil die Menschheit endlich zur Vernunft gekommen und es dem Denken und Empfinden der Nationen als etivas Widernatürliches erscheint, sich in blutigen Kämpfen zu zerfleischen, statt im fried lichen Wettbewerb zu leben. .Die Schärfe der Diskussion über diese Frage erklärt sich aus der neuerdings leider vielfach zur Gewohnheit werdenden Neigung sich das Ziel zu kurz zu stecken und das Dahinterliegende aus den Aligen zu verlieren. Das ist für die Agitation und ihre Erfolge eine große Gefahr. Im Kampf mit den Verteidigern des Militaris »ins mag es richtig sein, zu betonen, daß unser Milizideal in Formen sich verwirklichen läßt, welche die militärische Leistungs fähigkeit nicht bseintrüchtigeu. Aber dem großen Volke mutz gezeigt werden, daß die Kämps« unter den Nationen überhaupt ein Wider- sinn sind und daß sie mit den in den Jntcrcisenqegensätzen liegenden Ursachen verschwinden werden, also auch die aus den Kampf berech ncten Organisationen überflüssig werden." Tic Hcrncr Ttvcikanöschrcitnngcn werden nun auch noch zu einem Pretzprozetz führe». Redatteur Genosse L e b i n S von der .Rheinisch-Wesifälische» Arbeiterzeitung" ist wegen Beleidigung der Hemer Gendarmerie angeklagt worden, weil cr die Berichte von Angenzeugen veröffentlichte, wonach den Bcaniten grobe Ans- schrei l l»i gen vorgeworfen werden. Zum Glück stützten sich die Berichte auf lauter zuverlässige Zeugen, so daß der WahrbeitS- beweis, der in vollem Umfang angetreten werden soll, gelingen iiiiltz. Wenn in der komineiiden Verhandlung auch ein socialdemo> kratischcr Redactcur auf der Zlnklagcbank sitzt, so wird doch in Wirk lichkeit um Schuld oder Unschuld der Herner Gendarmen verhandelt werden. Partei-Organisation. Für den Wahlkreis Talbc-AscherSIcbcii ist ein den ganzen Kreis nmfassender Verein mit dem Sitze in Quedlinburg begründet worden. Der Verein soll die Agitation im ganzen Kreise betreiben und die Leitung aller öffentlichen Wahlen in die Hand nehmen. Ter spanische Socialistcnrougreff. Aus Madrid schreibt man uns unterm Datum des 19. September. Unter dem Vorsitz des Genossen Acevedo wurde gestern der fünfte spanische Socialittenkongrctz eröffnet. Zuerst schritt man zur Wahl des definitiven Bureaus i zum Präsidenten wurde Genosse De Diego geivählt, zum Vicepräsidenten Genosse Reoho. Nach einigen kurzen DankcSIvorten der Gewählten gelangte der erste Punkt der TageS- ordnuna zur Diskussion:„Bericht über daS Verhalten und' die Thätigkcit des Natioualkomltees". Genosse Jglcsias hielt eine klare, fein durchdachte Rede, und der erste Punkt wurde ohne Debatte erledigt. Ebenso einstimmig wurden die„Thätigkeit der Erwählten der Partei" und„Thätigkeit der Delegierten der Partei auf dem internationalen Kongresse in London"— zweiter und dritter Punkt der Tagesordnung— gebilligt. Zuletzt wurde eine Kommission gewählt, die den vom Nationalkomitce vorgelegten Rechnungsabschluß und den Rcchnnngsabschlntz des Parteiorgans prüscn soll. Dann wurde die Sitzung geschlossen. In der zweiten Sitzung gelangten mehrere AbänderungSaniräge, die die Partei- organisatiou betreffen, zur Debatte. Genosse Vigil beantragte, daß Artikel 3 des Organisationsstatuts folgendermaßen redigiert werden soll:„Bei Wahlkämpfcn haben alle Mitglieder der Partei die Pflicht, sich streng an die Vereinbarungen zu halten, die die Partei, auf Vorschlag des Nationalkomitecs. mit Bezug auf die Wahlen trifft." Nach einer laugen, lebhaften Debatte, an welcher sich die Genossen Vigil, Barrto, Jalesias�nnd Acevedo beteiligten, wurde der Antrag Vigil mit einem Znsatzantrag angenommen. Zu einer eingehenden Diskussion bot auch ein Antrag der Ortsgruppe Barce- loua Anlaß. Der Antrag besagt, daß die Organisatoren eines Orts. in welchem sich eine socinlistische Gruppe befindet, verpflichtet sein solle», sich bei allen die öffentliche Propaganda betreffcndcii Fragen und Handlimgen mit dieser Gruppe ins Einvernehmen zu setzen. Andere Aendenmgeu des OrgnnisationsstatntS wurden von den Ortsgruppen Valencia, Alicante und Saragossa beantragt. Morgen sollen die Beratungen fortgesetzt werden. Gemevkfchslftliches. Berlin»»d Umgegend. Achtung! Klenipncr, Drücker, Schlosser rc. In nachstehen den Betrieben befinden sich die Kollegen im Ausstand: F. F. A. S ch u l tz e, Fchrbellinerstraße; Berliner Metallwarenfabrik. Ritterstratzc; David Grave; Gerecke, Prinzen stratze: S ch e i d l e r. Znzng ist feriizuhalten. Zugleich macben wir darauf aufmerlsam, datz Herr Pape, Oranicnstr. 169. für die vom Ausstand betroffene Firma Gerecke Klempner anzutverben sucht. Die Ortsverwaltung. Achtung Ciselcure? Der Streik bei den Firmen Frister v erden. Die Centralleitung der Stcinarbeiter Deutschlands. I. A.: P. Mitfchke.Rixdorf-Berlin, Bergstr. 30/31. Alle Senduiiqcn sind an diese Adresse zu richten. Die arbcitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gc- beten._ An die Posamentiere Deutschlands richten wir das Ersuchen, den Zuzug fauch von Arbeiterinnens nach Berlin streng fern zu halten, denn der Streik dauert unverändert fort. Folgende Finnen haben die Forderungen noch nicht bewilligt! Biinger Wwe., Wendel u. Eo.. H. Plüschke, E. Gustedt, Köstermann u. Zarinzanski, W. u. G. Keßler, A. Sinsel, Hoffmnnn u. Weiland, K. Wagler, Reiß u. Bur- incister, E. Hoppe. P. Hoppe, EiSner u. Haussig, Przhgode. Volmer. Brchmer, H. Schmidt. Deutsche und östrcichische Ärbciterblätter werden un: Abdruck gebeten. Die Lohnkommission', Berlin 8, Alle Jakobstr. 66. Lohiicrhöhnnacn wegen Mangel an Arbeitern treten jetzt mehrfach in Oberschlesicn in Kraft. Endlich, so schreibt man uns, scheinen die Montanindustrielle» dahinter gekommen zu sein, weshalb ihre Arbeiter so massenhaft Oberschlesten verlasscil; durch Lohn- erhöhungen suchen sie sie bei sich zu behalten. Dieses Mittel wird sich eutschiedeu bewähren. Von mindestens ebenso großer Bcdciitmig dürfte es für die oberschlesischen Agrarier sein, die dadurch die Sachseiigäiigerei einschränken könnten. In: übrigen hört man in diesem Jahre viel weniger als früher vom ländlichen Arbeitermangcl im Soinmcr. Offizielle Anerkennung ihrer Tariflöhne hat die Buchdrucker- organisatton erzielt. DaS kaiserliche Kanalamt in Kiel bat die Lieferung der Druckarbeiten für die Verwaltung deS Kaiscr-Wilhelin- Kanals in Submission neu ausgeschrieben.' In die LieserimgS- bedingnngcn, auf welche die submittierenden Firmen sich zu v'cr- pflichten haben, ist folgender Satz neu anfgenommen:„Unsere (meine) Gehilfen werden auf Grund dcS deutsche» Bnchdruckertarifs bezahlt." Wegen Vergehen gegen daS prcnhtsche Vcrriusjuwcl ist in F r a n k fu r t a. M. der Vertrauensmann des Verbandes der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter T h o m a zu 30 M. Geldstrafe verurteilt Ivordcn. Er soll ancb nach der Schließung der Zahlstelle durch die Polizei doch wieder Mitglieder ausgenommen und Ver- sammlungen cinbcrnfen haben. Der Angeklagte erklärte zwar, daß die neuen Mitglieder nicht als Mitglieder der Zahlstelle, sondern als E i n z e l m i t g l i e d e r des Verbandes inHannover aufgenommen worden seien, wie auch alle bisherigen Mitglieder der Zahlstelle von dem Zeitpunkte der Auflösung bezw. Schließung deS Vereins an sich als solche angesehen hältcii, ebenso seien die Versammlungen nicht Mitglieder-, sondern öffentliche Versammlungen gewesen, wie die polizeilichen Anmeldungen darthun; trotzdem kam das Gericht zu einem verurteilenden Erkenntnis. In der Berufungsinstanz wird hoffentlich dieses merlwürdige Urteil nicht aufrecht erhalten werden. Die Zimmermeistrr in Köln haben in einer zahlreich besuchten JnnnngSversammlung einstimmig beschlossen, als Antwort darauf. daß die Gesellen nicht ans das Angebot von 47 Pfennigen Stunden- lohn eingehen, am Montag, den 25. Septeniber, sämtliche Zimmerer- geiellcn auszusperren. Die Gesellen sind entschlossen, auf der Forderung eines Miiidcststundenlohnes von 50 Pfennigen zu harren.'Durch die Anssperrnng hoffen die Jnnungsmeister Streikkasse der Gesellen znZsprenge». AuS Köln wird uns geschrieben:„Der„ V o rw ärt S' richtete jüngst, daß in Mülheim am Rhein eine von dem Hirsch Dunckerschen Gewerkverein einberufene Protcstvcrsamnilnng gegen die Znchthausvorlage durch den überwachenden Beamten aufgelöst wurde, als unser Parteigenosse Gilsbach der Regiernng Unterdrückung der Arbeiter vorwarf. Änf die bei dem Obcr-Bnrgerineister erhobene Beschwerde entschied dieser, der Beamte sei wegen der Aenßerung zur Auflösung berechtigt gewesen. Auf die gegen diesen Bescheid bei dem Regierungspräsidenten zu Köln eingelegte Berufung ist dieser Tage die Antwort eingetroffen. Der Regierungspräsident erklärt, daß er„die Auflösung nicht für gerechtfertigt erachten kann und den Herrn Ober-Bürgermejster entsprechend verständigt" habe.— Es sei noch mitgeteilt, daß der Polizcilommissar Krüppel, der die nngesetz- liche Anflösiing vornahm, heute Gcwerbc-Jnspektor in Essen a. d. Ruhr ist. DaS ist auch ein Beitrag zur Kennzeichnung der preußischen Gewerbe-Jnspektion." Im Plaueuschen Grunde haben, wie bereits gestern mit- geteilt, die Werksleitungen über die Bergarbeiter gesiegt. Die Arbeiter hatten in der Versammlung, in der sie die Aufhebung deS Streiks beschlossen, die Direktionen durch Annahme einer Resolution ersucht, die sich zur Arbeit Meldenden wieder in Arbeit zu nehmen, sie in ihre alten Rechte einzusetzen und Maßregelungen nicht vorzunehmen. Die Werksdireitioncn antworteten auf diese Resolution mit der Matzregelung von 50 Bergleuten. Bis zum 1. Oktober sollen diese zunächt ausgesperrt werden, dann will sich die Direktion erklären, ob sie dieselben annehmen will oder nicht. Man sieht, die Herren fühlen sich jetzt stark und provozieren von neuem. Mögen die Direktionen den Bogen nur nicht zu straff spannen; es könnte leicht geschehen, daß sie dadurch die Arbeiter wieder zusammenführen; haben sie doch nur durch deren Uneinigkeit gesiegt. VommunKles. Die Stadtverordneten Dr. Schwalbe, Gerstenbera, Taffek, Schem und Mentel haben in der Stadtverordneten-Versammlung folgende Anfrage an den Magistrat eingebracht:„Nachdem bei der Etätsberatung(14. März 1899) der Herr Kämmerer auf eine Anfrage über die Witwen- und Waisengelder der städtischen Beamten bemerkt hatte, daß die Verhandlungen wegen der Einführung der Grundsätze deS neuen Staatsgesetzes über die anderweitige Bemessmig der Witwen- und Waisengelder in die städtische Verwaltung zun: Abschluß gebracht werden würden und demnächst deswegen eine Vorlage an die Versammlung gelangen würde, fragen die Niiterzeichneten an, wie weit diese Verhandlungen vorgeschritten sind, und wann der Versammlung die zugesagte Bor- läge zugehen wird. Es geht auch ohne Oberbürgermeister. Ein von samt- lichen Fraktionen der Stadtverordneten-Versammlung unterstützter Antrag wird in der nächsten Sitzung derselben zur Verhandlung ge- laugen. Dieser Autrag geht dahin, dem Herr» Bürgermeister Kirschner für die von ihm seit dem 1. Oktober 1898 geleisteten autzer- ordentlichen Dienste eine angemessene Geldentjchädignng zu ge- währen.__ be die be- IToJmte#* Zur Lokalliste. Haberechts Fcstsäle, Große Frankfurterstr, 80, stehen den Parteigenossen unter den bekannten Bedingungen zur Ver- füguug.— Auf vielseitige Anfrage» geben wir bekannt, datz uns die Oranien-Hallen, Oranienstr. 51, zu Versammlungen nicht zur Ver- fügnng stehen. Die L o k a l k o m m i s s i o n, Freie Volksbühne. Zur Feier von Goethes 150jährigem Geburtstag veranstaltet der Verein sechs Aufführungen von„Faust" (I. Teil) im Ostcnd-Thenter. Die Vorstellung der ersten Abteilung beginnt heute nachmittag bereits um 2V« Uhr, sowie auch die der folgenden Abteilungen. Im Lessing-Theater findet gleichzeitig um 23/4 Uhr die Vorstellung der vierten Abteilung statt, und zwar „Die Jouenalisten".(Siehe weiteres im heutigen Inserat.) Ter Vorstand. I. Ä.: G. W i n k I e r. Arbeiter�« Vildnngöschnle. Heute abend 7 Uhr in Cohn? Festsälen, Beuihstr. 19, Vortrag des Reichstags- Abgeordneten W. Liebknecht über: Materialistische GeschichtS« auffassung. Eliisrirt 10 Pf. Mitglieder und Gäste sind höfl. eingeladen.— Begimt, der W i n t e r t u r s e Mitte Oktober. Nationalökonomie iDr. Konrad Schmidt) am Montag, 16. Oktober. N a t u r- E r ti-n n t n i s(Schriftsteller W. Bölschej Donnerstag, 19. Oktober.- Gesch'ichte(Dr. R. Steiner) Freitag, 20. Oktober. Lokal: Neue Notzstratze S,„Englischer Hos". Inhaber Busching.(Siehe Lehrplan im Jnseratentei!-) Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Zum Okiobcr-Nmzng soll, einer Zeliungömeldting zufolge, „die Kommandierung von Soldaten zu Ziehzwecken", uur eine lehr be« schränkte sein. Das wäre recht verständig von der Militgxh-Pffrde. Noch mehr läge es im Interesse der stenerzahlendeT wrt« arbeiter, wenn die Behörden sich grundsätzlich weiger e., Ar« beitenr durch Stellung von Soldaten zu derartigen Vs! i&yr gen Konkurrenz zu bereiten.''e'o e n' Die Geheimittffe eines„feineren" Spielzirkele 4-- n demnächst vor Gericht erörtert werden. In diesem Frühjahre""!?; g die kgl. Hofschauspielerin Frau H. eine Wohnung in einer vornehmen Stratze in der Nähe des Königplatzes. Bald fiel es ihr auf, datz in der Nachbarwohnung ein verdächtiger Verkehr stattfand. Frau H. wurde fast allnächtlich durch Stimniengewirr und Gläserklirren ge« stört. Sic jjog es deshalb vor, die Wohnung zu kündigen, bevor sie mit ihren Töchtern, von denen eine an einen be- kannten hiesigen Hofschauspieler herheiratet ist, ins Bad ging. Die Tanten hielten sich zunächst in Kissingen uud dann in Warnemünde auf. Nach beiden Orten wurden von Berlin au» an Frau H. Postkarten de» u n f l ä t i g st e n Inhalts gesandt. Es war aus Andeutungen zu erkennen, datz sie sich die Feindschaft des Absenders zugezogen hatte wegen der Begründung bei ihrer WohnungSkiindignng. Diese Annahme Ivurbe bestärkt, als Frau H. von der Reise zurückkehrte. Sie hatte die Schlüssel zu ihrer Wohnung in den Händen deS Hauswarts zurücklassen müssen, damit dieser sie Mietslnstigen zeigen konnte. Frau H. mutzte wahrnehmen, datz fast ihre sämtlichen Trophäen, besonders die bändergeschmückten Lorbeerkränze, von ruchloser Hand besudelt und vernichtet. waren. Jetzt erstattete sie bei der Kriminalpolizei Anzeige und lenkte den Verdacht auf ihre Nachbarin. Dies war die Witwe S., deren Mann in dem Hannoverschen Spielerprozetz eine Hauptrolle gespielt hat. Sie soll hier eine Spielhölle ein- gerichtet haben, welche zugleich Znsammenkmiftsort für Herren und Damen der Lebewclt bildete. Die nächtlichen Feste, bei denen der Champagner in Ströme» flotz, sollen sich bis zum grauen Morgen ausgedehnt haben. Zu den Gästen sollen„hochstehende Herreu anS der Diplomatie u n d den Finanz- kreisen gehört haben. Als Frau S. erfuhr, datz die Kriintnnl« Polizei mit den Ermittrlniigen gegen sie beschäftigt war, strengte sie gegen Frau H. die Beleidigungsklage an, weil diese zu anderen Personen die Acutzcrung gethan habeir soll,„es gehe bei der Klägerin ein und ans". In dieser Sache steht am 9. Oktober Termin an. Die Beklagte, ivelche vom Rechtsanwalt Dr. Grünfeld verteidigt wird, will den volle» Beweis der Wahrheit antreten. Sehr dienlich ist es nach der agrarischen„Deutschen Tage?- zeittnig" den Rindern, wenn sie des Morgens vor der Schulzeit Zeitnngen und Brot austragen und im Winter Schnee schaufeln. ES ist wohl kaum anzunehmen, datz die Redacteure des Organs für deutsche Arbeit in Stadt und Land ihre eigenen Söhne und Töchter bisher zu solchen Zwecken deS Morgens 4' Uhr auf die Stratze ge- schickt haben. Sie sollten aber nunmehr schleunigst daS Versäumte nachholen. Zum Morde in der Wtlhelmstraste ist nicht« Reue» mitzu- teilen. DaS Polizeipräsidium giebt bekannt: Die schwarze 8 I ge- zeichnete in einer Droschke aufgefundene Kammgarnhose war nur ver- sehentlich zurückgelassen uud hat der ganze Vorfall eine durchaus harmlose Aufklärung erhalten. Der in Konkurs geratene Kaufmann Isidor Behrend mußte in eine Irrenanstalt gebracht werden. RnS Furcht vor Strafe hat sich gestern, Sonnabendvonnittag, die 61 Jahre alte frühere Hebamme Charlotte Habermann geborene Brandt vergiftet. Frau Habermann, die zuletzt in der Gitschiner- stratze 6 ein möbliertes Zimmer bewohnte, war vor Jahren in einen Strafprozeß verwickelt und verlor dabei die Erlaubnis zur Aus« Übung des Hcbammengewerbes. Seitdem bot sie durch ZeitungS« anzeige» ihren Rat und ihre Hilfe an. Tonnerstagmittag wurde sie von einem jungen Paare, das in einem hiesigen Hotel wohnte, in Anspruch genommen und ging vom Essen weg dort hin. Erst am Freitagabend kehrte sie zurück und gab an, daß sie krank sei. Als es später klingelte, ging sie hastig hinaus, und stellte sich dann so, als ob niemand dagewesen wäre. Nach einigen Zeit aber nahm sie aus dem Briefkasten an der Thür ein Schreiben heraus, zerknitterte es und steckte es mit dem Bemerken:„Ich weiß schon, was die wollen", in die Tasche. Das Schreiben war eine Vor- ladung vor die Kriminalpolizei, vor der Frau Habennann am Sonn- abendmorgen um Q1/» Uhr erscheinen sollte. Sie ging jedoch nicht hin, schrieb vielmehr, nachdem ihre Wirtin weggegangen war, rasch einige Abschiedsbriefe und vergiftete sich dann mit Strichnin. Als die Wirtin am 11 Uhr wieder nach Hause kam, lag sie bereits tot auf dem Fußboden. In dem Hotel hatte die Frau zu unerlaubten Dingen ihre Hilfe geliehen und das war zur Kenntnis der Kriminal Polizei gekommen. � Ein„Scherz", den sie in angeheitertem Zustande machten, wird für zwei junge Kaufleutc aus Moabit recht unliebsame Folgen haben. Gester» morgen um SVs Uhr begab sich der Kutscher Georg Schulz, der mit seiner Taxamcterdroschke an fünfter Stelle in der Reihe am Grand Hotel Alcranderplatz hielt, in die Schankwirtschaft von Marsch, um Kaffee zu trinken. Seinen weißen Hnt ließ er im Wagen liegen. Als er nach zehn Minuten zurückkehrte, war seine Droschke verschwunden. Der Kutscher machte sofort seinem Fuhrhcrrn tischer in der Königsbergerstraße und der Polizei Anzeige. Während epeschen an alle Reviere abgesandt wurden, sah ein Schutzmann zwischen der Neuen Friedrich- und der Kaiser Wilhelmstraße eine Taxameterdroschke, die ihm aufsiel. Auf dem Bock saß ein junger Mann, der zu seiner bürgerlichen Kleidung einen weiß lackierten Hut trug, im Wagen ein zweiter Mann mit einer„Dame". Dem Schutzmann kam dieser Aufzug verdächtig vor. Er hielt das Fuhr- werk an und brachte es mit dem Kutscher und den Insassen nach der Wache des 14. Reviers. Hier war mittlerweile die Depesche vom Verschlvinden der Droschke eingegangen, und eS wurde auch festgestellt, daß das angehaltene Fuhrwerk die vermißte Droschke war. Nach Feststellung des Thatbestandes wurden die Sistierten von der Wache, auf der sie drei Stunden zugebracht hatten, ent- lassen. Der„Scherz" bringt den beiden jungen Männern eine An- klage wegen Diebstahls ein. Am Räude des GrabeS hat der achtzigjährige Schiffseigner Wilhelm K. Hand an sich gelegt. K. war Witwer und betrieb schon seit 50 Jahren die Kahnschiffahrt mit seinem Sohn. Hauptsächlich lud er Ziegelsteine, die er hier an der Mühlcnstraße und der Stralauer Allee zu löschen pflegte. Der alte Mann war daher in jener Gegend eine sehr bekannte Persönlichkeit. In der letzten Zeit hatte er das llngliick, mehrere Strafbefehle von der Polizei zu be- kommen, das eine Mal, weil sein Kahn kein Licht hatte, das letzte Mal, weil K. in Grünau an verbotener Stelle Schutt ans User geworfen haben soll. Diese Wiederwärtigkcitcn stimmten den Greis so trübe, daß er sich gestern an der Stralauer Allee mit einer Flaggen« schnür an der Kajütenthür erhängte. Der unsichtbar gewordene Geldbriefträger Schwarz hx, findet sich, luie vermutet wird, noch in Berlin und ist eifrigst b'-mäht die der Pvstknssc unterschlagenen Gelder in Gastwirtschaften ,'u öer� ausgaben. Er soll in verschiedenen Wirtshäusern geseb� worden sein, wo er sehr verschwenderisch auftrat, aber erst nach seinem Wea- gehen erkannt ivurde. In die Strafsache gegen den Bankier Arendt ist wie wir mitteilten, auch ein geivisscr Berufte»� verwickelt Es handelt sich um de» Direktor Georg B-rnste-.„ vom Schiffbauer- Hamm Nr. 12 Herr Bernstein ist zwar nW„.ie von anderer Seite berichtet wurde, verhaftet. Daß er. abe'-. �diglich Arendt und Levh im Wege gewe,en ,e.,>mc ebenfalls behauptet wird, ist ebenso un- pcht'g. Bernstein'st d,e gro-� Affaire als Angeschuldigter ver- "'ckelt. Was seine �ergang»�,�.� betrifft, so war er früher Kutscher mi CirkuS Herzog, u-cr 1f)Irt sväter de» Direktortitel verliehen hat, willen wir nicht.(?t tnj hei den Schwindeleien gegen Renz die ��Mittlerrolle gefpr�a zzou Bernstein wird übrigens schon länger offen erzählst daß ein Physikatsattcst über seinen Geisteszustand stets m der Tasch z �.age. �vrnng. Die Linkstraße von der Eichhornstraße bis ' ckugusta-Brücke wird behufs Verlegung von Straßenbahn« aus weiteres fiir Fuhrwerke und Reiter gesperrt, des- lc' jic Waldcmarstraße von der Mauteuffelstratze bis zum Platz. «er 4. Fortbildungsschule, HelnerSdorferstr. 18, smd im letzten ue zwei neue Kurse im Englischen eröffnet worden. Der Unterricht Ii oewnderS Kaufleutcn mid Handwerkern zu enipfchlen, die später ins AuS- iand gehen wollen, denn er beginnt sofort mit Konversation im Anschluß an Bilder, englische Fibeln und Lesebücher. Unterrichtet wird Dienstags und Freitag abends von 1—0 Uhr. Anmeldungen nimmt täglich Herr Rektor Llitzenberger, Heinersdorferstr. 18, entgegen. Auf der„Treptow- Sternwarte" finden heute ausnahmsweise drei Vorträge statt. Direktor F. S. Archenhold spricht um 3 Uhr nachmittags über„Die Erscheinungen in unserer Atmosphäre", um 5 Uhr über„Die Weltlintergangö-Prophezeihungen" und hm 7 Uhr über„Die Bewohnbarkeit der Welten". Bis 9 Uhr abends wird der Doppelstern„Albireo", von von 9—12 Uhr nachts der Mond mit dem Rtesenresraktor betrachtet. Aus den Nachbarorte». Adlershof. Montag ist im Lokal von Schmauser eine öffent- liche Wählerversammlung. Tagesordnung: Die bevor- stehenden Gemeilideratswahlen; Aiisstellung von Kandidaten. Zur Agitation für die Versanunlung findet heute früh von 8 Uhr ab eine F l u g b l a t t v c r b r e i t li n g statt. Zu dieser Verbreitung sowohl wie zum Besuch der Bersanmilung fordert alle Parteigenossen auf Der Vertrauensmann. Nieder- Schönhausen. Der nächste Lescabcnd des Arbeiter- bereins findet am Dienstag bei Settekorn, Liudetistr. 1 statt. Der Arbciter-Bildungsvercin von Stcglitz-Friedcnau hält am Dienstag bei Grube. Kaiser«Allee, seuie Geueralversamm- luiig ab. Einer rohen That hat sich am Freitagnachmittag 3 Uhr der bei Eugrosschlächter Otto in Stralau beschäftigte Kutscher Karl Böse schuldig gemacht. Ohne Veraulasstmg überfiel er aus der Straße den zehnjährigen Knaben Ernst Kaufhold und schlug ihn mit einer Peitsche derartig über Kopf und Beine, daß daS Kind beim ersten Schlage ohnmächtig ans der Straße liegen blieb. Der Knabe ist schwer verletzt uiid bedarf längerer ärztlicher Behandlung. Für de» jUitscher dürfte die Roheit ein gerichtliches Nachspiel haben. Ai«f längere Zeit unschädlich gemacht hat die S ch ö n e- b e r g e r Kriminalpolizei jetzt einen gefährlichen Einbrecher mit dem süßen Namen Honigmann, der schon eine ganze Reihe von Vor« strafen erlitten hat. Deutsche Freiheit. Neun russische Arbeiter, die auf dem Rittergut Martvitz(Kreis Osthavelland) beschäftigt waren und sich bis 1. Dezember kontraktlich verpflichtet hatten, verließen in dieser Woche heimlich den Ort, um— nach der Heimat zurückzukehren: sie waren wegen des Lohnes mit dem Besitzer in Streit geraten. Auf telegraphische Requisition wurden sie aber, als sie in Spandau ein- trafen, von der Polizei angehalten und später nach Marwitz zurück- befördert. Die Räubereien an der Oberspree beschäftigen auch die hiesige Kriminalpolizei. Die Nachforschungen haben bisher noch kein Er« gebnis gehabt. Sistierungen haben schon vielfach stattgefniiden, chie Angehaltenen mußten aber sämtlich wieder entlassen werden. Leider sind auch in dieser Angelegenheit wieder Denunzianten bei ihrer »iisanberen Arbeit. Es sind Leute verdächtigt und angezeigt worden, die sich, wie die Untersuchiilig ergab, eines tadellosen Rufes erfreuen und die mit den Räubereien nicht das geringste zu thun haben. Getfifzks--Jeitirng. Der Kampf für Religionsfreiheit hatte unseren Parteigenosse» Adolf Hoffmann am Sonnabend wieder vor das hiesige Schöffengericht geführt. Hoffmann, der Dissident ist, hält seinen Sohn vom konfessionellen Religionsunterrichts der Schule fern, und ein Kammergerichtsurieil vom Jahre 18S0 hat HoffmannS Handlungsweise als rechtmäßig anerkannt. Ein am 14. September d. I. gefälltes Urteil des Kammergerichts hat damals daS Urteil vom Jahre 1890 als eiiien Rechtsirrtiim bezeichnet und Hoffmann für verpflichtet erklärt, seinen Sohn in einer der vom Staate anerkannten Religionen unterrichten zu lassen. Während nun dieser Prozeß noch schwebte, die Rechts- frage also noch nicht entschieden war, hat Hoffmann selbstverständlich seinen Sohn auch weiter vom Religionsunterricht z u r ü ck g e h al t e n, um erst die Entscheidung des Kammer« gerichts abzuwarten. Hoffmann wurde während dieser Zeit mit 21 neuen Strafmandaten bedacht, welche ihm Geldstrafen im Gesamtbetrage von 41 M. auferlegen. Um die Beurteilung dieser „Strafthaten" handelte eS sich in der gegenwärtigen Schöffengerichts Sitzung. Hoffmann führte zuseiner Verteidigung aus: Wenn das Fern halten seines Sohnes vom Religionsuiiterricht eine strafbare Hand lung sei, so habe ihn das Kaniiiiergericht, welches ihn im Jahre 1890 wegen derselben Angelegenheit freisprach, gewissermaßen zur Be- gehung der strafbaren Handlung vZe r l e i t e t, und er könne für einen Rechtsirrtum des KammergenchtS nicht bestraft werden. Obgleich nun das Kammergerichts- Urteil vom 14. Sep� tember dieses Jahres seiner(Hoffmanns) religiöser Ucber zeugung Zwang aiithue, so habe er doch mit" Rücksicht auf dies Urteil seiiieu Sohn vom 15. September an in den ReligionS- Unterricht geschickt. Die Strafmandate, welche, während der Prozeß noch schwebte, gegen ihn ergangen sind, halte er durch das Urteil vom 14. September für erledigt, denn die ganzen Versäumnisse des Unterrichts seien eine einzige fortdauernde Handlung, die bereits bestraft sei und daher nicht zum zweitenmal bestrast werden dürfe. Diese Auffassmig spreche auch das durch das genannte Kammergerichts- Urteil bestätigte Urteil des Landgerichts vom 27. Mai d. I. in folgendem Satze aus:„Die Strafthaten des Angeklagte» stellen sich im Sinne des Strafgesetzbuches nicht als mehrere selbständige Handlungen, sondern nur als eine einzige einheitliche Handlung dar, denn sie sind sämtlich Ausfluß des im voraus gefaßten einheitlichen Vorsatzes, das Kind fortdauernd dem Religionsunterricht fern zu halten, außerdem völlig gleichartig laufend aufeinander gefolgt und gegen dgsselbe Strafgesetz ge- richtet." Das Schöffeng eriHt trat der Auffassung Hoffmanns nicht bei, es hielt nur diejenigen Strafthaten für erledigt, die durch das vom �ammergencht bestätigte Landgerichts- Urteil vom 27. Mai getrg�x,, sind. Die nach dieser Zeit begangenen Unter- richtsversg'.immsse seien neue Strafthaten. Das Gericht verurteilte den Aii�Hngteii zu einer Gesamtstrafe von 5 M. � Genosse Hoffmann will auch diesen Prozeß bis zur höchsten Instanz durchfechten. Neues zur Kennzeichnung der sächsischen Justiz und der sächsischen Arbeiterbrhnndlung. Wegen angeblicher Beleidigiing von Beamten der kgl. Steinkohlcnwerke im Plauenschen Grunde durch eine Notiz der„Sächs. Arbeiterztg." wurde deren verantwort- licher Redacteur, Max Beyer, am 19. Mai vom Schöffen- gericht in Dresden zu 300 M. Geldstrafe ev. 60 Tagen Ge- sängnis verurteilt. In der betr. Notiz waren eine Reihe Mißstände der Mannschastsbäder der Kohlenwerke kritisiert. Erwiesen ivurde in jener Verhandlung durch sechs Zeugen, daß das Wasser zum Baden zum Teil aus' der sogen. S u mp f st r e ck e, wo alle A b f a I l w ä s s e r(!) der Gruben zilsammenlaufeii, entnommen wird. Das Wasser ist speciell nach dem Hochwasser von 1897 längere Zeit trübe, s cb mu tz i g und ii b e I r i e ch en d gewesen: es hat nach Urin, Teer und Petroleum gestunken., Es ist auch vorgekommen, daß die A b o r t k ä st e n ü v e r li e f e n, welcher Un- rat dann ebenfalls in die Siimpfstrecke läuft. Das Wasser ist auch sehr hart gewesen, so daß sich davon die Haare verfilzt haben; einmal war es so dick, daß nichts mehr durch den Brausetrichter lief und dieser abgenommen werden mußte. Alle diese an Arbeitern verübten Schweinereien wurden wie gesagt erwiesen, mehr hatte die„Arbeiterzeitung" in thatsächlicher Beziehung nicht be- hauptet, trotzdem die Venirteiluiig. Am Freitag fand nun abermals Haiiptverhaiidluna vor dem Berufungsgericht statt, zu der nicht weniger als 20 Zeugen, Bergleute und Beamte, darunter der leitende Direktor, anwesend waren. Durch 12 Zeugen wurden abermals die Angaben der„Arbeiterztg." b e st ä t i g t. Ja es ivurde noch mehr, noch drastischer ausgesagt. Es habe oft beim Baden wie in einer Bedürfiiisaiistalt gerochen, auch die Räume zum An- und Auskleiden seien so eng, daß oft die noch schmutzigen Ar- bester die reinen bezw. deren Sachen beschmutzten. Einige Bergleute haben infolgedessen gar nicht mehr gebadet. Nach der Nosiz in der„Arbeiterzeitung" ist endlich Abhilfe geschaffen worden, so daß heute keine Klage mehr zu führen ist. Die übrigen Zeugen, die Beamten und der sachverständige Werlsarzt, konnten diese positiven Angaben nicht entkräften. Trotzdem wurde die Berufung verworfen, weil— man höre und staune!— weil die an- gegriffene Werksleitung von diesen Mißständen nichts gewußt(!) hat und man sich erst an diese hätte wenden müssen, inid weil die Angriffe verallgemeinert seien, während es sich nur um vorüber- gehende Mißstände gehandelt habe. Strafe mutz eben sein I Ein netter Arbeitgeber. MS geradezu unglaublich bezeichnete der Vorsitzende der 130. Abteilung, vor welcher sich gestern d,e Schlosser D o l l i n g und S e e g e r wegen angeblichen Diebstahls zu verantworten hatten, die Verhältnisse, welche bei dem Schlosser- meister Urbaniak zu herrschen scheinen. Wie die Angeklagten be- haupteten und die Beweisaufnahme auch ergab, fällt es den Arbeitern des genamiten Meisters getvöhnlich sehr schwer, ihren sauer erworbenen Lohn ausgezahlt zu erhalten. U. soll als schlechter Zahler, der gern einen über den Durst trinkt, bekannt sein. Ueble Erfahnmgen sollten auch die Angeklagten bei ihm machen. An einem Sonnabend tu hielten sie ihr Geld nicht, da keins vorhanden war. 11. vertröstete sie auf den Montag, aber auch dieser brachte lein Geld; schließlich versprach U. mehrere eiserne Rippen, welche fertig geworden waren, zu.liefern" und aus den, Erlös die An- geklägtc» zu befriedige,,. Als er aber auch dieses Versprechen nicht erfüllte, sondern sich in die Kneipe setzte, meinten die Angeklagten: „Wenn er nicht„liefert", können wir ja selbst„liefern", nahmen die Rippen, brachten sie zu dem Besteller und ließen sich das Geld dafür geben. Den Erlös teilten sie mit einem Dritten, der bereits seit Wochen vergeblich auf Bezahlung wartete, obwohl er den U. täglich darum mahnte. Der Gerichtshof war ztvar der Meinung, daß solche Selbsthilfe nicht geboten sei. vermißte aber das rechtswidrige Be- wußtsein bei den Angeklagten und erkannte daher nach dem Antrage des Staatsanwalts auf F r e i s p r e ch u„ g.'' Ein grosses Rad nach Art der nissischen Schaukel sollte am Savignyplatz in Charlotteuburg errichtet werden. Die Höhe des Rades sollte nicht weniger als 63 Meter betragen, die Baukosten waren anf 430 000 Mark veranschlagt. Die Polizei verbot jedoch aus Gründen der Sicherheit das Unteniehmen und der technische Leiter desselben. Ingenieur R o d e ck klagte zuletzt in der Angelegen« heit beim Obervcrwaltungsgericht. Der Senat wies die Klage des Ingenieurs als unzulässig ab und der Vorsitzende Rommel führte begründend aus: Die Errichtung des RadcS sei von keiner polizeilichen Genehmigung abhängig, gesetzliche Vorschriften nach dieser Richtung existierten nicht. Das Rad könne also ohne weiteres errichtet werden, vorbehaltlich des Rechts der Polizei, gegen de» Betrieb einzuschreiten, wenn ein polizeilicher Anlaß vorliege. Wenn sich die Polizei jetzt schon auf die Anfragen geäußert habe und die höhere Verwaltungsbehörde darauf eingegangen sei, so ä n d e r e das n i ch t s an der Rechtslage. Die Errichtung des Rades habe noch nicht begonnen, es könne deshalb auch nicht von einer polizeilichen Verfügung im Sinne des Gesetzes die Rede sein und es fehlten somit die Voraussetzungen für das Verwaltungs- Streitverfahrm.— Die Gesellschaft kann jetzt das Rad aufbauen; sie muß aber damit rechnen, daß sie es nicht in Betrieb nehmen darf. Auch ein Schutzmann. Die zweite Strafkammer hiesigen Landgerichts I verurteilte gestern den früheren Schutzmann B a I z e r wegen Sittlicheitsvcrbrcchen zu neun Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte mit einem noch nicht 14 jährigen Mädchen, welches ans der Provinz zum Besuche bei seiner Wirtin gekommen war, unsittliche Handlnngeii vorgenommen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 24. September, vorm. 19'/« Uhr, in Kellers grobem Festsaal, Koppenstrabe 2g:„Feier der Jugendaufnahme. Festvortrag des Herrn Dr. Bruno Wille.« Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Zlllgemeine Familien-Sterbe-Kafle. Heute Zahltag: Ackerstr. 123, bei Tieke, und Lraliienstr. 185 bei Buckow, von 3— K Uhr. Berliner Kranke»- UnterstütziliigS- und Bcgräbnis-Verein für Frauen nud Mädchen. gegr. 1832. Heute, Abend-Unterhaltung im Kösliuer Hof, Löslinerstr. 8. Samariter-Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Ten Mit- gliedern wird hiermit zur Kenntnis gebracht, dab morgen, Montag, die Generalversammlung stattfindet, und zwar in den„Arminhallen", Koni- mandantensir. 20(Neiner Saal). In anbetracht der reichhaltigen TageS- Ordnung wird dieselbe präcise 9 Uhr eröffnet. Der Vorstand. Vevttufrfjkes« Nordpol-Expedition. AuS C h r i st i a n i a wird gemeldet: Einem Spccialtelegrannn der„Aftenposten" zufolge teilt Pcary in seinem Bericht über die Expedition Sverdrups auf dem„Fram" mit, Sverdrup habe im Laufe des Winters Ellesmeresland durchforscht. Er beabsichtigte im Sonimer möglichst weit nordwärts vorzudringen. Wenn ein weiteres Vordringen zu Schiff ausgeschlossen sei, beab- sichtige er mit einem Teile seiner Expedition ans Land zu gehen, um mit Hilfe von Schlitten den bis jetzt nicht besuchten Teil der Küste Grönlands nordwärts und ostwärts bis zur Jndependance- Bai entlang zu fahren, wo er in einem bis zwei Jahren von dem „Fram" aufgenommen zu werden hoffe. Er beabsichtige alsdann im Herbst den„Fram" südwärts um das Kap Farewell herum und die Ostküste hinaufzuschicken, wo er mit ihm zusammentreffen soll. Wenn Sverdrup den„Fram" noch diesen Herbst rniid um Grö»- land herumschicke, so müsse das Schiff jetzt auf dein Wege nach Süden sein. Tie Botschaft von Andröe. Nus Hammerfest meldet der Telegraph: Wie sich nunmehr herausstellt, hat die Audrsesche Boje einen furchtbaren Stoß erhalten, welche eine derartige Ber- änderung der Gestalt des Körpers herbeiführte, daß man in das Innere deS Chlinders nicht hineinsehen kann, und oieser wahrschein- lich von der Seite geöffnet werden muß. damit die Untersuchung des Inhaltes deS Chlinders erfolgen könne. Die Boje wurde am 12. Sep- tember bei einer Bärenjagd auf der Nordseite des König Carls- Landes gefunden. Rettung Schiffbrüchiger. Die Rettungsstation Bremerhaven telegraphiert: Am 23. September sind von dem auf Meyers« Legde (Unterwcser) gestrandeten Schooner„Hermine" 7 Personen, darunter Frau und Kind des Kapitäns, durch das Rettungsboot der Station gerettet. Freude herrscht in Frankfurt. Wie die„Frankfurter Ztg." schreibt, soll der vor einer Reihe von Jahren von Frankfurt a. M. cntfloheiie Bankier St. Goar der deutschen Effekten« und Wechselbant die Summe von 360 000 M. zur Begleichung der von ihm hinter- lassenen Schulden übermittelt haben. Er sei im Auslände zu großem Reichtum gelangt und habe mit einer einzigen Spekulation 900 000 Dollar verdient. Ilnwctter auf der Krim. Aus Sebastopol wird berichtet: Durch einen wolkenbruchartigen Regen wurden große Verheerungen angerichtet. Wein- und Obstgärten wurden verwüstet, Häuser be- schndigr, der Verkehr vielfach unterbrochen. Turch das Erdbeben in Vilajet Aidin(K I e i n a s i e n) sind zahlreiche Menschen verwundet worden. Der Sultan entsendete 14 Aerzte. Auch der angerichtete Schaden ist groß. Marktpreise von Berlin am ÄS. September 180V nach Ermitteliiiigen des kgl. Polizeipräsidiiims. gWeize», D.-Etr. Ogioggc» Futter-Gerste„ Hafer gut, „ mittel„ . gering„ Richtstroh» Heu, ■HErMen )Spiisebohilen, )Li»s«n, Karloffelm neue Rindfleisch, Keule 1kg do. Bauch„ ) Erniittclt pro 1 kg 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 4,50 2,20 2,80 2,60 2,20 1, 2,50 1,40 12- 1,10 1- 1- 2,30 1,20 1,20 0,30 1,- 0,80 1,20 0,80 2- 15,20 14,40 Schweinefleisch 15,10 13,70 Kalbfleisch 13,60 12,50 Haimilelfleisch 15,20 14,50 Butter 14,50 13,70 Eier 13,60 13,- Karpfen 3,82 3 50 Aale 6,80 4,- Zander 40,— 25,— Hechte 60,- 25,- Barsche 70,— 30,— Schlei« 7,- 5,- Bleie 1,60 1,20 Krebse 1,20 1,- Tomii von der Centralflelle der Prenff. Landwtrt» schastskaininerii- Notieruiigsflelle- und iimgerechiiet vom PolizeiprSsidinm für den Tappel-Centucr. 1) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 23. Septeniver 1833. Der Verkehr in Ge- treibe war lebhaft. In Roggen komitc sich der Preis für baldige Lieserung um etwa l'/r M. erhöben. Auch für Weizen war die Stiinliiinig fest, und zwar auf günstige Tendenzberichte aus Nordamerika. Das Geschäft in Brot- getreide war zeitweise lebhast. Guter Haser begehrt und gut bezahlt. Rüböl behauptet, aber sehr still. Auf dem Spiritus markte waren Lieferungen behauptet. Loco 70er wurde mit 45,10(-j- 0,10 M.) gehandelt. Am Markte waren 20 000 Liter. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 23. September 1899. Amtlicher Bericht der Direktion. Znui Berkauf standen: 3853 Rinder, 1080 Kälber, 10 422 Schafe, 7813 Schweine. Bezahlt für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): für Rinder: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten SchlachtwertcS, höchstens 6 Jahre alt 60—66, d) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 56—53; o) niäfiig genährte junge, gut genährte ältere 54—45; d) gering genährte jeden Atters 52—53.— Bullen: a) vollfleischige höchsten SchlachtwerteS 58—62; d) mäßig genährte jüngere und gut genäbrte altere 53-57; e) gering genährte 48-52.- Färsen und Kühe: a) pollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachlwerts 00-00; b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachiwertcs bis zu 7 Jahre» 53—54; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 52—53; d) mäßig genährte Kühe und Färsen 51—52; e) gering genährte Kühe und Färsen 47—50.— Kälber: a) feinste Mast- tätber(Bollmilchmast) und beste Saugkälber 71—72, b) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 68— 70, o) geringe Saugkälber 64— 66, d) ältere, gering genährte Fresier 45-53.- Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 62— 65, b) ältere Masthammel 65—59, c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 47—53. d) Holsteiner Niedermigs- schafe(Lebendgewicht) 25-31.— Schweine: für 100 Pfuiid mit 20 Proz. Tara, a) vollfleischige, der feineren Raffen und deren Kreuzungen im Alter bis zu IV« Jahren 49- 50, b) Käser 48- 49, c) fleischige 47-48, d) gering enlwickelle 45—46, e) Sauen 44—45. Das Rliidergeschäst wickelte sich langsam ab«nb hinterläßt Ueberstand. Der Kätberhandel gestaltete sich ruhig. Schwere Ware blieb vernachlässtgt. Bei den Schafen war der Geschästsgang ruhig, es wird nicht ganz aus- verkauft. Der Schweineuiarkt verlies langsam, wird aber voraussichtlich ge- räumt.-- »ritUeeungSNbersicht vom 23. September 1809, morgenö 8 Uhr. Stationen VE II 5.3 99® Wetter üiE c» S" = 3 Stationen Swinemde. 755 SW 8 heiter 10 Haparanda Hanibiirg 756 WSW 5, bedeckt 10 Petersburg Berlm 759 WSW Sbeiter 9 Cork Wiesbaden 764 WSW 1 wolkenl 10 Aberdeen München 766'SW 2Regen 10 Paris Wien- I--1-- I Wetter-Prognose für Sonntag, den 24. September 1800. Zcitwetse heiter, vielfach wolkig mit etwaS Regen, frischen südwestlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. 753 ZO 760 SSO 764jW 754 SW 766! SSO Wetter 4 wolkig - Rebcl bjwolkig äwoliig iDmist v« u SocialdemolmMtr Wahlverein für den 5. berliner Reichstags-Wahlkreis. Freitag, den SS. d. M.. abends 8V- llhr, im Lokal„Znm alten Dessanev", Arnlleriestr. 32: Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Adgeordneteir Tubauer über:„Die Reform- Bedürftigkeit der Gewerbegerichte".[24b/l2* 2. Diskufsiom 3. Vereinsangelegenheiten Gäste willkommen.' VU Zahlreichen Besuch erwartet vei- VvrstanS. SotiaidemoKratischer Wahiverein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 26. September, abends«V. Uhr, Im WeddIns-Ka*ino(Inhaber: Franz Glelnert), Schulftraste 27: Versammlung."WD Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen und die Thätigkeit der Socialdemokraten im Roten Hause. Referent Genosse Markwaldt. 2. Dis- kusston. 3. Vereiusangelegenheiten. 248/3» Gäste haben Zutritt. ._ Der Torstand. Achtung! Achtung! Holzbildhauer. Dienstag, de» 26. September, abends 8 Uhr, in Stechertö Festsälen, AndrcaSstr. 21, Messentl. Versammlung. Tages-Ordnung: i 1. Bericht der Lohnkommission über den Stand der Bewegung. 2. Regelung der Untcrstützungsfrage. 3. Verschiedenes.- Erscheinen sämt- lrcher Kollegen erwünscht. Die Lohukommission. Nv. Die Vereinsversammlung fällt zu Gunsten der öffentlichen Vcr- fammlung aus. 21/3 velitseliki'llolikii'böitki'-Vei'Iisnll. Branche der Korbmacher. Montag, den 25. September 1899, abends 8V2 Uhr, Andreas- Strafte 26, bei Wilkc, 9� Versammlung-HW Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Fritze über„Produktiv- und Konsumgenoffen- schast. 2. Diskussion. 3. Branchenangclegcnheit. 4. Verschiedenes. 121/20 Achtun inq K Achtung! tistenmsftcheF. Montag, den 25. September er., abends S'/a Uhr, bei Stechert, Andreasstrafte 21: Mitglleder-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Die Gewerkschaften und die Arbeiterschutz- Gesetzgebung. Referent: Genofle Dein. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht VS/itl Der'Bors, and. I. A.: Darl Jnckel. NB. Diejenigen Kollege», welche noch Billets vom Stiftungsfest haben, werden ersucht, in dieser Versammlung abzurechnen. D. O. __ Achtung!__ WijMljtt unii WMiiMklltt! Dienstag, den 26. September, abends 8 Uhr. Lindenstrnfte 166, im Lokale dcS Herrn Znboil: Außerordevttiche Miiglieder-Versammlung der Zahlstelle Berlin III des Centralverbandes der MaurerDentschl. Tages-Ordnung: 1. Situationsbericht über den Stand unserer Lohnbewegung. 2. Verschiedenes. 264b_ Die Ortsverwaltnng. Achtung! UM" Achtiing! DolzblarbkjjungsmlischiukiiArtiklter Außerordeiitlillie �erbailiig-BersliiWlililg am Dienstag, den 26. d. M.. abends S'/a Uhr. im„Englischen Garten», Alexandcrstrafte 27«. 83/10 Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern betreffend die 32 stündige Arbeitszeit. 2. Gewerkschaftliches. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder notwendig. Kollegen, welche nicht Mitglied sind, als Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden anfgenommen. __ Der Torstand. n bchneideru. Schneiderimien Moabits! Montag, den 25. September, abends 8'/, Uhr, bei Schiiftler, Stromstrafte 28, Grotze öffentliche Bersanunlung. Tages- Ordnung: 1. Die Jnuulia und ihre Einrichtungen. Referent Kollege Ritter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 164/14 Um zahlreichen Besuch bittet Der Bertranensmann. Rerein der Kleber und veno. Bernfsgenossen Berlins und Umgegend. Dienstag, den 26. Sept.. abends«Va Uhr. bei l'aster, Jnsclstr. 16: ÄtltglleÄei'-Versammlniig. Tagcs-Ordnung: I. Bericht vom Gewerkschaftskartell. 2. Aus- gäbe der Mitgliedsbücher. 3. Bercinsangclegcnhcit. 2742b __ Der Borstand. Verl. trsnlen vnlerstllli.- v. vegrälmfc-Vereto Geg�isgj. für rrsuen unü Mädchen. Gegr. 1892. Heute im CöSliner Hof, Cöslinerstr. 8, 5 Uhr: HS1 MM-MterhilltW. Konzert. Theater. Tanz, g�b Hierzu ladet ein_ I. A.: Gerlach, Adalbertstr. 23, HI. Verein für Frauen u. Mädchen d. Arbeiterklasse. Montag, den 25. September, abends SVa Uhr, in den Armin- hallen, Kommandantenstrafte 29, Vortrag des Wulms Ida Altmann jiber: „Moderiie Mdlhellerzithilllg". Gäste willkommen. 53/14 Der Vorstand. Achtung! W&T Achtung! MilsiklilNrnmknteil-Arbkiter. Am Montag, den 25. September, abends 8�/2 Uhr, im Lokal des Herr» Graumann, Naunynstr. 27: Geffettkl. Dorlnilttttlultg. Tages-Ordnung: 1. Bericht über das beschlossene GewerkschastSkartell und Wahl eines Delegierten. 2. Bericht über den Streik und Generalsonds. 3. Stellung- nähme zur Ueberstunden-Arbeit. 4. Gewerkschaftliches. 142/13 Jeder Kollege, besonders die Delegierten der Fabriken sind verpflichtet, zu erscheinen. Der Vertrauensmann: Arendt. Achtung! Putzer. Achtung! Montag, den 25. September, vorm. 16 Uhr, in de»„�Irinln- hallen", Komm andante»strafte 26: Oeffentl. Versammlung d. streikenden Putzer Berlins und der Vororte. Tages-Ordnung: Der Streik in unserem Berus und wie ist der Stand desselben? Zahlreiches Erscheinen erwünscht s1S1/12j Der Einbernfer. Vevbuud dklltschkr Gold- lind Älbmldtiter und verwandt. Berussge».(Mitgliedschaft Berlin). Dienstag, den 26. September, abends 8Va Uhr, Dresdrnerstr. 45: UitKKiSÄvi'- VSi'sammKnnK Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Th. Retzner. 2. Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Verbandsangelegenhcilen und Verschiedenes.— Ausnahme neuer Mitglieder.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 71/14_ Die OrtsverwaUnng. Verein deutscher Schuhmacher Montag, den 25. d. M., abends 8>/a Uhr: Zwei Mitglieder-Versammlungen. 1. Bezirk Westen(Schoftarbciter)„Zum alten Deffaucr, Artilleriestrahe 32: Vortrag des Genossen Dr. Wehl über:„Rückblicke auf den Tuberkulose-Kongreb".[170/9 2. Bezirk Norden(Filzschuhmacher) bei Nümann, Brunnenstr. 188. Vortrag des Kollegen Lankow. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsvermaltnng. NB. Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet ein Besuch der Urania statt. Billets a 60 Pf. sind im Bureau, Dragonerstr. 13. zu haben. OeiitsGliki' Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Charlottcnbnrff. Montag, den 25. d. Mts., abends 8V4 Uhr, bei Lcder, Bismarckstraftc 74, MU"" Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Th. Glocke über„Trusts und Ringe". 2. Diskusston. 3. Verschiedenes.— Sonnlag, den 24. d. M. Gemütliches Beisammensein in Hoffmanns Volksgartc» ans Westend. Anfang 4 Uhr. 122/1 Zahlreiches Erscheinen wünscht_ Die Ortsverwaltung. Kinderwagen- und Schlafmöbel- Bazar Baby. I. Invalidenstrasse 160, an der T&'Vväl Brunnenstrasse. II. Oranienstr. 70, vom 1. 10. er. Oranienstr. 31. Ecke Adal- bertstrasse. III. Gr. Frankfurterstr. 115, Ecke Andreasstrasse. .. von»,00—130,00 MlBiimfiQw. w g i i.Betten. Stand von 8,0.-3.0. von 10,06-100,00 Lieferant der ßfä&iSW JilSfft B B � II B Settfedernu. Daunen. Beamten. läF�. rXIüffi1''fiSliVjß l Schütten der Betten Tcrelnlgfniagen.'Äfak..-,. A—-r A- im Beiseln der Kllufer. Amt III, 5281. 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Tages-Ordnung: Wie nützen wir die gegenwärtige günstige Geschäftslage zur Verbesserung unserer Arbeits- Verhältnisse ans? 114/6 Angesichts der wichtigen Tagesordnung richten wir an alle in obengenannten Betrieben beschäftigten Kollege», alS Gürtler, Drücker, Klempner, Schleifer usw. das Ersuchen, zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Vereine Tchötthauser Vorstadt. Empfehle mein neu renoviertes Herr- liches Restaurant und Gartenlokal „Zum Schtveizcrhaus" in Pankow, Kaiser Friedrichstrabe>2. Vom 1. Oktober an auch Sonntags für Vercinsvergnügen jeder Art. Vom Bahnhof SchönhauscrAllee in lOMin., Bahnhof Prenzlauer Allee in 13 Min. zu erreichen. Saal mit Theaterbühne, bis 400 Personen fassend.» Heinrich Kliugenberg. M. Krügers Speise-Leinöl frisch und garantiert rein unr ans �solchen Flaschen überall käuflich.[23508 Engros-liagcr SOJkalitzerstP. 105, Den Mitgliedern die traurige Nach- richt, dah unser Mitglied Willy Kunze Freitag früh verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4 Uhr auf dem Kirchhof in Rosenthal(Station Reinickendorf- Rosenthal) statt.![283Sb Abfahrt Stettiner Bahnhof 3,13, Gesundbrunnen 3,21. Um rege Beteiligung bittet Dee Torstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dast am Donners- tag nach kurzem aber schwerem Leiden unser lieber Sohn, Bruder und Schwager, der Tischler Karl Helfer im 21. Lebensjahr sanft entschlafen ist. Dies zeigen tiefbctrübt an 2843b Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute Sonn- tagnachm. 5 Uhr von der Leichenhalle des Petri-Kirchh., Friedenstr., aus statt. DeilMer Doftardeiter-Nkkdaild. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Rar! Helfer am 21. September verstorben ist. Die Beerdigung studet am Sonn- tag, den 24. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Petri-Kirch- Hofes, Friedenstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 122/2 Die Ortsverwaltung. Von der Heise zurück. 76/13 Dr. Jutrosinski. PmatmWlts.Dtt.-Mer O. HUtiel TW., Benssel-Strasse 05. Wöchentl. 10 Stunden. Monat 8 M. Beginn 1. Okt. Schluß Ende März. Anmeldungen jederzeit.[24668* ii. Sterbe* WherbeMenWMbMr (Bezirk Gesundbrunnen). Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied 2817b Wilh. Karl Friedrich Köbke (Droschkenkutscher) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. d. M., nachmittags 4 Uhr von der Charite aus nach dem Pauls- Kirchhof, Seestraße, statt. Zahreiche Beteiligung erwünscht vor Vorstand. Am 20. d. M. verschied nach schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann, unser guter Vater, Bruder und Schwager, der Zimmermann Emil Hieger im 34. Lebensjahre. 28226 Dieses zeigt tiefbetrübt an Die trauernde Witwe Anna Dlexei», geb. Knopp. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. September, nachm. l'/s Uhr, vom Krankenhause Bethanien aus nach dem Katholischen Kirchhof in Mariendorf statt. Todes- Anzelx«. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Marie Schedletzky, geb. Buhl, im Alter von 40 Jahren nach kurzem Krankenlager verschieden ist. 2336b Der trauernde Gatte •Fos. Schedletzky nebst Kindern, Schilliugstraße 24. Die Beerdigung findet am Dienstag, 26. September, nachmittags 4 Uhr, vom Kranke»haus Friedrichshain aus nach dem Freireligiösen Friedhof, Pappel- Allee, statt. Zur Feier der Grundsteinlegung nnserer neuen Ansiedelung, Ecke Stargarder- und Greifenhagenerstraße (beim Bahnhof Schönhauser Allee) Sonntag, de» LI. Sept. 1899, unchiuittags pünktlich 4 Uhr, auf der Baustelle und nach Schluß der Feier zur Entgegennahme des Be- richts des Vorstandes im 27976 Restaurant Ulierke, Schönhauser Allee 161/102 laden Genossen und Freunde freund» lichst ein Berliner Spnr- n. Vmerein (Eingctr. Gen. m. beschr. Haftpflicht) L. Schmidt. Ernst Roscher. 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Druck und Verlag von Max Badiiig in Berlin. it» is-m* ZKillige des.AwSrts" Kerl« UcksdIÄ. Vevsctttttttlttttüen. Eine öffentliche Stcinsctzervcrsaiiuulmig,«vclche am 21. Scp- kemvee nn Nüinaimschen Lokale tagte, hörte unter dem ersten Punkt der Tagesordnung einen Vortrag'Knolls über die nächsten Auf- gaben der Steiiisetzerbewegung. Nächst der fortschreitenden Ver» deffernng der Lohn- und Arbcitszeitverhältnisse handle es sich Haupt- lachlich darum, bei Ablauf des jetzt gültigen Lohntarifs die Frage der Regelung und Festsetzung der täglichen Arbeitsleistung von neuem aufzunehmen. Und wenn die Steinsetzer fernerhin so zu- fammenhaltcn, wie sie das in diesem Jahre gethan haben, so sei nicht ausgeschlossen, daß endlich auch in dieser Angelegenheit bessere Verhältnisse Platz greifen. Es liege das sogar in beider- seitigem Interesse. Immerhin aber sei es auch nicht gänzlich aus- geschlossen, daß bei Ablauf des Tarifes einzelne Unternehmer dersnchcn werden, die Arbeitsverhältnisse wieder zu verschlechtern. Aus allen diesen Gründen sei es notwendig, daß die Sammlungen zum Streikfonds auch jetzt noch, nachdem die eingegangenen Ver» pflichtimgen gedeckt sind, fortgesetzt werden. Die Diskussion bewegte sich in zustimmendem Sinne und wurde beschlossen, von nun ab Pro Woche 50 Pf. zum Streikfonds zu zahlen. Sodann gab der Kaswerer der Lohnkoinmission, Müller, die Abrechnung vom Streik und vom Streikfonds.(Die Strciknbrcchnung wurde erst jetzt ge< geben, weil es allgemein als wünschenswert bezeichnet worden war, dieses erst zu thun, nachdem die während des Streiks aufgenommenen Gelder abgetragen waren.) Die Einnahmen stellten sich folgender- mäßen: An Strcikfonds-Bciträgcn bis zum 16. Sept. 12 180 50 M. Einnahmen während des Streiks: Darlehn 9000 M. Streik- Unterstützung vom Ccntralvorstand des Verbandes 3500 M.. dcSgl. von der Gewerkschaftskommission 200 M., desgl. Steinhaner Berlins 50 M.; sonstige Einnahmen 80,30 M.. zusammen 25 010,70 M. Die Ausgaben stelle» sich wie folgt: Streikunterstützung: 1. Woche 433 Mann 4909.50 M.; 2. Woche 391 Mann 4666.25 M.: 3. Woche 353 Mann 4198.75 M.! 4. Woche 323 Mann 2316,96 M. Ins- gesamt 16 079,46 M. Die sonstige» Ausgaben während des Streiks lRciscgeld an abgereiste Kollegen. Drucksacken. Entschädigung der Kommlssionsmitglieder-c.) belaufen sich auf 671,13; außerdem' hatte die Kommisfion an sachlichen und persönlichen Verwaltungskosten, die hauptsächlich aufdie erste Einrichtung entfallen, eine Ausgabe von190M., so daß sich die gesamten Ausgaben auf 16 940,59 M. belaufen. Sodann sind auf das aufgenommene Darlehn 8000 M. znrnck- gezahlt, so daß� ein Barbestand von 70,11 M. zu verzeichnen ist. Dem Kassierer sowohl als der gesamten Lohnkommission wurde ein- stimmig Dccharge erteilt, außerdem sprach die Versammlung den- lelben den Dank für ihre mühevolle Arbeit aus. Eine Anzahl der bisherigen Kommissionsmitgliedcr legten sodann ihre Aemtcr nieder. und wurden an deren Stelle gewählt: A. Markmann als Kassierer, außerdem die Kollegen Happach. Mutschke, R. Müller und Dicrberg. Nach Erledigung dieser An- gelcgcnheiten wurden die Arbeitsverhältnisse' besonders bei der �>rma Riedel einer lebhaften Kritik unterzogen. Hauptsächlich wurde getadelt, daß dieselbe Nachtstunde» mir zn dem Minimalsatze von 90 Pf. bezahlt, während die- selben nach den gezahlten Tagesstundenlöhnen unzweifelhaft mit 97>/a Pf. bezahlt werden müßten. Auch ivurde mitgeteilt, daß die Stcinsetzmeiiter Jgler-Spandan, Puhlmann-Zchlendörf und Gädickc- Köpenick noch innncr nicht den Tarif unterschrieben haben(letzterer soll jedoch danach arbeiten lasten), ebenso lasse der Steinsetzmeister Bielefeld-Niedcrschönhauscn wieder zehn Stunden arbeite». Alle die angeführten Fälle wurden der Lohnkommission zur Regelung über- wiesen. Unter Gewerkschaftlichem teilte der Obmann des Gesellen- ansschuffes mit, daß sich auf einen diesbezüglichen Antrag hin die Innung mit der Freigabe des ersten Mai als Feiertag und des jetzt als Stiftungsfest gefeierten Quartalstages ein- verstanden erklärt habe. Knoll appellierte an die Versammlung, nun aber auch dahin zu wirken, daß der 1. Mai von allen gefeiert wird. Zum Schluß wird noch mitgeteilt, daß die Innung ihre Klage auf Herausgabe der Utensilien der früheren Steinletzer-Brüderschaft ge- Wonnen habe, die übrigens auf Kosten der Gesellen beschafft worden sind, jedoch nunmehr keinerlei Anstalten treffe, um ibr„Eigentum" auch m Enipfang zu nehmen. Es wurde beschlossen, die Innung für die durch die Verzögerung schon entstandenen und noch weiterhin ent- stehenden Kosten ersatzpflichtig zu machen. Alsdann Ivurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. � Die in der Bttchbindcrci«ud verwandten Betrieben bc- schäftigtcn Arbeiter(Zahlstelle Berlin) hielten am Dienstag, den 19. d. MtS. eine Versainmlung ab. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage des Herrn Prof. Gehrke wird über den Streik bei der Finna Moritz u. Kummer und sonstige Streiks ver- handelt. Zu diesem Streik teilt Kollege Schuhmacher folgendes mit: Durch in Aussicht gestellte und zum Teil sckion durchgeführte Lohn- rcduktionen haben sich die bei der Firma beschäftigten Kollegen und Kolleginnen, nachdem ein wiederholtes Vorstelligwerden keine» Erfolg hatte, veranlaßt gesehen, dem Prinzipal Mitteilung davon zu machen, daß die Arbeit am Montag nicht wieder auf- genommen iverde. Die Firma kam dieser Arbcitsnieder- legung dadurch zuvor, daß sie das Personal(Buchbinder und Arbeiterinnen) am Sonnabend entließ. Es befinden sich 6 Kollegen und 15 Arbeiterinnen im Ausstand. Von Bergmsann wird das von dieser Firma an sämtliche Kontobuchfabriken versandte Rundschreiben ins rechte Licht gestellt. Dieses Schreiben enthält die Bitte, die ausständigen Arbeiter nicht einzustellen, da diese, weil den lernenden Arbeiterinnen nicht 13,50 M., also Minimallohn gezahlt werde, in den Streik getreten seien. Der Grund des Streiks sei aber der. daß bei den geplanten Abzügen ein Arbeiter, der bisher 26 M. verdiente, nur 22 M. verdienen würde. Daß die Polizei ihre Hand schützend über eventuell neu eintreffendes Personal hält, sowie daß ein organisierter Kollege, namens Rudolf Brandes, dort eingetreten ist, gelangt zur Kenntnis der Versammelten. Nach- dem noch Kollege Freitag das Gebahrcn des Herrn Werkführers Scharne gewürdigt hat, wird beschlossen, den Streikenden außer der üblichen statutenmäßigen Unterstützung noch pro Person 3 M. aus der Lokalkasse zu bewilligen. Bitomsky giebt bekannt, daß bei der Firma Friedrichowitsch ebenfalls Differenzen und zwar des» halb ausgebrochen sind, weil es dieser Herr nicht unterlassen kann, Vertrauensleute seiner Werkstube wegen dieser Eigenschaft zu ent- lassen. Von verschiedenen Rednern wird gefordert, diesem Mißstande einmal gründlich abzuhelfen, und die Arbeit nur unter der Ver- sicherung fortzusetzen, daß die Gcmaßregelten wieder eingestellt und fernere Chikanen dieser Art unterbleiben werden, lieber den beendeten Streik der Lederarbeiter berichtet Weinschild. Gestreikt wurde bei den Firmen Sommer und Simonsohn: in beiden, sowie in noch mehreren Geschäften wurde eine lOprozentige Lohnerhöhung durchgedrückt. Die Galanteriewarenbranche hat sich an der Bewegung fast gar nicht beteiligt, außer bei der Firma Guthsmann, wo eine Erhöhung der Löhne um 5—10 Proz. statt- fand. Unter Verbandsangelcgcnheiten wird bekanntgegeben, daß am 8. Oktober, nachmittags 4'Uhr der Besuch der„Urania" statt- findet. Anschließend hieran abends 3 Uhr gemütliches Zusammen- fein bei Feuerstein. Am 15. Oktober, nachmittags 4 Uhr, Gründung der Zahlstelle Adlershof. Am 21. Oktober, abends VeO Uhr, Besuch der Treptower Sternwarte. Nachdem noch um regen Besuch für den am 15. Oktober bei Cohn, Beuthstraße, stattfinden den Untcrhaltungs- abend gebeten wird, tritt Schluß der Versammlung ein. Die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metall- arbeiter- Verbandes hielt am Montag, den 13. September, eine außerordentliche Generalversammlung in den„Borussia- Sälen" ab. Kollege Rüther berichtete über den gegenwärtigen Stand der Lohnbewegungen. In den letzten Wochen seien verschiedentlich Differenzen zu regeln gewesen, in allen diesen Fällen handelte eS sich' zum größten Teil um Uebcrstunden- Arbeit. Die Verhandlungen haben bisher zu befriedigenden Ergebnissen geführt. Bezüglich des Klempnerstreiks teilte N. mit, daß sich an der diesmaligen Lohnbewegung circa 1000 Kollegen bc- teiligtcn. In 56 Werkstätten mit 613 Personen sind die Forderungen bewilligt und in 17 Werkstätten mit 395 Personen befinden sich die Kollegen im Ausstand, welche Zahl sich in den nächsten Tagen noch erhöhen dürste. Bei der Firma F. F. A. Schulze sind auch die Schlosser und Drücker in den Ausstand getreten: in diesem Betriebe herrschen seit Jahren die ungünstigsten Verhältnisse, es sei an der Zeit, daß auch hier Wandel geschaffen werde. Bei dieser Firma wird der Kampf am hartnäckigsten werden, da diese zur Abteilung I des„Kühne- mäiincr-Vcrbandcs" gehört, von welcher die Verkürzung der Arbeits- zeit am schärfsten bekämpft wird. In einigen größeren Betrieben sind durch den Ausstand der Klempner auch andere Branchen in Mitleidenschaft" gezogen, es haben auch diesctwegen, so bei der Firma„Luckhardt", Entlassungen stattgefunden. Im allgemeinen kann man mit dem Verlauf der Bewegung zufrieden sein, es habe sich gezeigt, wem: die Kollegen Kraft und Mut besitzen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, auch etlvas zu erreichen sei. An den Kollegen liege es nun, das Errungene auch fest zu halten, dieses sei aber nur möglich, wenn die Kollegen auch ihr Teil zur Stärkung der Organisation beitragen und dieser nicht wieder den Rücken kehren. Weiter teilte Näther iiiit, daß'nnch die Mctallformer beschlossen, in die Bewegung für Einführung des Neuiistuiidciitagcs in nächstcrZcit einzutreten. Eine längere Debatte entspann sich nun darüber, ob die anderen im Betrieb von„Luckhardt" beschäftigten Branche» sich ebenfalls am Streik beteiligen sollen? Es wurde beschlossen: „diejenigen vollberechtigten Kollegen aus den großen Betrieben, ivelche durch den Ausstand der Klempner in Mitleidenschaft gezogen und entlassen werden, während der Dauer der Arbcitslosig- kcit zu unterstützen". Alsdann wurde beschlossen, dem Hauptvorstand 2000 M. zu überweisen zur Unterstützung der durch den Leipziger Fornierstreik in Mitleidenschaft gezogenen Former anderer Orte. Hierauf fand die Wahl des fünften Beamten statt. Kollege Alwin K ö r st e n wurde als solcher gewählt. In der Angelegenheit„Litfin" wurde die Ortsvcrwaltung beauftragt, daß sie Schritte bei der Gewerkschaftskonimission unternehmen solle zur Beschickung eines Schiedsgerichts durch Delegierte. Tic Verwaltungsstelle Berlin der Dcntschcu Metall arbeiter- Gewerkschaft hielt am 20. d. Mts. ihre ordentliche Gencralverfammlung in den„Anninhallcn" ab. Den Bericht er- stattete M o r i ck e. Er führt ans. daß infolge starker Mitglieder- zunähme sich der Vorstand genötigt gesehen hat, weitere 1000 Mit gliedsbüchcr anfertigen zu lassen. Des weiteren teilte er mit, daß in nächster Zeit in Deutschland mehrere VcrwaltnngS stellen errichtet werden und der Vorstand bereits mit denselben' in Verbindung getreten ist. Ferner teilte der Vorstand nnt, daß er sich mit dem neuen Gewcrkschaftskartcll in Verbindung gesetzt habe. In der Diskussion wurde von Lüning der Vorstand angegriffen, weil man in dieser Sache die Mitglieder nicht gefragt habe. Laucks trat den Ansführnngeii Lünings entgegen und bemerkte, daß man ja von feiten des Kartells den Vorstand eingeladen habe, um gemein- sam ein Regulativ auszuarbeiten und man die Delegierten zum Kartell nur in öffentlichen Versammlungen wählen' kann. Schien ker und Laucks stellten hierzu folgenden Antrag: „Die heutige Generalversammlung beauftragt den Vor stand, sich mit dem neuen Gcwerkschastskaricll in Verbindimg zu setzen und in nächstcrZcit eine öffentliche Versammlung einzuberufen, in tvclcher ein Delegierter zum Kartell zu wählen ist." Derselbe wurde einstimmig angenommen. Die Kassenvcrhältnisse für Berlin sind folgende: Einnahmen 1337,90 M., Ausgaben 668,20 M., Bestand 669,70 M. Nach Dänemark wurden gesandt 400,70 M., darunter aus Quedlinburg 62,25 M. Ans Antrag der Revisoren wird dem Kassierer Dccharge erteilt. Im die Ortsverwaltung wurden gewählt: R a s e n a k, erster, Lange, zweiter Bevollmächtigter, Wecker, Kassierer und Kollege Laucks als Schriftführer. Zu Revisoren wurden gewählt: Schlenker, Wies euer und Bolze. Den ausgesperrten Stein arbeiter» wurden 50 M. bewilligt. Infolge der vorgeschrittenen Zeit ivurde der Punkt der Arbeitsvermittlung von der Tagesordnung abgesetzt. Zimmerer. Am Sonntag, den 17. d. M., hielt der Central- verband der Zimmerer seine ordentliche Versammlung ab. Genosse Jahn hielt einen Vortrag über„Englisches Gcwcrkschnstslebcn", der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Hierauf wurde die Neuwahl je eines Mitgliedes zur Agitalionskommission und zum Ausschuß vorgenommen und S t e m k o w i tz zu eins und Graß- m a n n zu zwei gewählt. Einen längeren Abschnitt der Versamm lung erforderte' die unnötige Debatte über die Gründe, die das bisherige Mitglied der Ngitationskoinmission Webers für feinen Rücktritt angab. Seitens des Vorsitzenden werden die Mitglieder, die verziehen, gebeten, so bald als möglich ihre neue Wohnung anzugeben und wird auf den mit Ende Oktober stattfindenden Schluß der Sammclkartcn aufmerksam gemacht. Im weiteren, daß den Mitgliedern noch BillctS zur Treptower Stern warte, die bis 31. Dezember d. I. Gültigkeit haben, zur ausgiebigen Verfügung stehen. Die Arbeitsbedingungen in Oktavform nebst Verzeichnis der Mitglieder des Banarbeitgeber-Bundes werden als Broschüre den Mitgliedern in kürzester Zeit ausgehändigt. Auf jeder Arbeitsstelle ist darauf zu achten, daß die Arbeitsbedingungen in Plakatform ausgehängt werden. Der Verband der Vergoldcr hielt am 18. September seine Monatsversammlung ab. Nach Streichung des ersten Punktes der Tagesordnung erfolgte die Abrechnung vom Sommcrnachtsball. Hierauf wurden die Verhältnisse in der Rahmcnbranchc besprochen und Kollege S p ä t h e führte aus. daß seit Jahrzehnten die Löhne der Berliner Rahnien- Vcrgolder dieselben geblieben, die Lebensmittel- und die Mictspreise aber fortwährend gestiegen sind. Es ist deshalb nicht möglich, für einen Verheirateten anständig durchzukommen, wenn nicht Frau und auch Kinder mit verdienen. 1896 hatten wir den Neunstundentag durchgedrückt, werde» aber diesmal von einer Verkürzung der Arbeitszeit absehen und eine Lohnerhöhung verlangen. Nachdem über die Höhe der Forderung diskutiert, kam folgender Antrag einstimmig zur An- nahnie. 1. Eine 15prozentige Erhöhung auf Wochen- rcsp. Stunden- lohn und Accordlohn zu gewähren. 2. Anerkennung eines Minimal- lohnes von 24 M. Es wurde beschlossen, diese Forderungen den Meistern zu unterbreiten. Am Mittwoch, den 27. d. M., wird in einer öffentlichen Versammlung darüber Bericht erstattet werden. Eine Antisemiten-Versammlung wurde am Freitag bei Buggenhagen am Moritzplatz abgehalten. Der Abgeordnete Dr. B ö ck e l unterhielt seine Zuhörer zunächst mit einer Rede über den Fall Dreyfus, in der er unter tosendem Beifall des urgcrmanischen Publikums die bekannten Tiraden wiederholte, welche die anti- semitische Presse seit Monaten über die Vorgänge in Frankreich los- gelassen hat. Dann verbreitete sich der Redner des längeren über die Transvaalfrage. Selbstverständlich ist seiner Meinung nach das inter- nationale Judentum auch in dieser Angelegenheit die treibende Kraft. „Im Transvaal werden demnächst die Kanonen donnern im Namen Israels und im Interesse des englischen Gcldsackes", rief der Redner aus. Da dürfe Deutschland nicht ruhig zusehen. Wozu haben wir denn die schönen Kreuzer, wenn nicht, um die deutschen Interessen im Auslande zu schützen. Herr Böckel, dem nichts erwünschter zu sein scheint, als eine kriegerische Verwickelung Deutschlands mit Enland. hat, wie er sagte, sehnsüchtig auf ein neues kaiserliches Telegramm an den Präsidenten Krüger gewartet. Da aber zu Böckels lebhaftem Bedauern von jener Seite noch nichts geschehen ist, so machte er der Versammlung den mit johlendem Beifall angenommenen Vor- fchlag, ihrerseits an Krüger folgendes zu depeschieren:„Die von mehr als 1000 deutschen Männern und Frauen besuchte Versammlung' spricht den im Transvaal im Kampfe für Recht und Freiheit stehen- den Volksgenossen ihre wärmste Teilnahme aus." Ferner wurde ein Telegramm an den dcntschcn Kaiser beschlossen, Ivorin demselben kund gethan werden soll, wie die„deutschen Männer und Frauen" über die Transvaalfrage denken. — Nachdem dies geschehen, nahm der Radau-Antisemit v. Mosch das Wort, um in wüsten Schimpfereien„nachzuweisen", daß die Inden zum Osterfeste nach Christcnblut lechzen und baß diesem jüdischen Blutdurst auch das in Polna ermordete Mädchen zum Opfer gefallen sei. Ganz besonders starke Wntausbrüche richtete der Hetzredner gegen den„Vorwärts", weil derselbe an das Märchen vom Ritnalmord nicht glaubt. Eine Reihe von Diskussionsrednern unterstützten den Vortragenden nach besten Kräften. Dekateure. Am 19. September, abends 8 Uhr, fand eine öffentliche Versammlung der Dekateure Berlins bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, statt, welche sehr zahlreich besucht war. Ad. Hofs- mann hielt einen Vortrag über„Hinnncl, Hölle und deren Be- wohner". Die Anwesenden lohnten dem Redner mit lebhaftem Bei- fall. Eine Diskussion fand nicht statt.„Unter„Verschiedenes" be- merkte der Vorsitzende. Kollege R a s ch I, es sei traurig, daß die Kollegen von Blumcnthal und KattcrSschafsta es nicht für wert halten, in der Versammlung zu erscheine», da sie besonders hierzu eingeladen waren. In der BezirkSversammlung des Vereins deutscher Schuh- machcr» welche am 20. d. M. bei Wilke tagte, hielt L a n low einen beifällig aufgenommenen Vortrag. Im Verschiedenen berichtete Herrmann über den Verlauf der Differenzen bei der Firma Wetze! u. Comp. Die Kollegen dieser Fabrik gc- hörten mit zu denjenigen, welche nach dem Streik von 1893 für die Bewegung verloren gingen und trotz der auf- gewandten Agitation nicht für die Organisation zu gewinnen waren. Nachdem nun den Zwickern plötzlich Abzüge gemacht und 5 Kollegen entlassen sind, wandte man sich an den Vorstand der Organisation. Im Interesse der Allgemeinheit liege es, wenn man den Kollegen die weitgehendste moralische Unterstützung zu teil werden lasse und die Entlasscneu, soweit wie sie organisiert sind, materiell unterstütze. Diesen Ausführungen schloffen sich H i l d e- b r a u d t und O l l r i ch im wesentlichen nn und kritisierten noch eine Reihe weiterer Mißstände in den Schuhfabriken. In Schöuebcrg tagte am Donnerstag eine von den Genossinnen einberufene Volksversammlung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte die Vorsitzende der kürzlich verstorbenen, tüchtigen und ihätigen Parteigenossin Frau Mehuert in Zossen. Hierauf nahm Lily Braun das Wort zu einem Vortrage über„Die Stellung der Frau in der Arbeiterbewegung". Die Rednerin setzte aus- einander, wie die Frauen infolge der industriellen Entwicklung in immer steigendem Maße zur Erwerbsarbeit gedrängt wurden, sie erinnerte dann an die politische Rechtlosigkeit der Frauen und be- sprach die Drangsaliernngcn, welche die proletarische Frauenbewegung seither durch die Behörden erfahren hat. Man fürchte auf feiten der herrschenden Klassen nichts so sehr als die Aufklärung der Frauen. Aber auch in jedem Arbeiter, selbst den socialdemokratischen. stecke gegenüber den Frauen noch ein Stück vom Philister.(Sehr richtig.) Die Bewegung der Arbeiterinnen decke sich leider nicht mit der Arbeiterbewegung. Die Männer fördern die gewerkschaftlichen Bestrebungen der Frauen nicht in wünschenswerter Weise. Teils weil sie in den Frauen unbequeme Konkurrentinnen sehen, andernteils— und im Hinblick auf das Ver- halten der Behörden mit einer gewissen Berechtigung— weil sie in der Beteiligung der Frauen an den gewerkschaftlichen Organisationen eine Gefährdung der letzteren erblicken. Die Männer sollten be- denken, daß der Lohndrückerei durch die Frauen ein Riegel vor- geschoben werde, wenn die Frauen aufgeklärt und zur gewerkschaft- lichcn Bewegung herangezogen werden. Aber auch auf politischem Gebiet erfahre die Frauenbewegung seitens der Arbeiter nicht die gebührende Förderung. Die Vernachlässigung der Ausklärung der Frauen sei aber ein bedeutendes Hindcr- »is der politischen Bewegung überhaupt, denn lvenn es erst so weit sei, daß die Frauen das Stimmrecht bekommen und wenn sie dann, weil sie unaufgeklärt sind, ihre Stimmen zu GunK»- der Reaktion abgeben, dann würden es die Arbeiter bereuet»-«� glicht bei Zeiten für die Aufklärung der Frauen Sorge getrc. �( im. Ilm der gemeinsamen Sache willen brauchen wir die der Frauen. Wenn die Männer in den Frauen gleichwertige Ibtit> kämpferinncn sehen, dann werde der bedauerliche Znstand schwinden, daß es innerhalb der Arbeiterbewegung noch eine gesonderte Frauen- bewegnng giebt. Der gesonderten' Frauenbewegung in unserer Partei ein Ende zu inachen und gemeinsam für die große Sache zu kämpfen, daß müsse unser Ziel sein. Ein Schritt zu diesem Ziel sei der dem Parteitag eingereichte Antrag, wonach weibliche Dele- gierte nicht mehr in besonderen Frauenversammlungen gewählt werden sollen. Die Rednerin ersuchte die Delegierten des Kreises, dieien Antrag zu vertreten, und bemerkte zum Schluß, die Zukunft der Socialdcmokratie Iverde zum großen Teil davon abhängen, daß Frauen und Männer, alles kleinliche Gezänk vergessend, Hand in Hand für das gemeinsame Ziel kämpfen.(Lebhafter Beifall.) Dem Vortrage folgte eine rege Diskussion. Eine Reduerin vertrat unter Anführung verschiedener Einzelfälle aus ihrem Bekanntenkreise die Meinung, daß es unter den socialdcmokratischc» Arbeitern noch viele gebe, die ihrer eigenen Frau nicht die Stellung einer gleichberechtigten Genossin einräumen. Obst legte gegen diese Auffassung Verwahrung ein und meinte, wer seine Frau so behandle, wie es die Vorrcdncrin hinstelle, der fei kein aufgeklärter Parteigenosse. UebrigenS müsse man bedenken, daß Charakterunterschiede, Familienverhältnisse und dergleichen oft die Ursache eines unharmonischen Verhältnisses zwischen Ehegatten seien. Franke führte dagegen aus, daß Partei» genossen sich oft nicht Mühe geben, die eigene Frau aufzuklären. Lily Braun bemerkte in ihrem Schlußwort: Erst wenn der Mann die Frau nicht mehr bloß als Weib, sondern als Genossin und Freundin im tieferen Sinne des Wortes betrachte, werden beide Ge- schlechter gemeinsam den Kampf für die Befreiung des Proletariats führen können. Schöncbcrg. In der Versammlung des Arbeiter« Bildungsvereins am Montag, den 18. d. Mts., sprach Pfeiffer über:„Kompromißpolitik". Seine Ausführungen, in denen er die Verhältnisse in Bayern, Frankreich und Belgien berührte, gingen dahin, daß Kompromisse mit bürgerlichen Parteien von uns zu verwerfen seien, da wir ohne dieselben bisher immer gut agitatorisch haben wirken können und groß und stark geworden sind. In der hierauf folgenden sehr lebhaften Diskussion sprachen sich fast sämtliche Redner im Sinne des Referenten aus.— Die nächste Versammlung(Generalversammlung) findet am 2. Oktober statt: i» derselben erfolgt die Neuwahl des Vorstandes, ebenso steht u. a. ein Antrag auf Acndernng des Titels unseres Vereins auf der Tagesordnung. Rixdorf. Am 19. September hielt der socialdemokratische Verein„Vorwärts" seine regelmäßige Mitgliederversammlung im Apollo-Theatcr, Hermannstr. 48/50, ab. Der Vorsitzende, Genosse Klein, gedachte bei Eröffnung der Versammlung des im vorigen Monat verstorbenen Mitgliedes Braun und forderte die Versammelten auf, sich zu Ehren desselben von ihren Plätzen zu erheben, Ivos gc- schah.— Es erhielt nun Genosse Schütte zu seinem Vortrage über Robespierre das Wort. In einnndeinhalbstündiger Rede schilderte derselbe die Entstehung der französischen Revolution und deren Ver» lauf. Des näheren ging er auf Robespierre und seine Zeitgcnosfen ein. Mit einem Gedicht, welches die Stimmung Robespierrcs in seinen letzten Lebcnstagen schilderte, schloß Redner seinen interessanten Vortrag unter dem Beifall der Versammelten. Von einer Diskussion wurde' Abstand genommen. Unter Bereinsangelegenheiten gab der Vorsitzende bekannt, daß die Billcts zur Treptower Sternwarte ihre Gültigkeit behalten und auch noch welche in den Zahlstellen zu haben sind. Für bcu Inhalt der Inserate kberniniint die Nebaktion bei» Publikum gegenüber keinerlei Aerantwortniin. TheLlkov. Sonntag, 24. Septeniber. Freie Volksbühne. Ostend- Theater. 1. Abteilung(rote Karten): Faust. Anfang 2'/« Uhr. L e f s t n g- T h e a t e r. 4. Abteilung(braune Karten): Die Journalisten. Anfang 2�/, Uhr. Opernhaus. Der Wilbfchlih oder: Die Stimme der Natnr. Anfang 7V- Uhr. Montag: Das Rheingold. TchnnsPielhaiiS. Ewige Lieve. Anfang Uhr. Montag:'Don CarloS. Neueö Oper«- Theater lKroll). Die Fledermaus. Anfang 7VzUhr. Deutsches. Kollege Crampton. Anfang?>/- Uhr. Nachm. L'/z Uhr; HanS. Vorher: Mutterherz. Montag: Der Biberpelz. Leffing. Die Cameliendame. Anfang 7r/z Uhr. Montag: Im weihen Rötz'l. Berliner. Dolly. Anfang 71/, Uhr. Nachm. V/z Uhr: Die Bade- faifon. Montag: Dolly. Schiller. Die Ehre. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Iphigenie auf Tauris. Neues. Kiwito. Anfang?>/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die heilige Frau. Montag: Kiwito. Westen. Die Reise nach China. Anfang 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Barbier von Sevilla. Montag: Undine. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7-/2 Uhr. Nesibenz. Der Schlafwagen-Con- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 71/2 Uhr. Mittags 12 Uhr: Jugend. Montag: Der Schlafwagen-Con- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Luisen. Die Stütze der Hausfrau. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia. Montag: Die Stütze der Hausfrau. Central. Die Geisha. Ansang 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr; Die Fledermaus. Montag: Die Geisha. Oftenb. Um tausend Mark. Anfang 7�2 Uhr. Moniag: Dieselbe Vorstellung. Bietoria. Die weihe Henne. An- fang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Dorf und Stadt. Montag: Die weiße Henne. Friedrich- WilhelinftiidtifcheS. Die Reise mich der Tenfelsinsel. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Mutter und Sohn. Montag: Die Reife nach der Teuselsinsel. Metropol. Berlin lacht. Anfang VU Uhr. Apollo. Frau Lima. Speeialitilten- Borstellung. Anfang V/, Uhr. Meichshallen. Stettiner Sänger. Ansang? Uhr. PaNrra--.. Panoptiknin. Speeialt- '. S0s3| vficfiuiig. Nr. mbnlibenstr. 57/08. abends von 6—10 Uhr: �arte. t«iicnftr. 48/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. SPa'Afllter (Wallner- Theater). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: ltllni'lk» 8tnai't. Trauerspiel in 5 Aufz. von Friedrich Schiller. Sonntag, abends 8 Uhr: vlo Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Montag, abendS 8 Uhr: IphlAenie auf Taurl« Dienstag, a b e n d s 8 U h r: Viel EUrmcn um nichts. MM-Carl Weiß-Theater. Gr. Fraiikfnrterstraske 458. Letzter Sonntag! Um tausend Mark. GolkSstück mit Gesang von Buchholz und Felsch. Anfang 7i/z Uhr. Nachm. V/z Uhr: Freie Volksbühne: Faust. Tragödie von W. v. Goethe. Junge, hübsche Statistinnen können sich melden. Montag: Ilm 4009 Mark. In Vorbereitung: Der Welt- Untergang. Großes Ausstattungs- stück mit Gesang u. Tanz v. C. Weiß. Netropol-rkeater. Bobrenstr. 55/37. Direktion: Uichard Schule. SßF" Letzte Woche! Reutin l ich k! Jane Plerny. Alice Bonheur. Das sensationelle September- Programm. In Vorbei eitungi Vtmv nlnVevlin. Berliner Lokalrevue v. Julius Freund. Musik von Einödshofer�_ Thalia-Theater. Tel. AmtlVa 6440. Dresdenersir. 72/73. Heute und folgende Tage: Der Platzmajor. Prachtvolle neue Ausstattung! Tbomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Er. Mutoskop-Terzett. Anfang 7l/z Uhr. Ende IOV2 Uhr. VorderVorstellnna Konzert im Tunnel. Friehriih-Wilhtlillst. Theater Chausseettr. 25/26. Abends 8 Uhr: Zum lö.Male: DieReiseitalliderTellselsittsel BurleSke Abenteuer-Posse mit Gesang und Tanz in 5 Atten von**« Musik von Albert Wicher. In Seene gesetzt vom Dir.Max Samst. l. Bild:'Auf zu Drepfus. 2. Bild: Berbiinbete Mächte. 3. Bild: Attentat imb Verrat. 4. Bild: TaS belagerte Haus. 5. Bild: Die GerichtSperhanblniig. «. Bild: Apotheose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Mutter«11b Sohn. Schauspiel in 5 Akten 0. Eharl. Birch-Pfeiffer. Crnkrnl Thrntor Direktion: Jo»S Ferenczy. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Die Fledermaus. Operette in 3 Akten v. Joh. Strauß. Abends 7'/- Uhr: Vtv Gvishcr oder: Eine japanische Theehans- geschichte. Operette in 3 Akten von Oven Hall. Musik von Sidney Jones. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung. ilpollo-Uei'. — StUrnilschcr Erfolg!— Abends 9 Uhr: Fr an Lima Femer t OKo Reutter, Yumata Tiero, Paulette Darty etc. etc. etc. Kasseneröffnung 6 Uhr. Anfang der Vorstellung T'/s Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Palast-Theater sw- früher. - TFala Feen-Palast, Burgstraste 22. Nur«och bis Soininbenb: Allabendlich um 81/, Uhr die mit großem Erfolg ausgenommene Berliner Ausstattungs- Gesangsposse Spvoe-Uotkchcn! Stürmischer Beifall!"ME Helene Voss und IVIIhelm Fröbel als Tnnj-Duettisten(Pankow kille sc.) Dazu das phäiiomeiiale September- SpeclaUtäten- Programm. Anfang 71/2 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kassenöffiiuiig 1 Stunde vor Anfang. Blllet-Vorverkauf vorm. v. 11— 4 Uhr. Sonnabeild, den 1. Oktober cr.: Neues Programm. Sonnabend, den 7. Oktober er.: Breter grosser Gesellschafts-Abend. Vorstellung und Tanzkränzchen. Ncichshalle». Stettitter Sänger (Mciilel. Pictro, Tiritton, Sieidl, Krone, K i r ch in a y e r. Schneider und Schräder). Zum Schluß, neu: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. IM- Dcnor Siichuiauu ("Waehtel redivivus). Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-4 Uhr. Die Plätze zu den numerierten Sitze» sind stets 8 Tage vorher zu haben! C!tK'kTR8 Busch. Sonntag, 24. September 4899: Xwcl gr. Vorstellungen nachm. 4 Uhr und abends 7>/z Uhr. Nachmittags 4 Uhr hat seder Er- wachsene ein Kind unter 10 Jahren frei, weitere Kinder zahlen halbe Preise, abends jedoch volle Preise. In beiden Vorstellungen Wunder- dressuren des Kapitän Webb an See- löwen und Seehunden. In beiden Vorstellungen Clown Mlsko mit seinem singenden Pony u. seiner ballspielenden Dogge. In beiden Vorstellungen die neu engagierten phänomenalen Reit- künstlee«. Reitkünsilerirmen. In beiden Vorstellungen vorführen der neuen Original-Meister-Dressuren deS Dir. Buoch. Abends 7'/- Uhr: Unsere Marine. Gr. Ballett, getanzt v. 120 Damen des Corps de Ballett. Ziethen aus dem Busch. Quadrille in pompösester Ausstattung aus 12 Schulpserden.«r. Sport- akt. Polospiel zu Pferde. Pyjama Stakes oder Nachtmützeil-Rennen und Bieyele- Wettsahren. Näheres siehe Zettel und Anschläge. Jeden Sonntag- nachmittag tritt Kap. Vehh mit seiner Wunderdressnr an Seelöwen auf. Kösllner Hof KOallnerstr. 8. Empfehle meine Säle an Bereine, Sonnabends u. Sonntags. l246öL* Urania Tnulicnstrasso 48/10. Im Theater abends 8 Uhr; Der Sieg des Menschen über die Natur. Montag: Dasselbe. Invalidcnstr. 57/62: l Sternwarte. Nachmittags 9—10 Uhr._ Passage-Panopllcuin Geöffnet von 9 Uhr früh biö 10 Uhr abends. Rippels Stettiner Quartett- u. Humoristen- Ensemble. ■■ CASTANS■■ PANOPTICÜM Upnl Sensationelle "CO. lebende Photographien: Dreyfus vor dem Kriegsgericht in Rennes in 4 Gruppen-Tableaus. Berliner Aquarium Enter den Etüden 68a, Eingang Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis EHT 25 Pf.-WZ Eeichhaltigste Ausstellung der Welt an lobenden Soetieren, _ Reptilien etc. 98/15 Maehrs Theater Ornnlcnstr. 24. Der Herzverführer. Operette in 1 Akt v. Leopold Elp. Brothers Bunge. Preres Alexandra. Franziska Held. Else Mssser, Trade Bürgel. Gustav Eulenburg. Paul Frey etc. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorzugskarten an Wochentagen gültig iUcmr-Theater VarlOtO I. Ranges Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Wtretcii von absolllt erßklllssigen SveckliMtt Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Enlree: Wochentags 20 Pf. SonntaaS 30 Pf. 2368L») Die Direktion: Bichard iVlnklar. R. 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GVtuevkMKMiikzes. güt die nuSgcspeirtr» Slrb«iter TSiiemarkS gingen bei der Berliner Gewerlschaftskom Mission folgende Betlr6gt ein: Gesangverein„Kreuzberger Harmonie", 1. Rate, Ivo,—. Textilarbeiter Berlins d. Neuhaus 30,2b. Modelltischler M. H. u. Co. 3,—. A. Harndt 2,—. Tischlerei v. Köhler, Langestrage, 8,—. Arb. d. Gasanstalt Danziger- strasje 11,95. 35. Tegeler Wasserwerksarbeitern 10,—. Maurer Berlins(central) d. W. Schulz 64,60. Centralverbaud der Töpfer Berlins d. Drunsel 160,—. Berliner Wafferwerksarbeiter durch P. 8,50. Gäste des Schankwirts Mücke, Schliemannstr., 1,42. Schwimmklub„Gut Mab" 3,80. Matinee d. Gesang- Vereins Moabiter Liederkranz 200,—. Tischlerei Strabburg, Fruchtstr., 3. Rate, 7,20. Bauanschläger d. Fendius 12,10. Schuhmacher d. Bnrghagcn 17,20. Gem. Chor,.Akacle"S,—. Großbcerenstr.541,50. Arb. d. Firma Habild u.Co.,2.Rate 5,80. M. Zimmernraun 4,20. Tapezierer von Fork, Kretschmer u. Co., 7. Rate, 15,—. Arbeitergesaugverein Maiglöckchen I 20,—. Möbelfabrik von Zelder u. Plathen, 4. Rate, 67,25. Tischlerei von Zander, Rüdersdorferstr., 6,25. Tischlerei von Courtois, Schwedterstr., 4. Rate, 15,85. Bon Stellmachern d. O. Fischer 12,18. Tischlerei von Stein, Gr. Frankfurterstr., 10. Rate, 6,70. Pers. d. Buchdruckerei Wellmann, Lichterfelde. 6,—. Tischleret von Schulz, Cotheniusstraste, 4,80. Pianofabrik von Bcchstein, Grünauerstrane, 5. Rate, 36,35. Tischlerei Remington Sholes n. Co., 2. Rate, 6,75. Tischlerei Franke, Wilhelmstrabe, 16,35. Tischleret Luckhart, Dtefsenbach- strabe, 22,25. Tischlerei Benecke u. Co., Reichenbcrgerstrabe, 7,85. Buchdrnckerei Louis Schneider 10,—. Durch Skandinavier, darunter Wenkels Nfg. u. Schmidt, 44,85. Tischlerei von Eguitz, Frankfurterstrabe, 10. Rate, 7,35. Buchdrucker« Ferd. Ashelm, 3. Rate, 5,35. Verband der Schneider und Schneiderinnen Deutschlands, Filiale Berlin, durch Stubbe 98,40. Tischlerei Tramp, Gr. Hamburgerstrabe, 6,—. Vertrauensmann von Weibensee 10,70. Bergmann 6,70. Von Stuccateuren d. W. Schulz 49,55. Textilarbeiter d. Neuhaub 5,45. D. Krey 4,55. D. Ball 5,40. Porzellan- arbeiter durch Reichardt 17,70. Pianofabrik v. Otto, 8. Rate, 12,35. Kurz- fchlub, Siemens u. Halske Splttc Werk 11,50. Verein der Lithographen mid Stemdrucker, Filiale I Berlin, 41,60. Von den Friedrichshagener Wasser- wcrksarbeitern 24,75. Ueberschub einer Kranzspende». Gobin, Prenzlauer- Allee, 4,—. Tischlerei v. Spränge, Liebenwalderstratze 11,25. Vertrauensmann der Graveur« und Ciseleure 5,60. Möbelfabrik v. Lennig u. Jatzky 15,25. Für die Steinarbeiter Berlins gingen ein: PorManarbeiter Berlins 10,—. Knopstabrik von Manasse, 2. Rate, 6,50. Drofchkenkutschcr Berlins 20,—. Tackel, Südost 15,—. Ueberschub vom Lniiefest Kiautschou 24,65. Centralverein deutscher Böttcher, Filiale Berlin 20,—. Kupferschmiede Berlms d. Keiner 30,—. Durch Lauf 8,—. Aus demLager v. Eyck u. Straffer 3,60. Droschkenkutscher Berlins 30,—. Verband der Gastwirtsgehilfen Deutschlands, 2. Rate, 30,—. Für die ausgesperrten Former Leipzigs: Vom Gesangverein «Nordwacht", Ueberschub vom Vergnügen bei Ballschmieder 50,—. Berichtigung auS der Sir. 184: Es mub heiben statt Bauarbeiter Bauanschläger 50,—. Weitere Beiträge werden im Berliner Gewerlschaftsbureau, Annenstr. 16, I, vorultttags 9-1 Uhr, nachuiittags 6-8 Uhr, entgegen ge, nommen. DerAuSschub der Berliner GewerlschastS-Kommission. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. DienStag und Freitag abends von S bis 8 Uhr statt. G. L. Wenn Sie in keinen der bekannten Schönschreibkurse gehen können, so wenden Sie sich an eine Buchhandlung, die Ihnen briefliche An- leitung zur Erlernung einer guten Handschrift besorgen wird. E. M. Ueber den Wert der Asthma- Cigarren sind wir nicht unter richtet, auch kennen wir keine Firnra, die solche herstellt.- W. G. In jeder Abteilung der Wähler sind zur Stadtverordnetenwahl 14 Ergänzungs- und 6 Neuwahlen vorzunehmen. P. ft. 10. E. B. wurde in Berlin am 6. Januar 1850 geboren. Sein Vater war 32 Jahre hindurch als Lokoniotivführer Angestellter des Direktoriums der Anhalter Bahn. Bernstein in der„Volks- Zeitung" war der Onkel von E. I. Dt. Ein„öffentliches zoologisches Museum" gieit rS in Berlin nicht, jedoch enthält das Museum für Naturkunde, Jnvalidenstr. 43, eine wertvolle zoologische Sammlung. Es ist Montags, Mittwochs, Donners- tags und Sonnabends von 11—3, Sonntags von 12—6(im Wmter bis 5 resp. 4) Uhr geöffnet. O. 3l., Ripdorf. Jn Rixdorf gilt, wie überhaupt in der Mark Branden- bürg sauber Schermeisel und Grochow), Ausfchlub der Gütergemeinschaft. — Seifert. 1. Ja. 2. Ebenso.— O. Goch. Ausschluß der Gütergemein- schaft und des Erwerbes bewirkt, daß die Ehe keinerlei vermögensrechtliche Wirkung übt, also jeder Gatte für seine Schulden ällein haftet, und was er erwirbt ftir sich allein erwirbt.— G. W. 170. Ja.— A. C. Olk. Die Gefängnisordnungen innerhalb Deutschlands und Preußens sind außer- ordentlich verschieden. In der Regel ist Selbstbekösttgung ausgeschloffen. —«. W. 0. Leider steht weder Ihnen noch Ihrer Frau ein Anspruch auf Rückerstattung gegen die Jnvaliditätsverstlberungs-Anstalt zu.— E. S. 74. Das Kind ja, die Frau nicht.— I. H. 1. Nein. 2. Wenn sie Leben oder Gesundheit gefährdend sind: ja. 3. Etwa 1—2 Jahre.— Typ. 4. Ja. — M. 31. 103. 1. Nein. 2. Nein. X. U. Muß abgewartet werden, L. W. 74. Die vor 3 Jahren erlassene sog. Verfrommungs-Berordnung verbietet für Sonn- und Feiertage„alle öffentlich benicrkbaren Arbeiten", insbesondere auch das Beladen von Möbelwagen sowie den„Umzug niit Möbeln aus einer Wohnung in die andere". Demnach wäre auch ein Um- zug durch Tragen der Möbel am 1. Oktober verboten. Jedoch kann die Polizeibehörde Ausnahmen gestatten. Da die gedachte Verordnung vom Kammergericht für gültig erachtet ist, so ist Ihnen zu empfehlen, um Er- laubnis einzukommen. Darüber, was„Arbeit" im Sinne der Polizei- Verordnung ist, herrscht keine Klarheit. Das Kammergericht, dessen Bdepung erst vom 1. Januar ab eine etwas andere werden wird, hält beispielsweise selbst die Hingabe von Flugblättem für eine„Arbeit", die Mahnung an den Schuldner zu zahlen, auch im allgemeinen die JagdauSübung für keine Ar- beit. Liegt im Tragen von Möbeln eine„Arbeit", so mühte es folgerichtig auch unzulässig sein, ani Sonntag gekaufte Waren, Blumen, Möbel usw. am Sonntag über die Straße zu tragen. Gegenüber dem Wortlaut der Polizei- Verordnung und der unerforschlichen Auslegung des Kammergerichts ist von einem Versuch, ohne polizeiliche Genehmigung am Sonntag mit seinen Sachen über die Sttaße in eine andere Wohnung zu ziehen, abzuraten. 31. G. 73.§ 42 d Gewerbe-Ordnung verbietet, dah Kinder unter 14 Jahren aus öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen oder an öffentlichen Orten oder ohne vorgängige Bestellung von Haus zu Haus Gegenstände seil bieten. Strafbar sind nicht die Kinder, welche diesem Verbot zuwiderhandeln, sondern diejenigen, welche solche Kinder zu dieserFeilbietung anleiten oder ausschicken. Es könnte also der Verkauf von Streichhölzern. Blumen usw. durch Kinder allerdings auch ohne Polizeiverordnung gehindert und einige Anleite» der Kinder zur Bestrafung gezogen werden. Wenn, wie das Treiben aus den Straßen zeigt, in Berlin, wie Sie meinen, selten hiervon Gebrauch gemacht ist, so beweist dies zur Genüge, daß die Vorschrift des§ 42b nicht ausreicht. Sie giebt volle Gelegenheit zur Ergänzung durch eine Polizei- Verordnung. Eine solche könnte z. B. auch Eltem usw., welche die Kinder von solchem Gewerbettieb abzuhalten unterlassen, mit Strafe bedrohen, desgleichen die Käufer selbst. Di« Polizeibehörde ist schon jetzt berechtigt, Fälle, in denen Kinder zu verbotenem Handel mißbraucht werden, dem Vormundschaftsgericht mit dem Ersuchen, das Erziehungsrecht den Eltern zu nehmen, zur Anzeige zu bringen. Eine Polizeiverordnung würde daS Feilbieten durch Kinder auch für den Fall verbieten können, in denen eine vorgängige Bestellung vorliegt. Durch solche Anordnung würde ein Umgehen des im§ 42b ausgesprochenen Verbots erheblich erschwert werden.— Ortskrankcnkasse K. E. S ch rift lich e Antwort erteilen wir nicht. Der Betreffenden steht ein Anspruch aus Unterstützung nicht zu. Das Rechtsverhältnis ist klar: Wöchnerinnen haben einen UnterstützungS- anspruch für mindestens 4 Wochen. Dieser Anspruch hat dieselbe» Voraus- setzungen wie andere Unterstlltzungsfälle. Er steht also solchen Mitgltedem der Kasse, die infolge eintretender Erwerbslosigkeit auS der Kasse ausscheiden, auch dann voll zu, wenn die Entbindung innerhalb eines Zeitraumes von 3 Wochen nach dem Ausscheiden aus der Kasse eintritt. Es steht nach§ 28 des Krankenverstchemngs- Gesetzes einem infolge Erwerbslosigkeit aus- geschiedenen Mitglied« ein Unterstützungsanspruch nur in Fällen, welche spätestens innerhalb 3 Wochen nach dem Ausscheiden eintteten, dann aber auch in vollem Umfange zu. Die Betreffende ist aber erst il/2 Monat nach ihrem Ausscheiden entbunden. Die Regierungsvorlage wollte für Wöchnerinnen als fernere Voraussetzung ihres Anspruchs festsetzen, daß die Wöchnerinnen unmittelbar vor der Entbindung wenigstens 6 Monate lang Kassenmitglieder sein sollten. Diese Einengung des Rechts der Wöchnerinnen ist gefallen und dadurch der Anspruch der Wöchnerinnen lediglich an die- selben Voraussetzungen wie alle anderen Ansprüche gegen die Kasse geknüpft. Der betreffende Kommentar ist nicht von uns, sondem von der Buchhandlung Vorwärts herausgegeben. ECaufhays Gebrüder Joseph Bad- Strasse 32. a Bad-Strasse 32 Montage den L3.,»ienstag, iieil26., Mittwoch, dtll Z7. il. M. 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Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Kr. 224. 16. JaljMUg. 4. KW!>».Armrls" Kerlim AcksM Sonntlig. 24.Stptmbtr 1899. Sociale Neckzkspflcge. Geheimilisse eines Weinkellers. Der Packer<3. war mit seinem Arbeitgeber, dem Weingrovhändler M, übereingekommen, daZ Nrbeitsbcrhältliis am 1. Juli diesen Jahres zu lösen, S, wurde jedoch bereits am 22. Juni entlassen. Vor dem G e w e r b e g e r i ch t, Ivo der Packer dann gegen M, auf Gewährung riickständigcn Lohnes und einer Lvhnentschädigüug klagte, rechtfertigte M. die vorzeitige Entlassung mit der Behauptung, daß S. ihn grob beleidigt habe. Der Kläger habe ihm ins Gesicht gesagt, daß er seine Kunden betrüge. Der Kläger hielt diese Behauptung auch vor dem Gerichte aufrecht, indem er ausführte, daß M. schlechte Ware wieder verarbeite. Uebrigens hätte er dies dem Weiuhändler erst vorgehalten, nachdem dieser ihn des Diebstahls bezichtigt habe. Ein Zeuge sagte hierzu folgendes aus: Es hätten sich öfter Kunden be- schwert, daß sie m den bestellten Gebinden zu wenig Flaschen er« hielten. Am fraglichen Tage sei nun das Fehlen mehrerer Flaschen Eier- Cognak fcslgestellt worden. Da habe der Principal in einer Aeußerung zu dem Kläger augedeutet, daß er wohl eine Flasche genommen habe. Weiter habe M. erklärt, er müßte.die Sache eigentlich einmal untersuchen lassen" und Anzeige erstatten. Darauf habe dann der Kläger seine Bc- schuldigung ausgesprochen. Unter diesen Umständen hielt der Gerichts- Hof einen Entlassuugsgrund nicht für vorliegend und verurteilte den Wcinhändler. Die gegenseitigen Beleidigungen höben ein- ander auf. Gegen eine Lohnentschädignngs-Klage des Bauarbeiters P. machte der Maurermeister Dargatz vor dem Gewerbegericht geltend, der Kläger hätte wegen Ausschlusses der KllndiguugSfrist Plötzlich� entlassen werden können. Demgegenüber betonte P., daß der anfänglich vereinbarte Kündigungsausschluß bei seiner end- gültigen Entlassung nicht mehr rechtsgültig gewesen sei. Während er zuerst direkt für den Beklagten gearbeitet habe, sei er später in eine Kolonne als Träger eingetreten, auch habe er eine Zeitlang auf dem Bau cines� anderen UuterNehniers gearbeitet. Ein Zeuge bekundete, daß die Kolonne habe aussetzen müssen, und daß sie während der Zeit mit Erlaubnis des Herrn Dargatz einem Baunieister B. ausgeholfen habe. Der Kläger sei als Träger mitgenommen worden. Die Kammer III wies die Klage mit der Begründung ab, daß der Kündiguugs- nusschluß im vorliegende» Falle bis zur endgültigen Lösung des Arbeitsverhältnisses maßgebend gewesen sei, da es sich bei der Uebernahme der Arbeit für dem Baumeister B. nur um eine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses zum Beklagten ge- handelt habe. Rcutenabschiitzung. Der Arbeiter Fabian hatte einen Betriebs- Unfall erlitten und war dann in der Nahnsdorfer Heilanstalt be« handelt worden. Die Anstaltsärzte schätzten nach beendetem Heil- verfahren seine Erwerbsunfähigkeit auf 4ö Proz., worauf die Nord- deutsche Holz- Berufsgenosscnschaft dem Verletzten eine entsprechende Rente gewährte. F. legte Berufung ein und machte geltend, daß er in einem höheren Grade in seiner Erwerbsfähigkeit beschränkt sei. Das Schiedsgericht hörte dann noch den KreisphysiknS Dr. Straßner. Dieser hielt die Schätzung der Anslaltsärzte für zutreffend, meinte aber, man sollte die Rente auf ö() Prozent der Vollreute abrunden. Das Schiedsgericht sprach denn auch dem Kläger 50 Proz. zu. Nunmehr legte die Bcrufsgenossenschaft den Rekurs ein und berief sich auf die Praxis des Reichs- Versicher ungsamtes. Das Schiedsgericht hätte an den 45 Proz. festhalten müssen. Das Rckursgcricht trat dem bei. Es hob die Vorentscheidung auf und stellte den ursprünglichen Bescheid der Berufsgcuossenschaft, wonach F. 45 Proz. erhalten sollte, wieder her. Für seine Entscheidung waren solgeude Erwägungen maßgebend: Abweichungen in der Schätzung des Grades der Erwerbsunfähigkeit um nur 5 Proz. sollten für das Schiedsgericht in der Regel keinen Anlaß bieten, die von der Berufsgenossenschnft getroffene Rentenfestsetzung zu ändern. Der- artige geringe Abweichungen lägen noch innerhalb der natürlichen Fehlergrenze, die für jede Schätzung bestehe, und berechtigten nicht dazu, die höhere an Stelle der niederen Schätzung zu setzen. 5 Proz. sollten überhaupt in Rentenstreitigkeitcn als eine erhebliche Große nicht augeschen werden, weder bei Renten- festsetzungen, noch bei Rcntenminderungcn gemäß Z 6§, noch endlich bei Nachprüfungen vorinstanzlicher Entscheidungen. AltcrSbeschwerde» und Unfallrente. Dem Arbeiter Waschke war bei einem Unfälle im landwirtschaftlichen Betriebe ein Arm zersplittert worden, er bezog infolgedessen eine Unfallrente von 35 Proz. Die in Ostpreußen umherreisende, uus Acrztcn bestehende Rentenquetschkommission kam auch zu W. und erklärte nach der Untersuchung, daß er durch die Folgen des Unfalles nicht mehr in seiner Erwerbsfähigkeit beschränkt sei. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft stellte darauf die Rentenzahlung gänzlich ein. Das Schiedsgericht forderte noch ein Gutachten ein. Danach giebt der Kläger lebhafte Schmerzäußcrungen von sich, wenn er sich ausgiebig bewegen nmß. Auch wurde festgestellt, daß seine Arinmuökulatur zurückgeblieben sei. Der Gutachter kam zu dem Schluß, der Kläger sei»nfolge des Uufallcs noch um 20 Proz. erwerbsunfähig, da bei einem alten Manne von 64 Jahren auch geringfügige Schädigungen von größerer Bedeutung wären. Das Schiedsgericht verurteilte dann die ostpreutzische landwirtschaftliche Berufsgenosscnschaft, dem W. die frühere Rente von 35 Prozent weiter zu zahlen. Es ging davon ans, daß die Vermiudennig der Beschwerden durch die Belastung des zunehmenden Alters völlig wieder auf- gehoben würde. Auf den Rekurs der Berufsgcuossenschaft änderte jedoch das R c i ch s- V c r s i ch e r u n g s a m t die Vorentscheidung dahin ab, daß der Kläger nur mit 20 Proz. der Vollrente zu ent- schädigen sei. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß die Beschwerden dcS zunehmenden Alters bei der Rentenbemessung nicht berücksichtigt iverden könnten. Wenn nun auch eine Besserung eingetreten sei, so doch nur insoweit, daß immer noch eine Erwerbs- beschränkung von 20 Proz. entschädigt werden müsse. 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