Anterhaltungsblatt des �orivärts <5 Sk. 217- Donnerstag, den 8. November- 1S00 (Nachdruck verdoleu.) 28] Ankev Molken. Roman von Kurt Aram. Schäfer, der dem Zug nachsah, dachte unwillkürlich an die Sitte der alten Gennanen, die ihre Helden aus den Schilden trugen. Und war es nicht auch eine Schlacht, die hier auf dem Eisenwerk geschlagen wurde? War der Ohn» mächtige nicht auch ein Krieger, der in dieser Schlacht schwer verwundet worden? Auf einen Wink Ottos verschwanden die Arbeiter wieder. In den Arbeitsräumen standen sie aber noch lange in Gruppen zusammen. Jeder wußte jetzt von Aehnlichem zu berichten. Damals war es so gewesen, und bei dieser Ge- legenheit war es so zugegangen. Diesem hatte es ein Bein gekostet, jenem auch einen Arm wie heute, einem Dritten gar 'mal den Kopf. Sie kamen auch auf die Frauen und ihr Benehmen bei solchen Gelegenheiten. Man fand allgemein, daß sich die Kathriue hier benommen, wie sich's gehöre. „Krisch hat se gethan. Krisch!!" Sie wurde sehr gelobt. Auch Otto wurde gelobt. Wenn er auch grob und sehr stolz sei, so sei er doch nicht geizig, ja freigebig in solchen Lagen, und das wäre schließlich die Hauptsache. Auch sei grob und stolz sein nun'mal Ottos Natur; und gegen seine Natur kann eben niemand. Schäfer und Otto waren auch fortgegangen. Der Hof lag wieder menschenleer wie gewöhnlich in dieser Stunde.— Otto bestand darauf, daß der einmal geplante Ausflug nach dem Forsthaus nun auch ausgeführt würde, obgleich Magda sich heftig sträubte. Sie hatte vom Fenster aus ge- sehen, wie die vier den Mann auf der Thür durch die Straße trugen, und war noch ganz entsetzt von dem Anblick. Ihr war es gewesen, als wenn man einen Toten nur ohne die alles Schauerliche des Tods freundlich verbergende Hülle des Sargs fortgetragen. Otto wurde erregt und schimpfte auf die sentimentalen Weiber in der rücksichtslosesten Weise, so daß es Schäfer Pein- lich war, und auch er, um der Situatton ein Ende zu machen, vorschlug aufzubrechen. „Ihr geht voraus," sagte Otto,„ich warte den Pflaster- last.... ab und komme dann sofort mit dem Wagen nach." Magda schwieg und ging mit Schäfer voraus. Sie hatten wohl beide erwartet, dem Dorf noch etwas von der Erregung infolge des Unfalls anzunrerken. Aber das Dorf sah aus wie inimer, arm, verkommen und gleichgültig gegen alles. Niemand stand vor der Hausthür, das Ereignis zu besprechen, niemand eilte über den Weg, näheres über das Unglück zu erfahren. So sind sie nun, dachte Schäfer entrüstet, stumpf und dumpf, nicht einmal so etwas kann sie aus ihrer Lethargie herausbringen. Erst gingen sie ein Stück die langweilige Chausiee. die parallel dem Flusse und den Eisenbahnschienen lief. Dann kamen sie in Buchenwald. Der Frost, der über Nacht sich eingestellt, hatte mit seiner kalten Hand die letzten Blättchen von den Bäumen gerissen. Nur selten noch sah man ein dunkel gewordenes Blatt, das sich zusammengerollt hatte wie ein frostiges Kind im Bett, als könne es sich so warm genug halten, um noch ein wenig am Leben zu bleiben. Ein paar Stunden gelang es hie und da einem Blatt. Dann aber griff es der Frost rücksichtslos am Schopf und warf es aus dem Bett aus die kalte Erde, wo das Blatt nackt, kalt, schaudernd, noch mehr in einander kriechend, bald erfror. > Die meisten Bäume standen schon völlig kahl. ES waren nur noch Buchengerippe, so ganz und gar hatte der hungrige Frost mit Ameisengründlichkeit sie abgefressen. Sie wandelten wie durch einen Riesenkirchhof. Die nackten Buchenäste, die kahlen Krautstengel am Weg, dieser erstarrte Weg selbst, alles predigte: Alles ist eitel! Plötzlich hielten beide an. Auf einem Abhang stand ein Holzkreuz unter einem mächtigen Buchengenppe: „Da sind voriges Jahr sechs Männer vom Blitz er« schlagen worden, als sie vom Unwetter überrascht unter dem Baum Schutz suchten." Kein Laut war in der Lust. Tot und starr wie ein Er- storener hing sie auf die Erde aus den Wolken, die sich auch fröstelnd zusammengerollt hatten. Nur wenn die beiden einmal fester auf das Laub traten, ächzte es. Der letzte Ton des Lebeus in der Natur. Auch dieser Ton klang nach Tod. Sie gingen immer noch schweigend neben einander her. Nur ein lebendiges Wesen sahen sie, einen Zaunkönig, der ängstlich zu ihren Linken an dem lehmigen Abhang her» flatterte, in den der Frost große Löcher gebissen. Immer drei, vier Schritte war der Vogel vor ihnen. Dann duckte er sich einen Augenblick an den kalten Lehm, um, wenn sie näher kamen, wieder drei, vier Schritte weiter zu flattern. Doch sah man das Flattern mir. Zu hören war nichts da- von. Wie sich das arme Tierchen fürchtete! Magda ergriff Schäfer am Arm und zog ihn mit sich nach rechts ein wenig ab vom Wege. So. Nun hatten sie das Tierchen überlistet, es blieb zurück. Wieder alles tot. erstarrt. Nur hallten jetzt ihre Schritte so dumpf. Schäfer stampfte auf.„Als gingen wir über Grüfte." Dann schritten sie wieder stumm weiter zwischen den Buchengerippen auf dem harten Boden, durch die tote Lust unter den stierenden Wolken. Zum erstenmal seit seinem Hiersein uberfiel Schäfer für einen Augenblick eine geradezu brennende Sehnsucht nach Berlin. Das heißt, er wußte nicht gleich, daß eS Berlin war, nach dem er sich sehnte; aber er sah plötzlich viele Menschen vor sich, die lachten und scherzten mit roten Lippen und roten Wangen auS ihren Pelzen, denn Pelze hatten sie alle an. Sie kamen offenbar aus warmen Gasthäusern, denn es roch förmlich nach cigaretten- und speisengeschwängerter Luft. Gleichzeitig tauchten tausend elektrische Flammen auf. die alle diese lachenden Menschen überstrahlten, die nur, um sich ei« Extravergnügen zu machen, mit warmen Körpern durch di« kalten Straßen flanierten. Da konnte doch nichts anders sein als Berlin. Jetzt sah er mitten hinein in das Menschengetriebe im „Rüdesheimer" auf der Friedrichstraße, im Hotel de Rome� Unter den Linden. Nun roch er gar die Menschen, die aus dem Pschorrbriiu kamen, aus dem Franziskaner, vom Patzenhofer und Bürger- bräu. Sie rochen intensiv nach Biercigarren. Er seufzte tief. „Was ist Ihnen denn?" fragte Magda. Er sah sie an, und dann sah er um sich. Ja, was war ihm? Sehnsucht nach Berlin. Aber das würde sie schwerlich verstehen. „Nichts ist mir." sagte er deshalb. Sie gingen schweigend weiter. „Gestatten Sie. Frau Magda, ich glaube, jetzt führe ich Sie doch am besten." Sie standen vor einem Hügel. Der Frost hatte über ihn Eis gespannt wie eine zarte, durchsichtige Haut. Sie nahm seinen Arm dankend an. Auch als sie oben waren, ließ sie ihren Arm noch in dem seinen. Wie sie so Arm in Arm weiter schritten, fing Schäfer plötzlich an von sich zu erzählen, was Magda natürlich sehr freute. Seine Eltern hatte er so gut wie nicht gekannt. „So geht mir's gerade." Bei einem Onkel war er erzogen worden. Nicht mit Liebe, sondern weil sich der Onkel hierzu für verpflichtet hielt. Pflicht und Verpflichtung waren die Haupttvorte seines Sprach- schatzes. Die einzigen, die er gewissermaßen groß schrieb und unterstrich, so oft er redete. Die Tante mochte Kinder nicht, da sie selbst keine hatte. Sie war empört, daß sie auf ein- Wal für ein fremdes Kind sorgen sollte, und ließ es das stets deutlich merken. Er sollte Jurist werden wie der Onkel, wollte aber nicht. Schließlich brannte er einfach durch, als er das Gymnasium absolviert hatte. Aber er merkte bald, daß es sich von der Luft nicht gut leben ließ, und kroch zu Kreuz. Er bat den Onkel schriftlich uni Verzeihung. Dieser hielt es nun wieder für seine Pflicht, für das Fort- kommen seines Neffen zu sorgen. Er erklärte sich auch damit einverstanden, daß Schäfer Gennanistik studiere, um dann Universitätsprosessor zu werden. Erich Schmidt ist auch nur Germanist und hat's doch in der Welt zu was gebracht, meinte der Onkel. Schäfer ließ es sich gefallen, obwohl er Dichter werden wollte. Doch war Schweigen vorläufig das beste und Germanistik immer noch das geeignetste, um Dichter zu werden, wenn denn studiert werden sollte. Aber nur still dem Onkel gegenüber von solchen Plänen. Schäfer dachte nur mit Schaudern an die schrecklichen Wochen ohne Geld, als er durchgebrannt war. Das war nichts für ihn. „Pekuniäre Nöte kann nur ein ganz Großer auf die Dauer vertragen", tagte er zu Btagda.„?lur die können sich Not und Elend leisten. Die stärkt es im Grund in ihrer Eigenart. Denken Sie an Hebbel und solche Leute. Während uns die Not auch noch den letzten Rest von Eigenart nimmt", sagte er bitter, denn um sich für einen Großen zu halten, war er doch nicht dumm Qenug. Diese Erkenntnis rechnete er sich sehr h,ch an. (Füitsetzung folgt.) Die Hieiznttg zur ÄVinkevszoik. Wollen wir u»S einen Uebcrblick über die moderne» HeizungS- einricktungen unsrer Wohnungen verschaffen, so muffen wir auf jene Borrichtungen zur Zimmerheizung zurückgreifen, die wir scblechliveg als Kamine bezeichnen. Wir verstehen darunter Räume, in denen man das Brennmaicrial auf eineni Rost verbrennt, während die Ver- brennungsgase direkt in den Schornstein entweichen. Da in dem Kamin das Feuer nur„dun» Ausstrahlung" wirkt, so ist die Kamin- Heizung äußerst unvorteilhaft. Dennoch ist sie aber in milden Klimaten (England, Frankreich) sehr beliebt, da dcrAnblick des Feuers den Eindruck der Wohnlichkeit macht, und weil der vorstehende Teil deS Kamins zu einem vorzüglichen Zimmerschmuck hergerichtet werden kann. Der Ramin findet fich in Deutschland bereits in den ältesten Burgen Und in den ältesten Formen des Bauernhauses; später ist er durch die sparsameren Lesen verdrängt worden und spielt erst seit dem Wiederaufleben der Kunstindustrie von neuem eine Rolle. Mit allen möglichen Lerbesserungen versehen, ist es ihm indes nicht gelungen, auch in Gegenden mit rauheren» Klima leistungsfähig zu sein. Viel wichtiger, insbesondere für die große Masse der Bevölle- rung, sind jene Oefen geworden, die wir schlechtweg als Zimmervfen bezeichnen. Ihre Konstrultion ist sehr verschieden; meist bedingt durch die zu verwendenden Brennmaterialien. Holz und Holzkohle werden ihres hohen Preises wegen immer mehr verdrängt und meist nur zrm» Anheizen benutzt. Die nicistcn Steinkohlenarten erschwere» die Verbrennung sehr bei hoher Schichtung oder dirrch Zusammen- backen, verstopsen die Zlvischenräume der Roste, so daß das Feuer schließlich ans„Mangel an Zug" erlöscht. Diesem Uebelstande wird dadurch entgegengearbeitet, daß die Feuer- stelle nur mit einer geringen Kohlenschicht bedeckt wird, nach deren Verbrennung neuer Brennstoff auS einem oberen Vorratsbehälter ans den Rost fällt; hierher gehören die sogenannten Schichtöfcn/wie solche in Kaiserslautern und Dresden hergestellt werden. Der Karlsruher Professor Meidinger suchte auf andre Weise dem Znsammenbacken der Steinkohlen beim Verbrennen zu begegnen. In seinem nach, ihm benannten Ofen werden die Kohlen in einen senkrechten Schacht geworfen und oben entzündet. Durch die entwickelte Wärme bilden sich brennbare Gase in den unteren Schichten, die. dann zunächst zur Verbrennung gelangen; dieser Prozeß setzt fich bis auf die unteren Teile des Schachts fort, über sich die Kohle zuriicklaffend, welche dann erst allmählich zur Verbrennung gelangt in dem Maße, als die Bildung der Hohlräume zunimmt. Ganz besonders beliebt sind in neuerer Zeit die sogenannten amerikanischen Füllvfen, die aber nur mit theuerer Magerwürfelkohle «luthracit oder GaScoaks in Nußgröße zu feuern find. Bei An« Wendung von Füllöfen ist vor allem ein gut ziehender Schornstein notwendig, da die Kohlen, mit denen dieselben beschickt werden, an- fänglich nur zur unvollkoinmenen Verbrennung gelangen, wobei die Bildung eines giftigen GaseS, des Kohlenoxyds, stattfindet, dessen Abführung nur durch einen vorzüglich wirkenden Schornstein bewirkt werden kann. Ferner: von der Dichtigkeit der Fugen, von deren Undichtigkeit man eine Verschlechterung der Zimmerlust besorgt, wird meistens viel zu viel Aufhebens gemacht. Em guter Schornsteinzug wird alle sich entwickelnden Gase entferne» und durch derartige Un« dicktigkcitcn des Ofens nur Zinmierluft einsaugen; ist dagegen kein gurer Zug vorhanden, so wird der Ofen trotz dichter Fugen aus Heiz« und Aichthüren rauchen. Die Art der Erwärmung der Räuine lvird sehr durch das Ofen« Material, Thon oder Eisen, beeinflußt. Der gebrannte Thon ninrnrt als schlechter Wärmeleiter mir langsam die Wärme der Feuergase auf und giebt sie noch langsamer an den zu erivärmenden Raum ab. Aus Thon hergestellte Oefen, Thon-, Kachel- und Berliner Oefen genannt, die aus dem russischen Ofen hervorgegangen sind, erwärmen erst nach mehreren Stunde» �das Zimmer. Dafür kann aber die Feuerung nach verhältnismäßig kurzer Zeit eingestellt werden, und die im Ofen aufgespeicherte Wärme bewirkt ein nach- haltiges Erwärmen des Raums. Damit die aufgespeicherte Wärme nicht durch de» Schornstein entweicht, muß dieser von» Ofen ab« geschlossen werden, doch nicht hinter de»n Ofen durch sog. Ofenklappe in der Ranchröhre,»vodurch Kohlenoxydgas-Vergistung entstehen kann, sondern vorn, durch luftdicht schließende Ofcnthüren. Die gleich- mäßige, milde Wärme-Avgabe, die nicht durch Strahlung belästigt, läßt den Tbonofen für Wohnräume vorteilhaft erscheinen. Das Wänneleitnngs-Vermögen des Eifens ist etwa 83 mal größer als das des Thons, und mithin erhitzt sich der eiserne Ofen schneller und giebt die aufgenommene Wärme schneller an die Zimmerlust ab als der Thonofen. Hieraus ergiebt sich, daß man im eisernen Ofen beständig ein mäßiges Feuer unterhalten muß. Eiserne Oefen»verde»» leich» an der Anßenivand zu heiß und dann durch sehr starke Wärme- Ausstrahlung lästig und ungesund. Der glühende eiserne Ofen verbrennt an seiner Außenwand den durch die Lustströmung zugesührten Staub und entwickelt so übel- riechende, die A�nnngsorgane reizende Substanzen. Indessen find die meisten Ilebelstände der geivöhulichen eisernen Oefen durch ziveckmäßige Konstruktion zu beseitige», und die neuesten Formen derselben find in ökonomischer»vie hygienischer Beziehung vor- zuziebeu. Das Verlangen nach Dauerheizung mit möglichst gelinder Wärme-Abgabe führte zur Konstruktion von Centralhcizungcn. Man fand im Rippenkörper das geeignetste und heute fast allgemein an- genommene Mittel zu deren Ausführung. Dlirch die auf de» glatten Wänden eines Heizkörpers angebrachten Rippen»vird die Lust, die an demselben entlang streicht, in Schichten zerteilt und ihr dadurch Gelegenheit geboten, fich rafch zu erivärmcn. Abgescheii von der gleichinäßigen Tenrperaturerbaltung führen die Centralheizungen den Vorteil mit sich, daß sie Kohlen- und Aschestaub aus der Wohnung fernhalten. Je nach dem Mittel, welches die Wärme von der Centrale aus nach der Verbrauchsstelle führt,»verde» Luft-, Wasser- und Dampfheizungen unterschieden. JedeS dieser Heizsysteine hat seine ganz besondere Eigentümlichkeit, durch welche die Wahl des Systems für den jedesmaligen Fall bedingt»vird. Die Lustheizung ist die älteste und billigsteder Centralheizungen. Sie trägt aber den Uebelftand, daß sie»vcgen der vielen Zu-»md Abstihrungskanäle in den Mauern nur in neuen Gebäude»» ausfuhr- bar ist. Diese Heizung wird übrigens nur dann zufriedenstellende Ergebnisse liefern, iveui» die Luft in den Heizkammcrn nicht Über» mäßig erhitzt wird, da sonst der unvermeidliche Staub auf den Heizkörpern mehr oder weniger vergast wird und die Luft eine die Schleimhäute der Atmungsorgane reizende Eigenschaft erhält, die man mit Unrecht einer durch die Luftheizung vermehrten Trocken- heit der Luft zugeschrieben, die jedoch nicht in höheren» Maße als bei andren Heizungen stattfindet. Reuerdings wird die Lust in den Heizkanunern vielfach, anstatt durch dauernde Feuenmg, mittels Dainpf oder auch Heißivasser erivärmt, so daß ein Glühend- »verde» des Heizkörpers und Verderbe»» der Luft dadurch aus- geschlossen»vird. Die Wasserheizung benutzt den Kreislauf dcZ an einer Stelle erwärmten und an einer andren Stelle»vieder abgekühlten Wassers in«inen» geschlossene» Rohrsystem. Man unterscheidet Niederdruck- oder Warnuvasser- und Hochdruck« oder Heißivasser« Heizung. Eine Kombinatioi» bildet die Dampfivasser- Heizung, ferner die Dampflust- und Wasserluft- Heizung. Die Betriebskosten der Wasserheizung sind mäßig, dagegen erheischt sie die relativ höchsten Anlagekosten. Da bei dieser Heizung ein großes Quantum Wasser vorhanden ist, so hält die Wänne längere Zeit ai». In Wohn- Häusern hat man die Annehmlichkeit, durch Anbringung ver- schiedener Hähne das Wasser z» andren häuslichen Zwecken benutzen zu können, z. B. zur Toilette, auch zu Brausedouchen,»velche man leicht damit in Verbindung setzen kann, so daß deren Wasser temperiert wird. Die Anlagekoften der Heißioasserheizung sind, da sich die Heizschlangen'billig und bequem anordnen lassen und die Heizflächen in den einzelnen Räumen der hohen Wafsertempcratur halber sehr gering zu sein brauchen, billiger als die einer Warm« Wasserheizung. Bezüglich der Wärmeregulierung steht sie hinter der Warmivasserheizung»veit zurück; auch ist die Explosion bei Mangel- hafter Wartung nicht auSgeschwfse». Der sich auf den Rohren ab- lagernde Staub zersetzt sich durch deren hohe Temperatur schnell, was üblen Geruch zur Folge hat, weshalb sie sich in gesundheitlicher Beziehung nicht empfiehlt. Die Dampfheizung ist ihrer unendlich mannigfaltigen Anlvendung wegen dasjenige Heizsystem, das sich unter fast allen Umständen venvenden läßt. Sie ist hauptsächlich da rätlich, Ivo Fabriken in nächster Nähe liegen, bezlv. wo sie an vorhandene Dampfkessel an- geschlossen werden kann. Für größere Gebäude und Anstalten, wie Verwaltungsgebäude, Schulhäuser, Spitäler usw., eignet sich sehr gut die toiubinierte Dampfwasserheizung. Da sich der Dampf mit großer Schnelligkeit auf weite Strecken verteilen läßt, lassen sich die entlegensten Ocfen eines weitläufigen Gebäudes ebenso stark erwärmen, wie die dem Kessel zunächst liegenden; auch geht in den Zuleitnngsröhren, die gut eingehüllt sind, nur eine Minimalmenge Wärme verloren. Es lassen fich bei dieser Heizung sehr einfach einzelne Zimmer und Oefen oder einzelne Stockwerke von der Heizung abschließen, auch können die Dampfkessel oberhalb oder außerhalb des Gebäudes liegen. Die Hochdnick-Dampfheizung erfordert polizeiliche Konzession, die an gewisse, in Privathäusenr selten zu erreichende bauliche Be- dingungen geknüpft ist, und besondre Kesselwärter. Zur Bermeidung dieser und noch sonstiger diesem System anhaftenden Mängel ging man zum Dainpfnicdcrdruckshstem über, dessen Anlage konzcssionsfrei ist. Soll eine solche Heizung rationell betrieben werden, so bleibt sie Tag und Nacht im Betrieb, doch ist alsdann eine Regulierung der Wärme-Abgabe vorzusehen. Sehr wesentliche Annehmlichkeiten bietet die Gasheizung, und man hat seit längerer Zeit versucht, sie im großen Maßstab ein- zuführen. Nebe» den in Deutschland in neuerer Zeit benutzte» Gas- lammen ist es besonders der von Mcidinger u. Reichard konstruierte Karlsruher Schulofen, der besondere Erfolge erzielt hat. Durch Vor- wärmung der Verbrenuungsluft ist es gelungen, eine Steigerung der Verbrennungstcmperatur zu erziele», ivozu die Wärme der ab- ziehenden Rauchgase benutzt wird. Bei den nach diesem Princip konstruierten sogenannten Regencrativöfcn soll eine geruchlose Ver- brennung und starke Erwärmnng des Bodens erreicht werden. Das Ideal aller Heizungsarten ist die Elcktricität. Aber auch nur ein Ideal— und das scheint fie fürs erste auch zu bleibe». Trotz ihren unbedingten Vorzügen: Begncmlichkeit, Ungcfährlichkeit, Reinlichkeit, Wegfall aller Verbrennuugsprodukle usw., hat sie noch wenig Eingang gesunden. Sie ist zu teuer; alle vorhandenen Pro- jekte zur eicktrischcu Zimmerheizuug kranken an diesem Uebel. Doch giebt es zahlreiche Gebiete der Wärmevenvcndung, wo die Kosten keine ausschlaggebende Rolle spielen. Für solche ist der elektrische Strom schon heute ein ganz bedeutendes Hilfsniittel. In dem Augenblick aber, wo es gelingt, die Elektricitäl zu verbilligen, d. h. die Energie der Kohle direkt in Elettricität überzuführen, ein Problem, das die wissenschaftliche Technik beschäftigt, wird das Gebiet der Heizung sotvohl als auch der Beleuchtung und Krastübcr- tragung mit einem Schlage ein andres sein.— („K ölnische Volkszeitun g."') Nleines Feuilleton. — Ei« Fitrstencxamcn. Alexander Büchner, der Bruder des verstorbenen Ludivig Büchner, erzählt in seinem Buch„Das tolle Jahr" das folgende schnurrige Erlebnis, das sich 1848 in Gießen zugetragen hat. Büchner kam um 1 Uhr in der Nacht mit einem Studierenden der Medizin etwas„angesäuselt" aus dem Wirtshause. Gegciniber lag die Post, eine Postchaise wurde dort umgespannt, und die Studenten erfuhren, daß der neue Kurfürst von Hessen, auf der Reise von Frankfurt nach Kassel begriffen, im Wagen saß. Sie hielten cS für bilkig, ihm die Zeit zu vertreiben, und so öffneten fie den Wagenschlag; zivei Herreu saßen im Fond.„Königliche Hoheit", sagte der Mediziner,„Sie stehen im Begriff, ein deutsches Land zu regieren; wollen Sie uns daher erlauben, Ihnen einige Examenfragcn zu stellen, deren Beanlworttiiig uns beweisen würde, daß Sie jener Aufgabe ge- wachsen sind?" Keine Antwort.„Erste Frage", begann Büchner, „wer lacht über Griechenland?" Keine Antwort.„Da Sie das nicht zu wisse» scheinen, so muß ich es Ihnen sagen:„Ein elvig heiterer Himmel."„Zweite Frage", fiel der Mediziner ein,„von was find die Sterne nicht?" Keine' Antwort.„Ei, ei", rief der Fragende.„Sie bestehen schlecht, Herr 5ta»didat, Sterne sind nicht von Goldpnvier."„Dritte Frage", fuhr Büchner fort,„wanun sollte das Meer nicht salzig sein?" Keine Antwort.„ES schwimmen ja so viele Heringe drein", rief Büchner in den Wagen. Inzwischen stieg der Begleiter des Kurfürsten, ein General- major von Habelschivcrdt, auf der andren Seite aus dem Wagen, schritt auf die Studenten zu und zog den Degen. Einer der Postillone warnte ihn jedoch und sagte, wenn er die Studenten angreife, würden diese den Ruf„Burschen heraus" erschallen lassen, und dann würden Hunderte von Studenten kommen und die Herr- fchaften tüchtig durchprügeln. Der General steckte den Degen ivicdcr ein, und zwei Pedelle, die auf den Lärm herbeieilten, scheuchten die Studenten nach Hause. Die Sache machte Aufsehen und ivnrde mit Zuthaten und Uebertreibungen in den Zeitungen besprochen. Der Kurfürst erhob am Bundestage und in Darmstadt Klage wegen Bc- leidignng, aber eine in Hinblick auf die Februar-Rcvolütion erlassene Amnestie schützte die Studenten.— — Das Freiniaurcrzeichen am Eiscnbahnschakter. Bon dem unlängst verstorbenen ungarischen Reichstags- Abgeordneten Alger no ii Beöthh erzählt der„Pester Lloyd" folgendes Ge- schichtchen: Ein reicher Großwärdeiner Geizhals bemerkte einmal. er Ivürde sich gern die Herrlichkeiten der Hauptstadt ansehen; es sei ihni jedoch um die Reisespesen leid.„Wer lvird aber auch eine Eisen- bahnkarte zahlen," erwiderte Beöthy.„Wir Freimaurer fahren gratis. Wir geben dem Stationskasfierer das Freimaurerzeichen und er folgt uns unentgeltlich ein Billet aus." Auf endloses Flehen und Bitten des Sparnieisters verriet ihm Beöthy das Geheimnis.„Du gehst zum Schalter und klopfst dreimal mit dem Zeigefinger auf die rechte Seite der Nase." Eine halbe Stunde vor Abgang des Zugs stand der Geizhals beim Schalter und gab das verabredete Zeichen. Der Eiseubahnkassierer, dem Beöthh die Kosten einer Fahrkarte erster Klasse bereits entrichtet und den er ent- spreckiend informiert hatte, folgte wortlos das Billet aus, und hoch- beglückt bestieg der Spanneister den Bndapester Zug. Bei der Rückfahrt wollte die Sache natürlich nicht klappen. Der Buda- pester Eisenbahnkassierer sah mit Erstaunen einen Herni am Schalter, der eine Fahrkarte 1. Klasse nach Großivnrdein verlangte, sich ver- zweifelt auf die Nase tippte, jedoch keine Miene machte, die Fahrtaxe jm bezahlen. Die nachdrängende Menge murrte, der Kassierer frochte, der beim Schalter ivachhaltende Konstabler inter- venicrte, und mit Ach und Weh mußte sich der Großwardeiner dazu bequemen, sein Billet zu bezahlen. Zu Hause angelangt, machte er Beöthy die heftigsten Vorwürfe über den„Aufsitzer". „Aufsitzer?" erwiderte Beöthy mit der unschuldigsten Miene von der Welt.„Der Teufel hat Dick aufsitze» lassen, nicht ich. Wie hast Du denn die Fahrkarte verlangt?" „Ganz einfach," war die Autwort,„ich tippte dreimal, was sage ich, dreimal dreißigmal dreimal auf die rechte Nascnseite.. „Jetzt, Schafskopf, sehe ich klar," bemerkte Beöthy ernst.„Du weißt ja, auf der Hinreise ist die rechte Nasenseite zu tippe». Auf der Rückreise hällest Du die linke Seite der Nase berühren müssen..." — Chinesischer Wih. Der„Kölnischen Zeitung" wird ge- schrieben: Kaum auf die Gräber seiner Ahnen hält der Chinese so viel, wie auf seine lillerarische Bildung. Auf Grund seiner litterarisch ästhetischen Kenntnisse fühlt er sich allen andren Menschen überlegen. Daß sie an dieser Geistes- und Gefühlserziehung keinen Teil haben, das ist der Hauptgrund für ihn. sie zu verachten. ES ist ein eigene? Ding um den chinesischen Geist. Wie ein Hauch aus einer andren Welt mutet er den Abendländer an. Verschiedene GcsellschaftSschichten erfreuen sich an Witzen der verschiedensten Art; aber auf welche eigne Weise der Chinese witzig sein kann, wissen ivenige. Ein chinesisches Schcrziuärchcn, wie es deren viele giebt, erzählt ein Abenteuer von zwei Fröschen:«Die beiden Frösche Ling und Sing wohnten in einer Stadt mit Namen Lingfu. Sie hatten dort die Gräber ihrer Ahnen, fetten Schlamm, reines Wasicr. grüne Blätter und blauschilleriide Wasser- fliegen, genug, um in Wohlsein zu schwelgen. Aber wie das so geht, wenn es den Fröschen zu wohl wird, sie wurden beide immer unzufriedener. Die Stadt wuchs, und das Wasser ward immer schmutziger. Erst entrüsteten sich die beiden Frösche nur im stillen, dann schimpften sie laut und schließlich gelaugten sie zu dem Entschluß der That. Sie beschlossen, anSziilvandern, falls daS Wasser noch schmutziger werde, und sich lieber von ihren Ahnen- gräbern zu trenne», als solch' ein froschnntviirdiges Dasein weiter zu ertragen. Und das Wasser ward noch schmutziger, und an einem schönen feuchten Morgen, als der Liegen nur so floß und plätscherte, ivarsc» sie ihrer Heimat noch einen Scheideblick zu und wanderten in die Ferne. Aber die beiden Frösche waren vor- sichtige Leute. Sic halten gehört,� daß jenseits des großen BeraS cincssStadt liege, die förmlich von Sauberkeit wiederstrahle. Dorthin ivolllen sie ziehen, sich aber doch vorher durch einen Blick vom Bcrgesgipfel aus vergewiffer», ob die Stadt auch wirklich so rein sei, wie die Sage sie' mache. Eine volle Woche hüpften sie täglich achtzehn Stunden. Da war nach vieler Mühsal der BergcSgipfel erreicht. Sie hüpften auf den höchsten Stein. Hoch ans richteten sie sich auf die Hinterbeine, reckten die Körper so hoch sie nur konnten, und schauten und schauten. Und siehe da, es war kaum glaublich: die Stadt, die sie sahen, stand ihrer Heimat an Schmutz nicht nach. Hier wie dort starrte alles von Unrat. Da wurden die beiden Frösche traurig, sahen sich wehmütig an und zogen geknickten Gemüts in ihre Heimat zurück." Nicht wahr, eine geistvolle Geschichte, verehrter europäischer Leser? Aber die Ge- schichte hat doch ihre Spitze. Du siehst sie bloß nicht, weil Dir leider die tiefe litterarische Bildung des Chinesen abgeht. Hast Du schon einmal einen Frosch gesehen? Weißt Du, daß er seine Augen auf der oberen Seite seines Körpers hat und rückwärts schaut, wenn er sich hoch emporrichtet? Die beiden Frösche hatten ihre alte Heimat wiedergesehen und gar nicht die Stadt jenseits des großen BergS. Wärst Du ein Chinese, so hättest Du in der Jugend gelernt:„Die Rübe hat ihre Krone in der Erde und der Frosch hat seine Augen auf dem Rücken." Also Hut ab vor dem chinesischen Geiste I-» Theater. Berliner Theater: Der Rebell. Schauspiel von Hugo Ganz.— Der„Rebell" ist ein furchtbar braver Mann. Offen gestanden: er wäre mir lieber, wenn er weniger brav und dafür etwas intelligenter wäre. Er sitzt in einer Gemeinde- Vertretung, die sich' mit allen möglichen Schmutzereien befleckt hat und zwar sitzt er gerade in der Fraktion, die am beflecktesten ist. Sein Kindergemüt hat keine Ahnung von den Gemein« heilen, bei denen er Helfershelfer gewesen ist. Schließlich gehen ihm die Augen aber doch auf, und er lvird nun— ach, hcrrjch I— zum„Rebellen." Er nennt einen Maaistratsrat einen Schurken, lehnt ein Duell ab, läuft in langen Stiefeln ins Kasino und führt dort eine Scene auf, appelliert an das lernfesie Bürger- tum usw. Schluß der Affaire t Der.Rebell' wird von allen iier- lassen, sein Sohn fordert den Magistratsrat und wird erschossen. Er selbst— der Rebell— stürmt mit seinen Arbeitern das Kasino und wird gleichfalls erschossen. In der Gemeindevertretung wird es wohl beim alten bleiben. Die Arbeit ist— litterarisch betrachtet— die dilettantische Stümperei eines politischen Jonrnalisten. Solange Herr Ganz Journalist bleibt und auf der Bühne politisch polemisiert, erweist er sich als ein durchaus respek« tabler Leitartikler. Das war am meisten im zweiten Akt der Fall, der infolgedessen auch am günstigsten wirkte. Furchtbar wird Herr Ganz erst, Ivenn er poetisch wird und das kam leider sehr häufig vor. Er hat JbsenS.Volksfeind' gelesen und daS Werk scheint mit Recht Eindruck auf ihn gemacht zu haben. Ein Künstler sagt sich in solchem Fall:„Der Stöfs ist erschöpft; daS Motiv ist mithin erledigt.' Herr Ganz als Stümper sagt freiiRstrahlend: „das ist sehr hübsch; das kann ich auch dichten I' Und dann geht er hin und thut es wirklich. In der Darstellung waren Herr Waiden und L'Allemand am feinsten. Herr P i t t s ch a» ist als Schauspieler so brav wie der „Rebell', den er zu spielen hatte. Auch er wäre mir— offen ge- standen— lieber, wenn er etivas weniger brav und daftir intclli« genter wäre. Er verfügt über ein Ehrbarkeitspathos, das in geradezu entsetzlicher Weise auf die Nerven fällt. Die Leistungen W a l d e n s werden hoffentlich von der Direktion liebevoll verfolgt. Seine einfache und gelegentlich stille Art ist wirklich nicht gewöhnlich.— L. 3. Medizinisches. d. Ueber eine Berufskrankheit der Seiden- spinne rinnen hat der Sekretär der Pariser Akademie der Medizin bei Gelegenheit der letzten Sitzung eine überraschende Auf- klärung gegeben. Das hhgicinische Interesse an der eigentlichen Berufskrankheit ist selbstverständlich auf die Länder beschränkt, in denen die Seidenspinnerei eine bedeutende Entwicklung besitzt. Die Tragweite ist aber eine viel größere, denn überall beinahe hörte man im Laufe deS Sommers von gewissen Erkrankungen, die an- acblich von Raupenhaoren herstammen. ES find an der deutschen Ostseeküste Fglle vorgekommen, daß gelegentlich einer Ueberschwemmung der in der betrefiendcn Gegend befindlichen Nadelwaldungen mit ProzessionSraupen und infolge der dadurch bedingten geradezu epidemisch austretenden Krankheiten beliebte Badeorte ganze l�ahre lang, so lange die Raupenpest dort herrschte, ver- ödeten und die größte Schädigung erlitten, an andern Stellen haben fich Eicheuwaldmigen als der Ausgangspunkt einer derartigen Landplage erwiesen. Somit handelt es sich um eine ziemlich häufige Erscheinung, deren Erklärung daher einen all- gemeinden Wert beanspruchen darf. Allerding» finden sich wohl Erflänmffsjt auch jetzt bereits in den Büchern der Insektenkunde vor, z. B. sollen die Raupeuhaare mit ihren feinen Spitzen ohne weiteres in die Hant emdringen und dort Entzündungen hervorrufen, oder sie sollen so diel Ameisensäure enthalten, daß sie einen starken Reiz auf die Haut ausüben; diese Erklärungen scheinen aber hinfällig zu sein. Einer der ersten lebenden Jnsektenforscher, I. Fabre in Avignon, durch viele ausgezeichnete Arbeiten besonders auch über die LebenSgewohnheiten der'Jnsekten rühmlichst bekannt, hat in seinen kürzlich verössentlichtcn„Scmvsmrs Entomolo gigues" auch ein Kapitel „Ein Insektengift' geschrieben und darin die Erklärung der Erkrankung durch die Raupeuhaare im allgemeinen und jener Berufskrankheit der Seidenspinnerinnen im besonderen gegeben. Bekannt wurde letztere um die Mitte deS Jahrhunderts, und 1852 empfing die Pariser Akademie zum erftenmale einen Bericht über die Krankheit in den Seiden- spinnereien, worauf eine für die damalige Zeit klassische Unter- suchung eingeleitet wurde. Um die Kokons abwickeln zu können. tauchen die damit beschäftigten Frauen sie in Schüsseln mit kochendem Wasser, um die guminiartige, an den Seidenfäden haftende Substanz zu erweichen. Bei dieser Arbeit stellt fich schon in den ersten Tagen eine Rötung und ein Jucken der Haut an den Händen ein, später kommt es zu schmerzhaften Wunden, Blasen und Pusteln mit reich- lichem Ausfluß und Eiterabsonderung. Schließlich kann die Haut derart angegrissen werden, daß sie wie von der Rose befallen aus- sieht, und eS kommt wohl gar zn einer Schwellung und völligen Entstellung der Finger und zur Bildung großer Geschwüre. Die Heilung geht nur langsam von statten und lange noch bleibt das' juckende Gefühl und der Schmerz_ bei der Bewegung der Finger zurück. Besonders häufig stellt fich die Krankheit ein, wenn alte aus China eingeführte Kokons gesponnen werden, die also bereit» lange Zeit auf- bewahrt worden sind. Früher suchte man die Ursache des ichädlichen Einflusses jener Beschäftigung in der langen Berührung der Hände mit heißem Wasser und in der Reizung durch die in Fäulnis über- gehenden organisckien Stoffe, die au« der Vernichtung der in den Cocon» befindlichen Schmetterlingspuppen stammen. Diese Er- kläning lag nahe, da das in den fraglichen Gefäßen befindliche Waffer meist so entsetzliche Gerüche von sich gab. daß man schon vor S0 Jahren in Frankreich die Seidenspinnerei unter die ungesundesten Betriebe einreihte, weil sie auch die Wasserläufe der Nachbarschaft verunreinigte. Fabre ist nun bei seinen Untersuchungen von jener Beobachtung ausgegangen, daß die Raupen gewiffer Bombyx-Arien (Spinner) bei der Berührimg«in schmerzhafte» Jucken verursachen. Verantwortlicher Redacteur: De. Georg Grndnnuer in Ero! Die ältere Annahme,.baß diese Wirkung von Giftdrüsen herrührt«, die von der Haut aus die Haare mit einem sehr heftigen Gift befeuchteten, ist von Fabre dadurch widerlegt worden, daß er das völlige Fehlen solcher Drüsen nachwies. Andrerseits hatte er unzweifelhaft festgestellt, daß die natürlichen Absonderungen der Raupen die Ursache der eigentümlichen Gistwirkung sind. Seiden« raupen, die sich immer auf frischen Maulbeerblättern aufhaltet� können ganz ungestraft in die Hand genommen werden, dagegen stellt sich sofort das schmerzhafte Gefühl ein, wenn man eine Raupe anfaßt, die auf einem lange benutzten und von ihr und ihren Geschwistern selbst verunreinigten Lager gelebt hat. Die Maulbeer» blätter haben sich dann mit einer dicken Schnmtzkruste überzogen, und in dieser find giftige Stoffe enthalten, die sich den Haaren der über sie hinwegkriechenden Raupen mitteilen. In allen andren ähnlichen Fällen ist wahn'cheinlich ein entsprechender Borgang die einzig richtige Erklärung für die Gefährlichkeit der Raupeuhaare'. Di« Prozessionsraupe nimmt ebenso den in ihren Exkrementen enthaltenen Giftstoff von den damit beschmutzten Baumzweigen mit den Haaren auf. Daraus wird es auch erklärlich, daß die behaarten Raupen in dieser Be« ziehung gefährlicher siudalS die nackten, obgleich der fragliche Gifistoff, der hauptsächlich in ätzenden Säuren und scharfen Salzen besteht, den Exkrementen aller Ranpen geineinsam zu sein scheint. In Frank» reich will man jetzt versuchen, ob Lösungen von Chlorkalk, die sich als ein wirksames Mittel gegen starres Schlangengift erwiese« haben, etwa auch gegen dieses Raupengist dienlich sein könnten, ob» gleich es sich dabei nicht um ein eigentliches Gift, sondern mir um ätzende chemische Stoffe handelt. Man will zu diesem Zweck ei« besonderes Laboratorium errichten, um darin die nötigen Unter» suchungen vornehmen zu lassen und nach Möglichkeit aus Grund der Ergebnisse die höchst lästige Raupenkrankheiteu aus de» Seide«» spinnereien zu verbannen,— �inmoristislftes. — Auf der Lokalbahn. Sachse(zum Zugpersonal): «Ei nu', ich gloobe gar, heute schieb'» Se den Zug?'' Zugspersonal:«Aber nu här'u Se bei die Gahlen» h r eis«! 1"— — Ein Reinfall. Herr(der einer Dame ins Wasser nach- gesprungen ist):„O weh, ich Dummkopf kann ja nickit schwimme« I' Eulalia:»Llber ich; jetzt rette ich Sie und Sie heiraten mich ans Dankbarkeit, oder— ich lasse Sie ertrinken I'— — Vegetarische Wut. Frau:«Aber Hermann warum wirst Du schon wieder wild?" Vegetarier(ärgerlich):«Wild kann ich überhaupt nicht werden, ich bäume mich höchstens.'— («Meggend. hum. 931.') Notizen. — Die„Freie Litterarische Gesellschaft' ver» anstaltet am 9. und 25. November im Architektenhaus thre ersten Vortragsabende.— —„Erlkönig, ei« Schwank von A. Hill, ist vom Schauspielhaus zur Aufführung aiigeiiommen worden.— — Int Tbeater des Westens gelangt am 2t. d. M. das Musikdrama„Maria und M a g d a l e n a' v o» M a j j e n e t durch den Cncilienverein zur Auffiihriiiig.— — Im Prozeß um den Sk a ch l a ß I o h a n n e S B r a h m s wurde durch Urteil des Wiener Oberlatcdesgerichts aus Grund eines im Nachlaß vorgefundenen Briefs, dein die Verwandten in erster Instanz Testainentscharakter abgesprochen hatten, der„Ge- sellschaft der Musikfreunde in Wien', dem Wiener Musikverein „Czeruy" uud dem Hamburger Musikvercin„Liszt" die Slnume von 210 000 Gulden zugesprocheu.— — Die dänische aus 13 Mitgliedern bestehende Expedition, die im Mai abreiste, um unbekannte Gegenden Islands zu erforschen, ist wohlbehalte» nach Kopenhagen zurückgekehrt. Wichtige wissenschaftliche Resultate wurden erreicht.— — Laut Mitteilung des preußischen meteorologischen Instituts waren in Preuße» int Jahre 1899 fünf meteorologisch« Stationen I. Ordnung(Aachen, Bremen. Erfurt, Magdeburg und Uslar), 113 Stationen II. Ordnung, 71 UI. Ordnung und acht IV. Ordnung vorhanden. Die Gesamtzahl aller thätigen Siegen» stationen betrug 2113, von denen im Laufe des Jahrs 70 eingingen. Gewitterstationen sind 1427 vorhanden, von denen zuscunme« 44 906 Meldekarten eingingen.— — Die Schriftgießerei von W. Wöllmer in Berlin 81V., Friedrichsir. 220, setzt Preise von insgesamt 2700 M. auS 1. für Entwürfe zu einer modernen, eigenartigen Reklame- und Jnseratschrist; 2. für Entwürfe zu ciner moderne» Cirkularschrift, die sowohl stehend als schräglicgend sein kann.— Alles Nähere ist bei der Firma zu erfahren.— c. Die K 0 r p n l e n z einer Sängerin als Eni» lasfungsgrund. Miß Miiniie Tracy, eiiie der Primadonnen der englischen Qperngesellschaft von Savage und Grau in New Kork wurde plötzlich entlassen, weil ihre immer mehr zunehmende Kor» pulenz ihr Erscheinen auf der Bühne beeinträchtigte.— -Lichterfelde. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.