Mnterhaltungsblatt des vorwärts ?k. 224. Sonntag, den 18� November 1900 35] «Nachdruck verbalen.> Antev BVolken. R o ina n von Kurt vm. . ram. Am Geburtstagsmorgen war Schäfer sehr geschäftig. Er lief rastlos treppauf, treppab, alles möglichst hübsch in Magdas Zinnner zu arrangieren, die gar nicht aus dem Eßzimmer sollte, bis alles in Ordnung wäre. Wie that ihr diese Geschäftigkeit Schäfers wohl. Sie war gar nicht gewöhnt, daß sich so um sie gekümmert wurde. Die alte Onkel imd die blinden Tanten hatten sie zivar auch stets sehr reich beschenkt, aber es ging dabei so steif und nüchtern zu, daß die großen Geschenke ihr wenig Freude machten, zmnal sie es von jeher gewohnt war, reich beschenkt zu werden. Am Geburtstag und zu Weihnachten vermißte sie jedes Jahr schmerzlich ihre Eltern, wenn sie sonst auch nicht oft an sie dachte. Seit sie verheiratet, hatte sich darin nichts geändert. Otto hatte überhaupt keinen Sinn für„Liebenswürdigkeiten", und dann war es mit seiner Liebe ja überhaupt schivach bestellt. Auch jetzt blieben große Geschenke nicht aus, Iveder zum Geburtstag noch zu Weihnachten, aber sie kam sich doch auch noch als verheiratete Frau vor wie ein ausgeftoßeries Kind, das keine Liebe keimt. Wie ließ sich das heute ganz anders an. Wie war dieser Schäfer von einer ganz kindlichen Freude besessen, alles möglichst hübsch für sie herzurichten. Den Mann hätte sie lieben können, hätte sie ihn zur rechten Zeit kennen gelernt. Wie oft mußte sie das denken, während sie gehorsam still im Eßzimmer saß und draußen auf den Gängen Schäfer geschäftig hin und her eilen hörte. Gerade daß Otto sich auch heute nicht dabei beteiligte, obwohl es doch so nahe gelegen, hätte, machte ihr das noch deutlicher. Otto that das nun heute nicht aus Gefühllosigkeit, wie Magda bitter dachte, sondern ganz einfach, lveil er wünschte, daß gerade dadurch, daß er alles Schäfer überließ und höch- stens über dessen„Biereifer" Witze machte, Magda immer fester anbisse, recht verliebt in Schäfer würde. Denn allzu- lange hielte es Schäfer doch wohl nicht mehr hier in dem Nest aus. Bis er abreiste, mußte aber der Eindruck, den beide auf einander gemacht, doch wenigstens so ties s«tn, daß er ein gutes halbes Jahr vorhielt, bis er Schäfer wieder hierher eiuladen könnte. Otto machte ein immer mürrischeres Gesicht, während er Magda Geselljihaft leistete, schimpfte heftig über all' den Lärm im Haus und das ganze Gethue. Wie bitter das Magda zu Herzen stieg I Bald nieinte sie, eS nicht länger mit anhören zu können und ging zur Thür. Sofort stemmte sich Schäfer draußen dagegen und rief im höchsten Eifer;„Bitte, nur noch ein paar Minuten, meine Herrschaften, dann ist's soweit. Passen Sie nur auf, Geburtstagskind, wie hübsch es wird!" Schon war er wieder fort, und Magda setzte sich wieder. „Bin mir begierig, was dabei schließlich für'n Blödsinn herauskommt," spöttelte Otto. Magda hätte weinen mögen über seine Roheit. Endlich kam Schäfer herein, wischte sich über die feuchte Stirn und fragte:„Wo habt Ihr denn die Geburtstags- schelle? Bei mir zu Hause spielle die immer'ne große Rolle." „Was sür'n Dings?" sagte Otto möglichst höhnisch. Aber Schüfer kramte schon im Buffett.„So,' da Hab' ich's, die thut's ganz gut." Er hielt eine silberne Schelle in die töhe.„Also. Geburtstagskind, dreimal schellt jetzt der gute eburtstagsonkel, dann tritt das Geburtstagskind hübsch mit klopfendem Herzen, wie sich's gehört, über die Schwelle." Er verschwand wieder eilig.„Total übergeschnappt." knurrte Otto, aber laut genug, daß es Magda hören mußte. Mein Gott, wie nett er war, wie er sich freute, ihr Freude machen zu können I Auf Otto hörte sie überhaupt nicht. Sie wollte sich von ihm doch nicht alles schon im voraus ve» derben lassen. Schäfer war wirklich wie ein kleiner Junge, sagte sich Magda schon wieder. Nun schellte es. Wahrhaftig, ihr begann das Herz lauter zu klopfen wie einem Kind auf Weihnachten. Nun schellte es zum zweitenmal. „Uff l Gott sei Dank, das es so weit is l" stöhnte Otto und richtete sich ein bißchen in die Höhe. Bis es zum drittenmal schellte, stand er auf und reichte seiner Frau spötsisch-feierlich den Arm:„Gestatte, daß ich auch etwas zur Feierlichkeit beitrage, soweit es in meinen schwachen Kräften steht." Sie sah ihn groß, zornig von oben bis unten an und nahm seinen Arm nicht an. „Na, dann nicht," sagte Otto und ging langsam hinter ihr her, durch die Zähne pfeifend. So gefiel ihm die Ge- schichte. Magda war ganz verlegen. Wäre wenigstens ihr Mann fortgeblieben, dann wäre es schon leichter gegangen. Aber er blieb immer dicht hinter ihr. und sie sah ordentlich sein süffisantes Gesicht. Bald schüttelte sie alle Befangenheit ab, einfach angesteckt von Schäfers Vergnügtheit und Ausgelassenheit. So hatte sie ihn noch nie gesehen. Er feierte so gerne Feste und vergaß dann alles Posieren. Magdas Zimmer prangte in seltenen Blumen und Blatt- gewachsen, die Schaser heinilich hatte kommen lassen. Schäfer nahm sie an der Hand und führte sie zu seinem Tisch, wie er es nannte. Da lag die bekannte Vöcklinmappe und Liliencrons Werke. „Den müssen Sie lesen. Der macht einen froh. Gesundes Gegengift gegen Ihre Nachtvögel Novalis, Lenau. Ungefähr auch das Gegenteil von mir," setzte er elegisch hinzu. Dann noch Fontanes„ Stech lin".„So hat seit langem keiner mehr in Deutschland geplaudert, einfach entzückend. Man spürt das französische Blut durch." Fast wollte es Magda unangenehm werden, daß er sie so reichlich bedacht. Aber seine harmlose Freude ließ das doch nicht recht aufkommen. Nun griff Schäfer zu einer mächtigen Schachtel mit Schleckereien, die er hatte kommen lassen.„Bitte, greifen Sie zu, daß ich's auch kann. Denn ich huldige allen Lastern. Ich trinke gern und rauche viel und schlecke auch gern." „Und ich? Um meine Sachen kümmerst Du Dich gar nicht?" sagte Otto, und es klang doch ein wenig gereizt. Magda gmg sofort an den anderen Tisch. Da lag wie jedes Jahr das neue Portemonnaie mit den gewohnten sechs Hundertmarkscheinen, alle möglichen Kleiderstoffe, Goldsachen und derlei mehr. Dieses Jahr wie jedes Jahr. Sie dankte ihm, wenn auch ein wenig steif. Otto setzte sich, während Schäfer Magda wieder zu seinem Tisch hotte. Die beiden wurden immer lustiger beim Naschen aus der großen Schachtel. Otto hatte sich die Böcklinmappe geholt, die er schon kannte und auf seine Weise auch verehrte. Jetzt aber, wo er sich plötzlich in einer etwas gereizten Stimmung befand, fing er an, uni dadurch die beiden etwas zu ärgern, an den Bildern herumzumäkeln.„So ein Bein!" rief er.„Wie ver- zeichnet. Und dieser geschwollene Backen l Scheußlich I" Bald ließ er's aber wieder, da die beiden nicht daraus hörten. Kindsköppe l' knurrte er und zündete sich eine Cigarre an. Magda war ganz ausgelassen. Otto hatte sie noch nie so gesehen, und er mußte sich gestehen, daß sie so toirklich nicht übel war. Warrnn war sie nicht immer so? Famos war sie so! Ja. was die Liebe thut. Gut, daß es endlich so wett zu fem scheint. „Nun will ich aber auch ein Geburtstagsgeschenk," er- klärte Schäfer. Da bjp ich begierig, dachte Otts erwartungsvoll. Mch haben sie einfach vergessen. Schmählich, so was I Magda sah Schäfer scheu und doch zugleich erwartungS- Voll an. „Nicht wahr, ich habe doch meine Sache gut gemacht?" „So sehr schön!" Sie sagte das so bewegt, daß Otto schleunigst die Cigarre fest in den Mund steckte, um sein Grinsen zu verbergen. „Da darf ich mir also ganz was Schönes ausbitten. wie?" Sic nickte nur, etwas verwirrt, denn sie sah es diesen Augen an, er wollte etwas, irgend etivas, das... „So nehm' ich mir das Allerschönste," sagte Schäfer, und eh sie es gedacht, hatte er sie auf den Mund geküßt. „Holla, ich bin auch noch da I" rief Otto. „Natürlich. Meinst Du. das hätt' ich vergessen?" lachte Schäfer.„Ebendrum that ich's." Mag-da war ganz blaß geworden und zitterte so, daß sie es nicht ganz verbergen konnte. Otto sah es. Er merkte auch, wie sich Schäfer darüber wunderte. Da trat er schnell dazivischen. Magda fuhr erschrocken herum. Sie fürchtete einen Augen- blick, er wolle dasselbe wie Schäfer. Aber sie konnte sich be- ruhigen, Otto legte schon lange keinen Wert mehr auf solche »verheiratete" Küsse. Er fing sofort ein lebhaftes Gespräch mit Schäfer an. Magda über die Verwirrung hinwegzuhelfen, für die ihm der Kuß zur Erklärung nicht genügte. Otto war der Meinung, sie sei eben ernstlich in Schäfer verliebt. Daß die ganze Ver- wirrung in der That nur an diesem Kusse lag, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Du lieber Himmel I Küsse I Wie viel und wie oft hatte er schon geküßt. Schäfer war auch einen Augenblick verwundert über die Wirkung dieses Kusses, den er so recht aus übermütiger Stimmung gegeben, ohne sich„irgendwas dabei zu denken". Weil sie ihm halt im Augenblick so gut gefallen. Magda über- wand die erste Errcguirg auch ziemlich schnell, und die Hann- losigkeit Schäfers ließ sie auch bald wieder harmlos werden. Aber gerade weil sie das nach ihrer Meinung sein durfte, fühlte sie'mit stiller Freude ihre Lippen, auf denen noch immer der Kuß brannte. Sie beteiligte sich bald wieder an dem Gespräch, aber ab und zu sah sie doch wie geistes- abwesend plötzlich vor sich hin. Die Lippen brannten in einem nie gekannten milden Feuer. Als Otto nach einer halben Stunde meinte, mm sei's Essenszeit, bat sie, doch noch ein bißchen zu warten. „Wanim denn nun das wieder?" fragte Otto ärgerlich. „Ich will sehn, wie's mit dem Essen steht", sagte sie und ging schnell aus dem Zimmer. Aber nicht sofort in die Küche, sondern erst in ihre Schlafstube vor den großen Steh- spiegel. Da sah sie in dem Spiegel auf ihre Lippen, als müsse mit ihnen irgend eine sichtbare Veränderung vor sich gegangen sein. Sie war fast enttäuscht, als sie nichts davon sehen konnte. Nur sehr rot. auffallend rot waren sie, Purpur- rot, wie sonst nie. Sie ging schnell in die Küche, immer die roten Lippen vor sich und das süße Feuer auf ihnen. Sie war sehr froh, daß die Köchin noch um eine halbe Stunde Zeit bat für den Geburtstagsbratcn. Sehr vergnügt ging sie wieder zu den Herren. Nun hatte sie doch einen stich- haltigen Grund, den sie sich selbstverständlich sofort einredete. während sie in Wahrheit deshalb noch ein wenig mit dem Essen hatte warten wollen, weil sie fürchtete, bei dieserprosaischen Beschäftigung verlöre sich das holde Gefühl auf ihren Lippen. Als es endlich zu Tisch ging, aß sie mit großer Vorsicht. möglichst wenig niit der Gabel die Lippen berührend. Und wenn es doch einmal geschah, hielt sie gleich an, ob die Lippen auch noch wären wie bisher. „Du stocherst ja mal wieder grelllich im Essen herum I" sagte Otto.„Selbst am heutigen Tag." Magda wurde sehr rot. „Gott, ist die Fnm jetzt empfindlich," dachte Otto. Wie war Magda froh, als es Nacht und endlich Zeit Wurde, daß sie sich zurückziehen konnte auf ihr Schlaszimmer und zu Bett gehen. Wie schnell that sie das heute, nachdem sie vorsichtig uni den Mund hernmgewaschcn, um die Lippen ja nicht zu berühren. Wie gut schlief sie diese Nacht; und als sie erst am späten Morgen aufwachte, wie fuhr sie gleich mit dem Zeigefinger prüfend an den Mund. Ja, sie fühlte ihn noch, den Kuß. Wie sie das freute, und wie schnell sie wieder einschlief. Als sie aber aufstand und gleich wieder vor den Spiegel trat, schalt sie sich. Nur einmal im Jahre ist Geburtstag. Jetzt ist es genug I Energisch rieb sie den Mund und wusch mit großem Eifer, das Gefühl los zu werden. Sie konnte auch bald feststellen, daß es nach dieser gründlichen Waschung bedeutend nachgelassen. Aber ein wenig war es doch noch da. Äuf einmal ivurde sie ganz weich gestimmt und mußte fast weinen. Aber nein, das durste sie nicht, sie, eine verheiratete Frau! Cchämte sie sich denn gar nicht? i Schäfer war auch heute zuilächst recht vergnügt. Die harmlose, ausgelassene Vergnügtheit von gestern wirkte noch nach. Aber die Stimmung wechselte sehr schnell bei ihm wie stets. Aul Nachmittag hatte er sich an seiner Posse ver- sucht, ohne in die rechte Stimmung konimen zu können. Als er daraufhin einmal wieder seinen socialen Roman vornahm. kam ihm alles, was er bisher notiert, so fad und albern vor. daß es mit aller Vergnügtheit vorbei war. Magda wunderte sich darüber, war sie doch noch sehr ftoh. Wenn sie sich den 5luß auch von den Lippen gewaschen hatte. an ihr Herz reichte kein Schwamm. Aber Schäfers Verstimmung störte sie gar nicht. Sie freute sich ruhig weiter ihrer heimlichen, stillen Freude. Gegen Abend des folgenden Tags ging Schäfer in das Wirtshaus auf dem Berg, um endlich Ernst zu machen mit seinem socialen Roman, denn diesem bisher mangelnden Ernst maß er die Schuld zu, daß es niit dem Buch nicht voran gehen wollte. In dem Wirtshaus saßen nur Franz Kranz und der Schuster Hagensdörfer, da es noch zieinlich früh war. Beide lachten gerade sehr laut, als Schäfer in das Zimmer trat. Das Lachen brach aber jäh ab. als sie den Eintretenden erkannten, von dem sie natürlich längst wußten. daß er Gast ihres Herrn war. Am liebsten wären sie so- fort weggegangen, wenn sie Schäfer nicht gleich gebeten, ihm ein wenig Gesellschaft zu leisten. Da er schnell drei Glas Bier bestellte und ihnen eigens zu diesem Zweck erstandene Cigarrcn hinhielt, so blieben die beiden, nachdem sie sich beruhigend zugenickt. Schäfer hatte offenbar nichts von ihrem Gespräch gehört, sonst würde er sich anders benommen haben. Ein leichtes, boshaftes Lächeln huschte über der beiden Gesicht. Hatte er wirklich nichts gehört, so war es in der That doppelt lustig, sich jetzt gerade von dem Freund ihres Direktors freihalten zu lassen. Die beiden hatten eben nämlich einen ihrer Meinung nach ausgezeichneten Plan ausgeheckt, dem Direktor einen Streich zu spielen. Voraussetzung war, daß er ihnen selbst nicht in ihrer Stellung schaden konnte. Und der Plan, den sie ausgeheckt, war so angelegt, daß er ihnen nicht schaden konnte. Deshalb waren sie in so vergnügter Stimmung. Das ganze Dorf ärgerte sich schon eine geraume Zeit über Ottos Verhältnis zu der Frau Schmidt. Schon in manchem Wirtshaus und an manchem Abend, wenn der Alkohol eifft Besitz genommen von den Köpfen, war der Gedanke aus- getaucht, man müsse diesem Aerger dadurch Luft machen, daß man durch irgend einen Streich die Frau Schnndt und Otto ärgere. Freilich, darin war nian sich auch einig, man dürfe dadurch dem Direktor keinen Anlaß geben, sich dafür wieder an den Arbeitern zu rächen. Grade eben nun, bevor Schäfer in das Wirtshaus getreten, war dem Schuster Hagensdörfer eine Erleuchtung gekonnnen, wie man die Sache bewerkstelligen könne, Otto zu ärgern und sich selbst nicht zu schaden. Der Plan fand sofort den Beifall von Franz Kranz. Gerade hatte man ihn durchbcratcn, gerade war die Freude darüber bei den beiden sehr groß, da kam dieser Schäfer dazwischen. igonseyung folgt.) Sottnf«gsplk»ttvevet. An einer der letzte» Rächte, da ich arbeilsmiid und im froh, in das Zeitalter der Hunne» verschlagen zu sei», heinuvärts ging, erfüllte sich das Loos meiner Kastanie», die mir vor den» Hanse stehen und als Kaleiider des Lebens diene». Sie mntzten sich endlich in ihr Schicksal ergeben; längst hatten die Kinder die letzte der braunen, blanken Früchte in den grünen Stachelhüllen mit grau- samem Steintvnrf von den Bäumen geholt. Run gaben sie endlich auch ihre letzten Blätter her. Es ivar ein spukhaftes Sterben und deutlich vernahm ich den krachenden Knochentanz des Todes. Die Laternen ivaren ausgelöscht, die Ainsteniis war noch in Nebel ein- gehüllt, und hinter dieser gedoppelten Nacht schied nun das Leben. Ich s a h nichts ür dem undnrchdringlichen Dunkel, aber ich horte das letzte Ringen. Es ivar, als ob Hunderte von Katzen in den schwarzen feuchten Aesten feierlich schlichen, die Zweige unter sich knickend. Die schtveren feuchte» Blätter lösten sich zögernd los, fielen ans die unteren aufstöhnenden Acste und sanken dann langsam von Zweig zu Ziveig, bis sie zum Boden schlvebten. Die Bäume schienen wie im Fieber des TvdeSphantasiercns zu schreien— so Ivild und unhcim- lich verstärkt klang in der dunklen Rebelstille das Brechen des fallenden Laubs... Ich bitte die Kunden meiner SonntagSplaudereien, lvenn sie - 89 weiter in der kahlästigen Melancholie des Novembers zu schwelgen begehren, sich an eine» der gangbaren Dichter zu wende»; sie werden da alles Gewünschte finden. Mich aber interessiert weniger die ktimmung als die Philosophie des NebelS; denn dieser grane Wafierdunst erzeugt Tchischungen, die in der Geschichte der Mensch- heit schlimme Verwüstungen angerichtet haben. Es ist das Problem der„AuserwüHlteii", wie es in den folgenden Versen zum AnSdnick gelangt: Im Winternebel sonder Maßen Schritt mit den« Kind ich durch die Straßen. Der Bube staunt ins grane Licht, Wie bald sein Auge hezit versiecht, Wie alle Menschen schnell verschwinden In fremden dicken Dunstgewinden. Ein Zauber scheint ihm diese Welt Und grübelnd er sein Mänlchen hält. Doch endlich zündet dem Mirakel Sein Köpfchen eine Flackerfackel, Und, in das Rätsel ganz vermummt, Er träumcrisch die Worte summt: Merkwürdig I Alle andren Leute Gch'n in'ncr dunklen Wolke heute Wie'n Mantel ans'nein Zeug von Nacht— Nur um uns Gott hat's hell gemacht! Ich kann die Beobachtung, die in diesen Zeile» liegt, mit gutein Gewissen der öffentlichen Aufmerksamkeit empfehlen; denn m e i n Junge hat die Weisheit ausgesprochen, als er drei Jahre alt war. Leider hat sein Vater de» Gedanken in einige seiner bejammernS- würdigen Verse gekleidet, die mit Recht schon' früher den Unwillen meiner Mitmenschen erregt haben. Indessen, man lasse den Sohn nicht entgelten, was sein Vater gesündigt. Dieser dreijährige Bube hat ansgesprochcn, tvns man in der Weltgeschichte den Raffenkampf un» die höhere Kultur nennt. Jedes Volk sieht die andren im Nebel, sich selbst aber, in der Täuschung allzu großer Nähe, hält es für anserivählt, scheinbar wandelnd im reinen Licht. Und es wird sich nicht beivnßt. daß die andren dem gleichen Irrtum huldige». Alle» Nebel)chcn wir Iveißen Menschen gegenwärtig um die elfte Rasse der Chinesen geballt, während»vir selbst uns in klarer uft tvähnen, und wir ziehen aus diesem Wahn mörderische Folgeningen; der Nebel muß sich blutig färben. In Wirklichkeit ist alles nur der Betrug der Ferne, um uns selbst ist der gleiche Dunstkreis menschlicher Niedrigkeit, ja vielleicht würde die Analyse unsres Nebels»och eine größere Dichtigkeit und eine gefährlichere Mischung ergeben als jeuer Nebel der gelben Leute. Gerade um uusre herrschenden Gewalten, die den Nebellvahn propagieren, um die Völker aneinander zu hchcn, liegt ein nndurch- dringlicher Nebel, der sie blendet und alles klare Urteil ihnen raubt. Es ist kaum begreiflich, i»ne sie nicht die Gefahren sehen, die ihnen selbst aus der chinesischen Menschenjagd crivachsen, die sie organisiert haben. Die höllischen Hnnncnbriefe, die jeden Mensche», der im Knlturbeivnßtscin als seiner Lebenslust atmet, zur Vcrziveiflnng treiben müssen, sind zugleich auch Zeichen einer anarchischen Auflösung aller sittlichen Konvention und aller Autoritätsglänbigkeit, die gerade den Hütern von Thron und Altar, den Predigern der Unterordnung, den Schutzhcrren des Besihes ein Grausen erwecken müßten, wenn sie zu denken im stände ivären. In diesen Hnnuenbriefen tobt der fessellosc Umsturz, wütet jene revolutionäre Allverwüstnng, von der die Verleunider des Socia- lismns zu reden pflegen. In diesen Khalilenten hat sich die herrschende Klasse die wildesten Apostel einer nihilistischen Propoganda der Thnt erzogen, Menschen, die an nichts mehr glauben, vor nichts Ehrfurcht haben, denen alles Menschliche fremd ist. Die unsagbaren Grausamkeiten des überseeischen Kriegs zerstören in acht Tage» die kulturelle Erziehung. an der Jahrtausende mühselig gearbeitet haben; die Trümmer des EhaoS treibe» wieder. Wer Gelegenheit gehabt hat, einige der Hunnenbriefe im Original zu lesen, der Iveiß, ivelche Anflösnng aller Vorstellungen der Krieg in furchtbarer Schnelligkeit bewirkt hat. Die Zeitungen habe»« aus Gründen der preßgesetzlichen Veraiitwortung manche Aeußernng streichen müssen, ivelche allzu brutal die moralfreie An- schaunng der Khaki- Ucbenncnschen entblößte. Mai» lehrt die deutsche Jugend, daß das Recht nationaler Selbst- erhaltung das höchste Gut sei— in China lernt sie um, ist sie doch beauftragt, dieses oberste Recht einer Nation zu mißachten. Die Achtung vor den» fremden Menschenleben war bisher das oberste Gebot. Jetzt wird ans der quälenden Grausmnkeit ein Vergnügen gemacht. Das monarchische Gefühl Ivnrde sorgsam gepflegt, ein Glaiiz der Heiligkeit ruhte auf den» Fürsten, die Unan- tastbarkeit schinnte den Thron. In Peking durchiviihlcn die Soldaten die Schätze der Monarchie, sie reißen die Seide von dem Thron und höhnen über die Pariser Seifen und Parfüms, die in den Gemächern der Kaiserin vorgefundei» werden, sie kernen das Gottesgnadentnm belachen und majestätische Hohen verachten. Giebt eS aber etivaS, das sich ähnlicher geblieben wäre in allen» Wandel der Zeiten und Völker als daS starre Cerenioniell der Höfe und der Prunk fürstlicher Abgeschlossen- heit l Nichts ist europäischer als die Schlösser der chinesischen Dynastie, ivie nichts chinesischer ist als das Palastlvesen europäischer Monarchien. Die»khatiinäuner, die in den Gottesgnadentünilichkeiten Pekings ge- haust, werden künftig nicht mehr mit scheuer Ehrfurcht und gerührter 5— Ai»dacht der Führung deö Lakaien folgen, wenn sie die arraitgierten Herrlichkeiten henna'tlicher Schlösser besichtige»»; sie werden daran denken, wie ihnen solche Schätze als Beute und Hohn gedient haben. Die Kuiebeugung vor dem Altar des Herrn ivar vordem fromme Pflicht. Welche Wandlung l Die religiösdressierten Leute streifen mit de» schmutzigen Stiefeln durch die Heiligtümer der Chinesen und dieselben Christen, die den Anferftehnngsglauben als köstliches Kleinod hegen, lachen frech über die einfältigen Boxer, die sich em- bilden, nach dreien Tagen wieder aufzuerstehe»». Die Unterlverfnng unter die Obrigkeit, die Unterordnung unter die militärischen Vorgesetzten— sind diese Tugenden nicht die Grund- lagen des Staats? In China heißt man die Soldaten in jedem Minister einen Schurken oder Narren zu sehen; muß nun nicht der durch solche kommandierte Entgötterung aufgeklärte Mann auch seine Autoritäten mit andren Augen ansehen? Und endlich der Besitz, die Heiligkeit des Eigentnins I Ii« Europa untertvics man sie, es sei verbrecherisch, eine Schrippe zu stehlen, geschweige, daß es ein erlaubter Gedanke sei, das Privat- eigentum überhaupt zu beseitigen. In» Reich der Mitte ist alles Eigentum freigegeben, jeder darf sich neh>nen, was ihm gefällt, er kann Häuser plündern, Denkmäler schänden, die kostbarsten Kultur- schätze verbrennen. So kehrt der Khakisoldat Hein», jenseits voi» Gut und Böse. Furchtbar schnell hat er sich in die neue Welt der absoluten Anarchie gcfuilden. Die alte Erzichnngsinoral ist ivie ein Hauch verlveht. Ist nicht Gefahr, daß auch auf heiinischen, Boden einmal die Zügel der Kultur auf den» Boden schleifen? Fürchten die Herrschenden nicht die Folgen dieses Umsturzes aller sittlichen Gefühle, aller religiösen und autoritären Gläubigkeit?— Joe. Kleines Feuilleton» — r. Der Nachruf. Wie ein Lanffencr flog die Knude durch die Nachbarschaft. Von allen Seiten lanicn Neugierige herbei. Vor der HauSthür saminelten sie sich in aufgeregten flüsternden Gruppen. .Nee aber solvas l" .Wie er des thm» konnte 1" .Und Montag war er noch hier und hat'» Arbeitsmarkt bei mir nachgesehen l" Die Bäckerfrau schüttelte den Kopf. Die Hände i» die Seiten gestcnilnt, stand sie vor ihren« Schaufenster. .Ich habe aber soivas schon geahnt. Ich habe meiner Frau schon gestern gesagt, man sieht ja den ollen Müller nicht niehr, dem »vird doch nichts passiert sein?" Der dicke Budiker von gegenüber lvar gleichfalls hcrbeigckoMmei», sein Bicrbaß übertönte die Stinmieir der andren. „Wer hnt'n denn nu eigentlich gcfnnden?" ,Na die Möhricken, ivas seine Nachbar'» is, die hat doch die Thür aufbreche»» lassen, weil er gar nich»»ehr'rauskam. Und dam« lag er aus'n, Strohsack und war schon janz blau in's Gesichte." .Ujch I Ujeh I" Die Frauen schrieen entsetzt auf. „Platz da l Verstellen Se iiich die Passage I" Zwei Schutzleute kamen von der andren Straßenseite herüber, »ist grimniigen Gesichiern drängten sie sich durch die Menge nach der HnnSthür. „Wenn hat' er's dem» eigentlich gethan?" fragte daS junge Mädchen. „Na Se sage»« ja, er»nuß zlvci Tage tot sein." „Und anfjehangcn hat er sich?" „Ach Ivo, vcrjnfte». Ick sage Ihne»» doch, er lag auf'in Stroh» sack— ick bin ja n»it drin jewesen, ick Hab'» jesehn." Die Portier- sra» warf einen triuniphierenden Blick über die Menge. Die andem betrachteten sie mit ehrfürchtigem Staunen:„Die Gnndlachen hat'» jesehn." „Warum er'S n» man bloß jemacht hat?" fragte daS junge Mädchen»nieder. „Ra jesagt hat er ja schon ofte, daß er sich ain liebsten auf« hängen thäte." '.Jott det sagt mancher nianchmal." „'»i Strohsack»nid'» oller Tisch und'n Stuhl iS allcns, was in sein Zimmer steht," erzählte die Portierfra». „Ja, jut hat's ihn» nich jejangen." „Aber er hat doch immer jearbeit'." „Na, was hat er denn? Auf'n Bau hat er jeholfen und jetzt hat'n ja überhaupt keiner niehr nehmen wollen, er war ja viel zu alt." „Der?— Der war doch man knapp an de Fnfzig." „Fnf�ig war er ja»och nich mal, er hat doch aber so's Reißen jehabt, wissen Se, von den zugige» Bau, er konnte ja manchmal jar nich de Hände bewegen." „Ja dett hat'» äiich»nächtig jewurmt." Der Portier, der gleich- falls gekommen war, nickte:„Vorichten Sonntag traf ich ihn noch auf de Treppe, da koniite er kann» kriechen, und denn sagt er noch, Gundlach, sagt er,'t jeht nich»nehr, is am besten'n Strick»im 'n Hals." „So'n anner Mensch", bedauerte das junge Mädchen. Die Frauen stimmt«»» bei: „Davor arbeit man sei» Leben laue," sagte die eine. „Ja davor schindet man sich hin." „Nich' n Stuck Vrot hat» da jehabt'— fing die Portlerfrau wieder an—«an sein'm Bette stand blotz de Taste, wo die Zucker- säure drin war." »Wo er die man bloS hergehabt hat?' .Na die hat er sich doch von MöhrickenS geborgt, er hat doch gesagt, er wollte was putzen und darum is'S doch auch die Möhricken gleich aufgefallen, als er nich wiederkam." „Da' is ja die Möhricken l° rief ei» Mädchen. Eine große schlanke Frau trat aus der Hausthür und warf einen suchenden Blick nach allen Seiten. Die andern umdrängten sie:»Was sagen die Schutzleute?" .Wird er bald abgeholt?" „Kommt er nach',» Kirchhof oder erst inS Schauhaus?" „Ins Schauhaus— natürlich ins Schauhaus." Die Frau beantwortete die letzte Frage zuerst, dann schluchzte sie plötzlich auf:»So'n armer Kerl, so'n armer, alter Kerl. Und so freundlich wie er immer war und so gefällig. Vorige Woche hat er mir noch Fenster putzen helfen und nu liegt er da—" „Ja, gut war er." stimmte die Portierfrau bei. „Wo er konnte, hat er einem'n Gefallen gcthan." Sie über- eiferten sich, Gutes von dem Toten zu erzählen. «Da kommt der Leichenwagen I" schrie ein kleiner Junge, sein Nachbar gab ihm einen Rippenstoß�.Schafskopp, dct is doch keen Leichenwagen, der fahrt doch man bloß nach's SchauhauS." Das schwarze Gefährt hielt bor der Hausthür, die Neugierigen bildeten eine Gaste, schweigend sahen sie auch die schmale Zink- wann«, die die Männer nach oben trugen. Der dicke Budiker nahm zuerst wieder das Wort; er war etwas kleinlaut geworden:„Re das Hütt' er einen aber doch auch sagen können, daß's ihm so ging, denn hätt' man ihm doch geholfen. Ja ick Hab' ihm ja allerdings nichts borgen wollen, aber wenn's ihm so gingl" „Ne, Geld hätten Se nicht bekommen von ihm l" sagte die Bäckerfrau.— Mir hat er nich mal's Frühstück bezahlt—'ne ganze Woche nich— sechs Groschen— ja das hat man von seine Gutmütigkeit I" „Na, da wer'» fe ja wall drüber weg kommen." Die Stimme der Portierfran nahm einen grollenden Ton an, auch die andrer« de- gannen zu murren.„Sie bringen ihnl" rief das junge Mädchem AuS der Hausthiir kam der Leichenzug. Der Tote lag in der Zink« wanne, nur nrit einem Laken zugedeckt. Durch die Decke sah mau seine mageren, abgezehrten Formen. Einige Frauen begannen zu weinen, als man ihn vorübertrug. Ohne darauf zu achten, schoben die Träger die Wanne in den schwarzen Wagen.„Und er war so gut— so gut!" schluchzte die Möhricke wieder. Nur die Bäckerfrau warf dem Wagen einen wütenden Blick nach: �Ja, eine ganze Woche Frühstück, ein Skandal ist eS—«ine ganze Woche Frühstück— sechs ganze Groschen— krieg ich noch von ihm I"— Erziehung und Unterricht. In den letzten Tagen feierte daS Eternsch« Konservatorium, das älteste Berlins, fein 50er Jubiläum. Die reichen musikalischen Dar- bietungen seiner Lehrer und Schüler, die«S dabei veranstaltete, sind trotz ihres Werts und festlichen Gepränges, das sie ornamentierte, nicht eben Gegenstand einer jonrnalistischen Kritik. Um so lebhafter kann sich unsre Aufmerksamkeit einer kleinen Schrift zuivenden, die bei dieser Gelegenheit erschienen ist:„Zur Geschichte des S t erns ch en Konservatorium? der Musik in Berlin. 1350—1900. Festschrift zum fünfzigjährigen Jubilämn von Ernst Eduard Taubert. Königlicher Profeffor. Berlin 1900. Dr. Richard Stern, Mustkverlag." Die Bedeutung dieser be- scheiden auftretenden Schrift liegt weniger in ihren reich- haltigen Aufschlnsten znr Geschichte deS Berliner Musiklebens als in der Seltenheit von Arbeiten zur Geschichte künstlerischer Lehranstalten überhaupt. So üppig auch sonst nicht nur Geschichtliches, sondern gerade auch Schnlgeschichtliches behandelt wird: eine Geschichte der Schulen für die bildenden und gar erst für die redenden Künste be» sitzen wir noch durchaus nicht. So gut wie alles, was dazu bisher doch noch geliefert worden ist, sind einige Gelegenheitsschnften zur Geschichte einzelner Anstnlten. Tauberts Broschüre ist also schon durch die Erfassung des Gegenstands selber verdienstlich. Daß dabei nicht eben sehr viel herausgekommen ist, liegt wohl an der Dürftig- keit des Materials, das ihm zur Verfügung stand. Immerhin konnte auch unter solchen Umständen etwas mehr gegeben werden. Vor allem wäre eS nötig gewesen, uns in Kenntnis zu setzen, wie weit hier überhaupt solche Materialien vorliegen. Der Verfasser erwähnt alS Beweis für Bülows Pflichteifer im Unterrichten die„sehr detaillierten Zeugmsie", die er den Schülern zum Schluß der Schulsemester ausarbeitete. Es wäre uirterrichtsgeschichtlich und unterrichtSshstenratisch von hoher Wichtigkeit, solche Zengniff« kennen zu lernen. Wo stnd solche auf- bewahrt? Ebenso«st die Rede von dem kurzen Bericht Bülows über den von ihm im Konservatorium erteilten Klavierunterricht, welcher Bericht ein„hochinteresianteS Expos»" bilde, mit Gesichts- punkten,„die sich jeder Klavierlehrer fest einprägen sollte". Wannn sagt ANS der Berfaffer nicht, wo dieser Bericht— gedruckt oder mi- gedruckt— zu finden ist? Ueber kurz oder lang werden sich dann doch Forscher finden, dre solche Materialien brauchen: wanim ihnen also nicht znr richtigen Zeit vorarbeiten?— zumal manche Aus- fühnmgcn voritbergehender Ereignisse in dieser Schrift doch Verantwortlicher Redacteur: Dr. Georg Gradnaner in Grok wohl wegbleiben konnten! ES soll ferner kern Undank gegen diese ganze schöne Gabe sein, weim wir darauf hin- weisen, daß neben einer Geschichte deS Schulwesens als noch wich« tigere Aufgabe die der Unterrichtskunst selber verbleibt. Wie im dortigen Konservatorium unterrichtet wurde und wird, welche Be- sinnungen über NnterrichtSdinge dabei Geltung fanden und finden. davon schweigt die Schrift; die Citierung des(hier auf die Frau Viardot-Garcia zurückgeführten) Satzes:„es giebt keine guten Lehrer, es giebt mir gute Schüler l' ist doch wohi kein Ersatz für jenen Mangel. Schließlich darf den gegenwärtigen und künftigen Autoren solcher Beiträge zu einem noch beinahe ganz neuen Gebiet doch mal empfohlen werden, zunächst mit den bisherigen Bestrebungen zur Pflege der Schul- und Untemchtsgeschichte und speciell der Geschichte des KunstunterrichtS Fühlung zu nehmen: das Nebeneinandcrhin- gehen einzelner von einander nicht befnichteter Bemühungen führt nicht weit und läßt außerdem zu viel Kraft verschwenden.— sz. Bergbau. — Ueber die Gewinnung der schwarzen Diamanten in Brasilien berichtet„Scientific American". Außer in der südafrikanischen Kaprolouie werden die schwarzen Diamanten auch im brasilianischen Bundesstaate Vahia gefunden. Das Fundgebiet liegt etwa eiue Tagereise von der Stadt Bahia auf dem Dampfboot nach Sau Felix oder auf der Eisenbahn»ach Bandeira do Mello. Das ergiebigste Gebiet befindet sich ungefähr zwei Maultiertagsmärsche weit am Paragasouflusse. Wahrscheinlich tritt das Mineral im ganzen Gebiet allgemein auf. aber es lohnt sich bei den primftibeu GewiniiungSmechodeu seine Ausbeute nur in den Flußbetten deS Paragason und dessen Nebenflusses, deS San Antonio, und an den Häugen der Sierra des LevraS. Die schwarzen Diamanten werden dort in Konglomeraten gefunden, die hauptsächlich aus Quarzlörnern und eisenhaltigem Thon bestehen und auf einer Thoimnterlage liegen. Man unterscheidet zwei Sorten: die„Carbons" und die„Borls". Jene sind unregelmäßig«, harzig- glänzende. graue oder schwarze Krystalle von ilörniger Struktur, ohne entschiedene Spaltbarkeit m>d von der Härte gewöhnlicher Diamanten, deren Dichte sie aber infolge einer geringen Porosität nicht erreichem Diese hingegen sind minder miregclinäßig. mehr kugelförmig und zeigen ans ihrer rauhen Oberfläche bisweilen eine verworren kNistallinische Struklur. Zur Gewinining der schwarzen Diamanten sucht man eiue Stelle im Flusse aus, wo das Wasier nicht über 6 Meter tief und die Strömung nicht zu stark ist. In den Boden des Flußbettes wird eine lauge Stange gesteckt, die den eingeborenen Tauchern zum Eintauchen»nid Emporsteige« dient. Die Taucher, die sehr geübt sind nud länger als Minuten unter Wasser bleiben können, tragen einen Sack, dessen Oessiumg durch einen eiserue» Ring ausgesperrt ist. In diese» Sack wird auf dem Flußbettboden der Kies gekratzt, um dam» a» die Oberfläch« getragen, a»S Ufer gebracht und an einer gegen Hochwasser ge- sicherten Stelle aufgeschüttet zu werde». Diese Gcwiimnngsarbeit dauert während der sechs trockenen Monate an. wird aber mit Be- giun der Regenzeit, die Hochwasser und starke Strömung bringt, abgebrochen. Während der»lassen Periode wird der aufgestapelte Saud durchwaschen und die Diamcurten ausgesucht. Die tieferen Flußbettstellen bleiben überhaupt uuberücksichtigt, obwohl hier Bagger-Apparate vorteilhaft angewandt»verde» könnten. Bei der Geivimiungder schwarzen Dianmuten ans dem Sande an deiiBcrghäiigen »verde» Stolle»» angelegt, m»s denen in der trockene» Jahreszeit der Sand gefördert wird, um während der Aegenperivbe in Tröge»» verwaschen zu»verde». Die Größe der schwarzen Diamaute» schivankt zwischen der Größe eines Sattdlorns und der eines 975 Karat schiveren KrhstallS. Der bisher größte»vurde 1391 gcfuudcu und erzielte in Paris eineu Preis von 81 000 M. Im allgenieiiieu »verde» aber Steine von 1— 3 Karat am meisten für technische Zivccke— zum Besetzen der Bohrkronen an drehende»» Gesteins» bohrappnraten— verlangt. Mau zerbricht deshalb die größeren trotz des dabei entstehenden Verlustes. Der Sitz des Handels ist Bahia, die dort lebe>ldeu Händler sind durch Agenten im Fund- gebiete vertreten. Der»vachsei»de Bedarf hält die Preise hoch, die zwar schivairkcu, sich aber im Durchschnitt auf etwa 93 M. für ein Karat stelle»».—(.Pro»>ethei»s.") Hm>l»rntif«t»«S. — Erinnerungszeichen. Dame:„Wie alt ist deim Ihr Buberl?" Frau:„Ja warte»» S' amal... Du, Taver, wann haben wir den roten Rege»lschirm eingetauscht?" Bauer:„Ja. das wird zu Ostern fünf Jahr' l" .Krau:.Küi»f Jahr is er l"— — Pünktlich. Schreiber(der sofort seine Feder hinlegt, ols die Uhr anfängt. Zivölf zu schlage»,, mit eitlem Seitenblick auf seinen Kollegen):„Der Kerl bleibt tramer fitzen. bis die Uhr allsgeschlagen hat— der Streberl"— — Im Eifer. Borsitzender(die Versammlung schließend): „Seien»vir einig, meine Herren,»vie unS der Herr Vorredner soeben ermuntert hat, denn wenn wir einig sind, bilden wir«ine Macht, gegen welche selbst die Götter vergeblich kämpfen l'— _(«Flieg. Bl."> -Lichterfelde. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.