InterHaltung sblatt des Worwärts Nr. 225. Dienstag, den 20. November 1900 (Nachdruck verboten.) 86] Mnkev UVolKon. Roman von Kurt Aram. Nur gut, daß Schäfer nicht gehorcht hatte. War es auch gerade keine allzugroße Roheit, die dem Schuster eben aus dem Kopf gesprungen, nach seiner und Franz Kranz Meinung wenigstens; so handelte es sich immerhin um einen ziemlich deutlichen Scherz, dessen Erfinder, wenn er bekannt würde, jedenfalls keinen Dank von dem Herrn Direktor ernten würde. Als das Bier gebracht worden und die Cigarren ange- zündet, ging Schäfer gleich direkt auf sein Ziel los und fragte die beiden nach ihren Arbeitsverhältnissen, und wie sie niit ihrer Thätigkeit zufrieden wären. Da sich Schäfer gesagt hatte, daß er durch die Kranken- besuche mit Magda viel gute Zeit vergeudet, wenn er wirklich hinter die Coulissen der hiesigen socialen Zustände einen selb- ständigen Blick thun wollte, so lag ihm daran, nun das Ver- säumte durch beschleunigte Erkundigungen wieder einzuholen. Das war begreiflich, aber thöricht. Franz Kranz und Hägens- dörfer nahmen sich natürlich sehr in Acht. War er doch des Direktors Freund, vielleicht von ihm geschickt, um sie aus- zuhorchen; und hatten fie doch noch kaum die halbe Cigarre und das erste Glas Bier hinter sich. Zwei Cigarren und drei Glas Freibier lang hätte er mindestens warten müssen. So bekam Schäfer nur die beste Auskunst im Sinne des Direktors. Die Verhältnisse wurden ihm von den beiden so- gar noch viel günstiger dargestellt, als von Otto selbst. Daran merkte nun zwar Schäfer sofort, daß er es verkehrt angefangen, aber nun ließ es sich nicht mehr gut machen. Er zahlte zwar noch ein zweites Glas Bier und gab noch eine zweite Cigarre, aber er erhob sich bald, da von den beiden augenscheinlich für seine Zwecke nichts zu holen war. Franz Kranz und Hagcnsdörfer sahen sich eine Weile stunim an. Dann sagte Kranz:„Paß auf. der geht noch weiter, der Spion." Hagensdörfer war derselben Ansicht. „Dem wolle mer l" Kranz stand auf. „Was willst de dann?" „Ich geh ein nach. Un wann er wirklich in noch e Wirts- Hans geht, geb' ich de Leut' cn Wink, daß se wisse, woran se sind." „Das is gescheit. Mach fort! Ich wart derweil, bis de wiederkommst." Mürrisch stieg Schäfer wieder den Kirchberg hinunter, Daß ihm jemand folgte, merkte er nicht. Es wäre ihm auch, wenn er es gemerkt hätte, nicht weiter auffällig gewesen. Er wollte allerdings noch in ein andres Wirtshaus und wandte sich mehr ins Dorf hinein. Als Schäfer in das Wirtshaus der Witwe trat, nickte Franz Kranz, vergnügt über seine Schlauheit. Jetzt war es doch sonnenklar, was er wollte, warnnr der feine Herr sich auf einmal unr sie kümmerte, was doch sonst nicht Mode ist bei den feinen Herrn. Bei der Witwe ging eS wie immer lustig zu. Der Bürgermeister war auch schon da von wegen der— Sittlichkeit. Kaum saß Schäfer, so wurde auch schon der Bürgernleister hinausgerusen. Draußen stand Franz Kranz und instruierte ihn eifrig und in Eile über den Doktor Schäfer. Der Bürgermeister schüttelte in seiner Freude zum Ab- schied Franz Kranz sogar die Hand, was sonst nicht Brauch war unter den Leuten, und trat dann niit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht wieder in das Gastzimmer. Ohne daß sich Schäfer irgend etwas Schlimmes dabei dachte, nahm sich der Bürgernreister hie und da einen auf einen Augenblick beiseite, worauf derselbe sich auch mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht wieder setzte. So kam es, daß Schäfer auch hier nichts andres hörte als Lob und Preis der Fabrik i,n allgemeinen und Ottos im besonderen. Schäfer wurde innerlich imnier zorniger. Was willst Du eigentlich in so einem paradiesischen Nest, wo jeder seinem Leben und Auskomnien ein Loblied nach dein andern singt. Die ganze Zeit deines Aufenthalts ist einfach zum Fenster hinaus geworfen. So'ne Gemeinheit! Auch dies Gasthaus verließ er bald wieder. Aber wie stets nach solchen Mißerfolgen wurde er auch hellte nur hart- näckiger und eigensinniger in seiner Absicht. Er gab es noch nicht auf. Noch einen Versuch wollte er machen. Er wandte sich zu einem der Wirtshäuser in der Hauptstraße. Da saßen auch heute abend der Fonnermeister Windolf, der Magazinverwalter Claas, der Schreinernleister Haun und der Schäfer schon von den Zahnschmerzen her bekannte Platzmeister Reusch. Da Rensch ihn gleich freundlich be- grüßte, wurde er auch von den andern sofort freundlich aufgenommen. Als dann Schäfer, der doch allmählich vorsichtig ge- worden, nach und, lach das Gespräch auf die Lage der Ar- beiter brachte, erfuhr er wirklich niancherlei Wertvolles und Interessantes, wenn auch von Not auch hier nichts zu hören war. Das aber hatte darin seinen Grund, daß sich diese Leute eben alle besonders gut standen. Er blieb hier, bis die Männer aufbrachen. Als er wieder in die Villa kam, war Magda schon aus ihr Zinliner gegangen. Einen Augenblick stutzte Schäfer über sich selbst, als er merkte, daß ihn» das gar nicht angenehm war. Ich werde doch nicht anfangen, mich im Ernst für sie zu interessieren? Ach was I Dummheit I Es ist ja kein Wunder, daß ich mich ärgere, dieser Otto ist gar zu stumpf- sinnig. Schäfer saß äußerst ungeduldig und mißmutig auf seinem Stuhl, während Otto ihn weidlich aufzog mit seiner„Bier- reise". Dann aber gelang es ihm, einfach auf Otto nicht mehr zu hören. Um so leichter wurde ihm das, als sich plötzlich in seinem Kopf eine Scene darstellte. die er aus- gezeichnet für den Roman gebrauchen konnte. Wenn der Kerl doch schwiege, dachte Schäfer und schaute angestrengt auf den Vorgang in sich. Das konnte wirklich gut werden. Nur fest- halten, das war jetzt die Hauptsache. Langsam verschwand der Vorgang wieder. Sofort suchte er ihn mit dem Verstand zu rekonstruieren und freute sich, wie gut es gelang. Das ging ja prächtig l Hier und da stellte er etwas um, hier und da füllte er eine kleine Lücke ans. Wahrhaftig, diese Scene würde etwas taugen! „Verzeih einen Augenblick, da ist mir was Famoses ein- gefallen, ich lvill's nur schnell aufschreiben oben. Gleich bin ich wieder da!"„Wenn Du mir'nen Gefallen thun willst". fügte er freudig hinzu,„so besorge etivas Gutes zu trinken fiir gleich. Mensch! Freund! Es wird doch>vas mit diesem Buch!" Bevor Otto antworten konnte, war Schäfer schon zur Thür hinaus. Ganz vorsichtig gmg er die Treppe hinauf, als hätte er rohe Eier in der Hand, die bei dem geringsten Stolpern zerbrechen könnten. Er stand einen Augenblick füll und vergegenwärtigte sich nochmals den Vorgang. Ja. er war ihm noch gerade so gegenwärtig wie vorhin. Er öffnete hastig die Thür. Ein leiser Schrei. Er hatte sich, in Ge- danken versunken, in der Etage geirrt. Er meinte, er wäre schon im zweiten Stock, und war erst im ersten. Einen Augenblick starrte er geistesabwesend auf Magda, die vor dent Spiegel stand, dann verbeugte er sich, immer noch völlig geistesabwesend, leicht, halb verlegen, murmelte: „Entschuldigen Sie I" und stieg schleunigst eine Treppe höher. Sein Auge hatte wohl die Scene in Magdas Schlafzimmer anfgenonimen,„aber seine Phantasie noch nicht, da sie zu sehr angefüllt war mit der Romanscene. Auf seinem Zimmer machte er hastig Licht, griff hastig nach Papier und fing hastig an zu schreiben. Sehr hastig, denn er fühlte, wenn auch nur halb bewußt, daß seine Augen seiner Phantasie eine andre Scene vermitteln wollten, die ihn eben nur stören würde. Er schrieb außerordentlich schnell, denn er brallchte nur nachzuschreiben, was er in sich sah. Es wurde ihm ganz heiß dabei, und um so heißer, da er beut- lich enchfand, wie seine Phantasie nicht mehr lange gehorchen würde, wie das Bild, das seine Augen eben gehabt, immer mehr in ihn eindrang und sofort den durch sein Niederschreiben gleichsam frei gewordenen Platz in seiner Phantasie mit McigdaZ Bild ansüllio, das er noch nicht brauchen konnte, noch nicht. In wütender Eile, wie ein Verfolgter läuft, glitt seine Hand über das Papier. Dann atmete er ans. Es war geraten. Da stand es fest und sicher ans dem Papier, waS er brauchte. Er erhob sich, eine Cigarette zu holen. In demselben Augenblick hatte aber mich schon das, was er eben erblickt, als er einen Stock tiefer die falsche Thür geöffnet, seine Phantasie überflutet. An die Stelle der Nomanfcene trat jetzt dies Bild. Wie zmn greifen deutlich war es! Magda stand in dein ärmellosen, weit ausgeschnittenen Nachtgewand, leise singend, mit erhobenen Händen, die das dunkle Haar aufsteckten, vor dem großen Stehspiegel, an dessen beiden Seiten je ein silberner Leuchter angebracht war mit je fiinf Wachskerzen, die ihr weiches Licht über die junge Frau breiteten, die wie erstarrt in ihrer Pose stehen blieb, als sich die Thür öffnete. Ihr Singen brach jäh ab. Nun sah er auch, wie unter dem weichen Licht der Kerzen erst langsam, dann schneller ein zartes Rot die zarte Haut durchrieselte. In dem Augenblick hatte er seine Entschuldigung gc- stammelt und die Thüre wieder geschlossen. Aber während er an ganz andres dachte, hatten die Augen so genau wie ein photographischer Apparat dies Bild aufgenommen: und jetzt, wo seine Phantasie sich mit diesem Bild zu beschäftigen begann, entwickelte es sich immer deutlicher in allen Einzelheiten, wie die Platte in der Duilkel- kammer. Wie eine antike Karyatide stand sie vor ihm, die die Last ihrer Haare trägt. Welch weiche Nackcnlinie! Wie schön der Hals aus den zarten und doch festen Schultern wuchs l Wie fein die Arme! Mädchenarme! Er konnte dies Bild seiner Phantasie ganz mit Mnße betrachten, so unverwischlich war es. Er fuhr zusammen und lauschte. Kam da nicht jemand die Treppe hinauf? Himmel, sie wird doch nicht?! dachte er mehr freudig als erschrocken. Schafskopf! titulierte er sich dann. An den knarrenden Sttefeln hätte er gleich merken können, daß es Otto war, der nach ihm sah, weil er so lange ausblieb... Als die beiden in den ersten Stock kamen, wollte Schäfer leise an Mazdas Zimmer vorbeischleichen. Aber Otto hielt an und klopfte an die Thür. Da keine Antwort erfolgte, ver- suchte er, sie zu öffnen. Sie war verschlossen.„Die schläft wahrhaftig schon," knurrte er.»Da mußt Du schon mit mir allein vorlieb nehmen." „Aber ich bitte Dich!" stammelte Schäfer ziemlich sinnlos. da wieder die Karyatide zum greisen deutlich vor ihm stand. Auch als die beiden bei der Flasche reifen, öligen Marko- brunners saßen, saf) Schäfer Magda mit erhobenen Annen, umflossen von weichem Licht, vor sich. Zunächst freute er sich auch jetzt an diesem Bild wie an einem Kunstwerk. Daran, daß dies Kunstwerk lebte, erinnerte ihn nur eine leise Rührung, die er bei in Marmor gehauenen Karyattden nie empfunden. Diese Rührung aber hatte darin ihren Grund, daß es ihm leid that, daß so eine Gestalt hier in so einem Nest in der Hand eines solchen Mannes, so eines Barbaren, vergehen mußte, ohne gewürdigt zu werden. Ills aber erst der Markobrunner reichlicher getrunken, den Weg in sein Blut gcflmdcn, dieser Strom schneller und heißer durch seinen Körper flutete, wurde das anders. Er hätte hinein- beißen mögen in die Schultern, mit allen Fingern zugreifen! Er wurde ganz bleich vor Erregung und biß sich ans die Lippen, daß sie bluteten. „Hör mal, siehst ja ans, als wolltest Tu einen umbringen!" rief Otto. Schäfer nahm sich zusammen und redete darauf los, als könne er sein Begehren totreden. Er begann hastig zu trinken, immer hastiger. Das half. Nach anderthalb Sttmden fühlte er sich stumpf und dumpf. Dann taumelten sie beide auf schweren Füßen in ihr Zimmer und fielen beide in einen bleiernen Schlaf. Am andern Morgen wachte Schäfer früher auf als gewöhnlich. Schon eine ganze Weile hatte er in unerquicklichem Halbschlaf gelegen. Der schwere Wein und die erhitzte Phantasie känipften mit einander. Der schwere Wein Ivollte, daß noch geruht und weiter geschlafen würde. Die Phantasie begehrte, daß Schäfer wach würde. Sie siegte schließlich und mit dem Augenblick des Erlvachens stand auch Magda wieder mit erhobenen Armen vor Schäfer. Aber sein Kopf war so schwer, daß er keine Freude daran hatte, sondern sich geradezu ärgerte über diese „Affaire". Plötzlich ergriff ihn die Neugier, wie wird sie sich jetzt benehmen? Und schnell kleidete er sich an. iFortsetzung folgt.) MaturwissenschafkUchv Mrverfichk» Von Curt Grottewitz. Es giebt in der Wissenschast Strömungen, die Moden vergleichbar sind. Sie kommen plötzlich, und so lange sie anhalten, sieht jeder- »miin in ihrem Banne»nd betrachtet alles unter ihre», Gesichts- Winkel. Unter den, Einflüsse Pasteurs, Ferdinand Cohns und Robert Kochs hatte die Wissenschaft sich gewöhnt, fast alles, was auf der Erde geschieht, der Wirkung von Mikroben zuzuschreiben. Ueberall sah man Mikroben und überall beschäftigte man sich mit Mikroben. Nun ist es ja sicher, daß dieselben eine Bedeutung haben, von der frühere Naturforscher nicht die geringste Ahnung hatten. Aber gerade in solchen Fällen, wo sich geivissennaße» eine neue Welt erschließt, ist jeder nur zu leicht geneigt, diese für die einzig mögliche Welt zn halten. Dadurch entstehen Uebertreibnugen und eine öde Einseitig- kcit. Die Allherrschaft der Mikroben war zudem derjenigen geistigen Richtung ginistig, die es sich angelegen fein ließ, alle Vorgänge auf der Erde als nncrklärbare Lebensprozefse aufzufassen. Gegenüber Justus von LicbigS Meinung, daß Vorgänge, wie die alkoholische Gärung auf chemischen Prozessen beruhen müßten, konnte man jetzt ans die Klestiwrsen hindcnte», deren nnerforschbarer Lebens- gang die Gärung wie viele andre rätselhafte» Erscheinungen hervorbringe. Kurzum die vitalistische Biologie siegte über die Chemie. Jetzt beginnt sich plötzlich die Sachlage zu ändern. Seitdem E. Büchner ans den Hefewesen einen chemischen Stoff isoliert hat, dcrZ für sich allein alkoholische sGännig erzeugt, ist die Meinung über die Bedeutung der Mikroben sehr gesunken. Wie hier so niag auch in vielen andren Fällen nicht das geheimnisvoll belebte Proto- Plasma der Erreger eigenartiger Stoffbildnngsprozesie sein, sondern vielmehr eine tote, chemischer Forschung zugängliche Substanz. Dieser geradezu epochemachenden Entdeckmig kommt eine gewisse Neigung der heutigen Chemie entgegen. Es sind in der letzten Zeit eine Umncnge von Substanzen aufgefunden worden, welche die Eigenschaft haben, andre Körper zn verändern, ohne daß sie selbst im geringste» verändert würde». Diese Substanzen, von dcurn auch früher schon einige bekannt waren, nannte man damals Fermente, jetzt iverden sie meist Euzyme genannt. Sic haben die merk- würdige Eigentümlichkeit, in den kleinsten Onantitäten bc- liebig' große' Mengen nndrer Körper zu zersetzen. Entschieden ist die Hoffnung berechtigt, daß die Chemie über da? Wesen der Enzyme, mit denen sie sich jetzt so eifrig beschäftigt, über kurz oder lang ins klare kommen wird. loährend es nicht aiizmiehmeii ist. das; der Biologie die Lösung des Lcbensräisels an den Mikroben so bald gelungen wäre. Jetzt freilich ist das Enzym, das Traubenzucker in Wein und Kohlensäure zerspaltet, ein ebenso rätselhaftes Ding, wie der Hefebacillus, der dasselbe thut. Man hält die Enzyme für eilveißartige Stoffe, aber das will nicht viel besagen, denn ähnlich wie die Lateiner alles für ein Neutrum ansehen, was sie nicht deklinieren können, so die Chemiker gegcmvärtkg alles für einen Eiwcißstoff, was sie nicht analysieren tonnen. In seinem Werke„die Fermente und ihre Wirkungen"(Leipzig 1900) behandelt Karl Qppenheimcr diesen interessanten Stoff von vielfach neuen Gcsichtspunltc». Wahrscheinlich sind die Enzyme chemisch»och weit komplizierter zusaminengcsctzt als die Eiweißstoffe, einigc von ihnen, wie Pepsin und Jnvcrtase scheinen überhaupt mit jenen»ichiS zu thnn zn haben. Jedenfalls entstammen aber alle Enzyme lebenden Zellen, manche sind so fest mit den letzteren verbunden, daß eine Isolierung bis jetzt nicht gelungen ist, sondern eine Tötung der organischen Substanz aiich eine Vernichtung der fermentierenden Wirkung zur Folge hatte. Viele andre Fermente haben sich indes von dein Protoplasma der Zellen loslöic» lassen, andre iviedernm werde» von selbst von den Zellen ausgeschieden. Die Enzyme sind für den Lebciisprozeß der Tiere wie der Pflanze von größter Bedeutung. Ihnen fällt die Aufgabe zn, die aus- genommene Nahrung zn zersetzen und sie dadurch in solche Stoffe überznfiihren, welche das Protoplasma direkt vcrloenden kann. Die Enzyme sind außerordentlich verbreitet.'Wie aus einer Zusammenstellung Th. Bokornys in der„Naturiviffenschaftlichen Rundschau"(1900 Nr. TT)„Die Enzyme des Pflanzenreichs" hervorgeht, giebt es kein Gewächs, in dem nicht irgend ein Enzym ent- halten Iväre. In vielen Pflanzen giebt es deren mehrere, und es giebt sehr verschiedenartige, da viele Gewächse ei» ganz specifischeS Enzym haben, llud ohne Zweifel liegt hier die Forschung noch in den Anfängen. Wie fast jede Pflanzengattulig oder gar Pflanzenart ihren spccifische» Mikro-Organisiims hat, so hat sie vielleicht auch ein ihr eigentümliches Enzym. Bokorny zählt nach der Wirkung, ote ausgeübt' werden soll, acht Gruppen von Enzymen aus. E- s!»d dies die eiweivlösendc»»nd fcttspnlteiidcii Enzhine, die Labfcrmeiite, ferner die CelMosc- und Glycvsid-Enzyinc. welche die Stoffe spalten,»ach denen sie benannt sind, die Zpmase, ivelchc die Alkokjolqärnng des Znckers hervorruft, fchliefflich die Jnvertasen, welche höhere Znckerbcrbmdnngen in ein- fächere zerlegen und die Diastasen, welche Stärke in lösliche Kohlen- Hydrate sz. B. Dextrin oder Zncker) verwandeln. Oppcnheimer da- geqen qelvinnt eine Zweiteilung der Enzyuic, indem er ihre Wirkung auf ihre einfachsten chemischen Leistungen zurückführt. J}u der einen Gruppe lassen sich alle die vereinigen, welche bei der Spaltung von Substanzen diese zur Aufnahme von Wasser sti ihren Molclülverband nötigen und in der andren Gruppe sind die Ärzyme unterzubringen, auf deren Einwirkung hin die Moleküle der Substanzen zertrünuiiert und dabei zur Aufnahme von Sauerstoff gezivnNgru werden. Die chemische Thätigkeit der Enzyme ist demnach eine ziemiich einheitliche und glcichmästige. Das Wunderbare ist nur: wie ist cS möglich, das; der arbeitende Körper selbst, eben das Enzym, ungeheure Mengen einer Snbstanz ninwaudcln kann, ohne selbst verbraucht zu werde»? Um diese chemisch unerklärbaren Thatsachcn sich einigcrmnstcn ver- ständlich zu. machen, muß mau die Anschannngcn der modernen Energetiker zu Rate ziehen, welche alle chemischen und phhsilalischrn Vorgänge von einem einheitlichen Gesichtspunkte ansehen. Nach ihnen beruhen nicht nur alle physikalischen Erscheinungen, Wärme, Licht, Elektricität usw., sondern auch alle chemischen Prozesse, ja schlksjlich alle Erscheinungen in der Welt ans der Wirkung von mechanischen Kräften, von Energien. Alles ist im lchtcn Grunde eine Frage der Bcwegung und des Gleichgewichts. Weunu zwei Substanzen beim gegenseitigen Berühre» eine neue Verbindung er- geben, so geschieht dies darum, weil die Energien in beiden verschiede» sind. Die Atome oder Jonen der beiden Substanzen bringen bei der?gcgc»scitigeu Berührung der letzteren durch die Heftigkeit ihrer Schtvingungen den beiderseitigen molekularen Bau allster Gleich- gcivicht. Tie beiden Substanzen zerfallen also, es cutstehl eine neue Gleichgewichtslage der Verbindung und eben diese stellt sich uns dann als neue chemische' Verbindung dar. Iii ähnlicher Weise müssen wir uns auch die Wirkung der Enzyme denlcn. Kommt ein solches mit einer bestimmten Snbstanz in Kontakt, so geben die in dem Enzym enthaltenen Energien den Atomschwiiigmigcn der Snbstanz einen St»st. Dadurch wird in dieser das Gleickgeivicht des Atom- systems zerstört. Das Molekül stürzt ein»nd schafft sich dabei eine neue Gleichgewichtslage, in der eS als eine neue Substanz erscheint. Die Energie in dem Enzym lost also gewisse Kräfte in * der Substanz aus, und da Energien sich weder in der Masse noch im Gewicht eines Körpers bemcrlbar machen, so ist es auch klar, da st Enzyme trotz ihrer chemischen Leistungen selbst leinen Abbruch erfahren, sie selbst bleibe» vollständig unverändert. Wenn ein Enzyn, mir ans eine ganz bestimmte Snbstanz wirken kann, so wird au« diese Erscheinung der räumlichen Forin beider Körper zu- geschrieben. Enzym und Substanz passen ivie Schlüssel und Schlost ineinander, das erstcre kann daher ans die letztere cimvirken, während cS auf eine ganz ähnliche Substanz, bei der aber die gleichen Atome anders aufgebaut sind, keine Wirkung ausüben kann. Während so die Energie als die Wcltkrast hingestellt wird, von der alle chemischen und physikalischen Vorgänge mir sprciellc Formen sind, geht doch das Bestreben der modernen Physiker andrerseits dahin, durch Vcrkörpcrlichniig von Kräfte» diese unsrcnr Verständnis nahe zu fuhren. In Wirklichkeit beruhen aber beide Stichtungen auf dcr'elven Anschauung. Denn im letzten Grnnde scheint alles, was ans der Welt steht, vorgebt, sich bewegt, Kraft in den verschiedensten Forme» zu sein. Die Materie ist»ur die Form, in der unsren Sinnen Kräfte zur Erscheinung kommen. Nun find aber unsre Sinne so cinseilig, dast sie eben nur bestimmte Kräfte als Materie wahrnehmen. Es giebt aber mistcrdein viele Kräfte, die unsre Sinne nicht als' Materie auffassen tonnen. Trotz- dein wisse» wir. daß auch sie sich in vielen Fällen so vor- halten, als ob sie materiell wären, ja wir können annehmen, dast einige sogar Materie sind. Grostc Ergebnisse hat diese An- nähme besonders bei der sogenannten Jonenlehre gebracht. Noch dieser Anffassnng besteht ein Körper ans sehr kleinen positiv und negativ geladenen Teilchen, den Jonen. Ein Jon ist nicht nur der Ausdruck der materiellen Kräfte eines Körpers, sondern auch das Substrat der Elektricität. Die Eleklncilär ist in ihm körperlich ge- worden, aber sie ist doch kein Körper, sie hat keine Masse, lein Gcivicht. Und daS ist eben der Unterschied zwischen alle« materiell sastbaren und den immateriellen Kräften. Alle Materie ist der Schiverkraft nnterworfcn. jener geheinmiSvollen Welttraft, über deren Ursprung noch nicht das geringste bekannt ist. Elektricität. Lust, Wärme haben sich eiiiigcrmastcn durchschaue» und experinicntell handhaben lassen. Die Schwer kraft wutt überall, sie ist lurgends auszuheben, nirgends zu modifiziere». Vergeblich hat sich vor kurzem erst John H. Poynring bemüht(„Naiuic" 1000 p. 401!), die Abhängigkeit der Echwcrlrast von irgend einer andren Kraft zu erforschen. Elektricität, Licht können durch eine Hülle abgeschlosici! werden, sie hängen von dcni Medium ab, in dem sic� wirken. Dir Schwerkraft kann durch keine Scheidewand abgripeert, durch kein Medium gefesselt werden. Sie wirkt überall gleich, und darum bietet sie der Forschung keinen Angriffspunkt. Sie steht ganz isoliert, sie hat zu»ichls eine Beziehung, trotzdem gehorcht ihr das ganze Weltall.— Meines Feuilleton» sz. Freie Volksbühne. Nun hat auch der Verein mit den schönen Theaterstücken, Konzerten und Programmdrritke» das zehn- jährige Bestehen von sich»nd dadurch mittelbar mich von der ganzen „Freien Volksbühnen"- Bewegung gefeiert. Die geschlossene Gesell- schast, die am 17. d. M. den mächtigen FriedrichShainer Saal füllte, bekam wieder interessante Früchte von dem Bestreben jenes Vereins nach vornehm künstlerischen Darbietungen zu genießen. Wir haben uns über dieses Bestreben bereits mehrmals mit all der Anerkennung und all der Einschränkung ausgesprochen, die ihm nusrcs Erachtens zn gebühren scheinen. Auch diesmal gab es so gut ivie lauter sein ansgrtvähltr Knnstleistnngen im einzelnen und hin- wieder im ganzen die Buntheit, die mm einmal in diesem Kreise üblich zn sein scheint. Sie ging auch inhaltlich so»vcit, das; eS schließlich Slandpmikissache sein mag. ob man darin eine frei- gesinnte Vorurteilslosigkeit oder eine kleine Geschmacklosigkeit seheir will. Dasselbe Programm, das E. Fischers Gedicht enthielt: „Wir haben keinen lieben Vater im Himmel", enthielt auch Orgel- vortrüge und Beethovens Vertonung von Gellerts Hymne:„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", lind die ans dein Programm vertretenen Komponisten umspannten die fast zwei Jahrhunderte von Händel vis n»f die„heutigste»" Tondichter. Ob ein solcher Reich- tum ohne eine wenigstens oberflächliche Orientierung des Hörers seine eigentliche Wirkung ausüben kann; ob ferner einigermasten bc- fnedigcnde Anlworten kämen, wenn man die meisten Besucher eines' solchen AbciidS fragte, was sie sich unter einem „Andante religio«»" vorstellen, und welches Bild sie sich etwa von der Eigenart Schumanns macheu tonnten: darüber sei das Grübeln lieber imterlassrn. Ilm so intercffanter war noch eine andre Seite jener Buntheit. Herr P�il Pauli trug einen Prolog von Ernst Preczang vor. In diesem kommen n. a. mich„Glockenttinne" vor, die»in die Lande schreien". Doch wir wollen nicht(um beim Bilde zu bleiben) aus den schreienden Glockentürmen auch noch„herumreiten". Später trug Louise D n m o u t mehrere Gedichte vor. Hatten wir in Herrn Pauli einen vorzüglich durchgebildeten Sprechkünstler keime» gekernt, dessen Vortragsweise mehr nach der älteren Sctte des gewaltigen Pathos liegt, so«lachte»nS Frl. Dnmont mit der inoderiien„naturalistischen", oft vielleicht absichtlich eintönigeir Sprcchart bekannt. Ob sein Vergleich beider Leistniigen gerade zu Gunsten de« Modernen ausfiel, mag eine Sache für sich sein; lehr- reich ivirkcn konnte der Gegensatz immerhin,»nid lvcm jede der beiden Lcistlmgcn in ihrer Art etivaS übertrieben vorkam, der mochte sich wohl»ach etwas sehnen, das über beiden Eigenarten stünde.— Abseits von solchen Eigenarten glänzten in schlichter künstlerischer Kraft die Licdervorträge von Betsy Schot, die Biolinvorträge von Margarete Baginsky nnd die Klavierbeglcitimgen von Wold em n r Sacks. Gerade diese hätten cS verdient, daß das Pnbli/nm sie mit vollständiger Anfinerlsamkeit angehört hätte, statt in sie, eh' ei» Lied beendet, ebenso mit der Beisallspende hinein- zufahren, wie cS auch in den gesellschaftlich rangobrrsten Konzerte» zn geschehen Pflegt.— — ZrilungSlingnistik. Unter diesem Titel bespricht Karl Abel in der Wochenschrift„Die Nation" die fahiige, schlotternde Art und Weise, in der srenidsprachlichc politische Telegramme von dciitschc» Zeiimigcn, ja selbst von offiziösen Telcgraphciibureaus übertragen werde». Bon den angeführten Beispielen mögen folgende hier Platz finden: Als Graf Waldcrsee in Shanghai cinritt, brach ei» neben einem deutsche» Korrespondenten stehender englischer Zu- schauer in die e»s!a»nlcii Worte aus: Ltrsigsit a« a rulor! Wie der Korrespondent niänuiglich belehrt, heißt das in unser geliebtes Deutsch übertragen„Aufrecht ivie ein Herrscher!" In Wirklichkeit heißt es leider »nr„Grad wie ein Lineal!" Das englische rnler vereint die schein- bar yelerogeneii nnd dennoch cthmologisch einander naheliegenden Vcdeutnngcu von Herrscher n»d Lineal, enthält aber in der an- gesührten sprichwörtlichen Phrase nur die letzter«. Dem Engländer war die Haltung der prcnßischeu Generalsbriist plus HalS und Helm aufgefallen, die allcrdinds von der üblichen lässiger«! Attitüde britischer Offiziere nicht»venig abgestochen haben mag. Einen Herrscher, wie der Korrespondent sich schmeichelte, hat er im Feld- marslball nicht ancrkaiiilt... Wie erinnerlich sein wird, haben wir iin Boerenkriege nur allzuviel von den„Hügeln" gehört, auf denen so heftige Kämpfe statt- gefnndelt halft». Diese merkwürdige» Hügel wurden stundenlang erstiegen nnd gaben. iveiiil der Angriss mißlang, zu lang- wierigcn Rückzüge» Anlaß. Was an der gewaltige» Hemmiiiig, die sie bei aller ihrer Hügclhnstigkcit den Truppen in den Weg legten, rätselhaft schien, löst sich ans lexikalischem Wege leicht. A hill bedeutet freilich mcifthin eine geringe Erhebmig, obschoii es auch Bc- trächtlickicres bezeichucn kann;' the hüls dagegen heißt schlechthin „das Gebirg" und wird ebensowohl vom Himnlnya wie vom Tlinringer Wald oder Geringerem gesagt. Im vorliegenden Fall hoben sich die hüls nicht selten über 1000 F»ß von der Ebene, spränge»« oft gcimg init jähcni Hang in die Höhe nnd entsprachen demnach allein andren eher, als der lieblichen Mäßigung unsrcS idyllischen dciitsche» Hügels. Der Plural ist eben manchmal etwas andres als eine bloß« Verdoppeln»-; des Singulars, so im Wörter- buch ivie in» Leben, und die englischei» Angriffe Ware» keineswegs a» bloßen„Hügeln" gescheitert,' wie der befremdete deutsche Kritiker »litlmter wähiile... „Deutsche und Russen haben den chiucsischcn Kreuzer.Hajanq" mit einer Anzahl provinzieller Offiziere an Bord, die Ausrottinigs- befehle in der Tasche hatten, gefangen gciiommcu"— meldete im Juni ein andres Telegramm aus London. Was es meinte, waren nickt„provinzielle Offiziere", sondern Proviuzialbeamte. Das eng- lische ollicsr kann uunuterschiedlich für Offizier, Polizist und Beamter verwendet werden und es hängt vom Zusammenhang ab, was man heraushört. Hier muß es sich auf höhere Provinzinlbeainte beziehen, welcke die Truppen unter sich haben und ihre Instruktionen vom Vieelönig, von den Pekinger Centralbehörden oder vom Thron empfangen. Miliiäroffiziere haben mit Ausnahme einiger Iveuiger leitender Generale in China keine Vedentnng, erhalten keine Weisungen von oben und werden nicht einmal als Standes- Personen angesehen. Wäre einigen von ihnen ein Mordbefehl zu- gegangen anstatt den allmächtigen Provinzialbchörden, so würde eine lokale oder persönliche Rache, keine Maßnahme der allgemeinen Regiernngspolitik vorgelegen haben. Ein beträchtlicher Unter- schied.... Ein scherzhaftes Mißverständnis liegt in der Nebersehung der in den englischen Militärdepeschen ständig vorkommenden Phrase all is well durch„alles ist wohl" anstatt durch„alles steht gut". Die drei bedentsan>en Worte sind die Losung, mit der englische Patrouillen sich vorschriflsmäßig anrufen, und entsprechen etlva dem deutschen „nichts vorgefallen". Bon diesem Gebranch sind sie in die Dienst- rappvrte übergegangen. Sie beziehen sich auf den Stand der Cam- pagne, nicht auf das persönliche Befinden der Mannschaften, wie die übliche Verdeutschung glauben»lachen könnte.... Theater. Centraltheater. Es lebe die Posse. Wenn sie uns gicbt, was Uuterhallnng ist,— wenn sie dort ist, wo sie sein soll.— und Iveun sie nicht aus Kalauern, ans Dekorationen, aus Kostümen be- steht. Es lebe der„Brautvater" von Adolf Rosse mit Musik von Heinrich Platzbecker, wenn er nicht dem litteransch und tonkünstlerisch niilzähleudcn musikalischen Lustspiel Platz Weg nimmt. Das scheint er im Centraltheater zu thun, sofern wir auf dieses als eine der hoffnuiigsvollsten Operettenbühnen Norddeutsch- lands noch immer vertrauen wollen. Das Personal dieses Theaters ist auf die Operette eingepaukt und könnte es noch Iveit vollkommener werden. Doch die Aufgaben einer bloßen Gesangsposse können es gewaltsam und gclvaltig her- unterbringe». Die„verwechselte Professor-Geschichte" ist lustig und geschickt gemacht und auf einigermaßen begreifliche menschliche Irrungen aufgebaut. Vielleicht würde sie noch reiner unterhaltlich sein, wäre sie nicht hie und da von einer Musik unterbrochen, die „notorisch" ist, notorisch zumal von den Klavierbegleitungen zu Volkssänger-Stückchen her— sozusagen Brettl-Musik. Die Einleitung zum zlveite» Akt würde jeder Ivienerischen„Pablatschen" Ehre machen. Das erste Duett in diesem Akt ist mehr, ist ein nicht übler musikalischer Dialog; das zweite Duett im selben Akt fällt eine Stufe tiefer in die bekannte Sentimentalität der Singspielhalle; ein paar Duette im dritten Akt erreichen nicht mehr, was im zweiten erreicht war. Die Sänger sangen meistens nicht übel und die Sängerinnen meistens übel— etwa Luise AlbeS ausgenommen. Herr Rudolf Ander als der Profesior mit der Entdeckung von der Viereckigkeit der Erde hat wieder übertrieben, hat aber doch eine mannigfaltigere Komik dargeboten als sonst. Herr Emil Sondermann besitzt hier eine Rolle, die ihm noch mehr passen würde, wäre die Figur des Globenfabrikantcn zu dem TypuS des verbohrteir Kunstfexen durchgearbeitet, in welchem Sondennann vielleicht einzig ist. Allein auch so kam seine vollendete Herrschast über seine Muskeln wieder genug trefflich zur Geltung, daß von diesem Schauspieler jeder Anfänger viel lernen könnte, der noch nicht weiß. wohin er mit den Hände» soll.-- Aber eS giebt keine gnten neuen Operetten niehr, wird man uns sagen. Das ist allerdings eins der sicherste» Mittel, um keine auf- kommen zu lassen. Oder vielleicht ist das Publikum im Central« Theater mit seiner Unruhe und seinem brutalen Lachen über jede Kalauerei noch nicht zur Kunst erzogen, vielleicht auch verzogen. Der hernntergeschuatterte Possendialog erzieht es freilich nicht.— SZ. Ans dem Pflitnzenleben. — Welche Anforderungen stellen die der- schieden«» O b st b a u m a r t e n an den Boden? Der „Praktische Wegweiser" schreibt hierüber: Der Apfelbaum verlangt fruchtbare», mäßig feuchte», bündigen Boden, verträgt kein Grund- Wasser und gedeiht nicht auf Sandbode», es sei den», daß er Lehm« unterläge bat. Der Birnbaum nimmt mit leichterem Boden fürlieb, «venu er tiefgründig ist und die nötige Feuchtigkeit besitzt. Der Zivetschgenbanm gedeiht in kalkhaltigem Boden am besten, auch in reinen« Saudboden, wenn er nur den genügenden Kalkgehalt hat. Der Pflaumenbaum ist sehr anspruchslos, gedeiht auf guten wie geringeren, feuchten«vie trockenen Bodenarten, liebt aber lockeren tiefgründige» Boden. Die Süßkirsche verlangt einen freien Standort und mehr trockenen Boden. Entivickelt sie sich auf kräftigem Boden zivar an» besten, so gedeiht sie doch auch sehr gut auf Sand- boden. Die Sauerkirsche hat fruchtbaren tiefgründigen Bode» gern. gedeiht aber auch auf Sandbodei«, wenn er kalkhaltig und nicht z» mager ist. Alles Steinobst überhaupt komnlt zur vollkommensten Eutlvicklung in Bodenarten mit genügendem Kalkgehalt, wo letzterer fehlt, ersetzt man ihn durch Düngung. Hiernach findet jeder leicht heraus,«velche Obstsorten er für seine Bodenarten zu wählen hat. Bei der Wahl der Obstbäume verfahre«nan nach der Regel, daß sich in der Nähe großer Städte die Frühsorten am meisten lohnen. für den Massenbali eignen sich jedoch die Wintersorten(Danersortenj am besten.— Humoristisches. — Tausch-Prozeß. Sonntagsjäger:„Verfluchte Kurzsichtigkeit, jetzt Hab' ich a Kuh erschoffen; na, ich tausch'«nir'S halt beim Wildprethändler um l'— — G e m ü t I i ch. Fremder(der die Rechnung empfangen hat): 19 Mark 50 Pfennig macht's. Hier, geben Sie mir 50 Pfennige heraus I Wirt: Habe aber keinen Pfei«nig kleines Geld-- na, zeigen Sie»nal die Rechnung her, vielleicht kann ich auch 20 Mark heraus- rechnen.— — Modern. Eine bornehme Dan«« bestellt in einem Kinder« konfektionshanse eine Ansivahlsendung elegantester Kinderkleider neuester Pariser Modelle in ihr Haus. Als««ach einigen Tagen die erivartete Bestellung ausbleibt und Rücksendung nicht erfolgt, fragt man tclephonisch an. In Abivesenheit der Mutter erscheint die ISjährige Hildegard und antwortet sehr schlagfertig: ,O danke, Sie können die Sachen abhole» lassen,— wir sind'schon Photo» g r a p h i e r t I"—(„Lust. Bl.'j Notizen. — Der Schriftsteller Ernst E ck st e i n ist borgestem in Dresden gestorben. Er hat ein Alter von 55 Jahren erreicht. Seine Schulhnmoreske»Besuch im Karzer" hat Abertausende von Lesern erfreut.— — Eine Ausgabe sämtlicher Werke von Detlev von Lilienkron tvird von Schuster u. Loefsier in Berlin ver- anstaltet.— — Max Halbes nenes Drama„Um die Scholle"«vird Mitte Januar iin Lessing-Theater aufgeführt«verde».— — Die Secessionsbühne soll vom Beginn der nächsten Saison ab in das Neue Theater übersiedeln. Nuscha Butze, die gegenivärtige Direktrice des Neuen Theaters,«vird künstlerisch und geschäftlich an dem neuen Unternehmen beteiligt bleiben.— —„Ahn'l sein Geist" ist die nächste Novität, die die Tegernseer in» Bellealliance- Theater spielen «verde».— —„Die armen M ä d ch e n'. ein Zeitbild von Victor Leon und Paul v. Schönthan, soivie„Der müde L ö>v e", Schivank in 3 Akten voi» Paul Bliß und Jos. Wittkowski und derselben Autoren Lustspiel„Die M ä«r» e r f r a g e"«vurden für das Thalia-Theater in Hamburg zur Aufführung augenonunen.— — Fritz Lien Harbs Theaterstücke„Der Fremde" und „Münchhausen" hatten bei der Erstaufführnng im Dresdener Schauspielhaus eine«» umstrittenen Erfolg.— — Frank Wedekind hat eine neue Komödie»Der Marquis von Keith" geschrieben.— — In, Wiener Burgtheater«vird Ende November die „O r ejst i e", in Scene gehen.— — Der Züricher Stadtrat hat dein dortigen Stadt» Theater, das sich gegcmvärtig in einer sehr prekären Lage be- findet, einen einmaligen Extrazuschuß von 50 000 Fr. und eine jähr» liche Subvention von 20 000 Fr. geivährt.— — Ein dreiaktiges Mnsikspiel„Der Hofschauspieler', Text von OSkar Fron.z, Musik von Josef Stritzko, ist von» Theater an der Wien erivvrbei» Ivorden.— — D i e Hauptprobe zu den, großen Orchesterkonzert dses Wag nervereins findet an» 2. Dezember, mittags 12 Uhr, in der„Philharmonie" statt.— — Hans PfitznerSOper„Der arme Heinrich"«vird anfangs Dezember im Opern hause zun, ersteninal in Scene gehe».— — August B n n g e r t S Musikdrama„R a u s i k a a" wird im Dezeniber im Dresdener Hoftheater zu»» erstenmal in Scene gehen.— — Der Wagnervorkämpfer Musikdirettor P o rg eS ist am Sonn- abend in München in« Alter von nahezu 53 Jahren gestorben.— — Die beiden letzten Walzer von Johann Strauß, Abschieds-Walzer sk'-äur) und Jschler-Walzer l�-äur) sind soeben im Mnsikverlag von Herinaun Seenian» Nachfolger in Leipzig er- schiene».— — Hans Thoma nnd Konstantin Meuni er sind zu Ehrenmitgliedern der Berliner Secession vor- geschlage«, worden. Weiter ist beantragt, sieben hervorragende Künstler zu außerordentlichen»»ud elf zu ordentlichen Mitgliedern zu wühlen.— — Die z«veite große Aquarell-AuS st eilung in Düsseldorf»vird au» 25. Noveinber eröffnet.— Beraiitivortlicher Redacteur: Dr. Georg Sraduauer in Sroh-Lichterselde. Druck und Verlag von Max Boving in Berlin.