A nterh altung sblatt des Horm Sk. 231. Dottnerstlig. den 29 November 1900 tNacl>dru m Atttev HVolKen. Roman von Kurt Aram. Augenscheinlich ist's eine Frau, dachte Schäfer, als er endlich dazu gelangte, wenigstens von der Seite ihr vcr- schleiertcs Gesicht sehen zu können. Aber hübsch ist sie unter allen Umständen, bestätigte er sich. Auch nicht zudringlich gekleidet, gar nicht benifsmästig. Freilich, eine Frau, das ivar am Ende doch nichts. Vielleicht stand gar der Gatte daneben. Er musterte alle Männer in der Nähe. Sie schauten nun zwar lächelnd bald auf ihn, bald auf sie; aber ein gatten- mäßiges Gesicht, nachte keiner dabei. Wie lange wollte sie denn da noch stehen? Er konnte ihr doch nicht geradezu einen Puff versetzen, zumal alles auf ihn aufnlerksam geworden war. Schon wollte er weiter gehen. Es würde ja doch nichts werden. Da drehte sie sich um und sah ihn an, als wüßte sie, daß er sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Er winkte leicht mit den Augenlidern. Da trennte sie sich endlich von dem Schaufenster. Schäfer sprang sofort zierlich an ihre linke Seite, lüftete äußerst höflich den Hut, machte eine tadellose Verbeugung und schritt neben ihr »veiter. Die Herren am Schmffenster hatten sich in dem Augen- blick, da die Dame wieder auf die Straße trat, umgewendet und sahen den beiden lächelnd, schmunzelnd nach. „Hübsches Weibchen!" sagte der eine.„Der Kerl hat Glück," meinte ein andrer.„Er fängt's aber auch nicht dumm an I" lobte ein dritter. Diese Männer, die sich nicht kannten, die sonst getviß »inter keinen Umständeit auch nur ein Wort mit einander ge- wechselt hätten, ohne daß eine gegenseitige förmliche Vor- stellung vorangegangen— denn sie gehörten alle den besseren Ständen an—, fühlten sich durch diese Begebenheit auf einmal so zusanlniengehörig, wie eine Familie, daß alle Formen des guten Tons überflüssig waren. Mit dieser Danic verbrachte Schäfer seine Zeit, ohne überhaupt die Bibliothek zu Gesicht zu bekommen; während sich Magda um ihn quälte mit ihrer Liebe. Erst am dritten Morgen wurde ihm dieS Treiben bitter und schmeckte schal, so daß er die Tarne schleunigst sitzen ließ. Nun war es ihm aber auch sofort ein höchst unangenehmer Gedanke, wieder in das Nest zurückzukehren. Wieder lockte eS ihn, einfach von hier nach Berlin zn reisen und sich seine Sachen dahin nachschicken zu lassen. Aber diese Fahrt dauerte dreiinal so lang, als wenn er zu Otto und Magda zurückkehrte; und eine so lange Eiscubahnfahrt war ihm bei seincir jetzt angegriffenen Nerven schrecklich. Es würde doch auch höchst unanständig sein, so zu verschlvinden... Jawohl, höchst unanständig! Anstand that ihm aber jetzt wieder wohl, nachdem er ihn drei Tage gründlich entbehrt hatte. Jedenfalls würde er aber nnr noch ein paar Tage in dem Nest bleiben. Für feinen Roman, der nun sclbstverständ- lich nicht ins Jahr achtnndvierzig zurückverlegt würde, konnte er doch nicht mehr viel dort profitieren. Für Magda empfand er nicht mehr die geringste Zuneigung, der Aufenthalt in ihrem Hanse besaß also keinen Reiz mehr. Je näher die Stunde kam, lvo er wieder zur Bahn mußte, um so deprimierter fühlte er sich. Prr, scheußlich, wie er drauflos gehaust in diesen drei Tagen I Doch, daß er sich jetzt gestand, daß eS scheußlich gewesen, und daß ihn das jetzt deprimierte, ivar entschieden Strafe genug für die Extra- vaganzcn. Mehr konnte auch der ärgste Moralist nicht ver- langen. Er nahm erst noch ein Bad und trank daraus einige Coguacs zur Aufmuutennig. Dann fuhr er ab. Absichtlich benahm er sich jetzt von vornherein Magda gegenüber so harmlos, unterstrichen harmlos, daß ihr ja kein Zweifel bliebe über ihn. Daß sie dies Benehmen auch ganz anders, auslegen konnte, kam ihm gar nicht in den Sinn. Auch an dem folgenden Tag änderte sich sein Benehmen nicht. Otto mochte noch so gut auspassen, es war nichts zu finden, woraus er hätte folgern können, daß Schäfer Magda noch begehrte,„liebte". Das ist höchst sonderbar, dachte Otto beunruhigt. Was kann da vorgefallen sein? Es wäre ja noch schöner, wenn ich mich am Schluß doch noch verrechnet hätte! Werd' ihm mal heut Abend ein wenig auf den Zahn fühlen, was er in der Stadt getrieben hat. Magda wurde auch unruhiger, als sich Schäfer nicht im geringsten änderte. Als hätte er ganz vergessen, wie er vor drei Tagen gewesen! Wenn sie ihn dann aber ansah, wie er so bleich und elend war, beruhigte sie sich wieder. Herrlich, wie er sich zu- sammennehmcn und beherrschen konnte! Der gute, edle Mensch I Sie legte es förmlich daraus an, ein Gespräch mit ihm in Gang zu bringen, daß er sich ihr erklären müßte und es klar würde zwischen ihnen. Daß er wieder besser aussähe und sich nicht mehr so zn plagen brauchte. Aber er wich geschickt aus oder machte sarkastische Witze wie in früheren Tagen. Da konnte sie nicht von dem spreche», waS ihr das Heiligste war. Wenn Otto sie heute einmal länger allein ließ, ging auch Schäfer fort. Es war ihm peinlich, mit ihr allein zu sein, weil er fürchtete, sie würde ihm jetzt noch nachträglich Vor- würfe machen über sein unverantwortliches Betragen vor seiner kleinen Reise. Er redete sich das wenigstens ein, wenn er auch recht wohl ahnte, daß sie ihn immer noch liebte. Aber er wollte das nicht sich selbst bekennen, weil er sich dann zu sehr seiner selbst hätte schämen müssen. Sic muß ja völlig blind sein, wenn sie nicht merkt, daß ich nichts mehr mit ihr zu schaffen haben will. Ist sie das nicht, so wäre es un- weiblich, mich noch zu lieben, ist sie aber wirklich blind, was kann ich dazu? Dann ist es ihre Schuld, dann kann ich ihr nicht helfen. Er brauchte sich keine Vorwürfe mehr zu machen, denn er benahm sich jetzt so korrekt wie nur denkbar. Am Abend, alS Magda zu Bett gegangen, führte Otto seine Absicht ans, Schäfer ans den Zahn zu fühle». Otto glaubte bestimmt zu wissen, daß Schäfer sich in der Stadt mit Frauenzimmern herumgetrieben. Er dachte ferner, daß es Schäfer peinlich sein würde, da er ja doch zu Magda eine heftige Leidenschaft gefaßt, wenn er ihn darauf brächte. Deshalb versuchte er ans die Weise dahinter zu kommen, wie es im Augenblick mit Schäfers Leidenschaft für Magda stände, daß er vorsichtig anfing, von ihr zn sprechen, sie zu loben, nni nach und»ach zu der Frage kommen zu können, wie sie Schäfer eigentlich gefiele. Schäfer merkte das sofort, da er ein schlechtes Gewissen hatte, und erschrak nicht wenig, als Otto immer mehr auf dies Ziel losging, hcrausznbekoiumen. wie Schäfer zu Magda stände. Er hat offenbar doch was gemerkt, dachte Schäfer. Das wäre ja sehr fatal. Doppelt unangenehm, wo jetzt gar kein Grund zu derlei mehr vorliegt. Es war cutschieden am praktischten, er erzählte von seinen drei Tagen in der Stadt, und zwar ganz offen und ohne jede Zurückhaltung. Es war gut, daß Otto etwas im Schatten der Lampe saß, sonst hätte sich Schäfer wohl entsetzt über die Gesichter, die Otto zn Schäfers Erzählung machte. Du gemeiner Hund! dachte Otto. Also so einer bist du? Er wurde innner wütender. Am liebsten wäre er auf- gesprungen und hätte Schüfer ins Gesicht gesagt, was er von ihm halte. Aber nein, lieber noch ein wenig warten, bis er ganz genau wußte, wie es stand. Als Schäfer zu Ende, schwieg auch Otto zunächst. Aha, dachte Schäfer erfreut, es war das richtige. Jetzt macht er sich klar, daß gar kein Grund zur Eisersucht vor- Händen ist. Nach einigen Minuten sah Otto auf und fragte:„Hör mal, da wir doch gerade bei solchen Gesprächen sind, wie steht's denn? Denkst Du nicht auch allmählich daran, Dir ein Weib zn nehmen?" „Was?" sagte Schäfer ganz erstaunt.„Daran denk' ich im Traum nicht. Das fällt mir ganz und gar nicht ein!" „Wird Dir diese Junggesellcnwirtschaft denn nicht auf die Daner öde?" forschte Otto, der seinen schönen Plan immer noch nicht ausgeben wollte. „Manchmal Wahl, manchmal nicht meinte Schäfer phlegmatisch.„Aber wenn auch mal so ein Gedanke kommt, ich krieg' ihn bald runter. Wenn man erst mal in die Dreißig gekommen ist, wird man zn bequem zum Heiraten, scheut man die Umstände. „Ich finde daZ direkt unmoralisch," getraute sich Otto einzuwenden. Schäfer sah ihn spöttisch an und lächelte nachsichtig. „Tu brauchst mich nicht absichtlich falsch zu verstehen," erklärte Otto gereizt.„Ich meine das selbstverständlich nicht im gewöhnlichen Sinn. Für so'neu Esel brauchst Du mich wirklich nicht zu halten. Ich meine nur,... man ist's seiner Nation schuldig." sagte er dann, selbst erleichert, daß ihm dies eingefallen. „So lange eine Nation noch solche Ueberschiisse an Ge- Kurten aufweist wie die unsre, find' ich das überflüssig. Offengestanden, ich Hab' absolut kein Talent, mich fortzu- Pflanzen. Familienvater zu spielen, und was damit alles zu- sammenhäugt." Otto schwieg, weil er so nur an sich zu halten vermochte mit seinem Zorn. Nun konnte er sich nichts mehr vormachen. Schäfer war in der That wieder losgekommen von der Angel, an der er sich schon so schön sestgebiffen. Verdammtes Pech! Fahr hin, du schöner Plan! Am liebsten wäre er aufgesprungen und hätte Schäfer gcohrseigt. Aber das war ja Unsinn, das hätte ihn womög- lich verraten und lächerlich gemacht. Es war gerade genug, daß er sich vor sich selbst blamiert hatte. Beide schlviegen eine lange Zeit. Tann stand Schäfer auf und sagte gute Nacht. Auch Otto ging bald zu Bett. ohne aber gleich in seinem Aerger Ruhe finden zu können. Und das ärgerte ihn nicht am wenigsten bei der ganzen Ge- schichte. Es herrschte eine gereizte Stimmung im Haus. Magda wurde auch mißgestimmt und verlor nach und nach die schöne Sicherheit ihrer Liebe. Schäfer kam sich vollständig überflüssig vor und wartete nur mit Ungeduld auf die neue Woche, um sich mit Anstand verabschieden zu können. Diese Magda mit ihren weichen, forschenden Augen wurde ihm immer unbequemer. Sie schien sich immer noch etivas in den Kopf zu setzen. Plötzlich machte Otto seinem Aerger Lust. Er war sehr froh, daß er einen schicklichen Anlaß dazu fand. Es war ihm nämlich hinterbracht worden, daß Magda bei den Frommen gewesen. Er schalt darüber auf das maßloseste. Fortsetzung folgt.) (Nechdruck verbotcu.) Vevdiichtige iBiimnevpflttttzcn. Unsre Vorfahren fanden mehr Geschmack an Geivürziveinen als wir. Sie bcimtzte» dieselben zum Teil auch als Heilmittel. Lange erfreute sich bei ihnen der Schlüsselbliimenlvein eines besonderen Ansehens. Die gelbe Blume, die mit FrühlingScinzug unsre Wiesen schmückt, wurde von der pflanzenkundigen Hildegard, die im 12. Jahrhundert auf dem Rupertsberge bei Bingen Ac'btissin war, als Heil- mittel gegen Melancholie angepriesen und darum wohl auch„Himmels- schlnffei" genannt. Roch vor hundert Jahre» gab L>. I. Weilerin in ihrem 1801 erschienenen„Aiigsbnrgischcu Kochbuch" ein Rezept zur Bcreitmig dieses Weins an. Es gehörten dazu 24 Maß Wasser, 14 Pfd. Kanarienzucker. 3 Pfd. Schlnssclbfiimcu, 3 Citroiien und 3 Löffel Bierhefe: 3 Tage sollte die Mischung gähccn' dmm setzte man t> Maß Wein dazu und ließ das Faß vier Wochen im Keller ruhen. Aus den Blüten und Wurzeln der auf trockenen Wiesen wachsenden Apothekerprimel bereitete man früher Tinkturen, die als beruhigend und nervenstärkend galten. Heute beschäftigen verschiedene Prirnelarten unsre Acrztc. ES handelt sich aber dabei nicht um deren nützliche, sondern recht lästige, schädliche Eigenschaften. Unter den Pflanzen, die während dcS Winters miste Fenster und Bliimentische mit ihren Blüten schmücken, nehmen einige ans dem fernen Osten eingeführte Primelarten eine hervorragende Stelle ein: die chinesische Primel er- freut uns durch ihre weißen und in verschiedene» Nrnmccn von rot prangenden Blüten, und ebenso beliebt ist die Vccherprimel(Piimula obconicn). Vor elf Jahren wurde in der Zeitschrift„Garden and Forest" zum erstemnal berichtet, daß die Berührung der Priinula obconica eine Hanieiitzündnng verursacht habe. Dann mehrten sich ähnliche Berichte; in einigen ivenigen Fällen wurden ähnliche Wirkungen auch der chinefischen Primel zugeschrieben. Bei den betreffenden Krankcn trat etUxi zwei bis sieben Stunden »ach der Berührung der Primel unter Jucken und Brennen eine lebhafte Rötung und Schwellung der Haut ein;»s bildeten fich an der befallenen Stelle Quaddeln. Bläschen und Blasen, die dann platzten, Knoten und Borken hinterließen, um allmählich abzuheilen. Die Hände, welche die Pflanze berührten, wurden zumeist von der Entzündung befallen, dieselbe wurde jedoch durch die Hände oft auch auf andre Körpcrstellen, wie Geflcht, Nacken, Schenkel usw. über- tragen. Außer diesen örtlichen bemerkte man auch allgemeine Er- scheinungen. Die Kranken fühlten sich unbehaglich, hatten Kopfweh, Frösteln, Appetitlosigkeit, litten an Schlaflosigkeit und mitunter wurde bei ihnen auch Fieber beobachtet. Wird die schädliche Ursache beseitigt und jede weitere Berührung der Primeln vermieden, so gehen die heftigsten Erscheinungen in einigen Tagen zurück und auch die übrigbleibende Rötimg und Schlvellimg der Haut verliert sich nach einigen Wochen. In jüngster Zeit wurden auch Angenentziindmigen bcobnchiet, welche durch die Primel verursacht wurde». Nach einer Mitteilung von Dr. Hilbert wurde eine 28jührigo Frau von einer heftigen Schwellung des Gesichts und einer Augencntzünduiig befallen, nach- den» sie an einer ihr eben geschenkten Primula obconica gerochen hatte. Neuerdings berichtete' Dr. Peters in der„Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde" über einen durchaus ähnlichen Fall, als dessen Ursache ein schönes Exemplar einer gefüllten weißen chinesischen Primel erkannt wurde. Natürlich hat man sich bemüht, die Art und Weise, in welcher die genannten Pflanzen schädlich werden können, zu ermitteln, und vor allem mit der vorwiegend als gefährlich erkannten Primula obeoniea Versuche angestellt. Die Blätter und Stengel dieser Pflanzen besitzen zwei Arten von Haaren, von denen die einen weich, die andren spitz sind, an ihrem Ende bemerkt man eine mit gelb- lichcm Sekret gestillte Blase. Es ist nun weniger wahrscheinlich, daß die spitzen Haare die Haut durchbohren und so die Entzündung hervorrufen; es genügt vielmehr, die Flüssigkeit der Drüsenhaare allein ans die Haut zu bringen, um die Wirkung des reizenden Gift- stoffs zn erzielen. Als man nun diese Versuche machte, zeigte es sich, daß die Eni- zündrmg sich nnr bei einem Teil der Personen einstellte. Man muß also wohl annehmen, daß imr eine geringe Zahl von Menschen gegen den Giftstoff empfindlich ist. Dr. Wolters schreibt darüber in der„Deutschen medizinischen Wochenschrist" folgendes: „Ich selbst habe an mir und einer Reihe von andren Personen ver- sucht, durch Berührung, Bestreichung der Pflanze, durch Einreiben mit Blüten und Blättern, durch Benetzen mit alkoholischem, ätherischem Accton-Extrakt von Blüten und Blättern eine Haut- entzündung zu erzengen, doch vergeblich. Dagegen haben zwei meiner Patienten, um festzustellen, ob meine Diagnose stimmte, ans sich, nachdem die Affektion wochenlang geheilt war, die Primel wieder berührt und von ncnem die Affektion wieder bekommen. Ebenso ließ sich in einer Reihe von Fällen bei Rezidiwen jedesmal eine unabsichtliche Berührung mit der Pflanze nachweisen. Weiterhin ist aber auch die Disposition, dadurch«ine Erkrankung zn bekommen, eine ganz verschiedene, so sah ich ein Ehepaar, bei dem der Manu au den Berühruiigsstellen eine leichte, in einige» Stunden abklingende Urticaria tNeffelansschlag) bekam. während die Frau jedesmal ein heftiges Oeckem �Anschwellung) mit Urticaria und Blasenbildung davontrug." Bedenkt man. in wie großen Mafien die Primeln gezogen werden, daß die Primula obconica, schon seit zwanzig Jahren ein- geführt ist, und zieht man dabei in Erwägung. wie selten die Er- krankungen vorkamen, so gelaugt mau zn dem Schluß, daß mir recht wenige Menschen für diese Primelerkranluiig empfänglich sind. NichtSdestolveniger ist eine allgemeine Kenntnis der Thatsachcn von Belang. Es find z. B. zwei Fälle bekannt, in denen die Erkranknng jahrelang wiederkehrte und als Rose behandelt wurde; ihre Heilimg erfolgte erst dauernd, als man die wahre Ursache er- kannte mid die Primeln ans den Wohnräumen der Paticntinne» entfernte. Verhältnismäßig wenig bekannt sind auch die giftigen Eigen- schaften eines andre» sehr beliebte» Topfgewächses: des Oleanders. Alle Teile dieser Pflanze sind giftig ulld durch ihren Gemiß sind schon selbst tödliche Vergiftungen verursacht worden. Dr. G. Schiinemann berichtet über die Gefährlichkeit deS Oleanders in seinem Büchlein:„Die Pflanzen-Bergistmigen": Selbst die längere oder starke Berührimg mit den Blättern erregt einen juckenden ÄnS- fchlag und eine Geschwulst, die in der Regel ärztlich behandelt werden muß. �chon die Ansdnnstmig dieses Strauchs wirkt nachteilig, weshalb man die Pflanzen in größerer Anzahl nie in Wohn- oder Schlafzimmern dulden sollte. Sehr gefährliche Folgen kann die üble Gewohnheit haben, Bliitellzweige davon in den Mimd zu nehmen. So pflegen auch manche Konditoren zur Garnierimg von Torten und Eis Oleanderziveige z» bcmitzen; die davon Genießenden könne» froh sein, wenn sie mit gcliiidcn Magen- oder Leibschmerzen davonkommen, dcmi weit ernstere Folgen können eintreten: wie Entzündung der Lippen, der Zinige, des Gamnens und deS Magens, heftiges Erbrechen, Herzklopfen, Ohmnacht und selbst der Tod. In Gärten und besonders Zimniem, Ivo Kinder sich aushalten. stelle man diese heimtückische schöne Pflanze so. daß Kinder sie nicht erreiche» könne». Auch der Goldregen wird vielfach als Topfpflanze gehalten, daß er in allen seinen Teile» giftig ist, weiß jeder. Viele glauben aber. daß er nnr dann gefährlich wird, wenn man ihn ißt. Aber fein Snst — 31- ist so scharf, dciß er glcichfallS Haute»tgii»dn»qcn verursacht. Schon sein Vliitenstnub erregt ein Rottverdcn und Jnckc» der Hain. Die Liste der schönen und doch verdiicytigen Zininierpslanzen ließe sich erweitern. Da belauben wir mit ClcmatiSartcii(Waid- reben) unsre Balkoue und Veranden. Aber einige derselben sind durchaus nicht harmlos; man braucht nicht einmal nach der nicht mlszurottenden Unsitte einen BIntenzweig in den Mund gn nehmen; schon durch die AnSdiinftnng der Pflanzen kann man sich Äopfweh zuziehen. Auch die herrlichen Rieslmrrzarten haben giftige Wurzeln, schädlich ist auch die Knolle des so beliebten Alpenveilchens, und cnt- hält nicht das liebliche in Massen getriebene Maiglöckchen in seinen Blättern und Bliiten ein Herzgift? Wer würde deswegen alle diese schönen Kinder der Flora aus unfren Zimmern vertreiben wollen? Sie können uns alle erfreuen, wenn wir mit ihnen richtig umgehen. Nur kennen müssen wir unsre Lieblinge und Pfleglinge, wissen, wie diese Schönen auch schädlich_ sein können. Dann ergeben sich die Vorsichtsmaßregeln von selbst. Leider wird diese Belehrung in den meisten Viichern, die für Blumenfreunde und Blumenliebhaber geschrieben sind, unter-- lassen. Es wäre gut, wenn man diese Lücke ausfüllen wollte.— _ C. Falkenhor st. Mlemes Meuilloto«. — Chinesische Pagoden. Der„Köln. Ztg." wird geschrieben: Mit den Pagoden verhält es sich ähnlich wie mit dem Zopf: sie find nicht so urchincfisch, ivie gewöhnlich angenommen ivird. Wie an einem ägyptischen LandschastSbild ohne Pyramide, scheint an einem chinesischen ohne Pagoden etwas zu sehlin, so sehr find wir an sie gewöhnt. Weiter als ins dritte Jahrhundert nach Christus, wo die chinesische Geschichte doch schon etwa dreitausend Jahre alt war, reichen auch fie nicht hinauf. Denn sie sind nicht einheimischen, solidem fremden Ursprungs, da sie mit dem Buddhismus aus Indien ins Land gekommen sind. Das Bewußtsein davon ist fast überall im Volk verloren. Jetzt schreibt man ihnen nur noch gcomanttsche Bedeutung zu. Die Pagoden spielen in dem merklvürdigen, Fcngschui genannten Glanben an die allgegenwärtige Einivirkung der Geister des Winds und des Wassers eine große Rolle. So sagen z. B. die Geomantci» von Kanton, die betriebsame Stadt mit ihren beiden Pagoden gleiche einer reich beladencn Dschunke mit zwei Masten, ein Gleichnis, das den» Volke sehr gefällt. Die Pagoden haben die Kraft, alle guten Geister herbei- zuziehen und alle übelwollenden fernzuhalten. Eine Stadt ohne Pagode würde sehr geringe Aussicht hahen, daß ein aus ihr gc- bärtiger Kandidat die großen Prüflingen bestände. Hiernach wird es nicht wlmdernehlncn, daß cS überhaupt keine chinesische Stadt ohne wenigstens ein solches Banwerk giebt; die nieistcn können zwei oder mehr anflvcisen, so Peking innerhalb und außerhalb der Mauer ihrer sechs. Seitdem nn» das Jahr llöv nach Christus die elfte Pagode in Nanking erbaut lvurde, müssen sie sich ziemlich rasch ver- mehrt haben, denn die meisten„lachen jetzt einen verwitterten Ein- druck, obgleich man sehr viel besseres und widerstandssähigeres Material dazu venvandte, als zu irgendivelche» andern chiuesischen Banwcrken. Gelegentlich sollen auch jetzt noch einzelne errichtet werdei». Wahrscheinlich ist dicS nur dann der Fall, lvem» ein Ort zur Stadt gemacht wird, was aber in China, Ivo es ivahrlich schon Städte genug giebt, recht selten vorkommt. Nach Williams giebt es im ganzen Reiche mehr als 2000 Pagoden. Sie verleihen dem kirchturmlose» Lande entschieden einen hübschen architektonischen Schmuck. Ihre ursprünglich etwas steisen Linie» erscheinen meistens durch das Alter gemildert. Hier und da haben sich Steine gelockert und sind herausgefallen und in den Lücken habe» dann Vögel oder der Wind Samen getragen, die zu Grus und Sträuchcrii geworden find. Gerade ivcil sie oft an Ruinen criinicrn. machen diese Türme auf den beschauenden Europäer, dessen Auge in den überall gleich- mäßig einfachen chinesischen Städtebildern sonst fast nie länger gc- fesselt wird, einen gefälligen und wohllhuenden Eindruck. Die Pagode» bestehen aus verschiedenen«lockwerken, meistens ans sieben oder neu», wie denn diese Chinesen durchiveg eine große Vorliebe für ungerade Zahlen haben. Der berühmte Porzellantnni» in Nanking ist nichts anders als eine besonders prächtige Pagode; man ivollte ihn eigentlich auf dreizehn Stockwerke bringen, aber der Bau verschlang so große Summe», daß man sich auf nam Stockwerke beschränkte, deren Herstellung mehr als 12 Millionen Mark kostete. Als durchschnittliche Höhe der größten Pagoden ivird ÖO Meter angegeben. Der Porzellauturm war nicht weniger als 80 Meter hoch. Die Mauern sind unten von gewaltiger Stärke und erinnern an solche von alten Schlössen». Nach oben zu nehmen Umfang und Dicke der Mauern allmählich ab, bis der Umfang des nennten Stock- Werks etwa ei» Drittel dcS ersten beträgt. Jedes Stockwerk hat Oeffuungen, die ohne Thürcn und Fenster find, ferner immer einen Vorsprung oder Sims, der häufig die Fon» einer rings um das Gebäude führenden Galerie annimmt. Bon dort ist die Aussicht auf die Stadt soivic auf das umliegende Land gewöhnlich sehr schön. Nicht alle Pagoden sind zugänglich. Einige befinden sich in einen, so verfallenen Znstande, daß die Mandarinen ihren Besuch ver- bieten. Bei andren, deren Galerien keine Geländer haben, geschieht dasselbe, auch ivenn fie gut erhalten sind, weil die in China sehr zahlreichen Selbstmörder allzu oft von dort oben den Sprung ins Jenseits gemacht haben. Die Treppen sind zuiveilc» in der dicken Planer angelegt, meistens aber imrcn an der Mauer, und dam» 3— haben sie oft genug kein Geländer. Der Ausstieg erfordert in solchen Fälle» völlige Schwindelfieiheit. Noch mehr ist diese nötig bei den- jenigen Pagoden, die überhaupt ohne Treppen sind. Waghalsige Auslander besteigen gleichwohl auch diese mitunter. Sie lassen sich von umwohnenden Chinesen eine breite Latte geben, die von der Oeffuung eines unteren Stockivcrks nach der Oeffnmig dcS folgenden hcrübcrgclcgt Ivird. Dann muß der beherzte Freinid diese improvisierte Brücke hinaufgehen. Ein Fehltritt oder das Aachgeben eines Steins, und er liegt mit zerschmetterten Gliedern unten. Eine weitere Gefahr besteht darin, daß die begleitenden Chinesen ans den Einfall kommen können, die Latte wegzuziehen und den Aus- länder in gänzlich hilfloser Lage oben zn lassen, bis er ihnen mehr Geld zahlt, als ursprünglich ausgemacht war. Solche Fälle sind thatsächlich vorgekounnen. Obwohl die Pagoden selbst jetzt nur»och i» wenigen LmideSteilen religiösen Zwecken diene», so sind doch rech» häufig buddhistische Tempel an ihrem Fnße erbaut. Deren Mönche sind meistens sehr habgierig. Sie erwarten von jeden» Fremden, der auf die Pagode hinanfsteigei» will, ein Geschenk. Auch wein» die Chinesen die Pagode illnminiereil wollen, was in einigen Gegenden, z. B. in Futschou, in» Herbste geschieht, müssen sie dafür bezahle». Eine von oben bis unten mit chincsischcil Papierlatcruen behängte Pagode gewährt an ruhigen Abenden einen ungenicin prächtigen Anblick.— Litterarisches. — W o l z o g c>» ii b e r Hauptmann u>» d B i e r b a n m. „25 Jahre Litteratnrgeschichte von mir aus" betitelte Emst von Wolzvgcn den Vorträg, den er am Dienstag in der„Lessiuggcsell- schaft"' hielt. Den Inhalt des Vortrags bildete ein ungezwungenes Aneinanderreihen mid Schildern von Erlebnissen des Vortragenden in litlcrari'chen Kreisen Weimars. Berlins und Münchens. Die „Alten" und die„Jungen" marschierten anf: Emannel Geibel»md Paul Heise, Theodor Fontane und Detlev von Liliencron bis zu den Allcrjinigstcn, Hligo von HoffmannSthal, Peter Attenberg und Marie Medle'iiic. Von all den Litte- raten aber, die Wolzogen keimen gelernt, behandelte er nur zwei in etwas ausführlicherer Weise: Gerhart Hauptmann und Otto Julius Bicrbmim. Gcrhart Hauptmann lernte Wolzogen in Berlin kennen. Haupt- mann gehörte damals jener Friedrichshagener Schriftstellertolonie an, zn der auch Strindbcrg, Bruno Wille und andre gezählt wurden. Der junge Hauptmainl war, in» Gegensatz zu den anderen lärmenden Dichtergeiftcn». ein im wahrsten Sinne des Worts„zugeknöpfter" Mensch— er trug sich ä la Jäger— mit einem Gesicht,„halb das eines Heiligen, halb das eines Verbrechers", dessen verträumte Augen mit' den„nach innen gerichteten Blicken" eine gar eigne Sprache redeten. Hauptmann war immer, selbst wen» die andren in der ansgelasiensten Stimmmig waren, still»md wortkarg. Nur seinen vertrautesten Frennden las er gelegentlich—>vaS außer- ordentlich selten geschah— Stellen ans seinen Dichtungen vor. I» de»» Helden seines ErsllingSdramaS„Bor Sonnenaufgang" hat sich Hauptmann selbst geschildert, der damals Tempercnzler, Vegetarier, Jägerianer usw. war. Eine ganz andre Persönlichkeit war Otto Julius Bierbanm. ein lebensfroher Gemißmensch, der im bicr- und kunstseligcn München seine zweite Heimat fand. Den„echten" Bicrbaim» lernte Wolzogen gelegentlich eines Besilchs kennen. Bierbanm halte sich in einer Echloßniine in der Nähe von Bozen hmiölich niedergelassen. In diesem zn nenn Zehnteln zerfallenen Schloß waren mir noch zwei oder drei Zimmer bewohnbar. Eine steinerne, morsche und verwitterte Wendeltreppe, deren Geländer ein Hanfstrick bildete, führte zu den Wohnräumen empor. In dem einen Zimmer, das höher gelegen war, als die beide» andren»md Vörden» ivahrschcinlich de» Tiirmivart beherbergt hatte, stand ein altes Klavier, das beim Spiele» gleichzeitig eine Triangel uud eine Paukc ertönen ließ; das war das„Harmonnm»" des Schlosses. Rings um das Schloß breitete sich aber ein herrlicher Garte» voll prächtiger Obstbäiime. Ii» diesem Garten traf Wolzogen den Herrn und die Herrin des Schlosses. Die Schloßherrin saß in» Geäste eines Kirschbaums. Sic halte ein scecssioiiistisches Gewand an— ein Kostüm, das Bierbanm selbst entworfen hatte— pflückte sich Kirschen vom Bann» und heftete mit goldenen Fäden das Büttenpapier, daS ihr Gemahl mit Versen beschriebe». Ein bunter Papagei, der anf ihrer Schulter saß, ver- vollstnndigte das March eubikd. Bierbann» selbst, allerdings nicht scccssionistisch gelleidet, saß„einem miltelalterlichcn Ritter gleich nnter einer Traucr-Tsche" ii»d— dichtete.— Kulturgeschichtliches. — Bogel» und Pfeil. In der letzten gemeinschaftlichen Sitzung des„NatlMvisieiischastlichen Vereins" in Hamburg und der „Gnippe Hamburg- Altona der deutschen Anthropologische» Gesellschaft" sprach Dr. K. Hagen über„Bogen und Pfeil". Während Boge» lind Pfeil bei uns mir noch als Kiiiderspielzeng auftritt, in England sportmäßig Venvendniig findet, sehen wir dieses scheinbar so einfache Gerät noch in Iveitverbreitetcr Benntznng ftir Jagd und Krieg bei einer Reihe von Naturvölkern. Bei nähcrem Studium des BogenS gewahrt man bald, daß er je»ach der Herkunft eine äußerst mannigfaltige AnSführnng in» einzelnen zeigt, die dieses Gerät besonders als»»»terscheidendes Merkmal voi» Völkergrnppen erscheinen läßt. Wann der Bogen erftmden iviirde, läßt sich nicht einmal vermuten. Schon in de» Funden der Steinzeit begegnen unS zierliche, ans Steil» geschlagene Pfeilspitzen. Es ist«uizunehmen. daß der einfache Stabbo�eu an tierschicdene» Stellen t>«r Erde selbständig erfunden ivurde. Doch erfordert selbst die Her- stcllmig eines einfachen Stabbogens ein grobes Maß von Er- sahrnngen und Kenntnissen. die getoiß erst im Lause von Jahr- hunderiten erivorben find. Das Material der Bogen ist je nach der geographischen Provinz recht verschieden. Die Indianer Brasiliens verwenden das sehr geeignete Palnicnholz. ebenso die Melnncsier, die nordainerikauischcn Indianer greisen zum Holz der Eibe. Weide, Birke, des Ahorns und der Esche, während in Vorder- und Hinter- indien der Vainbusbogen iveit verbreitet ist. Die afrikanischen Bogen sind»»eist wenig sorgfältig gearbeitet: nur die ostafrikanischen machen einen besseren Eindruck. Der Bogen ist in Afrika die Waffe der minder kriegerischen, zerstreut wohnenden Jäger und Ackerbauer, während die politisch fest organisierten Hirten- voller der Steppe, z. B. Kaffern und Massai, den wuchtigen Nah- kämpf»>it Speer und Schild betreiben und die Bogenträger als Feiglinge bezeichnen. Auf Grund des äußeren Aussehens des Bogens lassen sich in Afrika eine Reihe scharf umschriebener Gruppen aufstellen. Besonderes Interesse verdient eine durch doppelte Schiveifling an den zusammengesetzten asiatischen Bogen erinnernde Form. tvie»vir sie bei den Somali, übrigens im Besitz der ver- achteten Klasse. finde». Der zusammengesetzte, reflexe Bogen ist über ganz Central- Asien verbreitet: Türken, Perser, Inder, Mongolen, Chinesen usw. bedienen sich seiner. Das ivesentlicke dieses Vogens liegt zunächst darin, daß er in der Ruhelage nach der entgegengesetzten Seite gebogen ist und, um ihn mit der Sehne bespannen zu köuuen, erst herumgebogc» werden mnb. dann darin, daß er aus mehreren fest aufeinandergeleimten Schichten zu- sammeugcsctzt ist, und zivar meist aus einem Horn- und einem Holz- stab sowie einer dicken Sehnenschicht. So haben tvir uns auch den Bogen des Odysseus zu denken. Einige altägyptische Bogen aus dem 13. und 7. vorchristlichen Jahrhundert zeigen dieselbe sAnordnnng. Sie sind als ans Westasien eingeführte Objekte zn deuten, während die einheimischen und die unbischen Söldner ihre einfachen Stabbogen beibehielten. Der japanische Langbogen ist nur ans S oder 6 Holzleisten zusammengesetzt, die mit Band sorgfältig umwickelt und übcrlackiert sind. Der asiatische Bogen macht auch in Nordwest-Amerika seinen Einfluß geltend, wo wir mit Sehncnschicht oder mit Schnengeflecht verstärkte Bogen finden. Die Eskimobogen sind aus kleinen Holz- und Knochenstückcn znsanmicn- gesetzt und als zusammengeslückte Bogen zu bezeichnen. Was die Spanmmg des Bogens anlangt, so lassen sich etlva sieben Methoden unterscheiden je nach dem Gebrauch der Finger. Von Interesse ist darunter die Spannmethode der alten Aeghpter, Assyrer und Griechen. die die Sehne mit den Spitzen der drei mittleren Finger anzogen, de» Pfeil zwischen Zeige- und Mittelfinger festhielten,«vährend der Daumen unthätig blieb. Zum Schutz der Fingerspitzen verwandte man lederne Fingerlinge. Umgekehrt tvird bei der sogenannten uiongolischen Spannweije die Sehne nur mit dem durch einen Stein- ring geschützte» Daumen, der von innen nach außen um die Sehne gelegt tvird. angezogen. Diese Spanntveise tvird von den Turko- manen, Chinesen, Japanern, Persern n. a. geübt. Die Wutc, ein Volksstaunn im Hinterlande von Kanierun, spannen die Sehne mittels eines über die Mittelhand geschobenen HolzringS. Gegen den scharfen Rückprall der Sehne ist das linke Handgelenk durch ein dickes Lederpolster geschützt. Einige Jndiancrstämme Brasiliens spannen, aus dem Rücken liegend, den Bogen mit den Füßen, um eine besonders kräftige Schnßleistnng zn erziele». In Europa ist der Boge» bis zur Einführung der Fenerwaffen in Gebrauch getvcsen, am längsten in England. Ivo der ans Ebenholz angefertigte manns- hohe Bogen noch 1627 von einer regulären Truppe geführt wurde. Die Ansstattung des Pfeils ist ebenfalls höchst mannigfaltig, so die Befiederung, die Kerbung, die Anfügung und da? Material der Spitze.— Geographisches. — Der große Sumpf des Bahr el Zaraf. In„The Ncographical Journal' beschreibt Ewart S. Gorgan seine Reise durch Afrika vom Cap nach Kairo. Auf dieser Reise berührte er auch den großen Sumpf des Bahr el Zaraf oder Bahr cl Jcbel, eines rechten, in nördlicher Richtung fließenden Nebenflusses des Bahr el Abiad. Der Bahr el Zaraf teilt sich nördlich von der Stadt Bor in zivei Arme und umschließt mit ihnen, ehe sie sich ivieder ver- einigen, eine» gcivaltigen Sumpf, der sich nach Nordwesten über 18V Kilometer ausdehnt und in seinem untere» Teile von Ost nach West öv Kilometer mißt. Der Sumpf ist ein un- übersehbares Schilfmeer, in dessen mittlerem Teile einige unbeivohnte Inseln liegen, während im nördlichen Gebiete vereinzelte Palmen auftreten. Scharen von Flußpfcrdcn und Herden von Elephanten Ivnrden zahlreich angetroffen, andres Wild dagegen selten. Die in Menge vorhandenen Fliegen und Moskitos ivaren lästig und ge- fährlich. Der östliche, Gertrnd-Nil genannte Flußarm, an dessen Seite der Marsch ging, vcrschivindct als offener Fluß im Schilfmeere. Die Reisenden überschritten am Ostrande des Sumpfes eine Reihe tief ein- schneidender, von Lagnnen cingenomincner Buchten, deren Wasser stagnierte, die Gorgan aber für Mündungsstellen von Zuflüssen ans dem östlichen GcbirgSgcländc hält. Einige Kilometer nördlich der Spaltung des Bahr cl Zaraf ivurde ein starker, ans dem Osten konimendcr Fluß passiert. Nach der Karte von Justus Perthes ist seine Quelle in den Gondokoro-Hügeln zu suchen; Gorgan hingegen vcnnutet, daß er aus den Sumpfen strömt, aus denen auch der Pibro, der große Zuflußarm des Sobat-Flusses, ebenfalls eines rechten Nebenflusses des Bahr el Abiad. entspringt. In diesem Falle würde das Land zwischen dem Sobat-Flnsse und dem Zaraf-Flusse eine vom Nil und seinen Nebenflüssen umschlossene Insel sein.— HumoriMsches. — Die Konzession.„Ihr habt die behördliche Konzession zur Gründung eines Luftkurorts erhalten?" „Ja. vor acht Tagen wurde unser Klima amtlich ge« nehmigt."— — Tempere n zler-Diner. A.:„So, das Diner war so vornehm?" Temperenzler:„Ja, zu jedem Gange gab's e i n andres Mineral wassert"— — Stilblüte.„Gleich einem rauschenden Wasserfall plätscherten die heißen versengenden Worte seiner Liebe aus seinem bartnmflossenen Munde, die Brille des Vorurteils, die sich seit Jahren um Ellis Herz gelegt, in tausend Atome zerbröckelnd..."— („Mcggend. Hilm. Bl.") Notizen. — Das bisherige Vereinsorgan des deutschen Vereins zur Förderung der Luftschiffahrt, die'„Zeitsckrift für Luft- s ch i f f a h r t und Physik der Atmosphäre", wird am 1. Januar 1901 eingehe»: die„Illustrierten Aeronautischen Mit- teilnngen" werde» von diesem Datum ab das Vereinsorgan werden.— — Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder ladet zu einem Wettbewerb zur Erlangung einer für den öffent- lichen Vortrag geeigneten Abhandlung über Volksbäder ein. Der erste Preis beträgt 300 M., der zweite 200 M.— — I. Nordens Komödie„Der Tugendbold" wird demnächst im M ü n ch n e r Schauspielhaus die Erstauffühnmq er- leben.— —„ G n g e l i n e Oper von Ludwig T h u i l l e, Dichtung von Otto Julius Bierbau ni, wird im Jannar oder Februar im Opernhaus zum erstenmal in Scenc gehen.— — Arthur S u l l i v a n hinterließ eine fast vollendete Oper „Die S m a r a g d i n s e l", die während der Saison noch zur Auf- führung gelangen sollte.— —' Die Große Berliner Kunstausstellung 1901 wird vom 4. Mai bis 29. September dauern.— — Nach Vollendung de» Museums für die pergmnenischen Altertümer wird mit dem weiteren Ausbau des Museums für antike ii ii st voigegangen werden. Es wird bereits durch den nächstjährigen Etat eine erste Rate hierfür flüssig gemacht«verde». Wie in dem Staatshaushalt für das lausende Jahr zum Ankauf einer Sammlung griechischer Münzen 380 000 M. bereitgestellt sind, soll, wie verlautet, ferner durch den nächstjährigen Etat ein Fonds zum Ankauf von Kimstwerken in« Ausland ausgebracht werden.— — Der Frankfurter Maler Dt a x R o ß m a n n ist beauftragt worden, für die nächstjährigen Aufführungen des„Fliegenden Holländer" in Bayreuth die Kostüme und die Bühnenausstattung zu liefern.— — Der 22. B a l n e o l o g e n- K o n g r e ß wird vom 7. bis 12. Mä-rz in B c r l i n tagen.— — Die Alaska-Indianer sterben ans. Auf der Insel Attu, die früher dicht bevölkert war. leben noch 73 Indianer und die Insel A t k a, die größte Insel der Alsuten- Gruppe. die vor einem halben Jahrhundert der Sitz eines volkreichen Stamms war, zählt jetzt nicht mehr als 173 indianische Einwohner.— Biichcr-Einlauf. — Victor von Kahlen egg:„Bille Brandt." Roman. Berlin. F. Fontane u. Co. Pr. 2 M.— — Nikolaus K r a n ß:„Der Förster von Konradsreuth." Roman. Verlin. F. Fontane u. Co. Pr. 3 M.— — Ernst Klotz:„Vom Sinn des Lebens." Drama. Leipzig. B. Elischcr Nachflg.— — Wilhelm V ö l s ch e:„Goethe im 20. Jahrhundert." Berlin und Bern. Akademischer Verlag für sociale Wissenschaft.— — Max Messer:„Der Traum vom Weibe." Roman. Dresden und Leipzig. Karl Reißner.— — Franz Neubaur:„Phrasien." Komödie. Leipzig. Richard Wöpke.— — Friedrich D n ck m c y e r:„Einer für alle." Drama. München. Staegmcyrsche Verlagsbuchhandlung. Preis 2 M.— — Henry v. T h o r e a u:„Winter." Gedanken- und Stim- mungsbilder. München. Verlag Conkord.— — D r. Paul Ernst:„Friedrich Nietzsche." Heft 1 der Modernen Essays zur Kunst und Littcratnr, hernnsgcgcben von Dr. Hans Landsberg. Berlin. Gose und Tetzlnff.— — Multatuli:„Millioucn-Studien." Aus dem Holländischen übertrage» von Wilhelm Spohr. Minden i. W. I. C. C. Bruhns Verlag.—_ Verantwortlicher Nedactcur; Dr. Georg Gradnaner in Groh-Lichterselde. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.