Nnterhallungsvlalt des Konväris N?. 239 Dienstag, den 11. Dezember 1900 (Nachdruck verdaten.) 2] MsLusla. Von W. G. Korolenko. Die Unbekannte nickte schweigend, während in den aus- drucksvollen Augen allmählich die Neugier die Furcht besiegte. Sie richtete sich auf und lehnte sich sogar über den Zaun, um uns von Kopf bis Fuß mit einem raschen Blick zu mustern. Aber diese kurze Prüfung mußte resultatlos verlaufen sein, denn sie blickte uns noch immer der- ständnislos an. Ihre Angst schien nicht stärker ge- worden zu sein, war aber auch nicht verschwunden, und die Neugierde war nicht befriedigt. Aber ihre schwarzen Augen blickten uns nicht besonders wohlwollend an. Die braune Schöne hoffte wahrscheinlich, daß wir auf keine Einladung warten, sondern uns nach einem kurzen Bescheid über den richtigen Weg entfernen würden. Aber wir hatten keine Eile und die Sache inter- essierte uns. „Wem gehört die Hütte?" fragte mein Gefährte. „Wozu fragtJhr?" antwortete die Unbekannte mit einer kurzen Gegenfrage, fügte aber gleichzeitig hinzu: „Dem Stepan und mir." „Was wollt Ihr noch und warum reitet Ihr nicht weiter, schien ihr Blick zu fragen. Wir hatten schon früher von Stepan gehört, man hatte uns auch erzählt, daß er eine schöne Hausfrau habe. Irgend ein lustiger Assessor hatte es uns gesagt, ein lebensfroher, gutniütiger Geselle, aber als der Postmeister bei dieser Ge- legenheit einen losen Witz machte, hatte er den Kopf ge- schüttelt und die Brauen ernsthaft zusammengezogen. „Nein Briiderchen, da seid Ihr auf dem Holzwege, dort draußen am See bei den beiden... na wie nennt man's denn in den Büchern?" „Eine Idylle", souflierte einer von uns. „Ja, ganz recht, eine Idylle. Denn Stepan ist ein schöner Kerl und ein verteufelter Kopfabschneider dazu, und dann halten sie sich anch für ein gesetzliches Ehepaar, weiß der Teufel, sie sagen, sie sind getraut nach Landstreichcrart." Im allgemeinen ist das Einzelgewicht eines einzelnen Menschen stärker, je einsamer die Gegend ist. die er bewohnt, und Stepans Name wurde in unsrer Niederlassung häufig und stets mit einer gewissen Achtung genannt. Wir kennen Stepan recht gut, rühmten sich die Kolonisten. Wir waren bei Stepan, wir haben Stepan gesehen, erzählten die Jakuten und nickten lustig mit ihren Köpfen. Man erzählte sich, daß sogar der Bischof auf einer Reise durch den Sprengel bei Stepan eingekehrt war.... Natürlich interessierte uns beide die Sache jetzt auch. „Wo ist denn der Wirt?" fragte ich mit einem hilf- losen Blick, indem ich krampfhaft nach irgend einem Vorwand suchte. „Stcpau ist nicht da, der ist ins Dorf gefahren und kommt nicht so bald wieder," antwortete die junge Frau ficht- lich erbost. Ihre schwarzen Augen hefteten sich mit gehässigem Aus- druck auf meine Jacke. Sie war aus Kamelhaar mit aufgesetzten Streifen an den Räten, in der Art, wie die Gold- gräber sie tragen. Ein Mann mit einer solchen Jacke schien ihre Gunst ein für allemal verscherzt zu haben. „Na. also fahrt mit Gott," sagte sie plötzlich ganz offen- herzig,„Stepan ist nicht da". In demselben Augenblick ertönte ein Schuß auf dem andren Ufer des kleinen Sees. Ein weißlicher Rauch stieg auf und aus dem Gestrüpp trat ein Mann hervor. Die auf- geschreckten Enten erhoben sich schwerfällig, streckten die sichel- förmigen Flügel, und die schweren runden Körper bewegten sich langsam über dem Wasser. Die kleinen Falken flogen schreiend, mit kurzen Flügelschlägen über den See, die Ober- fläche des Wassers bewegte sich, das ruhige Bild war mit einem Schlage zerstört. Aber das dauerte nur einen Augenblick, dann verschwanden die Kreise auf dem Wasser und der See wurde wieder spiegel- glatt und ruhig. Die Enten verschwanden hinter dem Walde, und wieder umfing' uns die sibirische Ruhe. Die junge Frau war bei dem Schuß zusammengezuckt und schaute nach dem See hinüber. Auf einem kleinen, roh aus Balken ge- zimmerten Floß mit einer langen Stange als Ruder in der einen Hand.näherte sich jetzt der Jäger der Mitte des Sees, wo seine Beute noch lag, zwei durch die Brust geschossene Enten. Die andre Hand hatte er über die Augen gelegt und spähte zu uns herüber. Wir waren noch nicht von unsren Pferden gestiegen und unsre Gestalten mußten vom See aus sichtbar sein. „Und was ist das?" fragte ich lachend. Die junge Frau war einen Augenblick verwirrt, dann zuckte sie mit den Achseln und setzte wieder die frühere herausfordernde Miene auf. Sie schien absolut nicht gewillt zu sein, sich in die Enge treiben zu lassen oder auch nur viele Umstände mit uns machen zu wollen. Wahrscheinlich fand sie, daß sie uns dadurch zu viel Ehre erweisen würde. Nach wenigen Minuten war der Jäger am Ufer und näherte sich uns freudig mit raschen Schritten. III. Der Hausherr schien gastfreundlicher zu sein, als die schöne Wirtin. Er sprang über den Gartenzaun und kam uns mit eiligen Schritten entgegen, quer über die Beete, um den Weg abzukürzen. Seine Bewegungen waren rasch und hastig, als wenn er Angst hätte, wir könnten weiterreiten, ohne uns aufzuhalten. Als er nur noch zehn Schritte von uns entfernt war. warf er die Flinte und die beiden Enten auf den Boden und zog höflich die Mütze. „Marnsia, Du Närrin," sagte er grob,„warum bittest Du die Gäste nicht in die Hütte". Die Frau zuckte wieder mit den Schultern und schaute ihn ebenso herausfordernd an, wie sie uns angeblickt hatte. In dem Blick lag Widerwillen gegen uns und Eigen- sinn. „Geh', stell den Samowar auf." rief er.„Rühr Dich!" „Bitte, steigen Sie doch von den Pferden," wandte er sich dann wieder zu uns.„Brave Leute empfangen wir gern." Marnsia schaute uns noch einmal mit naiver Be- denklichkcit an; ihre Zweifel über nicine Jacke schienen noch immer nicht gelöst. Wie dem auch war, dem prüfenden Blick folgte ein leichtes entzückendes Lächeln, da? uns aber eher Waffenstillstand als vollen Frieden zu verkünden schien. Sie bückte sich, hob die Flinte und die er» beuteten Enten vom Boden, und ihre schlanke Gestalt ent- fernte sich rasch mit graziösen Biegungen in den Hüften. Die nackten braunen Füße, die unter dem kuzen Rock hervorlugten. schritten geschickt und graziös durch die schmalen, tiefen Gänge zwischen den Beeten. «Die Herren müssen schon verzeihen, sie ist ein bissel scheu," sagte Stepan entschuldigend, und mit leiser Stimme fügte er hinzu: „Sie hat Sie gewiß für Goldgräber gehalten; sie hat solche Angst." „Warum denn?" „Man hat mich mitgerufen, in die Goldgräbcreien", sagte er und blickte zur Seite. „Haben Sie keine Angst, Manisia," rief ihr mein Ge- fährte lachend nach,„wir werden Ihren Stepan nicht mit- schlepven." Sie ging noch rascher. „Sie glaubt's nicht," erklärte Stepan mit einem Anflug von Stolz in der Stimme. Er sprang über die Umzäunung und führte unsre Pferde in den Hof. Er war ein sehr großer Mann, breitschultrig und dabei doch schlank. Die Augen waren hellblau, die Haare blond und der fast weiße Schnurrbart bildete einen sonderbaren Kontrast mit dem roten gebräunten Gesicht. Man hätte ihn fast schön nennen können; nur der Blick war von so einer sonderbaren Stumpfheit, wie ein Schleier lag es über den Augen, und der weiße Schnurrbart auf dem dunklen Gesicht er- innerte an das Negativ einer Photographie. Die Lippen waren sehr voll und bildeten eine eigentümliche Linie; etwas Rohes lag darin, etwas was den sympathischen Gesamteindruck störte. Etwcis Sprödes. Anormales lac, in der ganzen, sonst so kräftigen Gestalt dieses originellen Menschen. Er erzählte uns übrigens nachher, daß er ein Kosak mrs der Donsker Gegend sei. „Glück zn!" sagte mein Gefährte lachend zu mir. wäh- rend Stepau sich mit den Pferden entfernte.„Weiß der Teufel, eine wirkliche Idylle!" fügte er, den Tonfall des Assessors Fedosiejew nachahmend, hinzu.„Jetzt werden Sie ihn natürlich ausfragen und dann alles niedersch.den. Wir kennen das schon." lV. Noch eine halbe Stunde lagen wir auf dem saftigen Rasen in der Nähe der Hütte. In"der Mitte brannte ein Reisig- seuer, und in einem eisernen Kessel kochte das Wasser. Die große Stille und Einsamkeit hatte wieder ihre Herr- schaft angetreten, die Falken und Geier schössen krächzend durch die Lust, durch die Lärcken ging ein leises Rauschen. und die Enten lagen wieder ruhig, wie ein dunkler massiger Fleck auf dem See, der Schuß und der Tod zweier Gefährten, alles schien wieder vergessen. „Sie sind also neugierig?" begann Stepan. Er saß in halbliegender Stellung am Feuer, das Gesicht der Hütte zu- gewandt, wo Marusia vor der Thür das Essen zubereitete. „Ja, Brot allein genügt ihm nicht." sagte mein Gefährte scherzend,„und er schreibt alles gleich aus." „Na, warum nicht," antwortete Stepan,„ich will Euch was sagen; wenn man alles beschreiben wollte, was ich schon erlebt habe, es würde eine schöne Geschickte herauskommen. Die Schwäche der nieisten seiner Schicksalsgefährten, die oft und gern die Geschichte ihrer Abenteuer und ihrer Ver- urteilung erzählen, schien auch ihm nicht ganz frenid zu sein. Uebrigens sind die Biographien dieser Leute, wenn man ihnen in der dumpfen Kammer oder am Feuer lauscht, oft im stände, das lebendigste Interesse und die größte Aufmerksamkeit zu erwecken. Ich liebe derartige Geschichten, tvenn sie auch oft infolge der Ruhmredigkeit oder der lebhaften Phantasie des Erzählers nicht ganz wahrheitsgetreu sind, aber jetzt interessierte mich Marusias Geschichte, und ich fürchtete eine allzulange Einleitung. Mein Gefährte merkte es. „Ach, wo denn alles", sagte er mit leichter Ironie.„Er- zählt uns lieber, wie Ihr Euch habt trauen lassen, nach Landstreichcrart." „Sie haben was davon gehört?" „Ja, wie soll man nicht hören? Die Welt ist voll von Geschichten und Gerüchten." „Wie ist sie nach Sibirien gekommen?" unterbrach ich meinen Gefährten. Ich hatte Angst, Stepan würde sein leicht ironischer Ton verletzen.„Ich denke, sie ist einfach mit Ihnen mitgegangen." „Oder sie ist ihrem alten Mann fortgelaufen", unterbrach mein Gefährte mich wieder. „Nein, Ihr Herren, Ihr irrt Euch. Sie war zu Zwangs- arbeit verurteilt." „Warum?" entschlüpfte es mir unwillkürlich. „Meiner Treu, ich weiß nicht," antwortete Stepan verlegen. Er schien aufrichtig bekünimert, meine Neugier nicht befriedigen zn können.„Sie spricht nie darüber. Wenn ich sie einmal frage, dann fängt sie an zu weinen und zu schluchzen und dann zittert sie so wie verrückt.„Lieber schlag' mich gleich tot," sagt sie. Und wovor fürchtet sie sich denn, so ein dummes Weib? Ich Hab' nach Hause geschrieben, aber hier, wen geht's hier an?" „Nun gut," unterbrach ich ihn. Ich hatte Angst, daß seine Stimme bis zu Marusia dringen könne, die das Geschirr auf der Nasenbanl vor der Hütte wusch. (Fortsetzung folgt.) Ackerbcut in Chinn. Die Chinesen teilen den Mittelstand ihres Volts in vier große Klassen ein: Litteratcn, Landlcnte, Äaiiflentc und Hnndlverker. Die Reihenfolge ist nicht willkürlich, sondern gleich»ach den Litteraten, die ihren CoiifncinS und Mencnls auswendig können, kommen die Landlcnte. Schriftlich— in Erlassen und Vorschriften der Beamten soivie in Urkunden oder Büchern— wird die angegebene Reihen« folge genau eingehalten. Im Verkehr der verschiedenen Stände miteinander ist es dagegen im Reiche der Mitte nicht anders als in sämtlichen Kulturstaaten: der manierliche Bewohner einer Groß- stadt steht auf den plumpen Bauer herab. Die Regierung führt iudcssen alljährlich den Städtern die Wichtigkeit, die der Ackerbau in ihren Augen hat. zn Gcmilte. Denn nicht mir der Sohn des HiniincIS in höchsteigner Person führt einmal jährlich die Pflugschar, wie dies ja ans dem Schillerfche» Rätsel jedermann bekannt ist, sonder» auch der höchste Mandarin in jeder einzelnen Stadt. Die Bewohner der füd- und ostasiatischen Länder haben vor denen des regenannen Innerasiens einen unermeßlichen natürlichen Vorteil: das sind die Niederschläge, die der Südivestmonsnm mit sich bringt. Ohne diesen regelmäßigen, den Passatwind begleitenden Regen, der nur verhältnismäßig selten in bedenklicher Weise aus- bleibt, iväre in dem größten Teile von Indien, China und Japan gar kein Ackerbau möglich. Er ist die Ursache, daß wir die Chinesen seit dem Anbeginn ihrer Geschichte, also seit vier bis fünf Jahr- tanscndcn, als Ackerbauer finde». Zu diesen klimatischen Vorteilen gesellte sich die besonders große Begabnng des Volks für die Land- Wirtschaft. Ausdauer und unermüdlicher Fleiß sind lauter Eigen- schaflen, worin die Chinesen von keinem andren Voll übertrosfen werden. Die schwächste Seite der chinesischen Bauern ist die iwer- mäßige Abneigung gegen das Aufgeben alter und das Einführen besserer Methoden. Zu», Beispiel liegt der Rückgang des chinesischen Theehaudcls größtenteils daran, daß die Theebauern gegen alle Vor- schlüge von Verbesserungen im Rösten und Packen taub blieben. Sonst hätte der Thee aus Indien und Ceylon diesen nicht so rasch von dem Londoner Markt verdrängen können. Der Unterschied in der Temperatur und sonstige klimatische Verhältnisse verursachen eine außerordentliche Mannigfaltigkeit der Bodenerzeuguijse in dem ungeheuren Reich der Mitte, die fast sämtlich der Ernährung dienen. Baumwolle, Hanf, Indigo und Maulbeerbäume sind»in» gefähr die einzigen wichtigen Ansnahmen von dieser Regel. In neuester Zeit ist hierzu noch der Mohn zur Gewinnung des OpinmS gekommen. Zwar haben die Chinesen nackiwcislich schon im vorigen Jahrhundert selbst Opium gewonnen, also lange vor der Zeit, Ivo es ihnen die Engländer aus Indien brachten. Einen bedeutenden Umfang hat die Mohnkultur jedoch erst seit ettva zehn bis ztvölf Jahren angenommen. Die wichtigste in China wachsend« Hnlmfrncht ist bekanntlich Reis. Für die Zknltur von gewöhnlichem Reis ist erstes Erfordernis ein schwerer Boden, und zweitens viel Wasser, da die Pflanzen ganz darin stehen müssen. Uebcrall also, wo den Feldern nicht durch reichlichen Regen eine genügende Menge Wasser zugeführt. wird, muß man es durch künstliche Mittel herbeizuschaffen suchen. Hierin haben die Chinesen eine bedeutende Geschicklichkeit. ES soll vorgekommen sein, daß holländische Ingenieure Deichbrüche des Hoaugho für unheilbar erklärten, die die Chinesen trotzdem auf ihre Weise zu stopfen verstanden. Für die Bewässerung der Reisfelder haben sie verschiedene Methoden. Das Beste, was ich in dieser Be- ziehuug gesehen habe, war in Südformosa. Ivo die HakkaS, ein ur- spründlich ans der Provinz Kuangtung eingewanderter, kräftiger und fleißiger Menschenschlag, ausgezeichnete Rcisbauern abgeben. Sie wohnen nicht weit vom Fuße des hohen Gebirges, das wie ein gewaltiges Rückgrat die Insel vom Norden nach Süden durchzieht Nim regnet es in Südfonnosa vom Oktober bis Mai wenig oder gar nicht, dafür aber um so mehr während der vier Somniermonate von» Juni bis September. Für die erste Rcisernte sorgt also die Natur selbst, wenigstens ivaS Feuchtigkeit anlangt; manchmal zerzaust sie allerdings in böser Laune bei Taifunen die Felder in arger Weise. Für die zweite Neisernte, die in die trockenen Monate füllt, kommt es darauf an, von dem Ueberfluß der Sommerregen eine genügende Menge Wasser aufzu- speichern. Beim Beginn der trockenen Zeit, wo die im Frühling ganz versiegenden zahlreichen GevirgSbächc noch voll Wasser sind, werden diese möglichst weit aufwärts abgedämmt. Dann bringt man in dem Damm lreppenartig übereinander mehrere wagerecht liegende Reihen von Bambusröhren.au,, durch die das Wasser in Rinnen von Bambus fließt. Die Rinnen führen unmittelbar auf die Reisfelder, die auf diese Weise fortwährend unter Wasser ge- halten werden. Allmählich fällt der Bach, weil er während des Winters wenig Zufuhr erhält. Dann sind die oberen Reihen der Röhren außer Gebrauch, aber nicht die unteren; die höher gelegenen Felder müssen alsdann durch Tretpnmpen«nit Wasser versorgt werde»». Der erste starke Regen, der im Mai oder Juni tagelang init tropischer Heftigkeit niedergeht, schwemmt gewöhnlich den ganzen Damm weg. Die Hakkas müssen ihn also in jedem Herbst neu erbauen, was sie unverdrossen thnn. Wo die Verhältnisse nicht so günstig liegen wie am Fuße der Berge von Formosa, müssen andre Äustalien getroffen werden, das Wasser zu sammeln. Das geschieht in Teichen»md Ausstichen. Man legt diese nahe bei den Feldern an, auf die man den Inhalt hinanfleiten will, was auf verschiedene Art geschieht. Die gewöhnlichste ist die durch Tretpnmpen. Da Arbeits- kraft in China ungemein billig ist, so wird der primitive Bau dieser Pumpen wenig empfunden. Eine andre Art der Bewässenmg ist die. daß zwei Personen einen in der Mitte eines Taues angebrachten kleinen Schöpfeimer unermüdlich zwischen dem Teich und dem Felde hin- und herschwiugen. Die Regierung unterstützt den Bauer wenig oder gar nicht. Wie oft habe ich den Kopf darüber geschüttelt, daß bei anhaltender Dürre eine halbe Stunde WegS von dem mächsiacn Dangtsckiang mit seiner unerschöpflichen Wassermasse der Reis auf den Feldern verdorrte! Freilich ließe sich der Strom nicht leicht ohne die Anwendung ftemder Maschinen für solche Zwecke benutzen, und davon wollen die Mandarinen nun einmal nichts wissen. Der Reis wird erst auf ein kleines Stück Land dicht gcsäet. Ist er etwa einen halben Fuß hoch geworden, so pflanzt man ihn aus auf die unter Wasser gesetzten Felder, Ivol'ci Männer nnd Frauen durch den Schlamm waten müssen. Andre Personen, die aus den durch die Felder führenden Fußpfaden stehen, Wersen ihnen die Pflanzen zu, von denen immer si'ms bis sechs zusaniiiieu eingesetzt werden. Die einzelnen Büschel stehen in einiger Entfernung von einander, damit die Achren genügenden Raum zur Entfaltung haben. Die Kraft der tropischen oder subtropische» Sonne läßt den Reis rasch hcranwachseir. Die Felder gewähren, bevor die nahe Reife die Aehre zu bräunen beginnt, aus einiger Entfernung einen präch- tigen Anblick. Das volle, saftige Grün ist dem Auge des deutschen Naturfreunds um so wohlthnender. als er es bei dem Mangel an Wäldern in China sonst nur gar zn sehr entbehrt. Die Chinesen ziehen ihren eignen Reis aus dem andrer Länder vor. Die Ans- länder sind andrer Ansicht; nur die sehr mittellosen essen ein- heimischen Reis, während sich die übrigen an den aus Singapore eingeführte» halten. Dieser ist weißer und weniger grob als die chinesischen Sorten. Das große Reich vermag seinen eignen Bedarf an Reis nicht zu decken, obivohl das Land am Unterlaufe des Daugtseliaug, der Kornkammer Chinas, bei guten oder mittleren Ernte» innner große Mengen an die nördlichen und südliche» Pro- vinzcn abgeben kann. Wuhu ist der Hauptansfnhrhafcn für Reis, ferner Shanghai und Tschiankiang. Ins Ausland darf keiner vcr- fchifft werden. Daß Nordchina viel Reis einführt, ist ohne weiteres verständlich, iveil dort keiner wächst. Daß Südchina an seinen eignen zwei jährlichen Neisernten nicht genug hat, erklärt sich aus der großen Uebcrvölkerung. Da nun anch die Zufuhr aus Miltel- china nicht ausreicht, so müssen die hinterindischen Länder a»shelsen. Die Provinzen Folien und Kuangtnng beziehen viel Reis von da; am meisten konunt nach dem Bertragshafe» Amoy in Folien. Die Insel Haina» erzengt trotz ziveier Ernten gleichfalls nicht genug für den eignen Bedarf. Während der Süden überall jährlich zwei Reisernten gewährt, ist es hicrftir am Dangtsekiang im Winter schon zn kalt. An die Stelle der zweiten ReiSerute tritt dort der Weizen, der weiter nach Norden zu, wo der Reis allmählich ganz verschwindet, auf gutem Boden die einzige Ernte ausmacht. Auf große» Strecken der nörd- lichcn Provinzen ist dagegen der Boden für Weizen nicht schiver genug. Dort sät man eine Art Sorghmn oder Hirse, auf chinesisch Kaoliang genannt. Diese Halmfrinht wird Iveit über mannshoch nnd bedeckt mit ihren breiten, ninisähiilichc» Blättern die Ebene oft nreilenweit, daß sie anssicht wie ein grüneS Meer. Ein Fremder, der in einem Sorghnnrfelde einmal die Richtung ver- lorcu hat, findet sie nicht leicht wieder. Der Theestrauch komnit, wie der Reis, in Nordchiria nicht mehr fort, wächst dagegen in allen ihm zusagenden Oertlickkeitc» Mittel- und Südchinas. Er ist ziemlich wählerisch; am meisten liebt er sanftgcwelltcn Boden in einer feuchtwarmcn Gegend. Die unteren Abhänge von Hügeln mit ihrer fortivährendcn Feuchtigkeit bieten den besten Standort für den Theestrauch, der nicht leicht zu viel Nässe, aber leicht zn viel Trockenheit bekonimen kann. Zuckerrohr wächst nur in den beiden südlichsten Provinzen Knangtung nnd Knangsi, sowie im südlichen Teil der Provinz Folien in der Unigevimg des Vertrags- Hafens Amoy. Die große Zahl der in China kultivierten Gemüse- arten, die als Zukost zum Reis genossen werden, hier aufzuzählen, Ivjirbe, zn weit führen. Manche davon wachsen auch in Europa, andre jedoch nicht, wie die süße Kartoffel oder Batate. Sie wird von den Chinesen nnsrcr Kartossel unbedingt vorgezogen, wogegen die meisten Europäer nicht viel darauf geben. Errvähnt sei noch, daß auch die besten ans Europa bezogenen und auf chinesischem Boden gepflanzten Gemüse-Artcn leider niemals denselben Wohlgeschmack haben, wie in der Heimat. Die Sonne ist für sie selbst in Nordchina zu stark, so daß z. B. Erbsen und Bohnen zu schnell reifen, wodurch sie mehlig werden und an Zartheit einbüßen. Wie die Chinesen so manches ander? machen, als die Europäer, so auch das Düngen ihrer Felder. Dies geschieht nämlich fast allen t- halben nicht vor dein Säen oder Einpflanzen, sondern während des Wachsens der Feldfrückite. Der Reis wird ans Kübeln mit flüssigem oder halbflüssigem Dünger versehen. Das ist für die Nase eines gerade vorübergehenden Europäers keine ganz angenehme Sache. Die Chinesen selbst scheinen keine Gernchsnerven zn haben. Man kann oft sehen, daß ein Kuli die Stange, woran er zwei Eimer nrit unaussprechlichem Inhalt trägt, Über die Eimer legt, sich daranfsctzt und so in größter Gemütsruhe ein Stück Wasser- melone, eine Apfelsine oder eine andre Frucht verzehrt. Sollte sich dann ein des Wegs konnnender Fremder entsetzt die Nase zu- halten, so kann er sicher sein, daß dieS bei dem Kuli große Heiter- keit erregt. Die Landlente folgen im Reiche der Mitte nirgends dem System der Einzelhöfe,>vie in Nordwestdeutschland, wo jeder Bauer sein Hans inmitten seiner Aecker liegen hat. sondern sie wohnen imnrer in kleinen und kleinsten Dörfern beisammen, geradeso wie ninir es in Mitteldeutschland findet. Dadurch wird einerseits den Aeckern am wenigsten Platz entzogen, und das ist ein Grund, der allerdings in den übervölkerten Provinzen des Südens ins Gelvicht fällt. Im Norden ist eS hauptsächlich die Furcht vor Räubern, die die Leute zusanimcnhält. Alle chinesischen Landlente müssen bei dem vielen armen Gesindel, da? sich überall nmhertreibt, in fortwährender Angst sein, bestohlen zu werden. Im Spätsommer und Herbst er- richten die Bauern auf den Felden' und in de» Obstgärten eigens Hütten für die Wächter, die Tag und Nacht aufpassen müssen, daß nichts gestohlen wird. Wo Sorghum wächst, legt man die Hütten so hoch an, daß die Wächter die Felder übersehen können, weil die ganze Anlage sonst zivecklos wäre In ärmlichen Dörfern, Ivo der einzelne Bauer keine eignen Wächter bezahlen kann, thut man sich zusammen und mietet gemeinsam einige, die dann die Umgebnng des Dorfs besonders zur Nachtzeit nach Dieben ab- zilstreisen haben.— („Kölnische Zeitung.') Klvittes �euillekon. — Pariser Buhuenmißstiinde. Der Direktor der Pariser Komischen Oper, Albert Carrs, hat den Brüsseler„Soir* wegen Beleidigung und Verleumdung auf 10 000 Franken Schadenersatz verklagt. Das genannte Blatt brachte nämlich kürzlich die Meldung, die junge Sängerin Paquot habe die Brüsseler Bühne der Komischen Oper vorgezogen, nachdem sie— Fräulein Paquot— in ihrer Ün- erfahrenhcit anfänglich die„Nachteile und gelvöhnlichen Fallstricke' eines ihr von der Leitung des gedachten Pariser ThcatcrS angebotenen Vertrags nicht abgewogen habe. Angesichts der ihm zugegangenen Klage erklärt der„Soir", jede persönliche Beleidigung des Herrn Carro habe ihm ferngelegen und die beanstandeten Ausdrücke seien nur auf die Schattenseiten der Bühnenverträge für Künstler überhaupt gemünzt ge- wesen. Diese Verträge lauteten durchweg zun, Vorteil' des einen, zun, Nachteil des andren und wimmelten von anscheinend harmlosen Bestimmungen, vor denen nur abgesennte und erfahrene Künstler sich hüten könnten. Jahraus jahrein hätten die Gerichte mit Theater- Prozessen zn thun. die bewiesen, wie verwickelt die Bühnenverträge seien und welche Hinterthürchen und Fallen sie enthielten. Die ge» wohnlichste Klausel sei, daß der Künstler sich auf drei Jahre, der Direktor auf ein Jahr verpflichte, und alle übrigen Bestimmniigen schlössen sich dieser Klansei würdig an. So heiße eS in den Ver- trägen der Pariser Komischen Oper, daß der Künstler sich verpflichte, ans dieser Bühne wie anfallen andren, die der Direktor für gut finde, und zwar in Frankreich oder im Auslande, bei Abend» nnd Morgen» Vorstellung sowie Konzerten zn singen und zn spielen, desgleichen in allen sonstigen Fällen, wo es dem'Direktor beliebe. Dagegen sei eS ohne die schriftliche und ausdrückliche Erlaubnis des letzteren dem Künstler streng untersagt, auf irgend einem Theater, bei irgend einem öffentlichen oder Privat-Konzert, auS welchem Vorwande eS anch immer geschehen könnte, gegen oder ohne VcrgütlMg aufzutreten. Der„Soir' fährt dann fort: Wie man sieht, ist alles angelegt, den Künstler völlig dem Gutdünken deS Direktors zu unteNverfen und an der Ansübnug des eigne» Willens zn verhindern. Aber von allen Klauseln ist die erste— wie wir glauben, eine Sonderheit der Pariser Musikbühnen— die außergewöhnlichste, zugleich aber die, woran die jungen Künstler sich am wenigsten stoßen. Diese haben alle Vcdingungen und das kärglichste Gehalt angenommen, um dafür die Ehre zn er- langen, der Komischen Oper anzugehören, auf dieser großen Pariser Bühne aufzutreten und Erfolge zn erzielen, vor denen die ganze Welt staunen soll. Statt dessen befördert sie der Direktor' nach Carpentras, Steenockerzecl oder Timbukw nnd befiehlt ihnen, dort zn bleiben und das saure Handwerk auszuüben, wie es auf den niedrigsten Provinzialbühnen betrieben wird. Diese Reisen haben ihren Sondernamen, sie heißen„Strafverschicknngen". Und die Unglücklichen haben nicht einmal das Recht, sich zu beschweren. In! vergangenen Jahre besaß da« königliche Theater in Antwerpen und Lüttich eine übrigens reizende derarttge Künstlerin, die ohne das geringste Recht zu euiem Einspruch von der Leitung der Komischen Oper dorthin gesandt worden war. Sie war nicht zufrieden, und wir begreifen das. Anch auf den Bühnen in Frankreich sind solche Künstlerinnen im Uebcrflnß vertreten. Die Theatcrgrnppe der Komischen Oper zählt an 60 Mitglieder und ist die zahlreichste, die wohl noch dagewesen ist. Wie viele aber dieser Mitglieder, die auf ihren Eintritt' so stolz waren, sind nie auf der Bühne erschienen oder haben dort zufällig kaum einmal gesungen, und ivnS ist aus ihnen geworden? Sie sind rechts und links, wohin eben die Direktion sie zu schicken beliebte, und warten auf den Ab- lauf ihres Vertrags und die damit wiederzuerlangende Freiheit. Das sind die Verhältnisse, welche die jungen unerfahrenen Künstler nicht kennen und nicht ahnen, weil sie, geblendet durch das Streben nach dem schönen Titel„von der Komischen Oper", den sie auf ihre Besuchskarten setzen möchten, nicht daran denken, daß das Univahr- schcinliche möglich ist.— — AuS dein Tagebuch eines Chinese«. Ein russisches Provinzblatt teilt folgende Stellen angeblich aus dem Tagebuch eines einfachen Chinesen mit: „Heute ließ der Mandarin mich zu sich kommen nnd verlangte zehn Taöls von mir. Ich verkaufte so viel ich konnte von meinem Besitz und gab ihm sieben TacIS. Da bekam ich 100 Stockschläge auf die Fußsohlen. Heute geriet ich mit einem Missionar in Streit. Auf Befehl deS Mandarinen bekam ich 60 Stockschläge ans die Schultern. Eine Boxer-Abteilung des Prinzen Tuan kam heute in unser Dorf. Weil ich mit den Missionaren und den Fremden freundlich gewesen, bekam ich 200 Stockschläge auf den Rücken. Der Bicekönig ließ mir heute 160 Stockschläge geben, weil ich mit den Boxern Beziehungen unterhalten hätte. Heut kam der Tao- Tai an und machte ein Edikt des VoctdychanK bekannt. Ich bekam 100 Stockschläge auf die Fersen aufgezählt. Das Edikt des Bogdhchans war, wie sich heute herausstellte, ge- fälscht. Man gab mir 200 Stocksckläge auf den Rücken. Eine Abteilung regulärer Truppen zog durch unser Dorf. Die Soldaten»ahmen alles Vieh und allen Äcis weg und ich bekam 12S Ttockschläge auf die Schultern. Eine Abteilung Soldaten des Prinzen Tuan brannte heute mein Haus nieder und ich erhielt 3 Lanzenstiche. Heute wurde ich von Soldaten auf dem Felde aufgegriffen, Sie fragten mich, zu welcher Partei ich gehöre: ob ich es mit den Boxern halte oder mit den Fremden oder mit der Mandschu-Dhnastie? Ich wußte nicht, was ich antworten sollte und bekam 200 Stockschläge auf den Rücken. Heute wurde ich verhaftet, bor den Mandarin geführt, dann in den Block geschlossen und in eine tiefe Grube geworfen. Soldaten zogen mich aus der Grube heraus, befreite» mich»ud gaben mir 100 Stockschläge auf den Rücken, die Schultern und die Fußsohlen.. Usw.- Geographisches. k. Ein verschwindender See. Ein bekannter See in Südafrika ist im Berschtvinden begriffen. Bor kurzem ivurde erst das Eintrocknen des Lobnorsces gemeldet, und jetzt erzählt der süd- afrikanische Pionier B. Wilson, der unter dem Namen Matabel-Wilson bekannt ist, nachdem er soeben eine fünfzehn Monate dauernde Ex- pedition durch die große Kalahariwüste gemacht hat, daß er den A g a in i s e e vollständig trocken gefunden hat. Er berichtet über seine Reise:„Ich verließ niit zwei weißen Gefährten, zwei Ein- geborenen und einem Wagen mit sechzehn Ochsen im April 1899 Khamatstown in Palachwe. Bald kamen wir in die Wüste, und da während der ersten 130 Meilen nur drei Wassergrubcn sind, mußten wir mit größtmöglichster Schnelligkeit vordringen. Der erste Brunnen war so trocken, daß wir jedem Ochsen nur anderthalb Eimer Wasser geben konnten und dies nur, nachdem wir zwei Tage darauf warteten, bis das Wasser sich in der Grube sammelte. Nach einer Reise von 7>/Z Tagen bei fürchterlicher Hitze durch schweren Sand, fanden wir in einer zweiten Grube einen etwas größeren Wasservorrat. Dann kamen wir durch ein Land, das ei» Paradies für Jagdlicbhäber ist, und erreichten fünf Wochen nach dem Aufbruch von Palachwe den Botletliflnß und den Ngamisee. Bis zu diesem Punkt waren die uns begegnenden Eingeborenen vollkommen freund- lich und wir hatten wenig Muhe mit ihnen. Die große Wüste wird hauptsächlich von nomadischen Stämmen und Buschlenten bewohnt, die wie die Tiere leben. Sie haben weder Dörfer noch Häuser und durchstreifen in kleinen Bauden das Land. Sie halten sich hauptsächlich in der Nähe der Wassergrube» in der Wüste und erwarten dort die Tiere, die sie dann mit ihren vergifteten Pfeilen töten. Es ist ein harniloses Volk, das von de» die Wüste unigebenden, mächtigeren Stämnicn in Ab- hängigkcit gehalten wird. Selten kommen sie mit den Weißen in Berührung. Am Abend sitze» sie um ihre Feuer, singen Zauber- lieber und klatschen dazu in die Hände. Die Frauen tragen den ganzen Haushaltungsbesitz und die Kinder in einem kleinen Bündel auf dem Rücken. Die Buschleute sind hellfarbig, schrecklich schmutzig und sehr abgezehrt. Den Ngamisee fanden wir bei nnsrer Ankunft völlig trocken. ES mag einst ein See gewesen sein, aber jetzt ist es nur'ein großer Sumpf. Während meines Aufenthalts überschwemmte der Okavango, der den See speist, seine Ufer, und nach acht Jahren der Dürre war der sogenannte See, der 30 zu 15 englische Meilen mißt, eine seichte Wasserfläche. Die ungeheuren Giraffenherden in der Nähe des Sees werden von de» Eingeborenen ausgerottet; einmal töteten sie bei einer einzigen Jagd Ilö Tiere. Vom Ngami gingen wir nördlich und nordwestlich den Okavango entlang, durch ein thatsächlich unerforschtes Land. An seinen oberen Wassern, 300 Meilen nördlich vom See, tvarcn die Leute auf deutschem und portugiesischem Gebiet sehr gut bewaffnet, sogar mit Marlini-Henrh- Gewehreu. Auf Befragen sagten sie, daß sie Pulver und Gewehre von portugiesischen Händlern' bekämen. Die ganze Gegend ist voll von Nashörnern, Flnßpferden, Löwen, Elefanten und andrem großen Wild. In einer Nacht griffen zwei Löwen mein Lager an, nahmen eine Geis und töteten eine große Bulldogge. In dem ganzen Gebiet traf ich keinen Europäer, und die Eingevoreneu sagen, daß sie außer bei einer Gelegenheit niemals einen deutschen Beamten gesehen hätten." Da eS fortgesetzt an Wasser fehlte, mußte Wilson auf dem- selben Wege wieder nach Palachwe zurückkehren.— Aus dem Pflunzenleben. — Das E r g r ü n e n d e r N a d e l h o l z- K e i m l i n g e i m Dunklen gegenüber dem gewöhnlichen Verhalten der Keime, die farblos aus der Erde kommen mid erst im Lichte grün werde», ist ein seit langer Zeit bekanntes Phänomen, welches auf eine leichte Verschiedenheit des Chlorophylls bei diesen Pflanzengrnppen hin- deutet. Schon Mvlisch hatte bemerkt, daß eine einzige Konifere, der in nnsren Parken prächtig gedeihende japanische Ginkgo, welcher eine hinfällige lanbholzartige Belaubnug besitzt, eine Ausnahme macht und dadurch, wie in andren Verhältnissen, andeutet, daß er ein andres Blut besitzt wie diese. A. Bnrgerstein hat nunmehr, wie der„Prometheus" den„Berichten der deutschen botanischen Gesellschaft" entnimmt, diese Versuche etwas weiter ansgedchnt, zunächst auf die übrigen Nackt- sanier, von denen die einzige noch in Europa einheimische Gattung, das schon in der Schweiz vorkommende, schafthalmartige Meer- tränbchen sLxbscke»), ebenfalls im Dunklen ergriinende Keimlinge lieferte, die schon bei 6—10 Grad Farbe bekamen und bei 15 bis 20 Grad kräftig grün wurden. Anders dagegen verhielte» sich Keim- linge von Cheas und Zamia(und wahrscheinlich diejenigen aller Cycadeen) wie Ginkgo, mit dem sie ja auch die männlichen Keinifäden und andres gemein haben, und ergrünten selbst bei den ihrer Keimung günstigsten Temperaturen im Dunklen nicht. Bei manchen Koniferen, be- sonders aus den Gattungen Abiss und Cedrus, enthält der Keimling schon im ruhenden Samen Chlorophyll, oder dasselbe erscheint beim Keimen schon, bevor das Würzelchen die Samenschale durch- bricht, darin oder gleich nachher, in allen Fällen, bevor der Keim ans Licht konnnt. Von den andren Koniferen ergrnnen die Lärchen am schwächsten im Dunklen, und hier bleibt der Keimblätterträger weiß. Dagegen bildet bei den Araucarien sogar der ans der Vegetationsspitze hervortretende junge Stamm selbst bei wochcnlanger Lichtentziebung zahlreiche grüne Blatter ans. Bei den länger im Dunklen gehaltenen Koniferen- und Lxlisära-Keimlingen streckt sich ebenso, wie bei den Angiospermen der Kcimblatt-Träger stärker als die Würzelchen und Keimblätter.— Humoristisches. — Phlegmatisch.„Herr Lehmann, kommen Sie schnell, Ihr kleiner Sohn Paul hat sich arg mit dem großen Brotmesser ge- schnitten." Lehmann:„Na, na, so schlimm wird es wohl nicht sein." „Ja, ja, er schwimmt in seinem Blute." Lehmann:„Unsinn, er kann ja gar nicht schtvimmcn I'--- — Feierliches Geleite. Der Kapellmeister: „Maestoso! M a e st o s o I des is doch a Trauermarsch I Ihr spielt's ja Vivace, als tvollt Ihr a Schwiegermutter be- graben I"— — Doch! Fremder:„Habt Ihr denn hier am Ort gar keine Sehenswürdigkeiten?" Bauer':„Dös schon— de» Schnstersepp sei Rest, die hat an Schnurrbart!"—(„Lustige Blätter.") Notizen. — Die Buchausgabe von Gerhart Hauptmanns neuem Drama„Michael Kramer" erscheint am 22. Dezember bei S. Fischer in Berlin.— — Der Oberregiffenr der Secesfionsbühne Dr. Martin Zickel scheidet am Schluß der Saison ans seiner bisherigen Stellung aus und macht den Ucbergang der Secessionsbühiie in das Neue Theater nicht mit.— — Die vierte Aufführung der„Orestie" durch den „Akademischen Verein für Kunst und Litteratur" findet am 28. De» zember statt.— — Lothar KempterS Oper„DieSansenlottes", Text von Hans Hochfeld, erzielte bei der Erstaufführung irfi Züricher Stadttheater großen Erfolg.— — Das Ratio nal-Theater in C h r i st i a n i a hat in seinem nunmehr abgeschlossenen ersten Spieljahre 70 000 Kronen Betriebsüberschuß gehabt.— — Richard Wagners„Walküre" wurde bei der Erst- anfführung am Petersburger Hofoverntheater in russischer Sprache mit großem Beifall aufgenommen.— — Bei Bruno n n d P a u I C a s s i r e r sind 40 Oelbilder. Radierungen und Lithographien des Frhrn. v. G l e i ch e u- R u ß» w u r m bis Ende Januar ausgestellt.— — Heute wird im Lichthof des K u n st g e w e r b e- M u s e n m S die A n s st e l l n n g der S ch ü l e r a r b e i t e n aus der königlichen Kunstschule und der U n t e r r i ch t s a n st a It des Museums eröffnet. Die Ausstellung wird bis Ende De- zember dauern.— — Das Dresdener Knpferstichkabinett hat von seinen Hand- zeichnnngen moderner Meister dreißig Blätter in mustergültigen Nachbildungen veröffentlicht. Neben Studien von Menzel, Leibi, Feucrbach, Liebermann. Gcyger und Greiner sind ein Selbstbildnis von Stauffer-Bern und zwölf Zeichnungen von MaxKlinger hervorzuheben.— — Kolo Moser, das Mitglied der Wiener Seccssion, hat die Bilder für eine östreichffche Volksschulfibel gezeichnet; das Buch ist im k. k. Schnlbllcherverlag in Wien erschienen.— — t. Eine botanische Expedition nach Brasilien wird die Wiener Akademie der Wissenschaften im nächsten Jahre entsenden.— — Der Ingenieur Cedale hat einen Plan ausgearbeitet, um die Eisenbahnlinie im Thale von Aosta durch einen Tunnel von 13 Kilometer unter dem Mont Blanc her mit den in das Ehanionnixthal geleiteten französischen Bahnen bei St. Didier zu verbinden. Die höchste Erhebung würde nur 1000 Meter über dem Meere betragen und der Bahnbetrieb durch elektrische Kraft bewirkt werden, die durch die dortigen Wasserkräfte leicht zu beschaffen ist.— Verantwortlicher Redactcur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.