Anterhaltungsblatl des 241. Donnerstag, den 13. Dezember. 1900 (Nachdruck verkotdn.) 4] UlavuJiJt. Von ZI. G. K o r o l.e n k o. „Und wie habt Ihr es mit den Frauen gehalten," fragte mein Kamerad. „Ja. wie meint der Herr das?" „Habt Ihr Euch nicht gerauft wegen der Weiber?" „Nein, wie Sie reden l Wie wäre denn das möglich?" sagte Stcpan beleidigt. „Run, und im Gefängnis?" „Im Gefängnis ist keine solche Ordnung: jetzt gingen sie schon mit uns." „Hat auch was zu bedeuten, daß sie niit Euch gingen! Und wenn einer kam, der stärker war als Ihr, oder wieder ein Würfelspiel?" „Nein, Ihr kennt einfach unsre Ordnung nicht. Wir hatten uns schon eine Artelj') gemacht." „Im Gefängnis habt Ihr auch eine Artelj?" „Im Gefängnis ist auch eine Artelj," antwortete Stepan etwas Nerlegen.„Ohne Artelj geht es überhaupt nicht." „Und ohne Gemeinheit auch nicht?" „Nun also, eine Landstreicher-Artclj ist etwas ganz andres." sagte Stepan stolz. „Und ist es wahr, daß ejn Landstreicher, wenn er mit einein andern znsamnien ivandert, im Nachtlager inimer den 5topf unter cincir Balte«--schobt»der im Zelt direkt unter die Wand." „DaS ist wahr." „Warum denn?" fragte ich. „Damit, für den Fall, daß der gute Freund daran denkt, ihn zu töten, er erst den Bauch treffen muß. Man ist davon nicht gleich tot,>vic bei einem Kopfschlag." „Na also, das haben die Herren gehört", sagte Stcpan etwas verlegen, während eine leichte Nöte in fem gebräuntes Gesicht stieg,„aber das kommt in einer Artelj nicht vor. Eine Laudstreicher-Artelj ist durchaus ehrbar." „Ratürlichi" Stcpan war beleidigt. Ich fand auch, daß meiu Gefährte unrecht hatte. Uebcrall, wo eigentümliche Lebensbedingungen Menschen in eine eigne Gesellschaft zusammenführen, oder auch dort,>vo nur der Keim zu einer Gesellschaft vorhanden ist, ergeben sich sofort aus ihren gegenseitigen Beziehungen eigne Moralgesetze. Wie paradox es auch klingen mag. vierzig Bösewichter, die sich zusamnieuthun, werden besser, als dieselben vierzig, wenn jeder allein ist: freilich ist es schwer mit ihnen auszukommen, wenn sie alle dasselbe und dazu noch ein schäd- liches Ziel verfolge». Aber sogar eine Diebsbande hat ihreMoral- gcsctze und zeigt oft Züge von rührender oder wirklich großer Selbskanfopferung. Nur in schlechten Theaterstücken rühmen sich Böseivichte ihrer Thaten. „Gehört haben Sie schon," fuhr Stepan fort,„aber Sie haben nicht alles verstanden. Warten Sie, Herr, die Sache jetzt>var schwerer zu entscheiden, und es hat sich alles in Ehren abgespielt, hören Sie nur weiter." „Wir hören schon." „Also da kommen wir an eine Stelle, wo man den Fluß auf Flößen hinunterschwinnnen muß." Stcpan wandte sich jetzt fast ausschließlich au mich.„Und der Strom ist dort tvild, reißend. Die Ufer find steinig, viel Wald ist dort, und danir die Stromschnellen. Wir hatte» ein kleines Floß ge- zimmert und fingen die Reise in Gottes Namen an. So schwmnmen wir einen Tag und noch einen und einen dritten. Am dritten Tag am Abend landeten wir und zündeten ein Feuer am Ufer an, dann schickten tvir die Weiber nach Beeren und Schwämmen und zwei fingen Fische. Da plötzlich sehen wir. es schwimmt uns noch jemand nach. Der Fluß ist ganz gerade an der Stelle, man kann weit hlnanssehen, erst sah's wie ein einzelner Balken aus, dann sahen»vir, daß es doch ein kleines Floß war. Im Floß saßen zwei Männer, mit *) Artelj eine Art Genossenschaft, die russische Bauern immer bilde», ivenn sie zusammen arbeite» oder leben. den Rudern arbeiteten sie so, daß das Floß wie ein Pfeil dahinflog. Und gerade bei uns legten' sie an. Guten Tag, Ihr guten Leute! Guten Tag. antworteten wir, wen schickt Gott? Wir sind Zweige von Eurem Stamm, antivortcten sie, wir gehen Euch schyn lange nach, haben Euch kaum erreicht. Auch gut, seid willkommen l Wenn Ihr mit uns wandern wollt, soll es uns recht sein. Das kann man noch nicht wissen, antworteten sie; seid Ihr alle beisammen? Nein, nicht alle, zwei Burschen und zwei Weiber sind uin Fische und Beeren gegangen. Nun also, so ist die Sache? Jetzt Ihr Herren antwortet uns ehrlich.. Ihr seid zehn und wir sind bloß zwei. Wollt Ihr uns Unrecht thun oder nach Eurem Gewissen handeln? Habt Ihr Greise bei Euch, die ein Schiedsgericht sein können? Nu» und die Greise sagten:„Es soll Euch bei uns kein Unrecht geschehen. Wir sind nicht gewillt, Euch zu beleidigen, sagt waS Ihr habt, und wir werden schon Ordnung schaffen: bei uns ist eine ehrliche Artelj, eine wirkliche." „Gut, ivenn die Weiber kommen, werden wir unsre Sache vorbringen und jetzt erlaubt, daß wir uns ans Feuer setzen."�.... Wie unsre Weiber zurückkamen und die Fremden sahen. blieben sie stehen und ivägten sich nicht näher. Die eine ver- steckte sich hinter der andren. Mir wurde das Herz ganz schwer. Ich sah, die Sache stand nicht richtig. Die Greise schauten sie auch an. und unsre ganze Schaar trat zusammen- „Was ist geschehen", fragte man von allen Seiten. „Na also", sagten unsre Gäste,„seid selbst Richter, Ihr Herren: fragt diese Weiber, ob sie uns kennen." Wir kennen sie, sagten unsre Weiber. Diese Leute sind mit uns züsaminen im Schub gegangen und haben uns aus dem Gefängnis herausgeholfen. Nichtig, diese Frauen gehören also uns, und wir sind UM sie gekoinnicn. Wollt Ihr sie uns ehrlich wiedergeben? Da stand ich auf und sagte: „Ruhig, habt keine solche Eile, Ihr Herren. Erst laßt die Artelj zusammentreten. Wenn die Greise zu Euren Gunsten entscheiden, dann läßt sich nichts machen. Dann nehmt sie hin." Da begann man Recht zu sprechen. So und so, sagten sie, liegt die Sache. Wir sind mit ihnen im Schub gegangen, »vir haben sie beim Würfelspiel gekauft. Ich Hab' mich ihret- wegen arretieren lassen, sagt der eine, Hab' ihnen dann fort- laufen helfen. Na, und»vir unsrerseits sage»»: Nichtig, Ihr Herren, das ist alles»vahr? Aber warum habt Ihr ihre Spur verloren? Sie wären ja zu Grunde gegangen, wenn wir uns ihrer nicht angenommen hätten. Ihr seid mit ihnen inr Schub gcgaiigen, bei kaiserlichem Brot. alles habt Ihr dort bekomnien und»vir haben ihnen a»lf taufende Meilen oft Essen gebracht. Halbe Tage standen»vir oft an den Fenstern um ihretlvillcn. Rechnet Ihr uns das gar nicht an. Ihr Greise? Die Greise berieten sich unter einander und bann fragten sie: Wollt Ihr alle es aus einen Urteilsspnich an- kommen lassen? Ja, das»vünschen»vir alle. Wollt Ihr alle vier niit ihnen leben, oder werdet Ihr sie dann verlassen? Wir versprechen alle, daß wir»nit ihnen leben werden. Gut, also»vir haben so gerichtet: Mit Euch sind sie i»n Schub gegangen und mit Euch andren auf der Wanderung l das ist ztvar schwerer, aber dafür haben jene ihnen aus dem Gefängnis geholfen. Und danim denke»» wir, daß das gleich ist. Die Gerechtigkeit zieht weder nach der einen, noch nach der andren Seite. Fragt jetzt die Weiber selbst." „Das»var entschieden das Vernünftigste", ineinte mein Gefährte lachend. „Wie die Franc»» bestii»ln»en»verde»», so soll es sei»». Mau rief die Weiber. Dascha sii»g an zu»vcinen. Wir, sagte sie, sind ganz unschrildig an dieser Sache. Waruin habt Ihr unsre Spur verloren? Und dann trat Marusia vor, verneigte sich bis zum Boden vor ihre»» alten Freund und sagte: „Du bist im Gefängnis mein Ehemann gewesen. Du hast mich beim Würfelspiel gekauft, aber das ist egal, ein andrer hätte mich nicht bckomnien, eher hätte ich Hand an mein Leben gelegt. Also, das heißt, ich bin gern zu Dir gegangen. Für Deine Liebe, für Deinen Schutz, dafür, daß Du mich aus dem Gefängnis befreit hast, beuge ich mich bis zum Boden vor Dir... Und jetzt höre, was ich Dir sagen werde. Jetzt, wo ich nicht mehr im Gefängnis bin, werde ich auch nicht von einer Hand zur andren gehen. Du hast mich vertrunken in der Nacht, wo ich im Weidengestrüpp auf Dich gewartet habe, und würdest mich ein zweites Mal ver- trinken. Leb' wohl I Wenn die Greise es anders bestimmt hätten, Ihr würdet mich alle zum letztenmal gesehen haben. Na, der blieb stehen und sagte kein Wort. Die beiden sahen es jetzt, ihre Sache stand schlecht. Der eine sagte: Ich werde in mein Dorf zurückkehren, und der zweite sagte: Ich habe nirgends hinzugehen, ein Weg, ein Steg, Landstreicher- ort. Nur können wir jetzt nicht gut zusammenwandern. Lebt wohl, Ihr Herren 1 Sie nahmen ihren Kessel und alle ihre Sachen und gingen wieder fort. Sie ruderten ungefähr fünf- zehn Werst den Fluß hinauf und zündeten ihr eignes Feuer an. Die Nacht habe ich nicht viel geschlafen, sondern inimer nur nach ihrem Feuer gesehen. Wenn der Mensch verzweifelt ist, dachte ich, kann sein Feuer brennen und er geht am Ufer spazieren. Aber es geschah nichts. Am nächsten Tage schwammen wir weiter." Er schwieg. „Und wie seid Ihr zusammen hergekommen?* „Ach. das ging schon ganz einfach. Ich führte sie durch baS ganze Parenskcr Gouvernement. Jn Kamischtow wurden wir arretiert, wir nannten denselben Namen. Wegen Land- streichcrci wurden wir zu Gefängnis verurteilt und weil alles überfüllt war, schickte man uns ins Jrkutsker Gebiet. Von da an sind wir zusammen, wie Mann und Frau." In der Thür zeigte sich wieder Marusia mit dem Thee- topf und der Pfanne in der Hand. V. Als wir mit dem Nachtmahl fertig waren, war es noch ganz hell. Der klare lichte Sommerabend brach ganz lang- sam herein, die Hitze sank ganz allmählich und mit ihr ver- schwanden die glühenden Farben. Stepan schlug eine kleine Jagdpartie auf wilde Gänse vor und mein Gefährte griff sofort nach seinem Gewehr. Ich lehnte ab. Ich bin kein Jäger und dann hoffte ich auch, mit der Hausfrau allein bleiben zu können und sie vielleicht zu einem Gespräch zu bewegen. Aber sie ging so- fort in den Garten hinaus und begann die Beete zu begießen und Unkraut zu jäten, um mich kümmerte sie sich überhaupt nicht. Aus Langeweile ging ich in den Wald. Hier war alles ruhig und still. Zwischen den Stämmen lagen schon die Schatten der Dämmerung, aber oben in den Wipfeln spielten noch Lichtstrahlen. Der Himmel war klar, und in den Zweigen rauschte ein leichter, leiser Abendwind. Ich setzte mich unter einen Lärchenbaum und steckte eine Cigarre an, um mit ihrem Rauch die großen Waldmücken zu vertreiben, die zu Dutzenden um meinen Kopf schwirrten. Ganz unmerklich umfing mich jene süße, traumhafte Müdigkeit, die immer das Resultat starker körperlicher Anstrengungen im Freien ist. Und ich schlief ein. Als ich erwachte, hatte ich die Empfindung, eine ganze Stunde verschlafen zu haben, aber es konnten kaum zwanzig Minuten sein: die Cigarre in meiner Hand war ausgegangen, aber die Asche fühlte sich noch ganz warm an. Mich hatte ein leises Geräusch geweckt. Zwischen den Stämmen zeigte sich Marusias graziöse Gestalt. In der Rechten hielt sie einen irdenen Topf, der in ein Tuch ein- geschlagen war und ein Stück Brot. Sie mußte irgend jemand das Nachtmahl bringen. Aber wem? Dieser stille Winkel war also nicht nur von Marusia und Stepan bewohnt, es mußte noch eine dritte Person da sein. Ich konnte es mir auch nicht vorstellen, daß der Gemüsegarten von nur zwei Personen in stand gehalten wurde. Um dieses kleine Reich zu schaffen mitten in der sibirischen Einöde, dazu gehörte mehr als Arbeitskrast, das verlangte Schaffensfreudigkeit: und Stepans stumpfer, ver- schleierter Blick zeigte deutlich, daß er keine große Rolle in seinem eignen Reich spielte. Liebe zu seinem Besitz lag nicht in seinen Augen. Garten und Haus trugen Marusias Stempel, aber sie allein konnte da nicht genügen. Da mußte noch irgend eine eigensinnige Kraft mit im Spiel sein, kräftige Muskeln- Marusias Gestalt war längst zwischen den Bäumen ver- schwunden. Ich setzte meine Cigarre wieder in Brand und schlug dieselbe Richtung ein. Mich interessierte dieser unsicht- bare dritte Bewohner der Hütte. Bald sah ich zwischen den Stämmen eine kleine Wald- blöße. Der Grund war schon aufgewühlt und die fetten Schollen mit ihrem starke» Erdgeruch breiteten sich vor mir aus. Nur an einigen noch nicht gerodeten Wurzeln saß frisches. grünes Gras, wie kleine Inseln. Ich begann mit den Augen den unsichtbaren Pflügcr und Marusia zu suchen, aber ich fand sie im ersten Moment nicht, sie waren näher als ich ge- dacht hatte. Hinter einem großen Strauch in meiner unmittelbaren Nähe glommen die Kohlen eines kleinen Feuers, und der Theetopf summte. Marusia wandte mir halb den Rücken zu. In diesem Augenblick schob sie ihr Kopftuch in den Nacken und strich die Haare zurecht. Dann fing sie zu essen an. Einer meiner Bekannten, der sich einen großen Weiber- kenner nennt, sagte mir einmal lachend, man könne die Liebe der Bäuerin daran erkennen, mit wem sie am liebsten zu- sammen ißt. Diese Bemerkung fiel mir unwillkürlich ein, als ich jetzt Marusias ruhiges Gesicht sah. Mit uns hatte sie auch nicht einen Bissen gegessen, sondeni sich kühl aus die Rolle der Hausfrau beschränkt und sogar auf die Rolle einer ziemlich unliebenswürdigen Hansfrau. Jetzt teilte sie mit sichtlichem Wohlbehagen mit irgend jemand ihr Mahl. In ihrer Haltung, in allen Bewegungen lag so etwas Intimes. Freies und Behagliches. Meine Lage als unwillkürlicher und unsichtbarer Zu- schauer war mir nicht angenehm. Ich machte einige Schritte auf dem weichen Moosboden und trat dann aus den Rain, an einer Stelle, wo man mich sofort sehen mußte. Jeder Argwohn in mir verschwand, als ich näher tretend Marusias Gefährten erblickte.(Fortsetzung folgt.) KUts drv tnuMtklifiiHen Tvochv. Ms Schubert das kmistmäßige Gesangslied so gut wie neu schuf, war eines seiner Hauptocrdienste das Herstellen einer Be« gleitung(auf dem Klavier), die den vom Gesang nicht erschöpften Gehalt des Dichtwerks instrumental charakterisiert. Es handelt sich hier bei Schubert fast gar nicht um die Wiedergabe einzelner Punkte des Textes durch einzelne musikalische Wendungen, sondern um da? Schaffen einer einheitlichen Grnndstimmung, die den vokale» Teil untrennbar ergänzt. In der weiteren Entwicklung des Kunstliedes ist nun bald die vokale, bald die instrumentale Seite stärker betont worden. Das letztere findet sich einigerniaßen schon bei N. Schumann, in stärkerem Maß bei einigen Modernen wie R. Strauß und H. Pfitzncr; dabei ist auch:, eben über Schubert hinaus, das enge Nachfolgen des Einzelnen in der Begleitung nach dem Einzelnen im Text beinahe zu einer Mode ge- worden. Ganz anders tritt uns ein junger Komponist Namens Franz Dannehl entgegen. In seiner Matinee ani letzten Sonn« tag kamen ausschließlich»Lieder und Gesänge" von ihm z» Gehör — und seine Texte in einer hochmodern vornehmen Ausstattung z» Gesicht. Alle seine Konipositionen haben ihr Schwergewicht int gesanglichen Teil; die Begleitung ist meistens so primitiv, zum Teil selbst so simpel, daß man sich je nachdem durch zahlreiche Nummern durchhören muß, um nicht geradezu abgestoßen zu werden Bon den vier Gruppen, in die das ganze Programm verfiel, enthielten die zwei äußeren fast nur Stücke, dcncii man kaum mehr als etwas melodiös Wohlklingendes, Bollsliedmäßiges und jeden- falls eine im ganzen gute Deklamation und Phrasieruug nachsagen kann, die aber so sehr von Bekanntem. von trivial Altem, von hausbackener Lieblichkeit und zum Teil auch von rythmischer Steifheit strotzen, daß man sich eher in eine Privatunterhaltung als in ein vornehmes Konzert versetzt glaubt. Einen bedeutend günstigeren Eindruck machten mehrere in die Mitte gestellte Kompositionen. Ganz be- sonders haben den Komponisten einige zitternd sehnsüchtige Gedichte von Marie Madeleine zu entsprechend feinsinnigen Vertonungen an- geregt. Hier— und in einem ähnlichen Gedicht von Regine Ziegler— wächst das. was vorher und nachher zu wenig lvar, zum Rang eines einfachen, schlichten Mittels mit tieferer Wirkung empor. Hier herrscht echter EmpfiudungSausdruck, den man in dem Lied „Untreu" geradezu meisterhaft nennen darf; auch die sonst so niagere harinonische Ausstattung wird hier stellenweise etwas reicher. DaS störend Eintönige, die Dürftigkeit im specifisch Musikalischen ist freilich auch hier zu merken. Der Natur des Komponisten kommt tvohl am meisten entgegen die Dichtung von Karl Stieler:»Eliland. Ein Sang vom Chiemsee". Dieses Beispiel aus einer vergangenen, durch Scheffel am bekanntesten gewordenen Dichtungstveise bringt namcnt- lich das Primitive, Diskrete von Dannehls Begleitungsmache zu besserer Geltung. Schon in der kurzen ersten Einleitung erscheint diese als interessant; ebenso in der Einleitung zur letzten Nummer des Chklus; besonders fein sind die Begleitungen zu den Liedern .Frauenwörth' und.Ergebung'. Die Hannonik ist auch hier(viel- leicht Nr. 6 ausgenommen) ziemlich dürftig. Alles aber lliugt gut, freilich mit dem Charakter des Süstlicheii und Aeltlichen. Zu tiefer Innigem(wie dem Lied.Heimliche Grüße") reicht Daimehls Kompositionskunst freilich nicht aus. Vorzüglich ist auch hier fast immer die Deklamation, mit Unterscheidung des mehr Epischen