Anterhaltmigsblatt dcs Vorwärts Nr. 249. Dienstag, den 25 Dezember 1900 Ein Weihnachtsabend. Der Tag versinkt... Alit grämlichen Geberden Schleicht um mich her die graue Dämmerung. Auf meinem N)ege will es dunkel werden Und Feierabend heischt die Wanderung. 3ch bin am Alorgen aus der Stadt gegangen— von ihrem Trubel ward mir wüst und weh— Zum Thor hinaus, in brennendem verlangen Nach dieser Einsamkeit in Wind und Schnee... Vom Turme dort, bedeckt mit weißen Flocken, hallt's friedlich über blanke Felder her; Es ist der alte Klang der Weihnachtsglocken, Der alte Klang— und doch: er ist's nicht mehr. Es klang einst anders... Wie die Zeiten sterben, Wenn uns des tebens scharfe Kralle packt! Ich sehe nur mich und ich sehe Scherben, von eigner L)and zertrümmert und zerhackt. Soll ich mich hennlich in die Kirche schleichen, Um die das Dorf mit tausend Kerzen steht? Wo um die morschen, ausgehöhlten Eichen Der Geist der Ahnen und der Kinder weht? Soll ich dich hören, Fefteswort der tiebe? Was frag' ich noch, tster steht das Armenhaus! Und wenn ich trotzdem in der Kirche bliebe, Ich weiß es schon: ich ginge bald hinaus. Ich würde bald, vo?f wilder k)ast getrieben, Die Felder suchen und das Sternenlicht— Ich kenne euch I Ich kenne eller hieben, Das nur an hohen Feiertagen spricht! Ihr singt und betet und ihr schwärmt von Schlachten Und höhnt den Bruder, der im Schmutz verdarb; !vie würde jener Ehristus euch verachten, Der für die Armen einst am Kreuze starb! Nein, unter Menschen, Menschen will ich rasten! Mein 5eib ist müde und mein Kleid ist naß, Auf meinem Rücken hocken stille tasten, An meiner Brust wühlt Groll und Weh und k}aß. Des tebens heißen Atem will ich spüren, Der ewig schaffend ans der Tiefe dringt! Will hell zur Flamme jenes Feuer schüren, Das alle Nacht und Finsternis bezwingt... Es pfeift der Sturm. Die alten Eichen stöhnen. Kalt schlägt der Schilee nlir in das Allgesicht. Es braust die(Drgel und die Glocken dröhneil— Dort hinten aber blickt ein kleines ticht. Dort ist ein Dach, das über eine Schande Der frommen Zeit die roten Ziegeln deckt, Dort, wo der Wandrer, der von tand zu tande Brotsuchend zieht, sein Elend scheu versteckt. Ich trete ein. Wie strömt er mir entgegen, Der k}auch der Not, aus dieseiu kahlen Raum! Da sitzen sie, durchnäßt von Schnee und Regell, Mit müden Blicken vor dem Tannenbaum. Die Kerzell qualinen und die Zweige glimmen... Ist denn nicht Eiiler, der noch fröhlich lacht? Nur wie im Traume lallen rauhe Stimmen Das Wunderlied der heiligstillen Nacht. Da reckt sich Einer auf aus dieser Runde Und schlügt gewaltig auf den Tisch die Faust: „björt, Kameraden, mich I Es ist die Stunde, Da durch das(and das Lied der Liebe braust. Zweitausend Jahr schon geht es um auf Erden I Zweitausend Jahr! Doch, was das Wort verhieß, Wird llicht zur That, wird nicht zum Leben werden In einer Welt, die Euch und micb verstieß! Laßt uns der Kraft, der eigeneil, vertrauen! Das Wort der Liebe tilgt den Mangel nicht. Auf dieser Erde laßt uns Käufer bauen, Drin jeder Mensch sein Brot in Frieden bricht. Apostel laßt llns werden allzuhauf, Daß sich die Menschheit voll der QZual erlöse I"... Der Baum erlosch. Die Augen slalilmten auf Und durch den Raum erklang die Marseillaise. Ernst prrczang. (Nachdruck verboten.) 12] ZNaruM. Von W. G. Korolenko. Auch wir verfolgten mit Interesse diese ne"e Rolle unsres Bekannten. Sogar niein galliger Gefährte suäen seine Meinung über ihn langsam zu ändern und wenn er auch den Grund des ganzen Kriegs immer nur in dem Streit zwischen Stepan und Abraschka sehen wollte, so sagte er doch oft lächelnd: „Nun ja, ja, ich gebe es zu, er hat etwas an sich, etwas ganz Besonderes hat er an sich." Einmal kam Marusia von Timocha und zwei Jakuten begleitet in die Niederlassung. Diese Begleitung war vielleicht rein zufällig, aber doch hatten alle die Empfindung, als wäre es eine Art Ehrenivache, die die Jakuten der Frau ihres An- führers gegeben hatten. Sie kamen am Tage, übernachteten bei uns und fuhren am nächsten Morgen wieder fort. Als ich nnt Marusia über Stepan zu sprechen begann, wie es ihm denn ginge und wie er die Zeit zubringe, antwortete sie ganz ruhig, aber zurückhaltend und ungern. Sic schien über den i neuen Zustand der Dinge nicht gern sprechen zn wollen. Als ich mit Timocha darüber sprechen wollte— wir waren gerade beide im Hofe und fütterten die Pferde— sagte er mit jenem halb verächtlichen, halb nachsichtigen Lächeln, mit dem er mir schon von Stepans Geschicklichkeit im Schießen erzählt hatte: „Siehst Du, Bmder, er muß immer spielen, er kann Nicht leben ohne Abraschka." „Wie so denn ohne Abraschka? Sie kämpfen doch nnt- einander auf Leben und Tod?" Nun ja, das sage ich doch. Wenu's nicht so geht, muß es anders gehen. Schau her: fremde Scheunen beschützt er, und wer kümmert sich denn um seine? Ich sag' doch, er ist kein natürlicher Mensch, hat keinen richtigen Grund. Spielen niuß er mit allem." Ich lachte. Die Antwort war ziemlich verblüffend, aber durchaus charakteristisch für Timocha. Ja, wenn jemand die Scheunen draußen am See anzurühren gelvagt hätte, dann hätte Timocha eine Stange oder was immer gepackt und hätte sich damit zur Wehr gesetzt, wie ein Bär, der seine Höhle verteidigt. Aber sich um die Angelegenheiten der Nachbarn kümmern, noch dazu, wenn cS Jakuten sind, das ging über Timochas Horizont. Aber daß Timocha innerhalb seiner Sphäre eine scharfe Beobachtungsgabe besaß, fiel mir damals nicht ein, trotzdem ich unwillkürlich an seine Worte denken mußte, daß Stepan und Abraschka zusammen Dinge vollbringen könnten, von denen man sogar am Meere und in Kijan sprechen würde. Jetzt kämpften die beiden gegeneinander, und Stepans Name drang zwar nicht bis an die Küste, aber doch wcingstens in die Stadt. X. Mitte November drang eines Abends Glockengcläutc vorn Wege, der aus der Stadt in die Niederlassung führte, zn uns hinüber. Der Winter hatte schon seinen endgültigen Einzug gehalten und der Toi» kam von weither durch die klare, un- bewegliche Luft. Nur wenn der Weg durch einen Engpaß ging, verstummte er für einige Augenblicke, um dann wieder hell und deutlich hinilberzuklingen, wie ein silberner Thee- lössel, den man an ein dünnes Glas schlägt. Es war kein Posttag, und so konnte es denn nur die hohe Obrigkeit sein. Aber was führte sie zu uns? Die Ein- geborenen der Niederlassung machten sich auf eine neue Steuer- rechnung gefaßt, die Tataren schickten eilig ans unbekannten und undefinierbaren Gründen einige Schlitten in den Wald, ein reitender Jakute holte den Starosta, und nach einer halben Stunde schon war die gesamte Niederlassung zum Empfang der Obrigkeit bereit. Es war richtig der Assessor Fedesiejew, und sofort nach seiner Ankunft ließ er uns in das Amtsgebüude hinüberbitten. Nachdem er uns einige Briefe übergeben hatte, bat er die andren, sich zu entfernen und schloß eigenhändig sorgfältig die Thüre hinter ihnen. Dann trat er an den Tisch zurück, knöpfte seinen Dienstrock auf, als wenn ihm sehr heiß wäre, und stopfte langsani seine Pfeife. Sein Gesicht hatte einen ganz eigenartigen Ausdruck, er schien verlegen und suchte nach Worten. Der Assessor stammte von den eingebornen Kosaken ab und war ein Mann in den besten Jahren. Er war ein vor- züglicher Beamter und kannte die örtlichen Verhältnisse genau. Von seinen persönlichen Eigenschaften war uns seine Schwäche für geistige Getränke sehr bekannt,— man legte ihn oft total betrunken in seinen Schlitten, wenn er die Nieder- lassung verließ— und dann seine Passion fiir gelehrte Worte, die er mit der Gier eines Liebhabers sammelte und dann stolz im Gespräch anwandte, an rechter oder auch unrechter Stelle. Uebrigens war er im großen ganzen ein gutmütiger Kerl, und die Leute hatten ihn gern. Seine Beziehungen zu uns waren nicht freundschaftlich, aber recht zuvorkommend. Er stopfte recht sorgfältig seine Pfeife, zündete sie an dem Talglicht an, das auf dem Tisch stand, stieß einige Dampfwolken aus und begann endlich: „Ich habe was mit Ihnen zu besprechen, meine Herren. So was ganz Eigenartiges. Also, ich werde ganz offen mit Ihnen reden. Sie kennen den jetzigen Kolonisten und früheren Landstreicher Stepan." „Der am See wohnt? Ja, wir kennen ihn." „So, bitte denken Sie nicht, daß... Er kehrt bei Ihnen ein, wenn er in die Niederlassung kommt?" «Ja, ab und zu." Der Assessor preßte seine dicken Lippen gegen das Mund- stück seiner Pfeife, als wenn es in diesem Augenblick nichts Wichtigeres für ihn gäbe und sagte endlich: „Ein sonderbarer Mensch I" „In wie fern?" „Ja, aber bedenken Sie doch, der Bursche schert sich um fremde Angelegenheiten, kommandiert im Distrikt, wie ich weiß. Was der Kerl uns jetzt zu schaffen macht!"... Er schob mißlaunig seinen Stuhl zurück und fing an mürrisch im Zimmer ans und ab zu gehen. „Was hier jetzt für Dinge passieren!" sagte er ärgerlich. „Früher war das hier einer der ruhigsten Distrikte. Und jetzt? Man hat ja gar keine Ruh' mehr in dem Nest, die Kerls schießen und verivnndete Tataren iverden gefangen ge- nonimen." Ich begann die Stimmung des Affcssors zn verstehen. Jeder Stand hat seinen speciellen Standpunkt, von dem aus er die Dinge beurteilt. Semion Aleksejewitsch Fedosejew wußte ganz genau, daß Raubzüge und Diebstähle sich all- jährlich um diese Zeit in der Gegend wiederholten. Scheuern Wurden erbrochen, Pferde gestohlen und Kühe geschlachtet. Dann reichte die eine Partei eine Klage ein, und die Schuldigen wurden nicht gefunden. Die Sache wurde in Gottes Hand gegeben und das Gerücht davon drang nicht einmal bis in die Stadt. Bei jedem Besuch in der Niederlassung hatte Semion Aleksejeivitsch derartige Asfairen dutzendweise durch seine Unterschrist erledigt, indem er einfach seinen Namen unter ein bereits abgefaßtes Protokoll setzte, in dem es hieß, daß die weitere Verfolgung der Schuldigen ivegen ihrer „Nichtauffindbarkeit" eingestellt ivorden sei. Das bedeutete so viel als Ruhe im Distrikt. Jetzt schlug jede Affaire ge- waltig Lärni. Es gab Gefangene und Konfrontationen, man sprach von Kämpfen mit Schießwass«i, und daS Gerücht von dem erbitterten Krieg zwischen Jakuten und Tataren ver- breitete sich von Mund zn Mn id. Ich begriff, wo der Schwer- Punkt dieser Frage lag und lächelte: „Aber gestatten Sie," sagte ich,„Stepan stiehlt und raubt ja nicht, er verteidigt." (Fortsetzung folgt.) (Nackiduick verboteie) Ehr im ZZühnerPkall. Von S. S ch a n d o r p h. 1. Die Gcrber-Bolette im Annenhaus zn R. hatte einen Sohn, der Lndtvig hictz nnd der mit der ivtnttcr im Armenhaus wohnte. Er galt als der ärgste Gassenjunge der Stadt. Wenn sich die„feinen" Jungen im Sommer in der An badeten, nachdem sie sich in den geschlossene» Badehänsern entkleidet hatten, überraschte Gerber- VoletieS Ludwig sie oft und ließ sie unfreiwillig nntertanchen. Er hatte sich am offenen Strande der Kleider entledigt, war erst ge- ivatet, dann gefchivommen nnd fiel nun gleich einem Haifisch über seine Beute her, und noch che die„feinen" Jnngen sich zum Wider- stand entschlossen hatten, war das Prolctarierkind schon langst wieder auf dem Trocknen nnd rannte, jauchzend und schreiend, seine Kleider unter dem Arm. die Landstratze entlang. In der Arnienschnle wußte er niemals ein Wort der Schul- aufgaben; aber im Sommer amüsierte er sich damit, dein Lehrer einen lebenden Frosch oder die Hont eines gernncherten Hörings m 1 die Hintertasche zu stecken, oder auch seinen Hnt mit Maikäfer» z» füllen. Die Schläge, die der Lehrer ihm gab. fruchteten nichts, und bon dein Tag an, da derselbe während einer derartigen Exelulioir einen Vi« in der Wade verspürte, so ehrlich gemeint, als stninine er von einem Baneniköter, dem man zu nahe gekommen— von dem Tage an schlug ihn der Lehrer nicht mehr. Aber seitdem>var der Junge nicht mehr ganz so bösartig, und seine Unarten nahinen einen weniger böswilligen Charakter an. Seine Mutter, die mannshohe und stännnige Gerber-Bolette mit dem grotzen, roten Gesicht, konnte ihren Jnngcnivindcliveich schlagen. wenn sie es sich vorgenommen hatte. Aber sie ivar nur wenig daheim; sie musite als Wasch- und Reinmachefrau das zum Leben Notwendige beschaffen. Nur wenn ihr zu Ohren kam, das; der Junge im Armenhause die Fensterscheiben eingeschlagen, oder sich i» der Stadt umhergetriebeu und die Schule versäumt hatte, packle sie ihn am Arm, zwang ihn mit ihrer mächtigen Faust nieder und gerbte mit ihren Knöcheln die Muskel seiner Obcranne, dag die blauen Flecke darauf noch lange zu sehen waren. 2. CS war Weihnachtsabend. Ein dichter Nebel hing über der Stadt, wie die Wolke über einem Felsen. Man sah nicht von einer Seite der Straffe zur andren. Das Trottoir tvnr fettig glänzend. Die Menschen gingen umher wie� unförmliche, dunklere Unterbrechungen der grohen feuchten Masse, die alle festen Ilmrisse und alle Farben verschlang. ES roch säuerlich, wie der Dampf, der einem Wasch- oder Branhnnse einsteigt. In den Kaufläden, die vom frühen Morgen an mit Landlente» angefüllt waren, die Einkäufe zum Fest machten, brannte überall Licht. Das glotzte merkwürdig in den Nebel hinaus. Durch dieses Wetter, daS von oben, bon unten und ringsumher von allen Seiten durchnäßte, war Gcrbcr-Bolettes Ludwig vom frühen Morgen an geivatct. Seine Matter war seit mehreren Tagen nicht in» Rrmenhanse gewesen; sie hatte Reinniachen und Wäsche zu besorgen gehabt, zuletzt bei einem wohlhabende» Tischler Jörgen Rasmusseii; und dort hatte ma» sie auch zum Weihnachts- Abendessen eingeladen. Gerbcr-Bolettes Lndlvig war schlechter Laune. Er fand, daß es in diesem Jahr mit dem dichten langtveiligei» Nebel ein recht er- bännlicher Weihnachtsabend sei. Er schlenderte weiter. Stunde um Stunde, fand dadurch, daß er sich in ein paar halbdunklc, von Bauern angefüllte, Kanfmamisläden zlvengte, Gelegenheit, sich etliche Lichte und eine Tüte mit Rosinen anzueiguen, war auch so glücklich in einer Gastivirtschaft, gedeckt durch den breite» Rücken eir.es Bauern, vier groffe Stucke Kandiszucker auf einer Untertasse und eine Schachtel Streich- Hölzer zu erwischen, die im Fenster stand. Mehr und mehr verlor Gerber-BoletteS Ludwig den Mut. In sein an Ideen zu Gaunerstreichen absolut leeres Gehirn sickerte mit der Feuchtigkeit der Luft eine inerklvnrdig dumpfe Niedergeschlagen- hcit, etlvas, das er sonst nicht kannte. Hätte er nicht festgehalten an dem einzigen moralischen Gefühl, das er besaß: Abscheu und Ber- achtnug vor einem..Heulmeier" oder„Schürzenbengcl" und„Flenn- Peter"— sicher hätte Gerber-BoletteS Lndlvig sich dann auf einen der großen Ecksteine des Posteiiisahrtthors gesetzt und seinen» Herzen durch Thräncn Luft gemacht, das dann höchstwahrscheinlich in»vildeS Schreien und Brüllen ausgeartet wäre, hin dieses ekle Etwas zu übertäuben, das i» ihm war und in ihm weh that. Seine Mutter war nie zärtlich gegen den Jungen gewesen, aber sie war doch die einzige, zu der er gehörte, und die ihn» gehörte. Er wiißte, daß sie bei dem Tischler Jörgen Rasmnsscn Ivar, Ivnffte auch, warum sie ihn nicht mitnehmen wollte oder nicht nntznnehnien wagte; denn der Ruf. den er geiioff, war ihn» nicht unbekannt. Er war„slolz" ans seine Art, und er wollte sich— darauf schwur er einen derben Eid— auf keinen Fall den»„Hobclspnhnschäler" Jörgen Rasmnsscn»ind seiner dicken Frau aufdrängen. Trotzdem konnte der Jnnge nicht umhin, immer wieder zur St. Beatenstraße zurückzukehren. Dort wohnte Jörgen Rasmusien an den» vom Markte am weitesten cnlferntei» Ende. Der Junge ging immer iveiter und»veiter in die St. Beatenslraße hinein. Nicht,»veil er seine Mutter sehen oder mit ihr znsammcn sein lvollte, sondern ... ja, er Ivnffte selber nicht,»vas ihn heute eigentlich plagte. 3. Ohne, daß der Junge»vnßte, wie es zugegangen war, stand er plötzlich, trotz seines»vicdcrholtc» Schlvurs, mitten im Hofe gerade dieses Tischlers. Es»var stockfinster und aus dem Nebel ein dichter Regen ge- ivorde». DieKnchenthür ivar geschlossen, trotzdem erfüllte derEsseiigeruch den ganzen Hof und draußen konnte der Junge es kochen und brate» nnd prasseln hören. Durch die Fcnsierschcibe'u hindurch sah er das Profil seiner Munr», sah ihr Haar im Lichte flimmen», während sie einen mächtigen Biß in einen dampfciiden Pfannknchcii that. Der Junge war niordshiingrig. Es Ivar zu arg, wie die da drinnen fraßen. Hier mußte etlvas geschehen. Gerber-BoletteS Ludwig blickte sich im Hofe um, suchte nach einer Idee nnd fand sie in solcher Geschwmd'igkeit, als hätte sie in der Luft geschwebt. Er wußte, daß im Hofe rechts von» Wohnhmise ein kleines Nebengebäude lag und daß eins dieser Räume als Hühnerstall diente. ES mußte ainüsaiit sein, zu konstatieren, wie es an einem Weihnachtsabend in» Hühnerstall aussah. Vorerst rekogiioScierte er daS Terrain. Was war daS? In der Küche ward cS nnrnhig. Seine Mutter und das Mädchen wischt-n sich Mund nnd Hände in je einem Zipfel des Wischtuchs. Dann ivard die Thür geöffnet und im Nu sah der Jnnge einen erleuchteten Bainii, strahlend in Gold und Silber und allerhand Farben.... Schivnps, ivard die Thür ivieder zugeschlagen. Die Kiichcnlampe stand und brannte ans dem Tisch. Lautlos klinkte der Junge die Küchentviir auf, stieg ebenso lautlos durch dieselbe hin, eroberte einige Pfannkuchen, die auf einem Teller standen, nahm einen ordentlichen Schluck ans einer Punsch- kanne, packte eine ganze Fmist voll von etlvas Rotem, das in einen» Sieb auf dem Herde lag nnd steckte soivohl die Pfannkuchen ivie die feuchte rote Maffe in die Tasche. Als er Vorbereitungen z» einem lantlosen Rückziig traf, sah er. daß er bei seiner Ranbzng-Thätigkeit cincn Gefährte» hatte. Ei» großer, schwarzer Kater, hereingeschlüpft durch Gott weiß ivelche Ocffnnng, stand ans den» Küchentisch nnd naschte Milch ans einer Milchschüffel. Dieser Kater hatte sofort die Sympathie des Jungen gewönne». Er ergriff eine» Sahnentops nnd goß dessen Inhalt in eine leere Schüssel, nn» so den» Kater de» Gennff der Delikatesse zn erleichtern, daraus glitt er ivieder in den Hof hinans. Es war zur rechten Zeit. Gerber-Bolette nnd Jörgen RaS- nmssci'.s Dienstinädchen, die im Zimmer geivesen und»nit um den Wcihnachtsbanni geianzt hatten, kamei» ivieder zum Borschein. Die Schandtbaten des Katers ivurden entdeckt»i»d der Miffelhäter mit dem Besen unter Schimpfworten in den Hof hinausgejagt, von deiie» „Hnndevieh"»nd„Schiveincpetcr" sowohl die nnlogischleii als auch die gelindesten waren. Der Jnnge hatte eben den Verschluß des Hühnerstalls geöffnet— da duckte er sich eiligst, aufgeschreckt durch de» schwachen Lichtschein, der durch die Küchenihür in den Hof fiel: und im selben Augenblick geivahrte er auch seinen Freund, den Kater. Der Kater konnte an dem Abend im Hühnerstall ein ganz aninfanter Gefährte iverden. Er begann ihn heranzulocken nnd leise: Mies, Mies! zn flüstern. Er sah, ivie das Tier an der Mauer e»t« lang strich. Es näherte sich zögernd, hielt iune«nd spähte mit funkelnden Angei»»>» die Dnnkelheit hinaus. Jnzivischcn mochte es wohl eine Art GeisteSberlvrniMschast zwischen sich nnd dem Junger» entdeckt haben; es ließ sich von seinem gedäinpste» Rufen heranlocken. Bald fühlte er, ivie der Stücken sich warm»nd iveich nntcr seiner streichelnden Hand krümmte— mit der andren Hand hob er das Schloß der Tbür des Hühnerstalls in die Höhe, öffnete sie zu eine»» Spalt, und Kater und Jnnge glitten lautlos hinein. Nur ein schivaches, gleich wieder verst»»»me»deS Rackeln verriet, daß einige, hoch oben ans ihren Stäben schlnnnnernde Hühner vor- übergehend»»» Schlaf gestört ivorde» ivaren. Gleich ivard wieder alles ruhig in der brütenden Finsternis. Der Kater entfernte sich von» In,»gen; er fühlte ihn nicht mehr nnd sah auch nicht seine Augen in der Dunkelheit lenchtei». Nun, vorläufig hatte der Jm»ge für' de» Kater auch keinen Gebranch. Er ivar filrchtbar hungrig»nd wollte sich an einige seiner gestohlenen Sachen, den» Kandiszucker und die Rosinen, heranmachen. Wohl hätte er den Kater anch cincn Bisse» gegönnt, aber er sah ei», daß seine Einladung zn einer derartigen Mahlzeit höchst überflüssig geivesen»väre und sagte halblaut: „Rein, derlei Dinge sind wohl nichts für dich, Miezckatze l" Der Jnnge empfand ei» Wohlbehagen, das dem glich, welches er verspürte, ivenn er todmüde abends ins Bett kroch. Frische, gute Luft ivar er weder vom Armenhause noch von der Anncnschnle her gewohnt. Die süßlich dumpfe Atmosphäre des Hühnerstalls, das Gefühl des Geborgenseins in» Gegensatz zn dem Uiuvcttcr draußen. ja, selbst die Siilie bewirkten, daß er sich einige Augenblicke recht behaglich suhlte, ivie er so dasaß nnd Kandiszucker und Rosinen naschte. Aber die Lust nach etwas Trinkbarem erivachte in ihn»; er begann durstig zn werden. Gerber-Bvkcttes Lndlvig ivar ein Junge, der sich zn helfen ivnßte. Der Kater konnte lachen; der hatte sowohl Milch als Sahne bekommen. Ein Streichholz ivard angerieben nnd eins der Lichter angesteckt. Der Kater fauchte vor Ueberraschnng— und ein Hahn krähte. Er thronte hoch oben auf einer Stange inmitten einer Schar Hühner, die mit unter den» Flügel geduckten Kopf dasaßen. Die roten Auge» des Hahns glotzten unendlich dninm; die Halskrause schinunerte ivie dichte Goldstickerei ans roten» Seideugrnnd. Wie bekannt, ist die Eicrprod»lltio» zn dieser Jahreszeit nur gering. Man findet nur einzelne, verstreute Exemplare; das wußte der Jnnge. Aber er Ivar früher in Hühnerställen geivesen; er wußte sie zn finde». Vier ganze Eier! Welch eine üppige Mahlzeit, Eidotter nnd Kaiidiszncker I Bessere Dinge bekamen der kruninl« beinige Peter nnd die rothaarige Elwine von Jörgen Nasnnisse» sicherlich anch nicht.„Ach— ihr Hobelspahngören! Ihr braucht euch nichts cinznbilden!" «Ihr habt Licht dort oben in eurer Stube I Oho, ich kam» hier anch Lickitcr niiziinden I" Er steckte das zweite Licht ai». Es war schwer, die Lichte z»lm Stehen zn bringen; mehrere Versuche, sie in de» Boden ei,»zu- bohien,»nißlangen. Die Erde war zu trocken. DaS Licht fiel nm, verlöschte und steckte in» Fallen einige Strohhalinc in Brand. Grübelnd saß der Jnnge da, und die Erfindungsquelle in ihm sprudelte. Nägel waren genug vorhanden an den Wänden des Hühnerstalls und das punktierte, baimiivollcne Halstuch, das er trug. ivar nicht viele Heller wert. Er nahm cS ab. riß es»nitten durch »nd ickilang die eine Hälfte wieder um den Hals— es that so wüklich dieselben Dienste wie zuvor in Verbindung mit der ab- gerissenen Hälfte. Diese ward nun abermals halbiert und ans jedem Viertel drehte der Junge zwei Schlingen. In das nntcre Ende steckte er die Lichte, das obere Ende ward an den Nagel gehängt: daS Ivaren improvisierte Lampions, die Lichte saßen merklich schief, schwankten und tropften unausgesetzt, aber was schadete das? Gerber-Bolcttes Ludwig war ganz stolz auf seine Erfindung. Ihm schien, es sähe einer Gnirlande mit Lichtern ähnlich, die er mal im Nathans- Saal gesehen hatte— der am Vormittage zu dem abendlichen Ball geschmückt tvar—, als seine Mutter im Verein mit der Frau des Gcfangenwärters die Saaldiele gescheuert hatte. Das war noch gewesen, bevor Ludwigs Ruf so schlecht geworden tvar, daß die Leute Gerber-Bolette nur auf Arbeit nahmen unter der Bedingung, daß sie den Jungen zu Hause ließ. Welch ein Spaß l Wie hell es im Hühnerstall war! Während der Junge Eier und Zucker verzehrte, erwachten die Hühner, sahen sich erstaunt»m, und der Hahn krähte, als wäre es heller Morgen. Die Hühner gackerten leise, und die Äatze, die der Junge ganz ver- gessen hatte, kletterte an den Seitenpfostcn in die Höhe und warf dem großen Hahn einige prüfende, mißtrauische Seitenblicke zu, die dieser im selben Geiste beantwortete. Der Hahn blieb auf seiner Stange sitzen, die Katze im Rahmen des kleinen Fensters und»ahm dabei die bewaffnete Nentralitätshaltnng ein, die die Katze und die Bewohner des Hühnerstalls stets zu einer Zeit beobachtete», wo es keine Kücken gab; denn in der Kiickenzeit herrschte zwischen beiden. wenn mich nicht gerade offenbare, so doch versteckte, argwöhnische Feind- schaft. Der Kater krümmte de» Rücken, der Hahn hob den Kopf und sträubte die Federn der Halskrause. Der Kater gähnte, der Hahn schüttelte sich; in ihren Bewegungen lag ein beständiges Hin und Her. Jede der Hennen beobachtete scharf dieses Individuum einer fremden Rasse, das in ihr Gebiet eingebrochen war; der Junge schien sie nicht weiter zu interessieren. Er war nun fertig mit seiner Eierspeise, fühlte sich außer- ordentlich behaglich, Ivard wohlwollend, wie satte Menschen zu werden pflegen,' und fand, daß die Hühner und die Katze sich nun ebenfalls amüsieren sollten. Als er aufstand, um die wachen, aber verlegenen oder konsternierten Hühner von ihren Staugen heruutcrznbcfördern, spürte er etwas Feuchtes an seinem einen Bein. Es kam auS der Tasche. Er griff hinein und packte eine feuchte Masse. Aha l Das war das Rote, das er von dem Sieb in der Küche genommen hatte. Ob es wohl Fruchtgelee tvar? Laß uns versuchen I... Rein, eS tvar ein Gemisch von etwas Saurem und etwas Starkem I Es schmeckte im Grunde abscheulich I Wer tveiß, ob die Hühner das fressen wollten. „Husch I... Ho... Halloh...1 Herunter mit Euch! Hei, Du großer Hahu... Runter mit all Deinen Frauenzimmern l... Katze l... Herunter mit Dir, Du Nashorn l* Die Katze fauchte und zog sich in einen Winkel des Fensters zurück; der Hahn und die Hühner gackerten und lärmten und flatterten schließlich von den Stangen herunter. Dann stürzten sie sich gefräßig— die eine der andern das Futter mißgönnend— über die rote Masse her, die Gerber-BoletteS Ludivig hingcstrent hatte. Oh, wie sie fraßen, fraßen, fraßen I Und je mehr sie fraßen, um so lauter wurden sie. Der Junge gackerte, krähte, lärmte mit den Hühnern um die Wette, als sei er ihr Kamerad; nur die Katze saß still mit gekrümmtem Rücken und starrte ans das Ganze mit teuflischer Miene. Hätte sie die Partie aus GounodS„Faust" singen können, würde sie den Baß in Katzendiskant umgesetzt und gesungen haben; „Der Teufel führt den Neigen an!' Die Hühner wurden lustiger und immer lustiger. Zum erstenmal in seinem Leben hatte Gcrber-Bolettcs Ludivig den Eindruck, das Hühner Vögel sind, so flogen sie unter Flügelschlägen und Gekreisch umher. Er spielte Greifen mit ihnen, und bald gelang es ihm, einer Henne eine Schivungfeder auszureißen, bald den Hahn am Bein zu packen. Ach, wie die Henne und der Hahn dann schrieen I Die Katze miaute in wilde» Tönen und die Hühner, die im Augenblick die wilde Jagd nicht mitniachten, fraßen von der roten Masse. Der Junge ivar berauscht von der Bewegung, dem Länn und dem wilden Gebahren. Er schrie und kreischte, übertönte all das Gegacker und Gekrähe, fuhr umher wie ein Besessener, packte, was er erreichen konnte und was am Boden lag und warf eS umher, lachte und sang. Er dachte an nichts, überlegte nichts; er und die Hühner ivaren gleich verrückt unter dem wilden Weihnachtstanz, den er aufführte. Was nun? Es donnerte an die Thür. „Laß donnern, ich donnere wieder." Und der Junge donnette mit beiden Stiefelabsätzen eine» Trommelwirbel an die Innenseite der Hiihncrstallthür, wobei er beständig die Hühner zum Lärmen und llmherflattern anspornte. „Wer ist dort im Hühnerstall?' tönte eine ttefe Stimme von der andren Seite her. Der Junge kannte die Stinimc. Wie mit Blitzes- schnelle durchzuckte ihn der Gedanke, daß es Ohrfeigen und Prügel setzen werde. Aber er war so lyttsch begeistett, daß er dergleichen alltägliche Dinge für wahre Bagatellen ansah. „Guten Abend und fröhliches Weihnachtsfcst, Gerber-Bolette l" brüllte er durch die Thürritze. Von draußen klang es: „In meinem ganzen bisherigen Leben nicht und bis ich diese Welt verlassen soll, ist nur eine derattige Kanaille vorgekommen. Du wirst so viel Haue kttegen, wie auf Deinem Pnckel Platz haben. Du I" «Danke, Mutter I Watte damit, bis wir wieder Frostwetter haben, dann wärmt es so schön." „Willst Du öffnen?" „Hab' die Güte, Mutter I... Na. guten Abend! DaS ist ja Rasinuffens Trine I Guten Abend, Tttne I" Gerber-Bolette und das Dienstmädchen Trine hatten eben in der Küche den ungewöhnlichen Länn im Hühnerstall gehört und durch die Thürtttze einen Lichtschimmer gesehen, und Gerber-Bolette hatte sofott geahnt, daß wenn irgend jemand in der ganzen Stadt Lärm vollbringen konnte, es ihr Ludwig sein mußte. Der Junge öffnete die Thür, Tttne und Gerber-Bolette traten ein. „Nein... weißt Du Iva?, Bolette," sagte Trine,„hier sind meiner Treu Lampions an den Wänden. Sieh' doch, Bolette." „Aber Du, Trine wie sich die Hühner nur geberden I Wie sie umherrennen I Hühner, die sonst so verschlafene Kreaturen sind l lind sie wackeln, Trine! Gott steh mir bei, wenn sie nicht wackeln. Sie sind bekneipt, Trine." „Sie fressen dort etwas Rotes, Bolette. Du, Ludwig, was fressen sie denn da?" „Das ist nur Fruchtgelee, Trine," sagte der Junge. Trine ergriff das Note, roch daran und sagte: „Bolette, beim Himmel! Das find Soolbeeren, die in Bräunt- wein gelegen haben und die ich heute niorgen abgegossen habe. Da- von sind die Hühner betrunken.... Aber wie kommen die Sool- beeren hierher?" „Ich Hab' sie genommen," sagte der Junge. Er konnte vor Selbst- bewußtsein nicht schweigen. Die große Trine brach in ein schallendes Gelächter a»S, kniff die eben so große und noch stämniigere Gerber- Bolette in den Arm und stieß die Worte hervor: „Nein, daß ich das noch vor meinem Tode erleben durfte l Das ist ja ein wahrer Komödienjuuge I" „Und da oben sitzt, bei meiner Seele, die Katze." sagte Bolette. „Ja, da sitzt wahrhaftig die Katze," sekundierte Trine, noch immer lachend.„Hör' Bolette, ich hole etwas Punsch und einige Pfann- kuchen hierher, und dann setzen wir uns hin und amüsieren uns ebenso, wie die Katze und die Hühner und der J»nge. Wie, Bolette? Niemand verschafft uns Amüsements, da müssen wir uns selber welches schaffen." Die frohe Stimmung steckte auch die ernste Waschfrau an. Trine brachte das Versprochene, sie. Bolette und Ludwig teilten die Lecker- bissen, die Katze und die Hühner erhielten ihr Teil von den Pfann- kuchen. Der Pimsch übte ans die Menschen dieselbe Wirkung aus ivie die Soolbeeren auf die Hühner. Trine, die Mutter und der Junge faßten sich au und tanzten zwischen den taumelnden, trippelnde» Hühnern umher, wobei Trine saug: Im Winter fahren im Schlitten wir, Bis unsre Nasen türkischblau— Plumps I Da fielen die Lichtstümpchen aus den Schlingen auf die Erde herab. Die ranchendeu, glimmenden Dochte wurden rasch durch einen Druck der Panloffelferse gelöscht. Mit der Dunkelheit kam auch die Besinnnug wieder. „Wenn irgend eine lebende Seele uns gehört hätte," sagte Bolette. „Ja, Tod und Teufel, dann bin ich verloren!" murmelte Trine. Alle miteinander schlichen in die Küche zurück. Die Familie war noch auf, mit Ausnahme der alten, achtzigjährigen Schivieger- mntter des Tischlers, die eine Kammer nach denr Hofe hinaus be- wohnte. Dort war alles zu und dunkel, die Vorhänge herunter- gelassen. Gerber-Bolette und ihr Junge schtttten miteinander dem Armen- hause zu. Der Junge bekam weder Prügel noch Schelte; denn Gerber-Bolette mußte im Stilleu zugeben, daß der Junge ihr eine» vergnügten Weihnachtsabend verschafft hatte. 4. Am nächsten Morgen beim Kaffee flüsterte Frau Brask, Frau RasmussenS Mutter, mit geheimnisvoller Miene:„Welch ein Lärm im Hühnerstall, gestern abend I" Der Tischler zuckte die Achseln. Die Alte begann kindisch zu werden. Sie sah und hörte Dinge, die sonst niemand sah und hörte. „Es war Licht dort unten und Gesang und Tanz", fuhr Frau Brask fort. „Ja, das glaub' ich wohl", sagte der Tischler und schritt ans dem Zimmer, indem er murmelte:„Dummes Zeug I" Frau Brask flüsterte ihrer Tochter zu:„Zu meiner Zeit stellte man Weihnachtsabend diesem kleinen Völkchen etwas Essen hin. Jetzt will man so aufgeklärt sein. Aber ich bin heute morgen im Hühnerstall gewesen, dort lagen vier leere Eierschalen und zwei Lichtstümpchen im Stroh. Und dabei wollt Ihr doch noch immer behaupten, daß es nichts andres gicbt, als was man greifen und fühlen kann. Wer. glaubst Du wohl, hat dort unten Wcihnachts» abend gefeiert? Und die Hühner, die waren gar nicht wach zu kriegen."— Verautivortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.