Inlerhaltungsblatt des Dorwürts Rr. 22. Donnerstag, den 31. Januar 1901 (Statfcötatf verboten.) Vsv vonr L�ollcrbrcitt. 221 Roman von R. von Seydlitz. Aber zwei waren in der Nähe, denen die ganze Neuerung ein Dorn im Auge war; der Häuser,— eben der vom Alten erwähnte Toni, der bisher aushilfsweise Gärführer gewesen. seitdem der frühere infolge mangelhafter Zeugbercitung fort- gejagt war;— und der erste Buchhalter, oder„Herr Ver- Walter", wie er sich ganz gern schimpfen lieg, der Ringel- mann. In einem winkelhasten, wölbigen Loch neben der Küche des Krapfenwirts, das ein flachbogiges Fenster nach dem tvinzig kleinen Hofe hatte, saßen Ringelmann, der Häuser und der Lutz öfters iu stiller Stunde beisammen. Da war ein neutrales Terrain mrd vom Hollerbröu kam niemand dahin; beim Krapfeuwirt selber ahnte. auch niemand, was die drei borten zusammenführte. Um sich des kühlen Winkels noch mehr zu erfreue», hatten sie die Röcke ausgezogen und ver- handelten in Hemdärmeln. „Hätten's auch net leid'n müsi'n, Herr Ringelmann, daß der Dürsth daher kommt," brummte der Hauser, der's am wenigsten überwinden konnte.—„Jetz' is's aus bis übers Jahr;'m Kastl soll mer net trauen, und der Dürsch bringt's leicht dazu, daß's Bier besser wird wie bei Eberl und Hosbräu und wenn er fürt is und der Kastl kommt an sei' Stell,— na' gut' Nacht." „Was deun gut' Nacht I" „J bleib net da. und wenn i anderfchtwo Faß waschen müßt. I geh, das is amal heilig." ..Geh.zu, Toni,— kannst denn gar ka bissel Geduld ham?— Grad im Winter, und grad wegn'm Kastl brauch'» mer Dich. Was maust denn, i kann Di net cutbehrn. Der Lutz beim Sieden und Du beim Gären, euch zwa brauch i notwendig. Wart's nur ab. Nächft's Frühjahr is's a so aus mit'm Hollerbräu. Entweder der Alte stirbt, oder er hat's so satt, daß er verkaust. Na' sau mi die, wo im neuen Hollerbräu regier'»." „Wer waß denn, ob's so kimmt. Und derweil soll i mi anfchau'lt und ausfpott'n losfn, weil f mir an Fremd'n auf d' Nas'n g' setzt hab'n, an alten Mann, und weil a so a Bua wie der Kastl ueber mir is, der no i' d'Schul geh'n müßt.— Wissens vielleicht, was Jhnerer Herr Verwandter im Gärkeller soll«?" „No, lernen halt. Der Ebeleiu hat's--" „Spionier» soll er! Weg'n uns is er dal" „Ah»vas. der Akte waß vo uns nix." mischte sich jetzt der Lutz hinein, der dabei immer ins Kiicheusenster hinüber- schielte zu der Köchin, und ihr Augen machte. „Heut no net. Aber leicht waß er morg'n was. Und'm Dürsch kann mer net ankommen. Der is Tag und Nacht um'n Weg.— Gestern hock i hiut' beim letzten Feufter im Eck. und thu dees zamnlrühr'n, Wissens schon, Herr Ringelmann,— und grad will i nans und ei'schütt'n, — schlappt er richti daher, der Dürsch; z'erscht denk i, er mirkt mi net; aber gsehlt;—„Toni!" ruft er.— I bin mäuserl- stad,—„Tonüi I hörst net? I Bist ja da. i seh ja Dein Fuß l" — Jetz muß i doch vor hintern Bottich." Die beiden andern lachten. „Na; gut is,— i geh vor. da sagt er: Gellt hats; sollst ausi ins Contor l— Und i glaub, net amal wahr is's gewe'n." „Doch, i Hab ja selber g'schellt," sagte Ringelmann. „Alles eins, i Hab nauf müssen und der Dürsch is alleinig blieb'n in Keller. Wie i wieder runter komm, hat er nix g'sagt.'s Flafchl is a dag'stand'n, wie i's g'laß'n Hab. Aber—" „Ang'schaut hat's der LauZbub', der alte— dees is g'wiß. rief beunruhigt der Lutz. Ringelmann sagte nichts, aber er sah finster drein. Toni faßte sich ein Herz und fragte: „Is's denn wirkli blos was unschuldig's, Herr Ringel- mann?— Hernach,— warum derf's der Dürsch deun net g'spann'n?" „Oho! Meuterei im Lager, dachte Ringelmann; und er beeilte sich, den Toni zu beruhigen. Aber der war so unbescheiden, zusagen:„Nacha Wundert'S mi, daß allemal Äahlstellen kemma und zwamal hat's a' scho g'rast't,— wenn mer dees Pulver nei thut." „Dees verstehst halt net. Wenn's amal beim Sieden so verfehlt wird, wie jetz... na könnst leicht derleb'n, daß Der d' Krausen haushoch gärigen; und dees verhindert eben dees Pulver.— Und jetz sag mer's lieber glei mit ein' Wort, ob's D' a Vertrau'» hast z' mir oder net." Schließlich gelang es dem Gescheidteren, die beiden andren niederzureden und wieder vertrauensselig zu stimmen. Wenigstens äußerlich. Denn im Grunde wußten sie ziemlich gut, was vorging, und solche Reden wie eben vorher thaten sie nur. um's den Ringelmann nierken zu lassen, daß ihre Beihilfe am dunklen Werk ihr guter Wille sei, und daß dieser gute Wille gutes Schmiereu brauchte. Denn Ringelmann stopfte sie gelegentlich mit Geld.— So kämpfte er versteckt seinen gefährlichen Kampf; bald war freilich das Ziel erreicht, der Hollerbräu mußte bald alle Reputation verlieren, und dann inußte doch der Akte mit sich reden lassen, und Mmdel« heimer konnte alles billig erwerben. Aber Ringelmann seufzte jetzt oft, und wünschte, es wäre endlich so weit; denn er hatte keine ruhige Nacht mehr vor Bangen. Der ehrliche Dürsch sah inzwischen bald ein. daß er gegen Windmühlen focht. Es war nichts zu machen k War ein Sud sorgfältig„angestellt", und kam die Gärung noch so schön und regelmäßig.— plötzlich, naa einigen Tagen, zeigten sich die Gärkrankheiten, die„wilde Gärung", das„Nach» schieben" und das ärgste aller Uebel, das„Rasten", bei dem es unfehlbar„gut' Nacht, Bier" heißt,— dieweil alles weg- gegossen werden muß. Ungemein lehrreich für den Kastl war das ja,— aber dazu war der Hollerbrän nicht da, eine Musterkollektion falscher Gärungen zu zeigen. Und im Lager» keller rumorte es auch schon, dort fchmipfteu sie, daß das Bier nicht lauter herein käme, und es war eine ewige Angst um das lagernde Gebräu. Der alte Ebelein hatte einen bösen Herbst. Die Kunden fielen ab wie überreise Aepfel. und Sendungen von Bier wurde« oft zurückgewiesen. Das sprach sich natürlich herum, und die Lieferanten notierten sich's. Der Kredit des allen Hauses sank bemerkbar, und wie immer, so waren eS die kleinen Gläubiger, die zuerst unruhig wurden und nach ihrem Gelde sahen; ein paar Keine Hypotheken, die auf der Mälzerei standen, wurden unverhofft gekündigt.— Sturz, es wurde schwül und finster um die hohen alten Dächer des Hollerbräu, und über kurz oder laug mußte das Gewitter ausbrechen. Darüber kam Herbst und Winter heran. Aber der alle Ebelein war wie vorher, stocktaub gegen alle Vorschläge. Zuletzt versuchte es Dürsch. der zu ihm hinaus aus die Villa ging, um sich zu verabschieden, da sein Halbjahr herum war. Er traf den alten Herrn, der von der Gicht gepeinigt war, im Rollstuhl liegend an. Der Kranke hatte außerdem noch andre Nöte. Nach endlosem kleinem Krieg mit seiner Frau drohte jetzt eine definitive Niederlage: der' nunmehrige Premierlieutenant Keßler, der ewig unentschlossene„Bräutigam", dem der Alte, bereits des vielen Borgens müde, weitere finanzielle Unterstützung vor kurzem verlveigert hatte, sollte— wollte oder mußte— in diesen Tagen um Vivis Hand anhalten. Der kranke Vater war inzwischen dermaßen von der Mutter bearbeitet worden, daß er beinahe daran dachte, seinen langgehegten Entschluß fahren zu lassen, und dem Offizier seine Tochter zu geben; von der Geschichte mit der Rosa ahnte er natürlich nichts. Gerade jetzt aber, ehe Dürsch eingetreten war, hatte der bekümmerte Kranke aber einen Brief erhalten, der ihn wieder umstimnlte. Der Brief war vom Neffen Karl, der soeben nach jahrelangen Studien im Auslande lvieder gen München strebte. Und Karl schrieb darin, daß er über Keßler einiges Böse ge- hört habe— die Klatschsucht guter Freunde schreckt ja vor der Fremde und vor dem Brieffchreiben nie zurück.— Und, obwohl nur zwischen den Zeilen, so war in Karls Brief doch deutlich zu lesen: Lieber Onkel, gieb ihm Deine Tochter nicht, denn jetzt, da ich mich etablieren will, denke ich ernsthaft daran, sie selbst von Dir zu erbitten. Aus all dem riß den Kranken der Brsncki des Dürlch; der plauschte von dem und jenem und empfahl zuletzl, den Kastl auf jeden Fall sich zu sichern und ihm stets zu vertrauen. „Das hat's net nötig, mei Lieber," sagte Ebelein,„den Buben halt i mir fest. Morgen is er Gärführer, und wenn die ganze G'sellschaft muckscht; i will's so, und i bin no net tot. Und ivenn's den andren net recht is, soll'n s' geh'n!" „Wegen'm Kastl geht keiner.— Schab' war's übrigens net, wann a paar gängen." Und er murmelte etwas vom Toni und vom Lutz.— „Waß scho 1" rief der Alte.„Aber wenn wer da is, der mir a heimliche Bosheit anthut,— der Toni is z' dumm und der Lutz z' leichtsinni derzu, a so was ausz'sinnen. Da steckt wer anders dahinter, decs Hab i lang g'spannt." Dürsch war zu kurze Zeit dagewesen, uni von Ringel- man Iis Thätigkeit etwas zu ahnen. Er riet vielmehr auf geheimen Einfluß von Konkurrenten; denn daß die beiden Lunipen, Toni und Lutz, stets bei voller Kasse waren, schien auf Bestcchungsgcldcr zu deuten. Aber wer sollte das gcthan haben t Die Großbraucrcien kümmerten sich um den lokalen Ruf des kleinen Hollerbräu nicht. Die paar Hektoliter! Kurz, Dürsch nahm Abschied und reiste ab. Kastl, jetzt in die hohe Stellung eines Vorderburschen eingetreten, war trotz seiner Jugend nunmehr Vertrauens- mann der Brauerei. Er verdoppelte, wenn das noch möglich war, seinen Eifer, und saun Tag und Nacht darüber, wie den häusigen Gärungssehlern zu begegnen wäre. Der Abgang Dürschs war ihm recht unangenehm, denn einen altbewährten Praktiker neben sich zu wissen, giebt immerhin Mut, wenn der auch vor manchem Unheil so ratlos dagestanden war wie er, der Kastl, selber. Nun, es mußte auch so gehen.— Gorlsetzung folgt.) Das XtufciUn. Mit Bcnutzniig eines Urania-Vortrags von Prof. Wedding.) Was wäre unser Leben ohne das Eisen? Wo wir uns um- blicken, sehe» wir uns von eisernen Gerätschaften umgeben und benutzen wir eiserne Gegenstände, im kleinen sowohl wie im großen. In der Küche benutzen wir eiserne Töpfe, und in ihnen bereite» wir nnsre Nahrung ans eisernen Ocfen, zum mindesten auf Oese» mit eisernen Ringen; unsre Kleidung stellen wir mit Hilfe von eisernen Nadeln her, wobei zugleich Scheren und mannig- saltige andre Apparate aus Eisen zur Verwendung kommen. In unsre» Häusern bringen wir eiserne Träger an, und selbst in Wohnungen, bei deren Errichtung das Eisen nicht vcrivandt wurde, brauchen wir cS zin» Schmücken und Putzen: jeder Nagel, mit dem wir ein Bild befestigen, besteht ja ans Eisen. Und nun gar die Verwendung im großen: auf eisernen Schienen rollen die eisernen Wagen, die den Verkehr vermitteln; eiserne Schiffe tragen die Güter über das Weltmeer; aus Eisen besteht der Körper einer jeden Maschine, an denen unser Maschinen-Zcitalter so reich ist. So können wir mis ein Leben ohne Eise», zum mindesten eine meuschlichc Kultur ohne dieses Metall überhaupt nicht vorstellen. Thatsächlich finde» wir auch schon unter den Ausgrabnngeii ans vorgeschichtlicher Zeit eiserne Werkzeuge; und in geschichtlicher Zeit tritt uns das Eise» bereits überall als brauchbarer Stoff entgegen; im Mauerwerk, der Chcopspyramide in Aegypten ist z. B. ein Stück bearbeitetes Eisen gefunden, das ein Alter von mehr als öOOO Jahre» besitzt. Niemand vermag daher anzugeben. Ivan», wo und von wen, die Herstellung und Bearbeitung des Eisens erfunden worden ist. Sie ist uralt und hat sich mit der Kultur in immer steigendem Matze entivickelt. Das Eisen ist ein chemisches Element, ein Grundstoff, der sich nicht ivcitcr zerlegen lätzt; das reine Eisen findet sich aber nicht frei in der Natur vor, wenigstens nicht in den uns zugänglichen Schichten der Erdoberfläche, sondern stets ist cS in den sogenannten Eisenerzen mit andren Substanzen verbunden, von denen es durch besondere Prozesse erst befreit iverden mutz. Uebrigens würde ganz reines Eisen auch ein völlig unbrauchbarer Stoff sein; es ist so weich, datz es sich mit Leichtigkeit biegen, dehnen, schneiden lätzt, so datz irgend ein brauchbares und haltbares Gerät daraus nicht verfertigt iverden kann. Wenn trotzdem das Eisen so vielgestaltige Verwendung findet, so liegt das daran, datz es mehr ivie jedes andre Metall durch einen geringen Zusatz von Kohlenstoff sehr verschiedene Eigen- schafte» geivinnt. Wenn der Kohlcgchalt des Eisens unter �/lo Proz. bleibt, d. h. also, wenn 100 Kilo Eisen weniger Kohle enthalte» als b/w Kilo<600 Gramm), so ist das Eisen zum Verarbeiten zu iveich; bei einen, grötzere» Kohlegehnlt gewinnt es dagegen a» Härte, wobei es noch dehnbar genug bleibt, um Hämmern, Walze», Schneiden zu vertragen. Wenn der Kohlegehall auf 1 bis IVs Proz. gestiegen ist<1 bis i1/« Kilo Kohle auf 100 Kilo Eisen), so spricht man von Stahl. Bei iveitercm Kohlegehalt wird es immer hnrier, bleibt jedoch schmiedbar bis etwa zu Mio Proz. Alles Elfen/ dessen Kohlegehalt innerhalb dieser Grenzen liegt<600 bis 2300 Gramm auf 100 Kilo), heitzt schmiedbares Eisen. Ist der Kohlegchalt ein noch grötzerer, so wird das Eise» spröde und zerspringt beim Hämmern; es wird dann Roheisen oder G u h e i s e n genannt. Auch dieses findet in der Technik noch vielfache Verwendung. Erst bei mehr als 5 Proz. Kohlegehalt wird das Eise» technisch unbrauch- bar; doch ist die Bedeutung des Gutzcisens mit der des schmiedbaren Eisens gar nicht vergleichbar. Bis fast an den Schluß des 15. Jahrhunderts wurde das schmiedbare Eisen unmittelbar aus den Eisenerzen gewonneu; in den ältesten Zeiten ist man wahrscheinlich so verfahren, datz man möglichst reine Eisenerze in die Glut eines nicdergebrannteii Feuers warf, mit Holz bedeckte, und die ent-. standcnen klcincn schmiedbare» Stücke ausräumte. Nicht ganz so primitiv, aber doch ähnlich blieben die Methoden, durch ivelche unsre Vorfahren auf mühseligem Wege geringe Eisenmengen gewannen, die sie weiter verarbeiteten. Erst im 15. Jahrhundert kam man dahin, die Erze in, Ofen zu schmelzen, so datz man zum erstenmal geschmolzenes Eisen besatz. Um dieses Roheisen schmiedbar zu mache», erfand man das Frischen, ivobei auf einen tiefen, mit eisernen Platten ausgelegten Herd, den sog. F r i s ch h e r d, das in einem höher gelegenen Herde geschmolzene Roheisen langsam ab- tropft; in der hohen Temperatur oxydiert der Kohlenstoff, d. h. er verbindet sich mit Sauerstoff und entweicht als gasförmige Vcr- bindung, während das entkohlte Eisen schmiedbar in festem Znstande zurückbleibt. Der Prozeß des F r i s ch e n s war ein sehr langsamer, in der Stunde erhielt man 5 bis Kilogramm Eisen. Etwas schneller, wem, auch im Vergleich mit den heutigen Verfahrnngsweisen noch sehr langsam, ging die Sache in de» sog. Puddelöfen, wo in einem überdeckten Heerd beständig frische Luft auf das geschmolzene Roheilen einströmt, während dieses auf der Hcerdsohle gepuddelt, d. h. fortwährend umgerührt wird. Hier kann man in einer Stunde schon etiva 50 Kilogramm schmiedbares Eisen erhalten. Auch sind in, Laufe der Zeit an den Oefen noch iveitere Berbessernngen er- funden, durch ivelche die Ausbeute stieg; doch ivnrde das Eisen imnier in nicht flüssigem Znstand, als sogenanntes Schiveitzeiscn erhalten. Flüssiges Eisen von geringem Kohlegehalt, also F l g tz- eisen resp. Flützstahl stellte man zuerst vor 130 Jahren in England her; doch kam man nicht über gegossene Blöcke von etiva 10 Kilogramm hinaus. Wie wenig'daS heute besagen will, mag man ans zwei Zahlen ersehen: 1862 schickte das Kruppsche Werk einen Block ans Flntzftahl von 21 0V0 Kilogramm zur Londoner Weltausstellung, und 1887 ivnrde in demselben Werk ein Geschützrohr von 143000 Kilogramm gegossen. Diese Erfolge wurden durch das Besse mer-Verfahren erreicht, das in einer Stmide 10— 12 000 Kilogramm Flutzeisen liefert. Unstreitig ist die Erfindnug des englischen Ingenieurs Henry B e s s c m e r<1813—1898) aus den, Jahre 1856. das Bessemern. des Eisens, durch welche die gesamte Eisenindustrie die nachhaltigste Uinivälznng erfuhr und in den Stand gesetzt ivnrde, die sich rasch und rascher entivickelndc Industrie und ihren Bedarf an Maschinen, Schienen und eisernen Geräten aller Art zu befriedigen. Auf die ivichtigste Erfindung auf diesem Gebiete wollen wir ein wenig näher eingehen... Die Bessemerbirne ist ein hohes birnförmigeS Gcfätz, daS mit feuerfesten� Thon ausgeblendet ist und am Boden ein System von Oeffmnigen besitzt: um Lust unter hohem Druck einblasci; zu können. Die Birne ist an zwei Zapfen drehbar aufgehängt und ivird geneigt, damit durch die Oessuung des Halses, der den obere»' Abschluß bildet, das Roheisen direkt aus dem Hochofen oder aus einem Kupolofen hineiuflietzcn kann. Eine Birne mittlerer Größe saßt 5—6000 Kilogramm Roheisen und hat in ihrem mittleren Teil einen Durchmcffer von l'/a bis 2 Meter bei einer Höhe von 80 bis 100 Eentimeter. Ist die Birne mit Eisen beschickt und wieder aufgerichtet, so wird der Wind angelassen, d. h. die Luft von unten in das Gcfätz ge- trieben. Das Roheisen ivallt stürmisch auf und der Sauerstoff der Luft verbrennt die in ihm enthaltenen Beimengungen, vor allem Mangan und Silicium sowie die überschüssige Kohle; dabei entsteht eine solche Hitze, datz dg» Eisen ohne weitere Fenerung flüssig bleibt. Die Beendigung des Prozesses kann man leicht mr dem Aussehen der Flamme erkennen, die aus der Oeffnnng am oberen Ende der Birne herausschlägt und ihre Form schnell ändert; auch zeigt ihre Betrachtung mit dem Spektroskop die Natur der i» ihr enthaltenen Gase und daher die einzelnen Stufen des Verbrennungsprozesses an. Bessemer glaubte anfangs, er könnte den Prozeß l in jedem be- liebigen Augenblick unterbrechen und dadurch jeden getvünschten Kohle- geholt im Eisen zurückhalten, so datz man nach Ahgictzen der Schlacke fertiges Flutzeisen jeder Sorte zum Guß in Blocken bereit hätte. Diese Hoffnung ertvics sich jedoch als trügerisch; der Prozeß geht so schnell vor sich, datz nicht nur sämtlicher Kohlenstoff aus dem Eisen entfernt wird, sondern dieses selbst sich zum Teil oxydiert<»iit Sauerstoff verbindet), ivodurch e» brüchig"und für die Techink ganz unbrauchbar wird. Deshalb mutz dem zu:stark entkohlten Eisen von neuem Kohlenstoff zugeführt werden; man thut daher nach Abgießen der Schlacke von neuem manganhaltige Eisensubstanzcn hinzu und hat es dadurch in der Hand, jede Sorte von Flutzeisen und Flußstahl in beliebigen Mengen in kurzer Zeit herzustellen. Das Bessemer Verfahren gedieh in Deutschland nicht schnell zu solcher Verbreitung, wie in England und Amerika. Es lag das daran, daß die deutschen Eisenerze und das aus ihnen gewonnene Roheisen phosphorhaltig sind, während England und namentlich die Vereinigten Staaten schier unerschöpfliche Gruben mit ganz Phosphor« freien Eisenerzen besitzen. Etwa S9 Proz. aller in Deutschland ge- grabenen Eisenerze sind phosphorhaltig, und der Phosphor Ivird bei dem geschilderten Verfahren nicht aus dem Eisen entfernt. Phosphorhaltiges Eisen aber ist für die Technik gänzlich un- brauchbar. Eine Aenderung trat in dieser Beziehung erst ein, als im Jahre 1879 Thomas und G i l ch r i st eine Abänderung des Bessemer« Verfahrens erfanden, durch die es ermöglicht wurde, auch den Phosphor während des Prozesses aus dein Eisen zu entfernen. Die Bessemerbirne war nämlich mit einem Futter aus Quarz, d. i. im ivescntlicben Kieselsäure. verschen, und die Gegenwart dieser Kieselsäure bedingte die Beständigkeit des Phosphors. Thomas wandte min ein Futter ans gebranntem Dolomitpulver an. das mit Teer verkittet war. Beschickte man dann die Birne zugleich mit dem Eisen niit gebranntem Kalk, so bildete sich eine phosphorhaltige Kalkschlacke'(Calci umPhosphat); diese Schlacke hat gerade wegen ihres Phosphorgehalts eine sehr be- deutende Wichtigkeit für die Landwirtschaft als Düngemittel Sewonnc», und die Eisenwerke können gar nicht so viel Thomas- hlacke liefern, als auf dem Lande verlangt wird. Noch auf ein zweites Verfahren zur Gewinnung von Flnßeisen muß eingegangen werden, das nenn bis zehn Jahre jünger ist, als die Erfindung Bessemers, und dem Besscmcrprozeß nicht nur eben- bürtig, sondern sogar überlegen ist, das sogenannte Martin- Verfahren. Dasselbe geht auf eine Erfindung der Brüder deS bekannten Werner Siemens zurück, welche die Flammengase selbst noch zur Erhitzung benutzte» und dadurch auf dem Herd be- deutend höhere Temperaturen erzielten; der Tigcl, in welchem man bis dahin Gußstahl in geringeren Mengen erzeugt hatte, wurde hierzu durch einen überwölbten' Herd eines Flammcn- ofens ersetzt, der ähnlich wie die Bessenicrbirne ausgekleidet war, so daß er auch mit phosphorhaltigem Eisen beschickt werden kann. Nachdem man hier mit dem Roheisen zugleich schmiedbares Eisen hineingeschickt hat— man verivendct dazu alles mögliche alte Eisen und Eiscnabsälle. den sog. Schrott— geht der Prozeß ähnlich wie in der Bessemerbirne vor sich: auch hier ist das Eudprodukt kohleu- frei, aber sauerstoffhaltig, und muß daher nachträglich wieder eine Zuführung von kohlenstoffhaltigen. Substanzen eintreten. Dem Bessemer- und Martin-Verfahre» gegenüber spielen alle andren Prozesse zur Gewinnung des Flußcisens nur eine unter- geordnete Nolle. Das Schiveißeisc», das man ja aus der Schlacke herausholen muß und das daher immer schlackehaltig ist, wird völlig vom Flnßeisen verdrängt, weil dieses bedeutend größere Festigkeit besitzt. Die Eisenprodultio» hat daher in den letzten Jahrzehnten geivnltig zugenommen; 1840 betrug die Eisenprodnktio» der Welt erst 2900 Millionen Kilogramm, 1870 bereits über 12, 1890 über 27 und gegenwärtig 41 Milliarden Kilogramm. Das sind Mengen, bei denen unsre Vorstellung versagt. Bauten wir auf einem Quadrat- nieter dieses Eisen in einer Säule auf, so würde dieselbe die Höhe des Erdradius, also fast 890 Meilen erreichen. Schon ans den geschilderten Verfahrnngsweisen geht hervor. wie die große Industrie die kleine hier völlig verschlingen muß; ebenso bei der Produktion von Roheisen, das größtenteils zu Fluß- eisen verarbeitet wird. Die Zahl der Hochöfen geht beständig zurück; 1872 hatten wir in Deutschland 348 Hochöfen, ihre Zahl sank in den Jahren 1884. 1890. 1893 auf 252. 222. 204. Gleich- falls verniiudcrte sich die Belegschaft, wenn auch nur wenig; sie sank von 20 000 auf 23 000, 24 000, 24 000 Mann. Aber enorm stieg die Produktion dieser Oese»; sie betrug 2, 3,6, 4,7, 5 Millionen Tonnen und demgemäß mußte auch die durchschnittliche Leistungsfähigkeit jedes Ofens steigen: von 5770 Tonucn pro Jahr aus 14 000, 21 000, 24 500 Tonucn pro Jahr. So hat sich auch die Leistung des einzelnen.Arbeiters an der Erzeugimg deS sachlichen Reichtums ganz ungeheuer gesteigert; wie weit das dem Arbeiter selbst zu gute kommt und welche Folgerungen daraus zu ziehen sind, ist an einem audcni Platze zu untersuchen, Wir ivollen hier nur die immer wachsende Bedeutung deS EisenS7 speciell des Flnßeiscns hervorheben, das man mit Recht bezeichnen kann als daS Bau- m a t e r i a l der Z n k u n f t. Bt Kleines Feuilleton. oe. In der Nacht. Sic hatten sich dicht neben den Ofen ge- setzt, es war aber auch hier noch kalt. Das Feuer war lange aus- gebrannt. Die Kacheln fühlten sich kaum noch lauwarm an. Die Mutler saß an der Maschine. Sie trat vorsichtig. Die Räder ginge» leise und gedämpft. Die Tochter machte Handnähcrci; sie strich die Falten an den Hcmdcnpassen. Keine von beiden sprach, schweigend saßen sie in dem tiefen Schweigen der späten Nacht. Die Mutter. hatte ein Stück fertig und warf cS ans den Stuhl neben sich, das Mädchen reichte ihr ein andres hinüber..Wieviel sind es noch?" fragte die Mutter. .Noch sieben."- Das Mädchen hatte rasch die einzelnen Stricke durchgezählt. .'.Noch sieben l" Die Mutter seufzte..Wie spät ist es schon?" Die Tochter sah nach der kleinen Weckeruhr, die am Fenster auf der Kommode stand:„Halb zivci." „Halb zwei? Dann werden wir gut fertig." „La." .Du bist Ivohl sehr müde." „Ach es geht noch!" Die Tochter versuchte einen hellen munteren Ton, er gelang ihr aber schlecht. Ihre Augenlider zuckten. Sie stützte den Kopf in die Hand. „Wenn wir mir bloß fertig werden." Die Mutter trat etwas rascher zu; die Räder kamen in Schwung. Die Tochter fuhr auf:„Ja, ich mach' ja schon I" Sie fing von neuem an zu streichen. Scharf kratzte die Nadel über das' feine Linnen. Dann hielt sie wieder einen Augenblick inne:„Wir haben ja gar nicht mehr viel. Das hier ist das letzte zum Streichen, dann kippe ich gleich die Priesen um, und die übrrsteppcii, das geht doch schnell." .Aber dann noch die Knopflöcher." „Ja. die'Knopflöcher." Sie schwiegen wieder beide. Die Mutter schob ein neues Hemd unter die Maschine:„Nimm doch von dem dickeren Garn dazu, dann geht es doch schneller." «Damit icki morgen wieder was zu hören kriege im Geschäft. Sie paßt ohnehin schon so auf die Knopflöcher, niemals sind sie ihr dicht genug." „Dann sag' ihr, sie sollen lvenigstcns drei Mark für das Dutzend Hemden geben, bei zwei Mark fünfzig kann man doch keine Ober« heurden-Knopflöckier machen." «Ja, sie wollen's doch aber so haben, man muß doch schon." «In man mnß l" Die Mutter seufzte und lehnte sich hinten- über.„Jetzt werde ich müde." sie rieb die Augen. «Als ob das ein Wunder ist, drei Nächte hintereinander auf. Ich werde uns rasch'ne Kanne Käffe kochen." Aber die Frau schüttelte den Kopf.„Nein, nein, laß nur; bleib' bloß bei der Arbeit, ich bin auch schon wieder munter. Wir legen ünö um sechs noch'ne Stunde hin, bis dahin werden wir ja Ivohl fertig sein." „Ja." Das Mädchen antwortete jes rein mechanisch, ihr Kopf fiel schwer auf die Brust, flog aber schon im selben Moment mit einem Ruck wieder in die Höhe. Die Mutter seufzte von neuem:„Ja, ja, laß man gut sein, Klärchen, wenn wir fertig find, haben wir diesen Sonnabend auch fünfzehn Mark." „Ja, fünfzehn Mark." ES zitterte wie Hohn in des Mädchens Stinmre. Sie lehnte sich an den Stuhlrückeu und sah über die Arbeit � fort durch das Fenster:«Jetzt macht der Bäcker drüben schon ans." � Die Mutter antwortete nicht, sie nähte weiter, erst nach einer ganzen Weile hob sie wieder das Haupt:„Ja uud es wird ja doch nicht ewig währen, laß doch den Hans nur erst auS der Schule sein, dann verdient der auch'n bißchen. Der Kaufmann drüben hat schon gesagt, er nimmt ihn als Lehrling und giebt ihm monatlich fünfzehn Mark, dann haben wir ja da auch Hilfe." „Jawohl.— große Hilfe I".— Wieder der zitternde Hohn in der Mädchcnstiimne. Die Mutter schüttelte den Kopf:„Wie Dn das sagst Klärchen! Schäm Dich doch, so'n junges Ding, um so'n bißchen Arbeit! Sitzen noch ganz andre Leute auf wie Dn l Hab' Dich nicht!" Sie fing an zu schelten— sie hätte eigentlich viel lieber geweint— aber sie wollte nicht iveich werden, nicht den Groll aufkommen lassen, der auch ihr am Herzen fraß. Sie kaut ordentlich in Ekstase, auch die Räder setzten sich in höchsten Schwung, blieben dann aber plötzlich still stehen. Die Mutter riß das Hcind mit zornigem Rock herum:„Ja, sie werden u»S auf den Kopf kommen, wenn wir hier immer nachts Maschine nähen. Die Köchin von unte» hat schon gesagt, der Herr will sich beim Wirt beschweren über das Gerassel, seine Frau könnte keine Nacht schlafen. Herr Gott, Klara,— und mm weinst Du auch uock!" Sie stampfte ungeduldig mit dem Fuß auf. Müßte die da es einem noch doppelt fühlbar machen das Elend? Warum hielt sie nicht stille? Warum begehrte sie auf im Jugendtroh? Aeudcrte man damit etwas? Fügen lernen sollte sie sich, sögen, fügen! Weiter blieb ja doch nichts übrig. Sie ballte die Hände; zornig fuhr sie das Mädchen an:„Laß' das Heulen sein!" Die Kleine zuckte mit keiner Miene, ihre Thränen aber rannen noch immer. Dann sagt« sie plötzlich:„Die unten hören uns heut nicht. Da ist gar keiner zu Haus'." „So keiner?" die Mutter war wieder ruhig. Gott, sie zürnte ja der, Kleinen gar nicht, aber man durfte ihn gar nicht auskommen lassen den Trotz— nein bloß nicht! Was sollte' den» dann werden? Das Mädchen zog den Faden durch die Arbeit. „Sie sind alle zum Ball." ..So?" „Ja, ich habe sie fortgehen sehen gestern, und die Frau hatte rote Seide an uud die Tochter weiße Spitzen, � und dann sagten sie zur Köchin, sie kämen erst friih am Morgen wieder, und die Tochter sagte:„Ich tanze die ganze Nacht." Sie ließ die Arbeit einen Augenblick sinken und sah WS Leere, und mit halblauter Stimme wiederholte sie:„Ich tanze die ganze Nacht!"— en. Die Höhe der MecrcSwogen. Eine französische Korvette hat auf einer unlängst beendigten Weltreise möglichst genaue Be- obachtungen über die Höhe, Länge und Gestalt der Meereswogen ausgeführt Die höchsten Wellen wurden im südlichen Indischen Ocean zwischen dem Kap der guten Hoffnung und den Inseln St. Paul und Amsterdam gefunden, also im Gebiet der fast dauernden ivestlichen Winde auf der Zone der größten Meeres- bedeckung der südlichen Hall'kugel. Einmal wurden Ende Oktober während eines von heftigen Schneeböen begleiteten Nordivcst« Sturms zu verschiedenen Zeiten des TagS 30 Wogen gemessen, deren Höhe durchschnittlich 9 Meter betrug. Die größten unter ihnen hatten eine Höhe von l! Meter, und zwar wurden nicht weniger als sechs solcher beobachtet, die mit lvuuderbarer Regelmäßigkeit aufeinander folgten. Sie hoben das ansehnliche Schiff auf>vie einen kleinen Nachen und ließen es dann in ein tiefes Thal sinke», das sich weit nach beiden Seiten ansdehnte. All dem Abend des- selben Tags wurden sogar noch größere Wellen gesehen, aber nicht gemessen. Später kamen der Schiffsbesatzung nie lvieder Meeres- wogen von ähnlicher Größe zu Gesicht. Man kann aus diesen An- gaben den Schluß ziehen, daß die Höhe der Wellen vielfach über- schätzt wird, denn ivenn man von hanshohen Wogen zu sprechen geneigt ist, so denken wohl nur wenige daran, daß mau diesen Vergleich nur mit einem sehr niedrigen einstöckige« Hause ziehen kann. Die Höhe der einzelnen Wogen ist in ihrer Aufeinanderfolge häufig sehr verschieden, so daß die nächste Welle gelegentlich nur halb so hoch ist wie die vorausgegangene, gewöhnlich erreichen mir einige Wogen eine besondere Höhe, während nach ihnen solche kommen, die im Durchschnitt nur etwa drei Viertel dieses größte» Ausmaßes anfiveise». ES kann als Regel gelten, daß im offenen Weltmeer ein starker Wind bald Wogen biS zu ö Meter erzeugen kann, während solche von über 10 Dieter bereits zu den Seltenheiten gehören mögen. Der Abstand der Wellen von Kamm zu Kamm wechselt ebenfalls bedeutend, oft im Verhältnis von 1 zu 3 bei zivei aufeinander folgenden Wogen. Bei einer in Aufregung geratenden See wächst die Welten- länge, d. h. der Zivisch'euranm zwischen zwei Wogen, schneller als die Höhe, und zwar kann sich die Anschwellung auf mehrere Tage verteilen. Am Kap der guten Hoffnung wuchs bei starke» westlichen Winden, die mit großer Regelmäßigkeit vier Tage lang anhielten, die Höhe der Welle nur von 6 auf 7 Meter, während die Länge von 113 Meter am ersten Tage auf 23ö Meter am vierten Tage zunahm. In einzelnen Fällen kommt ein noch größerer Wcllcnabsland vor, 300 Meter sind nicht ungclvöhnlich, und man hat schon über 400 Meter beobachtet.— Archäol-gisches. — Die Funde auf dem Meeresgründe bei Antikhthera. Auf halbem Wege von Khthera(Ccrigo) nach Kreta liegt die Felfeninfel Ankikylherw Seit zwei Monaten arbeiten dort unter Aufsicht eines Archäologen Taucher, um die Schätze, die einst durch den Schiffbruch eines römischen Transportschiffs versenkt wurden und fast zweitausend Jahre auf dem Meeresgnmde lagen, wieder an das Tageslicht zu fördern. DaS Meer ist an dieser Stelle nie ruhig, meistens sogar stürmisch erregt, und infolgedeffen sind die Arbeite» der Taucher sehr schwierig. Doch haben diese schon kostbare Schätze ans Licht gebracht Das Hauptkunsttverk, das gefördert wurde, ist anch den, Laien als solches verstäiidllch. S stellt einen Ringer dar. der in gebückter Stellniig seinen Gegner erivartet. Von dem Kunstwerk find wohl erhallen Kopf. Rumvf, rechter Arm und rechter Fuß. vom sinken Ann fast nichts, der linke Fuß bis oberhalb deS KnieS. Der erhaltene Teil des linken FußeS und der daran stoßende Teil des UuterleibS sind vom Meerwaffer ganz zerfressen, alle übrigen Teile deS Körper? aber sind so wohl erhalten und zeigen die Muskelspannung und den Gesichts- auSdrmk so vollkommen, daß man sich fragt, ivie eS möglich war, daß bei der gänzlichen Zerstönmg der linken Seile gerade sie er« halten blieben. Die Linien des Kopfes, de» gckrinnniten Rückens, deS rechten Anns und Fußes zeigt daS Mannorbildwerk in wunderbarer Schöne. Nicht minder wohl erhalten ist ein Fuß aus Marmor, nur vou den Knöcheln an. er zeigt alle Rinnen und die verschiedenen Leder- lagen der Sandale in Mannor. Von einem überlebensgroßen Marmor- centauren sah man einen Pferdefuß. Auch der Rumpf ist an Ort und Stelle ans Land geschafft, er ist ober so riesig groß, daß die Vorrichtungen des kleinen ZollwachdampferS, den man an Ort und Stelle gesandt, nicht ausreichten, um ihn an Deck zu bringen. Alle übrigen Funde bestehen in bronzenen Armen und Beinen, dazu ein marmorner Kopf, der dem bekannten ZeuSkopf ähnelt Die griechische Regierung hat bei Antikythera innmiehr ein größeres 5kriegsschiff stationiert und auf demselben einen Archäologen der griechisch- archäologischen Gesellschaft, der mit den Tauchern die Arbeit, sobald «s daS Wetter erlaubt, fortsetzt. Man hofft, auch die zu den bisher geförderten Stücken gehörenden Reste zu finden, die vielleicht im Schlamm verborgen liegen.— Technisches. — Stahlerzeugung mit Sauer st off. Ein Verfahre», Stahl zu erzenge», ivelches besonders fiir den Betrieb im kleineren Maßstäbe bestimmt ist, hat sich, wie die.Tech. Rundschau' berichtet, der Ingenieur C. Raapke in Güstrow patentieren lassen. Be- kauntlich wird beim Beffemer» und Thomasverfahren das Kohlen- stoff, Silicinm und Phosphor enthaltende Roheisen dadurch von diesen befreit, daß man einen hochgesvamiten Lifftstrom durch das in der Birne befindliche flüssige Roheisen bläst, wobei die genannten Körper verbrennen und als Kohkenoxyd in die Luft, als Kieselsäure und Phosphorsänre in die Schlacke gehen. Es sind dazu starke Gebläse erforderlich, nnd es wird nur ein Fünftel der Luft mchbar verwendet, während vier Fünftel davon als schädlicher wärme- und kraftvcrzehrender Ballast als glühend heißer Stickstoff entweichen. Professor Hempel wies schon 1899 darauf hin, daß man durch Anwendung der nach Lindes Verfahren gewonnenen flüssigen, 30 Proz. Sauerstoff enthaltenden Luft statt der gewöhnlichen nur 20 Proz. enthaltenden, wahrscheinlich große Ersparnisse erzielen könne. Raapke verfährt etwas anders, indem er mit der Gebläse- Luftleitung eine mit komprimiertem Sauerstoff gefüllte Flasche verbindet, wodurch die Möglichkeit geschaffen ist, mit Benutzung eines Ventils dem Gebkäsewerk mehr oder weniger Sauerstoff in bequemster Weise zuzuführen. Eine solche Anlage gestattet mithin, den Prozeß der Uinlvmidlnng des Eisens in Stahl sehr abzukürzen, weil man durch die regulierbare Danerstoff« Zuführung in der Lage ist, die nötige Hitze mit Leichtigkeit zu er- zeugen. Bei einer vor kurzem in Kappeln(Schlesioig-Holstein) er- bauten Stahlfatzongießerei hat Ingenieur Raapke seine Erfindung mit bestem Erfolge zur Anweiidung gebracht, denn es gelang voll« kommen, bei einem Binieneinsatz von 500 bis 600 Kilo- graimu mit der Kraftliefernng einer zehnpferdigen Lokomobile ansznkomuicn. Da der Verbrauch an Gebläseluft auf dem hier eingeschlagenen Wege ein äußerst geringer ist, so be- nötigt liinu anch nur verhältnismäßig lleiner Gebläse. Die Eni- kohlung vollzog sich durchaus sicher»nd gleichmäßig, der Gang der Hitze kounte durch die Hand des BunensührerS bequem reguliert werden. Außer diesen Vorteile» konnte man noch die Thatsache konstatieren, daß der sehr heiße Stahl vollkommen gasfrei war, sich mithin sehr leicht ohne Probenehmen direkt gieße» ließ. Es soll sich in einer vorhandenen Gießerei, wo eine geringe Bctriebskraft zur Vcrfügniia steht und cm Coupolofe« vorhanden ist. mit einem Kostenanftvande von etloa 5 bis 6000 Dt. eine Stahlfaqongießerei einrichten lassen, die Chargen vo» 5 bis 600.Kilogramm liefern kounte, deren tägliche Produktioiisfähigkeit also etwa 1500 bis 1600 Kilogramm Stahlguß betragen lvürde.•— �nlmoriitnNies. — Hilter Da ckfischen.„Wer ist den» der Sänger da oben, der so brüllt?' Freundin sseufzcnd):»Ach! da? ist meine stille Liebe!'— — ll n v e r in e i d l i ch..In der Mererschen Ehe geht e? auch recht stürmisch zn l' .Kein Wunder, die haben sich auf dem Wetterhorn kamen gelernt.'— — Stilblüte..... Die gänzliche Geräuschlosig- k e i t deS Mechanismus ist der Knalleffekt dieser nenm Erfindung.— ßMeggewd. hin». Bf) Notizen. — Das erste Heft einer neuen Monatsschrift„Der Spiel- mann' ist soeben erschienen. Die Zeilschrist, die nur Lyrik bringt. wird von Ernst W a ch l e r in Berlin herausgegeben.— — Wokzogens«Buntes Theater' wird am 1. März in Wien, wahrscheinlich im«Ea r l- Th e a te r', ein siebeuabend- lichcs Gastspiel hegiuneu.— —„Jean Meskier', ein lleueS Drama von Arthur F i t g e r, gelangt demnächst am Bremer Stadtthcater zur Erstausführung.— — Die Leipziger Finkenschaft Ivill im Juni dieses Jahrs ebenfalls die„Örtstie" des Aeschylos in der Bearbeitung von Oberländer aufführen lassen.— — Schlaikjers Willrich La rufen' wurde bei der Auf- führnng im Münchener Schauspiekhaufe freundlich auf- genommen.— — StrindbergS Drama«F okkn n g e r s a ge' erzielte bei der Erstaufführung im Schwedischen Theater in Stockholm keinen günstigen Erfolg.— — Im Neuen Operntheater(Kroll) beginnt die Soinmerfaison am 1. April mit der Aufsührung von L e c»q S komischer Oper „Mamsell Angot'. Später geht Messagers„Brigitte' in Scene.— Am 28. Februar wird I. Brandls Operette„Des Löwen Erwachen" zum erstenmal gegeben.— — PaderewstiS Oper. M a u r u' wird im Dresdener Hoftheater am 20. Mai aufgeführt werden.— — Die diesjährige Ausstellung der Berliner Secessiou, die, wie die vorjährige, auch international mit be» sonderer Betonmig der deutschen und der Berliner Kniist werden wird, ivird im AnSstellungshause. Kantstraße 12, Anfang Mai eröffnet werden. Ansstellimgspapiere nnd nähere Anstüiiste sind im Bureau der Berliner Secession, Metoriastr. 35, zu erhalten. Das Plakat für die diesjährige Ausstellung zeichnete Thomas Theodor Heine- München.— — Der„Verein für wissenschaftliche Pädagogik' hält Pfingsten in Hildburghauseu seine Hauptversammlung ab.— Berantwortlicher Redacleur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.