Hlnterhaltungsblatt des Horwärts N?. 23 Freitag, den 1. Februar 1901 . lNacbvruck Dtrbotciu) Der Vnstl vom Hollevbviiu. 23� Roman Von R. Von Seydlitz. t Gleich in den ersten Tagen hatte Kastl eine gnte Idee: er erinnerte sich jenes Professors, der Vor Jahren in Harlaching beim Fest die schöne Rede gehalten hatte. Der Mann mußte doch selbst tiefe Ltenntnisse haben, oder andre Leute wissen, die helfen konnten. Und am Sonntag ging er zu dem Herrn hin. In der Wohnung traf er ihn nicht, sondern man wies ihn ins Poly- technikum, wo er endlich nach Vielem Fragen sich Vor einer Thür fand, die des Professors.Pamen trug. Er öffnete und sah den Herrn unter tausend Glasflaschen und Apparaten stehen, eine Schürze Vorgebunden wie ein Metzger und die Brille hoch auf die Stirn geschoben. Mit einigem Zagen begrüßte Kastl den Herrn und brachte sein Anliegen vor. Er sagte gleich, daß er auf eigene Hand käme und Ebclcin nichts davon wifle. Der Professor war zuerst etwas unwirsch ob der Störung und lehnte alle Beihilfe ab; er sei nicht dazu da, auf den Wink eines beliebigen Bräuburschen heimlich Würzen und Biere und Zeug zu untersuchen. Das fehlte wohl noch I Kastl war sehr betreten und entschuldigte sich; er habe gedacht, der Herr Professor„machte so etwas". „Ich machte so etwas," wiederholte der Herr, diesmal etwas freundlicher, denn die Einfalt amüsierte ihn.„Ich will Ihnen was sagen: wenn es Ihnen ernst um die Sache ist, verschaffen Sie mir vom Herrn Ebelein eine schriftliche Auf- forderung, dann komme ich zu Ihnen und sehe zum Rechten. — Wie geht's dem Ebelein? Ich höre, er ist krank?" „Ja, freili. Deswegen Hab i mer denkt, i wollt'n net erfcht plag'n, und bin glei z' Eahna komma." „Wie sind Sie denn auf mich gekommen?" — Kastl berichtete verlegen, wie's ihm die schöne Rede damals so angethan hätte.... Professor Kießling verwunderte sich; denn er hatte an jenem Tage unvorbereitet eine kleine Sammlung von Kathederphrasen von sich gegeben; das erinnerte er sich noch recht gut; nur um als Eingeladener dem Jubilar eine Aufmerksamkeit zu erweisen. Und schwerlich hatte er damals gedacht, daß ein Schenkkellner, der an der Thür lauschte, dereinst auf ihn infolge seines rhetorischen Geschwätzes seine ganze Hoffnung bauen würde. Aber auch Professoren haben eine Stelle, wo sie zuweilen sterblich sind; und der rührende Glaube des Burschen that ihm wohl. Er ließ sich darum nun mit ihm in eingehendes Gespräch ein, hörte aufmerksam zu, freute sich der Intelligenz des Burschen, mit dem eS sich schnell reden und verstehen ließ, und machte einigemale Zeichen mit dem Kopf, als ahnte er, wo die Krankheit saß. Die Folge war, daß Kastl direkt zu Ebelein ging, um die gewünschte Aufforderung an den Professor zu erbitten. Ebelein schrieb sie selbst, und befahl ausdrücklich, niemand in der Brauerei etwas davon zusagen; und Kastl ging gehobenen Muts nach Hause. Unterm Arm hatte er drei Bücher, die der Professor ihm gegeben; es waren Lehrbücher der Brankuust, wie sie, besonders in Oestreich, in letzter Zeit viel erschienen sind. Das war nun ein so mächtig neues Ferment in der Seele Kastls, daß er mit Gier anfing, zu lesen. Das Ent- ziffern von Dmckschrift war eigentlich seit der Schule bei- nahe eine vergessene Kunst für ihn, aber im hohen Eifer, die gedruckte Weisheit kennen zu lernen, ging's bald schneller und schneller. Der Professor hatte erst geglaubt, der Kastl käme von einer Brauschule. Erst nachdem er dies verneint, hatte der Herr ersichtlich mehr Vertrauen zu ihm gefaßt;„lesen Sie immerhin die Bücher; da Sie praktisch gebildet sind, werden Sie bald erkennen, was daran Wert für Sie hat.— Aber lassen Sie sich nie einkommcn, in eine Schncllbleiche zu gehen. Probieren geht über studieren. Ich Hab' einen Direktor von einer Brauschule gekannt, der predigte ernsthaft in den Lehr- stunden, alle Zusätze seien schädlich und teuer; danach, in den Ferien, lief er selber am Land herum und lehrte die Bauern's Panschen.— Es ist im besten Fall eitel Wort- kram, was einer da aufliest, und das meiste davon muß er wieder vergessen, damit Platz im Schädel wird für praktische Erfahrung.— So, das wollt' ich Ihnen zu ihrem Besten sagen; nun können Sie die Bücher getrost lesen, obwohl der eine Verfasser seine eigne Brauschule darin himmelhoch an- preist. Ich weiß aber, was für Früchteln er zeitigt; lauter wohlredende feine Herren, zu verwöhnt zum Bräuburschen und zu ungebildet zum Wissenschaftler.— So, und jetzt b'hüt Gott,— ich muß hier arbeiten." Während Kastl wieder auf der Straße war, fiel ihm auf die letzten Worte des Professors der elegante Haas wieder ein, besonders der erste Morgen, an dem Haas im Hollerbräu war. Damals hatte er noch herzlich lachen können über den Kerl. Längst waren alle aufgestanden und hatten die Früh- suppe im Magen, da fragte der Bräumeister:—„Ja. wo is denn der Frische?"—„Der schlaft I"—„So I" Und der Bräumeister war darauf selbst hinaufgestiegen in die Kammer» ihn zu wecken. Eine halbe Stunde darauf war immer noch kein Haas sichtbar; wieder stieg der Bräu meister bedächtig die Stiege hinan, nach dem Be- finden des Herrn zu fragen; diesmal aber schneuzte er sich dabei heftig, und diese Trompetentöne bedeuteten einen heran- ziehenden Sturm mit Donnerwetter, das wußten die andren. Wer gerade in der Nähe war, schlich dem Gestrengen nach, die Jüngsten besonders. Und oben war's dann ein schönes Bild gewesen. Haas saß auf dem Nebenbett neben seinem, hatte sich einen Spiegel gegen die Wand gelehnt und ordnete seine Locken. Sein Koffer war offen und in diesem und auf dem Bett war eine wahre Ausstellung zu sehen. Büchsen, Flaschen, Kämme, Krawatten mit Nadeln drin, das Corpsband, der Stürmer, Bücher, Lack« schuh und farbige und weiße Handschuh— dazwischen Photographien, die aber keine Herren der Ärauerwelt darstellten, sondern Kellnerinnen und Ladenmädchen; kurz, es war für die lachlustige Jugend, die sich um die Thüre drängte, ein Anblick ohnegleichen. Das Gespräch war sehr kurz gewesen und fünf Minuten darauf stand Haas unten und wusch Fäffer; in Lackschuhen und mit großen vergoldeten Manschettenknöpfen am Handgelenk. Faß waschen I Ha, wie hatte der Anblick den Kastl da- mals zum Lachen gebracht; Haas hatte es ihm sogar übel genommen;„lacht nur zu, Ihr Hecht'," hatte er gerufen, „mer wolle sehe, wer vo' uns z'letscht lacht; ich bin längscht ä Bräuereibcsitzer, wann Ihr no Pfanne putze thut." Das erinnerte sich jetzt der Kastl. Und auf einmal fiel's ihm auf, daß es jetzt beinahe so gekommen war. Der Haas war ein wohlhabender unabhängiger Mann, und er, der Kastl, arbeitete noch im Dienst, ohne besondere Aussicht, es viel weiter zu bringen. Und dann kam noch ein grimmweckender Gedanke dazu, der an Agathe... Warum doch die Lumpen Glück haben und ehrliche Leute das Nachsehen!-- Ein paar Tage später kam Professor Kießling mit zwei jungen Herren und besichtigte die Brauerei, wie ein Arzt den Patienten. Er nahm Proben von der Würze, vom Zeug und von verschiedenen Stadien der Gärung in Fläschchen mit, that sehr fremd gegen alle, auch Kcfftl, und sprach nur mit offizieller Höflichkeit gegen den Bräumeister. Dann ging alles wieder einige Tage scheinbar ganz ruhig seinen Gang, nur Lutz und der Toni hatten sichtbare Unruhe in den Gliederir, verdeckt durch Trotz und Grobheit. Ringel- mann aber war außer sich; er ahnte von Kastls Schuld an dem Professorenbesuch nichts, vergeblich riet er hin und her, ob wohl der Alte selber auf so eine fatale Idee gelonimen sein konnte. Aber der alte Herr dachte an alles andre eher, als an Professoren der ZyinotechniL Er hatte furchtbar aufregende Tage in seinem Hause durchgemacht. Recht genau wußte niemand in der Stadt, was passiert war, und wie es zusammenhing. Eines Abends, so viel stand fest, Ivar der Premierlieutenant Keßler mit dem Neffen Ebclenrs, dem Karl, beim Onkel zusammengetroffen; Karl hatte seinen Verwandten etwas Wagnerisches auf dem Klavier vorgetragen und der Lieutenant hatte derweilen in eitler Ecke des Salons mit Vivi sich halblaut unterhalten. Als der Lieutenant dann fortgegangen war, hatte ihm Karl drarchen am Gittcrthor etwas deutlich feine Meinung gesagt; am nächsten Tage hatte es einige steiffcierliche Besuche gegeben und am übernächsten Morgen hatten sie den Ver- Leidiger der Ehre des Hauses schwer verwundet heimgebracht; der Lieutenant aber, ebenfalls, aber leichter verletzt, war seit- dem unsichtbar geworden, Alle im Hause Ebelein waren in tiefer Erschütterung. Der Vater dachte in schwerer Bekümmernis an den braven Jungen, den Karl, der vielleicht oben in seinem Zimmer jetzt schon mit dem Tode rang. Die Mutter enipfand über alles den Skandal, und die Tochter weinte um den nun un- wiederbringlich verlorenen Offizier. Aber dabei neigte sich die Mutter sowohl als vor allem die Tochter dem ritterlichen Karl zu. Vivi besonders hatte zum crstenmalc Gelegenheit, die edelste Seite der weiblichen Nawr zu offenbaren. Sie pflegte aufopferungsvoll den, der für sie in den Zweikampf gegangen war, und in dieser Aufopferung brach auch eine edle, dankbewußte Neigung durch. Der Leidende merkte das Wohl und das grausame Weh seines Schmerzeuslagers, die ernste Gefahr, alles Düstere wurde ihm durch einen freund- lichen Sonnenstrahl verklärt. Als er dann nach zehn bangen Tagen scheinbarer Besserung schnell und unerwartet gestorben war, hatte Vivi im ganzen Hause wohl das bitterste Weh zu tragen; ihn hatte sie auf- richtig lieben gelernt, ihni hätte sie ihr Leben gern geweiht. In diesen zehn Tagen war ihr eine selige Hoffnung auf- gegangen, eiual glücklich zu sein, glücklich von innen heraus; das war ein kurzer Traum gewesen, und nun war alles leer um sie. Die Mutter sah freilich mit dem Sarge Karls auch alle ihre Pläne in den Boden sinken, denn der Neffe hatte ja den andern auch vertrieben. Aber allzu tief ging's ihr nicht, und sie gab Hoffnung, von allen Beteiligten zuerst ihre innere Ruhe wieder zu finden. Der Vater, ohnedies leidend, war völlig niedergeschlagen; ihm war Karl wie ein plötzlich geschenkter Sohn gewesen, seitdem er zurückgekehrt. Und nun mußte der tüchtige, junge, kräftige Mann sterben I Er rang Tag und Stacht die Hände, auf seinem Martersmhl liegend, und ivollte ganz verzweifeln. Ringelmann hatte versucht, ihn zn sprechen wegen jenes Besuchs des Professors Kießling, aber vergebens. lffortsetzung folgt.) Klus deL mnMnlischvn Lvoche. Noch immer stecke» ivir tief iin Winter. Daß der Januar vor- über ist, thut nichts..Februar hat seine Mucken, Bant nnS Eis oft feste Brncken.� Und dann dauert es noch Monate, che es grün wird, und dann noch Woche», che nach den Rückfällen des Mai Ivirklicki auf schöne Zeit zn rechnen ist. Ebe nirbt die Krähen vom Schncefeld gehen, glaubt der Bauer an kein Frühjahr, und ehe nicht der.Bock" abgetrunken ist, glaubt der Miinchencr an keinen Sommer. lind„kräht im April der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt luic es ist". 'Nicht anders gehtS mit dem Wandel der innsikalischcii Jahreszeiten. Auch hier werden uns ini Februar noch ordentliche Eis- brücken gebaut ivcrde». Auch hier wird»ns das Tauwetter des März noch tiefe Moräste und der Mai noch hageldicke Rückfälle bringen. Ehe nicht das Orchester der Berliner Btirgerjchaft, das philharmonische, seine Instrumente zur Reise gepackt hat, und ehe nicht die lchtcn österlichen und pfiiigstlichc» Oratorien abgesungen sind, glaubt der Kouzert-Freibergcr au keine Erholung vom Zwang der Freibilleis. Und hat Frau iiifli Lehmann ihr angeblich letztes Konzert gegeben, so ändert sich das Konzcrtlebcn, oder es bleibt wie es ist. Der Beobachter des Musiklebens, dem cS nicht a»f die Chronik der einzelnen Vorgänge, sondern darauf aukommt. auS ihnen typische Kennzeichnungen unsrer tonkünstlerischen Gesamtverhältnisse zu gewinnen, steht minier vor der Gefahr, sich in diesen»vinterlichen Schneemasscn»nd Schneestürinen zu verirren und zu verlieren. Schon weil man vor den Konzerten, die man zum Besuch auS- gclvählt hat, noch nicht recht lveiß, ob sie auch wirklich durch ihre Charakteristik und eventuell durch ihre Tüchtigkeit die Wahl recht- fertigen iverden. Zudem sind die besten Konzerte nicht inmicr die typischesten. So war es am letzten Montag niit dem groben Chor- uud Orchester-Konzert von Dresdener Künstlern. Die Dresdener Mufikerkreise haben immer etlvas in Bereitschaft, das uns fehlt. Sie besitze» nicht nur sehr beachtensiverte Konservatorienei»chors hervor; sonst gab's»nanches Bedauerliche; der Chor zeigte im ganzen ein tüchttges Studium. Das alljährlich iviederkchrende Sängerpaar Anna und Eugen H i I d a ch vertritt in längst anerkannter Weise die Welt einer guten Gesangs- Unterhaltung. Einige Duette von Georg Henschel, einen» in England ivirkendcn Sänger und Koniponisten, gehören zu den»,»vas man je nach Geschmack euttvcder„nicht übel" oder aber „fad" nennt. Anders die Sopranlicder eines Berliner Moderne»», Hans Hermann: sie bringen einen lebhaften Ausdruck nach Wagners Weise, als»väre» sie ans Pfitzners„Armem Heinrich" herausgeschnitten, halten sich vorlviegend an ein Heraus- arbeiten des Einzelnen und ergehen sich im übrigen in den nun typisch»vcrdenden üppigen Begleitungs-Fignre»». Einige Lieder von Eugen Hildach selber zeigten sich von diesen Eigcnlünrlichkeitcn»veit entfernt; sie enthalten in ihrer Bescheidenheit ctivas Warwes, selbst Inniges. Der Sänger verfügt über eine volle sympathische Sliunnc, mit einigen Mängeln in der Konsonanten- bildnng und mit einen» ansprechenden, doch nicht sehr tiefgehende»! Ans- druck; die Sängerin ivar wahrschcil»lich durch ein Faniilienleid, das bereits eine Verschiebung des Konzerts verursacht hatte, an einer vollen Entfaltung ihres Könnens gehindert. Doch erkannte»nan bei lebhaft ausgreifenden Liedern eine gute Slimine und Schulung: jedenfalls möchten»vir raten, noch für eine gesättigtere Färbung »nanchcr Vokale und für eine festere Tonhaltuug namentlich an Anfangsstellen zu sorgen.— Klagen über typische Knnstgesangsmängel brachte auch mein Ver- tretcr Hein», der das Konzert von Miirie Kornatis und H e r- in a n n L a f o n t hörte Die erstgenannte Sängerin, meines Er- innen»« eine fleißige Kirchensängcrin und als solche den Gefahren dieser Sangcsgaltnng ausgesetzt, besitzt,»vie ich höre, eine kräftige Stinnuc, doch mit nnschöncr Klangfarbe und unvollkoinmener Aus- bildung; sie verfügt über kein eigentliches kbrds; der Ansatz der Kopftölie, besonders im Piano, klingt sehr heiser— ein Zeichen, daß diese eben nicht richtig gebildet sind; auch die Aussprache läßt viel zn lvünschcn übrig. Der Vortrag hingegen ist ganz temperament- voll, allein für den Konzertsaol viel zu dramatisch. Der an ziveitcr Stelle genannte Klavierspieler besitzt eine sehr gute Technik und einen schönen Ton. doch in» Vortrag nichts besonders Hinreißendes. Einen iin allgemeinen ungetrübten Genuß bot der erste von drei populären Qunrtetiabendcn der Herren Halir und Genossen. Sie spielten». a. das„Harsengnarlclt" von Beethoven, das»nittlere der drei in Es-ckur geschriebenen, mit bcivnndcrnngSlvürdigcr Feinheit und Bclvegtheit»nid— ivic z. B. in der zweiten Variation des vierten Satzes die Bratsche betvieS— ohne„falsche Bescheidenheit". Alles Milde, Zarte, vielleicht mit einem Zuviel an Pianohauch, ge- liiigt wunderbar; das Große, Scharfe freilich nicht so. Im vierten Satz könnte der Schluß der ersten Periode des Themas, im dritten das Hauptthenia»nid der SchUiß des Trios»och energischer, konzentrierter genonmien»verde». Schließlich ist es iiidwidnell, ob»na» sich mehr eines zarten Dufts erfreut oder sich mehr nach einer noch größeren Leidenschaft und Tixse sehnt. In dem Maße, als die neuere deutsche Musik namentlich seit Philipp Emanuel Bach, den» einen Sohn Johann Sebastian Bachs, zu den heute üblichen freiere» Musikfornien iveitergescknitten ist, behauptet der früher dominierende„strenge Stil" zunächst mehr nur«ine historische Stellung. Sein Wesen liegt darin, daß in ihn» der Komponist sich der Hauptsache nach an eine bestiii»»ite Anzahl von Stimmen bindet und diese ganz.selbständig, nicht als Begleitung oder Füllung behandelt; seine lvohl systematischte Form ist die Fuge, die„Flucht" der mehreren nacheinander einsetzenden und nach bestiminten Gestaltungen geführten Stimmen. In der That ist freilich der strenge Stil keinesivegs bloß historisch geblieben; er wurde ledendig lveitergepslegt, doch nicht eben eng mi den jeweiligen Zeitgeist anschließend. Eme Geschichte dieser weiteren Pflege— ich nenne aufs Geratewohl mir Mendelssohn und Rheinberger— wäre noch zu schreiben. Einen Versuch, ihn mit modernen Ansdrncks- mittein neu zu beleben, wird sie an Paul E r t e I§ Präludium und Doppelfuge für Orchester und Orgel finden, die letzten Dienstag die Philharmoniker zum überhaupt erstenmal aufgeführt habe». Das Präludium beginnt mit einer wirbelnden Orchestererregnng und führt durch ein langsam feierliches Mittelstück (mit gedämpfter Baßtnba) und durch ein weiteres lebhaftes Thema hindurch. Es ist auf diese Weise thematisch reichhaltig, obschon die Motive selbst nicht so eigenartig sind wie ihre Behandlung. Prägnanter treten die zwei Thenieii der Fuge hervor, das erste rhythmisch verzwickt, das zweite dazu kontrastierend durch eine» ganz einfach gewichtigen Rhythmus. Wie dann die beiden zusammen- gebracht und später mit Figurationen ausgestaltet werden, die in allen Reichtum moderner Jnstnimenticriing getaucht sind und in einer Regierung zur„Engführnng" weiterleiten, das ist durchaus interessant anzuhören, und der Eindruck des Gesamten ist jedenfalls gewaltig, wen» auch mehr das Gefühl der Be- wunderung einer meisterlichen Konstruktion als das einer erwärmenden Innigkeit und weltvergessenen Hoheit erzeugt wird, die ja auch in solchen strengsten Formen ganz wohl möglich ist. Auch hier wird doch immer die erste Frage die nach der Bedcntendhcit der Motive sein, und dafür wird unser Komponist noch auf eine weite Bahn der Fortcntwickelnng angewiesen sein. Der ehrenvolle Beifall war freilich nicht so, wie ihn leichtere Ware zu finden pflegt. Kehren wir das historische Problem um, indem wir»ach leich- tcrcn Formen in der Vergangenheit des„strengen StilL" suche», so haben wir die C o np eri n und andre, mit denen E d o u a r d R i s l e r den ersten seiner fünf historischen Klavierabende eröffnete. Mehr davon thäte unsrcn Konzerte» not, und dem Jutereffe unsres Publikums thäte not ein weniger an Neugierde, wie der und der auf dem Klavier spielt, Ivie viele Seelen jeder in seiner Brust hat, usw. Bei Rislcr genügt uns die eine, die er hat.— sz. Kleittvs FenMekon» — Von Verdi. Verdi, der Klcinbanenisohn, hatte im Anfange seiner Laufbahn schwer zn kämpfen, und es ging ihm finanziell nicht allzugut. Es war im Jahre 1839. Der sechSnudzivanzigjährige Maestro speiste täglich in der Volkskncipc„Gelbe Rose" in der Via San Raffacle z» Mailand. Zwischen fünf und sechs kam er, meist nachdcnflich nnd betrübt, und verzehrte sein bescheiden Mahl. Eines Tages war er trauriger den je, stützte den Kopf nnf seine Hände, die Ellbogen nnf den Tisch nnd überließ sich trübem Sinnen. Endlich faßte er einen Entschluß, sprang auf und ging zum Wirt Lue(Gevatter) Pcdrin nnd bat ihn, ihin für einige Tage Kredit zn gewähren. Der Augenblick war ungünstig gewählt, da Lur Pedrin gerade einen Streit mit einem Zechpreller gehabt hatte, nnd so wicS er den demütigen jungen Mann brüsk ab. Verdi schtvicg nnd verschwand. Nach einiger Zeit las Lur Pedrin den Namen des jungen Künstlers auf den Theaterzetteln als Verfasser einer Oper. Ta er sich auf Theater- dinge verstand, dämmerte es in seinem Philistcrschädel allmählich ans, was er verscherzt habe, während er doch durch kleine Groß- mnt die Antvartschaft anf Frcibillets hätte erkaufen und seiner Osteria zu neuem Glanz hätte verhelfe» könne». Er suchte sich dem Meister zu nähern, tvnrde aber abgewiesen. Als der Ruf Verdis stieg, wurde der Wirt grüblerisch und schiveruiütig, ja er soll sogar, wie einige Künstler behaupte», am„gebrochenen Herzen" ge- storbcn sein. Wie schnell Verdi arbeitete, darüber berichtet ein andrer wie folgt: In der Karneval-Stagionc von 18S3 sollte Verdi zwei Opern liefer», die eine für das Apollo-Theater in Rom, die andre für die „Fenice" in Venedig. Die Libretti ließen auf sich warten, und so konnte er erst am 1. November 1852 den„Trovatorc" beginnen, der aber am 29. November schon fertig war. Die Komposition der zweiten Oper verzögert sich. Zu Weihnachten ist Verdi in Genua, um»ach Rom zu reisen. Er muß warten, denn die Dampfer gehen erst nach de» Festen ab. Drei Tage ver- loreu! Am dritten Tage der unwillkommeiien Wartezeit liegt der erste Akt der„Traviata" schon fertig da. Dann ging Verdi nach Rom, bereitete bis zum 19. Januar die Anssührnng des„Trovatore" vor. kehrte nach S. Agata zurück und vollendete in 13 Tagen den Rest der„Traviata". Am 15. März 1853 ging diese Oper über die Bretter der„Fenice" und siel durch, durch, die Schuld der Sänger, >vie Verdi selbst dem Bariton Baresi sagte, als dieser sein„Beileid" ausdrückte:„Beilcidet Euch selbst. Euch und Eure Kollegen; denn Ihr habt meine Musik nicht verstanden."... — Eine Maori- Tage. Am Anfang der Schöpfung lagen Himmel, Rangi, nnd Erde, Papa, dicht bei einander. Leben existierte inohl und die Söhne aus der Ehe des Himmels und der Erde ver- schtvoren sich, dieser etvigcn Dunkelheit ein Ende zn machen und sich durch gelvaltniäßigcs Auseinandertreiben ihrer Eltern Licht und Nmiin zu verschaffen. Sie schnitte» große Stämme ab und ver- suchten damit, den Himmel nack oben zu schieben; doch trotz der Anstrengungen der unnatürlichen Söhne schlössen sich die Eltern in inniger Liebe zusammen; erst als Tanö, der Banmgott, sich anf Kopf und' Hände stellte und mit. seinen Füßen gegen den Himmel preßte, gab Rangi nach. Bis auf den heutigen Tag blieben die Bäume, die Kinder Tanss in derselben Stellung. So war also die Trennung zwischen Rangi und Papa beiverkstelligt, Himniel und Erde waren für ewig geschieden. Doch die Thränen des Himmels träufeln imnier noch als Thautropfen herab auf das Antlitz der Gattin nnd von ihrem Busen steigen allabendlich Sehn» suchtsgefühlc als Nebel empor. Ter sechste Sohn, der von der Ver» schwörnng fern geblieben ivar und seinen Vater begleitet hatte, ver- sprach, furchtbare Rache an seinen Brüdern zii nehmen. Es war Tawhiri-Matca, der Gott der Winde und Stürme. Er eilt- sandte nNcszerstörende Orkane zur Erde gegen die bösen Frevler. Der Scegott flüchtete sicki in das Meer, Ivo seine Kinder bis nnf de» heutigen Tag als Fische leben; die ztvei Götter der Pflanzen- früchte verbargen sich in der Erde, ivelche als barmherzige Mutter ihre Kinder schützte. Nur Tu, der Gott der Menschen, trotzte dem Anstürmen seines feindlichen Bruders, darum geschieht es auch, daß bis in nnsre Zeit Wind und Wetter dem Menschen Fallen stellen, ihre Schiffe zertrümmern, Häuser und andre Werke beschädigen. Nicht aber allein, daß der Mensch standhaft gegen den Windgott an» kämpft, zur Strafe für das treulose Verlassen von Tn, macht er auch Jagd anf die Fische nnd verzehrt Pflanzen nnd andre Beute als tägliche Nahrung.(Ans:„Aus meiner Wanderzeit" von Curt C r a e in e r. Berlin. Dietrich Reimer.)— Kulturgeschichtliches. — Zur Geschichte einiger Weizen rassen liefert Georg F. L. Sarauw im 23. Bande der Kopenhagener „Botanisk Tidsskrift" einen Beitrag. Der Binkelweizen, welcher in botanischen Kreise» erst bekannt geworden ist, nachdem ihn Host 1809 als Driticnm cornpacturn ans Steiermark beschrieben hatte, war schon von Linn» in Upsala beobachtet und 1748 im Anhang zum „Hortns Npsalicnsis" als Triticurn typhinurn beschrieben. Schwedisch heißt er knbbhvete. Später hat Linns die Rasse mit dem englischen Weizen zusammengeworfen und beide zusammen Driticum lurgidurn genannt. Im Anfang des 19. Jahrhunderts Ivar der Binkel- Weizen in Upland, Westmanland und andren Gegenden Schivedens die häufigste Wcizenrasse. Man unterschied die granncn- tragende Form unter dem Namen borrhvete� von den grannenlosen Formen, welche man im engeren Sinne knbbhvete nannte. Beide Formen werden dort als Winterkorn gebaut, während der identische Binkelweizen in der Regel als Sommerkorn gezogen wird. Auch in Norwegen baut man Binkelweizen, und zlvar hauptsächlich in den nördlicheren Gegenden, z. B. Hedemarken. In Dänemark dagegen ist diese Linste gegenwärtig unbekannt, aber in vorgeschichtlicher Zeit auch dort gebaut gewesen. Der Binkelweizen ist nämlich die älteste Weizenrasse Mittel- nnd Nordeuropas. Zn ihm gehören nicht nur diejenige» Fnndc ans stein- und bronzezcitlichen Pfahlbauten Norditaliens, der Schweiz nnd Deutschlands, welche Heer schon als Driticrnn cornpacturn bestimmt hatte, sondern auch, wie Körnicke nachweist, die von Heer als Drit. tuigidum und Trit. vulgare antiquorurn bestimmten Reste. Ebenso gehört zum Binkelweizen das in einem Depotfunde der jüngsten Bronzezeit auf Lolland gefundene, von Rostrup 1893 als Drib. vulgare antiquorurn bestimmte Kor». Der englische Weizen, Ivelcher von Linns nnd Heer mit dem Binkelweizen verwechselt wurde, ist eine verhältnismäßig jüngere Kultnrrasse. welche von den Nordküsten des WÜttelmeers ausgegangen zu sein scheint. Plinins keimt schon den zu dieser Rasse gehörigen Wnuderlvcizen. In Deutschland hieß der englische Weizen früher Welscher Weizen(Hieronymus Bock, 1539), in den Niederlanden Nö- misckicr Weizen(Dodonacns, 1569), Tabernaemontanus nannte ihn Triücum typhiuum, jetzt wird er von den Botanikern Triticum turgidum genannt.—(„Globus.") Völkerkunde. — Ueber die Lage der Inden i n d e n m o h a m m e» da nischen Ländern sprach Dr. Eugen Mittwoch im» längst im Hamburger„Verein für jüdische Geschichte und Litteratnr". Der„Hamb. Korresp." berichtet über den Vortrag: In den mohammedanischen Ländern bilden nicht die alteingesessenen Juden den überwiegenden Teil, sondern die sephardischcn spanischen Inden, die mit Stolz auf ihre Vergangenheit zurückblicken nnd ihre spanische Heimat noch heute nicht vergessen haben. Sie sprechen und schreibe» spagniolisch, drucken in dieser Sprache ihre Zeitungen nnd bediene» sich ihrer auch in der Liturgie. Wie die Sephardim, so haben auch die nschkcnasischen Juden sich noch das Andenken au ihre Heimat bewahrt; sie stammen hauptsächlich aus Böhme» nnd Rußland und sprechen zwar deutsch, aber nur in dem bekannten Jargon; sie stehen im übrigen anf derselben Bildungsstufe wie die polnischen Inden. Die spanische» Jnden unterscheiden sich in ihrer Lebensweise mir wenig von den Arabern; in ihrer Majorität halten sie noch streng an den religiösen Gebräuchen fest; ihr geist- liches Oberhaupt ist der„Chacham Baschi", der denselben Rang wie der koptische nnd annenische Patriarch in Kairo einnimmt. Vor ihm her schreitet, wie vor einem Konsul, ein„Kawaß" mit silber- beschlagenem Hcroldsstab. Das Schulwesen wird von einem„Chacham" geleitet, in Bezug auf Lehrplan, Methode und namentlich betreffs der hygienischen Einrichtungen lassen die Schulen fast alle? zu wünschen übrig. Eine Ausnahme bilden nur die von der Alliance israeiite universelle geleiteten Schulen, wo die Kinder außer der Landessprache noch Hebräisch, Englisch und Französisch lernen, bedauerlich ist jedoch die Bevorzugung der französischen Sprache, es niiibte mehr Wert auf die Erlernung der Landessprache gelegt»verde». Besonders gut ivirken die namentlich in letzter Zeit von der Allianee eingerichteten Mädchenschulen, durch diese Schulen ist nanientlich in Maroceo die sociale Lage der Frau gebessert tvorden, auch i Verden die Mädchen nicht mehr wie früher im Alter von 10 bis 12 Jahren, sondern erst»>it 1ö bis 1k Jahren ver- heiratet. Das Schulwesen im ganzen Orient bedarf jedoch noch dringend der Verbesserung. Der Vortragende ging dann näher auf das Leben und die Lehren der Karäer ein, die nur das schriftliche Gesetz anerkennen. Im Orient giebt es noch heute drei karäische Gemeinden, unter denen die von Kairo mit etiva tausend Seelen die bedeutendste ist; zwei kleinere Gemeinden befinde» sich noch in Konstantinopel und Jernsalem. Die Synagoge in Kairo ist sehr einfach gehalten, birgt jedoch noch das älteste Bibelmannskript der Welt. Was die politische und wirtschaftliche Lage der Jude» im Orient anbelangt, so ist ihre äußere Lage in der Türkei und Aegypten sehr günstig. Die Mehrzahl der' dort wohnenden Inden sind Kauflente und Handwerker, der Mittelstand ist nur schtvach vertreten, einigen sehr reiche» Familien steht die Mehrzahl jener gegenüber, die nur kümmerlich ihr Leben friste». Schliimner ist die Lage in Palästina trotz der vielen Almosen, die jährlich dorthin wander». Die palästinische» Kolonien beginnen jetzt segensreich zu wirken. Noch trauriger ist die Lage der Juden in Mnroeeo und Persien; trotzdem sie fleißig und arbeitsam sind, bilden sie namentlich in Mnroeeo die Prügelinaben der fanati- schen Bevölkerung. Am Euphrat und Tigris giebt es noch einige ganz alte jüdische Geweinden, die selbst von dem Einfluß der Groß- städte des Orients»»berührt geblieben sind. Eine solche ist Bartemira in der Nähe von Mosnl, dem biblischen Stinive. Die dort befindlichen WO Hänser sind ausschließlich von Juden belvohnt. Der tägliche Verdienst für eine Familie beträgt etwa bv Pf. nach unsrein Geld, was auch genügend ist, denn die Lebensmittel- Verhältnisse sind dort äußerst einfache; so z. B. kostet der Ausbau eines Hauses 40 M., ein Pfund Fleisch 7 Pf., ein Pfund Brot 4 Pf. uslv. Meteorologisches. i«. Eine neue Verwendung für Flugdrachen empfiehlt Dr. Kaßner im letzten Heft der„Jllustr. aeron. Mittlg.". Jeder, der sich einige Zeit in einem Gebirgsthal oder am Rande eine? Gebirgs aufgehalten hat, wird einen ziemlich regelmäßigen Wechsel der Lnfiströmungeii bemerkt haben. Wenn sich die Luft beim Anbruch der Nacht an dem Berghange abkühlt, so sinkt sie abivärts ins Thal; umgekehrt entsteht eine aufwärts gerichtete Luftströmung bei der allmählichen Ertvännnna der Luft während des Tags. Dadurch kommen die als Berg- und Thaltvind bekannten Erscheinungen zn stände. ES wäre mm von Bedeutung, deren Eigenschaften näher kenne» zu lernen und besonders die Äenderrmg der Windrichtung. Windstärke, Temperatur und Feuchtigkeit zu studieren. Zu- nächst aber wäre eS wichtig festzustellen, bis in welche Höhe der Lusiwechsel stattfindet. Äaßner schlägt vor, zu diesen» Zweck Flngdracheii oder Drachenballons zu benntzeu. ES würde wahrscheinlich schon genügen, einen Papierballon von Ve bis 1 Meter Durchmesser an einem starke» Faden aufzulassen. An den Faden müßten kleine Papier- oder Stofsfähnchen in be- stimmtem Abstände von etwa 10 Meter angebracht sein, deren Stellung mit einem Fernglase zu beobachten iväre und die Windrichtung in den verschiedenen Höhen anzeigen würde. Auf diese einfache Art ließen sich bereils wichtige Erfahrnngen sammeln. Z» einer genaueren Beobachtung würde die Benntznng von selbst auf- zeichnenden meteorologischen Jnstrnmenlen notig sein. Am besten eignen sich zu den Berlnchen möglichst einfach gestaltete d. h. gerad- linig verlaufende und gleichmäßig ansteigende Thäler, wie sie z. B am Nordraude des Harzes zu finden find. In größerem Maße findet jener Luftwechsel iu höheren Gebirgen statt und ist als Föhn in de» Alpen nud als Bora in Dalmatien oft beschrieben wordeir. Uebrigens hat der amerikanische Meteorologe Abbe die auf demselben Gesetz beruhende Erscheinung deS Wechsels zwischen Rand- und Seewind mit Flugdrachen erforscht.— Humoristisches. — In einer Bank.(Ein fremder Herr tritt ein.)„Mein stame ist Meier." „Sie wünschen?� „Aber ich bin ja hier A u f s i ch t S r a t „Ja was wünschen Sie denn eigentlich? Ihre Tantieme ist doch trst in zwei Monaten fällig I"— — B ü h u e n« R e a l i S m u S.„Herr Direktor, ich kann heute die Sterbeseene nicht übernehmen, ich fühle mich unwohl I' „Aber das ist ja grab' nett l Weim'S krank sein, st e r b e n' s viel schöner, als wenu's g'sund fein.'— — Ausgezogen. Der Chirurg Professor Oppeuheimer hat stch durch einen Blick ins Wartezimmer vergewissert, daß dort noch wentgstens 20 Menschen seines Beistandes harren, und ist infolge dessen außerordentlich pressiert. Dem Nächsten, der zu ihm eintritt. ruft er sogleich zu:„Ziehen Sie fich a»S I" Der Herr Zvgert.„Herr Geheimrat, ich komme...'„Halten Sie mich nicht nniiütz auf und ziehen Sie sich a»S. damit ich Sie untersuchen kann; Sie sehen doch, daß ich Este habe."—„Aber Herr Professor„ A usz i e h' nl an»- z i e h' n I" donnert dieser nunmehr so energisch, daß jeder Wider» spruch verstummen muß. Der fremde Herr entkleidet sich nunmehr eiligst und nimmt Platz.„Nun können Sie anfangen zu erzählen; also wo sitzt das Hebel?" Der nackte Mann:„Herr Geheinirat, ich komme von der jüdischen Eiuschütznngökommission und wollte mit Ihnen über Ihre Steuern Rücksprache nehmen I"— („Lust. 231.") Notizen. —„O e d i p u s" oder„Das Rätsel des Lebens" von Gertrud Prellwitz bringt das Berliner Theater am ö. März als Sondervorstellung.— — Intendant P r a s ch hat das Theater des Westens vom Jahre 1903 ab auf drei Jahre gepachtet.— — Anna Müller, die frühere Soubrette des Adolf Emst- Theaters, ist auf fünf Jahre als„komische Alte" für das Lesstug-Theater engagiert worden.— — Eine Verdi-Gedenkfeier findet i» der nächsten Woche im O p e r n h a n s e st a t t. In der zweiten Hälfte des Februar werden dann noch sieben Opern von dem verftorbenen Komponisten ausgeführt werden c„Rigoletto",„La Traviata",„Troubadour", „Maskenball",„Aida",„Othello" und„Falstaff".— — Richard Strauß hat eine neue Oper„Feuersnot" soeben vollendet; da? Werk wird zu Anfang der neuen Saison am Opern Kause zur Auffühmng gelangen.— —„Das Paradies der Damen", eine Operette von E r l a n g e r, ivurde bei der Erstaufführung im Theater au der Wien vom Publikum abgelehnt.— — Leoneavallos Oper„Bohsme" erzielte bei der Erstaufführung am Kölner Stadttheater einen lebhaften Erfolg.— — Einen alten römischen Schmelzofen hat man dieser Tage in Hadjeb-el-Aioun(Timesieu) ausgegraben.— c. Zur Unterfiichnng der Luftspiegelung der „Schweigenden Stadt in Alaska" wird für den Juni eine wissenschaftliche Expedition dorthin abgehe», die die Luft- spiegelungsphäiiomene photogrnphiere» und die Vedinguugeu betreffs Zeit und Wetter aufzeichnen wird.— — Die„Lustigen Blätter" veranstalten am 20. Februar in der„Schlaraffia", Enkeplatz 4, einen Ball unter dem Titel«Die Bohöme"(Ein Fest iu der roten Mühle).— — Um den Jagdsport im Sudan in gewissen Grenzen zu halten, werden Jagdscheine ausgegeben, die nur zur Veruichiung einer beschränkte» Zahl von jagdbaren Tieren berechtigen. Ein solcher Schein, der 500 M. kostet, kautet auf 2 Elefanten. 6 Nil» Pferde. 2 Nashörner, 1 Giraffe, 4 Büffel und beliebig viele Gaz. ilen, Wildschweine und Antilopen. Außerdem haben aber die Jagd- liebhaber noch besondere Schußgelder zu zahlen; für jeden erlegten Elefanten 160 M., jeden Büffel 120 M. usw.— Bücher-Einlauf. — Grete B a l d a n f:„Kette Lieder eines Mädchens aus dem Volke." Dresden tttid Leipzig. E. Piersons Verlag. Pr. 1.50 M.— — Georg Trepplin:„Werden". Lyrik. München. August Schupp.— — I. E. Poritzky:„Die Studentin." Novelle. Berlin. Hermann Walter.— — Guy de M a u p a s s a n t:„H a n S und Peter". Roman. Gesammelte Werke. III. Band. Deutsch von Georg Freiherr v. Ompteda. Berlin. F. Fontane n. Co.— — Dr. Erich Urban:„Richard Strauß". SWoderne Essays zur Kunst und Litteratttr. Heft 4. Berlin. Gase it. Tetzlaff. — Carlo F e r i n e l l o:„Giuseppe Berdi". Samm- lmig: Berühmte Musiker. Band 9. Berlin. Verlags- Gesellschaft „Harmonie".— — Hermann Türck:„Eine neue Faust- Erklärung." Berlin. Otto Elsner.— — G. Marquardt:„Der Verrat des JudaS Jschariot— eine Sage." München. August Schupp.— — Dr. R. Steiner:„Welt- und LebenSan- s ch a u u n g e n im 19. Jahrhundert." 19. Band deS Sammelwerks„Am Ende deS Jahrhunderts." Berlin. Siegfried Eronbach. Pr. 2,50 M.— — Bruno Meyer:„Die bildenden und reprodu- zierenden Künste im 19. Jahrhundert". I. Teil. 20. Band des Sammelwerks„Am Ende des Jahrhunderts". Berlin. Siegfried Cronbach. Preis 2,50 M.— — I. G. Vogt:„Die illustrierteWeltder E r f i n« dünge n." Heft 11—15. Leipzig. E. Wiest Nchflg.— Die nächste Nummer des UitterhalMngSblattS erschein: am Sonntag, den 3. Februar. Verantwortlicher Redacrcur: Rodert Schmidt in Berit». Druck und Verlag von Max Babing in Bertin.