Zlnterhaltungsblatt des Worivärts ?cr. 37. Donnerstag, den 21. Febrnar� 1901 tNackbnick verböte».) Vcv Valtl vonr Hollcvbviin. 37) Roman von R. von Seydlitz. Im heiteren Getöse des hellen Ratskellers, im Gespräch und im säuft umnebelnden Wcindunst kam's dem Kastl vor. als habe er jetzt plötzlich den allerschnellsten Weg zur Macht erst gesunden, als könne er nun mit Windeseile zu seinem Ziele gelangen. Viel, viel Geld brauchte er. Aber hier war ja das rechte Mittel. Und gar wenn er di Vidi-- Aber das war vielleicht gar nicht nötig. --..Kennen Sie die?" hörte er jetzt Roßbergers Freund sage»;..war lange in Würzburg, zuletzt in Wien. Fesches Weib. Der Mann ist ein Trottel." ..Wie heißt er, Haas, nicht?" Kastl sah gespannt auf die beiden und bemerkte, daß sie schräg hinüber in den Winkel schauten.— Er folgte den Blicken i da gewahrte er Agathe! Sie saß mit ihren Bekannten in lebhafter Unterhaltung hinter einer gemeinsamen Flasche Regie. „Thut mir beinahe leid um die Frau— sagte der andre weiter: Roßberger unterbrach lachend: „Na, na.— sein S' so gut!" „Was wollen Sie denn? Die Frau ist besser als--" „Ihr Ruf i meinetwegen. Aber den Ruf hat sie amal."— „Was fiir'n Ruf?!" fragte da plötzlich Kastl zum Er- staunen der andern. „Sie kennen s' am End' auch, Herr Hegebart?— Muß schon sag'n— hat viele Bekannte, die Dame," neckte Roß berger. Aber Kastl blieb ernst. Er fragte und bohrte mit Eifer! was sie von ihr wüßten, von ihr und von ihm. Ueber„Herrn v. Haas" erfuhr Kastl bei der Gelegenheit weniger Günstiges als über sie. Er war öfters geschäftlich zu Grunde gegangen, die Frau erhielt ihn, war aber nicht viel mit ihm zusammen. Gegenwärtig hatte er in Wien ein Cafe: er steckte voll Pläne und kani zu nichts Rechtem, war dabei ein Durchgänger' und spielte gern den feinen Herrn. Sic lebte bald hier, bald da, hatte immer reichlich zu leben und konservierte sich gut. Wie sie's ausing, wußte niemand. Ge- munkelt wurde viel. Schon in Würzburg hatte man gc- munkelt. Aber ernstlicher Verdacht gegen sie kam nicht auf, geschweige positive Beweise. . Währenddem sah Kastl. scharf hinüber. Er las in ihren so lauge nicht mehr gesehenen Zügen. Sie war runder, voller geworden! das Haar hatte nuuüerlicherc Form angenonimen und war hübsch frisiert.— hing nicht mehr ä la Türken- graben um und in die Augen. Rabenschlvarz lvar'S, und die Augen auch. Aber die frischen roten Wangen? Schnecbleich, ohne eine Spur von Farbe, so lveiß, daß sie nicht gemalt fein konnten: so malt sich kein Weib: das mußte Natur sein. Die geisterhafte Blässe hatte etwas Unheimliches; schweres Leid oder schweres Leiden? Was mochte es sein? Kastl hörte nicht, was sie sprach: einmal nur glaubte er ihr sonores Lachen zu hören. Sie sprach lebhaft; und wie sie sprach, den 5topf bewegte, die Hand ausstreckte, den Arm bog, sich anlehnte— ja. darin erkannte er sie wieder! Das tvar freilich das ganze Agathl! Das war der Liebreiz, das war der alte, bestrickende,— nie vergessen gewesene, nie der .schmerzt gewesene Zauber I Wie er lang und länger hinsah, begann sich in ihm ettvas Sonderbares zu rühren: er, der trockene, strenge. ckhätige Mann fühlte seine-Brust sich dehnen: er atmete tief ein und wieder aus. „Der Herr Bräumeister geruhen, glaub' ich, gar zu seufze»!" benierkte da Frau Roßberger, die bisher sehr still dagesessen hatte. „Ob das jetzt die Frau Haas'than hat?" fragte Roß- berger. 5rastl hörte kaum die Neckerei. Aber im Verlauf Iveiterer zehn Minuten wußte Frau Roßberger etwas. Sie beschloß aus Neugier einmal hinüber zu gehen; sie kannte jene Leute und setzte sich darum„auf Besuch" an jenen Tisch. Bald lvar sie mit Agathe im Gespräch. „Ja, mein Mann war auch letzthin in Wien. Dort sitzt er. nein, der mit dem schwarzen Bart. Die andern zwei Herren kennen Sie doch, �nicht? Herr Forstel vom Lchelbräu: und der mit dem Schnurrbart ist unser Brün- meister—"„... „Hab'n ja vorhin draußen mit Frau Haas bekannt ge- macht, den Hegebart", warf jetzt der Tischnachbar ein. „Ach so". � meinte Frau Roßberger! dann schielte sie zir Agathe hinauf.— denn diese lvar um einen Kopf größer als sie, selbst im Sitzen,— und sah zu ihrer größten Bewunde- rung, daß Agathe einen unmäßig langen Blick hinübersandte. Kastl sah vor sich auf den Tisch. Aber ob er den Blick gefühlt hatte oder ob er ihn erwartete— jetzt sah er auf; und da geschah's denn, daß sie sich beide über die Tische hin- weg, zwischen den Köpfen der Gäste hindurch ansahen, wie etwa der Fliegende Holländer und Senta. Nun wußte Frau Noßberger noch bedeutend mehr als vorher. Aber noch lange nicht genug. Und um alles zu er- fahren, lud sie die ganze Gesellschaft zu sich ein. Dann trabte sie zufrieden wieder an ihren Tisch. Auch lvar es ihr zu verdanken, daß sie zum Aufbruch drängte, als drüben der Tisch Agathcs in Bewegung geriet, so daß beide Gruppen sich am Ausgange trafen und die Stufen gemeinsam hinaufstiegen, wobei ein allseitiges Vor- stellen und Begrüßen unbehilflich genug im Gedränge vor sich ging. Draußen angekommen, entwickelte Frau Noßberger aber- mals ihre Talente. Voraus mußte das Brautpaar marschieren, der Forstassistent und die Seinige. Und dann die übrigen, Paarweise,—„daß wir nct a so wie die Wilden durcheinander laufen die Ordnerin des Zuges erreichte es auch, daß Frau Haas und Hegebart übrig blieben.— sie wies sie nicht mit Worten auf einander an. aber eS blieb beiden nichts andres übrig als ucbeneinandergehend den Zug zu beschließen. Kastl war darüber sehr betreten. Agathe schlvieg und schaffte an ihren Handschuhen. 's Agathl und Handschuhe! Wie sich Zeiten und Menschen ändern! Eine geraume Weile gingen sie stumm«ebeileüiander her; jedes schaute zu Boden, oder über die andern hin, die vorausschritten. Frau Noßberger horchte mit aller An- strengung nach rückwärts, aber sie hörte nichts. Kastl ärgerte sich geradezu, daß er nicht lvußte, wie an- fangen. Aber was sollte er auch ihr sagen? Sollte er den Erzürnten spielen— jetzt nach so vielen Jahren,— Ivo sie die Frau eines andren war? Und welches andren noch dazu I So befangen lvar er, das fühlte er. wie damals am ersten Abend, im Hof— als sie singen sollte. Singen!— Das packte ihn wieder wie ein spannendes Schmerzgefühl. Ihre Stimme l— Ihre schöne, liebe Stimme! Da brach das Eis. Er drehte sich fassungslos zu ihr um und sagte mit unruhiger Stimme, halblaut, wie verlegen: „Singen Sie noch... noch manchmal... Frait..."— aber den Namen brachte er nicht heraus. Sie sah flüchtig zu ihm auf und sagte dann ruhig, mit ihrem tiefen Ton: „Siilgen?!— O nein.— Lang nimmer." Er sog gierig auf, was sie sagte, aber er arbeitete eine Weile daran' Was sie wohl meinte, warum sie nicht sang— und so fort. Dabei»varen sie lvieder ein großes Stück fortgegangen. In der Straße vor ihnen lag das Hotel, wo Agathe wohnte, den Namen hatte er vorher eben nennen gehört. Also war kaum mehr viel Zeit, wenn er noch etwas sagen lvollte. Er druckste noch ein Paar Schritt, dann sagte er:„Auch nicht, lvenn Sie allein sind?" Sic sah wieder zu ihm auf, diesmal etwas länger: dann schüttelte sie den Kopf und ging lvieder gesenkten Blicks weiter. Jetzt lvar das Hotel da: jetzt mußte der Abschied kommen: jetzt— das meinte er zu fühlen,— jetzt mußte etwas geschehen.-- Die andren langten schon ain Thor an, der Forstassistent zog an der Portierglocke. Da, aller Verlegenheit zum Trotz, machte er einen raschen Schritt vor, wandte sich um und stand vor ihr; die Hand ausstreckend, wie um sie am Gehen zu hindern, beugte er den Kopf etwas vor und flüsterte erregt, aber beredt das eine Wort: „Agerl? I"-- Es war eine angstvolle Frage aus Herzensgrund. (Fortsetzung folgt.) Klus drL tmtjntalirdjcn LVochn. Wenn jemand, insbesondere ein Künstler, aus eigner Originalität heraus sonderbare, selbst lächerliche Schritte unternimmt, so wird man ivohl immer gut thnn, darauf achtungsvoll aufzumerken. Nach« geahmtes. Angelerntes, Anempfundenes, ob nun auf gewöhnlichen oder auf«»gewöhnlichen Wegen, haben wir ja in gar grotzer Menge vor uns; und niacht sich jemand mit einem derartigen Benutzen von jemand lächerlick», so werden Ivir uns mit Recht nicht scheue», seine Lächerlichkeit bloßzustellen. Nim ist ein Komponist vor uns getreten mit einem kuriosen Einfall: er schrieb ein Orchesterstück, gewidmet dein Andenken(.den Manen") eines verstorbenen Komponisten. Es sind.Sinfonische Variationen", sechs an der Zahl, über ein eignes Thema. Die erste Variation ist eine«Klage um den Todgeweihten"; die zweite heißt:.Des Meisters Tod und Begräbnis"; die dritte bringt„Erstes Begegnen in Ungarn"; die vierte schildert ihn(in sehr langsamem Zeitmast und mit gedämpften Violinen)„als Freund"; die fünfte„als Freund der Kinder"(niit einer Melodie, welche der Soloccllist vorträgt, und die diesem in den höheren Lagen seines Jnslruments ganz ordentliche Aufgaben stellt); die fünfte Variation schildert den Meister„als Naturfreund und Humorist"(allerdings mehr idyllisch als humoristischij; die letzte endlich ist betitelt:„Er hat uns Beispiel gegeben zur Nach- eiferung", und sie führt diesen Gedanken ohne die sonst üblichen Wiederholungen durch, ergänzt durch eine merkwürdige Doppelfuge, die dann das an vierter Stelle gebrachte.Freundschaftsmotiv" wiederaufnimmt und zuletzt„sich allmählich in ideale Höhen verliert." Der Komponist dieses Werks ist ein noch wenig bekannter und anscheinend junger Mann, Hans Koetzler. Von andren Kom- Positionen desselben wurde ein Requiem für Soli. Chor. Orchester und Orgel, betitelt.Shlvestcrglocken", vor etwa drei Jahre« in einem hiesigen Philharmonischen Chorkonzert und vorher im Leipziger Ge« Wandhans aufgeführt; ein Violinkonzert in.A.-inoII kam an mehreren Stellen zur Aufführung und die oben genannte Komposition ist vor ungefähr einem Jahr zu Köln in einem Gürzcnich-Konzert an die Reihe gekomme». Der verstorbene Meister, ans den sie Bezug nimmt, ist Brähms, und sie nimmt auf ihn nicht bloß durch seine Nennung Bezug, sondern auch durch ein Hineinseben in seine Schaffensart. Insofern schon bat der Komponist mit seinem absonderlichen Einfall weniger Anspruch auf Respekt vor einem ungewöhnlichen Versuch, als er ihn durch die selbständige Seite seines Einfalls hat. Und nun kommt freilich die Hauptfrage, ivelche künstlerische Bedeutung die vom Komponisten gemachten Seitenschritte haben. Sie erinnern in der That an Brabms Schaffensweise, allerdings ohne die Gewichtigkeit der Themen, die sich bei Brahms oft genug findet, und ohne die Fülle von interessierendem GeisteSreichtnm, mit welchem der Meister das Seinige durchzuführen pflegte. Sic erinnern an ihn durch den stark unsimilichen Charakter der Komposilionsweise Koehlers und andrerseits durch eine selber meisterhafte Geschicklichkeit der Technik in der Durcharbeiumg. Wie hier gleich von vornherein ein Haupt- und ein Nebenthema gebracht werden, wie diese versetzt, umgekehrt, zu neuen Motiven weiterentwickelt, durch ei» oder das andre Gegenthcma ergänzt und mit contrapnnktischen Kunststücken fortgeführt werden, alles knapp und bündig: das zeugt von' einer beträchtlichen formalen Begabung und Bildung und verdient, in Lehrbüchern der Komposition unter die lehrreichen Beispiele und neben den ebendorthiu gehörenden Citaten aus Brahms selber aufgenommen zu werden— verdient aber auch, gegenüber dem vielen Seichten, daS sich heute mit weit niehr Erfolg breit macht, eine Anerkennung in der praktischen Musikwelt. Rur folgt daraus noch lange nicht, daß wir eS hier auch mit etwas Höherem als mit einer formal.guten" Musik zu thnn haben. Kein Thema und keine Durchführung, die unS für jene angeführten Titel- gedanken oder für den Meister oder für den Jünger envärmen könnten, lind dies tvar wohl auch das Gefühl deS Publikums, daS in der öffentlichen Hauptprobe des 9. Philharmonischen Orchesterkonzerts die Komposition mit einem auffallend kühlen Beifall bedachte. Nicht bald ist um etlvas so schade, als wenn man einen Künstler, der den Mut eines absonderlichen Ein- falls hat, nicht in Schutz nehmen kann, weil er über den bloßen Einfall hinaus nichts Ureigenes gebracht hat. Allerdings hatte die Novität auch einen schweren Stand zwischen einer Wagner-Ouvertnre und einem Beethovenseben Klavierkonzert vorher Ulld einem Berlioz nachher. Bei diesem Hundelle es fich um die bercii-Z bekannte„Phantastische Sinfonie", darstellend eine.Episode ans dem Leben eines Künstlers." Wie sind da ein Grundthema und zahlreiche andre Themen, zum Teil sehr packenden Charakters, wenn auch manchmal mit ermüdender Breite, durchgeführt und mit ein» ander»erarbeitet I In die wieder verhältnismäßig vorzüglichen Leistungen der Philharmoniker unter N i k i s ch fügte sich der be- kannte Klaviervirtuose Alfred Neisenaner mit dem Vortrag von Beethovens Ls-änr. Konzert vorteilhaft ein. lieber die Höhe seiner Technik und einigermaßen auch seiner Ausdruckskraft ist ja kaum etivas Neues zu sagen. Am geringsten dürfte diese im Dynamischen, in der Plastik der Etärke-Nnancen sein; weite Stellen. in denen sich eine ganze Welt von Leise und Stark— bekanntlich eine hauptsächliche Fähigkeit des.Pianoforte"— entfalten läßt, kamen in ganz gleichmäßig starker Weise heraus. In einem solchen herben Extrem erkennt man leicht einen Gegen« satz gegen eine gewisse Weichlichkeit und salonmäßige Süßigkeit, die ebenfalls ihre Berechtigung haben. Eine derartige Awiosphäre um- gab uns in einem Konzert mit Orchester, daS eine Sängerin. Mary Münchhoff, und ein Violinist, Jssah Barmas, beide bereits vorteilhaft angesehen, in der Singakademie gaben. Die beiden Künstler paffen gut zusammen und haben sich anscheinend auch sehr ineinander knnstierisch eingelebt. Beide im Besitz eines sinnlich nahe« zn vollendeten, insbesondere weichen, reinen. Überaus geschmeidigen Tones, und beide ersichtlich eng beschlossen in ihrem Repertoire, das Über„hübsche",„nette" Sachen nicht recht hinauskommt. Die Dame eine der besten Koloratursängerinnen, mit sehr leicht ansprechenden, wahrhaft schöne» und trotz einer„Kleinheit" der Stimme gut„tragen- den" Tönen, mit einer musterhaften Atemführnng, mit einem gewandten Ausdruck im Tändelnden, Zarten u. dgl.(„flüst're ihr Tränine der Liebe zu"), mit Lieblichkeit und nicht ohne Wänne. Ter Geiger in seiner Weise ähnlich. Beide wirkten zusanmie» in einer Mozart- scheu Arie, mit einer guten Wirkung ihrer Gleichstimmimg. Aus die Dauer freilich können einem die von dem Geiger ausgewählten Stückchen und die von ihm geleisteten Tonkimststnckchen unerträglich werden. Aber auch im Genuß jener Sopranstiinnre wird man nicht allzu lange schwelgen können, zumal Lieder, die eine ernstere Tiefe verlangen— wie„Solveijs Lied" von Grieg—, die Ausdruckskraft der Sängerin doch übersteigen. Daß der äußere Erfolg, mit zahl« reichen Zugaben, felbst nach dem in der Singakademie Üblichen Maß- stab gewaltig war, verzeichnen wir gerne. Wer so das Leben und Weben nnsrer Konzertgebcr und ihres Piibliknins mit ansieht, ahnt wohl nicht sobald, daß all' dem eine ganz eigne Schicht von Zuständen zu Grunde liegt, die weit inchr, als es geschieht, dem öffentlichen Interesse sollte zugänglich gciuaclit werden. Es handelt sich»in die pädagogischen und ökonomischen Verhältnisse im Musiklehrertum. Was es da an Unglück und Unheil giebt, werden ivohl selbst erfahrene Pcssiniisteii nickt leickt ganz offen vor sich sehen. In letzter Zeit fühlen sich die Beteiligten, insbesondre die Musiklebrer, insofern sie unter Einsichtslosigkeilen des Publikums leiden, getrieben, energisch vorzugehen, um hier endlich einmal Wandel zu schaffen. Die rührige iniisikpädagogische Zeitschrift«Der Klavierlehrer" niimnt sich der Sache besonders eifrig an. Auffallend ist es freilich, daß unter all dem imübersehbar Vielen, das zur Besserung dieser Verhältnisse in Angriff geiioininen werden kann, die Einführung einer staatlichen Prüfung für Mnsiklehrcr und-Lehrerinneii in den Vordergrund gestellt und die eigentliche selbständige Arbeit, sei eS die Diskussion des imterrichtlichen Vorgehens oder sei es alles, was sonst dazu gehört, weniger berücksichtigt wird.— sz. Kleines„Feuilleton. bt. Lnxfer-PriSnie». Luft und Licht, diese beiden wichtigen Lebeiiselcinente, werden i» imsren modernen Großstädten der arbeitenden Bevölkerung immer mehr verkünmiert. Was für eine rußgcschwängerte Atmosphäre über imsren Großstädten lagert, eine wie ungesunde Luft tvir also täglich einatmen, davon kann sich jeder mit Schrecken überzeugen, wenn er an einem sehr schönen Tage sich ins Freie begicbt und von einer kleinen Anhöhe nach der Stadt hinabblickt; trotz des hellen Sonnen- schein» ist sie in einen nndurchdriiiglichen Dunst gehüllt, in welchem alle Einzelheiten verschwinden. Und von dem Licht, das diese Dunsthülle so wie so schon nur zum Teil durchdringen kann, wird der arbeitenden Bevölkerung noch der größte Teil entzogen. Durch die Fenster der Zimmer dringt das Tageslicht mir spärlich ein; die engen Höfe und die hohen Wände der gegenüberliegenden Häuser halten einen großen Teil des Lichts zurück. Aber selbst, wo das nicht der Fall, ist ist nur der kleine Teil des Raums, der sich im- mittelbar ani Fenster befindet, erhellt, während der Hintergrund de» ganzen Tag über in ein Halbdunkel oder Zwielicht gehüllt ist, so daß ein Arbeiten nur bei künstlicher Beleuchtung möglich ist. Zahllose Bureaus und sonstige Arbeitsränme werden denn auch während der ganzen Arbeitszeit künstlich erleuchtet, und die Arbeiter, welche fast während ihres ganzen Lebens das erfrischende Tageslicht entbehren müsse», merken die Folgen an ihrer Gesundheit. Die Ucbel, Ivelche die ungesunde Anhäufung der Menschen in den Großstädten notwendig mit sich bringt, werden selbstverständlich erst mit der Beseitigung der großen Städte selbst verschtvinden, eine Aufgabe, deren vollstälidige Lösung der socialistischen GeseNschnft iiber- lassen bleibt. Aber herabgesetzt könne» diese llebel recht wohl Iverdcn. wenn nian die fortschreitende Erkenntnis der Wissenschaft technisch ausnutzt. Eine bessere Ausnutzung des Tageslichts zur Erhellung dunkler Räume ist eine dankbare Aufgabe, und durch die in der Ueberschrift genannten Gläser(Luxfcr heiht Lichtträger) ist sie in der That möglich. Der Verein von Freunden der Trcptoiver Stern- warte veranstaltete am Mittwoch eine Besichtigung dieser Prismen, und ich ninh sagen, das; ich über die Wirkung geradezu er- staunt war. Das Tageslicht, welches durch die Fenster in ein Zinnner ein- dringt, dringt naturgemäß nur bis in eine Entfernung von wenigen Metern vor; das durch Reflexion an den Staub- und Dampf- teilwen zerstreute Licht fällt nur zu einem ganz kleinen Teil« bori- zontal in das Zimmer, zum weitaus größten Teile in schrägen Rich- tungcn, so daß es sehr bald an die Decke, auf dem Boden oder die Wände gelangt,>vo sein größter Teil absorbiert lverschluckt) und nur sehr wenig reflektiert lzurückgeworfen wird). So kommt es denn, daß der Raum an« Fenster verhältnismäßig bell ist, während der Hintergrund so dunkel bleibt, daß Lesen und Arbeiten kaum möglich ist. Nun folgen aber die Lichtstrahlen sehr bestimmten physikalischen Gesetzen, denen zufolge man ihnen fast ohne Schwächung jede be- lievige Richtung erteilen kann; man kann sie um Ecken mebrfach herumführen und so durch Antvendung geeigneter Apparate Tages- licht an Orten erhalten, die ohne dieselben in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt wären. Der Weg hierzu ist nicht die gewöhnliche Spiegelung, die man z. B. bei den sogenannten Scheinivcrser» benutzt, die schräg gegen das Fenster gestellt, den Hintergrund etwas er- hellen; denn bei dieser Spiegelung geht stets zu viel Licht verloren. Man kann aber mit großein Vorteil Prismen anivende», an deren hinterer Wand eine vollständige sogenannte totale Reflexion des Lichts eintritt, ohne daß irgend etivas absorbiert wird, so daß das Licht ohne jede Schwächruig in der gewünschten Richtung anstritt, die man durch eine geeignete Stellung der Prismen erreicht. Die Wir- ku»g ist geradezu wunderbar. Ei» großes Zimmer, das im Hintergrund die gewöhnliche Dnnkelhelt zeigte, erschien sofort in jeder hintersten Ecke nnt geivöhnlichcr Tagcshelligkeit, wie sie sonst nur am Fenster statt hat, sobald die Scheibe mit den Prismen eingesetzt war. In Kellerrmimcn ist die Wirkung noch Ivichtigcr. Wegen der engen eigentümlich gelegenen Fenster herrscht hier ja stets außer in unmittelbarster Röhe des Fensters fast vollkommene Dunkelheit; sobald die Prismenscheibe in der geeigneten Weise vor das Fenster gestellt wurde, war der Hintergrund ebenso hell, als der Rauin am Fenster. Durch die Antvendung dieser Prismen ist also thatsächlich ein Mittel gegeben, das Tageslicht, das ani Fußboden und den Wänden zu mehr als �.'4 verloren geht, der Erhellung von ArbeilSräumen nutzbar zu machen. In hygienischer Beziehung ist diese Erfindmig gewiß mit Freuden zu begrüßen; nur müßten auch Mittel und Wege gefunden werden, sie allgemein anzmvcnden. Da Prismen- scheiden erbeblich teurer sind, als gewöhnliche Fenster, werden sie sich bvchsleus in Arbeitsräumen zufolge der Eisporung an künstlicheni Licht bezahlt machen. In Wohnungen dagegen, deren Errichtung und Venmeriiiig in Privathändcn ruht und zum Vorteil Einzelner geschieht, werde» auch die Prismenscheibe», wie so viele andre Verbesserungen, noch für lauge Zeit hinaus ei» srourmer Wunsch bleiben.— — Zur Psychologie des Billetsch alters. Die„Brcsl. Ztg." schreibt: Recht interessanten Studien gicbt sich ein Schalterbeamter hin, der an einer nicht sehr verkehrsreichen Station der elektrischen Hochbahn in New Dork angestellt ist. Da die prosaische, eintönige Beschäftigung des Billetstempelns und Geldherausgebens seinen regen Geist nur wenig in Anspruch nimmt, amüsiert es ihn, die Hände der Leute, denen er Fahrkarte» verabfolgt, auftnerksam zn beobachten. Der gute Mann hat nun herausgefunden, daß nian nicht nur von Forni und Linien, sondern viel sicherer noch von den Bewegungen der oberen Gliedmaßen auf die charakterielle» Eigenschaften der dazu ge- hörigen Personen schließen kann. Bei dem eleklrische» Verkehr in der transatlantische» Metropole giebt es keine Teilstrecken. Jede Fahrt, ob kurz oder lang, lostet b Cent«. Den Geizhals z. B. erkennt nun der Beobachter daran, daß er fast stets gerade das genügende Klein- geld, niemals aber mebr als ein Zchnccntstnck hinreicht. Im letzteren Falle ruft er. indem seine Finger krampfhaft die Münze festhalten, in bestimmtem Tone:„Nur eins I" Nicht eher läßt er das Geldstück los, bis er die Karte in Empfang genommen,«nd auch dann scheint es ihm noch schwer zn iverden, sich von seinem„dime" zu trennen. Den ihm herausgegebenen Nickel ergreift er mit einer Hast, als fürchte er, jemand anders könne ihn fort- nehnien. Der ungeduldige, meist übelgelaunte Mann wirft den, Beamte» das Geld hin und steckt sogleich die nervös zuckende Hand nach dem Billet aus. Zögert der Verkäufer einen Moment, so krallen sich die Finger des Wartenden um den Rand des Schalterfensters. Daun reißen sie das Stückchen Karton wie das herausgegebene Geld an sich, und fort stürmt der Mann durch das Drehkreuz zum Perron. Dort hat er nicht selten noch anderthalb bis zwei Minuten auf den Zug zu warten. Ganz anders benimmt sich der Großmütige. Auch er ist meist eilig, aber seine Eile äußert sich nicht in so unhöflicher Weise. Er legt gewöhnlich ei» größeres Geldstück auf das Zahl- täfelchen, nimmt die Karte imd streicht die kleine Münze ein, ohne erst zu zählen. Es kommt sogar vor. daß er das Kleingeld vergißt und davonläuft, um den eben cinfahreuden Zug benutzen zu können. Die Hand des Phlegmatikers und Egoisten verrät die Eigenschaften ihres Besitzers durch die unerschütterliche Ruhe, mit der sie sich auf den Außcnrand des Schalters stützt, während der Beamte das Billet hinlegt und das herauszugebende Kleingeld auf- zählt. Möge» die hinter ihn, Queue bildenden Leute iu ihrer Auf- regnng, den schon in Höriveite befindlichen Zug zn verpassen, noch so laut ihrem Aerger Luft mache», die Faust des Stoikers rührt sich nicht eher, bis die letzte Kupfer- resp. Nickelmüuze auf den, Zahl- brett liegt. Dann tippt der Zeigefinger beim Nachzählen auf jedes der Fünfeentstücke, die einzeln aufgenommen und sorgfältig iu das Porten, onnaie placiert werde». Ganz zuletzt verschwindet das „ticket", und in aller Gemütsrnhe begiebt sich der Inhaber des- selben auf den Bahnsteig, wo er gerade„och Zeit hat, in den eben abfahrenden Zug zu klettern. Keiner der Ivild hinter- drein rasenden Passagiere aber erreicht ihn mehr. Gelegenheit zu ähnlichen Beobachtungen, wie sie der moderne Charakter- Icser an den oberen Extremitäten der Männer machte, boten ihm auch die mehr oder minder zierlichen Frauenhände. Nur einen Typus entdeckte er unter den letzteren, den er bisher vergebens bei seinen Geschlechtsgenossen suchte. Die Hand einer Evatochter, zu deren Tugenden Eigenheit und Gewissenhaftigkeit auf keinen Fall zu zählen' sein dürsten, verrät die Charakter- beschaffenhcit ihrer Besitzerin sehr deutlich. Niemals halte» die Finger der Leichtfertigen das Geld bereit. Erst unmittelbar vor dem Schalter beginnen sie»ach der Tasche, dann nach den, Portemonnaie, und ist das'aufgestöbert, nach der geeignete» Münze z» suchen. Dabei flattern Zettelche», Zengproben zc. herab und schließlich fällt auch noch das»ach vieler Mühe gefundene Fünfcentstück auf den Fuß- boden. Nun wird zur Verzlveiflung aller Wartenden Jagd darauf geniacht. Hat der Beamte es endlich erhalten und die Fahrkarte dafür hingereicht, so läßt die gewöhnlich mit einen, zerrissenen Handschuh' bekleidete Hand sich daS Billet noch mindestens zweimo' entschlüpfen.— Litterarisches. c. Der japanische Journalismus. Die„Revue des RevinS" veröffentlicht iu ihrer letzten Nu»,»»er eine Studie über den Journalismus und die Jonrnalisten in Japan, ans der folgende Angaben hier iviedergegeben seien. Schon im Jahre 1878 zählte man in Japan LR) Zeitungen und Revue», deren Gesamtauflage 28 Millionen Exemplare überstieg. Die Statistiken des letzten Jahres zeigen, daß die Zahl der täglichen oder periodischen Blätter sich während dieser letzten zwanzig Jahre fast verzehnfacht hat: sie erreicht in der That annähernd die Zahl 2000, und die Gesanitauslage beträgt 9t 500 000 Nummern. Die täglichen Blätter betragen iu dieser Zahl etwa den fünften Teil. Allein die Stadt Tokio zählt deren mehr als zivanzig. Und dabei geht die Vermehrung von Tag zu Tag schneller vor sich und überschreitet vielleicht bedeutend die gegenwärtige» Bedürfnisse des Volks. Vor allem erscheinen innner von neuen, zahl- reiche Revue», wenngleich viele von diesen auch nur ein Eintags- dasein haben. Die„ersten Pinsel", woniit die beste» Journalisten genieint sind, verdienen kau», 200 bis 250 Frank im Monat, während die gewöhnlichen Redacteure nicht über 150 Frank hinauskomnwn. Das verhindert jedoch nicht, daß nian vor kurze», eine„Joumalisten- schule" i» der Art der Pariser in Tokio begründet hat.— Theater. •d. Carl Weiß-Theater..Die Goldgräber von Kalifornien" oder.Mein K u n, p a n". Volksschauspiel, für die deutsche Bühne bearbeitet von E. Carlotta und H. V. K u p f e r.— Warum die Autoren das Stück Volksschauspiel genannt haben, weiß ich nicht und ist n,ir auch nicht durch die Aneinanderreihung der roh zusanunengehanenen, bunten Scenen klar geworden. Wenn der Gegensatz von dem Wort gelten soll:„Für das Volk ist das Beste gerade g'nt genug", so mögen die Herren recht haben. Ich für meinen Teil wurde durch Spiel, Handlung und Ausstattung nur lebhaft an die Zeit erinnert, in der ich die schancrlichste» Jndianerschmöker täglich halbdntzendweise verschlang. Das war genau dasselbe wie damals: Bis an die Zähne beivaffnetc Männer, die alle fünf Minute» ein Loch in die Luft schießen; Lauscher und Schufte, die in jeder Scene mindestens zu Dreien hinter den Fels- blöcke» kauern und horchen; nur der„Große Geist", die Indianer- wigwamS und die Skalpe fehlten, dafür war aber den, Feuerwasier ei» gebührender Ehrenplatz eingerämnt. Auf die Handlung näher einzugehen will ich n,ir versagen mil nur erwähnen, daß der„gute" nnd der„schlechte" Kerl in ihrem leiden- schaftlichen Ringe»„ach Gold«nd Liebe einander gegenübergestellt sind. Natürlich siegt an, Schlüsse des Stücks die„Tugend". Das Ganze ist in rohen Strichen gcnialt und entbehrt nicht einer gcwisien Spannung, die die Eigentümlichkeit und das Vorrecht aller Hinter- treppenroinane ist. Die Schauspieler gaben sich alle erdenkliche Mühe, das Stück gut dnrchzubringen, was ihnen bei dem leicht zu befriedigenden Publikum auch gelang. An dieser Stelle seien nur Josef Dill, der den Schwarzen Nduppo mit derber Nigger-Konnk spielte, und L u c i e E l s e n b o r n, die tragische Heldin' des Stücks, genannt. Die Regie hatte sich alle Mühe gegeben. Erwähnt sei noch, daß das Stück, das diesmal als Premier« ging, bereits vor Jahren ge- geben worden ist.— Völkerkunde. — Ueber„ b t c Menschenrassen O st a s i e n s mit s p e c i e l l c r N ii ck s i ch t auf I a p a n" sprach Prcch G. Baelz in der letzten Sitzung der„Anthropologischen Mcscllschaft". Die „National-Zcitnng" berichtet über den Vortrag: Der Referent hat seit 2t Jahren iii Tokio an, dortigen größten Krankenhausc OstasicirS eine große Anzahl von Jndibibueii studieren können liub seine Kenntnisse vielfach auf Reisen ertveitert. um ein im irescutlichen richtiges Bild der Ostasialen bieten zu können. Mit feinem Kupfcrdraht hat er vielfach die Umrisse der Kopfformen festzuhalten gesucht und so sich gleichsam Skizzen zum vergleichenden Studium geschaffen, wobei ihm'sein in langer Erfahrung geschulter Blick zu Hilfe kam. Die ostasiatische Rasse umschließt die Belvohncr von China, Japan, Llorca, Formosa, der Mongolei, Tibets, der hintcriudifchen Völler. Ein großer Unterschied von den Malahe» ist nicht zu rrkeuuen: dazu kounnen die Rassen in Nordasien und in der Mandschurei, die mandschukorcanischen Stämme und die Aino, die nicht nur auf Jesso und Sachalin beschränkt sind, deren Vlut vielmehr in ganz Japan, namentlich in dessen Süden in reicher Einmischung vorhanden ist. In China. Japan und Korea sitzt eine meist einheitliche Bevölkerung. Die Bevölkerung Japans stellt sich als Mischung von Mongolo-Malahe» mit dem nördlichen schlankreit Typus dar. Die Berührung der Westküste Japans mit Korea ist historisch nnchgeiviesen. Im ö. u. 7. Jahrhundert unsrer Zeitrechnung hatten die den kankasischen Raffen, insbesondre dm russischen Bauern im Aussehen ähnlichen Aiuos ganz Japan inne, sie ivurden von den Japanern verdrängt und meist aufgesogen, auch ailf dem asiatischen Kontinent scheint diese Raffe durch die großen von der Mandschurei zu Beginn unsrer Zeit- rcchnung ausgehenden Bölkerschiebungen nach Norden bis an das Meer gedrängt tvorden zu sein, während die mongolischen Raffen dann weiter»ach Westen sich vorschoben. Die Aiuos. deren Frauen sich einen Schnurrbart tätowiere», sind die kleinsten Oslasiaten, von stark gedrungener Gestalt, mit großen Händen und Füßen, ihre vor- stehende Stirn ist der des Europäers ähnlich und ihre Augen mit starken'Brauen liegen zurück, tväs sie ebenso wie die große Nase von den Japanern unterscheidet, ihr Gesicht ist breit und ihre Farbe heller als die der Mongolen. Die Ainos sind durch starke Behaarung ausgezeichnet und ihre Frauen sind von großer Schamhaftigkeit. Die japanische Schul- und Wehrpflicht macht die von Natur trägen, aber nicht«nintelligenten Ainos völlig zu Japanern, und sie lverden als reine Raffe schwill- den. Die Koreomongolen. zu denen die Mandschu und die herrschenden Klassen der Japaner gehören, sind schlank, schmal und zierlich, und ihre durch lange, ivenig hygienisch« Lebensweise er- zeugte Schwäche Ivird bei dem jungen Geschlechte, das an Körper- gynnmstik gewöhnt wird, bald weichen. Die>0. Rippe ist bei ihnen nicht mit dein Thorax vertvachsen,>vaS die überschlanke Taille der Männer hervorruft. Die glatte und elastische Haut ist eine Raffen- eigenlümlichkeit der Mongolen, ebenso lvie die blauen Flecke auf der- selbsn. die die Kinder haben, die aber mit der Entwicklung schlvinden. Die Fähigkeit der mongolischen Haut, leichter Farbstoff zn bilden. als cS die des Europäers vermag. ist als Schutz- vornchtnng der Natur den Sonnenstrahlen gegenüber anzusehen: denn die' gelbliche Haut reagiert besser gogm die Strahlen der Sonne. Die Unfähigkeit der blonden europäifchen Rassen, sich dem Tropenklima zu assimilieren, ist nach der Anschauung des Referenten im loeseutiichen darauf znrückznsührcn, daß deren Haut nicht so leicht Farbstoff bildet, als die der dmikleren Raffen. Als Eigen- tümlichkeitc» der javanischen Bevölkerung hob der Vortragende neben dem lvenig entioickelten Kinn die infolge der Reisnahrung bei den Vornehmen oft auzntveftende Zartheit des Knochenbaus hervor, und die durch eigentiimliche Sitztoeise der Krallen bei diesen entstehenden Fettpolster unter den Knien. Durch Untersnchimgen mit Röntgen- strahlen gelangte Prof. Baelz z» dem Schlüsse, daß die Verscinerliug des Typus stets auf eine Verdickung der Weichteile zuriickzuführeil 'st.— Technisches. — A p p r e t n r m i 1 1 e l. In der„Färberzeitung" bespricht Fürth die Natur und Verwendung der Mittel, um Geweben Glanz, Griff, Steifigkeit und ein höheres Gelvicht zu geben, d. h. die Npprctnrmittcl..Die„Tcchn. Rmidsch." bringt ans diesem Auf- satz folgenden AnSzug: Eines der hanptsückilichstc» Appretnrnnltel ist die Stärke: sie»vird mit Wasser zn einem Kleister ausgekocht und dient zum Stcifmochen und bei nachherigem Kalandern und Mangeln zum Glänzendinächen der Geivebe, wie Futterstoffen, leinenen Waren und dergleichen. CS ist für den Ausfall der Ware nebensächlich, welche Stärkesorte verwendet wird, imr das VerdickmigSrermögen der einzelnen Sorten ist zn berücksichtigen. Das VerdicknngSvermögen der Kartoffelstärke ist größer als das der Weizenstärkc: Maisstärke fleht etiva in der Mitte zwischen beiden. Anstatt die Stärke durch heißes Wasier. lami man sie auch in der Kälte durch Natronlauge aufquellen läffen. Mau verrührt 25 Kilogramm Kartoffelstärke in 200 Liter Wasser und versetzt mit 2 Liter Natronlauge von 40 Grad Bo.:»ach mchrstündigcm Stehen sind auch die letzten Stärkelörncr verkleistert, und man neutralisiert durch Schlvefelsänre oder Vesser vci Lcinenappreturen durch Eisig- säure: das in letzterem Falle cutsteheudc essigsaure Natron verleiht der Ware den beliebten fenchtkalten Griff. Die mit Natronlange verkleisterte Stärke wird für zartere Gewebe benutzt, die mit Wasser aufgekochte Stärke hingegen für gewöhnliche grobe Fittterstoffe. Steifleinen usw. Dir wasierlöslichr Stärke entsteht bei längeren« Kochen von Kartoffelstärke unter Druck, eventuell unter Zusatz von CHIormagnesiui», oder durch Kochen von Kartoffelstärke unter Zusatz von 2 Proz. fein gemahlenem Malz. Bei Beobachtung einiger Vor- ficht kann auch Chlorkalk znr Bereitung löslicher Stärke verwendet lverden. Die lösliche Stärke giebt dem Gewebe lveder den steisrn Griff wie die gewöhnliche Stärke,»och füllt sie das Gewebe so wie Dextrin. Dagegen hat sie mit der gewöhnlichen Stärke das gemein. daß sie beim Kalandern und Mangeln Glanz hervorbringt, und hat noch den Vorzug, das Geivebe zn schließen. Znr Herstellung von Dextrin lverden 100 Kilogramm Kartoffel- stärke mit 200 Liter kaltem Wasser angerührt und unter Znsatz von 600 Kubikceiitiinetcr Schlvefelsänre von 66 Grad Bö. langsam zum Koche» gebracht und so lange gelocht, bis eine Probe mit Jod- lösmig nur noch eine violettrole Färbung giebt. Dan»»vird mit Natronlange, Kalk oder Annnoniak neutralisiert. Reben Dextrin erhält man so einige Prozente Traubenzucker, imd dieser Umstand ist sehr günstig für den Ausfall der Appretur. Dextrin füllt»ämlich nicht nur, sondern macht die Ware auch härter, dagegen füllt Traubenzucker nicht nur die Ware, sondern hält sie auch weich, hat hingegen den Uebelsland. daß die Stoffe sich fettig anfühlen: das letztere ist jedoch bei Verwendung von ca. 10 pCt. Traubenzucker vom Geivicht des angewandte» Dextrins nicht Ivahrnehmbar. Chinackiah dient sowohl zum Be- schweren als auch besonders zum Füllen der Poren der Geivebe. Bei Leinen wird solvohl seines geschmeidige» Griffes lvegen als auch uni die Bleiche z» heben, statt dessen Talk gebraucht: beide Slibstniize» kommen meist in Verbindung mit Starte znr Anwendung. Chlormagnesiinu. Chlorcalcinni und Chlorzink dienen unr zum Beschweren: ihre antiseptische Natur macht einen Zusatz von Salieylsänre zur Appreturinasie unnötig. Weitere Zuthate» znr Appretur liefern die Fette und Oele. welche der Ware lveichercn Griff verleihen.— �Humoristisches. — Freundliche E i n l a d u n g. S ch a« l u st i g e r:„Der Mann draußen ruft doch aus, daß der Lölvc durch Reifen springt. das geschieht aber garuichtl' Menage riebesitzcr:„Entschuldige» Sie. ich habe eben zur Zeit niemand, der in den Käsig geht und den Reifen hält. Wenn es vielleicht der Herr t h n u»v i lt.... bitte 1"— — N a ch der Polonaise. Professor der Philo- o g i e:„Wissen Sie. meine Gnädigste, Sie sind so originell, so überraschend in Ihre» Einfällen— lvie soll ich sagen— mit einem Worte: das unregelmäßigste Berbunt, das mir je vor- gekommen ist!"— — Die trauernde W i t>v e.„Sie lvaren also nur vier Woche» mit Ihrem seligen Mann verheiratet?" „Ach ja. und darum muß man nun ein ganzes Jahr tranern l" („Lust.»(.") Notizen. — Das Deutsche Theater bereitet eine Neueinstudierung von Hauptmanns„Versunkene Glocke" vor. Das Stau tendelein toird T h e r e f i n a G e ß n e r. den Glockengießer Heninch Otto S o m m e r S t o r f f geben.— — Otto SommerStor ff hat Verhandlungen mit dein Vurgtheater angeknüpft-.— — Das Schiller-Theater verlegte die erste Aufführung von Carlos Gottfried R e n l i n g s Schauspiel„D er Retter" auf Montag, den 2ö. Februar. — T h e r e s i n a G e ß» e r beabsichtigt nach Ablauf ibreS gegenwärtigen Vertrags im Jahre 1002 kein neues festes Eligageineiit mit dein Deutschen Theater wieder einzugehen.— — M a h l e r S Sinfonie„D a S klagende Lied" hatte bei der Erstaufführimg in Wie», die der Komponist selbst dirigierte. einen großen äußerlichen Erfolg. 600 Mitwirkende lvaren an der Aufführung beteiligt.— — Ein F a ch v e r e i n der S ä n g e r i n n e n u» d S ch a u- s p i e l e r i n n e n hat sich in Paris gebildet. Der Berein soll ». a. eine Stellenvermittelung und eine AnsbilduiigSschule für Ge- sang und Vortrag schaffen.— — VIII. internationale K u n st a n s st e l l u n g 1 V0I in M il»che». Hugo von Hab ermann und Albert v. Keller haben sich»ach Paris begeben. um dort die französische Abteilung zusammenzustellen: daS Arrangement für die englische und schottische Abteilung hat Karl Marr übernommen.- — Professor R e i f s von der Technischen Hochschule zp Aachen beabsichtigt seine auf über 200 000 M. bewertete Gemälde- sammluug älterer' und moderner Meister zur Errichttuig eines M ii s e» ist S zn schenken.— — Das wissenschaftliche und künstlerische National- vermögen Italiens beläuft sich der Statistik vom 30. Juni 1S00 zufolge auf 226 617 431 Lire: hiervon Iammeii_ca. 61 Mitlionen auf Bibliotbekeu und 153 Millionen auf Gemälde, Statuen, Vasen nstv.— — Auch in Texas wird jetzt die S t r a u ß e n z u ch t in be- sonderen Anstalten mit Erfolg betrieben.—_ Verantwortlicher Redacteur; iLilbeliii Schröder in W.nueesdors. Druck und Vertag von Matz Babing in Verlm.