Hinterhaltungsblatt des Harwärts SK. 43. Freitag, den I. März� 1901 (Nachdruck verboten) i] Vis Bititfc Veihe. Berliner Roman. Von Fritz Manthner. .Maina, wann giebt's Mittag zn essen?" Es tvar der fünfjährige Siegsried, der zum drittenmal fragte. „Halt' den Miind, dummer Bengel. wir müssen ja wieder auf ihn warten." „Hunger habe ich auch." sagte daraus das kleine Mädchen. „Vater könnte etwas schneller dichten." „Ach Gott, liebes Lenchen, das sage ich ihm ost genug. Aber gerade heute will er ja fertig werden mit seiner großen Sache. Heute müssen>vir tvarten. Nimm Dir'ne halbe Schrippe und gieb Frieden die andre." Da? schlanke, blasse Mädchen sprang vom Schemel ans, wo sie der Mutter bunte Seidenfäden zugereicht hatte, und ging au den Tisch heran. Der war noch vom Morgenkaffee hcr'iuit einem alten roten Tuch gedeckt, darauf standen jetzt drei Teller und Bestecke, allerlei Geschirr. Neben dem Suppen- löffel von gelb gewordenem Neusilber lag ein halbes Dutzend Schrippen. Lenchen suchte eine heraus, welche die wenigsten Rußflecke zeigte, brach sich ein Stück da von ab und gab das übrige ihren: Brüderchen. Lenchen war drei Jahre älter und beinutterte ihn gern. Sie hatte ihn schon lange beobachtet, wie er an der ungedeckten Seite des Tischs auf einem Stuhl kniete und das grobe Ge back mit den Augen heranzuziehen suchte. Während nun die Kinder ihren Hunger ein wenig stillten und miteinander dabei leise von der Maus erzählten, die sie und ihre Spielgenossen gestern auf den: Hof begraben hatten, stichelte Frau Bohrwann weiter an ihrer Handarbeit. Die kleine Wohnung lag vier Treppen hoch an der Nordseite der Frankfurter Linden. Die Hitze eines ungewöhnlich schwülen Juuitags war hereingedruugen. So saß die Lehrersfrau, mit übergeschlagenen Beinen, möglichst leicht gekleidet, da. Ihr Mann, der im Nebenzinuner so langsam dichtete, verabscheute jede Nachlässigkeit in der Kleidung! aber wenn er es anders haben wollte, so konnte er ja anstatt der drei lumpigen Löcher hier unter dem Dache irgendwo eine Bel-Etage mieten, einen Flügel extra für sich, wo er dann den ganzen Tag ungestört dichten konnte, und die ganze Nacht dazu. In solchen Wohnungen gab es gewiß kühle Räume mit Springbrunnen. Sie war gar nicht so dumm. Sie konnte sich auch etwas ausmalen, schöner als er vielleicht. Und wenn sie ihm so nicht Paßte, dann blieb sie erst recht wie sie war. Die Füße nackt, einen alten dünnen Rock, und sonst nur mit einem groben Hemde bekleidet. Sie wußte ganz gut, was Batist war, sie hatte sogar einmal sechs Batisthemden gehabt. Damals, als sie noch glaubte, daß ein reicher Verehrer... ach. Unsinn! Jetzt war sie eine arme Lehrersfran, und blieb cS, weil sie's nicht ändern konnte. Frau Bohrmann ließ die linke Hand mit der Handarbeit in den Schoß sinken und stocherte mit der Nadel in den hübschen, kleinen, regelmäßigen Zähnen. Konnte er auch nicht leiden. Just? Sie mochte kaum niehr als sechsund- zwanzig Jahre alt sein, hatte volle, schöne Formen und ein hartes Gesicht mit einer auffallend kleinen, hübschen, frechen Stupsnase. Das Haar, das ihr ungeordnet in schlecht ge- steckten Zöpfen um den Kopf hing, war von stumpf rötlicher Farbe. Mit einem Lächeln der Befriedigung blickte sie auf ihre Handarbeit, die nun bald fertig war. Ein Sofadeckchen, das sie aus allerlei Lappen mit bunter Seide regelmäßig zusammen- tiftelte. Bor Weihnachten hatte sie das Deckchen angefangen. Zum heiligen Abend sollte sie mit einem Plüschsofa überrascht werden, damit wenigsteus dieses Zimmer hier, die gute Stube, nach etwas aussehe. Die beiden andren Stuben waren ja doch nicht fein zu kriegen; hinten hinaus schliefen die Kinder, seit kurzem auch sie,— seitdem ihn ihre Nähe beini Dichten störte, auf einmal l— und da lohnte cS cigentlich nicht einmal imnier die Mühe, die Betten zu machen. Es kam ja doch keiner hinein, nicht zu den Kindern und nicht zu ihr. Und nebenan, wo er die Schularbeiten korrigierte und dichtete und schlief, da war das alte Gerümpel gerade recht. Nur hier in der guten Stube wollte sie ein Plüschsofa haben, wie ihre Cousine, die doch nur eine Schlitz- niannsfrau war. Zu Weihnachten hatte sie es.bestimmt erivartct. Ihr Mann hatte es ihr freilich nicht versprochen; er hatte auch kein Geld, hatte nie Geld, aber zu Weihnachten konnte doch einmal ein Plüschsofa vom Himmel fallen. Früher einmal, freilich nur ein einziges Mal, hatte sie so einen Weihnachts- abend erlebt. Die kleine goldne Uhr hatte sie von damals noch erhalten, soust nur eine. lustige kleine Erinnerung und eine große Sehnsucht. Frau Bohriuaun blickte vor sich hin, als erivartete sie etwa?.. Lenchen mochte diesen Blick kennen und verstehen. Sic setzte sich wieder auf ihren Schemel und sagte: „Mama, wenn Du mit dem Sofaschoner fertig bist und Papa mit seiner großen Geschichte, bekommen wir es dann?" „Auf alle Fälle, Lenchen," antwortete Frau Bohrmann wieder mit dem Lächeln einer rohen Befriedigung.„Er muß. Eine ganze Garnitur. Sofa, zwei Fauteuils und sechs Stühle. Modcfarbener Plüsch." „Mama, und das modcfarbene Plüschkleid kriegst Du auch?" „Du bist ein Engel, Lenchen. Aber das weiß ich nicht. Und wenn, dann vielleicht lieber ein blauseidenes. Und Du kriegst dann meinen Handschuhkasten, wdißt du, den mit dein nackten Engel darauf, und ich krieg' einen neuen einfachen, mit einem Dutzend drin." „Maina, kriege ich Deinen alten Handschuhkasten mit oder ohne Handschuhe?" Frau Vohnnann antwortete nicht. Sie stierte über den Tisch hinweg durchs Fenster. Ihr Gesicht nahm einen ernsten, träumerischen Ausdruck an, so ernst, als dächte sie nach. „Am Ende hat er wirklich Glück damit," sagte sie lang- sam.„Die dummen Bauern haben oft die größten Kartoffeln. Nein, nein, wenn er Glück hat, will ich stille sein und meinet- wegen glauben, daß er etwas los hat... Dann, Lenchen. dann sollst Du sehen. Ich habe auch bessre Tage gekannt. Wir nehmen dann ein Mädchen für alles, und zum Herbst oder zu Weih- nachten... ja wohl, zu Weihnachten, dann nehmen wir eine Köchin, tveißt Du, Lenchen, eine feine Köchin, und am zweiten Feiertage geben wir eine Gesellschaft, chic, vierzehn Personen, ich bin nicht abergläubisch, aber dreizehn geht nicht. Friede kann den Abend bei der dummen Gans schlafen, bei Fräulein Rehmond nebenan. Du darfst aufbleiben, damit Du'mal eine feine Gesellschaft siehst. Weißt Du, mit'nein Lohndiener und Notwein, und Bowle und Fischmayonnaise." Sie wurde von Siegfried unterbrochen, der jämmerlich zu weinen anfing. „Was hat der Vengel schon wieder?" Den Jungen stieß der Bock. Mühsam brachte er hervor: „Dann kriege ich keine Fischinayonnaise, und Fräulein Rehmond auch nicht. Dann werden die Großen alle Fisch- Mayonnaise aufessen." „Halt' den Mund, dummer Bengel. Vater muß ja arbeiten. Stör' ihn nicht. Wenn er Hefte korrigiert, magst Du heulen, so viel Du willst. Wenn er dichtet, kain: er Heulen nicht vertragen." Lenchen war wieder an den Bruder herangetreten. Er hatte in seinem Schmerz das letzte Stückchen der Schrippe zu Boden fallen lassen. Sie hob es auf und schob es ihm fast gcivaltsam zwischen die Zähne. „Sei doch man gut, Friede", sagte sie gutherzig.„Fräulein Rehnwnd soll nichts abkriegen. Aber Dir hebe ich efivas Mayonnaise ans. lind wahrscheinlich giebt's auch nur Herings- salat." „Wie Du Dich innner mit dem Jungen hast!" rief Frau Bohriuann, als ob sie auf ihr Töchterchen eifersüchtig wäre. „Lass ihn doch!" Da öffnete sich die Thür des Seitenzimmers, und der Lehrer Bohrmann trat herein. Er war ein hübscher, großer, schlank und kräftig gebauter Mann von etwa dreißig Jahren. Um die Augen lag ein hilfloser Zug von Müdigkeit. An der Stelle eines Schnurrbarts war nur ein hellblonder Flauni, aber um das Kinn wuchs ihm etwas dunkler ein dichter, kurz gehaltener Vollbart. Einfache, blonde Locken, wirkliche, natürliche blonde Locken unrrahniten den kleinen Kopf, nur daß das Haar über der Stirne fchon stark gelichtet war. Nervös ging er auf die Kinder zu. Als ob er zanken wollte. Als er aber die verweinte!' Augen Siegfrieds sah, gab er ihm einen Kufe auf die Stirue und sagte: „Ihr habt Wohl Hunger? Seht, die Erde hat mich wieder. Das ist ein klassisches Dichterwort. Wir wollen essen." Er wandte sich an seine Frau und schüttelte mit unter- drücktem Vorwurf seine Locken, als er ihre niangelhafte Kleidung sah. Er selbst trug über einem buntfarbigen Turner- henide nicht ohne Eitelkeit ein baumwollenes Röckchen. Er sah bei aller Acrmlichkeit sauber und sogar ein bißchen geckenhaft aus. „Willst Du Dich nicht anziehen, liebe Hilde? Und wollen wir nicht essen?" „Das fehlte mir gerade noch," rief Frau Bohrmann, die eigentlich Franziska hieß, und die der Lehrer in der sonnigen Brautzeit in Hilde umgetauft hatte, zur Erinnerung an eine alte Sckiwämcrei.„Das fehlte mir gerade noch, daß Du nur Vorwürfe machst. Seit einer Stunde ist das Essen fertig. Die Kinder bellen vor Hunger. Wir lauern und lauern, und da soll ich noch Zeit für meine Toilette haben! Der Herr Theater- dichter möchte sich wohl gerne einbilden, er wäre ein vornehmer Herr. Dann bilde Dir's gefälligst allein ein. Bin ich zu nichts andrem gut, so brauche ich auch nicht Toilette zu machen. Für Dich I Auch noch!" Sie gab die böse Antwort in Phlegmatischem Tone, ohne sich zu rühren; und that dabei, als ob sie ihre Handarbeit vollende. Dann warf sie diese Plötzlich auf den Tisch, daß die bunten Lappen zwischen die Schrippen hineinfielen, und ging hinaus, wo von dem dunklen Flur die Thür nach der Küche führte. Der Lehrer setzte sich zwischen seine Kinder an den Tisch. „Wie oft soll ich es Dir sagen, lieber Siegfried, daß ge- sittete Männer und Frauen die Gabel nicht bereit halten, bevor sie die Speise nicht auf ihrem Teller liegen haben. Es sieht gierig ans und..." Der Lehrer beendete seinen Satz nicht. Das Wort gierig hatte ihn an einen Vers seiner Tragödie erinnert, da ver- schwand ihm die Wirklichkeit, die Kinder, der unordentliche Tisch, die halb leere Stube, alles. Er wachte erst wieder aus, als seine Frau den Napf mit Bierkaltschale auf den Tisch stellte und dazu brummte: „Die Bohnen werden ein bißchen angesetzt haben. Und ich habe sie doch erst vor zehn Minuten vom Loch gerückt." Lenchen hätte auch ohne einen gclvissen aufmunternden Blick gewußt, daß Mama log, und daß sie Unterstützung suchte. Das gehörte immer zu Lenchens geheimen Ver- gnügunge». „Ja, Vater," sagte Lenchen,„das Feuer schlug aber auch ordentlich aus dem Loche heraus. Die teure Kohle, sagte ich, und Mama sagte noch: Wenn Vater doch schneller dichten wollte l" lFortsetzung folgt.) Die Enkfernung dee Sonne. Eine große Anzahl starker Fernrotjre sind jetzt unablässig auf ein kleines Gestirn gerichtet, das vor V/z Jahren entdeckt wurde und damals eine nicht unbeträchtliche Aufregung unter den Astronomen hervorrief: der kleine Planet Eros, der unter seinen 450 und etlichen Geschwistern eine ganz besondere Stellung einnimmt. Der allgemeine Aufbau unsreS Planetensystems war folgendermaßen festgestellt: Um die Sonne kreisen in regelniäßig ans einander folgenden Abständen die vier Planeten Merkur, Beinis, Erde, Mars, welche sämtlich ähnlich wie die Erde gestaltet sind— eine feste Oberfläche haben und verhältnismäßig klein, aber von ziemlich dichter Masse sind. Dan» folgen die zahllosen kleinen Planetoiden, kleine, fast liliputische Weltlorperchen, die nur einen Rauni von wenigen Kilometern füllen. Und in immer weiterer Ferne folgen dann die großen Planeten Jupiter, Saturn, UranuS, Neptun, die in einem weiten Raum eine»och sehr Ivcnig dichte Masse enthalten. In dieses System paßte nun der am 13. Aiigust 1898 entdeckte EroS gar nicht hinein. Seiner Größe und sonstigen Beschaffen« heit nach gehört er unzweifelhaft zu den Planetoiden, und die Astrononien haben sich denn auch entschlossen, ihn dahin zu zählen und haben ihm die Nunnner 483 zugeteilt. Während aber alle andren Planetoiden ihre Bahn um die Sonne in dem großen Räume zwischen Mars und Jupiter durchlaufen, beivegt sich Eros zwischen Erde und Mars oder genauer zwischen Erde und Jupiter; denn seine etwas gestreckte Bahn schneidet die Marsbahn in zwei Punkten und reicht mit einem kleineil Teile über sie hinaus. Infolge seiner eigentümlichen Bahn, die sofort das größte Auf- sehen erregen mußte, koinint Eros der Erde näher als irgend ein andrer Planet; er nähert sich ihr nämlich alle 7 Jahre bis ans 20 Millionen Kilometer, also auf weniger als 3 Millionen Meilen, und gerade dieser Umstand ist es. der da? Gestirn so interessant macht. Abgesehen von der Ungewöhnlichkeit der Bahn ist nämlich hierdurch eiir bequemes Mittel gegeben, die Entfernung der Sonne sehr genau zu berechnen, und das ist der Grund, weshalb der kleine Wcltkörper, der am 3. Februar d. I. in seine größte Erd- nähe kam, so aufnierksain von den Astronomen beobachtet wird. Die Entfennmg der Sonne bildet das Maß, mit welchem die andern Entfernungen in den Weiten des Himmels- ramnes gemessen werden; sie ist— abgesehen von der Entfernung des Mondes— die Grundlage für alle An- gaben über Entfernungen von Gestirnen. Kein Wirnder, daß man für die genaue Feststellung dieses Maßes, dieses hinnn- tischen Meters, weder Nachdenke», noch Zeit und Mühe scheut und es imnier genauer zu ermitteln sucht. Entfernnngeil am Himmel könncn wir nicht anders bestünmen als solche auf der Erde, falls wir sie nicht direkt ansmcssen: wir müssen eine Standlinie haben, von deren beide» Ende» der entfernte Punkt in verschiedenen Richtungeu erscheint. Wir sehen zum Beispiel auf einer Landstraße marschierend in der Ferne seillich über einem Wald den rauchenden Schonistcin einer Fabrik aufsteigen; wir gehen so weit, bis die Richtung zum Schornstein gerade senkrecht auf derjenigen der Landstraße steht; dann gehen ivir genau 100 Meter weiter und blicken wieder nach dem Schornstein hin. Jetzt ist er nicht mehr senkrecht zur Land- straße, sondern ein wenig geneigt. Haben wir ein Winkelmaß- Instrument zur Hand, so läßt sich diese Neigung leicht ausmessen, sie betrage z. B. 3 Grad. Mittels einer Rechnung von wenigeu Minuten können wir dann mit voller Sicherheit erklären, daß die Fabrik 1910 Meter, also fast zwei Kilometer von uns entfernt ist. Genau so Versucher» wir am Himmel zu verfahren: Wir messen z. B. in einer schönen Vollmondnackt gerade um Mitternacht, wem» der Mond ani höchsten steht, die Neigung, welche die Richtung, in der wir ihn sehen, mit unsrcm Standort, sagen wir mal der Friedrich- straße in Berlin macht; gehen tvir die Friedrichftraße hinunter, um noch von eine»» ziveiten Punkt die Richtung nach dem Monde zir messen, so merken wir bald, daß diese Richtung überall die- selbe ist. Der Mond ist eben so weit von uns entfernt, daß ein Unterschied in der Richtung sich erst bei einer sehr großen Standlinie ergiebt. Immerhin läßt sich eine solche noch ausmessen, und man hat danach die Entfernung des Monds zu etwas mehr als 50 000 Meilen gefunden(genauer 51544 Meilen � oder 385 080 Kilometer). Um aber die Entfernung der Erde von der Sonne zu bestimmen, versagt jede irdische Standlinie; selbst weil» man den Durchmesser der Erde, also eine Strecke von 1720 Meilen, zu Grunde legt, so erscheint die Sonne trotzdem von beiden Endpunkten in durchaus gleicher Richtung. Schon früher versuchte man daher einen andren Weg zur Lösung der Aufgabe. Der erste, der einen ernsthaften Versuch unternahm, war der griechische Astronom A r i st a r ch, der bereits vor mehr als 2000 Jabrcn die Sonne in den Mittelpunkt der Welt setzte, und lehrte, daß die Erde eine tägliche Drehung um ihre Axe und eine jährliche Bewegung um die Sonne ausführte, eine Lehre, die»ach mehreren hundert Jahre» wieder völlig in Vergessenheit geriet. Aristarch stellte folgende Ueberlcgung an: die Lichtgestalt des Mondes ändert sich mitseiner gegenseitigen Stellung zur Erde und Sonne. Bei Ncnmond steht er zivischen Erde und Sonne, so daß er uns die nicht erleuchtete Seite zukehrt; bei Vollmond steht er von der Sonne ausgesehen hinter der Erde, weswegen Ivir die erleuchtete Seite sehen. Von der Stellung zwischen Erde und Sonne geht er, die Erde umkreisend, allmählich zur andren Seite der Erde herum, wobei seine Lichtgestalt immer mehr zunimnit. Hierbei muß einnial eine Stellung konimen, bei welcher die Ver- bindungslinie von der Erde nach dem Monde ans der Richtung von der Sonne nach dem Monde senkrecht steht. Aeußerlich ist diese Stellung leicht erkennbar; denn bei ihr muß uns die Mondkngel gerade die Hälfte der beleuchteten Seite zukehren, also genau als gefüllte Sichel, als Halbkreis er» scheinen. Mißt man nun gerade zu dieser Zeit den Winkel, welchen die Blickrichtung von der Erde nach dem Mond niit der nach der Sonne macht, so würde man in dem Dreieck Erde, Mond,«Sonne zwei Winkel kennen, und mithin die gesuchte Eiitfernung der Sonne als ein Vielfaches der Entfernung des Monds auszüdrücken vermögen. Aristarch fand, daß zur Zeit der Mondquadratur— so nennt man die erivähnte Stellung— die Blickrichtung nach der Sonne auf der nach dem Monde nicht senkrecht steht, sondern um fast 3 Grad von der Senkrechten abweicht. Hieraus ergab sich die Entfernung der Sonne zu 20 Mondfernen, also zu etwa einer Million Meilen. Diese erste Messung gab die gesuchte Größe etwa zwanzigmal zu klein; die Sonne ist ungefähr 400 mal so weit von uns entfernt, als der Mond. Aristarch fand die Abweichung, die die Blickrichtung»ach der Sonne von der Senkrechten hat, mit 3 Grad eben viel zu groß, sie beträgt kaum einen halben Grad, also eine Größe, zu deren Messung sehr feine Instrumente gehören, wie man sie damals keines- Wegs besaß. Dazu kommt, daß der genaue Augenblick, in welchem die Mondquadratur eintritt, sich keineswegs sehr genau feststellen läßt. Deswegen hat diese älteste Methode keine sehr zuverlässigen Resultate geben können, und man hat nach andren Methoden zur Ermittlung der Sonnenentfernung suchen müssen. Ans alle diese Methoden können wir hier nicht eingehen; nur eine soll noch kurz besprochen werden. Einen wie große» Wert die Ästronomen auf die genaue Bestimmung dieser Größe legen, ist u. a. ans den ungeheueren Ansivendungen zu ersehen, welche auf ihre Veranlassung von Privaten und Staaten zur Ermittelung derselben gemacht werden. Den älteni Lesern wird es noch erinnerlich sei«, daß vor 30 und 20 Jahren, in den Jahren 1874 und 1882, fast alle Kulturstaaten mit einem Aufwand von Hnnderttausendeu von Mark Beobachtnngsstationen auf verschiedenen Orten der Erde errichteten, uni den Vorübergang des Planeten Venus vor der Sonne zu beobachten. Dieses Ereignis, das in Zwischenräumen von etwa hundert Jahre» zweimal kncz hintereinander eintritt— die nächsten sogenannten Vennsdnrchgänge werden sich in den Jahren 2004 und 2012 ereignen— dient lediglich der Bestimmung der Sonnenferne. Seitdem die wahren Gesetze der Planetenbewegnng erkannt sind, ist auch eine einfache Beziehung zwischen den llnilanfszeiten der Planeten und ihren Entfernungen von der Sonne festgestellt worden. Daraus folgt, wenn man die Umlanfszeit der Venns oder eines andren Planeten kennt— diese Zeiten sind aber genau zu be- obachten—, daß man eine einfache Beziehung zivischen der Entfernung der Venus und derjenigen der Erde von der Sonne hat. Nunmehr ist für jeden, der mit Rechnen auch nur etwas Bescheid weiß, klar, daß man die gesuchte Entfernung findet, wenn man diejenige der Venns kennt. Da die Venus bei ihrem Borübergang vor der Sonne sich beträchtlich näher an der Erde befiirdet als die Sonne, so ist die Verschiedenheit der Blickrichtungen nach der Venus von zwei entfernten Punkte» ans, etwa von London und Kapstadt, leichter zu messen, als eine solche nach der Sonne zu messen wäre. Noch stärker und daher genauer zu niessen müßte die Verschiedenheit der Blickrichtungen nach einem Gestirn sei», das sich der Erde noch mehr nähert. Ein solches Gestirn ist nun deraufaugs erwähnte kleine Planet Eros, der sich Anfang Februar»nsrer Erde bis auf weniger als drei Millionen Meilen genähert hat. Diese Entfernung ist so ge- ring, daß die Verschiedenheit der Blickrichtnngen nach ihm that- sächlich noch genauer zu ermitteln sind, zumal mit den verfeinerten Instrumenten der modernen Etermvarten, als es bei den früheren Messungen nach Ivciter gelegenen Sternen der Fall war. So ist denn mit Sicherheit zu erwarten, daß der gesuchte Metermaßstab am Himmel durch die Beobachtung dieses seltsame», erst seit zwei Jahren bekannte» Gliedes uusres Planetensystems recht genau er- miltett wird.— Bt. Kleines Feuilleton. a. Böcklins Rache. Das meist belachte Bild Arduold Bvcklins war zweifellos die berühmte„Sri so nun im Bade" mit den beide» löstliche» Typen der die ,, Schöne" heimlich belauschenden Männer. Das Bild erregte auf der Internationalen jtnustausstelliing 1801 ,iu Berlin lebhaftes Aufsehen. Es dürste aber wenig bekannt sei», daß der Meister einst mit diesem lanuige» Gemälde eiueu schnöden Mißbrauch hat bestrafe» wollen, dem erzuni Opsergefallen war. In den 80er Jahren, als er in Zürich wohnte, sprach ihm der Berliner Baulier St. den Wunsch ans. ein Bild bon ihm zu besitze»! aber als schlichter Privoiinarm könne cr uimiöglich so viel dafür bezahlen, wie ein Kunsthändler. Böcklin erbarinlc sieh des„armen Manns" und gab ihm ein Bild für einen mäßigen Preis. Es dauerte mir ein paar Wochen, da las ninn in Berliner Zeitungen, daß da? Gc- mälde bei einem Kunsthändler ausgestellt würde, und nach ein paar Monaten hatte dieser es um einen mehrfachen Betrag an eine Galerie verkauft. Ein Fahr verging, da tauchte der geschästskmidige Berliner wieder in Zürich auf und klagte Böcklin, daß er fich zu seinem schmerzlichen Bedancrii das Bild von dem Kunsthändler habe euttviiide» lassen; flehentlich bat er den Meister, er möchte ihm doch ein andres Bild überlassen. Böcklin ließ sich in der That noch einmal erweichen — aber das neue Gemälde ging natürlich denselben Weg wie das frühere, und nun Ivar klar, daß der„begeisterte Verehrer" lediglich als Vermittler jenes Kunsthändlers diente'; später erfuhr man sogar, daß er an dessen Geschäft direkt beteiligt war. Als der Herr aus Berlin eines Abends am Stammtisch in Zürich erschien, meinte Böcklin im Laufe des Gesprächs, er male am liebsten auf großen und gut gearbeiteten Mahagouibrcttern, aber die wären sehr schwer zu bekommen. Da fragt« der Berliner Geschäftsmann: „Herr Professor, wen» ich Ihnen ein Mahagonibrett schicke, malen Sie mir dann ein Bild darauf?" Böcklin willigte ein. Das Mahagonibrett kam dann aus Berlin und der Absender fügte zugleich die Bitte Hinz», daß das Bild zum Geburlstag seiner Frau geeignet fem möchte... Das paßte dem Künstler vortrefflich; im Zorn über die ihm widerfahrene Kränkung malte er die lustige Satire„Susanna im Bade" I Pünktlich traf das mit Spannung erwartete Bild zum Geburtstag tu Berlin ein. Die Seen« im Hause des Bankiers kann man stch denken. Das Bild wurde abgelehnt und zurückgesandt: Böcklin solle Herrn St. auf sein Brett entweder ettvas andres malen oder ihm dieses„unversehrt" zurückgeben. Die heftigen Auseinander- setzmigen blieben erfolglos, schließlich kam es zu einem gerichtlichen Verfahren. Das Ende vom Liede war, daß das Gemälde dem Künstler verblieb; er mußte mir für das Brett eine geringe Ent- schädignng zahlen. Bald darauf wurde das in übermütiger Laune geschaffene Bild von einem andren Berliner Geschäftsmann erworben. der es dann hier ausstellte. Wiederholt ist die„Snsaima im Bade" gegen hohe Preise in andre Hände Lbergegaiigeu; gegenwärtig befitzt cm Herr in Basel das Bild, das eine so eigenartige Geschichte hat.— — Tschao-Tschn-Tschiaos Selbst mordgedan'kcn. Maski J Wie Buddha will! Keinen lumpigen Tael möchte ich eigentlich für mein Lebe» geben, wenn die Sache so ausgeht, wie meine euro- päischen Gönner sich's zurecht gelegt haben. Die Leute haben sich zu einem Verzlveiflnngsschritt entschlossen, den ich begehen soll. Und daS schon seit geraumer Zeit I Aufrichtig gesagt, bin ich in größter Verlegenheit, was ich als Sclbslmordmotiv angeben soll. Die Pekinger Polizei-Korrespondenz kann doch nicht verlautbaren: Selbstmordmoliv: Unheilbarer Waldcrsee. Na, darüber sollen fich die Redactenre der„Sche-wn-sche-pau" den Kopf zerbrechen. Ich habe tvichtigere Sorgen. Vor allem könnte mir passieren, daß ich einen verunglückten Selbstmordversuch mache. Heiliger Consneins I Das wäre eine schöne Geschichte. Meine englischen und amerika- nischeu Freunde würde ich in eine nette Patsche bringen. Die haben ein Gesetz, daß, wer einen Selbstmord begeht und die Sache nicht gründlich besorgt, in ein Gcrichts-Name» gesteckt wird. Und an das Gesetz dürfen sie sich überhaupt nicht erinnern, sonst kämen sie dazu, sich selbst den Prozeß zu machen wegen Anstiftniig und unerlaubter Beihilfe zum Selbstmord... Wie eine Primadonna komme ich mir vor. Rur tvird statt meines Anftretcns mein Abtreten ange- kündigt, wieder verschoben, dann endlich festgesetzt. Die Karte» bebalten ihre Gültigkeit.... Eins freut mich: daß ich im vorigen Jahre dem Zureden der Misstonare Stand gehalten habe. Wenn up denen gefolgt hatte, wäre ich jetzt in einem traurigen Zwiespalt mit mir selbst. Die Missionare haben mir gesagt, daß Selbstmord eine Todsünde sei. Ich habe es ihnen nie glauben wollen. Aber sie behaupteten es steif»nd fest. Das war im Vorjahre. Seitdem kann fich doch alles geändert haben. Das wäre eine schöne Geschichte, wen» ich jetzt ans priiicipiellen Geivissensgründen den Leuten nicht einmal den kleinen Gefallen machen könnte, mir den Banch aufzuschlitzen. Ra, das ist mir erspart gebliebe». Meine Religion läßt mir in der Beziehimg volle Freiheit.... Ich hätte schon längst der Sache ein Ende gemacht, wenn nicht unter de» fremden Teufeln ein paar Ocstreichcr wären. DaS sind Leute voll Ordnungsfinn und Genauigkeit. Die haben mich gefragt, ob ich einen Waffenpaß besitze, sonst könnte ich mit der Polizei Unamiehmlichkeiten haben.... Das leuchtet mir ein, und darnm wird mir nichts übrig bleibe», als meinen Leibknli mit meiner Vertretung zu beauftragen. Hochgestellte Persönlichkeiten müssen mit gutem Beispiel vorangehen und dürfen keine Polizeivorschnftcn übertreten.— Worauf fich Tschao-Tschu« Tjchiao in eine Rikhsa setzte und daS nächstgelegene Theehans aufsuchte.-(„N. Fr. Pr.") Geographisches. ss. Die neueste» Forschungen im südlichsten Amerika, die von den Gelehrten der Princetoii-Universität unter- uonimen worden sind, werden vom Professor Hatcher mit Bezug ans die geographischen Ergebnisse in dem„National Geographica! Magazine" besprochen. Die Ostlüfte des südlichen Patagonien besteht in einer Reihe von Mceresklippcu in einer Höhe von 300- bis S00 Fuß, nur au de» Flnßmündmigcu besitzt sie einige Unterbrechungen der steilen Fclsufer als Hafenzugänge. Die Gesteinsschichten, aus denen die Klippen züsmimicngesetzt find, liegen fast horizontal und bestehen aus zwei Mecresablagernngeu, getrennt durch eine Landbildung, und sämtlich bedeckt durch die sogenannte Große Kiesformation, ein Gebilde, das teils der Wirkung von Gletscher», ieils der des Wassers ihren Ursprung verdankt. Im Hinterlande der Küste finden fich weite Ebenen, die fast gänzlich Wüste sind und nur einen dünnen Graswuchs und vereinzelte Gebüsche aufweisen. DaS Guanako, jene Abart des Lama,»nd der südamerikanische Strauß ist in diesen Geländen überaus häufig. Die Ebene» werden durch Felsgebilde unterbrochen, die oft mehrere hundert Fuß hoch anfrage» und der Küste parallel augeordnet find, so daß sie wohl mit Sicherheit als ehemalige Meeresklippen zn betrachten sind, die bei der letzten Neberflutniig des Lands über das Wasser hinaufragten. Beträchtliche Flächen im Innern find mit alten Lavaströmen bedeckt, die weithin einen schlackigen Boden bilde» und hin und wieder von tiefen Schluchten durchsetzt sind. Das Klima und die Verteilung der Gewässer nniß sich in diesem Gebiet während der letzten Zeit erheblich verändert haben, denn kleine Salzseen und ivaffcrleere Thäler deuten darauf hin, daß die Flüsse jetzt vielfach eine» andren Weg nehmen als früher, In der Nähe des Abhangs der Anden ist der Bode» mit alten Gletschergeröllen übersät und von einer Fülle kleiner Seen eingenommen. In wissenschaftlicher Beziehmig ist das südlichste Amerika somit ungemein intmffant. weil hier alle möglichen Naturvorgänge in ihrer Umgestaltung des Lands studiert tverden können: eine alte Meeresbedecknng, eine frühere Vergletscherung und eine Umwälzung in der Verteilung dtzr — 172— fticfeenben und stehenden Ge>vä sser, lvie sie mit gleicher Deutlichkeit nicht oft zu beobachten ist.— Physikalisches. — Neue Verbesserungen der drahtlosen oder ab- gestimmten«»d mehrfachen Funken telegraphie führte Prof. Dr. S l a b h vorgestern im Konferenzsaale der ,.Allg. Elektr.-Ges." (Schiffbauerdamin) einem geladenen Kreise Nor. Die..Nat.-Ztg." berichtet über diese Vorführung: Der Blitzableiter dieser Centrale diente als Eiupfängerdraht für die im Laboratorium des Prof.sSlaby in Charlottcnbnrg und in der 14 Kilometer entfernten Centrale Öberspree in Nieder-Schönetveide nufgegebcnen'Lnfttelegranmie. Die Aufgabe und der Ewhfang dieser Telegramme ohne Drahtleitung geschieht genau lvie bei der Drahttelegraphie im Zimmer durch Morse- oder andre Apparate. Die Neuerungen und Verbesserungen der Funkentclcgraphie beruhen, wie der Vortragende ausführte, aus der Entdeckung, dag die elektrischen Wellen, die den funkengebenden oder empfangenden Draht errege», nhnlickcn Gesetzen folgen, lvie die Schall- oder Tvnwclleu. Diese Entdeckung wurde auf photographischem Wege von Dr. Slaby gemacht. Man ninnnt dabei Aetherschwiugnngen an wie bei Licht und Wärme. Die gesetz- rnästige Erschütterung des Aethcrs geschieht bei dem Ueberspringen der Funken 5—7 millioueumal in der Sekunde und verbreitet sich mit derselben Geschlvindigkeit durch den Ranm. Treffen die Wellen- betvegungen auf ihrem Wege einen Draht von gleicher Länge n»d gleichen Eigenschaften wie der gebende Draht, so ziehen sie ihn in Mitleidenschaft, versetzen ihn in ähnliche Schwingungen. Voraus- fetzung dabei ist, dast die SchtviugungSdaucr der Drähte miteinander übereinstimmt. Die elektrische Erregung auch des entfernten ziveiten Drahts ist so stark, dah»»an Funken aus ihm ziehen kann. Jedoch sind bei gröberen Entfernuugen die Funken so klein, dost sie für das Auge unsichtbar bleiben. Nur durch Einschaltung eines„Fritters", einer kleinen Menge Eisenfeilspäne zivischeu zwei Leitern ivird der Funke mittels eines GalvauonreterS bemerkbar und läsit seine Wir- kung auf eineir Schreibapparat übertragen. Ist der Auffangdraht isolirt, so schlvingl er nur mit halber Wellenlänge; mit der Erde verbunden aber bringt er die elektrische Feuerivirkung zur vollen Geltung. Dabei kam» man ohne weiteres eiserne SchisfSinastcn und Blitzableiter als Empfänger beuütze». Dag der EmpfaugSdraht einfach in die Erde zu stecken sei, war in» vorigen Jahre nocb nicht bekannt. Damals glaubte mau noch, dab dann die ganze Wirkung sich in die Erde ableiten wurde. Erst die Erkenntnis datz es sich um Wcllenschwingungen mit Knotenpunkten»md Aus- ladungen handelt, hat zu dieser weiteren Entdeckung geführt. Immerhin war die Wirkung in die Ferne, auch wenn man mit ab- gestimmten Drähten arbeitete, eine mmimale. Ilm sie zu verstärke», unr den Empfangsdrabt zu verlängern, schaltete man Spule» ein, deren Wirkungen ebenfalls geuail mit der Wellenlänge der elektrischen Schlvjiigliugen übereinstimme» müsse». Das hat die erstaunliche Vcrstärlmig der Kraft um daS Zehn- und Zwauzigfache herbei- geführt. Die Sicherheit der Zeichengebnng ist dadurch geradezu überraschend geworden. Der Vortragende demonstrierte die Ver- siärknng eines elektrischen Stroms durch eine Spule und er- zeugte damit die zehnfache Funkenlänge lvie vorher. Er schätzte die Stärke des Stroms dabei auf zwei Millionen Volt. Mau schältet nun jedesmal vor einen Friller eine solche Spule und erzielt damit»icht nur eine vollkommene Sicherheit der Zeichengebnng, sondern auch einen unbedingten Schutz gegen das Auffangen der Nachrichten durch Unberufene imd die Möglichkeit,»nit demselben Empfänger- droht zu gleicher Zeit mehrere Telegramme von verschiedenen Seiten aufnehmen zu können. Vor den Zuhörern wurde mm vom Sitzungssaal aus eine Nach- richt nach den beide» anderen Stationen telegraphiert und alsbald lief gleichzeitig von Nieder-Schöneiveide und von Charlottenbnrg die fehlerfreie Antwort ein, die»nit den» Morse-Apparat aufgenommen wurde.— Technisches. — Die A l u n, i n i n in- I n d u st r i e in der Schweiz. Der„Frkf. Ztg." wird geschrieben: Immer mehr gciviimt die Aluminium-Jndustrie, besonders die Herstellung von Platten für die Zivecke der Algraphie, die jetzt schon vielfach de» lithographischen Druck verdrängt, in der Schiveiz an Bedeutung. Wohl ist es richtig, daff Alnminiuni eine delikatere, vor- und umsichtigere Behandlung erfordert, als der Stein, das; daher auf die Steintechuik eingewöhnte Geschäftsleute sich nicht leicht für ei» andres Verfahren begeistern und ivcnig geneigt sind, kostspielige und liebgewomiene Einrichtungen au neue zu vertauschen und auf diese die erforderliche Ausdauer und geistige Rührigkeit zu übertragen. Wo dies aber der Fall und rationeller Betrieb und' Fachintercsfe vorhanden, bleibt der lohnende Erfolg nicht aus. Fachmänner, wie der Züricher Johann Haupt, der'in Wien der erste Bahnbrecher und Träger auf diesem Gebiete geivorden, haben gezeigt, daß das neue Verviel- fältigungsvcrfahren für erhöhte künstlerische uud wissenschaftliche Ausführung, sowie für erleichterte und billige Berivertung in Industrie, Handel und Gewerbe den übrigen Verfahren vorzuziehen sei. Zudem gestatten die leichten, dünneu Alnminiuniplatten die Aufbewahrung in der Hand des Autors und EigentünierS und eine viel längere Verivendnng und 5torrcktnr als die Steine. Für Figür- liches und Landschaftliches, für technische Pläne, für geographische und topographische Karten, für astronomisch« Zeichnungen und?kach» bildnngeu usw. sind die feine» Alumiinnn»-Platten ein viel aus- giebigeres Substrat; es ist auch das Auftragen der Tusche auf Aluminium nicht so delikat als auf den Stein— doch nnifc man auf die Origiualzeichnmig größere Sorgfalt verwenden. Größe und Maß» stab der Zeichnung sind beim Aluminiun» bis auf m/r70 Ccntimeter Fläche ausführbar. HnmoristischeS. — Warnung.„Freunderl, nimm Dir»nr ja nie eine Frau. die schielt, so wie die meine l Wenn ich. einmal später nach HauS komm', da schaut s's mit einem Aug' auf d' Uhr uud m i t'm andern durchbohrt s' mich!"— — Moderne Dichter locke. Sie:„Denke Dir, Egon. diese Locke hat mir der große Dichter gestern verehrt!" Er: Locke? Das ist ja bloß ein Schüppel kurzer Borsten!" Sie:„Ja, weißt Du, Männchen, es ist eben ein moderner Dichter!"— — Kathederblüte. Professor:„Der Patient, meine Herren, den ich Ihnen hier vorführe, ist sozusagen ein Alkoholiker vom reinsten Wasser!"—(„Meggend. hum. SOI.") Notizen. — a. Zur H e r st e I l u»> g des technische» Wörterbuchs. welches der„Verein deutscher Ingenieure" ins Werk setzen will, ist der Sprachforscher uud Lexikograph Dr. H. Jause u engagiert worden; ein Ausschuß steht ihm beratend zur Seite.— —„4!»ic»»de von» Theater", eine alte Posse, geht am 9. März im Thaliatheater in Seene. Das Stück ist dahin modernisiert worden, daß der zweite All ein„Ucbcrbrettl" bringen wird.— — B r i e u x' Drama„Die rote Robe" konnte bei der Aliffnhnmg am Mittwoch im Wiener Burgtheater keinen Erfolg finden.— —?l n g u st E n n a S musikalisches Märchen„DaS Streich- h o l z m ä d c l" fand bei der Aufführung im Joscsstädter Theater in Wie n eine freundliche Aufnahme.— — Eine Karl Becker-Ausstellung wird im März im K ü u st I e r h a u s e veranstaltet werden; die AnSstellimg ivird den Nachlaß dcS Meisters und Werke von ihm, die sich im Privatbesitz befinden, bringen.— — Zur Erlangung von modernen Fayaden- e n t w ü r f e n schreibt der Verlag S e c m a n n u. C o. in Leipzig einen Wettbeiverb für deutsche Architekten ans. Das ausführliche Ausfck, reiben ist kostenlos durch die genannte Verlagslmchhaiidlung zu beziehen.— — Der neue Stern im Bilde des Perseus hat bereits an Helligkeit abgenommen.— — Preisausschreiben. Der Berliner Magistrat hat auf die beste Darlegung der Gründe, auf die daS Nosien der eisernen Dampfheiznngsrvbrc und Gefäßwandnugen bei geschlossenen Marmwasscrbcreitungs- Kesseln, durch welche irisches Wasser stetig fließt, zurückzuführen ist und die auf genügende Versuche gestützte Angabe von praktisch brauchbaren Mitteln, um solches Rosten Wirksani zu verhindern, einen Preis von 3