Ar. 337. AdomiemeMs-Kedingungkn: Wbunnements- Pret» prän»m«rando: Vierleljährl. Z.N Ml., monatl. l.lvMl.. 'vi>ch-»!ltch 28 PIg. frei tn» Hau». Sini«Ine Nummer S Big. EoniuagS- ?!i»>l>ner mit lllufltlcvier Sour.lag«* Beilage»Tie Neu« Welt" lll Pfg. Polt- «bonnemmt: S.S0 Marl pro Quartal. «iwgclragen in der Post< getiuug». Preisliste für lSS» unter Dr. 7U2V. Unter ttreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Su!lanÄ 3 Marl pro Monat. Erschewt ligllrh«utzer Monlago. Devlinev Volksblakt. 16» Jahrg. Die Knstrttons- Gebühr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum»0 Pfg., für poliltsche und gewerlschaftltche BereinZ- und Versammlung»-Anjeigsn 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jede» Wort 5 Pfg. (mit da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 1 Uhr nachmittag» in derSrpedilion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und tz-suagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher! Nmi I, Hr. 1508. Telegramm-Adresse: «Sorinldemokrat Berlin« CentraloOgan der socittldemokrcrtiMen Vartei Deutschlands. Ledalttion: LV/. 19, Vcutlz-Strafze 2. Donnerstag, den Ä8. September 18�6. Expedition: LM. 19, Venllz-Skrasze 3. Abounements-Einladung. Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf den „Vaviv£ivf&" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Unterhaltungsblatt und der SonntastS-Beilage „Die Deue Tvelt". Im Unterhalt>uigSblatt beginnen wir am 1. Oktober mit dem Abdruck eines ergreifenden, psychologischen Romans HNNNÄ Von Peter Egge. Für Berlin nehmen sämtliche Z e i t u n g S s p e d i t e u r sowie unsere Expedition. Bruthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für austerhalb nehmen sämtliche Postanstalten Vc stellungen zum Preise von 3 Mark 30 Pfennig für die Monate Oktober, November, Dezember entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zcitungs liste unter Nr. 7820.) Die Ncdclktion des„Vorwärts". Exkollege Zedlitz. Freiherr v. Zedlitz und Neukirch, Geheimer Ober-NcgierungSrat� Ritter hoher Orden. Präsident der Seehandlnng. Mitglied dcS preiißischcn Abgeordnetenhauses, Führer der freikonscrvativcn Partei ist nicht mehr— Kollege. Im Pflichtenkainpf zwischen amtlicher Ruhe und jonrnalistischcr Thätigkcit, zivischen Kanalhandcl und See handlimg entscheidet er sich für das kleine aber feste Einkommen von 15 000 M., das er als Präsident der preußischen Staatsbank bezieht Die„Post" enthält folgenden Abschiedsbrief: In eigener Sache. Da die Richtigkeit unserer Angabc, daß Herr v. Zedlitz zu unfern Mitarbeitern gehörte, bezweifelt worden ist, haben wir uns zur Veröffentlichung folgender Znschrist ermächtigen lassen: Berlin, 23. September 1899. Geehrter Herr Ehefredacteur! Seit mehr als ziuniizig Jahren habe ich Wert darauf gelegt, ,n der„Post" meine Aiischniningen über eine Reihe von politischen Fragen zur Geltung bringen zu köinie». Nachdem aber diese meine Thätigkcit zn Mißdeutungen seitens politischer Gegner Anlaß gegeben hat, mir öfter auch Artikel zugeschrieben, in d. ivclche ich nicht verfaßt Hobe, irrte ich, nachdem ich, wie Jhiien bekannt, bereits mlmittelbar nach Schluß des Landtages die nötigen Schritte zur Lösung meiner Bezichuiiqcu zur„Post" gcthau Halle, hiermit von jeder Mitarbeit an Ihre», Blatte zurück. Mit vorzüglichster Hochachtung ergcbcnst Zedlitz. Der Brief spiegelt zunächst die Verwirrung wieder, in der sich die„Post" lind ihr geistiger Leiter, Herr v. Zedlitz, gegenwärtig bc finden. Die„Post" will ihre Behauptung vom 22. September, daß Herr v. Zedlitz zu ihren Mitarbeitern gehörte, durch die vom 23. September datierte Kündigung deS BerhältniffeS beweisen. In nicht minderer Erregung aber befindet sich der Herr v. Zedlitz, der nicht einmal daS Datum des TagcS richtig anzugeben weiß, au dem feine„Zuschrift" in Schivciß und Müh hergestellt worden ist. Am 23. hatte der Vertraute Miguels und StummS noch keineswegs Angst vor Mißdeutungen, dieweil erst am 2oUi»fcho MobvvMA Berlin, den 27. Septcniber. Die Wahl in Pirna-Scbnih. Die Stichwahl am Dienstag im 8. sächsischen Wahlkreise hat mit einem Siege des Neformparteilers Lutze, der den KreiS bisher schon vertrat, geendet. Lotze erhielt 13 220 Stimmen, unser Kandidat, Genosse Landtagsabgeordneter Frasdorf, 12560 Stimmen. Unsere Partei hat keinen Grund, über den Ausfall der Wahl zu klagen. Der Fortschritt, den wir in jenem Wahl- kreise machten, ist ein ganz bedeutender. 1890 Hutten wir dort erst 3922 Stimmen, 1893 wurde der Wahlkreis von unserer Seite zum erstenmale ernsthaft berannt und wir erzielten 7989 Stimmen, in der Stichwahl, die nötig wurde, 9728 Stimmen. 1898 brachte uns der erste Wahlgang 10007 Stimmen, aber infolge des Zusammenbruchs des Freisinns kam es zu keiner Stichwahl. Da infolge der Ungültigkeitserklärung der vorjährigen Wahl die Neulvahl stattfinden mußte, erreichten lvir im ersten Wahlgange 11571 Stimmen, wurden die. stärkste Partei im Wahlkreise. Bei der jetzigen Stichwahl hatten wir einen nochmaligen Zulvachs um fast 1000 Stimmen, Aber der anti- cmitische Gegner, der bei der Hanptwahl um etwa 900 Stimmen hinter uns zurückgeblieben war, erhielt den sehr bedeutenden Zuzug von ungefähr 2300 stimmen. Ob dieser Zuzug mehr aus den Reserven, oie dem ersten Wahlgang fern geblieben waren, oder ans den 1825 Stimmen der freisinnigen Partei erwachsen ist, läßt sich nicht sicher beurteilen. Sehr wahrscheinlich ist aber, daß zahlreiche freisinnige Wähler, wie es schon 1893 geschah, für den Anti- semiten gestimmt haben. Der Freisinn hat seine Wähler nicht in der Hand; es sind unklare, zum politischen Krakehl neigende Elemente ohne ernsthaft freiheitliche Gesinnung; der Unter- schied zwischen Freisinn und Antisemiten ist ihnen nicht allzu groß, er verschwindet völlig hinter dem Gegensatz zu den Arbeiterforderungen. Aber auch die frei- sinnige Presse Berlins hat fürwahr nicht den mindesten An- laß, den Ausgang der Wahl zu bedauern, denn sie trägt ihr gut Teil Schuld daran, indem das höchste, wozu sie sich auf- zuschwingen vermochte, die Empfehlung an die Wähler war, nicht für den Kandidaten der antisemitischen Reaktion zu stimmen. Die deutsch-sociale Reformpartei triumphiert, daß sie ge- siegt habe. Die„Staatsbürger-Ztg." überschlägt sich in drolligsten Purzelbäumen:) «Die deutsch-sociale Neformpartei darf den Tag von Pirna mit goldenen Lettern in ihre Partcigeschichte eintragen, die RerchStagS-Nachwahl hat in einem glänzende»Stege der Antisemiten über die Socialdemokraten ihren Abschluß ge- funden. Er sLotze) hat der Soeialdeniokratie eine Niederlage bereitet, die diese nur s ch!v e r ü b e r w i n d e n dürfte, die deutsch-sociale Neformpartei aber hat mm den Be- weis geliefert, baß sie daS festeste Bollwerk gegen die Sturmfluten des Umsturzes bildet.... Der Tag von Pirna ist aber auch in anderer Beziehung er- freulich: er hat das Bürgertum in treuer Waffen- brüderschaft gefunden und gezeigt, daß dieses sehr wohl in der Lage ist, aus eigener Kraft die Socialdemokratie zu besiegen. Hoffen wir, daß der Tag von Pirna einen M a r l st e i n i n der Geschichte des deutschen Bürgertums bildet, daß mit diesem Tage die Socialdemokratie ihren Höhepunkt überschritten hat!" Die Herren Großmäuler des sächsischen Radau-Antisemitis- mus find sehr bescheiden geworden. Wir erinnern uns der Reden der Zimmermann und Lieberniann vor einem halben Dutzend Jahren; wie blähte man sich damals l Jetzt mußte Scrr v. Liebermann selbst bekennen, daß die antisemitische ewegung auf den toten Punkt angelangt sei, und Herr Zimmermann fiel kläglich durch in der Hauptresidenz der Neformpartei und die ganze ostsächsische Antisemitenherrlichkeit brach zusammen. So ist eS denn jetzt schon ein Großes, wenn ein Wahlkreis mühselig erhalten bleibt, wenn der socialdemokratische Vornmrsch nicht völlig sein Ziel erreicht. Einst wollte man der Socialdemokratie Wahlkreise entreißen, jetzt ist man trunken, wenn die Socialdemokratie nur nicht jeden ansisemitischen Wahlkreis im ersten Ansturm erobert. Und bei alledem konnte die socialdemokratische Eroberung des Pirnaer Wahlkreises nur durch einen schimpflichen Bund der buntscheckigen„Ordnungsparteien" verhindert werden. Früher zogen die Ansisemiten aus mit dem Kampfesruf: Gegen die alten, überlebten Parteien, gegen die feige, vor der Re- gierung ersterbende konservattve Partei! Jetzt beweisen sie ihre„Reformerart", indem sie sich der bösarsigsten Reaktion der sächsischen Wahlrechtsgegner und Zuchthauspolisiker der- schreiben. Und, auf daß auch das Lussige nicht fehle, auf Krücken deS„verjudeten" NasionalliberalismuS und Freisinns humpelt der Judenversilger Lotze in den Reichstag. Die Arbeiterpartei dagegen stand auf sich selbst allein. Mit der Macht ihrer Ideen zog sie neue Taufende von Wählern in einem noch stark ländlichen Wahlkreise an sich. Von Wahl zu Wahl war sie vorgedrungen, sicheren, unaufhalt- samen Schrittes, und bei dieser Wahl ist sie dicht an den Feind und nahe an den Sieg heranaelangt. Noch einige Jahre rühriger Organisations- und Agitationsarbeit, noch einige Unthaten sächsischer Mißwirtschaft— und gleich einer reif gewordenen Frucht wird der Sieg im Wahlkreise Pirna- Sebnitz der Socialdemokratie zufallen.— Fabrikation von Zuchthausmaterial. Da die lohn- und kulturdrückenden Arbeitswilligen von der Posadowsky-Regicrung zum besonders wertvollen Element im Staate erhoben wurden, sind rings im Lande die Hüter der Ordnung eifrig am Werke, den Schutz dieser Arbeits- willigen schon vor der Fersigstellung des ihnen gewidmeten Sonder-Hilfsgesetzes mit hochatmosphärischcm Druck zu be- treiben. Mit einer hervorragenden Leistung auf diesem viel beackerten Gebiete glänzt der Ober-Staatsanwalt in Köln, der eine besondere Verfügung«zum Schutze der Arbeitswilligen" an die ersten Staatsanwälte erließ: »Da eS die Zeitverhältnisse notwendig machen, alle in den bestehenden Strafgesetzen gegebenen Mittel zum Schutze gegen den Mißbrauch der Koalitionsfreiheit mit voller Energie anzuwenden, so halte ich es für geboten, daß die ersten StaatSanlvälte auch die Thäsigkeit der Amtsanwälte auf diesem Gebiete gcnarr beaufsichsigcn und leiten. Ich empfehle deshalb, die Amtsanwälte anzuweisen, daß alle einschlägigen Sachen, mag die Anzeige auch nur auf Uebcrtretung lauter!, bevor sie eine Entscheidung über die Anklagc-Erhebung oder Einstellung treffen, mit einem besondcrn, ihre Auffassung kurz darlegenden Berichte der Staatsanwaltschaft vorgelegt werden und daß sie, wenn sie nach Aburteilung solcher Sachen Berufiing einlegen, die Akten zur Prüfung darüber einreichen, ob eine Berufung wegen ungerechtfertigter Frei- sprechung oder zu geringen Strafmaßes durchzu- führen sei." Einst galt eS als vomehmste Würde der Rechtspflege, unabhängig von den Meinungen des Tages dem Gesetze gemäß zu wirken. Nun scheut die deutsche Rechtspflege schon nicht vor dem Selbstbekenntnis, daß sie wie eine Wetter- sahne dem Winde der«Zeitverhältnisse" zu folgen habe. Welche„Zeitverhältnisse" könnten es aber sein, durch die der ungewöhnliche Erlaß des Kölner Ober-Staatsanwalts— d r offenbar auf eine allgemeine Anordnung des Justizministeriunrs zurückzufiihren ist— verursacht sein soll? Im Kölner GenchtSsprengel sind keineswegs außergewöhnliche Umstände eingetreten und die„Zeitverhältnisse" lassen sich nicht anders deuten, als daß in Unternehmer- und Regierungskreisen der Wunsch besteht, streikende Arbeiter harten Strafen zu überliefern und irgend welches Matettal für die zweite Lesung ihres Zuchthausgefetz-EntwurfeS zu erspüren. Seltsam, daß gerade diese«Zeitverhältnisse" eine Ausnahmeverfügung erzeugten. In anderen Fällen, obschon in ihnen allerdings ein eingeschläfertes Rechts- empfinden die Verfolgung von Gesetzesübertretungen vergaß oder nur mit rücksichtsvollster Milde betrieb, ist von einer besonderen Verfügung an die unteren Instanzen der Anklagebehörde nichts vernommen worden. Es hat nichts verlautet, daß ein ernstes Einschreiten gegen den Unfug der Duelle oder etwa gegen die zahlreichen Uebertrewngen der Jndustrieherren und der Agrarier Wider das Vereinsgesetz verfügt worden wäre. Auch die unaufhörlichen, aber von den Staatsanwälten unbemerkt gebliebenen Vergewaltigungen des Koalisionsrechts der Arbeiter durch die Unternehmer rechneten niemals zu den„Zeitverhältnissen", welche ein Einschreiten der oberen Anklag ebehörden herbetnösigten. Deutsches Weich. Eine Gegendenkschrift zur Zuchthausdorlage wird der Borstand der socialdemokratische» Partei herausgeben. Es werden bereit» umfassende Erhebungen über die Angaben der famosen Regierungsdenkschsift veranstaltet, von der dann nicht mehr viel übrig bleiben dürfte. Auch ein Flugblatt gegen die Vorlage wird der Partei- vorstand noch in diesem Herbst herausgeben.— DaS lib«ral-kleri?ale Kartell. Lieber» verschämte» Bündnis- Angebot findet bei der liberalen»Kölnischen Zeitung" ein ebenso verschämte» Entgegenkommen: „Eine unnuttelbar praktische Folge kann die Liebersche An- lündigung haben, daß das Ccntrum sich damit beschäftige, positive Vorschläge zun» Schutze der Arbeits Ivilligen zu finden, ohne die der Mißbrauch des Koalitionsrechts nicht getroffen werden könne. Wenn das Ecntrnm wirklich etivaS derartiges findet, wird man ihm nur dankbar sein können." Die„Nationalliberale Korrespondenz" schreibt: Er(Lieber) stellte den Nationalliberalen daS Zeugnis auS, daß sie bei der letzten ReichStagswahl in einer ganzen An- zahl von Wahlkreisen treu daS gegebene Wort gehalten und EentrnmS kandtdatcn den Socialdemokraten gegenüber unter- stützt haben. Wir sind in der angenehmen Lage, dies zu bestätigen." Und weiter: „Wir haben der Arbeitswilligen-Porlage gegenüber den Stand- Punkt vertreten, daß angesichts des offenkundigen Terrorisnnis der Socialdemokratie alles daran gesetzt werden muß, aus der Vorlage den erreichbaren Kern herauszuschälen, der dem Arbeiter den jetzt nicht vorhandenen gesetzliche» Schutz gegen Bedrückung seiner persönlichen Freiheit und seines Rechtes auf Arbeit gewährt. Daher verzeichne» wir die Liebersche A n k ü n d i g u» g mit Befriedigung, und sehen davon ab. principielle Gegensätze in diesem Zusammenhange wieder in Erinnerung zu bringen." Die Buhlschaft der feindlichen Gesellen verdient ernste Be- achtung.— FriedcnSsehnsucht. Die„Kreuz-Zeitung" sagt in einer Polemik mit der„Tägl. Rundschau": „Wir dächten überdies, daß eS der Kränkungen und Vcr- dächtigungen nunmehr endlich genug wäre, als daß nicht jeder wahre Freund des Vaterlandes, aber auch besonders jede Zeitung. die Anspruch auf Achtung erhebt, die vornehmste Auf- gäbe darin suchen müßte, nach allen Seiten hin versöhnend und beschwichtigend zu wirken.". Die Wolke, die vom Throne her dräut, muß den konservative» Vasallen gar stark elektrisch geladen scheinen!— Zur Vorbereitung der handelspolitischen Maßnahmen schreibt die„Nordd. Allg. Ztg." gegenüber dein Vorwurf, daß die Neichsvcrwaltung nicht genug Fühlung mit den Kreisen des deutschen Erwerbslebens gehalten habe: „Wir dürfen feststellen, daß seit den nicht ganz zwei Jahren deS Bestehens des Wirtschaftlichen Ausschusses dieser teils in seiner Gesamtheit, teils durch seine Kommissionen und einzelnen Mitglieder in unausgesetzter Mitarbeit mit den Organe» des Reichs seiner Aufgabe obgelegen hat. Es haben 2 Plenarversannnlungcn und bis in die neueste Zeit hinein in ununterbrochener Aufeinander- folge insgesamt etwa 40 Sitzungen der verschiedenen Kominissionen, wie der Tcxtil-, der landwirtschaftlichen, der Montan- und Hütten- kommiisio» usw. in Berlin stattgesiiiiden: außerdem sind miiidcsteus 100 Sitzungen in den hauptsächlichsten Jiidustriccentreil und land- wirtschaftlichcn Produktioiisgebrcien abgehalten ivorden. Da- »eben ist die Rcichsverwaltung mit den vielen Tausenden in den Beruisgenossenschaften und in den landwirtschaft- lichen Korporationen vertrclenen Interessenten auch unmittelbar ins Benehmen getreten, um den Anteil und die Wünsche jedes einzelnen Erwerbsziveiges auf das genaueste festzustellen." Dies mag alles recht gut sei». Aber allenihalben hat sich die Reichsverwaltniig nur mit den Unternehmern in Beziehung gesetzt. Die Arbeiter, deren LebcnSinteressen bei den vorzubereitenden handelspolitischen Riaßnahmcn auf dem Spiele stehen, sind den Willcnsvollstreckern des UnternehmettumS Lust.— Aus dem Wahlkampf in Pirna. Ein alter Steinarbeiter in N e u e n d o r s bei Pirna hatte ein Stück Land für eine socialdcmo- kratische Versammlung zur Verfügluig gestellt. In der Nacht vor der Versamiulung ging glötzlich seine Scheune in Flamme» auf, auch das Wohnhaus wurde von dem Feuer erfaßt und brannte völlig herunter. Ein der Brandstiftulig verdächtiger Mann ist verhaftet ivorden. Wie eS scheint, liegt nur ein persönlicher Rache- akt vor. Wie würde die OrdmmgSpreffe einen solchen Vorgang ausnutzen. wenn ein solcher Fall in der lebhaftesten Wahlbcwegung einen konser- vativen Mann betroffen hätte. Me laut würde da über die Social- demokratie als intellektuelle Urheberin solcher Schändlichkciten ge- schmäht und nach strengereu Gesetzen gezetert werden!— KammcrgcrichtSrat a. D. Schröder, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses von 1802 bis 1877 und ReichStagSmitglied von 1878 bis 1393, zuletzt der Freisinnigen Vereinigung angehörend, ist in Eiscnach im Atter von 70 Jahren gestorben. Im Jahre 1802 wurde er wegen seiner Abstimmung zur Militärrcorgauisation als Staatsanwalt zur Disposition gestellt. Er trat dann als Mitglied in die Redaktion der„National-Zeitung" ein, der er auch in den ersten Jahren des Kulturkampfes bis 1870 angehörte. Er war Vor- sitzender de» ProtestailtenvereinS. Eine vcrnüuftige Gefangenen- Arbeit. Der„Reichsbote" meldet: Im dänischen Jütland will man die Heide durch Jnsaffen des Zuchthauses in HorsenS urbar machen lassen. Vorläufig sind nur 15 Zuchthäusler, lauter schwere Verbrecher, die sich aber durch ihr gutes Betragen ausgezeichnet haben, unter mehreren Aufsehern iiach einer kleinen Ansiedelung mitten in der großen Alheide ge- schickt worden, wo sie an der Urbarmachung der Heide arbeiten sollen. Wenn die Versuche sich als erfolgreich erweise» sollten, beabsichtigt man. größere Kolonien der Zucht- Häusler über die Heide zu verteilen und die Arbeiten in größerem Maßstabe fortzusetzen. Wäre es nicht auch bei uns zeitgemäß, mit der Ausführung von Moorknlwre» durch Gefangene vorzugehen? DaS wäre eine Arbeit, die dem Landes- Wohlstand diente, ohne den freien Arbeitern eine üble Konkurrenz zu bereiten. Nach der ersten Durchführung der Moorkultur kölintc» auf den gewomienen Flächen dann ja fteie Ackerbauern angesiedelt werden. So der„Reichsbote". Bon socialistischer Seite ist in Deutsch- land schon vor 25 Jahren eine ähnliche Verwendung der Gefangeiien — insbesondere für die Urbarmachung der Lüneburger Heide— vorgeschlagen worden.— Osnabrück, 27. September.(„Voss. Z.') Da» gegen den be- kannten nationalsocialen Führer v. G e r l a ch durch den hiesigen Staatsanwalt eingeleitete Verfahren wegen Aiifreizmig zum Klassen- haß und Bcaniteiibeleidiguiig ist eingestellt worden.— Russische Zustände herrschen nach wie vor im Großherzogtum Sachscn-Wcimar. Dieser Duodezstaat ist im Rekord der Ver« sammllmgsverbieterei unerreicht. In Wenigenjena sollte am Dienstag- abend eine öffentliche Zimmerer-Versammlung stattfinden. Das Thema lautete: Unsere Lohnbewegung. Als Referent war der Zimmercr Ecke auS Hamburg in Ausftcht genommen. Die Der- samnilung ist in letzter Stunde durch folgenden UkaS verboten worden: Der Gemeindevorstand. Wenigenjena, J.-Nr. A 1257/99. 25. September 1899. Die auf Dienstag, den 26. l. MiS. abends 7 Uhr, nach dem Saale des Gasthofs«Zur Tanne" anberaumte öffentliche Zimmerer-Versammlmig wird hierniit verboten. DaS Verbot wird dadurch begründet, daß der in Ausficht ge- nommene Referent für seine aufreizende Sprechweise genügend bekannt ist. Der Bürgenneister. Kindler. Die Polizei-Organe heben damit für die socialdemokratische Partei sowie auch für die Gewerkschaften das Versammlungsrecht auf und stellen diese außerhalb des allgemeiuen Rechts. Die Früchte werden bis zur nächsten ReichStagswahl ausgereift sein.— Ausland. Ocstrcich- Ungarn. Zur Krise. Die deuisch-libcralcn Blätter konstatieren, daß CHIumecky nicht mit derKabinettsbildung be» traut wurde; auch erachten dieselben Blätter die Bildung eines B e a m t e n- M i n i st e r i u m s als daS zur Zeit wahrscheinlichste. Authentisches liegt nicht vor, die Krise dauert fort. Ter Polnaer Mädchciiniord. AuS Wien wird gemeldet'. H i I s ii e r hat mit seinen Deniiiiziationen Fiasko gemacht. Dielbeidcn Juden, die er der Mitschuld an dem Morde der Hruza bezichtigte, wurden verhaftet, bcwicjen aber sofort ihr Alibi. Josua Erbmann wurde mit seiner Frau gestern in Schlau verhaftet. Die östreichische israelitische Union konstatierte authentisch, er habe sich zwischen dem 25. und 28. März in Neuransnitz in Mähren ans- gehalten. Hilsner will aber am 27. den Mord mit ihm verabredet haben, der am 29. begangen wurde. Salomon Wassermaim ivnrde am 24. September in Äuscha verbastet, wo er an einem Bau arbeitete. Er konnte durch sein Buch nachweisen, daß er vom 13. März bis 3. April im Spital in Deutschbrod war. Wassermann wurde heute bereits freigelassen. Schweiz. Zürich, 26. September.(Eig. Ber.) Da» socialdemo« kratische W a h l k o in i t e e hat auf die N a t i o n a l r a t s- iv a h l e n hin bereits einen Anfriif veröffentlicht, in dem es u. a. heißt? Wie lange noch wollen wir mit ansehen, daß die Hundert- tausende von schweizerischen Arbeitern nicht zu einer ongemesienen Vertretung in Bern kpinmeli, die Gesetze ausschließlich von den Be- sitzenden gemacht iverden? Soll es weitergehen mit dem Wirrwarr. den wir in letzter Zeil in der Bnudcspolitik beobachten können? Sollen nicht Männer in den Nationalrat. ivelche den Willen besitzen, einer enisthaften, gründlichen Social» reform das Wort zu reden und den Mut haben, den Volksvertretern und dem Bundesrat zu sagen, was dem Volke fromnit und nützt? Wollen wir nicht einmal Brot statt Steine? Ja wohl, solche Mäimer sollen nach Bern, tönt eS wie tausendfaches Echo aus den Werlstätten. Fabriken, Arbeiterquartiercn. Wir Arbeite» haben genug von der Arbeiterfrcnndlichkeit der Herren, sie sollen ihre Vertreter selber wählen, wir aber betteln nicht länger vergeblich um ein Mandat, sondern ringen in frischem Kampfe um den Sieg, der sich an unsere Fnhiicn heile» ivird und iiuiß, wenn einmal die gesamte stimmberechtigte Arbeiterschaft des Wahlkreises ihre Gleich- gültigkeit ablegt und zur Urne geht für die Männer ihres Ver- traucns! Von den 6 Nationalratsmandaten des Züricher Wahlkreiie» ist nun eins frei geworden, in dem der alte Demokrat Schäppi eine Wiederwahl ablehnt. Vor drei Jahren war er erst nach heftigsten Kämpfen im dritten Wahlgange gegen Greulich gewählt worden. Natürlich denken auch jetzt die bürgerliche» Parteien nicht daran, den frei iverden Sitz den Socialdeinokrateii zu überlassen. Bisher war die Siniation so, daß die socialdeinokraiische Partei, welche allein nicht viel schwächer ist als die bürgerlichen Parteien zusammen, einen Vertreter(Vogelsangcr) und letztere fünf Vertreter haben. DaS nennt maii dann Gleichberechtigung und Gerechtigkeit in der parlamen- tarischen Vertretung der Parteien. Genf, 26. September.(Eig. Ber.) Auch die hiesigen Genoffen beschäftigen sich bereits mit den kommenden Ratio nalratS- Wahlen. Sie fordern diesmal eine socialdemokratische Vertretung, die sie aus eigener Kraft sich aber nicht zu erringen vermöchten. Nim scheinen die Radikalen, die im Bunde mit den Socialdcmo- kraten die Mehrheit über die anderen Parteien habe», in der That geneigt zu sein, der socialdemokratischen Forderung zu entsprechen. Als Kandidat wäre Genosse T r i q u c t in Aussicht genommen. ES scheint. alS sollte diesmal die Socialdemokratie doch eine stärkere Vertretung im Nationalrat erhalten.— Lncchcni im Gofängnissc. Graiid-Carterct, der Verfasser von Büchern über imeriiatioiiale Karikaturen, berichtet im„Figaro" über einen Besuch in dem Gefängnisse in Genf, wo Lncchcni seine Strafe abbüßt. Am 2l. November geht die Einzelhaft Lucchenis zu Ende. Eine weitere Verlängerung derselben macht das Gesetz nn- möglich. Lncchcni«nterwirst sich ohne Widerstreben dem GesängniS« regime. Er hat zwei Zellen, eine 29oh>i- und eine Arbeitszcllc; in letzterer verfertigt er Schachteln. Beide Zellen habeu Fenster und empfangen itichl nur Tageslicht, sondern auch Strahlen der aufgebenden Sonne. Luccheni liest so viel, als er kann, teilweise auS der Gefängnis- Bibliothek, teilweise das. tvaS man ihm von außen koninien zu lassen gestaltet. Carteret sah unter den Büchern ans seinem Tische neben Romanen ein Ge- jchichtSwcrk über das alte und neue Kreta, sowie ein protestanlischeS Miffioiiöbuch. Sehr schwer entbehrt er die Lektüre von Zeitungen, nach denen er immer wieder verlangt; c» scheint, daß er etwas über sich selbst lesen möchte. Seil seinem Strafantritt sind bloß zwölf Briese an ihn gckonnncii. Elf davon Ivnrde» ihm übergeben. Es waren durchaus religiöse Mahnungen zur Reue. Ein Brief war chiffriert, die Polizei koiinte ihn nicht entziffem, hält ihn aber für eine Mystifikation. Es wird angeiiomnien, daß Luccheni keine Komplizen hatte. Carteret sah Luccheni auch im Hose spazieren gehen. Er ist dicker geworden und hat noch die militärische Haltung ivie früher.— Frankreich. Paris, 27. September. Das Bureau der UutersuchungS- komnitsfion des TtaatsgcrichtShofs unter dem Vorsitz BerengerS ist weiter mit der Prüfung der ihm zugewiesenen Akten beschäftigt. Das Verhör der Angeklagten wird voraussichtlich am Sonnabend beginnen. Der Mariliemiu ister Lancssan ordnete den Bau von vier neuen Unterseebooten in Rochcfort-sur-Mer an.•— England. London, 27. September. Heute hier unilaufende Gerüchte, denen zufolge daS Parlament in de» ersten Tagen de« Oktober einbenifeii werden solle, entbehren durchaus der Bestäti- gung. Es ist sehr wahrscheinlich, daß vor dem Znsaninicntritt des nächsten K a b i n e t t s r a t s. der voraussichtlich Freitag statt« findet, hierüber etwas beschlossen wird.— Amerika. Washington, 27. September.(„Franks. Ztg.') Im Kriegs- »mmsterinm traf ein Telegramm vom General Otis ein, in welchem berichtet wird, daß der amerikanische Oberst Snpder am 22. und 23. d. M. die Insurgenten fünf Meilen östlich von Cebu an- gegriffen und in die Flucht geschlagen habe.— New Jork, 27. September. In Keh-West kamen gestem 46 neue Erkrankungen an gelbem Fieber vor. Die Zahl der Erkrankungen in Missiisippi-City ist nicht bekannt.— Die gesprengte Friedensdemonstration. London, 25. September 1899. Der Verlauf der gestern nach dem Trafalgar- Square ein- bcnlfcnen Friedensdenionstration bestätigt die früher im„Vorwärts" gemachten Mitteilungen über die hiesige Volksstimmimg in der Transvaalsrage. Daß von den fünfzigtausend Menschen, die den Square und seine Zugänge anfüllten, die große Mehrheit dem Zweck des Meetings feindlich gesinnt war. kann keinem Zweifel unterstehen und wird auch allgcnicin zugegeben. Damit aber ist die von einzelnen Blättern ausgegebene Lesart, die die Opposition auf be- zahlte VersammlnngSstvrer zurückführt, in sich widerlegt. Bezahlte Agenten mögen auch in der Menge gewesen sein, aber wenn diese in ihrer Mehrheit von vornherein dem Meeting feindlich waren, dann hätten die gedungenen Elemente es wohl unterbrochen, aber seinen Charakter nicht ändern können. Man dingt heutzutage nicht Zehn- lausende von'Menschen. Der radikale„Morning Leader" nennt das Meeting ein solches der„wohlgekleidctcn Leute", will sagen der Bourgeois. Daß viele Bourgeois in der Versammlung waren, ist nnziveifclhast richtig. Aber wenn wirklich die Bourgeois den Square füllten, so fragt es sich, wo denn die von anerkannten und beliebten Arbeiterführern einberufenen Arbeiter geblieben bezw. warum sie in der Minderheit waren. Nein, man darf sich nicht selbst täuschen,_ die Friedcnsagitatiou hat gestern einen Mißerfolg erlitten, die Hetzpresse,„Daily Mail",„Sun" zc., die Tags zuvor ihre Leser aufforderte, nach dem Square zu ziehen, hat einen sie selbst überraschenden Erfolg zu verzeichnen. DaS ist gewiß bedauerlich, aber es ist nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick erscheint. Ich sprach eingangs von einer dem Ziveck des Meetings feindlichen Mehrheit. Das ist nicht ganz richtig ausgedrückt. Dem wirklichen Zweck des Meetings— Erhaltung des Friedens— war jedenfalls auch ein großer Teil' der Mehrheit günstig gesinnt. Aber die Betreffende» erblickten in dem Meeting eine Demonstration zu"Gunftcn der Bocreupolitik, und dagegen bäumten sie sich auf. Ich habe bei Ilmfrage viele solche Stimmen gehört. Und der Umstand, daß das Meeting so aufgefaßt wurde. erklärt auch, warum die radikale Londoner Arbeiterschaft nicht in der erforderten Anzahl zur Stelle war, bezw. warum die größere Leidenschast und Ausdauer auf feiten der Gegendemonstranten war. Immer wieder ertönten die Nationalhymnen: Kock savs the queen und ßule Britannia. ES war eine Versammlung, wie sie London lange nicht gesehen hat. Ich weiß nicht, wie lange es her ist. daß eine solche Volks- Versammlung in England tharsächlich aus der Menge heraus gesprengt und in ihr Gegenteil verwandelt wurde. Dergleichen passierte in den fünfziger Jahren zur Zeit des Krinikrieges und wiederholte sich Ende der siebziger Jahre zur Zeit der Bulgarcnagitation, abar seit- dem hat es wohl hier und da bei Wahlen Versamnutwgs» störungc» gegeben, aber die eigentlichen Demonstrationen ver- liefen ungestört.(Ich sehe hier von den Homerule-DeMonstratione» in Ulster ab.) Gestern versuchten die sonst beliebtesten Londoner Versammlungsredner vergebens auf die Menge einzuwirken. Hyndman nahni immer wieder das Wort, drang aber ebensowenig durch wie Will. Crooks vom Arbeiterbund Poplar(East-Eud), dessen Stentorstimme der von John Burns nichts nachgiebt. Auf Augen- blicke gelang es dem Genossen B a r w i ck von der Socialdcmokratischen Föderation und dem GrafschastSratsmitglied Freak(Arbeiter), einige Worte an die Menge zu richten, die sich auf der Nordostscitc dcS Squares drängte. und Mrs. Gray. ebenfalls von der Soeial- demokratischen Föderation, konnte sogar von der Nordbrnstung herab einen kleinen Speech halten—, allerdings unter allerhand Unterbrechungen. Aber das war auch so ziem- lich alles, was von feiten der Einbernfer der Demonstration erzielt wurde. Die auf dem Sockel der Nelsonsäule placierten Redner und Komiteemitglieder befanden sich unter einer wirklicher Belagerung, bei der es sogar an Wurfgeschossen— allerdings meist sehr harmlosen Charakters— nicht fchlie, bis sie schließlich, gedeckt von einer ziemlich starken Polizei-Eskorte sich in den nahebelegenen nationalen Klub der) Liberalen zurückzogen, dem vorherbestimmten Sammelort des Demonstrationskomitceö.' Dorr wurde der Beschluß gefaßt, die FriedeuSversammluug nächster Tage iu einem der größten Säle Londons zu wiederholen und gegen Störungsvcrsuche eventuell das Hausrecht auszuüben. Die siegreichen Gegcndemonstranrcn aber belustigten sich, passierende Soldaten anzujubeln. Soldatenlieder zu fingen und Hochs auf Minister Chamberlain(„unfern Joe") ans- zubringen. Einige trieben ihre Begeisterung so weit, vor das Kolonialmnt zu ziehen und dort ihre Hochs ertönen zu lassen. Der Besuch des Meetings Ivird, wie erwähnt, auf gegen 50000 bis 60 000 Teilnehmer geschätzt. Im ganzen war das Verhalten der Menge kein gewaltthätigeS. Es wurde tüchtig geschimpft gearöhlt und flegrunzt, dazwischen, wie gesagt, mit harmlv,cn Wurf- geschaffen(Früchte. Eier. Streichholzschachteln) geworfen, aber es kam nirgends zu ernsteren Thätlichkciten. Nur dem alten Maler Felix Moicheles(ein Neffe Felix MendelsonS) flog ein— zugeklapptes— Fedcnneffer an den Kopf. Ob der Ausgang des Meeting» irgend welche Rückwirkung auf den Gang der Ereignisse haben wird? Man darf es mit Recht bezweifeln. Die Dinge find schon zu iveit gediehen, als daß solche Meetings die Politik der hiesigen Regierung beeinflussen könnten. Wenn sich die Regierung in Pretoria im Irrtum darüber befand, welches die Stimmung der Mehrheit der öffentlichen Meinung in England ist, so würde das Meeting immerhin die günstige Wirkung haben, auf solcher Selbsttäuschung beruhende Entscheidungen zu ver- hindern. Aber ich glaube, daß man in Pretoria in dieser Hinsicht nachgerade auch wußte, was die Glocke geschlagen. Beiläufig hatte der radikale Abgeordnete Sir Charles Dilke unter der Begründung, das Meeting könne falsche Vorstellungen erwecken, seine Teilnahme abgelehnt. Natürlich ist der Jubel in der hiesigen Hctzprcffe groß. Andere Blätter der Regierungsparteien tadeln zwar den Verstoß gegen dnS freie Wort, können aber trotzdem ihre Gcnugthuung über den Ver- lauf der Versammlung nicht unterdrücken. Die radikale VolkSprcsse stellt die Gegendemonstration als von den Organen ausländischer, bezw. jüdischer Kapitalisten angestachelt bin. weil eines der Hetzblätter, die„Sun", einem jüdischen Konsortium gehören soll, die ebenfalls stark in Boerengegnerfchast machende„Pall Mall Gazette" abet dem amerikanischen Millionär Astor gehört. Jndeß paßt das:.Ausländer, Fremde sind es zumeist"— für die„Sun" sind die ursprünglichen Veranstalter der Versammlung mit Bocrengeld gekauft— für die eine Seite so wenig oder so viel wie für die ändere. Das sind bloße Liebenswürdigkeiten journalistischer Polemik. AuS den Provinzen werden allerhand Friedensresoluttonen liberaler, radikaler und socialistischer Vereine gemeldet. In Ncwcastle am Tyne traten am vorigen Freitag in einer von THomaS Burt präsidierten Versammlung fünf Bergarbeiter ans. die im Transvaal gearbeitet hatten, und erklärten, daß sie als Arbeiter keinen Grund zu Beschwerden gegen die Boeren-Rcgiernng gehabt hätten. DaS Begehren der Arbeiter nach dem Wahlrecht sei dort keineswegs sehr cbhaft, die Bewegung sei von den Kapitalisten angestachelt. Dagegen sprach am gleichen Tage Ciinninghame Graham in einer Ve'sammlung von Socialdcmokratcn EdinbnrgS eher gegen die Bocren. Alle Grcnclthaten der Engländer in Rhodestä und anderwärts seien nichts im VcrhälttiiS zu den Greueln und Ungerechttgkciten, welche die Bocren tagtäglich an den Negern verübte». Wenn es' zum Krieg kommen sollte, was er nicht hoffe, so würden nach seiner Anficht die Neger mehr Aussicht auf Gerechtig- keit unter angelsächsischer Herrschast haben, als jetzt unter dem Boeren-Regiment.— Der Stand der Dinge zwischen den Regierungen ist noch un- verändert. Es wird behauptet, daß die„JnterimSdcpesche" an die TranSvaalregieruna, welche der Ministerrat am vorigen Freitag be- schloffen hat, so gefaßt ist, daß diese, ohne fich etwas zu vergeben. den gestellten Forderungen nachkommen kann, aber genaues ist darüber noch nicht bekamit. Inzwischen malt sich die Sittiation durch die sehr anti-englischen Erklärungen der Vertreter des Oranje-Frei- staats immer ernster ab. Auch die Sprache der(holländischen) Afrikaner-Partei in der Kapkolonie wird hier sehr unliebsam ver- merkt. Bestensalls wird es lange dauern, bis wieder Ruhe am Kap herrscht._ CenerMchumlung des Vereins für Eocialplitik. Breslau, den 26. September 1899. In der Nachmittags- Sitzung referiert Professor Werner Sombart über: „Entwicklungstendenzen im modernen Detailhandel". Redner sagt einleitend, daß die vorliegende Frage durch Schriften des Vereins allerdings nicht vorbereitet sei, daß aber sonst schon ein sehr reiches Material in Abhaudlungcu und Erhebungen vorliegt. Die Pflicht des Vereins ist es. zur Aufklärung dieser Frage nach Kräften beizutragen. Unter Detailhandel versteht man diejenige Wirt- schastliche Thätigkeit, um Gewinn zu erzielen durch Verkauf fertiger Produkte an letzte Konsumenten. Das Kennzeichen des Detailhandels ist meist offener Laden und Verkauf kleiner Quanti- täten. Wir haben nun die Aufgabe, die Umgestaltungen, die der Detailhandel in der letzte» Vergangenheit erlebt hat und gegen- wärttg noch erlebt, zu erörtern und ihre Ursachen festzustellen. Redner unterscheidet drei wichtige Entwicklung-Steiidenzen im Detailhandel: die Tendenz jziir quantitativen Ausgestaltung, die zur Neu- organisatiou und drittens die zur Ausschaltung des Detail- Handels. Den Nachweis der quantitativen Ausgestaltung führt Redner au der Hand statistischer Angaben über die Entwicklmig des Detailhandels in Preußen und Deutschland. Thatsache ist, daß die Zahl der Händler im Verhältnis erheblich stärker gewachsen ist, wie die Bevölkerungszahl, und das gicbt vielfach Anlaß zu der Behauptung, daß zu viel Händler vorhanden seien. Diese Behauptung ist ebeufo abzuweisen, wie die weitere, daß der Handelsstand absolut'nnprodnktiv sei. Konmit doch zur Beurteilung nicht nur die Bevölkerungszahl in ihrem Berhnltiiis zur Zahl der Händler in Betracht, sondern auch der wachsende Reichttim der Bevölkerung, die steigenden Bedürfnisse, die höhere Kultur. Die moderne kapitalistische Eutwickclung schafft auch die Vorbedingungen für die Eniwickelnng des modernen Detail- Handels.' Die Entwickclung der Groß- Produktion, die Ueberfülle der produzierten Güter, weiter aber die Dcklassicrung der Handwerker einerseits, die wirtschaftliche Hebung der Arbeiter andererseits wirken in diesem Sinne, lind das Kapital formt und organisiert diesen Detailhandel besonders. Hier sind iiitcressaitte Einzelheiten in der Entnäckliing zu beobachten. So schafft die Banspeknlation in den großstädtischen Vororten Häuser nnt Läden, in welche» dann kleine Leute mit geringem Vermögen und ans Kredit Detailhandel oft im Nebenerwerb treiben und als tändler die Statistik belasten. Und schließlich bcthätigt sich das apital selbst im Detailhandel in den großen Warenhäusern und Magazinen. Sehr beachtenswert sind die Teiidenzeu in der Umgestaltung des modernen Detailhandels. Eine kindliche Auffaffnng sucht die Ursachen dieser Entivicklniig in der Gcwcrbesrciheit. Damit aber wird in der That Ursache und Wirkung verwechselt. Redner entrollt ein iutercssaiites Bild von der Gestalt des alten soliden Kleinhandels, wie er in Deuischland bis fast zur Mitte dieses Jahrhimdevts bestand. Die dcrmaligcii Geschäfts- gnmdfätzc hielten sich streng im Rahmen dcS Kleinbürgerlichen und Handwerksmäßigen. Die Folge war. daß der Händler auf seiner Stelle sitzen blieb, auf seine Kundeu wartete, die zu ihm ins Haus kamen. Auch hier sind die treibende» Kräfte zur Umgestaltung in der kapitalistischen Wirtschaft zu suchen, welche die zum Absatz be- stiinnile Warenmenge stetig und iu uugchcurc» Quantitäten ver- mehrt. Der Warenabsatz wird dadurch zum Problein, während dieser Absatz sich vorher iu hergebrachten, festen und Handwerks- mäßigen Formen vollzog. Im modernen Deiailhmidcl ist der Absatz der Ware zur Kunst, zur Wlffcuschaft geworden. Und der wichtigste Grundsatz des modernen Handels zur Lösung jenes Problems ist nur das eine Mittel: den Absatz zu vergrößern. Dies Ziel kann nur erreicht werden durch eine stetige Verminderung des Preisaufschlags, der den Gewinn aus- macht. Diese Tendenz drückt sich in dem Schlagivort auS: Großer Umsatz, kleiner Nutzen. Das Priucip des modernen Handels wurde, im Gegensatz zum alte» Handel: die Knuden anzugreifen. Es cnlstand der Kampf nm die Kundschaft. Der Ausdruck dieses Kampfes ist erstens die Tendenz zur Anlockung der Kunden, mit einem Wort: die Reklame, und Zwestens die Tendenz, den heran- gelockten Kinidcn festzuhalten, eine Tendenz, die sich mit dem Wort Coulanz bezeichneu läßt. Reklame und Coulanz sind die Eckpfeiler des modernen Handels. DaS Schlagwort vom alten, soliden Handel ist von gar keiner Bedentnng. Niemand ist im stände, die Kriterien der Solidität im alten wie im modernen Handel in unbedingt sicherer Weise an- zugeben. Die Gesetzgebung hat versucht, die Maschen des Gesetzes enger zu machen, um die feineren Nuancen des Betruges im Handel zu fassen. Für unsere gegenwärtigen Betrachtimgeii scheidet diese Seite der Frage aus. Die mancherlei Mittel der Kundcn-Heran- lockuiig, der Reklame, z. B. die in Breslau in Warenhäusern übliche Vergütung von Reisekosten für auswärtige Knuden, das unentgekt- liche Pholographiercn zc. jc. werden von manchen als unsolide, von anderen wieder als durchaus erlaubte Geschäftspraxis angesehen. Solche Geschäftspraktiken müssen nicht als einzelne Er- scheiming, sondern im Zusammenhange mit dem ganzen System be- trachtet und beurteilt werden. Wenn man sich klar gemacht hat. daß solche Reklame zum stmerstcu Wesen des kapitalistijchcu Systems gehört, wird mau sie gerecht zu würdigen vermögen. Zum alten Handel gehörten Ruhe, Behagen, gesättigtes Dasein, zum neuen aber gehört Unrast und Nervosität, zum ersten Dürftigkeit, zum zweiten Reichtum und Ucberfluß an Gütern. Der moderne Handel charakterisiert sich dadurch, daß er auS traditionellem zum rationellen geworden, aus hergebrachtem zum zweckmäßigen sich entwickelte. Zn dieser Umgestaltmig gehört auch die moderne Gruppierung der Waren. Die moderne Entwickelimg schaffte die billigen„Schiindlvareu" wie die wmiderbaren Artikel imscreS Kimstgcwcrbcs. Hier kommt auch die Specialisierung der Waren in Betracht. Da haben lvir eine'früher uudeiikbare Zahl der verschiedencii Spccinlgeschäfte, die Butter-, die Fisch-, die Blumen-, die Fahrrad-Handiungeii zc. zc. Ebenso liiibekannt waren früher die jetzt geltenden K o m- binationstendenzen der Waren im Handel. An Stelle des alten Branchengeschäfts trat das moderne Bedarfsartikel-Geschäft, die Gnippierinig der Waren nach dem Bedarf. So z. B. war das alte Kolonialwaren-Geschäft nach der Herl, inst der Waren geregelt, das moderne Delikateßgeschäft dagegen nach dem BedarfSzweck. Ein besonderer Ausdruck des modernen Handels ist das Waren- hanS. Wir unterscheiden zweffArten Warenhänscr: die Massenartikel- Warenhäuser(Baznre) und Qualitätsartikel» Wareilhäiiser(Groß- inagaziiie). Die Bazare wollen den Bedarf des Proletariats, die Großiiiagaziiie den des reiche» und wohlhabenden Puhlikniii» decken. Jni ersteren Warenhaus ist oberster Grundsatz für die Waren deren Billigkeit, iin anderen deren Güte. Eine außerordentlich lehrreiche Tendenz im modernen Handel ist die Ausschaltimg desselben. Ter Händler sucht den Händler auSzii- 'chaltcu. der Grossist den Zwischeuhändlcr und dieser ivie jener den Detaillisten. Auch der Produzent sucht durch Errichtung von Waren- Niederlagen den Händler ailSzlischaltcn. Und schließlich wirken die Konsumenten selbst in gleicher Richtung durch entsprechende Organi- sationen, dnrch Beamten- und Osfiziersvcreine, für die minder begüterten Massen der Konsumenten die Konsumvereine. Redner behandelt dann die Ko»k»rre»zfrage. Jede Entwicklniig birgt in sich eine Jnteressengegeiisätzlichkeit. Auch die Umgestaltuiigeii des Handels haben Schädigung gewisser Interessen verursacht, doch sollen wir uns hüten, diese zu übertreiben. Das Ende des Kleinhandels ist keineswegs ge- kommen, wie Redner zahlenmäßig nachweist. Von einer Vernich- tuug des Kleinhandels kann gar'nicht die Rede sein. Gewiß wird sich der Großhandel weiter eulwickelu, der alte handwerksmäßige Handel wird verschwinden, nicht aber der moderne Kleinhandel, der kapitalistischen Geist bekommt und eine Zukunft hat. Wie nun sollen wir uns zn diesen Fragen stellen? Redner hofft für die zu erivartende lebhafte Debatte ein Lichtpünktchcii geschaffen zu haben. DaS, was sich durchsetzt, ivird den Bedürfniffen der socialen Zweckmäßigkeit elitsprechend sein. Nicht alle Interessen iverden dabei gefördert. Ein ganz allgemeines Interesse giebt eS nicht, wohl aber ein Genieiniiiteresse au der Gemeinschaft, auch der iiatioualen. Der leitende Gesichtspunkt bei Beantwortulig jener Fragen muß das wirtschaftlich Zweckmäßige sein. Bei einem be- stimniten Anfwaiide von Kräften soll ein möglichst hohcS Maß von Gütern erzielt werden. Redner müsse daS schon früher einmal aus- gesprochene und übel aufgenommene Wort wiederholen, daß, der Handel ein notwendiges Uebel sei. Handel soll nicht Selbstzweck sein, a»ch das Interesse der Konsiinienten komme in Betracht. Wenn wir«ine Wirtschafls- organisation ohne Vermittelung des Handels haben können, so haben wir damit eine höhere Ordiiiliig, einen Fortschritt errungen. Und das Ziel wird erreicht, wen» man trivial ausgedrückt die Dinge sich so weiter entwickeln läßt, wie sie sich bisher entwickelten. Redner tritt entschieden für unbedingte G e>v e r b efre i h e t t ein. Beschränkung der Freiheit aber sollte eintreten, soweit es sich»m ciiicii kräftigeit Schutz derArbeiterim Detailhandel gegen übermäßige Ausbentting ihrer Arbeitskraft handelt. Für die Kon- sumeuten dagegen ist zum Schutze gegen„unsolides" Gebühren im Detailhandel kein anderes Kraut gewachsen, als klüger iiud gescheiter zu tvcrdcu. Ich glaube, daß auch für die Entlvickeliiug des moderiieil Detailhandels die Devise zu gelten hat: Durch Freiheit zu Reichtum und Macht!(Lebhafter, laugaiihaltender Beifall.), Der Vorsitzende Prof. Dr. Gurte- Berlin vertagt dann die Sitzung bis zum nächsten Vormittag 9 Uhr. In den Ausschuß deS AerciuS wurde unter anderen auch Herr v. Miquel gewählt. » Breslau, den 27. September 1899. In der heutigen VormittagS-Sitzung wird die Erörterung der Enttvickeluugstcndeiizc» im Detailhandel fortgesetzt, und zwar zunächst durch Erstattung einer Anzahl Special- rcfcrate. lieber Konsumvereine referiert znilächst Professor Dr. R a t h g e n- Marburg. Diese Vereine besitzen erhebliche Vorzüge, inöbesoiidere die Erziehnug der Mitglieder zur Sparsamkeit und ebenso die hygienisch sehr an- crkciiiicnswerte Bchaudluilg der Nahrungsmittel. Redner»eiint als »iiistergültig besonders die Einrichtungen des Arbeiter- Konsum- Vereins Leipzig-Plagivitz. Die Koiislimverciile zerfallen in zwei Gruppen, deren erste aus den scchsziger Jahre» stammt. Zu dieser Gruppe gehören die Vereine in Breslau, Stnttgart und Stettin: sie trägt nichck de» Charakter von WohlfahrtSeinrichtimgen im Sinne Schulze- Delitzsch. Die zweite Gruppe entstand erst in den achtziger Jahren in den Großstädten, Fabrikorten und BergwerkSdistlikte», von Arbeitern für Arbeiter gegründet. Während sich die Arbeiter früher ostentativ von den Kousnmvereins- Beslicbiuigen zurückhielten, versuchten sie sich während der Dauer des SocialisteiigesetzeS, das ihre politische Thätigkeit unterband, auch auf diesem harmloseu Thätigkcitsfelde iu rühriger Weise und es gelaug ihnen, tüchtige Orgaiiiiationcil zu schaffen. Eine erhebliche 'Förderung faiideii die Konsumvereine durch das gesetzliche Verbot, an Nichlmitgliedcr zu verkaiisc»; die Mitgliedcrzahl stieg mit einem Schlage bedeutend. Der genossciischaftliche Geist hat sich in Deutsch- Ia»d jchr erfreulich gestärkt. Begreiflich ist, daß die Konkurrenz der 5i o n s u m v e r c i n e den kleinen Detailhändleni sehr imniigeiichin bemerklich wird. Bei- läufig ivitckcn in der gleichen Richtung auch die in großen Betrieben für die dort beschäftigten Arbeiter errichteten Koiisiimaiistalten. Dieklage» über die Konkurrenz der Konsilmvereine überraschen den mibefangencn Beurteiler oft durch ihre naive Bcrkeililung der Ursachen und Wirinngcn. Die Bchauptimg. daß Bazare und Konsilmvereine mir den Kapitalisten Vorteile bringe», ist ganz falsch. Die wirtschaftlichen Vorteile der Bazare und Kousnnivercine für die Konsumenten liegen auf der Hand. Und so erfreuen sich denn auch die Konsuni- vereine wachsender Beliebtheit. In kleinen Städten nutzen die Detaillisten das Renomiiice der Konsumvcreiiie oft dadurch für sich aus, daß sie ihre Geschäfte Kousumanstaltcn nennen. Man greift die Koiislinivercine auch an. iveil sie Brauntivein verkaufen. Sicher sind die moralisch eulrüstetc» Angreifer in der Hauptsache Leute, die selbst Braimtwein verkaufen.(Große Heiterkeit.) Die weit üverwiegende Mehrzahl der Mitglieder der Koiijumverciile find Arbeiter und auch dieser Umstand giebt ivicder Anlaß zu Anklage» gegen die Konsuni vereine. Sie werden, da ihre Mitglieder meist socialdemokrattsch gesinnt sind, auch von den Behörden»iit sehr ungnädigen Augen angesehen, besonders in Sachsen. Wen» bei der Euthiillliiig des Schulzc-Delitzsch- Deiikiiials daran crinvert lvorden ist, daß die Behörden scincr Zeit den ersten Verbandstag der Genoffcnschafteu verboten habe», so ist hoch zu sage», daß wir jetzt ähnliche Dinge erleben, vor allem iu Sachsen, wo mau die Arbeiter-Konsuulverriile unter anderem durch das Verbot von Stiftuugsfestc» und so weiter maßregelt. Die Arbeiter werden, ivie mau behauptet, durch die Konsuulverciiie auf den socialislischeu Staat vorbereitet. Die That- fache, daß die socialdemokratische Parteileitung den Koiiinmvereiuen sehr kühl, wenn nicht geradezu ablchiicud gegenüber steht, wird außer acht gel« sie u, ebenso die Stellungnahme socia- listischer Theoretiker gegen derartige genossen- s ch a f t l i ch e G r ü n d i>>i g e». Auch von der All«beutung der An ge st eilten in Arbeiter- K o>l s n in v e r e i n e n ivird von deren Gegnern gern gesprochen. Gewiß beständen, wie Redner meint, hier imd da Mißstände, iin allgemeincii aber sind die Verhältniss» der Aiigestellten in den Arbeiter-Konsumvereiiien iinlstcrgiiltig. Ter Mittelstand soll durch die Konsilmvereine bedroht und zerstört iverden, in Wahrheit aber handelt eS sich dvch nur uiN die Kolonialivaareii-Händler. Der Mittelstand hat im allgeniciiicn gar keinen Scheiden durch die Konsum« vereine genommen imd selbst die Zahl der Kolonialwaren« Händler hat sich, wenn auch nicht bedeutend, vermehrt. Gewisse Schädigungen sind allerdings nicht zu leuguen. Zur Bekämpfung der Konsumvereine werden besonders stcuerpolitische Vorschläge gemacht. Die Handels- kammer in Halle will den Koiisnmvereincn die Dividendenverteiluiia ver- bieten. Das ist iiiiverstäiidlich, denil die Rückgewähr der Ersparniste bei den Koiisumvcreiiicn hat mit der KapitalSdividende der Aktiengesellschaft nichts zu thun. Von anderen Seiten wird eine Sonderbesteuerung der Konsumvereine gefordert, doch schwanken die Meinimgen über die Art dieser Steuer sehr. In Dresden fordert man eine auf die Konsumvereine gerichtete Filialstcuer. Am beliebtesten ist d i e U m s a tz st c u e r.. " Der llmsatz aber bietet gar keinen Maßstab für den erzielten Gewi»». Redner bedanert die unberechtigte Agitation gegen die Koiisiliiivereine. Die Konslinivcrciii» bilden nicht den archimedischen Pllnkt, von dem ans die Wirtschaftsordming aus den Angeln zu beben ist, aber sie sind in ihrer bescheidenen Wirksamkeit ein wirt- schaftlich günstiger Faktor. Die Angriffe ans die Vereine werden diese untereinander fester verbinden, sie noch mehr zum Großeinkauf und zur eigenen Produktion drängen. Aber die Gefahren für die Konsumvereine sind größer geworden, die Agitation gegen dieselben ist gewachsen, auch in den Parlamenten, dank dem Mangel an Mut in den poli- tischen Vereinen. Redner ist der Ucberzengung, daß der Verein für Socialpolitik seine Pflicht versäumen würde, ivemi er nicht gegen die Vergewaltigung der Konsumvereine auftreten wollte.(Lebhafter Beifall.) Ueber das Thema Bazare, Warenhäuser, Konsumvereine referiert dann Herr Dr. Rocke, Syndikus der Handelskammer Hannover. Redner verliest einen Vortrag über die große Be- deutnng und wirtschaftliche Unentbehrlichkeit des Zwischenhandels und schildert die Schädigungen, die den Detaillisten durch Waren- Häuser und Konsumvereine erwachsen, in den schwärzesten Farben. Unterscheiden will der Vortragende aber zwischen den Waren- hänscrn ü Is. Rudolf Herzog und Wertheim, Tictz zc. Nicht nur das Handwerk und der Kleinhandel, sondern auch das Publikum er- leiden durch die Warenhäuser schwere Schädigungen. Die Preisdrückerei im Einkauf habe schlechte Arbeit und die Verwendung minderwertiger Rohstoffe zur Folge. Betrügereien aller Art werden ausgeübt. Das Angebot dilligster Waren erregt die Kauflust des Pnvlikiims in unnützer Weise. Redner bemängelt die Einrichtung der Warenhäuser, besonders ihre Feuergcfährlichkcit. Man müsse sie zwingen, ihre Geschäftslokale zu ebener Erde zu haben, dann würden sie bei Ausdehnung ihrer Geschäfte wohl nicht mehr auf die Kosten kommen. Die Socialdemokratie begünstige die Waren- Häuser, weil angeblich hochentwickelte Betriebe besser für die Angestellten sorgen. Demgegenüber will Redner feststellen, daß gerade in den Waren- Häusern in dieser Richtimg sehr schlimme ilebelstände beständen. Selbst die besser bezahlten Angestellten können social keinen Ersatz für den vernichteten mittclständigen Händler bieten. Redner glaubt, daß es doch notwendig werde, durch steuerpolitischc Maßnahmen gegen die Warenhäuser einzuschreiten. Steuern sollen nicht ledig- lich finanziellen Zwecken dienen, sie können auch gewisse inoralische und andere Hivccke verfolgen, wie die Branntiveinstcuer, die Hundesteuer zc. Eine Sondcrbestcuerung der Konsumvereine will Redner nicht, aber jedenfalls sollten nicht Beamte des Staates oder der Gemeinde Mitglieder von Konsumvereinen sein. Ein Einschreiten ber Gesetzgebung sei notwendig, um die parasitische Entwicklung des Wieder Kaufmannstunis weiter anzuhalten. Die Kaufleute, die sich durch die Warenhäuser bedroht fühlen, erheben im Gegen- satz zum Schlußsatz des Sombartschcn Referat nicht den Anspruch. reich zu werden, sie wollen nur ihr bescheidenes Auskommen und in diesem Anspruch verdienen sie unsere volle Unterstützung.(Beifall.) Ge< oevkMslf tlidjrs. Verl!» nud Umgegend. Zum Pntzerstreik nahm der Arbeitgeberbund für das Bau-, Maurer- und Zimmercrgewerbe in der an« Mittwochmorgcn abgehaltenen Generalversammlung Stellung.(Vcrgl. Vcrsamml.) Nach längerer Debatte wurde nachstehender Beschluß gefaßt:„Die heutige Generalversammlung bcharrt auf dem Stand- punkte, daß die Forderungen der Putzer nicht zu bewilligen und � diese im Ausstände zn belassen sind. Zu den Einzelfällen, in denen � wegen besonderer Verhältnisse zur Fertigstellung begonnener Bauten die Bedingungen acceptiert sind, spricht die Generalversammlung ihr Bedauern ans und bestimmt, daß nur da Pntzarbeiten vorgenommen werden dürfen. Ivo, nach Prüfung der Verhältnisse, der Vorstand Dispens erteilt hat. Gegen Mitglieder, die ohne Dispens putzen lassen, soll nach dem Statut vorgegangen werden. Zur Durch- führung der diesseitigen Beschlüsse wird ein Garantiefonds er- richtet." Tie Lohnkommission der Putzer berichtete in einer am Mitt- wochabend abgehaltenen Baudepulicrten-Versammlung, daß bis Dienstagabend 729 Kollegen gemeldet waren, die zu den neuen Bedingungen arbeiten. Dazu kämen noch etwa 50, denen im Laufe des Mittwochs die Forderungen bcivilligt ivorden sind. Als Streikende seien 419 gemeldet. Die Arbeitgeberversammlung am Mittwoch habe sowohl durch den schwachen Besuch, als auch durch die dort gepflogene Aussprache gezeigt, daß die Putzer in den Bund der Arbeitgeber Bresche gelegt haben, und ein ernster Widerstand von jener Seite nicht mehr zu fürchten sei. Es sei niit Sicherheit zu erwarten, daß im Laufe der nächsten Woche zahlreiche Beivilligungen erfolgen und damit der volle Sieg der Streikenden gesichert'sei. Der Beschluß der Arbeit- gcber, bei dringenden Arbeiten die Forderungen zu beivilligcn, be- deute in der That so viel wie eine unbedingte Anerkeunniig, denn die Putzarbcitcn seien immer dringend. Unter keinen Umständen würden sich die Putzer darauf einlassen, daß die Unternebmer die Forderungen nur für einen bestimmten Bau, aber nicht für ihren ganzen Betrieb und zwar auf die Dauer aucrkcuuen. Die Gürtler, Dreher, Drücker, Klempner, Schleifer, Schlosser:c.. von den Finnen Beruh. Joseph. A t r.- G e s. B u tz k e, K r a m m e, Spinn n. Sohn und S ch ä f f e r u. Walker, die gestern eine sehr stark besuchte Versammlung in der „Berliner Ressource" abhielten, beschlossen einstimmig: Sowie die Former in den genannten Betrieben für die Einführung der neunstündigen Arbeitszeit eintrete», wird die Forderung der neunstündigen Arbeitszeit tinter Beibehaltung des bisherigen Lohnes im Laufe des heutigen Tages den Betriebsleitungen von den aus den verschiedenen Brauchen zusannncngcsctztcn Koin- Missionen unterbreitet werden. Bei den in Betracht kommenden Arbeitern ist die Meinung vor- banden, daß die Forderung ohne weiteres bcivilligt werden wird. Einzelnen Brauchen ist die Einführung des Ncnnstnndentages auch bereits in Aussicht gestellt. In» übrigen ist die Geschäftslage in der Mctallwaren-Fabrikalion eine andauernd günstige. In einer Anzahl großer und kleinerer Betriebe der Metallindustrie besteht die neun- stündige Arbeitszeit bereits. Achtung, Klempner, Drücker, Schlosser?c.? In nach- stehenden Betrieben befinden sich die Kollegen im Ausstand: F. F. 91. Schnitze, Fehrbellincrstraße; G e re ck e, Priuzenstraße; David Grave; S ch e i d I e r. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Mctallarbeiterverbandes. Zum Ausstande der Teppichweber der Firma F e i b i s ch wird uns geschrieben: Herr Feibisch hat dem Gewerbegericht gegen- über bekanntlich behauptet, daß er Leute genug habe. Diese Be- hauptung steht mit den Thatsachen in grellem Widerspruch; in Wirk- lichkeit hat er außer den Beamten, Werkmeistern und einigen Lehr- lingen nur wenige Arbeiter zur Verfügung. Herr Fcibisch in eigener Person und auch sein Hausdiener sind eifrigst bemüht, Streikende zu überreden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Dabei greift man zu recht zweifelhaften Mitteln. Da wird z.B.— naineutlich bei Frauen versucht man dies— gesagt, daß diese und jene Person bereits ebenfalls angefangen habe oder anfangen wolle. Damit ivill man Uneinigkeit in die Reihen der Streikenden tragen, was bisher aber noch nicht gelungen ist. Auch im„Lokal-Änzeiger" sucht Herr Feibisch Arbeiter. Recht bezeichnend für die„Arbeiterfreuudlichleu" des genannten Blattes ist es, daß man der Streikkommission, die in einem Inserat(selbstverständlich gegen Entgelt) ihrerseits den Lesern des„Lokal-Anzeigcrs" Kenntnis geben wollte von der That- fache des Streiks, dieses zurückwies. Achtung, Holzbildhauer! Wegen Nichtbewilligung ber ge- stellten Forderungen sind Kollegen folgender Werkstätten in den Ausstand getreten: Thum, Grimnistr. 35; Arndt, Neue Königstr. 10 (arbeitet für Brunzlow); Vogel, Nixdorf, Knesebeckstr. 115; Bartz, Friedrichsbcrgerstraße 10; Beyer, Britzerstr. 7; Peth, Memelerstr. 31; Brunzlow, Neue Königstr. 15; Schulz, Ziegelstr. 30; Jacquemin, Alte Jakobstr. 88; Kirschner, Adalbcrtstr. 42; Grix, Pallisadenstr. 57; Kramer, Koppenstraße 60; Soloutz. Rixdorf, Walterstraße 26; Schoy, Mariannenstraße; Brandenburg, Wilhelmstr. 124; Gröger, Kottbuser Damm 95; Neumann, Manteuffelstr. 22; Neumann, Schönlein- straße 14; Höse, Lindenstr. 93. Es wird ersucht, diese Werkstätten streng zu meiden. Meldungen. auch der Firmen, welche bewilligt haben, sind umgehend an die Lohnkommission. Köpnickerstr. 62(Restaurant Spielberg, Telephon Amt VII Nr. 3932), in der Zeit von 9—1 und 3—7 Uhr zu richten. Die organisierten Holzarbeiter werden ersucht, die in ihren Ge- schäften arbeitenden Bildhauer auf die Forderungen aufmerksam zu machen. Die L o h n k o m m i s s i o m Achtung Cisclcnre und Stahlgravcure! Bei nachfolgenden Firmen befinden sich die Kollegen wegen Nichtbewilligung des Neun stundentages im Ausstand, oder haben gekündigt und ist deshalb jeder Zuzug nach diesen Werkstätten strengstens zu vermeiden, l sind dies die Firmen D. Vollgold u. Sohn, Silberwarcnfabrik, Köpnickerstr. 72(diese Firnia ist für Ciscleure und Stahlgravcure gesperrt); Frisier(Inhaber Engel u. Hegewald), Bronzcwarenfabrik. Lindenstr. 23; Speck, Bronzewarenfabrik, Dresdeuerstr. 36; und Gcricke. Scbastianstr. 20. Ebenfalls ist von nachfolgenden Firmen jeder Zuzug scmzuhaltcn, da dieselben Strcikarbeit anfertigen: Fischer, Wienerstr. 29; Greulich, Adalbertstr. 75; Rothcr, Kottbuser Damm 21. In der Sonntagnummer ist irrtümlicherweise auch die Firma L. Haas in Rixdorf, Prinz Handjerystr. 42, genannt. Daselbst wird jedoch, wie uns nachträglich versichert wurde, keine Streikarbcit an- gefertigt. Die Kommission. Tapezierer! Die Werkstatt der Firma T ö p k e. Charlottcw straße 13, ist gesperrt und ersuchen wir, diese Werkstatt streng zu meiden. Die AgitationSkommifsion. Deutsches Reich. Jntcrnatlonalc Solidarität. Für die ausgesperrten dänischen Arbeiter sind bis zum 20. September bei der Gcneralkommission der Gewerkschaften Deutschlands 1Z5 206,25 Mark eingegangen. Die Sammlungen sind damit für geschlossen erklärt. Die Förster Buchdruckcrgchilfen beabsichtigen. an die städtischen Behörden eine Eingabe zu richten, in welcher sie dieselben bitten, bei Vergebung von städtischen Arbeiten nur diejenigen Buch- druckercien zu berücksichtigen, welche den zwischen Prinzipalen und Gehilfen vereinbarten Tarif eingeführt haben. In Posen ist am Dienstagmorgen ein Streik der Droschken- k u t s ch e r ausgebrochen. Dieselben haben alle ausgespannt; sie meinen, die Polizei bevorzuge die Taxameter, wodurch die anderen Kutscher in ihrer Existenz gesthädigt würden. Tic Arbeiter der Bcrlin-Auhaltcr Maschinenbau-Aktien- gcscllschast zu Dessau sind in den Streik getreten. Schon vor längerer Zeit wurde den Arbeitern angekündigt, daß demnächst Lohn- redüzierungen vorgenommen werden müßten, da die Fabrik„zu hohe Löhne" zahlt und mit anderen nicht konkurrieren könne. Die Uulerhandlungcn mit dem Arbcitcrausschuß führten zu keinem Er- gcbnis, die Arbeiter gewannen den Eindruck, als ob sie nur hin- gehalten werden sollten und traten in den Ausstand. Zum Tischlcrstreik in Burg wird geschrieben: Fast 24 WoHen hat die Einigkeit der Unternehmer im itampfc gegen die Arbeiter gedauert. Endlich ist sie gebrochen. Trotzdem man Anzeigen auf Anzeigen wegen Strcikpostenstchcns gegen uns erstattet hat(einen Erfolg hatten dieselben nicht, denn das Landgericht Magdeburg hat bekanntlich sämtliche Frevler freigesprochen), trotz des abweisenden Auftretens der Unternehmer in den einzelnen Verhandlungen über die Streitfragen selbst und trotz des mit noch ziemlich großer Majorität gefaßten Beschlusses der letzten Meister- Versammlung, den Streik weiter dauern zu lassen, sind die- selben durch unser ruhiges und besonnenes Ausharren zur Vcr- zwciflung getrieben. Heute sehen wir, daß der zur Nicderhaltung der Arbeiter geschlossene Ring gesprengt ist. Einer nach den» andern kommt und wünscht Arbeiter zu den von uns geforderten Be- dingungcn. Siebe» Firmen haben bereits bewilligt. Es arbeiten nunmehr die Mehrheit der Kollegen zu den neuen Bedingungen, und es steht zu erwarten, daß in nächster Zeit noch einige Unternehmer bewilligen werden. In erster Linie aber wird es darauf ankommen, daß die gesamten Kollegen Deutschlands uns ihr Solidaritätsgefühl weiter bezeugen./ I. A.: Fr. Drechsler. Ueber die Gcwerbegcrichtstvahlen in Halle, die am 25. Sep- tember stattfanden, ivird uns von dort geschrieben: Die social- demokratische Liste der Arbeitnehmer ging, wie immer, glatt durch, da Gegner sich gar nicht mehr die Mühe nehmen, Kandidaten auf- zustellen. Als Arbeitgeber wurden nur bürgerliche Kandidaten ge- wählt. Die socialdemokratische Liste blieb im Hintertreffen, da man es diesbezüglich an der notwendigen Agitation fehlen ließ. Gin Zusammengehen der beiden Bcrgarbeitcr-Qrgaiiisationcn im Rnhrgcbict ist auch für die nächsten Wahle» zum Berg- Gewerbegericht erzielt worden. Danach soll beiden Verbänden, deni„Alten Verband" und dem„Christlichen" ihr bisheriger Besitz- stand gewahrt bleiben. Wo es aber gilt, einen Zcchenkaudidatcn zu verdrängen, ivorauf alle Mühe verwendet werden muß, machen die beiden Verbände halbpart, d. h. sie verteilen unter sich die Man- date und unterstützen sich bei der Wahl gegenseitig. Ausland. Tie„Nentralisicrung der Gewerkschaften" in der Schweiz macht sich nicht so glatt und einfach.� wie ihre Anhänger erwarteten. In Zürich, so wird uns von dort geschrieben, zog man zn den Vor- beratmigen des vom Arbeitersekrctär Greulich ausgearbeiteten Ent- Wurfs für die neuen Statuten des GewerkschaftsbundcS auch V e r- treter katholischer Organisationen zu, die die im- möglichsten Dinge fordern. So wird gefordert, daß Gcwerkschafts- Mitgliedern, welche sich durch da- Verhalten anderer Gcivcrkschafts- Mitglieder„politisch oder religiös gekränkt fühlen", in Zukunft ein besonderes Beschwerderecht zustehen soll. Das würde ein schönes Spitzel- und Denunziantentum geben! Ein katholische- Blatt, die„Züricher Nachrichten", fordert Abschaffung der Fcstlichkeuen mit den u n neutralen Festreden. Eingehen der„Arbeiter- stimme" und dafür Herausgabe eines Gewerkschaftsblattes durch den „bessere Garantien bietenden Arbeitersekretär"! Auch die Biblis- theken der Gewerkschaften sollte» revidiert und alles„unsittliche" v zc.: Streichung des folgenden im§ 0 der Organisation stehenden Satzes:„Iusoiveit nicht nutcr den gewählte» Vertretern des Wahl- l reise« sich Frauen befinde», können weibliche Vertreter in besonderen Fraucu-Vcrsainmlnngen gewählt werden." 9. Parteigenossen von B e r I i n I, II, IV und V und die Parteigenossen des Wahlkreises Teltow- Beeskow-Storkow' „Der zweite Teil des§17» ist von den Worten„Einwände der Prcßkommissiou usw." zu streichen i an diese Stelle ist zu setzen: Diese erledigt mit dein Partcivorstand gemeinsam zu gleichen Rechten alle Angelegeuheiten des Parteiorgans, insbesondere An- slellung und Entlassung iin Personal." 19. Parteigenossen in Detmold: „Jeder Wahlkreis kann einen Delegierten zum Parteitag wählen; die Kosten lrägt die Parteikasic. Die Kosten für Ivcitere Delegierte haben die Wahlkreise selbst zu tragen." 11. Parteigenosse Max Grnuwald-Jcna: „Der Partcivorstand wird beauftragt, sofort nach Schluß de? Parteitages die Einrichtung einer eigenen, der Partei gehörigen Druckerei für das Eeutralorgan der Partei in Angriff zu nehmen, und dafür zu sorgen, daß von, 1. Januar 1900, spätestens von: 1. April ISA) ab die Drucklegung dcS„VorivärtS" in dieser Druckerei stattfinden kann." prrppe. Centralorgan. 12. Parteigenossen deS Wahlkreises Teltow BeeSkow- Storkow: „Ter„VorivärtS" als Eeutralorgan der focialdemokratischen Partei hat zn allen aktuellen politischen TagcSfragen, sowie zu allen die eigene Partei betreffenden Angelegenheiten Stellung zu nehmen." lks. Parteigenossen des ersten BerlinerRcichStagS- Wahlkreises: „Das Eeutralorgan, der„VorivärtS", soll zweimal täglich. morgens und abends, erscheinen." 14. Parteigenosse Max Brun Wald in Jena: .Mit der Drucklegung des„Vorwärts" in einer eigenen Druckerei wird zugleich die Einrichtung eines täglich zweimaligen smorgenS und abends) Erscheinens dcS„Vorwärts" verbunden; die hierdurch notwendig werdende Abonnements- Erhöhung soll möglichst 4 M. pro Quartal nicht übersteigen." Broschüren. I.?. Parteigenossen'.n Köln: „Ter Panci'vorftand ivird beauftragt, eine Broschüre in gc- drängtet, zur Agttcuion geeigneter Form herauszugeben, die die Er- folge der wcialdcmokratischen Abgeordneten im Reichstage und in den Landtagen darstellt." 19. Parteitag des KreiseS Gotha: „Tie Parteileitung zn beauftragen, die ReichStagSvcrhandlungcn in Broschürciisorm(großes Format) erscheinen zu lassen, ivclche' zn ciiicm angemessenen Preis von den Partciblältcrn erworben und alS wöchentliche oder halbwöchentlichc Beilggcn herausgegeben werden lönnen." 17. Parteigenossen in Detmold: .Während der ReichStagSwahlen soll die Parteiprcsse.Wahl- zcitimocn" herausgeben, deren Inhalt neben der Anfllärnng der Wähler spccicll der Widerlegung und Abwehr gegnerischer Angriffe gewidmet ist." 18. Parteigenossen in Breslau: „Das bisher im Baakcschen Verlage erschienene„Arbcitcrrccht" von Stadthagcn in neuer Bearbeitung im Verlag der VorivärtS- Buchhandlung herauszugeben." 1». Parteigenossen in Villingen „Ein Organ herauszugeben, das groge Wisseiisgcbiete umfassend nnd leichtverständlich behandelt. JedcS Thema hat einen viertel- oder halbjährigen Kursus zu bilden nnd jede Nummer einen geschlossenen Abschnitt von der Länge eine-Z ca. einstündigen Vortrages zu cnt- halten. Der Partcivorstand hat bei ic» Organisationen darauf hin- znwirken, daß sie sich durch Bezug dieses OrgancS in den Stand setzen, in jeder Versammlung einen wissenschaftlichen(Lese-) Vortrag zn bieten." 29. Dieselben Genossen beantragen weiter: „Anläßlich des Jahrhundertwechiels eine Broschüre heraus- zugeben, die die wichtigsten Vorkommnisse dieses Jahrhunderts vom socialdemokratischen Standpunkt aus kritisch beleuchtet." Freie Shmdc». 21. Partesgenossen deS Wahlkreises Teltow-BecSkow- Storkow usw.: „Die UnterhaltnngSschrift„Freie Stunden" ist in Text und Illustration einer allgemeinen Verbesserung zu unterwerfen." 22. Parteigenossen im 5. sächsischen Wahlkreise, Dresden- Altstadt: „Der Verlag der„Freien Stunden" ist anzuweisen, in der Wahl der darin auszunehmenden Romane mehr Vorsicht walten zu lassen, damit in Zukunft Romane von so zweifelhaftem Wert, wie der kürzlich erschienene:„Die Töchter des Südens" vermieden werden." Jugcndlittcratur. 2Z. Parteigenossen in Essen: „Der Parteivorstand wird beauftragt, möglichst bald die Heraus- gäbe einer zweckentsprechenden Jugcndlitteratnr zn bewerlstelligen." Flugblätter. 24. Parteigenossen des 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis:s. „Die Vertrauenspersonen haben bei Schluß der Session,»falls nicht außergewöhnliche Ereignisse dies nicht früher zur Pflicht machen, in ihren Kreisen ein Flugblatt zur Verbreitung zu bringen, welches die Thätigkeit der Parteien resp. ihrer Vertreter in' das richtige Licht stellt. Diese Gelegenheit ist auch zugleich zn benutzen, um Propaganda für die Arbeiterpresse zu machen." Lokalpreffe. 25. Die Parteigenossen in Augsburg: „Den Partcivorstand zn bcanftragen, zur Gründung nnd Er- Haltung eines Parteiblattes für Augsburg nnd das übrige Schwaben die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen." 29. Kreiskonferenz des Wahlkreises Hagen-Schwelm: „Der Parteitag zu Hannover wolle das auf dem außerordentlichen Parteitag des westlichen Westfalen zn Hagen geschaffene Verhältnis zwischen der Parteileitung nnd der„Rheinisch-Westfälischen Arbeiter- zeitnng" auf zwei Jahre bestätigen." 27. Kreiskonferenz des Wahlkreises D o r t m n n d- H L r d e: .Den das Verhältnis der„Rheinisch- Westfälischen Arbeiter- Zeitnng" zur Parteileitung betrcsscnden Antrag des Kreises Hagen an den Parteitag zn Hannover erachtet die KreiSkonserenz des Wahl« kreiscS Dortmnnd-Hörde als unzulässig, da es nicht Sache des Partei- tagcs sein kann, Entscheidungen und Beschlüsse herbeizuführen in An- gelcgcnhciten, welche bestimmt abgegrenzte Bezirke allein angehen, wie die Angelegenheit der.Rheinilch-Westsälischen Arbeiter-Zcirimg" eine solche ist. Es wendet sich daher die Kreiskonferenz mit dem Antrag an den Parteitag, irgendwelche Anträge, wie der von Hagen, welche ans die Regelung der Besitz- oder Verwaltungsverhällnissq unserer Zeitnng gerichtet sind, zurückzuweisen." Agitation. L8. Parteigenosse Harris-Himbach: „Der Parteitag möge geeignete Genossen zur Herausgabe einer Broschüre veranlassen, welche dazu bcstinimt ist. den ans dem Lande wohnenden Parteigenossen als Führer zur Agitation von Mund zu Mund zu dienen. Die Broschüre soll, an die nächstliegenden Vcr- Hältnisse des Kleiiibauerntums anknüpfend, rein theoretisch- socialistischcn Inhaltes, dabei weniger werbend als aufklärend sein." 29. Parteigenossen in Heidelberg: „Die Parteileitung zu veranlassen, daß von einem Parteiverlag eine billige Broschüre herausgegeben wird, welche in populärer Weiie die Schädlichkeit des übermäßigen Genusses von Alkohol darlegt und ans die schädlichen Wirkungen desselben für die moderne Arbeiter- bcwegung hinweist." Z9. Parteigenossen in Stuttgart: .Die Parteiprcsse möge mehr als seither das Proletariat ans die Schäden des übermäßigen AlkoholgennsseS anfmerlsam machen." 31. Parteigenosse Jacob Meyer-Berlin: „Mit aller der Partei zu Gebote stehenden Kraft dafür einzu« treten, den Alkohol zn bekämpfen." 32. Parteigenossen in B a r b y: „Die Refcrcntc» zur Agitation hat der Partcivorstand resp. die Vcrtranenspcrsou des Kreises zu besorgen; das vereinnahmte Geld, nach Abzug der Kosten am Orte, an sich zu nehmen, um eine gleich- mäßige Agiiatioir in den kleinen Orten wie in den großen Städten zu erzielen." VovlamcnkÄLiflsxes. 33. Parteigenossen dcS 6. sächsischen Rcichstags-Wahlkreises, Dresden- Land: „Die RcichStags-Fraktion zn beauftragen, die Reichsregiening zu interpellieren, ivic sie die Durchführung und Beachtung der RcichSgesctze im Königreich Sachsen zn bewirken gedenkt, beziehentlich Ivie sie sich dazu stellt, daß königl. sächsische Gerichte Rcichsgcsctzc durch Polizei Verordnungen— so die Bestimmung der Gewerbe« Ordnung über die migehindcrte Verbreitung von Flugblättern, Stimmzetteln usw. ans Plätzen nnd Straßen während der Wahlzeit, durch eine Verordnung der Polizeidireition Dresden— für außer Kraft gesetzt erklären entgegen der Bestimmung der Rcichsvcrfassung: Reichsgesetz geht vor Laiidesgcsctz I" 34. Parteigenossen in Heidelberg: „Die focialdemokratischen Rcichstagsabgeordneten werden ersucht, mit aller Energie und Nachdruck sür Aushebung des Impf- zwangeS einzutreten." 35. Parteigenossen in A a ch e n: „Die Fraktion zu bcanftragen. in kommender Reichstagsicssion wiederum die Anträge auf Einführung des achtstündigen Noxnial- arbeitstagS, sowie auf Einführung der obligatorischen Gclverbc- gcrichtc einzubringen. Ferner soll die Fraktion beauftragt werden, eine reichsgcsetzliche Regelung des SubmijsionswescnS herbeizuführen durch Einführung eines Mminiallohncs." 39. Parteigenossen in G ö p p i n g e n: „Die RcichStags-Fraktion zu beauftragen, im Reichstag dahin zu wirken:.»..i. ») In dem§ 46 dcS Krankenvcrsichcrungs-GeletzeS im 1. Abiatz die Worte„inner halbdes Bezirks et» er Auf- sc ch tS b e h ö rd e" zn streichen. b) Im§ 137 der Gcwcrbe-Ordnuiig den S. Absatz zu streichen und dafür zu setzen:„.. �Wöchnerinnen dürfen während sechs Wochen nach ihrer Niederknilft überhaupt nicht beschäftigt lvcrdcn." e) Der Impfzwang ist für ganz Deutschland anpzuhcben. d) Bei§ 119a der Gewerbe-Ordnung ist zn fttzen: Zuwiderhandlungen werden bestraft." Nefolukionen. 37. Z» Punkt 2 der Tagesordnung' Geschäftsbericht deS Borstandes. Parteigenossen deS 5. sächsischen WahlreiscS Dresden- Alt- st a d t: „In Erwägung, daß die gegenwärtige schärfere Interpretation der ftrafgcsetzlichen' Bestimmungen sich insbesondere gegen Handlungen klassenbewußter Arbeiter richtet Nnd diese als Opfer einer Klassen- justiz zn betrachten sind, spricht der Parteitag wegen der unterlassenen Registrierung des hier besonders hervorstechenden schwurgerichtlichen Urteils gegen die Löbtaucr Bauarbeiter in der Rubrik„Unter dem neuesten Kurs" im„Vorwärts" sein Bedauern anS. Der Parteitag erwartet vom Parteivorstand. 1. daß derselbe die unterlassene Registrierung in geeigneter Weise nachholt;. � 2. daß er in Zukunft unter obigem Einfluß erfolgte Vcr« urleilungen ohne weiteres registriert." 38. Parteigenossen des sechsten sächsischen Wahlkreises Dresden-Land: „Mißbilligimg darüber aussprechen, daß der Parteivorstand von der Liste der'Klassenkampfopfer die„Verurteilten in dem Löbtauer Kmwallprozeß" gestrichen und diese Streichung nachträglich mit de« Besorgnis vor falschen Auslegungen durch die Scharfmacher begründet hat. Da ein schwächliches Zurückweichen vor den immer bedrohlicher iverdende» Machenschaften des Zuchthausknrses das Vertrauen der deutschen Arbeiter in die Vertretung ihrer Interessen durch die social- demokratische Partei erschüttern mußte, möge der Parteitag ferner den gethmicn Mißgriff nach Möglichkeit reparieren und Anordnungen treffen, die dessen Widerholung verhindern." 39. Parteigenossen in Danach: „In Anbetracht des Umstaudcs. daß die Zahl der Vertreter der Partei in den kommunalen Körperschaften«�unterbrochen wächst und diesem Gebiet seitens der Parteigenossen auch der kleineren Städte nnd Landorte steigende Aufmerksamkeit zugewendet Ivird; in der ferneren Erwägung, daß die Aufstellung von einheitlichen leitenden Gesichtspunkten siir die Gcmeindepolilik mehr nnd mehr zur zwingenden Notwendigkeit wird, beantragen wir, der Parteitag möge dieser Frage näher treten." Zu Punkt 9 der Tagesordnung: Erörterung über Punkt 3 des Parteiprogramms. 49. Parkeigenosse E. Mergner, Jena: In Erwägung, daß das Parteiprogramm zwar kein Dogma, aber an dessen Stelle oder einzelnen Punkten desselben bis heute inid auch in absehbarer Zeit nichts Besseres gestellt werden kann; in fernerer Erwägung, daß gegen einen der wesentlichsten Punkte des Programms, und zwar Punkt 3 desselben. Abschaffung der stehenden Heere, Erziehung zur allgemeinen Wahrhaftigkeit, sich der Abg. Max Schippe! schwer vergangen, wolle der Parteitag beschließen, obengenannten ReichstagS-Abgeordneten Max Schippe! als nicht mehr zur socialdeniokratischen Arbeiterpartei gehörend zu betrachten und denselben ans der Partei auszuschließen." 41. Paricigenossen in M a g d e b u r g: „In striktem Gegensatz zu Schippels AtlSführnngen in den „Socialistischcn Monatsheften" und der„Neuen Zeit" ist auf das ent- schiedenslc für die Auftcchterhaltnng nnd Propagierung des dritten Absatzes unserer Gcgcnwartsfordernngen einzutreten:„Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkcit. VolkSwch'r an Stelle der stehenden Heere. Entscheidung über Krieg und Frieden durch die Volksvertrewng. Schlichtung' aller internationalen Streitigkeiten ans schiedsgerichtlichem Wege." Die stehenden Heere bergen, se länger, je mehr in allen Staaten die größten Gefahren für die Völker, ihre Geschicke und die Demokratisiernng ihrer politischen Zustände. Die Demokratie kann nimmennehr unter dein Militarismus gedeihen oder geschaffen werden, wofür Frankreich seit Jahr nnd Tag einen klassischen Beleg liefert, sondern sie ist nur noch möglich nnd erreichbar unter dem jeden Staatsstreich ausschließenden Milizsystem. Es ist daher un- verständlich, wie ein Socialdcmokrat, noch dazu ein Vertrauensmann der Partei, der seit Jahren Vertreter eines Reichstags-WahlkxeiseS ist, über das zu erkämpfende Milizsystem spötteln und zur Ein« richtnng der stehenden Heere sich sympathisch stellen kann." Zu Punkt 7 der Tagesordnung: Die Angriffe auf die Grnndanschauungc» und die takttsche Stellungnahme der Partei. 42. Parteigenossen in F r i c d r i ch s b e r g bei Berlin: „Es liegt keinerlei Grund zu irgend einer Acnderung der Grund« anschmiungcii oder der Taktik der Partei vor. Von den Vertretern der Partei muß verlangt werden, daß sie fest und entsckiieden im Sinne des Parteiprogramms wirken und das Endziel der Vergesell« schnftung der Produktionsmittel im Auge haben und bei der Agitation dies Endziel in erster Linie in den Vordergrund stellen, um das socialistischc Bewußtsein der Massen zu wecken und zu stärken. Es ist insbesondere gegenüber dem von Tag zu Tag sich mehr zuspitzenden Klassenkampf zic verwerfen, von dem Gerechtigkeitsgefühl der bürgerlichen Parteien etwas zn erwarten. Die Besteiung des Proletariats ans den Fesseln deS Lohn» systcms kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Es ist an der revolutionären Grnndanschanung und an der revo« lutionärcn Taktik der Partei scstznhalten nnd jedem Versuch de» Vertuschung des Klassenkampf-Charakters entgegenzutreten." 43. Parteigenossen in Stuttgart: „Die Partei Versammlung ist der Ansicht, daß Bernstein sich in seiner Schrift von dem grundsätzlichen Boden, auf dem die Social« dcinolratie steht, entsernt hat, Sie weist seine Kritik unserer Grund« sätze nnd die von ihm empfohlene Taktik aufs schärfste zurück. Die Socialdcmokratic muß an ihrem Charakter als revolutionäre Kampfcsparter festhalten und damit midj an ihrer erprobten Taktik. Im Interesse eines geschlossenen Auftretens des kämpfenden Proletariats erwartet die' Versammlung von dem Parteitag in Hannover, daß er die Stellung der Partei zn den von Bernstein angeschnittenen Fragen klar präcisiert." 44. Parteigenossen dcS 7. sächsischen Wahlkreises Meißen« Großenhain„sehen trotz der verschiedenen Anregungen keine Notwendigkeit, eine Aendernng in der Taktik vorzunehmen, sondern erwartet vom Parteitag, daß die bisherige Taktik bei wirtschaftlichen, sowie in- und ausländischen Fragen beibehalten wird." 45.„Parteigenossen des 6. sächsischen Wahlkreises Dresden« Land halten es für erforderlich, daß der Parteitag die Versuche, die socialdcmokratische Partei von ihrer bisherigen revolutionären Taktik abzubringen, entschieden zurückweist. Es sind dabei jedoch solche Beschlüsse zu vermeiden, die den Anschein erwecken könnten, als solle ein Ketzergericht abgehalten oder die Freiheit der Kritik innerhalb der Partei eingeschränkt werden. Deshalb fallen alle theoretischen Streitigkeiten, obschon sie selbst« verständlich in den Erörtcrimgcn des Parteitags eine Rolle spielen werden, aus dein Nahmen der Parteitagsbcschlüsse heraus. Um so schärfer aber sind diejenigen Vorschläge zu brandmarken, von denen der Parteitag die Ucberzeugung gewinnt, daß deren Be» folgung denprolctarischenKlasicnkampfchara'kte'r dersocialdemokratischen Partei zerstören, sie dem socialistischcn Endziel entfremden und sie zu einem Anhängsel bürgerlicher Refvrmparteien machen müßte. Das sind insbesondere: 1. die bon Schippcl, Bernstein und anderen Genossen befür» wortcten Konzcssionen an den Militarismus, dessen ver- derblichcr Einfluß auf den Einrichtungen eineS stehenden Heeres fußt; 2. die Bernsteinschc Begünstigung der uferlosen Weltpolitik der Aegirsära, durch die dem deutschen Volke die scheußlichste Ausgeburt des Kapitalismus, die Plnntagenwirtschaft mit Kulis, aufgehalst wird; 3. der Bernsteinschc Ratschlag, ans das, was er die„Freßlegende" nennt, zn verzichten, damit die Socialdemokratie bündnisfähig werde für das liberale Bürgertum, eine Taktik der Feigheit. die uns den socialistischen' Kernpunkt unseres Programms rauben und ztini Untergang der Partei führen müßte." G c tt o ssc n srha fts iv e sc n. 46. Parteigenossen des 1. H n m b u r g i s ch e n Wahlkreises; „An Stelle der mif dem Berliner Parteitag 18S2 gefaßten Resolution über Genossenschaftswesen folgende zu setzen: In der Frage des Genossenschaftswesens steht die Partei auf dem Standpnnkt: Sie kann die Griiiidnng von Produktivgcnossenschaften grund- sätzlich nicht gutheißen, da dieselben in der Regel wegen ungenügendem Absatz ihrer Produkte zu Grunde gehen oder, wenn sie Erfolg haben, sich sehr bald zu rein kapitalistischen Betrieben aus- wachsen. Wo es sich dennoch notwendig erweisen sollte, um im politischen oder gewerkschaftlichen Kamps geinaßregcltcn Genossen eine Existenz zu verschaffen, müssen die Parteigenossen die Frage der Unterstützung davon abhängig machen, daß genügend Mittel für eine gesunde, finanzielle Grundlage zur Verfügung stehen und Garantien für geschäftskundige Leitung und Verwaltung ge geben sind. Sie erkennt jedoch an: daß Konsumgenossenschaften und von solchen für den eigenen Bedarf errichtete'Produktionsstätten unter tüchtiger, fachmännischer Leitung den Arbeitern in ihrem Streben nach höherer Lebenshaltung wesentliche Vorteile zu bieten vermögen. Die Partei als solche lehnt jedoch jede Bethätigung auf diesem Gebiete ab." �avkeikÄg. 47. Parteigenossen in Lübeck:„Den Parteitag 1900 in Lübeck abzuhalten." 48. Parteigenossen in Grabow a. O.:„Den nächsten Partei tag zwischen Weihnachten und Neujahr tagen zu lassen." 4N. Parteigenossen in Stuttgart: „Auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages die Frage der Vcrkehrspolilik zu stellen und dazu eiiien geeigneten Referenten bestellen." 36. Parteigenossen in Detmold: „Am nächsten Parteitag:„Das Erfurter Programm und die bisherige Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft" auf die Tages ordnung zu stellen."_ � Zum Parteitag nahm� eine Versammlung der Genossen in München Stellung. Genosse Vollmar hielt den Hauptvortrag Er verbreitete sich namentlich über die Milizfrage und die„Bernstein" Frage. Er ist der Meinung, daß keine Notwendigkeit vorlag, die Militärfrage in Hannover zu verhandeln. Wenn etivaS unter uns abgemacht sei, dann ist es gerade dieser Punkt, daS heißt unsere Gegnerschaft gegen die �stehenden Heere. gegen unser Kasernenwesen, gegen alleS, was man Mili tarismus nennt. Darüber, daß der Militär- Etat zu ver- weigern sei, bestand niemals� eine Meinungsverschiedenheit in der Partei. Auch derjenige Genosse, der die Veranlassung gegeben hat, diesen Punkt auf die Tagesordnmig zu setzen, nämlich der Genosse �Schippel, auch ihm sei es ivohl nicht eingefallen, etwa die Forderung aufzustellen, daß der Militärctat oder ein Teil davon bewilligt .werden soll. Er hat zwar nicht in einem offiziellen Partci-Organ, aber in den von Parteigenossen geleiteten Socialistischen Monats- heften eine Kritik veröffentlicht über unsere bisherige Stellung znni Militärwesen und sich darüber Instig gemacht, daß eine Anzahl Gc- nosscn meint, daß mit dem Worte Miliz die Sache eigentlich .schon gelöst sei. Er hat damals diese etivas bissigen Ans- cinandersetzmigen nicht mit seinem eigenen Namen, sondern mit dem Pseudonym Isegrim unterzeichnet. Man hat auf feiten derjenigen, die von Grund ans mit der Tendenz und Form seines Artikels nicht einverstanden waren, ihm übel genonimen. daß er nicht seinen Jtamcn darunter gesetzt, sondern sich eines Pseudonyms bedient hat. amb die Sache wurde bereits in der Reichstags-Fraktion ver- handelt. Mit der Form des Artikels war niemand einverstanden, .denn man sagte, daß man bei einer derartigen Frage sich Partei- freundlicher und kameradschaftlicher ausdrücken solle, Ivohl aber bc- standen Meinungsverschiedenheiten über den Inhalt. So weit Schippe! nur über die Miliz sich lustig gemacht hat, hat er durchaus nicht seinen Pflichten als Parteigenosse widersprochen. Unter Milizsystem stellt man sich die Miliz gewöhnlich so vor, wie sie in der Schweiz ist. Daß für uns in Deutsrfiland bei unserer internationalen Lage und unter den heutigen Verhältnissen dieses System in dieser Form un �annehmbar wäre, darüber besteht auch ziemlich wenig Zweifel. Man ckonnle auch Schippe! wenigstens soweit Recht geben, daß der Punkt 3 <>cs Parteiprogramms, der gar nicht von Miliz, sondern von -Bolkswehr spricht, für die Gegenwart in der Hauptsache bc- sagt., daß Ivir für fortgesetzte Reduktion der Dienstzeit eintrete» müssen. In diesem Sinne wurde auch im vorigen Jahre sogar. in �Stuttgart ein Antrag Mainz angenommen, dahingehend, es sei auf •eilte Reduktion der Dienstzeit wenigstens auf ein Jahr hinzuwirken. Wir werden darum einfach beschließen, daß wir unser Partei- Programm in diesem Punkte aufrecht erhalten. WaS der Redner über die Ansichten Bernsteins wesentliches gesagt, gicbt der noch unvollständige Bericht der„Münchener Post" noch nicht wieder. Es dürfte jedoch im Kerne enthalten sein, in der nach zustimmenden Acußcrungcn der Genossen Sturm und Timm einstimmig angenommenen Resolution des Inhalts: „Die Parteiversammlnng der Socialdcmokratic Münchens hält die anläßlich der Bcrnstcinschcn Schrift zu Tage getretenen Meinungsverschiedenheiten nicht für solche, die die Kraft der Partei «der ihre Akiionssrcihcit irgendwie beeinträchtigen könnten. Die loeialistischc Bewegung ist vom Schicksal der über sie aufgestellten Theorien unabhängig. Die allgemeinen Sätze des Parteiprogramms enthalten keine ewigen Wahrheiten, sondern unter- liegen der Weiterbildung durch die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse und die politische Erfahrung. Das Bestreben, augenblicklich, anerkannte Lehrineimingcn zu Dogmen zu stempeln und die an � ihnen Zweifelnden als Ketzer zu behandeln, ist mit den Grundsätzen des Socialismus unvereinbar. Die unbedingte Freiheit der Forschung und Kritik ist das Recht jedes Parteigenossen. Die Parteiversammlnng ist der Ucberzcugung, daß sich die deutsche Socialdemokratie in der Entwicklung ihrer An- kchfluungcn und ihrer Taktik auf dem rechten Wege zur Wirtschaft- lachen und kulturellen Hebung der Arbeiterklasse und zur Eroberung der politischen Macht befindet." Eine Krciskonfcrenz für den Wahlkreis Erfurt- Schleu- fingen nahm eine Resolution an, die sich auf den Standpunkt stellt,. daß eine Aenderung des Programms zur Zeit nicht als not- wendig erwiesen sei, aber das Recht der freien Forschung und Meinungsäußerung besonders betont. In' der Parteiversammlnng für. den 20. sächsischen Wahlkreis referierte S ch ö p f l i n- Chemnitz. Er zog. wie die„Chemnitzer Ddlksstimine" berichtet, scharf gegen den sogenannten Opportunismus zu Felde, und verurteilte die der Partei neuerdings von der Studier- stubc heraus empfohlene komprontisselnde Reformtaklik. die den Kampfes- mut der Genossen nur schwäche und die Aktionskraft der Sozial- dcmokratie lahmlege. Nur das reine Banner des proletarischen Kkasscntampfes könne die Socialdemokratie zu wirklichen Erfolgen im Jntcreffc der Arbeiterschaft nnd zum endlichen Siege führen! nicht aber etwa Bernsteiniadcn und Konsum- und Produktiv-Genosscn- schaftcn. Der große anhaltende Beifall, den die Versammlung dem Redner spendete, bewies deren Einverständnis mit seinen Aus- führungen. Mehrere Redner traten ihm»och bei. Durch Beschlutz erklärte sich die Versammlung mit dem Referenten einverstanden und jprach aus. daß sie entscknei en am proletarischen Klassenkampfe fest- halten will, ohne jedoch die Freiheit der Mcinnngsänßernng irgend- wie zu beeinträchtigen. Tor socialdeniokratische Parteitag für die Provinz Pommern wurde am Sonntag in Stettin abgehalten. Es waren 39 Del-gierte anwesend. Der Bericht des Provinzial-Vcrtraucns- männes' klagt über die geringen Fortschritte in der Provinz. In der DrSknssion wird vielfach Klage geführt über ungenügende Thätigkeit des Agitationskomitees. Es wird am Ende b c- schloffen, das Erscheinen des„Pommer" einzustellen, dafür aber zweimal im Jahre Broschüren usid außerdem den Bolkskalender in der Provinz zu verteilen. Herbert referiert dann über die Taktik der Partei; seinen Anschauungen entspricht die nachstehende, einstimmig angenommene Resolution: „Der achte ponunersche Provinziak- Parteitag der socialdemo- kratischcn Partei beschließt: In Erwägung, daß die freie Forschung nur der Wabrheit die Wege bahnen kann: in weiterer Erwägung, das die Wahrheit zum Fortschreiten der Socialdemokratie ein un- erläßlichcr Faktor ist, sieht der Parteitag in der wissenschaftlichen Kritik des Programms unserer Partei und ihrer Taktik für die- selbe nur etwas Gutes. Um eine fundamentale Aenderung des Programms der Partei zu rechtfertigen, bedarf es eines gesichteten Materials, welches die Unzulänglichkeit desselben deutlich erkennen läßt. Da aber ein solches Material nicht vorliegt, erachtet der Parteitag eine Aenderung des Programms und der daraus sich ergebenden Taktik zur Zeit nicht den Interessen der Partei dienlich." Knntze referiert über den Stand der Presse. Er bemerkt, viel sei diesmal nicht zu sagen. Nachdem der Parteitag vor zwei Jahren die Uebernahme des.Volksboten" in Partei-Eigcntum beschlossen hat, ist dies geschehen. Ob alle Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gegangen sind, wolle er nicht erörtern. Es wird jetzt mehr Lesestoff geboten und außerdem die„Neue Welt" beigelegt. Ferner werden jetzt Illustrationen gebracht. Die Abonnentcnzahl ist gestiegen, trotz- dein stehe die Zahl der Abonnenten noch im Mißverhältnis zur Zahl der socialdcntokratischen Stimmen. Die finanziellen Verhältnisse haben sich gebessert: voraussichtlich sind in diesem Jahre keine Zu- schüsse erforderlich. Das Blatt wird erweitert werden, wenn die finanziellen Verhältnisse es gestatten. Zinn Schluß referierte Rörsten-Bcrlin noch über die Frage: Die Landarbeiter, das Koalitionsrccht nnd die Gcsinde-Ordiuing. Eine Diskussion knüpfte sich an den Vortrag nicht. Eine Landeskonferenz der focialdemokratischen Partei Elsaß- Lothringens fand letzten Sonntag in Straßburg statt. Es waren zu derselben 28 Delegierte aus 18 Orten aller Teile des Landes erschienen. Der Geschäftsbericht des Landcskomitccs führt Klage über die mangelnde Fühlung zivischen den Vertrauensleuten der einzelnen Orte und dem Vorstand der Landesorganisation und bedauert gleichzeitig, daß aus Mangel an Mitteln eine Anzahl von Beschlüssen der vorjährigen Konferenz nicht durchgeführt werden konnten. Gleichwohl könne ein weiteres Fortschreiten der socialistischen Bewegung im Lande auch für das letzte Geschäftsjahr konstatiert werden. wie unter anderem ans dem Ausfall der GelverbegcrichtS- nnd Ortskrankcnkasscn- Wahlen in Straßbnrg nnd Mülhausen hervorgehe. Von dem Urteil des Mctzer Landgerichts, durch welches dem Z 152 der Gewerbe- Ordnung mit seiner Festlegung des KoalitionSrcchtS der Arbeiter im Lande endlich einmal praktische Geltung verschafft wurde, ebenso von der Eni- scheidnng des Landgerichts Straßbnrg in Sachen der Druckschriften- Verteilung dürfe ein günstiger Einfluß auf das Tenipo der weiteren Entwicklung unserer Partei erwartet werden. Wie im Reiche, so habe 'ich auch in Elsaß- Lothringen dabei gezeigt, daß wir im Ver teidignngskampfe um unsere gesetzlichen Rechte uns gegenüber der Reaktion als die wahre Partei der Gesetzlichkeit erwiesen hätten. Der Kassenbericht verzeichnet bei einem Kasienbestand von 1038 M. im abgelaufenen Rechnungsjahre eine Einnahme von 899 M.; da derselben jedoch eine Ausgabe von 1618 M. gegenüber- jteht, ergab sich für Ende August d. I. eine Reduktion des Kassen- bestandcs auf 368 M. Nach den Mitteilungen von E m m e l- Saargemünd ist zur Organisation der Grubenarbeiter im Forbacher Bezirk nun der Grund gelegt; der Boden sei dort gut, schwierig sei es nur, ein- zubringen. In der Diskussion über die Presse wurde allseitig der lieber- zengnng Ausdruck verliehen, daß daS Parteiorgan lebensfähig sei und daß dessen Uebernahme ans dem bisherigen Privatverlag in daS Eigentum der Partei zimächst angestrebt werden müsse. Für die bevorstehende R e i ch s t a g§ e r s a tz w a h l im Krene chlcttstadt beschloß die Konferenz die Teilnahme unserer Partei unter Beibehaltung der bisherigen Kandidatur B r z o st e w i c z- traßburg. In das Landeskomilee wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt. Die socialdemokratische Fraktion im bayrische» Landtag nimmt, wie im Jahre 1893, an der Eröffnungsfeier des Landtags im Thronsaale der Residenz selbstverständlich' nicht teil. Genosse L ö w e n st c i n wird daher auch von dem ihm zustehenden Rechte, als Alterspräsident zu fungieren, keinen Gebrauch machen. Polizeiliches, Gerichtliches ufio. — Die Beleidigung dcv sächsischen Justiz, deren sich der Postillon in seiner diesjährigen M ä r z n u m m c r schuldig gemacht haben soll, soll noch immer keine Sühne finden. Bekanntlich soll die Verurteilung mit Hilfe des fliegenden Gerichtsstandes durch ein ächsischeS Gericht, das in Chemnitz, erreicht werden. In Bayern dürfte sie allerdings auch nicht so leicht zu erzielen sein. Es war nun Tennin zur Hauptverhandlnng auf den 26. September angesetzt, also reichlich 6 Monate nach der That. Jetzt ist einem mit nngc- klagten Colportcur mitgeteilt worden, daß dieser Termin wieder anfgehoben ist. Die Sache scheint ihre Schwierigkeiten zu haben. fallen, ans den Zinsen medizinische Werke für die kgl. Bibliothek anzukaufen. Der Magistrat hat aber die Annahme des Nachlasses und die Errichtung der Oberarzt Vogelsmig-Stifimig beschlossen. Montmunsles. Der wegen einheitlicher Regelung dcS städtischen Snb- missionSvcrfahrens von der Stadlverordnetcn-Bersammlung ein- gesetzte Ausschuß hat sich am Dienstagabend mit der Angelegen- heit beschäftigt, konnte die Beratung aber nicht zum Abschluß bringen. Beschlossen wurde, in die allgemeinen SubmissionS- bediiigungen folgenden generellen Passus aufznuchmen' Die Eröffnung der versiegelt abzugebenden Offerten erfolgt in dem in der öffentlichen Bekamilmachung angegebenen oder in dem zu diesem Zwecke anberaumten Termine in Gegenwart der etwa erscheinenden Sub- mittenten. Nicht rechtzeitig eingegangene oder den Anforderungen nicht entsprechende Offerten bleiben unberücksichtigt. Nachgebote oder Aenderungen nach Eröffnung des Termins sind unzulässig. Von den übrigen Anträgen gelangten die nachstehenden beiden noch zur Erörterung: a) Jede Zuteilung von Aufträgen ist von dem Ilmstande abhängig zu machen, daß der betreffende Unternehmer seine Arbeiter zu den in der Branche üblichen, beziehungsweise zwischen Üntemehmern und Arbeitern int Einigmigsamt vereinbarten Arbeitsbedingungen beschäftigt. b) Sämtliche Vcrwaltungszweige— soweit sie Arbeiten in Submission au Unternehmer vergeben— sind vom Magistrat anzn- weisen, in den Verträgen die Unternehmer zu verpflichten, den o r t s- blichen Lohn- und Arbeitsbedingungen, welche von den Arbeiterorganisationen anerkannt werden, für sich als bindend zu erachten. Nach eingehender Beratung wurden diese beiden An- träge vom Ausschüsse abgelehnt. Ksin Wunder bei der Furcht unserer liberalen Stadtverordneten-Mehrhrit. sich in irgend einem, wenn auch noch so nebensächlichen Punkte gegen die heiligen Gebote dcS Gottes Kapital verstoßen zu können. Stiftung. Zum Zwecke der Vermehrung der ärztlichen wissen- s ch a f t I i ch e n Bibliotheken, der Berliner städtischen Kranken- Häuser und Berliner städtischen Irrenanstalten und Berliner städtischen Anstalten für Epileptische durch Ankauf von wissenschaftlicher Litteratur, hat der verstorbene städtische Oberarzt Dr. Paul V o g e l s a n g der Stadtgemeindc Berlin aus seinem Nachlasse eine Summe von 53 000 Mark zur Begründung einer Oberarzt Vogclsang- Stiftung vermacht. Aus den gesamten jährlichen Zinsen dieser Stiftung sollen jährlich zu gleichen Teilen an die Direktionen oben genannter Anstalten, soweit sie zur Zeit des Ablebens des Testators bestehen, für den angegebenen Zweck Ver- wendung finden. Für den Fall der Ablehnung der Stiftung durch die Siadtgemeinde soll der Nachlaß an den FiskuS mit der Aufgabe XoZmles. Speisung armer Schulkinder. Die Städtische Schuldeputation hat den Rektoren der Gemcindcschulcn folgende Mitteilung zugesandt: Atich in diesem Winter beabsichtigen wir, wie bisher, aus den uns zu Gebote stehenden und aus den uns von wohlthätigcn Gebern in Aussicht gestellten Mitteln armen Schulkindern hiesiger Gcineinde- schulen Wärend der Unterrichtszeit Frühstück zu gewähren. Nur wirklich notleidende Kinder sollen dabei berücksichtigt und die Verabfolgnng soll in möglichst diskreter Weise vorgenommen werden, einerseits, mit das Ehrgefühl verschämter Kinder zu schonen, andrerseits, um die Begehrlich- k e i t weniger gut erzogener Kinder nicht herauszufordern. Damit nun die Frühstücksverteilung in diescnt Sinne zur Ausführnng gelangt, wollen Sie binnen acht Tagen anzeigen, ob die Gewährung von Frühstück in der von Ihnen geleiteten Schule dringend er- forderlich erscheint und wie hoch Sie die voraussichtlich notwendige Aufwendung während des Winters schätzen, wobei zu beachten ist, daß Milch nur ausnahmsweise, d. h. an besonders schwäch- liche Kinder verabreicht werden soll. Die Angst der Schuldeputation vor der Begehrlichkeit ist wahr- Haft rührend. Welch ein Unglück entstände auch, wenn wirklich ein „weniger gut erzogenes Kind" oder eins, das nicht dringend der Stillung des Hungers benötigt, eine Schrippe erhielte, oder wenn gar ein Dkädchcn, das noch nicht den hippokratischen Zug im Antlitz irggt, mit einem Gläschen Milch gestärkt würde. In der Sorge, daß niemand zu Unrecht etwas empfängt, hat die Stadtverwaltung es zu genialer Virtuosität gebracht. Wie arg werden wir in der Kinderfürsorge, in der mit verhältnismäßig geringen öffentlichen Mitteln tüchtiges zu leisten wäre, doch von wilden Ländern be- schämt. Um eilt Beispiel zu erwähnen, besteht in Christiania schon seit 1895 der Brauch, daß die 4000 bedürftigen Schulkinder nicht allein mit Schrippen, sondern mit nahrhaftem warmem Mittagessen aus städtischen Mitteln in der Schule gespeist werden. Gegen die Hyänen der Zwangsversteigerungen, die in dem bekannten Trödlerring die Ausgepfändeten vollends zum Ruin bringen und jedem Außenstehenden das Mitbieten unmöglich machen, macht sich mehr und mehr der Umville bürgerlicher Kreise geltend. Schon vor Jahresfrist hat der Fabrikant O. W e i g e r t in der „Socialen Praxis" dafür plädiert, daß die öffentlichen WohlthätigkcitS- vereine in der Art helfend eingreifen sollen, daß sie durch einen Vertrag mit dem Gkänbiger gegen Zahlung des Taxwertes das Eigentum an den Pfandstücken erwerben nnd dem Schnldner dann die erworbenen Pfandstücke leihweise überlaffeu. Auch richtete Herr Weigert an die städtische Stiftnngsdcputation und an den Verein gegen Bcrarmnng den Appell, diirch Ueberbietcn den Trödlerring zu sprengen. Praktischer erscheint ein Vorschlag in der„Voss. Ztg." Danach sind alle zwangsweise z» versteigernden Sachen in. eine städtische C e n t rnlverkaufshalle zu bringen, wo sie so aufgestellt werden können, daß eine Besichtigung und Prüfung von allen Seiten möglich ist. Freilich wären für diesen Zweck in Berlin riesige Räume erforderlich, aber sie sind— falls die Stadt nur will— vorhanden, z. B. jetzt sckwn in der großen, fast unbenutzt daliegenden Markthalle in der Grünthalcrstraße, die als Auktionsstälte nach jeder Richtung hin genügte. Sodann müßte der mündliche Bietungstcrmin weg- fallen und statt seiner das Bieten in geschlossenem Brief- Umschlag eingeführt werden. An jedem zu veräußernden Gegen- stand mußte außer einer laufenden Nummer der Bietungsschlußtermin deutlich angegeben werden nnd etwaige Gebote in einem Briefkasten oder einer Urne gesammelt werden. Ein neuer LandgcrichtSrat. Der Amtsrichter Grodtke aus Spandau ist, wie uns von dort berichtet wird, zum Land« gcrichtSrat gemacht und in dieser neuen Würde an das Landgericht I zu Berlin versetzt worden. Herr Grodtke hat seine richterliche Pflicht bisher in Streik- p r o z e s.f e n nicht selten dadurch geübt, daß er sich mit nicht zu verkennender Schärfe gegen klassenbeivußte Arbeiter wandte. � Am 6. Oktober 1897 fragte er einen wegen Strcikpostcnstehcns zu vier- zehn Tagen Hast verurteilten Maurer:„Die Streikposten waren doch gewiß dazu da, um die Arbeitswilligen eventuell zu b e- lästigen?" In der Urteilsbegründung warf er dem später von der Bernstingsinstanz freigesprochenen Angeklagten das „tadelnswerte Verhalten eines Aufwieglers" vor und namite ihn einen Spion. Am 5. Juli 1898 nannte Grodtke in einem Streikprozeß gegen den Zimmerer Ncnmann die von den Zimmerern erhobenen Lohnforderungen unberechtigt und eiueSchraube ohne Ende. Die Arbeiter thäte» besser, wenn sie die Groschen. die sie den Agitatoren gäben, für sich verwendeten. Am 25.� November desselben Jahres fragte Grodtke in einem Streik- Prozesse einen Zeugen, der sich auf einem bestimmten Vorgang nicht mehr besinnen konnte, ob er wohl Aug st habe. Prügel zu bc- kommen? Der Zeuge sah sich genötigt, gegen eine solche Auffaflung des Richters mit aller Energie zu protestieren. Als am 13. Januar dieses Jahres der Maurer Scydcl angeklagt war, vier Streik- brccher beleidigt zu habe», unter denen sich ein Mann bc- fand, der schon 18 mal mit Gefängnis und Zucht- h a u s bestraft ivar, fand sich der Amtsrichter Grodtke veranlaßt, dem Angeklagten zuzurufen:„Sie scheinen aber auch in das ch l e ch t'e Fahrwasser geraten zu sein l„Der Kuriosität halber sei noch folgender Fall erwähnt. Ende vorigen Jahres verurteilte Amtsrichter Grodtke einen socialdcniokratischcn Stadtvcrord- neten zu 100 M. Geldstrafe, iveil dieser eines NachtS auf der Straße den patrouillierenden Nachtwächter zu unrecht einer Pflicht- Vernachlässigung geziehen haben sollte. In der schriftlichen Urteils- bcgründung heißt es von dem Angeklagten:„Als er sich in der darauffolgenden Nacht wiedenmt auf der Straße h c r u m t r i e b" .„Er hat sicb damit(mit der Nachlwachterbeleidigung) unwürdig seines städtischen Ehrenamtes gezeigt." Neber die Art und Weise, wie der Magistrat der Schul» ot abHilst, berichtet die„Volks-Ztg.":„DieS Magistratsgrundstück ist ofort zu verpachten!" Also ist zu lesen an einer Tafel auf dem- jcnigen Grundstück in der Straßmannstraße, auf dem eine Toppcl- Gcmcindcschulc erbaut werden soll, und zwar eine von dcnc», die 'ich nach den Berichten aus dem Rathanse noch i m A n f a n g 6- t a d i n m des B a u e ö" befinden. In Wirklichkeit ist hier von einem Anfangsstadium nichts zu spüren, nicht einmal Steine sind angefahren, ringsherum schießen aber die Häuser wie Pilze aus der Erde hervor. Und dabei soll diese schon seit zwei Jahren gc- Raute Doppelschulc zusammen mit der erst kürzlich beschlossenen n der Rigacrstraße der ganzen Schulnot des Nordostens und Ostens teuer»! AuS Frauenkrciscn wird uns geschrieben: Die Umwandlung dcS P f e r d c b a h n b e t r i e b c s in den elektrischen Betrieb hat für viele Frauen insoweit Unannehmlichkeiten im Gefolge, als ihnen durch die Konstruktion der neuen Wagen der Ausstieg ganz erheblich erschwert wird. Bekanntlich führen nun zwei Stufen in den Wagen, von denen die letzte außerordentlich hoch ist. Für schwächliche Francn tmd für solche, die mit dem ihrem Geschlecht eigentümlichen Leiden behaftet sind, bedeutet die beschwerliche Mühe des Ausstiegs nicht selten eine Verschlimmerung des Leidens, die nntcr Umständen mit mehrtägiger Bettlägcrigkcil gebüßt werden muß. Man ivcndc �nicht ein, daß die gesundheitswidrige Konstniknon der Stliscn tmerläßlich sei. Die Chnrlottcnbilrger Straßenbahn beweist das Gegenteil. Hier gelangt man ohne Anstrengung und ohne daß man eine Schädigung seiner Gesundheit zu befürchten hat. ans drei Stufen ans de» Wagen. Viele Frauen würden der Behörde Dank wissen, wenn sie im össent- lichcn Interesse die„Große Berliner" anhielte, ihre Wagen nach dem Muster der Charlottenburger Gesellschaft einzurichte». Ncbcr das Verschwinden der Knnstschülrrin Gertrud Pcler ist noch immer ei» gchcimuisvovcs Dunlel gebreitet. ES ist jetzt ein Vierteljahr her. seit Fräulein P. aus dem elterlichen Hause ver- schwand und alle Nachforichungen, ivclche die Polizei im Jnlande sowohl als auch im Auslande anstellte, haben zu keinem Resultat geführt. Ihre Angehörigen sind geneigt, an ein Verbrechen zu glauben, während die Polizei meint die Vermißte habe sich außerhalb das Leben genommen und sei längst unbekannt begraben worden. Erpel— unheilbar irrsinnig. Der bekannte Ein- und Aus- brechcr Erpel, ivelcbcr vor einigen Jahren wegen eines an dem Wächter Zieglcr in Plötzensce begangenen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus und den üblichen Rebenstrafen verurteilt worden war, ist nunmehr im Znchthausc in der Lehrterstraße, woselbst er seine Strafe verbüßen sollte, für geisteskrank erklärt worden. Er ist bereits in eine Irrenanstalt übergeführt worden. Tie Festnahme von vier angeblichen Misstonarc« aus Jenisalem wird gegenwärtig von den Sichcrhcitsbehörden erstrebt. Es handelt sich um Betrüger und Schwindler, die unter frommer Maske als Talmimissionare auf Raub ausgehen. Auf Grund ge- fälschtcr Ausweispapiere ist ihnen bereits von vielen Behörden die Erlaubnis zum Einsammclit von Geldbeiträgen zum Bau einer Kirche in Palästina erteilt lvorden. Einen gransigrn Fund machten vorgestern nachmittag Lohgerber und Quai-Arbeiter am Schiffbauer Damm. Vor dem Hause Nr. 15 landeten sie einzelne Körperteile eines Menschen, die zum Teil stark vcrivcst, zum Teil schon ganz verkalkt waren. Es ivar nur das rechte Bein mit dem Unterleib, während das linke Bein, der Ober- körpcr, die Arme und der Rumpf fehlten. Nach dem Befunde muß die Leiche, von der die Teile herrühren, schon jahrelang im Wasser gelegen haben. Ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, ließ sich mit Bestimmtheit noch nicht feststellen. Strastcnspcrrnng. Die Wilhelmstraße von der Mitte des Krcnzdainmes mit der Anhaltstraße bis zur Kochstraße wird wegen Asphaltierung vom 28. d. M. bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Mit demselben Tage wird die südliche Hälfte der Anhaltstraße für den Verkehr wieder ireigcgeben.— Die Eichhorn- straße wird wegen Ausführnng von Gcleisebanten bis ans weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Aus de» Nachbnrortcn. Nixdorf. Den Mitgliedern des socialdcmolratischen Vereins »Vorwärts' die Mitteilung, daß am Dienstag, den 10. Oktober d. I., abends Uhr, in Gröplcrs Salon, Bergstraße 147(neuer Saal), die Generalversammlung stattfindet. Wir ersuchen deshalb die Mitglieder, welche noch mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, diese bis Sonntag, den 1. Oktober, in den unten bekannt gegebenen Zahlstellen zu entrichten. Zugleich weisen wir darauf hin. daß noch Billcts zur Treptower Sternwarte, a 25 und 50 Pf., beim Vorsitzenden Otto Klein, Kaiser Friedrichstr. 230(Rest.), zu habe» find; auch machen wir die Mitgliederauf unsere Bibliothek, welche in letztercrZeit bedeutend vergrößert ist, aufmerksam. Dieselbe befindet sich bei W u r b s. Lessingstr. 8, und ist täglich geöffnet. Aufnahme neuer Mitglieder sowie Entgegennahme der Beiträge erfolgen täglich in folgenden Zahlstellen: Klein, Restaur.. Kaiser Friedrichstr. 230. Kvpke, Rcstaur., Karlsgartenstr. 1. R e tz e r a n. Cigarrenhandlung. Her- mauifftr. 50. Mündet, Rcstaur., Bergstr. 7. Herrmann, Cigarrenhandlung, Kirchhosstr. 1. S y. Restaur.. Jägerstr. 68. Beetz, Restmir., Kncscbeckstr. 135. Pretzier, Restaur., Ziethen- straße 68. Hahn, Rcstaur., Wißmannstr. 10. Schulz, Restaur., Bergstr. 81. Schulz, Cigarrenhandlung, Steinmctzstr. 72. Ringe, Cigarrenhandlung, Äopsstr. 38. Näheres später durch Annonce und Säulenanschlag. Der Vorstand. Aus Rixdorf. Bisher ist hier die Erteilung der sogenannten »halben Schankkonzessio n" noch immer von dem Nachweis eines Bedürfnisses abhängig. Der Magistrat hat mm beschlossen, das alte Ortsstatut vom 22. November 1878, welches diese Bestim- mung enthält, aufzuheben und hierzu die Genehmigung der Stadt- verordneten-Versammlung sowie des Bezirksausschusses einzuholen.— Von einem entsetzlichen Unfall wurde am Richardplatz ein Eisfahrcr der Firma Pähl betroffen. Beim Herabspringen vom Wagen jagte sich der Aermste den spitzen Eishakcn so tief in die Brust, daß die Lunge mit durchbohrt wurde. Wäre nicht zufällig ein Arzt in der Nähe gewesen, so hätte der Verunglückte verbluten müssen. So ge- lang es dem Arzte glücklicherweise, die Blutung zu stillen, worauf der Schwerverletzte nach dein Britzcr Krankenhans gebracht wurde.— Einbrecher suchten am Montagabend die n'nbeauf- sichtigt gebliebene Wohnung des Kaufmanns Paul Tzschcppau in der Berlincrstraße 26 heim. Sie gelangten niittcls Nachschlüssel in den Korridor und von dort aus in die Wohnung, die sie gründlich durch- suchten. Da sie das bare Geld nicht fanden, nahmen' die Spitzbuben einen schivarzen Rockanzug, zwei neue Danicnkleidcr, einen Winter- Paletot, ein halbes Dutzend �1. M. gezeichnete Damcnhcnlden, sowie eine goldene Brosche mit. Die Thätcr sind wahrscheinlich in zivci jungen Burschen von 18—20 Jahren zu suchen, ivclche nachmittags im Hause gesehen worden sind. In der Gemeindevertretung zu Friedrichshagcn teilte der Vorsteher zur Frage der Anlage einer elektrischen Bahn von Berlin nach Friedrichshngen mit, daß die Firma Behring u. Wächter trotz erfolgter Aufforderung durch den Gemeindevorstand bisher noch keine Mitteilung über den AbgangSpnnkt der Bahn, der Fahrzeit und dem Fahrpreis gemacht babc. Ehe die Finna eine bindende Erklärung hierüber nicht abgegeben habe, könne dem Projekt nicht näher getreten werden.— Ferner teilte der Vorsteher mit. daß die Regierung' sowie das Provinzial« Schulkollcgium gewillt sind, der von der Vertretung beschlossenen Errichtung einer höheren Knabenschule die Genehmigung zu erteilen, wenn die Gemeinde die vorgeschriebenen Verpflichtungen zu erfüllen in der Lage ist.— Der letzte Pnnkt betraf die E i n w e i h n n g des Rathauses. Der Vorsteher und verschiedene Vertreter gaben dem Wunsch Ausdruck. diese Gelegenheit durch einen feierlichen Akt verbunden mit einem Festessen zu begehen. Die Genossen Barth und Sonnenburg lchiflen die Beteiligung an der Feierlichkeit ab, da dieselbe einen patriotischen Charakter hat, ivaS ihrer politischen Gesinnung wider- spricht. Sonnenbnrg sprach die Erwartung ans, daß die Fcsttcil- nehincr auch die Kosten tragen und keine Gemeindegelder zu dein Vergnügen vcrwendet würden. Wollte man aber in den Beutel greife», so möge man zur Feier des Tages den Armen eine E x t r a- U n t e r st ü tz u n g gelvähren. Nach längerer Debatte wurde ein fnnfglicdriger Festausschuß gewählt. Die Gemeinde- Mitglieder beteilige» sich an der Feier auf ihre eigenen Koste», die auswärtigen Ehrengäste werden von der Gemeinde bewirtet. Charlottcnburg erhält vom 1. Oktober ständige Droschken- Halteplätze. Vorläufig sind 17 solche Plätze vorgesehen, auf denen inSgciamt mindestens 28. höchstens 113 Droschken halten sollen. Sobald also eine Charlottenburger Droschke einen derartigen Halteplatz erreicht, nr u ß sie vom 1. Oktober ab halten bleiben, io- bald die Mindestzahl noch nicht erreicht ist. Halteplätze sind die Bahnhöfe, das Amtsgericht, Hippodrom, Wilhclmsplatz(mit Reserve- platz an der Sprcestraßej, Luiicnplatz. am Salznfcr, bei der Trinitatis- iirche, am Kurfürstendamm, in der Lcibnizstraße(zwei), in der Wall- straße, in der Lutherstraße und in der Passauerstraße, sowie in der Kantstraße. Schmargendorf. Am Dienstag lag der Gemeindevcrtretnng der Entivnrf einer Polizei-Verordnung, betreffend die g c w e r b- liche Kinderarbeit vor. Räch dem Bericht der Schnlinspektion Werden hier 80 Knaben mit Kcgelaufsetzen, 6 mit Frühstück- und L mit Zeitnng-AnStragen beschäftigt? ferner verrichten 6 Mädchen Ansivartedienstc. Der Entivnrf verbietet nun die gelverbliche Be- schäftigung von Kindern unter 8 Jahren überhaupt und erlaubt die Beschäftigfing schulpflichtiger Kinder im Sommer nicht vor 6 Uhr morgens und nicht nach 8 Uhr abends, im Winter nicht vor 7 Uhr morgens und nicht nach 8 Uhr abends. Die Beschluß- sassung hierüber wurde noch ausgesetzt, weil die Sache»nicht so eilig" sei. Kommt dieser Entwurf Humanitären Bestrebungen und pädagogischen Wünschen in nur geringem Maße nach, so baut er andererseits denjenigen, die für Klnderärbeit schwärmen, eine Brücke, denn er enthält die Bestimmung, daß Ausnahmen zulässig sind. — Aus den weiteren Verhandlungen ist hervorzuheben, daß die Er- richtung eines Wochen Marktes beschlossen wurde. Der Markt soll Mittwochs und Sonnabends von 8—1 Uhr auf dem Crampas- Platz abgehalten werden. Standgeld wird nicht erhoben.— Wegen Durchführung der Kirchstratze wurde der Gemeindevorstand beauf- tragt, in weitere Verhandlungen einzutreten. Ans Potsdam wird berichtet: Durch grobe Fahrlässigkeit wurde am Dienstagvormittag der neunjährige Knabe Schröder schwer verletzt. Er hatte schon längere Zeit dem im Hause Lennestr. 33 wohnenden Gärtner Bunk dadurch Aergernis bereitet, daß er den- selben hänselte und öfter durch dessen Fenster in die Wohnung blickte. Bunk hatte deshalb schon mehrmals, angeblich scherzweise, gedroht. er würde den Knaben totschießen, und als nun Schröder heute wieder durchs Fenster blickte, ergriff Bunk ein an der Wand hängen- des Tesching, von dem er glaubte, es sei nicht geladen, zielte und drückte los. Leider war das Gewehr geladen; der Knabe wurde so unglücklich in den Kops getroffen, daß wohl beide Augen die Seh- kraft verlieren werden. Während Schröder nach dem St. Josephs- Krankenhause gebracht wurde, führte man den höchst verzweifelten Bunk zur Polizei. Von den Räubern an der Oberspree sitzen jetzt drei hinter Schloß und Riegel. In Grünau wurde Dienstag früh ein Bursche namens Müller verhaftet, der von Beraubten als Mitglied der Spitz- bubenbande wiedererkannt worden ist. Er hat seine Spießgesellen nam- Haft gemacht, von denen gestern früh zwei verhaftet wnrden. Diese sollen heute den Beraubten vorgeführt werden. Müller will nur an dem einen Ueberfall beteiligt gewesen sein, die beiden andern streiten noch, überhaupt an den' Raubzügen teilgenommen zu haben. Gegen Müller, der früher in einer Schmalzsicderci in Friedrichsberg beschäftigt gewesen ist, schöpfte zuerst der Gcmeindediener in Grünau Verdacht. Alle drei Verhafteten find junge Burschen, die schon mehrfach bestraft worden sind; sie wohnten in Grünau und Köpenick. Es ist zu hoffen, daß auch die übrigen Mitglieder der Bande, die man jetzt kennt, bald erwischt werden und die Uebcrfälle damit ein Ende haben. Müller hat sich dadurch verraten, daß er bei dem Ueberfall des Hauff erzählte, er habe mit dessen Tochter öfter bei Werkmüller in Grünau getanzt. Dort erschien er am Sonntag wieder und wurde von dem Gemeindediener gleich aufs Korn ge- nommen. Gerichts Berliner Schutzlcntc. Ein heftiger Zusammenstoß mit einem Schutzmann führte den Schnldiener Ludwig Pipin wegen Beleidigung und Widerstandes in Jdcalkonkurrcnz mit Körperverletzung vor die 136. Abteilung des Amtsgerichts I. Eines Tages stand der Auge- klagte, welcher früher selbst Schutzmann gewesen war und sich tadellos geführt hatte, mit dem Schankwirt SeehauS vor dessen Lokal in der Koppenstraße, als sich der Schutzmann Dürr- bauin näherte. Scchaus begrüßte den ihm bekannten Beamten mit einigen scherzhaften Bemerkungen, der Beamte erwiderte ebenso und schließlich fand sich der Angeklagte bc- müßigt— wie er behauptet, aus Scherz— Bemerkungen fallen zu lassen, ivie: die Schutzleute nassauern gern, sie gehen gern dort- hin, wo cS waS umsonst zu»saufen" giebt usw. Der Schutzmann Dürrbaum faßte die Sache jedoch als Ernst auf und wollte den An- geklagten zur Wache sistiercii; nach seiner Angabe soll ihm der An- geklagte darauf sofort ins Gesicht geschlagen haben, daß der Helm zur Erde fiel; darauf zog der Schutzmann blank, der Angeklagte entriß ihm jedoch den Säbel und beide bekamen das Ringen. Zuschauer brachten später Helm und Säbel zur Wache. Der Auge- klagte behauptete, er habe— was von SeehauS bestätigt wurde— dem Beamten zugerufen:„Sie kennen mich ja, ich wohne vis a vis." Trotz ivicderholtcn Borhaltcns seitens des Vorsitzenden bestritt der Bcamte kategorisch, diese Worte gehört zu haben; ebenso wenig habe er damals schon den Angeklagten gekannt, IvaS dieser be- hauptetc, da er bereits 4 Jahre, der Beamte 5 Jahre in jenen: Revier wohne. Der Angeklagte will sich bei dein Vorgänge in Notivchr befunden haben; der Schutzmann habe ihn zuerst an- gefaßt und hin und her cjezerrt, das habe er sich allerdings nicht gefallen lassen. Die Sistierung sei übrigens unberechtigt ge- ivcsen, das wisse er als früherer Schutzmann. Dürrbaum hätte erst die Legitimation forden« oder sich bei Scchans nach ihm erkundigen sollen.' Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er das nicht gethan habe, was doch seine Instruktion vorschreibe, er- widerte Dürrbaum: weil er ärgerlich gewesen sei. Während Dürrbaun« und der Angckagte noch im Ringen begriffen waren, kam der Schutzmann W e g e n e r hinzu und wurde von dem Schutzmann Dürrbaum aufgefordert, ihm bei der Sistierung des Angeklagten zu helfen. Letzterer rief dem Schutz- mann Wcgcncr, der ihn kannte, zu:„Ich bin der Schnldicncr Pipi». Sie kennen mich doch!" Wegcner jedoch erwiderte:„Heute kenne ich Sic» i ch t," und half bei der Sistierung, der sich der Angeklagte nun ruhig fügte. Wegcner begründete auf Befragen de- Vorsitzenden fein Beträgen damit, daß er ja nicht geivußt habe, was vorgefallen sei. und daß durch die Sisticrnng der Thalbcstand festgestellt werden sollte. Der Staatsanivalt hielt den Angeklagten im vollen lim- fange für schuldig und beantragte 1 Monat Gefängnis. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten ivegen der zugegebenen Bc« lcidignng zu 30 Mark Geldstrafe und Publikation und sprach ihn im übrigen frei, da die Beamten sich bei der Sistierung nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befunden hätten. Tie preußische VcreinSmisere gegen Arbciter-Radfnhrcr. Die Frage, ob der Berliner Arbeitcr-Radfahrer-Vcrcin auf öffciit- liche Angelegenheiten einwirke, beschäftigt schon seit Monaten die Gerichte. Der Vorsitzende des genannten Vereins, Bildhauer Max K e r n in Charlotteubnrg, giebt zu, daß fein Verein vor dem Jahre 1886 sich der'locialdcmokratischen Agitation zur Ver- fügung gestellt habe, llm aber dem Verein möglichst alle rad« fahrenden Arbeiter zuzuführen, ferner um' den« deutschen Radfahrcrbunde.Solidarität" beitreten zu können, habe der Verein als solcher jede Thätigkcit zu Gunsten der Socialdemokratie ein- gestellt, und am 18. Juli 1836 in seinem Statut ausdrücklich als einzigen Vcrcinsziveck die Pflege des Radsports in Arbeiterkreiscn bezeichnet. Ans diesem Grunde habe der Vorsitzende sich geweigert, einer im März 1888 an ihn ergangenen Aufforderung der Polizei, die Mitgliederliste einzureichen, Folge zu geben.— Das Schöffengericht zu Eharlottcnburg Hai dagegen den Berliner Radfahrer- Verein als einen auf öffentliche Angelegenheiten einwirkenden bezeichnet und den Vorsitzenden Kern wegen Verstoßes gegen das Vereinsgcsctz, begangen durch Nichtein- reichuug der Mitgliederliste, zu einer Geldstrafe von 20 M. ver- urteilt. Gegen dies Urteil hat Kern Berufung eingelegt. Das Landgericht hat sich bereits zweimal mit der Angelegenheit beschäftigt, aber jedesmal die Herbeischaffung neuer Bemcismittel beschlossen. Ani Mittwoch verhandelte die zweite Strafkammer deS Landgerichts II zum drittenmal in dieser Sache. Die Staats- anwaltschaft behauptete, die bezeichnete Statutenänderung sei nur ein Manöver zur Umgehung deS VereinSgcsetzeS gewesen, und sie führt, um zu beweisen, daß der Verein auch nach der Statutenänderung noch zu Gunsten der Socialdemokratie gewirkt habe, folgende Momente ins Feld: Der „Arbeiter-Radfahrer". eine politische Zeitung, sei Organ des Vereins. Der Verein benutze ein Liederbuch für Arbeiter- Radfahrer, welches Lieder politischer Tendenz enthalte. Ferner habe der Verein— tvas durch Ausschnitte aus dem„Vorwärts", die daS Polizei-Präsidium dem Gericht zugestellt hat, dargethan , verde— zu wiederholten Malen bei socialdemokratischcn Partei- festen des 5. und 6. Wahlkreises durch Aufführungen mitgewirkt. Der Verein habe— waS gleichfalls aus einem„Vorwärts'-Bericht hervorgehe— einen besonders schönen Kranz auf dem Fried- Hof der Märzgefallenen niedergelegt. LnS dem Protokoll- buch des Vereins gehe hervor, daß die Mitglieder keinem anderen Radfahrer-Verein angehören dürften, daß beschlossen worden sei, die Vereins«nützen von einem Parteigenossen zu kaufen, und daß die Mitglieder sich mit der unter Socialdemokraten üblichen Bezeichnnng„Genosse" anreden. Ferner habe der Verein zum' Streik der Hamburger Hafen- arbeiter und zum Streik der englischen Maschinenbauer je 25 M. gespendet, er habe Agitationstouren—»vie die Anklage annimmt— zu gunstcn der Socialdemokratie unternommen, er habe im»Vorwärts" inseriert(!) und seiner Zeit be- schlössen, die Paketfahrt- Gesellschaft, weil sie damals von der Arbeiterschaft boykottiert war, nicht zu benutzen. Dies alles lasse darauf schließen, daß der Berliner Arbeiter- Radfahrer- Verein einen socialdemokratischcn Charakter trage.— Der Angeklagte behauptet demgegenüber, daß sein Verein seit dem Jahre 1386 nicht mehr für die Social- demokratie thätig gewesen sei. Bei denjenigen Gelegenheiten, aus denen eine solche Thättgkeit gefolgert werde, handle es sich nur um die rein private Mitwirkung einzelner Vereinsmitglieder.— Der Verteidiger. Rechtsanwalt Heine, trat den für die Anklage ins Feld geführten Gründen im einzelnen entgegen. Er führte unter anderem aus: Der Umstand, daß der Verein eine politische Zeittmg als Publikationsorgan gewählt habe, kennzeichne den Verein ebensowenig als einen politischen, wie etwa ein wissenschaftlicher, wohlchätiger oder geselliger Berein dadurch zu einem politischen werde, daß er— was ja sehr häufig vorkomme— seine Vereins- angelegcnhciten in einem politischen Blatte publiziert. Wenn gegen den Verein geltend gemacht werde, daß in dem von ihm benutzten Liederbuche auch Gedichte politischen Inhalts enthalten seien, so sei darauf hinzuweisen, daß auch die Kommersbücher der studentischen Vereine politische Lieder enthalten, ohne daß schon jemand daran gedacht habe, solche Studcntenvereinc deshalb fi'ir politische zu halten. Wenn ein Teil der Vereinsmitglicdcr als Kunstfahrcr neben den Norddeutschen Sängern und anderen Künstlern bei Parteifcsten mit- wirkten, so gebe das dem Verein noch nicht den Charakter eines auf öffentliche Angelegenheiten eintvirkcnden Vereins. Sei es doch noch niemandem eingefallen, die Norddeutschen Sänger und ähnliche Künstlervereiniglingen, weil sie die Feste polittscher Vereine ver- schöner» halfen, als politische Vereine zu erklären. Die Bezeichnung „Genosse" sei— allerdings infolge der Einwirkung der Sozial- demokratie— unter den Arbeitern eine allgemein übliche Anrede ge- worden. Man könne wohl jeden Tag einige tausendmal hören, daß ein Arbeiter zum andern sagt:„Genosse, wir wollen ein GlaS Bier trinken." Aber es werde doch niemand deshalb das Bicrtrinken siir eine politische Thätigkcit halten. Der Verein habe durch die Acnde- rung der Statuten keineswegs das Vcrcinsgesetz umgehen, sondern sich vielmehr den Bcstinimnngen desselben a n p a s s c n wollen, er habe also gethan, tvas jcdcrniann thue, der sich den Gesetzen fügen und Verstöße gegen dieselben vermeiden wolle.— Der Gerichtshof verwarf die Berufung und bestätigte das Urteil der ersten Instanz. Zur Begründung des Urteils führte der Vorsitzende aus: Das Gericht nehme an, daß der Berliner Arbeitcr-Radfahrervereiu auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke. Aus dem Verhalten deS Vereins ergebe sich, daß sich der- selbe in den Dien st einer politischen Partei stellt. JedeS einzelne der angeführten Indizien würde für sich allein allerdings nicht zur Begründung des Urteils ausreichen, aber das Zu- s a m m e n w i r k c n aller von der Anklage angeführten Thatsachen lasse erkennen, daß es die Absicht des Vereins fei, sich in den Dienst der socialdemokratischcn Partei zu stellen I Alts Essen a. R. wird uns berichtet: Beim vorjähriczen M a n r c r st r e i k wurden auf Anordnung der Polizeibehörde nicht nur Streikpostcnstcher, sondern überhaupt Maurer, die sich auf der Straße aufhielten und von denen die Polizei annahm, sie ständen Streikposten, ohne weiteres sisticrt. Dies passierte auch dem Maurer G a ß m a n n. Der Sisticrte will nun auf dem Wege zur Polizeiwache aus dem Munde des ihn verhaftenden Polizcibcamtcn die Worte gehört haben:„Wenn ich den Osterode— einer der Streikleiter— nur einmal am Bahnhof treffen könnte, dann wollte ich gern drei Mark an die Armenkasse geben." Der betreffende Bcamte hat nun mit einem anderen uichl nur viel Aehnlichkcit in der Figur, sondern auch im Namen. Der erstere heißt H e u s e l e r, der andere Henkel. Gaßmann kannte keinen von beiden. Einige Tage später sah er den vermeintlichen Beamten, der ihn ver- haftet hatte und fragte die ihn begleitenden Kollegen nach dem Namen desselben. Er hörte den Namen Henkel. Diesen Namen hielt er gut im Gedächtnis. Im„Weck- ruf" wurde nun u. a. auch diese Sache zur Sprache gebracht. Die Polizei stellte Strafantrag gegen den Radacteur und es erfolgte auch Verurteilung. In der Urteilsbegründung heißt es aber doch, daß sich die Polizei unkorrekt verhalten hätte! Während dieser Verhandlung beschwor G a ß m a n n, daß Henkel die betreffende Aenßernng gemacht habe. Henkel stellte daS unter Eid in Abrede. Nach kurzer Zeit machte der Beamte Heus e l e r bei seinem Vorgesetzten die Meldung, daß e r es gewesen sei, der den G a ß in a n n verhaftet habe. Gegen G a ß m a n n wurde nun das Verfahren wegen F a l s ch e i d e s eingeleitet; die Behörde nahm ihn am 24. Mai in llntcrsiichnngshaft. Räch der Beweisaufnahme in der vor einigen Tagen erfolgten Verhandlung widc.r G a tz m a n n bemerkte der Staatsanivalt. daß dem An- geklagten geglaubt werden könnte, er habe zuerst nach bestem Wissen ausgesagt, doch hätte er, als Henkel unter Eid die ihm zugeschobene Äcnßerung geleugnet habe, seinen Irrtum einsehen und eingestehen müssen. Weil er dies nicht gethan, habe der An- geklagte sich deS fahrlässigen Falscheides schuldig gemacht. Er beantragte einen Monat Gefängnis. DaS Gericht ging jedoch über das bean- tragte Strafmaß hinaus und erkannte auf drei Monate, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Ein Staatöaittvnlt von seltener Eewissenhnftigkcit ist der« jenige deS Kantons S ch w h z, der Nationalrat Buhlcr. Vorige Woche stand ein sittlich verkommener Mensch, der Schreiber Fäßler, vor den« Schwurgericht in S ch w y z unter der Anklage, seine Frau crniordct zu haben. Er hatte mit ihr an dem Vicrwaldstättcrsec einen Ausflug gemacht, wobei die Frau von der Axeustraße in den See stürzte und ertrank. Eine ganze Reihe schwerster Indizien sprechen dafür, das Fäßler seine Frau hinabgestürzt, also einen Mord be- gangen hatte. Der Staatsanwalt nun war überzeugt, daß ein Selbstmord der Frau nicht stattgesimden habe, ebensowenig sei ein Unglücksfall anznnehinen und eS sei daher gewiß, daß Frau Fästlcr durch verbrecherische Hand ums Leben gekoniincn sei. Die Staatsanwaltschaft sei auch von der Schuld Fäßlcrs überzeugt?, sie erschrecke aber vor der Ver- antwortlichkeit, den Angeklagten wegen Mordes venirteilen zu lassen und stelle daher den Antrag, den Angeklagten wegen des Ver- brechens des Mordes an seiner Frau unter hohem Verdachte der Schuld von der Instanz zu entlassen und ihm die Kosten auf- zuerlegen. DaS Schwurgericht sprach aber entgegen dem Antrage des Staatsanwalts den Fäßler schuldig und verurteilte ihn zu 30 Jahren Zuchthaus. Durch Hnngerlohn zum Diebstahl getrieben. Die „M. Post" berichtet folgenden bemerkenswerten Fall: Dieser Tage hatte sich vor dem Schöffengericht München eine 17jährige Ladnerin wegen Diebstahls zu verantworten. Das Mädchen war im Korsettgeschäft von D. Lewandowsky, Marienplatz, mit einem monatlichen„Salär" von sage und schreibe fünf- zehn Mark(!) in Stellung und stand«mter Anklage, ihrem Chef nach und nach 8 Korsetts, einen Damen-Unterrock, einen Barbetrag von 60 Pf. und sonstige Kleinigkeiten im Gcsamtlvcrte von 80 Mk. entwendet zu haben. Die Mutter mußte wegen Hehlerei neben der Tochter auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Tochter war des Diebstahls geständig, die Mutter leugnet die Hehlerei. Der Amts- anwalt Graf Pestall'oza meinte in seinem Plaidoyer, daß nach dem Ge- setze das Mädchen besttast werden müsse, obwohl ihmbeieinemderartigen Hungerlohn, wenn es jseine Sittenreinheit nicht zum Opfer bringen wollte, nichts anderes übrig blieb, als zu stehlen. DaS Gericht verurteilte die Ladnerin wegen Diebstahls zu 8 Tagen Gefängnis, sprach die Mutter wegen Hehlerei frei. Nach LZerkündung dcZ Urteils dcincrkte der Amtsrichter, daß jedenfalls die Staatsanwaltschaft Vcrankafsnng nehmen werde, hier eine bedingte Begnadigung eintreten zu lassen. Vevfnmmlnngen» Der Arbeitgcbcrbnnd im Bangetverbe hatte, um sich mit dem Streik der Putzer zu befassen, am Mittwochvarmittng eine vffentlichc Vcrsamuilung aller Baliarbeitgeber nach dem Architekten- hause einberufen. Es waren aber nur etwa 60 Personen erschienen, jedenfalls ausschließlich BundeSmitgliedcr, die sich in der Mehrheit für strikte Ablehnung der Forderungen der Putzer erklärten. Rur Baumeister Lachmann trat dafür ein, daß einzelne untergeordnete Forderungen bewilligt würden, der Tarif in seiner Gesamtheit jedoch nicht anerkannt werde. Die Versammlung beschloß, einen Garantiefonds zur Bekämpfung der Arbeiterforderungcn zu sammeln. ES wurde auch sogleich mit den Sammlungen begonnen und, wie bckamit gegeben wurde, von den Anwesenden 40 000 M. gezeichnet. Baumeister F e l i s ch meinte, ivenn man erst einen Fonds von einer halben Million habe, dann werde sich das Kanrpffeld in Berlin wesentlich zu Gunsten der Arbeit- gcber verschieben. Die Versammlung faßte hierauf den an anderer Stelle wiedcrgegebcncn Beschluß. Zur Lohnbewegung der Holzbildhaner. Jir der öffentlichen Versammlung der Bildhauer, die am Dienstag in den.Andreas- säleu" tagte, berichtete die Lohnkommission über den gegenwärtigen Stand der Bewegung.� Danach haben bisher, so weit dies festgestellt werden konnte, insgesamt 137 Firmen, darunter 91 Bildhauereien, 43 Tischlereien und 1 Drechslerei, in welchen ca. 630 Bildhauer bc- schäftigt sind, die cnflzcstelltcn Forderungen bewilligt. In 63 Bild- haiicrcicn ist eine blstüiidige, in 2 eine 60'/zstniidige, in 26 eine 60stünd1ge und in einer eine 46stündige Arbeitszeit eingeführt. In 26 Tischlereien ist eine 62 stündige Arbcitszeir, in 11 eine � 51 stüudige und in 9 Tischlereien eine öOVestüudige Arbeitszeit und darunter festgesetzt. Bei allen diesen Finnen sind der geforderte Minünallohn, die 10 Proz. Lohnerhöhung und der Zu- schlag für Ileberstuuden bewilligt worden. Die Arbeit wurde nur niedergelegt in 10 Tischlereien und 21 Bildhauereien von insgesamt 98 Bildhauern. In 9 Werkstätten mit 51 Gehilfen wurden die Forderungen bereits anerkannt, so daß sich zur Feit 47 Bildhauer im Ausstand befinden. Mit einigen Firmen schweben die VerHand- lungeu noch. Von einer Anzahl Wcrlstättcu ist das Llesultat noch nichts bekannt und in verschiedenen Tischlereien und Bilbhaucrcic» sind überhaupt noch keine Forderungen gestellt worden. Es soll versucht werden, daß auch hier die neuen Arbcitsbedingnngcn zur Einführung gelangen. Nach kurzer Diskussion, in der das laue Verhalten eines Teils der Kollegen kritisiert wurde, wurde beschlossen, daß die Unverheirateten 12 M., die Verheirateten 16 M. und für jedes Kind unter vierzehn Jahren 1 M. an Unterstützung pro Woche erhalten sollen. Außerdem ivurde ein Antrag angenommen, daß der Vertrauensmann für alle Werkstätten Snnnncllistcn verausgabt und daß jeder arbeitende Bildhauer verpflichtet ist, während der Dauer der Lohnbewegung pro Woche, also auch für die verflossene Woche 60 Pf. zu zeichnen. lieber� die Lohnbewegung der Bildhauer in Breslau gab Dnp ont einen ausführliche» Bericht, aus dem zu entnehmen war, daß der Stand der Bewegung kein ungünstiger ist und die in Betracht kommenden Firmen wohl doch noch infolge des einmütigen Vor- gehenS der Ausständigen zur Auerkeuunug der gestellten Forderungen gezwungen werden. Den Ansständigen wurde die moralische und materielle Unterstützung von de» Versammelten zugesichert. Die Anfertigung von Arbeiten aus Breslau und auch aus Elberfeld- Barmen, wo ebenfalls Differenzen ausgebrochen sind, soll unter allen Umständen verweigert werden. Mit der Auffordernug an die Versammelten, dafür Sorge zu tragen, daß die Lohnbewegung der Berliner Bildhaner eine allgemeine werde und daß die aufgestellten Forderungen in allen Werkstätten zur Dürchflihrnug gelangen, erfolgte der Schluß der Versnnnnlnug. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Eine zahlreich besuchte VertranciiSmänner- Versainmlnng ragte am 20. d. Mls. bei Cohn, Bcuthstr. 20—21. Nach den Ausführungen G l o ck c s hatten sich die OrtSverwaltniig und die Werlstatt-Kontrvlllommission in einer koni- dinierten Sitzung damit beschäftigt, eine Regelung der Unterstntznng bei Streiks hcrbeizilsübrcn. In dieser Sitzung hatte nran sich sodann nach einer regen Aussprache dahin geeinigt, der Gesamt- Vertrauensmänner- Vcrsamuilung folgende Anträge vorzulegen: 1, Den Lokalziischuß von oder ersten UnterstützmigSwoche an zu gewähren. 2. MletSentschädignng wird von der S. Woche ge- zahlt. Die Disknssion. welche sich Hiera» schloß, war eine sehr rege. Lankow wünschte, daß der Mietszuschuß von der 5. Streikwoche gezahlt würde, also die Kollegen beim Angriffstreik nicht benach- teiligt würden und stellt einen diesbezüglichen Antrag. Alt ist der Meinnilg, daß man Angriff- und Abwehrstreik überhaupt streichen und dafür nur Streik setzen sollte, und denselben vom ersten Tage an zu unterstützen; hierzu wurde auch ein Antrag gestellt. H offner stellt einen Antrag: Die Mietsentschädigung erst vom zweiten MietSzahlnngsterniin zu zahlen, im übrigen spricht derselbe sich gegen eine Erhöhung der Unterstützung aus. M a t t h e s ist, sobald die Kasse dazu leistungsfähig ist, für Erhöhung der Streikunterstützung und verlangt das Wort„MietSnitschädigung" vollständig zu streichen und dafür von der 6. Woche die Unter- ftütznng zu erhöheir. Nachdem noch eine Anzahl Redner für und gegen gesprochen hatten, gelangten folgende Beschlüsse zur Annahme: 1. Angriff- und Avwehrstreik werden wie bisher unterstützt. sAbwehrstreik vom 1. Tage an und Anqrtffstreik von der 2. Woche.) 2. Der Lokalzuschuß wird von der ersten Unterstützungswoche ge- zahlt.(Diesen Zuschuß erhalten alle, welche den Nachweis führen können, ständig zum Streikfonds geklebt zu haben; die Unterstützung beträgt dann 18 M. bezw. 16 M.) 3. Die MietSentschädigung wird von der 6. Strcikwoche gezahlt(pro Woche 6 M. bezw. 2,50 M.). Glocke sprach dann noch über die Lohnbewegung in ver- schiedenen Branchen der Holzindustrie. Hierbei streifte Redner in kurzen Worten die Lohnbe>ve>zung der Bildhaner, der Möbel- Polierer und der Maschinenarbelter und weist darauf hin, wie alle diese Branche» in einem Betriebe thätig seien und wie verschieden die Forderungen sind, die von den Beteiligten gestellt werden. Um nu» etwas Einheitliches zu schaffen, wäre es ratsam, wenn die Arbeiter des ganzen Fabrikbetricbes einmal den Zusammenschluß sämtlicher Branchen in Erwägung zögen. Sodann berichtete der Arbcitsvermiltler M a a ß über die in der letzten Zeit stattgefundenen Werkstatt-Diffcreiizen. verband deutscher varbiere, Friseure und Perrückeumacher. Donnerstag, abends lOVj Uhr, Mitgliederversammlung bei Schiller, Rosen- thalerstratze 57._ VevmiMxkes- Ncber den gestern gemeldeten Etsenbahn-Unfall wird amt- lich noch aus D u s s e I d o rf berichtet: Montagabend um 9 Uhr 15 Minuten stieß der Güterzug 3576 Elberfeld— Varresbeck— Dentzer- fcld mit der Lokomotivfahrt o669 Mcttmann— Elberfeld— Varresbeck auf der Strecke Elberfeld— Varresbeck— Düffeldorf im Tefchtnnnel zusammen. Die beiden Lokomotivführer und die beiden Heizer so- wie der Zugführer des Güterzuges 3676 sind leicht verletzt, zwei Wagen zertrümmert, eine Maschine erheblich, eine Maschine und drei Wagen weniger schwer beschädigt worden. Die Strecke war für die Nacht gesperrt und der Betrieb wurde durch Umleitung der Züge über Vohwinkel— Gruiten aufrecht erhalten. Die Schnldfrage ist noch nicht aufgeklärt. In Köln sind gestern früh durch den Einsturz eine? Neubaues in der Wolfstraße mehrere Arbeiter verschüttet worden, von denen zwei bereits tod anS den Trümmern hervorgezogen wurden. HoheS Alter. Wie ans dem soeben veröffentlichten„Geschäfts- bcricht des Vorstandes der Jnvaliditäts- und AlterSverficheriingS- Anstalt Ostpreußen für 1398" zu ersehen ist, war die älteste Perion in Ostpreußen, die im vergangenen Jahre Rente empfing, 109 Jahre alt. Dann geht die Jahreszahl stark zurück; denn die' drei nächst- folgenden Altersgrenzen halten erst je 98 Jahre erreicht. 90 Jahre alt und darüber waren 34, mindestens 86 Jahre 286 Personen. Im ganzen erhielte» Altersrente in Ostpreußen 13 699 Personen, davon waren 2944 80 Jahre und darüber alt. Wetter- Prognose für DonnerStaz, den?3. September 1899. Teils heiter, teils wollig, am Tage ziciiilich warm mit etwas Regen und frischen südwestlichen Winde». Berliner Wetterdureau. Marllpreise von Berlin am SS. Teptcuibcr 18SS nach Ermsttelimgen des tgl. Polizeipräsidiums. Sviltcriittgdiibcrlicht vom 27. September 1899, niorgenS 8 Uhr. S> B i i E 1 � |=S- Iiis Wetter � i Zä « Swincmdc'6Z SSW Hamburg i 752 SW Berlin Illöo�SW Wiesbaden � 750 W München T(i3 SW Wien 1761 Still 5 Regen 3 heiter 3 wollig ? wolkig 4bedcckt — heiier Stationen Ii-s 3-\ \Z\ |ä Wetter S 5 i S«: E »�1 Haparanda Petersburg Cork Abcrdcen Paris JH. 753 SO 7491® 741 SS 758 SSW 4 bedeckt 3hetter 5'wolkig 3 dedeckt WS i« s-s *3. schaftSkaiiimern— NolierimgSstclle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Centner. ß) Kleinhandelspreis«. Produkten markt vom 27. September 1899. Der(Setreide- m a r k t behauptete bei lebhaftem Verkehr seine gestrigen Preise.— Am Spiritnsmarkt waren auch heute wieder grobe Mengen Locoware angeboten, so daß die gehandelten 58 0(X) Liter 70er nur zu 40 Pfennig niedrigeren Preisen(43,80 M.) Unterkommen fanden. Termine gaben etwa 30 Pf. nach. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 27. September 1899. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkälts standen: 498 Rinder, 1630 Kälber, 1021 Schafe, 10 129 Schweine. Bezahlt für 100 Psund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise sür 1 Psund in Pf.)> für Rinder: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsteit SchlachtwerteS, höchstens 7 Jahre alt 00-00, d) junge fleischige, nicht ausgemästete und älter« ausgemästete 00-00; 0) mäßig genährte junge, gut genährte ältere 00—00; 6) gering genährte jeden Alters 00— 00.— Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes 00—00; d) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 00—00; c) gering genährte 47—60.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färien höchsten SchlachtwertS 00—00; d) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertcs bis zu 7 Jahren 00—00; 0) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 00—00; ck) mäßig genährte Kühe und Färsen 51—52; e) gering genährte Kühe und Färsen 47—50.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Volimilchmast) und beste Saugkälber 74—75, d) mittlere Mastkälber und gut« Saugkälber 72— 73, 0) geringe Saugkälber 88— 70, ck) ältere, gering genährte Fresser 42—45.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 82—65, d) ältere Masthaunnel 55—59, 0) mäßig genährt« Haiiimcl und Schafe(Merzschafe) 47—53, ck) Holsteiner NiederungS- schafe(Lebendgewichts 25—31.— Schweine: für 100 Psund mit 20 Proz. Tara, a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu IV« Jahren 48-49, d) Käser 43, 0) fleischige 47-48, ck) gering entwickelte 45—48, 0) Sauen 42—44. Verkauf und Tendenz. Vom Rinderauftried blieben ungefähr 40 Stück unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich bei dem schwachen Angebot lebhaft. Bei den Schafen wurde ausverkauft. Der Schweinemarkt verlief ruhig und wird kaum ganz geräumt. Eingegangene Druckschriften. Dt« Elettricität. Ihre Erzeugung, praktische Verwendung und Messung. Bon Dr. Bernhard Wicsengrund. Vierte, veränderte Auflage. Preis 1 M. Verlag von H. Bechhold, Frankfurt a. M. Kalender für Böttcher, Küfer. Binder und die gesamte Hel»« und Fasfludnstrie. 1900. Herausgegeben von OUo Voigt. Regenwalde, bei C. Wittke._ Briefkasten der Redaktion. Zl. CT. Zu unserem Bedauern haben wir trotz Nachfrage ttber de« Verein»Parsimonia« nichts erfahren tönnen. Briefkasten der Redaktion. Di« juristische Sprechstunde findet Montag, Dienttag««» Freitag abends von k bis 8 Ilhr statt. G. Fr.«». Der Umstand, ob Sie Prozente bekommen, ist für di« Frage, ob und welche Kündigung Sie haben, unerheblich. Da» hängt viel« mehr davon ab, welche Stellung Sie haben(gewerblicher Arbeiter, Hand« luugSgehilfe, Portier, Privatkutscher oder was sonst?). DaS haben Sie mitzuteilen vergessen.— K. G. 190. Ohne Einsicht in den Vertrag oder eine Abschrift desselben läßt sich die Frage, ob er gültig ist, nicht beant« warten. Sprechen Sie eventuell mit dem Bertrag in der Sprechstimde vor. Wo- V 16 Pfennig, Jedes H ort: M,r das ersft Wort fett, Worte mit mehr als Buchstaben zählen doppelt. fCleine /inzeigen. D Anzeigen tn den Annahmestellen für Berlin öis 2 l/hr, für die Vororte bis J Uhr, in der ffauptexpedition Beuihstr.S bis 4 Uhr angenommen. täte jd rden Ii» M Verkäufe. Möbel, bar und Teilzahlung, villigst. Frankfurter Allee 110, I, Ecke KönigSbergerstrane._ 137K Möbel auf Teilzahlung Prinzen- straße«2. 287t b Lüirtschaft. Nußbaum, Stube, Küche, billig, auch einzeln, Garten- straße 32A, I links. 175* Siusibaiiiniuöbei. rnchieicZ im in er, und Küchcmnöbel, euch einzeln, wegen. Wgczugs nur bis 39. September spott- billig verlänslich Waldcmarstraße 68 I linkS._ 172«» Möbclspcichcr. Möbclverkanf Oranienstraßr 2a, Skußbaum souniierle Kleideripinden mit Mnschelaiifsntz 38,00, Rubebetken, Küchnilpinden 18,00. Rohr- lehnsinhle 5,00, Pancclsosas 75,00, Auszugtische, Bcrbiudungstischc 12,00, Marmortoiletten 25,00, Muichelbetten, Säuteulruuicaux 35,00, Plüschgarni- turen 95,00, eventuell Teilzahlung. verlaufen ein Gardcrobenschrank, ein kleinerer Schrank, eine Bettstelle mit Malratze, ein Bücherregal, ein Plättbrett, Katzbachstrahe 10,-«arten- Haus, Hochparterre,_ 182«* ~ Umziehende kaufen Möbel billigst bei Hirschlowitz, Oranienstraße 194, Eingang Mariannenstraße. Elegante Muichelspiudeu 27,—. Großartige Panecl-Tascheii-Stofssofas, sowie kom- plette Einrichtimgen, Äüchenmöbel in grober Auswahl._ 179L* Bettstelle» 9 Marl, Paneeltaschen- Sofa 80 Mark, Sälileuspiegel 70 Mark, Schlastosa 23 Mark, Kücheufpind 8 Mark, Muschel-Kleiderspind 28 Mark. Anklamerftraße 20, Laden.[167«* �Materialwaren-GeschästmitRolle und Dcstillatioiis-Niederlage sofort zu verlaufen Lessiugstraße 15. 29S0b Privat! Fast neue Möbel umzugs- balber oerläuflich. Höchftestraße 25, III, Mittelthiir._ 2928b Fahrradrcparatvr billigst unter Garantie. A. Zimmer, Andreas- straße 70._ 29136 «ahmaschinen ohne Anzahlung. Postlarte. Buttmaimstraße 18, Paulick. Möbelvcrkauf. Oranienstraße 73, zwischen Moritzplatz und Alexandriueii- s, rosse, m meinem vier Etagen hohen Fnhrikgebäude, grosses Möbel-Special- geschäft sür Wohinings-Eiiirichlniigen. Broutlcnie, welche eine donerhafte und billige Eiliiicknmig laufen ivollen, bitte ich, ohne jeden Äanszwang mein kolossales Lager vor Einkauf zu besich- Ilgen. Verlangen Sic mein größtes Musterbuch grattS und franco. Durch größere Masscneinkäiise und Ersvarnng der teuren Ladcnniiete bin ich iei stände, hübsche und gcschinackvallc Wohiniiigseinnchtiingen schau für 150, 200, 300, 400 Aiark, hochelcgaiilc von -'>00 bis 10000 Mark zu liefcr». Fertige Mustcrzimmer zur Ansicht. Wohiniiigseüirichtnugen auf Tcilzah- limg unter de» conlniiicsien Bediu- ginigcn. Beamten ohne Anzahlung. Eigene Tapezier- und Dekorateur- werlstatt. Braiiilciite erhalten hübsches Luriis-Möbclsnick als Zugabe. Kleider- jpi»d20, Waschtoilette, Kücheiispiiid 18, Kommode 15, Spiegel 7, Muschel- Kleiderspind 35, Sofa 30, Bettstelle mit Matratze 18 Mark, Nußbaum und Mahagonl fournicrte Kleiderspiude», Vertilvw 32 Mark, Miischclbcttstelle mit Spningfederbodeu 40, elegante Krumcaultz 4» Marl, Salon-Garuitnr 60, 75 und 105 Viark, Paueclsofas mit Sattellascheu 75, Hcrrenschreidlisch 45, reichgeschliitztcö Büffelt 100 Äiarl. Zu ganz billigen Preisen werden die großen Borräie verliehen gewesener, zum Teil sehr wenig beiniutcr Möbel verlauft, darunter ganze Speisezimmer, Salons und Schlafzimmer. Täglicher Eingang gebrauchter, einfacher und feiner Möbel. Gekaufte Möbel werden 3 Monate kostenfrei aufbewahrt, durch eigene Gespanne in die Wohming ge- bracht und altsgestellt, auch ausserhalb. Restanratio», gutgehend, sofort verkäuflich. Näheres BUimenstrahe 20. Gastwirtschaft mit Fremd enlogis, Tauzsaal, Garten, gutes Winter- geschäft, verkäuflich. Rummclsburg, Hauptstraße 8.3._ 1833 Restaurant mit großem Mittags- tisch krankheitshalber zu verkaufen, auch Teilzahlung. Offerten unter F. 4 Expedition dieses Blattes, s 2926b S»f« 24, Säulen-Paneelsosa, Plüsch, 95. Prinzenstraße 62, Tapezier.[2915b Großer Möbelvcrkauf, Schlitzenstraße 2, Ecke Fricdrichstraße. Ich führe nur gediegene Möbel und liefere billiger als jeder Händler; da ich meine eigenen Tiichlcrcien und Tapezier- Werkstätten habe, so bin ich imstande, schon hübsche und gesehiiiackvolle Ein- richtungril für 150 bis 300, elegante 400 bis 4000 Mark zu liefern. Jede Garantie übernehme. Ganz besonders zu ernpsehlen sind die verliehenen und zurückgesetzten Möbel, die wie neu sind, zu ganz ermäßigtem Preise abgegeben werden. Darunter Salon, Speisezimmer, Schlafzimmer, Herren- zimnier, große Posten GaniUnren und einzelne Sofas, Schreibtische, Rleiderspinden, Vcrtikow, Garderoben- und Aiiklcidcschränle, Büchcrspind. Truweanx, sowie viele andere Möbel. Auch gebe ich an sichere Lcme auf Teilzahlung. Gelanstc Möbel werde» durch eigenes Gespann in die Wohnung gebracht und aufgestellt, auch nach außerhalb._ 1133* Bettsaekrohr. S ruh lrohr, Bambus. C. H. Kramer, jetzt Wallftraßc 1V. Betten, Steppdecken, Tischdecken, Gardinen, Portieren, Teppiche, Regn- latoren, Rcmoutoiruhren, Winter- paletats, Anzüge, Hosen, Operngläser spottbillig Psandlcihe Neanderstraßc 8. Vermi5ekte �llieigeo. Elektra, Prinzenstraße 55. Rener Abendkursus, begimieud Donnerstag, 5. Oktober. Gediegene praktische und theoretische Ausbildung für Elekkromontenre, Installateure, alle Mctallgcwcrbe. Keine Vorkenntiiiffe. DiplomzenguiS. StcNiingSiiachweis. Lchrplan gratis. Anmeldung täglich, auch S oiin tagsv ormitlag._ BcrcinSziiiimer zu 50 Personen zu vergeben Pfeffcrberger«us'chank, Brückensrraße 2. 2868b «ereiiiszimmer, 40 Personen fassend, ftci. Gustav Ladtwig, Kom- uiandantcnstraße öb, nah« Alte Jakob- straße itjfSSEl Möbel. Wirtschaften kaust Möbel- geschäft Anklamerstraße 20.[16-K* Darlehn. Wer leiht einem Ge- Nossen 1500—2000 Mark gegen reich- lickic Sicherheit und 5 Prozent Zinsen? Offerten erbeten unter 61. 8. Postamt Neue Köniastraßc._ 29186 Zahnärztliches Institut, Jnva- lidcnstraße 107, parterre. Klinikpreiie. 10-12. 3-8. 11-08* lluterrtcht und Nachhilfe erteilt Student Chemie. Offerlen unter K. K. 4 Postamt Spandauerstraße. Zimmer. Möbliertes Vorderzimmer, separat, als Schlafstelle für 2 Herren, Admlralstraßc 40a, IV bei Nai». Man» mit 2 Kindern sucht mit einzuwohnen. Offerten A. B. Postamt Boeckhstraße.+95 Schlafstellen. Schlafstelle sür Herren. bcrgcrstraß» 103 bei Finke. Rcicken- +73» Möblierte Schlafstelle Neichenbergerstraße 115. bei Meier, +7Z Schlafstelle Neanderstraßc 24, Hos IV, Schulz. 2912b �rdeitsmarkt. Stellenangehote. Zlrbeitcrkreisen eingeführte Reisende, sowie redegewandte Leute können viel Geld verdicueu, Buchhandlung, Rüdersdorferstraße 38. 2438b 50 Murersvriide kau faa stadigt Arbejde strax vcd Hcnvendelse til Mlircrmester Ovesen, Esbjerg, eller Krabbenhoeft i Bregnwge pr. Boerkop, Daumart. Akkord ester ESbjerg Prts- kurant med Udbetaliug 45 Oer« pr. Time. Arbejdet vil oare ca. 1 Aar. F-arbigmacher verlangt O. Schal», Lottumstraße 5. 290Sb* Ein Werkzeugschlosser und ein Lager- arbciter werden sofort verlaugt Bülow- straffe 60. Hof II._ 2916b Tüchtiger Rahmenmacher findet dauernde Beschäftigung Goldleisten- sabrik Alerandrincn straße 25.[2l>21b " Kräftsge Arbeiter finden bei Um- zügen lohnende Belchäingung Köp- nickerstraßc 127. Antritt früh 5 Uhr. 199 nichtige Leute zum Einsammeln auf Frauen- und Mode- Journale. Zu melden abends von 6—8 Uhr Tresckowstraße 58, Qucrgebäude I links,[+39 Bogeuiänger oder Bogeniängerin verlangt Zlchau, Sckmistraße 7.__[+6 Lchrinadtveil bei sojortigem Der dienst finden Beschäftigung Gutmann u. Mener. GreiiSmalderstraße 4. «ur Klicheugeräte verlangt tüchtige Berkäuserlnnen(gegen 75 Marl Ge- halt per Monat) Paul Sandow, Neue Friedrichstraße 78. 146/15 Handiiäherin aus Swsshoscn ver- langt Biermann, Prenzlauer Allee 32. Zlrbeiterinnen zum Sortieren von Papieratfäflen bei gutem Lohn sucht Josef Schimck, Mühlenstraße 11. 154K* Krage»-Arbeiterinnen für Blusen- Hemden außer dem Hause gesucht EugcnLichtcifflein.Bilchossiraßel0-20. Fuststrickcriune» finden das ganze Jahr Beschäftigung bei Laer Sohn. Wallstrabe 67. 2864b Im ZirbeitSmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Zlnzeige» koste» 49 Pf. pro Zeile. Wegen Lohndiffcrenzen in der Bau- tischleret von Kiart�alrn. Mnhlenstr. 0. Ripdorf, ist Zuzug 122/3* Achtung! Achtung! Holzarbeiter! In der Bantischleret von Plath A lilchholn, Frankfurter Allee 63, haben sämtliche Tischler wegen Lohn- differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug seriihaften. 122 6 Tic Ortsverwaltung. Annahme- Stell en fiir„Kleine Anzeigen". Vntes: Robert Wengels. Fruchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe., Koppenstr. 83. Ehr. Schul», Blumenstr. 14. Vorckoatcn: I. Renk, Barnimstr. 42. Anecken: W. Gafimann, Grünthalerstr. 05. Karl Mars. Kastanteu-ANee 95/98. Emil Stolzenbnrg, Wicsenstt. 14. V. Tcchand, Ruhcplatzstr. 24. H. Bogel, Dcmminerstr. 32. A. Die». Jnvalidenstr. 124. Vnrckucatcn: Karl ZludcrS, Salzwedelerstr. 8. hltl«I»c»tcn: F. Ohucsorge, Bcrgmaunstr. 23, H. II. H. Schröder. Krcuzbcrgstr. 15. h» ticken: Haus Baakc. DrcSdeuerftr. 52/53. F. Giitschmidt. Sottbuser Damm 8. Siickostcn: Frist Dbicl. Skalitzerstr. 35. W. Gcsche. Wrangelstr. 58. Marli» Mcscha, Adalbertstr. 24. ventenm: P. Harsch. Gipsstr. 27. Zl. Die», Breitcstr. 23. Ohnrlnttcnhnrx: G»st. Scharnberg. Schiflerstt. 941. Ifrlcckcnnn: H. Beriisee. Kirchstr. 15. �clcckrlchuhorg:: Zluto» Kopp. Friedrich Karlstr. 4. I*nnltnn-: Kümmert. Kaiser Friedrichstr. 15. Itzlxcknrf: E. Osternianii, Srckstr. 8. E. Resterau. Hermauustr. 50. »chitnchcr«: Wilh.Bäuuiler,ApostelPaulilsflr.I3. HVclnacnaee: Heinrich Bachma»». Lehderftr. 1. Julius Schillert. Königchaussee 39a. Rod. Liebschwager, Gustav-Adols- straße 16. Verantwortlicher Redarteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.- Glocke in Berlin. Druck und Verla« von Map Babing in Berlin. Sl. 227. ib. laörpn, L.Ktilllge des„Mmrts" Kerlim Wll!sb!M.s°»mls,-,W.Z-pw»hc- 1899. Gefamt-Parteitag der Socialdemokratie Oeftreichs. Brünn, 26. September 1869. III. Der Bericht der Mmibntsprüfunqskommission stellt die Anwesen- hcit von 116 Delegierten(inkl. der Pnrteivcrtretnng und der Fraktion) und 3 Gästen fest. Die 116 Delegierte zcrfnllen der Naiionalilät nach in 61 Deutsche, 33 Czeche», 16 Polen, 1 Ruthencn. 2 Slovencn und 1 Italiener; rniter den Delegierten befinden sich ö Frauen: 3 deutsche, 2 czcchische. Hierauf wird in die Verhandlung von Punkt 3 eingetreten: Organisation der Gesamtpartci. Der Referent Josef Krapka- Wien konstatiert, das; die Autonomie der nationalen Organisationen die Partei gestärkt und gefestigt hätte. An der Organisation der Gesamtpartci empfehlen sich einige Aenderungcn. 1. Soll bestimmt werden, daß der Gcsamt-Partcitag mindestens in jedem zweiten Jahre in der Regel in der ersten Hälfte des Monats Septeniber stattfindel. 2. Um ein einheitliches Bild von der Thätigkeit der Gesamt- Organisation zu bekommen, haben die an den Gesamt- Parteitag zu erstattenden Berichte die Thätigkeit für die abgelaufene Periode bis Ende Juni jenes Jahres zu umfassen, in dem der Gesamt-Partcitag stattfindet. 3.- Die Mitglieder der Gcsamtvcrtretung, sowie die social- demokratischen NcichSratS- Abgeordneten haben das Recht auf Sitz und Stimme. 4. Die politische Leitung der Gesamtpartci liegt der Gesamt- Vertretung der Socialdemokratie in Oestrcich 01'. Den Sitz der Ge- samtvertr'etung bestinnnt der Gesamt-Partcitag. Die Gcsamtvertretnng setzt sich aus den Exekutivkomitees der deutschen, czechischen, polnischen, rulhenischen, italienischen und südslavischc» Organisationen zusammen. Insoweit einzelne Exekutivkomitees ihren Sitz nicht ain Sitz der Gcsamtvcrtretung haben, soll ihre Vertretung durch eigens dazu gc- wählte Delegierte geschehen, die am Sitze der Gesamtvertretlmg t wohnen. 5. Die Gesamtvertretung der Socialdemokratie in Ocstreich tritt zu gemeinsamen Beratungen behufs Regelung der den Organisationen gemeinsamen Angelegenheiten auf Erfordernis zusammen. Sie ist dem Geiaintparteitage verantwortlich. 6. Die Mitglieder jeder nationalen Vertretung können jederzeit an den Sitzungen aller anderen Vertretungen oder Exekutivkomitees teilnehmen, und eS ist wünschenswert, daß das so oft als möglich geschehe. 1. Kontrolle. Der Gesamtparteitag wählt eine dreigliedrige Kontrolle aus dem Orte, in dem sich der Sitz der Gesamtvertretlmg befindet. Genossen, die in der verflossenen Periode diese Funktion ausübten, sind für die nächste Periode nicht wieder wählbar. Neben diesen Anträgen der Gesnmtcxekutive liegen eine große Reihe von Anträgen vor die eine Abänderung des Organisations- stawts bezwecken. Die Debatte über alle diese Anträge nimmt die ganze Sitzung des heutigen Tages in Anspruch. Sie führt zu folgenden Beschlüssen: Angenommen werden die All träge der Parteiver- t r e t u n g und folgende zlvei Anträge der Wiener Ge- n o s f e n des I. und V. Wahlkreises: „In allen Wahlkreisen, Ivo es die territorialen Verhältnisse nicht ganz unmöglich machen, ist die Organisation der Genossen für öffent- liche Wahlen irgendwelcher Art nicht nach nationalen Gruppen getrennt. sondern gemeinschaftlich und einheitlich dnrchznsiihrcu". „In allen LandeSwahllrcis- und Bczirks-Organisationcn müssen die nationalen Gruppen gegenseitig vertreten sein, um die politische Organisation gemeinschaftlich und einheitlich durchzuführen." Ein Antrag des Gclverkschaftssekretörs Hllber-Wicn, für die Gcsamtpartcivertrctuug einen gemeinschaftlichen Sekretär anzustellen, Ivird.„weil zur Zeit nicht durchführbar", zurückgezogen. Ein Antrag des Frauen-Reichskomitees findet in folgender von Hannich und Adler vorgeschlagene» Form Annahme: „Jeder Wahllreis hat das Recht, zivci Delegierte, und wo Frauen- organisationen(organisierte Arbeitcriniicn) bestehen, auch eine Frau als Delegierte zum Gcsamtpartcitagc zu entsenden. Als Sitz der Gcsamtparteivcrlrctung wird wieder Wien bc- stimmt. Damit schließen die heutigen Verhandlungen. Vevfantntlungvn. Rabitzpnttcr. In der am 26. September stattgefnndcncn Ver- sammlung der Rabitzputzer berichtete Kollege N i e k e über den Stand der jetzigen Lohnbewegung. Daraus ging hervor, daß sämtliche Firmen, mit Ausnahme von S t ü w e und Wage nkn echt, die Forderung der Putzer bewilligt haben. Da die Kollegen bis auf fünf Mann anderweitig in Arbeit sind, wurde beschlossen, den Streik aufzuheben, über die beiden oben genannten Firmen die Sperre aber aufrecht zu erhalten. Im weiteren wurde mitgeteilt, daß auch die Forderung der Plattenanfsteller bei der größten Firma bereits bewilligt ist; da auch die übrigen Firmen sich eilt- gegcnkommcnd zeigen, dürste auch bei dieser BcrnfSgnippe die Lohnbewegung in den nächsten Tagen beigelegt werden. Ferner wurde bekanntgegeben, daß sich der Arbeitsnachweis vom 2. Oktober ab Kommandantenstr. 65 bei Ladcwig befindet. Daselbst werden auch jeden Sonntag die Beiträge entgegengenommen. Ocffcntlichc Versammlung der Rixdorfer Kartcll-Dclcgicrten am 22. d.M. Zunächst teilt Nicrich mir, daß sämtliche Arbeitnehmer zum Gewcrbegcricht vertreten sind und nur noch einige Arbeitgeber fehlen, ivozu jeder Delegierte aufgefordert wird, sich um tüchtige Personen zu bekümnlern. Sodann giebt Nicrich bekannt, daß sämt- liche Gelder, welche eingegangen sind, an die dänischen, die Stein- arbcitcr und an die Lederarbeiter zu Wilster verteilt ivorden find. Den Bericht der Tabakarbciter giebt H ö p f n e r, der der Möbelarbeiter wird bis zur nächsten Sitzung vertagt. Als Ausschußmitglieder wurden Winguth und Bennewitz gewählt. Ferner' wurde eine Resolution der GastwirtSgehrlfen angenommen, welche besagt, daß bei Vergnügen und Versammlungen nur Kellner aus ihrem Arbeits- nachivcis genommen werden sollen. Die Abrechnung des Vorsitzenden des Kartells wurde in bester Ordnung gefunden und ihm Dccharge erteilt. FricdrtchSfelde. Am 21. d. M. hielt der Socialdcmokratische Wahlvercin von Fricdrichsfclde und Unigegend im Lokal von Schulz eine Bersainnilung ab, in welcher Genosse Schall über„Prostitution und Syphilis sprach. In der Diskussion lvurde namentlich die Jmpfsrage berührt. Zinn Schluß gab der Vorsitzende bekannt, daß die Genernlvcrsainmlnng am 8. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokal von Schulz stattfindet und erinnerte die Mitglieder an Z 5 des Statuts. Aiir den Inhalt der Juscraie iiberniiniiit die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Dhvnkvv. Donnerstag 28. September. LPernhanS. Der Ring des Nibe- lungen. Siegfried. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Auf Strafurlanb. Ansang 7»/, Uhr. NeueS Oper»> Theater/, Uhr. Lesflng. Im weißen Röß'l. An- sang Vf, Uhr. Berliner. Zaza. Anfang?>/, Uhr. Schiller. Nora. Anfang 8 Uhr. NencS. Kiwito. Ainang 71/i Uhr. Westen. La Traoiata. Anfang 7Va Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang ?>/- Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- trolenr. Borher: Zum Einsiedler. Ansang 7'/, Uhr. Luise». Die Stütze der Hausfrau. Anfang 8 Uhr. Ecntral. Die Geisha. Anfang 7»/. Uhr. Ostend. DaS Fest auf Solhaug. Vorher: Der Paria. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die weiße Henne. An- fang 7-/, Uhr. Friedrich> WilhelmstlidtifcheS. Die Reife nach der Teufelsinsel. Anfang 8 Uhr. Metropol. Rund um Berlin. An- sang 7>/z Uhr. Apollo. Frau Lima. Spccialitilten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Meichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage> Panoplttnm. Speclali- täteii-Vorstellimg. Urania. Jnvalidenslr. 57/6%. Täglich abends von a— 10 Uhr: Sterllwarte. Taubenstc. 48/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr. WllttÄMttt tWallner-Theaterl. Donnerstag, abends 8Uhr: Zum erstenmal: Xora. Schauspiel in 3 Alten v. Henrik Ibsen. Freitag, abclidS8Uhr: Xot-t». S o n n a b« n d, abendS8Uhr: I'Uii-v. Friedrich-Wilhtlmst. Theater Cdsuiesestr. 29/26. Abends 8 Uhr: Zum IS Male: Burlcöle Abenleuer-Poffe mit Gesang und Tanz in 9 Akten von.»» Musik von Albert Wicher. In Seene gcsevt vom Dir Max Samst. 1. Bild: Zl»f zu Dreysiis. 2. Bild: Verbündete Mächte. 3. Bild: Attentat und Verrat. 4. Bild: Das belagerte Haus. 5. Bild: Die Gcrichtsvcrhandlung. 6. Bild: Apotheose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Des Meeres und der Liebe Wellen oder: Her» und Leander. I'dalia-'rdkatkr. TsI.XmtlVs 6440. Dreadenersir. 72/73. Heute und folgende Tage: Der Platzmajor. Prachtvolle neue Ausstaltuiigk Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mnloskop- Terzett. Anfang 7-/, Uhr. Ende lOV, Uhr. Vor derBorstellung llonrert im Tunnel. Crntrol Ttzenter Direklion: Jas« Fercncxy. Dir G v i s tz n oder: Eine japanische ThechanS- gefchichte. Operette in 3 Akten von Oven Hall. Musik von Sidney JoncS. Anfailg 7'/, Uhr: Morgen nnd folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Preise»: Der Zigeiillerbaro» von JoKalin Straub. Lsttiiij-i5arl Utih-Thtatcr. Gr. Fraiitsiirlcrslrahe 13»!. Eröffnungs-Norstellnng der Deutschen Volksbühne. Prolog vom Proscffor Feil» Dahn, gesprochen von Gustav Hoher. Das Fest aus Zolhaag. Schauspiel in 3 Akten v. Henrik Ibsen. I» Scene gcsctzi von Robert Wach. Vorher: Der Paria. Trancrlpiel in 1 Akt v. Michael Beer. In Scene gesetzt von Rod. Wadi. Die Dekorationen hat die„Urania" in liebenswürdiger Weise zur Ver- sügllng gestellt. — Anfang 8 Uhr.— Jin Tunnel vorn. nach derVorstcllniig Freikonzert. Morgen: Um IllEv Mark. In Vorbereitung: Der Welt- uiitcrgaiig. Är.Anöstaltungsstückmit Gesang aus dem Englischen des Jam. Smith, eingerichtet für die hirsige Bühne v. Dir. Karl Weib u. Jos. Dill. Sonntagnachmittag 2»/, Uhr: Freie Volksbühne, II. Abteilung: Faust. Ul'ANSS TnnbcnstraHse 48/10. Im Theater abends 8 Uhr: Oer Sieg des Menschen über die Natur. InvalldciiBtr. 57/flX: Tagl. Stern wart©. Nachmittags 5—10 Uhr. Metropol- Theater. Behrenstr. 56/87.. Direktion; Itlchard Schills. 3®?- Letzte Woche!"VS V e r l i n taitzit! Jane Plceny etc. etc. Sonnabend, den 36. September: Vund mn Vevlin. Gr. Berliner Revue v. Julius Freund. Musik von EinödShoser. Ferner: Debüt v Tille. I>tetci-Ie. Grand Avlle de Paris. Das neue glänzende Speeialitäten-Programm. Sanssouci Kottbnserstr. 4 a. Täglich außer Sonnabends Muiminz Norddeutsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 n. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Pan�-iKi-iinsBchen Passage-Panopticum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abendS. Nippels Stettiner Quartett- u. Humoristen- Ensemble. Noacks Festsäle Brunnenstr. 10.[29146 Toiliiabend, de» 4. November: Alcazar-Theater Varldtd I. Ranges Drcsdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Witten voll adsolllt ttstkllljsim SpttillMeit Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf. 2308L*] Die Direktion: Richard Winkler. » CASTANS IPANOPTICÜM 166. Friedrichstrasse 165. Ilnii 1 Die heulenden|]niil NCU! und tanzenden NvU! Derwische ! ans Ober- Aegypten! | Ohm Kröger* Dreyfus Mercier* Zola. W. Noaeks Theater, Vriinnenftraßc 10. Heut», DonlierStag, 28. September: Der Stabstrompeter. Poffe mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Mannftibt. Mlisik von Stessens. Jeden Sonntag, DienStng nnd Donnerstag nach der Borstellmig: Tanzkränzchen._ Victoria-Brauerei Liltzowstratze 111/11». Jeden Montag nnd Freitag: I? Nordd. Säßtger (Fuhrmann, Horst, Walde). Alifang S Uhr. Entree 50 Pf. Jeden Donnerstag: Gr. Ball. Ansmyg 8 Uhr.— Entree 30 Pf. Veotopis»1'kesivp 0. Alezonderstr. 40. Femfp. VI1 1711. Direkt.: V. Bausenwein n.C.Hmmerlch. Anfong l/i6 Uhr. Zum 19. Mal mit vollständig»euer AuSstattniig: Novität! Die weisse Henne. Novität! (I-a poulo blanche). Vaiidcville in 3 Akten von Hcilnegniii und Mars. Deutsch v. Boltcn-BäckerS. Musik v.V. Roger. JnPariSmitsensat. Erfolge über 500 mal gegeben. Für die während der Krankheit und bei der Beerdigung meines lieben Mannes bciviescnc herzliche Teilnahme sage ich allen, insbesondere der Firma für Blechcmballagc 0. F. SchRker fowte dem Personal meinen innigen Dank. Witwe Goerlts und Kinder. Banksngang. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Marie Schedlrtöki sage ich allen Beteiligten, besonders dem Gesangverein der Schuhmacher, ans diesem Wege meinen herzlichsten Dank. ö. Schedletskl, Schillingstr. 24. Aga lauf Teilzahl. OranTenslr. 131. ■WS gVJl«O fi Eon, ante u k ill, I o.nant Veamlc» Zahl.-Beb. N.«m. �.0�001. 0i)ut Anzahl. R. Ballschmieders „Kastanienwäldclien" Koszertgart» w. PraihtsSle Badstr. 16. Gesundbrunnen. Dadstr. 16, Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elitc-Strcich-Konzert. Souiitags: Grostcr Ball im neilerbanten Saal. Empfehle meine Säle zu alle» Fest- llchleitcn. ll. Ballsohmledor. Nüklll's Ikekitsr Oranlcnstr. 24. Der Herzverführer. Operette in 1 Akt v. Leopold Elp. Brothers Runge. Freies Alexandra. Franziska Held. Else Messer. Truda BUrgel, Gustav Eulenburg. Paul Frey etc. Anfong 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vvrzugskartcii an Wochentagen gültig Nonnenberijs Restaurant Treptow, Parkstrasse. Großer Saal.— Großer Garten. Jeden Sonntag: Bali.(2386L» Empfehle mein Lokal zu Festlichleitep. � Mlh-PrtWlen Ccntner 75 Pf. Uersamminng. TageS- Ordnung: 1. Vortrag des ReichStags-Abgeordneten Tuhauer über:„Die Reform- .......' genchte"..[245/12* bedürstigkeit der Gewerbe. 2. Diskussion. 3. VeremSangelegenheiten. Gäste willkommm. Zahlreichen Besuch erwartet e? Toratand. Neichshallen. Stettiner Säitger Täglich: (Mehsel. Pletro, Britton, Tteidl, Krone, Kirchmayer, Schneider mid Schräder). Zum Schluß: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. g Anfang wochentags S Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1 Uhr. Apollo-Theater. FranLnna mit dem leneatlonellen Luftballett „Ortgolatls�. Otto Reutter Yumata Tiero Paulette Darty The Blossoms etc. etc. etc. Kasseneröffnnng 7 Uhr. Anfang der Vorsteflung 8 Uhr. Vom 1. Oktober ab Beginn der Vorstellung um TVn Uhr. 10 Belmts. Vorverkauf täglich im Theator und beim„KOnstlerdank", Unter den Linden 69. Palast-Theater _ BJP7 früher"ma Feen- Palast, Biirgsiraste 22. Rur noch biv Sonnabend i Allabendlich um 8»/, Uhr die mit großem Erfolg aufgenommene Berliner Ausstatwngs- GesangSposie Spvee�Uoktltzrn! DV" Stürmischer Beifall! Helene Voss und Vlllielm präbel alS Tonz-Duettistcn(Pankow kille rc.) Dazu das phänomenale September- Speclalltäten- Programm. Anfang 7V, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kafsenöffnmig 1 Stunde vor Anfang. Billet-Borverkans vorm. v. 11—1 Uhr. Sonnabend, den 1. Oktober er; Neues Programm. Sonnabend, den 7. Oktober er: Erster grosser Gesellschafts-Abend. Vorstellung und Tanzkränzchen. Möbel, Spiegel u. Polsterwaren reell, zu soliden Preisen, empfiehlt H, Strelow, Tischlermeister Rivrlnnf Bichnrdstr. 116, lilAUUI I, am Denkmal. Pur 36 Mark fertige feine Winter-Paletotö nach Maß, für 30 Mark hochfeine A» »iige nach Maß, für 8-12 Mark feine Hosen nach Maß. 2571L* Riesen-Stofflager. ArMstltstr.14.1. km Lade«. 14 Tage überall hin ???? aus Probe versende ich [260SL yarzer Kanarim-Bögel. verlangen Sie Preisliste frei hin von Ii. Cr. Müller, Vogel- züchterei, Stordhause» a. H. Wer-Slsü-hat fertige Anzug, 20 M., haltb. Zuth., zwei Anproben, saubere Näharbeit, nur unter Garantie für guten Slh. Wiuterpaletot 18 M., echtfarbigcr Sammetkragen, warmeS, weiches Futter Engel, Mnuzstr. 26. »azngrrste, Paletot- und Hosen- reste. Spottbillige Gelegenheitskäufe. 25128»] Engel, Münzstr. 26, p Sud-Ost. Achtung! Sud-Ost. Donnerstag, den»8. September, abends 8»/, Uhr, im Lokal des Herrn Brüder, Waldemarstraße 75; V ersamnilun g des ioiifiiinufrfin..DkrlinMdorf" Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Conrad über;»Unsere Bestrebungen". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 269/7 NichtMitglieder haben als Gäste Zuttitt. Der Torstand. Nolitttt und RchuinWer! Donnerstag, den 28. September, abeudS 8 Uhr: Oeffenkl. VevsLUtNttilung im Lokale deS Herrn Xlnnke, Grenadicrftrafie 33. 269/10 Die liohnkommlsslon. Achtung! Putzer. Achtung! Freitag, den 29, September, abends 6 Uhr, in Louiö Keller? Festsäle», Koppcnstraftc SS:* Otffentliche VkOmmlung der Wer Berlins und Umgegend. 191/14 Es ist Pflicht eincS jeden Kollegen, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Die Iiollnkomml»»lon. Cohns Feslsäle, Beutl;s1,rj?"e 20 Empfehle meme Festsäle mit Bühne, von 100-1000 Personen fastend, zu Versammlungen und Festlichkeiten. 22868* Sonnabende und Sonntage im September und Oktober noch zu haben. k�reie Vollcsbükne. Sonntag, den 1. Oktober. Im Ostend-Tkcatcr,»> nachmittags ��'4 dir: II. Abteilung: Goethes Faust I.Teil und gleichzeitig T. Abteilung(gelbe Karten) 2'/t Uhr im Lesslng-Theater; Die Jocirnallstcn. Billets zum Herbstfest a 50 Pf.(nur für Mitglieder) in allen Zahlstellen. Die Mitglieder werden gebeten, sich rechtzeitig mit Billets zu versehen, da vom 10. Oktober ab auch an Nichtmltglleder Billets verabfolgt werden. Achtnng! In der letzten Vorstellung im Ostend-Theater wurde eine goldene Damenuhr und ein schwarzes Sammet- Capes im Lessing-Theater verloren. Die Finder wollen sich bei dem Unterzeichneten melden. 231/2 Der Torstand. I. A.: G. Winkler. A Freireligiöse Gemeinde. (Zum Kesten des Kanfonds.) Sonnabend, den 30. September d. I., abends, in KcllcrS großem Fcstsaal, Koppenstraße LS: Direktor F. 8. Ärchenhold (Treptow-Sternwarte): „Der Welten Entstehen und Vergehen". Srojct aßrmMer Projektim- Vortrug mit zablreichen Lioht- und Drehbildewi. -- Vor dem Vortrag, während der Pausen und nach dem üdorlrag:-- Inftrumentöl-«. Vokgl-Koiiiktt unter Mitwirkung deS gemischten Ehors der Freireligiöse» Gemeinde. Mgr Nachher: TANZ. Anfang des Konzerts 8 Uhr, des ProjcktionS-Vorttagcö t» Uhr. Cinlastkarteu a 25 Pf. sind in den bekannten mit Plakaten ver- seheueu BilletverlausSftellen der Freireligiösen Gemeinde, sowie bei solaenden Mitgliedern der Baukommission zu haben: A. Hoffmann, Blumenstr. 14; W. M 0 h s, Am Oberbaum 2; H. Paege, RüderSdorserftr. 43.(62,4 Die Mitglieder werden ersucht, stch baldigst mit Gintritts- Karten zu versehe», da eine Tageskasse miht stattfindet. a SC 011«um-Teretn„Berlin» IVord (Eingetragene Genos-ensohaft mit beschränkter Haftpflicht). Am Freitag, den 29. September, nachmittags 2 Uhr: (Etöffmutg dev 1. NorkrAnksstolle Vineta-Platz No. 1— Geöffnet von 8-8 Uhr, Sonnabends bis 10 Uhr, Sonntags bleibt das Geschäft geschlossen. Die Waren werden aar an Mitglieder verabfolgt und werden dieselben im eigenen Interesse ersucht, ihren Bedarf nur aus der Genossenschaft zu beziehen, da sämtliche Artikel am Platze.— Tenanfnahmen flndon in der Terkanfhstelle Jederzeit statt. 269/9 Der Torstand. u Trinkt vom Fass!; 24808» Goldklares Weissbier aus der Weißbier-Brauerei„Fricdrichstadt" Kultus Nene Königstraße 31/32, Es ist das beste Meißbier und wird stets ohne Wasserzusatz verkauft! ! F. Nahrstedt I 40/41. W 40/41. ö Nachdem der Ninba« meiner bedeutend vergröberten Verkaufsräume nunmehr beendet ist, empfehle zum Ttntknnr mein seit 26 Jahren als pr erstes Kaufhaus des SSd-Osteu dastehendes Etablissement zun: Einkauf von Ssrälveo,?spp!odell, I-sukerstottöll, korliereo, risod- v. LettSeeköll, Ltorss, lüllsteeken, LieppSeeksn,«ödelslolksll, lFsräwenbaltsrll, Vsod8woden, I.wolevw nvä eoeosläntsrn eto. Fertige Betten. K Polster-Bettstellen.& Bettfedern. BefonderS mache ich auf die bedeutend vergrößerte IM- W>ÄfiL,e-Ak'keil«ng — nnr eigenes Fabrikat■ aufmerksam. 26118» Meine fertige Tt'Usche ist weit über die engeren Grenzen unseres Wohnbezirks hinaus be- kannt und geschätzt; cS war stets mein größtes Bestreben, gerade diesem Zweige nieines ausgedehnten Ge- schäfts die meiste Sorgfalt zu widmen und zur jetzigen Vollkommenheit zu dringen. AM- Damen-, Derren- und KindcrwÄsche, sowie sämtliche Bett- und Tlsch- wlischc kauft man nirgends besser als bei F. Jahrstedt, Wrangelstrassß 40/41. r w uh HV w w' H. Gi'upes Tanz-Institut, Annenstr.lO(früher Klubhaus). SonntagS-Kursus per Monat 3 M., DienStagabend-knrsus p. Monat 4M. Säle und Verrinszimmer für Ver- sammliingen u. Festlichkeiten. s26048» Großer Möbelverkauf In meinem großen Möbelfpeicher, Nene Kölligstr. S9, sollen viele Einrichtungen verliehen gewesener und neuer Möbel billig verkauft werden. Teilzahlung unter den coulantesten Bedingungen ge- stattet, Beamten ohne Anzahlung. Ganz besonders zu empfehlen ist der große Vorrat verliehen gewesener und gebrauchter Möbel, die wie neu sind und billig abgegeben werden. Braut- leute, welche eine dauerhafte und billige Einrichwng taufen wolle», bitte ich, ohne jeden Kaufzwang mein kollossales Hager vor Einlau! zu be- sichtigen. Verlangen Sie mein Muster- buch gratis und ftanco. Durch größere Massen-Einkäufe und Eriparung der teuren 8adeni»iete bin ich im stände, bübsche und geschmackvolle WohiiimgS- Einrichtungen für 100. 200, 300 bis 400, hochelegante von 500—5000 Mark zu licsern. Kleiderspind 14, Küchen- wind 12, Kommode 10, Waschtoiletce, Sofa 18, Spiegel 6, Muschelkleider- stund 35, Bettstelle mit Mattatze 18, ohne Mattatze 8 Mark, Sttihle 2, Nußbaum- und Mahagoni sourniene Kleiderspinden, Vertikows 32 Mark, Muschclbettstelle mit Sprungfeder- Mattatze 33, elegante Säulen- trumeau 45, Salougarnituren 50, 90 und 105 Mark, seidene Garnituren, sehr wenig gebraucht, spottbillig. Eigene Tapezier- und Tekorations- Werkstatt. PaneelsosaS mit Sattel» laschen. Herreni'chreibtische, ganze Speisezimmer nnd Schlafzimmer. �rdester-LeruIsürMel u.V»svde ausschließlich eigenes Fabrikat.— Speetalität: Arbeiter- Berufs- kletdung: Blau Köper-Jackeu M. 1,65, steigend je nach Größe um 10 Pf., blau Köper-Hosen, in allen 8äiigen, M. 1,65. Arbeiterhemdeu, Blusen, Maler- kittet u. Mouteurhemdc». D. HVnrzel dk Co., Wrangelstr. 17. 26108* I Direkter Verkauf an das Privatpublikum I Möbeltischlerei für Wohnungs-Mnrichtunge», sowie einzeln» Möbel zu Fabrikpreisen. L. A. Noack, Tischlermeister, Berlin, Luise»-Ufer 22.™.*SSSSSSSt UM- Garantie für dauerhafte und gute Arbeit. Kataloge fraucol Reparaturen jeden Systems! Transporträder. 2097« LetchteS Turenrad Mk. Ivv Damenrad„ 17« Laufmäntel„ v,s« Schläuche„ 4,— Laufglocke«„ I.S« Cyclometcr„ S,— Selteu güustiger Kanilinenliauf b» Lrullv Kütder aus Dianen in Lachsen. Gegründet 1869. Hoflieferant 25628» 8r. H. Herzog von Sachscn-AItcnburg. 80 Grüner Weg 80 parterre Eing.v. Flur. iKeln Laden) Engl. Tüll-Ganlinen von den billigsten bis zu den elegantesten. Neueste Gewebe und Muster In TAH, Tüllspachtal, Mull mit Tüll und Mull- Gardinen(auch Rerte). Proben nach ausserhalb kostenfrei. 32 m. an Anzüge nach Mast, guter rriuw. Stoff, neueste Muster, haltbare Zuth.. zwei Anproben, nur unter Garatitie sur guten Sist. Engel, Munzstraste 26, p. Von 30 Nl. an Btiuter-Paletot n. Mast, rchtfarb. Sammetkragen, warmes, welches Futter, guter haltb.(Lstiiuo in allen Farben. s25148* Engel, Munzstraste 26, p. I auf Teilzahlung. I Keiiermann, Prlnnemitr.O?, parterre, Eingang vom Flur, f» 4 s Soeben erschiene»» Hrbeitei' DotizliakedcrJ 1900 Ccb. 60 V fg.-Porto: 10 Pfg. Au» bim Inhalt heben wlr heroor: Zum Kürgerllchen vekebvnch (Wertvertrag, Mlethsoerttaa, RechiZstellung der Shefrau miv ühmecht, uneheliche ltlnber. Erb- recht).— Tie Keichztilgüviihsen von lLYS mit Angabc der in jedem Wahl- kreise auf jede Partei abaegebe- »sn Stimmen, unier Beifügung derfop.aldcmokratifchen Slimmen und Prazenlfätze von 1803.— Portrait« und Li-grophte» der failaldemakratifchc» pelMetag«- Adaeorditetei?. — Die foelaldemokrallfchen xandlageabgrordaeteu in de» einielnen LuudeoSaaten.— Adiellea mid IiiM»be?irkr der FablillwkxrKtcrr». der beut» fchen vemerkschaN». vrganifa- ilouea und Ardrlterfedretartate, Sebührenlarifs für Telegramme, Jorlolaxen, Einnahme» und , AuSgabetabellsn it. Wie die früheren Jahrgänge dürfte auch der für isoo feine Freunde be» friedigen. Ter Verlag war insbefon» dere bsftrebl, auch den diesjährigen Kalender zu einem prsUNschea klschschlagebllch kür Leioeilüchattell zu gestalten. Buchhandlung Vorwärts Kerlin SV., Kenthstr. 2. E mpfehle allen Freimden u. Betaimien -meiNDTel«»-, Dayrl»elibler- mtb gr. Speiscgeschlift. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier oO Pf. sowie Abendtisch k 1» carte von 30 Pf. an. 2 Vereinsztmmer mit Klavier für 20—50 Personen.» D. Stramm, Rest., Rittersie. 123. Hirtes Festsäle. Empsehle den Vereinen meinen renovierten Saal med Nebeiträume für Sonnabend und Sonntag zu Festlichkeiten. Auch sind Vereins- zimmer sowie 2 Kegelbahnen zu vergeben. 24708» Elluabetkkiroliatr. 14. Gänse, GM. frisch geschlachtete Gänse a Stück 2.50 M. an zu haben auf dem Centrai-Viehhofe, Eldenaerstraße, vis- a-vis Cybulskis Feldrestanrant an der VeibindimgSbahn._ Tuch- und Buckskin-Reste spottbillig, Anzugreste, Paletot-«nd Hoienreste. Gelegenheitskäufe. Reste zu Knabenanzügen. s251S8» Engel, Munzstraste 26, p. SKnrdnä Ne�erslivk. Ackerstr. 132/13». Tenk Wen! Loh-Tannii-, Dampf-, Heisslust- SZS. Bäder. Bäder für sämtliche Krankenkasien täglich für Damen u. Herren biS abends 9 Uhr.[2563L» r1 Berlins Billigste Quelle aller Arten Musik-Instrumente Mandolinen deutsche und echt italienische. lMtiUTSll Zithern sowie m. gewölbt. Boden u. Decke. �eeoi'ä-Xitllei'n im. Guitar-Zitbern Span. Bandurias,««* t Portug. Guitarren,>2.ait| Russ. Balaleikas, s.eit| Alle Requisiten für obig. Inste, st Massige Auswahl von den billigsten bis allerbesten Qualitäten. Ich verkaufe en detail zu meinen regulären Export- Händler- Preisen, dies der Grund, daß dieselben Berbliisfend! Pabrik-Bau8l..l.iMentliaI SO., Reiclienbergerstr. No.121, Elektr Bahn bis zum Hause. Keine Filialen. 15 Pf. Fahrgeld-Vergütung. Dirne is mone�. WM Vcrantwortlilber Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke m Berlin. Druck und Verlan van»'ka? Badina in Berlin.