Mnterhaltungsblatt des Worwärts Nr. 46. Mittwoch, den 6. März. 1901 (Nachdruck verVoten). 41 Div bunte Neihe. Berliner Roman. Von Fritz Mauthner. „Nichts mehr-, sagte Frau Mascha;„und überhaupt, mich die Güte schöner Frauen kann ihre Verehrer vom Selbst- mord nicht abhalten." „Verftch' ich nicht!" rief Hilde ehrlich.„Ach so? Ach Gott, ich habe nie etwas erlebt. Ja, von der Friedrichstraße bis zu den Frankfurter Linden sind sie mir schon nachgestiefelt. Aber das thuu sie bei jeder; das ist keine Ehre. Wahr- haftig,... auch früher, wie ich noch hübsch war, habe ich niemals was erlebt, niemals, niemals." Erst als Frau Mascha das gar nicht bezweifelte, gab Hilde scheinbar zögernd zu, daß sie sich in ihrer Mädchcnzeit, damals in Magdeburg, freilich ein bißchen über die Herren amüsiert habe. Natürlich, nur Gedichte und Blumen, schon vor ihrer Konfirmation, von Gymnasiasten angefangen und wenn auch Lieutenants mang waren. Na ja. Sie hätte es immer mit dem Wahlspruch gehalten, den die Frau Bösefitz, die, bei der sie Nähstuiwe gehabt habe, ihren Lehrmädchen immer eingeprägt hätte:„Alles ansehen, nichts anrühren." „Das wußte ich gar nicht, liebste Frau Bohrmann, daß Sie sich Ihre Kleider selbst machen könne w So, so! Da be neide ich Sie darum. Das nmß sehr angenehm sein." Hilde wurde ärgerlich. „Ich habe nur zu meinem Vergnügen Nähe«? gelernt. Ich war damals... meine Tante wollte mir eine sehr feine Erziehung geben... ich meine wohl... ich hätte gerade so gut einen Fabrikanten aus Magdeburg heiraten können. Es inachte sich nur nicht. Ich bin zu jung nach Berlin ge- bracht worden. Ich wäre auch Kassiererin geworden in meinem Geschüft. Die feinsten Damen sagten von mir:„Ja, wenn wir so einen Wuchs hätten I" Und beim Theater sind sie noch toller. Wenn Sie mißten, gnädige Frau, wie ich mich beim Theater das halbe Jahr gequält habe, und welche Opfer ich gebracht habe l Aber was hilft das alles? Man kann noch so hübsch sein, das wissen Sie sehr gut. mit der Tugend kommt man nicht weit beim Theater. Sie sollten nur die kennen von nebenan. Fräulein Neymond, die wird's auch zu nichts bringen. Und so übertrieben wie die muß man doch nickst sein. � Immer bloß bei abgesahnter Milch und Schrippen, und nicht einmal Blumen annehmen, ne! So übertrieben, kann niemand verlangen. Nicht einmal einen Lehrer wird sie kriegen, wenn sie so bleibt. Ich hätte das noch lange nicht nötig gehabt, aber das Leben bringt manches mit sich! Ich kann Ihnen sagen, gnädige Frau, es waren seine Leute bei meiner Hochzeit, und alle haben sie sich den Mund abwischen müssen, feine Kavaliere darunter. Und ich sage Ihnen, gnädige Frau, wie ich dann am Arme von Bohrmann herausgegangen bin zwischen den Bänken, da waren sie so verdreht, daß ich sie alle von oben herunter angesehen habe, als wie, blast mir den Staub weg... ja, wenn ich gewußt hätte.. „Auch der Herr, dessen Photographie Sie mir einmal ge- zeigt haben? Hat der sich auch den Mund abwischen müssen? Der mit dem großen Schnurrbart?" Beide Frauen schwiegen, und plötzlich vernahmen sie beide den gedämpften Ton von der Straße, der unentwirrbar, eintönig im einigen Wechsel des WagengerasselS hier zum vierten Stockwerk hcraufftieg. Hilde vernahm es bloß, ohne darauf zu achten. Frau Mascha haßte dieses gemeine Rasseln von Arbeits fuhnverken. Es war ein fremdartiger.Haß, der sie jedesmal überfiel, als fürchtete sie, einmal, anstatt auf Gummi- rädern zu fahren, von einem solchen Arbeits fuhrwerk über- fahren zu werden. Simckos. Es war so dumm still in der Stube. Sie wandte sich um und sah die glänzenden, lauernden Augen Lenchens auf sich gerichtet. Einen Augen- blick. Dann schaute das erblassende Kind in sein Ge- schichtenbuch. „Das war einmal so, und das ist jetzt wieder anders," sagte Hilde phlegmatisch.„Und mm sitzt er drinnen, und es hängt so viel davon ab, wie er die letzten Worte dichtet. Nicht ivahr, es hängt sehr viel davon ab? Ich meine, ob es Glück haben wird. Es ist doch wahr, gnädige Frau, daß so ein Stuck viel abwerfen kann?" „Das ist sehr verschieden, liebe Frau Bohrmann." „Es kommt wohl aufs Talent an? Ich glaube nicht, daß er welches hat." Mascha blickte erstaunt auf. Die nüchterne und lieblose Bemerkung machte sie stutzig. Und während sie diesen Ge- danken nachhing, sagte sie wie mechanisch: „Es wird ihm au Protektion nickst fehlen. Wir bringen es in der besten Saison heraus und lassen es ausstatten wie ein Ballett. Auf die Begabung oder das Talent kommt es ja nicht so viel an. Nur unpraktisch darf Ihr Mann nicht sein. Nicht dämlich. Schließt er sich nicht dem Ringe an, so hilft ihm selbst unsre Protektion nicht viel. Lose sagt immer: Wer nicht im Ringe steht, fällt um." „Wenn er aber praktisch ist, gnädige Frau, wie Sie sagen, dann kann er mit jedem Theaterstück tausend Thaler verdienen, nicht wahr?.... Wie aber meinen Sie das: praktisch?" Sie hatte völlig ihr träumerisches Wesen verloren. Mit aufgerisicncn Augen starrte die Lehrersfrau Frau Mascha an, ihr heimliches Vorbild, eine, die es zur reichen Frau gebracht hatte. Vielleicht vernahm Hilde jetzt den Zauberspruch, der die Thür der Schatzkammer äufsprüigen ließ. Ernst war ihr zu Mute wie damals am Einsegnungstage, als sie geglaubt hatte, sie werde vom Prediger irgend ein großes Geheimnis erfahren, das>mr Erwachsene wissen, irgend etwas ganz Neues. „Wie machen wir's, daß wir dem Ring angehören?" Mascha war noch immer bei ihren Gedanken. Warum nannte Hilde ihren Mann talentlos? Oder war er wirklich talentlos? Wieder antwortete sie ohne Ueberkegung. Sie wußte die Antwort auswendig. Immer, wenn von dem Ring oder von der bunten Reihe die Rede war, sagte sie ihr Sprüchlein mts, bald wörtlich, wie sie es gelernt hatte, bald mit eignen Zuthaten. Viel ging ihr dabei dirrch den Kopf. Ihr erster Geliebter, der erste aus ihrer ernsthasten. bewußten Zeitz fiel ihr ein. Der Major, der liebe Schuft. Durch ihn war sie selbst nicht in den Ring hineingekommen. Lose war der reichste Mann der Rosenthaler Gegend. Um rasch Stadtverordneter zu werden, hatte er auf das Majors Rat die freche Mascha genommen. Ihm paßte sie, so wie sie war. Es war eine gute Ehe, gebaut auf heimkiche Streberei, heimlichen Geiz und andre Heimlichketten. Alle Antworten auf Hildes Fragen standen in dem cynischen Tagebuch des Majors. Das war ihr hinterlassen worden:„der Würdigsten". Das Tagebuch kannte sie fast auswendig. Es standen zu putzige Dinge darin, auch über sie. Daneben auch Geistteiches, das sich nachsprechen ließ. ,Lum Ringe gehört, wer sich ein Recht an den Futter- trog erworben hat. oder wenigstens einen Platz am Futter- trog.— Für gewöhnlich haben das die Männer leichter, als wir.— Man lobt sie noch dafür, wenn sie mit den Fäusten dreinfchlagen und die Ellbogen gebrauchen... Wenu's danach ginge, müßten wir Frauen hinten stehen und auf die Brocken warten, die sie uns zuwerfen... Glücklicherweise ist für uns gesorgt." Mascha lächelte, sie kniff dabei die grauen Augen ein, daß die dunkelblonden Brauen sich äußerst charakteristisch in steile Falten zu einander stellten und ihr Gesicht einen simllich lustigen Ausdruck bekam, wie das einer frechen Chansounetten- sängerin. Dazu fuhr ihr spitzes Zünglein unmerklich vor und netzte die Lippen. „Glücklicherweise sind die Männer nicht nur nach dem Futtertroge hungrig. Im ärgsten Gedränge hält jeder den Platz für ein kleines Weibchen frei, und wenn er stark ist, weiß er es mit hineinzuziehen... in den Ring. Die Mämichcn haben ihre Fäuste, wir haben unsre Händchen.... Und wenn man so hübsch ist wie Sie und ich, liebe Frau Hilde, so muß man nicht hinten stehen, so kaiui man seinen Platz im Ringe behaupten. Und den Männern helfen kann man dann sogar. Wir stehen immer zwischen zwei Männern am Trog, immer bunte Reihe. Zmschen dem, dem wir Platz geschafft haben, und dem, der für uns Platz machen mußte. Beiden darf es nicht leid thnn. Man muß ihnen die besten Bissen aussuchen, das ist unser Amt. Das ewig Weibliche besteht ja darin, zum eignen Vergnügen den Männern die besten Bissen anszusuchen." „Kochen, meinen Sie?" fragte Hilde cnttänscht. „Warum nicht kochen, wenn's einem Vergnügen macht," sagte Mascha und lächelte noch cynischer.„Den Dummen unter uns macht Kochen Vergnügen. Und Vergnügen ist Ver- gnügen. Die Klügeren unter uns helfen ihren Männern... den beiden Nachbarn am Trog... sie helfen ihnen anders... zu Geld... und halten sich dann eine perfekte Köchin." Langsam beugte sich Hilde vor und reckte ihre rechte Hand vor, als wollte sie etwas festhalten: eine Erleuchtung, ein erlösendes Wort.! „Und wenn wir armen Franenzimmer," sagte sie lang- sani,„nicht an de» Rechten geraten sind? Wenn wir uns an den ersten besten hübschen Menschen weggcivorfen haben? Ist dann keine Hilfe mehr?" „Fragen Sie nicht so naiv." antivortete Mascha,„wir sind doch nicht katholisch I Ein Mann, der nicht stark genug ist, wird entiveder von einem Weibchen gefüttert oder muß verhungern." „Und seine Frau?" Mascha weckte sich durch ein heftiges Kopfschütteln. „Warum halten Sie Ihren Mann für talentlos?" fragte sie. „Ich, ich habe gar nichts gesagt. Sie sagten nur das von dem Ringe. Dasselbe habe ich oft gehört. Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen." (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verdaten.) Kalifovttiftszo Nofinenkulkuv. Die Bevölkerung der Stadt Frcsno in Kalifornien, die zu ge- U'öhnlichen Zeiten ans 20 000 Personen besteht, steigt während der Saison ans 45 000, die sämtlich von Tagesanbruch bis zur Dunkel- heit mit dem Schneide», Trocknen, Packen und Versende» der Rosinen- ernte beschäftigt sind. Die Vodeubeschaffcnheit in Verbindung mit gewissen llimätischcn Eigentümlichkeiten ist in dieser Gegend dein Gedeihen der heimischen Traube besonders günstig. Acht Monate dcS Jahrs fällt hier kein Regen, und die Wärme, die der Boden, während dieser langen sonnigen Periode aussaugt, erzengt in der Frucht die erforderliche Sutze, während die anhaltende Trockenheit ausjerdem daS Trocknen der Trauben im Felde bewirkt. Zu diesen Vorteilen kommt noch die Möglichkeit unerschöpflicher Wasscrspeisung von den hohen Sierrns, welche von dem Wcinguts- besitzer reguliert werden kann, so daß dieser von Trockenheit oder ungenügendem Regenfall unabhängig ist. Bis vor etwa 25 Jahren war die Rosinenkuliur ein Vorzug Südeuropas. Daß diese Industrie in so kurzer Zeit»ach dem ent- kernten Kalifornien überführt und besonders die spanische Gc- winnuiigSniethode hier in solchem Maße Eingang finden bez>v. noch so weit verbessert werde» konnte, so daß fremder Import überflüssig wurde, daS ist ein neues Wunder amerikanischen Untcrnchmergeistcs. Die Kultur der Rosincntrauben unterscheidet sich nicht iveientlich von der der übrigen Weintrauben in den Kalifornischc» Weinbergen, die eine hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht hat. Sie wird in »Scientific American" eingehend und anschaulich beschrieben. Zu Beginn des Winters tverden die Reben dicht am Boden be- schnitten, und jeder folgende Monat bis zum Juni findet die Arbeiter ununterbrochen beim Veredeln. Schivefeln»nd Beschneide» des Weins beschäftigt. Ihre Aufgabe ist es, die Reben vor Insekten und Schimmel zu schützen und gleichzeitig einen guten Teil seiner Kraft i» die reifenden Früchte zu treiben, ohne dadurch die Rebe» zu erschöpfen und zu schwächen. Ueberfliissige Trauben werden ab- Seschnitten, denn die Größe, nicht die Rkenge der Trauben ist das fel des Züchters. Die klimatischen Bedingungen in den Gegenden, Ivo die Traubeurosincn kultiviert werden, sind von der höchsten Wichtigkeit für den erfolgreichen Betrieb dieser Industrie. Der Regenfall in Fresno steigt etwa bis 8 Zoll: er beginnt im November und hält mit einigen Unterbrechungen 3 bis 4 Monate an. Aber die Tranben- rosinenziichter sind hier wegen der guten Regulierung des Wasser- Zuflusses unabhängig von der natürlichen Feuchtigkeitsquelle. Die Hauptsorlen der Frücbte sind Gordo und Blanco-Mnska- teller, Alexandria-Muskatcller, Sultaninen und Thompsons kernlose Rosinen. Im Durchschnitt gebe» 3Vz Pfund grüne Trauben 1 Pfund Rosinen. Der Ertrag von einem Acre Land(1 Acre— 40,5 Ar.) ist ungefähr 5 Tonnen grüner oder IVr Tonnen getrockneter Trauben. Der Zuckergehalt der Traube» ist 25 bis 28 Proz., je nach der Boden- beschaffenheit und der zugeführten Wasserinenge. Die Stecklinge werden in Entfernungen von acht bis zehn Fug gepflanzt, oder auch näher, wen» die Kraft des Bodens dies erlaubt.' Die Ernte beginnt in der zweiten Hälfte des August. In dem Bezirk Fresno umfaßt die Rosinenkultur 42 000 Acres. Die Trauben werden nur an den Stielen angefaßt, da die Berührung mit der Hand das Aussehen der Früchte schädigt. Sie werden-sofort nach dem Pflücken in Mulden gelegt, die etwa 20 Pfund fassen. Sämtliche Behälter liegen so, daß die Sonne hiucinscheinen kann. Sie bleiben nüt ihrem Inhalt sechs bis acht Tage liegen, worauf die Trauben umgelegt werden; das geschieht einfach dadurch, daß man eine leere Mulde ans eine mit Trauben gefüllte Mulde stülpt und beide zu» sammcn umkehrt. Hierbei gelangen die Trauben in die neue Mulde, und zwar derart, daß die bisherige Lagerseite nunmehr der Sonne ausgesetzt wird. Das Trocknen in der Sonne dauert im ganzen 10 bis 12 Tage, nach deren Verlauf die Trauben nach dem Pack» hause kommen, wo sie zunächst dem Schwitzprozeß unterworfen werden. Die Behälter, welche hierbei in Anwendung kommen, sind größer als die Trockenmulden und haben eine Tiefe von 8 Zoll. Die in der Sonne getrockneten Trauben werden in diese Kästen in der Weise eingelegt, daß ein Vogen Papier mit einer Lage Trauben abwechselt; so wird der Kasten bis zum Rand gefüllt. Die Kästen werden darauf in einen dunkle», luftdichte», gut ventilierten Raum gebracht und hier auf- einander gestellt. So verbleiben sie 15 bis 20 Tage, bis sie gründlich „schwitzen". Durch dieses Verfahren wird die in den Rosinen enthaltene Feuchtigkeit gleichmäßig verteilt, und wenn das Produkt ans diesem Prozeß hervorgeht, so ist es ziemlich fertig für den Versand. Die Traubenrosincn werden in 20 Pfund-Kistc» verpackt. Diese Arbeit erfordert große Vorsicht und Sorgfalt und wird deshalb nieist Frauen und Mädchen anvertraut. In den letzten drei bis vier Jahren wurde ein neues Produkt unter der Bezeichnung„Entkernte Kalifornier- Rosinen" auf den Markt gebracht. Sie find von vorzüglicher Qualität und sind sehr beliebt.' Diese Rosinen werden zuerst in einer Temperatur von 60 Grad Celsius fünf Stunden lang getrocknet, worauf sie nu» mittelbar einem Gefrierprozeß unterworfen werden. In gefrorenem Zustand gehen sie dann durch eine Reinigungs- und Bttrstenmaschine. die allen Schmutz, sowie auch die Stiele entfernt. Daun werden die Früchte in einen andern Raum gebracht und hier auf Drahtmulden in einer Temperatur von 54Vj Grad Celsius gelegt, wodurch sie wieder thre normale Form erhalten. Durch dieses Verfahren wird das Innere der Beere in Pektin verivandelt, jenes delikate Pflanzen- gallert, welches der Frucht den besten Geschmack verleiht. Die durch das beschriebene Verfahren abwechselnd großer Wärme und großer Kälte ausgesetzten Rosinen ertragen nun alle klimatischen Einflüsse und sind von nahezu unbegrenzter Dauerhaftigkeit. Sie gehen vor dem Versand noch durch die Entkenmngsmaschine. die täglich zehn bis zwölf Tonnen entkernt. Die Früchte gehen hier zwischen zwei mit Kautschuk überzogene» Rollen hindurch, die die Rosinen erst plattdrücken und die Kerne von einer Walze erfaßt, welche sie zwischen die an ihrer Pheripherie angebrachte» Nadeln und Zähne drückt und sie aus der Frucht entfernt Die kernlosen Rosinen werden dann zu je einem Pfnnd in Pappkartons gelegt und von diesen Kartons wieder je 36 Stück in eine Kiste zun» Versand ver- packt. Das Eiltkernnngsverfahrcn ändert an dem Aussehen der Früchte nicht das geringste. Im laufenden Jahre wird FreSno ungefähr 2500 Wagenladungen Rofinen verschiffen.— Fritz H u t h. Kleines Feuilletott» — ivermehrung der Muskelkraft. Die Thatsnche, daß durch häufigen Gebrauch, also durch Anstrengung, Muskclgrnppcn gc- kräftigt werden, ist allbekannt. Dagegen waren bis jetzt noch keine Untersuchungen darüber angestellt worden, welche Rückwirkung in- folge der Kräftigung bestimmter Muskeln anf andre, ruhende Muskeln ausgeübt wird. Solche Untersuchungen hat nun vor einiger Zeit H. Kroncckcr angestellt, indem cr mittels eines Instruments, des „Ergographcn", prüfte, ob starke Bewegungen der Bcinmnskeln die Cntwicklniig und Kräftigung der Ärmmnskel» merkbar beeinflussen. Zu diesem Zwecke wurden Versuche mit einer kräftigen Person angestellt, die nach einer gewissen Zeit der Ruhe bestimmte Leistungen der Beinmuskeln ausführte, und zwar das täglich mehrmalige Besteigen eines 300 Meter hohen Bergs. Es ergab sich, daß hierdurch auch die Muskelkraft des Arms gekräftigt wurde. Dies jedoch nur so lange, als die Thätig- keit der Beinmuskeln nicht zur Ermüdung führte und zwei Stunden täglich dabei nicht überschritten wurden. Wurde eine Höhe von 3000 Meter erstiegen, welches eine Zeit von 10 bis 14 Stunden in Anspruch nahm, so nahm die Muskelkraft auch der Arme ab, und zwar dauerte diese Abnahme zwei bis drei Tage, worauf wieder Zunahme eintrat.— Die Kainpferbäuiue in Japan. Formosa ist bekannt lvcgen seines Kampferreichtums. Wieviele Kampferbäume auf dieser Insel stehen, weiß man nicht, doch ist ihre Zabl so groß, daß, wenn auch das Abschneiden der Bäume in großem llmfange geschieht, der Vorrat noch für einige Jahrhundcrie reicht. In Japan ist das Vor- kommen der Kampferbäume etwas seltener gelvordcn; in den bis- her durch die Kampferfabrikation bekannten Provinzen Tosa, Hing», Satsuma und Bungo ist fast nichts mehr vorhanden und die Bäume sind beinahe alle abgeschnitten; in Hinga hat man seit 30 Jahren wieder neue Bäuine gepflanzt, aber es werden noch 40—50 Jahre ver» gehen, bevor man daran denken kann, diese abzuschneiden. Gegenwärtig findet man ausgewachsene Kampferbäume nur in Chikuzen auf dem Berge Tachibanahama. Dieselben habe» einen Umfang von l'/e bis 3 Meter und stehen auf einer Fläche von 2—3 Quadrat-Ri(1 Ri ist etwa 4 Kilometer). Darunter giebt es nicht wenige Bäume, von denen em einziger einen Wert von etwa 1000 Ucii hat; der Wert des ganzen Bergs wird auf mindestens 7—8 Millionen Den geschätzt. Auf dem Nagasakiyama in der Provinz Hizen ist eine fast ebenso grohe Fläche mit Kampferbäumen, welche jedoch bedeutend kleiner sind, bewachsen. In den übrigen Provinzen Japans ist kein Kampferbaum mehr zu finden. Der Preis für Kampfer ist im letzten Jahre sehr gestiegen, und man hat selbst kleine Beste und sogar Wurzeln bei der Fabrikation benutzt. Auf diese Weise sind(aufier Forniosa) etwa 800 000 Pfund gewonnen worden, während die Aus- beute gewöhnlich nur 4—500 000 Pfund jährlich betragen hat.— Theater. Secessionsbühne: Käthe Wandel von 1 1 1 g e n- stein.— Die Käthe des Herrn Jllgenstein ist mit der Käthe Bocke- rath in den.Einsamen Menschen" entfernt verwandt. Käthe Wandel ist eine arme Telephonistin, die von einem Maler— jung, reich und begabt— geliebt wird. Es war mir ein Vergnügen, wieder einmal einem Maler auf der Bühne zu begegnen— aber das nebenher. Die beiden sind glück- lich, sehr glücklich, überschtvenglich glücklich. Der Maler ivar längere Zeit in Italien, aber gerade heute soll er zurück- kehren und in der freudigen Erwartung dcS Wiedersehens malt sich Käthe Wandels Liebe. Der Maler kommt und wird durch die Thatsache überrascht, daß Käthes Schlvester, ein lleincr Backfisch, angekommen ist. Er Ivird ihr vorgestellt und sieht sie mit einem langen Blicke an, was auf dem Theater immer Liebe bedeutet. Er liebt sie denn auch wirklich beim ersten Anblick. Jin zweiten Akt ist die kleine Telephonistin in lebhafter Unruhe. Ihr Herr Bräutigam ist in fünf Tagen nicht erschienen und hat auch nicht geschrieben. Einen Augenblick iveih man nicht recht, Ivo der Verfasser hinaus will. Im Hintergrund droht nämlich eine böse Mama, die die Heirat niit der kleinen Telephonistin nicht will. Vielleicht hat der Herr Künstler die Rute bekomnien und ist infolge dessen ein artiger Sohn geworden, der ein vermögendes Mädchen heiratet. ES kommt aber anders— cS ist wirklich die Käthe, die dahinter steckt. Wie schließlich der Maler auf der Bildfläche erscheint, verrät er sich durch eine uu- vorsichtige Aeußerung und geht dann trübselig durch die Mitte ab. Die kleine Telephonistin verschwindet im Nebenzimmer, Ivo sie sich erhängt, vergiftet oder erdolcht— das weiß ich nicht. Jedenfalls steht fest, daß sie diese sündige Welt in irgend einer Form verläßt. Das ganze ist eine blasse und kindliche Dilettantenarbeit, für die eine Liebhaber- Vorstellung im Kreise der nächsten Verwandten des Autors gerade die gebührende Schätzung gewesen wäre. Man fragt sich vergebens, was die Secessionsbühne bewogen haben kann, die dürftige Kopie aufzuführen. Wenn es künstlerische Grunde gewesen sind, ist mau in der Leitung zu einer fast unbegreiflichen Anspruchslosigkeit herab- gesunken. Gespielt wurde gut.—£. 8. Aus dein Altertum. — S o l d a t c n k a s s e n im römischen Heere. Wir lesen in der»Kölnischen Volksztg.": Das römische Kaisertum, durch Waffengewalt entstniiden, hatte seine Stütze im Heere, nicht in einem anerkannten Rechte. Ihren Thron zu behaupten, wandelten deshalb die Kaiser die Söldnertruppen, welche die Republik bei eintretendem Friede» entließ, in ein stehendes Heer um, das dem Imperator den Fahneneid schwur und in seinem Namen von den Statthaltern der Provinzen befehligt wurde. Eine wichtige Sorge war es demnach, die Legionen an das neue Herrscherhaus zu fesseln. Schon Cäsar verdoppelte den Sold(er gab 225 Denare— 157 M.) und Domitian legte»och 75 Denare(05 M.) hinzu. Außerdem erwarteten den Soldaten nach Ablauf seiner � langen Dienstzeit bestimmte Vorteile, die unter Angustus in einer einmal zu zahlenden Geldsumme(12000 Sesterzen, etwa 2010 M.) und später gewöhnlich in einer Acker- anweisung bestanden, also eine regelrechte Eivilversorgmig. Aber auch durch Spar- und Üuterstützungsknssen suchten sich die Legionäre ihre Zukunft zu sichern. Zur Erklärung, wie man die nötigen Fonds schuf, diene folgendes. Die Treue der Soldaten zu belohnen und sich zu erhalten, mußten die Kaiser ihren Truppen reiche Geschenke geben, welche aus der Kriegsbeute oder aus der Erbschaft ihrer Vorgänger bcstritlcn wurden. Div Cnjsins berichtet, daß schon Cäsar im Jahre 40 jedem Soldaten 5000 Denare schenkte, was selbst nach der Silberwährung die ansehnliche Summe von 3508 M. darstellt. Unter den späteren Imperatoren wurde es geradezu feststehende Sitte, sich bei Regie- . rungSantritt, bei Triumphen und andren wichtigen Ereignissen die Legionen und in erster Linie die Prätorianer durch große Liberalitnt zu gewinnen. Nur Galba sprach den Grundsatz ans. er wolle den Soldaten ausheben, nicht kaufen, und wurde dafür— nieder- gestoßen. Der römische Militärschriftstellcr Veqetius nennt es nun eine alte Einrichtung, daß die Hälfte des jeweiligen Donativums in eine Soldatensparknsse n'edergelegt wurde. Jede der zehn Kohorten einer Legion besaß eine ivlche Kasse. Daneben bestand noch für die ganze Legion eine Sterbekasse, in welche der einzelne Soldat einen kleinen Beitrag zahlte, wofür bei vorkommendem Todesfall die Begräbnis- kosten bestritten werden konnten. Die 8ig;mksri tFahuen- trägcr) waren die Kassenrendanten, weshalb als solche nicht nur zuverlässige und treue, sondern auch schriftkundige Leute gewählt wurden, die das anvertraute Gut zu bewahren und jedermann Rechenschaft zu leisten verstünden. Zu einem weiteren Uiiterstütziings- verein(scdola oder collegium) thaten sich vielfach die principales zusammen, die Chargierten, zwischen dem Gemeinen und dem Haupt- mann stehend. So werden uns genannt eine sodola der zwanzig Kundschafter der ersten und zweiten Legion in Aqnincnm in Pan- nonien, eine scbola. der Unteroffiziere der dritten Legion in Lam- baese in Numidien u. a. Letztere Legion hatte auch einen Verein der Spielleute, der zwar 750 Denare(etwa 020 M.) Eintrittsgeld erhob, aber auch Reisegeld den über See Reisenden, eine AuSrüstniigSiumme den Beförderten, ein Handgeld den Veteranen und den Erben(Frauen und Kindern) der Mitglieder Sterbegeld gewährte. Sogar die Degradierten und Ausgestoßene» bekamen eine Entschädigung. Die Fonds dieser verschiedenen Kassen wurden nach VegetiuS „apucl sign»" aufbewahrt. In jeder Garnison, in allen Lagern und Kastellen gab es nämlich ein LaoeUum, ein Heiligtum, für die Statuen der als Götter verehrten Kaiser und für die Feldzeichen des betreffenden Truppenlörpers. Diese Baulichkeit war vielfach unter- kellert und nahm außer der Kriegskasse das Privatvermögen und die Vereinskasscn der Soldaten auf. Am Taunuslimes hat sich in dem Kastell Feldberg bei Reifenberg diese Unterkellerung gefunden, während man auf der Saalburg bis jetzt vergebens darnach'gesorscht. Aus dem Tierleben. — U e b e r den Ortssinn eines Tigerfinken be» richtet Prof. Dr. P. Altmann im„Zoolog. Garten". Von einem Pärchen jener bekannten zierlichen Ausländer war das Weibchen ge- sterben und das Männchen saß infolgedessen traurig vor sich hin- brütend da, so daß es jeden, der dies ansah, mit Wehmut erfüllen mußte; nian verkaufte daher das Tierchen a» einen Vogelliebhaber. Nach einigen Tagen jedoch, bei einem schrecklichen Regenwetter, stellte sich das Vögelchen außen an demselben Fenster ein, Ivo im Zimmer noch sein leeres Bauer hing. Es hatte sich durch die nicht zu eng stehenden Stäbe seines iieiren Bauers hin- durchgczwängt und war seiner früheren Heimat zugeflogen, wahr- scheinlich um sein Weibchen zu suchen. Willig flog es ins geöffnete Haus und ließ sich geduldig ins alte Bauer setzen. Der Ortssinn vieler Säugetiere und Vögel wird mit Recht bewundert. Aber da handelt es sich immer um Tiere der Freiheit, während unser Tiger- sink, von einem Händler in einer ganz andern Stadt gekauft, jähre- lang das Vogelbauer nicht verlassen hatte und sich.in einer Stadt orientierte, wo, ich möchte sage», ei» Haus so aussieht, wie das andre.— Physikalisches. — T e m p e r a t n r m e s s u n g e n hocherhitzter Körper. Seit Jahren beschäftigt die Aufgabe, schnielzflüssige Körper mit Sicherheit auf ihre Temperatur zu bestimmen, die Physiker. Die Sache ist namentlich für die Metallurgie von höchster, praktischer Bedeutung. Angeregt durch die Hochvfcnbesitzer hat vor längerer Zeit schon die Physikalisch-technische Reichsanstalt, zu deren Arbeits- gebiet solche Aufgaben gehören, der Angelegenheit volle Aufmerksam- keit zugewandt. Wie nun kürzlich in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft Professor Dr. Lummer, Mitglied der Physikalisch-tcch- uischen Reichsanstall, mitteilte, scheint das Problem jetzt nicht nur von ihm in Gemeinschaft mit Professor E. Pringsheini ge- löst, sondern auch in einer große Genauigkeit verbürgenden Art nach Ueberivindung vieler Schwierjakeiten praktisch ausgestaltet zu werden. Die Form der Lösung ist höchst interessant, weil dabe) Wege eingeschlagen worden sind, deren man sich anfänglich nichl versah. Das Nächstliegende schien ja, wie beim Thermometer di« Ausdehnung eines Körpers zur Temperaturmessung zu benutzen i doch giebt es deren sehr wenige, die so hohen Temperaturen, wie sie hier zu messen, gewachsen sind. Die am schwersten schmelzbare Legierung von Platin mit Iridium giebt un- genügende Resultate. Auch das äußerst empfindliche zur Feststellung kleinster Teinperaturdiffcrenzen mit sicherstem Er- folge anwendbare Instrument Bolomcter, das auf der Ver« Änderung der elektrischen Leistungssähigkeit eines Leiters durch Er- wärmuug beruht, war bei Gluttemperaturen unmittelbar nicht an- wendbar und ebenso wenig ältere Konstruktionen von Pyrometern, wenn es sich um genaue Messung handelte. Die gegenwärtige Lösung ist die Frucht eingehendster Beobachtung der sog. schwarzen Strahlung, d. h. der von schwarzen Körpern, zu denen auch die Kohle gehört, in den verschiedenen Stadien ihres Glühens ausgehenden Licht- strahlen. Es hat sich hierbei herausgestellt, daß ein bestimmtes Ver- hältnis besteht zwischen der Lichtintensität und der Temperatur dieser Strahlungen. Der künftige Wärniemcsser für hocherhitzte Körper wird also ei» Photometer sei», und mit der Bestimmung der Lichtstärke irgend einer Lichtquelle wird man künftig zugleich ihre Temperatur bestimmen oder, wie Prof. Lummer sich ausdrückte, man wird die Temperatur einer Lichtquelle ermitteln aus der Länge der Lichtwellen, die sie aussendet. Der Vortragende hofft, daß die Zeit nahe bevorsteht, da»ign mit voller Sicherheit die Schmelztemperatur in einem Hochofen jeden Augenblick wird messen und damit den Prozeß viel genauer wird kontrollieren und regeln können als bis- her. BerGelcgenheit erwähnte der Vortragende, daß die Temperatur der Sonne auf 0000 Grad Celsius anzunehmen sei, während eS sich hier um Messungen von 1000 bis 2940 Grad handle.— Astronomisches. — Ueber die Bewegung der Sonne im Welt- r a u ni hat Prof. Campbell, der Direktor der Lick-Sternwarte in Kalisoriiien, neuerdings eine bemerkenswerte Untersuchung angestellt� Man kann, indem man das Spektrum eines Sterns zugleich mit dem einer irdischen Lichtquelle z. B. eines elektrischen Funkens, photogra- phiert, nach einer zuerst von Bogel auf dem Astrophhsikalischen Ob» servatorium in Potsdam angewandten Methode ermitteln, um wie viel Kilometer in der Sekunde der Stern sich uns nähert oder sich von uns entfernt. Derartige Messungen von Geschwindigkeiten der Sterne in der Gesichtslinie hat nun Campbell seit einigen Jahren mit Hilfe des Fernrohrs der Lick- Sternwarte gemacht, und die gewonnenen Daten geben ihm die Möglichkeit. auch die Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung der Sonne im Welträume zu bestimmen. Er folgert aus seinen Mesiungen, daß sich unsre Sonne und mit ihr natürlich unser ganzes Planetensystem mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometer in der Sekunde nach einem Punkte im Sternbilde des Herkules hin beivegt. Dieses Er- gebnis stimmt gut mit früheren, auf andre» Methoden beruhenden Forschungen nberein, nur liegt nach Campbell der Punkt des Himmels, nach ivelchem die Sonne sich hinbetvegt, etwas südlicher, als man bisher annahm. Die Untersuchungen Campbells haben noch andre, ebenso be- merkenswcrte Ergebnisse gezeitigt. Bei einigen drciszig der von ihm untersuchten 32S Sterne ist die Geschwindigkeit in der Gesichtslinie veränderlich. Um diese Thatsache zu erklären, muß man annehme», daß diese Sterne in Wahrheit aus je zwei Sonnen bestehen, die sich um ihren gemeinsamen Schwerpunkt bewegen und so nahe bei einander stehen, daß sie auch in den stärksten Fernrohren der Jetztzeit nicht getrennt werden können. Zu diesen merkwürdige» Doppelsternsystemen, von denen einige auch schon früher bekannt waren, gehört z. B. auch der Polarstern. Die Geschwindigkeit der Sterne in der Gesichtslinie ist bei einigen derselben sehr bedeutend, und zwar bewegen sich die schwächeren Sterne im allgemeinen schneller als die helleren. Ein ziemlich schwacher Stern ini Sternbilde der Casfiopeja nähert sich uns nach Campbell um fast 100 Kilometer in der Sekunde, ohne daß deshalb ängstliche Gemüter für die nächste Zeit einen Zusammen- stoß zu befürchten brauchen.—- s.Tägl. Rundsch.") Technisches. ie. Eine neue Art der Photographie, die für gelvisse Zwecke nützliche Dienste verspricht, wird von Jervis-Smith in der Londoner„Nature" beschrieben. In vielen Bibliotheken gilt die Ber- ordnung, daß kein Buch ausgeliehen oder auch nur vorübergehend ans den Räumen des Instituts entfernt werden darf. Nun kann es aber zuweilen erforderlich sein, daß aus irgend einem Werke teils eine Seite des Textes, teils eine Abbildung reproduciertwerdensollund esent- stehen bedeutende Schwierigkeiten für die Herstellung solcher Wiedergaben. Zeichimngen sind langwierig und uiwollkommen, die Anwendung der gewöhnlichen Photographie wird behindert durch das übliche Verbot her Benutzung künstlicher Lichtquellen, die zur Aufttahme so feiner Bilder nnumgänglich seien würde. Da solche Abbildungen Vorzugs- weise aus allen und seltenen Werken gewünscht werden, diese aber von keiner Bibliothek ausgeliehen zu werden pflegen, so dürfte in der That der fragliche Mißstand recht häufig zu Tage treten. Durch diese Erwägung hat sich der genannte Physiker dazu veranlaßt gesehen, eine neue Art der Photographie ans- zudenken,'die für die Abbildung einzelner Blätter aus Büchern vorzüglich geciDiet zu sein scheint. Er überzieht ein Stück Karton mit einem phosphorescierendcn Körper, setzt es dem Licht der Sonne oder einer Bogenlampe aus und legt es damr auf die Rückseite desjenigen Blatts im Buche, das ab- gebildet werden soll. Auf dessen Vorderseite wird dann eine Photo- graphische Trockenplatte gelegt, das Buch geschlossen und je nach der Beschaffenheit und Dicke des Papiers der Buchblätter eine gewisse Zeit sich selbst überlassen. Die Zeit der Aufnahme beträgt zwischen 18 und 60 Minuten. Dann wird die Platte herausgenommen und sofort in eine mit schwarzem Papier überklebte Schachtel gelegt. Zur Vorsicht bedecke man das Bnch mit einem schwarzen Tuche und nehme auch unter dessen Schutz die Platte heraus, so daß sie gar nicht mit dem Tages- licht in Berührung kommt. Die Ergebnisse einer solchen Photographie sind für die meiste» Zlvecke günstig. Ist das Papier des Buchs sehr fasrig, so erscheinen die Fasern auch auf dem Bilde, und stören in etwas dessen Klarheit, jedoch ist dieser llebelstand nicht bedeutend. Eine Beschädigung des Buchs findet nicht im geringsten statt, weder durch das Blatt mit dem leuchtenden Stoff, noch durch die Trocken- platte; das Verfahre» kann also auch bei den wertvollsten Büchcrit gestattet werden. Wenn statt der Platten Films benutzt werden, so kann eine große Zahl verschiedener Bilder oder Druckseiten in dem- selben Buch gleichzeitig photographiert werden. Die zur Aufnahme nötige Zeit wird bedeutend verkürzt, wenn die phoSphorescierende Pappe vorher auf eine warme Fläche gelegt wird, deren Temperatur aber bei Anwendung von Films nicht über 20 Grad betragen darf. Smith hat übrigens in seinem Laboratorimu festgestellt, daß man die phosphorescierende Substanz auch durch die Funken einer Teslaschen Induktionsmaschine ins Leuchte» versetzen kann, ivährend eine gewöhnliche Induktionsspule diese Wirkung nicht besitzt.— Humoriftiickes. — I m adeligen Klub.„Sie lvundern sich über unsre ge- ringe Mitgliederzahl'? Ich sage Ihnen, die Kavaliere sterben aus. Einmal hatten wir das Ideal eines solchen— aber das ivar ein Hochstapler.'— s.Simpl.') — Die Hauptstadt v o n B a d e n. In der»Straßburger Post" finden wir ein lustiges Stücklein aus der Schule: „Wie heeßt," so fragt e Lehrer leffcht, „Die Hauptstadt dann vun Bade?" Unn denkt, wie des nit Eeni weeß, E Noochhilf könnt' nix schade. „Die Antwort," sächt er,„isch nit schwer For g'scheidte Mäd' zu finne, Dann vorne isch e Name driun Unn's schteht e Hauptwort hinne. E weltberiehmter Kaiser Hot Den Name do gctrage, Unn's Hauptwort braucht mcr in de Nacht, Wer kann jetzt Antwort sage?" Do hebt e Mäd' die Finger uff, 's war eens vun dene brave. Unn's kummt die klassisch Antivort rauS: „Die Schladt heeßt L u d w i g s h a f e."— Notizen. — Oskar Hofmeister von der Secessiousbühne ist an das Deutsche Theater engagiert worden.— — Im Deutschen Theater hat die Einstndierung des kürzlich angekündigten SchanspielS von Rudolf Rittncr be- gönnen. Die erste Aufführung wird in der zweiten Hälfte März stattfinden.— — Wolzogen schließt sein B n n t c S T h e a t e r am 10. April und geht sodann nach Leipzig und Breslau.— —„Die erste Geige", ein dänisches Lustspiel von Jens Petersen und Gustav Wied, wird im Laufe deS Sommers im Lessing-Theater durch das Jarno- Ensemble aufgeführt werden. Auch das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg hat das Stück acceptiert.— — Otto Sommerstorff ist an da? Hamburger Stadttheater engagiert worden. Seine Frau, Theresina Geßner. wird vorläufig kein Engagement annehmen.— — Arthur Schnitzlers Spaß„Marionetten" geht Freitag im„Bunten Theater" in Sceue.— — Die Premiere von Georg Engels'„Ein Ausflug ins Sittliche" findet anr 13. März'im Neuen Theater mit dein Ensemble des Lessing-Theaters statt.— — Dorn Dn ii fers Schauspiel„Schatten" ist die nächste Novität des B e r I i n e r T h e a t e r s, die Anfang April mit Frau Prasch-Graveubcrg in Scene gehen wird.— — G u m p p e n b e r g S Schauspiel„Die Verdammten" hatte bei der Erstaufführung am Münchener Schauspiel- Hanse einen starken Erfolg.— — Das neue Theater in Wien, da? durch den„Verein zur Gründung einer VolkSoper" ins Leben treten soll, wird 1 200 000 M. kosten. Der Fassungsraum ist auf 1800 Personen be- rechnet. Das Programm wird Oper und komische Oper unter Ans- schlich der Operette bieten. Für das Orchester sollen haupffächlich Wiener Mnsikkräfte und zwar preisgekrönte Schüler des Wiener Konservatoriunis verivendet iverden.— — D a r m st ä d t e r Spiele 1901. lliitcr diesem Namen wollen die Dannstädter Künstler ein Theater eröffnen, das nach Art des„Neberbrettl" vorlvicgend Sccncn lyrischen Charakters bringen wird. Das Theater wird im Anschluß an die diesjährige Ansstellimg Abendunterhaltungen nach dein Besuch derselben bieten. Die künst- lcrische Leiiung hat Prof. Ol brich, die litterarische Wilhelm H o l z a in e r iiberttoininen.— — Thni ll e s Oper ,. G u g e l i n e",«nit dem Text von Bierbaum, gefiel bei der Aufführung am Stadltheater in Bremen außerordentlich.— — Der Unterricht für das Soinnierseinester 1901 beginnt in der Hochschule für b i l d e n d e K u n st und in den Meisterateliers am Ib. April.— — Die Internationale Kunstausstellung D r e S- den 1901" wird am 20. April eröffnet werden und bis zum 20. Oktober dauern.— — Der Verein für Erdkunde in Leipzig verlieh anläßlich seines 40 jährigen Jubiläums zum erftenmale die zum Andenken an den Leipziger Afrikareiseuden Eduard Vogel gestiftete goldene Eduard Vogel- Medaille, und zivar an Professor Schwein- surth in Berlin und ernannte zu Ehrenmitgliedern Professor Penck in Wien, Professor L. v. d. Steinen in Berlin und Dr. Alphons Stuebel in Dresden.— — Der deutsche Geographentag wird nach vier» jähriger Pause in Breslau vom 23. bis 30. Mai zusammen- treten.— — Altrö»tische Thongeschirre, etiva 40 an der Zahl, sind in Walmer Castle(Kent) in England ausgegraben worden.— — Heinrich und Julius Hart und ein Kunstmaler Jäckel in Spandau haben in Falkenhagen bei Seegefeld ein größeres Terrain käuflich erworben, auf dem die Neue Gemeinschaft der„Gottseligen" ihre Hütten und ihren Kohl bauen soll.— Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Ttröbel in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.