Anterhaltungsblatt des Worwäris Nr. 52. Donnerstag, den Ii. März 1901 (Nachdruck vervotcu). io] Die öiiuTe Veihe. Berliner Roman. Von Fritz M a u t h n e r. ..Willkomnien, lieber Bohrmann," sagte Mascha zur Ve- grühnng.„Aber das nächste Mal niiissen Sie einen Rock aus diesem Jahrhundert anziehen. Ich selbst habe Sie gern so, tvenn Sie aussehen, wie von einem Denkmal heruntergestiegen. Es ist nur der Leute wegen. Setzen Sie sich. Erzählen Sie mir. Haben Sie viel an mich gedacht?" Nicht einmal, das} sie ihm das trauliche Du entzog, beachtete Vohnnann. Er konnte immer nur sich seines Rockes schämen und ihn mit ihrem Fcenschlafrock vergleichen. Und während sie ihn ausfragte, dachte Bohrmann immer wieder daran, wie er Hilde die Notwendigkeit eines ncric» schivarzen Rockes begreiflich machen konnte. In einer solchen Gemütsverfassung sollte er Mascha einen Bericht über sein bisheriges Leben geben, eigentlich eine voll- ständige Lebensbeschreibung. Niemals hatte Mascha solche Frage» an ihn gestellt. Es war immer, als dächte sie nicht über seine Gegenwart hiuauS, nicht an die Zukunft und nicht an die Vergangenheit. Heute müsse sie ihm wenigstens biographisch zurechtstutzen. Naskel, der große Raskcl werde unter den Gästen sein. Bohrmann müsse ihu zu gewinnen suchen, dnrch die Gusti Mauerhofer. Dann werde Raskel unmittelbar vor der Ausführung des Stücks eine Biographie des dichtenden Gemeinde- schnllehrcrs in seiner Zeitung veröffentlichen. Bohrmann war so zerstreut, daß er nicht einmal sagte, er kenne weder deu großen Raskel noch die Gusti Mauer- hofer. Ob diese beiden seinen Rock auch anstößig finden würden? Aus dem vorigen Jahrhundert? Wo man doch jetzt schon 1893 schrieb l Der Rock hätte ja beinahe hundert Jahre alt sein müssen. Gedankenlos beantlvortete er Maschas Fragen, und nicht zil ihrer Zufriedenheit. Geniale Züge cuiS seiner Jugend hätte sie gerne gehört:»vie sich in ihm zuerst der Dichter geregt hatte, bald iu tollen Streichen, bald in Zeichen von geistiger Frühreife. Er aber ließ au3 sich nur herausholen, wie er auf einem Dorfe der Altmark als Sohn des Schulmeisters geboren ivorden sei und zuerst bei seinem Vater und dann iin Lehrerseminar von Magdeburg ordentlich und zuverlässig gelernt habe, was man ihm aufgab. Höchstens von seinem Vater wußte er ausführlich zri erzählen, von dessen Kämpfen wegen des Glockengeläutes, das dem Lehrer oblag, vom Trotz gegen Prediger und Patron und von den ungcdrncktcit Streitschriften über die beste Methode des Leseunterrichts. Siegfried erinnere ihn oft an seinen Vater. Dem Jungen tn der neuen freien Zeit Raum zu schaffen für Trotz und Wahrheitsdrangl Das wäre ein Lebensziel! Mascha hatte sich auf die Chaiselongue gelegt und kramte. während sie fragte lind Bohrmann antwortete, ab und zu unter den Papieren. Sie steckte de»„Scharfrichter von Berlin" unter andre Bücher, öffnete dann die Rolle mit dem Manuskript des„Hohen Liedes" und fächelte sich damit Kühlung zu. Sie schüttelte den Kopf über de» Mangel an Abenteuern in Bohrmanns Leben. Dann sollte er ihr wenigstens seine LiebeSgeschichten anvertrauen. Bohrmann errötete. Z« sagen hatte er nicht viel rrnd erfinden wollte er nichts, trotzdem er das bestimmte Gefühl hatte, er müßte jetzt flunkern. So gab er tvenigsteus ausführlich das Wenige, das er hatte. In seinem siebzehnten Jahre eine fromme Sehnsucht nach Pastors Hildegard. Sie gingen einen Frühling und einen Sommer lang täglich zusanunen in den Kiefernwald, und eines Abends sagte ihm Hildegard, ihre Mutter hätte sie gc> fragt, ob Johannes in sie verliebt wäre. Daraus sei dann eine Art Liebesgcspräch entstanden, wo beide, Hildegard und er, ohne einander anzusehen und ohne sich zu berühren, ja, eigelitlich ohne sich anSdri'tcklich z»> rennen, ewige Treirc ge- schworen hätten. Er wenigstens habe öS so aufgefaßt. Aver zu Weihnachten habe sich Hildegard mit einem Kairdidaten verlobt. Und dann in Magdeburg habe Bohrmann seine Frau kennen gelernt, in einer Gastwirtschaft, wo viele Seminaristen verkehrten und wo Hilde— eigentlich habe sie Franziska ge- heißen— als eine Verwandte der Wirtin... überhaupt... ein bißchen mit half... er habe sich sehr schnell in sie ver- liebt... viel schneller als sie in ihn... Plötzlich seien sie verlobt gewesen. Sein Vater sei kurz vorher gestorben, und mit seinem kleinen Erbteil habe er den Schritt wagen dürfen. Bohrmann hatte bei diesem Bericht immer an Mascha vorbcigesehen und wurde erst wieder redseliger, als Mascha etwas lebhafter als bisher fragte, wie er von seinem Dorf nach Berlin gekommen sei. Bohrmann antivortete nicht gleich. Er mußte wieder an den alten Rock denken. Der war nicht aus dem vorigen Jahr- hundert, er war noch nicht neun Jahre alt, zu seiner Hoch- zeit hatte ihn Bohrmann anfertigen lassen, in Magdeburg. Dann hatte er ihn zu Lenchens Taufe getragen und bald darauf in Berlin, als er sich seinen Beschützern vorstellte. Nänilich zu Lenchens Tmife sei auch Hildes Cousine erschienen, die Klnuze, die Schutzmannsfran. Die habe von Berlin er- zählt, von der großen Frühjahrsparade, von den Tanzlokalen, von den vielen Ncbeneinkünften, von der Stadtbahn, von der Militärmusik, und zur selbigen Stunde habe Hilde es sich in den Kopf gesetzt, Bohrmann müsse Gemcindelehrcr in Berlin tverden. Beinahe sechs Jahre habe Hilde daran gearbeitet, dreimal habe Bohrmann deshalb nach Berlin kommen müssen, obtvohl sein Dorf zwei Meilen von der nächsten Eisenbahnstation lag. Die Klunzc habe ihn in Berlin nnmer anderswohin geschickt. Sie sei eine sehr gute Frau, aber ungebildet, rmd es sei mcrktvürdig, daß sie so gute Verbindungen mit dein Magistrat habe. Zu drei verschiedenen Sergeanten habe Bohrmann vergebens gehen müssen. Dann aber habe ein vierter Sergeant ihn an cme städtische Tnrnlehrerin gewiesen, durch sie sei er mit einem Magistratssekretär bekannt ge- tvorden. Der Magistratssekrctär habe ihn an eine Präsidentin empfohlen. Er sei zuerst furchtbar über den Rang erschrocken, aber eS war nur die Ptäsidentin eines Vereins, eines liberalen Vereins. Das aber habe ihr in seinen Augen nicht geschadet, und er sei ja auch nicht so orthodox tvie die andren auf dem Lande sind. Durch die Präsidentin sei er endlich an den Herrn Schulrat ge« kommen, seinen Fürsprecher. Ueberall habe er seinen guten schivarzen Rock angehabt, und keiner habe das Gewand zu schlecht gefunden. „Nicht empfindlich sein, HanS? Wenn Sie sich um die Stelle cineS Gemeindelehrers bewerben, so dürfen Sie gar keinen andren Rock anziehen. Aber hier bei mir wollen Sie doch berühmt werden. In Berlin muß ein berühmter Wann elegant gekleidet gehen, sonst glaubt man ihm nicht... Kommen Sie näher, ganz nahe. Von Ihrer Verheiratung müssen Sie mir noch mehr erzählen. DaS mit Ihrer Stelle in Berlin ist ja ganz einfach der Ring, die bunte Reihe. Aber der Anfang Ihrer Ehe l Die Flitterivochen l Kommen Sie näher I" Es gelang Bohnuanl?, mit dem unbequemen Polstcrstuhle bis dicht an die Chaiselongue heranzurücken. Sofort ergriff Mascha, als ob das ihre Gewohnheit wäre, seine Hände und flüsterte ihm zu, sie sei furchtbar neugierig, aus Eifersucht, sie wolle alles wisse». Sie fragte und fragte,«nd Bohrmann wußte nicht, wie ihm wurde und was er antworten sollte. Er veistand ihre Worte nicht,«nd dann wieder hoffte er. daß er sie nicht ver- stand. Wenn Mascha nicht dnrch Eifersucht den Verstand verloren hatte, so konnte sie doch mnuöglich die Beanffvortung solcher Fragen erwarten. Wenn sie aber seine Hände heranzog oder sie gar um ihren Hals legte, schmeichelnd und schwer atmend, wenn sie dabei in ihrem Hellrosa Fceukleide näher zu ihm heranrückte, dann preßte sie doch aus seiircr gcängstigtcn Seele manche Antwort heraus, in verschleierten Worten, die er mit ge- schlosscuei» Augen herausstieß. Er machte es ihr nicht leicht. Endlich zog sie den leise Widerstrebenden noch näher heran und flüsterte:—' „Rcine Geister wollen wir sein! Aber Tn mutzt mir treu sein, hörst Du, treu! Im strengsten Sinn k Komnr'! Einen Kuß. bannt Du niich nicht mehr vergessen kannst! Ich will Dir ihn einbrennen, damit Du.. Und wieder küßte sie ihn lange, inbrünstig, schrecklich schön, daß ihm die Sinne vergingen und er neben der Chaiselongue auf die Knie zu liegen kam und jetzt von selbst die Hände um ihren Hals legte, als ob er sie erwürgen wollte. „Reine Geister." stammelte sie unter den wütenden Küssen, mit denen er sie jetzt überschüttete.„Nicht so.. Plötzlich klopfte es an der Thür des Boudoirs. Wie ein Blödsinniger sprang Bohrmann in die Höhe und fuhr sich mit beiden Händen nach dem Kopf. Mascha erhob sich langsam, schwer atmend, aber ruhig lächelnd. „Es ist nur mein Mädchen. Ich habe sie beaustragt, zu klopfen, wenn's Zeit ist, mich zum Diner anzuziehen. Gehen Sie und erwarten Sie mich im Salon. Vergessen Sie mich nicht l" Freundlich reichte sie ihm die Hand. Bohrmann verließ verwirrt das Boudoir. In der Thür wendete er sich er- schreckt um. »Mein Stück!" „Sie werden doch nicht bei Tische sitzen wollen mit diesenr Ungetüm in der Rocktasche? Lassen Sie es ruhig hier liegen. Ich habe schon hineingesehen. Vor dem Einschlafen will ich lv eiterlesen." Als Herr Lose, der Stadtrat und Brauereibesitzer, sein Empfangszimmer betrat und den Lehrer Bohrmann bereits vorfand, schien er gar nicht überrascht zu sein. Bohrmann hätte also gar nicht über die Antworten nachzudenken brauchen. mit denen er den Argwohn von Maschas Gatten zu zer- streuen gedachte. Herr Lose war freundlich, herablassend, ungefähr so, wie ein wohlgesinnter Schulinspektor, zu welchem man das Recht hat,„mein Gönner" zu sagen. Er schien sehr kenntnisreich zu sein und mit den höchsten Persönlichkeiten des Staats Fühlung zu besitzen. Denn er fing mit dem Gaste sofort über das Verhältnis von Deutschland und Rußland und über die sociale Frage zu reden an, und unterließ nicht die Andeutung, daß nächstens etwas geschehen werde. Als Bohr- mann wenig erwiderte, äußerte Herr Lose seine litterarische Meinung:-man habe an Schiller und an..... Bohrmann verstand Kadelburg.... im wesentlichen genug. Er sei ein Fortschrittsmann, aber gerade darum gegen jede Ueber- stürzung. Die Fortschrittspartei müsse die alten Fehler ab- lege», sie müsse in gewissem Sinne konservativ sein, mit den Regierenden gehen in der Polittk, wie in der Kunst. Er nannte viele neue'Namen, die ihm nicht gefielen, wie er sagte. Als Vohrniann auch jetzt nicht viel zu erwidern wagte, Weil ihm die Namen Zola, Ibsen, Tolstoj und gar die Jüngeren und Kleinen der neuen Schule nicht so geläufig waren, wie diesem allwissenden Stadttat, wurde Herr Lose noch freundlicher und versprach, seinen Einfluß in der Frage der Alterszulage der Lehrer voll und ganz im Sinne der Gemeindelehrer gellend zu machen. „Der preußische Schulmeister, Herr Bohrmann..." tForlsevung folgt.) KUts de« tnnMnlisrhen Morhe. Das Leben des deutschen MännergesangS und der ihm ge- widmeten Vereine, der sogenannten Liedertafeln, ist wohl allbekannt als eine Erscheinung, die nicht nur eine rein musikalische Bedeutung, sondern auch ein weitergreifendes Verhältnis zu Dingen des sociale» Lebens hat. Dazu gehört ganz besonders, daß neben solchen Ver- einen allgeincincrer Zusammensetzung auch einzelne Berufe oder Stände ihre Liedertafeln und zum Teil selbst ihre einigermatzen ge- färbte Licdertafclkunst besitzen— manckes davon ein Stück politischer Kulturgeschichte. Hat es einmal eine Berufsllaffe zn einem eignen Gesangverein gebracht, so kann dies als ein Zeichen dafür gelten, daß sie bereits über ein starkes Verufsbeimitztsein lind selbst über ein gewisses Matz von Orga.usierung verfugt. Die deutsche Lehrerschaft hatte in trüben Zeiten— zunral unter Führung ihres Meisters Diesterweg— ehrenvoll nach einen, Berufs- bewuhtsein, nach Orgauisicruiig und um öffentliche Anerkennung ihrer Standesinteressen gerungen. Datz dabei materielle und sociale, insonderheit VercinSfragen in den Vordergrund gestellt wurden, konnte den Schein eines nicht so ganz idealen Interesses erwecken; und bekanntlich verstummen auch heute die Vorlviirfe nicht, die Lehrer kümmerten sich zn sehr um irdische Schätze und um Vereins- meicrei. Datz jedoch diese Bestrebungen durchaus auf ideale End- libsichten hinausgehe», zeigt schon— falls für eine so einfache Sachlage überhaupt eine Rechtfcrtignng notthut— das Vorbild jenes vorhinein gcnainite» Meisters, dein trotz all feiner Einseitig- leiten jedenfalls nicht die direkt pädagogische Richtung seines Interesses abzusprechen ist. So haben sich die Vereine, Kassen, Zeitschriften und sonstigen Organe der Lehrer Verhältnis- mätzig blühend entlvickelt. Der Berliner Lehrerverein, ausgestattet mit manchen wertvollen Einrichtungen, hat im Jahre 1887 aus sich auch einen„Sängerbund" gebildet, der seit etwa zwei Jahren als „Berliner Lehrer-Gesangverein" wirkt und seine öffentlichen Konzerte zu ganz besonders iuteressanten und begehrten Bestandteilen unsrer winterlichen Musikpflege gemacht hat. Sie er» heben sich, geleitet von Professor Felix Schmidt, auch durch ihr Programm einigennatze» über den Stand der gewöhnlichen Lieder- tafelei; sie bringen meistens mancherlei Neuigkeiten, bevorzugen Stücke von einem mehr musikalischen als vereinsmätzigen Wert rmd gehen auch ein wenig mit der„Moderne" ans diesem Gebiet, die hier freilich nicht sehr breit entfaltet ist. So war in dem letzten dieser Konzerte, dessen Wiederholung oder Fortsetzung am 9. d. M.— in der grossen Philharmonie— wir hörten, auch Neue? von Richard Strauß gekommen. Von dessen op. 42 erwies sich Nr. 1, „Liebe"(Text ans Herders„Stimmen der Völker"), als eine ansprechende, lvemigleich nicht besonders eigenartige Komposition. In hohen, Matze jedoch ist solches dem sebendaher stammenden) Nr. 2 nachzurühmen, einem„Alldeutschen Schlachtgeiang", der zwar weniger durch einen einheitlichen Grundzug und mehr durch einzelne Künste des Ausdrucks wirkt, in diesen aber auch ganz ausserordentlich Charakteristisclies darbietet. Die zweite Strophe ist mit ihrer Schilde- rung des Drauslosgehcns, mit ihrer sozusagen aufgelösten Schlacht» reihe von Stimnien ein Meisterstück. Die Bewältignng der darin liegenden Schwierigkeiten zengte allein schon von dem Recht, mit welchem dieser Gesangverein als einer der beste» von allen gilt. Berücksichtigt man. datz solchen Liebhaber-Vereinen schon von vorn» herein die Konkurrenz mit BerufSsäuger-Vereincn schwer ist, so kann man die Leistung des„Berliner Lehrer-Gcsangvereins" in diesem Stück jedenfalls lebhaft loben, auch wenn hier und aiiderSwo gar manche Rauhigkeiten vorkamen. Das Vollslirduiätzige. das in jenen Gelängen von Strautz mit Gluck hervortrat, nahm auch sonst in diesem Konzert einen breiten Raun, ein; darunter Bearbeitungen altdeutscher Lieder des 15. und 18. Jahrhnuderts, die wieder lebhaft daran gemahnten, wie wenig massgebend uns die geläusigercn KonipositionSweisen sein dürfen. An den eigentümliche» schwedischen Bolksstamm der Dalekarlier gemahnte ein„Dalekarlisches Tanzlied", das 6» capo genonmien iverden mutzte. Es war dies kein Chorlied, sondern ein Sololied, mit drei andren gesungen von Frau Professor Schmidt« K ö h n e. Man kann das Beobachten der musterhaften Gesangskunst dieser Sängerin jedem Gesangsfreund dringend cnipschlen. Ei»« solche, nur ganz selten durch etwas herbere Ansätze getrübte Geschmeidigkeit der Stimme und einen so belebte» Ausdruck hört nian nicht bald wieder. Wenn Schubert in seiner„Forelle" von den Worten„Ein Fischer mit der Rute" daS Wort„mit" unrichtig erweis« hervorhebt und wenn er dann auf Grund der gleichen melodischen Wendung an der Stelle„Und sah's mit kalten» Blute" das Wort„kaltem" nnt Reckt accentiiiert, so ivar Hinwider die Feinheit der Sängerin anzuerkennen, die jenes Wort„mit" ganz leise und dafür das Wort„kaltem" recht kräftig betont sang. Weniger Glück hatte Fräulein Hella Sauer, die im letzten Wal demar-Meper-Quartett eine Mozartsche Arie mit „obligater"(den Gesang nicht verstärkender, sonder» selbständig ergänzender) Violine sang. Zwar merkt man ihr eine nicht üble Stimmbildung und ein ernstes künstlerisches Streben an; allein mag es min eine zeitweilige Slönmg oder was sonst gewesen sein: so schwirrende, flackernde Töne, zumal in den hier ohnehin ärmlich bestellten tiefere» Lagen, und eine so unvollkommene Ausgeglichen- beit der K.angsarben sollte man nicht zu hören bekommen. Im übrigen war dieser Quartett- Mittag ein würdiger Abschlntz des CycluS, dessen»üichstjährige Fortsetzung übrigens bereits näher angemeldet ist. DieSnial galt das Konzert ausschlietz- lich Stücken von Mozart. Merkwürdig ist jedenfalls das verschiedeut» liche Verhalten des Publikums z» de»»misikalischcn Grötzen der klassische» und der ronianischen Epoche. Was letztere betrifft, so wird jetzt Mendelssohn, allerdings d e r Komponist, dem die musikalische Moderne ganz besonders entgegensteht, in auffälliger Weise veruach» lässigt. Neben seinen immer»och hie und da onstauchende» Chor» liedern werden seine Sololiedcr u. dgl., die vielleicht ausgesprochensten Zeugen eines vergaugeueu Stils und als solche von höchster Be« deutung, kaum mehr gehört;»eben seinen Virtuoseustücken für Klavier und für Violine cntschlvindet uns seine Kammermusik fast ganz, trotz deS über die Matzen schönen Octettes; und nnr seine Chorwerke und einige seiner Konzertouvertureu sind noch beliebt. Von den Klassikern genietzt Beethoven, obwohl gerade er noch erst neu verstanden werden nmtz, eine unverhältnisinätzige Popularität, insonderheit zu Uugnnsten Mozarts. Dieser hinwider gilt zwar als der„Liebliche", als der Kongionist reizender uud„ewig schöner" Rokoko-Operu; und andrerseits erschlvert er seine Verehrung durch manche Zeichen einer Unentwickelthcit. Allein dem Wesentlichen an ihm werden wir noch immer nicht ganz gerecht. Vor allem nicht dem Umstand, datz er einer der grötzten Kunstrevolntionäre war. Nicht nur die vielbenifeue Einleitung zum C-ckur-Quartett mit den „unharmonischen Querständen" entsetzte die damalige» Zöpfe, auch das IT-thir-Quartett, das, aus Mozarts vorletztem Lebensjahr staiiimeud, diesmal von den Waldemar Meyerschen vorzüglich ge» spielt wurde, enthält Künste der Stiimneiwerlvebung, wie sie noch heute staunen»lachen. Mozart war eben in erster Reihe niilit der �Liebliche"..Reizende", sondern der vielleicht höchste Könner seines Gebiets in dessen säintlichen Partien; es war die— etwa neben Bach— inusikalischeste Natur, ein Genie auch des Klangs; seine speciellen Lagerungen der Accorde wurden nachträglich von Helm- holtz auf physikalischen, Weg als die klangschönsten erwiesen.— Uninittelbar nach diesem Konzert gab es den.Barbier von Sevilla", von der.Freien B o l k s b ü h n e" im Theater des Westens den Mitgliedern vermittelt. Die Nachlässigkeit kennend, mit der die sonst so ehrenwerte Leitung des Theaters gerade diese— seiner Zeit von der Sembrich-Truppe so gut gegebene— Oper herunterschleudern läßt, hatte ich bedauert, das} die.Freie Volksbühne" sich zu keiner besseren Wahl beraten hieß. Mehrmals haben wir die Mängel jener Aufführung und zumal die unwürdigen Cirknsspäge des Herrn Steffens— im übrigen eines ganz tüchtigen Sängers— beklagt und hatten gerade init dem Gedanken an ihn gewarnt vor.einem Sänger, der einzelne Possen reisjt". Mein Vertreter, de», ich am Sonntag, unfähig, noch weiteres dieser Art zu höre», die Last dcS Theaterbesuchs auflud, und der diese unglückliche Aufführung ebenfalls schon kamite, berichtete mir, dag die Oper diesmal allerdings mit gewissen Ausnahmen, erst recht schlapp herunter- gespielt wurde. Die künstlerischen Kräfte jenes Theaters sollten sich doch der Ehrcnverpflichtnng bewußt sein, die ihnen gegenüber den, rübmenswerten BildnngSdraug dieses Publikums und gegenüber dem eckt knnstfreundlichen Streben der„Fr. V." erwächst. Letztere kann schließlich auch schivcr anders, als sich einer Theaterdiieklio», die von der Berliner Kritik beinahe auf Rosen gebettet wird, ans Treu und Glanben anvertraue», wird aber doch gut thnn, nächstens»och vorsichtiger zu sein. Sie hat sich i» hochachtbarer Weise die schwierige Arbeit ansgebnrdet, die Mnsit an ihre Kreise heranzubringen, hat sich mit trefflichen Leistungen zu einem Festhalten und Weuersühren dieser Fortschritte verpflichtet und bedarf jetzt freilich— zu ihren, Lob und zu ihrer Förderung sei's gesagt— deS höchsten Aufgebots ihrer Umsicht und ihrer Hilfskräfte.— ez. Kleines Isenrlleksn. — Der chinesische Stutzer. Die.Köln. Ztg." entnimmt einem englischen Blatt nachfolgende Skizze Über das chinesische Gigerl. Danach muß der Sohn des himmlischen Reichs, um für einen wirk- lichen Stutzer zu gelten, einen mindestens tausend Jahre alten Stammbaun, haben. Mit einer Ahuenreihe von nur sünf oder sechs Jahrhunderten würde man ihn, wollte er sich als Dandy aufspielen, ohne Gnade zun, Parvenü stempeln. Hohes Ansehen in der.Gc- sellschaft" genießt erst der Chinese, dessen Familie bereits vor zwei bis drei Jahrtausenden existiert hat. Durch Reichtim, kann auch in China in dieser oder jener Beziehung etwas erreicht werden; man darf sogar ein Amt kaufen, aber ii» der gesellschaftlichen Stellung eines Mannes spielt Geld überhaupt leine Rolle..Daß Kleider Leute machen", davon ist man selbst im Reiche der Mitte überzeugt. Die Gnlatracht des vornehmen«John China- mann" hat aber nur dann Wert, wenn sie von irgend einen, Urahn herstammt. Seltene Pelze, kunstvolle Stickereien, kostbare orientalische Schmuckstücke, besonders schöne Nephritsteine werden daher von Generation zu Generatio» vererbt. In seine unschätzbaren Erb- gcivänder hüllt sich der chinesische Edelmann natürlich nur bei den wichtigsten Anlässen. Es ist seine heilige Pflicht, die Sache» mög- lickst zu schonen, damit sie seinen Nachkommen erhalten bleiben. Häufiger als er seine Zobel- oder Silberfuchspelze und reichgcsticktcn Roben anlegt, schmückt sich der bezopfte Dandy vielleicht mit einem Jahrtausende alten Nes'hritring von zart seegriiucr Farbe. Dieser Ring, der eine Breite von zivei Ceutiinetern hat und am Damnen getragen wird, ist daS unverkennbare Zeichen dafür, daß der Besitzer seinen Stammbaum bis in die graue Vorzeit zurückdatieren kann. Die Länge der Fingernägel zeigt ebenfalls Rang, gesellschaftliche? Prestige, Macht und Reichtu», an. Der vor- nehme Chinese läßt seine Nägel anderthalb und nicht selten zivei Zoll lang werde». Sie biegen sich wie die Krallen eines Vogels nach innen und legen Zeugnis dafür ab, daß der.Hochgeborene" es nicht»ölig hat, seine Hände zu irgend welcher Arbeit zu gebrauchen. Nimmt der stolze Eigentümer dieser Krallenfinger nicht eine zu hohe sociale Stellung ei», so besteht seine hauptsächlichste Zerstreuung darin, in die sogenannten„Spielhäuser" zu gehen. Gehört er zu den ältesten Geschlechtern des Landes, dann geziemt eS sich für ihn zum Beispiel nicht, daß er sich in das Theater bemüht, die Schauspieler müssen in diesem Fall zu ihm kommen und auf seiner.HauSbühne" aufführen, was er zu sehen begehrt. Einen, ungeschriebenen Gesetze gemäß muß jeder gelb- hantige Aristokrat ein geübter Bogenschütze, ein perfekter Reiter und ein leidenschaftlicher Spieler sein. Koblesss Obligo. Selbst wenn er in eine», Restaurant speist, erfordert es der gute Ton, daß er mit de», Wirt oder mit dem Zählkellner ein Spielchen macht, um zu er- fahren, ob er das Mahl doppelt zu bezahleu hat oder ob es ihn, un, sonst überlassen Iverden niuß. Geht ein zopftragcndeS, echtes Gigerl in den Kleidern, deren Stickereien schon seinen Urgroßvater entzückt haben mögen, an festlichen Tagen spazieren, so ist er von einem Gefolge von Dienern umgeben.' In der linken Hand hält er fast immer einen kleinen Zweig, auf dem ein braunes Vögelche» sitzt. Diesen gefiederten Begleiter schleudert er alle fünfzig Schritt hoch in die Luft. Das Tierchen schwirrt lustig ein wenig umher, schießt danu plötzlich herab und läßt sich, uackdcm es ein Körnchen von den Lippen seines Gebieters genomine» hat, iviedcr auf den Zweig nieder. Dies ist die liebste Beschäftigung dcS chinesischen Gigerls.— — lieber die Gewiunuiiq n»d Verwertung de? Platin sprach G. L i e b e r t in der letzten Sitzung der„Polytechnischen Gesellschaft". Er führte ans, daß fich die Nachrichten über große Platiiifunde in Südamerika«slv. nicht bewahrheitet hätten. Man sei heute noch ganz auf den Ural angewiesen, wo 90 Proz. des Plalins gefunden würden. Die Gesan»ta»isbe»te betrage im Jahre etwa 5000 Kilogramm. Das Platin werde fast ausschließlich in Körnerfor», im Sande gesunde», ans de», es erst hermisgewaschci, werden müsse. Aeußerst selten fände man Platin in Klumpenfonn und diese Funde würde» dann als große Seltenheiten teurer be- zahlt. So habe er für einen etwa 11 Kilogramm schweren Kl, in, Pen von 89 Proz. Platingehalt 16 000 M. gezahlt. 50 Proz. des gesamte» Platins werde in der Zahnindustrie verivendet, 80 Proz. für Zwecke der Chemie und andrer Wissenschaften und 20 Proz. für die Elektrotechnik, für Bijouterien usw. verbraucht. Die Zahnindustrie verwende 8 Millimeter starke Platin- stistchci, zu». Befestigen der küusttichen Zähne an den Platten. Jähr- lich würden 40 Millionen Zähne hergestellt, die 80 Millionen Platin« stiftche» erforderten. De» Wert der Platiufabrikate könne man daraus ersehen, daß z. B. ein 23—30 Kilogramm schwerer Apparat zur Konzentration der Schwefelsäure 75 000 bis 80 000 M. koste. Platindrähte würden bis 0.00001 Millimeter Stärke in Diamant» ivalzcn gewalzt. DaS Platin werde selten rein, sondern mit Iridium, Palladium, Osniimn usw. vermischt gefunden. Und zwar enthielten 5000 Kilogrannn Erz 1000 Kilogramm Neben- Produkte. Durch Verbindung mit Iridium werde Platin stahlhart. Der Redner ging sodann an der Hand von Proben auf die Verwertung dcS Platins, seiner Nebenmetalle»nd seiner durch cheinischc Bchandlnng erzengten Unlerprodiikte, z. B. des für Gasselbstjnnder bemitzten Platinmohr, deS zur Vergoldung von Por- zellan verwendeten GlanzgoldS, des zur Herstellung der.Stahl- perlen", wie sie in der Dainenkostninbranche verwandt werden, gebrauchten Platincklorid ein ,md bemerkte, daß der Preis des Platins von 1892 bis 1901 von 900 M. auf 2700 Wl. für das Kilo gestiegen sei. Die Ausbeutung werde durch ein Syndikat bewirkt. Infolge der kolossalen PreiSsteigernngen seien russische Spekulanten bemüht, die 1885 in Rußland geprägten Platinrubel anfzukanfen, die ihnen eine» Gewinn von 33'/? Proz. abwerfen. Von sehr großen, Werte sei das Platin für chirurgische Zwecke, da es durch Säuren nicht an« gegriffen werde und sich sehr leicht reinigen lasse.— Aus dem Altertum. ,0. Das Gold der alten Aegypter. Der Nestor der französischen Chemiker, Berthelot, hat jüngst eine Arbeit über ägyptisches Gold erscheinen lafsen, woraus die begreifliche Thatsache hervorgeht, daß das Gold aus den älteren Seiten des ägyptischen Reichs keineswegs rein, sondern stark mit Silber versetzt war, da man das letztere Metall noch nicht ausznscheiden wußte. Scheinbar beimtzten die alten Aegypter damals silberhaltiges Gold ans dem Flußlande, woraus sie Münzen und andre Gegenstände herstellte». Eine künstliche Verfeinerung deS Golds wurde erst von den Zeiten des Krösus an in, Orient' ausgeübt. Die Zeit, in der diese Kunst erlernt worden ist. kann durch eine chemische Untersuchung möglichst vieler Goldproben jener Epoche festgestellt werden. Berthelot hat ermittelt, daß goldene Geräte von der fünften bis zur zwölften Dynastie der ägyptischen Herrscher etwa vier Prozent Silber enthalten, während die von der Perserzeit an aus fast rciiicm Gold bestehe». Eine bemerkenswerte Ergänzung zu diesen Studien hat der Chemiker Gladstone in den „Chemical News" geliefert, wo besonders von dem Blattgold die Rede ist, das in den ägyptischen Muniiengräbern gefunden wird. Bis zur achtzehnten Dynastie abwärts wurde dieses Blattgold sicher einfach aus dem Metall hergestellt, wie es in der Natur gefunden wurde, denn es enthält 4-�-18 Proz. Silber. Es läßt sich auch unterscheiden, daß in den ältesten Zeiten, also ii, der erste» Dynastie, das Gold aus einer einzigen Quelle oekominei« sein muß, dem, alle Stücke, die erhalten geblieben sind, zeigen genau dieselbe chemische Zufaininensetzung; die alten Aegypter müssen da- mals also nur einen eiiizigen Fundort für Gold gekannt haben. Später zeigen die goldenen Geräte eine manuigfaltige chemische Zusanunensctzung, sowohl mit Bezug auf den Silber�ehalt, als in der gelegentlichen Veimeuguiig von Kupfer. An einigen Stücken ist ein sehr feiner Ueberzng von Chlorsilber zu bemerken, der sicherlich schon entstanden ist, als das Gold noch im salzigen Wüslensande lag. Nach dem beri'ihintcn Papyrus Harris, der die Geschichte Ramses III. um das Jahr 1200 v. Chr. enthält, machten die Aegypter damals doch schon eine erhebliche Unterscheidung gegen- über dem Gold, dem, es werden darin folgende Goldsorten unter- schiede»: gewöhnliches Gold, reines Gold, gutes Gold, weißes Gold. bestes Gold, Gold von zweiter Qualität, feines Gold des eigne» Landes, Gold des Landes Köbti und Gold von, Lande Kusch.— Ans dem Pflanzenleben. — Mexikanische Wein- Agaven. Die verschiedenen in Mexiko einheimischen Wein-Agaven Iverden teils in kultiviertem, teils in wildwachsendem Znstande zur Gewinnung von weinartigen Gc- (länfeir, von Schnöpson rnib Fasern lflnW. Do? v.'clnartige Getränk Heidt, ivenn v»n der an�cvriuten Sklave gewonnen, p�Iqus. ivenn von der Ivildwnchsenderi gewonnen, tlockigns. Noch der Statistik von 18V7 wurden über Lßt Millionen Liter pulgue und über 242 Millionen Liter tlacdiijus gctvonneit. Die Art und Weise. tvie die Pnlqnc- Agave» aiigrbaut»verde», ist sehr verschieden. Ganz davon abgekoiunicn ist»um, sie auS Same» zu ziehen, weil das zu lange Zeit in Anspruch »iiumt. Vcuutzt können die Agaven»verde»,»venu sie reif geivorden sind und anfangen, einen Stengel zu treiben. Die Pflanze»vird dann zunächst„kastriert", d. h. der beginnende Stengel wird solveit herausgeschnitten, das» das Ausschlagen eines neuen nicht mehr zu fürchte»» ist. Alsdann»vird der operierte Teil mit einigen Blättern der abgeschnittenen Stengel zugedeckt und einige Moiiatc, vier bis ztvölf, unberührt gelassen. Je länger inail das thut, desto zuckerreicher tvird der Saft. Che man denselben cnt- uehmen kann,»»»st jedoch noch eine Operation stattfinden. 8 bis 14 Tage nach dieser kann dann daS Abzapfen des SaftS, der sich in einer durch die letzte Operation i» der fleischigen Masse gebildeten Höhlung sannnelt, beginnen. Dies geschieht mit der Schale eines länglichen Kürbisses, an dessen einem in den Saft getauchten Ende ein röhrenförmiges Horuftück angebracht ist. Nachdem der Saft»Nittels Sauge»?, herausgeholt und in ein ganz gelassenes Ziegen- oder Schaffell gepumpt Ivorden ist.»verde» die Wände der Höhlung mit einen» kurzen, uutei» breiten Eiseugcrät ctlvas ausgeschabt,»veil sich sonst kein neuer Saft ansanunelt. Ans diese»» Saft»vird nun der pulgue bereitet, und zlvar geivöhnlich auf den Gütern selbst; er»vird dann in dci» Städten meist in eignen VerkausShäuscrn verkauft. Kleinere Landtvirte verkaufen ihn a»ch an Zivischenhändler. Sehr große Agaven geben 3 bis 6 Monate täglich 4 Liter Saft»nid mehr,' kleine»»»r 1—2 Liter und hören schon nach 2—3 Monaten auf. Saft abzusondern. Als Durchschnitt rechnet uiai» auf eine Pflanze 200—250 Liter Saft. Der gelvöhnliche Preis, zu den» der pulguv verkauft»vird, ist 2 EIS. für 1 Liter, so daß eine Pflanze im Durchschnitt 8— 10 M. einbringt. Die Agavcnkultur ist deSlvegcn eine sehr sichere und gclviunbringcndc, »veil sie das ganze Jahr hindurch eine tägliche bare Einnahme bringt. ohne viel bare Auslagen zu fordern. Die tlacbiguo tvird in derselben Meise auS den»vildcn Agaven gcivonncn»vie der xulguo auS den kultivierten, doch geben die' wilden Agaven lvenigcr Saft»nid diesen mich nur ein bis ztvei Monat lang» er ist auch zuckerärnicr Und»vcuiger gut iin Geschmack. 1 Liter tlacbigns»vird auch nur mit 1 Cci'it bezahlt. Da cö nicht immer leicht ist. den tlachiquc schlank abzusetzen, so»vird ein großer Teil desselben zu Brauntivein verarbeitet. 100 Liter tlachique geben im Durchschnitt 7 Liter eines bvprocenkigen Schnapses, von dem daS Liter init 15 Cts. verkauft»vird. AiiS pulque»vird viel seltener SchnapS gciuacht. dagegen wird aus den Blätter» der beide» Weinagaven durch Röstung und Zerguetschnng ein SchnapS gelvounen. Häufiger als zur Destillation»verde» diese an den untern Teilen äußerst fleischigen Biälter jedoch als Bichfittter verlvendet. Auch zur Faser- gclvinuuug»verde»» die Blätter der Weinagave manchmal benutzt, die»»eiste Faser»vird aber auS der Siialagave gelvounen. Dermis- geschöpfte und vertrocknete Kern der Weinagävcn liefert znsanunen mit dem Wurzelkopf ein sehr gutes Breninuatcrial.»vodurch die Kosten der Destillation von Schnaps sehr verringert»verde». Die scharfen Endstacheli» der Blätter»verde»» von den Eingeboruen oft nrit de»» an ihnen haftenden Fasern voin Blatt Himveggezogen und, nachdem die letzteren getrocknet und zusanunengeflochlen»vorden sind, als Nähnadel ntit natürlich«»» Zwirn für grobe Nähzlvecke benutzt.— Physikalisches. bt. Die Stromstärke bei B l i tz e n t l a d u n g e n ist vor kurzen» a»lf einem Observatorium bei Modena geinessei»»vorden. ES geschah das, indem Basaltstäve in der Nähe von Blitzableitern in solcher Lage augebracht»ourden. daß die Längsrichtung jede» Stabs senkrecht zu der Ebene stand, die durch leinen Mittelpunkt und die benachbarte geradlinige Strecke der Leitung gelegt»vird. Wenn eine Blitzentladung durch de»» Ableiter gegangen»var, erivieS sich der Basaltstab magnetisch, und auS der Stärke seines Magnetismus ließ sich ein Schluß auf die Stärke des durch den Blitzableiter gegangenen Eutladungsstroms inachen. Auf diese Weise erin ittelte man bei einem Blitz- schlag an» 22. Juli 1000 eine Stromstärke von 20 000 Ampere, bei einem andern in derNachtvo»u2ö.zin»l27.A»ignst eine solche von IIOOOAmPere. Setzt man die Spannung auch nur auf 100 000 Bolt an— eine Zahl, die sicherlich nur als Miniinalspanming gelten kann—, so er- gicbt sich eine Energie von 1 rcsp. 2 Milliarden Volt-Ampere oder Watt, Iva? einer Arbeit von 100 resp. 200 Millionen Kilo gram»»- Meter entspricht. Schade, daß diese»ngehenre ArbeitSleistnng»u- geinitzt verpufft, häufig sogar beträldtlichen Schaden anrichtet. Viel- leicht gelingt es einer' zukünftigen Zeit, den Blitz nicht nur zu fesseln, sondern auch seine Arbeit nutzbar zn machen.— Technisches. — Das Alter der Danipfkessel. Einen intmflaickcn Beitrag zur Geschichte der Dampfkessel liefert ein Aufsatz der „Statistischen jtvrresp." über da? Alter der Dampfkefiel in» König« reich Preußen, 1900 zusammen 83 043. Unter den über 50 Jahre alte» Kesseln(25 Stück) sind nur Walzeukesicl init uud ohne Siede- röhre sowie einfache Flammrohrkessel vorhanden und auch unter de»» 40—50 Jahre alten Kesseln(506- Stück) bilden die gnumnten Arte» bei weitem noch die Neberzahl,»Venn mich bereits Feuerbüchfeukessel in beachtcnsivertcr Zahl sich zeigen. Bei den über 30—40 Jahre alten Dampfcntivicklcrn dagegen treten außer den zuerst genannten die Fcuerbüchsenkessel schon'»vcscntlich in den Vordergrund) stärker »var die? bei der nächst jüngeren Altersklasse der Fall und noch»veit mehr bei den Altersklassen von über 10— 20 Jahren beziehui»gS- »vcise von 10 Jahren und darunter(42 820 Stück): gleichzeitig erf»-enleir sich auch die Kessel„andrer Bauart", unter dtnei» sich»ainentlich die sogenannten„kombinierten Kessel" befinden, einer besonders schnell zunehmenden Berivendiing. Die Flammrohrkessel und die Feuer- bilchscnkessel, welche unter den preußischen Dampfkesseln heute bei iveiten» vorherrsche»», indein erster« 41,8, letztere 36.6 pCt. der Gesaintzahl bilden, haben sich ebenso»vie die cngröhrigen Siederohr- kessel einer stets steigenden Verlvendung zn erfre»len gehabt,»vährend die Ausstellung von einfachen Walzenkesseln und solchen mit Sicde- röhren sowie von Heizröhrenkesicln ohne Fenerbnchse»icuerding? nachgelassen hat. Bon den Flaunnrohrtessel» und den Fencrbüchscn- kesseln»vurden allein je die Hälfte erst in den letzte» zehn Jahren erbaut, und bei den Kesseln andrer Bauart»var dicS sogar mit fast zwei Dritteln der Fall.—(„Tech». Ndsch."j Huuioristischcs. — DaS Non plus ultra.„Sehen Sie ciiunal,»vaS der da drüben für eine Glatze hat." „DaS ist schon gar keine Glatze mehr: das ist ein KrenzungS- Produkt von Straußenei uud Billardk»lgcl."— — Der Musiker in der Gesellschaft.„Sehen Sie. ich habe bis jetzt fünf Opern komponiert, uud von diesen ist nur die dritte erfolglos ge>vesen." „Ach. die ist gciviß aufgeführt»vorden!"—(„Lust. Vl."> b. D e r v e r l i e b t e H»»n n» e r. Eine höchst komische Scene spielte sich an eine»» der lctzlen Rachmiltage nnf den» Verdeck eincS Omnibusses in Paris ab. Ein dicker Herr, eine junge elegante Dame uud ein älterer magerer Herr saßen uebeneinander. Der letztere i»'arf der Dame fortrvährcud heimlich verliebte Blicke zu. aber ohne jeden Erfolg. Plötzlich sprang die Dame aus und rief ihn» z»:„Sie ungehobelter Mensch, begiiügel» Sie sich wenigstcnS mit Blicken, aber kneifen Sie mich nicht!" Und damit gab sie ihm eine Ivohlgezieltc Ohrfeige.„Aber ich habe Sie nicht gekniffen." protestierte der also Angeredete. In den sich nun erhebenden Streit »»fischte sich auch der Gatte der Dame und es entspann sich eine regelrechte Prügelei. Der Schaffner konnte die Kämpfen den nur mit großer Mühe trennen, und das Trio»volltc sich zur Polizei be- geben, als plötzlich hinter ihm der Ruf ertönte:„Mein Hunnner l Er»vill anSrückcn l" Aus den» Korbe einer Haushälterin tauchte in der That eine ungeheuer« Hununerschere auf. Nunmehr klärte sich alles auf: Der Huuuiier»var allein der Schuldige, er hatte verübt,. Ivas den» alten Herrn vorgcivorfcn»var. In daS Gelächter, daS nun entstand, stimmten schließlich auch die drei Beteiligte»» ein.— Notizen. — Die„FreieLittcrarischeGesellschaft" veranstaltet an» Freitag, den 15. März, in» A r ch i t e k t e» h a n s c einen NccitationSabend, au den» Adalbert MattotvSky, Frl. Edela Nüst und Dr. Hanns H. EtverS(von» llebcrbrcttl) vortrage»»»verde».— — August StriudbergS Drama„G u st a v Adolf" ist bei E. Pierson(Dresden und Leipzig) soeben als Buch erschiene»». Die erste Aufführung dcs�StiickS findet noch in diesem Jahre am Schlvedische» Theater in Stockholm statt.— — Drei Einakter von Georg Hirschfcld:„Stein- träger-Louise",„Der undankbare Sohn" und „Griechisch"»Verden in der»lächstei» Saison. von» Josef- st ü d t e r Theater in Wie» aufgeführt werden.— — Nikolaus Roth m ü h l»vird in der nächsten Woche ein Gastspiel im Theater des W e st e»» s eröffnen.— —»Johann von Lothringen", eine lhrische Oper von JoucibreS, erlebt in der nächsten Woche im Theater de? Westens ihre Erstausführung.— — 8t»» 9 ii st B u u g e r t s Musiktragödie„ N a« s i k a a' geht an, 20. März im Dresdner Hoftheater zum erste»»»»»! in Scene.— — Der fünfte Internationale Phhsiologen- Kongreß»vird von» 17. vis 23. September in Turin abgehalten »verde». Gleichzeitig n»it dein Kongreß»vird eine Ausstellung ivissenschaftlicber Jnstrunicute veranstaltet»verde». Die Zoologische Station in?ceapcl»vird eine Sammlung von MeereStiere» aus- stellen, die für daS Studium der vergleichende» Phhsiologie von Wichtigkeit sind.— — Studienreisen für Lehrer»verde» jetzt von Zeit zu Zeit von England aus nnternommen. Die erste dieser 8lrt»vird unter großer Teiluahnie demnächst iiacb den griechischen Inseln ab- gehen, und eine zweite nach den Hauplstädteu Spaniens»vird bereits für die Ostcrfcrien vorbereitet.— e. Brillant-Schwarz. Der in K ü ß n a ch t erscheinende „Freie Schivcizcr" veröffentlicht folgende Bekauntmachuug:„In- serate betreffend Konzerte und„Produktionen" finden während der F a st e»» z e i t im„Freien Scbiveizer" keiiie Aufnahm«.*— Berantwortlicher Redacleur: Heinrich Ströbet m Berlin. Druck und Verlag von Max Badjuz in Berlin.