Hinterhaltungsblatt des Horwärts fix. 59 Mm! .L.f) üi Sonntag, den 24-. März 1901 ' j(Aiachdnul verbotm). 17] Div bunte Meitze. Berliner Ronnm. Bon Fritz Mauthner. Die Szekal nahm mit den fein bchandjchuhten Fingern die Konzession, schnell an sich. ..Wenn Sie erlauben. Herr Neumarnx. Meine Freunde sind ersichren in solchen Geschäften. Und ohne meine Freunde würden Sie ja' doch nichts thun... Sie erlauben doch. Herr Direktor?" „Bitte,«ein Fräulein sagte Schmidt« Leföbbre.„Ich sehe das Blatt noch lieber- in der Hand der Schönheit, als in der Hand des goldnen... des Herrn Neumaun... Gewiß sind Sie. eine meiner Künstlermneu?" Lchnc eine Aritwort zn geben, entfernte sich Fräulein Szekal mit eitwi! freundlichen Verbeugung. „Stoff t" rief Schinidt-Leföbvre. Auf? Neue wurde eingeschenkt, angestoßen, ausgetrunken, und Haiktrngcr satlk o» Bahrmanns Brust. XIV. Schon rnu Tage darauf erschien Mascha in BohrmannS Wohnung, vor zwölf Uhr. Sie störe absichtlich so früh» well Weder der Lehrer noch Leml>e,r zu hören brauchten, was sie mit der lieben Frau Bohrmann zu besprechen hätte. Es war ein kühler, rcguerffcher Tag. Frau Bohrmann hatte mw einen Roman gelesen, einen aus der Leihbibliothek 'von nebenan, wo ihr Mann die Schreibhefte bezog, nnd wo Hilde als LehrerSfraa lesen durfte was sie wollte, ohne dafür«r befahlen. „Stören thu» Sie nie. gnädige Fran. med Herste schon gar nicht. ES giebt Kartoffeln mit Speck. Die Kartoffeln sind angesetzt, und fortig macht sie nachher Lenchen, wenn sie aus der Schule konmit. Das dumme Schulegehen k Bohr' manu wird wenigstens dafür bezahlt, schlecht genug. Aber Lcnchcn... rmgererht ist man zu ihr, und lernen thnt sie doch nichts... Setzen Sie sich. Ich muh nur'ne Bluse überziehen. Ich muß mir ja vor Ihnen schämen in der alten, ausgedienten Wintertaille." ' Schon nach einer Minute kam Hilde wieder, setzte sich Mascha gegenüber a« den Tisch nnd wollte wiffen, was sie so gehennmsvvlk von ihr wolle. " Mascha habe sich gestern vorgenommen, mit Frau Bohr- mann fachlich und offen zu reden, wie es sich zwischen braven Frauen schicke. Bohrnmnn gehe ja soweit ganz anständig gekleidet... für einen Gemeindefchullehrer. Wolle er aber eine größere Rolle spielen, s» müsse er mehr auf fein Acrcheres geben. „Glauben Sie mir, liebe Frau Bohrmann, in jetziger Zeit müssen die Dichter aussehen wie aus emem Modejournal! heraus. Die meisten sehen auch so ans. Sonst ist alle Welt eklich zn ihnen» die Theakerdirektoren und sogar die Schau-- spielcrinueu." Fran Bohrmann imkte ernsthaft. Sie habe sich schon öfter gesagt, ihr Bohrmann wäre tvahrfcheinlich gar kein richtiger. In den FamilienSlättern sei cht so ein Dichter ab- gebildet, immer wie aus dem Ei gepellt, mst'nem Schlips neuester Mode und oft den Pelz umgeworfe». „Ich reiße mich ja auch gar nicht nach Ruhm und sone Sachen, wemr cd noch Geld Soften soll. Ich weiß janz jnt, was ich an meinem Johannes habe. Ein wunderschöner Mann ist er. Hente. wo er die fremden Lackstiefcl anhat, sollten Sie sich nur seine Füße ansehen. Und ich habe mir's am Munde abgespart, mir und den Kindern, um ihn nicht vcrlappen zu lassen. Aber an mir ist nichts gelegen. Wenn Sie glauben, daß es hilft, bei dem Stück, dann möchte ich ja gerne. Nur ans der Haut schneiden kvnn ich es mir nicht... sein Stropazisranzug ist»och sehr gut für die Schule. Und den schwarzen Rock hat er seit»nsrer Hochzeit nicht vielemal an-- gehabt." Em Zug von Haß in Hildes Augen verschwand, als Mascha rasch sagte, sie käme nicht mit ganz leeren Händen. Mit eincni beinahe vornehmen. Lächeln nahm die Lehrersfrau diese Mitteilung ans und blieb dann wie in Träumerei ver« funken. Das Lächeln verschwagid langsam, aber die Zähne blieben sichtbar. Mascha fuhr fort: „Wir dürfen uns nicht zieren, liebe Frau Bohrmann. Man hat dafür in unfren Kreisen entsetzlich scharfe Augen. Oberhemden,.Kragen und Stulpe«, das alles sieht man doch an einem Herrn früher als seine Begabung. Und wenn wir einWaf dabei sind, müssen wir auch gründlich aufräume«. Ein gebildeter Mann muß auch gebildete Unterwäsche haben." Hüde schloß die Augen. Das würde ein Heidengeld kosten. Gerade dazu habe es niemals gelangt. Mascha bat um die Erlaubnis, selbst sehen zu dürfen, was da war. Sie könnte dann besser raten. Eine Weile blickte Hilde ihren Besuch erstaunt an. Dann sagte sie mit einem verächtlichen Tone, der ebensogut dem seltsamen Wunsche wie der schlechten Wäsche gelte» konnte: „Meineüoegcn.", Gleichmütig ging sie voraus in das Zimmer, wo sie seit einige« Monaten mit den Kindern schlief. „Dienerschaft habe ich nicht," sagte sie kurz, um die liederlich gemachten Betten zu entschuldigen, und zog die oberste Schublabe einer Kommode hervor. Zwischen einer Menge alter Bänder und Seidenlappen lag da ein grobes weißes Männerhemb, zwei Wollhemdett und einige grobe, vielfach ausgebesserte Strümpfe. Mascha kniff die Augen ein. netzte die Lippen und zog mit dem Rufe:„Wir sind ja beide Hausfrauen l" rasch den Handschuh ab. Dann fuhr sie mit den Fingern zwischen die sieben Sachen, langte ein Wollhemd hervor und führte eS an das Naschen. „Puh, was für'ne Seife f" Hilde hatte sich mit dem rechten EWogen auf die Kommode gestützt und spöttisch zugeschen. Jetzt brach sie las: „Wenn Ihnen meine Seefe nicht fut genug is. gnädige Frau, dann stocken Sie gefälligst Ihre feine Rase in Ihr feines Taschentuch. Wir Habens nicht dazu. Rich eiimml eine Waschfrau habe ich für die paar Koddern. Und»venn ich ihm dutzcndweis feine Oberhemden kaufen soll, gnädige Frau, so können Sie nachher mich selber waschen lassen. Lluch noch! Und weil wir jrode beim großen Reinemachen sind, gnädige Frau, will ich Ihnen noch ivat sagen. Nicht s o viel mache ich mir aus der ganzen Dichterei, wenn sie nich ein Stück Geld abwirft. Thnt sie's nnd können wir uns nachher ein Mächen halten, meinetwegen mir ein Mächen für alles, dann is gut. und ich will Ihnen nie wieder was sagen. Uebel- nehmerisch bin ich nich. Wenn Sie aber unr so'mal probieren»vollen und mein Johannes nachher mit langer Nase absieht, dann können sie beide was erleben, er und Sie, gnädige Frau... Wissen Sie. was ich ausgeben kann, für alles, alles, alles? Für Wirtschaft und Petroleum und Heizung und das bißchen Kleidung und alle heilige Zeit sich einmal ein bißchen amüsiere»? Wenn alles klappt nnd einem keine Extra-Ausgaben über den Hals komme», siiufundzwanzig Stark die Woche. Da kann ich ihin keine Ertmwnrscht braten und für mein Geld Hemden kaufen. Ich lerne leicht, gnädige Frau. In der Schule nicht, aber nachher habe ich immer leicht gelernt. Ich habe nicht ver- gessen, was Sie mir das letzteinal gesagt haben. Sie sind eine reiche Frau, Sie könne» sich alles bezähmen. Sie haben sich alles bezähmt, nur neugierig sind Sie noch, selbst auf seine geflickten Strümpfe! Die Zeit vertreiben wollen Sie sich, weiter nichts. Ich aber, ich will mir amüsieren! Ich habe mir noch nie was bezähmen können. Jetzt will ich mir amüsieren. Just! Rich so dntum wie eine reiche Frau. Mir schmeckt's noch. Ich will was Solides. Ich will was davon haben. Amüsiere» will ich mir und meinen Kindern was gönnen. Und kommt Bohr- mann nich vorlvärts, so... weiß ich, was ich thu'. Wenn Sie wüßten, was so ein Feldwebel für Ztebeneinuahmen hat, Lehrer oft euch. Aber Bohrmann ist ja zu dumm. Ich ver- steh oft nich. waS Sie an ihm gefressen haben." Hilde hatte sich während ihrer anfangs heftigen Rede langsinn beruhigt und war schließlich ganz geivandt in ihre gewöhnliche Ulster halnmgsweise gefallen. Mascha aber dächte gar nicht daran, sagte sie, den Ausfall übel zu nehmen. Sic «mannte Frau Bohnnann, gab ihr eine» Kuß auf die Wange und sagte: „Sie tapfere Frau, und wie klug Sie sind! Es ist nur NUN noch einmal so lieb, daß ich nnt Ihnen gesprochen habe. Lor ihni hätte ich mich doch genieren müssen, und er würde wohl auch das Geld nicht haben... borgen wollen. Mit der Rückzahlung hat es natürlich keine Eile." Hilde blickte der reichen Frau auf die Hände. Gedanken- los sagte sie: „Wenn es mit der Rückzahlung keine Eile hat.. „ Bei mir brauchen Sie sich gar nicht zu bedanken. Ich kann ja nicht wie ich will. Mein Manu... Sie glauben gar nicht, was eine Frau wie ich oft leiden muß. Bei seinem kolossalen Einkommen rechnet er mir jeden Pfennig nach. Ausgeben kann ich sehr viel, aber jeden Pfennig muß er wissen. Aber da haben wir eine famose Person, eine steinreiche Witwe; 5lietz heißt sie, wenn es Sie interessiert." „Nein." „Auch gut. Also wenn man der sagt, soundso, und du thust ein gutes Werk, so kommt es ihr auf ein Darlehen von zweihundert Thalern nicht an. Und kurz und gut, sie weiß ganz genau, wofür es bestimmt ist. Sie hat es sogar ge- bucht, aber an Rückzahlung denkt sie nicht. Und kurz und gut, liebe Frau Bohrmann, hier bringe ich Ihnen so einen kleinen Check." Ohne zu denken und wie in Träume versunken, be- trachtete Hilde das Stück Papier. Sie sah deutlich die Ziffer: 600 Mark. Was sonst darauf gedruckt und geschrieben stand, ging sie ja nichts an. Sie ließ sich nur erklären, wo und wie sie für diesen Zettel bares Geld bekommen könnte. Dann steckte sie ihn gleichgültig in die Tasche des Rocks und schien aus die weitere Belehrung Maschas kaum zu achten. Bei dem und dem Schneider müsse sich Hans Bohr- mann einen hübschen Straßenanzug machen lassen und einen eleganten für große Gesellschaften, in der und der Handlung müsse sie für ihn die Wäsche besorgen. „Und nicht zu wenig, liebe Frau Bohrmann. Zum mindesten für... für ein Jahr soll es reichen. Und ver- gessen Sie nur ja nicht die Unterwäsche. Soll ich Ihnen einiges von meinem Mann zur Probe schicken? Es wird Ihnen schon gefallen." Mit Kennerschaft verbreitete Mascha sich über Herren- Wäsche. Auch Kinder, Mädchen und Knaben, niüsse man frühzeitig an feine Wäsche gewöhnen. Plötzlich unterbrach sie sich. Wo denn das liebe Kind sei, der Siegfried? „Ach so, der? Der wird wieder bei der Rehmond stecken." Ob sie ihn rufen solle? Nein. Mascha hatte es eilig; auch wäre es besser, wenn Hans von diesem Besuche nichts erführe. Er sei so komisch. Für den nächsten Sonntag werde sie ihn schriftlich einladen, und wegen des Danks für die reiche Witwe... „Das werden Sie ja schon besorgen, gnädige Frau," sagte Hilde gleichgültig.„Bon die Lebendigen muß man's nehmen. Die Toten geben einem doch nichts'raus. Und wenn es mit dem Stück was wird, so zahlen wir es ja zurück." Kaum war Mascha fortgegangen, als Hildef'wie ver- wandelt vor den Spiegel trat. Sie lachte sich an und rief dann Frau Spindler herein. Der schenke sie eine kleine Büchse mit eingemachten Kirschen und erzählte ihr, Bohrmann habe jetzt durch seine Schnftstellerei große Einnahmen, und sie werde sich neue Sache kaufen können. Frau Spindler nahm den größten Anteil an dem Glück ihrer Nachbarin, und so unterhielten sich die beiden Frauen, bis Lenchen aus der Schule kam. Sie sah verweint aus. Nein, nein, es wäre ihr nichts geschehen. Der Regen habe ihr nur so ins Gesicht geschlagen. „Möchtest Wohl einen Regenschirm haben, liebes Kind? Aber jetzt nur schnell in die Küche, das Mittag fertig niachen. Ich muß mich anziehen. Gleich nach Tisch gehen wir aus, Einkäufe niachen." Frau Spindler erbot sich, dem lieben Lenchen zu helfen. Sie habe schon gegessen. Die Rehmond habe dem Friede noch abgegeben. Sonc Teller voll habe die Reymond bei ihr. Als Bohrmann nach Hanse kam, fand er frohe Gesichter. Auch er hatte Gutes zu erzählen. Der Schulinspektor hätte ihn vor denr Rektor und einigen Lehrern gelobt. Fast in unverdiente»» Maße. So geduldig und pädagogisch wie er, »ehe niemand auf die Jndi... Jndividualitätei» der tndcr ein. Gleich nach Tisch setzte Hilde den Hut auf.„Ich habe mit Lenchen was zu besorgen." Als Hilde am nächsten Morgen den Papierzettel gegen bare sechshundert Mark umtauschte, war sie bereits den größten Teil des Geldes in allerlei Läden schuldig geblieben. etwa hundert Mark für Herrenwäsche, das übrige für Seiden» zeug. Sonnenschinne. Regenschirme, Damenhüte. Damenstiefel, Damenmäntel, für einen großen Ankleidespiegel und für Eß» waren. «•;:. XV. S> Als Hilde ihrem Manne die Sachen zeigte, die sie für ihn gekauft hatte, und ihm beinahe mit den Worten Maschas erklärte, warum das nötig sei, war er gerührt und beschämt. Wie gut sein verratenes Weib wart Er hatte ihr gleich am Sonntagabend den peinlichen Anstritt mit dem Assessor erzählt. Dadurch war sie gewiß auf ihren Einfall ge- kommen. Ueber die Mittel zu solchem Aufwände dachte er nach einer oberflächlichen Frage und Hildes flüchtiger Antwort nicht mehr nach. Rechnen war' seine Sache nicht. In der Schule freilich, da lehrte er die vier Species, aber doch nur an erdichteten Beispielen, an Aepfeln und Nüssen, an Metern und Hektolitern. Aber im eignen Leben rechnen? Er war doch nicht wie Herr Neumann. Mit Herrn Lose verglich er sich nicht, an den unglücklichen Gatten Maschas wagte er gar nicht zu denken. Am Dienstag, zu Mittag fand er eine Einladung vor. am nächsten Sonntag um ein Uhr zur Vorlesung zu erscheinen und dann unr drei Uhr gemütlich einen Teller Suppe mitzu- essen. Da ging er entschlossen zu dem vornehmen Schneider, den Hilde ihm empfohlen hatte, und ließ sich Maß nehmen. Noch in dieser Woche sollte der hübsche Straßenanzug fertig sein, nächste Woche das schwarze Paradekostüm. So sehr ihn die Aussicht freute, dem Assessor demnächst_ zu imponieren, er hatte gerade jetzt keine Zeit, an solche Dinge zu denken. Es war ja kurz vor den Ferien, und so hatte er mit der Vorbereitung zu den Schulstunden und mit dein Korrigieren der Hefte mehr zu thun als sonst. Das Lob des Schulinspcktors hatte ihn angefeuert. Sogar seine Aufsätze in der Allgemeinen Lehrerzeitung hatte dieser Gönner freundlich erwähnt. Wenn er erst vom Drama gewußt hättet In der Ansprache des Herrn Schulinspektors war freilich ein rätselhafter Satz vorgekominen. Herr Bohrmai, n solle es sich nicht zu nahe gehen lassen, wenn er seine eigne Muster- hafte Pflichttreue nicht in gleiche». Maß aus seine Kinder ver- erbt habe. Diese Erscheinung lasse sich in Lehrerfamilien häufig beobachten. Damit war Lenchen gemeint, die ja leider niemals gute Censuren nach Hause brachte. Wahrscheinlich hatte der Herr Schulinspektor vernoinnien, Lenchen würde zu Michaeli nicht versetzt werden. Das war schlimm, recht schlimm, aber sie hatte einen guten Kern, den Kern ihrer Mutter. Nur ein bißchen flüchtig war sie, und nicht ininicr aufrichtig; Bohr- mann wußte aus eigner Erfahrung, daß es oft Schuld der Lehrer ist, wenn solche Kinder keine rechten Fortschritte »lachten. Und dann, es war merkwürdig, Lenchens Fortschritte be- kümmerten ihn nicht so sehr. Wenn Siegfried erst in die Schule ging, dann sollte der Herr Schulinspektor sein Wort von den Lehrerskindern zurücknehmen. In diesen letzten Tagen vor den Sonnnerferien vergaß er auch den andren Gedanken, der ihn in der letzten Zeit nutunter vor dem Schlafengehen beunruhigt hatte. Seitdem er, einer Laune von Mascha zuliebe, ein be- sonderes Schlafzimnier für sich hatte, verband er ja seine Mühe und Sorgen vielfach mit der Erinnerung an Mascha. Nun hätte er den kleinen Aussatz über die Steilschrift am Montagnachnnttag z. B., während Hilde und Lenchen fort waren, ruhig zu Ende schreiben können. Davon verstand Mascha nichts, und darin hätte sie ihn auch nicht irre niachen können. In, Gegenteil, ihre eigne Handschrift war in der Schule offenbar vernachlässigt worden. Da war aber sein altes Versprechen, das Buch über das Verhältnis von Kirche und Schule anzuzeigen. Und da war neuerdings eine Relief- karte von Palästina, die ihm die Schriftleitung der All- gemeinen Lchrerzeitung" zugesendet hatte»nt dem Bemerken, er werde sicherlich Veranlassung haben, die Anschaffung dieses vortrefflichen Hilfsmittels zur Kenntnis des heiligen Landes auch der kleinste» Dorfschule zu enipfehlen. lFortsetzimg folgt.) _ 2; lNachdruck verboten.) Mskhe. Bon Dorothea Goebeler. Langsam stieg Käthe die steile Hintertreppe enipor. Sie war rechtschaffen müde. Rein wahrhaftig, es war kein Späh, so den Tag über im Geschäft herumzuwirtschaften. Dieses endlose Stehen, und die schwere Zuschneideschere zog Blasen an den Fingern. Sie blieb einen Augenblick stehen und rieb die Hand. Am Ballen hatte die Schere eine tiefe Rille eingepreßt, die brannte und stach. O ja leicht war es nicht, aber doch, man wußte wenigstens endlich, ivozu man da ivar. Wenn nur die Wohnung etwaö näher gelegen hätte l Bon der Wallstraße nach der Horusträße ei» endloser Weg. Aber natürlich, man mußte ja im Westen wohnen: wem» es auch nur in'uer Hof- Wohnung war. Jaivohl Hofwohming. WaS an dein Garten schon Garten war. Mit einem verächtlichen Blick sah sie durch das Flurfenster auf das armselige Rasenstück im Hofe, in der ungewissen Dunkelheit des Abends sah es noch jämmerlicher auS wie am Tage. Aber jetzt war sie endlich da. Sie blieb stehen und reckte sich gähnend, dann zog sie die Glocke. Walter, Oberlehrer, stand auf dem blanken Metallschild daneben. Drinnen blieb einen Moment alles still, dann stürmte» Knabenschritte den Korridor entlang, die Thür wurde aufgerissen. »Ach Du bist es, Käthe", sagte der Junge. „Ja, wer soll es denn wohl sonst sein?* Sie legte Hut und Mantel ab und hing sie über den Kleiderständer. Der Junge sagte:„Du, eS ist Besuch da— Frau Direktor Ernesti; Mama läßt Dir sagen. Du möchtest doch in den Salon kommen, und dann sollst Du sagen, Du kommst aus dem Bictoria- Lyceum, da« hat Mama ihr gesagt." Er dämpfte die Stimme zu einem Flüstern. „So, aus dem Bictoria-Lhceum?" fie nickte und ein fast unmerk- liches Lächeln zog um ihren Mund. Daun ging sie gerademvegs nach rechts in die große Berliner Stube. „Du sollst doch nach vorn kommen", wiederholte der Junge. Die Zimmer»ach dem ersten Hofe waren„vorn". .Laß' nur l" Sie trat an den langen Tisch, über dem die Hängelampe brannte, ließ sich schwer anf einen Stuhl fallen und stützte den Kopf in die Hand. Sie sah blaß und vergrämt aus, und das Trauerkleid hob ihre Farben nicht. Eine ganze Weile saß sie so. Der Jnnge hatte sich am andern Ende des Tisches über seine Schnlarbeilen hergemacht. Kein Wort wurde laut. Dann klappte draußen eine Thür. Stimme» erklangen, Schritte gingen über den Korridor, ein Schlüssel drehte sich im Schloß. Gleich darauf wurde die Thür aufgerissen und die Mutter kam herein. Sie war ganz außer Atem:„Endlich ist die weg, es wurde Zeit. Warum bist Du nicht hereingekommen, Kälhe!" „Ich bin müde." Das Mädchen sagte eS, ohne sich zu rühren. Die Mutter zuckte die Achseln:„Natürlich, müde, heißt so viel wie: warum muß ich laufen? Der Weg ist mir zu weit." „Ach, aber Mama!" „Bist auch gar nicht zu schade dazu. Die halbe Stunde. Und Du weißt ganz genau, daß ich Dir jetzt kein Abonnement kaufen kann. Fritz muß Schulbücher haben und jetzt scheuten sie dem Direktor was zum Jubiläum, da kann er auch nicht unter'ner Mark geben. Na, da bringt ja Sophie das Abendbrot. Haben wir noch genug Brot, Sophie?" „Ja, Maina I" Die ziveite Tochter war mit einer Tablette hereingekoinmen und ordnete das Geschirr auf dem Tisch. Sie nickte der Schivester zu: Abend, Käthe." „Sie mault mal wieder," meinte die Mutter.„Der Weg ist ihr zu iveit." „Aber gar nicht, Mama." KätheS Stimme gitterte. Sie sah auf die Vorräte, die die Schivester aiiftrug; ein Zug der Ent- täuschung flog über ihr Gesicht:„Ich denke, Ihr wolltet heute roheu Schinkeii holen?" „Wollten wir? Jaivohl, wollte» wir." Die Mutter lacht nervös:„Es wird wohl kein Geld dazu dageivesen sein." Du hörst doch, daß die Ernestie hier war." sagte die Schwester. „Ich habe für die vierzig Pfennig Apfelkuchen geholt. Sie sagt ja sonst zu allen Bekannten, bei Walters ist es jetzt so annselig, daß man nicht mal nichr was vorgesetzt bekommt." „Die Schmalzstulle schmeckt ja auch." Käthe biß schon tapfer ein. „Ja, wenn ivrr es essen, wirst Du es wohl auch essen können." Die Mutter ivarf den Kopf zurück.„Ich hätte Dir ja auch'n Stück Kuchen aufbeben können, es ivaren aber nur vier da, und anstands- halber mußten wir doch alle mitessen." „Ja, natürlich." Käthe sah geradeaus.„Was sollte ich da sagen n»it dem Victoria-Lyceum?" Sophie lachte:„Wir haben ihr gesagt. Du wärst zur Stunde da." „Sollte ich ihr vielleicht sagen, meine Tochter ist im Geschäft als Zuschneiderin? Schlimm genug, daß Du mal auf den Beruf versessen warst." „Er bringt doch wenigstens was ein," entschuldigte Käthe. .Ach, das soll ivohl'ne Spitze fiir mich sein?" Sophie fuhr anf.„Weil ich nur die drei Mark von Dir geborgt habe zn der seideneu Schürze? Ja, ich muß doch anständig aussehen, wenn hier einer kommt I Du bist ja nicht hier, aber ich muß repräscn- ticren I" Käthe schlvieg. Die andre wurde immer eifriger:„ttitd das will ich Dir mal sagen, Käthe, lieber verdiene ich nur fünf Groschen den Tag und male' meine Fächer, als daß ich so'ne Konfektioneuse würde wie Du. Dn bist abscheulich, Käthe I Einem das vorzu- halten!" «Ach Gott, laß sie doch I" Die Mutter wehrte ab.„Du weißt ja, wie sie ist. Wcnn's nach ihr ginge, zögen.wir nach der Ritter- straße oder da wohin. Du lerntest schneidern nud Fritz käme auf die Volksschule." „Aber nur, weil er auf dem Gymnasium doch nicht mitkommt, Maina." „Und wenn er zehnmal nicht mitkommt, ich schicke meinen Jungen nicht auf die Volksschule. Der Skandal bei den Bekannten I" „Es wär' doch nur, iveil Du denn weniger Sorgen hättest, Mama, die Bücher und das Schulgeld, das kostet doch allcS soviel." In Käthens Augen standen Thräueu. „Und Du mußt ja eiitbehreu, nicht Ivahr?" Die Mutter sprang auf.„Ach Gott ja, Du annes Kind—, verdienst das meiste Geld im Haus und hast kein Fahrgeld und kein Schinkenbrot! Aber daS hast Du von Deinem Vater, Käthe— der war auch so; immer nur ja recht klein und erbärmlich, und immer hübsch nach der Decke strecken, und, Ivie man dann vor den Leuten dasteht, das ist egal.— Rein, Ihr habt keinen Familiensinn, Ihr Walters. Du hast ihn auch nicht! Gar keinen Familiensinn hast Du!" Sie schritt mit sprühenden Augen auf und ab, und ihre lange Schleppe fegte durch daS Zimmer.— Kleines Feuillekon. tv. Im botanischen Garte» zeigt jetzt eine unsrer Volks« tümlichsleu und beliebtesten Pflanzen, die Primel, bereits die ersten Blätter. Die Primelarteu, sämtlich den kälteren Ländern an« gehörig, sind großenteils im Hochgebirge heinüsch, Ivo sie in den Geröllhalden zur Vervollständigung des üppigen und so überaus reichen Vegetationsbildcs beitragen. An der Primel ist viel des Interessanten. So zeigt zunächst bei den ausdauernden Primeln, welche sich in den Spalten schroff ab« fallender Felswände ansiedeln, die Wurzel die Eigenschaft, einen Zug auf den Stamm auszuüben. Die gedrängt stehende Blattrosette der Primelpflanze bildet eine etwa 10 Millimeter lange Achse, und in einer Blattachse derselben wird die Verlängerung, die Rosette für das nächste Jahr, im Herbst angelegt. Es müßte sich nun eigentlich der Stamm der Pflanze mit jedem Jahre im« ein solches Stück, also etwa 1 Centimeter, verlängern. Merkwürdigerweise geschieht dies nicht, man hat vielinehr festgestellt, daß nach vielen Jahren die Rosette mir ebenso weit von der Fels« wand entfernt war wie zu Beginn des Wachstums der Pflanze. Dies ist so zu erklären, daß die' Wurzel den Stammtcil um so viel in den FelSspalt hineinzuziehen vermag, als etwa die jährliche Ver« längernng beträgt. Es kann dies aber wieder nur geschehen, wenn dazii Platz geschaffen wird dadurch, daß am Grunde der Wurzel ein entsprecheiidcs Stück abstirbt; das Verwesende wird der Pflanze natürlich als Dung gleichzeitig nützlich werden. Diese Eigen- tümlichkeit mag in der Kultur der Pflanze wohl abhanden gekommen sein, es erklärt sich aber daraus vielleicht das häufige Wackeln und Umkippen unsrer Primeln im Topfe. Eine weitere Merkwürdigkeit dieser Frühlingsblumen ist, daß bei derselben Art stets Blüte» erscheinen, bei welchen der Stempel die Staubbeutel an Länge überragt und solche, deren Stempel kürzer ist, d. h. tiefer sitzt, als die Staubgefäße. Es weist dies auf de- absichtigte Kreuzung durch Jnsektenbcsrnchtung hin, denn daS Tier welches sich beim Suchen nach Honig in einer Blüte mit längere» Staubgefäßen mit Blütenstaub beladet, muß denselben auf einer umgekehrt eingerichteten Blüte anf dem Stempel ablagern, da dessen Narbe genau an der Stelle im Blumenkroncnschlund steht, wo bei der vorigen die Staubbeutel saßen. WaS aber das Durckiführen der gewünschten Kreuzung noch ficherer macht, das ist, daß je nach der Art entweder die laug- oder die kurzgnffeligcn Pflanzen früher zur Eiitwicklnug kommen. Welchen Erfolg dies hat, mag folgendes Beispiel zeige». Bei einer Primelart werden die Individuen mit langgrisfeligen Blüten zuerst ausgebildet. Nun tritt aber auch der Rcifezustaud stets früher beim Pollen oder bei der Narbe ein— nicht bei beiden gleichzeitig— und so wird es bedingt, daß die Insekten nur Pflanzen einer andren Art mit dem Pollen dieser lnnggriffeligen Priincl zu befruchten, resp. die Narbe dieser letzteren mit andersartigem Blüten- staub zu belegen vermögen. Auf diese Weise erklärt sich das Entstehen der sehr vielen Spiel- arten bei den Primeln. Bei vors«breitender Vegetation tritt dann auch der Zeitpunkt ein, wo die Staubgefäße und Stempel von Pflanzen derselben Art zugleich reif sind, und so wird auch daS Erhalten der Art gesichert. Endlich ist auch»och anf den Fall Bedacht genommen, daß etwa eine Blume von Insekte» nicht besucht. mithin nicht befruchtet werden könnte; es Kitt da»» Selbstbefruchtung ci», indem durch Krümmen oder Strecken der einzelnen Teile die Narbe mit den zugehörigen Staubgefäßen in Berührung gebracht wird. Allerdings geschieht dies stets nur bei den langgrisfeligen oder de» kurzgriffelige» Individuen derselben Art, doch sucht die Natur die andren, welche sonnt zn kurz kornnuni, zu entschädigen, indem sie ihnen schöner gefärbte oder größere Blirtcu verleiht als den mif Selbstbefrnchtmig eingerichteten Pflanze», damit so die Insekten besser darauf hingewiesen werden.— Erziehung und Unterricht. Ir. Schuleufür gelähmte Kinder. Eine nNeressantc Neuerung wird in kurzem in das Londoner Schnlsystenr eingeführt werden. Im Juni sollen vier besonder« Schulen für gelähmte Kinder eröffnet werden, und wo immer eS nötig ist, sollen diesei in Krankenwagen nach der Schule gebracht werden. Die Schntbehörde hat soeben die Einrichtungen für die Leitung der vier Schulen, die am 2ö. Huui eröffnet werden, genehmigt. Jede Schule wird ein Lokalkonütce von zwölf Personen erhalten; diese sollen sich selbst freiwillige Hilfe heranziehen. Das Komitee wird aus einer gleichen Anzahl Mminor und Frauen bestehen: ivemi möglich sollen mich Mediziner mitwirken. Die Krankenwagen werden unter der Obhnt geschulter Wärterinnen stehen, die auch snr die Kinder in der Schule zu sorgen Habel». Die Behörde Wird leine Mahl- jeiten liefern, aber Einrichtungen treffe», das; die Kinder eure Miltagsmahlzeit erhalten und während der Spielzeit twufsichtigt werden. Bei sehr armen Kindern wird die.London School Dinner Association" für Mahlzeiten sorgen. Es_ftiebt in London gegen 700 gelähmte Kinder, die für diese besondere» Schule» in Betracht kommen: die Kosten für ein Kind Werden etwa dreimal so groß sein wie für ein gesundes Kind. Dieses Werk ist der Behörde durch ein Gesetz vom Jahre 1839 übertragen worden.- Die Wirkung der Neuernng wird darin bestehen, daß viele arme gelähmte Kinder jetzt vielleicht zum erstenmal täglich die frische Luft genießen werden, ein Luxus, den die gewöhnlichen llnistände ihres' elende» Lebens bisher im- möglich machten. MrS. Humpbrey Ward interessiert sich besonders für diests Werk und hat vor einiger Zeit ein Schule in Travistock- place errichtet, die von der Behörde jetzt iibernouime» und unterhalten wird.— Medizinisches. — Die Verwendung des LeinlS in der Säng- lingS-Ernährung. D r. Mehler schreibt tu der.Umschau": Es ist vielfach üblich, in der Säuglingsernährung leinchaltige Ftüsstg- keilen. Wie Abkochungen aus KalbSbwchen. Hansenblaje oder Gelatine. entweder an Stelle von Schleim zur Verdünnung der Milch zu geben oder auch, besonders bei älteren, blaffen, abgemagerten und appetit- losen Kindern, Fruchtgclatine»der die erlvähnten Abkochungen zu verordnen. Der in diesen Flüssigkeiten enthaltene Leim ist dabei das Wirksamste, und Dr. Gregor Gail an der Universitnts- Kinderktiuik in Breslau hat die Berwendnng des Leuns in der Sänglingsernähruirg systematisch und experimentell geprüft, um diese noch wenig untersuchte Materie auf ihre Zulässigkeit zu er- proben. Mau beurteilt bekanntlich den Erfolg einer Ernährung beim Säugling nicht allein nach dem Verhalten des Körpergelvichts und dem Verhalten bei der Verdmnrng. sondern nach den, allgemeine Zustande des Kinds am Ende des Säuglingsalters. Wenn nun ohne weiteres feststeht, daß das an der Brust enrährte Kind nm diese Zeit, was regelmäßiges Körpcrwachstum und zweckmäßige Eni- lvicklutrg de? Skeletts, der MnSkrlatnr und des Fettpolsters au- langt, weit günstigere Berhältnisse aufweist, als das künstlich ernährte 5ri»d, so ist noch besonders die Thatsache von größter Bedentiing. daß trotz des West günstigeren Resultats der Eimeißlonsmu eines normal gedeihenden KindeS tu der Regel viel niedriger ist als der- jenige des küustlich ernährte» Säuglings. Der Versirch. aus der Kuhmilch durch Modifikation der quantitatwen Verhältnisse des FettS und des Milchzuckers eine der Frauenmilch ähnliche Nahrung darzustellen, hat trotz einer großen Reihe verschiedenster Methoden nickt zum Ziel gesährt. wenigstens zeigt daS Verhalten an jchtverer Ernahrimgsstöriing leidender Kinder ein durchcmS andres Bild, wenn das kranke Kind an die Brust gelegt wird oder wenn es künstliche Präparate erhält. Die Erfahrung zeigt, daß nran bei der künstlichen Ernährung mit den Bestandteilen der Tiemülch allein in der Regel nicht auskommt: deshalb hat man von jeher schon eiiveiß» sparende Substanzen der Kuhmilch zugesetzt, vor allem Kohlehydrate in der Form von Stärke sSchlcnni oder Milchzucker. DaS nötige Fett hat man unverändert als Tiermilchsett gegeben. Leim dagegen. der in der späteren Ernährmig eine so große Rolle spielt nnd eilveißiparend ist, hat mmi als Säuglingsnahrung kaum genügend erprobt. Bei der Behandlung der akuten Ernährungsstörungen, namentlich deS frühen Säuglingsalters, muß man häufig die Eitveißzufnhr für kurze Zeit ganz unterbrechen oder wenigstens sie erheblich ein- schräukrn, selbst wenn dadurch die Nahrung zeitweise unzureichend wird und das Kind an Körpergewicht verliert. Wenn man einem mi akuter Magendarmstöruiig erkrankten Kind, welches vermehrte Stühle. Erbrechen und Fieber hat. für Lt— 48 Stunden statt seiner bisherigen Nahrung Wasserdiät, d. h. Thee-Ansguß oder nur ver- stißtes Waffer gicbl, so ichwjliden säst stets rasch die KrankheitS- syniptome und das Fieber fällt ab. Man nimmt jedoch bei dieser Behandlung notgednmgen eins Gewichtsabnahme mit in de» Kauf, die wohl, je nach der Ernährung des Kinds, verschieden groß sein kann, selbst im günstigsten Fall aber erst nach Tagen, gewöhnlich jedoch erst nach Woche» allmählich wieder and- geglichen wird. Dieser starke Gewichtsverlust ließe sich nur dadurch vermeiden, wen» man cin«i Rahrnngsstoff fände, der in sdieser kritischen Zeit noch neben Wasser und Salzen ohne Schaden gegeben werden kann, und der den parken Eklveißverbrauch des SäiiglingS in dieser Periode einschränken würde. In diesem Sinn versuchte nun der Berfaffcr Leun zu geben, und zwar entweder in der Form von L prozentigen Gcla'tinelösungrn oder Extrakte ans Schweins- nnd Kalbsknochen.—' Die.Lprozentige Gelatinelösimg' erhwkt noch einen geringen Zusatz von Saccharin med wurde in dieser Eorin in allen Fällen anstandslos mehrere Tage lang von den cniglingen aiifgeiiommen. Die Erschermmgeir, welche im Gefolge dieser Behandliing bei magendarmkranken" Sängkmgen beobachtet wurden, Zeigten ein jibereinstimmeird-s Verhaltet?, Zunächst trat eine Besserung der Symptome ein: Absinken des Fieber?, da? Er- brechest �höite cmß die Kinder wurden rnhiger, die Zahl der Stühle bermnidchlte sich. Am 3, oder 4, Tage ivurden dann der Gelatine- lösnng kleine Mlchnienge».wllesetzt In dieser Zeit erwartet man' dann, wenn die krankhaften Symptome vorüber find, wieder Aitftrcten normaler Stiihke, Statt deffcn atier setzten in diesen Fällen äußerst heftige Diarrhöen ein, die besonder? dadurch charakteristisch waren, daß rrütcr starkem Pressen fast irnrniterbrochen blutiger Schleim entleert wurde. Dabei trat Fieber bis 41 Gmd auf. Sofort nach Aussetzen der Leiimwhrnng verschwaiiden diese Diarrhöe» nnd bei Wledei-anfnahnw der gewölrnlichen Nabrring ohne Leim traten seine iieneN Dnrchfäkle mehr ans. DaS Körchergetvicht nahm ivähreird der Gekatmelösmig nickt al'. sondern zeigte eher eine Znnahnie. in dieser Bezrrhnnz entsprach also der Leinr deir gehegten Erwartimgew Aach den» Berhalten des Körpergewschts also kann man amichmeir, daß der Leim, wie beim Tierversuch, so anch vom kranken Sänglmg anfgenonlmen Ivird und zeitweise Fett nnd Kohlehydrate ersetzen resp, Eiweiß vor Zerfirll schützen kann. Trotz dieser einseitig günstigen Erfahrnng aber zeigte die Beobachtung an 12 kranken Säuglingen übereinstininiend. daß der Leim zivar ein leicht reforb'ierbarer und asfiinilier- barer Nahriinasstoff ist nnd daß er, anakog den» Tier- versuch, eiweißsparend Ivirft, dagegen aber sellfft in kleinen Mengen den kindlichen Darm schädigte. Damit ist aber seine Bravchl'arteit bei der SänglingSernährmig i» Frage gestellt. Ein Stoff kann wohl das Eiweiß im Körper erhalten, iimß aber des- halb noch lange nicht ei» branchbarer Bestandteil der NahrMch sti»>.— Humoriftiicfics. — Hyperbel.»Weser neuer Basfist— das is a' Sänger I So'was haben S' noch nicht g'hört t... Der hat au' Baß, ats Ivenu er a' Kellcrstieg'n g'schluckt Hütt' I'— — Im Eifer, Prinzipal(ziun CommiS):»Trotzdem ein neues Jahrhundert seinen Aitfalig uahrn, haben Sie im EinlaufSbilch am 1. Januar auf der gleichen Seite weiter geschrieben.... Ich verlange ja nicht, daß jedes neue Jahr mit einer neuen Seile begonnen Wird, aber bei Beginn eines neuen Jahrhunderts muß unbedingt die Seite gewechselt werden l... Merken Sie sich das!"— — Der junge Tierarzt.»Ra, lvarnm so mißvergnügt. Huborliaiier? Ihr Sohn ist doch jetzt endlich Trewrzt geworden t" »DeeS iS'S ja l S o I a n g hat er studiert, vis i' nur nock> a' einzige Kuh im Stall g'habt Hab, nnd die hat er mir jetzt— totkuriert!"—(»Flieg, Bl.") Bncher-Eknlanf. — D r. Ludwig T h o m a:»Assessor K a r l ch e n Novellen. München. Albert Langel«.— — A, DumaS fils:»Eine In g en d er i»n er un g Novelle». Deutsch von Ludwig Scharf und Wilhelm Thal. München. Albert Langen.— — Emile Zola:»Die Tanzkarte'. Novelle«!, Deutsch von Ernst Hardt. München. Albert Langen.— — Emile Zola:»Der Zusammenbruch". Jllnstrierte Ausgabe. Heft 18— 25. Stuttgart nnd Leipzig. Deutsche Verlog,?- anstalt. Preis des EinzelhcstS 4V Pf.— — Leo Berg:»Gefesselte Kunst". Berlin. Hermann Walther(Friedrich Bachlh).— — Dr. Hans Landsberg:»Hermaun Silber- m a n n Moderne Essays zur Kmrsr nnd Litteratirr. Heft 5 und 9. Berlin. Gose u. Tetzlaff.— — Leo Tolstoj:»Aufruf au die Menschheit''. Deutsch von Wladimir Cznmikow. Leipzig, Engen Diederichs.— — L. Tolstoj:„Ehopin Prsliide". Deutsch uyn G. v, Gütschonr. 3. Rnflage. Leipzig. Walther Fiedler.— — Leo Tolstoj:„Ueber Gott und Christen- tum". Deutsch von Dr. U. Syrkiir. 9. Auflage. Berlin. Hugo Steinitz.— —.I. G.Vogt:„Die illustrierte Welt der Er- f.iv düngen". Lieferung 29—30. Leipzig. E, Wiest Nachf.— . Arrautivarllicher Reboctein: Heinrich Ströbel in Berlin. Drink lind Verlag von Max Babing in Berlin.