Hlnterhaltungsblatt des Horwäris Nr. 60 Dlenstag. den 26 März 1301 (Nachdruck verboten). 18� Die bunfe Veihe. Berliner Roman. Von Fritz M a n th n e r. Wenn Botzrmann nun so des Abends noch auf und nieder ging und überlegte, waS er in diesen beide» Fällen zu sagen hätte, tönte die lachende Stimme Maschas vor seinem inneren Ohr daztvischcn oder gar die Unterhaltung ihrer Gesellschaft. So oft er noch bei ihr gewesen war. keiner der Gäste hatte einen . Siirchcnbcsnch erwähnt, einen Prediger genannt oder gar vom heiligen Land gesprochen. Nun wußte zwar Bohrniaiin, daß diese Gesellschaftskreise durchaus nicht strcnggsäubig waren; wurden doch sogar Juden eingeladen, wie dieser Herr Doktor Kattowitzcr»»fraglich zu sein schien. Auch»viißte er, daß ihm die Gleichgültigkeit, ja selbst der Unglaube andrer nichts an- haben konnte. Ans dem Seminar waren unter den jungen Leuten seiner Klasse einige heimliche Atheisten gewesen, die greuliche Reden führten,»venu kein Aufseher zugegen war. Ihn hatte daS nicht berührt. Jetzt aber ertappte er sich dabei, daß er des AbcndZ im Geiste mit Mascha über das Verhältnis von Kirche und Schule und über die Bedeutung des heiligen Landes für den geographischen Unterricht sprach, und daß er dabei Ansichten entwickelte, die zwar maßvoll das Hergebrachte erhalten wollten, aber doch einer vorsichtigen Reform zusteuerten und jedenfalls für die Lehrerzeitung nicht paßten. Um seiner Vcr- bindung niit diesem Blatte willen schmerzte ihn die Wand- liuig. um Maschas willen freute sie ihn. "Da. er aber an beide kleine Aufsätze oder Recensionen erst in den Ferien gehen wollte, konnte er das gründliche Durch- denken der Frage am Ende noch hinausschieben. Bis in die ersten Tage des Juli hatte er genug zu thun, um sich weiter durch musterhafte Pflichterfüllung auszuzeichnen. So verging auch diese Woche, die Werktage bis zu dem Tag des Herrn, an dem er mit Mascha über sein Drama sprechen sollte. In dieser Stimmung erivachte er am Sonntag, rind sie verließ ihn nicht, während er in den Vormittagsstunden versuchte, das Buch(über das Verhältnis zwischen Kirche und Staat mit besonderer Beziehung auf die Volksschule) zum zweitenmal zn lesen... Sein Beruf machte ihm ja Freude, den würde er so leicht nicht anfgeben, auch wenn dem„Hohen Lied" der große Erfolg winkte. Aber die Thätigkeit für die„Attge- meine Lehrerzeitung", darauf wollte er verzichten. Das machte ihm jetzt wirklich zu viel zu schaffen. Nicht das Lesen und ' das Schreiben, aber die unwillkürliche Nötigung, sich selbst auf seine Ueberzeugnngen zu Prüfen. Da war es doch besser, die Mußestunde» an seineu höheren Beruf zu tuenden. Mascha hatte von andern Stricke»» gesprochen, die bemts in seinem Pnlte lägen. Das war von ihr nicht ganz ehrlich gewesen. Aber in seinem Kopfe sproßten sie doch bereits, die patriotischen Dramen. Auf„Das hohe Lied" wird entweder „Siegfried" folgen oder ein Hohenzollern-Dranra. Der erste Markgraf schwebte»hin vor," und dam» wieder der Große Kurfiwst. Nicht al§ ob er irgend eine Sceue oder eine Ge- stalt oder eine bestimmte Handlung vor sich gesehen hätte; das ninßte nachher kommen, dazu war er ein Dichter. Nur die Titel der künftigen Dramen lockten ihn. So vertrödelte er die Stunden. Es konnte nicht mehr viel zn Mittag fehlen, denn er hörte in der Küche Hilde und Lenchen lachen und Töpfe schieben. Nach dem Essen, an dem er wieder nicht teilnahni, wollte er den neuen kostbaren All- zug vornehmen und zu seiner Egeria eilen. Da klingelte es draußen, und kurz darauf klopfte es an seiner Thür. Lehrer Müller trat herein, sein alter Freund Martin Müller, der Pastorssohn, der lieber hatte Lehrer als Prediger werden»vollen, mit dem er in der Präparaude Lust und Schmerz geteilt, und mit dem er auf dem Seminar eine» ctvigeu Bund geschlossen hatte. DaS Leben hatte sie aus- cinandergebracht, dann hatten sie sich in Bcrlii»»viedergcfnnden und lehrten und wohnten sogar iin selben Bezirk. Martin Miiller»var Lcnchens Klassenlehrer. Müller und seine Frau, eine Bauerntochter aus dem Oderbruch, hatte»» sich der Familie Bohrmaun zuerst herzlich angenouunen. Müller»var bei Bohrmanns Ankunft schon zlvei Jahre in Berlin geivescn. Der Verkehr»var einige Monate lang ein sehr inniger. Dann blieben Müllers 5linder plötzlich fort, Frau Müller kam seltener und seltener, und endlich ließ sich auch Martin selbst nicht mehr sehen. Hilde hatte das einfach damit erklärt, daß die Vaiierntochter neidisch und eifersüchtig sei. Wie Martin Müller jetzt vor ihin stand, so. hager und ungelenk»vie damals im Seminar, bartlos, mit seinen groben. harten Zügen»md mit seinen blitzenden blauen Augen,»nit seinem kurze»», n»ilitärisch geschilittenen Haar, da beivegte'es Bohrmanns Herz. Beide Hände reichte"er dem alten Freunde und rief: „Das ist mir ein glücklicher Tag! Martin, Martin,»vie schlecht habe»» wir den ewigen Bund gehalten!" Gemessen und nüchtern ertviderte Müller, eben diese Erinnerung habe ihn und seine Fra»» heute hergeführt. „Deine Frau ist auch da? Wie»vird sich Hilde freuen k Da»vill ich doch gleich.. „Bleib'. Meine Frau hat»nit der Deinigen zu rede». Allein cS soll von ihr abhängen, ob sie Dir alles»nitteilen »vill. Dein Lenchen ist auf schlechten Wegen. Ich halte cS für richtig, ihr diesmal zu verzeihen und das Mutterherz durch die Sorge zu erschüttern. Deshalb habe ich meine Frau überredet, von Weib zn Weib mit ihr zu sprechen. Ich hätte kann» die richtigen Worte gefunden. Ich bin mit-' gekommen,»vcil meine Frau es»vünschte, und... JohainreS, »veil ich Dich gern»vicdergcsehen hätte. Bon den Kollegen höre ich immer Gutes von Dir, aus der Schllle. Willst Du mir sagen.»vnS Du sonst treibst?" Bohrmann»var froh. So bestand der alte Freundschafts- bund noch. Mit Martin hatte er auf dem Seminar alle Zivcifcl durchgckäinpft. Und so fing er sofort davon zusprechen an,»vas ihn» im Augenblick daS Wichtigste schien. Den»» die schlechten Censnren LenchenS machten ihm nichts. Er erzählte also von seiner Thätigkeit für die„Attgemeine Lehrerzeitung", und»vie er grade in den letzten Wochen mit der streng kirchlichen Haltung des Blatts»richt iininer emverstandei»»var. Er schüttete sein Herz aus. Müller hörte aufmerksain zn. Dann erividerte er trocken, er habe nie etwa? niederzrlschreiben versucht, der Unterricht mit der Vorbereitung lasse ihm keine Zeit dazu. Er habe sich seinen ganz Persönlich gefärbten Glauben an Jesuin Christum herzlich beivnhrt, das freue ihn nn» der Kinder Wille»», aber so wie er schon als Junge nicht habe Prediger»verden »vollen, so sei er auch jetzt gairz entschieden gegen die Ober- aufsicht,»vclche die Geistliche»» über die Lehrer beanspruchen. Johainies niüsse sich ohne Denkfaulheit zilr Klarheit durch- ringen ui»d»verde dann geiviß nach seiner Ueberzeugung handeln. „Ich danke Dir, Martin, ich danke Dir. Ans den» Lande »väreii mir die Ziveifel nie eingefallen. Aber hier in Berlin. /. ich hätte nicht nach Berlin kommen solle»»." „Laß' Dich das nicht anfechten, Johannes. Die Ziveifel sind gut. Berln» hätte Dir wohlgethai», wenn es Dir weiter nichts gegeben hätte als die Ziveifel... Was treibst D»» sonst?" Müller schaute ihi» so ernsthaft an, nicht vorivnrfsvoll. nicht zürnend, mehr mit Sorge. Da fielen Bohrmaun plötzlich die Jugeudtage ein, da er dem Freunde den erste»» Akt des„Hohen Lieds" vorgelesen hatte, zur Nachtzeit, im im- geheizten Speisesaale der Präparaude bei einer gcschmtiggelten Talgkerze. Und schüchtern sagte er: „Ein Drama habe ich... weißt Du noch? Das Hohe Lied... das habe ich vollendet. Ich habe Gönner. ES »vird aufgeführt»Verden. In» Kronprinzeiz-Theatcr." „So ist es»vahr? Deine Frau hat es einer aiidren Lehrersfrau auf den» Markte erzählt. So ist Deine � alte Neigung zur Poesie»viedcr ertvacht? Und fühlst Du. daß Deine Kräfte gewachsen sind seit daiilals,»vo ich Dich»nit meinen Einlvürfen kräilken»nlißte?" Bohrinann erzählte ehrlich, daß erst der Zuspruch c'»»er vornehmen Dame, einer Gönncrin, ihn zur Vollei»dung der alten Arbeit angeregt habe. Dann aber sprach er doch leidenschaftlich von seinen Hoffnuugen. Er sei ein pflichttreuer Lehrer und liebe seinen Berus; erst vor kurzen» habe ihn der Schulinspektor vor allen Kollegen gelobt. Aber es sei doch etwas andres, so wie Schilter oder Nhland das ganze deutsche Volk zu begeistern nn ihm mit Flammcnwoi'ten alles Gute und Edle zu predigen. Martin Müller hörte anfmerksanl bis zu Ende. Dann sagte er: „Du weißt, auch ich hatte als Jüngling solche Ge- danken. Jetzt möchte ich, selbst wenn ich es könnte, nicht mehr ein solcher Prediger werden. Natürlich, wenn Du den Beruf fühlst und hast, dann kann und darf Dich niemand halten. Dann Glück zu!" „Martin, sage mir noch ein Wort. Und wenn meine Begabung nur klein ist, wenn sie nur... gerade aus- reicht.. „Dann, Johannes, ins Feuer mit dem alten Adam und mjt dem König Salomo." Die beiden Lehrer hatten bisher gestanden. Jetzt ließ sich Bohrmann auf den Bettrand nieder, und Müller setzte sich ans den Stuhl. „Ich werde also diesen einen Versuch machen und Du wirst mir dann reinen Wein einschenken. Versprichst Du mir das?" «Ja, Johannes." „Und wenn Du eine große Begabung findest, dann.. „Dann, Johannes, werde ich Dich vor allem nicht be- neiden. Wenn ich auch wüßte, Schiller oder Uhland zu sein ... doch freilich, wenn ich ein solcher Mann wäre, würde ich kaum so sprechen... auch nicht, wenn ich es mir nur ein- bildete... Wie ich aber bin, so sage ich Dir: Höher steht mir mein Beruf, als das Genie des größten Dichters. Selbst ein Schiller kann ja nur die Gebildeten und die Großen hinreißen, die, die ihn verstehen. Und wären es Hunderttausende, es sind ihrer zu wenig für meinen Ehrgeiz. Mein Ehrgeiz, meine Freude, mein Stolz sind größer. Nicht fiir mich persönlich, für uns Schulmeister. Wir Schulmeister haben das ganze Volk eniporzuführen, alle, alle, alle. Selbst die Unglücklichen, die Blinden, die Taubstummen, die Geistesschwachen dürfen wir emporführen zum Licht. Johannes, Du mußt es empfimden haben wie ich, diese höchste göttliche Freude. Und»vir Schulmeister, wir führen nicht wie Schiller durch Buchstabeil und Bücher, wir setzen unsre Person ein, stündlich, täglich. Das bißchen Wissen ist es nicht. Emporsühren können wir das deutsche Volk zur Gerechtigkeit und Güte, wenn wir selber keine Stunde vergessen, gerecht und gut zu sein. Man ist es ja nicht von Hause mis. Aber man wird es durch die Kinder. Man erzieht einander. Und dann hilft einem ein gutes Weib, und was man gelernt hat an den freniden Kindern, tropfen- weise, das schenkt man dann scheffelweise den eignen lieben Kindern, Gerechtigkeit und Glück. Es ist ein eine Lust, zu leben." Bohrmann sprang auf. „Martin," rief er laut,„Martin, laß mich nicht mehr! Halte mir Deinen Schwur!" Da klang aus dem Nebenzimmer die keifende Stimme Hildes herein: „Ich weiß selber, was ich zu thun habe, und Sie sollten vor Ihrer eignen Thür kehren. Nichts als Aerger hat man, wenn Sie'mal kommen." Müller war rasch nach der Wohnstube gegangen, und Bohrmann folgte ihm. Da stand in einem dunklen Kleide und einem unscheinbaren Strohhütchen, gestrickte Halbhandschuhe an den Händen, die dicke, rotbackige Frau Müller. So mochte sich Bohrmanns Mutter»vohl eine Lehrersfran vorgestellt haben. Als die Männer eintraten, zuckte Frau Müller traurig die Achselii, und Hilde sprach weiter, ohne sich zu unter- brechen: „Neidisch sind Sie auf uns l Auf die großen Erfolge meines Mannes, auf meine paar bunte Lappen und auch auf die Kinder, ja, auf die Kinder. Da bauschen Sie dann'ne Dummheit zu einer wahren Mordgeschichte auf. Bohrmann kann alles hören, ich habe keine Geheimnisse vor ihm. Er glaubt sonst, sie habe ein Verbrechen begangen. Was hat denn das arme Kind gethan? Mit ziveien aus ihrer Klasse ist sie ein paarmal beim Konditor gewesen. Einmal haben sie geschwänzt, die dummen Gören, sonst wär's gar nicht herausgekommen. Naschen will jedes Kind einmal. Und daß die eine von den Mädchen das Geld zu Hause stibitzt hatte, das geht mein Lenchen gar nichts an. Mein Lenchen hat nichts davon gewußt. Sie ist verführt worden. Und Bohrmann wird eine Eingabe inachen, daß Sie in ihrer Klaffe eine Diebin dulden, welche die andern Machen verführt. Inst! Und just soll Lenchen heute Apfelkuchen mit Schlagsahne kriegen. Ich pfeife auf Ihre Ratschläge, Frau Müller. Ich bin nicht aus dem Oderbrnch." Hilde schwieg erschöpft. Lenchen, die au der Thür ge- lauscht hatte, zog den Kopf wieder zurück. Müller blickte seine Frau an, und die sagte ruhig mit starker Dialekt- särbung: „Da is nischt zu machen. Du wirst das arme Kind nicht retten können." Herzlich wandte sich Müller an Bohrmann: „Du bist selbst Lehrer. Johairnes, und wirst den Fall richtiger beurteilen, als Deine Frau." „Gar nichts hat er zu sagen," schrie Hilde außer sich. „In die Erziehung der Kinder hat der Mann nichts drein- zureden und in die Erziehung der Mächen schon gar nicht... so sag' es ihm doch I Steh' doch nicht wie ein Stock da! Er scheint gar nicht zu wissen, wer er ist und wer Du bist! Wir haben ganz andre Verbindungen! Wir Pfeifen auf die Schul- meisterei I Sag' ihm Deine Meinung, und dann... dalli." „Johannes," sagte Müller,„kurz und deutsch: willst Du mich hören oder nicht?" „Verzeih', Martin, bei Siegfried, Siegfried, da werde ich die Erziehung nicht ganz aus der Hand geben. Aber bei Lenchen allerdings..." „So willst Du mich nicht hören, Johannes?" Hilde stellte sich vor ihren Mann. Bohnnann schwieg. Ohne ein Wort weiter zu sprechen, verließen Müller und seine Frau die Stube. Er sah traurig aus. als wäre ihm was Liebes gestorben. Als Bohrmann mit seiner Frau allein war, wollte er er- klären, warum ein so gerechter Mann wie Müller den argen Streich Lenchens so überaus ernst genommen habe. Hilde aber rief die Kinder zu Tische und drängte ihren Mann in sein Schlafzimmer zurück. Er müßte sich rasch anziehen, wem» er Frau Lose nicht warten lassen»vollte. Tie Kinder kamen herein, und Bohrmann mußte nach- geben. Hilde legte ihm die neuen Kleider zurecht und brachte ihm die neue, feine Wäsche, auch neue Strümpfe. Er schüttelte tadelnd den Kopf, aber plötzlich verscheuchte ihm die Freude, so vornehm in Maschas Kreise zu erscheinen, alle ernsten Gedanken. Es war eigentlich nur Höflichkeit, als er die großen Ausgaben bedauerte und Frau Lose tadelte, weil sie ihn ohne Frau und Kinder einlud. Hilde aber fand diese Unterscheidung ganz natürlich, vorläufig wenigstens, weil es nur des Stücks wegen geschähe, und wo sie noch keine reichen Leute waren; die Kinder hatten ja Kuchen mit Schlag- sahne. Bohnnann konnte mit den verschiedenartigen Knöpfen seiner Wäsche nicht gleich zurecht kommen. Dann aber schlüpfte er rasch in den köstlichen gelbgrauen Anzug und legte endlich den weißen Künstlerschlips um den Kragen. Es war doch gut, daß das Manuskript bei Mascha ge- blieben»var. Tie kleinen Taschen in dem neuen Röckchen hätten die fünf Akte uicht gefaßt. Solche Säcke gab es nur in seinem alten Bratenrock. (Fortsetzung folgt.) Vom„DeukfiHen Theokev"« („Morgen" und„Wiederfinden.") DaS„Deutsche Theater" setzte erfolgreich mit H a r t l e b e n S „N o s e n m o n t a g" ein. Wen» das Stück auch i» seiner Totalität vor der Kritik nicht bestand, hatte es doch viel Feinheit in den Details und Ivies überdies akurate Sprachbehandlung und eine saubere Milieuschilderung auf. Das Stück hat sich nun im Laufe der Zeit zu einem ungeahnten Kaffcncrfolg entlvickelt— zu einem Erfolg, der zu der Theaterioirkung, eigentlich in einem Mitzverhällnis steht. Vermutlich hat die in Deutschland übliche Lieutenantsverehrung mitgespielt. Kann nian schon selbst nicht iveuigstenS Reservelieutenant tverden, genießt man»venigstenS im Parkett die Freuden, Leiden und feudalen Ehrbegriffe des Stands. Eine Licbesgeschichte Ivar auch dabei und so war schließlich auch für die weiblichen Herzen gesorgt, deren Sehnsucht durch den Anblick der Uniformen nicht gestillt war. Aber gleichviel aus welchen Motiven der Erfolg entsprang,— das Deutsche Theater konnte ihn sich sehr»vohl gefallen lasse». Gegen ausverkaufte Häuser ist an sich nichts einzuivenden und künstlerisch Ivar der„Rosenmontag" ja kcineSivcgs ohne Wert. Er stand immer« hin weit über dein Durchschnitt der Marktware. Dann brachte Brahm die„Macht der Finsternis" von Tolstoj heraus mit Baffermann als Nikita, der einen tiefgehenden Erfolg davon» triist. War.Roscumantag' kvustlerisch zu rechtfertigen, so ivar die »Macht der ginftemiS" ein Verdienst. Auch das Pulilikmn fand sich ein, und die Abende, an denen Tolstojs düstre Dichtung gegeben wurde, wurden die eigentlichen Festabende der Bühne in diesem Winter. Sie verfügte um diese Zeit über ein unverwüstliches Zug- stück von lünstlerischeii Vorzügen und eine echte Dichtung, die gleich- falls die Aufmerksamkeit des Publikums erzwang. Dan» folgte Hauptmanns»Michael K r a m e r", der, wenn auch mißlungen, doch manches Ergreifende und Interessante bot, Einen Erfolg hatte er nicht. Er mußte bald verschwinden, und init ihm schwand das Kriegsgliick der Bühne in diesem Winter.»Michael Krämer' war in Hauptmanns Schassen kein Fortschritt, in manchen Beziehungen sogar ein Siückschritt, innerhalb der landläufigen Produktion aber war es immerhin eine Dichtung, deren Ausführung man auf die künstlerische PlnSseite des Deutschen Theaters schreiben kann. Dann kamen Niederlagen, nicht nur geschäftliche, auch künstlerische. Vacano, Hirschfcld, Dreher versagten; ihre minder- wertigcn Arbeiten siechten bald dahin; die Premieren im.Deutschen Theater" wurden mißvergnügte Abende. Allerlei fiustere Prophezeiungen wagten sich hervor. Einer jeuer Menschen, die fest entscdlosse» sind,„Hohenkuiist" zu bringen, meinte mir gegen- über, nun sei es ans mit der gauzcn Richtung. Das ist natürlich sinnlose Rederei— Tolstojs»Macht der Finsternis" genügt vor- läufig vollkommen, um die„Höhenkünstler" in Schach zu halte». Wohl aber hat Vrahni allerdings den Fehler, sich allzu fest ans seine Hausautorcn zu verlassen, hart büßen musseu und wird noch härter büßen, wenn er ihn nicht ablegt. Von den Stücken Björns aus, die nun dem„Berliner Theater" Glanz geben, hätte er lange frohe Tage haben könne», künstlerisch soivohl wie geschäftlich. Die Stücke lagen da; er hob sie nicht auf. Cr hätte auch auf die großen Toten zurückgreifen können, hätte es längst thun müssen, schon aus künstlerischen' Gründen. Er hätte längst die Fabel zerstören können, daß seine Schauspieler Aufgaben großen Stils nicht gclvachsen seien. Verwöhnt durch den Erfolg that er von alledem nichts; er verließ sich auf seine Hausantoren, zum Teil auf recht niinderivertige wie Dreher, und dafür haben sie jeht ihn verlassen. Die Niederlagen, die gleich truppweise austraten, sind hart gewesen. Wenn sie Brahm endlich die Ucberzeugung bei- gebracht habe», daß dramatische Inzucht ihn nicht nur künstlerisch. sondern auch geschäftlich zu Grunde richtet, sind sie nicht vergeblich gewesen. Vor allem die tote» Meister und da ivicdcr vor allem Hebbel und Auzengrnber haben Rechte geltend zn mache». Björnso» ist endgültig an Lindau verloren.— Die letzte Premiere lvar kein Sieg, der die Niederlagen der letzten Hälfte dieses Winters vergessen machen könnte. Von den zivei aufgeführten Stücken läßt sich»nr das eine bei milder Betrachtung rechtfertige»— Herrn Georg R e i ck e s »Morgen" hätte unbedingt abgelehnt werde» müssen. Der triste Einakter verdankt seine Annahme wohl nur dem Umstand, baß Rittners.Wiederfinden" den Abend aNein nicht anS- znfüllcn vermochte»nd daß man eben nichts andres hatte. Herr R e i ck e ist ei» Dilettant von geradezu lebensgefährlicher Unfähigkeit. In„Freilicht" schien die Nora es ihm angethan zu haben; diesmal scheinl es Hedda Gabler gewesen zn sein. WaS eS aber auch gewesen sein mag, eS hat jammervolle Folgen gehabt. Er schildert uns ein hysterisches Frauenzimmer, das sich übermenschlich vor- kommt und ihre albernen Schmerzen mit grotesker Wichtigkeit behandelt. Die Gestalt ist eine nufteiwillige Satire auf die entsetzlichen, geistvollen und unverstandenen Franc». Es ist nicht zu sagen, zn ivelchen Plattheiten Herr Georg Reicke den traurigen Mut findet..Knustnähe ist Lebensferne" sagt einmal das liebe Weib und ein ander Mal bekennt sie:»Ich bin eben ein differenzierterer Mensch", und dann setzt sie düster hinzu:„Man büßt dafür". Die Differenz zwischen ihr und der übrigen Welt besteht nun dann, daß die Menschen im allgemeinen irgend einen Platz im Leben mit Nutzen ausfüllen, während sie ein durch Müßiggang»nd im« verstandene Lektüre verschrobenes Frauenzimmer ist. Man denke sich diese angenehme Dame in der Pose deS unversiandenen Genies— und man ahnt den Genuß, den die Un- fähigkeit des Herrn Reicke uns bereitet hat. Die Sache geht übrigens nicht so tragisch aus wie in Hedda Gabler; sie kriegt.ihn" noch am letzten Ende. Von Rittners Stück kann man kurz sagen, daß eS als Ganzes aufgefaßt ein unwahres Theaterstück ist, während es im Einzelnen manche Vorzüge anfiveist. WaS den Erfolg entschied, war ein ge- wisser liebenswürdiger Hnmor, der manche hübsche Wendung fand mrd sich meistens in den Grenzen des guten Geschmacks hielt. Nicht immer freilich, so zum Beispiel nicht, als ein Arzt sich über die Heirat mit einer Chanteuse moqnicrte und dabei den denkwürdigen Ausspruch that:„Wie kann manfBlnme» essen ivolle»? Dazu ist doch das Kalbfleisch da." Das Bild ist darum so entsetz- lich schlecht, weil im Leben niemand auf den Einsall kommt, Blumen zn essen. Will jemand eine Blume für sich besitzen, so bricht er sie oder pflanzt sie nm oder zieht eine Mauer um den Garten oder schaft sonst etivas Zweckmäßiges. Auf den Einfall, sie zu essen, komint niemand, auch Herr Rittner nicht, wenn er sich die Sache genauer überlegt. Genau so zutreffend wie dieses Bild ist der Vergleich einer Ehefrau mit einer Kalbskeule, die man ißt— der Vergleich ist aesthetisch so roh—'wie der Schlächterladen. aus dem er stammt. Vielleicht streicht Rittner den abgeschmackten Satz, schon um uns die Beschämung zn ersparen, daß das Publikum gerade ber dieser Stelle losjohlt. Im übrigen wirkt der Humor deS Stücks frisch, wenn auch nie tief. Die Emgleismigen ins Geschmack, lo>e werden von den liebenswürdigen Zügen' weit überwogen. 3". dem Humor gesellt sich als zweiter Vorzug die echte Lyrrk, die in einigen Seenen steckt. Hier kliiigt mancher warme Herzenston, der uns ergreift. Am schlimmste» ivirkt der letzte Akt, der so wahr ist wie etwa der letzte Att von„JohanniSfeuer". Em Komponist findet.Revierförsters Else" als Chanteuse ivieder; er liebt sie; sie beichtet ihm alles und schließlich verläßt er sie trotzdem, um ihrer Vergangenheit ivillen. Das glaube ich nicht; es entspricht einfach nicht den Voraussetzungen des Stücks. Wenn Riitner diese Lösung ivollte, hätte er sie viel früher motivieren müssen. Jetzt wirkt sie unwahr und theatralisch, wie die sentimentale Kindersceue in» selben Akt. Von Kinderscenen macht»nan nur im äußersten Notfall Gebrauch und Nittners Kindersceue ist durchaus nicht notlvendig. Im Gegenteil I Es fragt sich sehr, ob»Revierförsters Else", wenn sie mit' ihrem Liebhaber morgens von einem Charnpagnergelage heimkehrt, ihr unschuldiges Kind hervorholt, um sich der Frage auszusetzen:„Mama, wer ist dieler Manu?" Meinen Sie nicht eigentlich a»lch, Herr Rittner? Die Hauptrollen wurden von Kayßler und Else Leh»nan» meisterhast gespielt. Erich Schlaikjer. Nleines Feuilleton. — Der Schutz der Lanbblätter im Frühling. Ein Mit- arbeiter der„Köln. Volksztg." plaudert: Wenn wir in den ersten Fnihlingslagen einen größeren Spaziergang machen»vollen, so lassen »vir uns auch durch den lachendsten Sonnenschein nicht in Sicherheit wiegen, sondern rüsten uns init Mantel und Rcgenschirn» aus, denn schon zn oft haben»vir die sprüchivörtliche Unbeständigkeit deS Frühlingsivetters erfahren. Gegen letztere sind auch die sp'rosienden Pfläiizlem in Wald und Wiese i» entsprechender Weise geschützt. Beirachtet man«in ganz jugendliches Laubblatt, so fällt einem sofort ans, daß zivar sein Skelett, die Blattrippcn oder Blattnerven, schon kräftig entivickell sind, daß dagegen das grüne Gewebe, also derjenige Teil,»velchem später die Aufgabe zufällt, zu Iransspirieren und organische Stoffe zn erzeuge»», in seiner Enttvick- lnng»och sehr zurück ist. Kräftig treten schon zeitig die Blattrippen hervor,»vährend die zarten grünen Blattflächen zusannnengeschnnnpst und in sich znsammengekrochc» sind. Wenn sie sich zu früh aus ihrer geschützten Lage auftichtc» und ihre zarte»» Organe an» Tage den heißen Sonnenstrahlen, oder in der Nacht der rancn Luft mi'd dem Anprall der Winde aussetzen, so bringt das für sie Gefahr, sie be- dürfen daher natürlicher Schutzvorrichtungen, damit sie allen Wechsel- fällen der Witterung zum Trotz auswachscn und ihr junges Gelvebe nonnal ausbilden könne». Und zivar sind diese Schutzvorrichtungen zum große» Teile ausschließlich den jungen, in der Entlvicklnng begriffenen Blättern eigentümlich und gehen später, wenn sie ihren Ziveck erfüllt habe»», verloren. Zunächst hat der Keimling einen dicken,»varmen, meist zweiteiligen Mantel an in Gestalt der beiden Sairieulappen, und die Knospen sind eingebettet in die erst später sich lösenden Schuppen. Kommen dam» die Blättchen»veiter hervor, so schmiegen sie sich noch eng aneinander, sind runzelig, faltig und zu- sä»»», engtrollt, um sich gegenseitig zu schützen. Könnte die Sonne jetzt schon die ganze ausgebreitete Fläche des Blättchcns treffe»», so »nüßte dasselbe vertrocknen, denn scmc Hautzellen sind noch nicht mit Korkstoff fest verpai»zert. Betrachten»vir junge Zlviebelgelvächse oder Primeln, so sehen »vir nur die Mittelrippe, oder einen breite»», mittleren Streifen des Blattes aufrecht und gerade stehen, während die beiden Hälften rechts und links von den Rändern ber eingerollt sind, und z>var bald nach der Oberseite, bald nach der Rückseite zn. Jmn»er»vird jene Seite zur konkaven, an der sich Spaltöffnungen befinden, unter»velcher das von Luftkanälen durchsetzte grüne, transpirierende Gelvebe liegt, »velches hauptsächlich geschützt»verde» muß. An den Safranen sCrocrifir) sind die beiden Hälften des Blattes anslvärts gerollt, und bei den Milchsternen sind sie einivärts gebogen. Bei den Saftan« arten liegen nämlich die Spaltöffnunge»'» in den zlvei Rinnen an der Rückseite, bei den Milchsternen in der Rinne an der Oberseite des Blatt?. Seltener findet sich als Schutzvorrichtung die Runzelnng. Die»vetterfesten, netzförmig verbundenen Blattrippen bilden dann ein festes Gitter, und die zarte Blattmasse,»velche in die Maschen des Gitters eingefügt ist, erscheint blasenförinig auf- getrieben oder grnbenförmig vertieft,»vodurch das ganze Blatt den Eindruck eines zerknitterten Tuchs oder Papier- bogen?»»acht. Man spricht daher»vohl von einer„zer- knitterten Knospenanlage" der Blätter. Besonders auffallend sind in dieser Hinsicht die junge»», gerunzelten Blätter des Rhabarbers. Am häufigsten ist die Faltung. Bei der Mannigfaltigkeit der Form und Verteilung der Blattrippen ist natürlich auch die Art und Weise dieser Faltung sehr verschieden. Bei den Klce-Arten ist sie strahlenförmig, oft auch zusammengelegt Ivie die Blätter eines Buchs. Sehr eigentümlich ist, wie»nan häufig Gelegenheit hat zu beobachte», die Faltung,»velche die Blätter der Buche und Eiche in der Knospen- aulage' zeigen. Jedes Blatt dieser Bäume ist von einer Mittelrippe und zahlreichen von dieser nach rechts und links, gleich den Gräten voi» der Wirbelsäule eines Fisches auslaufenden Seitenrippen, durch- zöge»». Zivischen diesen bildet nun der zarte grüne Blatttcil tiefe �friTtcn, K-pfdi? qnnz so tuie die Rotten eine? Fädier? niifcninuder.- iifflen imb(iif) deckend schützen Die fecilieqende» Rippen seldst aber -liestehe» nnS festen �eilige«» Bildnngen, bei»velche« eine zn große Verdnnstnng nicht inögltch ist. Als richtige Schirme gegen Sonne, Regen und Wind sind die Nebenblättchen anfzufasien. Bei de» Eichen, Blichen, Linden. Mockyolicn �ind vielen andren Bönnien sind sie häutig, vleich und nieist ohne Chlorophyll, also vollständig ivetterfest, und stehen schinnartig vor den an? der Knospe hcrvordrängendcn. zarten,»nausgeloachsenen grünen Blättchc». Hat sich das junge Blatt an Wind und Wetter geivöhnt, so ist e? gleichsam diesem Schirm über den Kopf getvachse» und bedarf desselben nicht iueiter, so lösei« sich die Schutzbiättchen ab und fallen zu Boden. Daher findet»na» ailf dem Grunde der Eichen- inid Buchenwälder, kurz nachdem die Lnubblättcr ihre nornialc Größe erreicht haben, zahllose solcher abgefallenen Schuppen, die nian in der botanischen Kunstsprache„hinfällige Nebenblätter" genannt hat. Sie haben eben nur die jungen Lanbblätter gegen die Sonnenstrahlen und den direkten Anprall anstrockneuder Winde zii schützen, sie selbst aber sind nueinpfindlich gegen alle Fährlichkeitcn der Witterung, da ihre Haut vollständig der transspiricrenden Spalt- -vffniuig entbehrt. Den gleichen vgoeck verfolgen die ivasscrdichtcn.-firniSartigcn Ncber- züge, ivclche ivie Regenmäntel viele junge Blättchen inngeben. Sic finden sich besonders an Roßkaslanieik, Kirschen-, Aprikosen- und Pfirsichbäumen, an Birken, Pappeln und Schivarzcrlen. Daher fühlen sich deren Blattknospen inr Frühling ganz harzig und klebrig an. Aber auch sie berschivinden, wenn die Lanbblätter ihre wetterfeste Oberhaut erhalten haben. Sogar in Pelzinäntelchen und Kaputzen hüllen sich manche eben erst der Knospe entschlüpfte Blättchcn ein. So erscheinen die jugendliche» Frühtingsblätter der Silberpappeln und Vogelbeerbäume dicht beharrt, so daß sie ganz silbergran, ivie mit Sechundpclz besetzt, aussehen. Auch die Blätter der Roßkastanie sind, wenn sie sich über die braunen anScinandergcdrängtcu Knospen» schuppen hervorschieben, dicht mit Wolle übersponnen, verlieren die- selbe aber später so vollständig, daß man au den ausgeivachsenen Blättern nur hier und da hängengebliebene Reste derselben wahr- zunehmen vermag. An der Buche besteht das Jngendkleid der Laubblätter aus Scidenhaaren, und die Art und Weise, ivie diese angebracht sind und tvie sie fungiere», ist so eigentümlich, daß es wohl der Mühe lohnt, etwas näher darauf einzugehen. Bei»» ersten Anblick scheint das junge Buchenblatt auf der Rückseite ganz mit Seide übersponnen, bei genauerem Zusehen aber findet mau, daß die Seidcnhaare nur auf den Rändern und Seiteurippen sitzen. daß dagegen die grünen Teile des Blatts nichts weniger als behaart, sondern vielmehr vollständig kahl sind. Da aber das grüne Gelvebe tiefe Falten bildet und die behaarten Seiten- tippen sehr nahe aneinander liegen, so werden die furcheuförmige» Vertiefungen der Falten ganz überdeckt. Jede Furche ist von den sehr regelmäßig in paralleler Anordnung nebcncinnnderliegeude» Haaren überbrückt, als ob das ganze Blatt ein zartes Seidensammt- kleid trüge. Auch dieses Kleidchen hat den Zweck, das junge grüne Getvcbe vor den auStrockucndcn Sonnenstrahlen so laugt! zu schützen, bis die Haut dort genügend verdickt ist. Nachdem diese Verdickung erfolgt ist, glätten sich die Falten gerade so. als wenn ein zu- geschlagener Fächer auseinandergefaltet tvird. Dann haben die Haare ihre Nolle ausgespielt, sie fallen zum größte» Teil ab oder werden ganz unscheinbar und zerknittert.— Kunst. I:. Bilder der französischen Revolution. Drei Neuerwerbungen von größter Wichtigkeit tvnrdcn von deNolhae. dem Konservator deS Versa iller Museums, genincht. ES sind drei Bilder, die auch einen gewissen künstlerischen Wert besitzen. vor allem aber als historische Dokninente von Bcdentniig sind. DaS erste ist eine «Erstünnnng der Bastille". Das Bild ist das Werk eines Künstlers. der augenscheinlich Zeitgenosse dcS großen Ereignisses war, das er mit einem außerordentliche» Reichtum in den Details mit dem Pinsel schildert. Dieses Gemälde ist da» beste der drei, das nach der Güte der Ansführnng einem Meister zuzuschreiben ist. Das zweite Bild ist die von dem Maler dem Konvent Überreichte Skizze, der von dieser Versammlung beanstrngt worden war. den Schiffbruch des Kriegsschiffs„Vengeur" im Bilde festzuhalten. Man fühlt, daß diese Episode unter dem unmittelbaren Eindruck der Ereignisse wiedergegeben worden ist. Die dritte»nd interessanteste Erlvcrbiing ist ein Geinälde von Tcllicr, einem Maler der Schule Baillys, das de» berühmte» Tag des I. Prairial im Jahre Iii im Konvent und die Scene darstellt, die schon so oft die Phantasie der Künstler angeregt hat: wie de Boisiy-b'Anglas den Kopf Frauds grüßt. Die Anzüge, die VlnSschmnckmig der Tribüne und des Saals, die Haltung der Personen, die Bewegung der Menge, das alles isl mit einer Treue wiedergegeben, die das Bild zu einem Dolmneul von unvergleichlichem Wert macht. Die Nenertvcrbnngcn sind für den Saal der französischen Revolution bestimmt.— SlnS dem Tierleben. — Die Verbreitung der Saatkrähe in Deutsch-, land erörtert R ö r i g. Danach lebt dieser Vogel in starken Ko« lonicn in der norddeutsche»! Ebene bis zn einer Höhe bon 200 Meter. Er findet seine südliche VerbreitmigsgrenZe im Riesengebirge, dam: in der Linie, welche die Slädte Görlitz, Leipzig, Artern miteinander ber- ' bindet,«nd hat als wrstkiche Grenze den Harz, Teutoburger Wald und � den unteren Lauf derEms. Siidlicki mid westlich bon dicserBegrcnznngs- : linic konimt die Saatkrähe mir in den cinninndenden FInßthälern sowie in der Rheinebcne in größeren Kolonien bon mehreren hundert ; Nestern vor. Die Vorliebe von ihr für die Ebene geht so iveit, daß man die bolkreichsten Kolonien im Flachlande und nicht über 100 Meter Höhe findet. Nur Schleswig-Holstein als das Ivaldärmste Gebiet hat keine Kolonie niit einer die Zahl 1000 übersrbrektenden Nestcrzahl anfzulveisen. Mit znnehinender Erhebung liegen sie mir in zerstreuten Niederlassungen dem Brntgeschäft ok Indessen findet man mit Ausnahme des GroßherzogtimlS Baden und einiger kleinerer Biindesstaaten neben diesen zerstreuten Nieder- lnssiiiigen noch �überall kleine Kolonien von 15 bis 50 Nestern. Die wenigen größeren Kolonien Bayern? sind vielleicht entstanden. weil die Snalkrähen, welche in diesem Lande gesetzlichen Schutz ge- nicßcn. dort wenig verfolgt werden. Was ihre Bcdeiitiing für die Landwirtschnfi anlangt, so glaubt der Verfasser den Beweis erbracht zn haben, daß die Krähe» für die Land« ivie die Forstwirtschaft Denlfchlands von großer Bedentnng sind, und daß die Bemiihmigeu nach weiterer Steigerung der Erträge der Felder durch ihr Vor- handensein in hohe»! Maße gefördert lverdcn können.— („Globus".) Humoristisches. — Der Tapfere. General:„Ah, nicin Braver, Ivo haben Sie sich das eiserne Kreuz geholt?" ..Bei Geisenhofen, Excellenz, in der Schlacht gegen Mathias Kneißl."— — Tie Geschäftsfrau.„Sie glauben gar nicht. Frau Hnbcr. wie es mir zn Herzen geht, daß ich Ihre» Mann, meinen langjährigen Vaiiciiten, nicht retten konnte!" „Dös versteh i scho. Herr Doktor, wia'S oam halt iS, wen» ma a alte Kundschaft verliert!"— („Simpl.") Notizen. — Theopbil Zolling, der Herausgeber der Wochenschrift „Gegenwart" ist im Alter von 51 Jahren in der Nacht zum Sonnabend gestorben.— — W o l z o g e n hat das Gastspiel seine? ll c b c r b r e t t l S in der S e c e s s i o ii S b ü h n e über den 10. April hinaus v e r- länger».— — Die Dreher scheu Einakter lverdcn im Deutschen Theater als erste Novität der k o m m enden Saison in Scene gehen.— — W o l z o g e n s„ L ii m p e n g c s i n d e l" wird neiiemstiidiert in den Spielplan des Deutschen Theaters aufgenoinmen werben.— — Gisela N i s s e n« S ch» e i d e r ist für WolzogenS „BniitcS Theater" engagiert worden. Der Bertrag der Künstlerin mit dem Lessing-Theater bleibt trotz dieses Engagements bestehen.— —„Die Sünden der Väter", ein bieraktigeS Volksstiick von R Chr. Jenny, ist vom Deutschen Volkstheater in Wien zur Aufführung angenommen worden.— — Felix D ö r m a n« S Drama„K r a n n e r b n b e n" erzielte bei der Erstanssühinng im Deutschen VolkS-Theater z ii Wien keinen rechten Erfolg.— — Gabriele d' A n n u n z i o S neues Slnck.Citt.» m o r t e"(Totcnstadtj hatte bei der Erstaufführung in Mailand einen entschiedenen Mißerfolg.— — Musikdirektor Otto Dienet veranstaltet am 27. März, uiiltagZ 12 Uhr. in der Marienlirche unter Mitwirtmig einiger Künstler eine» O r g e l v o r t r a g. Der Eintritt zu diesem 5tonzert ist frei.— — Siegfried WagnerS Oper„Herzog W i l d s a n g" fand bei der Eistaufsührimg im M ii n ch e n e r Hof-Theater geleilte Anfnahme.— — Professor L» d Iv i g D e t t in a n n ist zum Direktor der Königsberger Kimstakademie ernaimt worden.— — DaS letzte Heft der Kmiftzeitschrift der Wiener Secession, „V e r s a c r»i m", welches Skizzen zuni Klimtschcn Bilde,„Die Medizin", darunter die Gestalt einer schwaugcrcu Frau gebracht hatte, war von der Staatsanwaltschaft konfisziert worden. DaS Wiener Landgericht hat die Konfiskation aufgehoben.— — Fragmente der beiden DioSku reu mit ihren Pferden sind bei Ansgrabnngeii am Jnturnalöiiiimen auf dem Forum in R o m gefunden tvorden.— — In N e n- E a u d e e(Galizieu) stand der Herausgeber eincS Lokalblatts ivegcn Preßvergehens vor Gericht, weil er das eine Mal einen Tot e n und später einen bekannten Straße»bettle r als verautlvortliche Redactenre feines Blatts angemeldet hatte. In seiner Verteidigungsrede iiiciiite er: daß der verantwort» liche Redactenr auch leben müsse, sei im Preß- gesetz nicht a n S d r ü ck l i ch vorgesehen.— Veraiitivortlicher Sledacteur: Heinrich$ trübet in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin.