Interhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 62. Donnerstag, den 28 März� 1901 (Nachdruck verVoten). sc) Dio bunte Vrihe. Berliner Roman. Bon Fritz Mauthner. XVII. Von Tag zu Tage verschob es Bohrmann, die gute Hilde ernstlich noch der Herkunft des vielen Gelds zu fragen. Er hatte Angst vor ihrer Antwort; auch dachte er doch nicht immer an Kleider, an Geld und solche Aeußerlichkeiten. Den Fettfleck hatte Hilde übrigens mit Benzin herausgebracht. Wäre er nicht ein Dichter gewesen, er hätte dieses begabte, brave Weib gewiß nicht betrogen. Auch an Mascha dachte er jetzt nicht immer. Es war zu viel für die Schule zu thun. Stur vor dem Einschlafen überfiel ihn regelmäßig der Gedanke an ihre Küsse und versetzte ihn in die lebhafteste Unruhe. Oft mußte er auS dem Bette springen und in den Strumpfen auf und nieder gehen, um Herr dieser Gedanken zu bleiben. Es war doch ein seltsames, schier unnatürliches Ver hältnis. An der kurzen Zeit hatte er Mascha freilich lieben gelernt, heiß und innig und schrecklich und über das Grab hinauS; aber so wenig ernst, ja, so flüchtig sie auch in vielen Dingen zu sein schien, sie mußte ihn doch noch tiefer lieben, als er sie. Niemals hätte er das erste Wort zu sprechen gewagt. Sie Ivar eS, die das Siegel genommen hatte, von seiner Leidenschaft wie von seinen Lippen. Seine kaum ge ahnten Wünsche hatte sie erraten. Um seine Schüchternheit zu schonen, hatte sie ihre weibliche Scheu überwunden. Wie unerbört stark mußte ihre Liebe sein! Und während er nun mitunter plötzlich erschrak, weil in der Schulstunde oder im Gespräch mit Siegfried auf einmal ein ZufallLwort ihm die Vorstellung ihrer verbrecherischen Küsse weckte, während er nach jeder solchen Erinnerung inniger und hoffnungsloser sich nach... nicht nach dem Besitz, o Gott... nach der beglückenden Ehe mit diesem Weibe sehnte, schien sie gar kein Verlangen nach einem häufigen Verkehr zu suhlen. Hingebend und ihm lebend, wenn er eist bei ihr war, ließ sie ihn ruhig gehen und ruhig kommen und dachte seiner vielleicht gar nicht, wenn er nicht zugegen war. Liebende senden einander doch kleine Erinnerungszeichen. Täglich hätte er ihr etwas zusenden mögen, sie aber besuchte ihn oder lud ihn ein, wenn sie irgend einen Wunsch hatte, und sollst nichts... nichts. Einmal, ein einziges Mal nur, begegnete er ihr, in einer entlegenen Straße. Ivo er sie nie vemutet hätte. Er erkannte sie voll weitem, sie aber sah ihn nicht; als er grüßte, nickte sie ihm mit kindlicher Freundlichkeit zu, als ob er einer ihrer hundert Bekannten gewesen wäre, als ob sie sich gar nicht ge- jreut. als ob sie sich ihrer Liebe nicht erinnert hätte. Erst als er eiftannt stehen blieb, schien ihr die Liebe einzufallen, so beiläufig. Sie reichte ihm hei-zlich die Hand, bestellte ihn für morgen zu sich des Stücks wegen, auf vier... nein, auf sechs Uhr. Sie sah dankbar nnd Glück verheißend zu ihm auf. Heute habe sie keine Zeit. Auch diese Stunde in ihrem Boudoir verlief wie die übrigen, nur daß Bohnnaliil nach dem Kusse und im Schmerz über die drohende Abreise weinend vor ihr niederstürzte und so lange ullsitlniges Zeng schwatzte, bis das Mädchen wieder au die Thür klopfte. Die gnädige Frau müsse sich ftir den AuSstellungspark anziehen. Drei Tage nach diesem Abschied, zwei Tage vor Beginn seiner Ferien, reisten Loses ab. Mit einem Sträußchcn Tuberosen erschien Bohrmann ans dem Anhalter Bahnhofe. Der Assessor hatte seine Cousine einmal mit ihrer Vorliebe für Tuberosen geneckt. Außer ihm waren noch vier Herren da. welche Mascha alle bereits ihre Tuberosen überreicht hatten. Bohrmann kannte nur den Assessor. Zwei von den andren waren Lieutenants, der dritte wurde ihm als ein Maler vorgestellt. Mail plauderte, als ob Abschiednehmcn nicht traurig wäre. Die Herren waren artig zu ihm. Er trug seinen gelb-grauen Anzug, der nicht mehr nach Benzin roch. Mascha schwatzte und schwatzte, noch ans dem Waggon heraus. Die Herren standen mit lustigen Gesichtern nebeneinander da. Einer der Lieutenants fragte, ob sie Parademarsch üben sollten. Mascha überblickte alle fünf, kniff die Augen� ein, netzte die Lippen, und da der Zug sich eben in Bewegung setzte, warf sie ihnen zum Andenken einzelne Tuberosen zu. Jeder steckte eine ins Knopfloch. Noch eine Kußhand MaschaS und der Zug fuhr aus der Halle. Mit unverschämtem Lachen erwiderte der Assessor die Kußhand ins Blaue hinein und rief: „Fahr' wohl, Linchen I Auf Wiedersehen in Ostende!" Bohrmann hatte Mühe, seine Thränen hinunterzuivürgen. Da aber die Herren sich ganz vergnügt dem Ausgang zu» wandten, glaubte auch er unbefangen sein zu müssen und fragte: „Warum nennen Sie die gnädige Frau Linchen? Da sie Mascha genannt wird, bildete ich mir ein, sie wäre auf den Namen Marie getauft." „Sie fragen zu viel. Herr Bohrmann," sagte der Assessor mit freundlicher Feierlichkeit, während die drei andren Herren lachend vorausgingen.„Es ist das ein kleines Familien- geheimnis. Sie hat einmal von einem würdigen Herrn den Beinamen Maschaline erhalten. Um Verwechslungen zu ver- meiden und der Kürze wegen nenne ich sie nun. wenn wir allein sind oder in andren epochemachenden Augenblicken, einfach Linchen." Der Affessor schlug vor, den angebrochenen Nachmittag in einem Biergarten mit einem Trauersalamander zu beschließen. Bohrmann aber entfernte sich mit einer un» geschickten Ausrede. XVIil. Berlin war für ihn durch Maschas Abreise zu einer unbewohnten Stadt geworden. Als nun endlich auch die Ferien kamen, da hätte er sich mehr der guten Hilde und den lieben Kindern widmen können. Noch in den Weihnachtsferien hatte er es so gehalten, daß er am Nachmittag seiner Frau und dem Fräulein Reymond einige Auftritte von Schiller vorlas und nachher seine Kinder auf der alten Seminarvioline zu Weihnachtsliedern begleitete. Den Kindern war das immer eine Freude gewesen... eigentlich nur seinem Sieg- fried... und Hilde hörte ihn gerne vorlesen, wenn sie den Dichterworten auch nicht so aufmerksam lauschte wie etwa das Fräulein Neymond. Nur ein halbes Jähr war seitdem vergangen, aber sein Wesen hatte sich sehr verändert. Er hätte jetzt gern anstatt des großen Schiller sein eigenes Drama vorgelesen. Er empfand es als ein schlimmes Zeichen, daß ihm sein Werk so gut ge- fiel. Es war in ihn ein neuer Geist eingekehrt. Ein guter? Oder derselbe, der ihn in seinem Hause jetzt oft erschreckte. wenn Lcnchen einen Gassenhauer nach Hause brachte und Hilde dazu lachte? Es wurde lustiger um ihn. ja wohl. Er liebte die Lustig- keit grundsätzlich, besonders bei Frauen und Kindern. Luther pries solche Lustigkeit. Warum wurde ihm unbehaglich bei dem Gedanken, jetzt, wo ihm die Ferien Muße zum Denken schenkten? Grade seitdem er selbst wie ein Geck gekleidet ging, schien ein andrer Geist ins Hans gefahren, ein Geist des Wohl- lebens, ja der Ueppigkeit, als ob... ja, als ob er nnd seine Lieben erst jetzt angefangen hätten, Berliner zu sein. Daß es jeden Tag Kuchen gab, das hätte er kaum be- merkt. Aber Hilde war mit Lenchen bei gutem Wetter täglich aus, so daß Fräulein Reymond sich Siegsrieds wieder recht mütterlich annehmen mußte. Auf Bohrmanns Frage erwiderte Hilde immer kurz, sie wären im Freien ge- wesen, Lcnchen sähe ja blaß genug ans, und eigent- lich müßte ein Berliner Gemeindelehrer eine kleine Bade- reise machen können. Kam sie abends spät nach Hanse, so war sie immer bei ihrer Cousine Klunze gewesen. Einmal mußte sie sogar in einem Gartenlokal dem Tanz zugesehen haben, in einem sehr feinen Gartenlokal, das den Social- demokraten zu ihren Versammlungen nicht zur Verfügung stand und wo nur Unteroffiziere verkehrten. Auch ein med- liches neues Kleidchen, das Lenchen jetzt am Wochentag trug, bemerkte Bohrmann, ebenso allerhand Putz an seiner Frau. Da er aber wegen seines eigenen Anzugs nicht viel gefragt hatte, durfte er auch jetzt nicht drangen. Das hätte ja recht eigennützig ausgesehen. So war er in diesen schönen Julitagen diel allein und konnte sich einmal für die Lehrerzeitung und für sein zweites Drama gehörig vorbereiten. Von einem Kollegen, der allerdings ein Freigeist war, hatte er sich das Werk des berühmten Schriftstellers Gustav Freytag geliehen:„Bilder aus der deutschen Vergangenheit/ Ob er sich nachher für den Niebelungcnhelden entschied oder für einen Hohenzollern, diese Studien tonnten ihm nützen. Sein erstes Drania„Das Hohe Lied" schien ja einen: Erfolge entgegenzugehen, aber den konnte es nur der Be- Handlung verdanken, nicht dem Stoff. Er hätte für sein zweites Drama nicht leicht wieder etwas aus dem Alten Testament erwählt. Nicht etwa, als ob ihm das Alte Testament nicht mehr heilig gewesen wäre, oder ob er gar für die Anti- semiten viel übrig gehabt hätte; aber zeitgemäß.... Das war das richtige Wort. Zeitgemäß war ein Held ans dem Alten Testament nicht mehr. Auch erfuhren patriotische Dramen mitunter hohe, allerhöchste Auszeichnungen. Wenn der allerhöchste Beschützer der Kunst solche Stoffe wünschte, so wollte und durfte auch Bohrmann nicht zurückbleiben. Einmal kaufte er sich sogar eine deutsche Uebersetzung der Edda in der billigen Reclam-Ausgabe für vierzig Pfennige. Und noch eine Ferienarbeit hatte er zu leisten, eine liebe Arbeit. AlS er das letzte Mal in Maschas Boudoir geivesen war und sie vergessen hatte, über ihren Briefwechsel zu spreche», hatte er sie daran erinnert. „Wenn Sie es mir erlauben, meine holde Fee, so werde ich Ihnen alle Uebcrtage schreiben." Da sie nichts erwidert hatte, glaubte er sich gebunden und hielt gern Wort. Jeden zweiten Tag berichtete er, über sein Leben und über seine Studien. Jeder seiner Briefe war acht Seiten lang. Da er von seiner Liebe nicht sprechen durfte, wie er das selbstverständlich annahm, arbeitete er gewissenhaft kleine Aufsätze aus, Stinimuugsbilder in alt- deutschem Geschmack, und freute sich, die Briefe oft seiner Frau oder seinen Kindern vorlesen zu können, bevor er sie absendete. Die Studien und Dispositionen zu diesen Briefen nahmen den größten Teil seiner Zeit in Anspruch. Er war aber auch sonst nicht müßig. An den Aufsatz über das Verhältnis von Kirche und Schule wagte er sich freilich nicht gleich: aber die Anzeige der Reliefkarte von Palästina hatte er glücklich bc- gönnen. Er hatte weit ausgeholt, so daß es ein ganzer Arttkel zu werden versprach. Von der Bedeutung der realen Wissenschaften für die Volksschule und besonders von der Bedeutung der Geographie wollte er sprechen; seine Erfahrungen aus der Dorfschulmeisterzeit hatte er zu Grunde gelegt. An die Geographie der Heimat, ja eigent- lich an die Geographie des nächsten Kreises müsse man anknüpfen, wenn man die Kinder nicht unaufmerksam sehen wolle. Die Geographie des heiligen Landes werde niemals so recht Herzenseigentum der Kleinen werden, man müsse sie den höheren Schulen überlassen. Auch habe die Religion und selbst die biblische Geschichte nicht den erwarteten Vorteil von der Geographie des heiligen Landes. Bis dahin kam Bohrmann und unterbrach die Arbeit, weil da doch jedes Wort auf die Wagschale gelegt werden mußte. Erwartete man doch von ihm etwas ganz andres als eine Warnung vor allzuviel biblischer Geographie. Soweit war er und acht Briefe hatte er an Mascha ge- schrieben, als ihre erste Antwort eintraf. So recht eigentlich eine Antwort war es übrigens nicht. Zehn Zeilen, im Fluge geschrieben, in Maschas vernachlässigter Handschrift. Die Schweiz sei ein reizendes Land, die Berge hinreißend schön. Jetzt sei sie im Begriff, nach Ostende zu fahren, und von dort weide sie ordentlich und ausführlich berichten. Bohrmann schenkte seinem Siegfried die Schiveizer Brief- mark.' als Anfang einer Sammlung und legte das Briefchen zu st cn Seminarzcugnissen. Die nächsten Tage vermochte er nickt zu arbeiten. Der Duft des Briefes, dessen Umschlag er bei sich trug, verfolgte ihn und die Erinnerung an Maschas küsse. Höchstens die„Edda" konnte er lesen, weil er sie auch jetzt, zum zweitenmal, noch nicht recht verstand und ihren Inhalt nur dem Gedächtnis einprägen wollte. Nach einer regnerischen Woche kam wieder ein heißer Tag .tnd wieder ein Brief Maschas, diesmal mit einer belgischen Marke, aus Ostende. Der Briefträger hatte mit Hilde erst lange in der Küche verhandelt. Dann hatte Lencheu mit einem neckischen Lachen„Vätern" das weltgereiste Schreiben gebracht. Es klang fast wie ein Telegramm: „Kommen Sie, niein lieber Hans. Reisen Sie sofort nach Empfang dieser Zeilen ab. Die Szekal will die Königin krekren, verlangt aber Aendernngen. Auch ich erwarte Sie mit Sehnsucht und Ungeduld. Mascha." Bohrmann begab sich in sein Arbeitszimmer, um die Unter» schrift unbeachtet küffen zu können. Dann setzte er sich auf seinen Betttand nieder und trat im Geiste die Reise an. In einer Droschke zur Bahn, in einem Schnellzuge viele, viele Stunden weit immer gen Westen, dann irgendwo zu Schiffe und unter schwellenden Segeln hinaus in die weiteste Ferne, unter fremde Völker, bei denen er unter einer andren Sonne irgendivo an einem ttopischen Ufer landete, wo Mascha ihn begrüßte. Lange blieb er so sitzen und träninte. Dann seufzte er tief auf und ging hinaus in die Küche, um Hilde den Brief zu zeigen, wie man wohl einem Freunde einen kindischen Traum erzählt. Er war erstaunt, Hilde so friih am Vormittag zum Ausgehen bereit zu finden. Sie wisse schon, Mascha Lose habe auch an sie geschrieben, Johannes solle sich nur rasch fertig machen, sie werde ihm seinen alten Rucksack packen und jetzt gleich unten beim Kaufmann nachsehen, wann der nächste Zug nach Ostende gehe. Lachend vor Hoffnung und Unglauben wollte Bohrmann fragen: Was und wie? Da war sie schon fort. Bohrmann ging aufgeregt umher, er verschloß seinen Aufsatz über die Karte von Palästina, holte ihn gleich wieder hervor und legte ihn mit der Edda und einer Wilmersdorfer Badcfreikarte zu- recht. Dann erzählte er den Kindern von Ostende, von ganz fremden und ganz fernen Ländern und Völkern und erfand so merkivürdige Geschichten, daß er den Kindern wenigstens die Zeit vertrieb. Seine eigne Aufregung ließ nicht nach. WaS hatte nur Hilde? Wie dachte sie sich das? Wie konnte ein armer Lehrer eine so fiirstliche Reise machen? Erhitzt und vergnügt kam Hilde wieder. Aus ihrer Markttasche langte sie ein neues Portemonnaie hervor und legte daraus sechs blanke Hundertmarkscheine auf den Tisch. „Du siehst, Du kannst reisen." Und weiter legte sie auf den Tisch: ein Paar banni- wollene Handschuhe für den Neiscnden und eine Düte Konfekt für die Kinder. „Meine liebe Hilde," sagte Bohnnann und konnte nur stammeln vor Aufregung.„Du mußt mir sagen... Du mußt mir überhaupt endlich sagen... woher... wie Du zu dem vielen Gelde kommst." „Ach, laß doch, Johannes. Verdirb uns doch die Freude nicht." „Nein, meine liebe Hilde. Ich bin... der Herr... dieses schlichten Lchrcrhanses. Und ich darf nichts Unklares darin dulden. Und nun keine Heimlichkeiten niehr I Ich fühle zu oft Heimlichkeiten um mich her. Wie bin ich zu meinem kostbaren Anznge gekommen? Von der prunkvollen Wäsche gar nicht zu reden. Abgespart kannst Du es Dir nicht haben, denn wir führen seit Wochen ein Wohlleben... weit über unsren Stand. Wer hat den Prunk bezahlt? Woher kommt dieses... dieses heidenmäßig viele Geld?" Lenchen blickte mit großen Augen erwartungsvoll auf Mama. „Du bist wirklich langweilig, Johannes. Du gönnst einem nicht das kleinste Vergnügen. Na ja, wenn Du es auch verboten hast,... also... ich habe wieder in der Lotterie gespielt. Ein Zehntel nur. Ein Viertel zusammen mit Klunzes und mit der Waschfrau aus unsrer früheren Wohnung. Du kannst sie alle fragen, und jetzt haben wir endlich eine gute Nummer, Das ist alles." Mit erhobenem Haupte, mit gerunzelter Sttrne ging Bohrmann auf und nieder. „Ei, ei, mein liebes Kind l DaS Spiel ist unter allen Umständen eine sträfliche Leidenschaft. Durch Verluste müßte jeder Spieler gebessert werden. Es ist eigentlich zu bedauern, daß Du Glück gehabt hast." Siegfried hatte, von Lenchen augesteckt, ebenfalls die Mama angestarrt und fing jetzt zu weinen an, als der Papa ein so enistes Gesicht machte. Da rief Bohrmann, und seine Stimme verwandelte sich: „Es ist ja nicht wahr, Kinder! Mein Tadel,.. Hilde, meine gute Hilde, ich bin ja nicht böse. Ich bin der glück» lichste Mensch unter der Sonne. Reisen! So weit! Siegfried I Denk' nur! Unter ganz fremde Völker? Auch Neger sieht man in Ostcnde und Jndier und noch fremdere Völker, das heißt, meine gute Hilde... Du entbehrst so viel um meinet- Millen. Meinst Du wirklich, ich könnte das verantworten? Kinder, Ihr müßt nicht glauben, ich wolle deshalb reisen, weil ich mich so furchtbar freue! Aber ich soll doch Aen- derungen machen!" Er schwieg einen Augenblick still und blickte beschämt nieder. Dann fuhr er fort: „Sag ehrlich. Hilde, glaubst Dn. daß ich es ver- antworten kann? Vielleicht ist es nicht notlvendig. Vielleicht thue ich es nur... weil Mascha Lose es für richtig hält. Ehrlich I Di» mußt nämlich wissen, das ist nicht wie ein Ausflug nach Potsdam. Ich weiß ja nicht wie viel, aber es muß furchtbar viel kosten." „Du bist ein Narr, Johannes. Du wirst auf der Stelle thrui, was ich Dir sage. Das Geld ist gefundenes Geld. Wir müssen uns auch einnial etwas gönnen. Sparen ist für die Katz, und wenn der Himmel einstürzt, kriegen wir alle blaue Nachtmützen. Wir teilen das Geld einfach. Für mciire Hälfte besorge ich uns die Plüschgarnitnr, die wir uns schon so lange wünschen. Mit der andren Hälfte fährst Dn nach Ostende." „Nein, Hilde, das kann ich nicht verantworten. Auch wäre es zu viel. In wenigen Tagen bin ich wieder daheim, und da kann ich doch nicht so viel Geld verbrauchen." „Das verstehst Du nicht, Johannes. Die andre Hälfte aber behalte ich doch. Solltest Dn nicht auskommen, so mußt Du eben zusehen. Nctonrbillet nimmst Dn nicht. Sie werden Dich schon wieder nach Hause schicken. Wegen der Schule. Und dann werdet ihr in acht Tagen genug von- einander haben. Wer an Brot gewöhnt ist, kommt wieder." „Tu glaubst also wirklich, Hilde... aber dann iväre es auch die höchste Zeit... Kinder, Hilde, verachtet mich nicht I Ich nehme das Opfer an. Ich bin zu glücklich!" „Geh noch einnial zum Kaufmann. Er hatte vorhin nicht Zeit genug. Er soll auch nachsehen, wie viel der billigere Zug kostet." Bohrmann ging hinaus, kam aber im nächsten Augen- blicke wieder. „Hilde," sagte er bestürzt,„mein bißchen Französisch wird nicht reichen." „Katzenspaß I Die Kietzen kann wahrscheinlich gar nicht Französisch. So geh doch nur." „Weißt Du was, Hilde, ich habe noch das kleine französische Handbuch, vom Seminar her. Das nehme ich mit. Es stehen Konversationen darin." lflorlsetzimg folgt.) mactdrud v erboten.> Eine NaUcLvedo nns dem römischen Reichsnnzeigev. Das ZeitimgSlvesen gilt für eine Erniiigeiischaft der Neuzeit und mit Recht, da ja im wesentliche» erst seil Erfindung der Buch- dnickerkimst regelmäßig erscheinende Zusnnimenfassungen interessanter Tagescreiguisie allmählich auf der Bildfläche erschiene» find, und erst im Laufe des verflossenen Jahrhunderts die Tagespresse die gewaltige Entfaltung angenommen hat, zu der sie gegcmvärtig ge- langt ist. Jener Satz erleidet aber doch wenigstens eine Ein- schränkung. insofern thatsnchlich schon beinahe anderthalb Jahr- tansende, bevor Gutcnberg durch die Herstellung der bewegliche» Lettern mechanische Bcrvielsältigung von Geschriebenem in grossem Umfange erst möglich machte, eine täglicheZeitnug herausgekommen und jahrhundertelang ununterbrochen erschienen ist. Es sind das die acta, diurna(„lüiflifchc Geschehnisse"), die Staatszeitung des römischen Reichs, die seit JnlinS Cäsar täglich erschien. Seiner Änordnung zu- folge ivurde sie auf einem öffentlichen Platze ausgestellt, Ivo sie ge- lesen und abgeschrieben werden konnte. Die Vervielfältigung ge- schah in der Weise, daß bernfsniätzige Schreiber so viel Kopien machten, als sie Abonnenten besafie», denen dann ihre Exemplare bis in die entlegensten Teile des Reichs zugeschickt wurden; von den» berühmten Redner Cicero z. B. hören wir in seinein Briefwechsel, daß"er während seiner Statthalterschaft über die kleinasiatische Land- schaft Cilicien im Jahre 61 v. Chr. regelmäßig die Staatszeitung zugestellt erhielt. Dieser originelle Reichsanzeiger enthielt seit dem Untergang der Republik vor allem Berichte über Vorgänge in der kaiserlichen Familie, wie Geburten, Todesfälle, Leichenbegängnisse, Reisen usw., von politischen Dingen, was man der Oeffentlichkeit zu übergeben für gut befand, hauptsächlich kaiserliche Verordnungen, Beschlüsse und Reden im Senat, Maßregeln der hohen Beamten, Kriegsthaten der kaiserlichen Generäle, Gerichtsverhandlungen, Bauten, dann aber auch Vorgänge in den Kreisen der oberen Zehntausend, wie Geburts-, Heirais-, Ehescheidungs- und Todesanzeigen. Ueber die SenatSverhaudlungcn konnte die Staatszeitung ausführliche Berichte bringe», weil dieselben seit EäsarS erstem Konsulat(69 v. Chr.) vollständig protokolliert Ivurde» und zwar vermittelst einer eigen- lnmlichen Kurzschrift, die um jene Zeit erfunden wurde. DaS'sind die sogenannten tironischcn Noten, die also heißen nach ihrem Er- findcr, einem Freigelassenen des Cicero, Namens Tiro. Bon den heutige» Steiwgraphien unterschied sich dessen erst neuerdings geuancr erforschtes System grundsätzlich vor allem dadurch, daß, während bei jenen, auch in der Debattenschrift, nur solche Bruchteile des Ge- sprochenen weggelassen werden, die aus dem Znsammenhang ohne weiteres und niit Notwendigkeit zn ergänze» sind, bei dem antiken Verfahren Tiros zahlreiche Worte einfach fortbleiben, andre »ur mit den Anfaugsbuchstaben angedeutet werden, wobei die Wiederherstellung des Gesagten nur durch ZuHilfe- nähme des Gedächtnisses möglich ist. Obwohl aber dem- gemäß die tironischcn Noten bei weitem nicht so untrüglich waren wie die heutigen stenographischen Systeme, so haben sie doch ihren Ziveck erfüllt, und während der ganzen Kaiserzeit, so lauge der Senat noch regelmäßig tagte, dazu gedient, seine Verhandlungen in vollständiger Wiedergabe schriftlich z» fixieren. Ans diesem offiziellen Protokoll wurden solche Teile, die die kaiserliche Regierung zur all- gemeinen Kenntnis zu dringe» wünschte, in der Staatszeitung ver- öffeutlicht. . Während uns mm im übrigen ans dem Inhalt der Hunderte von Jahrgängen des römischen Reichsanzcigcrs nur hier und dort vereinzelte Notizen direkt erhalten sind, findet sich aus seinen Berichten über die Scuatsverhandluugen eine Anzahl größerer Bruchstücke wiedergegeben in einer sonst zum großen Teil. recht minderwertigen Sammlung von Kaiser» biographien, einem Verfallsprodukt, das der Zeit des Diokletian (gegen 300»i. Chr.) angehört. Sittengcschichtlich wohl der intcressan- teste unter diesen Berichten ist einer aus der Zeit des Kaisers Alexander Severus(222—236 n. Chr.). in dem der grauenhafte Verfall der römischen Welt zum abstoßenden Ausdruck gelangt und durch eine kurze Scene klarer veranschaulicht wird, als es langatmige Ausein« andersetznngcn vermögen. Die Zeiten der Julier und Flavier, unter denen die bekannten Namen Cäsar, Augustus, Tiberiiis, Caligula, Nero, Domitian besonders hervorspringen, tvaren längst vorbei. Der sogenannten glücklichste» Zeit des Kaiserreichs(96—180 n. Chr.). als die Cäsaren Nerva. Trojan, Hadrian und die beiden Antonine, Auto- niuns Pius und Marc Aurel, zwar beim besten Willen keineswegs dein allgemeinen Verfall im Innern nnd nach Außen hatten Einhalt gebieten könne», wohl aber als ehrenhafte und einsichtige Persönlichkeiten die vorhandenen und nicht zu beseitigenden Uebel nicht noch durch verbrecherische oder wahnsinnige Despotenlannen verschlimmert, sondern nach Kräften gemildert hatten, dieser entschwundenen Zeiten gedachte man»ur mit wehmütiger Sehnsucht. Mit Marc Aurels ent« arteten Sohn Commodus brach die Epoche der Soldatenkaiscr an, in der die zügellosen Regimenter der Prätorianergarde nach ihrem Belieben Kaiser ein- und absetzten. Schon tvaren die Prätorianer so iveit gegangen, gegen einen Preis von 6000 Mark pro Kopf dem reichen Didius Jnlianus die Herrschaft zuzuschlagen(28. März 193), und selbst der Kaiser Septinius Severus, der noch zn den bessere» gcrcchuet wird, halte auf dem Sterbebett seinen Söhne» und Nach« folgern Caracalla und Geta außer dem Rat, einträchtig zu herrschen, die Regiernngsinaxime ans Herz gelegt:„Bereichert die Soldaten, alle andern verachtet." Vier Jahre lang(218—222) hatte der Syrier Elagahal mit den tollsten Ausschweifungen— sein Geliebter HierocleS führte den officicllen Titel„Gatte deS Kaisers"— den Thron der Cäsaren geschändet, bis eS sogar den Prätorianer» zuviel wurde und sie ihn, als er seinem zum Milregentcn erhobenen 17 jährigen Vetter Alexander Severus nach dem Leben trachtete, stürzten und ennordcten: der junge Alexander, der einen vortrefflichen Charakter nnd hohe Bildung. aber nicht viel Energie besaß, wurde Kaiser<10. März 222). Bei all diesen Militärrevolutioucn hatte der ReichSrat oder das Herrenhaus Roms, der Senat, den fünf Jahrhunderte früher ein griechischer Staatsmann eine Versammlung von Königen nannte, und der da- mals in Gemeinschaft mit der Volksversammlung und den von ihr gewählten Beamten die Republik regierte, nur insoweit mitgewirkt, als er den ohne ihn getroffenen Entscheid der Soldaten nachträglich sanktionierte, dem gestürzten Kaiser noch hinterher einen Fußtritt versetzte und den neuen mit allen Ehrenbezeugungen, die kriecherische Schmeichelei ersinnen kann, überhäufte, alles, was er thnt, und wenn es die schlimmsten Verbrechen waren, edel, weise und bewunderungswürdig fand und in der ekelhaftesten Weise vor ihm auf dem Bauch rutschte, nnr ihn alsbald im Stich zn lassen und zu verdamme», wen» es mit seiner Herr- lichkeit zu Ende ging. Wie diese Adels-Bersamnilung das Hand- werk des Byzantinismus betrieb, davon giebt den besten Begriff der folgende Bericht der»et» ckiurn» über die Senatssitzung vom 6. März 223 n. Chr., in der die Senatoren dem jungen Kaiser an- trugen, sich nach den berühmten Kaisern des zweiten Jahrhunderts AntoninuS zu nennen, auch sich in einer Weise geberdeten, die wie eine Karikatur auf das Treiben unsrer heutigen Byzantiner und Hurra-Hochschrcier anmutet. Recht sympathisch ist das Auftreten des Kaisers, wie er offiziell hieß, AurcliuS Alexander Cäsar Augustus, der trotz seiner achtzehn Jahre sich nicht von der Schmeichelei die Sinne umnebeln läßt, sondern bescheiden und frei von aller Groß- sprecherei die ihm angebotene Ehrung zurückweist. (Schluß folgt.) Kleines Feuilleton. — Die Seesalz- Fabrikatiou auf Sicilie» reicht ins Jnhr 1507 zurück, als der ganze Strand von Vmrjala bis Trapani dafür freigegeben wurde. Heute liegen dort 45 Salzwerke. die sich im Privatbesitz befinden und für private Rechnung arbeiten, da das italienische Salznionopol sich auf Sicilien nicht erstreckt. Das Produktionsverfahren, das zwar primitiv ist, aber doch gute Erträge liefert, ist nach dem„Globus" folgendes: Das Seewasser wird durch eine Reihe von Pfannen, in die es durch Windmühlen hineingehoben wird, hindurchgeleitet, bis es durch die Verdunstung 30 bis 40 Proz. Salzgehalt geivonuen hat. Hierauf spart n>an es bis zur geeigneten Jahreszeit auf und entfernt dann das Wasser völlig. Das Salz wird dcnniächst in kleinen Haufe» in der Pfanne gesammelt und muh 24 Stunden trocknen, worauf man es herausnimmt und zu grogc», über 300 Tonnen fassenden Haufen für den Versand fertig aufschichtet. Die erwähnten Pfannen sind etwa 00 Quadratfust grog und 15 Zoll tief, der Boden besteht ans Sand. Trockenes, klares Wetter und ein leichter Wind— Bedingungen, wie sie»aineullich von Juli bis September anhalten— sind der Salzfabrikativn am güusligste». Das Salz, das in drei Qualitäten gewonnen wird. geht nach Skandinavien, Kanada und den Vercinigtcil Staaten und andre» Ländern mit großer Salzfifch-Jndustrie. Die Gesamt« Produktion dürfte 200000 Tonnen im Jahre betragen I davon ivurden 1900 über Trapani 107 500 Tonnen im Wert von rund 533 000 M. exportiert.— Bölkerkimde. — Sprichwörter der W a s ch a m b a. In den„Nachr. auS der oitafr. Mission" giebt der Missionar Johanssen in Hohen« friedcberg sUsambara-Deutsch-Ostafrikas Beispiele von Sprichwörtern der Waschamba, die er eigens sammeln läßt. Eine große Anzahl sind der Beobachtung de» Tierlevcns entnommen.„Du bist ein Geier, einen Hahnenschwanz bekommst Du nie", ruft der Waschamba jemand zu. der empfangene Gastlichteit mit knauserndem Benehmen bei einer Gelegenheit, sich erkenntlich zn erweise», vergilt.„Ein Bogel, der viel Lärm macht, hat gewiß kein Nest."„Ein rändiges Schaf hält sich nicht zur Herde."„Eine Ziege, die tapfer schreit. wird vom Hirtel» nicht auf der Weide vergesse»."„Der Nachischmetter- ling läßt sich nicht vom Feuer ivegschcuchen." Vom kinderreichen Hausvater heißt es:„Einem Elefanten wird sein Reichtum ssein Elfenbeins nicht zn schwer." Ans der Beobachtung der Borkoimn- niss« de« täglichen Leben» oder der Natur sind folgende Sprichwörter geschöpft:„Wer in» Prozeß einen Bürge» hat, den» braucht das Herz nicht zu klopfen."„Wer niit einein Freunde lebt, der geht nicht zu Grunde."„Friede im eignen Heim ist die Bedingung für guten Fortgang der Arbeit."„Der Schild, den Du erst an, Tag« der Schlacht in Ordnung bringst, hält nicht."„Deinem guten Fre»lnd giebst Du den Stat:„Kehre rechtzeitig heim." .Wa» Leiden heißt, versteht mir, wer bei Kranken die Nacht zubringt."„Wer noch einen Vater hat, wird zweimal satt." .Ei» weise» Kind hält sich zum Vater."„Wer selbst abg«rssie»le Kleider getragen hat. schenkt einem Armen auch gern ein neueS Gewand."„Auf zivei Bisie» ist der Mund nicht eingerichtet (näinlich sie gleichzeitig zu essen)."„Wer einen Höcker hat, sieht nur den seines Nächste»«, den eigenen sieht er nicht."„Die Lüge gleicht dem Monde: so sehr er vor der Sonne flicht, wird er schließlich doch von ihr beschienen."„Wer den Durst wirklich löschen will. muß sich zur Quelle selber niederbeugen."„Bei einen» treuen Hirten hält sich das Vieh zusanimen."„Wenn du auf den Panther schiltst, so schilt auch auf den Hirten."„Ein Hirte hat keine Zeit für ein Festessen."„Ein Hirte läßt auch de» Abfall e Kritiker.„Meinen Sie nicht auch? der zweite M war total überflüssig." „Und der erste hätte miiffci« gestrichen werden." «Den dritte» Akt, der jetzt ko'mnrt, kann ninu sich so denken." „Was soll also dam» noch der vierte? I"— — Gestörte Disposition. Zofe(entsetzt in das Zimmer stürzend):„Gnädige Frau, das Unglück I Das gnädige Fräulein ist mit den» Kutscher Jean durchgegangen!' Baronin:„O, fatal!'—'gerade jetzt, wo ich ausfahren wollte l"— — Abhilfe. Karl:„M»itter, im Milcheimer ist eine tote Maus." Mutter:„Nun, hast Du sie herausgenoinmen?" Karl:„Nein, aber ich habe die Katze hineingeworfen."— („Lust. Vl.') Notize». — Shakespeare? Drama„Der Kaufmai»»» von Venedig" wird deninächst im D c n t s ch e n Theater mit Max Reinhardt als Shylock und Louise Duinont als Porzia in Scene gehen.— — Eugen Pausa vom Residenz-Theater wird sich mit Ab- lauf dieser Spielzeit ins Privatlebe» zurückziehe».— — Der akademisch-litterarische Verein plant eine Anffiihrnng von Byrons„ S a r d a n a p a l" in der Uebersetzung von Josef Kainz.— —„S ck n I l»i n d R a u ch" veranstaltet am 9. April im Künstler- Hause eine Wiederholnng der heiteren KLiistlerabende. Ausgeführt »vird diesnial wieder die gesamte Carlos-Parodie mit ihren vier Teilen(die alte, die realistische, die secessioniftischc Schule und der Ucberbreitl-Carlos).— — Zum Studium der Berliner Museen wird der Pariser Gcmcinderat eine Abordnung nach Berlin entsende»».— — Der Tentsche Buchgcwcrbe-Verci» zu Leipzig hat eine internationale A u s st e l l n n g von K ü n st l e r- L i t h o- graphien, die ein umfaffendeS Bild von der Gesamten twicklting der künstlerischen Original-Lilhographie bietet, ueranslaltet. Die AuS- stellimg dauert bis zun» 23. April.— — Der Verein für dekorative Kunst»nid Kunstgewerbe, Stull- gart, veranstaltet ein Preisausschreiben. Gefordert tviid: Ein farbiger Entwurf in'/ro natürlicher Größe zu einer Polster- »nöbelgarnitur für einen Salon(Bezug mit Ansnäharbeil) in Hand oder Maschinenstickcrei, bestehend in einem Sofa, einen» Fantenil „nd eiucn» Stuhl. Details der Aufnäharbeit in nalürlichcr Größe mit Farbenongabc. 1. Preis 200 M., 2. Preis 150 M., 3. Preis 100 M. Nähere Bedingungen sind kostenlos vom Sekretariat des Vereins für dekorative Kunst und Kunstgewerbe, Stuttgart, Olga- straße 31. zn beziehen.— — Zwei m e d i z i u i s ch e K o n g r e s s e bringt der April in Berlin. Vom 10. bis 13. April u. M. tagt im Langcnbeckhanse der 30. Chirurgenkongreß. Vom 10. bis 19.' folgt im Architektcnhause der 19. Kongreß für innere Medizin. Es wird damit ei»e AuS- stellimg verbmidcii, welche die niodernen Hilfsmittel der niediziuischen Diagnostik umfassen soll.— '— Der„Verein Deutscher Gerber" erläßt ein Preis« ausschreiben folgenden Inhalts:„Wie können am einfachsten und wirksamsten die Abwässer der Gerbereien unschädlich gemacht und geklärt werden, so daß sie bei Einführung in die öffentlichen Bäche und Flußlänfe den Anforderungen der Behörden entsprechen, unter Beifügung der erforderlichen Zeichmiiigen mit Beschreibung und Angabe der Vau- und BetricbSmikosten?"— Festgesetzt für diese Arbeit ist als erster Preis 1000 M., als zweiter 600 M. und als dritter 300 M. Die Bedingiinge» sind von genau» tem Verein. Berlin C., Rathailsstr. 1, kostenlos erhältlich.— — Den Ertrag des Werks„Wie Leo Tolstoj lebt und arbeitet" wollte sein Verfasser Jsergejenko zu einem Stipendium verwenden, da» den Namen Tolstoj tragen sollte. Das russische Ministerium verweigerte die Genehmigung für die Stiftung.— Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Strobel in Berlin. Druck«nd Verlag van Max Babing in Berlin.