Hnterhaltungsblatt des owütU Nr. 63 Freitag, den 29. März. 190] (Nachdruck verböte»). 2i) Die thmfe Deihe. Berliner Noman. Von Fritz M a u t h n e r. XIX. ES war auf nichts ein Verlad, nicht auf den Kaufmann und nicht auf das Kursbuch. Alles kam anders. Da ein Ge- »neindelehrer, auch wenn seine. Frau in der Lotterie getvonnen hat, bestenfalls dritter Klasse fahren kann, so waren alle Rat schlüge des Kaufmanns unbrauchbar. Nach Ostende fährt man dritter Klasse nicht in Schnellzügen. Anderthalb Stunden zu früh kam Bohrmann mit Weib und Kindern nach dem Bahnhof Alexanderplatz. Lenchen und Siegfried vertrieben sich die Zeit mit dem Schokoladenautomaten, und Hilde unterhielt sich mit der Bnffetinamsell, deren Haartracht ihre Neugier reizte. Haus Bohrmanu dachte an die Wunder der Nordsee und griff dann und tvann er- sckrockeu nach seiner Hosentasche. Da trug er zwei echte französische Hundertfrankscheine verwahrt. Verschwender! tönte es in seinem Gewisjen. Sowie die Reisenden zugelassen wurden, stieg er in eine Abteilung für Nichtraucher uud sicherte sich einen guten Eckplatz auf der rechten Seite, auf der Nordseite. Von da muffte er die Nordsee früher erblicken. Jetzt glaubte er wirk- lich an seine Reife. Träumerisch und schweigsam blickte Hilde nach dm Reisenden,»velche in die zweite und erste Klasse stiegen. Neugierig schauten die Kinder darein, was wohl jetzt mit Papa geschehen würde. Plötzlich fragte Lenchen, ob Papa dort mit den Mädchen zusammen baden wurde. Hilde fuhr dazivischen und gab ihrem Mann Weisungen. Er sollte sich nicht erkälten, während der Fahrt nicht viel essen und sich in Ostcndc gut amüsieren. Während Bohrmann noch einmal sagte, er könne es eigentlich doch nicht verantworten, ging der Zug endlich ab. Er winkte noch eine ganze Weile mit dem feinen Taschentuch, dann richtete er sich in seiner Ecke gemütlich ein, setzte die baumwollene Reisemütze auf, zog die baumwollenen Reisehandschuhe an und erzählte den Nachbarn, noch.im Wcichbilde Berlins, er reise bis nach Ostende. Als niemand sich darüber verwunderte, holte er sein alteS französisches Handbuch hervor und begann sich in der französischen Kouvcrsation zu üben. Gespräche ans einem Schiffe:„Ist das Bramsegel gehißt. wein Herr?"—„Jawohl, mein Herr, das Bramsegel ist gehißt." Bohnnann tvar ein guter Lerner. Aber trotz der nütz- sichen Beschäftigung dauerte die Fahrt merklich lange. Der Kaufmann war' ein ganz unzuverlässiger Mensch, trotzdem Kaufleute doch Berufsreisende sind. Von zwanziä Swndcn hatte er gesprochen. Nach zwanzig Stuildm hatte Bohrmann dreimal den Wagen wechseln müffen und war noch in Deutsch- land. So groß konnte doch der Zeitunterschied zwischen Schnellzügen und Personenzügen nicht sein! Bohrmanu glaubte den Anfang der Schöpfung zu erleben. Es ward ans Abend und Morgen ein Tag und der andere Tag. Er ermattete über seinem Handbuch und ließ sich schließlich, dann und tvann aufmerksam aus dem Fenster lugend, weiter bringen, verladen und wieder weiter zerren, wie ein Frachtstück. Jenseits der belgischen Grenze machte er den Versuch, sich mit einem Schaffner französisch zu unter- halten. „Ich fahre nach Ostende, mein Herr. Fährt dieser Zug auch nach Ostcnde?" „Ich versteh Sie nicht," antwortete der Schaffner aus Deutsch und schlug die Thüre zu. Noch in Brüssel versäumte Bohrmann richtig einen Zug, weil er sich beim Umsteigen durchaus auf Französisch nach der Fahrzeit erkundigen wollte, in gutem Französisch. So oft fragte er das, bis sein Zug den Bahnhof verlassen hatte und ein Beamter ihn auf den nächsten Zug vertröstete, wieder ans Deutsch. Enttäuscht, zerbrochen, ausgehungert, schlaftrunken kam er endlich nach einer Reise von zwei vollen Tagen mit Sonnenuntergang in Ostende an. Nur so viel von seiner ersten Begeisterung erwachte jetzt wieder, daß er, zur Verwunderung der Badegäste, mit seinem Rucksack geraden Weg? nach dein Strande ging, um den ersten. von Thränen verschleierten Blick auf das heilige Meer zu werfen, wo am Horizont die Sonne hing wie ein durchsichtiger roter Luft- ballon. Dann ging er auf die Post und beschrieb da zwei exotisch aussehende internationale Postkarten, eine an �lackams et Mademoiaelle Bohnnann, eine an Monsieur Siegfried Bohrmann ä Berlin. Nachher erst fand er mit Hilfe eines stellen- losen deutschen Hausknechts in einem versteckten Winkelhotcl ein verstecktes Zinimerckien, von dem er nur noch das eine wahrnahm, daß cS dreieckig>var. Er Ivußte nicht, wie er ins Bett kam, und wachte erst spät am nächsten Tage auf. Er machte rasch eine rechte Müßiggängertoilcttc und suchte die„Digne" auf. Es war ihm nicht ganz klar, ob die Digne der Strand war oder eine Straße oder ein Kaffeehaus. Er wußte nur, daß man. das heißt Mascha, um elf Uhr auf der Digne war. Jetzt war alles Reise-Ungemach vergessen. Herr Gott im Himmel, tvar die Welt groß und schön, und es war eine Lust zu leben! Unendlich lag das Meer zu seinen Füßen, und war doch nur die Nordsee. War nur die kleine Nordsee und setzte sidx durch den Aermelkanal fort nach dem atlantischen Ocean! Dem Ocean l Und dann zum Nordpol und zum Südpol und rund um die Erde herum durch alle Längen- und Breitegrade. Jetzt, jetzt hätte er in seiner lieben ersten Dorf- schule sein mögen, um den lieben, lieben Jungens Geographie zu erklären. Jetzt war er selbst ein Weltrcisendcr, jetzt ver- stand er endlich Geographie... und Siegfried l Der mußte einmal später herkommen, besser vorbereitet, besser ans- gerüstet! Nicht sündhaft wie er, nein... ein erobernder Wcltreisender! Diese Menschen um ihn her! Französisch! Er hörte. Und draußen im Wasser... Heiliger Gott, da badeten Männer und Frauen zusammen l Sollte das Lcnchen gewußt haben? Das wäre ja... Und wenn morgen Pech und Schwefel über Sodom und Gomorrha niederfiel, heute war eine Lust zu leben! DaS war ja gerade das Herrliche, daß er unter fremden Völkern war, die fremde Sitten und Gebräuche hatten. Er wollte sich erkundigen, ob das Landessitte sei. Warum auch nicht? Roch weiter jenseits des Oceans gingen die Leute ja nackt. Und wenn es Sitte war, so wollte er unter die fremden Nationen hinausschwimmen und den fremden Zungen lauschen in der Brandung der Wogen. Wie sie brandeten! Thränen der Freude flössen ihm die Wangen herunter. Brandung! In seiner Knabenzeit, wenn er das Wort gelesen hatte in den Erzählungen des Kapitäns Dingsda, da hatte er sich bei den Worten immer etwa« besonders Erhabenes vorgestellt. Und jetzt erlebte er eS. Brandung I Da konnten ja Sdstffe untergehen I Fremde Stationen am Strande und im Wasser sprachen französisch und gewiß noch fremdere Sprachen. Um ihn her, auf und ab den breiten Damm,»vogte die Menschheit wie beim Turmbau von Babel. Wie waren die Leute gekleidet! Auch die Herren, besonders aber die Damen. Bunt wie ein blühendes Mohnscld! Vielleicht kam plötzlich ein Indianer daher mit seinem Federschmuck. Merkwürdig, jede dritte Gruppe sprach deutsch. „Da ist er sja endlich," rief plötzlich Maschas Stimme. Aus dem bunten Mohnselde heraus, aus dem Bohrmann niemals ein einzelnes Gesicht unterschieden hätte, löste sich wahrnehmbar ein Hansen von Sommerkleidern, von bunten Schuhen, von Schärpen und farbigen Herrenhemden, von weißen, roten und violetten Sonnenschirmen. Und irgendwo aus dem Trupp heraus klang es wie Ncumanns gutmütiger Baß: „Nu wird es noch mopsiger werden." Als Bohrmanu Mascha plötzlich leibhaftig vor sich sah. als sie ihm beide Hände reichte und etwas zu ihm sagte, da drehte sich ihm zuerst das Mohnfeld im Kreise und schien ins Meer fallen zn wollen, mitten in die heilige Brandung hinein. Daun wieder ging von Mascha das Licht ans, dak ihn all- mählich die Einzelnen erkennen ließ. Die kolossale Frau Kietz, deren Bluse sckzon wieder hätte gewechselt werden müssen, bei 8er Hitze, wie sie sagte, trotzdem sie hier ohne Korsett ging. Natürlich war der Vetter da, und außer Herrn Neumann auch seine Frau. Ter hatte der kleine Doktor Hantinger den Arm ge- reicht; sie die einzige Dame im dunklen Kleid, er fast wie ein Matrose angezogen. Bohrmann wurde vorgestellt, Be- kannten und Unbekannten. Sie drückten ihm alle die Hand, Direktor Lopinsky, Direktor Schmidt-Lefsbvre, der wirklich kaum wieder zu erkennen war, Oberregisseur Steinlein, Doktor Raskel, Doktor Kattowitzer, Hauptmann v. Dahlem..., und dann, als ob er das Schaustück der ganzen Gesellschaft ge- Wesen wäre, Herr Otto Petters aus Bremen. Er bildete den Mittelpunkt der Gruppe mit der Szekal, die ihren Arm leicht in den seinen gelegt hatte und in ihrem schneeweißen Kleid alle überstrahlte. Herr Otto Petters war ein ruhiger, dicklicher Herr und ging einfach städtisch angezogen. Wie ein ßunstmäcen sah er nicht aus. Aber er war wenigstens aus Bremen. Die anderen waren alle aus Berlin. Da wurde Bohrmann noch drei Damen vorgestellt, den buntesten des Trupps, die sich bisher in ihrer französischen Unterhaltung nicht hatten stören lassen. Bohrmann konnte kaum folgen. Fräulein Gusti Mauerhofer von» Kronprinzen• Theater, Fräulein Lizzi... auch vom Kronprinzen- Theater— der Familienname schien keinem einzufallen; und endlich: Madame Alice... de Paria. Siegfried I Es gab dem Lehrer einen Ruck. Er hätte in diesem Äugenblick selbst nicht sagen können, ob er an seinen Knaben oder an den Helden der Nibelungen dachte. Seine erste Pariserin! Es sprachen alle durcheinander. Deutsch, berlinisch sogar. Man frühstückte, man faullenzte, man aß zu Mittag, man bummelte, man schlief und bummelte wieder. Von seinem Stück und von den Aenderungen war nicht die Rede. Aber offenbar wußte alle Welt, wer er sei. Man sprach in seiner Gegenwart unaufhörlich vom Kronprinzen-Theater. Am nächsten Morgen, als Bohrmann beim Waschen war, trat Doktor Hantinger in seine dreieckige Stube. Der Dramaturg war also inzwischen Doktor geworden l „Nur ungeniert. Unter Herren l" Doktor Hantinger war sehr nervös; er sah heute aus wie ein halb verhungerter Raubvogel. Er werde hier als Dramaturg des Kronprinzcn-Theaters in Pflicht genommen werden. Von ihm werde die Ent- scheidung über jede Kleinigkeit abhängen. Bohrmann freute sich, eine so wichtige Bekanntschaft zu erneuern, und konnte die Herablassung des Herrn Doktor Hantinger nicht genug rühmen, der einem Anfänger den ersten Besuch gemacht habe. „Bitte, bitte." Doktor Hantinger liebe Ostende, aber es sei ein der- dämmt teurer Sand. Man komnie hier leicht in Ver- legenheit. ..Ja, ja," antlvortete Bohnnann.„Ich danke Ihnen für die Mahnung. Ich werde sehr sparsam sein. Es ist eigentlich unrecht von mir, daß ich die Reise gemacht habe." „Durch Neumann," sagte Doktor HanUnger nach einer langen Pause,„habe ich den Direktor in meiner Hand, viel mehr als Sie glauben 1 Oder durch Neumanns," fügte er mit einem infamen Lächeln hinzu. Bohrnumn kleidete sich vollständig an und hatte das Ge- fühl: es ist doch merkwürdig, daß eine so große Persönlich- keit wie ein Dramaturg einen so unangenehmen Eindruck machen kann. Doktor Hantinger sprach noch einmal von Bohrmanns Barschaft. Dann brach er ab, als ob der Lehrer ihn nicht verstanden hätte. Man traf sich nachher auf der Digue und ging baden. Bohrmann war glücklich, sich anschließen zu können. Er war dadurch des schwierigen Französisch- Sprechens enthoben und brauchte überhaupt nicht zu fragen, ob auch er unter die fremden Nationen hinausschwimmen dürfe. Auf dem Wege schloß sich ihm der Doktor Raskel an. „Sie wollen ein Stück geschrieben haben? Es wundert mich eigentlich, daß Sie nicht'mal die Güte hatten, mich auf- zusuchen. Sie hätten es ruhig thun dürfen. Es interessiert mich, die Anfänge junger Leute kennen zu lernen." Bohrmann blickte erstaunt auf den Doktor, der kaum älter war»ls er selbst. „In welcher Eigenschaft," fragte Bohnnann stotternd.... »Sind Sie Schriftsteller, Herr Doktor?" „Das ist gut!" schrie Raskel kaut über die Digue.„Höre 'mal, liebste Gusti, das ist etwas für Dich. Der Jüngling kennt Raskel nicht. Das ist sogar sehr gut, und das schreibt Stücke!" Ein glatt rasierter Mann von etwa fimfzig Jahren hing sich in Bohrmanns Arm. Er brachte sich als Oberregisseur Steinlein vom Kronprinzen-Theater in Erinnerung. „Gestern früh bei der ersten Begegnung..." Der liebe Bohrmann solle sich nichts daraus machen. Raskel sei ja augenblicklich der einflußreichste Kritiker von Berlin und glaube alle Direktoren in der Tasche zu haben. Aber so was dauere niemals lange. In Berlin schlage immer einer den andern tot. Uebrigens wisse doch der liebe Herr Bohrmann, daß er, der Oberregisseur Steinlein, durch seine Frau alles beim Kronprinzen- Theater vermöge. Man sei ja des dummen Geredes wegen geschieden, aber Gusttz werde nienrals auf die Bühne treten können ohne ihren' lieben, alten Oberregisseur. „Wir werden gute Freunde sein, lieber Herr Bohr- mann." Und Bohrmann kam sich plötzlich wie ungewaschen vor nach einem langen Händedruck. Es war ein großer Andrang bei der Ausgabe der Bade- Wäsche und bei den Badekarren. Doktor Kattowitzer erbot sich, unter fürchterlichen Kalauern auf den Namen Bohrmann, den Kollegen unter seinen Schutz zu nehmen. Und wirklich, ohne daß Bohrmann französisch zu reden brauchte, bekam er Badewäsche; er stand mit Doktor Kattowitzer hart am ewigen Meer, wo die letzten Ausläufer der heiligen Brandung heran« spülten, und wartete auf einen Karren. Die beiden Hundert- Frankscheine, von denen er einen seit einer Viertelstunde zer- knittert in der Hand gehalten hatte, wie eine Dorfschöne des Sonntags ihr Taschentuch, mußte er ungewechselt wieder einstecken. Hauptmann v. Dahlem trat an sie heran. Er durfte wegen seiner Vollblütigkeit nicht baden. Er trieb sich mit einem Opernglas am Strande herum. Es schien hier erlaubt zu sein, die fremden Nationen durch ein solches Teleskop zu betrachten. „Hören Sie," sagte er zu Bohnnann,„Sie sind doch, ja Wohl, eh, der mit, eh. aus dem Alten Testament. Ich meine Ihr Stück. Fragen Sie nur, ja wohl, eh, den Doktor Katto- witzer, der wird Ihnen sagen, ob ich Ihnen, eh... nützlich sein kann." Plötzlich fuhr er mit dem Opernglase an die Augen und stöhnte vor sich hin: „Eh, ja wohl, eh..." Ohne Doktor Kattowitzer wäre Bohrmann nie in einen Badekarren gekommen. Der mußte ja förmlich erobert werden l Da war es im Seebade von Wilmersdorf bei Berlin freilich bequemer. Aber so schön wie hier war es nicht. Mitten in der heiligen Brandung stand jetzt ihr Badekarren, und durch die Fugen des Fußbodens schlug sie manchesmal hindurch. Doktor Kattowitzer belehrte Bohnnann darüber, daß v. Dahlem, ein pensionierter Polizeihauptmann, immer noch Fühlung mit einzelnen Beamten habe, und speciell bei französischen Possen, die auf der Kippe standen, in Censur- fragen beraten könne. Auch stehe er in Beziehungen zu Lizzi, der Freundin NeumannS... „Aber so was schreiben Sie wohl nicht?" „Wie sollte ich Französisch schreiben," fragte Bohrmann erstaunt.„Auch deutsche Possen würde ich niemals schreiben." In demselben Augenblick fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Der kleine, runde, schwarze Kerl, der sich da im Karren mit ihm entkleidete und der auf der Brust so entsetzlich haarig war, der war der berühmte Kattowitzer, von dem Bohnnann vor einigen Jahren sogar selbst ein Stück gesehen hatte, weil es zweihundertinal aufgeführt worden war. Er überbot sich tn Entschuldigungen, und Kattowitzer lachte herzlich. „Sie sind ja unbezahlbar, herrlicher Bohrmann. Sie sind eine komplette Numnier, aber gefallen mir, auf Ehren- wort, ich habe Sie gern. Geben Sie mir übrigens Ihr Stück zu lesen. Ich mache dann eine Posse unter demselben Titel zurecht, und wenn Sie Eisolg haben, nützen wir uns gegenseitig. Ich komme mit meiner Parodie den andren zuvor, und Ihnen mache ich Reklame. Das ist ein gesundes Geschäft." 251— Kattowitzer öffnete die Karrenthür und stieg ruhig und vorsichtig in die Nordsee, als ob sie eine Badewanne gewesen wäre. Auf der obersten Stufe war Vohrmann stehen ge- blieben und blickte hinaus. Plötzlich packte es ihn wie ein Zwang, und der Turner sprang im Hechtsprung über Katto- witzer hinweg, der mitten im Abreiben„Eine Nummer I" vor sich hinbrunimte, ins heilige Meer hinein. Tann tauchte er auf, wonneberauscht, und nüt mächtigen Stößen hinein unter die fremden Nationen. (Forisetznng folgt.) Machdruck»erboten.» Eine MÄiservcde nus Ire tu römisitzen Arithsnuzelgev. (Schluß.) Mexander Severus hatte erst gar nicht zn der Sitzung im Tempel der Eintracht, zn der er eingeladen ivorden tvar, kouunen wolle», weil er wußte, was ihm zugedacht war. Als er dann endlich doch erschien, wurde er mit folgendem Zuruf empfangen:.Tugendhafter Augnstus, mögen die Götter dich erhalten! Kauer Alexander, mögen die Götter dich erhallen! Die Götter gavcu dich uns, mögen die Götter dich uns bewahren! Die Götter haben dich den Händen eines Sünders(Elagabal) entrisse», mögen die Götter dir langes Leben verleihe» I Auch du hast das Joch des sündhasten Tyrannen ge- tragen; auch du seufztest beim Anblick des Sünders und Wollüst- lings. Ihn haben die Götter ausgerottet, mögen dich die Götter erhalten I Mit Recht ward der schmachvolle Kaiser verurteilt. Heil uns unter deiner Hcnschast, Heil den, Staat I Zum abschreckenden Beispiel ist der Schändliche am Haken geschleift ivorden. mit Recht bestraft der schwelgerische Kaiser, mit Recht bestraft der Beflecker der Ehren. Dein Alexander verleihen die unsterblichen Götter Leben; hier offenbart sich das Gericht der Götterl' Als Alexander seinen Tanl aussprach, erscholl der Zuruf:.Antouinus Alexander, mögen die Götter dich erhalten I Antouinus Aurelius, mögen die Götter dich erhalten I AntoninuS PiuS, mögen die Götter dich erhalten I Nimm den Namen AntoninuS an, wir bitten dich. Eingedenk jener guten Kaiser laß dich AntoninnS nennen. Reinige du den Namen der Anlouine; Ivos jener schändete, daS reinige du. Stelle die Würde des antoninischcn Namens wieder her. Möge das Blut der Antonine sich iu dir erkennen. Räche die Verimglimpfnng des Marcus, räche die Verunglimpfung deS Berns, räche die Vernngliinpfuug des BasfiannS. Schlinnner als Commodus war allein jElagabal; er war weder Kaiser, noch Antouinus. noch Bürger, noch Senator, noch Adliger, noch Römer. In dir niht unser Heil, in dir unser Leben. damit wir des Lebens froh werden. Er werde AntonilUlS genannt, als Antoninus weihe er die Tempel der Antonine. Die Parther und die Perser besiege Antouinus. Den geweihte» Namen enipfange »in Geweihter. Den geiveihten Namen empfange ein Reiner. Den Name» des Antoninus, den Namen der Antoniue mögen die Götter beschütze». I» dir und durch dich besitze» wir alles, o Antoninus l' Auf dieie Acclamaliouen erwiderte der Kaiser:»Dank sei euch, ver- sannnelte Väter, nicht jetzt zuerst, sondern auch wegen der C äsarwürde. wegen der Erhaltung nieines LebenS, tocgcn der Ertei- knng des AngustuStrtels, der Oberpricsterivürde, der tribnniciichen und prokonsularischen Gewalt: Ehren, die ihr mir durch eine Gunst ohne gleichen sämtlich an einem Tag beilegtet.' Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als man ihm von neuem zurief:»Alle diese Edren hast d» angenommen, so nimm nun auch den Name» Antoninus an. Das darf der Senat, das dürfen die Antoniue verdienen. Antoninus Augnstus. mögen die Götter dich beschützen I Mögen die Götter dich, Antoninus, erhalten I Den Münzen werde der Name der Anionin« zurückgegeben, die Teulpel der Antonine weihe ein Auto- ntinis.' Der Kaiser fuhr fort:»Ich beschwöre euch, versammelte Väter, versetzt mich nicht in die bedenkliche Notwendigkeit, einem so große» Namen genügen zu müssen, zumal da schon der Name, den ich führe, obwohl ei» ausländischer(Alexander) mir eine Bürde scheint. Fürtvahr, alle solche ausgezeichneten Namen sind niederdrückend. Wer wollte etwa«inen Stummen Cicero nennen, wer einen Unwissenden Varro, wer eine» Ruchlosen MetelluS? Und, was die Götter verhüten mögen, tvenn jemand, ohne seinem Namen zu entsprechen, im Glänze der höchsten Würde verweilt, iver würde ihn dulden?' Die nämlichen Zurufe erschollen, wie zuvor; der Kaiser aber sprach:»Von welcher Bedeutung der Autonine Namen oder vielmehr ihr himmlisches Walten war,' daS ist gewiß, versammelte Väter, noch in eirrem Gedächtnis. Gilt es Frömmigkeit, wer war heiliger als Pins? Gilt es tiefes Wissen, wer weiser als Marcus? Gilt es Redlichkeit, wer offener als VeruS? Gilt cS Tapferkeit, wer tapferer als VassianuS? Denn des CommoduS Ivill ich jetzt nicht gedenke», der um so verabscheuungswürdiger war, da VC bei solchen Sitteu den Namen Antoninus beibehielt. Diadnmenus aber war noch zu jung, hatte nicht Zeit, den Namen zu verdienen, den die Schlauheit des VaterS ihm zugeführt.' Wieder erfolgten die Zunife, wie vorher, der Kaiser fuhr fort:„Neuerlich aber, wohl erinnert ihr euch dessen, ver- sammelte Väter, als jenes Ungetüm, das an Schamlosigkeit nicht nur alle ziveifüßigen, sondern selbst alle vierfüßigen Geschöpfe über« traf, den Namen Antoninus sich anmaßte und in Schandrhaten und Schwelgereien den Sieg über die Nerone, die Viiellier und die Commodus davontrug, ivie war da das Seufze» allgemein, wie herrschte da unter allen Klassen deS Volks und in allen ehrenwerten Kreisen nur eine Stimme darüber, daß dieser nicht mit göttlichem Recht AntoninuS heiße und daß durch diese Pest der so erhabene Rani« geschändet iverde I' Bei diesen Worten rief man ihm zu:„Solche? Unglück möge» die Götter verhüten I Unter deiner Herrschaft fürchten wir dies nicht. Unter deiner Führung sind wir davor sicher. Du hast gesiegt über die Laster, gesiegt über die Verbrechen, gesiegt über die Schmach. Du hast dem Namen AntoninuS Ehre gemacht. Wir sind unbesorgt, wir sind voll guten Vorurteils. Wir haben dich von Kindheit an erprobt und erproben dich auch jetzt." Der Kaiser erwiderte:„Nicht deshalb,. versammelte Väter, scheue ich mich, jenen iu aller Auge» so ehr« umrdigen Namen anzunehmen, weil ich besorgte, ich möchte in ein ähnlich lasterhaftes Lebe» verfallen, oder weil ich mich des Namens schämte; allein einmal widersteht es mir, den Namen einer fremden Familie mir anznmaßen, und andrerseits glaube ich auch, daß dessen Gewicht mich niederdrücken dürfte' Reue Acclamatiouen, wie zuvor, er ftihr fort:„Gewiß, so gut. wie den Namen deS Antoninus, kann ich auch de» Namen des Trajau und deS Titus und deS Vespasian annehmen." Bei diesen Worteii unterbrach ihn der Ruf:. In gleichem Sinn, wie Augnstus. so heiße auch AntoninuS." Daraus der Kaiser:„Ich sehe wohl, versanunelte Väter, was euch bewegt, diesen Namen mir beizulegen. Der erste AiiguftnS ist der erste Urheber deS Kaisertums, und sein Namen ist uns allen glcichivie durch Adoption, oder Erbrecht überkommen; die Antonine selbst hieße» Augusti. Den Namen AntoiiinuS dagegen hat PitlS nach wirklichem Adoptionsrecht auf Marcus und Berus übertragen. CommoduS erhielt ihn als Erb« stück; bei DiadmnenuS war er etwaS Absichtsloses, bei BassiauuS eine Affektalion, und bei Aurelius Alexander ivürde er lächerlich sein.' Nunmehr erscholl der Zuruf:„Alexander SugustuS, die Götter möge» dich schützen I Heil dir ob deiner Bescheidenheit, deiner Klug« heit, deiner Untadelhaftigkeit, deiner Sittenreiuheit I Jetzt erkennen wir, was du uns sein wirst, hieran erproben wir dich. Du wirst eS bewirken, daß die Fürstenivahlen des Senats gut ausfallen, be« wirken, daß daS Urteil des Senats für das beste gilt. Alexander AngustuS, mögen die Götter dich beschützen I Mag denn der Antonine Tempel Alexander AugnstuS weihen. Dich, unsren Cäsar, unsren AngustuS, unsren Imperator,»lögen die Götter erhalten. Sieg, Glück und Herrschaft viele Jahre laug I" Kaiser Alexander nahm von neuem daS Wort:„Ich sehe, versa», nielte Väter, daß ich erreicht habe, waS ich ivollte, und für diese Gewährung kann ich nicht nmhin, die größte Erkenntlichkeit zn hegen und zu bethätigen, indem ich danach ringen iverde, daß auch der Name, den ich mit auf den Thron gebrächt habe, ivürdig genug sei, um von andren begehrt und guten Fürsten durch das Urteil euerer Pietät zuerkmiut zu Iverde».' Nach diesen Worten ertönte der Ruf:„Großer Alexander, die Götter mögen dich schützen I Hast du den Namen Antoninus zurückgewiesen, so nimm den Beinamen deS Großen an. Großer Alexander, die Götter mögen dich schützen!' Als dieser Ruf sich immer wieder erneuerte, sagte der Kaiser:„Eher dürste ich, versammelte Bäter, den Namen der Antonine annehme», denn dafür ließe sich doch, tvenn auch nur einigernlaße», die Blutsverwandtschaft oder der gleiche Beruf zur Führung des kaiserlichen Titels geltend machen. AuS welchem Grunde aber wollte ich den Namen des Großen anuehinen? WaS habe ich denn schon Großes gethan? Alexander hat ihn erst nach großen Thateu, Pompejus erst nach großen Triumphen angenonnncn. Lastet also ab, ehrivürdige Väter, und selbst großmächtig' wie ihr seid, haltet mich lieber für einen der enrigen, als daß ihr den Nanien des Großen auf mich über- tragt.' Hierauf erschollen die Zurufe:»Aurelius Alexander AngustuS, die Götter mögen dich schützen l' und so weiter, wie eS Sitte ivar. Das ist also eine von den Haitpt- und Staatsaktionen, mit denen der römische Senat unter dem Kaiserreich den größten Teil seiner Zeit totschlug, und die dann von dem Reichs- Anzeiger lang un!� breit registriert ivnrdcn. Diesmal aller- dingS blitzten die loyalen Herrschaften eklig ab. und man kann an der Rede deS kaum dem Knabenalter entwachsenen Kaisers höchstens aussetzen, daß er den vornehmen Bedientenseelen, die nach der Ablchnnug der ursprünglich beabsichtigten Ehrung die Unverftorenheit besaßen, ihm schleunigst den Beinamen deS Großen zu offerieren, nicht etwaS unverblünitcr die Wahrheit sagte. Jeden« falls aber macht die seltene Selbsterkenntnis, die der junge Kaiser beivies, ihm alle Ehre. Er ivußte auch zweifellos ganz Ivohl, welcher Wert den Ergebenheitsbeteuerungen nud Ehrenerweisungen der Senatoren beizunieffen sei. Als Alexander Severus am IS. März 235 einer neuen Militärrevolution zum Opfer fiel, da � Ivar cS die feile Bande im Senat auch zuftieden und brachte bei seinen Nach- folgen, die nämlichen plumpen Schmeicheleien an de» Mann; und das las man dann natürlich nachher mich höchst erbaulich im»Reichs« Anzeiger".— a. c. Kleines Feuilleton. — ttcbcr die Bildung des Gninmi arnbicninS berichtet D.- Walter Busse, der Leiter einer deutsch- oslafriknuischen E' pcditiou, ivelcher i» den dortigen Steppenlniider» zahlreiche Gummi- LUuzicii auffand, dah es sich dabei um eine Ausschwitzuug der Rinde handelt, die Ivesentlick durch die Thätigkcit von Anleisen hervor- gernfeu wird. Diese Tiere bohren, wie der»Prometheus" dein Bericht entnimmt, durch die Rinde der Dornensträucher Löcher in das Holz, woselbst sie ihre Wohnungen und Brut- ucstcr anlegen. Jede Bohrung veranlaßt au den Aesten der Atazie» rillen Gummi- Ausfluß, der zu einem Klnmpchcii oder einem Streifen erstarrt. Schlägt man mit einem Stork gegen einen solche» mit Gnnnnikliimpchen besetzten Strauch, so kommen ans den Löcher» zahlreiche Ameisen hervor, die aufgeregt hin- und herlaufen und schließlich hinabfliehen, um sich an der Erde zu ver- kriechen. Der Gnmnii-Ansfluß bat keinerlei Nutzen für die Ameisen, sondern bildet eher ei» Hindernis, ivelchcs sie sorgsam meiden»liisse». Sie suchen in dem Dornenstrauch, welche« die Weidctiere vermeiden, nichts als sichere Wohnungen.— Anthropologisches. — Die körperliche Beschaffenheit der Andernach e r Bevölkerung zur Zeit der Karlinger be- trachtet Kruse s. Bonner Jahrbuch tvOO") und kommt zu dem Schluß, daß der WnchS der Anderuacher seit mehr als llXX) Jahren im wesentlichen der gleiche geblieben ist. Bei der Musterung von etiva 30» stellungspflichtigen jungen Andernachern der Jetztzeit ergab sich als Mittel 1.6iiK Meter; eine ganz ähnliche Zahl ermittelte Kruse für die »nännliche Bevölkerung des karlingische» Gräberfeldes. Aber auch Messungen, die cimvandsfrei in den letzten Jahren anderweitig angestellt wurden, und zwar in ziemlich großem Uni fange, führten zu dem gleichen Ergebnis: Die Germanen der nieroivingischcn und und karlingische» Zeit unterscheiden sich in Körpergröße und Knochen- bau keineswegs von der hentigeu Bevölkerung Deutschlands. Ob die Germanen des Cäsar und TacituS wirklich die Riesen gewesen sind, für welche sie vielfach gehalten werden, das zu beurteilen haben wir leider keine genügenden Skelctlfunde anS jener Zeit. Wahrscheinlich find sie es gerade nicht. Und daß die Germanen den Italienern groß vorkamen, darf nicht befremden, denn die Größen- unterschiede der heutigen italienischen Rasse und der Deutsche» sind auch noch sehr bedeutend. ES gicbt beispielsweise in ganz Italien nach der Rekrntierinigsstatistik keine einzige Provinz, die so große Leute im Durchschnitt wie Andernach liefert. In der Schädelbildung der alten Andeniacher macht sich insofern ein Unterschied bemerkbar, als der Typus dieser altgermanischcn Schädel langköpfig ist. d. h. der Schädel ist lang und schmal, während die der moderne» Ander- Macher mehr kurz und breit sind.— Meteorologisches. — Das Zugspitz-Klima. Die Zugspitze, die seit vorigem Herbst die höchst gelegene Wetterwarte Deutschlands beherbergt, hat ein Klima, das sich durch gleichmäßige Kälte und äußerst geringe SomnieNvärme auszeichnet. Es ist durchaus arktisch, da wir, um im MeereSniveau dessen durchschnittliche Jahrestemperatur von — 6 o C sgegenüber+ 7,4 0 in Münchens wiederzufinden, bis Spitzbergen oder bis zum äußersten Nordosten Sibiriens wandern müssen. Aber die Winteikälte, die auch heuer— 30° C nicht iil»er- stiegen hat, ist keineswegs übermäßig empfindlich und kann mit den Wintertemperaturen der Polargegenden auch nicht annähernd ver- glichen werde». Das auffälligste an diesem alpinen HochgebirgS- Klima ist die Temperatur des Hochsommers, während dessen eine Külte bis zn— 7° durchaus nicht selten ist. Während die durch- fcknittliche Juli» Temperatur für München 4- 17,2° beträgt, bezeichnet die Zugspitze dafür bloß 4- 1.3�. Ebenso wie in den Polargegenden scheint auch hier die wenigstens im Winter völlig staub- und bakterienfrei« Luft Erkältungen und viele sonstigen Er- kranlungen so gut als vollständig auszuschließen. � Technisches. — Selbstentzitndu ng von Steinkohlen. Die Steinkohlen enthalten stets ungesättigte Verbindungen, die Sauerstoff aus der Luft rasch onfnehmen.' Hierdurch gewinnen die Kohlen an Gelvicht, an Güte als Brennmaterial natürlich verlieren sie. Bei rascher Sanerstoffanfnahme erfolgt eine Teuiperaturerhöhnng, dadurch bedingt eine stärkere Oxydation, wodurch die Gefahr einer Selbst- entzüudung wächst. Andre in den Kohlen enthaltene Verbindungen »ehme» auch Sauerstoff auf. jedoch unter Abscheidnug von Kohlensäure und Wasser. Dieser Orydatiousprozeß verläuft langsamer, ist daher ungefährlicher als der erstere. Feuchtigkeit fördert die Selbst- entzüudung. Auch die Oxydation des beigemengten Schwefelkieses wird durch Naßwerden wesentlich begünstigt, die Einivirkung dieses Vor- gangs auf die Entzündung wird jedoch meist überschätzt. Wird durch aufgestapelte Kohlen so viel Luft geleitet, daß die bei der Oxydation frciwerdende Wärme abgeführt und so die Erwärmung der Kohlen bis zur Entzündungstemperatur verhindert wird, so kann eine Selbstentzündung verhütet werden. Praktisch kann dies nicht zuverlässig geschehen, ebensolvenig wie die völlige Ab- schließnng von Sauerstoff sich ermöglichen läßt. Troikene Lagerung, Schutz vor Sonnenschein und andrer Hitze, solvie nicht zu hohes Aufstapeln der Kohlen sind die praktisch bewährtesten Mittel zur Verhütung der Selbstentzündung. Ei» Priifuugsverfahren über die mehr oder weniger vorhandene Eigen- schaft der Selbstentzündung bei verschiedenen Kohlensorten beruht, wie das„Bayr. Industrie- und Gcw.-BI." schreibt, darauf, daß die rasch Sauerstoff aufnehmenden Kohlen auch rasch und viel Brom onfnehmen. Mischt man 1 g der betreffenden Kohlenprobe mit 2» ccra Salzsäure und gießt viermal hintereinander je ö vom Brom- kalilösung hinzu unter häufigem Umschntteln, so giebt ein bleibender Bromgernch Berechtigung, auf die Ungefährlichkeit der betreffenden Kohlensorte zu schließen.' Genaue Grenzwerte lassen sich nach dieser Methode jedoch nicht feststellen. Humoriftischcs. — Kollegcn-BoShcit. A.:«Sie, waS ist das eigentlich, ein Defizit?" B.:«Wissen Sie WaS? Mieten Sie bei unS den große» Konzertsaal für einen Abend, lassen Sie Plakate drucke» und geben Sie einen Klavierabend) was S i e davon haben werden, das ist ei» Defizit."— — Schlechte Aussicht. Direktor(der mit dem Autor während der faden Premiere durchs Guckloch sieht):«O, Iveh I Alles hat de» Mund auf und gähnt!... Ich konnne mir vor, wie ei» Tanbstuinmer, der einen Gesangverein singen sieht!"— («Meggend. hm». Bl.'j Notizen. — DaS Deutsche Theater bereitet eine Ausfühnmg von JbseuZ„Volksfeind" mit B a s s e r>n a n» als Dr. Stock- mann vor.— — Die nächste Sondervorstellung deS«Berliner Theaters" bringt Goethes„SatyroS" und„Elpenor", sowie Kleists«Robert Guiscard".— —«Die Freimaurer", eine Tragikomödie von Karl B l e i b t r e u. ist vom R a i m n n d- T h e a t e r in Wie» zur Anfführnng angenommen worden.— — Gerhart Hauptmanns«Hannele"'"ird während der Ostcrtage im T h ö» t r e A n t o i n e in Paris in Scene gehe».— — Siegfried Wagners Oper«Herzog Wildfan z" erzielte auch in Leipzig keinen rechten Erfolg.— — Der französische LandschastS- und Historienmaler Jean Cazin ist im Alter von 6» Jahren in Paris gestorben.— c. U e b e r p r o d u k t i o n an Gemälden. DaS Grand PalaiZ der ChampS-EIYsöeS hat in diesem Jahre nicht weniger als 7553 Gc- mälde, Aquarelle, Zeichnungen und Miniaturen für die beiden SalonS erhalten. Die Scndnngen waren in diesein Jahre besonders deshalb so außerordentlich zahlreich, weil eS im vorigen Jahre wegen der Weltansstellung keinen Champ de Mars gab und der Salon der Ehamp»- ElhsöeS nur ein Werk von jedem Künstler annahm. Im Jahre t8vt beklagte sich ein Kunstkritiker bitter, daß der Salon dieses Mal mit 72» Einsendungen überschwemmt seil Ein Viertel- jahrhnndert später zählte der Salon 1834 Nnmmeru, vor 50 Jahren 1757 und vor 25 Jahren 4033, In diesem Jahr wird es jedenfalls doppelt soviel Kunstwerke im ganzen geben als vor 25 Jahren und zehnmal soviel als vor hundert Jahren.— — In Hamburg beabsichtigt man an Stelle des alten ObservalorinmS eine neue Sternwarte in der Nähe von Berge- dorf zu gründen.— — Der neue Stern im Bilde des PerseuS giebt seinen Beobachten! fortwährend neue Rätsel auf. Sein Licht hatte bis zum 13. März ziemlich beständig abgenommen i am 17. wurde ein vorübergehendes Aufflammen um wenig« Stufen beobachtet, und am 2». telegraphierte Pokrowsky ans Dorpat an die astronomische Centralstelle in Kiel, daß die Helligkeit ivieder im Zunehmen sei. Diese Zunahme kann jedoch nur von sehr kurzer Daner gewesen sein, denn am 21. erschien der Stern kann! mehr so hell ivie am 13., und am 24.(Sonntag) hat er eine der merkwürdigsten Phasen seine? Lichtwechsels durchgemacht, nämlich eine ganz rapide Abnahme um etwa eine halbe Größenklasse in weniger als zwei Stunden. Die Abnahme hält noch an, und der Stern war am Montagabend noch viel schwächer als er Sonntag kurz vor Mitternacht gewesen ist. Er ist jetzt nur mehr mit Hilfe genauerer Karten aufzufinden.— — Die Generalversammlung der«Deutschen A n t h r o- pologischen Gesellschaft" wird vom 4. bis 8. August in Metz tagen.— Die nächste Nummer deS Unterhaltimgsblatts erscheint am Sonntag, den 31. März. Verautivortlicher Redacteur: Heinrich Ströbel in Berlin. Druck und Verlag von Max Boving m Berlin.