Ar. AIS Kbeim-menls-Kedingrngea: tlbonnements-PreiZ pränumerando: «terteljährl. 3,30 SJJt., ntonatl. l.iosnt., wöchenllich 28 Psg. frei inz HauZ. Einzelne Nunmier S Plg. EonnlagS» Nummer mit illusiricrler Sonmagj- Betlage„Dt- Neue Welt" 10 Pfg. Post- Slbonncment: 3.30 Marl pro Quartal. Singelragen in der Post- ZeitnngS- Preisliste für ISSS unter Dr. 7»2lX Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige SluSIand 3 Marl pro Monat. «rschewl liglich«uAer MoiiUg». Vevlinev Volksblatk. 16» Jahrg. Die Insertlons-Gcllühr beträgt für die fechSgefpaltsne Kolonsk» »eile oder deren Raum so Pfg.. für politische und gewerkschaftliche BereinZ- und Versammlung«- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfclgeii" jede« Wort 6 Psg. (nur da« erste Wort sett>. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« l Uhr nachmittag« in derExpeditton abgegeben werden. Die Erpcdtlion ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn, und Festtagen bi« 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! Smt l, Dr. 1508. Telegramm- Adresse: «Sorialdemolirnt Berlin" Gentralorgan der socinlldemokratischen Partei Deutschlands. Vedakliou: SW. 19, Veukh-Skragr 2. Sommbeud, den 30. September 1800. Expedition: SW. 19, Veuth-Skeasze 3. Abonnements-Einladung. Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf den mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Unterhaltuugsblatt und der Sonntags-Beilage „Dio Ltcuo Lvctt". Im Unterhaltungsblatt beginnen wir am 1. Oktober mit dem Abdruck eines ergreifenden, psychologischen Romans Hanns Von Peter Egge. Für Berlin nehmen sämtliche Z e i tun g s s p e d it e ur e sowie unsere Expedition, Benthstr. 3, Bestellungen entgegen zun« monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für ausserhalb nehmen sämtliche P o st a n st a l t e n Bc- stellungen zum Preise von S Mark SO Pfennig für die Monate Oktober, November, Dezember entgegen. lEingetragen ist der„VorlvärtS' in der Post-ZeitungSIiste unter Nr. 7820.) Die Redaktion des„Vorwärts". Der Magdeburger Majeftätsbeleidigungs- Prozeß. Magdeburg, 29. September. Am 9. Januar d. I. stand der(Äciiosse A u g u st M ü l l e r al« ocrantwortlicher Redacteur der„ V o l k s st i m m e" vor der zweite» Strafkammer des Magdeburger Landgerichts unter der Anklage der Be Icidigung des deutschen Kaisers und seines zweiten Sohnes, des Prinzen Eitel Fritz. Die Beleidigung wurde erblickt in dem Abdruck einer kleinen Erzählung ans Bagdad, die in der Nummer 174 der„Volksstimme" am 27. Juli 1893 enthalten Ivar und die erst circa vier Monate nach ihrem Erscheinen zu der Beschlagnahme der betreffenden Nummer führte. Die kleine Erzählung bestand im wesentlichen aus einem Gespräch zwischen dem Prinzen Beit- el« Nitz und seinem Hofmeister einerseits und dem Herrscher und diesem«Host meister andererseits. Die Verhandlung fand hinter verschlossene» Thüren statt und endete mit der Verurteilung Müllers zu 4 Jahre» 1 Monat Gefängnis zusätzlich einer noch zu verbüszenden Strafe, ivelch letztere, wie hier bemerkt sein mag, erst am 5. August d. I. ihr Ende erreicht hat. DaS Urteil erregte unter den Parteigenossen und darüber hinaus das äußerste Befremden. Man war von Magdeburg viel gewöhnt, das hatte man aber nicht für möglich gehalten. Selbst bürgerliche Organe kommentierten das Urteil und gaben ihrer Verwunderung unverhohlen Ausdruck. Die Parteigenossen am Orte waren bestürzt bis zur Niedergeschlagenheit; in ihren Kreisen war es bekannt, daß Müller t h a t s ä ch l i ch unschuldig ivar, daß er fälschlich am Kopf der betreffenden Nummer als vcrant- ivortlicher Redacteur genannt worden war. Müller hatte zivci Wochen vor dem Erscheinen jener Notiz seinen Urlaub augetreten. er befand sich in Wernigerode, war allerdings am Tage vor dem Erscheinen der Nummer in Magdeburg gewesen, um einen gegen ihn anstehenden Gerichtstermin wahrzunehmen; hatte an dem Bormittag auch für einige Augenblicke daS RedaktionS- bureau betreten, aber nicht das geringste zu der Fertigstellung des BlatteS beigetragen. Diese entlastenden Umstände waren in der Vcrhaiidluug zur Sprache gekommen, aber der Gerichtshof nahm Abstand von der Vereidigung der beiden Zeugen Harbaum. Verleger, und Fabian. Geschäftsführer der.Volksstimme", die die Schuld- losigkeit Müllers mit ihrem Eide bekräftigen wollten; er schenkte allen diesen Angaben keinen Glauben und erkannte auf das bei- spiellos hohe Strafmaß. Der allein Schuldige im Sinne der Anklage war der Ab- geordnete Genosse Albert Schmidt. Er hatte während der Beurlaubung Müllers die Redaktion der„Volksstimme" allein ge- führt; er hatte in Sonderheit die fragliche Nr. 174 ohne jede fremde Hilfe redaktionell hergestellt. Angesichts der besonderen Sachlache war eS erklärlich, daß in ihm der Entschluß reiste, alles mögliche zu versuchen, um den in jedem Betracht unschuldigen Müller von der entsetzlich hohen Strafe zu befreien. Schmidt gelaugte zu dem Entschluß, sich als eigentlicher Thäter und damit zugleich als Thäter im Sinne des Preßgesetzes der Staatsanwaltschaft zu über- liefern. Der Ausführung dieser Absicht stand die Eigenschaft Schmidts als Neichstags-Abgeordnetcr und die ihm dadurch gewährte Unvcrlctzlichkeit iin Wege. Es hieß also, zuvörderst dieses Hindernis zu beseitigen. Es geschah. Der Reichstag war entgegenkommend genug, angesichts der vorliegenden ganz besondere» Umstünde und der Höhe der Strafe die Immunität Schmidts für diesen einen Fall aufzuheben und ihn der staatsanwaltschaftlichen Verfolgung preiszugeben. Zwei Tage vor dem Eintreten der Verjährung stellte sich Abg. Schmidt der Staatsbehörde als alleiniger Thäter zur Vcrfügting. Die von ihm estigercichte Selbstbczichtignng, hatte aber in den ersten Monaten keiue Folge. Offensichtlich wartete die Staatsanwalt- schaft den Ausgang der Revision ab. die gegen das Er- kenntuis der Strafkammer von Müllers Verteidiger, Rechts- anwalt Otto Landsberg- Magdeburg, eingelegt worden war. Man gab sich in Parteikrcisen der Hoffnung hin, daß sie Erfolg haben werde, da die beiden Entlastungszeugen Harbaum und Fabian unvereidigt gelassen worden waren und hierin doch eine Beschränkung der Beweismittel erblickt werde» müsse. Die Erwartung wurde getäuscht; am 12. Mai verwarf daS Reichsgericht die Revision nnd das Urteil gegen Müller war rechtskräftig geworden, wiewohl er materiell völlig schuldlos war. Es blieb nur noch das Wieder- aufnahmeverfahren übrig und dies konnte erst nach Schmidts Ver- urteilung eingeleitet werden. Das Verfahren gegen Schmidt ging aber auch nach dem Spruch des Reichsgerichts nur laugsam Iveiter. Wie die Zeugenvorladungen beweisen, war erst noch eine ausgedehnte Voruntersuchung für nötig erachtet worden. Erst gegen Mitte September erhielt Schmidt die Anklageschrift. Sie enthielt die Aufstellung, daß erl nicht im Sinne des PrcßgcsetzeS der alleinige Thäter, sonder» daß er nur der Mitthäter sei. Schloß sich das Gericht dieser Ansicht an, dann wurde Schmidt bestraft, ohne damit Müller aus der Gefangenschaft zu befreien; die Selbstopferung wäre also völlig nutzlos gewesen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, reichte Schmidt unter dem 15. September eine zweite Eingabe ein, in der er die Art und Weise, wie das Manuskript entstanden und in die Zeitung ge- kommen, ausführlich angab und nochmals betonte, daß er und nur er der Schuldige sei.. Unter dem 19. d. M. erfolgte der Beschluß der Eröffnung?- kammer, wonach das Hauptverfahren gegen Schmidt eröffnet und Termin auf den 29. d. M. angesetzt wurde. Die heutige Sitzung der zweiten Strafkammer beginnt um 3Vs Uhr. Den Vorsitz des Gerichtshofes führt Landgerichtsdirektor Fromnie, derselbe, der in der Verhandlung gegen Müller präsidiert hat. Ter Augeklagte Albert Schmidt wird verteidigt von den Rechtsanwälten Wolfgang Z H e i n e- Berlin jund Otto Landöberg- Magdeburg. Als Zeugen find geladen nnd erschienen: Polizei-Jnspekior Schmidt» Magdeburg, Metzger- Hamburg, August Müller, zur Zeit im Strafgcfängnis Gommern, der von einem unifornnerten Gefängniswärter vorgeführt wird nnd nicht gut aussieht, Geschäfts- führer Fabian, Redacteur P i st o r i u S, Buchdruckcrei-Besitzer B e t h g e, sämtlich in Magdeburg, und Hotelbesitzer H i n tz e ans Wernigerode. Der von der Verteidigung vorgeladene vereidigte Berliner Preßsachverständige Groddeck, früher Redacteur der„Post", ist wegen Krankheit ausgeblieben. Rechtsamvalr Heine kann auf den Sachverständigen nicht verzichten, der angeben solle, daß es im allgc- meinen wie im besonderen sehr wohl möglich sei, einen derartigen Artikel in die Zeitung zu geben, ohne sich der Tendenz oder der besonderen Spitze desselben in der Hast der redaktionellen Ar best bewußt zu werden. Ca besteht daher auf der Ladung und bittet, den Termin zu vertagen. Der Autrag wird vom Gerichtshof a b« gelehnt. Die Bekundungen der Sachverständigen seien in das allgemein menschliche Wissen gestellt, so daß das Gericht das von ihm zu Begutachtende selbst beurteilen könne. Nach der Aufnahme der Personalien des Angeklagten stellt der Vertreter der Staatsanwaltschaft den Autrag. für die Dauer der Verlesung des unter Anklage stehenden Artikels sowie für die Dauer der Plaidoycrs die O e f f e n t l i ch k e i t aus zu- schließen. Er stelle eS dem Gericht anheim, ob es den Ausschluß noch weiter erstrecken wolle. Rechtsanwalt Heine kann nicht einsehen, daß insbesondere die Plaidoycrs etwas enthalten könnten, was die öffentliche Ordnung gefährden werde. Aber auch die Verlesung des Artikels selbst sei nicht geeignet, derartige Bedenken zu erregen, nachdem er seiner Zeit von einer ganzen Anzahl Zeitungen abgedruckt worden sei. Der Gerichtshof beschließt ans Gründen der öffentlichen Ordnung de» vollständigen Anöfchlnß der Qcffcntlichkcit. Die zahlreichen Zuhörer, unter denen sich die lokalen Führer der Partei und Frau und Tochter des Angeklagten befinden, müssen den Saal räumen. »• * DaS Urteil gegen Schmidt wurde, wie uns telegraphisch bc- richtet wird, um IV« Uhr gesprochen. Schmidt wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, sowie zum Verlust sämtlicher auS öffentliche» Wahle» hervorgegangener Ehrenämter. Die vom StaalSamvalt beantragte sofonige Verhaftung wurde abgelehnt, da Schmidt Familienvater ist und kein Fluchtverdacht vorliegt. Staatsanwalt Artelt hatte vier Jahre 3 Monate beantragt, Die Urtcilsgriinde sind sehr kurz. Das Gericht ist der Ueberzeugung, der Angeklagte habe mit voller Absicht den Artikel in die Druckerei gegeben. Er habe sich damit objektiv und subjektiv der Kaiser- und Priuzenbeleidigung schuldig gemacht. Demgegenüber wurde das erkannte Strafmaß für angemessen erachtet. Von der Mitthätcrschaft ist in den Urteilsgründen keine Rede, o daß nun Müllers Befreiung mehr als wahrscheinlich ist. *'* * Drei Jahre Gefängnis für ein paar Worte. Es giebt nicht viele schwere Vergehen, die härter bestraft werden. Drei Jahre Ge- ängnis ftir einen vielleicht unziemlichen Scherz! Der künftige Kulturschreiber wird die Zeit nicht verstehen können, da sich neben den gewaltigsten Errungenschaften der frei schaffenden menschlichen Ver- nunft der finstere Brauch behauptete, für einige Druckzeilen einen Menschen vielleicht für sein ganzes Leben zu vernichten. Genosse Schmidt ist ein Opfer seiner muligen Pflichterfüllung geworden. Er ist verunglückt im Erretten eines Unschuldigen. Und dann mag auch sein Trost liegen, daß es ihm wohl gelungen ist. den Unschuldigen durch seine Selbstaufopferung zu retten. Denn das würde niemand verstehen, wenn die Venirteilung Schmidts nicht die Befreiung seines in jeder Hinsicht schuldlosen Kollegen zur Folge hätte. Genossen Schmidt ist auch sein ReichstagS-Mandat aberkannt worden. Wird das unbegreiflich harte Urteil rechtskräftig, so wird sein Kreis vor eine neue Wahl gestellt werden; die Abstimmung des Volkes aber wird den nachdrücklichsten Protest gegen das Urteil wie gegen die ganze Aera der MajestätS- bcleidigungSprozcffe sein. Das wiedergewonnene Mandat ist dann rechtsgiltig. Die Partcigeschichte kennt bereits ein Beispiel dieser Art. Auch Bebel wurde in gcivaltigem Protest wiedergewählt, als ein Gericht ihn seines Mandates verlustig erklärt hatte. Wenn übrigens der Verurteilte auf freiem Fuße belassen wurde, so ist das selbstverständlich. Schmidt genießt als Abgeordneter noch die volle Immunität. Nur seine Strafverfolgung, nicht seine Ver- Haftung hat der Reichstag gestattet. Noch hat das Reichsgericht das entscheidende Wort zu sprechen. Jnzlvischen aber hat die Ocffeutlichkeit die heilige Pflicht, an diesem krassesten aller Fälle zu prüfen, ob sich der Majestäts-Beleidigungs- Paragraph mit einem Kulturstaat verträgt. Unser Genosse, den Magdeburger Richter für drei Jahre wegen einer Fabel der Freiheit entziehen, ist ein Blutzeuge wider diese Seite unseres Strafrcchts._ Das Centrum und die Zuchthaus- Vorlage. Nicht viel besser als in der nationallibcralen Partei, ist im Centrum der Zusannnenhalt der Partei in der Stellung zur Zuchthausvorlage. Tie ohnedies schon mit der Führung der klerikalen Partei unzufriedenen Handwerksmeister glauben in ihrer wiederholt bewiesenen Beschränktheit, daß mit der Annahme deS von den Großindustriellen verlangten und in deren Interesse verfaßten Gesetzentwurfes den Kleinmeistern irgendwie geholfen werden könnte. Wie schon so oft, werden die reaktionären Klcinmeister-Schafe von den großindustriellen Wölfen vorgeschickt, um für ihnen fremde Zwecke die öffent- liche Meinung zu bearbeiten und die„handwerksfreundlichen" Parteien im Interesse der Zuchthausvorlage umzustimmen. Das Centnim ist bei der Zuchthausvorlage wieder einmal in der wenig angenehmen Lage, zwischen mehreren Stühlen zu sitze». Änf die vorläufig noch zur klerikalen Partei schwörendcn Arbeiter in Nheinland-Westfalen, in Südbayern und anderwärts hat die Partei Rücksicht zu nehmen. Sie spielt sich in industriellen Arbeiterkreisen als Arbeiterpartei auf. sollte somit für ein Gesetz gegen die für ihre berechtigten Interessen kämpfenden Arbeiter unmöglich eintreten können. ohne auf ihre Beziehungen zu den Arbeitern endgültig zu verzichten. Aber gerade die entscheidenden Centrumsführer haben wenig inneren Trieb zu einer die Arbeiteriuteressen wahrenden Politik, viel mehr fühlen sie sich mit den bürgerlichen und agrarischen Elementen ihrer Partei verbunden, die Fleisch von ihrem Fleische sind. Nun möchte aber die Mehrzahl der klerikalen Handwerks- meister, die social und politisch zu den rückständigsten Elementen im Deutschen Reiche gehören, ihren Arbeitern gern das Zuchthausgesetz beschert wissen, die agrarischen und groß- kapitalistischen Elemente der Centnimspartei haben zum mindesten keinen Eifer für die Wahrung der Koalitionsfreiheit der Arbeiter zur Schau getragen, im Innersten ihres Herzeus sind sie frei von jeder Senftnientalität und jedem Gerechtigkeits- gefühl für die Arbeiterklasse. Blind für den Terrorismus des Unternehmertums sammelt ein Teil der klerikalen Presse, so die Berliner„Germania", dann bayrische und rheinische agrar-klerikale Centnmisorgane, nunderwerliges Material für die Zuchthausvorlage, während die dem Gesetzentwurfe feind- lichen Organe sich bei der Bekämpfung der Scharfmacher- Vorlage nicht übereifrig erweisen. Nun wissen die Centrumsführer Wohl, daß ihnen die Ab- lehnung der Zuchthausvorlage weit mehr politischen Nutzen bei den Wählern schaffen würde als die Annahme der Bor- läge; die Befürworter der Vorlage in der Centrunispartei, die wenigen offenen und die vielen geheimen, sind durch so viele Fäden an die Partei geknüpft, daß sie wegen einer abweichenden Abstimmung die Verbindung mit der vom Papste gesegneten, von den Bischöfen und der ganzen Hierarchie gestützten Partei nicht aufgeben wollen und können; anders steht es bei der Annahme des Gefetzentwurfes, das wäre der glänzendste Agitationsstoff für die Socialdemokratie in den Kreisen der partei-katholischcn Arbeiter, das wäre ein bei allen kommenden Wahlen gewaltig wirkender Fehler, dessen Konse- qucnzen selbst der beste Parteitaktiker nicht vollkommen genau abschätzen könnte. Aber die Centnimspartei ist nicht in dem Sinne eine Volkspartei, daß sie sich nur oder auch nur in der Haupt- fache von den Interessen der Wähler des Volkes beeinflussen läßt, sie liebt die Hintertrcppen-Politik. sie wünscht„oben" lieb Kind zu sein, sie hat für kleine Geschenke Verständnis, sie will regierungsfähig werden oder auch— bleiben. Sie nimmt deshalb Rücksicht auf die Stimmung, die ihr Vorgehen, ihre Stellungnahme in den sogenannten höheren Regionen hervor- rufen könnte. Nun hat das Centrum ein groß Teil Schuld auf sich geladen, daß die Mittcllaud-Kanal-Vorlage nicht er- lcdigt wurde, daß die;ch>uere Niederlage eine vollkommene wurde: das Centruiu hat auch bei dieser Ab- stimmung einen Mangel an Geschlossenheit an den Tag gelegt, wie selten sonst bei großen Fragen. Von den Scharfinachcrn und den Offiziösen öffentlich, von den Offiziellen im geheimen umworben, sieht der Klerikalismus neue lockende Aussichten eröffnet, wenn er dafür sorgt, daß der Kanalniederlage nicht eine noch schwerere in der Frage dcS Schutzes der„Arbeitswilligen" folge. Das arme Centrum! Seine Diplomaten sinnen und sinnen, wie man es wieder einmal allen recht thun könne, wie sie volle Koalitionsfreiheit durchsetzen und gleichzeitig die Arbeitswilligen schützen könnten. Kaum sechs Wochen trennen uns von dem Zusammentritte des Reichstages und noch in dieser Woche tritt der bayrische Landtag zusammen, der sich sofort mit der Zuchthausvorlage und der Zustimmung der bayrischen Regierung zu dem Entwurf befassen wird. Herr Lieber hat im Reichtage eine sofortige Ablehnung der ZuchthauSvorlage verhindert, er hat auch zugestanden, daß er prüfen wolle,„ob und wie etwa Mißbräuche derselben(der Koalitionsfreiheit) zurückgedrängt werden müssen". Freilich erklärte er auch,„den deutschen Arbeitern schuldig zu sein, das oft und lang und bis jetzt immer vergeblich von unS erstrebte Ziel nunmehr mit erneuter Kraft und mit erhöhtem Nachdruck anzustreben, die Koalitionsfreiheit zuerst positiv zu schaffen". Herr Lieber hat also wieder nicht nach dem Satze des Evangeliums gehandelt: Eure Rede sei ja ja. nein nein. sondern hat als neuester Kirchenvater diesen klaren Satz umgedeutelt in ein: Eure Rede sei ja nein, ja nein. Auf dem hessischen Katholikentage hat Herr Lieber wieder einmal positive Anträge zum Schutze der Koalitionsfreiheit angekündigt; das ist recht bedenklich, so nötig auch der Ausbau der KoalitionS- freiheit wäre. Aber parlamentarisch aussichtsvoll ist ein solches Vorgehen im Nahmen der Verhandlungen über die ZuchthauSvorlage kaum. Das sicherste Mittel wäre doch, durch Ablehnung aller Paragraphen eine dritte Lesung der Vorlage zu verhindern. Bei den zahlreichen unsicheren Elementen in den bürgerlichen Parteien, bei den Einflüssen aller Art, denen viele Abgeordnete ausgesetzt sind, scheint demchrlichen Gegner der Scharfmacherpolitik nichts dringender, als ein rasches Ende mit der Mißgeburt zu machen, die Gegner keine Zeit gewinnen zu lassen. Wir trauen den Lieber und Konsorten zu, daß sie eine Formel austifteln, durch die ein Gesetz möglich wird, welches bei einer formalen und praktisch wertlosen Erweiterung der Koalitionsfreiheit die wesentlichen Bestimmungen der Zuchthaus Vorlage vor der Ablehnung rettet. Um aber zu zeigen, wie entschieden in der für die Arbeiter bestimmten Ccntrumslitteratur die KoalitionS- freiheit verteidigt wird im Gegensatze zu der nicht für die Arbeiter bestimmten Littcratur, seien einige Citate beigebracht. In Erzbergers Broschüre„Katholische und socialdemokratische Gewerkschaften" heißt es � «Das Recht der Arbeiter auf Organisation kann also in keiner Weise bestritten werden". Als Aufgabe der christlichen Ge- werkschaften wird dort bezeichnet,„daß die Freiheit des Arbeit- nehmers beim Abschließen des Arbcitvertrages voll gewahrt werde". In Nummer S des laufenden Jahrganges des „VolksvereinS, Stimmen aus dem Volks verein für das katholische Deutschland' heißt es: Die neueste Arbeiterschutzpolitik dcS Deutschen Reiches besteht jetzt in der seit einem Jahre berüchtigten und nunmehr im Reichstage eingebrachten„ZuchthauSvorlage". Iliiglücklichcr konnte der Abweg nicht endige», auf den sich die Regierungen durch gewisse„scharfmachende" liberale Unternehmer seit den letzten Jahren_ haben drängen lassen. So„marschiert Deutschland vor allen Ländern an der Spitze der Socialrcform"! Dies stolze Wort, das so oft die Minister im Reichstage ausriefen, ist jetzt bitterste Ironie. Einen so vollen Wind, wie jetzt, haben die Socialdcmokraten noch nie in ihren Segeln gehabt. Beim Socialistengesetze, bei Etnbringnng der glücklicherweise abgc lehnten Umsturzvorlage ivar eS immer doch ausdrücklich auf den „Kampf für Religion, Sitte und Ordnung" abgesehen. Die christ lichcn Arbeiter traf man damit nicht. Jetzt trifft der Entwurf eines„Gesetzes zum Schutze des geiverblichcn ArbcitSverhälliiisscs" wie der Titel der früher sogenannten Zuchihansvorlagc hcitzt, jeden Arbeiter, und zwar au der empfindlichsten Stelle scineS Herzens, an seinem FrcihcitS- und RechtSgcfiihl. Denn dies GcsetzeSniigctüm hat so viel Stacheln und legt so viel Schlingen, daß selten Arbeiter einen langwierigen, dnrck die Not dcS Lebens ihnen vielfach aufgedrängten Kampf um rechtmäßige Wahning ihrer Interessen werden durch- führen köinieil, ohne inS Gefängnis zu wandern. Leider steht eben eine große Zahl von Arbeitgebern noch iminer den Bestrebungen der Arbeiter auf Besserung ihrer Lage so schroff entgegen,»nd benimmt sich auch bei AroeitSkämpfen, die sich im Nahmen von Recht und Ordnung halten, vielfach so hcrauSfordcriid. daß cS kein Wunder ist, wenn die Arbeiter im Bcrlaufe des Ringens um Erfolg auch einmal in Erregung geraten und handeln. Statt hierin eine» M i l d e r n n g s g r ii n d zu sehen, macht der Gesetzentwurf die That- fache des A r b e i t s k a m p f e s zu einem erschwerenden U ni st a n d e. und zwar obgleich schon heute genug und recht schwere Strafen auf den gewiß nicht zu cntschuldigcndcn Uebcr- griffen im Arbeitskampfe stehen. Die Regierungen haben den Sturm heraufbeschworen." AuS dem„Arbeiter. Organ des Verbandes katho- lischer Arbeitervereine Süddeutschlands", seien die folgenden Stellen angeführt:„Sie(die katholischen Arbeiter) wußten die KoalitionS steihcit unter dem Schilde des Ccntrums aufs sicherste geborgen."„Vor den Scharfmachern schützt uns das Centrnm." Anläßlich des Stuttgarter Möbclarbeiter-Streiks. an dem sich auch die„christliche Fachsektion" beteiligte, hieß es in diesem Blatte: »In der schwäbischen Residenz wütet ein Möbelarbeiter-Streik schon seit 12 Wochen. In diesem langen Zeitraum sind wiederholt Verhandlungen nm den Arbeitgebern angeknüpft worden; aber cZ zeigte sich auf dieser Seite ganz besonders, daß iiian noch völlig unerfahren ist, in parlamentarische Verhandlungen einzutreten und den Arbeiter auch als einen Faktor dcS Arbeitsvertrages anzn- sehen. Mit dem gcwaltlhättgen, für unsere Zeit längst nicht mehr gerechtfertigten Rufe:„Ich will Herr in meiner Fabrik sei»!" wird gar nichts erreicht, als daß der Streik sich endlos in die Länge zieht, auf beiden Seiten starke Erbitterung Platz greift und die Einleitung von friedlichen Verhandlungen sehr erschwert wird." Wie sehr das Zentrum mit den Arbeitern rechnen muß, geht aus einer« Statistik der christlichen GeWerk- vereine in Deutschland", die der„Volksvcrein" veröffentlicht, hervor. Er schützt die Mitglicderzahl christlich- socialer Fachverbände und Gewerkschaften auf über 100000 und macht für den März dieses Jahres die folgenden An- gaben: EZ zählen Mitglieder in Norddeutschland der Gewerkvcrein christlicher Bergarbeiter Deutschlands, Sitz Alteuessen(1894) 28 000; Gewerkvcrein christlicher Berg-, Eisen» und Metall- arbeiter im Oberbergamtsbezirk Bonn(hauptsächlich im Sieger- land). Sitz Eiserfeld an der Sieg(1897) 5000; Verband deutscher Eisenbahn- Handwerker, Sitz Trier(1894) 20000; christlicher Gewerkverein der Ziegler in Lippe. Sitz Lage in Lippe,(189b) 3100; christlich-socialcr Textilarbeiter-Verband für Aachen, Burtscheid und Umgegend(1897) 4000; christlick,- socialer Tcxtikarbcitcrinnen-Vcrband für Aachen, Burtscheid und Umgegend (1893) 300; christlich-sociaker Textilarbeiter-Verband in Düren (1897) 800; christlich-socialcr Textilarbeiter- Verband für Eupcn und Umgegend(1897) SOO; christlich- socialer Textilarbeiterinnen- Verband für Eupcn und Umgegend(1898) 130; christlich- socialer Textilarbeiter-Verband für M.-Glndbach und Umgegend(1898) 3000; Niedcrrheinischer Verband christuchcr Textilarbeiter, Sitz Krefeld,(1898) 5500; Gcwcrkverein christlicher Maurer und der- wandte Berufe; Gewerkverein christlicher Metallarbeiter; Verband der in kaufmännischen Gelverben:c. beschäftigten Arbeiter; Berufsverein christlicher Gastwirtsgchilfen, sämtlich in Köln, 500; Verein Arbeiterschutz mit Fachjeklionen der Bauhandwerker, Dach- decker, Holz- und Metallarbeiter, Schneider und Schncidcrimien, Schlächter in Berlin 900; christlich-socialcr Verband der Stuccateure und Pliesterer in Aachen 100; Gewerkverein christlicher Metallarbeiter in Aachen 100; Gewcrkverein christlicher Bauhandiverker in Düsseldorf(1898) ISO. In Süddentschland weisen auf an Mitgliedern der bayrische Eisenbahner-Verband, Sitz München,(1399) 11000; Verband der Textilarbeiter und Textilarbeiterinnen in Bayern, Sitz München, (1899) 4000; badischer Eisenbahncr-Verbaiid, Sitz Karlsruhe,(1898); Verein Arbeiterschntz mit Sektionen der Schneider, Schncidcriimen und der Konfektionsarbeiter, der Säger und Holzarbeiter, der städtischen Arbeiter, der Hafner, der Banhmidlverker, der Schuhmacher, der Metallarbeiter in München(1899) 800; Fachsektionen der Bailhandwerker, der Metallarbeiter, der Holzarbeiter, der Textil- und Bekleidungsindustrie 2C. in Stuttgart 290. Im Mai dieses Jahres fand in Mainz auch ein erster Kongreß der christlichen Gewerkschaften statt. Derselbe faßte die folgende Resolution: „Der erste christliche GelverkschaftSkongreß erklärt sich ent- schieden gegen jede Beschränkung der bestehenden Koali- tionSfrei'hett der Arbeiter. Derselbe fordert vielmehr Auf- Hebung der die Koalitionsfreiheit beschränkenden per- einsgesehlichen Bestimmung«», sowie insbesondere die gesetzliche Anerkeimung der Benifsvcreiiie. Der Kongreß begrüßt die von der Majorität des Reichstages jüngst befürwortete Schaffung von ArbcitSkammern als Anerkennung der wittschaft- lichcn Gleichberechtigung der Arbeiter mit den Arbeitgebern und erblickt in der Thätigkcit der Arbeitskanimern ein wertvolles Mittel zum Ausgleich der socialen Gegensätze." Wird das Centrum es aus partcitaktischen, höfischen und klerikalen Rücksichten wagen, der Scharfmacherpolitik eine oldcne Brücke von der Niederlage der ersten Lesung zum siege in der dritten Lesung zu bauen, dann wird es auf seine katholischen Arbeitervereine, aus diese Rekrutenschulen für den Kampf gegen die Socialdemokratte, von denen es sich so viel verspricht, verzichten müssen. Will es aber wirklich mitarbeiten, die Koalitionsfreiheit im Deutschen Reiche zu schaffen, will es darauf beharren, Anträge zu stellen, dann kann es nicht besser handeln, als aus dem am 8. Mai 1890 im Reichstage eingebrachten An- trag der socialdcmokratischen Fraktion zur Abänderung der Gewerbe-Ordnung die 152—154 zu einem Antrage zu formulieren. Diese Paragraphen lauten: K 152. Alle Verbote igid Strafbestimmungcn gegen Unter- nchnier und Hilfspersonen wegen Verabredungen und Vcr- cinigiiiigen zum Behnfe der Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit oder Entlassung von Hilfspersonen, sind ausgehoben. § 153. Wer andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohung, durch Ehrverletzimg oder durch Vcrruföcrllärnng bestimmt oder zu bestinmicn sucht, an solchen Verabredungen nichl teilzunehmen oder ihnen nicht Folge zu leisten, sowie der- jcnige. welcher mit anderen vereinbart, Arbeitern deshalb, weil sie an solchen Verabredungen oder Vereinigungen teilnehmen oder teilgenommen haben, die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, sie nicht in Arbeit zu nehmen, oder sie aus der Arbeit zu ent- lassen, wird mit Gefängnisstrafe bis zu drei Monaten bestraft, so- fern nach dein allgemeinen Strafgesetze nicht eine härtere Strafe eintritt. Ist diese Vereinbarung unter Festsetzung einer Vertragsstrafe geschlossen, so haben die Vertragsschließenden außerdem die Ver- tragSstrafe als Geldbuße verwirkt. Die Beitreibung dieser Geld- büße erfolgt durch die Polizeibehörde auf Ansuchen der Arbeits- kannncr, welche auch über die Verwendung beschließt. Z 154. Unternehmer und Hilfspersonen können zur Fördenmg ihrer gewerblichen Interessen in Vereinigungen zusammentreten. Vcreiiiignngen, welche den Zweck haben: a) die Lohn» und ArbeitSvcrhälMisse. sei cS auf dem Wege der freien Vereinbarung oder der Gesetzgebung zu regeln; b) Fachschulen oder Bibliotheken zur Förderung der gcwerb« lichcn oder geistigen Ausbildung ihrer Mitglieder ins Leben zu rufen; c) UnterstütznngSkaffen für Arbeitslose und Invalide oder ErwcrbSgenossenschaften zum Nutzen ihrer Mitglieder zu bilden. sind den landesgesetzlichen Bestimmungen über das Vereins-, ver saminlnngS» und KersichernngSwesen nicht unterworfen. Auf ihren Antrag sind solchen Bereinigungen 5korporationS' rechte zn erteilen. Das ist der einzige Weg, um das gewerbliche Arbeits- Verhältnis wirklich und wirksam zu schützen. Die TransvaalkristS. Ans K a p st a d t wird vom Freitag gemeldet: Die Depesche der Regierung der Südafrika- nischen Republik, welche in Beantwortung der letzten Depeschen CbamberlainS von Pretoria abgesandt worden ist, besagt, daß die Regierung der Südafrikanischen Republik die Londoner Konvention von 1884 genau innehalte und nichts weiter verlange. Die Suzcränetätsfrage wird nicht ettvähnt. Die Note ist dem Per- nehmen nach in sehr festem Tone gehalten.— Die„Time S" veröffentlichen ein Telegramm aus Pre« t o r i a von heute, nach welchem Präsident Krüger in einem Interview erklärte, er habe für die Erhaltung dcS Friedens alles gethan, was möglich sei; er habe Chamberlams eigenen Vorschlag einer gemeinsamen Untersiichnng angenommen, aber Chamberlain habe den Faden der Unterhandlungen mit Bedacht ab- gebrochen. Truppen wurden auf allen Seiten angesammelt »nd Krieg werde ihm aufgenötigt. Es sei unmöglich gewesen, der brittschcn Depesche vom 12. September zuzustimmen, denn das hätte die Auslieferung von Land und Volk in die Hände der Fremden bedeutet. Auf die Frage des„Tiiiics"-Korrespoiidciiten, ob die Möglichkeit des Friedens noch vorhanden sei, erwiderte Kruger: „Rur wenn Großbritannien etwas thut, um den Fttcden mög- lich zu machen." Der Korrespondent fügt hinzu, es werde in Pretoria allgemein erwartet, der Kriegszustand werde jeden Angenblick ploklamicrt werde». Unterdes sammeln die Tnippen der Gegner sich bereits in den Grrnzdistrikten. Dattiber liegen folgende Nachrichten vor: Pretoria, 29. September. Zwei Batterien Feldartillette und 500 Bnrghers sind nach BolkSrnst abgegangen, weitere 500 rücken heute aus. In militärischen Kreisen herrscht die größte Thätiakeit. Vc- waffnete Burghers und Artilleristen reiten durch die Straßen, Feld- kornets fordern die Burghcrs auf, sich auf den ersten Befehl bereit zu halten. London, 29. Septbr. Wie dem„Renterschen Bureau" aus Kriigersdorp vom 28. d. Mts. gemeldet wird, soll ein Kommando unverzüglich an die Grenze von Natal abtticken. Große Aufregung wurde am Orte durch eine Bekaimtmachnng des General- kommaiidanten hervorgerufen, welche anordnet, daß die Kommandos sich zu sammeln haben mit der Bestimmung, sich au der Grenze von Natal einzufinden. „Daily-Telcgr." meldet aus K a n e a: Alle englischen Truppen, welche sich nngenblicklich auf Kreta befinden, haben sich nach Südafrika eingeschifft.— Acmjches Z!eich. Der Nachfolger CapriviS. RcichSlanzlcr Fürst Hohenlohe sprach beim gestrigen Festmahl für die Teilnehmer deS internationalen Geographcnkongrcsses von der Bedeutung der geographischen Forschungen für die deutsche LollSwirtschaft. Dabei äußerte er: „Sie suchen uns neue Absatzgebiete, eine Aufgabe, die u m so dringender wird, seitdem wir durch Aenderung unserer Zollgesetzgebung mehr«nd mehr zum Industriestaat umgestaltet werden. DaS mögen Ivir Agrarier beklagen— ich gehöre als Grundbesitzer selbst dazu, wenn ich auch der In- dustrie und dem Handel ihr volles Stecht wahre. � Wir können aber nicht mehr zurück und werden also stets auf die geographische Wilsenschast angewiesen sein." Die Allgemeinheit dieser Aeiißcrnngcn verpflichtet gewiß die Politil deS RcichSlanzlcrL nicht allzu sehr. Jmmerhül schüttelt die „Deutsche Tageszeitung" bereits ihr agrarisches Haupt. Und sicher- lich,„bcdentlich" find die Worte deS Reichskanzlers für den Vertreter einer Regiernng, der der Bund der Landwirte Befehle zu erteilen gewohnt ist. Anders lautete auch deS Grafen Caprivi Text nicht, als er die Handelsverträge brachte und die wilde agrarische Jagd wider sich entfesselte. Sollte Fürst Hohenlohe trotz Ar und Halm die Nolwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung Deutsch- lauds richtig genug beurteilen, um des Grafen Caprivi Nachfolger in der agranjchen Aechuuig zu werden?— polifm* Mvberfichk» Berlin, den 29. September. Das neueste Gruppenbild. DaS wüste Durcheinander der in Preußen„regierenden" Elemente hat sich neuerdings wieder zn einem Gruppenbild ' ärt: In der Mitte Herr v. Miguel, als Held und Sieger, die Hand beteuernd auf das Programm des Bundes der Landwirte gestcunnt, rings um ihn geschart die reisigen Agrarier, die soeben ihre Äenßenmg von vorgestern:„Unser Verhältnis zu Herrn v. Miguel würde keiner Revision bedürfen, denn getraut haben wir ihm niemals", in das Gegenteil unigeschworen haben. Gefesselte Liberale schleppen den Entwurf zum Mitti>ki!d> 30, Scptdiikr 1899. In 7. intfrnrtioinlc Ccqricht»- Soiijrti. Die Sitzung vom Freitag war durchaus von der Erforschimg der antarktischen Gegenden, des Südpols der Erde, beherrscht. Ve- kamitlich werden jetzt schon große Vorbereitungen für die beiden Expeditionen getroffen, die im Herbst des JahrcS 1901 gleichzeitig von England und Deutschland nach der Antarktis aufbrechen werden, um nach gemeinsanl festgestelltem Plane die systematische Erforschung der unbekannten Gegenden in Angriff zu nehmen. Von dem näheren Plan der englischen Expedition sprach Marlham in englischer Sprache, während der der deutschen Expedition von v. Drigalski, dem in Aussicht genouuncnen Leiter derselben, allScinandcrgesctzt wurde. Auch in der NachmittagS-Sitzung spielte in der Gruppe Polar- forschung der Südpol die Hauptrolle. Zwar teilte Professor Mohn die Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen von Nansens Expedition mit, die von ihnl bearbeitet sind; aber es wurden auch die Ergebnisse der antarktischen belgischen Expedition, der ersten, die einen Winter in der Antarktis zugebracht hat, kurz mitgeteilt (in französischer Sprache), wie auch eine Mitteilung' über die Expedition von Borchgrcvink-Newncs. die gegenwärtig im fernen Süden weilt, gemacht wurde. Die Expedition ist bei Kap Adore gelandet und hat von einer Höhe von 23(X) Fuß einen Blick in das schnee- und cisbcdccktc Innere des unbekannten Landes, in welchem ein großer Kontinent vcntmtet wird, werfen können. Besonders benierkcnswcrt ist, daß Borchgrcvink in einer Höhe von 1GOO Fuß fünf verschiedene antarktische Pflanzcnvarietätcn fand, während bisher nur eine Pflanzenart ans antarktischen Gegenden bekannt ist. An die Vorträge und Mitteilungen schloß sich eine interessante Diskussion. Sir Markham hatte in seinem Vortrag behauptet, daß die Ver- Wendung von Hunden zum Ziehen der Schlitten— die Expeditionen planen eine Ucbcrwinterung und SchlittcnanSflüge vom festen Stand- ort ans— unnötig und grausam sei; die Erfahrung der alten arktischen Forscher beweise, daß Menschen viel nützlicher seien. Dem- gegenüber hob Nansen hervor, daß er»ach seinen Erfahrungen, die er auf seiner Grönlandreise ohne Hunde und aus seiner letzten Expedition nnt Hunden gemacht habe, unbedingt für die Mitnahme von Hunden sich aussprechen müsse, v. Drygclsky meinte, daß unter Umständen, nänilich bei Reisen über zerklüftetes Inlandeis, Hunde auch recht hinderlich werden könnten. Tics gab Nansen gern zu, betonte aber noch einmal, daß er ohne Hunde den Rückweg sicherlich nicht hätte ausführen können. Eine weitere Diskussion erhob sich über die Frage der mctcorolo- gische» und magnetischen Beobachtungen. Es wurde nämlich bc- hanptet. daß es bei der Schwierigkeit der letzteren nicht ratsam sei, ein und dieselbe Persönlichkeit mit beiden zu betrauen, wie es bei der deutschen Expedition geplant ist. Dabei müßten sicherlich die magnetischen Bcobachtnngcu zu kurz kommen, und es sei dann vielleicht besser, ganz auf dieselben zu verzichten und dasür die metcorologischc» Ausgaben gut durchzuführen. Aber allseitig wurde dem gegenüber betont, daß davon gar keine Rede sein könne. Meteorologie und Magnetismus habe» jetzt bereits sehr viele Berührungspunkte, und kommen im nächsten Jahr- zehiit sicherlich noch in viel nähere Beziehung; daher sei eine gemein- jame Ileberwachnng der in beiden Zweigen angestellten Beobachtungen unerläßlich, zumal sie keineswegs die Arbeitskraft eines Mannes Übersteige. Nansen schilderte in anschaulicher Weise, wie die Bc- vbachtnngcn ans seiner Expedition von Scott-Hanscn angestellt wurden, und Professor Mohn, der diese Beobachtungen bearbeitet Hut, betonte ihre vorzügliche Brauckbaricit. VnnerkenSwert war weiter die Diskussion über die Frage der Eispressungen, die im Zusammenhang mit dein Schiffsbau erörtert wurde, v. Drygalsli hatte in seinem Vortrage betont, daß die Eis- Pressungen im antarktischen Meere erfahrungömäßig nicht von der- selben Gewalt seien, wie im nördlichen Polarmccr; deswegen brauche man beim Bau des SchiffcL nicht denselben Nachdruck auf die ab- geschrägte Form zu legen, wie es bei Nansens„Fram" geschehen sei, während die Seetüchtigkeit in erster Linie stehe. Tie Reise iir die antarktischen Regionen sei bedeutend weiter, als die zum Polar- meer, und außerdem herrschen in den südlichen Meeren oft sehr schwere und gewaltige Stürme, denen das Schiff gewachsen sein rnüsie. Gegen diese Ausführungen wandte sich zum Teil Nansen. Was die Frage der Eispressungen betreffe, so meinte er, sei es noch keines- Wegs entschieden, daß am Südpol nicht ebenso gewaltige Pressungen vorkonmien, wie am Nordpol. Bisher kenne man ja mir den äußersten Kreis und wisse über die Verhältnisse in höheren Breiten noch gar nichts. Man spreche so viel von dem großen Südkontinent; aber sicher sei es noch gar nicht, daß er existiere. Der alte Aber- glauben des� großen Südlandes sei mit der zunehmende» Forschung geschwunden und der erträumte Kontinent immer mehr eingeengt worden; vielleicht existiere er überhaupt nicht, sondern werde bei weiterem Vordringen sich in eine Inselgruppe auf- lösen. Er behaupte natürlich nicht, daß es so sein müsse, aber mit Ei» socialistischer Festtag in Albi. Mannigfaltig und allgegenwärtig wie daS Leben muß der Socialismus sein, um wie das Leben ewig junge, fortwährend sich erneuernde und sieghafte Kräfte zu entfallen. Er ist es bereits. Er hat in allen Kulturländern sich festgewurzelt. Zuerst in den großen Nüttclpunktcn, den Gehirnccntrcn des Landes, dann in den kleineren, kleinen und klcinstcir Ncrvcncentren. Immer weiter und breiter spannt er sein Entwicklungsnctz aus, dessen einzelne Masche» organisierte Menschengruppe« sind, die eine bestimmte, dem Ganzen dienende und sich harmonisch ins Ganze fügende Funktion verrichten, ohne aber deswegen einer einseitigen ArbeilsteilungS-Verkrüppeluiig zu verfallen. Denn jede Funktion ist zugleich von dem Geist des Ganzen beseelt, jede Enippe ist sich des großen Gcsamtzieles bewußt. Auch in Frankreich, dem klassischen Lande der Ecntralisation auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, hat der Socialismus den alten Unterschied zwischen der Hauptstadt und der Provinz längst überwunden. Für die socialistffchc Bewegung ist Paris nicht mehr der denkende Kopf im Gegensatz zum trägen Rumpfe der Provinz. Jede Gegend mit ciliigcnnnßcil günstigen Bedingungen entwickelt ein selbständiges socialistischcs Lebe»; überalt Ivo Proletarier arbeiten und leiden, wird auch selbständig gekämpft. Ja, manche Gegenden in der Provinz sind Paris vorausgeeilt und haben der Hauptstadt in diesem oder jcnxm Punkte der socinlistischen Thätigkcit als Bei- spiel und Muster gedient. Mancher-Kanipf in einem entlegenen Provinzwinkel hat einen bleibenden Einfluß ans die Gesamtbcwegung des Landes ausgeübt. Zu solchen Kämpfen gehört der Streik der Glasarbeiter von Eannaux im Jahre 1893, der sich zu einer Kraftprobe zwischen dem organisierten Proletariat von ganz Frankreich und dem König Stumm von Cnrmaux. Rcssegnicr, zugespitzt hat, in dessen Diensten neben der Klassensolidarität des Unternehmertums die materielle Gewalt der bonrgeoisen Regierung stand. Es war ein Kampf um das freie Wahlrecht und das KoalitiouSrccht. deren Ausübung Rcffögnier.seinen" Arbeitern unmöglich zu machen versucht hatte. Drei Monate lang dauerte die Kraftprobe. DaS französische Pro- Ictariat lieferte dabei wohl den glänzendsten Bclveis für seine Fähigkeit auch zu einer andauernden, auf einen und denselben Punkt gerichteten Aktion. Rcssegnicr hat schließlich gesiegt, aber nicht, weil der Opfcrniut des organisierten Proletariats erlahmte, der Möglichkeit müsse jede Expedition rechnen, und ebenso mit der Möglichkeit ganz gewaltiger Eispressungen, und daher könne ein Sckiiff nie fest genug gebaiit werden: ein solches Schiff gebe auch der Besatzung eine fröhliche Zuversicht, die für das Gelingen einer Expedition keineswegs bedeutungslos sei: Professor Nielsen aus Christiania hielt die Frage der Eis- Pressungen für gelöst; denn die Borchgrcvinksche Expedition, von der er berichtet hatte, habe Pressungen cinSgehaltcn, bei der das Schiff ganz aus dem Wasser gehoben sei, und habe dies gut überstanden. Mit feiner Ironie erwiderte Nansen, wenn ein Schiss nur wenige Fuß aus dem Wasser gehoben werde, so sei daS schon sehr viel. So übertriebene Schilderungen könnten nur von Leuten herrühren, die sehr gewaltige Pressungen vorher noch nicht erlebt hätten, wie ja auch alle die bisherigen Erfahrungen dahin- gehen, daß die Eispressungen in der Antarktis erheblich schwächer seien, als am Nordpol. Aber das schließe nicht aus, daß man bei weiterem Vordringen möglicherweise doch noch ähnliche Pressungen erleben werde, und auch darauf müsse man sich vorbereiten. Dem Drygalskischcn Vorschlage, in einer internationalen Kommission den Plan des Znsainmenarbcitcns noch weiter zu be- raten, stimmte Nansen freudig zu und beglückwünschte die geplanten Expeditionen, die wahrscheinlich eine neue Acra unserer Vorstellungen von den antarktischen Vcrhältniffen herbeiführen werden. b. Kommunales. Tie städtische Bliiidcnpflcge hat sich in einem Maße ent wickelt, daß dieselbe nicht mehr nebenher durch andere Verwaltungen erledigt werden kann, vielmehr erfordert dieselbe eigene, gesonderte Vcrwaltungskräfte, die mit genügenden Befugnissen ausgestattet werden. Durch eine umfassende Organisation soll ein Versuch gc- macht werden, ob alle ortSangchörigen. der fremden Fürsorge bc dürftigen Blinden aus eigener Kraft bei gutem Wille» nnt zweck mäßig geordneter Hilfe zu einer befriedigenden Lebensführung gelangen' können. Eine Kommission, welche zur Vorbcratnng dieser Angelegenheit der Magistrat aus seiner Mitte niedersetzte, hat in der gestrigen Magistratssitzung ihre Vorschläge dem Kollegium unterbreitet und dasselbe hat nunmehr danach beschlossen, eine b c sondere Deputation für die st ä d t i s ch e Blinden- pflege niederzusetzen, welche aus 2 MagistratSmitgliedern, 2 Stadt verordneten und Z Bnrgcrdcputicrtcn bestehen soll. Die vornchmstc Aufgabe der Deputation soll es sei», für die Ausführung und Vcv Wallung der Beckers che» Stiftung.— das Blindenasyl— die Bc- schäftigungsanstalt für Blinde, die Blindenschule und die Fortbildungs- schule für Blinde, hier jedoch unter der gesetzlichen geordneten Mitwirkung der Schnldcputation, Sorge zu tragen. Die Deputation soll auch dahin wirken, daß die für Blinde sonst bestehenden Stiftungen und Vereine mit ihr gemeinsam in Wirksamkeit treten.— Ter Ausschuß der Stadtverordnete»- Versammlung zur Vorberatnng des Antrages des Stadtverordneten Rosenolv und Gc- Nossen, betreffend die höhere städtische Wcbcschnle, hat ant Donnerstag vcschlossen, der Versammlung in Abänderung des gestellten An- träges folgende Beschlußfassung zu empfehlen: Die Versammlung ersucht den Magistrat: 1. ihr baldigst eine Vorlage betreffs der dringend notwendigen Vergrößerung der Schukranme für den Färberei- und Apprctnrmitcrricht der städtischen höheren Wcbcschnle zugehen zn kaffcn, 2. zu veranlassen, daß der Direktor der städtischen höheren Wcbcschnle seine volle Lchrthätigkeit der Schule widme, 3. bei der StaatSrcgicning vorstellig zu werden, daß daS Schulgeld für sämtliche deiitschen Schüler gleichmäßig festgesetzt werde. Tie zehn Schnlkrcise, welche seit dem 1, Oktober bestehen, hat der Magistrat wegen des Anwachsens der Bevölkerung auf zwölf vermehrt. Dein Bcschlnsse der Ttadtberorducten-Versammiiing, dem Bürgermeister Kirschncr für seine seit dem Oktober vorigen Jahres der Stadt geleisteten außerordentlichen Dienste am nächsten I. Oktober eine Summe von 12 000 M, zu gewähren, ist das Magisiratskollcgium unter Vorsitz des Stadtrats Haack einstimmig beigetreten. Zur Unterbringung von gefährliche» Krauken hat das Magistratökvllcgium beschlossen, ans dem Grundstücke der Anstalt für Epileptische. Wuhlgartcn, zwei feste Gebäude errichten zn lassen und zwar für 100 Männer und 60 Frauen. Ter Geheime Komme rzienrat Veit hat ans Veranlassung des Jnbilänms der Firma Robert Warschauer u. Komp., der der- selbe seit SO Jahren angehört, der Rentcr-Stiftung IS 000 M. überwiesen. Durch diese Gabe ist der Stiftnug ermöglicht, aus den jährlichen Zinsen dcS gestiftete» Kapitals eine dauernde neue Voll- stelle zn schaffen, und so von den vielen noch vorliegenden Gesuchen verarmter und notleidender Kauflente die dringendste Bewerbung befriedigen zu können. sondern mit Hilfe der nicht organisierten Proletarier, der Streik- brccher. Daher aber war auch sein Sieg rein lokaler Natur, während die Kraftprobe im Sinne dcS allgemeinen Klaffciikampfcs dennoch z» Gunsten des Proletariats ausfiel. Die Streikenden haben sich den Bedingungen des Siegers nicht gefügt. Sie setzten vielmehr den Kämpf mit Hilfe des Proletariats auf einem neuen Boden mit ncncn Waffen fort. Sie führen ihn bis heute seit nun vier Jahren mit wachsendem und fortan gesichertem Erfolg. Die ehemaligen Streikenden von Carmanx sind die freien Gc- nosicnschafter der Glashütte von Albi, die Sklaven des Glas- barons sind dcffcn trotzige Konkurrenten geworden.� Am 24. September feierten die glorreichen Kämpfer nicht nur die Einweihung des dritten Hochofens der Glashütte, sondern auch über Rcssegnicr den endgültigen Sieg, dcffen Bürgschaft eben und materielles Sinnbild der' neue Hochofen ist. Die Geschichte der Glashütte ist die eines stillen, unscheinbaren, aber desto glorreicheren Kampfes. Die heldenhafte Ausdancr der ehemaligen Streikenden von Carnianx. der Erbauer und Arbeiter der Glashütte, ist nur dann nacki ihrem: innigen Werte zn bemessen, wenn man die vierjährige Kamvfpcriodo der Genossenschaft mit einem ebenso langen Streik vergleicht. Es verging mehr als ein Jahr nacki dem Kampf in Carmanx. che i>ie ersten Flaschen, am Neujahr 1Sv7, in den Handel gebracht wliroeu. Wenn das oraaiiisicrtc Proletariat Frankreichs die Mittel zum Bau bczw. zum Teil die Möglichkeit des Kredits geliefert hatte, so ivarcn cS die Glasarbeiter selbst, die mit ihrer Hände Arbeit bei harten Entbehrungen den Bau errichtet hatten. Sie wurden Stein- brccher. Erdarbeiter. Maurer, che sie ihre Berufsarbeit wieder auf- nahmen. Die Zahl der gelcriilcn Bauarbeiter war anft das aller- notivcndigstc Mmiinum beschränkt, um an LohnauSgabcn so weit als möglich sparen zn können. Nicht minder große Ansprüche stellte da? Jahr 1897 an die Aus- daner und den Opfermut der Glasarbeiter. Die junge Genoffenschaft stieß auf große Absatzschwierigkeiten namentlich infolge der rückfichtS- losen Konkurrenz der vereinigten kapitalistische» Glashütten von ganz Frankreich, die zu Schleuderpreisen verkauften, um die verhaßte proletarische Genossenschaft zn ruinieren. Dazu gesellten sich die Ueberlänferei der Wankelmütigen und der direkte Verrat einiger Genossenschaften, die sich zu Werkzeugen Rcssegmcrs her- gaben und die Glashütte auf„Schadenersatz" und Rück- Uokales. Bürgerliches Gesetzbuch. Mit der nächsten Nummer beginnen wir in Einzeldarstellungen die für die Arbeiterschaft wichtigsten Fragen des neuen bürgerlichen Rechts zu behandeln. Wir werden diese Artikel in zwangsloser Folge, in besonderen Beilagen zilsamineii- gestellt, veröffentlichen, so daß unsere Leser dieselben bequem auf- heben können. Eine aiisführliche Darlegung des Arbeiterrcchts imd des Bürgerlichen Gesetzbuches wird binnen kurzer Zeit im Ver- �age von I. H. W. Dich Nachf. ans der Feder des Genossen Stadt- Hägen erscheinen, worauf wir schon jetzt hinlveisen. Eine stenographische Ausstellung ist in Verbindung niit dein gegenwärtig in Berlin zusammen- gctrctcncn Stenographciitnge geschaffen worden. Die Besichtigung der AnSstcllung ist kostenlos. Sie hat ihren Platz im Reichstags- Gebäude, II. Portal. 2 Treppen boch gefunden: imd allen denen) die sich für die Kurzschrift, ihre Entwickelung und ihren gegen- wärtigen Stand interessieren, knim der Bestich der schcnSivcrten Veranstaltung empfohlen werden. Es ist hier Ivohl so ziemlich alles zusammengebracht worden, was sich auf daS Stcnographie-Systcm Stolze-Schrey bezieht, welches System es in der kurzen Zeit seines Bestehens auf über 800 Vereine mit etwa 28 000 Mitgliedern gebracht hat. Wie ivir auf der AnSstcllimg sehen, ist das neue System: zn dem die ganze Stolzcschc Schule übergegangen ist, bereits 37 mal in Lehrbüchern bearbeitet worden,— ei» fast zu reicher Segen, wie Nils deucht. Auch die außerordentlich groffe Zcitichriftenlittcratur imd die in ftcnographischcr Schrift erschienene Iliiterhaltmigs- Littcraiur ist ans der Ausstellung zusammengebracht worden. Dazu kommen Beispiele der ftciiographischcn UiiterrichtScrsolgc, Schülerhcfte je. Sehr reich ist die Sammlung von in stenographischer Schrift ausgeführten Kunstblättern und— stenographischer Spielereien. Denn cincii Zweck hat es sicherlich nicht, wenn Porträts, Wappen und dergleichen in winzig kleiner stenographischer Schrift ausgeführt, wenn Schillers Lied von der Glocke auf den Raum einer Postkarte, das Vater« unser ans den Raum eiiieS FiinspfcnnigstiickcS geschrieben werden. Wir mciiic», zu solchen aiigeiivcrdcrbeiidcn Nichtigkeiten sollte man die nützliche Stenographie iiicht mißbrauchen. Daß es auch steno« graphische Ansichtskarten gicbt, braucht Wohl' bei der üppigen Blüte, deren sich der Kärtensport erfreut, nicht erst hervorgehoben zu werden. Sehr intereffant sind einige»ach Origmalen photographicrte Blätter Tironischcr Noten, deren sich der Freigelassene EieeroS, Tiro, bei der Niederschrift der Reden seines Herrn bediente. Ferner Proben iiiittclaktcrlichcr Geschwindichrift, nämlich ein Orighialblatt des GcschwiiidschrcibcrS Rörer, die Nachschrift einer Litthcrschen Rede ent- haltend. Ebenso finden wir auch Origiiialstenogrmnme der Vcrhandlimgcn des Vereinigten preußischen Landtags von 1848 nnd des Frankfiirtcr Vorparlaments aus demselben Jahre. Ilebcrhnnpt datiert vorn Jahre 1848 ab. Ivo die vielfache» parlamentarischen Vcrhaiidllmgcn ein großes Vedihftiis nach Stenographen hervorriefen. eigentlich die Entwickcltiiig der modernen Stenographie. Wtffcnschnftlich wertvoll ist ein von Dr. Mitzsche zilsainincngebrachteS Verzeichnis aller stenographischen Werke der 99 größten deutschen Bibliotheken.— Auch die Bnndcsgciiosflit namentlich des Geschäfts- stenograpH.cn, die SchrcibNiaschiiie, ist ans der ÄilSstelluiig in ihren verschiedenen Systemen vertreten, so daß wir hier in der That alles bcisaimncnftitden. was mit der Kurzschrift in engerer oder Iveitercr Verbindung steht. Die Ausstellung ist noch am heutigen Sonnabend und am koinmcndcn Montag von 0 bis 6 llhx zn besichtigen. Tic Sarge, daß St. Manchester ein Leid zugefügt werden kömie. vcranläßte die„Voss. Ztg.", sich in ciiicm Leitartikel gegen die Anträge zu wenden, die unsere Parteigenossen im Roten Hanse znin Schlitze der H a n d e l S a n g e st e l l t c n eingebracht haben. DaS freisinnige Blatt begeht dabei den Trick, die vom Stadt- verordneten Singer am Donnerstag vertretenen Anträge mit der im Jahre 1896 erlassenen VerfrommniigSordmina des Ober- präsidciitcn der Provinz Sachsen nicht allein auf eine Stufe zu stellen. sondern von ihnen zu sagen, daß sie an Schärfe jene Vcrordimng noch ivcit übertreffen. Was dieser Vergleich in thatsächlichcr Hinsicht bcdcntcn soll, ist unverständlich. Deiiu soviel Ivir wissen, bezogen sich jene in den preußischen Pro- vinzeii ziemlich gleichlantend crlasicncn Verordunngen, soweit sie iicucS enthielten, gar nicht oder nur ganz nebensächlich ans den A r b e i t c r s ch u tz. Sic hatten vielmehr den Zweck, durch Verbot von Versammluiigen, geräuschvollen Vergnügungen, Offenhalten der Schaufenster w., die Svimtagsruhe im kirchlichen Sinne auf- dringlich hervortreten zn lassen nnd erregten deshalb in allen nicht vcrmuckcrten BcvölkertmgSkreiscn einen Sturm des lln- willens. Da nun aber cinma! ans Sorge um das kapitalistische Princip der socialdcmokratischc Antrag der Bevölkerung verekelt werden soll, muß jener unmotivierte Vergleich herhalten, der ja auch ans obcrsläclilichc Gemüter»ach Wunsch einwirken würde, wenn er festen Grund und Boden unter sich hätte. Ilmsomchr als die erstattting ihres„Anteils" am GenosiciischaftSkapital ver« klagten.' Unnütz zu sagen, daß die bourgeoise Klafsensttstiz die rechtlich unhaltbaren Ansprüche der Verräter anerkannt hat. un- geachtet dessen, daß die Glashütte das Kollcktivcigcntum der soeia- listischcti, gewerkschaftlichen nnd gcnoffcnschciftlnhcn Organisationen von ganz Frankreich ist, d. h. der Teilhaber, die, aiiSgenomtiieit daS Geschenk der Frau Dentbourg(100 000 Fr.) daS Aktienkapital auf. gebracht haben. Erst mit dem Jahre 1898 beginnt den wackeren Kämpfern die Hoffinmg zu leuchten. Der Absatz steigt nicht mir dank der befferc» kauftnännischen Organisation und der wachsenden Abuehnierzahl auS den Reihen der Konstnngenoffcnschaften, sonderit auch dank der an- erkannt guten Qualität der Flasche von Albi, die sich allmälig eine Kundschaft auch unter den kapitalistischen Spirihiosen-FabrikaitteN erwirbt. Einige Zahlen, die dem letzten Jahresbericht pro 1898 entnommen sind, mögen die Entwickelung veranschaulichen. Das Deficit dcS JahrcS 1897 im Betrage von 24 742 Fr. verwandelt sich am Ende des Jahres 1898 �iu einen Gewinn von 8 974 Fr. Int vorletzten Jahre betrug das Schuldcouto au rückständigen Arbeitslöhnen 48 826 Fr., im' Jahre 1898 sank dieser Betrag ans 40 172 Fr. Das heißt, außer den voll ausbezahlte» laufendeu Arbeitslöhnen wurden an rückständigen Löhnen 8 654 Fr. bezahlt. Der Absatz stieg im Vergleich mit 1897 von 2 564 959 Flaschen im Werte von 236 066 Fr. ans 3 629 888 Flaschen im Werte von 339 770 Fr. Zugleich stieg die Produktion, obtvohl besser nnd sorgfältiger als'früher gearbeitet wurde, von 3 428195 auf 3 745 598 Fknschcn, eine Vcrmchrimg von 9 Proz. Trotzdem hat die Zahl der Flaschen ans Lager, dank dem gestiegenen Absatz, nur mn 115 710 zugenommen. Der dritte Hochofen imd der zweite Schornstein(jeder Schornstein bedient zwei Hochöfen) nebst der notwendig geivordeiien Er- weiteriing des Hauptgebäudes kosteten nngefähr 120000' Fr. Ter Betrag wlirdc, oder. insofern die aufgenomnicne Anlcihein Betracht kommt, wird aufgebracht werden, wie bisher, hauptsächlich durch die Getverkschastc» »iid Genossenschaften. Der Buchdrucker- Verband z. B. bat bereits 5000 Fr. beigesteuert. Andererseits hat der socialistisch- radikale Gcmeinderat von Aldi eine Slibvcntion von 12 000 Fr. und Genosse Millerand, der Haiidelsministcr, ans Rechnung des sonst für gut- gesinnte Genosicuschaftcn alljährlich bestimmten BüdgetpostcuS die erste staatliche Subvention von 5000 Fr. au die„schkcchigesimite", die socialistische Genoffenschast bewilligt. ubitflen Argumente beS manchesterlichen Blattes, die darauf hinaus- gehen, daß man von den Geschäftsleuten freiwilligen Verzicht auf übermäßige Ausbeutung erwarten, ihnen aber nicht mit Polizei- maßregeln kommen dürfte, ihres sterilen Alters wegen bei Freunden und Feinden der socialdemokratischen Anträge nichts als Heiterkeit erregen und außerhalb der„Voss. Ztg." nur noch von Herrn Eugen Liichter für bare Münze genommen werden. Freisinnige Wahltaktik. Eine hübsche Enthüllung bringt die „Volks-Zertimg". Danach sind im Juli bereits. Vertreter der drei Fraktionen der Stadtverordneten- Versammlung zusammengetreten, um über die Kopfe der Wähler hinweg ein Kartell auf der Grundlage abzuschließen, daß diejenigen Mitglieder der Stadtverordnctcn-Vcrsamiiilung, deren Mandate abgelaufen sind, die ober geneigt sind, eine Wahl wieder anzunehmen, wieder aufgestellt werden sollen lmd auf keinen Fall von anderen Mitgliedern der genannten Fraktionen bekämpft werden dürfen. Ueber die nen gebildeten Wahl- bezirke der 1. und 2. Abteilung sollte in der Weise verfügt werden, daß von den drei Stadtverordneten jeder Abteilung je einer den cinzelnen Fraktionen zufallen sollte. Dieses Kartell ist auf Aiircgung und unter Führung des durch seinen Kampf für die ElektricitätS- werke bekannten Stadtverordneten Jacobi von den Vertretern der drei Fraktionen thatsächlich abgeschlossen und von den drei Fraktionen selbst genehmigt worden. kommunale Fürsorge wollen die kartellierten Herren dadurch bethätigen, daß sie einen Hauptiiitcrcssentcn der Berliner Straßen- bahnen, einen Herrn B a ch st e i n als Kandidaten aufstellen wollen. Die Berliner Bürgerschaft kann also, was die Vertretung ihrer Jnter- eisen betrifft, vollauf beruhigt sein. Komisch macht sich unter solchen Umständen aber die neuliche Behauptung der„Verl. Ztg.". daß sie in gewissen Fällen einem socialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme geben würde. Die„Seil. Ztg." hat, das Beste vorausgesetzt, hier rnt wörtlichsten Sinne des Wortes pro domo gesprochen. iTie Verbreiterung dcö bekannten Engpasses in der Spandauerstraste ist jetzt vollständig ausgeführt. Der östliche Bürgerstcig ist über ein Meter vorgeschoben worden, so daß er eine dem starken Fußgängerverkehr dieser Straße angemessene Breite hat. Die Geleise der Straßenbahn sind in die Mitte des ebenfalls be- deutend verbreiterten Straßcndammcs gelegt ivorden, der außerdem eine Asphaltdecke erhalten hat. Die Gesamtbrcite dieses Teiles der Spandandanerstraße beträgt 19 Meter, ivährend die gleichfalls asphaltierte Eiergasse anf�ö Meter verbreitert worden ist. Wenn'« wahr wäre! Das„BcrL Tagcbl." erzählt folgende hübsche Geschichte: Die Ehrlichkeit eines Droschkenkutschers wurde vor einigen Tagen reich belohnt. Der biedere Rosselcnkcr hatte von einem fremden Fahrgast zwei Zwanzigmarkstücke an Stelle von zwei Mark erhalten, und lieferte das Geld am nächsten Tage ftn Hotel, zu den, er seinen Passagier gefahren hatte, ab. Erstaunt über diese Ehrlichkeit, erkundigte sich der Fremde nach den Ver hältnisscn des Kutschers. Dieser klagte über den schlechten Geschäfts gang, erzählte treuherzig von seiner Sehnsucht, sich ein eigenes Pferd und einen Wagen zu kaufen, und war nicht wenig erstaunt, als der fremde Herr ihm am Schlüsse der Unterredung einen Check über 1409 M.— so viel sollten Pferd und Wagen kosten— unter freund lichen Worten überreichte. Der jugendliche Mörder Franz Wcgcncr zeigte von frühester Jugend an Neigung zu Schlechtigkeiten, und da seine Mutter starb, als der Knabe erst neun Jahre alt war, so fehlte es ihm an der nötigen Aufsicht. Der Vater, ein durchaus ordentlicher Mann, ivar zwar sehr streng, aber ohne Erfolg. Herr W. verheiratete sich dann zum zweitenmale, aber der Stiefmutter setzte Franz nur Haß cut- gegen. An seiner Großnimter hing der Bursche, welcher die Gcmcindeschule besucht hat und bis zur zweiten Klasse kam, früher mit großer Liebe. Er besuchte die alte Dame sehr häufig und hielt sich in den Ferienzeiten beständig bei ihr auf. Um so unerklärlicher ist es, ivie sich der Knabe dazu entschließen konnte, den Mord zu vollführen. Mit dem Raubniordversuch in der Luisenstraße brachte, wie wir mitteilten, der erstgenannte Franz Wcgcncr anfangs auch einen 17jährigcn Ernst Kopke in Verbindung. Dieser sollte dein Burschen Helfershelfer bei seiner abscheulichen That gewesen sein. Später schrieb Wcgener dem angeblichen Kopke eine andere Rolle zu. Er sollte nur von den 209 M., die er dem Schraubciifabrikautcn Brav in der Sebastianstr. 72 unterschlagen hatte, 29 M. abbekommen und sich dadurch der Hehlerei schuldig gcniacht haben. Wcgcncr gab auch eine ins einzelne gehende Personalbeschreibung seines angeblichen Spießgesellen. Hiernach wäre Kopke aus Magdeburg gebürtig und hätte in Berlin schon mehrfach Arbeit gehabt. Taiin müßte er auch in Berlin gemeldet gewesen sein. Die Arbeitsstellen lvill Wcgener vergessen haben. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei haben aber das Ergebnis gehabt, daß ein Kapke, ivie Wcgener ihn beschreibt, weder in Magdeburg noch in Berlin existiert hat. Es ist also wahrscheinlich, daß der zugendliche Verbrecher auch in seinem letzten Geständnis bezüglich des Kapke noch geschwindelt hat, es müßte denn sein, daß„Kapke" nur ein falscher Name, eine andere Persönlichkeit wäre. Nach dieser Richtung werden die Nachforschungen noch sortgesetzt. Bezüglich der Überfallenen Greisin Frau Kaps war am Donnerstag und aiich gestern nachmittag wieder das Gerücht verbreitet, daß sie ihren Verletzungen erlegen sei. Es rief unter den Bewohnern ihres Viertels, die die Greisin allgemein als„Groß mutier" kennen, eine große Erregung hervor. Die Charitö erhielt Indes sind ja auch die gemcinderätliche und die staatliche Sub vention in Wirklichkeit der Macht der jocialistischen Organisation zu verdanken. Der dritte Hochofen, der infolge des gestiegenen Absatzes er- möglicht wurde, wird seinerseits den Absatz weiter anschwellen lassen und so den Gewinn auf eine ansehnliche Höhe bringen. Tie Glas- Hütte ist nämlich fortan in der Lage, auch die lohnendsten Flaschen- waren(in gelber und dunkler Farbe) herzustellen und zugleich das Arbeitspersonal von 24S auf etwa 499 zu vermehren. »» Die Glasarbeiter von Albi und ihre von nah und fern ge kommcncn Gäste, die Vertreter sämtlicher socialistischcn Rich- hingen, sowie die der stärksten gewerkschaftlichen und genossenschaft- lichen Organisationen hatten also allen Grund, die Einiveihung des dritten Hochofens in gehobener Stimmung zu feiern. Der Festtag des 24. Scptenibcr wird allen Teilnehmern unver- geßlich bleiben. Ein dem errungenen Siege geweihter Tag, war er zugleich durch seinen ganzen Verlauf eine bedeutsame Kund gebung des französischen Socialismus und insbesondere der erobeniden Kraft der socialistischcn Idee selbst in wenig günstigen Lokalbedingungcn. Albi, der Hauptort des Tarn-DepartementS, führte noch bor wenigen Jahren das träge und stille Dasein einer entlegenen klein bürgerlichen Stadt nnt etwa 29 999 Einwohnern. Kleine Rentiers, pensionierte Offiziere und Civilbeamten. Gastwirte, kleine Laden- besitzer, Handwerksmeister und Transport-Unternehmcr sind das vorherrschende Element. Die einzige nennenswerte Industrie der Stadt, die Hutmacherci. ist ebenfalls noch nicht über den Klein- betrieb hinausgewachsen. Die Stadt hielt stets treu zur Republik, ebenso wie die sie umgebende bäuerliche Bevölkerung — das war die einzige Lichtseite des politischen Lebens in Aldi. wenn von einem solchen überhaupt die Rede sein kann, wo es eigentlich keine politischen Kämpfe gab. Der Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat wurde den Albigensern einigcnnaßcn verständlich gemacht seit dem Erwachen der Arbeiter des nahegelegenen großindnstricllen Ortes Carmaux. zuerst der Kohleugräber im Jahre 1892 und dann der Glasarbeiter im Jahre 1895.' Die socialistischc Glashütte, die Frucht des Kampfes gegen Resseguier, das Werk und das Eigentum deS organisierten Proletariats Frankreichs. hat die politische Bildung der Albigcnscr vervollständigt. Mit ihrer Errichtung in einem Vororte der Stadt hielt der Socialismus Einzug in einer recht handgreiflichen, aus Steinen. Ziegeln und Eisen geformten Gestalt. Nicht minder handgreiflich waren die lebendigen Vertreter IT zahlreiche Anfragen, ob da? Gerücht die Wahrheit sage. DaS Kranken Haus konnte die Anftagenden glücklicherweise beruhigen. Die alte Frau liegt zwar noch schwer danieder; immerhin aber ist eine Besserung in ihrem Befinden festzustellen. Spielerei mit Schußwaffen hat wiederum ein blühendes Menschenleben vernichtet. In einem Eisenwarengeschäft der Großen Fraukfurterstraße unterhielten sich die Angestellten gestern mittag damit, aus einem Tesching nach einer im Laden aufgehängten Scheibe zu schießen. Dabei schoß der älteste Lehrling aus Unvorsichtigkeit dem 16 Jahre alten Kollegen Fritz Hennig. Sohn des Eigentümers Gustav Hennig, Waldcmarstratze, eine Kugel in die Bnist. Der junge Mann wurde sogleich nach dem Krankenhause Friedrichshain über führt, starb dort aber bald nach der Einlieferung. Der unvorsichtige Schütze wurde sofort festgenommen. Eine tolle Fahrt machte Donnerstagabend ein Pferdebahn- wagen der Linie Vinetaplatz— Mansteinstraße. Er hatte gegen 8�/« Uhr in der Kastanien-Allee gehalten und sich eben wieder in Bewegung gesetzt, als ihm die Bremse so unglücklich brach, daß sie weder auf die Vorder- noch auf die Hinterräder mehr wirkte. Der Wagen lief nun die abschüssige Allee und den Wein bcrgSwcg hinunter. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine große Aufregung, namentlich der Frauen. Einige beherzte Männer sprangen' ab und versuchten, den rollenden Koloß auf zuhalten, allein umsonst. Ein Kaufmann aus der Kastanien Allee kam dabei zu Falle und zog sich an der Kniescheibe und am Nasenbein so erhebliche Verletzungen zu, daß er auf die nächste Rettiingswache gebracht werden mußte. Kurz vor dem Depot der PferdebaHiigesellschaft am Weiubergswcg stürzten die Pferde, die der Kutscher herumzureißen versuchte. Die Sielen rissen, die Pferde flogen bei feite und nun lief der Wagen ohne sie weiter, bis endlich unter einem Zulauf von Tausenden von Menschen am Nosenthaler Thore zum Stehen gebracht ivurde. Der Kutscher behielt seine volle Ruhe, läutete ununterbrochen und verhinderte so Zu sannncnstöße und andere Unfälle. Der„Verein von Freunden der Treptow- Sternwarte schloß vorgestern abend sein 1. Vcreinsjahr mit einem Vortrag von Direktor Arcbenhold über„Alte und neue Anschauungen auf dem Gebiete der Äosmogonie". Der Vortragende führte aus der Kosma gonie der Babylonier und Aegypter die Stellung deS Gottes Marduk näher ans und besprach dessen Kämpfe mit der Göttin Tiamat. In allen KoSmogonien kehrt das Bestreben wieder, aus Ur Elementen, zu denen früher fälschlich Wasser, Erde, Lust usw gezählt wurden, die Welt aufzubauen. Der Vortragende erläuterte alsdann die modernen Anschauungen über das Wesen deS Ursloffes, ans dem sich nach Crooks' alle chemischen Elemente aufbauen sollen. An der Hand zahlreicher Bilder von Nebelflecken und Sternhaufen wurden alsdann die Bildlingsgesetze im großen Kosmos vorgeführt. Die centripetalen und centrifngalen Kräfte bestimmen»eben elektrischen die Gestalten dieser große» Welten. Den spiralförmigen Nebeln verdanken wahrscheinlich die Konieten ihren Ursprung. Redner verfolgt weiter die Bildung der Fixsterne aus den Nebrlwelteii und die Bildung der Planeten aus den Fixsternen und schließt sich an die Darslellungsweise von Kant. Laplace, Fay, Helm holtz, Ritter an. Auch die Entstehung der Satcliten wird kurz an- gedeutet. Zum Schluß führte Direktor Archenhold aus, wie man sich den Ersatz der Sonnenwärme vorstellt, die Jahr für Jahr in den Weltenraum ausgestrahlt wird. Kant sah die Quelle der onnenwärlne in einem Verbrennnilgs-Vorgaug, Buffon in der Stoß Wirkung der auffallenden Meteore. Helmholtz hat jedoch ge- zeigt, daß durch die fortschreitende Verdichtung der Sonne der Ersatz der Sonnenwärme am zwanglosesten erklärt wird. Eine Verkürzung des Halbmessers der Sonne um 69 Meter genügt, um den Wärmeverbrauch für ein Jahr zu decken. Nach Schluß des Vortrages wurde bei klarstem Himmel mit dem Riescnfcrurohr der Audroineda-Nebel zum ersten Mal den Mitgliedern des Vereins gc zeigt. Der Verein tritt mit 296 Mitgliedern am 1. Oktober in das 2. Vcreinsjahr ein. Anmeldungcu sind an den 1. Vorsitzenden Herrn Direktor Archenhold, Treptow-Sternwarte bei Berkin�oder an den Schatzmeister Herrn Julius tvkodel, Berlin W., Tiergarten traßc 6b, zu richten. Der tkirkus Busch tritt mit einer Neuheit auf den Plan.„Olvmpische Spiele", die„Circenses", wie sie untcv Jen römischen Casaren, naineutlich unter der Herrschaft des grausamen Nero zur Belustigung des BolkcS und der Soldaten im Cirkuö Diariiuus zu Rom veranstaltet zu werden vflcgte», gelangen ain Soniiabeildabend bei Busch in gläiizeiider Ausstattung zum crsteninal zur Darstellung. Theater. An dem Goethc-Adend, den die Direktion des S ch i l l e r- Theaters am Sonntag, den 1. Oktober, im Biirgersaale deS Rathauses veranstaltet, wirke» von den Mitgliedern des Schiller-Theaters Fräulein Mariaiilie Wulff und die Herren Georg Päschke und Leopold Thurucr mit. Im Mctropol-Theater wird die Novität„Ziund um Berlin" Sonntag zum erstenuiale gegeben. SlnS bcn Nachbarorte». Weißensce. Vom 1. Oktober ab befindet sich meine Wohnung Fricdrichstr. 12, II. K a r l H a u f s ch i l d, Vertrauensmann. Tie Parteigenossen von AdlcrShof werden hiermit auf die heute abend 8 Uhr im Lokal von Schmauser slattfilidcnde Wähler- v e r s a m m I u n g aufmerksam gemacht. Auf der Tagesordnung des modernen Klassenkampfes, die einer großen Idee jahrelang schwere Opfer ohne Zahl brachten.... Am Festtag der Glashütte fühlte man ans Schritt und Tritt den alles beherrschenden Einfluß des proletarischen Werkes. Man geivan» den Eindruck, als ob wirklich die ganze Bevölkerung der Stadt mitfeierte, verstärkt durch die auS der Umgegend herbeigeeilten Dörfler. Legen wir den Weg des FestzugeS zurück, der sich vom Bahnhof nach der Aiikinist deS BonnittagSzugeS durch die Hauptstraßen über die hohe Brücke des Tara-Fluffcs hiuiveg bis zur Glashiittc bewegte. Unter Vorautritt der spielenden Musikkapellen von Albi, Carmaux und Toulouse geht es bei prächtigem Wetter durch die festlich ge- chmückteu Straßen, die auf den beiden Seiten des ganzen Weges beflaggt waren, wie am Nationalfcst des 14. Jnli. Ab und zn bemerkt man auf den Stadtplätzcn erhöhte Estraden, ebenfalls wie am 14. Jnli: dort werde» Musikkapellen und Gesangvereine Volks- konzerte imter offenem Himmel gebe». Ans einmal macht der Zug Halt. Wir sind auf dem geräumigste» Platz der Stadt. Die Teiluchmcr des Zuges und die den Zug begleitende Zuschauermenge dringen in ein zweistöckiges neues Haus ei», dessen untcrer Stock aus einer cinzigen Halle besteht, die wohl Wz— 2999 Personen fassen mag. Die Halle ist drückend voll, aber eine ebenso zahlreiche Menge muß draußen bleiben.... ES ist die Arbeitsbörse von Albi, das gcmciiisamc Lokal der Gciverk« .chafte», die, vom Geniciiiderat errichtet, am gleichen Tage mit dem Glasbüttenfcst den Gewcrlschaften feierlich übergeben wird. Das Bedürfnis an einer Arbeitsbörfc, sowie der diesem Bc- dürfnis entsprechende Gcmcinderat sind in gleichem Maße die Frucht der socialistischeu Glashütte, die die Arbeiter der Kleinbetriebe zur Organisation angespornt und über den Sieg der gemeinsamen 'ocialistischen und linksradikalcn Wahlliste zum Gemeinderat eilt- .chicbcit hat. Seit Mai 1896 sitzen im Gemeinderat 7 Socialisten und 29 socialistischc Radikale. Der socialistisch-radikale Bürgermeister, A n d r i e n, der in den letzten Kammerwahlen mit Hilfe der Socialisten zum Abgeordneten gewühlt wurde, hält die EinweihungSrede auf der Tribüne, auf deren ivcißem Hiiiterqrimd die rote Inschrift prangt:„Arbeiter l l e r L ä n d e r, v e r e i n i g t E u ch!" Jawohl, der sieghafte Schlachtruf des internationalen Proletariats auf Gcmcindckoftcn angemalt in einem städtischen Gebäude der guten Stadt Albi! Und die Rede deS liiikSradikalcu, also nur halbsocialistischen BürgenncisterS und Deputierten schlug entsprechend iulcriiatioilale Töne an..., dem- steht ein Referat deS Genoffen Stadtverordneten Borgmßnn über: Die Notwendigkeit der Beteiligung an den Wahlen zum Ge- meindcrat. Zu diesem Punkt der Tagesordniing sind wichtige Mit- teilungen zu machen, so daß jeder Parteigenosse erscheinen sollte. Ans Rixdorf. In mehreren neuen Straßen ans den köllnischcn Wiesen werden jetzt die Masten für den elektrische» Straßen- b ahnbetrieb aufgestellt. Am Donnerstag wurde nun der Arbeiter Aligiist Birte aus der llrbanstr. 68 in Beriin dabei abgefaßt, als er einige der eisernen Bekrönungen entwendete und iii einem Sacke fortschaffen wollte. B. wurde festgenoinmen und der hiesigen Polizei zugeführt.— Zwei gewiegte Berliner Einbrecher, namens Becker und Zimmer aus der Schlegclfiraße 17 in Berlin wurden hier auf frischer That ertappt. Bei einer in ihrer Wohnung vorgenommenen Hanssuchung fand die Kriminalpolizei zahlreiche Gold- und Silberwaren, die sämtlich aus Einbrüchen herrührten, die gewöhnlich an Sonntagnachmittagen in Berlin nnd den Vororten ausgeführt worden sind' Die Ehefrau des Becker wurde daraufhin als' Hehlerin gleichfalls verhaftet.— Wegen Sittlichkeits- verbrechen, begangen an schulpflichtigen Kindern, wurde der Sattler Rudolf DrewS aus der Schinkestraße 24 verhaftet. Drews war am Donnerstag in einer vor dem Land- gcricht II verhandelten Strafsacke gegen seinen Schlafwirt, den Drehorgelspieler Sperling als Zeuge geladen. Sperling hatte sich gegen seine Stieftöchter in sittlicher Beziehung schwer vergangen und wurde daher zn zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Ver- Handlung kam nun auch zur Sprache, daß Drews sich gleichfalls gegen die noch schulpflichtigen Töchter des Sperling schwer vergangen hat, und so wurde er auf dem Wege nach Rixdorf von einem hiesigen Gendarmen in Haft genommen.— Zwei hiesige Vogelfänger Namens Prange und' Dietrich wurden in der Köpcnicker Heide auf frischer That festgenommen. Tic Maschinenfabrik von L. Schwartzkopff wird bereits zum Frühjahr einen Teil ihres Betriebes nach Wildau bei Königs- Wusterhausen verlegen. Der dritte Teil der neuen Fabrik steht schon unter Dach. Gegenwärtig errichtet die Schwartzkopfffche Maschinenbau- Gesellschaft 34 Doppelwohichäuser; zum Bau der ersten, 12 Klassen- räume enthaltenden Schule sind alle Vorbereitungen getroffen worden. In Wildau werden zwei Abteilungsdirekroren Wohnung nehmen. innerhalb der nächsten fünf Jahre dürfte die Uebersiedelung von 3999 Fabritarbeitcrn der Schwartzkopffschen Fabrik nach der neuen Kolonie Wildau vollendet sein. Gevirtzks �Seikung. Gegen den Verleger unseres polnischen Parteiblattes, der hier erichcineilden. Gazeta Siobotnieza". Franz M o- r a w S k i, wurde gestern vor der dritten Strafkammer des Land- gerichts I eine Anklage wegen Beleidigung in zwei Fällen verhandelt. In der genaimtcn Zeitung erschienen am 1. April 1893 zivei Artikel. Der eine trug die Uebcrschrift„Menschen oder Hammel?" Es wurde darin zunächst darauf hingewiesen, daß die Viehzüchter ihre Hammel und anderes Vieh mit solchem a»s andern Ländern zu kreuzen pflegren, um dadurch eine bessere Raffe z» erzielen. Ebenso mache die deutsche Regierung es mit ihren Beamten. Sie versetze deutsche Beamte nach polnischen Gegenden und umge- kehrt, aber lediglich zu dem Zwecke, um die polnischen Gegenden zu germanisieren. Kürzlich sei eine ganze deutsche Beamtenfamilie aus Sehnsucht nach der Heimat zu Grunde gegangen. Der Artikel schloß mit der Vcrfichcriing, daß die deutsche Siegiernng nimmermehr ihr Ziel erreichen werde. Der zweite Artikel berichtete über eine angebliche Mißhandlung eines polnischen Arbeiters seitens zweier Polizeibeantten tn'coAimrnfnHirnmtU in(Dfievirfilpfipil. Der�ttkmlt dieses Artikels soll voll- inSchwientochlowitz in Oberschlesien. DerJnhalt dieses Artikels sollvoll rändig ans der Luft gegriffen sein. Da der damalige Redacteur der„Gazeta Robotniezä",' der Schneider Bendisch, flüchtig gc- ivorden ist, so hatte man jetzt den Verleger des Blattes zur Ver- antwortnug gezogen, ivovei die Staatsamvallschaft von der Annahme ausging, daß Beudiich nur eine horacschobeiic Persönlichkeit ivar. Der Angeklagte bestritt dies und bekundete, daß er zur Zeit. aTs' die ragliche Nmiimer erschien, gar nicht in Berlin gewesen sei. sondern sich auf einer Wahl-AgitationSreise bcsunden habe. Die beanstandeten Artikel seien ihm gar nicht zu Gesicht gekomme». Der Gerichtshof besäiloß, zu einem späteren Termine noch einige von dem An- geklagten vorgeschlagene Zeugen zu laden, welche bekunden sollen, daß der Angeklagte zur ftaglichen Zeit von Berlin abwesend war. Rcichsglörkncr Gelftse» vor Gericht. Ans der Reihe der Anklagen, welche zur Zeit gegen den«Reichsglöckner" Redacteur Joachim G e h l s c n auS Charlottenbnrg schivebten, sollten gestern drei vor der I. Strafkammer des Landgerichts II. unter dem Vorsitze des LandqcrichtSdirektorS Meerscheirn zur Aburteilung gelangen. Im ersten Falle halte auch der Kaufmann Saling Fischer als Mitangeklagter sich wegen Beleidigung des Staadrsekrctairs Kiihloiv zu Charlottenbnrg zu verantworten; die beiden an- deren Anklagen betrafen Gehlsc» allein, der sich in diesen Fällen der Beleidigung des Charlottenburger Magistrats schuldig gemacht haben sollte. Als Nebenkläger für den Magistrat war der'Bürgermeistcr ivlatting zur Stelle, den als Nebenkläger auf- trelcndcii Sekretär Kuhloiv vertrat Rechtsanwalt Bnka. Der Angeklagte Gehlsc» verteidigte sich selbst, dem Angeklagten Fischer stand Rechtsanwalt Wronker als Verteidiger zur Seite. Am 1. Februar d. I. erschien in dem von Gehlsen hcransgcgebcncn„Charlotten- burger Wochenblatt" ein Artikel mit der Ueber- schrift:„Verfänglich". Es wurde darin mitgeteilt, daß der Kaufniann Fischer. der für den Charlottciibnrger Magistrat ciiicn Hnilsaiikanf vermittelt hatte, in dem städtischen Bureau erschienen sei und einen» Beamten 29 M. geboten habe, ivciiu derselbe ihm zur schnelleren Erlangung der fälligen Provision hilfreiche Hand leisten wolle. Der Beaime habe sich ablehnend ver- halten. Zwei Tage später habe Fischer die Anweisung zur Aus- zahlnng seiner Provision erhalten. Als er durch den Raum ging, in dem der erwähnte Beamte sich befand, sei Fischer an ihn heran- getreten, habe ihm ans die Schulter getlopftund die Acnßerung gethan: �Hcrr Kuhloiv macht es anders, dem kommt es ans den saure» Schweiß eines Vierteljahres nicht an." Der Artilel schloß mit der Bemerkung. daß man Herrn Kuhloiv gern noch aus andere Dinge aufmerksam machen wolle, welche nicht so seien, wie sie sein sollten." Der Magistrat zu Charlottcnburg stellte auf Grund dieses AriiielS Siraf- anlrag wegen Beleidigung sowohl gegen Fischer wie gegen Gehlsen. Der crsterc bestritt, daß er die Aeußerung so gethan habe, wie sie in dem Artikel wiedergegeben sei. Ebenso bestritt er, dem Magistratssekretär Bricscmcistcr gcgennber, der allein in Frage kommen könne, einen Bcstcchtliigsvenuch gemacht zu haben. Thatsachc sei eS indessen, daß der Stadtsekretär Kuhloiv viel Geld durch Vermittlung von Grundstücks- Verkäufen an den Charlottenburger Magistrat verdient habe. Fischer selbst sei einmal um die Provision gekommen, weil der Verkäufer erklärt habe, er müsse die Provision denijcnigen geben, der ihn zuerst darauf aufmerksam gemacht bade, daß der Magistrat ans ein Grund- tück reflektiere. Dies sei Kuhlow gewesen. Diese Geschichte habe der Angeklagte im Äuge gehabt, als er im Vorbeigehen zu Briese- merster geäußert habe:.Kuhloiv versteht es besser, Geld zu verdienen wie unsereiner, der sich bisweilen ein Vierteljahr quälen muß. ehe eine Sache zum Abschluß gelangt." Der Zeuge Briejcmeistcr bekuiidete. daß die Aeußerung im Sinne der Anklage gelautet habe. Er habe sie seinem Vorsteher und einigen Kollegen weiter erzählt und auf Umwegen müsse die Geschichte wohl zur Kcniituis des Herrn Gehlsen gekommen sein. Ebenfalls balte er nfrccht, daß Fstcher zwei Tage zuvor an ihn herangetreten sei. eine Bewegung nach der Tasche gemacht und dabei geflüstert ha l>e:„Z wanzig Mark!" Der Angeklagte Gehisen erbot sich, einen umfangreichen Beweis dafür antreten zu könne», daß einige Beamte des Charlotten- burger Magistrats sich N n g e h ö r i g k e i t e» hätreu zu Schulden kommen lassen, er könne diesen Beweis aber nur antreten, wenn man ihm seine Papiere n»d Notizen aus- händige, die bei seiner Verhaftung beschlagnahmt Ivorden seien. So stehe er der Anklage völlig wehrlos mit gebundenen Händen gegenüber. Der Gerichtshof glaubte dem AngeNagten nicht den an» gebotenen Beweis abschneiden zu sollen, es wurden deshalb alle drei Llnklagesachen vertagt. Zum nächsten Termine sollen noch einige neue Zeugen geladen werden, auch wurde beschlossen, dem Augellagten seine beschlagnahmten Papiere zur Verfügung zu stellen. Gegen den„Bazar-Hnmbng" erschien in der Nr. 23 der „Verl. Gewerbe-Ztg. Deutsch. Merkur" ein längerer Artikel, der die Gemeinschädlichkeit des Bazarismus im allgemeinen klarzulegen suchte und behauptete, dast in den Bazaren unlauterer Wettbewerb 'berrieben werde und in sehr scharfer Weise die Geschäftsgebahrnng im Vazar Jandorf geißelte.' Herr A. Jandorf hatte gegen' den Ver- fasscr dcS Artikels, den Redactcur Wilh. Mannes, die Privatklage eingeleitet und dieser war zu seiner Verantwortung vor das Schönen- gcricht geladen. Die Verhandlung endete mit einem Vergleich. Der Angeklagte erklärte, daß er den Inhalt des ganzen Artikels zurück- nehme, die Herrn Jandorf zugefügten Beleidigungen bedauere und . e Kosten des Verfahrens tragen wolle. Hierauf zog der Privat- fl.iger seine Klage zurück._ Vevfnurntlttttgrtr. Ter Bund der Handel- und Gewerbetreibenden unter Vorsitz des Äom ncrzienrats Liss auer beschäftigte sich in einer am Donnerstag abgehaltenen, schwach besuchten Versammlung mit mehreren wirtsäiasclichcn und innerpolitischen Fragen. Vom„deutsch- nationalem Ha- lungsgehilfen-Verband" ivarcn eine größere Anzahl Mitglieder erschienen,' deren Versuche, auch hier ihrem„maß- gebenden" Verband die ihm gebührende Geltung zu ver- schaffen, zunächst zu erregten Sccnen führten und'sowohl den Vorsitzenden wie andere Redner vom Bunde der Gewerbetreibenden zu der wiederholten Aufforderung an dieselben veranlaßten, sich als Gäste zu betrachten und sich anständig zu verhalten; doch entdeckte man schließlich einige verwandte Seiten, namentlich der Social- de mokratie gegenüber in Bezug ans die Stadtverordneten- Wahlen, und konnte denn in einem gewissen Freundschaftsverhältnis auseinandergehen, das allerdings von beiderseitigem Mißtrauen nicht ganz frei zu sein schien. Beim ersten Gegenstände der Tages- Ordnung, welcher die Freigabe der Sonntage vor Weih- nachten für den Geschäftsverkehr betraf, waren die Gegensätze am größten, da die anwesenden kleineren Geschäftsleute teilweise für die längere Ausdehnung desselben als in ihrem Lebens- intercsse liegend eintraten, während die antisemitischen Verbändler das Gegenteil verlangten und sich hier um ihren sonst so geliebten Mittelstand herzlich wenig zu kümmern schienen. Bemerkenswert war dabei, wie von den Antisemiten einem älteren Kleingewerbe« treibenden in wenig manierlicher Form zum Vorwurf gemacht wurde, daß er zur Weihnachtszeit junge Mädchen beschäftige, wodurch angeblich die Stellenlosigkeit vergrößert würde; eine gleichwertige Existenzberechtigung der Frauen im Erwerbsleben scheint für Meie Leute nicht vorhanden zu sein. Man kam endlich zu dem Beschlüsse, es bei den früheren Bestimmungen zu belassen und ging dann zum ! weiten Gegenstand, Stellungnahme zu den bevor- tehende» Stadtverordneten Wahlen, über. Herr R e u m a n n vom Bunde der Gewerbetreibenden forderte die Gehilfen unter Zustimmung des Vorsitzenden auf, Seite an Seite mit dem Bunde zu kämpfen und das Rothe Haus vor der Social- demokratie zu retten. Herr L e d e r m a n n warnte hiergegen, sich durch ein solches Bündnis nicht zu kompromittieren, jedenfalls vorsichtig zu Werke zu gehen; die Verbändler seien auch vielfach gar nicht wahlberechtigt. Herr Blobcl, als Vertreter der letzteren, wünschte, kleine Reibereien bei scite zu lassen. Auch die Nichiwahlberecktigten könnten mithelfen. Der Vorsitzende Lissaner j sagt zu, das Programm des Verbandes zu prüfen, und einigte man sich auf einen Antrag, diejenigen Kandidaten zu unterstützen, die ans dem Programm des Bundes der Gewerbetreibenden ständen. Der letzte Gegenstand betraf das Anwachsen der Groß- bazare und die Regierung. Der Referent bezeichnete crstere als eine Pestbeule am wirtschaftlichen Leben, die schon zu tief eingedrungen sei und empsichlt eine Umsatzsteuer in Verbindung mit einer Brancheusteuer. Es sei besser, wenn ein Großbazar erdrosselt würde, als bnndert kleine Kauflcute. Nachdem 15 Jahre lang alle Mittel zur Aufbesserung des Arbeiter- standes anfgcivandt Ivorden sind, ist es Zeit, für den viel wichtigeren Miltelstand zu sorgen. Der Referent wendet sich in heftigen Ans- drücken gegen die von Prof. Sombart in den BreSlaner Vcrhand- tnngen des Vereins für Socialpolitik vertretenen Anschauungen, da derselbe vom unvermeidlichen Untergang des Mittelstandes ge- sprochen habe. Es sei das eine Vcrirrung der Kathederweisheit, die niedriger gehängt werden müsse. Der Mittelstand sei die wichtigste Säule des Staates und wenn die Regierung versage, so müsse man sich, anknüpfend an die in der Thronrede gegebenen Vcrsprechnngrn au den Kaiser wenden, der den Ministeru die Einbringung eines Gesetzentwurfes befehlen werde.(Beifall.) Der Vorsitzende schließt sich dem au daß die Mitglieder des Bundes ungeduldig Erfolge zu sehen wünschen; da' bleibe Mittel noch übrig. Von andrer Scite wurde anfzulcgcnde Petition vorgeschlagen; ein dritter hofft durch eine Faktnrenstener dem I n t e r ni e z z o der Großbazarc ein schnelles Ende bereiten zu können. Schließlich wurde die Eingabe an den Kaiser von der Versammlung gutgeheißen und letztere geschlossen. nachdem der Vorsitzende den Mitgliedern des dcntsch-nationalen Handlnngsgchilfcn-Verbandcs wohlwollende Berücksichtigung bei den liinftigen Verhandlungen in Aussicht gestellt hatte. Ter Anöstand der Isolierer und Rohrnnihüller war in einer Versammlung am Donnerstag wieder Gegenstand der Ver- Handlung. Da, wie schon früher mitgeteilt, die Unternehmer es abgelehnt haben, zu einem Ausgleich vor dem Einignngs- amt zu erscheinen, waren einige Ztedner der Meinung, daß seitens der Lohnkommission abermalige Versuche zu einer Einigung gemacht imden sollten. Diese vereinzelten Ansichten fanden in der gut be- suchten Versammlung aber kein Entgegenkommen; denn trotz aller Versuche der Unternehmer sind bei' dem cinmntigen Zusammen- ballen der Ausständigen keine weiteren Streikbrecher mehr zu ver- zeichnen. Das Bestreben der Unternehmer, neue ungeübte Arbeits- l raste heranzuziehen, hat ihnen bis jetzt nur Schaden gebracht, der oft das Drei- und Vierfache des gcsordcrtcn Lohnzuschlags ic. ausmacht. abgesehen von der mangelhaften und schlechten Ausführung der Arbeiten überhaupt. Diese Thatsache scheine den Bau- nntcrnchnicrn gänzlich unbekannt zu sein, weshalb hier- durch die öffentliche Aufmerksamkeit erregt werden solle. Da aber das schroff ablehnende Verhalten' der Unternehmer bei der regen Bauthätigkcit und dem Drängen auf Vollendung der und bemerkt, werden und nur dieses eine öffentlich stellen, auf Grund Forderungen eine der Arbeiter haben vor dem Einignngs- zu erstreben, des Bauten die Arbeiter der Meinung find, daß die Unternehmer doch werden nachgeben müssen, blieben die Versammelten standhaft. In diesem Sinne gelangte nach längeren und lebhasten Erörterungen mit allen gegen vier Stimmen ein Antrag zur Annahme, es den. Unternehmern selbst anHeim zu der von den Arbeitern aufgestellten Einigung zu erzielen. Die Delegierten für den Fall erneuerter Verhandlungen amt die Erfüllung dieser Forderungen gleichen sind alle Versuche einzelner Arbeiter oder der Arbeiter ein- zelner Betriebe, mit den Unternehmern zu unterhandeln, unbedingt zu vermeiden. Derartige Verhandlungen haben nur im Einver- ständnis mit der Lohnkonunission zu geschehen.— Die Mitteilung, daß die Unternehmer darauf ausgehen, die junge Organisation zu vernichten, wurde nur mit Heiterkeit entgegengenommen. Eine Versammlung der Graveure und Ciscleure, die am Donnerstag bei Feuerstein tagte, beschäftigte sich mit dem Streik der Ciselenre. Brückner, der hierüber berichtet, führte aus: In einer Notiz des„Jntelligenzblattes" wurde gesagt, die Arbeitgeber hätten, weil sie hinreichend mit Arbeitskrästen versehen seien, den Streik der Ciselcure für beendet erklärt, und deshalb hätten auch die Arbeitgeber das von den Gehilfen angerufene Einignngsamt nicht acceptiert. Diese Notiz, sagi der Redner, sei unwahr. Das Einigungsamt sei nicht von den Gehilfen angerufen, sondern das Gewerbegericht habe sich an die Beteiligten gewandt. Der Streik sei keineswegs beendet, er werde den Firmen gegenüber, welche den Neunstundenlag noch nicht be- willigt haben, fortgesetzt und verspreche auch die beste Aussicht ans Erfolg. Einige Firmen hätten die Forderung— es handelt sich nur um Durchführung der neunstündigen Arbeitszeit— bewilligt, in einigen andern Werkstellen ständen die Kollegen noch in Unterhand- lnng mit dem Arbeitgeber und würden, wenn die Forderung nicht bewilligt werde, am Sonnabend in den Ausstand treten. Es müsse entschieden verurteilt werden, daß die Eise- leure bei Spinn u. Sohn, sowie bei Schäffer u. Walker sich der Bewegung noch nicht angeschlossen haben, wodurch die all- gemeine Einführung des Neunstundentages verzögert worden sei. Bedauerlich sei es, daß der Mctallarbeiter-Verband, dem die be- treffenden Kollegen angehören, nichts gethan habe, um sie zum An- schluß an die vom Verband der Graveure und Ciselenre ins Leben gerufene Bewegung zu veranlassen. Durch den Formerstreik würden nun auch die Ciselenre der genannten beiden Firmen ge- nötigt sein, ihrerseits für den Neimstundeutag einzutreten. Die Situation der Bewegung sei günstig und die Kollegen Deutschlands ständen opferwillig hinter den Berliner Berufsgcnosien. — Es folgte eine längere Diskussion, in der die Redner Einzelheiten aus der Bewegung besprachen. Zum Schluß wurde folgende Rcsoln- tion angenommen:„Die Versammelten erklären sich mit den Aus- führungcn des Referenten einverstanden, sie bezeichnen die Notiz im „Jntelligcnzblatt" als der Wahrheit nicht entsprechend und verpflichten sich aufs neue, für die Ausständigen einzutreten, insbesondere aber Arbeiten für im Streik befindliche Firmen zurückzuweisen." Der Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen be- schäftigten Arbeiter VcrlruS und Umgegend hielt am 26. d. M. im Englischen Garten eine anßcrordciiilicd stark besuchte Mitglieder- Versammlung ab, um den Bericht des Vorstandes über den Stand der jetzigen Bewegung entgegenzuchmen; derselbe war mit dem Vor- stand der Fraisercibesitzer in Verbindung getreten. Zauerzapf berichtete, daß der Verein der Fraiscrcibesitzcr bewillig! habe; auch der größte Teil der außerhalb desselben stehenden Unternehmer, denen die Forderungen schriftlich zugestellt worden waren, hat die- selben anerkannt. Dagegen haben noch folgende Firmen bisher noch nicht bewilligt: Hering, Kahn. Fenglcr, Bellenbaum, A. Hoch, Zclder n. Plothen, Hentswel, Vogt u. Krämer, Treit'el, C. R. Meyer, Witwe Keller, Nadje, Pohst, Anßner, Heckcrt, Roth, Schanl, Davids u. Comp., Laborenz, Lutze, Hecht, Blicscucr, Kiesel n. Conip,, Köhler, Blankschcid, Klapp- roth n. Hoppe, Schulz u. Beyer, Nadje u. Comp. Hieran schloß sich eine recht lebhafte Diskussion, woran sich besonders Pichl, W i e I a n d. Pankow und Stein beteiligten. Fast alle Redner äußert»! sich dahingehend, daß das Unternehmertum niemals etwas von selbst bewillige und daß man hier einmal wieder einen guten Beweis habe, Ivos die Macht der Organisation be- deute, daß es daher. für die Arbeiter notwendig sei, sich immer enger zusammenzuschließen. Einer sehr scharfen Kritik wurden die Fabriken von Kntzke. Laborenz, Klapp- roth u. Hoppe C. R. Meyer, Küstrinerplatz, und Köhler. Greifswaldcrftraßc, unterzogen. Ganz besonders wurde Beschwerde geführt über den IProlnriften der Firma Meyer, der sich sogar geweigert habe, mit der Lohnkommission oder mit der ans den Reihen seiner Arbeiter gewählten Kommission zu unterhandeln. Herr Köhler, der der Kommission die Forderung bewilligte, sosern nur„seine Leute" damit einverstanden wären, hat sofort»ach Weg- gang derselben folgenden Ulas in seinem Betriebe angeschlagen: An meine Arbeiter ES ist mir mitgeteilt worden, daß ein Teil meiner Leute 52stündige Arbeitszeit verlangt. Da ich nicht im stände bin, weitere Zugeständnisse machen zu können, so fordere ich diejenigen Arbeiter. wcAhc hiermit nicht einverstanden sind, auf. nur ihren Meistern abzurechnen und den entsprechenden Lohn um 6 Uhr in Empfang zu nehme». Bemerken will ich noch, daß ich die betreffenden Maschinen anderweitig besetzen lasse und dann auch die neuen Leute, wen» sie auch weniger schaffen, nicht mehr entlasse. Oskar Köhler. Die Maschinenarbeiter haben sich jedoch dadurch nicht schrecken lassen, sondern haben sämtlich die Arbeit niedergelegt. Ein von Pankow gestellter Antrag: Die Versammlung versichert den im Ausstände befindlichen Kollegen ihre Sympathie und mißbilligt das Verhalten der Firma Oskar Köhler den Arbeitern gegenüber. Es verpflichtet sich jedes Mitglied, während der Dauer des AuSstandes jede Woche 50 Pf. zu zahlen, gelangte zur einstimmigen Annahme. Nachdem wurden noch einige interne Berbandsangelcgenhciten er- lcdigt. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch bekannt, daß die nächste Mitgliederversammlung eine Generalversammlung sei. zu der nur Mitglieder Zutritt haben, und am 9. Oktober im„Englischen Garten". Alexanderstraße 27o, stattfindet. .«onsumvercin Eintracht. Somiabend, den 30. September, abend? l/z9)Uhr: Versammlung. Vortrag im Vereinszinimer, Annenstr. S. Ztzreireligiöse Gemeinde. Sonntag, den l. Oktober, vorm. 8>/z Uhr, im oberen Saal des..Englischen Gartens", Alexanderstrabe 27o, Versammlung: FrcircligiSse Vorlesung.— Uni IG/. Uhr vormitlags eben- daselbst: Vortrag des Herrn Professors Dr. Albert Gehrke:„Gute Bestrebungen." Gäste, Damen und Herren, sehr willlounnen. Vevmiptztes- Eisenbahnmifall. In der Nacht zum Freitag fand bei Wittenberge ein Zusammenstoß zwischen einem Viehzug und einem Güterzug statt, durch welchen eine erhebliche Störung der Geleise herbeigeführt wurde, so daß die Züge von Verlin und nach Berlin nicht passieren konnten. Menschen sollen nicht verletzt, da- gegen ein bedeutender Materialschaden entstanden sein. Ein weiterer amtlicher Bericht besagt: Am 28. d. M. morgens gegen 11 Uhr ist zwischen Wittenberge und Dergenthin, Strecke Berlin— Hamburg, auf einer in der Aufbesserung begriffenen und zu dem Zweck eingleisig betriebenen Wegunterführung die Spitze eines Güterzuges in den Schluß eines in entgegengesetzter Richtung fahrenden Güterzuges gefahren. wodurch Menschen nicht verletzt sind, aber ein ziemlich erheblicher Materialschaden entstanden ist. Ursache: Versagen der Bremsen infolge der durch anhaltenden Regen verursachten Schlüpfrigkeit der Schiene. Beide Geleise sind gesperrt, der Güterverkehr stockt, der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Ein Geleise wird voraussichtlich noch im Laufe des Tages wieder fahrbar werden.• Wege» Falschmünzerei ist in Jeßnitz ein Mann, der sich in das Vertrauen der dorttgen Parteigenossen eingeschlichen hatte, vor einigen Tagen verhaftet worden. Dieser unerhörte Fall, der selbstverständlich das größte Aufsehen erregt, wird in nnserm Dessauer Parteiorgan wie folgt mitgeteilt: Der Jeßnitzer' Faschmünzer K l ö tz s ch hat sein verbrecherisches Handwerk, wie er vor der Leipziger Polizei nach längerem Leugnen eingestanden hat, schon seit dem Jahre 1888 betrieben und die falschen Münzen in vielen Tausenden von Exemplaren in verschiedenen größeren Städten Deutschlands, die er bereist, verausgabt. Mit uns ist Klotzsch im Jahre 1892 in Verbindung getreten. Wir finden ihn im Volksblatt am 9. Juni 1882 als Expedient für Jeßnitz zum erstenmal an- gegeben, während vorher von ihm keine Rede gewesen ist. Somit hat er uns während der ganzen Jahre, die wir ihn kannten, einen Biedennann vorgespielt, den wir in jeder Hinsicht für durchaus echt hielten, der aber schon jahrelang vorher dauernd Verbrechen beging. welche das Gesetz selbst im Einzelfall mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft. Klotzsch ivnrdenachlljährigerAnkübnngsesncs Verbrecherhandwerks in dem Leipziger Modewarenhanse Steigerivald u. Kaiser gefaßt. Dort wollte er neun einzelne Markstücke in Zahlung geben, welche die Kassiererin jedoch als falsch erkannte und zurückwies. Hierauf be- zahlte K. in anderer Münze und entfernte sich. Die Kassiererin aber veranlasste die Verhaftung des Verdächtigen. Bei einer Durchsuchung seiner Kleider zeigte sich, daß K. 42 falsche Einmarkstücke, aus Zinn hergestellt, galvanisch versilbert und mit der Jahreszahl 1881 versehen, bei sich hatte. Noch in der Nacht ivnrdcn zwei Leipziger Beamte nach Jeßnitz geschickt, die das Klotzsche Haus durchsuchten und die Prägungs- presse, Gießapparat, Zinn, Antimon und, im Garten vergraben, eine ganze Anzahl fertiger Falschstücke vorfanden. K. soll schon früher in den Verdacht der Falschmünzerei geraten sein. Die Bestrafung des Schuldigen dürfte sehr schwer ausfallen. Die Verhandlung wird vor dein Dcssaner Schwurgericht statifindcn, da der Hanpttcil des Ver- brcchens, die Fabrikation der Falschstücke, in Jeßnitz vor sich ge- gangen und nur die Ausgabe der Falsifikate in Leipzig und anderswo erfolgt ist. Angesichts der Länge der Zeit, während welcher das Verbrechen ausgeübt worden ist, dürfte man wohl kaum annehmen, daß die Familie von dem Treiben ihres Oberhauptes nichts sollte gewußt haben. Mnrkiprcise von Berlin am 28. September 18SS nach Errniitelmigm des kgl. PolizeipräfldimnS. D.-Ctr. YWcizen )R»gacii Juilcr-Gcrfle. Hascr gm „»lilicl .. geimg Richistroh. Heu DErbsen ß)Speife?ohiicil ßjLiiiscn„ Zkärtossclil, neue Rindsidsch, Keule 1 kg do. Bauch„ *) Eniiillclt pro 15,50 14,40 13,80 15,10 14,40 13,70 4,16 6,70 40,— 50,— 70,— 7,- 1,80 1,20 Zonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Vntier Eier Karpfen Aal- ftanber Hechte Barsche Schleie Blcic Krebse lllA 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 4,50 2,20 2,80 2,60 2,— 1,80 2,80 1,40 12- t0 i- 2,- 2,80 1,20 1,20 1- ],- 0,80 1,40 0,80 2- 14,60 13,90 12,80 14,50 13,80 13,20 3 50 4= 25,— 30,— 5,— 1,20 1,- von der CentralsteNe der Prenß. Landwirt- schastSkaminer»— Noiicruiigsstelle— und ningerechiiet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ceutiicr. f) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 29. September 1899. Die Preise für Roggen wie Weizen setzten um etwa eine halbe Mark schwächer ein, erholten sich dann aber auf den gestrigen Stand. Hafer still und wenig verändert. Mais bchanpiet. Rüböl gab sür vordere Sichten aus Realisationen um 10 Pf. nach. Am Spiritus markte machte sich heute wieder bessere Nachfrage geltend, so dafj die gehandoltcn 20 000 Liter 70er Locoware zu 40 Pf. höheren Preisen, d. i. 44,70 M. Unterkommen fanden. Terniinc konnten im Anschluß hieran etwa 30 Ps, gewinnen._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstnude findet Montag, Dienstag und Freitag abends von G bis 8 tthr statt. W. R. Es sind nicht zahlende Mitglieder. Wie weit die Ehrung reicht, hängt von der betressenden Körperschaft und ihren Statuten ab, Allgemein Gültiges läßt sich darüber nicht seststellen, A. Z. 105. Ostpreußen. &. G. 38. Wir empfehlen Ihnen die Zuschußkasse der Schneider, Kassenlokal: Annenstr. 9. Restaurant Protz. Gerechtigkeit. Die Stadt Posen(und der Stadtkreis) hat nach der neuesten Zählung 74 000 Einwohner. Z-Siticinngsiibcrsicht vom S». September 18»!». morgens 8 tthr. Stationen Haparanda Petersburg Cork Abcrdcen Paris KS 757 S 765 SSO 755'NNW 751) W 761, SSO Wetter öS iö «5 2hlb.bcd 2bedcckt Wlb.bed 2bcdeckt 2 heiter 9 11 7 7 e Wetter-Prognose für Sonnabend, de» 2». September 18!»». Zunächst ziemlich heiter bei mäßigen südlichen Winden, etwas kühlerer Nacht und steigender Tagestemperatur; nachher zunehmender Bewölkung und etwas Regen. Berliner W e t t- r b n r e a n. Vkl!l«»ituiiilliil«g. Am 9. Oktober wird das Gewerbegericht vom Källnischen Rathanse, Breite- straße 20a nach dem früheren Spar- jaisen-Gebäiide Zimmerstraste 90 91 verlegt. Während der UinzngSzeit, und zwar vom 5. bis eiiischlicsilim 12. Ok «ober, sind die B»rea»räume für das Publikum geschlossen. Berlin den 25. September 1899. Etiwbeqmllit zu Berlin. I. V.: Tcchow. s26Z2L» U ohne Kopf 18— so Pfg.,__ vlH � neVor Hflnnt 9® slSäCilS I» inscliill 20-25„ pr- pri uimcu.uaujii m � sowie alle anderen frischen, geräucherten n. marinierten Seefische Am Mittwoch, den 27. Sep- tember, verschied nach langem, schwer. Leiden uns. lieber Freund u. Kollege, der Schriftsetzer im 35. Lebensjahre. Tie Beerdigung findet Sonn- tag. den 1. Oltbr., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jacobi-Kirchhofs(Nixdorf) Her- mannstraßc, auS statt. 2620L Do» Pertonal der H.S.Hermannschen Buchdruckerei billig, empfiehlt die Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft 99 IVordsee". SHaIxaI nol Teilzalil. Oraniensir. 131. tawl ILB U??» Eoulante U»M 1 pii/pnf Beamten Zahl.-Beb. N. am, ßtMeill. ohne Vnzahl. Vertreter für Berlin: Jotas. Skorczyk. [2577L* : Köpenick.26218 Bestellungen auf den„Vorwärts", „Märkische VolkSstimme",„Branden- burger Zeitung",„Postillon",„Wahren Jacob" und alle andere Littcrntnr nimmt entgegen Franz Weber, Cigarrcngeschäft, Grünauerstr. X. Arbeiter-Radsliljrn- Verein „Berlin1*. Morgen Ve2 Uhr; Gedächtnis-Kirche nach Nowawes.— Donnerstag: Versammlung I, Andrcasstr. 26. Lßenb-Lberslböilknieide. Restaiiv»»t Spoi-tstanns. Empf. Veremen, Gesellschaften»i. Saal Garten, Kegelb. u. Kaffee!. Dobslaw. Mr den Inhalt der Inserate tibernimmt die Nedaktio» dem Vnbliknm gegenüber keinerlei Berantlvortnng. Thrntev. Sonnabend, 30. September Opernhaus. Der Ring deS Niie- lungtn. Götterdämmerung. Ansang 7 Uhr. Schauspielhaus. Rahab. Anfang 7V- Uhr. Neues Opern- Dheater(Kroll). Geschloffen. Deutsches. Cyrano von Bergcrac. Anfang 7»/, Uhr. Lefsing. Als ich wiederkam... Anfang 7»/, Uhr. Berliner. Doltv. Anfang 7'/z Uhr. Schiller. Die Ehre. Anfang 8 Uhr. Rcnes. Colinette. Ans. 7-/, Uhr. Westen. Martha. Anfang 7V, Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7V, Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- trolcnr. Borhcr: Zum Einsiedler. Anfang 7Vz Uhr. Luisen. Molly Carrs. Anfang 8 Ubr. Central. Die Geisha. Anfang 7V- Uhr. Ostend. Um tausend Mark. Anfang 8 Uhr. Btctoria. Die weihe Henne. An- fang 7»/, Uhr. Friedrich- Wtlhclinstädtischcs. Die Reise nach der Tcufclöinstl. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht. Anfang 7'/- Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Spreelottchen. Speciali- täten-Dorstellung. Ans. 8»/, Uhr. Passage- Panoplttnni. Speciali« tätcn-Borstclliiilg. Itrania. Anpalidenstr. k»7/NlS. Täglich abends von ö— 10 Uhr: Sternwarte. Taubenftr. ii8/4S. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. Lchilltt'-Thtlitcl (Walluer-Theater). Sonnabend, a b c n d S 8 U h r: Nkv ibltivo. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudcrmann. Sonntag, nacbmittagö 3 Uhr: I>tv Dliro. Sonntag, abends 3 Uhr: Aiorn. Montag, abends 8 Uhr: Xora. Wilh-Kttl Mtisi- Theater. Gr. Fraiiksiirtersirastc l'.lü. Rur noch einige Anffsthrungcn: Um tanfeud Mark. — Anfang 8 Uhr.— Vorzugsbillcts haben Gültigkeit. Im Tunnel von 7 Uhr an Ihrol-Kimucrt. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Soiintagnachmittag 2'/, Uhr: Freie Volksbühne, II. Abteilung: Faust. Freitag, 8. Oktober: Der Welt- untcrgaiig. Gr. Ailsstattniigsstück mit Gesang nach dem Englischen deS Ja in. Smith, eiliger, v. Dir. Karl Weist und Jos. Dill. Ernkvok Thrnker Direktion: loes lerencrx. Dio Goislia oder: Eine japanische Thechaus- gcschichtc. Operette in 3 Akten von Oven Hall. Musik von Siducv Jones. Anfang 7 V, Uhr: Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr. zu halben Preisen: Der Zigennrrbaron von Johann Straub. Friedrich-Mlsitliiist. Thelltcr Chausseeatr. 25/26. Abends 8 Uhr: Zum 21. Male: Die Reise«ach der Tenselsiiistl Burleske Abenteuer-Posse mit Gesang und Tanz in 5 Akten von Musik von Albert Wicher. Iii Sccne gesetzt vom Dir. Max Sanist. 1. Bild: Zliif zu Drcyfus. 2 Bild: Vcrbiindcte Mächte. 3. Bild: Attentat n»d Verrat. t. Bild: Das belagerte.Hau«. b. Bild: Tie Gerichtsverhandlniig. 6. Bild: Zlpothcose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Des Meeres und der Liebe Wellen oder: Hcro und Leander.__ Palast-Theater POF" früher._ Feen- ralast, Burgstrasse lZÄ Nur noch bis Sonnabend: Allabendlich um 8Vz Uhr die mit grotzem Erfolg aufgenommene Berliner Ausstaltungs- Gesaugsposie Spvee-UottlÄrn! SP?*- Stürmischer Beifall! Helene Voae und Wilhelm FrBbel als Taiiz-Duettisten(Pankow kille-c.) Dazu das phänomenale September- Speoialltilten- Programm. Anfang 7V, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kaffenöffnung 1 Stunde vor Anfang. Billet-Vorverkauf vorm. v. 11-1 Uhr. Sonnabend, den 1. Oktober cr: Neues Programm. Sonnabend, den 7. Oktober cr.: Lnter grosser Cesellschafts-Abend. Vorstellung und Tanzkränzchen. Urania Tnnbcnstrasse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr; Oer Sieg des Menschen Ober die Natur. InvnlitlenstF. 57,(52: Tägl. Sternwarte. _ Nachmittags 5—10 Uhr. Passage-Panoplicum Geöffnet von früh bis abends. compagaia . Posillppo. Italienisches Instrumental und Vchal- Ensemble. ■■ CASTANS PANOPTIGÜMl 165. Frledrlchstiasse 165. i|a„| Die heulenden l|0.,| "öll! und tanzenden'•CU! Derwische Jans Obep-Aegj-pten! Ohm Krüger« Oreyfus| Mercier* Zola. Apollo-Theater. FranLima mit dem sensationellen Luftballett; „ijrrig-olatis". Otto Rentier Yumala Tiero Pauletie Darty The Blossouis eto. etc. etc. Kassoneroffmms: 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vom 1. Oktober ab Beginn der Vorstellung um"/Vs Uhr. 10 Dehnt«. Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Uutor den Linden 69. Neichshallcn. Täglich: Stettiner Sänger (Mensel. Pictro. Aritlo». Sicidl. Krone, K i r ch m a y e r. Schneider und Schräder). Zum Schlnst: StuckcS Pfingstfahrt. Ensemble von Mensel Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1 Uhr. Oli'kus, linsch. Sonnabend, 30. Sept., ab. 7Vz Uhr: Higb I.lfc Kvcninjj. Zum erstenmal: Olympische Spiele aus der Zeit des römischen Kaisers Nero. 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September hält Prähausen- Salzburg die Beschäftigung mit der Nationalitätensmge über- baupt für überflüssig. Ein demokratisches Oestreich wird es über- Haupt nicht geben,' also auch keinen Nationalitäten-Bnndcsstaat. Wir kämpfen als proletarische Armee gegen dies Oestreich nnd die Nationalitätenfrage ist für uns nur für uiiscre inneren Parteivcrhältnisse von Bedeutung. Wenn in einem Partci-Ausschnsse z.B. ein Czeche darauf besteht, czechisch zu reden, das keiner versteht und das er dann selbst ins Deutsche übersetzen muß, so ist das Zeitversäumnis. Der Sprachenstreit entspringt den wirtschaftlichen Streitigkeiten der bürger- lichen Klasse», und wir können ihn durch unsere Resolution nicht beseitigen. Die deutsche Sprache wird eine Verkehrs- nnd Kultur- spräche bleiben, ob die czcchischcn Genossen es nun wünschen oder nicht wünschen. Dr. Victor Adler: Vor allem möchte ich konstatieren, daß eS sich bei dieser Diskussion nicht um ctlvaS handelt, dem wir aus- weichen könnten. Wir sind nicht leichtfertig und nicht ohne langes Zögern und Widerstreben herangegangen. Die Dinge stehen in Oestreich so, daß die Partei gezwungen ist, auch auf die nationale Frage eine deutliche Antwort zu geben. Wie muß sie lauten? Wenn wir sie beantlvorten, so darf es sich dabei um keinen Streit handeln, keine Gruppe darf majorisiert und es darf nur das festgestellt werden, was das gemein- sainc geistige Eigentum der gesamten Partei ist. sBeifall.) Es kann sich nicht darum handeln, eigensinnig a» irgend einer Formulierung festzuhalten und die Majorität gegen die Minorität auszuspielen. Wir sind daher mit einer Kominissionsberatung ganz einverstanden. (Zustimmung.) Die vorliegende Resolution der Gejamtexekutive ist das Resultat langer Beratungen. Natürlich wollen wir nicht bc- Haupte», daß wir die größte Schwierigkeit, die es in Europa giebt, gleich auf den ersten Guß gelöst haben. Unsere Ueberzeuguug aber war, daß die Grundgedanken der Partei über die nationale Frage festgelegt werden müssen. Worin bestehen sie? Vor allein müssen nach unsrer Ucberzcngung die Bedingungen geschaffen werden, die die nationalen Schwierigkeiten mindern können. DaS ist die Demokratie. Die Demokratisier ring der Gesetzgebung und Vertvaltung in allen ihren Verzweigungen ist die unerläßliche Vorbedingung für die Lösung der Nationalitätenfrage. sBeifall.) Zweitens müssen,»m die nationalen Reibungen zu vernrindern, an Stelle der jetzigen Vcrivaltungsciuhcitcn möglichst national einheitliche Vcrwaltungsciuhcite» geschaffen werden. Unsere czechischen Genossen haben in ihrer Erklärung gegen das böhmische Staatsrecht und gegen den Prager Centralisuins im ReichSrat eine historisch denkwürdige That gcthan. Wir fordern sie in unserer Resolution aus, eine Erklärung gegen das östrcichiiche Staatsrecht, gegen den Wiener CentraliSmus abnigcbcn. Wir fordern, daß die zusammengeraubten, zusammengejchacherten, zu- sammengehcirateten Provinzen selbständige Körper mit eigener Kultur werden. sBravo!) DaS ist unser Ziel, daS setzen wir fest. Nim kommen Sie uns mit Schwierigkeiten und sagen, wie soll daS wirtschaftlich werden. Nun, auch der nationale Kanton kann zum mindesten die Befugnisse haben, die heute jedes Kronland für sich in Anspruch uimmr. Wenn wir diese Grundlinien ziehen, so thnn wir es ailS der Absicht, daß aus den Völkern Oestreichs, nicht anS diesem Oestreich, das jedem gleichgültig ist. noch etivaS werden kann. Un�er Vorschlag ist in der„Leipziger VolkSzeitmig" von einem Mann kritisiert worden, der nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, sondem dem es mehr um ein Spiel des Geistes zu thun ist. Man wirft uns da logische, juristische, stilistische Fehler vor; mag sein, das sind Quengeleien. Aber mit dem Standpunkt, der in diesen Artikeln hervortritt, daß die Demokralie in Oestreich Oestreich den Czcchcn und Slavcn ausliefern würde nnd daß die dcntscbc Bourgeoisie in ihrem Widerstand gegen die Taafcsche Wahlreform einen Vcrzweiflungskanipf gekämpft hat, können ivir uns nicht beschäftigen. Der Mann, der das böhmische und das östrcichische Staatsrecht zu- gleich vertritt und dabei noch Socialdcmokrat sein will, ist ein einzelner, einflußloser Genosse, der sich einen ihm nickit zustehenden Einfluß durch die ausländische Parteipresse zu verschaffen sucht. (Zustimmung.) Die Reiolution der südslavischen Genossen hat keine praktische Bedeutung. Wenn schon ein Staat ohne Territorium gedacht werden kann, ein B u n d e s st a a t ohne abgesonderte Territorien kann nicht gedacht werden. Das ist ein Widerspruch, der die ganze Resolution hinfällig macht.(Zustimniung.) Einspruch gegen unsere Resolution könnten allein die Deutschen erheben. Täuschen wir uns nicht: die Jiitematioiialität wird in Oestreich auf Kosten der Deutschen bestritten. Trotzdem stößt man sich am meisten an§ 5, der doch nur die Thatsachc ausspricht, daß die Verkehrssprache notwendig deutsw ist. Wenn eS Ihnen(zu den Czeche») unbequem ist, wir können'? aushalten.(Heilerkeit.) Die czcchischcn Genossen können die kleine Kraftanstrengung inachen und auch diese Thatsache anerkennen. Mehr als gehenkt können sie doch nicht werde».(Heiterkeit.) Darüber besteht kein Zweifel. Was wir vorschlagen, ist eine revolutionäre That, insoweit daS Beschlüsse sein können. Die Resolution schlägt dem heutigen Oestreich im ganzen wie in seinen Teilen ms Gesicht, trifft es durch diese Trennung der Nationen ins Herz und tötet den Prager wie den Wiener Cen- traliSmuS. Wir bringen damit eine geschichtliche Notwendigkeit zum Ausdruck und thun wir eS nicht auf diesem, so müssen lvir es auf dem nächsten Parteitage thun.(Lebhafter Beifall.) D aSz y nki-Krakau: So wie bisher, geht es in Oestreich nicht weiter; das harmonische Zusammenleben der Völker in diesem Staate muß geregelt werden. Wir müssen Stellung nehmen zu dieser künftigen Gestaltung. Wir sind dazu schon aus parteipolitischen Gründen gezwungen. Noch giebt es ganze Völker, wie die Ruthenen, die Polen in Oeftreich-Schlesien. wo das Mißtrauen gegen die Soeialdemokratie dadurch geweckt wird, daß man die Lüge verbreitet, die Soeialdemokratie sei national indifferent. ES wurde gesagt, wir sollten unS als proletarische Partei nur nm die wirtschaftlichen Interessen kümmern. Wäre das richtig, dann hätten wir ja vor zwei Jahren den größten Fehler begangen, als wir die einheitliche Partei in nationale Lager teilten. Es war aber durchaus kein Fehler. Alle Berichte bestätigen, daß diese Trennung erst die volle Entwickelnng des ParteilebcnS gebracht hat. Das wirtschaftliche Interesse ist durchaus nicht allein bestimmend für »insere Partei. Wir müssen mit Wirklichkeiten rechnen und auch mit den nationalen Eigentümlichkeiten. So wie heute die Kronländer eingerichtet sind, befinden sich ganze Völker darin in der Minorität, Ein solcher Zustand einer ganze» Nation in der Minorität muß zum Berzwciflungskampfe dieser ganzen Nation führen. Durch unseren Lorschlag erhält jeder Volks st a mm sein eigene? HauS. Jetzt leben die Minoritäten in beständiger Furcht vor der Vcr- gewaltigung. Dadurch wird die gesamte Politik gefälscht. Jede verzweifelte Nationalität greift nach einem Strohhalm und geht die unnatürlichsten Bündnisse ein. So spielen sich die Ruthenen als Tiroler des Ostens auf, die Jungczechcn vereinigen sich mit Thun und Schwarzenberg und mit den klerikale» Tiroler Bauern- Repräsentanten. Das ist eben Altöstreich. Nnd wenn wir so schinipfen über dieses Luder(Große Heiterkeit), so deshalb, weil wir jede politische Vernunft darin vermissen.(Lebhafter Beifall.) Die Etablierung der Nationen als Staaten ist ein großer Zug in der Geschichte des 19. Jahrhunderts. Zn dieser Etabliernng aber gehört das allgemeine Wahlrecht. Das hat selbst Bismarck an- erkennen müssen. Das eine geht nicht ohne das andere. Wenn wir aber das allgemeine Wahlrecht erkämpfen wollen, müssen wir alle nationalen Volksschichten aufrütteln.(Lebhafter Beifall.) Friedrich Stampfer, der Verfasser der angegriffenen Artikel der„Leipz. Volksztg.", der als Gast dem Parteitage bei- wohnt, bittet innS Wort zur Verteidigung. Vorsitzender Popp will den Parteitag befragen. S ch u h m e i e r- Wien bittet, dem Wunsch nicht stattzugeben. Stampfers Name sei nicht genannt; er habe sich dem Parteitage nur schriftlich aufgedrängt, indem er seine Artikel in der„Leipz. Volksztg." hier verteilen ließ.(Widerspruch Stampfers.) Wir würden uns die glänzende Debatte verderben, wenn wir mit Stampfer debattieren wollten. Er könne seine Ideen auch innerhalb der deutschen Social- demokratie in Oestreich vertreten und Artikel in der östreichischen Parteipresse veröffentlichen. Der Parteitag beschließt hierauf gegen 19—15 Stimmen, Stampfer das Wort nicht zu erteilen. Der Vertreter der„Leipziger Volksztg." verläßt den Parteitag. Hankiewicz- Lemberg erklärt sich im Namen der Ruthenen für die Reiolution der Gesamtexekutive, ist aber auch mit der von Nenietz vorgeschlagenen Konunissionsberatung einverstanden. Er ver- liest folgende Erklärung: „Wir ruthenischen Socialdemokraten stehen auf dem Boden der internationalen Solidarität des Proletariats aller Nationen in Ocst- reich, und wir wissen, daß nur in diesem brüderlichen Bündnis auch unser Volk, das in einem seiner Teile diesem Staate angehört, seine nationale Befreiung erringen kann. Wir wollen aber die Thatsache nicht aus dein Auge lassen, daß zwischen den Grenzpfählen dieses Staates nur ein Teil unseres Volkes wohnt, und daß jenseits dieser Grenze die große Majorität der ukrainischen Nation unter dem Joche des znrischcn Absolutismus alle nationale Entrechtung ertragen muß, die zu seinem nationalen Tode führen soll. Wir sind überzeugt, daß die internationale Macht des Pro- letariatS nur dann sich entlvickcln wird, wenn jede Nation über ihre Geschicke wird entscheiden köimcn. Wir wisie», daß die sociale und politische Bcfrcinng auch die nationale Emancipation voraussetzt. Die ruthenischen Socialdemokraten erstreben deshalb auch die nationale Freiheit ihrer ganzen Nation, damit daS gceinigte nnd befreite ruthcnische Volk als ein ebenbürtiges Glied in der Reihe der Völker dasteht."(Beifall.) K r i st a n- Laibach verteidigt die südslavische Resolution: Die territorial-nationale Teilung sei beispielsweise im Küstcnlandc gar nicht durchführbar. G e r i n(Italiener) hält es für einen Aberglauben, daß die nationale Frage ins Programm gehöre. Die nationale Frage sei nur eine Magcnfrage der Bourgeoisie, ein Streit nm Beamten- und Offizicrstcllen. Kein Grund sei für die Socialdemokratic vorhanden, Oestreich zu retten. P c r n e r st o r s e r- Wien: Alle demokratischen und socialdcmo- kratischcn Parteien in Oestreich sind darin einig, daß die Völker aus den heutigen Formen loskommen nnd neue finden müssen. Gelingt das nicht, so wird Oestreich in dieselbe Existenz versinken, wie die Türkei, es wird versumpfen, wenn anch diese Versumpfung, wie bei der Türkei Jahrzehnte dauern kann. Aber wir wollen nicht in einem Sunips leben, sondern in frischer Lust. Die Aufrollung der nationalen Frage ist keine Verfälschung des socialdcmokratischcn Gc- dankenS. Wir haben damit eine demokratische Forderung übernommen, wie manche andere. Wir treten dafür ein, daß dem Volke die nationale Existenz gesichert werde. Der Vorschlag der Südslavcn sieht auf den ersten Blick sehr schön aus. ist aber nicht durchführbar. Durch die Schaffung eines Nationalitäten- Bundesstaates würde für die Czcchcn kin Staat von fünf Millionen geschaffen, der durchaus lebensfähig ist. Der Vorschlag Nenietz setzt an Stelle fünf konkreter Vorschläge eine theoretische Deklamation.(Beifall.) Dr. E l l e n b o g e n- Wien tritt für die Resolution der Süd- Slaven ein und erklärt sich gcgcnsdic Resolution der Gesamtexekutive; durch die Schaffung nationaler Selbstverwaltungsgcbicte werden die nationalen Reibungen nicht aufhören, weil überall nationale Minori- täten vorhanden sind, deren Verhältnisse geregelt werden müssen. Daniit werde die nationale Frage aus dem Reichsrate nicht vcr- schwinden, so wenig wie das Durcheinandersluten der Nationalitäten aushören werde. Der Besitzstand der Nationalitäten kann nicht für immer festgesetzt werden. Eine Lösung der nationalen Schwierig- leiten sei ini OrganisationSstalnt der Partei gegeben; dicS müsse als Vorbild für die Staatsorganisation dienen. Dr. Liebermann- Galizien hälr die Resolution der Gesamt exekutive für ein halbes nnd darum sür ein schlechtes Programm. In der wichtigsten Frage der gemischt sprachlichen Bevölkerung ver- tröste sie aus ein in Zukunft zu erlassendes Gesetz. Das sei schlecht angebrachte Zukunftsmusik. Der Vorschlag von Nemetz, an Stelle der fünf Punkte eine allgemeine Erklärung einzufügen, sei nicht so anspruchtSvoll. Wir dürfen uns durch die»ationale Frage nicht zu sehr absorbieren lassen. Die Anerkennung des Deutschen als Verkehrs- spräche schaffe den czechischen Genossen überflüssige Schwierigkeiten. (Beifall der Czcchen.) Ein Schlußauttag wird hierauf angenommen und ebenso dein Antrage WiniarSki zugestimmt mit der Erweiterung, daß die beiden Referenten Seliger und Nenietz zugezogen iverdcn. Gewählt werden in die Kommission: Dr. Adler, Perncrstorfer, Krapka, Daseynski, Waniek, Berner, Hannich. Resel, Dr. Liebermann. Hankiewicz. Gerin. Kristan. Es wird hieraus noch zur Erledigung deS Punktes 5 der Tagesordnung geschritten: Wahl einer Kommission zur Revision des Parteiprogramms. Referent ist Dr. Wilhelm Ellenbogen: Es ist unser Stolz, daß wir uns nicht auf bestimmte Formeln cinschwören. Grade darin besteht die Kraft unsrer Partei, daß wir auf den Thatsache» fußen. Grade bei der Socialdemokratie ist die Gefahr einer Dogniatisierung in hohem Maße vorhanden. Wir sind eine Partei von Leuten, die keine große Vorbildmig genossen haben. Wir trete» mit einer Summe tief durchdachter Anschauungen an unsere Parteigenossen heran. Da ist es leicht begreiflich, ivenn sich der von der Tage»- arbeit ermüdete Proletarier eine Anzahl Formel» einlernt und sich dann dem Wahne hingiebt, er sei Socialdcmokrat. Dazu kommt, daß ivir niit unserem Programm im Kampfe des Tage? stehen; auch daS verleitet leicht dazu, daß wir gewisse Formeln als Grund- lagen nehnlen. Die Vcrlnöchcrung unserer Grundsätze iväre aber gleichbedeutend mir der Versmnpsung. Als Gegengewicht haben Ivir den demokratische» Grundsatz der freien Diskussion. So sehen wir denn, wie an allen Ecken und Enden der Partei mehr oder minder fruchtbare Diskussionen über das Programm hervorbrechen. Mag dabei auch manches Liebgcwordene abgestoßen iverdcn. zuni Schluß ergicbt sich doch ein klarer und fruchtbarer Gedanke. Ich vcr- weise auf die Bernstein- Debatte in Teutschland, ja in Europa, die trotz der einschncidenden Gegensätze, die dabei zu Tage treten, doch dazu dient, die Anschauungen zu klären. Im Laufe der Ent- ivicklnng treten Fragen aus. die anfangs als gleichgültig bei feite gelassen ivordcn. So enthält unser Hainfelder Programm kein Ägrarprogramm. Heute handelt eS sich nicht um eine Programmdebatte, sondern nur um die Wahl einer Kommission von fünf Mitgliedern, die binnen fünf Jahren das Programm revidieren soll. Es handelt sich nicht nur um den Inhalt, sondern auch um die Forin unseres Pro- grainmS, das jetzt nur aus aneinander gereihten Resolutionen be- steht. Die Kommission soll das Recht der Kooptation haben; alle Genossen, die eine Acnderung des Programms wünschen, sollen ihr ihre Vorschläge schriftlich unterbreiten.'(Lebhafter Beifall.) Der Parteitag beschließt eiustimniig»ach diesen Vorschlägen. Die Partcivcrtretung soll Vorschläge für die Zusammensetzung der Kommission machen,' deren Wahl später vorgenommen werden soll. Schluß ö Uhr. V. Brünn. 28. September 1899. Der Parteitag tritt in den sechsten Punkt seiner Tagcsordming: Rvbeitrrschntz, ein. Der Referent, Abgeordneter Josef Hannich-Reichcnberg, weist darauf hin, daß sich die Anschannngen vieler Parteigenossen im Laufe der letzten 29 Jahre über den Arbeiterschutz geändert hätten. Der Arbeiterschntz werde mit ganz anderen Augen angesehen, seit sich bei der Masse der Partei die Ucbcrzengung fcstgclcgi habe, daß die heutige wittschaftlichc nnd staatliche Ordnuug durchaus noch nicht so gelockert erscheine, wie man früher augeuvinmen habe. Früher habe man sich die Umgestaltung der Gesellschaft viel näher gc- dacht, und eine Art socialistischer Manchesterlchre habe viele Anhänger gehabt, die von der immer größer werdenden Knechtung und Verelendung der Arbeiterklasse das Heil erwartet hätten. Eine langjährige Erfahrung aber habe gezeigt, daß die Ar- bciterschaft desto unfähiger für den wirtschaftlichen nnd politische» Kampf sei, je elender ihre Lage iväre. Daraus ergiebt sich die illuf- gäbe, im Rahinen der heutige» Gesellschaftsordnung für die Arbeiter so viel wie möglich herauszuschlagen, ihren Anteil am Gesamt« Produkt zu erhöhen und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dazu dient der Arbciterscbutz. Um den Kampf für die Hebung der Lage der Arbeiterschaft mit Erfolg zu führen, braucht die Social- demokratie nicht bloß ein aktionsfähiges Parlament, sondern auch eine starke Stellnng ini Parlament. Damm steht an der Spitze des Arbeiterschutzes die Forderung dcL allgeinciucn gleichen Wahl- rechtes. Redner verweist auf die Thätigkeit, die ttotz ungünstiger Be- diiigungcn der svcialdeiiiokratische Verband im Rcichsratc entfaltet habe; der Schutz der Bergarbeiter, der Handlungsgehilfen, der jugendlichen Arbeiter usiv. sei in Gesetzentwürfen gefordert ivordcn, ebenso der Ausbau der Arbeiterversicherung, die Regelung des Ver- hältuisscs der Eisenbahngesellschaften zu ihren Angestellten, der Ausbau des Geivcrbe-Jnspektoratcs usw. Die Regierung habe sich bei der Kommission der Gewerkschaften erkundigt, wie sich die organisierten Arbeiter zur Acnderung der Be- stiinmnngen über die AündignngSfriste» gewerblicher Arbeiter stellten. Die GcivcrkschaftS-Kommission habe sich sür die gesetzliche Ein- führnng der vierzehntägigen Kündigungsfrist ausgciprochen. Die Parteileitung aber war der Ansicht, es sei unter dein § 14»Regiment nicht geböte», von der Regierung irgend eine Kon- zession anzniiehnlcn.— In dem Arbeitsbeirat des von dem früheren Haiibelsininistcr Dr. Bämreither geschaffenen Arbcitsstatistischcn Amtes hätten 3 Arbeiter, 8 Untemchmer. 8 Fachleute und 8 Beamte gesessen. Wen» gleich die Arbeiter bei dieser Zusammensetzung nicht viel hätten erreichen köiuien, hätte der Nachfolger BärnreithcrS, der Tiroler Weinhändler Baron Di Panli, die Zusammensetzung in so- fern verschlechtert, als er jede Gruppe um 2 Mitglieder vermehrt, in die Arbeitcrabtcilung aber zwei seiner politischen Freunde bemfen habe. Es werde daher die Frage ventiliert, ob eS nicht besser sei, aus dein Arbeitsbeirate auszutreten. Redner legt schließlich seine beifällig aufgenommenen Dar- legungcn in folgender Resolution nieder: „Ausgehend von der vielfach erhärteten Thatsache, daß der moderne Großbetrieb, selbst bei einer nur mäßig langen täglichen Arbeitszeit und bei entsprechenden Schutzmaßregeln zu Gunsten der Arbeiter eine intensive Anspannung der Kräfte der Arbeiter, somit eine maßlose Ans- und Abnutzung des menschlichen Arbeits- niatcrials bedingt, wogegen der Kleinbetrieb in Landwirt- schast nnd Gewerbe sich nur durch eine ins maßlose ausgedehnte Arbeitszeit zu erhalten vemiag, fordert der zu Brün» tagende Gesaint- Parteitag der östreichischen Socialdemokratic' sür die der Verelendung preisgegebenen arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land den weitest- gehenden Arbeiterschntz. In Rücksicht darauf, daß das öst- reichische Parlament in seiner heutigen Zusammensetzung erstens die ausgesprochene Klassenvertretioig ist, und daß überdies ziveitcns die Klassenvertretung durch das Ungeschick und die abso- Intistischen Neigungen der gewesenen Regierungen wie durch den maß- und ziellosen Spracheiistrcit der bürgerlichen Parteien total labrn gelegt und zur Lösung socialpolitischer Aufgaben unbrauchbar und unfähig geworden ist, fordert der Gesanit-Parteitag die Arbeiterschaft Oestreichs auf das eindringlichste auf. durch den Anschluß an die schon bestehenden, sowie durch den Ausbau der geiverkschaftlichc» Organisationen zur Selbsthilfe zu greifen, um die Hebung der Lage der arbeitenden Klasse zu bewerkstelligen und nm die Arbeiterklasse für den ivirtschaftlicheii und politischen Bcfrcinngskanips zu befähigen. Die Arbeiterschaft läßt sich nicht darüber täusche», daß jede ivirklichc sociale Reform vor allem den arbeitsfähigen Arbeiter zum Gegenstand und die Ein- dämniung seiner Ausbeutung zum Ziel habe» ninß. Sociale Rc- formen in diesem Sinne können nicht von de» Ausbeutern. sondern nur durch zielklares Eingreifen der Ausgebeuteten erreicht Iverden. Eine Arbeiterschiltz-Gcsctzgcbung, die ihren Zweck erreichen soll, muß zum miiidcste» umfassen: 1. Volle Koalitionsfreiheit und gesetzliche Anerkennung von Lohnvcrabredung und Kartellen der Arbeiter. 2. Den achtstündigen MaximalarbeitStag ohne Klauseln und ohne Ailsnahmen. 3. Verbot der Nachtarbeit(mit Ausnahme)ener Betriebe, deren technische Natur eine Unterbrechung nicht zulätzt). 4. Volle Sonntagsruhe von Sonnabendabend bis Montag früh. 5. Verbot der Beschäftigung von Kindem unter 14 Jahren. 9. Ausschluß der Frauenarbeit aus den für den weiblichen Organismus besonders schädlichen Betrieben. 7. Alle diese Bestinimungen haben für Betriebe jeder Stnfen- lciter(Großindustrie, Transportgcwerbe, Handwerk, Hausindustrie) zu gelten. 8. Ausdehnung des Arbeiterschntzes in geeigneter Weise auf die Landarbeiter. 9. Auf Uebertretnngen dieser Bestimmungen von feiten der Unternehmer sind Slrreststrafen zu setzen. 19. Arbeiterorganisationen, welche auf fachlicher und lokaler Grundlage beruhen, haben durch die von ihnen gewählten In- spektoren bei der Kontrolle der Durchführung der Arbeitcrschutz- Gesetzgebimg mitzuwirken." Zu dieser Resolution werden auS der Mitte deS Parteitages 27 Anträge gestellt, die Einzeiwünsche auf dem Gebiete des Arbeiter- schütze? enthalten. Zu ihrer Zusammenfassung wird eine Redaktionskommission gewählt. Es folgt mmmehr der Bericht der Nationalitätcn-Kommission. Der Referent Selige- Teplitz teilt mit, daß die Kommission Einleitung nnd Schlußsätze der Resolution unverändert gelassen, da- für aber an Stelle der Punkte 1—5 folgende Bestimmungen ge- troffen habe: ,1. Oestreich ist umzubilden in einen demokratische» Nationalttäten-Bundesstaat. 2. Nn Stelle der historischen Kronländer werden national abgegrenzte Selbstverwaltungskörper gebildet, deren Gesetzgebung und Verwaltung durch Nationalkammcrn, gewählt auf Grund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts, besorgt wird. 3. Sämtliche Selbstverwaltungs-Gebiete einer und derselben Nation bilden zusammen einen national-einheitlichcn Verband, der seine nationalen Angelegenheiten völlig autonom besorgt. 4. DaS Recht der nationalen Minderheiten ivird durch ein eigenes, vom NcichSparlamente zu beschließendes Gesetz gewahrt. 5. Wir anerkennen kein nationales Vorrecht; verwerfen daher die Tendenz einer Staatssprache; wie weit eine VermittlnngSsprache nötig ist, wird ein ReichSparlament bestimmen." Der Referent weist auf die hohe Wichtigkeit dieser Bestimmungen hin; die Schwierigkeiten, die einer Einigung im Rahnien der Kommission ciitaegeustauden, waren durchaus nicht groß. ES stellte sich heraus, datz nur die nicht ganz glückliche Stilisierung der fünf Punkte in der erstell Fassung zu Mißverständnissen bei den czechischcn Genossen geführt hatte. Nachdem die Autoren der ersten Resolution eine authentische Interpretation gegeben hatten, einigte man sich leicht auf die vorgeschlagene Fassung, die von den leitenden Grund- sätzen der ersten Resolution nicht abweicht. Wir halten die Nationalitätenfrage nicht für die ausschließliche Sache der Bourgeoisie; auch das Volk, die Arbeiterklasse, hat ein Interesse daran, daß die nationalen Rechte der einzelnen Nationen nicht verkümmert werden. Die Lösung des Nationalitätenproblems ist nicht Sache einer entfernten Zukunft, sondern drängt sich der Gegenwart auf. Der notivendig ein- tretenden Veränderung der Dinge muß die Socialdemokratie ihren Stempel aufdrücken. Auf diesem Gesamt- Parteitag müssen alle Rationen OcstreichS ihren gemeinschaftlichen Willen durch einstimmige Annahme unserer Resolution ausdrücken. �Lebhafter Beifall.)� Ohne weitere Debatte wird zur Abstinnnung über die Resolution geschritten, die einstimmig angenommen ivird. Die Wer- kündigung dieses Ergebnisses ivird durch stürmisch« Hochrufe auf die interiiationale Socialdemokratie beantwortet. Im Namen der polnischen Delegation verliest Reger- Dialitz folgende Erklärung: „Da§ in der socialdcmokratischen Partes organisierte polnische Proletariat arbeitet und wirkt solidarisch mir den Proletarier-Orga nisationen von ganz Oestreich. Seine Lage gestaltet sich aber um schivierigcr, als das polnische Volk gewaltsam durch Grenzpfähle in drei Teile getrennt worden ist, das gemeinsame Wirken dcS gesamten polnischen Proletariats außerordentlich erschwert ivird und die nationale Unterdrückung seitens des russischen und preußischen Staates zugleich auch die organisatorische Arbeit des polnischen Proletariats selbst verhindern will. Deshalb wirke» die polnischen Socialdemo- kratcn unter dem gesamten polnischen Volke unermüdlich dahin, daß das schwere nationale Unrecht, das am polnischen Volle vcriibl worden ist, beseitigt werde, und daß in Zukunft das polnische Volk politisch und national geeinigt und frei in der Lölkerfamilie dastehe. (Beifall.) Der Parteitag wendet sich nunmehr dem siebenten Punkte der Tagesordnung: Die Konsumvereine zu. Referent ist Dr. Victor Adler: Wir hatten von 1897 ab ein GrnndungS sieber von Konsumvereinen. Darauf folgte 189S eine Krachperiode Eine Reihe von Konsumvereinen verkrachten. Das Nebel erklärt sich daraus, daß für die Arbeiter ein großer Anreiz vorhanden ist Konsumvereine zu gründen. Sie wollen damit der Lebensmittel- Verfälschung und dem LcbenSmittel-Wuchcr entgegentreten. Nun entsteht angesichts der Erfolge der Arbeitcr-Konfumvereine im Aus- lande, besonders in Belgien, die Frage, sind die Nebel unserer Kousnmvereine eine konstitutionelle Krankheit oder eine Kinder-, eine Eutwicklungskrankheit? Ich bin der letzteren Ansicht. Ich habe die belgischen Genossenschaften kennen gelernt und den allergrößten Ein- druck von ihrer Lebensfähigkeit und ihrem Nutzen für die Arbeiten schaft im allgemeinen und die Partei im bcsondcni davongetragen, Die belgischen Kooperationen find durchaus Parteiunteniehmungen, Der Gcntcr.Vooruit" und die Brüsseler„Maison du peuple" haben Bestimmungen in den Statuten, daß ihre Miiglieder das Programm' der Partei anerkennen müssen. Jeder Genossenschaftler ist Genosse. Redner schildert die Mängel vieler Konsinnvereine, die Zwerg» Wirtschaft und den Mangel an kanfnmnnischer Kenntnis und Tüchtig- kcit. In der Presse haben wir eS so weit gebracht, daß wir nur Leute einstellen, die schreiben können. Auch die Konsumgenosicn schaften müssen Leute nehmen, die ihr Geschäft verstehen und müssen sie auch ordentlich bezahlen. Niemand glaubt, er könne einen Sack Zucker, einen Ccntncr Kaffee billiger als zum Marktpreis einkaufen. Kein Arbeiter kaust ein Paar Stiefel unter dem Marktpreis, Wenn eS sich aber um qualifizierte Arbeitskräfte handelt, da sind dieselben Genossen, die dafür sind, die unqualifizierte Arbeit hoch zu bc- zahlen, sehr geneigt, die qualifizierte Arbeitskraft unter dem Marktpreis anzukaufen und auszubeuten. Ob das recht ist. bleibe dahingestellt, vernünftig ist es nicht. Wenn der Groß- kausmann seinem Gcschästleiter viele tausend Gulden bezahlt, thut er eS nicht aus Menschenfreundlichkeit. Anständiges Gehalt komnit hundertfältig wieder herein. Tie Konsumvereine sollten keine Hungerlöhne bezahlen. Ein arger Krebsschaden der Konsumvereine ist die Dividcndcnjagd. Lächerliche, trügerische Vorteile werden vor- gegaukelt, nnr um Mitglieder einzrifangeu. Ich habe von 73 Arbeiter- Konsuntvereincn, die 30 900 Mitglieder umfassen und eine jährliche Barlosung von ö 825 000 Gulden hatten, Material erhalten.� Da werden Dividenden bis zu 11 Prozent bezahlt.1*) Aber dieselben Leute, die Dividenden auszahlen, haben große Schulden, die manch mal das eingezahlte Kapital übersteigen. Die Dividendenjagd er- folgt auf Kosten der Qualität der Waren und der richtigen Führung der' Geschäfte. Einen direkten Einfluß auf die Konsumwaren können wir von Parlci wegen nicht ausüben. Aber auch auf die Gciverkschaftcn haben wir keinen Parteieinfluß, und doch sind sie die Kinder der focialdemokratischen Partei und heute die Hanptquelle ihrer Stärke, Wir müssen heute in der Konsumvcrcinssnche einen Schritt weiter thun. Redner schlägt folgende Resolution vor: „Der Parteitag muß eS auch jetzt noch wiederholt ablehnen. die Konsumgenossenschaften als ein Element der Partei-Organi- sation aufzunehmen; er erkennt jedoch an. daß gut geleitete Konsumgenossenschaften an nianchcn Orten und nnter gewissen llniständen der Arbeiterschaft nützlich erkennt weiter an, daß eS vielfach organisierten Arbeiter liegt, ihren Einfluß gciiossciischaftcn geltend zu machen»md indifferenten oder gcgiicnschen Elementen_ Parteitag lehnt jede Verantwortung der Partei als solcher für die Konsumgenossenschaften ab, erklärt es aber in hohem Grade für wünschenswert, daß den bestehenden Genossen- schaften ein kaufnmimisch und juristisch fachkundiges Organ be- ratend und helfend zur Seite steht, um sie und die beteiligten Ar- beiter vor Schaden zu bewahren. Der Parteitag erklärt es als selbstverständliche Pflicht aller in Konsumgenossenschaften thätigen Genossen, energisch dafür einzutreten, daß den Angestellten an- gemessene Löhne, Sonntagsruhe und anständige Arbeits- dedingungcn gewährt werden.(Beifall.) Korreferent S ch u h m e i e r wendet sich ans das nachdrücklichste gegen die unvorsichtige, leichlstnnige Gründmig von Konsumvereinen, die der Partei zum schweren Schaden gereichen. Nur wirklich leistungsfähige Konsumvereine sollten gegründet werden. Sonst werden durch verkrachte Bereine in manchen Orten mühselig auf- gebaute Parteiorganisationen zerstört. Der Parteitag dürfe den GründnngSnlf nicht fördern, sondern müsse ihn dämpfen. Im Referat des Dr. Adler habe sich wieder daS Adlerfche„Aber" bemerkbar ge- macht.(Große Heiterkeit.) Manche Konsumvereine verbieten ans reiner Dividendenjagd ihren Angestellten selbst die Kolportage an Partei- zeiwngen. Redner verwahrt sich gegen die Absicht, die Genossen- Ichastcn verneinen zu wollen. Er sei kein principieller Gegner. In 10, 13 Jahren komme vielleicht die Zeit, wo wir selber Konsumvereine gründen. Heut aber fehlt es noch an Kräften und an einer ans- reichenden gesetzlichen Grundlage für die Konsumvereins-Bewegung, die erst im Parlamente zu erkämpfen ist. Wir müssen den Mut haben, heute gegen die Gründung schlecht fundierter Konsumvereine aufzutreten.(Beifall.) Die Debatte, die keine neuen Gesichtspunkte bietet, wird bald abgebrochen. Die Adlersche Resolution wird schließlich gegen sechs Stimmen nnt folgenden zwei Znsatzanträgen angenommen: „Der Parteitag fordert die Vertrauensmänner und Partei- genossen aller Arten auf, der leichtfertigen oder ungenügend vor- bereiteten Gründung von Konsumvereinen auf das energischste entgegenzutreten und so zu hindern, daß dadurch die Genossen- schaft'sbcivcgung diskreditiert und unvorsichtige Mitglieder ge- schädigt werden." „Die Zugehörigkeit zu einem Konsumverein enthebt die Ge- nossen nicht der Pflicht, einer gcwerckschaftlichcn Organisation an- zugehören und in der Partei thätig zu sein." Nunsk und TvilsenMufk. sein könne». Er im Interesse der in de» Wirtschafis- die Führung nicht zu überlassen. Der **) In Dentschland gicbt es Konsumvereine, die über 20 Prozent Dividende zahlen.(Red. d.„V.") Schiller- Theater.„Nora", Schauspiel in 3 Akten von Henrik Ibsen. Deutsch von Borch. Das Schiller-Theater trug am DonncLtag einen schönen und wohlverdienten Erfolg davon. Die Dichtung des Abends ist bekannt und anerkannt. Wer sie heute noch — wie Spiclhagen zur Zeit ihres Auftauchens— für eine Novelle hält, nicht aber für ein Drama, wer heute noch Nora Helmer einen sittlichen Vorwurf daraus macht, daß sie in die weite Welt geht, weil sie nicht das Freuden- mädchen ihres Mannes' sein mag; wer heute noch von „Kranlenstubenpoesie" flennt, weil Dr. Rank die Rückenmarksschwind- sucht hat— nun. der mag thun, was er nicht lassen kann. Seine Worte werden nicht einmal Heiterkeit wecken, denn ivir haben sie so oft gehört, daß sie uns ein trister Scherz geworden sind. Die Akten über Ibsen sind geschlossen. Daß er ein bedeutender Dramatiker ist, steht für uns Lebende fest. Ob eine spätere Generation die Akten wieder von, Regal herunter holen wird, um sie aufs neue zu revidieren, und ob sie dabei vielleicht hier und da einen ästhetischen Rechenfehler finde» wird: das wissen wir nicht. Wir brauchen es aber auch nicht zu wissen. Für uns hat Ibsen als ein großer Dichter gelebt und unser Ruhm wird es sein, daß wir nun auch für ihn leben, sei es als Kritiker, Schauspieler oder dankbarer Leser. Dem.Schillertheater" darf man nachrühmen, daß es den bor- gestrigen Abend zu einem Fest gestaltete, nicht zum wenigsten für den Kritiker, der sich hier von dem Schund der»amenlosen Macher und den Schwindclerfolgcn der Duse ausruhen konnte. Mag über die Einzellcistnnge» gesagt werden, was eben darüber gesagt werden muß: in der Vorstellung selber lebte die Posie des großen norwegischen Meisters. Und das ist allemal ein Fest. Im Mittelpunkt des Interesses stand— wie sich das von selbst versteht— Frl. Gertrud Ehsold, die als Nora debütierte Ich habe etwa sechs Schauspielerimien als Nora gesehen, darunter in Kopenhagen die Damen, für die Ibsen die Rolle geschrieben hat, darunter auch die Sorma. Ich habe keine gesehen, die mit soviel Verstand(ich bitte zu beachten: mit soviel Verstand) die„kleine Nora, die„Puppe", den Wildfaug, die„Lerche", den lockeren Näscher erkannt und wiedergegeben hätte. Freilich sah ich die Sorma, als sie bereits mit der Rolle gastieren gegangen war, wodurch sie verloren haben mag aber geiilig von der Sorma— und mehr von Fräulein Ehsold Daß sie eine Schauspielerin von viel Verstand»nd Temperament ist, steht bereits nach dieser einen Leistung fest. Im übrigen ist es schwer, über eine Dame zu urteilen, die man zum erstenmal sieht, Man weiß nicht, ob etwa in ihrer Persönlichkeit etwas steckt, daß sie in dieser Rolle gerade besonders begünstigt Daß es bei Fräulein Ehsold der Fall war, glaube ich indes nicht. Wo man sich selbst spielt, läßt man sich mehr gehen, als sie that: man braucht weniger künstlerische Intelligenz, als sie in Anwendung brachte. Die Wirkung liegt mehr in dem Umstand, daß man mit seiner Gestalt, seiner Stimme seinen Eigenheiten einfach da ist. Indes: über diesen Punkt muß die Zukunft entschcidcit. War es Auffassung, war es Naturell, was ivir gestern sahen, gleichviel es war eine vorzügliche Leistung, immer mit fcincin Verständnis für den Dichter, auch wenn es stilles und diskretes Spiel forderte Ein Wort über die Nolle sei uns noch gestattet. Nora ist naiv, aber nicht im Sinne GreichenS. Sic ist die Tochter eines nicht„einwands ftcicii" Beamten, sie belügt ihren Mann und betrügt ihn schließlich auch ein wenig, weniPteus intellektuell, in den auch nicht ganz einwandSfreicn" Gesprächen mit Dr. Rank. Nora ist naiv, aber sie ist naiv lasterhaft, woraus sich auch einzig und allein die gefälschte Unterschrift erklärt. Ein pikantes Wort, ein heißer Blick, eine gewagte Bewegung sind Dinge, die zu Nora vorzüglich passen. Sie darf keinc-wegs allzu deutsch und gemütvoll, keineswegs allzu blauäugig und blondlockig" gespielt werden. Auch diese, wenn man will, dunkle Seite des Charakters kam gestern gut zum Aus druck. Wahrscheinlich weniger in künstlerischer Absicht, als vielmehr ans dem einfachen Grunde, daß Frl. Ehsold nicht eben an zu viel „Humanität" krault, was uns bei derUeberproduktion.die in Deutichland auf diesem seelischen Gebiet herrscht, keineSivegs als ein Laster erscheint. G r e g o r i s Kropstadt ist vom„Deutschen Theater" her bekannt. Der Künstler bietet innerhalb seiner Ausfassung eine ergreifende Leistung. aber seine Auffassung ist nicht die meine. Ich sehe den Kropstadt kälter, unheimlicher, mehr stumm entschlossen; ich sehe in ihm den Mann, der„Redensarten verachten gelernt hat", und der darum eine Worte knapp und hart ausspricht, sich auf ihren nnerbittlichen Inhalt verlassend. Grcgoris Auffassnng bat allerdings den Vorzug, daß sie in der LicbeSscene deS letzten Akts wärmere Töne zuläßt, als meinem Kropstadt erlaubt wären. Dem Dr. Rank war Herr Vach nicht gewachsen. Es fehlte die überlegene Bitterkeit, der vcr- achtende Chiiismus, die beißende Ironie. Hier und da machte sich 'ogar so etwa? wie Pathos bemerkbar, was der Rolle geradezu den Tod bringen kann. P a t r h war insofern in einer glücklichen Lage, als er für die Gestalt HclmerS außerordentlich viel mitbringt. Die Rolle mußte ihm gelingen und gelang ihm in der That auch sehr gut. A l>o i» e W i e ck e als Frau Linde war leider nicht an ihrem Platz. Ihrer Persönlichkeit fehlt— glücklicherweise l— der tenipe- ramcntlose Zug. der Frau Linde auszeichnet.— E. S. oe.„Deutsche Volksbühne*' im Ostend- Theater. DaS Volk kann wirklich nicht verderben. Wenn ihm auch sein bißchen leibliche Nahrung mit allen Ehikanen der Neuzeit verkümmert wird, so findet eS für die physischen Entbchrimgc» reichlichen Ersatz in der rühren- den Sorge um sein geistiges Wohl. Zwar ist uns Wien hierin dem schein nach augenblicklich um eine Pferdelänge voraus, weil dort ein teinreicher Fabrikant eigcnS für seine Arbeiter ein Theater hat Herrichten lassen. Aber ivaS will daS im Grunde gegenüber dem Vorteil besagen, daß cS in der deutschen Reichshangtstadt ideal veranlagte liiitcr- »chmer giebt. die ihren Geschäftssinn für gar nichts anderes als für die geistige Mästung des Volkes anstrengen? Leider wird solches Streben selbst von dem nicht ganz zahlnngSnnfähigeit Teile des Volkes, an de» man sich der Vorsicht halber zunächst wendet, recht oft verkannt. Ein Herr, der sich auf hiesigen Bühnen vor zwei Jahren patriotisch und im vorigen Jahre klassisch bemüht hat. ohne es zu sonderlicher Ancrkenmmg bringe» zu können, kam»nS am Donnerstag in Ostend-Theatcr zur Abwechslung germanisch. Er ließ von Felix Dahn. cineiii der wenigen noch vorhandenen Urdeutschcn, einen klirrenden Prolog verfassen, den der redliche Schauspieler Gustav Kobcr im Kostüm der Kncrochscnzclt vortrug. Dam, ging der Vorhang des Ostcnd-ThcatcrS endgültig auf und es wurde„Der Paria' gegeben, eine an Wehmut reiche Tragödie dcS glicht ganz einwandfreien Germanen Michael Beer, dem weniger glänzend veranlagten Bruder Giacomo McycrbeerS. Man kalkulierte so. daß Indien. daS Land der Parias, auch die Urheimat des Germanentums sei. und man daher diesem Lande ein Stück Respekt zollen müsse. Dann folgt in geographischer Hinsicht etwas unvermittelt eine Aus- führung von Henrik Ibsens Jugenddrama„Das F e st auf Solhaug". Die Gelegenheit ist zu unbedeutend, um auf Wert und Inhalt dieser an Symbolik, Sang und Sagcnduft reichen Dichtung einzugehen. Die Mitwirkenden, die aus einem halben Dutzend Berliner Theater herbeicitiert waren, brachten es zu einem leidlich guten Zusammenspicl. So wird die Vorstellung für Theaterleute nicht ganz ohne Jntereffe gewesen sein. Aber für das Denken des Volkes, wie eng oder wie weit man den Begriff dieses Wortes auch fassen mag, sind solche Experimente ohne Belang.— Syufonie-Konzcrt. Als wir im vorigen Herbst(2. Oktober 1893) den Wiederbeginn der. S i n f o n i e- K o n z e r t e" der könig- lichcn Kapelle im Opernhaus samt ihrer wohlthätigen Ein- richtung der öffentlichen Hauptproben begrüßten, appellierten wir an ihre Leitung, daß sie auch noch nachherige Wiederholungen in ganz volkstümlichem Rahmen einführen möchte. Wird zwar voraussichtlich unser Appell nicht so bald Erfolg haben, so kommen wir doch immer wieder auf ihn zurück. �Allerdings müßte, wenn man das alte Problem einer wahrhaft populären Musikpflege gründlich lösen will, auch mit entsprechenden An- Weisungen zum Verständnis, über bloße programmatische Erläuterungen hinaus,' Ernst gemacht werden. Wer sich für diese Frage näher interessiert, findet in der neuen„Zeitschrift für pädagogische Psycho- logic"(1/5 S. 253) bemerkenswerte Vorschläge. Gestern gab es also abends das erste dieser Konzerte(wieder mit längst ausverkauften Sitzplätzen) und mittags seine öffentliche Probe. Das Programm war lediglich der klassischen Trias Hahdn- Mozart-Beethoven entnommen. Am wenigsten geläufig dürfte dem Publikum die L-äur-Sinfonie von Hahdn gewesen sein. Es ist dies die 12. der(aus des Komponisten späterer Zeit stammenden) so» genannten Londoner Sinfonien, unter den in L-äur stehenden Sinfonien Hahdns nicht eben die merkwürdigste. Herr Weingartner bewährte seine Dirigierkniist wieder in deutlichster Weise. DaS Wuchtige, Heroische vermag er so trefflich herauszubringen, daß von Beethovens 5. Sinfonie die Ecksätze ganz gewaltig wirkten. Andersartige Stücke, wie etwa hier das(doch wohl versckleppte) Anäanto con meto und dann die ganze G-moII- Sinfonie von Mozart litten, um nicht mehr zu sagen, unter der Glätte deS Vortrages und seiner übergroßen rytbmischen Festigkeit. So, nach der Probe zu urteilen. Die Aufführungen selber dürften ja in solchen Fällen keine Verschiedenheit gegen die Proben ergeben oder höchstens ihnen an Frische noch etwas nachstehen. Auch die.AlleFro kurioso- Ovationen, die diesmal wieder dem Dirigenten gebracht wurden, dürsten sich mittags und abends und daS ganze Jahr hindurch gleich bleiben.— sz. Gcvichks ikung. Sittlichkeit und ZtkchthanSknrS. Beim Bau deS Schulhause» in F r e i e n w a l d e wurde am 9. März d. I. der Maurer Willy Math es eingestellt. Matheswar in Berlin aus dem Central- verband der Maurer ausgeschlossen worden. Die Maurer am Schulhause waren deshalb über seine Einstellung unge- halten. Zu irgendwelchen Beleidigungen kam es aber nicht. Äm 11. März er. erzählte Mathes während der Arbeit in Gegenwart der Lehrlinge unanftäiidige und rohe Geschichten über sein Zusammen- leben mit Mädchen. Der Maurer Robert Schiele, dessen Sohn einer der Lehrlinge war, und der Maurer Julius Bastian verbaten sich dies energisch. Schiele und Bastian erhielten aber auf die Anzeige deS MatheS Anklage wegen Beleidigung und Verletzung des§ 153 der Gew'erbe-Ord'iiung. die am 23. September vor der Strafkammer zu Eberswalde verhandelt wurde. Mathes bezeugte. Schiele habe gesagt, er sei ein Streikbrecher, ehrlos und nicht wert, daß er mit Kollege» arbeite; wenn er Ehre hätte, würde er nicht arbeiten. Bastian aber habe gesagt:„Du Lump, Du bist nicht weil, daß Du hier nnter den Kollegen arbeitest. Du mußt Dich mal erst ehrlich zeigen!' Das sei gesagt worden. um ihn zu veranlasse», dem Verbände der Maurer beizutreten, nicht wegen seiner Erzählung von Unanständigkeiten. Der Polier und ein Maurer, der zur Zeit unmittelbar neben Schiele und Bastian arbeitete, bekundeten dagegen, diese hätten den Mathes wegen seiner gemeinen Erzählungen zur Rede gestellt und etwa gesagt: Mathes sei ein ehrloser Kerl, solche Geschichten in Gegenwart der Lehrlinge zu erzählen, er sei nicht wert, daß ein ehrsamer Geselle mit ihm zusammen arbeite. Fünf weitere vernoinmene Maurer konnten sich der Worte der Angeklagten nicht mehr erinnern, bezeugten aber, daß von Streik- brcchcr und dergleichen dabei nicht die Rede war. Es wurde ferner bezeugt, daß einige Tage später S.k-'eke und Bastian dein Bauherrn erklärten, mit Mathes nicht zusammen weiter arbeiten zu wollen und daß Mathes, der sief) wieder zur Aufnahme in den Verband bei der Zahlstelle in Freienwalde ge- meldet hatte, nicht aufgenommen wurde. Trotzdem war der Erste Staatsanwalt U n g e r der Heber» zciigniig. daß das Zeugnis des Mathes zu Grunde zu legen sei, daß die Angeklagten den MatheS beleidigt hätten, um ihn zu ver- aiilasscii. dem Verband beizutreten. Solcher.Terrorismus" müsse streng bestraft werden. Er beantragte gegen Schiele und Bastian je drei Monate Gefängnis. Vergebens wies der Ver- leidiger Rclbtsanwalt Dr. H e rz f e l d auf die psychologische Un- Möglichkeit hin. daß die Angeklagten, welche dem Mathes ihre Encpö- rniig über seine gemcincii Geschichten aussprachen, durch ihre beleidigen- den Worte sciiicu Anschluß an den Verband herbeiführen wollten, daß selbst, wenn sie ihn dabei Streikbrecher genaimt hätten, dieS eine Antwort sei auf die gemeinen Geschichten des MatheS, vergebens auf die Thatsache, daß man MatbcS gar nicht im Verband hätte haben wollen, wie sein Ausschluß in Berlin und die Ablehuuiia seines Gesuchs um Sufnahme in Freienwalde ergebe, vergebens auf die Aussagen der sämtlichen übrigen Zenaeii. Der Gerichts- Hof glaubte dem Mathes, schloß»ch den Ausführungen deS StaatSanIvaltS über die„terroristische" Tendenz der Bc- leidigniigcn an und venirteilte jeden der beiden bisher imbc» choltcnen, mehr als 40jährigen Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis. Verbunden mit dieser Sache und gleichzeitig verhandelt wurde eine Anklage gegen den Maurer Ernst P r i e tz und Fritz Mannet Manuel, ein junger Mensch von eben 18 Jahren, hatte dem MatheS am 11. März das Jackett im Werte von etwa 5 M. zerschnitten. Er gab dieS zu, hatte aber in der Bornntersuchung angegeben. Prictz habe ihn dazu aufgefordert. In der Hauptvcrhaiidlung zog er diese Erklärung zurück und gab auf die Vorhalkmg des Prutz zu. daß dieser ihm gelegentlich beim Nachhansefahrcn erzählt habe, ihm, Prictz, sei in früheren Jahren, als er unorgautsiert war, die Hose zerschnitten worden. Der Erste Staatsanwalt meinte. das frühere Geständnis deS Manuel genüge zur Verurteilung und beantragte gegen Mannel vier Monate, gegen Prietz als An- tiftcr sechs Monate Gefängnis. Der Verteidiger meinte, wenn sie Angaben von Schiele und Bastian, die durch eine Reihe eidlicher Aussagen unterstützt würden, nicht glaubhaft erschienen, so könne man doch Prictz nicht auf die in» zcgebcne und» in der Hanptbcrhandlnng /einem einzigen Zeugen unterstützte Angabe Mannel. der sich wohl durch die Behauptung eine mildere Strafe habe sichern wollen, ins Gefängnis schicken. Be« züglich der Höhe der beanträgten Strafe wies er auf die Gering- 'ügigkcit des Objektes hin und die bei dergleichen Sachbrschädigniigcn onst üblichen geringen Geldstrafen, die vielfach verhängt würden, .eibft wenn das Motiv ein gemeines sei, nicht wie hier beleidigt» Standcsiiitcressen. DaS Gericht verurteilt« Prietz zu zwei Monaten Gesang nsis und Manuel zu«inemMonatGe- ä n g n i S._ Vorverfahren ab- widerrufcne. von des Mitangeklagten von der Nustiftuug Julius Lindenbaum Grosse Frankforterstr. 141, BERLIN 0., Grosse Frankfurterstr. 141, Eckhaus der Fruchtstrasse. -9+<- Eokhaus der Fruchtstrasse, Grossies Etablissement der Bezirke Ost, Nordost and Südost für Herren- und Knaben-Bekleidung. Sämtliche Spcrt- n. Jagd-Artikel. Berufskleidung. 18«,. MassanferUgung. m.«w» w«. Für den bevorstehenden [2603L» UMZUG BegrUndang de. Geachttfta 1878. empfehlen wir: Beleuchtungs> Gegenstände aller Art— Gas-Kronen— Ampeln— Hängelampen— Doppelarme— Lyren— Laternen— Gas- Bogenlampen für Aussenbeleuchtung— Schaufensterbeleuchtung u. s.«r. Gasherde, Gaskocher, Gasplätten. Neaanlagen and Veränderungen an Gasleitungen. AUERGESELLSCHAFT Molkenmarkt (Deutsche Gasglühlicht Aktiengesellschaft) � M. 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Näheres unter I- 4 in der Expedition dieses Blattes.[+22* Stellenangehete. Arbeiterkreisen eingeführte Reisende, sowie redegewandte Leute können viel Geld verdienen, Buchhandlung, Rüdersdorfersiraste 38. 2438b Schlosser. bessere W Kunstschmied, Arbeiten, Mcssinggitter tc., hoher Lohn, dauernd Beichästigung. Gc- fällige Adressen unter I. 4 an die Expedition des„Vorwärts-. 2900b Kräftige Arbeiter finden bei Um- zügen lohnende Beschästignng Köp- nickerstrahe 127. Antritt früh 5 Uhr. Schlafstelle, separat, Reichenbergcr- straste 158, vorn II rechts. 2959b Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Bertt». Für den Inseratenteil verantwortlich: Tch Bogenfängcr oder Bogensängenn, geübte, verlangt Zschau, Schulstraste?. Lithographen, tüchtig in Kreide, für feine Blumeuvorlagen verlangt Maast, Chromolithographisches Alelicr, Scharnhorslstraste 16.__[+75 Wagen-Lackierer-Lehrling verlangt Müller, Waldstrabe 43._[+55 Einen Laufburschen verlangt Buch- druckcrei Neanderstraste 3.[2976b Gürtler aus Gaskroncn sucht I. Hirschhorn, Köpnickerstraste 149. Süchtige Rahmenmackicr bei hohem Lohn gesucht. GoldleistensabrikAlcran- drinenstraste 25._[2962b Stuhtmachcr. tüchtige, sucht Ferdi- nand Vogts u. Co., Alte Jakob- straste 18/19._[29656 Sohlen-Steppcr sucht Filzschnh- Fabril An der Stadtbahn 41._[18611 Lehrbnrschcn zur Vergoldcrei ver- langt Barnimsiraste 2.[29536 .-übte Sartonarbeitettnnen, auch Lehrmädchen verlangt Emil Backe, Kastaiiien-Allee 26.+39 Mädchen. 14-16 Jahre, für leichte, saubere Arbeit sucht Frttsch, Lürasfier- straste 12._[29516 Rartonarbeitcri». in und austerm Hause, verlangt sosott Kahan, Prenz- lauerstraste 42._[29676 Arbeiterin- Wäscherin verlangt Friedenauer Damxswäscherei, Albe- straste 34._[29686 Arbcitcrinncn zum Sottleren von Papierabsällen bei gutem Lohn sucht Josef Schimek, Mühlenstraste l l 154K* Blumcnbiiide». Junge Mädchen, die dasselbe bei sofortigem Gehalt erlernen wollen, können sich melden bei Zade u. Falk, Kommandanten- straste 77._ 2920b Fnsisirickcriuiien finden das ganze Jahr Beschäftigung bei Laer Sohn. Wallstraste 67. 2864b Achtang! Achtang! Holzarbeiter! In der Bautischlerei von Hlath & Elchholz, Frankfurter Allee 63, Haben sämtliche Tischler wegen LoHn- differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug sernhalten. Holjbtarbtithllgwaschinen- Arbeiter! In der Piaiiomechanik-Fabnk von Oskar Köhler, Greifswalderstr. 33, stehen die Maschiuenarbeiter im Ausstand. Zuzug fern halten. 122/6 Tie QrtSverwaltung. In, Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 40 Pf. pro Zeile. Meister für Maschinen- und Hand- grundiererei gesucht. Stellung dauernd und gut bezahlt.[114/12 Pasing bei München. Gersdorf dir Brandenbarg. Annahme-Stellen für„Kleine Anzeigen". Osten: Robert Weuqelö, Frnchtßr. 30, H L. Bogel Wwe., Kapvmstr. 83. Chr. Schulh, Blumenstr. 14. Nordosten: I. Renl, Barnimstr. 42. worden: W. Gastman». Grünthalerstr. 65. Karl Mars. Kastauien-ANee 95/96. Emil Stolzenburg. Wiesenstr. 14. L. Techaub. Ruheplatzstr. 2t. H. Bogel, Demmiuerslr. 32. A. Tieh. Jnvalidenstr. 124. Zlordn esten: Karl Anders. Salzwedelerstr. 8. Siidncstca: F.OHuesorge. Bergmannstr. 23, H II. H. Schröder, Kreuzbergstr. 15. Süden: Hans Vaake. Dresdenerstr. 52,53. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 6. Südosten: Frili Thiel, Skatitzerstr. 35. W. Gesche. Wrangelstr. 58. Martin ivlescha,«dalbettstr. 24. Ccntram: P. Harsch. Gipsstr. 27. 31. Tieü. Breitesir. 23. Charlottenbnrg: Gnst. Scharnberg. Schillerstr. 941. Erlcdcnan: H. Bernsee. Kirchstt. 15. Erlcdrlchsbcrg: 3lnton Kopp, Friedrich Karlstr. 4. Pankow: Kümmert. Kaiser Friedrichflr. 15. Illxdorf: E. Ostermann. Erckstt 6. E. Sieperau, Hennanustr. 50. Scboncbcrg: Wilh.väumler.ApostelPauluSstr 10. Wclsscnscc: Heinrich Bachmann. Lehderstr. 1. anlins Schillert. Köuigchauffee 39a. ob. Liebschtoager, Gustav-Addts> straste 16.., Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.