Unterhaltung sblatt des Vorwärts Nr. 91. Freitag, den 10. Mai. 1901 (Nachdruck verboten.) A v Ir e i k: 28] Roman in drei Büchern von Emile Zola. Shis dein Französischen übersetzt von Leopold R o s e n z iv e i g. Das Laboratorium war ein weiter und hoher Saal aus Ziegel- und Eisenkonstruktion, dessen große Fenster auf den grünen Ssicut sahen. Ein mächtiger, uüt Instrumenten aller Art bedeckter Tisch nahm die Mitte ein, während längs der Wände koniplizierte Apparate von seltsanien Fornien sich aufreihten, nebst Modellen, Zeichnungen und elektrischen Oefen im verkleinerten Maßstabe in den Ecken. Durch die ganze Länge des Raums zog sich ein Netz elektrischer Drähte, welche die Kraft des Dynamos aus dem benachbarten Schuppen herüberleiteten und an die Apparate, Maschinen ur.d Oefen verteilten. Und inmitten dieser ernsten und kahlen wissenschaftlichen Umgebung war vor einem der Fenster ein Weichs und warmes Nest eingerichtet, eine liebevoll intime Ecke, niedrigen Bibliothekschränken und weichen Polstersesseln, einem Diwan, anf welchem der Bruder zu bcstinimten Stunden schlummerte, einem kleinen Tische, an welchem die Schwester saß. über ihn»vachte und ihm als treuer Sekretär und Mitarbeiter diente. „Da war' ich also wieder!" sagte Jordan.„Ich fühle mich doch nirgends wohl als zu Hause! Und gerade als nnich die unglückliche Nachricht traf, die mich zur sofortigen Abreise zlvang, war ich mit einem Experiment beschäftigt, das mich ungeheuer interessierte. Das muß ich nur gleich wieder aufnehmen. Ach. wie ist mir wohl I" Er lachte wieder leise, sein Gesicht hatte mehr Farbe, fein ganzes Wesen war- lebhafter als sonst. Er streckte sich halb ans den Diwan, in einer Pose träumerischen Sinnens, die er häufig annahm, und lud mich Lucas zum Sitzen ein. „Nun denn, lieber Freund, was die Angelegenheiten betrifft, die mir solches Verlangen nach Ihnen erweckt haben, daß ich mir die Freiheit nahm, Sie zu nur zu bitten, so haben wir ja Zeit, dartiber zu sprechen, nicht wahr? Uebrigeus muß auch unbedingt Soeurette dabei sein, denn sie hat sehr viel praktischen Verstand. Wenn es Ihnen recht ist, so lasten wir das, bis wir gegessen haben, zum Dessert. Ach, ich freue mich so, daß ich Sie hier bei mir sitzen habe, und daß ich derweil mit Ihnen von meinen Unter- suchnngen sprechen kann I Es geht nicht sehr schnell damit, aber ich arbeite, und das ist die Hauptsache, wie Sie wissen. Es genügt, wenn mau zwei Stutiden täglich arbeitet, um die Welt zu erobern." Er, der'sonst so Schweigsame, wurde gesprächig und er- zählte von seinen Arbeiten, von denen er nie zu jemand sprach, außer zu den Bäumen seines Parks, wie er scherzend sagte. Tu der elektrische Schmelzofen schon erfunden war, so hatte er zuerst nichts andres gesucht als dessen praktische Anwendung zum Schmelzen des Eisenerzes. In der Schweiz, wo die reichlich vorhandene Wasserkraft billige elektrische Anlagen ermöglichte, hatte er Oefen gesehen, die unter sehr vorteilhaften Bc- dingungen Aluminium produzierten. Warum sollte man sie nicht auch für Eisen verwenden können? Es bedurfte, um das Problem zu löse», nur der richtigen Anwendung des Princips auf den gegebenen Fall. Die gegenwärtigen Hoch- vsen erzeugten eine Temperatur von nicht über 1600 Grad, während mit den elektrischen Oefen L000 Grad zu er- zielen wären, was einen raschen, vollständigen und durchaus glcichniäßigen Schmelzprozeß ermöglichen würde. Und er hatte ohne Mühe den Ofen entworfen, wie er sich ihn zu diesem Zwecke dachte: ein einfacher, ans Ziegeln hergestellter Würfel von zwei Meter Kantenlänge, mit einem Herd und einem Tiegel aus Magnesia, der scuer- sestesten aller bekannten Materien. Er hatte ferner das- Volumen der Elektroden, zweier starker Äohlenstübe, berechnet, und seine erste wutliche Entdeckung hatte darin bestanden, baß er den Gedanken gehabt hatte, diesen Stäben unmittelbar den Kohlenstoff zu entnehmen, der nötig war, um dem Erz den Sauerstoff zu entziehen, so daß der ganze Prozeß außer- ordentlich vereinfacht ivurde und sich fast ohne lästige Schlacken- bildung vollzog. Aber wenn auch der Ofen fertig war, wenig- stens als Entwurf, so handelte es sich noch immer darum. ihn in Thätigkeit zu setzen, so daß er praktisch dauernd und verläßlich funktioniere und sich den Bedürfnissen der Industrie anpasse. „Sehen Sic sagte er, auf ein Modell in einer Ecke deutend,„da haben Sie ihn, nieinen elektrischen Ofen. Ratür- lich müßte er noch vervollkommnet werden, es haften ihm noch viele Fehler an, die ich noch nicht habe beseitigen können. Gleichwohl hat er mir schon, so wie er da ist, vortreffliche Masseln geliefert, und ich nehme an, daß eine Batterie von zehn solcher Oefen, bei einer Arbeit von zehn Stunden täglich, das gleiche Resultat liefern würde, wie drei Hochöfen, gleich dem meinigen, die Tag und Nacht weiterb rennen. Und welch' leichte, völlig gefahrlose Arbeit, die ein Kind besorgen könnte, indem es einfach einige Llnöpse dreht. Aber ich muß gestehen, daß meine Roheiseumasseln mich ebenso teuer zu stehen kommen, als ob es Silberbarren wären. Darauf spitzt sich nun die ganze Frage zu. Mein Ofen ist einstweilen nichts als ein LaboratonumS-Spielzeug, und er kann erst dann für die Industrie in Betracht kommen, wenn ich in der Lage bin, ihm die erforderliche Elektricität zu einein so niedrigen Preise zuzuführen, daß er das Schmelzen des Erzes mit geringen Kosten ermöglicht." Er setzte dann weiter auseinander, daß er den Ofen seit sechs Monaten ruhen lasse und sich ausschließlich mit der Frage der elektrischen Kraftübertragimg befasse. Wäre es nicht schon eine Ersparnis, die Kohle gleich am Gewinnungsorte zu verbrennen, und die elektrische Kraft dann zu den Fadriken hinziileiten? Auch das sei eine Frage, mit der sich viele Gelehrte schon seit Jahren abmühten. Das Unglück sei nur, daß sich ein enormer Kraftverlust ergebe. „Es sind neiilich wieder Experimente gemacht worden", sagte Lucas mit zweifelnder Miene.„Ich glaube, daß der Krastverlust nicht zu vermeiden ist." Jordan lächelte init der sanften Beharrlichkeit, dem un- erschütterlichen Glauben, der ihn in seinen- Untersuchungen nicht einen Augenblick Wanken ließ, wenn er oft Monate und Monate brauchte, um nur eine einzige kleine Wahrheit festzustellen. „Man darf nie glauben, ehe man Gewißheit hat. Ich habe schon ganz gute Resultate erzielt, und ich bin überzeugt. baß man eines Tags die Elektricität nach Belieben aufspeichern, verteilen und in die Ferne leiten wird, ohne irgend welchen Verlust. Und wenn ich zwanzig Jahre brauchen sollte, nun wohl, so werde ich eben zwanzig Jahre brauchen. Man geht ganz einfach jeden Morgen von neuem an die Arbeit, man fängt wieder von vorne an, so lange man nicht gefunden hat, was man sucht. Was sollte ich anders thun, als immer wieder von vorne anfangen?" Cr sagte das mit so schlichter, unbewußter Größe, daß Lucas tief bewegt war, wie vor der That eines Helden. Der Mann stand da vor ihm, so klein und schwächlich, von zarter, angegriffener Gesundheit, hüstelnd und in Tücher gewickelt, in- mitten dieses weiten Saals, welcher erfüllt war von gewaltigen Apparaten, durchkreuzt von Drähten, die die Kraft des Blitzes in' sich trugen,— und alles dies durchdrungen, beherrscht und nutzbar gemacht von diesem kleinen, schioachen Menschen, der darin umherging, sich anstrengte, sich abmühte, wie ein kleines Insekt im Staube der Erde. Woher nahm er nur, nicht bloß die geistige Kraft, sondern auch die physische Ausdauer, um Arbeiten zu unternehmen und auszuführen, die das ganze Leben mehrerer kräftiger und gefunder JMnnct zu erfordern schienen? Er, der sich mit kleinen leisen Schritten bewegte, dessen schmale Brust kurz und schwach atmete, hob eine Welt empor, mit seinen dünnen, durchsichtigen Kinderhänden. Nun erschien aber Soeurette und rief heiter: „Ja, wollen die Herren denn nicht endlich zum Essen kommen? Mein lieber Martial, ich werde das Laboratorium verschließen, wenn Du nicht vernünftig bist." Das Eßzimmer und der Salon, zwei ziemlich kleine Räume, warme, behagliche Nester, in denen eine Frauenhand waltete, sahen beide auf den Park und darüber hinaus aus Wicscngründe und bebaute Aecker, bis in die endlose Ferne lev Nomnagne. Aber jc�t ruv?lachtzclt waren die Ronleanx herabgelassen, abgleich der Abend milde war. Lucas konnte wieder bemerken, welch' außerordentliche Sorgsalt die Schwester dem Bruder widmete. Er befolgte eine genau vor- geschriebene Diät, genoß eigens für ihn bereitete Speisen, hatte sein eignes Brot, selbst sein eignes Wasser, welches vorher leicht erwärmt wurde. Er aß wie ein Vogel, ging zeitig schlafen und stand zeitig auf, wie die Hühner, die sehr kluge Leute sind. Während des Tags unterbrachen dann kurze Spaziergänge, Ruhepausen, Siesten die Stunden der Arbeit. Denjenigen, die sich über das außerordentliche Quantum von Arbeit wunderten, das er zu stände brachte, die ihn für einen Menschen hielten, der vom Morgen bis Abend schaffte und erbarmungslos gegen sich selbst wütete, erwiderte er, daß er kaum drei Stunden des Tags arbeite, zwei am Vornrittag und eine am Nachmittag; und dabei teilte er auch noch die zwei Stunden des Vormittags durch eine kleine Erholungs- pause, da er nicht im stände war, sich länger als eine Stunde angestrengt mit einer Sache zu beschäftigen, ohne Schwindel- ansälle zu bekommen, als ob sein Kopf leer würde. Er hatte nie mehr leisten können, und sein ganzes Schaffen beruhte nur auf seiner Willenskraft, seiner Zähigkeit, der begeisterten Liebe, womit er eine einmal empfangene Idee hegte und nährte, und mit unablässiger, tapferer Geduld ihre Ver- körperlichung erstrebte, und wenn auch Jahre darüber hingingen. Lucas fand hier die Antwort auf die Frage, die er sich oft gestellt hatte, Ivoher der schwache, kränkliche Jordan die Kraft zu so außerordentlichen Arbeitsleistungen nehme. Das Ganze lag in der Methode, in der weisen und wohlberechneten Verwendung seiner physischen Mittel, so gering diese auch waren. Ja, er machte sich sogar seine Schwäche nutzbar, ver- wertete sie als Schutz gegen Störungen von außen. Vor alleni aber wollte er immer dasselbe, widniete seiner Aufgabe jede Minute, über die er verfügte, und das ohne jede Möglich- keit einer Entmutigung, ohne Erschlaffung, mit der langsamen, unausgesetzten, hingebungsvollen Beharrlichkeit, die Berge ver- fetzt. Berechnet Wohl einer die Summe von Leistung, die man aufhäufen kann, wenn man jeden Tag nur zwei Stunden der Arbeit widmet, einer nützlichen, fest zum Ziele strebenden Arbeit, die man durch keine Faulheit, durch keine Laune je- mals stören läßt? Sie gleicht den Körnern, die schließlich den Sack füllen, den Wassertropfen, die den Fluß schwellen. Stein auf Stein gelegt, so steigt der Bau in die Höhe, bis er selbst die Berge überragt. Und so geschah es, daß dieser kleine, kränkliche Mann, dessen Hals in Tücher gehüllt war, und der warnies Wasser trank, um sich keine Erkältung zuzu- ziehen, ein gewaltiges Lebenswerk zu stände brachte, dadurch, daß er seine Arbeit nach einer festen, seiner Eigenart wunderbar angepaßten Methode regelte, und daß er ihr nur die wenigen Stunden widmete, wo seine geistige Kraft vollkonunene Herrscherin über seine physische Schwäche war. Die Mahlzeit verlief in freundschaftlicher und heiterer Weise. Im ganzen Hause gab es nur weibliche Bedienung, denn Soeurette fand die männlichen Diener zu derb und zu lärmend für ihren Bruder. An den bestimmten Tagen größerer Arbeiten nahmen der Kutscher und der Stallknecht lediglich einige Leute als Helfer. Und die weiblichen Dienstboten, sorgfältig ausgewählt, von angenehmer Erscheinung und nüt leichten, geschickten Händen, trugen viel bei zu dem glücklichen Frieden des warmen, wohlvcrschlosscnen Hauses, zu welchen» nur einige wenige intime Freunde Zutritt hatten. Die Gerichte waren einfach: Flcischsuppe, eine Barbe aus der Mionne, in Butter gebacken, ein gebratenes Huhn und Salat. „Wirklich, Sie haben sich also seit Samstag nicht allzu sehr gclangwcilt?" fragte Soeurette, als sie miteinander in dem kleinen behaglichen Eßziminer bei Tische saßen. „Nichts weniger als das," erwiderte Lucas.„Sie machen sich sogar keine Vorstellung davon, wie sehr ich in Anspruch genomnien war." Und er erzählte ihnen zuerst seine Erlebnisse vom Samstag- abend, von dem Zustand dumpfer Auflehnung, in welchem er Vcauclair gefunden hatte, von dem Laib Brot, den Nanet gestohlen, von der Verhaftung Langes, von feinem Bestich bei Bonnaire, den» Opfer des Streiks. Aber infolge einer seit- samen Zurückhaltung, über die er später selbst erstaunt war, glitt er über seine Begegnung mit Josine hinweg, ja, er nannte sie nicht einmal. „Die anncn Leute I" sagte das junge Mädchen Mitleids- voll.„Dieser entsetzliche Streik hat sie alle auf Brot und Wasser gesetzt; und glücklich noch die, die Brot hatten. Was sollte man thun? Wie thnen zu Hilfe kommen? Das All» mosen ist nur eine wirkungslose Erleichterung, und Sie können sich nicht vorstellen, wie trostlos es mich diese zwei Monate gemacht hat, daß ich sehen mußte, wie wir so ganz und gar inachtlos waren, wir, die Reichen und Glücklichen I" (Fortsetzung folgt.) cNackdruck verdolen.) Fmtügesellenmirkschnft. Von Samuel F a l k l a» d. Deutsch von F. de Graaff. Ich bin hent lange im Bett geblieben. Wenn einer weiß, daß sein Besitz in nichts besteht, und daß draußen der Regen herunter- platscht, dann kann man ihm nur raten, in den Federn zu bleiben. L» Ivar nach der Anatomie. Ich habe die Leute ruhig klingeln lassen, da ich doch nicht erlvarten konnte, daß mir jemand Geld brächte. Einer hat zivei-, drei-, viermal geklingelt. Und wütend I Wenn einer so»vntend und andauernd klingelt, dann ist's sicher ei» Manichäer. Aber wenn ich in den Federn liege, habe ich niehr Ge- duld als sie. Erst um eins sprang ich raus. Nach dem Frühstück, das aus Brot. Thee und einem gepumpten Hering bestand, machte ich mich ans Arbeiten. Widerliches Arbeiten I's war kein Tabak mehr im Kasten. Gegen fünf kam Ln von der Anatomie. „Was bringst Du denn da an?" „Mein Geheimnis." „Doch kein Präparat?" „Nee— Fische." „Fische?" „Ja. grüne Heringe." „Bist Du in der Markthalle gewesen?" ,,Nee—'s kam ein Wagen vorbei. Da Hab' ich acht Stück für dreißig Pfennige gekauft." „Wie kommst Du zu dreißig Pfennig?" Ungeheures Erstaunen lag in meiner Frage. „Mein Geheimnis. Hier sind die Fische." Acht magere Heringe klebten mit den hellen Leibern aneinander. „Hast D» nichts abgehandelt?" „Natürlich. Er wollte'neu Fünfziger haben. Da sagte ich: zlvci Groschen. Da sagte er, ich mochte ihm den Puckel lang rutschen. Und da hat er sie für dreißig Pfennig gelassen." „Nun, Brot und Reis ist noch da. Wir können also zu Hans dinieren. Back' sie nur." „Nee, back' D» sie. Ich Iveiß nicht, wie man das macht.", „Ich auch nicht." Ich bin zu der llcbcrzcugnng gekommen, daß das Kochen eine ganz besondere Wissenschaft ist. Was geben die Weiber an mit der Emancipation I Mein Gott, lvas soll aus uns»Verden, Ivenn nicinand für uns kocht? Ich»vill bloß mal von den Schivierigkeiten sprechen, die das Präparieren von Reis macht. Man nehme ans eine Tasse Reis vier Tassen Wasser, und dann lasse man ihn nur ruhig kochen. Aber mm kommt die Schwierigkeit, auf- zupassen, ob er gar ist. Läßt man ihn zu wenig kochen, dann ist jedes Korn hart und zäh, kocht man ihn zu lange, dann brennt die Geschichte an oder man kriegt eine» PampS, der viel Aehulichkeit mit Stärke hat. Wir haben bittere Erfahrungen damit gemacht und eine ganze Menge rohes oder angebranntes Zeug schlucke» müssen, bevor es uns glückte. Nmr machen wir's lvie mit Eiern. Unsre» Kochtopf, unsren Petroleumkocher, unsre Tassen als gegeben vorausgesetzt, können wir, die Uhr in der Hand, nüt siebzehn und einer halben Minute auskommen. Andren Leuten kann das Rezept natürlich nichts nützen; und das häufige Kosten, wenn sich der Reis im Stadium des Gariverdens befindet, ist gefährlich: man verbrennt sich meist die Zungenspitze. Aber Fische backen, das ist >vas Abscheuliches. Wir besitzen nur eine kleine emaillierte Bratpfanne. Die haben »vir denn auf den Petroleumkocher gesetzt und ei» klein wenig Proveuceröl hinein gegossen. Das war Lu'S Idee. Es konnte nur innner ein Hering hinein, und auch dann noch ragten Kopf oder Schwanz über den Rand hinaus. Ein eigensinniges, langweiliges Vieh! Miserabler Kerl I Kaum lag er in der Pfanne, da bog er sich auch schon zusammen lvie'n Halbmond. Was»vir auch machten, es nutzte nichts. Ln drückte den Kopf mit einem Messer, ich den Schivanz mit einer Gabel herunter, aber da fing er an, sich in der Mitte anfzubäumcn. „Du hast zu ivenig Oel'reingethan", bnmimte ich. „Bist verrückt—'s ist noch viel zu viel l" „Na, Du siehst doch,>vas daS Vieh für Grimassen schneidet!" „Das liegt an der Pfanne!" Es lvar zum Verzweifeln. Als wir wieder alle beide drückten, spaltete sich daS Tier und leine Fleischteile brodelten nach allen Seiten ivcg. Es»vurde ein richtiger Brei. Die Flossen Ivare» hart gebacken und der Kopf gerade so roh, wie beim Beginn. Dann kam die gelvaltige Schwierigkeit, das gespaltene Tier umzudrehen. Durch geduldiges Lospicken der verschiedenen Fragmente glückte das schließlich.' Die kleine Küche war voll Qualm. Endlich war das Lieh seriig, aber statt deZ einen Fisches kamen zwölf blasse oder verbrannte Brocken aus der Pfanne. .So mutz es auch sein/ sagte Lu.»ich Hab' es oft so gc- sehen." Die Pfanne war so angebrannt, datz wir sie erst mit Wasser ausspülen mutzten, was eine» unappetitlichen, öligen Brei ergab. Ich hatte den festen Entschlutz gefaßt, datz es mit dem zweiten Exemplar glücken sollte. Die halbe Pfanne gotz ich voll Oel und legte das magere Ding hinein. Es dauerte eine Viertelstunde, ehe die Ge- schichte ins Kochen kam. Noch eine Viertelstunde stand ich geduldig daneben. Es schien nichts drans zu werden. Der Fisch krümmte sich nicht, Ivnrde aber auch nicht braun. Schläfrig lag er da und brodelte und schmorte bedächtig. Von Braunwerdcn keine Idee. .Du mutzt Geduld haben," sagte Ln. Gut, ich wollte Geduld haben, nahm Schopenhauer„die beiden Grundprobleme der Ethik" zur Hand und vertiefte mich dahinein. Als ich nach einer halben Stunde nachsah, war der Hering in Oel aufgelöst. Die Gräten tanzten um einen braunen Brei von Oel und Fleisch. Die Geschichte mutzte mit dem Löffel herausgefischt werden. Schopenhauer hat gut redenl„Wenn ein iWensch will, so will er auch ettvas; sein Willcnsakt ist allemal anf einen Gegenstand gc- richtet und lätzt sich nur in Beziehung anf einen solchen denken." Unsinn, Schopenhauer, Unsinn! Nimm als Gegenstand eine» grünen Hering und„wolle" das Vieh backen: ich, Samuel Falkland, ver- fichcre Dir, datz es nicht geht. Man hat'ne Frau dazu nötig." Der dritte Hering, der Ivnrde behandelt wie der Schotzhnnd einer alten Jungfer. Lu sagte, der Petroleumkocher brenne nicht stark genug. Ich habe die Dochte hochgedreht, wieder wenig Oel genommen und wieder dasselbe Resultat erreicht. Der Hering machte fortwährend Anstrcngnngcn, sich ans der Pfanne heranszn- winden. „Nein, nicht drücken!" rief ich;„latz ihn nur in Frieden. Wir machen zu viel Geschichten. Er wird wieder gerade liegen." Jawohl! Die Unterseite war schon ganz verkohlt, als wir zu riechen anfingen, datz was brannte. Drei Uhr durch. Drei niitzglückte und fünf rohe Fische. Famoses Diner I Noch einer, und dann Schlutz. Es lag sicher mir Oel. „Nun werd' ich es mal mit Butter probieren." Die Pfanne wurde noch einmal gereinigt; einen Klumpen Butter lictzc» wir ruhig zerflietzen und sich bräunen, und--„Let go!—" Der Hering plumpste in die Butter. Einen Augenblick lang tiefe Stille. Und dann— Heringe sind verflixte Bestien I— gingen Kopf und Schwanz wieder in die Höhe, und das Vieh strampelte sich los von Haut und Flossen. „Es ist bestimmt in Gottes Rat—". Wir Habens aufgegeben. Mit den vier übrigen Heringen haben wir folgendes gclhan: Begreifend, datz cS Männern nicht gegeben ist, Fische zu backe», und uns in das Geschick des Mannseins ergebend, haben wir den Wasserkessel aufgesetzt und die Bestien dem brodelnden Wasser deponiert. Das konnte nicht mißglücken. Nach einigen Minuten haben wir die Tiere wieder'ransgefischt, haben dann Reis gekocht und schmackhaft diniert. An den Gräten waren sie zwar noch ein bißchen roh, aber das kann einem im Restaurant auch passieren. Die Katze hat sich an dem gcbackencn Fisch delektiert. Die traurigen Ueberbleibsel hat sie dankbar und zufrieden aufgefressen. Ln belaß noch ei» bitzckien Tabak. Wir haben unsre Pfeifen ge- stopft, jeder drei Tassen Thee getrunken und uns sehr behaglich gefühlt nach den Anstrengungen der Fischbraterei. Einen Nachgcnntz von der ganzen Geschichte hatten wir noch durch die Pfanne. Wie, in Himmels Namen, kriegen Frauen so'n Ding sauber, wenn Fett dran fcslgebacken ist I Die Wasserleitung läuft eine volle Stunde klatschend drüber hin. Hilft nichts. Wir .haben auS Leibeskräften mit alte» Zeitungen gerieben; die einzige Folge war, datz die Druckerschwärze an der Pfanne festklebte. Run ist sie schwarz, schmierig und fett. Welche emancipiertc Frau gicbt uns einen Rat? Denn morgen— morgen, am ersten Tage des Monats, niorgeu am Tage des Reichtums, Wechsels und Wohllebens, — morgen müssen wir Eier backen. Ich will nur noch das eine sagen, datz Strindberg weniger frauenfeindliche Dramen geschrieben haben würde, wenn er jemals vor acht grünen Heringen gestanden hätte. Im„Vater" ruft er ans: „lind Du, meine Frau, Du warst meine Todfcindin, denn Du ließest mich nicht los, ehe ich nicht für tot liegen blieb." Unsinn, Strindberg, backe nur mal Heringe!— Aleines �euillekon» — o— Ter Agent.„Grog für die ganze Runde!" schrie er der Wirtin zu. Die Männer und Francn, die sich hier im Warle- saal zusammendrängten, sahen neugierig, verwundert, ehrfurchtsvoll nach dem runden Tisch in der Ecke. Da saßen Aufseher und Inspektoren, Brcmierciführcr und die kleinen Handwerksmeister des Orts. Sie fuhren zwar nicht vierter Klasse. Aber sie verkehrten doch hier, trotzdem sie in dem Wartesaal dritter Klasse gemütlicher, sauberer an gedeckten Tischen hätten sitzen können. Aber hier fühlten sie sich Ivohler. Billiger war's nicht, das Trinken. Besser auch nicht. Dafür aber konnte man dem Pack, dem Tagclöhncrvolk, den Torsstechcrn und Forstarbeitern zeigen, was man wert war, waS man galt, ivas man sich leisten konnte. Die saßen nun da nnt ihrem Töpfchen Bier und tntschten die zwei Stunden daran herum, bis der Zug kam, der sie von hier, aus den masnrischcn Wäldern heraus, in die Kreisstadt zum Sonntags- einkauf führen sollte. Gesprochen wurde hier nicht viel, die Arbeiter hier oben sind so still und in sich gekehrt, wie die Wälder mit den düsteren Mooren. Das leise und ruhige Gespräch der vielen wurde übertönt von dein Geschrei und Gelärme der wenigen an dem runden Tisch. Schon zum zweitenmal schrie der Agent:„Grog für die ganze Runde!" Die Kopfe der Runde waren heiß und glühend, wie das Ge- tränk, das vor ihnen stand. Schwer nur bewegten sich ihre Zungen. Doch nm so lauter und gellender sprachen sie. Am lautesten war der Agent. War er hier nicht der Weltklügste, der, der am iveitesten in der Welt hcnimgekommen, der es zu etivas gebracht hatte? So schwer es ihm fiel, er hob sein glattrasiertes Gesicht mit den kleinen, wasserblanen Augen immer wieder und sah leutselig auf die andern herab. Ihm sollte niemand nachsagen, daß er hochmütig sei, datz er sich etwas einbilde auf sei» Vermögen. Und hatte er nicht dadurch sein Geld erworben, daß er zu jedem gleich freundlich war, mochte es nun ein Graf oder ein Hofgänger sein? Jh, so ein Hofgänger konnte einem auch nutzen I Was man nicht alles von dem erfahren konnte I... An der Thür entstand Geschrei. Ein Trunkener taumelte dort hin und her, faßte die Männer vertraulich nm die Schultern und strich dem Mädchen die Backen. Der Agent lachte. Donnerwetter! Da konnte man sich vielleicht famos diese eklige Wartezeit vertreiben. Er rief den Trunkenen heran: „Sag mal, Brüderchen, wo bist Du denn wankelmütig ge- worden?" Der Trunkene setzte sich zu ihm anf die Bank: „Ich... wankelmütig.... giebt es nicht I Ich nehme es mir vor... Sonntag... mich ich voll sein!... Ist das sonst ein Sonntag? he, sag' selbst?" Sein Kopf wackelte. Er legte ihn einen Augenblick an die Schulter des Agenten. Der klopfte ihm vertraulich anf die Backe: „Jeder mutz sein Vergnügen haben." Dann zog der Trunkene eine schmierige, hölzerne Schnupftabaks- dose und bot allen an. Lachend nahmen die meisten. Nur der Schäfer lehnte ab. Er war ein hochgewachsener schlanker Mensch mit weichem, blondem Haar und knochigem Gesicht,. aber ohne die hervortretenden. Backen- knochcn und ohne das weiche Kinn der andern. Man sah ihm den Ekel an, den ihm der Trunkene erregte. „Du willst nicht von mir?" fragte der halb weinerlich. „Nein, ich will nicht von Ihnen," antwortete ruhig und bestimmt der Schäfer. Der Trunkene ward traurig. Dann umhalste er plötzlich den Schäfer: „WaS... wir beide trinken'n paar Bier zusammen... und wir beide werden noch gute Freunde!" „Nein, wir werden keine Freunde I Mit Säufern habe ich nichts zu thun!" Der Trunkene war einen Augenblick verdutzt. Dann rückte er dem Schäfer näher und lehnte sich an dessen Schulter. „Na, ja... Dn hast ja recht... man soll ja nicht saufe» Aber das ihn ich ja nicht... ich trinke ja blotz!" Er lachte und faßte den Schäfer um die Hüfte. Die Zuschauer freuten sich und grinsten und kicherten. Da drehte sich der Schäfer um, ritz sich los von dein Trnnkclien und sagte abweisend: „Gehen Sie fort! Sie stinken mir zu sehr nach Schnaps!" Jetzt wurde der Trunkene hartnäckig. Der Schäser sollte ihm erst recht ein gutes Wort sagen. Aber da ritz ihn der Agent zurück: „Siehst Dn Schwein den» nicht, datz der Herr nichts mit Dir zu thun haben will? I Marsch, setz' Dich da in die Ecke und schlasi Deine» Rausch aus!" Er führte den Torkelnden nach einem abseits stehenden Stuhl und drückte ihn darauf. Na, das Kameradschaftliche war ja ganz gut, aber der Schäfer konnte ihm schließlich die fetten Böcke zurückhalten und sie dem andern Agenten geben. Da wollte er es lieber nicht mit dem verderben.... Sie achteten gar nicht mehr anf den Trunkenen, der verblüfft auf dem Stuhl sah, herüber starrte und lallte: „Ich... ich saufe nicht.... Ich trinke ja blotz.... Wir... wir... wir werden noch gute Freunde... gute Freunde werde» wir.... Was?... Ich saufe nicht I Ich trinke blotz...." — Ter Hase als Heilmittel. Freund Lampe war einst die reine wandelnd«, vierbeinige Apotheke. Gab es doch fast nichts an und. in ihm, das nicht irgendwann und wie medizinische Verwendung fand, dem man nicht irgend eine heilkräftige Wirkung zugeschrieben hätte, besonders im 16. und 17. Jahrhundert,' der Zeit des wissenschaftlichen Aberglaubens. Litt jemand an Podagra, so wusch man ihm die' Füße mit„Haseubouillon", mit Brühe also, die von seinci» Fleisch gekocht war. oder man zerstieß und zerrieb die Hascnlnnge und verwendete p« oT§ Heismittel qegcn cifvovntc Wh« mtb, �sonstige Fusz- oder Augcitleidcn. Auch frische Hosen, icille mit Honig wurde iu dcrnrtigen Fällen gern benutzt, oder in das Ohr gestrichen, imr Taubheit zu kurreren, oder— befeuchtet mit Branutivciu— als Schlafmittel auf die Schläfen gestrichen. während man mit Haseuhiru den kleinen Kindern das Zahnfleisch bestrich, um ihnen das Zahne» zu erleichtern. Für ebenfalls uon guter Wirkung galt das Blut des Hasen. nur daß der wissen- schaftlichc Aberglaube von ehedem das rote Blut ei»es im Lauf erschossenen Hasen als wirksame Arzenei gegen Rotlauf, gegen die Rose aber das Bedecken des erkrankten Körperteiles mit einem roten Leinweindtüchlein anriet, das heißt: einem leinenen Tuche, getränkt mit dem Blnte eines„Maihaseu".— Noch 1652 kam es deshalb vor, daß in Apotheken„Tüchleiu mit Hasenblnt" verabreicht wurden. Bor allem aber sind es die Haare des vielseitigen Freundes Lampe gewesen, die vesonders oft und gern Verwertung fanden. Bei Nnsenbluteu, zusanmieugcdreht in die Nase gesteckt, z» Asche ver- bräunt, gegen erfrorene Füße, wie mit Horrig gemischt, als Pillen gegen Brüche, wurde» sie mit Vorliebe angewendet. Doch auch alle andren Teile und Teilchen dieses so hoch geschätzten vierbeinigen Naturarztcs der Vergangeuheit gelangten zur Beachtung und zu mehr oder minder großer Würdigung. So wurde z. B. die innere Haut der„Löffel", der Hasenohren frisch, und mit Milch be- feuchtet— auf kranke Ohren gelegt, das ganze Ohr aber, zu Asche verbraunt, zum Stillen von Blntnugon verwendet. Auch als blnt- stillendes Mittel diente ferner der zu Asche verbrannte Hascuschädel, oder— mit Fenchelsamen vermischt— als Zahnpulver.— Theater. Schiller-Theater: Grillparzers„Jüdin von Toledo".— Erillparzer wird als Dramatiker überschätzt. Daß nian ihn mit Schiller, Kleist, Hebbel in einem Atem nennt, ist eine Uebertreibnng, die fast nuverständlich ist. Man braucht wirklich mir die„Jüdin von Toledo" zu betrachten. um das zu erkennen. Es handelt sich in dem Stück— allgemein gesprochen— um den Mann zwischen zwei Frauen. Der König Alfons, seiner allzuwürdigen Gemahlin müde, verliebt sich in eine sinnliche, heißblütige und kokette Jüdin.— Er vergißt— wenigstens für eine Spanne Zeit— die Geschäfte des Staat? über fein neues Liebcsglück, um dann schließlich gebessert und reuig zu den Seinen znrückznlehren. Das ist an sich schon ei» Ltonflikt, der ohne sonderliche Tiefe angelegt ist und uiis darum auch nicht sonderlich ergreift. In der Ausführung hat Grillparzcr der Königin, die innner mit ihrcrTngcud prahlt und zahlt, allzuviel steife Kälte und der Jüdin allzuwenig lodernde Glut gegeben. Keine von den beiden Gestalten zeigt in ihrem Element auch nur einen Zug von kraftvoller Größe, und das müßte man allerdings verlangen, wenn man an die großen dramatischen Meister auch nur erinnert werden soll. Um es einmal unerschrocken drastisch auszudrücken, ist schließlich die Königin die korrekte Gans, wie die Jüdin das kokette Gänschen ist mid das ist für ein Drama im Grunde ein bißchen Ivenig. Zu dieser nicht gerade impoincreiiden Gestaltung des Konflikts kommt noch eine ästhetisch ganz nnznlässigc Lösung. Bekanntlich läßt der Hof die Jüdin cnnorden und an der Leiche der Geliebten findet der König„sich selbst wieder", wie man zu sage» pflegt. An dieser Lösung ist mir das eine wahr, daß der Tod ein schlechter Kuppler ist. ES ist durchaus begreiflich, daß Se. Majestät an der toten Jüdin nicht halb so viel Gefallen fand, wie an der lebendigen, und daß ihm ihr Sterbebett weniger anmutig erschien als ihr Brautlager. Mit der Dichtung aber hat diese Lösung nichts zu thnn.' Sollten Staat und Königin siegen, so' mußten sie allerdings über die lebendige Jüdin siegen. Daß sie über die tote zu siegen vermögen, ist ein recht mäßiges 5l>mststück. Die nichts als sinnliche Glut des Königs mußte schließlich an sich selber sterben, aber nicht an der Berührung mit einer kalten Leiche. Die Liebcsglut des Königs mid fein ganzes Heldenhim wird durch dieses Schlottern am letzten Ende in eine sehr eigentümliche Beleuchtung gerückt. Abgesehen aber von den ästhetischen Einwendungen, ist die„Lösniig" zum Ucberfluß auch noch roh. Man mag von Sr. Majestät Buhlcrinnen denken, wie man will. Keinesfalls aber kann man sie himnorden lassen, damit Se. Majestät einen ivirkiingSvollen Anschammgsnnterricht in der nivuogamijcheu Moral erhält. Soviel für diejenigen, die das Märchen von der Größe Grillparzers Iveitergebe». Nun allerdings muß der Mann der praktischen Theaterkritik mit einem schneidenden„Dennoch" einsetzen. Ist Grillparzer auch kein großer Dichter, so ist er doch ein Dichter, und ihn zu spielen, ist mithin ein Verdienst. Bonn, der den König gab, bot cüie interessante, aber keine bedeutende Leistung. Immerhin soll ihm die Einfachheit, mit der er die Worte seines ersten Auftritts sprach, unvergessen bleiben. Von den übrigen Dar- stellcrn ivären A l w i n c W i e ck e und Max P a t e g g zu nennen. Auch P a e s ch k e bielr sich als jugendlicher Liebhaber tapfer. Der ganze Gnstspiclcyktus BomVS ist ein durchaus interessantes Unter- nehnien des Schillcr-Theaters.— L. S. Aus dem Gebiete der Chemie. io. In der„Schweizer Wochenschrift für Pharmacie" vervsfcnt- licht der Chemiker H. Thoins neue Untersiichuiigen über die chemische Zusammensetzung des T a b a I r a n ch S. Er bat* bei seiner Arbeit verschiedene Gestchtsplinkte unterscheiden wollen: einmal de» Gehalt deS Rauchs und der Asche an Nikotin, sodann an chemischen Grnndverbindnngen(Basen), drittens an Säuren, viertens sollte festgestellt werde», ivieviel Nikotin im Cigarrenstummel zurückbleibt, mid endlich, ob Äohlenoxhd und andre bisher nicht beobachtete Giftstoffe im Stauch vorhanden wären. Außer dem Ranch wurde auch die Äsche gesammelt und geprüft. Die Tabakasche ist zu verstehen als die Summe mineralischer Stoffe iu der Eigarre, die bei deren Bcrbreiimmg nicht verflüchtigt werden. Die Menge dieser Miiiernlstoffe gicbt Thoms ans etwas über IL Prozent des Gewichts der ganzen Eigarre an. Hauptsächlich be- stehen sie ans kohlensaurem Kalk, kohlensaurem Kali, Phosphor- saurem Kalk und phosphorsaurcr Magnesia, Chlprkali, kieselsauren Salzen und Kieselsäure selbst. Der Stauch wurde in Röhren ans- gefangen, die Soda und Schwefelsäure enthielten. Die Uiitersilchnng ergab die Anlvesenheit von Nikotin, Ammomak mid einer aus der Zersetzung des Nikotin hervorgehenden Verbindung namens Pyridin. Zu diesen basischen Vcrbiudimgcil kouunen Kohlcnsäiirc lind Butter« säure, während Blausäure nichc nachzuweisen war. WaS das Nikotin betrifft, diese dem Tabak ganz eigentümliche Lerbüidnng, io hat Thoms ermittelt, daß etwa ä'i des Gehalts einer Eigarre an Nikotin in den Ranch übergeht. Vi in dein Cigarvenftminnel zurückbleibt. Während der Berbrciunnig des Tabaks vcttvrmdclt das Nikotin sich teilweise in Pyridin und'andre chemische Stoffe. Außerdem hat sich nun im Tabakrauch noch das giftige Kohlrnoxyd und ein bisher nnboachtet gebliebenes Oel gefunden, letzteres findet sich im Verhältnis von ß Gramm auf 15000 Gramm Tabak. Es ist von dnuller Färbung, balsauiartig und erinnert im Geruch an das Oel der Kamille. Das im Rauch ebenfalls vorhandene Ammoniak verdankt stiueu Urhprimg wahrscheinlich der Gärnng des Tabaks. Wenn die Tchivefelsänre, in die der Tabakrauch hinein- geleitet uwr. mit Aethcr vermischt lvnrde. so entstand eine Flüssigkeit von außerordentlicher Giftigkeit, dnnkler Farbe und betäubendein Geruch. Außer dieser ätherischen Lösung konnte ferner eine Ver- bindiing der Phcuol-Gruppe erhalten werden, die einen crcosot- ähnliche» Geruch besitzt. Stickstoff und Schwefel enthält und Kopf- schmerzen, Erbrechen nud andre Aenßrrnngc» von Uebclbcfindcn er- zeugt. AnS dieser kliilersiichiuig geht von neuem hervor, daß die schädlichen Wirkungen des TabalranchS ivenigcr auf das Nikoti» als ans das Kohlcnoxhd und besonder? ans die darin enthaltenen giftigen flüchtigen Ocle ziirückznsühren sind.— Hulnoriftnlsies. — Der kleine Nimmersatt. Herr(auf der Straße zu weinendem Knaben);„Sag mal, Junge, warm» heulst Du dein» so? Dn host doch eine so schöne Butterstulle!" Jung e(hincinbdßcud mid schluchzend):„Ja,.. wenn ich abbeiße.'. dann wird sie immer kleiiicr!"— — Vom Katheder.„... Mit Stolz koiutte Cicero von sich sagen: Im Jahre 03 vor Christo habe ich das Vaterland gc- reitet."—(.Lust. Bl.") Notizen. — Anläßlich der Vierte» I n t e r n a t i o n a l e ir ti» n st- a u S st e l l u n g d e r S t a d t B e u e d i g schreibt die Stadtgemeinde Preis« von 1500, 1000 und 500 Lire für die besten E s s a» s n n d Artikel über die Ausstellung ans, die von Er- öffunng der LnSsteüuugeu bis zm» 30. Sepieinber i» Zeitmigcn oder Rundschauen, auch fremder Lander, erschienen sind. Der späteste Einliesermigsterniin der Arbeite» ist der 10. Ollober. Tie Arbeiten sind in vier Exemplare» ciuznsendc».— — S u d« r m a u» s„Ehre" ivird iin Winter im Theütre Auiolne in P a r i s aufgeführt lvcrdeu.— — Für den Garte»besuch d e S Renen Opern- t h e a t e r o tKroll) tverden S o m in e r s a i i o n- K a r l e n zum Preise von 6 M., die zugleich den freien Eintritt zu vier T h e a t e r v o r st c I l n n'g en gewähren, vou der Generatimendaiitur (Dorothecnstr. 2> verausgabt.— — In dem Pretslieder-Kouzert der„Reuen l i t t e ra r i s ch- m n s i k a l i s ch e n Gesellschaft" in Wien errang den 200 K r o» c n v r e i S der Koniponist Robert Rns'chke ans Erlangen mit dem Ltede:«Klinge mein Lied!"— —„J oseph a". eine neue BoWoper von Alphons Maurice, hatte bei der Erstaufführung iin Wiener Etadttheater iiiir cilien motten Erfolg.— — Die Einnahmen der französische» Drama- t i k e r und Komponisten im Bühnenjahre 1900/1801 betrugen 4 560 206 Fr. Die Pariser Theater steuerten zu dieser Summe fast drei Millionen, das Ausland noch nicht 300 000 Fr. bei.— a. Das k ö Ii i g I. Kupfer st ichkabinett in Dresden hat neuerdings 15 Blatt Radierungen und Lithographien von Walter L e i st i k o w erworben.— — Die Saatkrähe tritt in diesem Jahre in verschiedenen Gegenden Rorddentschlands in solchen Masten auf, daß man da und dort Prämien ausgesetzt hat, um ihre Zahl zn vermindern.— Die nächste Stummer des UnterhaltungSblatts erscheint am Sanmag, den 12. Mai. Bcräutwortlichcr Redacteur: Heinrich Wetzker in Gr.-Lichterselde. Druck und Verlag von Max Boding in Berlin.