Mterhaltungsblatt des Uorwäris ssdr. 121. Dienstag, den 25. Juni. 1901 (Nachdruck verlöte».» 58, A v b e i Roman in drei Bücher»» von Emile Zola. AnS dem Französischen übersetzt von LeopoldRosen zweig.- Soeirrette fragte nicht weiter, sie blickte nur voll Herzensangst auf ihn, indem sie dachte, worin wohl sein Leiden bestehen könnte, da er liebte und geliebt wurde. Um die heftige Er- regung zu verbergen, in der sie selbst sich befand, hatte sie sich au ihren kleinen Schreibtisch gefetzt und that, als schreibe sie Notizen für ihren Bruder heraus; während dieser sich wieder ermattet hatte in seinen Fautcuil sinken lassen. „Run. mein lieber Lucas," sagte er,„wir taugen, wie es scheint, beide nicht viel. Denn wenn ich mich auch meiner- seits beim Ausstehen zienilich kräftig gefühlt habe, so habe ich seither so viel Widerwärtigkeiten gehabt, daß ich i»un ganz erschöpft bin." Lucas schritt eine Weile mit düsterer Miene ans und ab ohne ctlvas zu erwidern, blieb manchmal vor dein hohen Feilster stehen und warf einen Blick auf die CrScherie, auf die keimende Stadt, deren Dächer sich vor ihm ausbreiteten. Dann konnte er die Bitterkeit, die sein Herz erfüllte, nicht länger zurückhalten und sagte plötzlich: „Lieber Freund, Sie müjsen endlich alles wissen. Wir wollten Sie in Ihren Studien nicht stören, wir haben Ihnen verheinilicht. daß es fchliinm mit unö steht in der Crscherie. Die Arbläter verlassen uns, Uneinigkeit und Empörung haben sie ergriffen infolge der ewigen Mißverpändniffe, der Selbst- sucht und des Haffes. Ganz Beauclair erhebt sich feindlich gegen uns, die Äauflcute, ja selbst die Arbeiter, die wir in ihren cingewluzelteil Gewohnheiten stören, machen>a»s das Leben so schwer, daß nnsre Lage von Tag zu Tag gefährdeter wird. Ich Nniß nicht, ob gerade heute zu viel des Widrigen zufanmieugckommen ist. aber so viel ist gewiß, daß mir seit heute unser Unteritchnien hofsiiungslos scheint. Ich halte uns für verloren und ich kann Sie nicht länger in Unkenntnis der Katastrophe laffen, der wir entgegen gehen." Jordan hörte ihn erstaunt an. Er blieb jedoch vollkommen ruhig, ja ein leichtes Lächeln trat Mlf feine Lippen. „Uebertreiben Sie nicht ein wenig, lieber Freund?" „Nehmen wir an. daß ich übertreibe, daß der Zusammen- bnich noch nicht vor der Thür steht. Aber ich würde mich für gewissenlos halten, wenn ich Sie nicht von nieincn schweren Befürchtungen unterrichtete. Als ich fiir das sociale Hellswerk, das inir vorschwebte, Ihren Grundbesitz, Ihr Geld von Ihnen verlangte, da habe ich Ihnen nicht mir die Teilnahme an einem großen und edlen Unterirehmeu. das Ihrer würdig wäre, in Aussicht gestellt, sondern auch ein gutes Geschäft. Und nun muß ich mit dem Bekenntnis vor Sie hintrete»!, daß ich Sie getäuscht habe, daß Ihr Geld von emem schmählichen Mißerfolg verschlungen werden wird! Wie sollte ich da nicht von den schrecklichsten Gewissensbiffen geq»lält werden?" Jordan machte eine Gebärde, wie um zu sagen, daß am Gelde wenig gelegen sei. Aber Lucas fuhr fort: „Und es handelt sich nicht nur um die großen Snnimen, die das Untemehnien schon verschlungen; täglich sind neue Summen nötig, um den Stampf fortzusetzen. Ich wage es nicht mehr, sie von Ihnen z»l verlangen, denn wenn ich mich selbst opfern kann, so habe ich nicht das Recht, Sie u»ld Ihre Schwester in meinen Sturz mit hineinzuziehen." Er ließ sich kraftlos, gebrochen, in einen Sessel fallen, während Soeurctte sehr blaß an ihrem Schreibtisch saß und stunim, in heftiger Erregung, auf die beiden Männer blickte. „Wirklich, so schlünm steht es also?" sagte Jordan ge- lassen.„Ihre Idee war gleichwohl sehr gut, und Sie haben schließlich auch mich überzeugt. Ich habe Ihnen kein Hehl daraus gemacht, daß mich alle diese politischen und socialen Rcformversuche kalt lassen, da ich von der Ansicht durch- drungell bin, daß nur die Wissenschaft revolutionär ist, daß i»ur sie die Entwicklung der Zukunft vorbereitet und den Menschen zur vollen Wahrheit und Gerechtigkeit führt. Aber Ihre Solidarität war so schön l Nach den Stunden freudiger Arbeit habe ich oft durch dieses Fenster»nit leb- haftem Anteil auf Ihre wachsende Stadt geblickt; es machte mir Vergnügen, sie zu betrachten und mir zu sagen, daß ich für sie arbeitete ui»d daß eines Tages die Elektricität ihre Triebkraft, ihre nützliche und wohlthätige Arbeitsverrichterin sein wird. Müffen wir also auf alles das verzichten?" „Ich bin am Ende meiner Kraft," rief Lucas verzweifelt aus.„Mein Mut ist gebrochen, alle meine Zuversicht ist da- hin. Ich gebe es auf, ich will lieber alles im Stiche lassen, als ein neiles Opfer von Ihnen verlangen. Sagen Sie selbst, lieber Freuiid, würden Sie daran denken, mir das Geld zu geben, dessen ich noch bedarf, und wo sollte ich noch die Kühn- heit hernehmen, es von Ihnen zu verlangen?" Nie hatte sich der Brust eines Mannes ein herzzerrerßen- derer Verzweiflungsschrei entrungen. Lucas»nachte die böse Stunde, die schwarze Stunde durch, die alle Helden, alle Apostel erfahren, die Stunde, wo die Erleuchtung schwindet, Ivo das Bewußtsein der Mission überschattet wird, wo das Werk unausführbar scheint. Eine vorübergehende Erschlaffung der Seele, die Feigheit eines Augenblicks, die aber entsetzliche Qualen bereitet. Jordan lächelte wieder nur»n seiner stillen, seclcnruhigen Weise. Er antwortete nicht gleich auf die»nutlose Frage Lucas' in Bezug auf die großen Geldsummen, die noch er- forderlich wären. Mit einer fröstelnden Bewegung zog er die Decken enger um seine schwachen Glieder. Dann sagte er sanft: „Auch ich, lieber Freund, bin nicht sehr froh gestimmt, denn ich bin heute früh von einer wahren Katastrophe be- troffen worden. Sie wiffen, daß ich schon das Mittel ge» sunden zu haben glaubte, mit die elektrische Kraft mit geringen Kosten und ohne Stromverlust in die Ferne zu leiten. Nun.s ich habe mich getäuscht, alles was ich schon zu halten glaub tes, ist mir zwischen den Fingern zerronnen. Ein Kontrolle-Expcriment, das ich heute niorgens anstellte, ist total mißglückt, und ich kam» mich nicht darüber täuschen, daß ich»vieder von vorn anfangen muß. Die Arbeit von Jahren ist umsonst gewesen. Sie können sich vorstellen, lieber Freund, wie schnierzlich das ist, wenn man so plötzlich auf ein unübersteigliches Hindernis stößt, nachdem man schon den Sieg in Händen zu haben glaubte." Soeurctte hatte sich gegen ihn gewendet, tief betroffen von diesem Mißerfolg, von dem sie noch nichts wußte. Und Lucas vergaß fernen cigitcn Kummer und streckte voll herz» lichen Mitgefühls dem Freunde die Hand entgegen. Nur Jordan blieb ruhig; bloß der leichte Fieberschauer durchlief ihn, der stets die Folge von Ueberanstrengung bei ihm war. „Was werden Sie also thun?" fragte Lucas. „Was ich thun werde, lieber Freund? Ich»verde mich eben»vieder an die Arbeit machen. Morgen fange ich wieder von vorn an. da alles,»väS ich bisher hierin zu stände ge- bracht habe, sich als»vertlos herausgestellt hat. Die Sache ist ganz einfach, da mir keine andre Wahl bleibt. Verstehen Sie »vohl, lieber Freund? Niemals läßt man ein Werk im Stich. Wenn iiian zivanzig Jahre, dreißig Jahre,»venu»nan ein ganzes Leben dazu brauchen sollte, so verivendet»nan es eben darauf. Wenn»nan sich geirrt hat, so kehrt man um und macht denselben Weg»vieder und»vieder. Die Aufenthalte und Hindernisse sind nur die unveruicidlichen Stationen und Schlvierigkeitcn des Wegs. Ein Werk ist ein Kind, deffen Leben heilig ist. das nicht vollkommen lebensfähig zu machen ein Verbrechen ist. Es»st Blut von nnsrem Blute,»vir haben nicht das Recht, feine Entstehung zu unterbrechen, wir schulden ihni nnsre ganze Kraft, nnsre ganze Seele, unsrcn Körper und unsren Geist. Wie die Mutter manchmal ihr Leben läßt, um ihrem Kinde das Leben zu geben, so»nüssen»vir bereit sein, an unsrem Werke zu sterben,»venu es nnsre Kraft verzehrt. Und»venu es uns nicht das Leben gekostet hat, wenn wir es vollendet, lebend und stark vor uns sehen, so bleibt uns wieder nur eins: ein neues zu beginnen, ohne eine Pause, und so fort, immer ein Werk nach dem andern, so lange wir aufrecht stehen und über unfre geistigen und körper- lichen Kräfte gebieten." Er schien geivachsen und stark geworden, durch seinen Glauben an die menschliche Arbeit gegen jede Enttnutigung gelvappnet, des Sieges gewiß, wenn er ihm bis zum letzten Pulsschlag mit allen Kräften zustrebte. Und Lucas fühlte von diesem schivächlichen Manne einen Strom unbezivinglicher Energie ans sich übergehen. »Die Arbeit, die Arbeit!" fuhr Jordan fort.„Es giebt keine gröhcre Macht. Wenn nian seinen Glanbcn in die Arbeit setzt, ist man unbezwinglich. Und eZ ist so leicht, eine Welt zu schassen: nian muß sich nur jeden Morgen an die Arbeit machen, Stein ans Stein zn denen häufen, die schon in den Bau gefügt sind, und diesen so hoch führen, als das Leben es gestattet, ohne Hast, durch wohlbedachte Ver- Wendung der körperlichen und geistigen Kräfte, über die man verfügt. Warum sollten wir am morgigen Tag verzweifeln, da wir ihn selber bereiten mit der Arbeit des heutigen Tages? AllcS, was wir heute mit nnsrcr Arbeit aussäen, das kommt morgen zur Reife. O heilige Arbeit, Du Schöpferin und Erlöserin, die Du mein Leben, mein einziger Daseinszweck bist!" Seine Augen sahen weit in die Ferne, er schien mit sich selbst zn sprechen, indem er abermals die Hymne der Arbeit sang, die in den Stunden starker Erregung immer wieder zu seinen Lippen emporstieg. Und wieder sprach er davon, wie die Arbeit ihn stets getröstet, stets aufrecht er- halten hatte. Wenn er noch lebte, so hatte er das nur dem zu danken, daß er seinem Leben einem Inhalt gegeben hatte, im Hinblick auf welchen er alle seine Funktionen regelte. Er war sicher, daß er nicht sterben würde, ehe sein Werk vollendet war. Wer sich ganz eineni Werke hingab, der fand in ihni einen Führer, eine Stütze, einen Regulator für die Schläge des Herzens in seiner Brust. Das Dasein bekam einen Zweck, die Gesundheit festigte sich, ein vollkommenes Gleichgewicht der Seele stellte sich her, und es erwuchs die einzige wahre menschliche Freude, die an der ehrlich vollendeten That. Er, der kränkliche Mensch, hatte nie sein Laboratorium betreten, ohne sich unendlich wohlcr zu fühlen. Wie oft war er an die Ar- beit gegangen mit schmerzenden Gliedern, mit thränendem erzen, und jedesmal hatte die Arbeit ihn geheilt. Der Weisel, die Entmutigung hatten ihm nur in den Stunden der Trägheit ankommen können. Das Werk trug seinen Schöpfer, und es wurde ihm nur dann zum Unheil, es vernichtete ihn nur dann, wenn er selbst es im Stiche ließ. Und mit einer Plötzlichen Wendung gegen Lucas schloß er, während wieder sein schönes Lächeln auf seine Lippen trat: „Sehen Sie. mein lieber Freund, wenn Sie die Crecherie sterben lassen, so werden Sie an der Crscherie sterben. Ihr Werk ist Ihr Leben, und Sie müssen es zu Ende leben." Lucas war aufgestanden in einer mächtigen Wallung seines ganzen Wesens. Das, was er eben gehört hatte, dieses Bekenntnis zum Glauben der Arbeit, diese leidenschaftliche Hingabe an das Werk durchströmte ihn mit Heldenmut, gab ihm all seine Zuversicht, all seine Kraft wieder. Immer, in seinen Stunden der Ermattung und des Zweifels, hatte er nur zu seinem Freunde zu eilen brauchen, um in dem Seelenfrieden und der unerschütterlichen Sicherheit, die diesem kränklichen Körper entströmten, neue Stählung seines Willens zu finden. Der Zauber wirkte unfehlbar, frischer Mut erfüllte sein Herz, und ungeduldig trieb es ihn. den Kampf aufs neue aufzunehmen. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Die deutsche Gtu�umleeei"- Nusitcllnng in Nnelseuhe. Wer die Eutivicklung der Glasmalerei in den letzten fünf Jahren nicht verfolgt hat, wird sehr überrascht sein, lvenn er die in dein großen Neubau der Karlsruher Kuustgeiverbc-Schule untergebrachte deiltsche Glasmalerei- Ausstellnug besucht. Er ivird sich auf «ine grotze Anzahl mehr öder weniger schöner Kirchen- fenster' und ans einige für vornehme Privathänser bc- rechnete Flurfenster gefaßt mache« und dafür aber eine erstaunliche Mannigfaltigkeit in der Verwendung der Glasmalerei für profane Zwecke finden. Das Kirchenfenster, bis vor kurzer Zeit die eigentliche Domäne der Glasmalerei, ist im letzten Jahrzehnt mehr und mehr in den Hintergnind getreten, aus dein eugumhegten Garten der Kirche ist diese feine Blüte der Kunst auch iu das Wohn- bans versetzt tvordeu, um dort, entsprechend dem Charakter des Ranines, Licht und Farbe zugleich zu bringen. Dieser Umschlvung in der Glasmalerei ist— abgesehen von der allgemeinen Richtung im gesamten Kunstgewerbe— vornehmlich auch durch die Einführung eines neuen Materials veranlaßt worden. Ich meine damit das zuerst in Amerika fabrizierte Opalcscent- glas, das durch nur nnvolllommene Mischung verschiedenfarbiger Glasmasse, durch Aufdruck von„Korn", Ivie z. B. bei den Aquarell- papieren, also durch Pressnng und andre Manipulation die tvundcr-, barsten und bisher völlig nnbekannte Lichteffekte hervorbrachte. Mit der Eigenart dieses neuen Materials war aber die Rotivendigkeit einer vollständig neuen Technik gegeben. Das Opalescentglas ließ sich weder bemalen noch ätzen in der Art, wie das bisher zn Glasmalereien fast ausschließlich verwandte Autikglas. Während man bei letzterem und bei dem sogenannten Neberfangglas Zeichnung und Farbe auftrug resp. durch Äetzuug abtrug, konnten beim Opalescentglas die in der Farbe resp. den verschiedenen Farben und in der Struktur des Glases liegenden Zufälligkeiten benutzt Iverden; gicbr es doch, um nur ein Beispiel anzuführen, sog. Falte»-� glas, das meist zu den Gewandungen benutzt wird. Das Butterfly- (SchmetterlingS-) Glas bringt anf ganz kleinen Gläsern die schillerndsten Farben neben einander. Auf andern Platten ziehen sich inilchige Wolken durch roten Grund usw. usw. Nach deni Karton iverden nun die passenden Stücke anS den großen Glasplatten ausgewählt, geschnitten und durch die Bleirüte» zusammengesetzt. Das ist die Technik des neuesten Zweiges der Glasmalereis der»m o d e r n e n K n n st v e r g l a s un g". Natürlich ist man auf diesem primitiven Stadium nicht stehen geblieben, sondern hat die eigentliche Glasmalerei mit der Knnst- verglasung in Opalescent vereinigt, und hat so für den Schmuck des Wohnhauses vom kleinen, vor ein Fenster zn hängenden„Borsetzer" bis zu den riesigste» Saalfenstern Vorzügliches geschaffen. Daß unter diesen»modernen Kunstverglasungen" sich aber auch eine große Menge albernen und geschmäcklosen Zeugs befindet, soll hier gleich miterivähnt iverden. In Verkennung und in Ucberschreitung der durch das eigenartige Material des Opalescentglases von selbst gegebenen Grenzen ist Tolles geleistet worden. Einige der Ans- steller haben sich, verfiihrt von den neuen Reizen des amerikanischen Glases, in Opalescent einfach ausgetobt. Der auch derartigen Exceffen folgende Katzenjammer dürfte nicht lange auf sich ivarten lasse». Aber im allgemeinen ist der Gesamteindrnck. den die Aus- stclluug nach der„modernen Richtung" hin macht, ein sehr erfreulicher. Angenehm überrascht es auch, ivenii das Piiucip der Zweckmäßigkeit, das gerade ini Kunstgeiverbe bis vor kurzer Zeil so lveuig respektiert ivurde, nun auch in der Glasmalerei zn Ehren kommt. Die Glasmalerei sucht der Laie fast nirgends andcrslvo, als in den hohen Spitzbogenfenstern der alten gotischen Kirchen, wo sie von de» Künstlern unter den Mönchen mit Blei und Eisen gleich anf einige Jahrhunderte festgemacht wurden. Heute paßt daS Kunstgeiverbe Glasmalereien und Kunstverglasungen so zweck- mäßig den modernen Wohnnngsverhältnissen an. daß nian farbige Glasfenster jeder Form und Größe fest oder lose an allen für den Lichtzutritt angelegten Oeffnungen des heutigen Wohnhauses anbringeil kann. Der hygienische Einwand, daß damit dem Licht der Zutritt verwehrt wird, kann kaum in Be- tracht kommen, den» gerade bei den für das Wohnhaus berechneten farbigen Fenstern werden meist ganz helle Töne verivendet. Wenn in der Reformationszeit die farbigen Kirchenfenster zum Teil heraus- genommen und durch weiße Scheiben ersetzt ivnrden. weil sie»sehr finster, schwer und tumm macheteil", so mögen da, ab- gesehen von den damals gerne verwandten tieferen Farben der Glasmalereien, Umivälzungen anf geistigem Gebiet suggestiv — allerdings in höchst unkünstlerischer Weise— auf das künst- lerische Gebiet hinübergewirlt haben. Was damals„finster, schiver und tunnn" machte, waren gewiß die farbigen Kirchenfcnster am allertvenigsten. Wenn nun, ivie ich bisher zn zeigen benniht war, das Schwer- gewicht der Ausstellung niehr auf der Bedeutung der modernen Glasmalerei für Profanzwecke ruht, so soll nicht verkannt werden, daß sie aucki sehr Wertvolles bietet, um den historischen Werdegang dieses Kunstzweiges zu veranschaulichen, und daß auch wahre Prachtstücke von in alten Stilen gehaltenen Kirchenfenstern ans modernen Ateliers ausgcsiellt sind. Der Versuch, auch auf dem Gebiete des Kirchen- fensters mit figürlicher Darstellung Neues zu schaffen, anstatt immer noch in der Hauptsache von den alten Meister» der Früh- und Spät- gothik zu zehren, dieser Versuch ist auch gemacht worden, Erfolg hat dabei nach meiner Meinung nur das Atelier S t e i n i ck e n u. Lohr in M ü» ch e n gehabt, das zwei Glasgemälde, einen St. Benno und eiucn St. Thomas von Aquin bringt, die in der Farbe, der Zeichnung und der Raninverteilnug etwas durchaus Neues darstellen und init neuen Mitteln den Charakter katholisch- mystischer Verzückung ungemein scharf wiedergegeben. In alten Stilen hat Prof, G e i g e s- Freiburg das schönste geboten. In seinem AuSstellnugssaal befindet man sich auf den Höhen der Meisterkunst. Trotz des' Raummangels kann ich mir nicht versagen, auf sein schönstes Stück, ein sehr großes Kirchenfenster mit einem St, LnkaS näher einzugehen. Das Fenster ist im Charakter des 16. Jahrhunderts mit bei« weichen, weißgelben Tönen in der Gewandung, gehoben durch glühendes Rot, gehalten. St. Lukas sitzt vor einer Staffelei und pinselt mit der liebevollen Hingebung der Alten, die Zeit hatten und nicht zu pressieren brauchen, an einem Bild des kleinen Jesus herum. Das Modell selbst fitzt nackt am Boden, und um dem kleinen fetten Burschen die Langeweile zu vertreiben, hat der Heilige ihn, allerlei Getier zum Spielen gegeben. Vor einem ziemli großen grünen, Molch hat nun aber das Kind doch Angst bekommen, und eS starrt mit großen erschreckten Augen das direkt auf sei» Bein losmarschierende Amphibinm an, lvährend ein Ochse, bekanntlich das apokalyptische Wappentier des Lukas, hinter dem Stuhl des malenden Heiligen hervor der köstlichen Scene gut- rnütig zuschaut. Die künstlerische und dabei liebevoll gewisjenhaste Ausführung des GlasgemäldeS und der feine Humor, mit dem die Heiügenlegende wiedergegeben ist, wirken«»gemein erwärmend. Von den„HofglflSmciIereieu" haben einige, so z. B. das k ü n i g l. I n st i t u t f ii r G l a s m a l e r e i i n Charlotten- bürg und de Bonchs, der königl. bayrische und köngl. preuhische Hofglasmaler in München recht schwach ausgestellt. Unter den Vertreter» des alten Stils fiir Kirchenfenster rangiert gleich»ach Prof. G e i g e s der Glasmaler Börner-Offen bürg. Nun noch aus der Unzahl von modernen Glasmalereien und Kunstverglnsnugen einige Namen. Dabei beschränke ich mich auf solche Stucke, die in ihrer Art typisch sind für geivisse auf der Aus- stellung vertretene Gruppen. Die Gebrüder Liebert-Dresden haben entzückende kleine Fenster und VorsetzerZ landschaftlichen Charakters oder mit Blumemnotiven nach Entwürfen von Christiansen ausgestellt. Geradezu vorbildlich für„Vorsetzer* ist, was Engelbrecht- Hamburg in Farbe und Zeichnung mit seinen„Segelbooten" er- reicht hat. Diese kleinen Knnstverglasungen zeigen, mit wie wenig Mitteln man bei decenter Farbenauswahl durch Opalescentglas feine und vornehme Wirkungen hervorrufen kann. Auch in ganzen Fensterfüllungcn mit naturalistisch behandelten Blumen, besonders Iris, hat E n g e l b r e ch t Hervorrageudes geleistet. Zentner-Wiesbaden hat den dankensiverten Versuch unter- nommen, zu zeigen, datz nian auch unter Verzicht auf das Opales- cent in modernem Stil wirkungsvolle Fenster für Wohnräume machen kann. Eines der feinsten Stücke in dieser Abteilung ist ein Schlafziminerfenster mit rotem Mohn auf blaugraucm Grund. Landschaftliche Motive hat für Wohnzinimerfenster Drinneberg- Karlsruhe in seinem schönen Thüroberlichtfeuster:„Wintcrland- fchast" sehr glücklich verivendet, desgleichen in seinem Treppenhaus- fenster:„Waldintcricur". Unter den groben Fenstern für Hallen, Konzertsäle uslv. befinden sich neben einigen sehr gediegenen Arbeiten eine große Anzahl von Bravourstücken sehr ztveifelhaften Rangs. I» erster Linie ist hierher das große Fenster von L u e e o F l 0 r c o in B a r m e n zu zählen. Die Absicht des Ateliers mit dieser de» hl. Georg auf tveißem Roß darstellenden„Frcilicht- Glasmalerei" scheint es gelvesen zu seilt, vor allem das Blei zu verineide». Das ist aber gerade, was die Glasgemälde zusammen- hält, und zwar nicht nur technisch; es giebt ihnen Kraft. Deshalb wirkt dieser hl. Georg auch fast wie eine große Dinphanie. Das Knuststück, ans drei hintereinander befindlichen gelben, roten und blauen Gläsern nach Bedarf in großen Flächen die Farbe aus- zuätzen, wirkt nicht sehr künstlerisch. Das Ganze ist eine ettvas markt- schreierische Spekulation ans den unerzogenen Geschmack des großen Publikums. Vornehmes auf dem Gebiet der großen Saalfenster haben in Kunstverglasnng Vittali-Offenbnrg und in Glas- Malerei Geck-Offenburg gebracht. Das erstere Fenster zeigt fünf Mädchen, die in der Fröhlichkeit der„siveet seventecn" singend durch einen Garten schreiten. Die Figuren sind etwas präraphaelistisch gehalten und wunderschön gezeichnet. Hätte man sich bei Auswahl der Farben des Opnlescent noch etivas mehr reserviert, dann wäre die Wirkung noch größer. Gediegener und künstlerisch ernster ist das gleichfalls für einen Musiksaal gedachte Fenster G e ck s— Frau Mnsika in roter Gewandung steht mit derLcjer inmitten eines stilisierten Lorbecrhains. Eine sonnige, hellgrüne Landschaft bildcb den Hintergrund und ein Böcklin- blaiier, von iveißeu Wolkenstreifcn durchzogener Himmel leuchtet über dem Ganze». Mehr Größe in Haltung und Gesicht der Figur hätte nichts geschadet. Mit der Ausstellung der etiva 300 eigentlichen Glasgemälde und Kuuftverglasungen ist eine solche vo« 900 Kartons, Mosaiken, Werken über Glasmalerei usw. verbunden, technisches Interesse haben. die aber fast nur fach- A. F e n d r i ch. Kleines Iseuillekon. — Tcstamcntknnstlcr. Vor einiger Zeit tvurden spöttische A e n ß e r u» g e n von R e i n h o I d Begas über die S e c e s s i o n verössentlickt. Ans sie antwortet jetzt Max K l i n g e r in einem im„Leipziger Tageblatt" abgedruckten offenen Briefe:„Ein Gegen scherz. Mit außerordentlichem Berliner Geist hat der Professor R. Begas in letzter Zeit sich über Sccession in künstlerischen Dingen geäußert. Seine Anschauimg über deren Zweck und Thätigkeit ist neu und witzig. Nicht-Berliner denken allerdings weniger schnell über diese Dinge. Immerhin ist die Begassche Auffassung als Berliner Specialität nicht nn- interessant. Sei es vergönnt. Herrn Professor Begas auf eine andre Berliner Kunstspecialität mifmerlsani zu machen. Er kennt sie vielleicht selbst noch gar nicht. Ich meine die Berliner T e st a m e n t k ü n st l e r. Die Thätigkeit dieser Herren sei kurz gekennzeichnet.— Bor allem ist zu derselben sehr viel wirkliches Talent nötig. Ganz so, wie ganz ausgezeichnete Nefercnzen für einen guten Bnchhalterposten niinmgänglich notwendig find. Die„Künstler" wenden sich an sehr reiche Leute, die als kimstlicbend bekannt sind. Es wird viel„große Knust" geredet und ein großes Stück Geld locker gemacht, möglichst viel. Womöglick genug zu einer„Akademie- Grüiiduiig". Eine Reihe bekannter oder einflußreicher Leute wird oberflächlich ins Vertrauen gezogen— aber nur soweit, daß, wenn es schief geht, Schlveige» und Abwinken vorteilhafter ist als Sprechen und daim kommt das„Testament". Juristisch ein wertloses Stück Papier. Eben nur die Anzeige an die großmütige» Stifter, daß sie sich von ihrem Geld zu trennen haben. Dan« Sand in die Augen rechts und links. Gemütvolle, überzeugte un! unüberzeugte Helfer finden sich— der Tric ist gespielt. Die Rück- zngslinie für den schlimmsten Fall ist das„Irrenhaus". An zwei Millionen Mark Stiftungen sind in den letzt- vergangenen zeh»Jahren in wiederholte n Einzel- fällen auf diese Weise von Berliner K ü n st l e r n— völlig andren Z wse cken zugeführt worden. Und dies« Stiftungen wären ihrem Sinne und der Generosität der Stifter naa unzweifelhaft von großem Werte für unsre Kunstentwickeliing ge- worden.— Die Namen der„Künstler" sowie dokumentierte Angaben stehen Herrn Professor R. Begas bei nur zur Verfügung. Leipzig. 21. Juni 1901. Max Klinger. Begas erklärte daraufhin, er habe noch nie von derartigen Dingen gehört und denke auch weiterhin Vorfällen, die ihn in keine« Weise angingen und angehen köimteu, nicht nachzuforschen.— — Die Selbstreinigung der Flüsse. Die Thatsache, daß die dem fließenden Wasser zugeführten schädlichen Bestandteile sich dort nicht vennehre», sondern' nach verhältnismäßig kurzer Zeit ver- schwinden, ist nach den früheren Versuchen von H. Büchner der Einwirkung des Soimenlichts zugeschrieben worden. Wie die„Köln. Ztg." berichtet, beweisen indessen neuere Untersuchnugeu von Professor König, daß diese Wirkung des Lichts erheblich überschätzt worden ist. Nach seinen Versuchen vollzieht sich die Selbstreinigung des Wassers bei der Isar in etwa 8 Stimdc», beim Main in 0'Stunden, bei der Oder in etwa IS Stunden. Da, wo die Abwäffer in die Flüsse eiumünden, silidcn sich stets Fadenbaktcrien und andre Wasserpilze in ungeheurer Anzahl und bilden am Ufcrboden grüne Rasen. Nach Professor König beruht nun die Selbstreinigung der Flüsse hauptsächlich auf dem vegetativen Leben im Wasser. Daneben tragen niedrige Tiere, Protozoen, Notatorieu, Kriistaceen, Jnscktcnlarben erheblich zur Fort- räumimg der organischen Stoffe bei, ebenso die Fische. Endlich ist nach König der Anteil höherer grüner Wasserpflanzen an der Selbst» reiuignng der Flüsse beträchtlich. Die Abnahme des Ammoniaks in Schmutzwassern ist eine Folge der Verdimstung und Diffnsioii, indem Wasser und Luft ihre gasförmigen Bestandteile rasch gegen einander austauschen. Dadurch erklärt sich, weshalb die Selbstreiiiigimg im Sommer bei starker Verdnnstung und starker Stromgeschwindigkeit rascher vor sich geht, als bei kühlem Wetter und geringer Wasser- bewegimg.— Musik. Daran, daß wir heute noch keine Ivahrhaft volkstümlichen Auf» führunge» musikalischer Dramen besitzen, sind die Herren B. Z i in m e r m a n n und O. Schräm m aller Wahrscheinlichkeit nach unschuldig. Innerhalb der heutigen Verhältnisse haben sie mit ihrer„Neuen Berliner Volksoper", jetzt auch kurz „Sommeroper" genannt, ein anscheinend verdienstliches Unternehmen eröffnet. Das niitteii im Osten gelegene„Carl Weitz-Theater" ist die Stätte des neuen Versuchs. Die Abend-Vorstellnngen begannen am neulichcn Sonnabend: tags darauf kam nachmittags eine„Volks- V o r st e l l u n g" zu billigen Preisen und nnt der hier bereits be- kannten Weise' des Verlosens der Plätze. Es tvar Lo rtzin gs wahrhaft populärer„Waffenschmied" gewählt worden. Uebcr das prächtige Werk, das Lortzing in einem nun schon recht weit zurückliegenden Kunstrahme» geschaffen, bedarf es heute tvohl keiner Auseiiiandersetzimg mehr. Um die Borführimg gerecht würdige» zu können, muß nun allerdings das beschränkte Vermögen aller solcher Unternehmungen berücksichtigt werden, die erstens als rein private und zweitens als vorübergehende nicht entfernt nnt den öffentlichen und den ständigen konkurrieren können. Soweit jedoch unsre Erfahrung reicht, zeichnen sich gerade solche Unternehmungen häufig dadurch ans, daß sie die Geringheit ihrer Mittel durch einen gut künstlerischen Gesamtgeist wettmachen. Bei jenen andren Unteriiehninngen ist es allznhänfig umgekehrt: dort müssen allererste Einzelkräfte und reich- lichc Ausstattmigsmittel wettmachen, was an zusammenfassendem Kiinstgeist fehlt. All dies in Betracht ziehend, können wir die sonn- tägige„Waffenschmied"-Aiifführmig als recht tüchtig anerkemieu. Vor allem ivar sie von Unsicherheit so weit entfernt, als gehörte sie einem lange festgefügten Ensemble an. Und dann besitzt die Truppe an Herrn Mörike einen sehr temperamentrcichen Kapellmeister, der ersichtlich mit fester, künstlerischer Hand seinen Geist dem Ganzen mitteilt. Auch die Regie, insbesondere eine vernünftige Anleitung des freilich sehr kleinen Chors ist zu rühmen— wahrscheinlich ganz das Verdienst Herrn S ch r a m in s. Dieser selbst fang die Titel- rolle. Ging seine Leistung als Waffenschmied nicht eben ins Bedeutende, so hielt sie sich doch frei von Ver- zerningen und von falschen Ambitionen. Er kehrte mehr den komischen, brummigen, trippelnden Alten, als den Typus des kernigen Gemütsmenschen heraus. Sein Baß ist, wie es nicht selten vorkommt, kein rechter Baß, klangreich und sicher in der barytonalen Höhe mehr als in der Tiefe. Herr H. Lima» in seiner schauspielerisch nicht gerade sehr hervorragend durchgeführten Rolle des schwäbischen Ritters enffaltcte einen echteren, klangvolleren Baß. Einen nicht üblen, doch wenig belangreichen Baryton zeigte H. Ganser als Liebenau: einen üppigen Tenor, dem nur nicht alle Töne gleich sicher gelangen, und der noch mehr Weichheit ge- Winnen köimte. als er bereits jetzt besitzt, entwickelte G. C l e m e n s als Knappe. Von den beiden Sängerinnen lvar I. N a d d a tz in der komische» Altenrolle sehr gut; ein noch deutlicheres Sprechen darf auch ihr enipfohlen werden. Die Sängerin der umfangreichen Rolle der Marie. E. Ferna, bewies eine feste Routiniertheit in Spiel und Gesang; dieser war freilich reich an Ungleichmäßigem und sogar Mißlautendem, verriet aber den Besitz manch guter, echt drama« tischer Töne. Der verhältnismäßig- schwache Besuch der Borstellung ist dielleicht nicht bloß auf schön Wetter zuriickzusi'ihren. Man kann im all- geineine» und nach diesem einen Eindruck mit gutem Gewissen zu lebhafterem Besuch raten. Nur lasse sich das Publikum gesagt sein, daß nicht bald etwas Geschmackswidrigeres existiert als das rohe, mechanische Hineinklatschen, ehe der letzte Ton eines Aktes verklungen ist. Jeder, dem an der Entfaltung einer Volkskunst gelegen ist, kann durch Zurückhaltung hierin zu dieser würdigen Aufgabe etwas beitragen.— sz. Aus dem Tierleben. — Den Hauptanziehungspunkt der Schönbrunner Menagerie (Wien) bilden gegenwärtig eine Orang-Utang-Mama und ihr Kind. Die.Neue Freie Presse" plaudert darüber:„Die beiden Tiere haben ihr neues Haus bezogen, in welches das Publikum nur partienweise eingelassen werden kann. Wer aber bei ihnen drinnen ist, rührt sich nicht von der Stelle, und die Wärter müssen immer wieder daran erinnern, daß die draußen- stehenden„Herrschaften" auch etwas sehen möchten. Die Affen- niama übt eigentlich weniger Anziehungskraft— sie ist eine langweilige Person und sitzt meistens blinzelnd in einer Ecke. Aber der Kleine treibt's um so toller. Er hat einen Strick, deffen Ende er zum Käfig hinanshängen läßt, und den er scheinbar gar mcbt beachtet. Zieht aber jemand daran, so reißt er ihn mit Leibeskräften an sich. Macht ihm jemand einen Diener, be- sonders mit einer weißen Mütze, wie sie jetzt viel getragen werden. so quittiert er den Gruß unfehlbar mit einer fürchterlichen Grimaffe. Bekommt er belaubte Zweige in den Käfig, so nimmt er sie und schmückt sich seinen komischen kleinen Kopf damit, dann aber baut er Nester aus den Zweigen, füllt die Mitte mit Heu aus, das er glättet, indem er mit der Hand darauf patscht. Dafür interessiert sich manch- mal auch die Mama und hilft ihm mit vornehmer Gelassenheit. Der Speiszettel der Affen ist gar nicht so einfach, Bananen. Reis, Datteln, harte Eier, Biscuit; Mama Orang-Utang greift regelmäßig nach Bananen und Biscuit— Baby frißt alles. Den Thce trinken die beiden ans metallenen Bechern, die sie während des ganzen .Lvs o'clock tea" in der Hand halten, um von Zeit zu Zeit ein Schliickchen zu nehmen. Baby hat sich neuerdings dabei etwas an« geivöhnt. Es fchlvenkt den Schluck Thee eine ganze Weile von einer Seite des Mundes auf die andre, und wehe, wenn jemand darüber lacht, dem spritzt er dann, sicher zielend, die ganze Bescherung ins Geficht.— Astronomisches. — Ein großes K o m e t e n f h st e m. Der.Köln. Ztg." Ivird geschrieben: Durch überaus umfangreiche, während einer Reihe von Jahren fortgesetzte Untersuchungen hat Professor H. Kreutz in Kiel den Aachweis erbracht, daß dem Gebiet unsrer Sonne ein eigentümliches Kometensystem angehört, welches aus der Auflösung eines Urkometen entstanden ist, der in seiner Bah» der Sonne sehr nahe kam. Zu diesem System gehören die Kometen 1843 1. 1880 l, 1882 II, 1887 I sowie der Komet von 1868, vielleicht auch noch der Komet 1702, welcher am 2. und 3. Dezember 1872 gesehen wurde, mid der Komet, welcher am 18. Mai 1882 zu Sohag in Aegypten während der totalen Sonnenfinsternis zwischen de» Strahlen der Corona fichtbar war. Diese Komcten sind dadurch ausgezeichnet. daß sie in dem der Sonne nächstcti Teile ihrer Bahnen(dun PeriHelium) in die äußersten Regionen der Sonnenatmosphäre, in die Corona, eindringen. Dort kreuzen sich auch die Bahuenlinien der Haupt» glieder des Systems, und zwar i» einem und demselben Punlte. und die Schlußfolgerung hieraus ist, daß dort in unbelannter Bor- zeit ein Urkomet in mehrere Teile sich aufgelöst habe. Sie ist um so berechtigter, als dieser Vorgang sich bei einem dieser Teile im I ahre 1882 wiederholt hat.' Es ist der unter dem Namen „der große Scpteniberkouiet" bekannte Komet, welcher durch seinen Glanz am 13. September jenes Jahres das Erstaunen des Publikums hervorrief; dessen Kern wahrscheinlich durch die Hitze der Sonne damals i» vier Teile zerlegt wurde, die dami als selbständige Kometen ihre Bahnen beschrieben. Im Perihel hatte dieser Komet eine Geschwindigkeit von 478 Kilometer in der Sekunde. und Professor Kreutz zeigt, daß die Ablösung der beiden äußersten Kerne nur eine relative Aenderuug der Geschivindigkeit von 2,8 Meter in der Sekunde erforderte, welche durch die rasche Ausdehuung des alten Hauptkerus infolge der alle Vorstellung übersteigende» Er- hitzuug bei Annäherung an die Sonne sehr leicht hervorgerufen werden konnte. Diese überaus geringe Aenderuug der relativen Geschivindigkeit der Kernteile genügte völlig, um den Zerfall in vier besondere Kometen herbeizuführen, welche der Reihe nach eine IlmlaufSzeit von 670, 770, 880 und S80 Jahren besitzen. Statt des Kometen, den wir 1382 sahen und der eine Umlaufszcit um die Sonne von 770 Jahren besaß, werden also unsre Nachkoninien vier Kometen erblicken, um die Jahre 2550, 2850. 2760 und 2840 unsrer Zeitrechnung. Wie nun aus diesem Komet vier neue Komete entstanden, so ist, nach den Rechnungen von Professor Kreuz, dieser Komet seinerseits samt den Kometen 1880 I Verantwortlicher Rcdactem: Carl Leid in Berlin. und 1843 I in alten Zeiten ans einem noch größeren Kometen ent» standen. DaS gleiche gilt aber auch von dein gewaltigen Kometen des Jahres 1680, der am 17. Dezember jenes Jahres sich der Soniienoberfläche bis auf 230 000 Kilometer näherte und dabei 32 000mal stärker von der Sonne bestrahlt wurde als die Erde. Seine Bahn schneidet in diesem Punkte die Bahnen der Kometen 1880 I. 1882 II und 1843 I, er bildet also auch einen Teil des Urkometen, der als Stamm dieser ganzen Gruppe anzusehen ist. Was den Kometen von 1887 anbelangt, so ist er nur als langer, blasser Lichtstreife», ohne eigentlichen Kopf und Kern gesehen worden und konnte»»folgedeffen nicht scharf beobachtet werden. Die Rechnungen von Professor Kreutz zeigen aber, daß auch er zu dem in Rede stehenden großen Kometensystem gehört. Die Untersuchuiigen dieses Forschers' liefern sonach den ersten sicheren Nachweis der allerdings früher schon vermuteten Zchalsache, daß ge» wisse Kometen Gruppen bilden, zusammengehörige Systeme, die durch Teilung eines großen Urkometen entstanden sind. Diese Teilung kann in gewissen Fällen soweit fortschreiten, daß die neu entstandenen Kometen zuletzt unsichtbar werden, ja sich ganz auflösen. Der Koniet 1889 V erschien bei seinem ersten Sichtbarwerden gleich in Begleitung von vier kleinen Kometeir, die sich wie seine Abkömmlinge ansnahmen. Die Berechnung der Bahn eines dieser Ncbenkomeicn ergab, daß die Abtrennung des« selben(and wahrscheinlich anch der andeni) vorn Hauptkometcn im Mai 1886 stattgefunden hat, zur Zeit, als letzterer sich den, Planeten Jupiter so sehr genähert hatte, daß er vielleicht deffen Oberfläche streifte. Als der Komet 1396 wiederkehrte, war von den kleinen Kometen keine Spur mehr vorhanden. Wahrscheinlich haben sie sich völlig in Sterns chnuppenschwärm« aufgelöst, und diese Anflöstmg ist vielleicht daS natürliche Ende jedes Kometen. Ob aber umgekehrt ans den Auflösniigsprodnkten durch Aggregation mit der Zeil neue Kometen wieder gebildet werden, ist eine Frage, die meist verneint, neuerdings aber von sachverständiger Seite bedingungsweise bejaht Ivird. Sicheres läßt sich darüber zur Zeit nicht sagen.— Humol.jjriscties. — Aus der deutsche» Geschichte.„Wenn die alten Deutschen in das Feld zogen, pflegten sie sich mit Eichenlaub zu schmücke» und crboben ein furchlbarcS Gebrüll. Sagt mir, ihr Knaben, warum thaten sie dieses?" „Weil sie bei der Liedertafel waren."— — A n der Quelle.„Js gnat, Tari?" „So lang's oan dürscht, is guat; is da Dnrscht g'löscht, nacha is a Sang's uff I"— — Ein ni oder« er Opferstock.„CS is daS beste, was es gicbt in den» Artikel. Herr Pfarrerl Knöpfe und dergleichen speit der Teufel unten sofon ivicder auSl Bei cchleni Geld aber erklingt ein wunderschöner Choral I"—(„Simpl.") Notizen. —„Ruhmlose Helden", ei» Totentanz von Paul B» s s o u, wurde zur Anfführung im Berliner Schauspielhaus angenonmlen.— — Hans Moh Winkel vom Hoftheater in Mannheim gastiert am Mittwoch im Berliner Opernhaus als Titelheld in Rossini'S „Wilhelm Tell", am Sonntag im zweiten Akt deS„Fliegenden Holländer" als Holländer. Herr Mohwinkel ist für die Stelle deS ausscheidenden Herrn Bulß in Aussicht genommen.— —„Das schwarze Schäfloin" betitelt sich ein neues Schauspiel von Richard S k o w r o u Ii e k.— — Das Komitee zur Errichtung deS B r a h m S- D e n I»> a l S in Hamburg erkannte den ersten Preis dem Entwurf des Bild- Hauers Felderhoff-Berliu. de» zweiten den Entwürfen deS Bildhauers Bernolvitz-Berlin zu.— — DaS G u t e n b e r g- M n j e n m in Mainz wurde am Sonntag eröffnet.— t. In der letzte» Sitzung der„Acadsmie des sciences" haben die Professoren Becquerel und Curie intereffante Mitteilungen über die physiologischen Wirkungen der Radium- strahle n gemacht. Curie hat einen Teil seines Köipers sechs Stunden lang der Wirkung eines schwach strahlenden RadiumkörperS ausgesetzt. Während am Schlüsse dieses Experiments der Körper an der bestrahlten Stelle keinerlei Veränderungen zeigte, trat doch nach einigen Wochen eine Art Brandfläche auf, die jetzt nach mehreren Monaten noch nicht verschwunden ist. Becquerel hat eine ähnliche Erfahrung an seinem Körper gemacht. Er trug einige Decigramm schwach strahlender Materie in der Tasche und bemerkte nach einiger Zeit, daß die Haut an jener Stelle verbrannt lvar. Auch beim Experimentieren mit dem Radium fangen die Finger an sich zu häuteu und sind lauge Zeit hindurch mit einem eigenartigen Schmerzgefühl behaftet.— — Nach einer russischen Revue erschienen zu Anfang Oktober 1900 in Rußland 83 politische Zeitungen. Davon erschienen 21 in den Gouvernements Petersburg und Moskau; 42 Gouvernements haben überhaupt kein eignes Blatt. Im Vergleich zu den übrigen Kulturländern ist das lächerlich wenig; indes ist ein Fortschritt nicht zu verkennen: 1600 erschienen in ganz Nußland nur 2 Zeitungen.— Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.