Anterhattungsbtatt des Horwärts 124. Freiing, den 28� Juni. 1901 (Nachdruck verbalen.) «ii A. v b e i Roinan in drei Büchern von Emile Zola. Aus dem Fraiizösischen übersetzt von Leopold R o s e n z w e i g. Fernande erhob den Kopf ein wenig, ihre Augen wurden wieder hell. „Wieso unsinnig? Warum willst Du ihm die zehntausend Frank nicht geben?" Sie selbst hatte Boisgelin dazu veranlaßt, diese zehn- tausend Frank zu verlangen, um dafiir ein elektrisches Autoniobil zu kaufen; sie hatte Plötzlich die Laune bekommen, und die Laune war, wie gctvöhnlich, zum glühenden Wunsch geworden, in einem solchen Fahrzeug zu sitzen und in toller Schnelligkeit hinzusausen. „Warum?" rief Delavcau, sich vergessend.„Weil dieser Dummkopf schließlich mit seiner unaufhörlichen Verschwendung die Fabrik ruinieren ivird. Wir werfen um, wenn es in dieser W eise weitergeht. Gicbt es denn etivas Sinnloseres als diese ewigen Vergnügungen, diese alberne Eitelkeit, sich von aller Welt ausbeuten zu lassen?" Mit einem Ruck hatte sie sich aufgesetzt, ihr Gesicht war blaß geworden; und er fuhr mit der täppischen Ahnungslosig- kcit des blinden Gatten sort: „Es giebt nur einen vernünftigen Menschen auf der Gucrdachc, die arme Suzanne, die einzige, die sich nicht unter- hält. Sie dauert einen tief, ivcnu nian sie immer so traurig sieht, und als ich sie heute bat, auf ihren Mann einzuwirken, crwicderte sie mir, indem sie die Thränen zurückdrängte, daß sie sich in diese Sachen nicht mengen Uiolle." Dieser ungeschickte Appell an die rechtmäßige Frau, an die Geopferte, die so hoch und vornehm in ihrem Verzicht war, brachte Fernande vollends außer sich. Aber vor alles andre drängte sich der Gedanke, daß die Fabrik, die Quelle ihrer Genüsse, in Gefahr sein könnte. „Wir werfen um— warum sagst Du das? Ich dachte, die Geschäfte gingen sehr gut?" ES klang ein solcher Ton leidenschaftlicher Angst in ihrer Frage, daß Delaveau zur Besinnung kam, und davor zurück- schreckend, daß sie die Befürchtungen übertreiben könnte, die er sich selbst nicht gestehen mochte, verschloß er die Wahrheit wieder in sich, die er in seinem Zorn zum Teil enthüllt hatte. „Die Geschäfte gehen sehr gut, das ist richtig. Aber sie gingen noch besser, wenn Boisgelin nicht die Kasse leeren würde, um seiner hirnverbrannten Verschwendungssucht frönen zu können. Ich sage Dir, er hat nicht für zwei Sous Verstand in seinem hohlen Geckcnkopfe." Vollständig beruhigt legte sich Fernande mit einer ge- schmeidigen Bewegung ihres schlanken Körpers wieder ins Bett zurück. Ihr Mann war nichts als ein plumper, brutaler und geiziger Mensch, der nur darauf bedacht war, so wenig Geld als möglich aus der gefüllten Kasse der Fabrik hergeben zu müssen, lind der derbe Spott, die verächtlichen Worte, mit denen er Boisgelin belegte, waren ihr ebenso viele Person- lichc Angriffe auf sie selbst, die sie tief verletzten. „Mein Lieber," sagte sie kalt,„es ist nicht jeder dazu geschaffen, alle seine Tage in abstumpfender Lasttierarbeit zu verbringen, und die, die das Geld haben, thun recht daran, es nach ihrem Gefallen anzuwenden und sich die höheren Genüsse des Lebens dafür zu verschaffen." Delaveau wollte heftig erwidern; aber er bezwang sich plötzlich. Wozu sollte er sich bemühen, seine Frau zu seiner Ansicht zu bekehren? Er behandelte sie als verzogenes Kind, ließ ihr in allen Dingen ihren Willen, ohne sich bei ihr je über die Fehler zu erzürnen, die er bei andern so scharf tadelte. Er bemerkte gar nicht, welch sinnloses Leben sie führte, denn in Bezug aus sie war er selbst sinnlos, sie war das glänzende Geschmeide, nach welchem er heiß verlangt hatte, und das er nun überglücklich war in seinen plumpen Arbcitcrhänden halten zu können. Er liebte sie immer mit neuer Leidenschaft, wenn er nach hartem Tagewerk aus den schwarzen Werkstätten, dem dröhnenden Lärm, der rauchigen Luft der Fabrik in ihr Schlafzimmer kam. und sie in ihrer herrlichen Schönheit, einen berauschenden Dust ausströmend» im Bette fand. Sie blieb ihm die beivunderte, die angebetete Frau, das Idol, dem gegenüber sein Verstand und seine Manneswürde wider- sprnchslos verstummten, an die kein Schatten eines Verdachts sich heranwagte. Es folgte ein Stillschweigen. Delaveau legte sich seiner- seits zu Bette, ohne vorerst noch die kleine elektrische Lampe auf dem Nachtkästcheu zu verlöschen. Eine kurze Weile lag er unbeweglich, mit offenen Augen. Dicht neben sich fühlte er die Wärme und den Dust des schönen Körpers seiner Frau. sah er die seidenweiche Haut der Anne und der Brust ans den Spitzen hervorschimmern. Fernande war schon dem Ein- schlnnlmeric nahe, ihre Augen waren geschlossen, und ihr vor Ermüdung blasses Gesicht ruhte, verführerischer als je, inmitten der dunkeln Flut ihrer Haare. Ihr Gatte wandte sich gegen sie und drückte einen 5kuß auf eine eigensinnige Locke hintxr ihrem Ohr. Da sie sich jedoch nicht rührte, glaubte er, daß sie schmolle, und wollte sie ver- söhnen, ivollte ihr beweisen, daß er die Schwachheiten des Lnxusbedürfnisses begreife. „Mein Gott, ja, er soll meinetivegen die zehntausend Frank noch haben, wenn er solches Verlangen nach einem Automobil hat. Was ich dagegen sagte, war nur aus Vor- ficht.— Die Jagd>var sehr schön heute." Sie antwortete noch immer nicht. Aus. ihren leicht ge- öffneten roten Lippen, zwischen denen die weißen, festen Zähne hervorschimmerten, kam der warme und rhythmische Hauen ihres Atems, während ihre weiße Brust sich schwach hob uno senkte. Sie lag mit gelösten Gliedern, die Decke halo zurückgeschoben, als schliefe sie den Rausch der Genüsse des Tages aus. „Fernande, Fernande!" rief Delaveau leise, indem er. sie abermals mit eineni leichten Küß berührte. Dann, als er sah, daß sie wirklich schlief, ließ er mit einem schwachen Seufzer ab. „Gute Nacht, Fernande!" Nachdem er die Lampe abgedreht hatte, legte er sich wieder nieder. Aber er konnte keinen Schlaf finden, seine Augen blickten weit geöffnet in die Dunkelheit des Zimmers. In fieberhafter Unruhe neben dem warmen und duftenden Frauen- körper an seiner Seite liegend, geriet er mit seineu Gedanken wiede- auf die Befürchtungen, auf die schweren Besorgnisse, die ihm die Lage der Fabrik einflößte. Und in diesem peinlichen Zustand der Schlaflosigkeit vergrößerten sich die Schwierig- leiten vor seinem Geiste, sah er die Gefahr einer düftern Zukunft so nahe, so greifbar wie noch nie. Klar stand ihm die Ursache des Ruins vor Augen, diese wahnsinnige Genuß- sucht, diese krankhafte Eile, das kaum gewonnene Geld sn verschleudern. Irgendwo klaffte ein Abgrund, in den der Reic.- tum unablässig sich ergoß, fraß ein entsetzliches Geschwür, das alle Gesundheit, alle Kräfte verzehrte. Er. der geivoanc war, aufrichtig gegen sich selbst zu sein, prüfte sein Ge- wissen und konnte keinen Vorwurf gegen sich entdecken. Zeitig morgens ans seinem Posten, verließ er am Abend als letzter die Werkstätte», übenvachte und leitete alles, führce die große Schar seiner Untergebenen, so wie er ein Regiment geführt hätte, dabei bemüht, gerecht in seiner Strenge zu sein. Alle seine ungewöhnlichen Fähigkeiten waren in stece� Thätigkeit, er arbeitete mit außerordentlicher Klarheit nm>( Zweckmäßigkeit, mit der ehrlichen Hingabe eines Kämpfers.' der siegen ivill um jeden Preis, oder untergehen. Und e.: itt entsetzlich darunter, daß er sehen mußte, wie sein Werk trotz seines Heldentums dem Untergang zuglitt, in- folge einer langsamen Zerstörung alles dessen, was er schuf, infolge einer nnablässigen Unterwühlung, von der er nicht wußte, woher sie ausging, und der alle seine Energie nicht steuern konnte. Die unaufhörlichen Geld» ansprüche Boisgelinsi das, was er seine sinnlose Lebens- führung nannte, seine gierige Genußsucht, waren zweifellos das Krebsgeschwür, das die Werke verzehrte. Aber wer verblendete ihn so, woher entstand der Wahnwitz dieses Menschen, für den ihm, dem vernünftigen, nüchternen, festgefügten Arbeiter, der Trägheit rind Genußsucht verachtete, jeder Be- griff fehlte? Und Delaveau ahnte nicht, daß die Vergifterin, die Zer- störerin dicht au seiner Seite lebte, daß es seine geliebte Fernande war, die schöne, schlanke und geschmeidige Frau; die ha neben ihm fäjlicf, und deren Duft ihn berauschte. Während er in dem Ruß der Werkstätten, tri der glühenden Ausstrahlung der Oefeu alle seine Kräfte aufbot, um aus der qualvollen Mühe der Arbeiter möglichst viel Geld zu erprcfjen, erging sie sich in kostbaren, hellen Toiletten unter den Bäumen der Guerdache, verschwendete Unsummen auf die tollen Einfälle ihrer Laune, zerkaute mit ihren weißen Zähnen gleich Pastillen die Hunderttausende von Franks, die tausend Lohusklaven unter den dröhnenden Schlägen der Dampfhämmer für sie schmiedeten. Und eben jetzt, während er. mit offenen Augen in die Finsternis starrend, sich das Gehirn zermarterte und sich fragte, auf welche Weise er die großen Summen, deren er bedurfte, aufbringen sollte, schlief sie an seiner Seite, ihr Körper dicht an dem seinigen, den Rausch ihrer heutigen Freuden aus, geschwellt, übersättigt, so ermattet vom Geimß, daß ihr schwacher Ateni kaum ihre Brust hob. Endlich schlief er ein und träumte, daß feindliche Dämonen den Boden der Werke nnterivühlten, und daß alle ihre Gebäude in einer stürmischen Nacht unter Donner und Blitz von der Erde verschlungen werden würden. An den folgenden Tagen gerieten die Gedanken Fer- nandes einigeniale wieder auf die Befürchtungen, denen ihr Mann Ausdruck gegeben hatte. Wenn sie sich diese auch mit seiner angeblichen Sucht, Geld aufzuhäufen, mit seinem Haß gegen die Gemffse'.dcs Luxus erklärte, so konnte sie sich doch bei dem Gedankeir än einen möglichen Ruin eines Schauers nicht erwehren. Wenn BoiSgelin zu Grunde gerichtet wäre, was würde aus ihx? Das würde für sie nicht nur das Ende dieses köstlichen LebenS bedeuten, daS sie von Jugend auf heiß ersehnt hatte, als Entschädigung für das Elend von einst, für abgetretene Schuhe und fadenscheinige Kleider, für müh- seligen Erlverb bei ausbeuterischen Menschen; sondeni das wäre quch die Rückkehr nach Paris als Unterlegene und Herangekommene, eine Wohnung für tausend Frank in irgend einem entlegenen Viertel, eine kleine Anstellung für Delaveau, und die ganze Widerwärtig- kcit und Erniedrigung eines armseligen Haushalts für sie. Nein,' nein, das durfte nicht sein, um keinen Preis wollte sie sich die goldene Beute entreißen lassen: sie klammerte sich an das Eroberte mit aller Kraft, mit aller heißen Gier ihrer Seele. In dem herrlich schonen, schlanken Körper dieser Frau, unter ihrer versührerischen Grazie, barg sich eine grau- same Naubtiernatur von unersättlichem Blutdurst. Sie war grimmig entschloßen, ihren Begierden nicht den geringsten Zwang aufzuerlegen, ihre Genüsse bis zur Neige auszukosten. ohne sie sich von jemand verwehren oder auch nur vermindern zu lassen. Diese rußige und schmutzige Fabrik, deren Riesen- Hämmer sie Tag und Nacht ihr Wohlleben schmieden hörte, verachtete sie wie einen widerlichen Ort, wo sich die Häßlichkeiten des Lebens bargen; die Arbeiter, die an der Höllenglut der Oefen brieten, damit sie ihr Dasein behag- licher, genußreicher Trägheit führen könne, waren ihr eine Art von Haustieren, die sie ernährten und zu ihrer Bequemlichkeit dienten. Niemals setzte sie ihre kleinen Füße ans den schwarzen buckligen Boden der Werkstätten, und nienials nahm sie das geringste Interesse an der menschlichen Herde, die an ihrer Thür vorüberzog, von der mörderischen Arbeit zu Boden gedrückt. Aber diese Herde gehörte ihr, diese Fabrik gehörte ihr, und der Gedanke, daß nian sie bedrohen, ihren Untergang herbeiführen könnte, brachte ihr ganzes Wesen in Aufruhr, forderte sie zu wütender Gegenwehr heraus wie ein Angriff auf ihre eigne Person. Daher wurde jeder, der den Merken schadete, ihr persönlicher Feind, ein gefährlicher Verbrecher, den sie mit allen ihr erreichbaren Mitteln zu beseitigen trachtete. Daher war ihr Haß gegen Lucas in stetem Wachsen begriffen seit ihrer ersten Begegnung, seit jenem Mittagsmahl aus der Guerdache, wo sie mit ihrem feinen Fraucninstinkt sofort in ihm den Mann gespürt hatte, der ihr den Weg versperren würde. Und in der That war er ihr immerfort ein Hindernis gewesen. und nun drohte er gar, die Werke zu Grunde zu richte», sie selbst in unerträgliche Mittelmäßigkeit zurückzuschleudern. Wenn sie ihn gewähren ließ,»vars vorbei mit ihrem Glück, stahl er ihr alles, was ihr das Leben wertvoll machte. Und von mörderischer Wut erfüllt unter ihrer reizenden Außenseite, dachte sie nur noch daran, wie sie ihn unschädlich machen könnte, und träumte von wilden Thatcn, mit denen sie ihn vernichtete. lForlsetzunq folgt.) i V (Nachdruck verboten) jetzt. Wie weit im Altertum die Menschen in der Organisierimg bedeutender Kräfte zur Abwehr der Feucrsgefahr, zum Löschen bei misgebrochenen Bränden gekommen sind, was sie geleistet, welche Organisationen sie geschaffen habe», entzieht sich unsrer Kenntnis, da fast nichts darüber berichtet ist. Nur in einem alten ägyptischen Papyrus ans dem zweiten Jahrtausend vor Chr. Geb. finden sich einige Nachrichten, die auf einen geordneten Löschdienst hindeuten. Dagegen wissen wir von dem Lsschdienst in den blühenden griechischen Städten, sowie ans den Zeiten der Welt- Herrschaft der römischen Republik gar nichts, wenn wir auch annehmen muffen, dah namentlich in den größeren Städten, vor allem in Athen und Rom, dauernde Einrichtnngc», Brandwachen und Löschgeräte, bestanden haben. Im kaiserlichen Rom und auch wohl stiiher hielten fich vornehme Leute ihre eignen Privat- Feuerwehren, die bei Bränden in der Stadt jedenfalls in freiwillige Hilfsaktion traten. Daneben richtete aber der Kaiser Angustns bereits eine öffentliche Feuerwehr ein, die in besonderen Räumen untergebracht war. Diese 7000 Mann. vigiles genannt, thatcn auch Sicherheitsdienst; sie waren in 7 Kohorten zu je 1000 Mann geteilt, die von je einein„Centiirio" befehligt wurden, während das Oberkonimairdo ein .Tribun- führte; wir wurde» denselben passend mit Branddirektor übersepen können, während die Centurionen Brandmeister wären. Bei jeder Kohorte befanden sich eine Anzahl„lmceinatorsb"(Hornisten), jedenfalls zur raschen Alarmierimg bestimmt sowie zum Signalgcbcn nach Kommando für einheitliche Aktion, außerdem hatte jede Kohorte besondere„aquarii"(Waffer- oder Löschmaniischaftl sowie einen„Siplronarius«. Der letztere wird vielfach als Spritzenmeister an- gesehen, indem die siplronos, welche die kaiserl. Feuerwehr zweifellos besaß, mit Spritzen übersetzt werden. Die Drnckpnnipe ist ja auch bereits um 250 vor Chr. in Alexandria erfnndcn mid von Heron mit einem Windkesiel versehen worden, so daß die Möglichkeit, daß die kaiserliche Fenertvehr in Rom Spritzen besessen hat, die einen andauenideii Strahl entsenden konnten, gar nicht von der Hand zu weise» ist. Immerhin ist es auffallend, daß keine genaueren Nach- richte» zu uns gekommen sind, so daß eö nicht unwahrscheinlich ist, daß die sixlrones nur bestimmte Vorrichtungen an der Wasser« leitnng waren, und der Kipdorrarkw kein Spritzenmeister, sondern ein Anssehcr über die Wasscrlcitmig gewesen ist. Der Kaiser Trajan verstärkte die kaiserliche Feuerwehr noch um eine Abteilung„kabri-(Handwerker), was auf die Wichtigkeit des Einrcißens bei Bränden hinzudeuten scheint. Sollten übrigens die Löschcinrichtungen Roms auch vollkoinmciier gewesen sein, so wurden sie jedenfalls durch den Ansturm der Barbaren vernichtet, und die Entwicklung des Fencrlöschwesens im Mittelalter knüpfte nicht an die römischen Neberlicfernngeu an. Das Zusammenwohncii in Städten vermehrte die Gefahr bei Bränden, je enger die Städte gebaut waren: und bei den wenig friedlichen Zeiten umgürteten sich ja alle Städte mit feste» Mauern zum Schutz gegen Feinde, die damals häufig die allernächste» Nachbaren waren. Deshalb war es dringend notwendig, allgemeine Vorschriften über das Verhalten der Bürger bei Feuers- gefahr zu treffen. So entstanden im 13. Jahrhundert in Deutschland die ersten Feuerordnungen, von welchen wir wissen. Eine der ältesten, wenn nicht überhaupt die älteste, ist die der Stadt Wien, welche Rudolf von Habsbnrg im Jahr 1273 erlassen hat, nachdem die Stadt zwei Jahre vorher von einer großen Feuers- bnmst heimgesucht war. Diese Feuerordinmg solvie die folgende» andrer Städte enthalten genaue Vorschriften nbsr die Be- teiligmig der Zünfte am Löschdienst, Bestinunungen über die Arbeiten auf dem Brandplatze solvie auch Sträfandrohimgen wegen fenerpolizeiwidciger Handlungen oder Unterlassungen. In allen Feuerordmmgeu des Mittelalters finden lvir die Bestiniiining, daß bei ausbrechendem Brande die Stadtthore sofort z» schließen seien, und die Bürger die Mauern in vcrteidigmigsfähigem Znstand zu besetzen hätten. Die Allgemeinheit dieser Maßregel bcweilt, daß sie notivciidig ivar; oft geung mag ein Brand böswilliger Weise von Feinden oder auch von hernmstrcifrndem Gesindel angelegt worden sein, das in der Verwirrung dcS Brandes gute Beute zu machen hoffte. Daß alle Maßregeln zu jener Zeit doch sehr unvollkommen waren, beweist». a. auch der Umstand, daß sie häusig geändert wurden, besonders nach großen Bränden. In Wien z. B. fand 1525 ein großes Schadenfeuer statt, bei lvclchcin 410 Häuser zerstört wurden; auch in den nächsten Jahren, während der Belagerntig durch die Türken im Jahre 1529 solvie in dem daranf folgenden Söldiieraufftand erlvicscn sich die Löschvorrichtungen als durchaus nngeniigend. Es wurde daher vom Stadtrat ans Befehl Kaiser Karls V. im Jahre 1534 eine neue Fcnerordnnng erlassen, in der wir zum erstenmal Vorschriften für einen ständigen Feuerivächter finden. Es ist das der.Turmer auf Sankt Steffens Turm", der die Pflicht hatte, bei ausbrechendem Brande die Glocke zu läuten und durch Aussteckeu einer roten Fahne bei Tage. einer roten Laterne bei Nacht die Richtung des Brandes anzuzeigen. Diese Feucrordnnng fällt bereits in die zlveitc Periode der Eni- Wicklung des FenerlvschwesenS, die man von der Erfindung der Feuerspritze an datieren kann; dieselbe ist im Jahre 1513 zu Augs- bürg von dem Goldschmied Alilou Platner erfunden worden. Aller- biiiflS rief dies« Spritze oder.Wasscrkimst", wie Nl>iu sie domols imiiüte. nicht sofort einen großen Umschtvnng hervor. Die Plotncrische Wosserknust gab keinen niinnterbrqcheiien Strahl, sondern war eine einfache Sioßspritze, oußcrdein war sie trotz mehrerer von Nimi- berger Mechanikern angebrachten Verbesserungen ein schwerfälliges und umständlich zu bedienendes Ungetiliii, so, daß es nicht gerade verwunderlich ist, wenn sie nicht sehr schnellen Eingang und großes Vertrauen fand. Noch im Jahre 1677 heißt es in der Fcuerordnung der Stadt Dortmund, daß die .am Zimuicrhoff vorhandeire Wassersprntzen zwar» auch bei des .Fenrs Roth gebrauchet werden soll, aber es soll sich die Bürger- .schafft nicht zu viel daranff verlassen, weniger auf dieselbe .warte», sondern gestrack daran sehn, wie dem Fuir sonst am .besten zu steuren'. Diese Fenerordnnng fällt bereits in jene Zeit, von welcher man die dritte Periode in der Entwicklung des Ferierlvschwesens zu zählen pflegt, in die Zeit nach jenen großen Erfindungen, welche es erst ermöglichten, die alte Wafferknnst zur moderne» Feuerspritze umzugestalten. Die erste dieser Erfindungen ist die des Windkefiels. Bielfach nennt man den holländischen Maler von der Heyden <1637— 1712) als den Erfinder dieser Einrichtung; erfunden ist der Wiudkeffel aber in Deutschland, mtd zwar von dem Niinwerger Zirkelschmied Hans Hautsch, der schon im Jahre 1655 seine mit Wind- kcffel»ersehenen Spritzen anbot. Somit standen dein Fenerlöschlvescn zu Anfang des 18. Jahrhunderts schon wesentlich dieselben Waffen zn Gebote, wenn auch noch nicht ganz so vollkommen ansgebidet, wie nnsrcr Zeit. Trotzdem höre»»vir bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein immer wieder von verheerenden Feuersbrünsten, denen ganze Stadtviertel zum Opfer fallen; wir erinnern nur an den großen Brand zu Hamburg im Jahre 1842. durch ivelchen 1749 Häuser zerstört wurden. Der Grund hierfür liegt wohl darin, daß für den Lösch- dienst nicht geschulte, also undisciplinierte Massen von Bürgern zur Berweudnug kamen, die verpflichtet waren, auf dem Brandplatz zu erscheimnt, ohne doch für ihre Thätigkeit daselbst besonders ein- geübt zu sein. In Paris wurde bereits 1716 ein besonderes Fcuer- wehrcorps organisiert, dessen Einrichtung in den größeren Provinzialftädte» Nnchahmimg fand. In Frankreich sind dann auch große um sich greifende Brandkatastrophen seit dieser Zeit viel seltener zn verzeichne» gewesen, als in Denlschlaiid. Hier rechnet man die vierte EntivickluiigSstnfe im Feuerlöschwesen, i» der wir uns noch gegenwärtig befinden, getvöhnlich von der Ein- richtung der ersten berussmätzige», militärisch organisierten Feuer- wehr, die im Jahre 1351 in Berlin eingerichtet wurde, und deren öOjähriges Bestehen den Anlaß zu der Internationalen Ausstellung für Feuerschutz und Fcnerrettungswesen in Berlin gegeben hat. Es muß indes betont ivcrden, daß Ansätze zn einer Organisienmg benifsmäßiger Fenerlvehr auch sckon vorher vorhanden tvarcn. In Wien zum Beispiel wurde im Mai 1759 eine Fcuerordinnig erlassen, welche dem Stadtuilterkäinnierer 40 Man», .Feuerkncchte»nd Fenertagelöhiier" sowie eine Anzahl Banband- werter vnlerstelltr. Auch maßten bei Tng und Nacht im Unter- kminneramte augeschirrte Pferde in Vercitschast stehen. Neben den berufsmäßigen Fcuerivehren, welche heute in alle» Großstädten vorhanden sind, haben wir in Deutschland in allen kleineren Städte» Pflichlfenerwehrcn oder auch freiwillige Feuer- wehren, die ebenfalls fast militärisch organisiert sind und regelmäßige Uebungen abhalten. Die erste derartige freiwillige Fenerwehr wurde in Meissen im Jahre 1840 eingerichtet; bahnbrechend in dieser Richtung»virkte die 1846 in Dnrlach errichtete Pflicht- fenenvchr. Bei dem großen Brande des Hoftheaters in Karlsruhe bewährten sich die herbeigeeilten Durlachcr durch ihre Orb- nnng, Tisciplm und Schlagfertigkeit ganz vorzüglich, so daß sie das größte Anflehen erregten, und nach ihrem Muster wurde in de» nächste» Jahre» eine überaus große Zahl freiwilliger Feuer- weh reu eingerichtet. Diese Entwicklung ging rasch weiter. Im Jahre 1898 bestanden im Deutschen Reiche'*) 12 067 freiwillige Feuerwehren mit 628 068 Mann 18 987 Pflichtfenerwehren. 821 452. zus. 26 004 organisierte Feuerwehren„ 1 449 515„ Denselben standen etwa 45 000 Spritzen, 100 000 Hydranten und 8 Millionen Meter Schläuche zur Berfügung. Daneben«ntwickelteu sich die Benifsfenerwehren nach dem Muster der Berliner ebenfalls rasch. In Berlin wurden 18 ständige Feuerwachen eingerichtet, auf deren jeder zur ständigen Bewachung der Spritze, Geräte und Gespanne 1 Oberfenerman» und 4 Feuer- niäuner anwesend waren; die Bedienung, 12 Mann für jede Spritze, lagen in den fünf Depots, in welchen 2— 3 Wachen vereinigt waren, und ans der Hnnptwache, von Ivo sie direkt nach der Brandstelle rniSriickten. Die ganze Wehr bestand ans 1 Branddirektor, 1 Brand- inspektor, 4 Brandmeistern, 40 Oberfenermännern, 180 Fcucrmännern und 771 Spritzenniännern. Tie Organisation der Berliner Feuerwehr bewährte sich außerordentlich gut und errang sich schneit große Beliebtheit. So brachte der„Kladderadatsch" im Jahre 1852 zwei Bilder, auf deren erstem sich zwei frühere Fencrleute bedächtig der Brandstelle nähern.„Na, Gott sei Dank, da wären wir endlich," sagt der eine.— .Wo is denn det Feuer?" fragt der andre das Publikum..Det *) Nach der Statistik des 15. deutschen Fcucrwchrtagcs zu Char- lottenburg. Feuer ist vorbei," antwortet jemand, auf einen Schutthaufen weisend, .da drüben is die Brandstelle. Aber wissen Sc, Mäniicken, dct schadet nischt, die 15 Dahler kriegen Se doch, denn Se sin de erste Spritze, die gekommen is." Das andre Bild dagegen zeigt ein Schlafzimmer, dessen Bewohner plötzlich aufwachend im Bett halb aufgerichtet fragt:.Herr Gott, was ist denn los?" Im Zimmer steht ein Fcnecman» der neuen Feuerwehr und sagt beruhigend: „Schlafen Sie ruhig weiter, Herr Stadirat! Es is nischt, Ihr Bette hat man bloß jebrannt, aber es is schon alles vorbei." Die Zahl der nach Berliner Muster eingerichteten Berufs- feuerwehren beträgt gegenwärtig 60; in kleineren Städten ist die Aufbringung der Kosten schwierig, weshalb die freiwilligen Feuer- wehren überwiege». In Wien wurde die Fenerwehr im Jahre 1862 erheblich reorgmnfirrt, wobei acht Depots außer der Centrale errichtet wurden; dann erfuhr fie im Jahre 1884 noch einmal vollständige Ilmgestaltung; sie wurde vom Etadtbanamte getrennt rmd unter enicn eignen Komnrandanten gestellt; außerdem erfuhr sie eine weitergehende Decentralisation und erhebliche Verstärkung an Ge- räten und Mannschaften. Die damals geschaffene Organisatimi ist noch heute vorhanden und sunltionicrt außerordentlich schnell und sicher. Einen großen Fortschritt bedeutete bei allen Bernfs-Fenerwehren die Einführuiig der Dampfspritze. die nach englischem Boramig bei uns zuerst vöu der Hamburger Fenerwehr eiiigefiihrt und jetzt bei allen Berufs- Fnierwehren, sofern fie mir einige Bedeutung haben, zn finden ist. Weiter ist das moderne Feuerlöschwesen dadurch allen früheren ganz außerordentlich überlegen. daß heute ein ganz ausgezeichnet fimltionierendes Meldcwesrn sich entwickelt hat. Dasselbe steht in innigstem Zusammenhang mit der Entwicklung der Elektricität. In der That ist ja die Schnelligkeit, mit welcher die Feuerwehr bei einem Brande eintreffe» kam!. ganz anßerordeutlich abhängig nicht nur von der steten Vercitschast zum Ausrücken, sondern in erster Linie auch vou der raschen Benachrichtigung. Es war daher natürlich, daß die aufkommende Tclcgraphie in de» Dienst der Fenerwehr gestellt wurde; je bedeutender sich die elektrische Zeichen- gebmig entwickelte, um so umfangreicher war auch ihre Nnwendnng bei der Feuerwehr. I» kleinere» Städten allerdings verbreitet sich die Nachricht eines Brandes von selbst sehr rasch; außerdem sind die Entfernungen gering, so daß das Meldewesen verhältnismäßig ein- fach sein kann. In Großstädten dagegen läuft in den ciiizeliicn Fenerwehrdepots ein ganzes Netz von Drähten zusammen, durch welche telegraphische und telephonischc Verbindung mit den andren Stationen und der Centrale, sowie mit den Polizeiburcaus und zahlreichen über die Stadt verteilten automatischen Feuermeldern her- gestellt wird. Neben dem Meldewesen, das sich ausgezeichnet bewährt und in den Großstädten ein außerordentliches Gefühl der Sicherheit gegen Feuersgefahr hervorgerufen hat, spielt heute bei allen Feuerwehren auch der Rettrings- und Samaritcrdienst bei Halberstickteu oder sonst bei dem Feuer Verunglückten eine hervorragende Rolle; dir Mann- schaften werden in geeigneter Weise direkt für diesen Dienst vor- gebildet. Außerdem hat in den letzten Jahrzehnten auch eine weit- gehende Entwicklung in der Ausrüstniig der einzelnen Leute nnt rauchsicherer Kleidmig eingesetzt. Auf Einzelheiten können wir hier nicht weiter eingehen, es werde mir erwähnt, daß die Fciienvrhr- männer heute bereits ohne Erstickungsgcfahr in den dicksten Qualm eindringen lönnrn.— D r. Bruno B o r ch a r d t. Kleines �enillekon. — Die Baumwollkultur in China. Die Zeit der Einführung der Baumwolle nach China ist mit Bestimmtheit nicht anzugeben. Zuerst scheint die Kultur in Kwaiitniig, in welcher Provinz Kanton liegt, festen Fuß gefaßt zu haben. Jetzt wird die Baumwolle im ganzen chinesischen Reiche gebaut; indeffen wächst die Baumwolle, die nach den Seehäfen gebracht wird, nicht weiter als 400 Meilen von der Küste entfernt. DaS Säen der Baumwolle findet Ende April statt, nachdem der Boden vorher besonders dazu vorbereitet worden ist. Das Bearbeiten des Bodens wird entweder mit der dreiziiiligen Hacke oder mit deni mit einem Büffel bespannten Pfluge ausgeführt. Der letztere ist von der gröbsten mid einfachsten Konstruktion; er ist nicht viel mehr als ein gelrünimter, an einer dünnen, eisernen Platte befestigter Bamnast, welcher den Boden mir fünf oder sechs Zoll tief auflockert. Das Land wird in kleinen Teilen durch Pflanzer bestellt, welche ihre eigne Arbeitslraft und die ihrer sämtlichen verfügbaren Familien- Mitglieder dem kleinen Stück Land zuwenden, welches sie ihr eigen nennen und welches selten so groß ist, um die Einstellung von Micts- arbeiteni zn erfordern. Der Samen wird meistens mit der Hand ausgestreut, zum Teil wird er auch in regelmäßigen Reihen gepflanzt und mit den Füßen in den Boden eingestampft. Nachdem die Pflanzen aufgegangen sind, werden sie sorgfältig behackt und gejätet, und wenn der Samen mit der Hand gesät' worden ist, werden die Pflanzen so gelichtet, daß sie in Zwischenräumen von ungefähr 15 Zoll stehen. So bald die Pflanzen die Höhe von 18 Zoll erreicht haben, wird der Hauptstciigcl meist abgeschnitten, um die Zweige zu verstärken. Das Einernten der Baumwolle geschieht mit der Hand. Wenn der Pflanzer einiger- mofeen Erfolg hat. erhalt er von jede»» Fünftel eines Acre Landes eine Ernte von Sgl) Pfund Bainnlvollsanren, welche indessen nur 67 Pfund gereinigte Banmivolle ergeben. Der Bannilvöllpflnnzer in China ist in vielen Fällen in der- selben Lage, tvie viele Pflanzer im Süden der Vereinigten Staaten: er muß ein Darlehn auf seine Ernte für seinen Lebensunterhalt aufnehmen lind dafür 2 oder 3 Proz. in, Monat bezahlen, was in China nicht als Wucher angesehen wird. In den meisten Fällen tritt zu de» Einkünften des Pflanzers aus dem Landbane»och der Verdienst der Familienangehörigen vom Spinne» und Weben hinzu, wodurch es der Familie möglich wird, nach ihren Anschauungen be- quem zu leben.— ie. Röntgenbilder eines chinesischen Franenfnstes veröffentlicht das„British Medical Journal"»ach Photographien, die ein englischer Arzt. Dr. Dnncan Thomson, nuK Hankau eingesandt hat. Ue'ber die künstlich verslünnuelten Füfle der chinesischen Frauen, die berüchtigten„goldenen Lilien", ist unendlich viel geschrieben worden, aber noch nie hat man die Art ihrer Verunstaltung so deutlich vor sich gesehen, wie in den mit Röntgenstrahlen aufgenomuieue» Photo- grap'hic». Das eine Bild zeigt einen chinesischen Francnfnfl von der Innenseite aufgenommen, das andre denselben Fufl von der Auszenseitc. Die Verunstaltung wird auf doppeltem Wege erreicht, einmal dadurch, dajj der Spann des Fnjzcs gebogen wird, indem die Hacken und die Ballen der Zehen aneinander gcpresjt werden, zweitens dadurch, daß die vier äußeren Zehe» unter den ersten oder großen Zeh gebunden»verde». Die Folge für die Lage und Eutivicklung der Fußknochen ist auf den Röntgenbildern ganz genari zu erkennen und »vird von Dr. Thomson bis ins einzelne beschrieben. Da die Ver- unstaltnng schon in, Säuglingsaltcr geschieht, so wird die Entwicklung der Knochen gehenunt, besonders die der Mittelfußknoche», des Würfelbeins u»d dcS vorderen Endes des Fersenbeins. Der Still- stand der Entivicklnng erstreckt sich dann»vciter auf die Knoche» und Muskeln der Schenkel. Wen» sonst körperliche Uebungen vor- geuonuneil werden, so entwickelii sich die Hüften bei den chinesischen Frauen gewöhnlich gut, da aber eine genügende Belvcguug durch die verstümmelten Füße schwierig wird, so leidet in de» meisten Fällen der ganze Körperbau. � Kulturhistorisches. — Eh, Streikverbot vor 180 Jahren. Nachstehender Erlaß des Markgrafen von Baden-Durlach aus dem Jahre 1721 »virft ein interessantes Streiflicht auf die Arbcitcrvcrhältnissc im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Er kantet nach den„Münch. N. Nachr.:„Wir Karl, von Gottes Gnaden Marggraf zu Baaden und Hochberg usw. Fügen hierdurch allen und jede» bch Unser» Bergwerckc», mich Schmeiß-, Hammer- und Blech- Schmidten, in denen Ober- und Unter- Landen in Dienst und Arbeit stehenden Personen kund und zn Ivisscn, als Wir einige Zeit her mit sonderbahre», Mißfallen ivahrnchmcn müssen,»velcher gestalten bißhcro ein so andere Arbeiter auf Unser», Bergivcrcken, Schmcltz-, Hammer- nudBlech-Schmidten.init schändlicherHindansetzung ihrer abgelegte» Eyd»nd schweren Pflichten, heimlicher Weiß aus- tretteu, und ihre angefangene Arbeit zu Unser und der Geiverckschafft großem Schaden und Nachthcil trculoß verlassen, darneben auch ihre Gläubiger, denen sie ei» und anders schuldig»vorden, boßhafftig zu dcfrantiren suchen. Uns aber, diese», höchst-sträflichen Beginnen in Zeiten vorznbicgen, und alle ernstliche Mittel, ivordnrch solche boßhafftige, so Uns als Unser» Landen und Unterthanen schädlich fallende Unternehinimgen gnnßlich abgestellt»verde» möge», hervor- znsnchen allerdings obliegen»vill: So»vollen»vir,»ach gen, ig- samer der Sachen Erwcgnng und zn künfftiger exemplarischer Beftrqffuug dergleichen»icinehdigcr Personen,»vclche von ermeldten Werckern anstrctten, ihre Arbeit verlassen, und aller- Hand Schaden cansiren, hiernnt gesetzt und geordnet haben, daß solchen ohne einige erhaltene Erlaübnuß austrettenden Delinquenten künsftighin, ohne»veitere Citatio» und langen U,„trieb, der Name an den Galgen geschlagen, und sie dadurch ehrloß und gantz untüchtig gemacht werden sollen, anderer Orten mehr in Diensten zn stehen,»vornebe» Wir uns auch, fals selbige wieder zur Hand gebracht»verde» können, deren fernere mehrers empfindliche Bestraffnng bevor behalten. Und dieses ist unser ernster Will und Mehniuig, wornach sich ein Jeder zu richten nnd vor Schimpf und Schade» zu hüten lvissen»vird. LiguaUim Carols-Rnh, den 8. Febr. 1721."— Meteorologisches. — Verheerung durch einen Kugelblitz. Zn den rätselhaftesten und seltensten Erscheinungen in der Atmosphäre gehören die liigelförmigeii oder glabülären Blitze. Am 2. Jimi»mirdc in der Nähe von Rendsburg ein Bauernhof durch Blitzschlag eingeäschert, und wie der„Köln. Ztg."' von sachkundiger Seite mitgeteilt»vird, handelt es sich in diesem Fall um einen kugelförmige» Blitz. Der Besitzer deS Gehöfts befand sich mit seiner Ehefrau im Wohn- zimmer, als sie plötzlich in der Nähe des Spiegels einen kreis- rnndeu, sich drehenden Feuerball sahen, der bald platzte und verschwand. Das Meteor hinterließ einen starke», fchtvefclige» Geruch,»velcher die Auivcsende» zivang, das Zimmer zu ver- lassen. Ein Knall ivar nicht vernoinmen»vorden. Als die Per- so», ei, das Freie gewonnen hätten, sahen sie zu ihrer Neberraschnng Berautwortlichet Redactenr:,el Leid in'Berlin. wie zu ihrem Schrecken, daß das ganze Gebäude in Flammen stand. Dasselbe brannte völlig nieder, trotzdem die Feucnvehr rasch zur Stelle ivar.— Das Eindringe» und längere Verweilen von Kugel- blitzen in Gebäuden ist nicht selten beobachtet worden; bisweilen schwebte die Blitzkngel in einer gewissen Höhe durch das Zimmer oder rollte über den Boden. Seltener sieht man Kugelblitze ans der Luft herabkommen; ein solcher Fall ereignete sich im April 1719, als nachts drei feurige Kugeln sich auf die Kirche zu Ouesnon bei Brest herabsenkten und sie zerstörten. Merkwürdig ist übrigens, daß die zahlreichsten Fälle von Kugelblitzen aus Schlcswig-Holstcin und Däne- mark bekannt sind.— Geologisches. — E r d b e b e» in Sachse»,. Die Erderschiittcr, tilgen im südlichen Teile des Vogtlandes dauern nun schon seit reichlich 14 Tagen an und wiederholen sich meist mehrmals an jedem Tage. ohne daß die Bevölkerung dadurch besonders beunruhigt würde. Man ist aus den lctzlvergangcncn Jahren, wo die Erschütterungen auch bei stärkere» Stößen ohne Schaden anzurichten vorübergegangen sind, an diese Kundgebungen der im Erdinner» arbeitenden Natnr- kräfte gewöhnt und läßt sich von de» Geologen dahin belehren, daß nicht vnlkanische Gewalten, sondern Verschiebungen der Gcbirgsmassen die Ursache der Stöße und des dumpfen uiitemdischen Donnerrollens seien. Die ältesten Nachrichten über derartige andauernde Erdbeben im südlichen Vogtlande reichen gerade 200 Jahre zurück:„Am 12. März 1701 hat man in Adorf fluid Umgegend) ei» Erdbeben verspürt, welches allcweile nach einander vierzehn Tage geivähret, daß alle Häuser gcschüttert haben nnd die Fenster mögen zeripringen." Unleugbar habe» aber in neuerer Zeit die vogtländischen Daucrerdbeben an Häufigkeit zu- genoiinnen und wiederhole» sich jetzt alljährlich. Im Jahre 1807 erfolgten in den 37 Tage» vom 24. Oktober bis z»m 29. November Hunderte von Stöße», deren heftigste das ganze Vogtland, einen großen Teil des Erzgebirges, das Egcrland, den(böhmischen) Kaiser- Wald und das Teplcr Hochland crschütterlen und sich bis in den Böhmerwald und das Fichielgebirge ausbreiteten.— Humoristisches. — Sein K u n, n, e r. Gigerl:„Schade um den Prinzen von Wales I Er versumpft augenscheinlich; seit der Thronbesteigung nicht eine einzige ncne Mode!"— — Eine amerikanische Ziege. Die Schicksalstücken, mit denen manche Zeitnuge» i», Westen zu kämpfen haben, werden durch folgende Notiz des„Bowersville Clarion" illustriert:„Wir müssen uns bei unsrcn Lesern entschuldigen, daß wir diese Woche nicht rechtzeitig erschienen sind. Die»umterc Ziege nnsres jovialen Leihstallbesitzers Palrick Casey erschien an, Dienstagabend, nachdem nnsre Auflage gedruckt war, in der Druckerei»nd fraß in einem»»- bewachten Ängrnblick nnsre ganze Auflage. Es mußten daher alle nnsre redaktionellen und technischen Hilfsmittel ins Spiel gebracht Iverden, um schnell eine»cne Ausgabe des Blatts herzustellen. Während wir Nim den litterarischen Geschmack der erwähnten Ziege bcwundcni müsse», werden wir doch in Zukunft nnsre Druckerei ge- schloffen halten."— Notizen. — T e st a u, e n t k ü u st l c r. Dem„Dresdener Anzeiger" zu- folge soll es sich bei RlingerS Anzapfungen in erster Linie' um die Stiftung einer Frau Dr. M. in Freiburg i. Vr. zu Gnnsten der deutsche» Künstlerschaft handeln, die Ernst Moritz G e y g e r vereitelt habe» soll.— — R n d o l f Lothars„König H a r I c k i n" ist von der Wiener Ccusnr freigegeben worden nnd wird im September am Deutschen VolkStheatcr aufgeführt werden.— — Theodor G e r l a chs„M a t t e o Falko nc" wird in der nächsten Saison' vom Berliner Opernhanse zur Darstellung gc- bracht iverden.— — Julius L i e b n n, deffen Vertrag mit der Jntcttdantnr des Berliner Opernhauses am 1. Mai 1903 abläuft, will zu diese», Termin ans dem Verbände der Bühne ausscheiden.— c. Vom 1. Mai 1900 bis zum 1. Juni 1901 wnrden in N e w A o r k nicht weniger als 1 44 n c u c Stücke aufgeführt; außerdem wnrden 48 Nenaussührilngcn gezählt. Diese beiden Zahlen enthalten nicht die Stücke, die vi», Amatenr-GeseNschafteu aufgeführt wurden. Ei» Stück hat es auf 202 Vorstelliiiigcn gebracht.— — In der Preiskonkurrenz n m einen Schmuck- b r n n n e n für den Universitätsplatz in Breslau erhielten Prof. Behrens(Breslau) den ersten und zwei Berliner, Hugo Ledercr und Karl Himmelstoß den zweite» nnd dritten Preis.— — Eine eingehende Erforschung des w e st s i b i r i s ch c n Sees Tenis'dnrch de» russischen Forschmigsreisenden Jgnatow hat festgestellt, daß der See eine Oberfläche von lö20 Qnadrat- kilömeter und eine DiirchschnittSiiefe von. 5—6'/e Meter hat. Das stark salzhaltige Gewässer ist außerordentlich reich an Fischen. Der örtlich vom Tenis liegende See Kurgaldschiu hat eine Ober- fläche von 450 Quadratkilometer bei einer Dnrchschnittsticfc von nur 2 Meter.— Die nächst- Nummer des Unterhaltungsblatts erscheint am Sonntag, den 30. Juni.. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.