Anterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 126 Dienstag, den 2. Juli 1901 (Nachdruck verbotene $1 s fr u i fc 63] Noinan in drei Büchern von Emile Zola. Aus dem Französischen übersetzt von Leopold Rosen zweig. Als Josine fest bei ihrer Opferwilligkeit blieb, indem sie sagte, dasi nur das Heute ihr wichtig sei, da sie ihn frei von jedeni Hemmnis, stark und triumphierend siegen sehen wolle. rief er verzweifelt: „Wirst Du also nie zu mir zurückkehren, wird dieses Kind nie mein Kind sein, vor den Augen aller Welt, im hellen Licht der Sonne?" Sie schlang wieder ihre Anne um ihn und flüsterte ihm zu, ihre Lijipen auf den seinen: „Ich werde zu Dir zurückkehren an dem Tage, da Du meiner bedürfen wirst, da ich Dir kein Hemmnis mehr, sondern eine Gehilfin sein werde, und werde Dir das süsie Kind mitbringen, das dann für uns beide eine neue Quelle der Kraft sein wird." Und das schmutzige Beauclair, die alte elende Höhle der zum Fluch gewordenen Arbeit, lag rings um sie in der Finsternis unter dem zennalmendenDruck Jahrhunderte alter Ungerechtigkeit, wahrend die Beiden Worte der Zuversicht in eine Zukunft voll Frieden und Glück miteinander tauschten. „Du bist mein Mann, und kein andrer hat je für mich existiert. O, wenn Du wüßtest, wie süß es für mich ist, Deinen Namen nicht zu sagen, trotz aller Drohungen, ihn ganz für nnch zu behalten wie eine verborgene Blume und zugleich wie eine Rüstung! Beklage mich nicht, Geliebter, ich bin stark und ich bin glücklich!" „Du bist mein Weib, ich habe Dich geliebt vom ersten Tage an, da ich Dich so elend und dabei so holdselig sah, und wenn Du meinen Namen verschweigst, so will ich den Deinigen verschweigen, er soll meine Religion und meine Stärke sein, bis endlich die Stunde kommt, wo Du selbst unsre Liebe laut hinausrufen wirst." „O, Lucas, wie gut und klug Du bist, und welches Glück erwartet uns l" „Du bist es, Josine, die mich gut und klug gemacht hat, und weil ich Dir damals zu Hilfe gekommen bin, werden wir eines Tages glücklich sein in dem Glücke aller." Sie sprachen nicht weiter und blieben noch einige Augen- blicke in fester, inniger Umannung. Er fühlte ihren bebenden. fruchtbaren Leib, und sie drückte ihre Brust dicht an die seinige, als wollte sie ganz in ihm verschwinden und auf- gehe». Dann machte sie sich los und kehrte stolz und nn- besieglich zu ihrem Martyrium zurück, während er durch die Nacht heimwärts ging, um weiter zu kämpfen und zu siegen. Aber wenige Wochen darauf lieferte ein Zufall Josinens Geheimnis Fernande aus. Fernande kannte Ragu, dessen Rückkehr in die Hölle ein gewisses Aufsehen erregt hatte; seit der Zeit that Delavean, als schätze er ihn besonders, er nmchte ihn zum Pnddelineister nnd bewilligte ihm eine außer- ordentliche Zulage, obgleich er ein wüstes Leben sührte. Fernande war auch unterrichtet von den heftigen Scenen im Hause Ragus. Dieser legte sich keinerlei Zurückhaltung auf. stieß ganz laut die gemeinsten Beschimpfungen gegen seine Frau aus, nannte sie öffentlich eine Straßendirne. Und in den Werkstätten fragten sich die Leute, iver wohl der Kamerad sei, dem Josine ihr Kind verdankte? Auch im Hause des Direktors war von dieser Angelegenheit die Rede, und Delnveau hatte in Gegeimwrt Fernandes davon gesprochen, wie unangenehm ihm die Sache sei. da Ragu, vor Eifersucht toll, ganz außer Rand und Band-«gcraten war und wie ein Sinnloser arbeitete, indem er einmal drei Tage lang keine Hand rührte, dann »nieder in eine unstillbare Arbeitslvut verfiel, um in wütender MuSkelanstrengung seinen Grimm auszutoben. Delavean war auf drei Tage nach Paris gereist, als eines Wintermorgens Fernandes Zofe dieser ihren Frühstücks- thee nebst geröstete» Brotschnittchen brachte; Nise saß wohlerzogen neben ihrer Mutter, trank ihre Milch und warf ver- langende Blicke auf den Thee, der ein verbotener Genuß für sie»var. „Ist es wahr, Felicie," fragte Fernande die Zofe,„daß es bei Ragu»vieder Zank gegeben hat? Die Wäscherin erzählte mir, daß Ragu diesmal seine Frau Halbkot ge- schlagen hat." „Ich weiß nicht, gnädige Frau, aber es ist wohl über- trieben, denn ich habe die Frau gerade vorhin hier vorbei- gehen sehen, und sie sah nicht ärger aus als sonst." Das Mädchen»vartete eine kleine Weile und sagte dann noch, ehe sie hinausging: „Es sollte nnch trotzdem nicht wundern, wenn er sie eines Tages wirklich totschlüge, denn er hat schon oft genug ganz laut damit gedroht." Fernande aß langsam und schweigend weiter, in düsteres Sinnen versunken, als Nise in kindischer Zerstreuung halblaut zu trällern anfing: „Der»virkliche Mann der Josine ist nicht Ragu. das ist der Herr von der Cröcherie, der Herr Lucas, der Herr Lucas» der Herr Lucas!" Ihre Mutter sah sie starr vor Staunen an. „Was sagst Du da? Woher weißt Du das?" Erschrocken über das. was sie gedankenlos und gegen ihren Willen hinausgesungen hatte, beugte sich Nise über ihre Tasse und bemühte sich, harmlos auszusehen. „O, ich Hab' das nur so gesagt, ich weiß gar nichts I" „Du weißt nichts. Du Lügnerin? Das ist Dir nicht von selber eingefallen, was Du da gesungen hast. Jemand muß es Dir gesagt haben, sonst würdest Du es nicht»vieder- holen." Nise fühlte, daß sie da etwas sehr Dummes angestellt hatte, das unberechenbare Folgen nach sich ziehen könne, und innner mehr in Vertvirrung geratend, versuchte sie so keck als möglich zu leugnen. „Nein, Mama, ich versichere Dir; man singt manchmal nur so etwas,»vas einem durch den Kopf geht." Fernande sah sie scharf an nnd erriet plötzlich,»vohcr Nise ihre seltsame Behauptung genominen haben mußte. „Nanet hat Dir das gesagt I ES kann kein andrer sein als Nanet." Nise zwinkerte mit den Augen, es»var wirklich Nanet. Aber sie fürchtete wieder ansgescholten und bestraft zu werden wie damals, wo ihre Mutter sie, Paul Boisgelin und Louise Macelle dabei ertappt hatte, wie sie, aus der CrScherie zurückkommend, die Gartenmauer überkletterten. Sie fuhr fort zu leugnen: „O, mit Nanet komme ich gar nicht zusammen, da Du es mir doch Verbote», hast!" Boll fieberhaflen Verlangens, alles zu erfahren, schlug Fernande einen sanften Ton an. Sie war von so heftiger Erregung ergriffen, daß sie alle Strenge beiseite setzte, denn die Üebertrctung ihres Verbots verlor alle Wichtigkeit im Vergleich zu der kostbaren Neuigkeit, über die sie Gewißheit haben»vollte. „Höre, mein Kind, es ist sehr unschön, lvenn man nicht die Wahrheit sagt. Ich habe Dir neulich das Dessert entzogen, weil Du mir hast einreden wollen. daß Ihr alle drei über die Mauer geklettert seid, um einen Ball z» holen. Wenn Du nur beute die Wahrheit sagst, verspreche ich Dir» Dich nicht zu bestrafen. Also,»var es Nanet?" Nise antwortete als gutes 5kind sogleich: „Ja, Mama, es»var Nanet." „Und er hat Dir gesagt, daß der wirkliche Mann der Josine Herr Lucas sei?" „Ja. Mama." „Und»vas sagt er, warnin glaubt er, daß Herr Lucas ihr»virklicher Mann ist?" Nise geriet in Verlegenheit rrnd senkte»vieder den Kopf. „Nim.»veil... weil... ei-»veiß es eben. Nanet." Trotz ihrer Begierde, alles zn erfahren, begann Fernande sich der Fragen zn schämen, die sie ihrem Kinde stellte. Sie drang nickt»vciter in sie, nnd versuchte den Eindruck der brutalen Neugierde z», verwischen, die sie sich hatte anmerken lassen. „Nanet»veiß gar nichts, er spricht Unsinn, und Du bist dum»», genug, ihn zn»viederholen. Du»virst so gut fem, nie wieder solches alberne Zeug zu singen, wenn Dir an Deinem Dessert ctivas liegt." Sie vollendeten ihr Frühstück schweigend nnnitten der Stille des kalten Wintertagcs draußen, die Mutter erfüllt von dem Gedanken an das Geheimnis, das sie erfahren hatte, das Kind seelenfroh, so leichten Kaufes weggekommen zu sein. Fernande blieb den Tag über in ihrem Zimmer, dachte nach und überlegte. Vorerst fragte sie sich, ob das, was Nauet gesagt hatte, wirklich die Wahrheit sei. Aber wie konnte sie daran zweifeln? Er hatte offenbar manches gesehen und ge- hört, er wußte alles, er liebte seine Schwester zu sehr, um in Bezug aus sie zu lügen: und dann niachten hundert kleine Um- stände die Sache wahrscheinlich, zweifellos. Sodann fragte sie sich, wie sie die Waffe benützen sollte, die der Zufall ihr da in die Hand gespielt hatte. Noch ohne klaren Plan, fühlte sie dennoch, daß sie diese Waffe vergiften, daß sie sie zu einer tödlichen niachcu müsse. Nie hatte sie Lucas mehr gehaßt. Delavean>vnr nur nach Paris gegangen, um zu versuchen, dort ein neues Aulchen aufzuuehnien, denn mit den Werken ging es alle Tage mehr abwärts. Welch ein Triumph. wenn es ihr gelang, den verhaßten Herrn der Cröcherie bei- seite zu schaffen, den Mann, der ihr Wohlleben, die Genüsse ihres Daseins bedrohte! War erst der Feind tot, war auch die Konkurrenz getötet, die Niederlage abgewehrt. Bei einem vor Eifersucht tollen, stets betrunkenen Menschen wie Ragu konnten die Ereignisse einen sehr rasche» Verlauf nehmen. Zweifellos würde es genügen, ihm das Messer aus der Tasche zu locken. Aber das alles waren nur formlose Wünsche; wie sie zur Wirklichkeit machen, wie die Dinge ins Rollen bringen? Das einfachste war offenbar, Nagu die Augen zu öffnen, ihm den Namen zu sagen, den er seit Monaten suchte; die Schwierigkeit war nur, in welcher Weise. oder durch wen sie ihin diese Mitteilung zukommen lassen sollte. Sie entschloß sich endlich zu einem anonymen Brief, sie wollte die Worte aus einer Zeitung herausschneiden, sie auf ein Papier kleben und den Brief dann nächtlichertveile ungesehen in einen Briefkasten werfen. Sie begann auch sogleich mit dem Herausschneiden. Auf einmal erschien ihr das Mittel nicht sicher genug, von schwacher Wirkung, denn ein Brief ist kalt, er könnte leicht unbeachtet bleiben. Wenn Ragu nicht sofort zum Aeußersten aufgestachelt, zum Wahnwitz gespornt wurde, war es anzunehmen, daß er dann noch den Stoß führen würde? Die Wahrheit mußte ihm plötzlich, mit einem Male eingeflößt, mußte ihm mitten ins Gesicht ge- schleudert lverden, und das unter Umständen, die ihn rasend machten. Wen also zu ihm senden, wen zum Angeber, zum Vergffter auscrwählen? Sie konnte keine geeignete Person finden, wohin sie auch blickte. Die Nacht kam. und sie suchte noch immer, fiebensch und mit schmerzendem Kopf, von Un- geduld verzehrt, daß sich ihr kein Mittel bieten wollte, die blutige Tragödie, die ihr vorschwebte, herbeizuführen. Als sie sich zu früher Stunde, gegen zehn Uhr, zu Bette legte, war sie wieder zu einem Entschluß gekonunen. Am nächsten Morgen wollte sie Ragu rufen lassen, unter dem Vorwande, ihn zu fragen, ob er einverstanden sei, wenn seine Frau einige Tage bei ihr verbringe, um Näharbeiten zu machen; und wenn sie dann allein mit ihm war. konnte sie vielleicht Gelegenheit finden, ihm selbst das zu sagen, was er wiffen sollte. Aber auch dieser Weg befriedigte sie nicht ganz, sie fühlte unruhige Zweifel über die möglichen Folgen einer solchen Unterredung unten im Arbeitszimmer ihres abwesenden Mannes. Sie war glücklich über seine Abwesenheit, dank welcher sie allein in dem großen Bette liegen und ihre von dem Fieber der Erregung schmerzenden Glieder frei dehnen konnte. Aufs neue wankend geworden und immer wieder Pläne entwerfend und verwerfend, schlief sie endlich ein und lag bis fünf Uhr morgens, ohne sich rühren, in bleiernem Schlafe. Als die Uhr fünf schlug, erwachte sie plötzlich. Mit offenen Augen daliegend und in die Finsternis des Zimmers blickend, nahm sie ihre Gedanken da wieder auf, wo sie sie unter- brachen hatte, und mit einem Male stand ihr eine kühne und sichere Lösung mit außerordentlicher Klarheit und Zweifel- losigkeit vor der Seele. Sie mußte selbst in die Fabrik hinunter- gehen, unter dem Vorwand, den sie sich schon ausgedacht hatte, und dann im Laufe des Gesprächs das entscheidende Wort fallen lassen. Sie hatte sich erkundigt und wußte, daß Ragu heute Nachtarbeit hatte; wenn sie also um 7 Uhr morgens hinunter ging, so traf sie ihn gerade in den» Augen- blicke, wo die Nachtschicht von der Tagschicht abgelöst wurde. In ihrer fieberischen Erregung dachte sie nicht weiter über die verschiedenen Möglichkeiten dieses Schrittes nach; sie war fest überzeugt, den besten und sichersten Weg gefunden zu haben, und diese Ueberzeuguug gründete sich weniger auf klare Einsicht als aus den Instinkt des verführerischen, mäimer- vernichtenden Weibes, das aus die willfährige Mitwirkung der Menschen und Dinge rechnete, auf günstige Umstände, deren Natur sie nicht hätte angeben können, die aber, wie sie fühlte, sicher eintreten würden. lFortsetzniig folgt.) Gefiihvliche Doppelgiingrv. Die durch Anmut, Wohlgeruch und Farbenreiz verlockende PflanzeiNveU bringt Feinde, die teils durch ihr verführerisches AcnßereS. teils auch durch Nnscheinborkeit oder gar llnstchtbarkeit ans Schritt und Tritt unser Leben bedrohen. Wir wollen uns hier un- scheinbaren Feinden aus dem Pflanzenreiche zuwenden, den giftigen Pilzen. Bekanntlich stellt der Pilz sozusagen die Blüte und Frucht des unsichtbaren Pilzmycels(Pilzinutter) dar und hat ivie die gleichnamigen Erscheinungen der höheren Pflanze», die Aufgabe, Samen zu erzeugen. Wie jenen, hat auch ihnen die Natur die erforderlichen äußere» Eigen- schaften verliehen und sie zum Teil mit Wohlgerüchcn ausgestattet, die ihre Verbreitung sichern. Zu den vielen Tausenden von Pilzen gehören auch die unsichtbaren Spaltpilze, die todbringenden Baklerien, zu ihnen auch die wohlthätigen Arten, ohne die unserin Dasein jeder Reiz, ja die Möglichkeit genommen iväre. Ernähren sich doch viele unsrer schönsten Bäume, die Eichen. Buche», Haseln, eßbaren Kastanien usw. nicht selbständig aus dem Boden, sondern stehe» in ihrem ganzen Wnrzelsystcni mit einem Pilzniycel in innigster Verbindung (Symbiose), das ihm Anuncndienstc leistet und die ganze Ernährung des BanmcS aus dem Boden übernimmt, indem es die Wurzeln lückenlos überzieht, mit deren Rinde organisch verwächst und mit ihrer Spitze iveitcr wächst. Hier interessieren uns vor allem die- jenigen Pilze, die uns zur Nahnmgswahl verlocken. Von guten eßbaren Pilzen kennen wir in Deutschland etwa 40 Arten, die gewiß schon längst in unsrer Küche eingebürgert ivären, wenn nicht gerade die besten unter ihnen Doppelgänger hätten, die die stärksten Gist« in sich aufspeichern und deshalb die nur allzu häufig vor- konuncnden Vergiftungsfällc erkläre» und uusre Vorsicht völlig recht- fertigen. Allgemeine Zeichen zur sofortigen Erkennung der giftigen Arten giebt es nicht. Ein angenehmer Geruch oder das Anlaufen der Schnittfläche giebt u»ö ebenso wenig Bürgschaft ivie das Nagen der Schnecke», daß die Schlvämme gesuiid sind. Hnmboldt empfiehlt, ein Stück des zu prüfenden Pilzes längere Zeit auf der Zunge zu halten, lvobei dann der bald bemerkbare widerliche oder scharfe, rcltigartige Geschmack die giftige Eigenschaft bemerken lasse. Wir halten aber dafür, daß nur genauere Kenntnis der einzelnen Arte» vor verhängnisvollen Mißgriffen schützt. Gehen ivir mm die gefährlichste» Doppelgänger unsrer eßbaren Arten durch, so steht nnziveifclhaft der außerordentlich giftige Knollen- blätterschwamm(.AZaricus phalloickes) obenan. Seine Aehnlichleir mit dem allbeliebten Champignon unsrer Accker, Wiesen und'Wälder ist, besonders in seiner Jugend, so überaus groß, daß, wen» man seiner Sache nicht ganz sicher ist. man lieber den Champignon in geschlossenem Zustande nicht sammeln soll, weil seine Blätter(La- rnella) dann»och hell und denen seines giftigen Doppelgängers um so ähnlicher sind. Im übrigen beachte man, daß der Champignon eine» fleischigeren Hut hat als der letztere, defsc» Hut dünner und schmierig ist. Dieser hat außerdem einen am Grunde knollig ver- dickten zähen und hohlen Stiel und stets ivcißc Lamellen, während die des Champignons anfangs hell rosenrot sind, dann dunkler und schließlich ganz braun werden. Ein wegen seines vorzüglichen, eigentümlich pikanten Ge- schmackS hochgeschätzter Pilz ist ferner der Steinpilz(LoletuZ eäulls), der besonders in Nadelwäldern, auf moosigem Boden, zu finden ist. Sein Doppclgänger ist der Satanspilz (B. sanguineus). Er steht häufig dicht»eben ihm und giebt deshalb sehr leicht zu Verwechselungen Anlaß. Der Steinpilz unterscheidet sich von ihm dadurch, daß seine Röhrenini'mdungcn niemals rot sind und sein weißes Fleisch unverändert bleibt, während das des Satans- pilzes beim Zerschneiden des Hutes sich schnell blau färbt. Bläulich bis schwärzlich läuft beim Zerschneiden übrigens auch das Fleisch des nur im Verhältnis des Hutes zum größeren Stiel von» Stein- pilz unterschiedenen Kapuzinerpilzes(Boletus scaber) an, der an Wert und Schmackhastigkeit jenem nichts nachgicbt. Der gleichfalls sehr ähnliche und giftige Dickfuß(B. pachipus) kennzeichnet sich durch seinen Wanzengenlch. Der rote Hut des schmackhaften, ans Italien Herübergekommenen Kaiserpilzes(Agaricus caesareus) schiinmert dem Suchenden ver- lockend aus den» Grase der Laubivaldungen entgegen. Schon»nter den alten Römern wurde er unter dein Namen Boletus vor andern hochgeschätzt. Kaiser Claudius hatte eine so große Liebhaberei dafür, daß sie ihn» schließlich das Leben kostete, indem seine Frau Agrippina ihn durch ein Gericht seines gefährlichen Doppel- gängers vergiftete. Dieser, der allgemein gefürchtete Fliegenpilz (Agancus muscurius), unterscheidet sich weniger durch die äußere Färbung des Fleisches, das hier tveiß ist, an der Lust aber blau tvird, während das Fleisch des Kaiserpilzcs stets gelb erscheint. Die nordsibirischen Völker wissen aus dein Fliegenpilz ein berauschendes Getränk zu bereiten, das sie gleich dem Opium in einen trnuimeidjen ScTiTnf ucvfcnft, nns dein sie de! foridmierndem überinäsziftcn Ge»i>ü häufig nicht iviedcr erwache». Tee eszdare Reizker �gaiien? 6eliciosus> in seiner schönen orangefarbenen Uniform nitterscheidet sich von seinem gefähr» lichcn Doppelgänger, dem Birkenreizker(A. torminosus) durch die Farbe des beim Zerschneiden hervortretenden Milchsaftes. Während dieser beim eszbare» Reizker rot oder orangegelb erscheint. ist er bei der giftigen Zlrt weifj. Auch kennzeichnet sich der gute Reizker»och dadurch, das; sein Fleisch beim Zerschneiden grünlich an- läuft. Erwähnensivert ist noch die Gift-. Gicht- und Stinkmorchel (kballns impudicus), die sich durch ihre» widerlichen Leichen- qernch von der eßbaren Speisemorchel iAoretrella esculenta) nnter- scheidet. Die anfangs einem Ei nicht unähnliche Giflmorchel entwickelt erst mit der Zeit Stiel und Hut. Ihr zäher Schleim stand vordem als Heiliniltel der Gicht in großem Ansehen. Morcheln miissen überhaupt vor dein Gebraiich gehörig aus- getrocknet oder gekocht werde», da sie in frischem Zustand oft schädlich wirke». Lonicer, der Bcrfasser eines alten Nräuterbuchs, stellte die Morchel als Delikatesse allen Pilzen voran:„Das erst sind die Morcheln, allenthalben bey nns gemein, mit welche» die verlcckerte» Mäuler sonderlichen Lust haben, kochen sie mit Butter mid Würtz, zuvor in ein Wasser gequellt, und brate» sie auch an Spießlin, mit Würtz dereytet. Sie wachsen ans feisten Wiesen, auch vmb die Aecker an den Bechen, ihre wärung ist im Mähen, sie werden die andre Zeit des JahreS nicht besehen. Sie sind rund wie ein Hüllin. grab von Farben und voll Löchlin wie die Jniinenhällßlili." Im ganzen wäre die AnSbreitimg der Pilzkenntnis sehr zu wünsche», da»in» bei uns auS unbegründetem Mißtraue» alljährlich eine» großen Speisevorrat z» Grunde gehen läßt. Auch die an- gcbliche Schlververdaulichleit der Pilze beruht bei den meisten auf Vorurteil>md wird gewöhnlich erst durch falsche Zubereitung, durch Ueberladimg mit Fett und Gewürz hervorgenifen. Allerdings ist auch der Nährivert nicht zu überschätzen Er kommt keineswegs, ivie man häufig annimmt, dem des Fleisches, sondern höchstens dem eines guten Eemüses nahe, da trotz des hohe» SlickstossgehaltcS unr wenig Eilveis in den Pilzen vorhanden, ihre Ansnütznng im Körper auch in, allgemeinen»nr unvollkonnne» ist.— (,ft ö I n i s ch e Z e i t n n g") Kleinvs Fenillckon» � Srlbftverfaßte Grabschriftcn werden in der„Kölnischen Volksztg." mitgeteilt: Die im vorvorigen Jahrhundert verstorbene Wirtin deS Gasthauses„Znr Flasche" im Orte Steinach im Kinzig- lhal(Badeii) besliminte für sich folgende lehrreiche Grabschrist, die jetzt noch an der rechten Außenseite der dortige» Kirche zu lesen ist: Komm. lieber Gast und lese da.— Hier lieg ich tot Rosalia,— Ztachdem ich 44 Jahr— Eine gute Ehe- und Wirtssran war.— Da iin» mein Fleisch in Staub vergeht.— Wie meinst, daß'S um meine Seele steht?— Wo ich kein Heller Zech mehr lös.— Als nur für das, was gut und bös.— Ja. was ich auch nicht selbst gethan, — Rechnet man mir aufs genaueste an.— Und muß bezahlen fremde Schuld,— Wenn ich was Böses Hab gednldt.— Laßt dieses Euch zur Warmmg sein— Ihr Wirt und alle ins- gemein.— Sprecht bei meinem Wirtshaus zu,— Sprecht: Gott gel) ihr die ewig Ruh.— Anno 1780, 10. Angnsti. In Seckirchen bei Salzburg fand sich die jetzt beseitigte Grab- schrist des als Sonderling bekannten Portraitnialers Schauer, die er selbst gemacht hatte: Hier an dieser Freithosmancr Liegt der alte Maler Schauer; Bet' ihm einen Rosenkranz. Dem verdammten Katzenschwauz. Grabschrift des Dichters F. Sanier auf dem Friedhofe zu Hcrnals bei Wien: Viel genossen, viel gelitten, Und das Glück lag in der Mitten; Viel empfunden, nichts erworben, Froh gelebt und leicht gestorben. Fragt nicht nach der Zahl der Jahre. Kein Kalender ist die Bahre. Und der Mensch im Leichentuch Ist ein zugeklapptes Buch. Darum. Wanderer, zieh dich iveiter, Dem, Verwesung stimmt nicht heiter. Der Schuster und Bauerndichter Umiger in Kematen sTirol) ordnete für sich folgende Inschrift an: Da liegst du. Schusterle, da kannst du ruhig schlafen, Ein schön's Quartier, ja wohl, hat dir die Welt geschaffen, Ei» Hau§, Ivo ist kein Fenster drin, sechs Bretter dein Gemach, Darneben deine Totenbein, die Erde ist dein Dach. Vor einigen Jahren starb in einem Dorfe des Unterelsaff der hochbetagte Lehrer Joseph Beck; cr wünschte, daß, falls ihm eine Grabschrift geividmet werde, sie folgenden Wortlaut habe: Hier in dieser Eck Liegt Joseph Beck; Er lehrte die Kinder das ABC, Jetzt requiescat in pace I— — Bon der Parsumbörsc. Nach einer Studie über den gegen- wärtigen Stand der Industrie des künstlichen Parfüms, welche Engsne Charabot in der„IlovuL generale des Sciences" veröffentlicht. bringt„Das Wisse» für Alle" folgende Angabe»: Die genannte Industrie, welche namentlich in Dentsdiland sich hoch entivickelt hat, die aber auch in Frankreich eine» bedeutenden Rang einnimmt, ist ans einer Entdeckung hervorgegangen, iveld)e im Jahre 1374 von den deutschen Chemikern Tie», an» und Harinaiin gemacht ivnrdc, die durch Oxydation des Coniferins das Vanillin, den in der Vanille enthaltenen charakteristische» Riechstoff darstellten. Dieser künstlichen Herstellung des Vanillins folgte die Fabrikation andrer, in der Parsmnerie verwendbaren Riechstoffe, so des Terpineols, im Handel unter dem Namen„Waldmeister- Essenz" bekannt, und des künstlichen wioschus. Die genannte Industrie ver- ivendet jedoch nicht blas künstlich erzeugte Substanzen, sondern auch in bedeutendem Maße Stoffe, ivelcbe die Natur liefert. Hierhergehört das Menthol, ivelcheS in alle» Pfesferminzarte» vorkommt, aber hanpt- sächlich aus der japanesische» Pfefferminze ßsentlra arvensis varietas piperascens) gezogen wird, iveil eS in dieser Gattung am reichlichsten enthalten ist. Dieses japanesische Menthol hat eine Glanzepoche ge- habt. Man wird sich noch a» die„Migräncstifte" erinnern, welche vor mehreren Jahren ganz allgemein im Gebrauche tvaren, um den als Migräne bekannten quälenden Kopfschmerz zu heilen, oder ivenigstens zu lindern. Heutzutage sieht inan diese Migränstiste nur niehr hier und da. sie sind einfach aus der Mode gelomuien, was aber nicht ansschließt, daß das Menthol ein i» mancher Beziehung vortreffliches Mittel ist, ivelches nainentlich bei den Entzündungen der Schleim- häute, beim Schnupfen sc., sehr gute Dienste leistet. Wie groß die Wirtnnge» der Mode oft sind, dafür liefert das Menthol ein hervorragendes Beispiel. DasKilograinm dicserSubstanz kostete imJahre 1883 im Großhandel,»ach östreichischer Währung berechnet, X 163, worauf eine derartige Enttverlnng eintrat, daß im Jahre 1887 das Kilogramm bloß X 2 kostete. Im Jahre 18g!) erholte sich der Preis ans X 24. da es mittlerweile ivieder, iveim mich z» andern Zwecken, als zur Belänipfmig der Migräne, stärker gesucht tvird. Ein andres Beispiel von außerordentlichen Preisschwankungen ans diesem Gebiet liefert das Heliotropin, ivelches in der Parfnmcrie meistens in einer Mischung mit Vanillin häufig verivcndet wird. Das Heliotropin ist nicht wie das Menthol ei» direktes Naturprodukt, sondern wird fabriksmäßig ans dem Saphrol hergestellt. Im Fahre 187g kostete das Kilogramm Helio- tropin X 3790, 1883 fiel der Preis auf X 1250 und kostet das Kilo« gram», gegenwärtig, 190), nur mehr X 36, so daß bei dieser Fabrikation lein Gewinn mehr erzielt tvird. Aehnlich ging es den, Vanillin, von welchem das Kilogramm im Jahre 1876 X 8800, im Jahre 188ö X 1890 Ivert war und das Nimmchr im Preise zwischen X 75 und X HO das Kilogranuu schwankt. Man sollte min meinen, daß bei derartigen geivaltigen Preisstürzen verschiedene Parfuinrrien beträchtlich billiger hätten werden müssen. Im Großhandel ist das aller- dings der Fall, in den„wohlriechenden" Läden aber merkt man nicht viel davon. An Feinheit und Reinheit des Geruchs stehen noch immer die natürlichen Parsnms voran und werden den künstlichen zugesetzt, wenn es sich darum handelt, ein ex- quisiteres Produkt ans den Markt zu bringen. Einen hohen Preis hat gegemvärtig das Joiio», welcher Stoff den Wohl- gernch des Veilchens besitzt. Das Jonon findet sich in der Natur in den Wurzel» der bekannten Schivertlilie, wird aber gegenwärtig auch künstlich hergestellt und kostet das Kilogramm einer lOprozentigen alkoholischen Lösung dieser Substanz X 1000. Als das Jonno in den Bereich der künstlich hergestellten Riechstoffe eintrat, bemächtigte sich ein panischer Schrecken der blmnenzüchteiiden Bevölkerung des. Veilchen- landes", wie das Arrondisseinent G raffe in Südfrankreich genannt werden kann, wo die wohlriechendsten Veilchen in Massen gezogen und an die Parfnmericn zu guten Preisen abgesetzt werden. Man er- iimerte sich nämlich an das Schicksal jener Landwirte, welche durch den Anbau von Krapp zum großem Wohlstand gelangt waren und durch die Erfindung des AlizarinS verarmten. Die Gärtner von Grosse fürchteten, daß es ihnen ebenso gehen iverde wie den Krapp- baner». Bisher sind diese Befürchtungen nicht bloß grundlos ge- blieben. eS hat sich vielmehr seit der Eutdecknng deS JononS der Ab- satz der Veilchen von Grasse beinahe verdreifacht. Die Parfüm- fabrikanteil setzen nämlich ihrer künstlichen Veilchenessenz die natür- liche Hinz» und da das Veilchenparfum sehr beliebt und dessen Absatz ein sehr bedeutender ist, so werden gegenwärtig mehr natürliche Veilchen als je gebraucht.— Musik. Nun ist der steinerne Gast in Mozarts niemals ans- gesungenem und ausgepriesenem„Don Juan" auch über die Bühne der M o r iv i tz- O p e r geschritten, mit manchen richtigen Töne» aus seiner 5lehle und aus den Kehlen der übrigen Mit- wirkende». Die Anssühriuig, die wir vorgestern hörten, war im ganzen recht gut, in vielem Einzelnen ebenfalls recht gut. Wieder konnten ivir nns im allgemeinen über die eingehend sorgfällige Regie Herrn A. Carlhof's freuen, die nur eben in Affektstellen Mangel an Temperament und überzeugender Schlagkraft leidet— so z. B. im zweiten Akt bei der Erkennung des verkleideten Leporello. Hoffentlich kommt man nächstens auch über einige seenische Vorbereitungen glatter hinweg. Dringend iirtire dem Orchester eine größere Zurückhaltung zu gönnen, zumal eS nicht gerade Besonderes leistet. — 504- An den manchen richtigen Tönen waren zunächst die drei Francngcstalten beteiligt: die„ljachdramatische" Donna Anna, die „lyrische" Donna Elvira und die„Opernsoubrettc" Zerline. Die Darstellerin der letzteren, Margarete Koch, sang Ivohl am reinsten und am deutlichsten. Als Donna Anna war H a n n y Borchers in ihrem Element; nur bei einigen schärfer accentnierten Tönen zeigte sich ihr„Scheppern". Margarete E ese kann ob mancher Defekte ihrer Donna Elvira vielleicht mit Int. Position ent- schuldigt werden. Durchaus nicht kann Gleiches von den, den Don Ottavio markierende» Tenoristen OttoEngel gelten. Die Tenornot mutz wirklich schon über alle Matzen arg sein, iven» man sich mit dieser Kraft behelfen mutz, die zwar nicht gut sang, aber um so schlechter spielte. Herr Engel möge doch einmal eine Drahtpuppe in Aktion anschauen, um die Elemente körperlicher Bewegungen kennen zu lernen; vielleicht bringt er es dann so iveit, um wenigstens unter den„Fcldtclegraphen"(der ehemalige» Heltentcnor-Klasses zu rangieren. Auch die Bässenot scheint nicht gering zu sein. Heinrich H o.b b i n g, an sich nicht übel, reicbt doch zu der überirdischen Macht des Gouverneurs nicht ans. Besser sang Georg Thölke als Leporello; doch der pointenreiche Humor, den er neulich im „Hans Heising' entwickelt hatte, war bei ihm diesmal kaum wieder- .zufinden. Schlechtiveg vortrefflich ivar Theo Raven als der»»- glückselige Masetto. Die Titelrolle ivar bei Otto Göritz durch seineu weichen Gesang und sein routiniertes Spiel in guten Händen; die ganze Größe freilich, Ivelche sich in der Entwickliing der alten Don Junn-Sage für diese Figur herausgebildet hat, kam nicht eben über- zeugend zur Geltung. Schließlich vergesse man nicht, daß es sich in den! ganzen Stück um eins der schwierigsten Gesangs knnstwerke handelt, dafür und in Anbetracht der Abwechsliingshetze einer Sonrmcropcr wurde alles in allem, zumal in den so dramatisch hoch gesteigerten Ensenlblc-Sätzen, genug geleistet, dag sich ein regerer Besuch lohnen würde. Am selben Sonntag traten im C e» t r a l- T h e a t e r bei der so und so viel hundertsten Aufführung der unechten„Geisha" die in Berlin nicht mehr unbekannten acht echte» Geishas mit einer Einlage auf. Mein Ersatzmann berichtet mir, daß die Be- deutnng dieser Produktion nur in den eigenartigen, zierlichen, gleichsam jede Körperfaser zerteilenden Tanzbew-gungen liegt. Ton- künstlerisch kämen die einförmige Musik und der zirpende Gesang so gut lvie gar nicht in Betracht.— In der„Geisha" selbst soll Margarete Castclly alsO Mimvsa San recht hübsch gesungen und gesprochen und Helene Renöe als Molly Scamore sehr gut gespielt haben. sz. Bolkskmtde. — Vogelabc r glaube aus Schonen(Schlveden) Schreit die Elster an der Küchenthüre, kann man Gäsie erwarten.— Klopft der Sperling an die Fensterscheibe, verkündet er einen Todes- fall.— Zu Blaknlla werden die Hexen z» Ostern mit gebratenen Elstern, Schlangen, Fröschen und dergleichen bewirtet.— Legt man Hühnereier ins Wasser, stellen sich diejenigen, ans ivelche» sich Hähne eulwickel» iverden, auf die Spitze, die>v ei blichen Eier dagegen auf die Seit«.— Aus Hahneiern iverden Basilisken.— Fällt ein solches Ei in den Vrimnen, so verivandelt es sich in einen Basilisken und quält die Halisgenosse» durch stetes Anglotzen.— Hübtierfedern darf man nicht verbrennen, geschieht es, so erkrankt das Huhn. Ain Neujahrs- morgen müssen die Hühner bei den Pferden gefüttert iverden, dann hält der Habicht sie für solche.— Legt man eine» Schleisslei» ins Ofenloch und läßt ihn dort stets liege». so raubt der Habicht kein« Küchel.— Fliegt ei» Huhn i» de» Wage», ivcnn nia» eben si» Begriff fortzufahren, so bedeutet das Unglück iliiter- lvegs.— Verbrennt man die Eierschalen. so erkrankt daS Huhn.— Die Bruthenne» müssen au» Dienstag und auf 13 Eier gesetzt iverden.— Ei» Ei, welches zur Brut beslimiirt ist, darf nicht angehaucht»verde».— Sieht nia» eineu Kuckuck im Baum sitze»! uud hört ihn rufen, muß inan den Bannijlannn unifasjen und ein Vater- unser beten. Hat man zu Ende gebetet, ehe der Kuckuck verstiniunt, kann man einer Fran die schwere Geburt erleichtern, indem ma>> sie umarmt.— Wenn der Kuckuck. aus einem»nbelaiibleii Asie sitzt und rnst. giebt's reiche Ernte.— Sieht der Kuckuck die Leute mit wollne» Handschnhen, zieht er iveg. Er wird von einem kleinen Vogel euiiihrt, welcher ihm immer folgt. Hat der Kuckuck jedoch den ersle» Heuschober erblickt, verwandelt er sich in einen Habicht und verschlingt den kleineit Vogel.— Die Schwalbe bringt dem Hanse Glück, Ivo sie sich anbaut.— Die Schwalbe n»d die Katze sind Erzfeinde, die Katze hat einmal junge Schwälbchc» gefressen, dafür hackte die Schiualbe der Katze die Augen aus.— Will mau die Zugvögel zählen, so mutz ma» erst vorivärts. vou eins cingefauge», und daun wieder die Ziffern vom Ende zrirückzählen, unterläßt man dieses, so finden die Vögel im Herbst nicht dein Hciimvcg.— f. G l o b u s.") Ans dem Gebiete der Chemie. — u. E» r o p i i» m e i II II e Ii e s Element. Im Jahre 1885 war William Crooles, der englische Physiker, bei seinen Unter- suchttilgen über die elekirischen FluorcScenzen im luftleeren Raum auf einen Stressen im Spellrum nufmerisam geworden, den er wegen eines absonderlichen Verhallens— er verschwand nämlich in Gegenwart von Kalk— den anormaleu Strahl naimte imo dem Element Samarinin zuschrieb. Später aber gelangte er zu der An- ficht, daß dieser Streifen und noch eine ganze Anzahl ähn« sicher auf ein oder mehrere unbekaniite Elemente zurückzuführen wären. 1892 beschrieb dann der französische Chemiker Boisbaudran das Erscheinen von drei glänzenden blauen Linien, die er im Funkenspektriiin des Elements Samarium entdeckt hatte, die durch emc besondre Behandlung des Stoffs verstärkt werden konnten und die er daher ebenfalls auf die Gegenwnrt eines besonderen Elements deutete. Jetzt hat»inn der Chemiker Demarcay der Pariser Akademie der Wissenschaften eine Zusamiiienstellimg seiner seit 1896 über diese Frage angestellten Forschungen vorgelegt, die einen ziemlich sicheren Nachweis des neuen Elements ge- bracht haben. Es ist ausgezeichnet durch verschiedene starke violette und ultraviolette Strahlen und steht zwischen dem Element Samarium und Gadoliiiiiim. Demarcay hat ihm den Namen Europium gegeben. Sein Atomgewicht ivird zu 151 an- genoinnren. Wahrscheinlich gehört eine große Zahl schwächerer Linien des untersuchten Spektrunis dein»äinlichen Elcinente an, jedoch ist bei der mißerordentlichen Kostbarkeit des Samariums eine genaue Untersiichnng äußerst schivierig. Das Elemeiit Europim» ist natürlich noch seltener, und ob etwa noch ein Iveiteres Element in noch ge- riugeren Mengen in dem Stoff verborgen ist, läßt sich schon gar nicht mit Sicherheit ermitteln. Ein Eleiiient, das mir in so winzigen Mengen inid nur durch sein Spektrum nachweisbar ist. hat ja auch für die theoretische Chemie nnr noch einen bedingte» Wert, da seine Eigenschasten kaum mehr nntersncht werden können.— Humoristisches. — Zweierlei Meinung. Ja meine Gnädige, das ist daS ewige Mitzvcrstäiidnis: der Mann sagt, ich liebe Dich,' und das Weib antivortet, ja. Du darfst mich heiraten."— — Wertschätzung. Köchin:„Dös möcht a Doktor der Medizin sei' I— Wenn ma rahm inS Schuitz'l a Boa»»eisteckt, frißt er» für a Kotlett'!"—(„Simpl.") — Pünktlich. Buchhalter iziim ConiiniS, der die Feder weglegt):„Aber, Herr Meier, es ist doch noch nicht ganz zwölf 1" C o m m i S:„Sie sitzen auch näher an derThür'I— Notizen. — Der lustige A l in a n a Ä der ,L n st i g e» B l ä t t e r" für 1992 ist soeben erschiciicii. Preis IM.— — T e st a m e» t k ü» st l e r. Auf die erste Klingersche AnS- lassung erklärt E. M. G e y g c r im„B. T.":„... Das Geld der betreffenden Dame, deren Bekanntschaft ich nnr Max Klinger vcr- danke, ist i»i Betrage von 135 Mille Mark als Hamburger Hypothek »otarisch an mich im Frühjahr 1896 als Vs Anzahlung eines Auf« tmgs von 459 Mille Marl überschrieben worden. Trotzdem sie mir notorisch gehörte, so ließ ich diese Hypothek im November 1897 im Ralhanse zu Deiitsch-Witmersdorf niiaiigetastet oder belastet an be- treffende Dame zurückschreiben, ivohi» auch die Zinse» seit dieser Zeit gehe». Selvjt darauf lag keine Verpflichtung von Akademie» griindung. Ich habe absolut keinen Grund, Erklärnngen abziigeben über mein Besitztm» Marignolle, da alle andren Gelder nicht de» ge- piligsten Znsmnmenhmig mit Klingerscher Empfehlung haben. Sollte jedoch Max Klinger irgend ivelche mich belastende Dinge vcröffeut- lichcn, so ivird ihn ei» von mir z»»lachender Prozeß wegen Ver- lcmndung eines Besseren belehren... — Die Ausstellung dekorativer Kunstblätter, die zu Ehren des iiiterualioiialeii Berkegerkongresses im Lichthof des Kunstgewerbe- M u s e u»» s veranstaltet ivorden ist, wird bis Mitte Juli geöffnet bleiben an de» Sonntage» von 12—6 llbr und an den Wochentagen mit Ansnahme des Montags von 19—4 Uhr.— — Bronzegcfäße uud Geräte airs Boscorealc bei Pompeji sind jetzt zusainuie» mit den Funden ans den Ans- grabungcn der königlicheil Mlisec» in Prienc im gücchischc» Kabinett der Saininlniig antiker Slnlpiureu aufgestellt uud der Besichtigiing .zugänglich gemacht.— c. Für ein Porträt der Lonisa Ladh Manners, der späteren Herzogin bo» Dyjart, vou H v p p n e r iviirden kürzlich in London 392675 M a r k gezahlt. Da das Bild 4 Fuß 3 Zoll zu 3 Fuß 5 Zoll mitzt, kostet jeder Quadrntzoll fast 159 Mark.— — Der 14. Internationale Medizinische Kongreß ivird vom 23. bis 39. April 1993 iir Madrid tagen.— — Zwölf Hockergräber wurden bei Tiefgrabnngcn in B a ii>» g arte» bei Prag freigelegt. Es befinden sich in diesen Gräbern wohlerhaUenc Slelette von Hockern, die ein Alter von nahezu 6999 Jabreu habe»»i»!> der Steinzeit angehören solle». Die Gräber dürften lellische» Ursprung» sein.— — Bo» einem Reporter»m Daten aus seinem Lebe» ge» beten, aiitivortete der französiickie Schriftsteller Emile A u g i e r in reizender Kürze:„Jcy bi» 1620 rp boren: iei ivarde getauft, geimpft »iid ineine Nase wuchs znieheuds. Nachher habe ich nichts Besonderes mehr erlebt."— Veraiitivortlichcr Nedacteur: Carl Leid in Berlin. Druck und Verlag von Max B-ding in Berlin.