Interhaltungsblatt des Horwüris 128. Doimerstflg. den 4. Juli 1S01 (Nachdruck verboten.! e5i u bu i fc Nloinan in drei Viichcr» no» Emile Zola. A«Z dem Französischen nbcrsctzt von Leopold N o s e n z>v c i g. Soenrcttc war qcradc nicht in der Nähe, sie be- fand sich in der Milchwirtschaft auf der andern Seite des Parks. Die Kinder stoben entsetzt nach allen Seiten anseinandcr und schrieen, Ragu habe Herrn Lucas ermordet. ES vergingen einige Minuten, che die Arbeiter herbeikamen und den Verivundeten aufhoben, der beivngtlos geivorden war. Rings um ihn hatte sich eine groste Blittlache gebildet, die Stufen des rechte» Flügels des GemcinhauseS, Ivo sich die Schulen b?' f'/'• o•••-■», VVIV. UlktilM dachte an die Verfolgung des sliehenden Rag». Die Ar- tbeiter waren eben im Begriffe, Lucas in einem benachbarten Räume auf ein eilig bereitetes Lager zu betten, als der Verwundete aus seiner Ohnmacht erwachte und mit schwacher Stimme bat: „Nein, liebe Freunde, zu mir nach Hanse." Man gehorchte ihn: und brachte ihn auf einer Tragbahre nach dein Häuschen, das er bewohnte. Unter Anwendung großer Mühe und Sorgfalt legte man ihn hier aufs Bett, Ivo er vor Schmerz und Blutverlust wieder in Bewußtlosigkeit verfiel. In diesen: Augenblick eilte Socnrette herbei. EineS der ?Nndchen hatte daran gedacht, sie zu benachrichtigen, während ein Arbeiter nach Bcauclair lief, um den Doktor Novarrc zu holen. Als sie LncaS regungslos, bleich und blutig auf dem Bette liegen sah, hielt sie ihn für tot. Sie fiel vor dein Bette in die Knie, und in der Verzweiflung ihres Schmerzes verriet sie das Geheimnis ihrer Liebe. Sie nahm seine regungslose Hand, bedeckte sie mit Küssen und ergoß in stammelnden Worten alle ihre bezwungene, in die Tiefe ihres Herzens zurückgedrängte Leidenschaft. Sie nannte ihn ihr einziges Kleinod, das Teuerste ihrer Seele; da er dahin war, koiintc sie nicht mehr lieben, konnte sie nicht nichr leben. Und im Uebermaß ihrer Verzweiflung bemerkte sie nicht, daß LncaS, von ihren Thräncn benetzt, zu sich gekommen war»nd ihre Worte mit unendlicher Zärtlichkeit, mit unendlicher Traurigkeit vernahm. Dann hauchte er mit schwacher Stimme: „Sie lieben mich! O, meine arme, arme Soeurette!" Ucberglücklich, ihn noch lebend zusehen, sprang Soeurette auf. Es war ihr nicht im geringsten peinlich, daß sie ihr Geheimnis verraten hatte, ja sie empfand sogar ein Gefühl freudiger Erleichterung bei dem Gedanken, daß sie nun nicht mehr werde lügen müssen. Und sie wußte, daß sie ihn stark genug liebe, daß er niemals würde unter ihrer Liebe zu leiden haben. „Ja, ich liebe Sie. Lucas, aber was liegt an mir? Sie leben, das ist genug, ich bin nicht eifersüchtig auf Ihr Glück. O Lucas, leben Sie, leben Sie, und ich werde Ihre Dienerin sein I" In diesem schicksalsschweren Augenblicke, wo er dem Tode nahe zu sein glaubte, erfüllte ihn die Entdeckung dieser stummen, sclbstverleugnenden Liebe, die ihn wie ein guter Schntzgeist begleitet und bewacht hatte, mit süßer und schmerz licher Bewegung. „Ariiie, arme Soeurette! Engelhafte, duldende Freundin!" flüsterte er leise. Wieder ging die Thür auf, und der Doktor Novarre trat tiefbewegt ein. Er machte sich sogleich daran, die Wunde zu untersuchen, unter der Beihilfe Socurettens, die er als ausgezeichnete Krankenpflegerin kannte. Ein tiefes Schweigen herrschte, mit unaussprechlicher, angstvoller Beklemmung erwartete Soeurette den Ausspruch des Arztes. Und wie sprang ihr Herz in froher Erleichterung, in seliger Hoffnung. auf, als der Doktor endlich sagte, daß das Messer auf das Schulterblatt getroffen habe, von diesem abgelenkt worden war und keinen edeln Teil verletzt hatte! Aber die Wunde war eine schreckliche, der Knochen war. gebrochen, und Komptikationen konnten sich ergeben. Es war augenblicklich keine cr'nste Gefahr vorhanden, aber die Genesung würde sicherlich eine sehr langwierige sein. Aber doch, welche Freude. daß das Schliunnstc abgewendet war! Lucas hielt die Hand Soenrcttens mit einem schwachen, freudigen Lächeln in der seinigen. Dann sagte er: „Weiß es mein guter Jordan schon?" „Nein, er weiß noch nichts, er ist seit drei Tagen in seinem Laboratorium verbarrikadiert; aber ich will ihn herführen. O, lieber Freunds wie glücklich bin ich, daß Sie wieder genesen werden!" So saß sie noch beseligt, seine Hand in der ihrigen haltend, als die Thür wieder aufgestoßen wurde und Josine hereinstürzte. Sie war ans die Nachricht von dem Morde herbeigerannt, verzweifelt, sinnlos vor Schmerz. Es war also eingetroffen, was sie so sehr gefürchtet hatte! Irgend ein Elender hatte ihr kostbares Geheimnis verraten, und Naau /N�ilCUV 14LU.HV.4# UJIEU vyiiuva, UUll JOUltl IQltl) MlliUctt« Nun hatte sie nichts mehr zu verbergen, ihr Leben war ihr wertlos geworden, sie wollte sterben, bei ihm, wo sie hin- gehörte. Als er sie sah, stieß Lucas einen leisen Schrei ans, und die Hand Soeurcttes fahren lassend, streckte er ihr beide Arme entgegen. ,.O Josine, Du bist es. Du kehrst mir wieder!" Wankend vor Schnicrz und Angst und in der Schwere ihrer schon weit vorgcschnttcnen Mutterschaft sank sie an seinem Bette hin. Er beeilte sich, sie zu beruhigen. „Verzweifle nicht, meine Josine, der Doktor giebt mir Hoffnung, ich werde leben für Dich und für unser Kind." In cineni tiefen, schweren Seufzer löste sich der furcht- bare Druck von ihrer Seele. Gütiger Gott, war also die Er- füllnng ihre? nnbesicglichen Hoffnung schon da. sollte sich das verwirklichen, was sie gläubig vom Leben erwartet hatte, das so gransam scheint und doch in seiner Weise sein Werk thnt? Er sollte leben bleiben uud nun hat diese abscheuliche Blntthat sie für immer vereinigt, sie, die einander bereits für immer gehörten! „Ja. ja, ich kehre Dir wieder, Lucas,»vir kehren. Dir wieder, und»vir werden uns nie mehr, nie mehr trennen, da wir nun nichts mehr zu verbergen haben. Erinnerst Du Dich, daß ich Dir versprochen habe, daß ich zu Dir kommen werde an dem Tage, wo Du meiner bedürfen wirst, wo ich Dir nicht mehr ein Hindernis, sondern eine Gehilfin sein kann, und daß ich Dir daS geliebte Kind mitbringen werde, das dann für uns beide eine neue Quelle der Kraft sein wird. Alle andern Bände sind"gelöst, ich bjn Dein Weib vor aller Welt, und mein Platz ist hier äii Deinem Bette!" Er war so tief bewegt und selig, daß Thränen seine Augen füllten. „O, nieine teure, einzige Josine, Du bringst die Liebe und daS Glück hier herein!" Plötzlich erinnerte er sich Soeurettens. Er erhob die Augen und sah sie aufrecht an der andern Seite des Bettes stehen, ein wenig blaß, aber lächelnd. Liebevoll erfaßte er ihre Hand. „Meine liebe Soeurette, das war ein Geheimnis, das ich Ihnen verbergen mußte." Ein leichter Schauer durchlief sie; dann sagte sie sanft: „Ich habe alles gewußt; ich sah Josine eines Morgens aus Ihren: Hause kommen." „Wie, Sie haben es gewußt?" Er erriet mit einem Male alles, was in ihr vorgegangen sein mußte, und unendliches Mitleid, unendliche Bewunderung und Zärtlichkeit erfüllten ihn. Ihr klagloser Verzicht, die selbstlose Liebe, die sie ihm widmete, mit dem vollen Reich- tum ihres Herzens, mit Hingabe ihres ganzen Lebens, er- hoben sie in seinen Augen zur Höhe reinsten Heldentums. Ganz leise, säst in. sein Ohr, sagte sie noch: „Seien Sie ohne Sorge, Lucas. Ich habe alles gewußt, und ich werde nie etwas andres sein, als Ihre treueste Freundin und Schwester!" „O Soeurette!" hauchte er wieder, kaum hörbar.„Engelhafte, duldende Freundin!"' Nun trat aber der Doktor Novarre dazwischen und verbot ihm alles weitere Sprechen. Er lächelte leise, der gute Doktor, über alles, was er da erfuhr. Es war ja ganz-gut, dcch sein Patient eine Frau und eine Schlvcster hatte, die ihn pflegen wallten; aller er innhtc nun vernünftig sein und sich nicht aufregen, damit kein Fieber eintrete. Und Lucas ver- sprach zn gehorchen, verhielt sich ganz ruhig, und lvarf nur liebevolle Blicke auf Josine und Soenrette. seine beiden guten Engel, zur rechten und linken Seite seines Betts. Es folgte ein langes Schweigen. Das Blut des Slpostcls War geflossen, er hatte sein Martyrium erlitten, ans Ivelchem der Triumph hervorgehen sollte. Während die beiden Frauen um ihn bemüht waren, öffnete der Verwundete die Slnge» und lächelte ihnen zn. Dann flüsterte er noch, ehe er ein- schlief: „Endlich ist die Liebe gekouniren. und nun ist der Sieg unser." V. Es traten Komplikationen ein und fast wäre Lucas hin- tveggerafst worden. Zlvei Tage lang gab man ihn verloren. Josine und Soenrette verließen sein Bett nicht; Jordan hatte sich an das Schmerzenslager des Freundes gesetzt und sein Laboratorium verlassen, was er seit der Krankheit seiner 0°'*".'-e- itj»s fij-K'tmo all dlese bebenden Herzen, wie fte von Stunde zu Stunde glaubten, das teure Leben erlöschen sehen zu müssen 1 Der Messerstoß, den Ragu gegen Lucas geführt, hatte die ganze Crecherie in Aufruhr versetzt. In den Werkstätten ging die Arbeit rastlos weiter, aber die Arbeiter waren traurig und niedergeschlagen; alle vereinigten sich in dcniselben Gefühl schnierzlichen Mitleids für das Opfer, alle fragten nnt demselben ängstlichen Interesse nach Neuigkeiten aus dein Krankenzimmer. Die brutale, unsinnige Mcuchelthat, das vergossene Blut hatte die brüderlichen Bande fester gezogen, viel niehr als es Jahre philanthropischer Wirksamkeit hätten thuir können. Und bis nach Beanclair pflanzte sich die Welle der Sympathie fort. viele Herze»» weildeten sich wieder diesem noch so jungen, so schönen und thatkräftigen Mann zu, dessen einziges Verbrechen, außer seinem Reformwerke, darin bestand, eine holde junge Frau geliebt zu haben, deren Mann sie beschimpft und mißhaiidelt hatte. Niemand hielt sich auch darüber ans, daß Josine. deren Schlvangcrschaft schon sehr vorgeschritten war, sich niit Lucas vereinigt hatte. Man fand das ganz natürlich. War er nicht der Vater ihres Kindes? Hatten sie nicht mit bitteren Thränen das Recht, beisammen zu bleiben, erkauft? lFortsetznng folgt.» Treberkvocknnttq«nd drstillntwtt. Außer der zlislunincngebrochcncii Leipziger Bank ist Ivohl in de» letzte» Tage» kein Nnine häufiger geuänut ivorden, als der der Altieiigescilschaft für Trebertrocknupg in Kassel, lieber die technischen Grirndlage» dieses vor dem Rnin stehenden Nnternehmens schreibt W. B e r d r o w in der Wiener»Neuen Freien Presse": Trebertrocknuug, Kadaver- Verivertuug, trockne Destillation dcS Holzes— drei anscheinend heterogene Dinge, denen jedoch nicht nur «in äußerer Znsaimnenhang— durch die ihre techiusche und wirtschaftliche Forderung vertretende Gesellschaft— sondern auch«in innerer eigen ist. Alles Leben, Ivo iunncr sich eines regt. schafft Uebcrbleibscl, Abfälle, Ansgestoßencs, und mit dein Anf- schivnug des wirtschaftiicheii und industriellen LcbenS sind die Massen dieser Ueberbleibsel so ungeheuer groß gcivorden. daß eine ganze Reihe neuer Industrien zu ihrer Beseitigung beziehungsweise' Ans- arbeitnng eiitstanden sind. Es sind Geiverbe— größtenteils chemischer Natur—, die unter die nützlichsten des modernen Lebens zählen, denn sie schaffen neue Werte, Ivo nur Beifall, nur lästiger oder gar schadenbringender Abhub war. Die Berarbeitung der Lumpen. deS Kehrichts, der Ofen- schlacken, der Abgase, hunderterlei Dinge, die der Laie kaum dein Namen oder Anssehcn nach kennt, gehören'hierher, Die Trebertrocknuug bezweckt," die Abfälle der Brnnereien und Brennereien, die täglich zu ungeheuren Mengen entstehenden Naß- treber und Schlempen der raschen Zersetzung zu entziehen und nützlich zu machen. Es ivohnt diesen Stoffe» ein hoher Nährwert inne, denn die Gärung entzieht der Dickmaische, ans der sie entstehen. nur eineii Teil ihrer Extraktivstoffe und ihres Nährgehaltes. Aber die rasche Zersetzung der für die sofortige Verweiidniig in allzu großen Mengen sich anhäufenden Treber bewirkte bis ans Ende der achtziger Jahre, daß dieselben nieist nur zu Düngezivccken und höchstens in der nächsten tlingebnng ihrer Entstehung als Futter« mittel verivendet werden konnten. Durch die technische Ausbildung und energische Verbreitung des Ottoschen Trockcnapparates Hai die A.-G.f. Tr. ungeheure Massen dieser Naßtrebcr aus den, Brauerei-, Brennerei- und Keltereibetrieb für eine nutzbringende Benvertnng gerettet. Der Apparat entzieht den Treben: ihren sehr großen Wassergehalt, ohne durch Pressen oder andre mechanische Eingriffe ihren Bestand an Extraktivstoffe» zn gefährden. Die Wirkung der Trockenmaschkne, die z» vielen Tausenden Verbreitung gefunden hat, imd auch in Oestreich sehr stark eingeführt ivorden ist, beruht auf der energischen Waffcrverdampfmig der Naßtrebcr, die in rohem Zustande ununter- broche» in eine dampsgchcizte eiserne Mulde geschaufelt werden, Ivo ein mechanisches Rührwerk sie tüchtig durcheinander wirst und immer neue Obcrflächenteile mit dem heißen, die Trockciimnlde durch- ziehenden Liiflstroui in Berührung bringt. Solcher Art stark vor- getrocknet, gelangt das Trockengut durch die Thätigkeit der Rühr- schuecke von selbst in einen tiefer gelegenen, ziveiten Trockencylinder, dessen Hohlwaiidmigcn ebenfalls, und zwar stärker erhitzt werde». Außerdem wird dieser Eylinder durch ein stark erhitzte? System bon Dampfröhren ausgefüllt und ei» Schanfclwerk streut die fast trockenen Treber über diesen heißen Rost aus, den sie in vollständig gedörrtem Znstande verlassen. So getrocknet, lassen die Treber sich nicht mir beliebig lange aufbewahren, sondern auch infolge ihres verminderten Gewichts versende», und ihr Nährgehalt ist entsprechrnd reicher geworden. Man schätzt die Menge der' durch den Ottoschen Apparat dem raschen Berdcrven entzogenen und der Landwirtschaft erhaltenen Treber»nd Schlempen ans täglich 5000 bis(3000 Tonnen. Ucbrigens ist der Trockenapparat auch für die Wassercntziehnng nnS �---- /«.I. o-...rr � Die Ansniitznug und gleichzeitige llnschädlichmachnng von Kadavern oder ungenießbarem Fleisch ist ein ähnliches durch den Hartmannschen Kadavcrvcrnichtungs-Apparat, dessen Patente eben- falls die A.-G. f. Tr. besitzt, erreichtes Ziel. Der Abdeckereibetricv ist erst durch diesen und ähnliche Apparate soivohl hygienisch be- friedigend als wirtschaftlich lohnend geworden. Wie dieselben wirken, soll»nr in kurzen Worten erläutert werden. Die Fleischmcnge» oder ganzen Kadaver gelangen in den eisernen, drncksestcn Extrattions- Kessel, wo sie durch gespannte Wasserdämpfe in ihre» Gelvebcn gelockert und von allem Fett und Saftgehalt befreit werden. Letztere löslichen Stoffe werde» von dem kochenden Wafferbad de» Kessels anfgeuommen und periodisch abgelassen, um eine weiter« Behandlung und Scheidung zu erleiden. In einem Sammelgefäß wird das Fett abgesondert und in gereinigtem Zustande als Rohmaterial der Scifenfabrikativn verkauft. Die Leimdämpfe, in denen wenig Wertstoffe enthalten sind, werden zur Er» hitzinig dcS Extraltioiis- Kessels benutzt, um den Inhalt des- selben nach erfolgter Dämpsnng zu trocknen. Das Trockengut findet je nach der Beschaffenheit der verwendeten Kadaver als Dünge- mittel oder Kraftfntter Verwendung. Der Hanptgeschästszwcig der A.-G. f. Tr. jedoch, der neuerdings mehr als die übrigen bo» Bedeutung werden zu wollen schien, ist die trockene Destination bo» Holz und Hvlznbsällcn. Ts ist dieS eine für große Gebiete der chemischen Industrie wichtige Frage, denn die Produkte der trockcncu Destillation sind außerordentlich reichhaltig und vielseitig benutzbar. Bei der allein inid noch jetzt viel geübten Art der Holz- berkohlung in Meilern gehen alle Bestandteile des Holzes mit Ans- nähme der Kohle verloren, bei der Destillation sollen sie dagegen sämtlich ailfgcfangen und zur AnSnntzung gebracht werden. Ei» ganz besonderer Vorteil de? Destillalionsverfahrens ist aber, daß auch Holzabfäilc, und zivar eben sowohl die des Waldes, also Kronen, Acste. Wnrzclstöcke, als die Abfälle der Holzvera rbeitnngS- Industrie auf diese Weise nutzbringend verwertet werden könne». Die Methode der trockenen Destillation wird jedem sofort klar, der sich der Fabrikation deS Leuchtgases a»S Steinkohlen erinnert. Auch dabei erleiden die in geschlossene Retorten gefüllte» Kohlen eine trockene Destillalion, deren Hauptergebnisse Teer, Leuchtgas und Ammoniak sind. Der trockene Rückstand der Retorten ist Cooks. Bei der Holzdestillation verläuft der Prozeß unter geringeren Tempe- ratnren bis etlva 300 Grad Celsius. Der Rückstand ist Holzkohle, das Destillat eine braune, sich nach ciuigcm Stehen in mehrere Schichten teilende Flüssigkeit, der rohe Hojzessig. Die wässerige Beschaffenheit dieses DestiNationSprodnkteS geht ans dem hohen Wassergehalt des Holzes hervor. Derselbe Ilmstand erschwert aber auch den ganzen Prozeß, indem der Wassergehalt unter Mehraufwand von Brennmaterial erst zur Verdampfung gebracht werden muß. Dieser Umstand hat die nutzbringeudc Än- wendnng der trockenen Destillation bis vor süuf oder sechs Jahren sehr gehindert; der Brcmisloffverbrauch ließ sich bei den älteren Ver- fahren nicht in Einklang bringen mit der Rentabilität des Unter- nehmeiis. Erst die von der A.-G. f. Tr. erivorbenen Bergmann- scheu Patente, die jedoch die Konstruktion einer großen Zahl andrer ebenfalls gut wirkender Destillier-Apparate nicht haben hindern können, führten eine Wendling in der ökonomischen Seite der Frage herbei. Der Kernpunkt der neueren DestillationS-Berfahrcn ist die Auf« schließung, das heißt Faserlockerung lind Wassercxtraktion der Hölzer mittels gespannten Dampfes vor der Destillation. Außer der Danipffilllniig der eisernen Dcslillierblasen oder Retorten kommt auch noch die Evaclüeruiig durch mechanisches Anfsangen der Luft zur Ailwendung. Hier sollen uns die Vorzüge und Aussichten der eiiizelnen VerlohlniigSmethoden nicht beschäftigen, sondern nur noch ein Blick auf den Hergang der Holzdestillation und die Wcitcr- bearbeituug ihrer einzelucn'Produkte. Die nach der Beendigung der trockenen Destillation in den Retorten verbleibende Holzkohle besteht, besonders bei der Aerwendniig von Holz» abfallen, die ja bis zur Grübe von SclgespLhnen Berlveiibnug finden, zum Teil ans kleinem Kohlengrics oder Stand. der erst durch ein neueres Verfahren, nämlich die Briquettpresiung unter Teerzusatz, nutzbar gemacht ist. Die bei der Netortenheizung entstehenden Gase sind ebenfalls, und ztvar für die Vertrocknung der zu verkohlenden Holzabfällc. anSznniitzen. Während alsdann die trockene Holzkohle, die in Hochöfen für die Erzeugung besonders reiner Eiscnsortcn, in andren Gelverben und im Hanshalt mannigfaltige Verwendung findet, glatt abgesetzt werde» kann, müssen die Destillationsprodnkte noch eine lange Reihe von Scheidungen über fich ergehe» lassen. Zunächst scheidet sich die oben erlvähnte braune, übelriechende De- stillationsflüssigkeit von selbst in den schweren, zu Boden sinkenden Teer, den oben schwimmeiideri, wässerigen Holzessig, dessen Säure- geholt etiva zehn bis zwölf Prozent beträgt, und eine besonders bei der Vcrkohlnng harzreichcrHölzcr reichlichanftretendeZivischenschicht von rohem Terpentinöl. Drei Abläufe in verschiedenen Höhen sondern diese Flüssigkeiten, die dann der Einzelbehandlnng und Veredelung unter- liege». Der gereinigte Teer, der früher wenig Absatz fand, wird jetzt zn Jmprngniernngszwccken verarbeitet. Die Kreosot-Industrie verbraucht graste Mengen davon. Der rohe dünne Holzessig ist der Ausgangspunkt eines grasten Zweigs der chemischen Industrie ge- worden, denn er enthält»eben seinem wichtigsten Bestandteil, der Essigsäure, mindestens noch 25 verschiedene Stoffe. Nach der ersten Holzessigs geht die Verarbeitung gewöhnlich auf unten) gebundene Holzessig'w'rd'"M�.�oder..im Grankalk lsiehe anfänglich die verunreinigenden, den üblen Geruch vcr- ursachenden Beimengungen entweichen; alsdann erhält man eine kleine Menge tOprozeNtige nnd ziemlich viel 70prozentige rohe Essigsäure, die auf andre Weise weiter verarbeitet und konzentriert wird. Mit Kalk abgesättigt, der ihn in groste» Mengen bindet, ist der Holzessig �ccignet für Transporte zu günstig gelegenen Fabriken. denen die Weiterentwicklung diese« Rohstoffs obliegt. Die bekanntesten Produkte der Holzdestillation sind nun die weist SOprozcutige technische Essigsäure, die in Färbereien und Kattun- drnckcrcien vcrivendct wird, der Holzgrift nnd das Aceton. Ansterdcm wird noch ein merkivürdiger Stoff, der sogenannte Eisessig, her- gestellt; er ist nichts weiter als Ivllprozentige, also reine Essigsäure, die schon bei 17 Grad Cclsins im warmen Zimmer erstarrt und ihrer Reinheit wegen viel in chemischen Betrieben verbraucht wird. Der Holzgcist. ein Alkohol von sehr einsacher Zusammensetzung, ivird bei der lleberführnng des Holzessigs in Essigsäure gewonnen und ist einer der Grnndstoffe der Anilinfarben-Jndnstrie. Viele Roh- stoffe der letzteren gebrauchen den Holzgcist zu ihrer eigene» Herstellung notwendig. Endlich wird auch das Aceton, ein Neben- Produkt der Holzgeist-Darstelluiig. bereits stark begehrt; nuter andrem dient eS in w>»cn reinen Qualitäten zur Darstellung rauchschwachen Pulvers.— Kloiues Feuilleton. nck. Eine merkwürdige Millioncnerbschast vor zwei Jahr- tauscnden. Wenn heutzutage irgend ein Regerhäuptling für eine Anzahl blnnkgepntzter Thalcr. etliche Flasche» Schnaps und ein paar alte Flinten das Gebiet seines Stammes irgend einer eivilisicrtcn Macht überträgt, so finden sich Leute genug, die es durchaus berechtigt sinden, durch eine solche Komödie eincin fcnerivassrrlüstcrnen, farbigen Landesvater gegen«inen rein nominellen Preis etwas abzulaufen, was ihm gar nicht gehört. die dagegen das Maul gcivaltig weil ausreisten würden, wenn mit civilisicrten Wesen ei» entsprecheuder Schacher getrieben würde. Für diese imperialistischen Dcniokrate» mit dem doppelten moralischen Maststnb müstte es eine schöne Gelegenheit zur E»t- faltmig kasuistischen Scharfsinns sein, wenn sie a» einem interesjautcn Vorgang in der Geschichte des römischen Weltreich», jenes Im- perimns, das de» Epigonen von heule als Vorbild vorschwebt, ihre Grundsätze dcmousiriertcn, auf dast man einmal erführe, was denn mm eigentlich gut nnd böse sei. ES handelt sich da um eine fette Millionencrbschaft— Millionen Menschen, nicht pur Millionen Mark—, die zu höchst merkwürdigen Verwicklungen Anlast gab. Im Jahre 133 v. Chr. starb König Atlalus III. von Pergnnmm, einem griechisch-asiatischen Mischrcich im westlichen Kleinafie». Der Rom» auswärtige Politik leitende Senat halte das dortige Kölligsgeschlecht der Attalidcn begünstigt, so lange er das pergamenische Reich als Pnfferslaat gegen Macedonien nnd Syrien uötig hatte. Nach sdcr Zerstörung von Karthago und von Korinth (140 v. Chr.) war aber Rom aus de» Hanplschivicrigkeiten seiner äustcreii Politik vor der Hand heraus, und es begreift sich, bast die römische Aristokratie ein lüsternes Auge auf de» saftigen Bissen in Kleiliasicu Ivarf. der noch nicht verschluckt war. Da kam den» sehr gelegen, dast sich von dem verstorbenen Attalus ein Testament vor- fand, das miteins das gesamte pergamrische Reich der Stadt Rom vennachte. Böse Zungen erklärten alsbald das ganze Testament für eine von Rom au» inscenierte Täuschung,»md zuzutrauen wäre ein solcher Scherz den so ziemlich jenseils von Gut und Böse stehenden Weltpolilikern Roms schon. Gewisses lästt sich darüber aber nicht ausmachen und möglich ist es auch, dast der niehr alS halb verrückte Sultan von Pergamum thatsächlich jenes letztlvillige Zeugnis allerhöchsten Witzes von sich gegeben hat. Wie dem auch sein möge, jedenfalls fiel daS königliche Testament in Rom als ein»euer Zankapfel zwischen die erbittert streitenden Par- teicn des Adels und der Demokratie. Dast das merkwürdige Vermächtnis nnbedenklich anzunehmen sei, darin waren sich beide Parteien einig. Während aber der Adel vermeint hatte, die neue Provinz sei vom Senat ans zn regieren und denigemäst znm Vorteil der„Optimaten", der Edelsten und Besten, verwaltungs- und stcncrpolitisch zn rxploi« ticrc», trat der umstürzlerische Volkstribun Tibcrius SemproninS Gracchus mit dem fatalen Antrag hervor, die Lerlvaltung Pergamnms den vom Volke ertvählten Censoren zn übertragen und das klingende Ergebnis dazu zn verivenden, die besitzlosen römischen Bürger, denen durch ein kurz vorher in Kraft getretenes Ackergesetz aus den von der Aristokratie widerrechtlich in Besitz genommenen ungeheueren Staatsländereien Ackerlose von je 80 Morgen zugedacht waren, mm auch mit dem nötigen Betriebskapital änszustatten. Die schon tvegen des revoln« tionären Eingriffs in ihre Besitz- nnd Ansbeutnugsrechte tont» schäumenden Agrarier gerieten nun vollends ans Rand und Band, nnd als der Gcsctzcsvorschlag des Gracchus über die attalische Erbschaft znm Beschlust erhoben und damit die ziveite Hanptsänle des aristokratischen MachtgcbändcS schwer beschädigt wurde, machten sie bei erster Gelegenheit kurzen Prozeß, indem sie den Bolkstribnnen samt seinen Hanptanhiingern mit Knütteln und Schemeln totschlugen. (132 v. Chr.). attalischcii Erbschaft zu Gnnsten''Äi�Jn)VÄ� J.? der man hatte sich doch in Rom um das Fell des Bären geskrsikcii,"t'HL denn er erlegt war. Die undankbare» Pcrgamencr wollten nämlich die Segimngen der römische» Kultur nicht annehmen und bermasten sich, das Testament ihres angestammten Königs für tyrannisch, für null und nichtig zu erklären. Ein unehelicher Sohn von Attalus H., des Namens Aristoniciis, trat als Prätendent für den erledigten Thron ans nnd fand nicht nur groste» Zulauf ans der ärmeren, freien Bevölkerung, sondern auch die Sklaven schloffen sich ihm in Masse an. da er ans seine Fahnen die furchtbare Parole der Freiheit und Gleichheit, der Sklavenbefreinng schrieb. Ein so gefährliches Boxertnm, das an den Grundlagen der Kultur rüttelte, mußte natürlich mit allen Mitteln bekämpft und vernichtet werden. Das Glück ivar aber dem Sklaven- könig Aristonicns zunächst günstig: er schlug ein römisches Hcci anfL Haupt. 129 v. Chr. erlag er dann freilich dem römischen Konsul Marens Perpemia. ward im Triumph zn Rom ansgcsnhrt und nachher anf gut rölttisch erdrosselt. So konnte den» Rom seine unverhofft kostspielig gctvordene Erbschaft antreten und besorgte das mm mit solchem Eifer nnd Erfolg, dast die Vetvohncr der iieueii Provinz Asien 40 Jahre später sogar in dem Sultan Mithridates von Pontus einen Erlöser von dem vielgepriesenen»römischen Friede»"' erblickten und an einem Tage sämtlich« in ihrem Gebiet weilenden Römer niedermachten (88 v. Ehr.): ein Seitenstück der siciUaiiischc» Vesper, das an die 100 000 Römer» das Leben kostete. Schließlich kam Noi» freilich Ivieder oben anf. strafte die abtrüunsge Provinz mit einer Kontribution von 100 Millionen Mark und lieferte sie ihren Blutsauger», als da sind Statthalter, Zöllner, Grostkauslente. Spclnlaute». Wucherer. Sklavenjäger denuaste» anö, dast sie sich»ie wieder erholen konnte. Die römische» Imperialisten, die keinen Wind»lachten mit faulen Redensarten von Humanität nnd Civilisativn, sondern in den Provinzen frischweg die.Landgüter des römischen Volks" erblickten, gcnoffen eben nach den», bewährten Grundsatz ihrer Juristen, dast daS Eigentum an einer Sache daS Recht des Gebranchens und Berbrauchens in sich schließe, ihre teuer erkaufte Erbschaft gründlich: und natürlich in aller Form Rechtens; lag doch das Testament des biederen LandcSvatcrs Attalus zu Rom im Staatsarchiv.— Kunst. — T e st a m e n t k ü n st l e r. E. M. G e y g e r erklärt anf den zweiter» Brief Klingers in einer Zuschrift an das„B. T.": Soeben erhalte ich von meiner Schwester eine Depesche, dast ein von mir im Juni 1897 verfaßtes Testament ohne meinen Rainen veröffentlicht wurde. Es hat aber nicht den geringsten Wert, da es erstens irrtümlich von mir einige Tage nach meiner Verheiratung geschrieben wurde, dann aber nicht notarisch registriert wurde. Iva» ja, um rcchts�iltig z» sein, unbedingt nötig ist. Dieses Testament hatte ich an Frau Dr. Meyer gesandt(dies die bou Klingcr erlvähnte Mäcenatin. D. N.), der ich zn grostei» Dank verpflichtet war und noch bin. Ob sie jetzt das Testament zur Publikation indiskret hergegeben, kann ich von hier nicht benrteilei». ' Ich erkläre dieses Testament hier öffentlich für absolut migiltig, weil notarisch verfaßte spätere existieren. Ich crstäre auch ferner, daß Frau Dr. Meyer keine Ansprüche an »»ich zu stellen hat. Ivas Geld anvctrifft, oder irgend eine Pflicht gegen sie. Nach meiner Heirat forderte sie die Hypothek von 135 000 M. von mir zurück, die ich als ein Drittel Anzahlung anf einen Auftrag von 450 000 M. erhalten hatte. Da»nir diese notarisch gehörte, so sah ich keine» Gnuid ein, das Geld znrückzugebcn. Da jedoch mir Frau Dr. Meyer Ende 1895 die Summe von 91 000 M. ans reiner Bcgeisternng zn meiner Kunst per Post gcsai»dt hatte, so»nachte mir Frau Dr. Meyer den brieflichen Vorschlag, gegen völlige Nebcrlassuug der 01000 SN.-in inilh— ihr die flclunmte Hopothek zulückzugebc», die vo» mir mit keinem Pfemiie, belastet ivurdc. Die scheiflliche Ucberlcissuiift der 01 000 M. erfolgte mitcr dem Wortlaut„als persönliches Eigentum zur völlig freien V e r f n g u n g". Nach dieser Erklärung ging die Hypothek in Hamburg ans den Namen von Frau Dr. Meyer, und die Mijzgnnst im Herzen hat einen Künstler nicht mal an die Arbeit kvnnncn lassen. Für diese Ol 000 M. erhielt Frau Dr. Meyer verschiedene -Zeichnuugeu und WachSmodelle geschickt. Mit diesen» Ausgleich der Beziehungen zu Frau Dr. Meyer Ivar jeder Verkehr und' jede Bc- ziehung abgebrochen, und so erkläre ich hiermit öffentlich, dag soivohl Frau Dr. Meyer als ihr Freund Klinger öffentlich erklären sollen, ob und Ivie viel Geld ich ihnen schuldig bin. Selbstverständlich Ivar mit Zurückgabe eines Auftrags von■45,0 000 M. jede testamentarische, das heifft nur»noraliffhe Verpflichtung erloschen.... Htigicnisches. ss. Frisches n n d altes Brot. Es gilt als eine ganz allgemeine Wahrheit, daß frisches Brot Ivenigcr bekömmlich ist als alles Brot, lveil es schwerer verdaulich sei. Andrerseits lvird der Geschmack an frischen» Brot nicht weniger allgemein gegenüber dein von alten» Brot bevorzugt, denn fast für jedermann ist es ein Vec« gnügen, zun» Morgenfrühstück das Weißbrot oder zun» Abend- essen das Noggcnbrot noch Iva»»» auf seinen» Tisch zu finden. Es hat also den Anschein, als ob der Gainnen den, M-nschen in dicsem Fall �ei.�..«�»mr'A.d" lediglich ichiild, wenn»ns frisches Brot Beschwerden verursacht. Es ist näinlich genau ebenso bekömmlich wie altcS, Ivel»» cS genügend gekaut wird, aber daran fehlt es eben meistens. Ein Stück alten Brots zerteilt sich iliiler de» Zähnen in mehr oder weniger harte Teile, die fast unmöglich zu verschlucken sei» wiirden, wen» sie nicht zuvor beim Kaue» durch den Speichel aufgeweicht würden, da sie sonst die Kehle zu stark reize». In diesem Fall sieht man sich also dazu gezwungen, das Brot vor dem Ver- schlucken orbnnngsgeniäß in seinen» Munde zu behandeln und für die Verdauung vorzubercitc». Genügendes Kauen führt nämlich bereits zu einer teilweise» Zersetzung des Brots und bringt es so in einen für die Verdauung geeigneten Zustand. Allein ans diesen» Grunde scheint altes Brot verdanlichcr zu sein als frisches. Letzteres nämlich ist weich, teigig oder zähe, deshalb fühlt man weniger die Nottvcudigkcit, es in» Munde gründlich anfznwcichen, und so entgeht rS der vorbereitenden Zersetzung durch das in» Speichel enthaltene Plyalin, das die Eigenschaft besitzt, Stärkemehl nnfznlöscn und in Malzzucker z» verwandeln. Frisches Brot wird, mit andern Wortcli, .verschtnug«»", und das Schlingen erklärt viele der ans niangelhnfter Berdannng herrührenden Ncbelkeiten. Es»nag sich also jeder Einsichiige darüber belehren lassen, daß er ganz wohl sein Brod in frischem Znstand genießen kann, wen» er dabei nur die ver- nünftige Vorsicht gründlichen Könens beobachtet. Eigentümlich ist die Thntsache, daß sich der Mensch diese Lehre von den Tieren ab- nehmen �könnte. Wenn man einen» Hund ein Stück Fleisch giebt, so schlingt er es einfach hinunter, weil es sich in den» für die Ver- daiinng geeigneten Znstand befindet, ohne erst viel von den Zähne» bearbeitet z»»verde». Erhält der Hinid aber ein Stück Brod. so dauert. es eine ganze Weile. che er eS hinnnterschlingt. Man glaubt ferner ganz allgeincin, daß ganz altes Brot über- hnnfft trockener ist als' frisches, aber auch dieses ist ein Irrt»»». Wen» näinlich altes Brot für kurze Zeit einer hohen Temperatur»nterlvorfen lvird, so wird es ganz genau so»veich»vi« frisches, trotzdem bei der Erivärinnng einige Feuckitigkeit verloren gehen»»nß. Diese Thatsache kann nur durch die Annahme erklärt iverden, daß das Waffer in frischem Brot als solches vorhanden, i» alten» Brot aber in eine chemische Verbindung übergegangen ist. Auch die angeblich schivcre Verdaulichkeit mancher andrer Speisen, zun» Beispiel der verschiedenen Sorten von Klößen, beruht ans ihrer mangelhaften Verarbrilnng in» Munde. Der„giand old mau" der Engländer Gladstone, hat es oft als ein körperliches Lebensprincip ausgesprochen, daß er jeden Bissel» lange kaueu»»"»sie,»nid»ver kann wissen, uni»vie viele Jahre er sein Leben durch diesen Grundsatz verlängert hat?— Ans den» Tierlebe». — K a m p f b i l d e r ans den» heimische» Tierlebe»». Ein Mitarbeiter der„Köln. Ztg." erzählt: Unter den Hühnervögeln steht als furchtloser und ritterlicher Käinpe der Fasan mit in erster Linie. Von» Walde abstreichend betritt er kühn einen einsamen Hühnerhof. An eincin schönen Hcrbstniorgen stand ich mit dein Pächter eines Großgrundbesitzes, der in seine» Forsten Fasane» hegt, ait der Hinterthür des mitten in» Walde auf einer uinfang- reichen. Lichtung gelegene» PachlhofcS. Ein prächtiger Kampfhnhn, der Stolz des Eigenlüiners, machte draußen ans der Wiese grade seine Frühpromennde. und schmetterte dabei ab und zu flehen bleibend und hochaufgerichtet und mit den Flügeln klappend seine» Schlachtruf herausfordernd in den Moryennebel. Da hörten»vir plötzlich ein lautes Schlvirrei», und ans den» Nebel schoß ein farbcnschilleiiidcs Meteor,' das den selbstbewiißten Kräher mitten in einer.seiner stolzesten vokalen Leistungen über den Hansen kugelte. Umsönst raffte, der Uebcrraschtc sich hurtig»vicdcr ans und stellte sich »n»lig dein Angreiscr gcgeuüber, inniier und, immer wieder rollte er ... VnciuiworlUcher Siedacteun Earl Leid tu Berti»». .wie ein gelrosfener Kegel zu Boden, bis er schließlich, ganz beino« ralisicrt, Reißans nahm und. von den» Fasan hitzig verfolgt, dem Hose zueilte. Wäre der Pächter nicht zugesprungen und der Fasan. als er den Mann gcivahrte, davongeflogen', dann dürste cS den» Kainpfhahn bös ergangen sein. Am folgenden Morgen stellte der Fasan sich»vieher ein und forderte den Mistantokraten auf dessen eignen» Grund und Boden heraus. Der Pächter hatte das crivartet und Vorsorge getroffen. Er hatte seinen» gestern besiegten Lieblinge ein paar scharfe Stahlsporcn angeschnallt, und der ritterliche Kämpe des Waldes prangte an» folgenden Tage, schön saftig und gelbbraun gebraten ans der Mittagstafel meines FrenndeS. Unter der kleinen Vogclivelt iichnlc» als rabiate Naufcr die N o t k e h l ch e n einen hervorragenden Platz ein. Sic bekämpfen sich niitereinandcr mit großer Hartnäckigkeit und vergessen in ihrem kriegerischen Eifer die geivöhnlichste Vorsicht so»veit, daß ich schon ziveimal Gelegenheit hatte, ein streitendes Pärchen von» Boden auf- znnehincn und in der offenen Hand zu halten, Ivo sie, nach Atem ringend, liegen blieben, ohne den an» Gegner mit Schnabel und Kralle» gewoiniencn Halt fahren zu lassen. Etliche Tage haben mich die Kampfspiele zweier Rotkehlchen belustigt, die pünktlich um halb elf Uhr ans einem kleinen Nasenfleck in» Garte» er- schienen,»im dort zu fechten. Das Duell dauerte jedesmal so lange, bis der eine Vogel vor Mattigkeit nicht mehr im stände war, sich auf den Beinen zu halten"nd�'itt dicscm�Z,�n�,,nNmnpsplatz'gc- f!?,Lf"'CU?..wRl1CK,sV' beiden Rotkehlchen waren einander so ähnlich in Färbung n»d Größe, daß ich nicht dahinter kam, ob immer der- selbe Vogel Sieger blieb. Ucbrigens kam es nie zu ernstliche» Bcrtvnndnngcu und eines Morgens waren die kleinen Streiter ver- schivundci».— HnmoriftischeS. — U l t i in a t n n». W a l d c r s e c(zu Li-Hung-Tschang):„Na, adieu, Alterl und schreib' Dir das hinter die Ohren: Wenn etwa Eure Boxer noch einmal ihren Unfug anfange»-- mich s i e h st D»» nicht wieder!"— — ff n ck) 1 S e r c n i s s i in n 8(besucht da? Atelier des Hof» malerS. Er bleibt vor einer Staffelei stehen):„Ah. da haben esie Frau v. Milde porträtiert, wirklich famos! sehr ähnlich I" Sit a l c r:„Verzeihung, Hoheit, das ist ja nicht Frau v o n Milde, das ist ja Fräulein von Sende n." Serenissimus:„Ah, Fräulein von Senden— a n ch sehr ähnlich l"— — Zur rechten Zeit.„War nicht auch Dein Freund Leopold bei der zu Grunde gegangenen Gesellschaft versichert?" „Ja, aber der ist schon sechs Monate, che sie Bankrott ansagte, gestorben." „Hat der ein Glück!"— (Lust. Vl."> Notizen. — M a x i in Gor Ii liegt im Stadlhospital zn N i s ch n h» N o w g o r o d sehr krank an einen» Luitgenleiden danieder.— —„Jedermann"(Evcryman). ein„moralisch Stück", daZ zur Zeit des englischen Königs Heinrichs VlU. cntflandc» sein soll, wird demnächst von den»„clisabcthauischcn Bühnenvercin" in London zur Aufführung gebracht.— t. Eine Forschungsreise nach den großen kanadische» Seen hat die biologische Abteilung des Landwirt- schastsininisterinins der Vcrcmigtcii Staate» ansgesandt. Die Expedition soll den Athabaska-»nid den Große» Sklavensee be- suchen,»»» dort die geographische Verteilung der Säugetiere, Vögel, Bäume»nid Slräncher zn»nitcrsiichcn»nid möglichst nmfangrciche Sammlungen anzulegen.— — D i e Trockenlegung des Neusiedler Sees. Wie aus Budapest berichtet lvird, hat die»nigrische Negiernng be- schlössen, den an der Westgrcnzc Ungarns gegen Nieder-Ocstreich gelegenen Slensiedler See trocken zn legen und somit ciuen Flächen- räum von 385 Quadratkilometern für Kulturzwecke zu gewinnen. Die Entstehiing des Sees fällt erst in das 13. Jahrhundert, da der Rohrsninpf Hansag die ihn» znströnienden Gcbirgsivässer nicht mehr anfnehmen konnte, die sich dann flauten, ziiri'nkströmten niid die nmliegende Niederung unter Wasser setzten, flach einer Urkunde ans Forchensteiii trat diese Katastrophe im Jahre 1230 ein. nnd sechs Dörfer gingen dabei zu Grunde. Seither hat der See im Laufe der Jahihnndcrte seinen Wasserstand viele Male gewechselt! er ivar zeitweilig ganz ausgetrocknet nnd bebaut, zeitiveilig so groß und fischreich, daß man außer der Versorgung des Wiener Fisch- inarkts die Schweine mit Weißfischen und Karpfen fütterte. Im 10. Jahrhundert war der See bis 1800 ganz nnsgetrocknet, in» Jahre 1809 stieg das Wasser wieder»md erreichte im Jahre 1884 den höchsten Stand.— — Bei der A u t'o li» o l> i I- W c t t fa h r t PariS-Berljn jagten die Vehikel an manchen Stellen mit einer Geschwindigkeit von 08 bis 108 Kilometer die Stunde dahin.—. Druck und Verlag vi»» SKax Babing m Berlin.