orwSris Nr. 142. Mittwoch, den 24. Juli. 1901 79] v b e i k: (Nachdruck verboten.) Roman in drei Büchern von Emile Zola. Slns dem Französischen übersetzt von Leopold R o s e n z w e i g. Lucas sah den Greis an und fand ihn eigenartig schön mit seinem Weißen Gesicht, seinen niarkanten. regelmäßigen Zügen, über die das Nahen des Todes, verbunden mit den Spuren eines großen Entschlusses, eine ehrfurchtgcbietcnde Majestät gebreitet hatte. Das Warten dauerte lauge, und nicht ein Wort wurde mittlerweile zwischen den beiden Männern gewechselt, die einander unverwandt in die Augen sahen. Um sie herum schien das Ziuimer mit seinen dicken Vorhängen und seinen massiven Möbeln unter der Last seines schweren Luxus in tiefem Schlafe zu liegen. Nicht ein Laut, nicht ein Hauch war zu spüren, nichts als der Schauer, der von den leeren Salons, von den verödeten Wohnräumen durch die Mauern hcrcindrang. Und nichts war feierlicher, nichts schicksalsschwerer als dieses stumme Warten. Endlich erschien Suzanne lvieder und brachte Boisgelin mit, der eben zurückgekehrt war. Er war noch im Jagdanzug. mit Gamaschen und Handschuhen, denn sie hatte ihm nicht Zeit gelassen, auch nur den Rock zn wechseln. Und er trat mit ängstlicher Miene ein, ziemlich bestürzt über diese nncrlvartete Berufung unter so merkwürdigen Um- ständen. Seine Frau hatte ihm in aller Eile mitgeteilt, daß Lucas durch Monsieur Jöronie hergebeten worden sei und sich im Zimmer des Greises befinde, daß diesem die Vernunft und die Sprache wiederkehre und er nur ans ihn, Boisgelin, warte, um zu sprechen— und all dieses Unerwartete, über das nachzudenken ihm keine Zeit blieb, verursachte ihm Schwindel im Kopfe. „Hier ist also rnein Mann, Großvater", sagte Suzanne. „Sagen Sie uns nun, was Sie sagen wollen. Wir werben Sie mit größter Aufmerksamkeit anhören." Aber wieder ließ der Greis seinen Blick suchend rings nm das Zimmer schweife». Und wieder sagte er: „Paul. Wo ist Paul?" „Sie wollen auch Paul hier haben?" „Ja, ja, ich will!" „Paul dürfte arif dem Pachthof sein, und es wird wohl mehr als eine Viertelstunde dauern, bis er hier sein kann." „Er soll kommen. Ich will, ich will!" Sie erfüllte seinen Wunsch und sandte eiligst einen Be- dienten nach Paul. DaS Warten war noch feierlicher, noch schicksalsschwerer als vorher. Lucas und Boisgelin hatten sich stumm begrüßt und saßen nun stumm einander gegenüber in diesem Zimmer, durch das bereits der erhabene Hauch des Todes zn wehen schien. Niemand sprach ein Wort, nichts war hörbar in der dnrchschanertcn Atmosphäre, als der etwas schwere Atem Monsieur Jerumes. Seine erweiterten, licht- erfüllten Augen hatten sich wieder dem Fenster zngelvandt, sahen hinaus auf daS Bild der angestrengten menschlichen Arbeit, der vollendeten Vergangenheit und der nahenden Zukunft, das sich draußen entrollte. Langsam, gleichmäßig verflossen die Minuten in der beklommenen Erivartnng des Kommenden, des großen souveränen Aktes, dessen Nahen alle fühlten. Leichte Schritte wurden hörbar, und Paul trat ein mit frischem, von der freien Luft gerötetem Gesicht. „Mein Kind," sagte Suzanne,„Dein GroßvaLr hat uns alle hier zusammcnbernfen und will nur in Deiner Gegen- wart sprechen." Auf den so lange unbeweglich gebliebenen Lippen Monsieur Jeremies erschien ein unendlich liebevolles Lächeln. Er winkte Paul herbei und ließ ihn ganz dicht am Bett Platz nehmen. Hauptsächlich zn ihm wollte er sprechen, zu dem letzten Sproß der Qurignon, in dem das Geschlecht neu aufblühen und noch gute Früchte tragen konnte. Als er ihn tief bewegt sah, vom Schmerz dcS nahen Abschieds ergriffen, blickte er ihn mit zärtlicher Ermunterung an. Für ihn war der Tod süß, da er seinem Urenkel als Furcht eines langen Lebens eine gute That, eine That des Friedens und der Gerechtigkeit vermachen konnte. �_ Endlich sprach er inmitten des ehrfurchtvollen Schweigens aller. Den Kopf gegen Boisgelin wendend, sagte er vorerst nur das eine Wort, das der Bediente ihn so oft inmitten andrer unverständlicher Worte hatte wiederholen hören: „Zurückerstatten, zurückerstatten!" Von dein Schauer erfaßt, der durch das Gemach wehte, hatte Suzanne mit Lucas einen Blick gewechselt; und während Boisgelin, von Beklemmung und Furcht ergriffen, so that, als erwarte er irgend ein Gefasel eines schwachsinnigen Greises, fragte sie: „Was wollen Sie damit sagen, Großvater, und was sollen wir zurückerstatten?" Die Sprache Monsieur Jerömes wurde immer deutlicher und leichter. „Alles, mein Kind. Dort drüben die Hölle— hier die Gucrdache— auf dem Pachthof die Aecker. Wir niüssen alles zurückerstatten, weil nichts uns gehören darf, weil alles allen gehören muß." „Aber wem sollen wir zurückerstatten, Großvater? Erklären Sic sich." „Ich sage es Dir ja, mein Kind: Allen. Nichts gehört uns von dem. was wir für unser Eigentum gehalten haben. Wenn dies.s Eigentum uns vergiftet, uns vernichtet hat, so kommt dies nur davon, weil es das Eigentum andrer war. Ilm ünsres Glückes, nm des Glückes aller willen müssen wir zurückerstatten— zurückerstatten..." Dann folgte eine Scene voll erhabener Schönheit und unendlicher Größe. Der Greis fand nicht immer Worte für das, was er sagen ivollte, aber die Gebärde vervollständigte seine Rede. Langsam und oft mühevoll zu seinen in weihe- vollem Schweigen verharrenden Hörern sprechend, gelang es ihm gleichwohl, alle seine Gedanken knndzuthun. Er hatte alles gesehen, alles gehört, alles verstanden. Und wie Suzanne es mit angstvoller Beklcinmnng geahnt hatte, so kam nun die ganze Vergangenheit wieder zum Vorschein, die ganze Wahrheit der furchtbaren Vergangenheit entströmte unaufhaltsam dem Munde dieses so lange stumm und un- beweglich in seinen Nollsessel gebannt gewesenen Zeugen. Er schien so viel schreckliche Ereignisse, das Aufblühen und die Vernichtung einer ganzen Familie nur überlebt zu haben, um die große Lehre daraus zn ziehen. Am Tage seines Erwachens, che er die Schwelle dcS Todes überschritt, entrollte er die lange Leidensgeschichte eines Mannes, der, nachdem er gewähnt hatte, die Herrschaft seines Geschlechts in dem von ihm be- gründeten Reiche für immer gesichert zu haben, lange genug gelebt hatte, um das Reich und das Geschlecht vom Sturm der Zukunft hinweggcweht zn sehen. Und er sprach au?, warum solches geschehen war, er richtete und sühnte. ES zog vorüber der erste Qurignon, der Streckarbeiter, der das Werk im Verein mit einigen Kameraden ge- gründet hatte, arm gleich ihnen, aber zweifellos geschickter und sparsamer. Auf diesen folgte er selbst, der zweite Qurignon. der das große Vermögen, die Millionen in hart- näckigem Kampfe erobert hatte, in welchem er sich als Held der Energie und Tüchtigkeit, als unvergleichlicher Feldherr erwies. Aber wenn er auch Wunder der Thatkraft und des schöpferischen Geistes vollführt, durch geniale Ausnützung der Kaufs- nud Verkanfsvcrhältnisse ein gewaltiges Vermögen gewonnen hatte, so wußte er doch, daß er nur ein Ausläufer war, daß lange Generationen von Arbeitern in ihm endigten und die Quelle seiner Kraft und seiner Siege waren. Wie viel Bauern hatten mit ihrem Schweis; die Scholle düngen, wie viel Arbeiter ihre Muskeln in der Handhabung des Werk- zeugs abnützen müssen, damit die beiden Qurignon, die Triuniphatoren, ans ihnen entstanden! In ihnen war das jahrhundertelange heiße Streben nach dem Besseren, nach dem Reichtum, nach einer höheren Gesellschafts- klaffe, war die langsame Befreiung des unter der Knechtschaft seufzenden Sklaven endlich am Ziele angelangt. Endlich war ein Qurignon stark genug geworden, um zn siegen, die Ketten zn zerbrechen, den so heiß begehrten Reich- tum zu erwerben, selber ein Herr zn sein. Und gleich danach, in nur zwei Gencratwnen, war das Geschlecht schon entartet, verfiel wieder der Not und dein schweren Kampf nmS Da- fein, geschwächt durch die Ueppigceit, von der Genußsucht verzehrt wie von einer Flamin eck. „Wir müssen zurückerstatten, zurückerstatten!" Sein Sohn Michel hatte sich, nach Vcrübung vieler Thorheiten, am Vorabend eines großen Zahltags getötet. Sein andrer Sohn, Philippe, an ein leichtfertiges Weib ver- heiratet und durch sie in den Sumpf gezogen, war im Duell gefallen. Seme Tochter Laure war, den Geist von mystischen Visionen verdunkelt, ins Kloster gegangen und dort nnfrucht- bar gestorben. Sein Enkel Andre. Sohn Philippes, hatte rhachitisch und schwachsinnig seine Tage in einer Irrenanstalt verlebt und beschlossen, und sein andrer Enkel, Andre, hatte ans einer Straße m Italien einen gewaltsamen Tod geftinden, nachdem er seinen Vater zum Selbstmord ge- trieben hatte, indem er ihm seine Geliebte und das für Zahlungen bereit gelegte Geld stahl. Und endlich seine Enkelin, Suzanne, dir Vielgeliebte, die Sanfte und Klnge, hatte einen Mann geheiratet, der, nachdem die Werke und die Guerdache angekauft hatte, die Zerstörung vollendete. Die Werke lagen in Asche, noch warm von der Feuersbrunst, die sie als Sühne für alle Thorheiten und alle Schmach verzehrt hatte. Die Guerdache, wie er gehofft hatte,, sein Geschlecht in reicher Blüte sich vermehren zu sehen, dehnte ihre Einöde um ihn, ihre leeren Salons, ihren trübseligen Park, durch den nur noch das blasse Gespenst der Vergiftcrin, der Ver- derberin schivebte, jener Fernande, die den schließlichcn Rnin hcrbeigefiihrt hatte. Und während seine Abkömmlinge so einer nach dein andern hinsanken und den stolzen Bau, den sein Vater und er errichtet hatten, zum Einsturz brachten, hatte er gerade gegenüber einen neuen Bau entstehen sehen, die Crecherie, die mächtig emporblühte und von: brausenden Leben der Zukunft erfüllt war. Er wnßta alle diese Dinge, weil er sie hatte vor seinen klaren Augen sich abspielen sehen, während er in stummer Bc- obachtung sich längs der Straßen hinrollcn ließ, oder vor der Hölle hielt, wenn die Arbeiter herauskamen, oder vor der Crecherie, deren alte Arbeiter ihn noch grüßten, oder wieder vor der Hölle, am Morgen, da von dieser seiner geliebten Schöpsimg nur noch rauchende Trümmer übrig geblieben waren. „Wir müssen zurückerstatten, zurückerstatten, zurück- erstatten I" Dieser Ausruf, den er unaufhörlich in den langsamen Fluß seiner Worte einflocht, den er mit immer steigender Energie betonte, entrang sich ihm wie die unausweichliche letzte Konsequenz der unglücklichen Ereignisse, unter denen er so gelitten hatte. Wenn alles um ihn herum so rasch dem Nieder- gang verfallen war, so war dies nur die Folge davon, daß der durch die Arbeit andrer erworbene Reichtum vergiftet war und vergiftete. Ter Genuß, den er verschafft, ist das sicherste aller zersetzenden Fermente, er schwächt das Geschlecht, er zerstört die Familie, er führt alle Abscheulichkeitcn und Geivaltthaten herbei. Dieser Reichtum hatte in weniger als einem halben Jahrhundert die in langen Jahrhunderten harter Arbeit in den Qurignon aufgesammelte Zieserve von Kraft, Tüchtigkeit und schöpferischem Genie verzehrt. Der Fehler dieses kraftvollen Arbeitcrgeschlechts war gewesen, daß sie geglaubt hatten, um ihres persönlichen Vorteils willen den Reichtum an sich raffen und genießen zu dürfen, den sie dermittelst der Arme ihrer Mitarbeiter schufen. Und eben der heißersehnte, endlich eroberte Reichtum war ihnen zur Zuchtrute geworden. lFortsetzmig folgt.) (Nachdruck verböte».) Alpenpflattzett. „Hinaus in die Ferne 1" lautet jetzt wieder die Losung vieler. Manchen Touristen zieht es hin nach den gewaltigen Alpen, um an den inajestätischc» Bergriesen, den grotesken Fclsgcbilden und de» blendend glitzernden Gletschern und Schneefeldern sich zu erfreuen. Der für die Natur bcgeisierte Reisende wird hier aber keineswegs über all den großartigen Gebilden die eigenartig gestaltete Pflanzen- ivelt ans dem Auge verlieren, die nicht nur in ihrer Art und dem Auftrete» besonders charakteristisch ist, sondern auch viele Forscher zu ernstem Nachdenken gereizt hat. Infolgedessen ist man denn auch über viele einst rätselhafte Erscheinmigen ins Klare gekommen: man ivcitz jetzt, ivarnm die Alpenpflanzen so und nicht anders gestaltet sind, auch kennt man die Hauptbedingungen ihrer Enttvickelung und Existenz. Diese Flora findet man aber nicht bloß— wie der Name ver- muten läßt— ans de» Alpen, sondern auch in den Polarländcrn des Nordens, wo der Schnee die meiste Zeit des Jahres die Erde bedeckt und die Seen währeich acht bis zehn Monate jährlich zugefroren sind. Aber wir finden sie auch weiter im Süden, wenn wir bis zu einer hinreichenden Höhe ans die Berge steigen. Wenn wir z.B. von den llliisten des Mittelmeeres iin südlichen Frankreich eine Wände- rnng in die See-Alpen unternehmen, so begegnen ivir erst Orangegärten, Olivenhainen und Gebüschen von Myrten, Lorbeerbäumen und immergrünen Eichen, über die Pinien und hier und da einzelne Dattelpalmen sich erheben; weiterhin treffen wir Kastanien- und Eichenwälder mit fallendem Land. Noch höher bemerken wir die nordische Buche und dann düstre Wälder von Kiefern, Tannen und Lärchen. Endlich hört aller Bainnivuchs auf; niedrige Büsche be- gleiten uns noch eine Strecke, machen aber bald kleinen Kräutern Platz, bis schließlich der beständige Schnee allem Pflaiizenwuchs eine Grenze setzt. Auf diese Weise können wir, wenn wir vom Mittelmeer bis zur Schneelinie steigen, also die verschiedene» Höhegürtel eines und � desselben Gebirges durchwandern, an einem einzigen Tage ebenso viele verschiedene Flore» kennen und betvundern lernen, als Ivcnn wir Wochen- und monatelang vom Mittelmeer bis zum Eis- mccr reisen. Außer in der Polargegend und in den Alpen findet man die in Rede stehende Flora auch sonst überall in Europa, dem nördlichen Asien und Amerika, wo Gebirgsmassen anftreteir, die hoch genug sind, um in ihren höhereu Teilen ein für diese Gewächse passendes Klima zu bieten. Wir finden sie deshalb überall iin„Alpengiirtel", das heißt in den Regionen zwischen der oberen Grenze des BaumwuchseS und der niederen des be- ständigen Schnees. Daß aber die„Alpenflora" nicht ganz von der Polarslora zu trennen ist, geht daraus hervor, daß nicht nur die meisten Pflanzcnfamilien uud-arten beiden gemeinschaftlich ange- hören, sondern daß beide auch in ihrer äußeren Erscheinung und de» charakteristischen Eigenschaften im allgemeinen übereinstimme». Alle bezeichnende» Merkmale dieser Flora ivcrden von der neueren Forschung einzig als AnpassungSerscheiiinngen dieser Gewächse an Bode», Licht und Klima angesehen, und zivar muß,>vic es scheint und lvie eS schon die Achnlichkeit der Polarflora mit den Pflanze» der hohen Ecbirgsrcgionen vermuten laßt, letzterm der Hanptantcil an der all- mählicheir Ningestaltiuig dieser Pflanzen zugeschrieben werden. DieS geht auch aus den Versuchen deS Botanikers Gasto» Bonnier hervor. dein es gelungen ist, durch starke Ternperatnrivechsel— am Tage bis 36 Grad, nachts bis 4 Grad Celsius— die charakteristischen alpinen Pflanzenfornicn künstlich zu erzeugen. Der am leichtesten wahrnehmbare Chnrakierzng dieser Flora ist jedenfalls der Mangel an Bäume»; selbst Büsche findet man nur in den unteren Gcbirgsregionen, und zwar ivcrden diese in den Alpen hauptsächlich von de» Alpenrosen gebildet. Der kurze Sommer von zwei bis drei Monaten, soivie die Nachtfröste, die selbst während des wärmsten Monats sich einstelle», mache» es begreiflich, daß hier kein Gewächs lange Zweige treiben kann; mich würde» die schweren Schneenlassen' nnd die heftigen Winde mir zu leicht die jungen Stämme imd Zweige niederbrechen. So kommt es, daß sich die Stengel entweder nur einige Centimetcr hoch erheben oder ans dem Erdboden imd den Klippen hinkricchen. Außer den Bäumen fehlen in der Alpen- mid Polarflora die einjährigen Pflanzen oder Sommer- gcwächse, die in demselben Jahre, in dem sie aus Samen keimen, wachsen, blühen, ihren Samen reifen nnd dann absterben. Anch dies ist erklärlich. Der Sommer ist daselbst zu kurz, als daß der ganze LebenscyklnS einer Pflanze in ihm sollte beendet werden kömien; der Same würde nicht Zeit haben zu reifen; geschieht dies auch einmal in einem günstige» Jahre, so ist es doch keineswegs die Regel. Aber auch die zlveijährigen Pflanzen sucht man in diesen Stegionen vergebens, da auch sie nicht geiiiigend Reserve- stoffe besitzen, uni in der kurzen LcgctatioiiSzeit ihre Funktionen voll zu verrichten. Es bilden»lithin nur mehrjährige Kräuter und einzelne kleine Büsche diese Flora; die Stengel sind oft unterirdisch»nd nur diese, oder kurze Stengel oberhalb der Erdkurste lvcrdcil Ivährciid des Winters erhalten. Da das Wachstum Hinsicht- kich der Höhe erheblich eingeschränkt ist, so wird die Entwickelniig durch Scitcnschößliiige befördert; daher zeigen viele Alpenkrnnter Bündel oder Büschel von kurzen Stengel», die sich oft mit ihren Blätter» und Blumen wie kleine Kissen auf den Klippen gestalten. Beim Mangel genügender Dannnerde haben die Pflanzen dieser Gegend lange Wurzel» nötig, um in den Ritzen der Klippen nnd im Kicsgerölle fest z» haften und ihre Nahrung zu gewinnen, während Stengel»nd Blätter vieler sonst stark behaarter Pflanzen- arten in den Alpenregionen kahl nnd mit einer größeren Zahl Spaltöffnungen zwecks Besördermig der Berdunstung versehe» sind, wogegen andre,»amentlich solche, die infolge ihres Standorts eines Schutzes gegen eine übermäßige Berdnnstuiig bedürfe», einen solchen außer durch Behaarung auch»och durch Kalkinkrnstierunge» erhalten haben. Auch die rosettenartige Stellung oder Lage der Blätter muß als eine Anpassung a» meteorologische Einflüsse, besonders an die starle Bodenstrahlung, aufgefaßt werde», da der Unterschied der Er- wärmung der Luft und der des Bodens ganz bedeutend ist. Früher nahm man an, daß diese Stellung als Schutzmittel gegen die dort herrschenden starken Winde und den Druck des Schnees diene. Während die überirdischen Stengel der Alpenpflanzen meist klein sind, so sind im Gegensatz dazu die Blüten verhältnismäßig sehr groß. Der Schnee ist kaum geschmolzen, er liegt»och in der Nähe, und doch hat die Alpenpflanze schon Blumen; es ist, als ob sie in ihrer Entivicklung eile, den kurzen Sommer zu benutzen, und ihre ganze Kraft des Wachstums anwende, um so schnell wie möglich die Bliiien nit enlwickc'», die nntlcls der kurzen, teils im KicS licr- stecktcu Stcuizel unmittelbar nuS der Erde zu kommen scheinen. Diese Grösse der Bliiten im Vergleich zum Steinzel ist ein besonders ans- fallender Zug des Alpenwuchses. Ei» andrer Cbarakterzug dieser Flora sind die schönen, reinen und ungemischten Farben der Bliilen. Hier finden>mr das reinste Schnceiveifi. dort das schönste Himmelblau, wogegen andre Pflanzen mit.den prächtigsten rosenroten oder rein gelben Blumen geschmückt find. Bergleicht man die Bliiten der Ebene, besonders die der Küsten damit, so erscheinen sie unrein, fast schmutzig dagegen. Dabei sind gesprenkelte Blüten oder eine Mischung mehrerer Farben in derselbe» Blume bei den Alpenpflanzen selten. Manchmal ist nur ein Rötlichwerden einiger sonst weist blühender Pflanzen wahrzunehmen, besonders an grell beleuchtete» Stellen. Dies ivird durch die starke Beleuchtung verursacht, bei der ein roter Farbstoff— Anthokhn— zu grösterer Entwicklung gelangt. Entsprechend der gröstercn Menge der Schmetterlinge im Hochgebirge andren Jnsektengruppen gegen- über— hier sind von 1000 Blnmenbesuchern 428 Schmetterlinge, in der Ebene dagegen n»r 69— zeigen auch mehr Pflanzen diesen Besuchern angepastte Blüten, indeni im Tieflnnde nur 36, in den Alpen aber 53 Fallcrblttten vorkommen. Da zur Anlockung der Insekten auch der Blütendnft gehört, so dürfte aus obigem gefolgert werden, dost auch die Alpenflora ganz besonders damit ausgestattet ist. Dies trifft aber nur für die Pflanzen der untern Regionen zu i hier findet man verschiedene Blüten mit besonders angenehmem Duft, und zwar mehrfach solche, deren Verwandte in der Ebene eine widerliche Wirkung ans die Genichsnerven ausüben, wie z. B. der Baldria». Anders ist es aber in den höhern Gürteln, wo nur sehr wenige Pflanzen duften. Dies wird nicht befremden, wenn man erwägt, dost ein vermehrter Wärmegrad, sowie im allgemeinen auch die Trockenheit des Erdbodens und der Lnft der Ent- Wickelung sich absondernder Stoffe besonders förderlich sind. Bei den Alpenpflanzen höherer Gegenden fehlen diese Be- dingmigen aber nieist, indem die Temperatur dort möglichst niedrig ist, und die Pflanzen in einem beständig feuchten Erdboden wachsen. Das; aber Wärme und Trockenheit bei der Absonderung der Duftr stoffc besonders kräftig mitwirken, dürfte daraus hervorgehen, dast das südliche Europa weit mehr wohlriechende Pflanzen zeitigt, als das nördliche, und die Zahl der duftenden Blumen iin allgemeinen nach dem Aequator hin zunimmt. Bei alledem soll aber nicht behauptet werden, dast die Alpenpflanzen der sich absondernden Stoffe entbehren, denn bei vielen sind diese reichlich in Wurzeln und Stengeln vorhanden; besonders treten im Alpengürtel Beispiele von bitteren Pflanzen auf, z. B. Gentianeen; auch geben die meisten ein kräftiges Futter für das Vieh. Dagegen bietet die Alpenflora keine Giftpflanze. Nicht weniger charakteristisch für diese Flora sind ferner die sehr wenigen Veränderungen, die sie bezüglich der verschiedenen Pflanzen- arten erfahren hat. Im übrigen Europa werden durch die Kultur auch betreffs des PflanzcnauftretcnS manche Veränderungen herbeigeführt, so dast es nur wenige Gegenden gicbt, Ivo die Pflanzenwelt in ursprünglicher Zusammensetzung erblickt Ivird. Unter diesen Distrikten nehmen aber die Polarlnndcr und die Alpengürtel den wichtigsten Platz ein. Kein Pflug furchte, kein Spaten warf die Erde uni; keine Kornart, keine Gartenpflanze wurde gesäet und kein Baum gepflanzt; der Mensch benutzte diese Gegenden nur zur Grasnng, und zwar auf eine Weise, welche nur wenig von der ver- schieden ist, die benutzt werden würde, wenn die Natur ganz sich überlassen wäre. Ansterdem gewinnt die Alpenflora noch ein er- höhtes Interesse durch den starken Gegensatz zwischen den Gewächsen und ihrer llmgebiing. An die nackten, steilen Klippen, die grasten weisten Schneefelder, die bläulichen Gletscher, schliesten sich unmittelbar die kleinen zierlichen Kräuter mit ihren grosten Blnincn von den reinsten Farben an. Eine Flora, die etwas Achnliches mit der Alpenflora hat, ist die Friihlingsflora Nordeuropas. Auch der Frühling beginnt hier mit Blumen, die schön gefärbt sind; einige, wie Viola, krimula. -Ausmons je. gehören sogar zu de» der Alpenflora charakteristischen Geschlechtern. Aber die Alpenflora bietet einen Frühling, auf den kein Sommer und Herbst folgt, einen Frühling, der schnell und im- mittelbar vom Winter abgelöst wird. Dieser kurze, aber liebliche Frühling macht die Alpenflora noch interessanter, es ist ein herrlicher Schmetterling, der einige Wochen lebt, nachdem er als Puppe viele Monate lang versteckt in der Erde gelegen hat.— Otto Lehmann. Mlemes IseuMekon» k.„Wir können nichts.. Eine lustige Musikcranekdote erzählt die„Nene Mnsik-Zcitung": Einem Dorfkantor siel ei», wie er das nahe KinneSfest und dabei auch seine Wenigkeit durch Auf- führung einer neuen großen Kirchenmusik vor seiner Gcnieindc ein- mal recht verherrlichen könnte. Telemann, der bekannte fruchtbare Kirchenkomponist im nahen Gotha, sollte sie ihm komponieren, seine Konfratrcs aus der Nachbarschaft mit ihren Gehilfen sollten die Ausführung erleichtern. Hoffnungsvoll wanderte er zu Telemann und trug ihm sein Anliegen dringend vor. Telemann kannte den Kantor und seine ganze Konfraternität als armselige Schächer und machte Ausflüchte— umsonst,'es half nichts. Der Kantor wurde immer ungestümer und war nicht abzulveiscn. Telemann, de» diese Zudringlichkeit halb verdroß und halb belustigte, fragte endlich nach dem Text dieser Kantate. Den, meinte der Kantor, möchte Telemann mir selbst wählen, einen Bibelspruch, oder was er sonst Passendes fände. Telemann sagte nun zu, hiest den hocherfreuten Kantor die Probe bestellen und versprach, sich selbst dazu mit einigen Bekannten ein- zufinden. Am Morgen des Festes stellte sich Telemann richtig zur Probe ein; die Stimmen wurden aufgelegt. Zinn Text hatte Telemann den Spruch gewählt:„Wir können nichts wider den Herrn reden" und ihn als Fuge gesetzt.„Nun", flüsterte Telemann seinen Bekannten zu,„sollen diese Käuze ihre Sünde beichten". Die Fuge begann. und aus allen Kehlen erscholl es um die Wette in Misttöne», wie Jamniergcschrei:«Wir— wir— wir können nichts, — nichts— wider, nichts— wir können nichts,— wir können nichts", bis die ganze Koiifraternität, welche lange, ohne Schlimmes zu ahnen, herzhaft losgeschrieen hatte, durch Telemanns und seiner Gefährten unbändiges Gelächter aus dem Traume geweckt, nun ver- blüfft, und der arme Kantor ganz zermalmt, dastanden.„Das macht sich freilich nicht gut, Ihr Herren", sagte Telemann, zog jedoch, um den zerknirschten Kantor zu trösten, ein anderes kleines Musikstück hervor, welches er dann mit seinen Bekannten in der Kirche auf- führte.— Erziehung und Unterricht. —„Die Lautsprache iin Unterricht der Taub- st n ni m e n" bildete das Thema eines Vortrags, den der Direktor der Trierer Provinzial- Taubstunimenanstalt, W. H. Cüppers, un- längst in Köln hielt. Die„Köln. Ztg." berichtet über den Vortrag: Den deutschen Taubstiimmeiianstalten ist gemeinsam, dast sie unter- nehmen, den Taubstummen die Lantsprache beizubringen und sie durch die Lantsprache zu unterrichten und zu bilden. Im Gegensatz zu diesem Verfahren steht das französische, das es unternimmt, den Taubstummen mittels der Gebärde, der Schrift und des Finger- Alphabets auszubilden. Während nun die deutsche Methode siegreich in Holland, Dänemark, Skandinavien, Rnstland, England und Nordamerika vordringt, ja auch in Frankreich neuer- dings als die bestgeeignete innncr mehr anerkannt wird, sind bei uns Stimmen laut geworden, die sich gegen sie richten und bc- haupten, sie sei ungeeignet für den Unterricht und ohne Wert für das Lebe». Direktor Cüppers hat es daher unternommen, in klarer, überzeugender, auch deni Laien verständlicher Weise den Vorzug des deutschen Systems nachzuweisen. Von den Schwierigkeiten des Unterrichts des Taubstummen, der im vollsten Sinne des Wortes als Sprachloser in die Schule tritt, und für den die Sprache, die er erlernt, gleichzeitig Unterrichtssprache sein soll und muß, macht sich der Uneingeweihte nicht annähernd die richtige Vorstellung. Dast die Arbeit dennoch mit bemerkenswertem Erfolge gelingt, davon kann sich jeder überzeugen, der in einer wohleingerichtetcn deutschen Taubstnmmeu-Anstalt dem Unterricht beiwohnt und ihm von der untersten bis zur obersten Klasse aufmerksam folgt. Was die Bedeutung der vom Taubstummen erlernten Lantsprache als Verkehrsmittel in seinem späteren Leben anbelangt, so schlügt sie Direktor Cüppers sehr hoch. Allerdings bleiben dem nach dieser Richtung ausgebildeten Tanbstnmnien gewisse änstcre Schranken gezogen, die sich überhaupt nicht beseitigen lassen: inr Finstern kann er nicht absehen, das Licht must günstig auf den Mund des Sprechenden fallen, damit er die Bewegung der Lippen desselben genügend erkennen kann, auch darf dessen Entfernung nur mästig sein und bei der gegenseitigen Unterhaltung must die Arbeit rnheii; allein die ausgebildete Gebärdensprache der französischen Schule ist so künstlich, dast sie austerhalb der Anstalt von niemand verstanden wird, dast Fingeralphabet hat für den Verkehr keine Bc- deutung, und die Schriftsprache unterliegt gleichfalls allen auf- gezählten Schwierigkeiten. Was den Gebrauch der Lautsprache innerhalb des beruflichen Verkehrs anbelangt, so lehrt die Er- fahrnng, dast normal begabte Taubstumme nach sechsjährigem Schulbesuch mit ihrer gewöhnlichen Umgebung in der Lautsprnche verkehren können.— Aus der Vorzeit. — Die wertvoll st en A u s g r a b u u g s f n n d e der d e u t s ch- a r m e n i s ch e n Expedition, die jetzt von Dr. V e l ck in Virchows pathologischem Institut geordnet werden, gehören der Steinzeit an und cntstainmen einem Hügel ganz nahe von Van, der sich bei der Anfdecknng als Gräberfeld erwies und zahlreiche Skelette enthielt. Das Alter dieser Funde ist nicht schätzbar; mau kann nur sagen, daß eS mindestens 5000 Jahre beträgt. Da sind prachtvolle Messer aus Obsidian(einem vulkanischen Stein), und schöne Hammer(Nnclens) aus dem gleichen Material in allen Farben und Größen. Hier fesselt eine ganze Sammlung kleiner steinerner Räder, die eine Oeffnnng in der Mitte aufweisen; wahrscheinlich haben sie zum Schleifen gedient. Ferner sind hervorzuheben wundervoll polierte Steine. Schleuder- steine in verschiedenen Farben, Reibsteine zum Reinigcn, zum Mehlmnhlcn zc., Hammer, Schlendersicine in verschiedenen Farben, Stücke von Steinschalen. Das Hanptstück des Ganzen ist ein tadellos erhaltenes Strcitbcil in Knochenfassnng. Der Stein- zeit gehören auch eine Reihe beinnltcr, durchaus nicht gleich- förmiger Urnen an, bei denen man interessante Betrachtungen über Ornamentik machen kann. In den tieferen Schichten ist alles aus der Hand geformt, während die aus grösterer Höhe ent- nommeneu Arbeiten schon ans der Töpferscheibe gefertigt sind. Die in den Urnen vorhandenen Löcher sollten verninllich zum Ablaufen des Wassers dienen. Vom Urmia-Sce stammen farbig bearbeitete hübsche Pcrlc», die dcr allcrültcsic» Bronzezeit miflcljörcii. Eine priichtige flcfdüliffcnc Steinperle wurde 5 Meter unter dem Niveau der Ebene gefunden. Da ist ferner eine fein ge- schliffene Steinkugel init einein konischen Loch, die vielleicht als Knopf a» einem Stabe gedient hat. Eine Sammlung umfasch aus Knochen gefertigte, bald gröber bald feiner zugespitzte Nadeln und Instrumente. Als sehr seltenes Stück ist ein ausgezeichnet er- haltener Stcinhammcr zu erwähne» und als einziges Metallstück ein an der Oberfläche gefundener Bronzestift. In großer Zahl sind Menschen- und nnch Tierknochen mitgebracht. In dem Gräberhügel befanden sich bei jeder Leiche in der Regel die Urne, da? Messer ze. So weit sich die Schädel retten ließen, sind sie vollständig bor- banden. Ohne von der Geschichte des Landes etwas zn wissen, er- kennt man aus der Schädclform, daß die heutige Bevölkerung dort cingctvandcrt ist; denn die alten Schädel sind dolichoccphal(lang- köpfig), während heute die Armenier, Perser ausgesprochen bracht)- cephal, höchstens mcsoccphal sind. � Aus dem Pflanzeulebc». — Behandlung der Zimmerpflanzen. Obergärtner A. S l i>v a schreibt in der Wochenschrift„Neri[jus": Eins der wichtigsten Geschäfte bei der Pflanzcnpflcge ist das Begießen. Man sehe vor allem darauf, daß das Gießtvasscr nicht kälter, sondern lvärmer sei als die Zimmcrluft, da die Gesnndhcit der Wurzeln durch ein plötzliches Abkühlen unter Umständen recht cinpfindlich geschädigt tverden kann. Palmen, Tropenpflanzen mid dergl. gebe man nie Wasser unter 20—24 Grad Stsauinnr, Ivcnn sie herrlich gedeihen soüeii und ein Ucberschrcitcn dieser Wärmegrade ist selbst um 10 Grad durchaus nicht bedenklich, wohl aber ein Heruntergehen unter dieselben. Während der Periode schnellen WachStnmS und im Sommer verbraucht die Pflanze größere Wassermengen und ist darum, tvcnn nötig, täglich und so reichlich zn begießen, daß nnch dem Begießen und nachdem sich der Topfballen voll- gesogen,' das Wasser noch im Untersatze steht; dieses Wasser ist nach 1ö Minute» abzugießen. Im Winter und während der VcgctationSruhe ist wenig und nur so viel zn gieße», daß der Topfbalicn nicht austrocknet. Das Begießen ist»och nicht erforderlich, wenn nur die Oberfläche der Erde im Blumentopf trocken ist, ivas, veranlaßt durch die trockene warme Stiibcnluft, recht oft derFall sein wird, sondern erst dann, wenn der ganze Topfbaüen Feuchtigkeit braucht. Dieser Zustand läßt sich recht leicht durch das Beklopfen des Blumentopfes mit den Fingcrknöchcln ermitteln, tvelchcs vom oberen Rande ausgebend,»ach unten hin vorgenommen ivird. Ein Heller Klang zeigt Trockenheit, ein dumpfer Ton noch vorhandene Feuchtig- keit an. Die Blätter der Pflanzen sind oft mit einem weichen Schwann» und ivarmem Wasser vorn Staube zu reinigen, denn ein mit einer Staubschicht bedecktes Blatt kann nie seine ivichtigen Obliegenheiten genügend erfüllen. Bei lvarnrem, nicht zn starken Stege» überlasse man diesem das Reinigungsgeschäft. Auch bestäube man die Blätter recht oft mittels des Siefraichissenrs mit lanwarinem Wasser, dadurch tvird die Blätterthätigkeit gefördert und gleichzeitig die ginuncrlnst ver- bessert. Hartes, kallartigcs Wasser ist für alle diese Zwecke»n- geeignet, in Städten mit gutem tveichcn Leitungswasser ver- wende man dieses, sonst begieße man mit Regen- oder Fluß- Wasser. Auch durch»inrichtige Ainvcndung künstlichen Düngers tvird oft Unheil angerichtet: ein gutes, allen Pflanzenartcn zusagendes Düngemittel ist frischer Kuhdnng in Wasser aufgelöst. Wem diese Lösung nichtzurVerfügung steht, dem empfehle ich den von allen größeren Handclsgärtncreicn geführten Vlumcndünger in Pulverform, den man dem Gießtvasscr beiniischt. Es ist dies ein ebenso tvirksameS als rein- liches Düngemittel. Nicht»linder cinpfehlenStvert zur Düngnng ist auch das Honiutehl. Dieses setzt man cnttvcder beim Verpflanzen der Erde zil oder man thnt es in ein Gefäß mit Wasser, läßt»lehrere Tage ziehen und gießt dann von Zeit zn Zeit»nt diesem Horn- mchltvasser. Beim Umtopfen der Pflanzen ist darauf zu sehen, daß der Topf nie größer, als ihn die Pflanze in der nächstcu Vegetationsperiode zu dnrchtvnrzeln vermag, getvählt tverde, tveil sonst die zuviel vcrivendetc Erde sauer und die Endspitzen der Wurzeln faulig tverden. Ferner belege man beim llmtopfen den Boden jedes TopfeS mit einer schtvachen Schicht fein zerschlagener Scherben, tvclche den sogenannten Abfluß überflüssigen Wassers gestatten. DerBlnmentopf soll porös und stets reinlich gehalten sein, da in unreinlichen Töpfen und in solchen mit Glasur und von Porzellan die Erde dem Ver- säuern ebenfalls ausgesetzt ist. Sind die Wurzeln erkrankt, so sind ihre fauligen Teile scharf abzuschneiden, die Erde zu erneuern, die Pflanze möglichst warn», dabei aber etivas schattig zu stellen und vor Znglust zn beivahrcn. Auftretende Blattläuse sind durch Waschungen mit einer Lösung schlvarzer Seife, gemischt mit TabakSabsnd, vc- gnciucr aber durch Bestreuen mit frischem Jilsektenpnlver zu ver- »ichten. Regcntvürmcr wirken i»n»cr schädlich, weil sie beiin Wühlen ihrer Gänge regelinäßig da» Abzugsloch vc»ftopfc», wodnrch Versauern der Erde»nid Fanligwerden der Wurzel» verursacht wird. Glcßtvasser, in dem einige zerkleinerte Roßkastanien ausgelaugt sind, treibt die Negenwüriuer nach dem Gießen an die Oberfläche de» Erdballens. Auch durch ein Begießen mit Knmpferwasser werden die Würmer leicht vernichtet. Tabakranch und mäßiges Gaslicht schaden den Pflanzen beiist regelmäßigen Lüften nicht: elektrisches Licht ist ihnen vollständig ungefährlich.— Veraiitwortlicher Redaetenr: Carl Leid in Berlin. Meteorologisches. L3. Die T c>ti p c r a t n r in den höchsten Luft- schichte n. Seit drei Jahren hat der Leiter der Wetterwarte in Trappes, Dr. Teisscrenc de Bort, eine plamnäßige Erforschung des Lnftmccrs in großen Höhen eingeleitet, indem er in regelmäßigcit kurzen Zeitabständen kleine»inbeniannte Ballons absendet, die init selbstanfzcichncndcn mcteorologischen Instrumenten ausgestattet sind. In» ganzen sind bisher 240 solcher Ballons erfolgreich aufgelassen worden, und de Bort hat jetzt über die Ergebnisse der durch sie er- haltenen Beobachtungen an die Pariser Akademie der Wissenschaften berichtet. Es haben sich daraus einige wichtige Schlüsse auf den Zustand der höheren Luftschichten ergeben, die eine wesentliche Berichtigung der bisherigen Annahmen herbeiführen werden. Zimächst ist die Thatsache zu ertvähnen, daß bis zu einer Höhe von mindestens 10 Kilometer über der Erde der Wechsel der Jahreszeiten in be- trächtlichci» Schwankungen der Temperatur zun» A»sdr»lck kommt. Diese jahreszeitliche Temperatnrschlvanknng nimmt allerdings mit steigender Höhe ab. Am Erdboden beträgt sie in» Mittel 17 Grad für jene» Bcobachtnngsort, in 5 Kilometer Höhe etwa 14�'s und in 10 Kilometer 12 Grad. Im Januar, wenn in Trappes eine miltlcre Monatstcmpcratur von 0,9 Grad herrscht, hat die Luft 5 Kilometer hoch eine Temperatur von— 19 und 10 Kilometer hoch eine solche von— 52 Grad. In de» Monaten März und April ist in diesen Höhen die Kälte noch etivas größer. Eine bedeutende Erivärinung der oberen Luftschichten macht sich erst in» Juli bemerkbar: während in» Juni in 5 Kilometer Höhe noch fast— 17 Grad und in 10 Kilometer über—51 Grad verzeichnet lverden, steigt die Temperatur im Juli in 5 Kiloinctcr Höhe auf über—9 Grad. Am wärmste» ist die Luft dieser Schicht im September n»it—7,2 Grad. Niemals steigt die Temperatur in diesem Abstand von der Erd- oberfläche über den Gefrierpunkt, sondern sie schivankt zivischen— 7,2 und—21,8 Grad in» Monatsmiltcl. In 10 Kilometer Höhe findet sich die höchste Temperatur ebenfalls im September, sie beträgt aber—41.8 Grad, kommt aber in ihrem Maximum schon der größten Kälte gleich, die ans der Erdoberfläche überhaupt zu beobachten ist, die niedrigste Temperatur ist— 53,7 im April. In» Sommer muß man ctiva 3000 Meter emporsteigen, nn» die Temperatur des Gefrierpunkts zu erreichen, in» Winter mir 100 Meter.— humoristisches. — Alte Leidenschaft. Für steril»:„Aber Mann, in Deinen alten Tagen gicbst Du der Köchin noch einen Kuß l" F ö r st e r:.Schau, Weibcrl, sie kam mir halt gar so schön in die Kußlinie."— — Ausreichende Erklärung..... Und IvelcheS ist der Grund dafür, daß in den letzten Tagen so außerordentlich viele Leute ihr Testament gemacht haben?" Notar: Weil in den nächsten Tagen eine Automobil- Wettfahrt durch unsrc Stadt kommt.*— — V e r s ch» n p p t. Fremder(den Keller eines Wein- Händlers besichtigend):.Alle Wetter, sämtliche Jahrgänge sind ver- treten..!" Wein Händler(geschmeichelt):„Ja, sogar'S nächste Jahr schon!"—(„Mcggcnd. hmn. Bl.") Notizen. — Otto Ernst arbeitet gegenwärtig an einem socialen Drama. DaS Stück soll in» nächsten Winter zur Ausführnng gc- langen.— —„Der Bezwinger" heißt da» neue Lustspiel von Georges E o n r t c l i n e, da? daS N e u e T h e a t c r im nächsten Winter aufführen ivird.— — Die diesjährigen Festspiele in B a h r c n t h haben mit einer glänzenden Ausführnng des.F l i c g e n d e n H o l l ä n d c r" an» Montag ihren Anfang genommen.— — Die Herausgabe eines f o r st b o t a n i s ch c n Merkbuches für die Provinz Brandenburg wird ans Anregung des Ländwirtschaftsinlnistcr» vorbereitet, Die' Angelegenheit hat der Botanische Verein in Berlin in die Hand genommen. Das Merk- buch soll neben einer Auszählung der in der Provinz vorkommenden merkwürdigen, ungewöhnlich großen und seltenen Bäume auch einen Hinweis ans solche Oertlichkeiten enthalten, auf tvclche sich bej fort« schreitender Kultur bestimmte Gruppen von Pflanzen als auf bevor- zngte Stellen zurückgezogen haben.— — Mit der in Hamburg vorn 22. bis 23. September tagenden 73. Bersammlnng deutscher Naturforscher und A e rz te wird eine das ganze R ö n t g c n- V e r f a h r e n »msassendc Ausstellung verbunden sein.— — Die griechische R e g i e r n n g hat die Herstellung und den Vertrieb der A n s i ch t s- P o st k a r t e n als Staats- Monopol erklärt.— Druck und Verlag vou Max Badinz in Berliu.