UnterhalwngMatt des Horwäris Nr. 146. Dienstag, den 30. Juli. 1S01 (Nachdruck verboten.) 83i A v b v i k Roman in drei Bücher» von Emile Zola. Aus dem Französische» übersetzt von Leopold Rosenzweig. Als dann Nise zwanzig und Nanct dreiundzwanzig Jahre alt geworden war, fand endlich ihre lang ersehnte und voraus- gesehene Vereinigung statt. Seit sieben Jahren war kein Tag vergangen, der nicht einen neuen Schritt zu diesem Ende der langen und glücklichen Idylle bedeutet hätte. Und da diese Heirat, die die Tochter Delaveaus mit dem Bruder Josinens und Schwager Lucas' verband, allen Haß für immer vertilgte und den Bund der Eintracht besiegelte, wurde beschlossen, die Hochzeit zu einem großen Feste zu gestalten, das die vollzogene Sühne der Vergangenheit, das strahlende Aufgehen der Zukunft freudig feiern sollte. Gesang und Tanz sollten auf dem Terrain der ehemaligen Hölle stattfinden, in einer der Arbeitshallen des neuerbauten Werkes, das nun eine Fortsetzung der Crecherie und mit ihr zusammen eine ganze Industriestadt bildete, die viele Hektare bedeckte und noch immer wuchs. Lucas und Soeurette, die die Brautführer waren, er für Nanet, sie für Nise, nahmen auch die Anordnung des Festes auf sich. Es sollte ein prächtiger Tag werden, ein Freudenfest endlich erfüllter Hoffnung, eine Siegesfeier der Stadt der Arbeit und des Friedens, die nun fest begründet und des Gedeihens sicher war. Es ist gut, dem Volke häufig Gelegen- heit zur Fröhlichkeit zu geben, das öffentliche Leben bedarf zahlreicher Tage der Schönheit, der Freude, der Begeisterung. Lucas und Soeurette wählten also die Halle der großen Gußstücke zum Festschauplatz. einen gewaltigen Raum mit riesigen Dampfhämmern, hohen Rollbriicken und mächtigen Kränen. Die neuen Bauten, ganz aus Ziegel und Eisen, mit großen Fensterscheiben, durch die Licht und Luft in breiten Strönien eindringen konnten, waren ungemein hell, sauber und fröhlich. Man ließ selbstverständlich alle Maschinen an Ort und Stelle, denn man hätte für dieses Fest der sieg- reichen Arbeit keinen schöneren Schmuck erdenken können, als diese Riesenwerkzeuge, deren Linien eine eigenartig erhabene Schönheit zeigten, die Schönheit ungeheurer Kraft, die sich mit Klugheit und Zweckmäßigkeit eint. Aber man umwand sie mit Grün, man bekränzte sie mit Blumen, so wie die Altäre in alter Zeit. Längs der Wände zogen sich Guir- landen hin. und der Fußboden wurde mit Rosenblättcrn bestreut. So wurde hier die menschliche Arbeit köstlich ge- schmückt, das jahrhundertelang mühselig zum Glücke hin- strebende Geschlecht war endlich zum Licht eniporgedrungen, die Schönheit des Lebens umduftcte die Thätigkeit des Arbeiters, die einst so qualvoll und ungerecht gewesen, und nun frei und fröhlich war und nur Glückliche schuf. Zwei Hochzeitszüge setzten sich in Bewegung, einer aus dem Hause der Braut, einer aus dem Hause des Bräutigams. Lucas führte den Helden des Tages, Nanct, gefolgt von Josine und ihren Kindern. Soeurette führte die Heldin des Tages, Nise, ihre und ihres Bruders Adoptivtochter. Jordan verließ heute sein Laboratorium, in welchem er Jahre in un- ennüdlichen Forschungen verbrachte, als ob es Stunden wären. Auf dem ganzen Iveiten Gebiet der jungen Arbeits- stadt ruhte heute die Arbeit als an einem frohen Festtage, und alle ihre Bewohner standen in den Straßen, die das junge Paar durchzog, und begrüßten es mit herzlichen Zurufen. Die Sonne strahlte hell hernieder, die buntgeziertcn Mauern der Häuser glänzten fröhlich, die Bäume blühten, und in den Zweigen sangen die Vögel. Hinter dem Hochzeitszuge drängte sich dann die Menge der Arbeiter und erfüllte die hohen und weiten Hallen der Werke. Das junge Paar begab sich in die Halle der großen Gußstücke, die alsbald, trotz ihres niächtigen Raumes, zu eng wurde für die Zahl der Hochzeitsgäste. Außer Lucas und den Seinen und den Ge- schwistern Jordan befanden sich da das Ehepaar Boisgelin, Paul, der Vetter der Braut, der damals noch nicht mit Antoinctte vermählt war, denn ihre Hochzeit fand erst vier Jahre später statt; dann die Familien Bonnaire, Bourron, Fauchard, alle die Arbeiter, deren Arme diesen Sieg der Ar- beit hatten miterringen helfen. Sic hatten sich vermehrt, die Männer voll Kraft und Treue, die Arbeiter der ersten Tage; denn alle die Leute, die sich nun hier drängten, die waren ihre Nachkommen, ihre Brüder, deren Zahl immer noch wuchs und wuchs. Sie waren ihrer fünftausend, und sie sollten bald zehntausend zählen, hunderttausend, eine Million, die ganze Menschheit. Inmitten der gewaltigen blumengeschnmckten Maschinen vollzog sich nun die Ceremonie in ergreifender, würdevoller Einfachheit. Lucas und Soeurette legten lächelnd die Hände Nancts und Nises ineinander: „Liebet Euch mit Leib und Seele und zeuget schöne Kinder, die einander lieben werden, wie Ihr Euch geliebt habt." Die Menge brach in jubelnden Beifall aus und ließ die Liebe hochleben, die Königin Liebe, die allein die Arbeit erheben konnte, indem sie das Geschlecht immerzu vennehrte durch die Begierde, den ewigen Feuerherd des Lebens. Aber allzuviel Feierlichkeit war nicht nach dem Geschmack Nancts und Nises. Ihre Liebe war entstanden als Kinderliebe und wenn sie nun auch erwachsen waren und in festlichen Kleidern den Mittelpunkt einer festlichen Handlung bildeten, so waren sie doch fröhliche Kinder geblieben. Ohne sich um die vielen Zeugen zu kümmern, fielen sie einander um den Hals. „Ach, kleine Nise, wie bin ich froh, daß ich Dich habe, nachdem ich so viele Jahre auf Dich warten mußte!" „Ach, kleiner Nanet, wie froh bin ich, daß ich ganz Dir gehöre, nachdem ich schon so lange Dir gehöre. Denn Du hast mich Dir wohl erkämpft!" „Und erinnerst Du Dich, kleine Nise, wie ich Dir auf die Mauer hinaushalf, oder Dich Huckepack trug und wie ein Pferd mit Dir herumgaloppierte?" „Und erinnerst Du Dich, kleiner Nanct, wie wir Ver- steckens spielten und Du mich hinter den Rosenbüschen fandest, obgleich ich mich so gut versteckt hatte, und wir uns halbtot lachen wollten, so lustig war's?" „Kleine Nise, kleine Nise, wir werden uns lieben, wie wir gespielt haben, in Fröhlichkeit, Kraft und Gesundheit!" „Kleiner Nanct, kleiner Nanct, wir haben so viel mit- einander gespielt und wir werden uns so sehr lieben, daß wir uns noch in unfern Kindern lieben und noch mit den Kindern unsrer Kinder spielen werden." Und sie küßten sich und lachten und hüpften vor Glück und Uebermut. Von diesem Schauspiel begeistert, brach die Menge, in laute, fröhliche Zurufe aus, klatschte in die Hände, jubelte der Liebe zu, der allmächtigen Liebe, die unauf- hörlich neues Glück und neues Leben schafft. Die Liebe hatte die junge Stadt gegründet, und sie besäte sie mit der Saat besserer Menschen, damit die künftige Ernte der Gerechtigkeit und des Friedens aufgehe. Dann begannen heitere Gesänge, die Stimmen vereinigten sich zu Chören und teilten sich im Wechsclgesang, die Greise sangen von ihrer wohlverdienten köstlichen Ruhe, die Männer vom Stolz der siegreichen Arbeit, die Frauen von dem stärkenden Beistand der Liebe, die Kinder von ihrer glücklichen Zuversicht in die Zukunft. In lustigem Tanze drehte sich alt und jung, und endlich ver- einigten sich alle Hochzeitsgäste zu einem großen Schluß- reizen, der sie Hand in Hand beim Klange jubelnder Musik durch das ganze weite Gebiet der Werke führte. Der Neigen beganu in der Halle der Puddelöfen und Walz- werke, durchzog die Halle der Tiegelgußöfen, schlang sich durch die Halle der Drehbänke, kehrte durch die Halle der großen Gußstücke zurück und erfüllte mit seinem fröhlichen Lärm, niit seinem jauchzenden Rhythmus die hohen Räume, durch die sonst nur der ernste Atem der Arbeit brauste. Früher hatten die Menschen so viel gelitten, so qualvoll gekeucht in dem schwarzen, schmutzigen, ungesunden Kerker, der auf diesem Platze gestanden und den das Feuer vernichtet hatte. Heute >var alles erfüllt von Licht, Luft und freier Lebensfreude. Und der Hochzeitsreigen schlang sich immerzu um die mächtigen Werk- zeuge, um die gewaltigen Pressen, die riesigen Hämmer, die ungeheueren Walziverke, deren gigantische Formen heute unter dem Schmuck des Grüns und der Blumen lächelten, während die beiden jungen Menschen, die sich heute vermählten, allen voran tanzten, wie die srohe Seele des Festes, wie die Ver- korperung der gerechteren und brüderlicheren Zukunft, die sie durch ihre langjährliche Liebe gewonnen hatten. Lucas hatte für Jordan eine UebcrraschuNg vorbereitet. Er wollte heute auch ihn feiern, dessen stille Gelehrtenarbeit mehr für das Glück der Menschen that als hundert Jahre Politik. Sowie es Nacht geworden war, erstrahlte das ganze Werk im hellen Lichte taufender elektrischer Lampen. Die Forschungen Jordans waren nämlich zum Ziele gelangt, er hatte endlich,»ach hundertmaligem Mißlingen, das Mittel gefunden, die elektrische Kraft ohne jeden Verlust weiterzuleiten. Die Kosten des Transports der Kohle wurden nun erspart, diese wurde gleich am Fvrdernngsorte verbrannt, genial er- dachte Maschinen verwandelten die Wärme in Elektricität, welche dann in besonders konstruierten Kabeln, die jeden Stromverlust vermieden, zur Cröcheric geleitet wurde. Dadurch waren mit einem Schlag die Kosten der Elektricität auf die Hälfte vermindert, und dank dieser glorreichen Er- findung>var die Cröchcrie nnn reich beleuchtet, alle Maschinen und Apparate mit Ueberflutz an Kraft versehen, die Arbeit unendlich erleichtert, der Reichtum vermehrt, das Leben ver- schönert. Es war ein großer Schritt weiter auf dem Wege zum Glück. Als Jordan die liebevolle Absicht Lucas' erkannte, ihm mit dieser festlichen Beleuchtung eine Huldigung darzubringen, lachte er kindlich beglückt. „Vielen Dank, liebster Freund, für diese schöne Aufmerksam- keit! Ich habe sie vielleicht ein wenig verdient, denn wie Sie wissen, mühe ich mich nun schon zehn Jahre, um die Lösung des Problems zu finden. Welche Hindernisse haben sich mir in den Weg gestellt, welche Niederlagen habe ich erlitten, gerade wenn ich schon den Sieg zu halten glaubte! Aber trotz allem begann ich ans den Trümmern meiner ver- fehlten Experimente am nächsten Tage neu zu bauen. Man muß schließlich durchdringen, wenn man unentwegt weiter- arbeitet." Lucas drückte ihm warm die Hand, wie immer erquickt uitd gestärkt durch den Mut und die Zuversicht des Freundes. „Ich weiß es, und Sie sind der lebende Beweis dafür. Ich kenne keinen besseren und größeren Lehrmeister der That- kraft als Sie, und ich habe mich nach Ihrem Beispiel ge- bildet.— So ist denn die Nacht endgültig besiegt, Sie haben die Finsternis in die Flucht geschlagen, und wir können fortan, lvenn wir wollen, mit diesem Strom billiger Elektricität. sowie es Abend wird, oberhalb der Cröcherie ein Gestirn ent- zünden, um die Sonne zu ersetzen. Und Sie haben auch die nienschliche Anstrengung verringert, ein Mann genügt nun, wo früher zwei nötig waren, dank dem Ucberfluß an mechanischer Kraft, die allmählich alle Pein der Arbeit ans der Welt schaffeil wird. Wir feiern Sic als den Meister des Lichts, der Wärme uitd der Kraft!" (Fortsetzung folgt.) lNachdrnck verboten.) Dev TN en flckz nls MlezMinv. „WaS ist der Mensch?"— Kein Philosoph hat bisher die Natur dieses Wesens erschöpfend zu definiere» vermocht, sondern alle be- schäftigten sich nur mit einzelnen Seiten der Natur des Menschen. Und dies werden auch lvir thun, wenn wir den Menschen als eine Maschine betrachten, als eine Maschine, die wie die Dampfmaschine, die den Eisenbahnzug zieht oder die Erze aus dem Schacht holt, mit Kraft versorgt werden muß und dann eine bestininite Leistung erzielt. Chentische und phhsikalische Vorgänge im menschlichen jl'örper sind cS also, die uns beschäftigen. Der Mensch braucht nur den geringeren Teil der Nahrung zum Aufbau seines Körpers. Zum größeren Teile dient sie dazu, den komplizierten Mechanismus dieses Körpers im Gange zu halten. Sie ist mit andren Worten für den Körper das. ivas die Kohlen für die Dampfmaschine sind. Nahrnngsinittel und Kohlen sind organische Substanzen von sehr verivickeltcr chemischer Zusaminensetznng. Beide iverden. diese im Ofen und jene im Körper, verbrannt. Jiir Körper findet die Verbrennung der, bei der Verdauung aufgenommenen brennbaren Stoffe der Nahrung, des Kohlenstoffes»i!d des Wasserstoffes, in den Gciucbcn statt. Durch die Verbrennung werden die in den Köhlen und den Nahrnngs- mittel» schlummernden chemischen Spannkräste zum Teil in Wärme unigcsetzt. zum Teil dort in dem Dampfkessel als mechanische Spann- kraft des heißen Wafferdampfes und hier im Körper als lebendige Kraft aufgespeichert. Nun wissen ivir aber, daß bei der Berbrennung Kohlenstoff zu Kohlenfäure und Wasserstoff zu Wasserdampf oder Wasser verbrennt. Der zn dicscin Bcrhrcnnnngsprozeß erforderliche Sauerstoff wird aus der atmosphärische» Luft anfgcnonnileir und an diese das aus Kohlensäure und Wasserdampf bestehende Verbrennungsprodukt ab- gegeben. In unsrcm Körper geschieht die Zuführung des Sauerstoffs und die Entfernung der Verbreniinngsprodukte durch Aimon, und ztvar findet dies, abgesehen von der Ätniung durch Haut und Gewebe, die von geringer Bedeutung ist, durch die Atmung in den Lungen statt. Die von den Lungen ausgeatmete Luft ist deshalb außerordentlich reich an Kohlensäure und Wasserdampf, doch arm an Sauerstoff.- In den Lungen giebt die atmosphärische Luft zivar Sauerstoff an das Blut ab. da sie aber ein größeres Volumen Kohlenstoff und Wasser- stoff aus dem Körper empfängt und ihren gesamten.L-tickstoff be- hält, so atmen wir mehr— etwa ein Neuntel mehr— Luft aus, als wir einatmen. In der Physik kennt man nun die Wärmemenge, die ent- Ivickelt wird, wenn Kohlenstoff zu Kohlensäure oder Wasserstoff zu Wasser verbrennt, und drückt diese Wännemcnge in Calorien oder Wärmeeinheiten ans. Unter Wärmeeinheit versteht man das Wärmcgnantnm, das erforderlich ist, um ein, der Geivichtseiuheit des Brenumatcrials gleiches Gcwichtsguantum Wasser von 0 Grad auf 1 Grad Celsius zn erwärmen. Nimmt man also das Gramm als Gelvichtseinhcit, so wird man sagen, eine Wärmeeinheit ist die Wärmemenge die erforderlich ist, um 1 Gramm Wasser um 1 Grad Celsius zu erwärmen. Die Verbrennung von Kohlenstoff zu Kohlen- säure entwickelt 8080 Wärmeeinheiten und die von Wasserstoff zu Wasser 34 460. Der bekannte Physiker Dnloiig schätzt, daß ein erwachsener, normal ernährter Mensch innerhalb 24 Stunden aus seiner Nahrung rund 251 Gramm Kohlenstoff und 12Vs Gramm Wasserstoff zur Verbreuunng im Körper zurückbehält. Sei» Körper würde also ans diesen Stoffen annähernd 2>/s Millionen Wärmeeinheiten gewinnen. H e l m h o l tz geht von der Menge der aus- geatmeten Kohlensäure und des ausgeatmeten Wasscrdampfes aus und berechnet, daß ein gesunder, 82 Kilögran»» schivcrcr Mensch in 24 Stunden ans seinem Lnngcnatcm über 2 Millionen Wärmeeinheiten erhält. Mit der Wärmeprodnktion, die niiS die Lmigcnthätigkcit offenbart, sind die Wärmequellen für den Körper nicht erschöpft. Lassen wir die kurz erwähnte Atmung durch die Haut und die Gewebe unberücksichtigt, so haben wir in der Arbeit des Herzens eine weitere Wärmequelle vor uns. Das Herz ist gleichsam die Antricbs- maschine, die das Blut mit einer Cirkulationsgeschtvindigkeit von etwa 23 Sekunden durch den Körper treibt. Die linke Herzkanlmcr befördert mit jedem Hcrzstoß nach Volk- mann 188 Gramm Blut in die Aorta und nu>ß dabei den dort herrschenden Gegendruck des bereits vorhandenen BlutcS überwinden. Die dazu nötige Kraft ist einer Kraft gleich, die in einer Sekunde 604 Gramm einen Nieter hoch heben würde. Nimmt man 75 Stöße in einer Minute an, und erinnert man sich, daß man die Kraft, die ein Kilogramm in der Sekunde einen Meter hoch hebt, t knrztveg ein Kiiogramm-Meler nennt, so entwickelt die linke Herzkammer binnen 24 Stunden eine Kraft von 65 230 Kilogramm- Meter, oder das ganze Herz, da die rechte Herzkammer nur ein Drittel dieser Arbeit leistet, eine Gcsamtkraft von 86 970 Kilograin-Metcr». Diese Arbeit kommt denr Körper infolge der zn überwindende» Reibung des VlnlS an den Wänden der Adern und der Eigenreibung der Herzmuskeln als Wärme zn gut. Nun ist die Kraft, die 425 Gram», in der Sekunde um 1 Meter hochhebt, so groß wie die Wärinekraft, die 1 Gramm Wasser um 1 Grad Celsius erwärmt, oder, da wir das Gramm als Getvichtseinheit gewählt haben, gleich 1 Wärnre-Einhcit. Mithin liefert das Herz dem Körper 204 000 Wärme-Einheiten binnen 24 Stunden, d. h. etwa soviel wie die Verbrennung von 25 Gramm Kohlen geben würden. Ferner giebt jede Muskelthätigkeit dem Körper Wärme, denn ein Teil der lebendigen Kraft wird durch Reibung der Muskeln, Sehnen und Gelenkflächen, durch Erschütterung und Pressen der Knochen- ende» an einander in Wärme umgesetzt, wie wir alle aus Erfahrung wissen: Wir reiben uns die Hände, tvcnn wir kalt sind, und werden bei der Arbeit ivarm. Freilich sind die beiden letztgenannten Wärmequellen nur indirekte, gewisserniaße» RückVerwandlung der durch Wärme erzeugten lebendigen Kraft in Wärme. In letzter Instanz liegt jede Quelle der Körper- wärme in der Masse der dem Körper als Nahrung zngesührtcn Spannkräfte in Verbindung mit dem beim Atmen aufgenommenen Sauerstoff der atmosphärischen Luft. Im ganzen hat ein gesunder, ausgewachsener und normal er- nährter Mensch aus seiner Nahrung in 24 Stunden eine Gesamt- wäcme-Einnahme von 2.7 bis 3.4 Millionen Wärme- Einheiten. Dies genügt, um einen 88 bis 90 Kilogramm schweren mensch- lichen Körper von einer nnttlere» Temperatur von 10 Grad Celsius bis zur Temperatur von 38 bis 39 Grad Celsius zu erwärmen. 39 Grad Celsius zeigt unter normalen Verhältnissen die Blutwärme, lvenn auch das Blut' in den iuuercn Körperteilen etlvas lvärmer als in den äußeren ist. Höher ist die Temperatur im Gehirn mit 40,2 Grad Celsius, in der Leber mit 41,2 Grad Celsius und in den Lungen mit 41,4 Grad Celsius. Niedriger ist sie schon in den Körper- höhlen, z. B. im Munde unter der Zunge mit 37,2 Grad Celsius und in der äußeren Haut, in der sie im Gesicht auf 31 Grad Celsius und in einigen der Luft stark ausgesetzten Körperteilen, lvie der Nasenspitze, auf 22 Grad Cejsius sinken kann. Hat der Körper seine norniale Wärme erreicht, so ist eine weitere Wärme-AnfspeichernW siesundhcitswidrig und, falls dadurch die Körpertemperatur um 6 Grad Celsius erhöht wird, tödlich. ES muh deshalb der fortgesetzte» Wärme-Einnahme eine andauernde Wärnre-Ausliabe gegenüberstehen. Der Löwenanteil dieser Wärme- Abgabe