Interhaltungsblatl des Horwärts Nr. 162. Mittwoch, den 21. August. 1901 (Nachdruck verbotene A, v b e i k: SSI Roma» in drei Bitchern von Emile Zola. Aus dem Französischen übersetzt von Leopold Rosenziveig. Mitleidsvoll ging Bonnaire auf den Fremden zu. »Mein armer Freund, kann ich Ihnen behilflich sein? Sie scheinen erschöpft»nd niedergeschlagen." Der Arme antwortete nicht und blickte immer noch be- täubt und ratlos von einer Seite des Horizonts zur andern. „Haben Sie Hunger? Wollen Sie ein gutes Bett? Ich will Sie führen, und Sie werden hier Hilfe und Unterstützung finden." Endlich öffnete der gebrochene, armselige alte Mann den Mund und sagte halblaut, wie zu sich selbst: „Beauclair— kann das Beauclair sein?" »Freilich ist dies Beauclair. Sie sind in Beauclair," sagte der ehemalige Puddelmcister lächelnd. Doch als der Arme immer größeres Erstaunen und unüberwindlichen Zweifel bekundete, verstand er, was in ihm vorging. „Sie haben Beauclair ivohl früher gekannt, sind lauge nicht hier gewesen?" „Ja, mehr als fünfzig Jahre," sagte der Unbekannte dumpf. Da lachte Bonnaire fröhlich auf. „Ja, da wundert's mich freilich nicht,>venn Sie sich nicht zurechtfinden! Es sind seither einige Veränderungen vor- gegangen. So sind zum Beispiel die Qurignonscheu Werke, die hier standen, verschwunden, und dort drüben ist das alte Beauclair, der Haufen schmutziger Häuser, ganz demoliert worden. Und au dessen Stelle ist, wie Sie sehen, eine neue Stadt entstanden, der Park der Crschcrie hat sich ausgedehnt, hat den Platz, auf dem die alte Stadt gestanden, mit seinem Grün überzogen, so daß jetzt das alles nur einen einzigen großen Garten bildet, aus welchen! die kleinen weißen Häuschen hervorlachen. Ja, ja, da dauert's wohl eine Weile, bis man die Gegend wiedererkennt I" Der Arme war der Erklärung gefolgt und hatte die Blicke auf die Punkte gerichtet, die der gütige und fröhliche Greis ihm bezeichnete. Dann schüttelte er wieder den Kopf. Er konnte nicht an die Wirklichkeit dessen glauben, was ihm da gesagt wurde. „Nein, nein, das ist nicht Beauclair! Da sind wohl die beiden Ausläufer der Mouts Bleuses, dazwischen die Schlucht von Brias, und dort drüben liegt die Ebene der Noumagne. Das ist aber auch alles, was geblieben ist. Diese Gärten und diese Häuser sind ein andres Land, ein reiches Zauber- land, das ich nicht kenne, das ich nie gesehen habe. Nein, nein, ich muß tveiter gehen, ich habe mich verirrt." Er erhob sich mit Anstrengung von der Bank und nahm seinen Stock und seinen Sack wieder auf. Jetzt erst richtete er zum erstenmal die Augen auf den Mann, der ihm so liebreich seine Hilfe anbot. Bis jetzt hatte er in sich ver- funken dagesessen und wie in einem Traum befangen mit sich selbst gesprochen. Aber beim ersten Blick, den er auf Bonnaire warf, zuckte er zusammen, erbebte und machte eine Bewegung, als wollte er sich hastig entfernen. Hatte er ihn also er- kannt, er, der die Stadt nicht erkannte? Bonnaire selbst war so betroffen über die plötzlich aufzuckende Veränderung in dem entstellten, struppigen Gesichte, daß er seinerseits den Mann schärfer ins Auge faßte. Wo hatte er nur diese hellen Augen, in denen zu Zeiten eine heftige Wildheit aufflammte, schon gesehen? Plötzlich erwachte seine Er- innerung, auch er erbebte, und die ganze Vergangenheit lebte auf in dem Schrei, der sich seinen Lippen entrang: „Ragu I" Seit fünfzig Jahren hatte man ihn tot geglaubt. Der verstüinmelte, unkenntliche Leichnam, den man bald nach seiner Flucht in einem Abgrund der Monis Bleuses gefunden hatte, tvar also nicht der seinige gewesen? Er lebte, er lebte noch, er kam wieder zum Vorschein, und diese Auferstehung eines Toten nach so vielen, vielen Ereignissen erfüllte Bonnaire mit ahnungsvoller Angst vor dem, tvas geschehen tvar und was geschehen würde. „Rag», Du bist es!" Der Mann hatte den Stock in der Hand, den Sack auf der Schulter. Aber da er erkannt war, warum sollte er weiterziehen? Er hatte sich also nicht verirrt. „Freilich bin ich's, mein alter Bonnaire, und da Du noch lebst, der Du um zehn Jahre älter bist als ich, so darf ich wohl auch noch leben. Sehr beschädigt allerdings, kaum noch vollständig, das ist richtig!" Dann setzte er in feinem alten spöttischen Tone hinzu: „Du versicherst mir also auf Dein Wort, daß dies Beauclair ist, dieser prächtige große Garten mit den hübschen Häusern? Da wäre ich denn angelangt, und ich muß mich nur noch um eine Herberge umsehen, wo man mir erlauben will, im Winkel eines Stalles die Nacht zu verbringen." Warum war er zurückgekommen? Welche Gedanken bargen sich hinter dieser kahlen, runzligen Stirn, hinter diesem von Jahren unsteten und ausschweifenden Lebens verwüsteten Gesichte? Die Befürchtungen Bonnaires verstärkten sich, er sah den unheimlichen Gast schon die Festesfreude des mor- gigen Tages durch irgend einen Skandal stören. Er wagte es noch nicht; ihn zu befragen; aber er wollte ihn unter seiner Obhut behalten, und er fühlte sich auch mitleidig bewegt von dem jammervollen Zustande, in welchem er den Mann wiederfand. „Es gicbt hier keine Herberge, mein Freund, und Du kommst mit mir. Du sollst essen, so viel Dir schmeckt und sollst in einem reinen Bett schlafen. Dann wollen wir uns aus- sprechen, Du wirst mir sagen, was Du willst, und ich werde Dir helfen, wenn es mir möglich ist." „O, was ich will?" sagte Ragu wieder in seiner spöttischen Weise.„Nichts. Was soll ein alter, halbvcrkrüppelter Bettler wollen? Ich wollte Euch wiedersehen und wieder einmal einen Blick auf meinen Geburtsort werfen. Der Gedanke ließ mir keine Ruhe, ich hätte nicht ruhig sterben können, wenn ich nicht noch einmal einen kleinen Spaziergang hierher gemacht hätte. Das ist ja erlaubt, nicht wahr? Die Straßen sind ja noch immer frei?" „Gewiß." „Da habe ich mich also auf den Weg gemacht— o. das sind schon Jahre und Jahre her I Wenn man schlechte Beine und keinen Sou in der Tasche hat, kommt man nicht schnell vorwärts. Aber man kommt doch schließlich ans Ziel, wie Du siehst. Abgemacht also, gehen wir zu Dir, da Du mir als alter Kamerad Gastfreundschaft anbietest." Die Nacht war hereingebrochen, und die beiden Alten konnten Beauclair durchschreiten, ohne daß jemand sie sah. Ragus Erstaunen wuchs, er warf Blicke nach rechts und links. ohne irgend einen Punkt, an dein sie vorüberkamen, zu er- kennen. Und als Bonnaire bei einem der nettesten Häuschen unter einer großen Baumgruppe stehen blieb, entfuhr ihm der Ausruf, in welchem seine ganze Denkart von einst wieder zum Vorschein kam: „Du bist wohl ein reicher Mann, bist ein Herr ge- worden?" Der chcinalige Puddelmeister lachte. „Nein, ich war nichts und bin nichts als ein Arbeiter. Aber doch ist es wahr, wir sind jetzt alle reich und sind alle Herren." Ragus neidische Furcht war wieder beruhigt. „Ein Arbeiter kann kein Herr sein, und wenn man arbeitet, so ist das ein Zeichen, daß man noch nicht reich ge- ivorden ist." „Gut, gut, Alter, ich werde Dir das noch erklären. Tritt indessen ein." Bonnaire war für den Augenblick allein in diesem Hause, das seiner Enkelin Elaudine gehörte, die mit Charles Froment verheiratet war. Seit langer Zeit war der alte Ragu tot, und seine Tochter, die Schwester Ragus, die schreckliche Toupe, war ihm im vergangenen Jahre nachgefolgt, nach einem heftigen Streite, welcher ihr das Blut hatte gerinnen machen, wie sie sagte. Als Ragu erfuhr, daß sein Vater und seine Schwester nicht mehr unter den Lebenden weilten, nahm er dies mit einer wortlosen Gebärde auf. die auszudrücken schien, daß er darauf wohl gefaßt sein mußte, nach so vielen Jahren. Wenn man ein halbes Jahrhundert fort gewesen ist, kann man sich nicht wundern, niemand wiederzufinden. „Wir sind also hier bei meiner Enkelin Claudine, der Tochter meines ältesten Sohnes Lucien, der Louise Mazelle, die Tochter der Rentner, deren Du Dich wohl noch erinnerst, geheiratet hat. Claudine selbst ist mit Charles Froment, einem Sohne des Direktors der Crecherie, verheiratet. Aber sie haben heute ihre Alice, ein Mädchen von acht Jahren, zu einer Tante nach Jounnies gebracht und werden vor morgen abend nicht wieder hier sein." .Und heiter setzte er hinzu: '„Seit einigen Monaten haben die Kinder mich zu sich genommen, um mich zu verhätscheln. Das Haus gehört uns, iß und trink, dann werde ich Dir Dein Bett zeigen, und morgen werden wir dann weiter sehen." Nagu hatte ihm betäubt zugehört. Diese Namen, diese Heiraten, diese im Fluge vorbeieilenden drei Generationen der- ursachten ihn: Schwindel. Er verstand nichts von alledem, er fand sich nicht zurecht in dem Gewirre aller dieser unbekannten Er- eignisse, dieser Ehen, Berschwägerungen und Geburten. An dem behaglichen, reichlich versorgten Tische sitzend, über den eine elektrische Lampe helles Licht strahlte, aß er schiveigend und gierig von dem kalten Fleisch und den Früchten, die sein Wirt ihm bot. Die Wohlhabenheit und das Behagen, die ihn umgaben, schienen schwer auf den Schultern des alten Landstreichers zu lasten; er sah noch gealterter, noch zu- sammengesunkeuer aus, während er über seinen Teller gebeugt dasaß und finstere Seitenblicke auf all dieses Glück warf, von dem er ausgeschlossen war. Sein lang aufgehäufter Groll, seine ohnmächtige Rachgier, das nun für immer uner- süllbare Verlangen, mit Hilfe des Unglücks andrer sein Glück zu begründen, waren erkemrbar in seinem düsteren Schweigen, in der Niedergedrücktheit, in welche ihn der Anblick solchen Reichtums versetzte. Und Bonnaire saß ihn: gegen- über, voll geheimer Unruhe, da er den Man« so finster sah, neugierig, was er in diesem halben Jahrhundert erlebt haben mochte, und zugleich verwundert, daß er trotz seines Elends noch immer am Leben war. „Woher kommst Du denn?" fragte er ihn endlich. „O, von überall," erwiderte Ragn mit einer Hand- bewegung, die den ganzen Horizont umfaßte. „Da hast Du Wohl viele Länder und Menschen und Dinge gesehen?" „O ja, ich war in Frankreich, in Deutschland, in England, in Amerika, habe meinen Kadaver durch die ganze Welt ge- schleppt." lFortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) �ievo nls TetegvÄphenfeinde. Es ist Brauch, die Telegraphenstangen mit konservierenden Fliissigkeiten, wie Kupfervitriol,' zu durchtränken zum Schutz gegen Fäulnis und Verlvitterung. Dagegen hält die Imprägnierung durch- aus die winzigen Holzbohrkäferchen nicht ab, sich in den Telegraphen- stanzen anzusiedeln und hier ihre Kammern und Gänge au- zulegen. Zwar ist der Schaden, de» ein jeder einzelner dieser Käferchen anrichtet, zu dencir auch der Klopfkäfer ge- hört, der in altem Holzwerk sein als Totenuhr bezeichnetes Tick-Tack erschallen läßt, nur gering, aber ihren vereinten Kräften gelingt es mit der Zeit doch, die Telegraphenstangen förmlich zu unterminieren, so daß sie erheblich an Dauerhaftigkeit einbiitzc». Auch getvisse Amcisenarten beteiligen sich san der Zerstörungsarbcit. Im Reichs-Postniuseum in Berlin ist unter einem Glasgchause ein skelettartiges Gerippe ausgestellt, das die letzten Ueverrcste einer Telegraphenstange darstellt. Die kleinen Nager, ivelche diese Tele- graphenftange, die auf der Linie Brück-Kesseling stand, zerfraßen, waren die etlva fliegengroßen Roßameiscn, von denen einige als Beweisstücke neben dem Werk ihrer Kauapparate in Spiritus aufbewahrt werden. Noch lästiger werden in tropischen Ländern die Ternüten, : die sogenannten weißen Ameisen, die erbittertsten Feinde von allem, was Holz heißt. In Ober-Aegypten und im Sudan müssen all- jährlich ein Viertel aller Telegraphenstangen ersetzt werde», weil sie durch die Angriffe der Termiten so mitgenonimen iverden, daß sie zusammenzubrechen drohen. Ja, selbst an die iur Erdboden ge- borgenen Kabelleitungen wagen sich zuweilen die Termiten, wie ein Vorkommnis in Tonkin zeigt. An dem ini Jahre 1834 gelegten, von Harphong ausgehenden' Unterseekabel wurden schon im Jahre 1893 Stromverluste beobachtet, die sich nach und nach so steigerten, daß in der ersten Hälfte des folgenden Jahres seine Auswechselung vorgenommen werden mußte. Das Kabel enthielt drei aus je sieben Kupferdrähten bestehende Leitungen, die abwechselnd durch Lagen von Guttapercha und Chatterton, einer Mischung von Guttapercha, Holzteer und Harz, umschlossen wareit. Diese drei Leitungen waren mit drei tanninhaltigeit, die Zwischenräume ausfüllenden Litzen verflochten und außerdem von tanninhaltigen Jute- und Banntwollenbändern umwunden. Zum Schutze gegen äußere Beschädigungen war das Kabel von einer Bleiröhre umgeben. Die Fehlerstellen wurden in der Stadt Harphong auf- gefunden, Ivo das Kabel fast seiner ganzen Länge nach wegen des nur wenig den Meeresspiegel überragenden, schläminigen und salz- haltigen Bodens in Cemcnt eingebettet War. Bei der Untersuchung der ansgeschnitteuen Fehlerstücke' fand man im Innern des Kabels Bohrgäuge von zwei bis drei Millimeter Durchmesser und an mehreren Stelle» noch die Köpfe von Termiten. Ob diese, um in das Kabel zu gelange», erst die Bleiröhre durchbohrt hatten, konnte nicht festgestellt werden. Vermutlich aber hatten sie eine zufällig verletzte Stelle der Bleiröhre als Eintrittslvcg be- nutzt, um zunächst innerhalb der Jute- und Baumwollcnhülle vor- zubringen. Von da aus verzehrten sie die Litze» und Guttapercha- lleberzüge und verschmähten nur das nackte Kupfer und Blei. Auch Bicnenschlvärme machen sich zuiveileu als Störenfriede der Telegraphenanlagen bemerkbar. So hielt ein Bienenschwarm einen beim Telegraphenamt in Karlsruhe aufgestellten Weck- nnd Mclde-Apparat für einen passenden Unterschlupf nnd baute den leeren Raum innerhalb des hölzernen Sckntzkasteus gänzlich mit Waben aus, ohne sich durch das häufige Anschlagen des Apparats stören zu lassen. Selbst die ans dem Meeresboden liegenden Telegraphen- leitnngen sind nicht gegen die Angriffe der niederen Tierwelt ge- schützt. Hier sind es die Bohrmuscheln und Bohrasseln, kaum vier Millimeter große Tierchen, welche die Kabel beschädigen und die schon durch ihre Zerstörungen an den Holzbauten der Hafenanlagcn berüchtigt sind. Den Bohrmuscheln wird es verhältnismäßig leicht, den Schutzmautel der Kabel mit ihren am vorderen Teil der Schale sitzenden, vielen kleinen Raspelzähne» zu durchtrennen, bedeutend schwieriger aber ist dieses für die winzigen Bohrasseln, die nur durch Zernagen zum Ziel gelangen könne». Und doch iveist auch das Berliner Postmuscum ein ans dem dentsch-englischcn Kabel Emdcn-Valentia herausgeschnittenes Stück auf, dessen Guttaperchaüberzug in dem Maße von Vohrassel» zernagt wurde, daß das Kabel betriebsunfähig lvurde.s Ebenso zählen gewisse Vogclartcn zu den Feinden der Tele- graphie. Daß Sperlinge, Schwalben, Bachstelzen und Meisen sich die Drähte z» einem Ruheplätzchc» oftmals auswählen, kann man leicht beobachten. Hiermit ist aber keine Störung verknüpft. Wohl aber Iverden die größeren Vögel, wie Wildenten, Wildgänse nnd Trappen den Drähte» gefährlich, wenn sie bei ihren Wandcrzügen in Scharen gegen die Drähte anfliegen und sie durch den Plötz- lichen Anprall zum Zerreißen bringen. In andrer Weise tragen die Spechte, besonders die Grünspechte und Schwarzspechte, zur Beschädigung der Telegraphenleituugen bei. Sie können es nicht unterlassen, ihre Künste als Zimmerleute auch an den Telegraphenstangen durch die Aushackimg von Löchern zu ver- suchen. Regelmäßig befinden sich die Löcher an der Spitze der Pfähle und nicht selten werden bis zu einem Dutzend Löcher an einem Pfahl gezählt. Die Mehrzahl der Locher ist nur klein, weil die Arbeit bald aufgegeben wurde, andre sind so groß, daß sie wohl als Zufluchtsstätten bei Unwetter dienen können, und wieder andre stellen fönnliche Gänge dar, so daß sie die Stangen von der einen Seite bis zur andern durchsetzen. Die Art der Stangen ist von keiner Bedeutung, denn es werden sowohl alte als auch neue ausgehöhlt, und auch der verschieden- artige äußere Anstrich wirkt nicht störend. Wird ein mit Oelsarbe angestrichener Pfahl mit einem neuen vertauscht, der mit Theer an« gestrichen ist, so setzt der Specht an diesem die Arbeit fort nnd zwar fast immer an genau derselben Stelle, wo er vorher sein Werk be- gönnen hatte. Die angegriffenen Pfähle folgen in der Regel auf einander nnd bilden mitunter eine ununterbrochene Reihe von Kilometerlänge. Daran kann sich dann ein langer Zwischen- räum schließen, wo kein einziger Pfahl ausgehackt wird. Es geht daraus herbor, daß es nur einzelne Spechtindividuen sind, die sich dem Sport, die Telegraphenstangen zu bearbeiten, widnien. Was die Spechte zu diesem Treiben veranlaßt, darüber bestehen nur Vermutungen. Man hat gemeint, es wäre das Summen der Drähte, welches die Spechte glauben machte, in den Telegraphenstangen hausten Insekten, die ihnen zur Nahrung dienen könnten. Eine andre Meinung ist die, daß sich die Spechte nur in Ennangeluug von geeigneten Bäumen, wie alte Pappeln, die Pfähle zur Kurzweil und Beschäftigung aussuchen. Auf sehr eigentümliche Weise benutzten Vögel die Telegraphenleitungcn in der südafrikanischen Kolonie Natal. Dieselbe besitzt ein ausgedehntes Telegraphennetz, das teine Art von Webervögeln zur Anbringung ihrer Nester für geeignet erachtet hat. Die Webervögel entwickeln eine außerordentliche Ge- schicklichkeit in der Herstellung ihrer Nester, die sie für gewöhnlich an Baumzweigen aufhängen. Da sie hier aber leicht den Angriffen von Schlangen ausgesetzt sind, so haben sie zur Sichenmg ihrer Brut die Nester neuerdings an den Telegraphenleitungen befestigt. Da die Webervögel stets in größeren Gesellschaften zusammenleben, so sind die Drähte außerhalb der Städte auf lange Strecken hin mit Nestern dicht besetzt, was ebenso wenig das Aussehen der tele- graphischen Anlagen hebt, als es ihren Zustand verbessert. Ebenso wunderbar mutet der Anblick der Telegraphenleitunge» in manchen Teilen Brasiliens an. Hier find die Spitzen der Telegraphen- stangen mit üppigem Pflauzeulvcrk bedeckt. Die Vermittler dieser Pflanzenansledelim�en sind Vögcl. Wie!n Deutschland die Drosseln den Samen der Mistel, der an ihrem Gefieder hängen dleidt, vcr- schleppen, so trage» auch brasilianische Vögel den Samen gewisser Schmarotzerpflanzen mit sich fort, der. wenn sich die Vögel ans den Telegraphenstangcn niedcrlafien, abfällt, leimt, seine Hastwurzeln in das Holz treibt und sich nun freudig entwickelt, da die Pflanzen ihre NahrungNdurch Luftwurzeln ans der Luft beziehen. Natürlich sind auch diese Vogelvcrmächtuisse nicht von Vorteil. Denn die Pflanzen verwickeln sich in den Drähten, verwirren sie und stören die Leitung. Unter den Säugetieren sind es die kleinsten, wie die gröhten, die geistig unentwickelten, wie die vorgeschrittensten, welche sich an der Zerstörung der Telegraphcnliiiicn beteiligen. So geschieht es nicht selten, daß die Mäuse den Bleimantel der Kabel zernagen. Ferner kommt es vor, daß die Wale die Unterseekabel zerreigen, wenn sie ans irgend einem Grunde bis ans den Meeresboden hinab- tauchen. Vor einigen Jahren stieß die„Chesterfield", eine Bark von sOOZTornien zwischen Australien und Neuseeland mit einem Wal zu- sammeu, der mit gewaltiger Krast dein Schiff in die Seiten fuhr. Die Bark hielt den Stoß ohne Schaden aus. dagegen wurde der Wal schwer verwundet. Er tauchte, eine rote Vlütwclle hinterlassend, unter, erschien kurz darauf, matt mnhcrschwimmcnd, wieder aus der Oberfläche und tauchte von neuen» unter. Zu gleicher Zeit wurde das dort verlaufende Kabel bctricbsunfähig. Man fand, daß es»nie ein Bindfaden zerrissen war. Ein Vergleich mit dem Schiffsjournal der„Cheslerfield" zeigte, daß das Kabel genau an der Stelle zer- rissen worden war, Ivo der Zusammenstoß mit dein Wal statt- gesunden hatte. Es unterlag demnach keinem Zweifel, daß der im Todeskampfe sich wälzende Wal es gewesen war, der die Zerreißung dcS Kabels herbeigeführt halte. Ebenso gehören in Indien die Elefanten' zu den Schädigern der Telegraphie. Sie benutzen nämlich die von allen Seiten zu- gänglichcn Telegravheiistangen, um sich an ihnen den Rücken zu reiben, wenn sie vom Ungeziefer arg geplagt werden. Selbstverständlich vermögen die Telegraphenpfahle auf die Dauer dein Druck der Kolosse nicht zu widerstehen, sie neigen sich zur Seite, werden auch völlig aus dem Bode» gehoben nnd ziehen die Drähte nach sich. Endlich zählen auch die Vettern des Menschen, die Affen, zu den Missethätcr», die sich an den Telegraphenlcitnngcn vergreifen. In Ostindien erscheinen ihnen die Drähte außerordentlich geeignet, um auf ihnen ihre Turnkünste zu üben, hcrnniznspielen nnd sich herum- zujagen. Abschießen kann man sie nicht, da die Affen den Inden» heilig find. Ein findiger englischer Tclcgraphcnbcamter kam deshalb ailf de», Gedanken, zur Vertreibung der ebenso mißtrauischen»vie über- wütigen Gesellen die Telcgraphenstangcn nach Art der Vogelscheuchen in den Getreidefeldern mit abgetragenen Kleidungsstücken zu be- hängen. Der Erfolg ivar anfänglich überraschend. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Denn bald hatten die Affen ihr Mißtranen gegen den sondcrbarcu Schutz der Pfähle über- »vlinden und eines Morgens tanzten sie, nngetha» mit alten Männerhnten und Kleiderfetzen, toller denn je auf schlvankcnden Drähten zum uiigehcucrcn Jubel der Eingeborenen»md zun» desto größeren Verdruß des erfiilderijchen Schlaukopfes.— Theo S e e l>»» a n»r. Kleines Feuilleton. th. Bcrnsteiilsnchcn. Das ist an der Mole von Swineniünde, da wird das Mecrgold gefunden. Wenn Nordwest die Wogen jagt und peitscht, daß sie sich heben und hoch aufbäumen,»verseil sie das bleiche Gold der Tiefe mit vollen Häilden über den Strand. Keine großen Stücke, wie der Händler sie braucht,»vertlose Könier nur und Körnchen, aber der ganze Strand liegt voll. Dunkel- rot. blaßgelb goldenklar leuchtet und glüht es zlvischen dem Iveiße» Dünensand. Und alle die Großen und die Kleinen, nnd alles, Ivos heraus- kam für wenige Wochen, für einen kurzen Sommertag, sucht nach Bernstein. Die Damen habe»» die Röcke hochgehoben� die Herren und die Kinder gehen mit bloße» Beinen. Es ist ein Lachen und Jubeli», ein Rufe» und Jarnbzen über den ganzen Strand, und es thut ihnen gar nichts, daß die Wellen ihnen über die Knöchel spritzen... „Ich habe Ivelchen."„Ich auch, ich auch."„Ich habe ein Stück, wo was drin ist." Das ist das höchste,„ein Stück, Ivo ivas drin ist." Am ausgiebigsten ist der schivarze Schlick. Schlick? Ich glaube, das Wort ist nicht richtig. Schlick ist eigentlich noch etivas andres, ober schwarz ist das Zeug, kohlsckivarz. Die elegante Dame auf der Düne schlägt in die Hände und»virft ihrem Manne einen empörten Blick zu:„Aber Aujust, Du hast doch nu genug, Ivat suchste denn nu imnier noch in dem ollen Dreck?" Dreck ist es aber wirklich nicht. Treibholz ist es, Tang und Algen,»vie das Meer es eben ans. Ufer»virft. Wunderbare Sachen findet man da. Steinkohlestückchen nnd Sanienlörner, Wasser- pflanzen und Bretter und Planken, morsch gefressen, schivarz gebeizt von der Flut. Mag der Hinimel wisse»,»vie alt sie sind, und>vo die Wellen sie aufgegriffen. Da das Teil eines zerbrochenen Steuers, tvoher kommt es l Vielleicht von dein gescheiterten Schiff, der bleiche Matrose hielt sich daran, bis seine Finger erstarrten und erlahmten. Nun liegt er unten in» Grunde I— Und das Brett daneben, eS gleicht einer- Thür, dein Teil einer Thür. Das kommt ans Vineta, ans der Stadt iin Meer. Von den Mauern des Palastes rissen es die Fluten nnd nahmen es mit und »virbelten es hoch, und mir zu Füßen»vcrfen fie es ans Land. Ein Gruß aus Vineta,»veit draußen iin Meere liegt die versunkene Stadt. Und ich schließe die Augen und höre im Wasser die Glocken läuten. Ja, ich liege im Dünensand und träume. Es ist ein schönes Träumen hier. An» Himmel Gelvittenieignng, die Sonne scheint fahl. Schivarz- graue Wolken hänge» tief über schtvarzgranem Meer. Draußen in der Ferne schläft die Flut, eine einzige unbeivegte Fläche, aber»inten am Strande rauscht die Brandung. Weiße Schaumkäi»»nie tanzen auf den Wellen, steigen auf nnd sinken zusammen und steigen»viedcr auf.»vachsen und schwellen. Nach rechts und links hin dehnen sie sich nnd fließen znsanunen mit andren Wellen. Wie eine Schar neckischer Mädchen nehmen sie einander Hand in Hand und laufen in einer einzigen langen Reihe über das flache Ufer. Und jede neue Welle bringt neu den Bernstein herauf. Durch meine Finger gleitet des Meeres Gold in große» flammenden Tropfen. Jetzt weiß ich,»voher das Treibholz kommt. Aus den Vernsteimvälder» steigt es herauf, ans den versunkene»» Wäldern der Urzeit, die stehen tief unten auf Meeresgrund. Stumm und tot stehen sie da, mit ihren erstorbenen Riesenbäuinen, mit ihren Büsche», die»ie niehr grünen; halb vergraben in Sand und Schlamm. Ans dem Harz ihrer kahlen Aeste sind selten Blumen aufgegangen. Bernsteinblumen, märchenhast, wunderbar. Wenn der Sturm die Fluten aufwühlt bis zum Grunde, brechen fie die Aeste mit den gelben Blumen und»virbeln sie nach oben ans Tageslicht.— Da der Zweig, der auf den Wellen herumtanzt, er stammt von der großen Tanne, unter der einst das Mammut geruht. Vor der Höhle des Urmenschen breitete er seine grünen Nadeln aus! Aber am Ende ist das gar nicht wahr.— Am Ende warf ihn nur der Schiffer über Bord,»veil er zu naß war zun»— Kaffeekochen. Ja, so»vird es geivese» sein. Und die Thür ans Vineta,— sie hing drüben in dem alten Bauernhans, da hängen solche Thüren noch heut'. Fahr»vohl alle Poesie! Aber Märchen und Wunder raunt das Meeresgold. Drüben bei den Strandkörben haben sie»vieder etivas gefunden. Die Kinder lachen und schreien. Das kleine Mädchen im rosa Röckchen ruft: „Ich habe schon zwei Hände voll I Eine Kette ziehe ich mir davon auf." Das sollte der Mönch von Danzig hören. Der Mönch von Danzig? In den Fischerhütten am Strand erzählen sie von ihm mit heimlichem Grausen. Wenn die Nacht sich breitet über die See, wenn der Strand weiß liegt in» Mondenschein, dann kommt der„Mönch von Danzig" geritten. Er reitet auf einem Preußenschiinmel, schiver- fällig tapst das ungefüge Roß durch den fahlen Sand. Er reitet dahin,>vo das Meergold liegt, und überzählt die blinkenden Schätze »md sind es zu»venig.»veiten sich seine erloschenen Augen und seine Knochenhände krallen sich, als»vollten fie jemand erwürgen.' Das ivar vor vielen Jahrhunderten, als der„Mönch" obei» in Danzig saß. War's denn ein Mönch? Vielleicht auch ein„Deutsch- Herr", ein„Ritter von Marienburg", ein Pfaff auf alle Fälle.— Ein christlicher Pfaffe, und den Bernsteingewmnst hatte er zu überwache»». Das war die Zeit, Ivo das Meergold noch Gold wert war,»vo die arnien Fischer heinilich kamen, u»n die Schätze der Tiefe fortzu- holen, sie zu verschinuggel» für»venige Groschen. Der Mönch von Danzig haßte die armen Fischer. Sie schmälten den reichen Geivinn des Ordens. Und er schrieb ein Gebot aus: Niemand solle hinab an den Strand, und wer doch käme, der würde gehängt. Da standen am ganzen Strand hin die Galgen und an» ganzen Strand bin flogen die Naben, die fanden Nahrung in Hülle nnd Fülle; kostbare Nahrung: Menschenfleisch. Dem» die arn,en Fischer kaincn doch. Es»var ja auch schließlich einerlei, ob sie gehängt wurden oder Hungers starben. Run ist der Mönch von Danzig lange tot. aber die Fischer wissen es, sein Spukbild reitet noch immer über den Bcmsteinstrand. Die Sonne hat sich hinter den Wolke» verkrochen, eine kalte Brise konnnt von der See und treibt die Wogen, daß sie hoch auf- schällmen. Die kleinen Mädchen bei den Strandkörben schreien auf: das Wasser schlägt ihnen fast bis an die Brust— lachend und jauchzend springen sie die Düne hinauf und schütteln die nassen Tropfen aus den Locken. Nur die Kleine im rosa Röckchen bleibt zurück und jammert:„Mein Bernstein, mein schöner Bcrnstei»», nun liegt er alle»vieder in der Seel" Sie hat ihn richtig fallen lassen vor Schreck, i Oder war es der Mönch von Danzig, der ihn neidisch anL ihren Hände», riß? Wie schivarze Schatten fliegt es über den Strand.— — Geigen aus Porzellan. Das allcmeueste auf dem Gebiete der Keramik ist die Herstellimg von Geigen und Mandolinen aus Porzellan. Das„Meißner Tageblatt" schreibt: Dem hiesigen Okarina- und Porzellanorgel- Fabrikanten Max Frcyer ist es ge- lungen, ein Verfahren zu erfinden, welches die fabrikmäßige He>stelllMach einer Veränderung der„Regina", Lortzings nachgelassener Oper, über deren Wkerkwürdigkeiten wir uns ja nach der Berliner Erst- aufführung im März 1899 ausgesprochen hatten. Zu Posen geboren 11846), z» Berlin als vielbegehrter Gefälligkeitsarbeiter, fleißiger Komponist und Musikpädagoge gestorben, hinterläßt er uns u. a. auch das, Ivos uns im mnsikaiischen Leben und Tod ans Schritt und Tritt begegnet: Opern, welche die Musenhcrberge unter den Linden noch nicht aufgeführt hat.—' sz. Physiologisches. — B l u t u n t e r s li ch u n g e n im Luftballon. Ans Zürich schreibt man der„Frkf. Ztg.": Kürzlich hat der Professor der Physiologie an der Züricher Hochschule, Justus Gaule, begleitet von seiner Gatlin, eine Ballonfahrt mit dem Luftschiffer Spelterini nnternonnne», deren Zweck ivar, in gelvisser Höhe iniiroskopische Blutimtersuchnngen vorziinehmen. Einer Beschreibung zufolge, die Professor Gaule über seine Fahrt in der„Neuen Züricher Zeitung" veröffentlichte, ergab das Experiment ein höchst mcrkivürdiges Resultat. A»l Morgen der Auffahrt hatte Professor Gaule im Physiologischen Institut die Zahl der Bllitkörperchen, die Färbekraft und das specifische Gewicht seines eignen sowie des Blutes seiner Frau bestimnlt. Die Blutcntlnlhme zur Verglcichung fand zivischen 4400— 4700 Meter Höhe statt. Auch der den Ballon führende Luft- schiffer gab Blut zu Nntersnchnngszivecken her. Es wurde nun fest- gestellt, daß die Zahl der Blutkörperchen bei allen die Fahrt mit- machenden Personen sich vergrößert hatte, obtvohl nur wenige Stunden zivischen der Untersuchung des Blutes in Zürich und der- jenigen in, Ballon lagen. Am größten ivar die Vermehrnng der Blutkörperchen bei Frau Professor Gaule, bei welcher nachmittags »i» 4 Uhr 40,1 Proz. Körperchen niehr in der Raumeinheit festgestellt lvurden als vormittags 9 Uhr im physiologischen Institut. Professor Ganle kam bei sich in einer Höhe von 4600 Meter auf 8 800 000 Körperchen im Kubikinillinietcr, eine Zahl, die, ivie der Gelehrte bemerkt, vielleicht die größte ist, die je bei einem Menschen gezählt ivurde. Bei Spelterini ivar die Vermehrung an, geringsten, immerhin kam er bei 4700 Meter Höhe ans über 7 000 000 Körperchen im Kubikmillimeter. Ist diese Vermehrnng, ivie bei andren Zählungen behauptet wurde, auf rein physikalische Weise zu erklären?„Wir haben", schreibt Professor Gaule,„nicht bloß die Blntkörpcrchenzahl, sondern auch die Färbekraft des Blutes bestiinnit. Und selbst bei einem physikalischen Fehler im Apparat müßte der eine Wert davon nicht berührt iverden, da man ja zivei verschiedene Apparate benutzte. Und bei einem Einfluß des Luftdrucks ans die Blutgefäße »lützteil die beiden Werte sich in gleichem Sinne ändern. Sie ändern sich aber in entgegengesetztem Sinne. Die F ä r b e k r a f t des Blutes nimmt ab, während die Zahl der Blutkörperchen zuniinmt. Das kann man sich nur damit erklären, daß der Luft- druck auf zwei Faktoren, die in den Blutkörperchen vorhanden sind, den entgegengesetzten Einfluß hat. Den einen Faktor, der die Zahl bedingt, begünstigt seine Verniinderung, den andren, der die Färbe- kraft, hemmt sie. Beide Faktoren müssen im lebenden Organismus fortwährend thälig sein, wenige Stunden genügen schon zu einer ge- waltigen Acnderung, d. h. die Zellen deS Blutes sind nicht konstant, ivie man seither gedacht hat, sie sind enorm veränderlich.— Hlnnoristislyes. — Besorgnis. B i c r m a i e r(der von einem Krokodil verschluckt wird):„Wenn es jetzt nur nicht ettva a Wasser drauf saust I"— — Eingegangen. Mutter(zu ihren Töchtern über das Kapitel Ehe sprechend):„Aber nehmt Euch in acht, daß Ihr nicht a n f.d.e n e r st e n besten hereinfallet." Vater svon der Lektüre ärgerlich anfschanettd):„Du willst doch nicht damit sagen, daß Du auf mich hereingefallen wärst?" Mutter:„Keineswegs— Du warst ja iveder der erste noch der bestel"—(„Meggend. Hum. Bl.") Notizen. — Der Germanist und Litteratnrhistoriker Karl Wein hold ist, 78 Jahre alt, in Nauheim gestorben. Wcinhold war Dozent an der Berliner Universität; er hat sich namentlich um die wissenschaftliche Darstellung der deutschen Mundarten verdient gemacht.— — Tolstojs Werke im Ausland. Die erste lieber- setzimg einer Tolstvjschen Schrift erschien 1870 in Griechenland. Erst 1877 kam ein Werk Tolstojs ans den denlschen Büchermarkt und in demselben Jahre erschien die erste französische Uebersctznng eines Buches des russischen Schriftstellers. In England dagegen konnte man schon 1876 eine llebertragung einer Toislojschen Novelle lesen. Jetzt, wo Tolstoj in alle Knltilrsprachen übersetzt ist und nian unter den Uebersetznngen seiner viclgelesensten Werke sogar eine chinesische� die 1895 erschien, sowie eine hebräische findet, beträgt die Gesamt« zahl der deutschen Uebersetznngen seiner Schriften 218. In England sind bis jetzt 175, in Frankreich 159 Uebersetznngen erschienen.— — Das"L e s s i n g- T h e a t e r eröffnet die neue Saison am 1. September mit dem Drama„Familie Wawroch" von Franz A d a m u s.— — In der Berliner Knnstnnsstelliing sind neuerdings fünf Karikaturen ans den„Lustigen Blättern" von Franz I ütt n er durch die Nationalgaleri'e angekauft worden. Alle fünf sind politischer Natur, eine mit Hinsicht auf die Drehfns-Affaire, zivei mit Bezug auf die chinesischen Wirren und zwei den Transval« Krieg glossierend.— — In dem Wettbewerb um de» Neubau des StadttheaterS in Bielefeld erhielt den ersten Preis der Banmeistcr S e h r i n g in Berlin.— Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.