Ur. 232 Absimemkitts-Kedingnngrn: vbonnemsntS-Preis pränumerando! Vierleljährl. ZM> Ml., monall. 1,10 Mr., »Bochenllich 28 Pig. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntage« Nummer mit illustrtcrler SonnlagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SM> Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zetlu»gz- Preisliste für 1099 unter Hr. 7020. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat, Erfchelnl täglich ausser Vevlinev Volksöl�kk. 16, Jahrg. Dir Inftritons- Gebühr beträgt für die fschSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Klciue Anseigen" j-deS Wort S Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittag» in derExpedttion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Frrnsprechrri Sink l, Nr. 1203, Telegramm-Adresse: „Sorinldrmostrak Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Vartei Deutschlands. Redaktion: 19, Bruttz-Stea�e 2. Mittwoch, den 4. Oktober 18Ö9. Expedition: SW- 19. Beuth-Skraste 3. Diploinatenpolitik und Arbeiterpolitik. In einem Artikel über„Weltpolitik" führten wir vor wenigen Monaten aus, wie die diplomatische Zunftpolitik, jeder schöpferischen Kraft bar, nichts Positives zu leisten ver- möge, wie das Wort Weltpolitik im Munde der kleingeistigen Zunftpolitiker, die nicht über ihre Nase hinaussehen können, ein wahrer Hohn sei, und wie es nur eine Partei jetzt gebe, die eine Weltpolitik hatte: die internationale völkerbefreiende und revolutionäre Socialdemokratie. Das „revolutionär" haben wir ausdrücklich hinzugesetzt, weil, die „Vossische Zeitung" neulich behauptete, die deutsche Social demokratie habe für ihre revolutionären Jugendsünden zerknirscht Buße gethan in Sack und Asche und frei- willig das Wörtchen: revolutionär abgelegt. Ach! die gute Taute Voß muß wieder einmal geschlafen haben, was ihr so oft passiert, sonst hätte sie gewußt, daß die liebe � staatsrettende Polizei das Hoch auf die revolutionäre Socialdeiiiofratie als groben Unfug be- trachtet und mit Haft oder Gefängnis bestraft. Doch„revolutionär" hin,„revolutionär" her: Thatsachc ist, daß die Weltpolitik der Herren Zunftpolitiker die gemeinste R a u b p o l i t i k ist(siehe China und Afrika) und daß, wo sie einmal, wie beider H a a g e r Konferenz, vor den Augen der Welt sich ein höheres Kulturziel steckt, das� lächerlichste Fiasko die Folge ist und der Widerspruch zwischen Worten und Thaten so kraß hervortritt, daß auch der Stärkstnervige, der nicht mit beiden Füßen„jenseits von Gut und Böse" steht, nur Ekel empfinden kann. Was aber von der Weltpolitik gilt, das gilt auch von der Politik im allgemeinen. Wohin wir schauen: unter den Zunftpolitikern ein wahres Kirchtunn- Wett- rennen des Unverstandes und der Unfähigkeit. In S P a n i e n Wirrnis über Wirrnis; in Italien Auf- lösuug des Rechts und Herrschaft der brutalsten Gewalt; in Rußland Anarchie und Vorbereitung zum Bürgerkrieg (in Finnland zc.) mit obligater Hungerpest; in O e sl r e i ch Anarchie und allgemeine Auflösung; in Deutschland An- archie, so daß niemand weiß, wer Koch, Kellner und— Kanzler ist. Oder weiß es jemand? Herr M i q u c l weiß es nicht, bei dem Lukanus sich eingestellt hat, Herr v. Hohen- lohe weiß es nicht— und d i e sollten es doch am besten wissen. Nun, man braucht sich die Znpftpolitikcr bloß anzusehen und die Werkstätte, in der sie ihre„Politik" machen, und die G e s e l l s ch a f t s s ch i ch t c n, aus denen sie konuuen— da wundert man sich nicht über das Fiasko und die Anarchie. Wir im Deutschen Reich, das so herrlich alles erfüllt hat, was die Besten der Nation jahrhundertelang geträumt und erstrebt— wir hatten einen Einblick in die Werkstatt, als vor dritthalb Jahren der Lecke rt-Tausch-Prozeß uns die hermetisch schließenden Thüren öffnete und die intimsten Geheimnisse vor uns ausbreitete. Da enthüllte sich uns das verschleierte Bild von Sais — ohne Feigenblatt stand die Regierungs- Politik vor uns und wir sahen, wie Deutschland regiert wird. Und jetzt wieder die Katzbalgereien zwischen der Hohenlohe- und M i q u c l- Presse, die Z e d l i tz c r e i und die Hintertreppen-Staatsaktionen, wie sie einst in der alten Türkei ani Goldenen Horn und iin alten Frankreich, am Hofe der Pompadour, gespielt haben und uns als Kindern in der Schule erzählt wurden, damit Stolz uns erfülle auf unser deutsches Vaterland, in dem solche türkisch-bourbonische Wirtschaft nicht möglich. Und die Gesellschaftsschichten, aus denen unsere Zunftpolitiker genommen werden, oder richtiger hervor- wachsen, denn bei der Geburt bringen sie schon Offiziers- Epauletten, Landratsuniform, Ministerfrack nnt auf die Welt— jetzt haben wir treffliche Gelegenheit, in das Herz dieser Gescllschaftsschichten. die in Deutschland das Monopol des Rcgierens haben, hineinzuschauen. Da sitzen sie auf der Anklagebank die Prachtexemplare des Klubs der Harmlosen. Hat der Prozeß Leckert-Tausch uns ge- �cigt, wie in Deutschland regiert wird, so zeigt uns der Prozeß der„Harmlosen", wie es um die Gescllschaftsschichten bestellt ist, die für sich das ausschließliche Recht beanspruchen, uns zu regieren, und die dieses Recht auch bisher ausgeübt haben und heute noch ausüben. Da kann es niemanden wundern, daß in Deutschland so regiert wird— wie regiert wird, und daß auch die geduldigsten Staatsbürger sich Tag für Tag an das Wort von Oxenstierna über die Zuuftpolitiker und privilegierten Weltregiercr er- innert fühlen. In dem benachbarten stammverwandten O c st r c i ch hat es der Zufall gefügt, daß die socialdemok ratische Politik dieser Tage der Zuuftpolitik ins Gehege kam und sich vor ein Problem gestellt fand, an welchem die Zunftpolitik seit Jahrzehnten sich die Zähne ausbeißt, ohne auch nur den geringsten Fortschritt zur Lösung gemacht zu haben. Es handelt sich um das Nationalitäten- P r o b l e in. Die Zunft Politik hat die Lehre erfunden, daß zede sogeuaunte„Nation" sich gegenüber anderen Nationen abrunden, abgrenzen und abschließen müsse; sie hat die Lehre erfunden, daß eine Nation gegen die andere gehetzt werden müsse, damit leichter und bequemer über alle regiert werden kann. In Oestrcich. wo 1848 und 1849 vermittelst der Nattonalitäten-Verhetzung die Monarchie und Dynastie„gerettet" ward, ist seit Jahrzehnten die Nemesis an der Arbeit. Die Nationalitätenhetze rächt sich. Slaven, Ungarn, Deutsche— alle wollen herrschen, alle be- kämpfen die Herrschast der andern. So lange Oestreich im Deutschen Bund war und an das große deutscheVolk sich anlehnte, waren die DeutschenOestreichs die herrschendeNation in Oestreich, war die deutsche Sprache in Oestreich die herrschende Sprache. Der Sieg der preußisch-deutschen Nationalpolitik im Jahre 1866 hat der östreichisch- deutschen Nationalpolitik das Grab ge- graben. Mit der Vorherrschaft der Deutschen ist es in Oestreich vorbei und Oestreich ist die zweite europäische Türkei ge- worden. Die Zunftpolitiker entdecken und versuchen alle Paar- Jahre eine neue Politik— aber je mehr die Politik wechselt, desto mehr ist sie dieselbe Politik— immer dieselbe blöde Politik der Herrschaft, des Zwanges, der Gewalt. EinChaos ringender Kräfte, jede mit verschiedenem Ziel, jede vom Mittelpunkt abstrebend— der Zerfall unvermeidlich, wenn nicht ein gemeinsames Band bald geflochten wird. Vorige Woche tagte nun in Brünn das Parlament der ö st r e i ch i f ch e n Arbeiter. Auch s i e hatten sich mit der Nationalitätenfrage zu beschäftigen, weil die Arbeiterbewegung eine einheitliche sein muß, will sie nicht von vornherein auf den Sieg und die Zukunft ver- zichten. Es war das Ei des Columbus. Schwere, ja unlös- bare Aufgabe nur dann, wenn man das Natürliche, Selbst- verständliche nicht will. Schon vor dreißig Jahren sagten wir von Oestreich: die Nationalitätenfrage ist nur durch Freiheit zu lösen— Oestrcich niuß eine große Eidgenossenschaft werden, oder es geht zu Grunde. Wohlan, mit dem Beispiele der Schweiz vor sich, deren verschiedenartige, außerhalb der Schweiz einander oft feindliche Nationalitäten hier in friedlicher Harmonie zusammenleben und zusammenarbeiten, erfaßten die östreichischen Arbeiter— Czcchen, Polen, Deutsche u. a.—, daß nur in der Herrschaft das Hinder- nis der Einigung lag, und sie erklärten sich einstimmig für die absolute Freiheit und Gleichheit aller Nationalitäten und für die unbeschränkte Autonomie der einzelnen Teile. Denn dies ist notwendig, wo die einzelnen Nationalitäten nicht dicht beisammen wohnen, von den andern abgetrennt, sondern wo sie durcheinander gemengt sind, wie z. B. in B ö h m e n. Sobald die Herrschaft aufhört mit ihrem gcwalt- sameu Unterordnen der einen unter die anderen, hört auch der Gegensatz auf und mit dem Gegensatz der Nationen auch der N a t i o n a l h a ß und die National- e i f e r s u ch t, dieses flüchwürdige Erbe der Zunftpolitik. Die östreichischen Arbeiter, welche die richtige und einzig ögliche Lösung der Nationalitäteiiftage gefunden haben, nennen sich zwar keine Staatsmänner, aber sie haben tausend- mal mehr staatsmänuischen Geist und sind tausendmal bessere Politiker, als unsere Zunftpolitiker. polikische Tlrbevllcht» Berlin, den 3. Oktober. Die Offizialverteidiger Miqucls mühen sich mit weit niehr Eiser als Geschick ab, den Minister der Sammlung zu verteidigen. Wenn nicht die Angriffe Herrn Miquel am Leben erhalten, seine Verteidiger würden ihn unbarmherzig vernichten. Die Schweinburgschen„Berliner Polit. Nachrichten", die auch von Herrn v. Zedlitz inspiriert sverdcn, beginnen heute eine Auslassung mit den vielver- sprechenden Worten: „Wir hoben uns bisher um den plniimötzigcn und wohl- orgaiüsiertcn Pretzlärm der CentrumS- wie der radikalen Blätter gegen den F i u a n z m i n i st e r nicht gekümmert, weil wir uns in dieses Gewebe von Verdrehungen, Erfindungen und Verdächtigungen aller Art nicht einmischen wollten, auch von vornherein keinen Zweifel bnttcn, das; diese Verbindung der heterogensten Elemente schließlich mir zur Aufklärung der wahre» Motive dienen würde. Wir möchten doch aber jetzt eine Vc- incrkung inachen." Was aber folgt nach dieser hochtrabenden Einleitung? Etwa eine Verteidigung Miqucls gegen den Vorwurf, daß er um die kanalfeindliche Agitation seines Zedlitz gewußt, vielleicht sogar sie begiinstigt habe? Iftchts dergleichen. Wir hören nur eine Reihe von Beschuldigungen des Centrums, dem vor- geworfen wird, es trage die Schuld an dem Scheitern der Kanalvorlage. Es ist sehr aniüsaut, wie jetzt nacheinander von den Miqueliden das Centrum. die Liberalen, die Freisinnigen als die Schuldigen der Kanalablehnung bezeichnet werden, es fehlt nur noch, daß man hinzufügt, der Kanal sei trotz der Besür- wortung durch die Konservativen an dem Widerspruch der mit dem Centrum verbündeten Liberalen und Freisinnigen gescheitert. Es scheint, als ob die Offiziösen Miquels auf ein Publikum von Verrückten rechnen. Wenn insbesondere das Ceutrnm für die Ablehnung der Teilstrecke, des Dortmund-Rheinkanals, verantwortlich gemacht wird, so widerspricht dies den offenkundigsten Thatsachen. Es war uieniand anders als der Finanzminister Miquel, der in der dritten Lesung auch die Teilstrecke und damit den ganzen Entwurf zu Falle brachte. Miquel erklärte nämlich, ganz »m Schlüsse, die Regierung denke nicht daran, den Dortmund- Rhein-Kanal, dessen Bewilligung besonders das Centrum eifrig befürwortete, zu bauen, ehe nicht der ganze Kanal au- genommen sei. Nach dieser Erklärung war es sinnlos, für die Teilstrecke allein zu stimmen, da sie ja doch nicht gebaut werden würde. Miquels Freunde werden also ihrem Meister nicht gerecht, wenn sie ihm das Verdienst streitig machen wollen, daß er und er allein durch seine wohlüberlegte Taktik für die Beseitigung des ganzen Kanals gesorgt hat.— Wenn sich der Kaiser, der am Freitag von seiner Jagd- reise zurückkehren soll, über den Fall Zedlitz Bericht erstatten läßt, so dürfte auch diese Zedlitzsche Taktik des Finanzministers mit Recht ein Plätzchen in dem Bericht finden. Hoffen wir, daß die Angriffe der radikalen Presse auf den ministeriellen Vertrauensmann derAgrarier Miquel vordem Lncanps bewahren. Wir vermöchten diesen Sammelpolitiker selbst dann nicht zu rühmen, wenn wir ihn durch unser Lob zu stürzen vermöchten. Das hindert aber nicht, daß wir doch dankbar anerkennen. wie durch seine kunstvolle Zweideutigkeit statt der erstrebten Sanimlnng eine heillose Zerrüttung bewirkt worden ist. Ein bißchen ist Miquel doch der Aufwiegler seiner Jugend ge- blieben!_ Der Liebersche Sammelruf nnd daö badische Centrnm. Aus Baden wird uns, in Ergänzung unserer Mitteilung in der Sonntagsnuinmcr geschrieben: Der Sammelruf, den der Centrums- führer Lieber auf dem Mainzer Katholikentag an die National- liberalen ergehen lies; zur gemeinsamen Bekämpfung der Social- demokratie. hat die badischen Ultramontanen im gegenwärtigen Wahlkanipf in eine sehr heikle Situation gebracht. Eben war auf der ganzen Linie der CentrumStrupPcn der Kampf gegen den national- liberalen Erbfeind entbrannt und als Schlachtruf die Losung aus- gegeben:„Unter allen Umständen nieder mit den Nnrional- liberalen, selbst wenn dabei ein Socialdemokrat unterstützt werden müßte!" Eben hatte die Centrunispreffe ihr schweres Geschütz auf- gefahren, um den bösen badischen Kulturkämpfcrn alle ihre Sünden vorzuhalten, die sie sich während ihrer jahrzehntelangen Parlaments- Herrschaft aufs Gewissen geladen: da ertönte von Mainz her die Liebersche Ehamade, den ganzen strategischen Aufmarsch des badischen Zentrumsfähnlcins über den Haufen werfend und schreckliche Ver- wirrung in die eigenen Reihen tragend. Wie sollte man auch mit Begeisterung den Kampf gegen einen Feind weiterführen, dem von der obersten Heeresleitung über die Köpfe der Soldaten hinweg, die Hand zur Versöhnung gereicht, dem sogar offen die Waffenbrüderschaft angeboten worden?! Das war eine ge- fährliche Situation, aus der eS nur eine Rettung gab: die Gehorsamsverweigerung nach oben, die offene Meuterei! Stolz warfen sich die Führer des badischen CentrumSkontingentS in die Brust und kündigten dem nordischen Häuptling die Gcfolgschast, die sie bisher schon nur mit Widerwillen geleistet. Man bedeutete dem Berliner Oberbefehlshaber, daß er von den politischen Verhältnissen in Baden nichts verstehe und daß sein Sammelruf deshalb dort ohne jede Wirkung bleiben müsse. Die kleineren CcutrnmSblätter spielten die Rolle der Anstifter bei dieser Meuterei, und nach wenigen Tagen hatte auch das Hauptorgan der badischcn Klerikalen, der in Karlsruhe erscheinende„Badische Beobachter", den Mut zu folgender Absage an die Liebersche Heeresleitung gefunden: „Es existiert, wie schon wiederholt dargcthan worden ist, für die C e n t r u m s p a r t c i keine„Hauptleitung". die Weisungen zu erteilen hat. Bor der Hand besorgen wir unsere Geschäfte s e l b st und zwar nach Maßgabe der Verhältnisse in Baden, die wir an? eigener Kenntnis am besten zu beurteilen in der Lage sind. Wir sind zur Zeit noch nicht in der Lage und auch nicht willens, die Wahl- g e s ch ä fte des N a t i o u a l l i b e r a l i s m u s zu besorgen nnd erblicken im Gegenteil unsere Hauptaufgabe darin, unseren g c« schworenen Feinden mit allen erlaubten Mitteln nach Kräften Abbruch zu thutt. Dabei wird es bleiben, trotz aller Lamentationen der natiounlliberalen Presse." Damit war die Ordnimg in den Schlachtreihen deZ badischcn Ultra», ontaniSmnS notdürftig wiederhergestellt, wenn man sich anch nicht verhehlen konnte, daß mit den Liebersche» Auslassungen deip uationalliberalen Feinde eine Waffe in die Hand gegeben war, von der er im gegenwärtig tobenden Wahlkampf einen für daS Centrnm recht unangenehmen Gebrauch machen kann. In einer ganzen Reihe von Wahlkreisen ist daö Centrnm auf die Unterstützung der ausschlaggebenden Socialdemokratie angewiesen, die ihm dort auch ohne die Bedingung einer Gegenleistung zu teil wird. Die Befchdung unserer Partei nach Licberschem Rezept würde für die badischcn Ullrnmontancn also einen Schnitt inö eigene Fleisch be- deuten, während die Socialdemokratie ihrerseits dabei nicht das geringste zu riskieren hätte. Das hat nian in den führenden Centrnmskreisen Badens wohl begriffen, und daher jene entschiedene Stellungnahme gegen die von Lieber empfohlene Taktik. Der schlaue' Häuptling' des preußischen Centrunis hat sich hier als ein Taktiker von sehr zweifelhafter Qualität erwiesen, und der Riß. der durch seine Mainzer Rede zwischen ihm nnd den mehr demokratischen Elementen des süddeutschen KlerikaliSmuS herbeigeführt wurde, wird nicht so leicht zu übcrkl, istern sein. Auch hier wird sich wieder zeigen, daß daS deutsche Centrnm schwere innere Gefahren heraus beschwört, sobald es, den„staatsmänuischen Auwandlungen" seiner derzeitigen Führung allzusehr nachgebend, den Boden der volkstümlichen Opposition verläßt nnd seinen Ehrgeiz darin sucht, bei jeder Gelegenheit nach oben bin sich als zuverlässigste Stütze gegen den socialistischcn„Umsturz" in empfeblende Erinncruna-u bringen._ 'Die Krise in Südafrika. Die englischen Kricgsvorbcreitungen in Südafrika sind keineswegs vollendet, so daß Transvaal ebenso viel Interesse daran hat, die Feindseligkeiten bald zu eröffnen, als England sich bemüht, den Beginn des Krieges hinauszuzögern. Eine Antwort Transvaals auf die letzte englische Note ist noch immer nicht erfolgt und soll offenbar überhaupt nicht er- folijcu; alle VcrhindungSlcitmigen sollen abgeschnitten worden sein. Anur.cr neue Züge von Bocrcn gehen zur Grenze ab, wo eine ansehnliche Kriegsmacht versammelt ist. Tie Boereii sind von patriotischer Begeisterung erfüllt und hoffen zuversichtlich. den Engländern schwere Schlappen zu schlagen. Intervention der Mädite? Ans Paris meldet das Hcrold-Vurcau: In diplomatischen Kreisen verlautet, daß zwischen den Kanzleien Nustlands, Teutschlands und Frankreichs augenblicklich Unterhandlungen über den süd afrikanischen Krieg im Gange seien. Sobald die Feindselige leiten begonnen und die Boeren ihren ersten Sieg errungen hätten, würden die Mächte England ihre Per mittlungausdrängen. Dktttsdjes Peich. „ 3«P Ziichthaiisvorlage braucn die Nationalliberalcn allerlei Tränklciii zusanuiicii, die stiv schmecken aber uichttdestoireniger die Koalitionsfreiheit oergiftc» sollen. Nach der Meldung eines hessischen BlatteS sollte der Kern der nationallideralen Nntriige darin bestehe», dast..bestimmt bezeichnete AnSschrcitungen, die bisher»nr nach dem Strafaescpbuche als Beleidigung. Kvrpervcrlcpnng oder Sachbcschndignng ,N-nfbar waren, nach der Gewerbe-Lrdunug alö Nötigung strafbar erklärt werden sollen." Twsc AnSschrcitungcil solle» nach dem genannten Blatte„von der härteren Strafe für NötignngSvergehtn de troffen werden, mid bei ihnen soll auch der Versuch mit der vofr brachten Thnt gleichgestellt sein." .»Aatiotial-Keitwig" ncimt diese Meldmig„unzutreffend", cm borsichtig gewählter AnSdrnck, der mehr die Nichtiglcit als die Unrichitigkeir jener Angaben bekräftigt. Der Trank scheint nur noch nicht fertig zu sein.- . Der arme Kardorff. Die. B e r li n er N e u e st en N a ch- richten" erkläre»,„das; die sehr seltenen Beiträge, die Herr v. Kardorsf bei uns veröffentlicht hat, sännlich seine Namensunterl schrift tragen und daß er eine Honoriennig dafür s e l b st v c r st ä» d I i ch Ivcder� beansprucht noch bezogen hat." DaS„selbstverständlich" wird ivohl anS der Qualität der ge� Iicfcifcii Beiträge gefolgert. Jedenfalls ist— bei solchen Zahlimg� bcdingmigen— das Kanonenblatt sicher vor der Gefahr, von Herrn v. ZcdliP nijt Leitartikeln und EutrefiletS bedient zn werden.— Heber konservative Jntrigncn schreibt die„Germania" „Nachdem die Konservativen»nd der Bund der Landwirte mit gW» v. M i q u c I ihmr Separatfrieden geschlossen hadcii, in dem ne nichts anderes als eine Uiitcrlvcrfnng der preußischen Rcgicrnng uiitcr den Willen der Fronde erblicken, glauben sie wieder voliständig U"d allein dir Herren d e r S i t n n t i o n zn sciir Die Fabel einer I n t r i g u e gegen Herrn v. M i q n e l Ivnrde zn dem sehr durchsichtigen Zweck e r f n nd e n. de» in Berlin W— näher bestimmt in den RcdaltionSrönmc» der„Kreuz-Zeitnna"— abgeschlossenen Tcparatfneden zn verhüllen. Wir finden eS erklärlich baß die..K r e u z. Z e i t» n g" Scheu trägt, zur Aufklärung dieie« Intermezzo ihre Wissenschaft beizutragen, ivcil sie keinen Ein- blick in ein abgekartetes Spiel gewähre» lassen will. ElivaS deutlicher schon hat sich die„Dentiche TageSzeitnug" ausgesprochen. wenn sie ihre runde Absage an H-n» v. Miqncl mit dem Schluß- sähe:„getraut haben wir ihm niemals", mmmehr ans-„die positive MUteilimg eines MamieS. der»Mcrnchtet sei mußte", zurück- führt. Wie leicht loärc eS doch den Blättern, durch Mitteilung deS N a in e n S des MmincS, durch den sie„nihstificiert" sein ivollcn, die angebliche Jntrigue selbst oder wenigstens den Versuch cincr Ivtchc» zu enthüllen!" Besteuerung der Warenhäuser. Die„Berliner Politischen Nachrichten" teile» mit: „Bei der Erörterung der Verhältnisse dc§ Detailhandels Ivnrde auf der letzten Generalversammlung de« Vereins für Socialpolitik die Frage der Bcstenernng der Warenhäuser gestreift. eS stellte sich aber auch hier heraus, daß darüber unter den Socinlpolitilern recht verschiedene Ansichlen herrschen. Die Regierung verfolgt. wie wir höre», de» Gedanke» einer solchen Bcstenernng nach wie vor. Die Arbeilen an ciiicin deincluivrcchcndcn Gesetzentwurf werden fortgesetzt, und man hofft bald zn cincr Lösung der Frage zu gelangen. Jedenfalls»verde» auch die P a r l a- m c n t e schon bald in dir Lage gebracht»Verden, ihre Ansichten über die Besteuerung darzuthun und ihr Votum über einen Gesetz- enttvnrf abzugeben."— Taö verhätschelte Proletariat. Die Kruppschen.Neueste ,1 Nachrichten" fordern in einem bcrzbeioegendcn Artikel die Rc- gicrnng ans. eS nun endlich mit der Verhätschelung des Proletariat« genug sein zu lasse» und an den Schutz der Arbeitgeber zu dcnlc». Die Socinlrcform unter Wilhelm I. iei ja ein großartiges und notlvcndigcs Werk gcivcsen. Man habe eS ohne Ncbrngedanlen unternoinincn, allerdings auch hier mid da die Hoffinmg gehegt, „gerade der Teil der Vcvvlkernng, den» die neue Gesetzgebung zn gute kmn, erfreulichere DascinSbcdliigniigcn für Gcgcmvart und Lnkunft bereitete, werde sich enger als seither den» Staat an- schließe» und sich von den Vcrlocknngcn derer lossagen, die ihin noch nie etivaS anderes als trügerische Verheißungen gclvährt hatten. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Bis zur Stunde sind die nnerfnllbarcn Vcrsprcchiuigcn jener Demagogen, die nach den von ihnen lockend ausgebreitete» Zielen»vie~ in der Mehrzahl~ nach ihrer persönlichen Bethättgnng als„Lrgani- satorcn der ArbcitSschc»l" gellen dürfen, sür die Menge der Arbeiter reizvoller gewesen als die greifbaren Vcrbcsserinigc». die die bürgerliche Gesellichaft durch ihr bor»ehu»stcS Organ in der destchenoe» Staatsordnung bot." Aber nicht nur die„Organisatoren der Arbeitsscheu" sind echte Kinder der Scharfmacher, sondern auch das folgende: „Nach Hunderltauscndcn zählen die Alters- und Invaliden- rentncr, die bloß daran zu dcnlcn brancheli, daß sie ohne die Socialgcsetzaebuiig Almosenempfüiiger»vären, um dankbar den großen Fortschritt zu preisen, der ihnen zu teil gcivorden. Die Krankcnbersichcrnng hat eine Organisation gcfnndcn, die allen billigen Anfordernngcu entspricht und beinahe schon eineu Anreiz zum Mistbranch enthält. Damit ist das vorher Versäumte reichlich eingeholt, haben Staat und Gesellschaft ihre Bcrpflichtung voll erfüllt. Daß dies geschehen, freut die nicht am wenigsten, auf deren Kosten es sich vollzieht. Doch damit ist auch der Zeitpunkt gekonimen, wo ninn vor llebcrtrcibniig»oarncn und die Bewegung auf einer Bahn auf- halten niuß, deren Beschreitung notwendig»nd heilsain geivcsen, die aber, zu ivcit verfolgt, iu Zerrüttung zu führe», eiuc völlige Berkehrung der natürlichen Verhältnisse zu etablieren»nid die vorigen Mängel durch andere, nicht»linder schivcre Mängel zu ersetzen droht. Auch moralische und materielle Rechte deS Arbeitgebers haben Anspruch ans staatlichen Schutz. Daß die Lebensführung der Arbeiter sich erhöhen konnte, freut niemanden nichr als den Arbeitgeber, der große Opfer»villigkeit in dicsc» Fragen beivährt hat. Doch soll mnn nicht übertreiben und nicht den Arbeitgeber niuttvillig in eine bedrängte Lage bringen, die ihn verhindert, ferner der Aufgabe sich zu»vidmcn. ohne deren Ersüllung Staat und Gesellschaft nicht bestehen, geschweige denn blühen können. Dem Arbeiter»verde sein Recht ohne jede Kürzung und Bcr- kinnmerung. Doch auch dem Arbeitgeber muß eS werden. Dem Arbeiter»verde von Staats ivegen als dem wirtschaftlich Schivächercn jeder Schutz. Aber Verhätschelung ist vom Nebel, denn sie fiihrt zur Verkenming der Wohlthal des Rechts, reizt zur Bc- gehrlichkcit, säet Unzufriedenheit und wirbt Rekruten für die Partei, die de» Namen der Umsturzpartei nicht abiveisen lainr,»vcil ihre Programmgrnndsätze und Programmforderungen Unmöglichkeiten sind." Man könnte meinen, daß in der Zeit der Socialleaktion, des PosadowSkyknrscS und der Zuchthansvorlage nur ein Wahnsinniger derlei Zeug zu schreiben vermöchte. Aber die Sache erklärt sich anders. Der arme Teufel, der für Krupp journalistische Schund wäre zu liefern hatte, machte sich, ein Organisierter der Arbeitsscheu, die mühsame und ekelhafte Aufgabe leicht, und schrieb einfach einen alten Artilel anS der Zeit der Febninrerlasie von 18iX) ab, als die aufgeregten Fabrilhcrrcn fürchteten, es köinie mit einer wirklichen Socialresorm eingesetzt»verde». Jetzt, da jene Refornibegeisternng längst verflogen, innh sich die Negicrnng»nn die fast zehn Jahre abgelagerte Warnung gefallen lassen, sie beabsichtige die Arbeiter zu verhätscheln, anstatt die dedrängten Arbeitgeber zu schütze», die ihre beiße Liebe für die Soeialgesetze WilhclniS l. dadurch bethätigen, daß sie sie unabläjfig— übertreten.— Die Frommen und die Harmlosen. Der. Reichsbote' widmet dem Hnrmlvsen-Prozcß die folgenden erschreckten Zeilen: „Vielleicht erschrickt doch mancher»och. Ivenn er in diesen Spiegel blickt und darin sein eigenes Bild erscheint. Waö ist da» für eine Jugend! Mit Spiel. Weibern und Pferden vergeudet sie ihre Zeil, ihr Gelb und.»vaö mehr ist, ihre Sittlichkeit, ihr Geivisien— und brüstet sich dabei noch mit gcivisscn Ehrbegriffen. Wo ist da noch Platz sür edles Th>»ii, sür Forlbildung, für ernste »vlsicnschaftliche Arbeit?— Und nun denke man sich, daß solche Leute vielleicht einmal hohe Beamte werden, die im Auftrage des Staates für Sitte, Religion und Ordnung eintreten sollen! Wie kann das dann mit wirklichen». sittlichem Ernst geschehen und nmß eS»ilbt das Gegenteil bewirke»», wenn dahinter ein böses AcivtsscS steht,»velchcS dann überall durchblickt und vom Volke empfunden»vird? Und »vab sind da« für Elter», die ihren leichtsinnigen Söhnen das Geld scheffelweise iu den Schoß werfen zur Wcilersührnng ihre« liederlichen LebenS! Was sollen da so arme Leute denke», die in harter Arbeit nicht cimnal so viel erringen können, womit sie ihre Familien kümmerlich zu ernähren vermöge»»,»venu sie hier sehen »nd höre»,»vie von solchen jungen Leuten Zehntausend« für Spiel, Maitreffen und üppiges Leven»vcggeivorfcn»verde»! So„harmlos", lvic diese Leute denken, ist dieses frivole Spiel in»»sercr Zeit nicht und ihr herausfordernde« Bciichnic» vor Gericht, ans dein »im» überall heraushört:„Was geht das Euch eigentlich an.»vaS wir mit nnscrcr Zeit und imscrcm Gelbe anfangen",»nacht den Eindruck»nr nm so ividcrivärtigcr." Eine ganz nette Kcinizcichniliig, die nur der Annicrlnng bedarf, daß der Kampf für Sitte, Religion und Ordnung, so»vie er geführt »vird, gar nicht»nöglich»väre ohne solche StaatSretter l— Gin Wink für Mlqnclsche Kanalfcinde. Daffelbc Wahl- »nänncr-Kolleginm, ivelchcS den Kanalgegner Landrnt v. Hassel- dach gewählt hatte, hat jetzt bei der Ersatzivahl in RcnhaldrnSlebcn- Wolinirstcdt e i n st i»» m i g beschlossen, einen lanalfrcundlichc» Abgcordnclcn zu»vählcn.—_ SchmollcrS Stäupung. Ans der BreSlaner Eenemsversammliing des Vereins für Social« Politik hatte Professor Schmoller,»vie schon erwähnt, in seiner Anspractic ctiva solgcudcö ausgeführt: „Aber ich muß gestehen, so sehr ich alich die Irrlehre der Soeialdcmotratie bekämpfe, so sehr begrüße ich das Fortschreiten der Arbeit erbewegimg im Interesse der Bildung, GeinndhcitSpflege und Kultur überhaupt. Ich stehe nicht an. es auszusprechen, daß ich für die m e t st e n s 0 c i a l d c m 0 k r a t i s cv e n Führer eine große persönliche Hochachtung habe. Ich halte eS sür verkehrt, daß man deshalb.eine Partei vernichten »vill,»vcil sie Pläne ausstellt, die doch niemals erfüllt werden können. Der Wind für Socialresorm ist augenblicklich lein günstiger, er ist auch seit nnscrcr letzten Generalversammlung in Köln nicht besser geworden. I ch l> c d a n e r e, d a ß»n a n d i e G e- i e y g e b n n g z n ändern beabsichtigt,»in d a S KoalitionSrecht z n beschränken. Ein Teil der Unternehme rpresse will jede Arbeiterbeivegnng unterdrücken, sie »vünscht eine Rückkehr zum Socialislcngcsetz. Diese Presse hält jeden Arbeiterverein für einen socialdcmvkratischcn und betäinpst jede Socialreforni, da diese doch bloß der Socialdeinolratie Vorschub leiste. Ja, man»vill nicht früher mit de» Arbeitern unterhandeln. che diese ihre Principicn und ihre Führer abgcschivorcn haben. DaZ ist ein verlangen, das nicht zn erfüllen ist. Sollte diese Anschanmig zur hentschcndcn werden. dam» haben»vir eine Kapita listciiherrschaft, die ich sür viel gefährlicher balle, als die Gefahr, die dem Vater lande durch den socialen Unrstnrz droht. Ich Halle die Monarchie sür die beste, die alle Umstmczl'cstrcbnngen mit aller Macht nieder hält, aber alle socialen Resormc» ciusührt, die vermmslgcinäß sind und der Gerechtigkeit und Menschlichkeit entsprechen. Sollten die Anschauungen der Kavitalistenvresjc maßgebend»verde», dann sehe ich darin eine große Gefahr siir nnscre Monarchie, unser Vater- land, ja, für niisere ganze Knltnr, ja. dann bricht unsere preußische lvt 0 n a r ch i e mit ihren T r a di ti onen, dann »vird an» dem König der S ch»v a ch e n und Armen ein König der Reichen. Ich habe jedoch die Ucverzcngnng. daß unsere Regierung den Weg der socialen Reform ans der Grund läge der Gleichberechtiginig der Arbeiter mit den Arbeitgebern gehen»vird. Wir werden lrotz aller Anfeindimgen als unparteiische Dritte nicht auihören. dafür zn wirken, daß unsere locialrcforma- torischcu Vorschläge Beachtung siiideu, daß der sociale Kampf in friedlichen Bahne» bleibt, und daß au den Grundsätzen fest« gehalten»vird, die von unserer Regierung von 1881 vi« 1391 befolgt wurden." Diese sanstcii Aenßernngcn eines monarchischen SocialreformerS. der eS nicht gerade als die dringendste Ausgabe der Wiiscnschast ansieht, die Träger der Wahrheit zn beschimpfe», haben in der Jndiistric- prcsie einen Protestslurm eutscffctt. Die„Kölnische Zeit»»» g", das fnhrciidc Blatt für die Kreise von Bildimg nud Besitz, schreibt in» Stil der sonst von ihr so tief»erachteten„Post": „UnscrS Erachten vewciscn diese AnSfiihrnngcn deS bckaimtc» VolkSwirtschnstSlehrcrS anfs»cuc, wie recht»vir haben, daß»vir feit Jahren den unseligen Einfluß imchdriicklich bclämpfcn, den er und seine»inseitige vollSwirtschnftliche Richtimg auf die Ausbildung unicrcr gebildeten Jugend und vor allem des Nach- »viichscS unseres Bcamtcntmii« ausüben. ES mag Zeugnis von einer großen»vissenschaftlichen Gelehrsainkcit sein, derartige AnS- fühnlngcn.»vie sie Herr Schmoller sür zweckmäßig vcfnnben hat. gegen„einen Teil der Unter»»chmcrp reffe" oder„die Kapitalisten- presse" oder„eine Kapitalistenherrschaft' zu r-ichtcn. kurzum gegen Begriffe, denen die t h a t f ä ch l i ch e Unter- tage fehlt»md die als solche kainn faßbar sind. Ob eS überhaupt in Deutschland eine Zeitung giebt, ans die der Schinollcrsche Ausspruch zutrifft, daß„sie jeden Arbeiterverein für einen socialdeinokratischen halte und daß sie jede Socialreforni be- kämpfe, da diese doch bloß der Socialdeinolratie Vorschub leiste", nivchtrn»vir bei aller Hochachttmg vor der sogenannten»visjcnschaft- lichen Gelehrsamkeit des Herrn Schmollcr in Frage stellen. Jeden- fall« haben»vir bisher angenommen, daß solche Redensarten vielleicht in s 0 e i a l d e m 0 k r a ti s ch e n H c tz v c r s a m m- l u n g e n lebhaften Anklang finden würden, daß sie adcr in einem Vereine, der nach der Schmollcrschen Erklärung in erster Reihe ans Gelehrten besteht, schwerlich angebracht seien. Auch »volle»»vir gerne Herrn Schmollcr zn der Wolkeneutrüifthrit beglückwünschen, die c«»hm ermöglicht, für die m eiste 11 Führer derjenigen Partei, die bisher osicn das Panier de» Unistnrze« der bestehenden Staats- und Gesellschafts-Ordnmig vor sich hcrlrägt und mtt diesem»incrfüllbaren Zander die weitesten LolkSllassen zu bcthören sucht, eine große pcrsönlicheHoch« a ch t u n g zu hegen. Das ist vielleicht nur,»venn man sich recht gelinde ausdrücken will, eine Geschmacksfrage, und über Geschmacksfragen soll inan sich nicht streiten. ' Aber es ist»virklich»veit gekommen mit der Verirrung der Schinollcrschcn volksivirtschaftlichen Richtung, wen» ihr Führer, der ernannte H 0 f h i st 0 r i 0 g r a p h der preußische» Monarchie sich nicht scheut, öffentlich auszusprechen, daß unsere preußische Monarchie mit ihren Uebcrlicferungcn ein Königtum der Schivachcn und Armen geivcsen sei, und Gefahr laufe, ein Königtum der Neichen zu »verde»», wenn eö nicht der katheder-socialistischen Weisheit deS Hern» Schmollcr»nd seiner Schüler folge. Diese Ausführung ist ein demagogisches Schlagivort der schliinmstcn Art, gegen das wir mit aller Enlschicdcnhcit Verwahrung einlegen müffe».... Diejenigen,»velche gegen die Schmollersche Richtung käinpfen, sie haben zuerst und richtig erkannt, welch ein schiverer Angriff damit gegen die bisherigen Ilcbcrlieferungen des HohcnzollcrnhauseS ge- führt»vurde, als ihm zugemutet lvurde, ein einseitiges Königin>n der Armen und Schwachen zu»verde». Gerade die Gegner Schmollcrs sind eS,»velche vertrauen, daß unsere Monarchie alle llmstnrzbcstrebllngen mit voller Kraft nieder- halten, gleichzeitig aber anch»ach- und vernnuftgemäße socialpolitische Reformen,»velche nicht auf dem Baume der g r a u e n T h e 0 r i e, sondern im p r a k ti s ch e n Leben sich entivickelt haben, durchführen »vird. Es ist eine eigenartige Bclenchtung der Schmollcrschen Forderung, daß die Monarchie alle Umsturzbetvegnngen»nit aller Macht niederhalten soll,»venu Herr Schmoller gieichzeitig erklärt, er bcdnncrc, daß man snämlich in diesem Falle der König von Pveuße»»md die vcrbiindetcn Fürsten) die Gesetzgebung zu ändern beabsichtige, um das Koalitionsrccht zu beschränken. Daß eine solche Absicht von vornherein ausgeschlosien ist, ist für jeden unparteiischen Beurteiler der lctztjährigen Vorgänge unbestrettbar. Man kann darüber verschiedenartiger Meinung sein, ob die vorgeschlagene Fassimg des Gcsctzcntivurs« zum Schutze der ArbcitSivilligcn geeignet ist, bei burcnukratischcr engherziger Auslegung die Koalitionsfreiheit zu beeinträchtigen. Aber ein Gelehrter, der sich nicht scheut, sich als unparteiischen Beobachter der Lorgänge anzupreisen, sollte»vcnigstens so gerecht »rteilen. daß er die mit allem Nacbdnick vcrfochtcne Absicht der verbündeten Regierungen, die Koalitionsfreiheit unangetastet zu lasse», aucrkcimi. Diese abermaligen AnSführungen des cinfliiß- reichen volksivirtschaftlichen Hochschullchrcs sollten ciidlich einmal nnfercr Regiernng die Augen öffnen. Ivohin diese»visscnschastliche Richtung treibt,»velche bisher in der einseitigsten Weise auf den preußische» Hochschulen bevorzugt Ivird." Die vielgeprüfte naive Unschuld der„ K ö l n i s ch e n Z e i t u n g", die noch immer sich bei dem Begriff Kapitalismus nichts deinen kann, hat offenbar den Wunsch, den neue» Kultusminister zu dPei« plinarischen Bossethateu zu verführen.— betreffend den Eintritt in e» t- gegen die Regierung unterbreitet Ehrouik der Majcstätöbclctdignngo.Prozeffe. Wegen Kaiscroclcidigmig»vnrde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag aus dem Marktplatz« in H a l le ein Arbeiter ver- hastet. Infolge einer AnSeinandcrsetznng mit einem anderen Ar- beiter soll er eine beleidigende Aeußernng haben fallen lassen, �die von ein paar in der Nähe stehenden Zuhältern derart laut zurück- gewirscn»vurde. daß ein zufällig vorbeikominender Kriminal« schütz,»ann die sofortige Verhaftung deS Unvorsichtigen vornahm.— Ausland- Ocstreich' Ungarn. Die Kabinettskrise ist übcrivuudrn. DI« Blätter sprechen sich fast durchweg befriedigt ans. Selbst die Czechen»verde» sich ivohl oder übel»nit der Aufhebung der Sprachenverordmmgen abfinden in«»»«»», da die übrigen Rccht-Parteicn nicht für Obstnlttion�n haben sind. Frcilicki einen„Systemwechsel" bedeutet die vorläustge Umkehr zu vcrfassuilgsmäßigcn Zuständen»licht. ES handelt sich für die ötegiernng mir darum, die DclcgationSwahIci» vom Parlamente vollsnhrcn zii lassen. Tann kann§ 14»vicver regieren. Prag, 2. Oktober. DaS Exekutivkomitee deS Jnngczechen- KlnbS beschloß die Z»1 s a m m e» b e r u f u n g der Landtags« n 11 d R c i ck s t a g s- A b g e 0 r d n e t e 11. foivie der Vertrauens- niänncr,»velche» ein Antrag �" s ch i e d c n e Opposition »vcrdcn soll. Pilsen, 3. Oltobcr. Gestern abend zogen etlva 1500 biö 2000 halbiviicbsige Äurschcn unter Nbsingnng czcchiich-nationaler Lieder durch die Tlraßen; einzelne antisemitische Rufe»vnrde» ver« nommen. Die Häuser der deutschen und der jüdischen Besitzer waren durch die Polizei beschützt: doch ivnrde ein Fenster der deutschen Turnhalle zerschlagen. DaS Militär zerstreute schließlich die lännende Menge. HilSner hat. so»vird anS Kuttenberg berichtet, sein GcftäiidniS zurückgenonimcn. Er erklärte, er habe eS abgelegt, um seine Hinrichtung, die er für unmittelbar bevorstehend hielt, ans ii n b c sl i m m t e Z e i t zu verschieben, und bcharn jetzt»viedcr dabei, er sei an dem Morde der Hrnza unschuldig. Die beiden von ihm Beschuldigten, Erbmam» und Waffen»»»»»», die in Schlau»nd Anscha ermittelt»vnrden, kon»t«v ihr Alibi vollkouilneu betveiscu und»uurdcn a»S der Haft ent lassen. Schweiz. Bern, 2. Oltobcr. Der Ratio»»alrat nahm heute abe»»d endgültig mit 113 gegen 1 Stimme bei 12 Stimincnenthaltnngen die Gcsctzcsvorlagc beireffend die Kranken-, Unfall- und Militär- versicheniug an. Das Gesetz soll an» 1. Jannar 1903 in Kraft trere». Das Volk kann gegen diesen Beschluß das Referendum er- greifen.— Frankreich. PariS, 3. Oktober. Der StaatSgerickitShof hat die Ver- nehmmig der zur royalistischen Gruppe gehörigen Angeklagten ans die Bitle der Verteidiger, ihnen zuvor die Einsicht in sämtliche Akten zu gestatte», bis anf'iveitcrcS verschoben.—. Infolge der gegen den Hanplmaim und Kompagnie- Ehef D c S m i ch e l s vom ö. Dragoner-SIcgiment geführten Untcrsnchmig ist derselbe dem 3. Spohi-Regiment in Batna(Algier) als Haupt« mann zlvcilcr Klasse zugeteilt»vordcn.— Tänemark. Soll anch Diincinark ein ZuchthauSges-tz bekommen? ES Ivird uns geschrieben: Der konservative dänische Reichstags« Abgeordnete L a r S D i n e s e n reist z. Z. in der Provinz umher und hält politische Versmnmluiigen ab und hat ans denselben die„Hoffnung" ans« gesprochen, daß„durch die Gesetzgebung Schutz geschaffen werde für jeden ehrenwerten Arbeiter, so daß wir von der rücksichtslosen Tyrannei der Geiv erlvereine freikommen könne»; ferner sagte er, daß man in Deutschland„etwas derartiges in Vor- bereitinig habe" und daß i» Schivcdcn„ein Gesetz gegen die Ucbcrgriffe der GclvcrlschaftSvcrbände angenommen sei". Also diese beiden Gesetze sind Lars DincsenS Ideal. Man beachte, daß Dinescn der zu- lünftige Führer der dänischen konservativen Partei ist. da Scharrling und Bjerre zlinicktrcten; er gehört vem linken Flügel der Partei an, der immer ans Ruder konunt. wenn Bcr« schmelzuiigspolitik mit den Liberalen in Aussicht ist. Anch ein libc« ralcS Blatt verkündet, daß eine Versammlung der RcichSl.ig»- Abgeordneten und Redacteure der Linken bevorsteht,„um über eine Frontveränderung gegenüber der Social« demolratie zu verhandeln". Bei den letzten Wahlen »varen die Liberalen mit der Socialdemokratic gegangen. DaS scheint nun anders werden zu sollen.— Kopenhagen, 8. Oktober. Der Finanzminister H ö r r i n g hat heute das Budget für daS Finanzjahr 1900/1901 im Folke- thing eingebracht. Dasselbe weist einen Uebcrschus} von 700 000 Kronen auf. Unter den Ausgaben sind hervorzuheben: Ein Betrag von über 10 Millionen Kronen für neue Eisenbahnanlagen und ein solcher von 2 Millionen zum Ankauf von Grundstücken für Landarbeiter. DaS Kriegsministerium verlangt n. a. die Bewilligung von transportablem, schmalspurigem Eisen- bahnmnterial, um in Kriegszeitcn Batterien schnell transportieren zu können. Zu einer direkten Telephonverbindung Kopen- Hagen— Berlin über Gjedser— Warnemünde werden 150 000 Kronen gefordert. Unter den sonstigen Forderungen zu Verkehrs- zweckcn befindet sich ein Betrag von 5 Millionen Kronen zur Be- schaffung von neuem Material für die Staatsbahncn und zum Bau von zwei neuen Dampfsahrcn für die Beltübcrfahrten. Die Ein- nahmen sind auf 72,9 Millionen veranschlagt.— Schweden. Schweden. Ein einziger Socialdemo!rat ist wieder in den� schwedischen Reichstag gewählt, Hjalmar Branting, in Stockholm. Bei dem jämmerlichen Wahlrecht ist es ja nicht anders möglich. AbcrHjalmar Branting hat auch Stimmen des oppositionellen Bürgertums bekommen, da er nicht nur ein gelehrter, sondern auch ein hochangesehcucr Mann in Stockholm ist. Einen aus dem Arbeiterstandc hervorgegangenen Vertreter in den schwedischen Reichstag zu bringen, scheint fast unmöglich, da für ihn nur Arbeiter stimmen würden, die unter dem schwedischen Stimmrecht leine Majoritäten erlangen können. In M a l m ö hatte man zwei aus dem Arbeiterstande, um die Gewerkschaftsbewegung sehr ver- diente Männer aufgestellt: den Maurer Niels P er s s o n und den Maler Malm ström. Sie sind nicht gewählt, aber dem ersteren fehlten nur 92 Stimmen an der Majorität. Da eine gewisse Erweiterung des Wahlrechts in dieser Session zweifellos ist, dürfte die Partei in den nächsten Reichstag mehrere Abgeordnete bringen.— Rustland. Neue Berhaftungen aus politischen Gründen sind in ver- fchiedenen Gegenden Rußlands vorgenommen worden. So sind in T w e r 40 Arbeiter und 5.Intelligente" verhaftet ivorden. In Zu- sanimeuhang nut den Verhaftungen in Twer haben weitere Ver- Haftungen in Charkow und in N i s ch n y Nowgorod statt- gesunden. Ferner sind in Ode s s a in der Nacht vom 17. ans den 18. September 85—40 Verhaftungen und zahlreiche Haussuchungen borgenomnien worden. Einzelne Verhaftungen sind nnS außerdem ans Petersburg, Ufa und K i s ch i n e f f gemeldet worden. WaS die russischen H o ch s ch u l v e r h ä l t n i s s e anlangt. io Hot sich die Regierung im letzten Augenblick entschlossen/ alle aiis Anlaß der Studentenbewcgung relegierte Studenten in die Hoch- schulen wieder aufzunehmen. Dies mag wohl zur Beruhigung der Geister beigetragen haben— die Unruhen haben sich nach Beginn der Vorlesungen bis jetzt noch in keiner Hochschule erneuert— obwohl unter den Studenten der verschiedenen Hochschulen geheime Verhandlungen gepflogen werden über die Wcitercntwicklnng der Stndentenbewegnng. Ob diese sich in der alten oder in einer neuen Form erneuern wird, das ist zur Zeit noch nicht bekannt. Finnisches. Zur Angelegenheit des auf Forderung der russischen Regierung abgesetzte» englischen Virelon suis Eiilm-n Wolff wird gemeldet, daß sowohl die finnische als auch die schwedstche diesen Mann bei der nächsten LandtagSwahl als Kandidaten auf- gestellt haben, eine Erscheinung, wie sie im finnischen Parteilcbcn, da die genannten Parteien sich schroff gegenüberstehen, noch nicht vorgekonnnen ist. Wie ferner russische Blätter melden, hat der AmtSgenosse deS Herrn Wolff, der englische Vicckonsul in Hangö W. Korsinann sein Abschiedsgesuch eingereicht mit der in finnischen Blättern veröffentlichten Begründung, daß die Beibehaltung deS englischen Konsulates in Finnland mit der Nutznießung der finnländischcn Bürgerrechte unvereinbar sei; dies bewiesen die gegen den Konsul Wolff ergriffenen Maßregeln.— _" l VI. National-soeialer Vertretertag. Götlingen. den 2. Oktober. Pfarrer Naumann eröffnet den Parteitag init einem Hoch auf den Kaiser. Zinn Vorsitzenden des Parteitages wird Professor Gregorh-Lcipzig gewählt. Unter den 140 Delegierten befinden s ch mehrere Frauen. Der Geschäftsbericht des Parteisekretärs Wenck-Berlin beschäftigt sich vor allem mit der AnSführnng der Beschlüsse des vorigen Delegicrtcntags. Ohne allen Optimismus ließe sich sagen, daß die national-sociale Beivegitng vorwärts geht. Es sollen poli- tische Beruföarbeiter in Zukunft mehr angestellt werden. Pfarrer Naumann erstattet den politischen Jahresbericht. Die Partei hat im letzten Jahr mancherlei neue Fragen in Angriff ge- nominell. Im ersten halben Jahr war es mehr die äußere, tin ziveitcn Seinester die innere Politik, mit der man sich beschäftigte. Die Orientreise deS Kaisers spielte eine große Rolle. Die nationale Politik sei immer von der Seite aus betrachtet worden: was nützt den Engländern. Denn dies schade Deutschland. Die dänische An- aeleaenheit ivurde aufgerührt durch die Ausweisungen. Die Partei sei über diese Sache nicht genügend geklärt gewesen. Deutschland habe ein ReHt, lastige Ausländer auszuweisen. Die Partei fei nicht intentational wie die Socialdenlokratie. In der inneren Politik stand im Vordergründe die Zuchthaus- vorläge. Man habe sofort nach Erscheinen der Vorlage eine scharfe Agitation dagegen eingeleitet. Uebcr Göhres Anstritt liegen keine Dinge vor, die nicht schon bekannt sind. Göhrc wüiischt Revision uiffcrer nationalen Gesinnung, so iveit sie monarchisch ist. Der jetzige politische Kurs müsse unsere Stellung zum Kaiser ab- kühlen. Dem sei zu entgegnen, daß nach Stinnnungen und einzelne» Thatsachen mau nicht Politik machen könne. iBravo.) Entweder man sei Republikaner, dies sei aber für Deutsch- land unpraktisch und schädlich. Deutschland habe in der größten Zerrissenheit gerade noch einem Kaisertum ausgeschaut, nach einer eigentlichen Spitze. iSchr richtig.) Deshalb sei es uugeschicklich, das Kaisertum zerstöre» zu ivollen. Im Auslände imponiere mehr der Kaiser als der Reichstag. Darum keine Revision der monarchischen Gcsiininng.«Sehr richtig l) Göhre will zivcitcnL proletarischen Socialismus. Die Arbeiterwelt umfaßt aber mehrere Schichten. Die obersten Schichten werden sich allmählich dem Bürger- tum mehr annähern. Es besteht darum kein absoluter Gegensatz zwischen Bürgertum und Proletariat. Niemals drückt eine Klasse ihre Fordeningen durch sich selbst durch. Sie muß auf das Bürgertum rechnen. Das Bürgertum braucht die Arbeiter im Kampf gegen die Konservativen. Dies hat auf das deutlichste die Kanalvörlage gezeigt. Nur müssen die Arbeiter aufhören, IltopiSincn iinchzujagen. Redner hofft, daß die Gruppe Basscrinann fest bleiben ivird. Frei- Herr v. Stumm bleibt viel von Berlin weg.(Heiterkeit.) Das ist erfreiilich. Freiherr v. Berlepsch gab sich Mühe, eine internationale Arbeiterschntz- Konferenz znsaminenznbringen. Auch in der Social- demokratie zeigt sich Annäherung. WaS Bassennann dort ist, ist Bernstein hier. Wir glauben aber nicht, daß Bernstein viel ändern wird. Wir glanben auch nicht, daß in Hannöver demnächst viel auS- gemacht wird. Wir haben Gedanken für nnS, die Organisationen kommen nach. Die Nationalliberalen werden den Socialdemokraten näher kommen imLaufederZeit. unddanützuglcich dasNationale undSociale. Der Großgrundbesitz steht zur Industrie im Gegensatz. Darum muß auch der Kaiser einmal loskommen von den Konservativen. Auf ein freiheitlich industrielles, bäuerliches Deutschland hoffen wir.(Leb- hafter, lang andauernder Beifall.) v. Gerlach spricht zum Antrag Berlin:„Bei den Reichstags- Wahlen dürfen National-Socialc sich nur dann für Kandidaten andrer Parteien erklären, wenn diese Kandidaten sich mindestens für die Aufrcchterhaltung des Reichstags-Wahlrechts und der KoalitionS- freiheit in der bestehenden Form bindend verpflichtet haben". Die Leipziger National-Socialcn haben seiner Zeit für den nationalliberalen Hasse gestimmt, ohne daß dieser sich bindend für das bestehende Wahlrecht erklärt hat. Wenck hat ferner beantragt, dem Berliner Antrag hinzuzufügen:„Und nicht grundsätzlich die Bewilligung nationaler Machtfordcnxngen(Herr und Flotte) ab- lehnen." Die beiden Anträge werden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Eine Württemberger Resolution, betr. Ausschließung der slavischen Arbeitermassen, wird angegriffen, weil sie zu radikal sei. Lehmann- Hornberg(Baden) verlangt Besteuerung aus- ländischcr Arbeiter. Maurer aus Könitz(Schwarzburg) ist der Meinung, daß in Westfalen keine Polen nötig wären. Es gäbe keinen Nachwuchs mehr an Bergleuten, weil zuviel Polen genommen würden. Einzelne Redner protestierten als organisierte Arbeiter scharf gegen den massenhaften Zuzug der ausländischen Arbeiter. Schließlich wird folgender Antrag angenommen:„Der Vertretertag erklärt sich vollständig einverstanden mit dem Wunsche der deutschen Arbeiter nach einem kräftigen Schutz gegen den lohndrückenden Wettbewerb der ausländischen Arbeiter durch entsprechende staatliche Maßnahmen." S ch e f f e r- Leipzig spricht über die Bedeutung der Karolinen- erwerbung. Er verlangt m einem Antrag, daß wir die Regierung für die Erwerbung beglückwünschen und die Notlvendigkeit der Flottenstärknng aus Anlaß der Samoafrage von neuem betonen. v. G e r l a ch spricht sich dagegen aus. Solche VertrauenS-Kund- gedungen bei solchen Kleinigkeiten wie die Karolinen hätten keinen Wert.' Auch im Flottenenthusiasmus könne man zuviel thun. Der Kaiser sorgte schon genug für die Flotte, und wir sollten nicht kaiserlicher als der Kaiser sein. G r e g o r y-Leipzig macht für die Flotte Propaganda, da die Partei social sei, so könne ihr der Flotten- Enthusiasmus auch nach links nichts schaden. Tischendörfer- Berlin tritt kräftig gegen den Antrag ein. Es wird zur Tagesordnung übergegangen. Ein Antrag verlangt eine Sympathie-Erklärung für die Boeren, nicht als ob die Boercn in allen Dingen recht hätten, sondern weil wir Deutschen gegen die Engländer stehen müssen. Uebergang zur Tagesordnung. Nach einer Pause hält Sohl» seinen Vortrag über die Ent- Wicklung des S t a a t s g e d a n k e n s i n D e n t s ch l a n d. Er führt folgendes aus: Die Staatsmacht übt einen übermächtigen Druck auf uns ans. Aber der Staat ist auch Freiheit. Freiheit und Druck machen den Staat aus. Der Krieg ist der Vater aller Dinge, auch des Staates. Der Staat ist die machtvolle Organi- sation zur Entfaltung der Kräfte. Von 1050—1850 wird der ständische Staat beseitigt durch den absoluten Polizcistaat. Eine neue Großmacht kommt auf, der Bürger, der Kaufmann, der Städter. Der Kaufmann ist der Schöpfer deS Judividnunis. Seine Zukunft liegt auf dem Wasser. Der Kaufmann begehrt Freiheit für seinen Handel. Das deutsche Bürgertum ist zur Macht geworden. Das deutsche Volk ist um 1500 geboren worden, eine Nachgeburt gegenüber England und Frankreich. DaS deutsche Volk ist da. aber noch fehlt der deutsche Staat. Der absolute Polizcistaat bezeichnet den Staat schon in seiner Vollendung, der Staat gehört allen, das ist der Sinn deS Polizcistaats._ Das Wohl aller Staatsbürger ist die größte Aufgabe, das ist der Sinn deS absoluten Staats. Die Fürsten verbanden sich mit der Menge. Die Hohcnzollern brnibcn die Macht der Raubritter und der Patrizier in den Städten, lieber die Durchführung dessen, was zum Wohle aller gereicht, richtet allein die Polizei(Heiterkeit), es ist die Zeit des bcschränkicn llntcrlhaiicnvcrftandcS, die Glanzzeit der Juristen, der wohltveisen Männer. Auf die Dauer reagiert das Bürgertum dagegen. 1848 bringt die Entscheidung. Der moderne bürgerliche parlamentarische Rechtsstaat kommt auf 1850—2050 iHciterkcit). Die Juristen werden entthront. Die Gesellschaft will niitrcgiercn, Volksvertretung. Kommime, Kreistag, Provinzialtag, Schwurgerichte. Alle Kreise Ivollen überall mitarbeiten. Sie verstehen zivar nichts von Jurisprudenz(Heiterkeit), sie haben nichts gelernt von Gesetzen und Rechtsprechung. Aber der FreiheitSgedauke ist geboren ivorden. lind er verlangt Einfluß der Masse, um über sich selbst zu bc- stimmen. Das Bcamtcntnm hat es jetzt schwerer, es muß auf das Volk hören. Parlamentarischer Staat und Rechtsstaat. Im absoluten Staat gab eS mir Richter, die daS Privateigentum schützten. Der heutige Staat schützt daS Recht des Individuums gegen den Staat, gegen die Ocffcntlichkcit. Koalitionsfreiheit, Preß- freiheit usw. Was zeigt nun die Uhr der Weltgeschichte? Es ist Morgenstunde. Ein neuer Tag ist angebrochen.?ioch muß gekämpft werden um die Freiheit, um die Koalitionsfreiheit, weil ivir noch am Anfang stehen des FreiheilSstaats. Früher meinte man. Freiheit wäre der Macht feindlich. Aber diese fordern sich gegenseitig und er- gänzcii sich. Dies hat der iintionale SocinliSmnS erkannt und auS- gesprochen. Dieser Bewegung gehört die Zukunft. Damit schließt der erste VcrhandlnngSlag. Zum Parteitag in Hannover. An die Delegierten zum Parteitag, die sich beim Parteivorstand I. Auer, Berlin SW., Katzbachstr. 9, gemeldet haben oder durch die VcrtrauenSpersoncn der betreffenden Kreise oder Orte gemeldet worden find, wurden heute die Druck- fachen(Berichte und Vorlagen) abgesandt. Delegierte, die nicht angemeldet sind, können die Druckfachen in Hannover in Empfang nehmen. Anmeldungen, die nicht bis S. Oktober in unseren Händen sind, werden auf keinen Fall berücksichtigt. Berlin, den 3. Oktober 1899. Der Parteivorstand. Totenliste der Partei. In Elberfeld starb im Alter von 05 Jahren der Parteigenosse F ri c d r i ch Schneider. Schneider war schon zn LassallcS Zeiten in Elberfeld für die Partei thätig und hat bis zu seinem Tnde der Partei stets treu gedient. Polizrilichrs, Gerichllichcs usw. — Ein eigentümliches«fcschwcrdcrccht scheint in Sachsen- Weimar zn beslchcn. Genosse Bändelt beschwerte sich über das Verbot der Kreislonferenz in Stadtsulza durch den dortigen Gemeinde- Vorsteher. Der Bezirksdireltor Geh.-R. Born eröffnete ihm darauf, daß es zwar„den Anschein hat, als ob zu dem Verbot genügender Anlaß vorgelegen habe", daß es aber„keinen Zweck hat", die Frage „nachträglich näher zu prüfen", da sich die Behörde für die Zukunft nicht binden löime. Diese klassische Entscheidung liefert übrigens unbewußt eine ganz treffliche Kritik des in Teutschland nach solcher Richtung all- gcniciii bcstchcnden Ziistandes. Es hat in der That auch für die Beschwerdeführer wenig„Zweck", nachträglich Recht oder Unrecht zu bekommcii, so lange nicht die Beamten sür ungerechtfertigte Maß- regeln gegenüber den geschädigten Bürgern auch civilrechtlich haftbar gemacht werden. —„Thatkräftiger" grober Unfug. Genosse Berka» als verantwortlicher Redacteur der„Halberstädter Zeitung" hatte in diesem Blatte aufgefordert, die streikenden Lederfärbcr in Osterwicck „thatkrüstig zu unterstützen". Darin sah die Polizei irgend eine nebelhafte' Gefahr für irgend wen. vermutlich für„Arbeitswillige" und nannte das groben Unfug, der mit 50 M. Geldstrafe gesühnt werden sollte. Das Schöffengericht hob jedoch daS Straftnandat auf und sprach Berka» frei. — Tic Pezcichiinng„Tchandgesct?" für die ZnchthauSvorlage ist nach dem badischen Staalsmiinster Herrn Dr. Eisenlohr eine Beleidigung des Bundesrats. So erklärte er bei Abweisung einer Beschwerde' des Genossen Trebe in Pforzheim, dessen Versammlung wegen dieses Ausdrucks aufgelöst worden war.— Das Gericht in München hat bekanntlich erst vor einigen Tagen entschieden, daß in diesem Motte keine strafbare Handlung zu finden sei. Der 7. illterNtionale Cengraphen- Kongrei. Die allgemeine Vormittags-Sitzung vom Dienstag brachte e ganze Reihe interessanter Vorträge, die allerdings leider wieder ti aufmerksamsten ZuHörens sehr schwer, oftmals gar nicht verstände waren. Sehr schlimm in dieser Beziehung war Prof. V i r ch o der den Reigen eröffnete. Allerdings gab er sich auch gar- Mühe, andern als den zunächst Sitzenden verständlich zu W' Nansen z. B., ebenso Drhgalsii und einige andere sprechen so und vernehmlich, daß sie trotz der schlechten Akustik des Hauses über». verstanden werden. V i r ch o w lrug an Stelle des abwesenden Dr. Lehmann über„Ergebnisse einer Expedition nach Armenien" vor. Es handelt sich um die Expedition, welche die beiden deutschen Forscher Lehmann und Bclck imternommeii haben, und durch welche überraschende Re- sultate zu Tage gefördert sind. Es konnten nämlich zahlreiche Steine mit Inschriften untersucht werden, an deren Entzifferung man früher gar nicht hatte denken tönnen. Bei der Erbauung der armenischen Kirchen'sind nämlich vielfach alte Stcinblöcke mit Keilinschriften in die Fundamente cingemauett, so daß sie ganz unzugänglich waren. Da bei den letzten Unruhen viele Kirchen zerstört wurden, so konnte man die Erlaubnis zur Freilegung der Jnschriftsteine erwirken; so wurde ein wertvolles Material gewonnen, das sich aber nicht auf die Armenier, sondern ans die alten Chaldäcr bezieht. Unter Chaldäern versteht man meist die Gelehrtenkaste der Babylonier; auf diese richten sich aber die Forschungen von Lehmann und Belck nicht. Ebenso wenig auf den chaldäischen Volksstamm, der am Enphrat und Tigris wohnte. Außer diesen gab es noch pontische Chaldäcr, welche'in der Gegend von Trapezunt am schwarzen Meere saßen. Nur auf diese letzten beziehen sich die Inschriften, und Leh- mann will daher dieses Volk, um es von den andern Chaldäern zu unterscheiden, als C h a l d e n bezeichnen. Die Geschichte des alten Chaldcnvolkes ist also der eigentliche Forschimgsgcgenftand der Lehniann-Belckschen Reise, und merkwürdige Thatsachen in anthropologischer und sprachlicherlHiiisicht sind über sie bereits zu Tage gefördert. Sie zeigen sich in ihrem Körperbau und in ihrer Sprache durchaus verschieden von den anderen Chaldäern, und sie werden weder als Semiten noch als Jndogermanen in An« sprinb genommen. Als besonders bemerkenswert erwähnte Virchow die Thatkraft dieses Volkes bei Wasserbauten; so trieben sie Tunnel durch die Gebirge, um ihren.Städten und ihren Bodenkulturen frisches Qucllwaffer znziiführen. Im nächsten Vortrag behandelte Prof. S i e g l i n die„Eni- dcckungSgeschichts von England im Altertum". Er wie? nach. daß schon im granesten Altertum Phönicier und Karthager über die Säulen des Hercules(die Meerenge von Gibraltar) hinaus fuhren, und daß sie die britniiiiischcn Inseln kannte». Doch ging diese Entdeckung der alten Welt wieder verloren. Wenigsten? sagt der Vater der Geschichtsschrcibnng und Geographie, Herodot, der um 460 v. Chr. lebte, ausdrücklich, so viel Mühe er sich auch gegeben habe, er habe nie einen Menschen gefunden, der selbst über die Säulen des Hercules hinausgekommen sei. Er glaube auch nicht, daß das jemals geschehen sei; das wilde stürmische Meer verhindere dort jede Schiffahrt. Später wurden die britischen Inseln noch einmal von dem be- rühmten Astronomen, Mathematiker und Geographen Pytheas, der zur Zcit�Alcxaiidcr des Großen lebte, entdeckt. Auf der großen See- reise, die er 334 v. Chr. untcriiahin und die ihn bis an die deutsche Nordsecküste führte, besuchte er die britanische Küste. Aber noch einmal ging die KcinitiiiS dieses Landes der griechisch-römischen Welt verloren. Als fast 800 Jahre später Julius Cäsar seine Expedition nach Britaiiiiicn unternahm, bcsckireibt er das Land durchaus als Insel. Aber mchrfacki wurden Zweifel daran laut, da er sich ja nur auf Berichte von Eiiigeborcncii und Kanfleutcn stützte. Erst als 79 n. Chr. der Statthalter Agricola Britannien vollständig umschiffen ließ, war die Jnselnatnr des Landes endgültig festgestellt. Der Vortragende schloß mit der � Bemerkung, daß die Er- schlicßuiig keines anderen Landes dem Altertum so ungeheure Schwierigkeiten bereitet habe, ivie gerade die Britanniens. Aber Bntaiiiiicii habe dies reichlich gelohnt; denn kein anderes Land habe sich so verdient gemacht uni die Kultur der Völker, von denen es selbst einst der Knlrur gewonnen wurde. Ich gehe im Fluge über die übrigen Vorträge des Vormittags sott, in denen noch Prof. Ratzel über„Ursprung und Ausbreitung der Jiidogermnncn", Prof. Günther über die sogenaniiteii„Meer- Mühlen" und der Amerikaner B i g e l o w über„Kolonialverwaltung in verschiedenen Erdteilen" sprach. Nachmittags, wo der Kongreß sich stets in Abteilungen auflöst, begab ich mich zimächst in die Gruppe über Gletscherkunde; denn hier waren die intcressanteu Mitteilimgen von Prof. Hagenbach- Bis ch off aus Basel über„Verinessnngcii am Rhone-Gletschcr während 25 Jahren" und der„Bericht über die Konferenz von Gletscher- forsch ein am Rhone-Gletschcr am 20.— 25. August 1899" zu erwarten. Am Rhoue-Glelschcr hat man nämlich im Jahre 1874 mit systematischen Meffnugen begonnen und sie bis beute, also 25 Jahre lang, fort- gesetzt.' Man hoffte so, alle Verhältnisse an einem leicht zugäiia- lichen Gletscher genau feststellen zu können, und vielleicht Schlüsse auf die Gletscheruatur überhaupt machen zu können. Thatsächlich sind auch manche iiitercssaiiten Resultate gewonnen worden. Vom Rande nach der Mitte zu wächst die Geschwindigkeit des Eise? genau so, wie es bei fließendem Wasser der Fall ist. daS am Ltande wegen der starken Reibung an den Ufern langsam vor- wärts kommt, während es in der Milte verhältnismäßig schnell geht. Um 100 Meter jährlich geht das Eis in der Mitte vorwärts, während es gegen den Rand hin nur 30 und schließlich nur 10 Meter jährlich weiter kommt. Uebrigens zeigte sich eine bemerkenswerte Beziehung zwischen der Höhe des Eisstandes und der Geschwindigkeit. Wenn der Eis- stand um einen Meter wächst, so wird die Geschwindigkeit um zwei Meter beschleunigt. Dieser ganz deutliche Ziisammeuhang konnte sür EisstaudSschivankuiigeii bis zu 5�/2 Meier beobachtet werden. Allerdings beziehen sich alle Geschwindigkeitsmcssniigen nur auf die oberflächlichen Eisschichten; bis zu 30 Meter Tiefe haben sich die Messniigeu höchstens erstrecken können, und bis dahin scheint die Geschwindigkeit konstant zu sein. Das gestattetz aber noch gar kcinen Schluß ans die Verhältnisse in größeren Tiefen von 200 und 300 Meter, die der Gletscher hat. Deswegen ist es dringend nötig, die Messungen noch weiter fottzusetzen und sogar zii erweitern. Es kommt hinzu, daß der Gletscher seit 25 Jahren beständig zurückgegangen ist, so doß das Ende heute nahezu 800 Meter weiter zurücksteht, als es 1874 der Fall war. Dieses Zurückgehen ist freilich nicht stetig während des ganzen Jahres; vom Dezember bis April rückt der Gletscher viel- mehr vor. und weicht erst im Sommer durch Abschmelzen weiter zurück. Mindesteiis so lange, bis das jährliche Zurückgehen des Gletschers sich wieder in ein jährliches Vorrücken verwandelt, müßten die Beobachtungen fortgesetzt werden. Dcr Rhonc-Gletschcr könnte dann, wenn seine Verhältnisse völlig erforscht sind, als Normal- glctscher gelten, mit dem alle übrigen zu vergleichen wären.— d. GeivevkMKftlWhVS. Berlin im» ttingcgend. Dle Dtffcrenzrn in dcr Bnchdrulkerci L. Schneider n. Co. sind noch nicht beigelegt und dürften, da die Firma bisher den Ausständigen mir ganz geringe Konzessionen gemacht hat, auch sobald nicht beigelegt werden. Die Versuche dcr Firma, einzelne der Ausständigen zur Aufnahme dcr Arbeit zn bewegen, sind fruchtlos geblieben. Nur ganz vereinzelt haben sich einige ganz mangelhafte Arbeitswillige gefunden, die die Firma raiisznreißcn gedenke». Andererseits versucht die Firma auch von außerhalb Arbeitskräfte, nainentlich von Leipzig und Dresden ans, hcraiizuzichcii; bis jetzt jedoch ohne Erfolg, da die auswärtigen Arbeitsnachweise rechtzeitig von dem hiesigen Ausstände inKenntiiiS gesetzt worden sind. In welcher Kalamität sich die Firma befindet, aebt daraus hervor, daß sie versucht, ihre Druckarbeitcn in l d ifcercn Druckereien kjerstellen zu lassen, namentlich solche, die sie lbst nicht im Verlage, sondern nur den Druck übernommen hat ms diese Arbeiten tvcrdeu die Kollegcnkreise besonders aufmerksam jcmcicht. Zur Aufrechterhaltung der„Ordiinng' hat sich die Polizeibehörde Firma freiwillig zur Verfügung gestellt. An dem Eingänge er Lindcnstratze sowohl wie in der Friedrichstraste patrouillieren t ganzen Tag je zwei Schutzleute. Die Beamten plagt offenbar nie Langeweile, da' die Ausständigen ihnen Anlast zum Einschreiten nicht geben werden. Auch hat sich die Polizeibehörde bereits ein gehenden Bericht von der Firma über die Ursachen des Aus standcs geben lassen. Material zur Zuchthausvorlagc!? Die Ausständigen ersuchen überall bei Engageinentsanbietungen von der Firma L. Schneider u. Co. bei den bekannten Stellen vor her erst Erkundigungen einzuziehen. Zur Lohnbewegung der Posamentiere. Folgende Firmen haben nicht bewilligt: Witwe Bring er, Wendel u. Co., E. Gustcd Köstermann n. Zarinzanski, W. u. G. Kestler, A. Sinscl, Hoffmann u. Weiland, Th. Wagler, Reist u. Burmeister, E. Hoppe, P. Hoppe, Eisner u. Haussig, Przygode, Wollmer, Brchmer, H. Schmidt. WirZbitten, den Zuzug fcrnzuhalteir. Die Lohnlommission. Zur Lohnbewegung der Mehl- und Gctrctdckntschcr Bekanntlich haben die Mehl- und Getrcidekntscher durch ihren Streik ihre Fnhrhcrrn zu einem Mehrverdienst von 8 M. pro Gespann und Woche vcrholfcn, während sie selber nur einen viel geringeren Lohn- anfschlag erzielten. Fast alle Finnen haben auch das der Lohn- koMUrission gegebene Versprechen, den Kutschern pro Woche 27 M zu zahlen, ohne dast dieselben irgendivelche Einbnste an Trink- geldcrn zc. erleiden, gehalten. Nur die Firma F. S p l i n t e r Nachfolger, Greifswalderstr. 208 hat, trotz der ehremvörtlichcn Erklärung des Firmeninhabers Herrn Fasqnel, versucht, die Bewilligung der Lohnzulage dadurch wieder rückgängig zu mache» indem sie den Kutschern erklärte, dast nunmehr die Trinkgelder bei den Brauereien von der Firma eingezogen werde». Die Kutscher legten darauf ani DienStaginorgen einmütig die Arbeit nieder und werden dieselbe nicht eher aufnehmen, bis Herr Fasquel sein unter Zeugen abgegebenes Versprechen einlöst. Wir ersuchen hiermit die Kutscher und Arbeiter aller Branchen. die Firma F. Splinter Nachf. zu meiden und keinerlei Arbeit für dieselbe zu leisten. Die L o h n k o m m i s s i o n Achtung, Holzbildhauer! Wegen Nichtbelvilligung der gc- stellten Forderungen sind Kollegen folgender Werkstätten in de» AnSstand getreten: Thum, Griumistr. 35 z Arndt, Nene Königstr. 10 (arbeitet für Brnnzloivj; Vogel, Rixdorf, Kncsebcckstr. 115: Bnrtz. Friedrichsbcrgcrstraste 10: Beyer, Britzerstr. 7; Pcth, Memclcrstr. 31; Brnnzlow, Nene Königstr. 15: Schulz, Ziegelstr. 30; Jacgnemin, Alte Jakobstr. 38: Kirschner, Adalbcrtstr. 42; Grix. Pallisadcnstr. 57: Krämer, Koppcnstraste 60; Solontz, Rixdorf, Waltcrstrastc 26: Schoh, Marianncnstraste; Brandenburg, Wilhclmstr. 121: Grögcr, Kottbuser Damni 05: Ncnmanil, Manreusfelstr. 22: Otto Schivarz, Urban- strahc 67: Ozorkewitz, Hochstr. 2. ES wird ersucht, diese Werkstätten streng zu nieidcn. Meldungen, auch der Firmen, welche bewilligt haben,' sind umgehend an' die Lohnkommission. Köpnickerstr. 62(Restaurant Spiclbcrg, Telephon Amt VII Nr. 3032), in der Zeit von 0—1 und 3—7 Uhr zu richten. Sammellisten find ebenda zu erheben. Die organisierten Holzarbeiter iverden ersucht, die in ihren Ge- schäftcn arbeitenden Bildhauer auf die Forderungen aufmerksam zu machen. Die L o h n k o nnn i s f i o n. Achtung, Ctselcure und Stahlgravcure? Bei nachfolgenden Firmen befinden sich die Kollegen wegen Nichtbelvilligung deS Neun« stnndentagcs im Streik oder haben gekündigt: Aktiengesellschaft vorm. Spinn u. Sohn, Bronzcwarenfabrik, Wasserthorsträste; S. A. Levi, Bronzewareufnbrik, Gartenstr. 108; Vollgold n. Sohn, Silbcrivarcn- sabrik, Köpnickerstr. 72(diese Firma ist für Ciselcnrc und Stahl- gravcure gesperrt): Frister(Inhaber Engel und Hegewald). Bronze- Warenfabrik, Lindenstr. 23-, Speck, Bronzewarenfäbrik, Dresdener- straste 36: Gcricke, Sebastianstr. 20.— Strcikarbcit wird angefertigt bei den Ciselenren Fischer. Wienerstr. 20, und Greulich, Adalbcrr- straste 75. Von allen diesen Werkstätten ist deshalb Zuzug strengstens fernzuhalten. Die K o in in i s s i o n. Der Verband der Eisenbahner DentschlandS hat in Berlin folgende Zahlstellen errichtet, Ivo zugleich auch Abonnements auf das Eiscnbahnerorgan„Der Weckruf" entgegengenommen werden: Wilhelm H e n z e, Zorndorfcrstr. 4; Franz H a u s e r, Schöne- berg, Scdanstr. 31; Herrn. Schulz, Schwartzkopffstr. 15; Heinrich Pinzer, Hollnianiistr. 37; Robert Arendt, Wriczencrstr. 21; Karl Burggänger, Runimelsburg, Kant- straste 44: P r e u st, Nene Fricdrichstr. 20. Die Eisenbahner treten dem Verband als Einzel- Mitglieder bei. Ans diese Weise wird es vermieden, dast der Eiscnbahnverivaltung etwa mit Hilfe der Polizeibehörde die MU- glieder bekannt werden. Der V. d. E. D. hat auf Grund seiner Organisation und nach den Bestimmungen des Hainburgischen VcrcinSgesctzcS nicht nötig, seine Mitglieder der Behörde anzumelden. Der V. ix E. D. hat der deutschen Eiscnbahncrschaft schon grostc Dienste geleistet, denn ohne ihn gäbe es keine energische und rücksichtslose Ansdccknng der Betriebs- und socialen Mistslände im Eisenbahnwesen. Der V. d. E. D. uinfastt, seiner gewerkschaftlich- socialen Tendenz entsprechend, alle Schichten der Unterbcamtcn und Arbeiter, und nimmt ohne Unterschied der politischen Parteistellung und Religion S t a t i o n s p e r s o n a I, Streckenarbeiter, B a h n b e iv a ch u n g S- P e r s o n a I, W e r k st ä t t e n a r b e i t e r, Güterbodenarb eiter. Fahr personal usw. auf. Deutsches Reich. Bei der Wahl zum Gesellenanöfchnft der ZwangSinnung der Schneider zu Dortmund siegte die Liste des Schneider- Verbandes mit 57 gegen 23 Stimmen der Vereinigung der katholi- scheu und evangelischen Gescllenvereine, welche durch Flugblatt die Parole ausgegeben hatten: Nieder mit den roten Socialdemokraten! Hoch die christliche Vereinigung! „Arbeitswilligen"- Arbeit. Von Gera wird berichtet: Als dieser Tage der am Bahnhof aufgestellte Hydrant mit dem Röhren- netz der Flustivasscrlcitung verbunden werden sollte, stellte sich her- aiiS, dast der Flantsch deS Verbindungsstutzen hohl gegossen war. Da iiliii die Eiscngiesterei von Jahr, in welcher diese Strcikarbcit geliefert wurde, in nächster Nähe liegt, so liest man von dort einen Be- anitcn kommen, damit er sich von dieser Mnrksarbeit überzeugen könne. Als der Beamte den Stutzen zu Gesicht bekam, rief er:.Nun ja, da haben wirs, den hat der hübsche Schumann gemacht!" Und als nun der Stutzen einer nochmaligen Prüfung unterzogen wurde, stellte sich zum gröstten Gaudium der nicht an dieser Angelegenheit Beteiligten heraus, dast der graste Hohlraum mit— Fensterkitt ausgeschmiert und mit Teer überstrichen war. Hier sieht man genau, in welche Verlegenheit derartige„Arbeitswillige", die den tüchtigen und er- probten Formern das Brot wegnehmen, eine Firma bringen können. Die Firma Jahr aber kann nichts weniger als stolz auf derartige Leistungen sein, und sicher ist, daß, wenn so weiter gewurstelt wird, der Kimdcnkreis dieser Firma ein winzig kleiner werden wird. Nur der Umsicht der Arbeiter, welche den Stutzen befestigen sollten, ist es zu danken, dast ein unter Umständen großes Unheil verhütet worden ist. Zur AnSsperrnng der Bergarbeiter im Plauciischen Grunde veröffentlicht die.Sächs. Arb.-Ztg." folgenden Aufruf: Nachdem an, 20. September in einer öffentlichen Bergarbeiter-Versammlung der Ausstand der Bergarbeiter infolge der Wankelinütigkeit vieler Bergarbeiter aufgehoben und daS letzte Häuflein kämpfender Bergarbeiter sich wieder iiuverrichteter Sache zur Arbeit melden inustte, fängt der Unternehmer an. viele Bergarbeiter zu mastrcgeln. Infolge des Aus- standes sind von den 1200 Bergarbeitern, ivclche im AnSstand waren, cirka 500 von den Unternehmern auf einige Zeit ausgesperrt worden. Es sind meist Familienväter, ivclche ihre Forderniigen bis zur letzten Stunde aufrecht erhielten nnd den Kampf nicht eher aufgeben ivolltcn, bis die Forderungen erfüllt waren. Durch das unschöne Verhalten der Kameraden ist es dann soweit gekommen, dast der Kampf best gelegt iverden mnstte. Die Arbeiter von ganz Sachsen und darüber hinaus hatten den kämpfenden Bergarbeitern ihre Sympathien zugewendet, sie haben dieselben moralisch und materiell unterstützt; durch das feige Vcr halten der wankelmütigen Bergarbeiter ist aber nun zum größten Teil diese Sympathie verscherzt. Wir richten an alle Arbeiter die Bitte, doch ihre hilfreiche Hand von den ausgesperrten Bergarbeitern nicht zurückzuziehen. Helft den ausgesperrton Bergarbeitern ihre Lage etivas erleichtern, sie verschulden es nicht, dast der Kampf aufgegeben werden mnstte. Arbeiter! Was Ihr hier thut, thut Ihr nicht nur für die Aus- gesperrten, sondern Ihr stärkt auch die Organisation der Bergarbeiter, denn schon versuchen die Unternehmer, weil der Kampf verloren ging, die Bergarbeiter aus der Organisation herauszutreiben. Helft also, die schivache Organisation zu kräftigen, und die Bergarbeiter versprechen Euch, das, was Ihr thut, bei anderen Gelegenheiten wieder zu vergelten. Im Auftrage der Kommisston: Herniann Waickert, Niederhäslich. Der Töpfcrstreik in Plaue» dauert nun bereits zwei Monate. Die Gesellen hatten das Gewerbegericht als Einigungsamt an- gerufen, die Meister lehnten jedoch ab; auch von direkten Berhand- lnngen mit den Gesellen wollen sie nichts wissen. Streikbrecher sind bisher nicht vorhanden. RnSlimd. Die Lage deS Streiks in Crenzot ist noch dieselbe. Die Verhandlungen des Präfcktcn mtt dem Unternehmer Schneider haben zu keinerlei Ergebnissen geführt. Die Ansständigen wollen, ivic wir der„Pctite Rcpnbliquc" entnehmen, einen Zug nach Paris unteruchmen. Kinderlose Frauen und erwachsene Mädchen würden mitziehen. Junge Pariser Mediziner hätten ihre Begleitung an- geboten, Wagen ständen ebenfalls zur Verfügung, desgleichen Lebensmittel und Taufende von Franken. Der Trupp werde eine Avantgarde voraussenden, welche für Nahrung und Unterkunft Sorge trage, und sodann in einzelne Abteilungen von je hundert Personen unter Führern zerfallen. Die ziirückblcibendcn Familien würden von den Arbeitern der Minen von Montcean ernährt. In Paris wollen die Streikenden vor den Ministeriell demoiistrieren und verlangen, dast die Regierung für die An- erkennuug der Koalitionsrcchte seitens des Unternehmers Schneider Sorge trage._ Ei« abscheuliches Sittenbild aus dem fröminsten Teile Bayerns wurde dieser Tage in eineni Prozeß enthüllt, der sich vor dem Schivnrgcricht in Straubing ab- spielte. Angeklagt war der vonnalige Pfarrer Johann Moosauer aus Pöcking wegen Siltlickikcitsvcrbrcchcii und An- stiftung zum Meineide, ein Ehepaar ans Pöcking ebenfalls wegen Anstiftung und ein 17jährigcs Mädchen Marie Gimpl wegen Mein- eides. Der 60jährige Gottesmann hatte während der 25 Jalire, die er in der Gemeinde als Priester wirkte, iiickit allein die abscheulichste Unzucht getrieben, sondern auch in Dingen, die außerhalb der sexuellen phärc stehen, auf seine Geincindc in abscheulicher Weise eingewirkt. Wir wollen aus der Anklageschrift und dem Verhandlungsbericht, den wir in den„Miinchencr Neuesten Nachrichten" finden, nur einige tcllcn zur Probe mitlcilen, wobei ivir uiit Ziückstcht auf das Gefühl unserer Leser inw das Glimpflichste aiiswählen. Die Anklageschrift stellt fest, dast Moosauer an der Gimpl Ende des Jahre 1808 während ihrer achlwöchigeii Krankheit verschiedene »nsitiliche Eingriffe vorgcnonimen habe, und dast er sie, die hiewegcn vor Gericht gezogen wurde, veranlaßt habe, alles zu verschweigen. ie Gimpl habe denn auch auf Betreiben Moosauers und der Neu- lingcrschcn Ehelentc ziveimal wissentlich einen Meineid geschworen. Moosancr habe sie im Beichtstuhle bearbeitet, habe nachis mit ihr eine geheime Zusannncnkimft gehabt, um sie zu überreden, habe gc- sagt, sie könne ohne Bedenken alles leugnen, könne.schwören ivie ein reiner Engel, er»chine alles ans sich". Umständlich erzählt sie, was Moosaner angeblich zu Heilzwecken mit ihr alles getrieben habe. Von Geivisseiisbissen verfolgt, habe sie endlich Gesiändnissc abgelegt. Der 60 Jahre alte Priester treibt seine sonderbaren Kuren schon seit reichlich 25 Jahren. Schon im Jahre 1875 wurde ihm vom Ordinariate die„ärztliche Praxis" verboicn. Er behandelte fast aus- schließlich das iveibliche Geschlecht, klein und groß, verheiratet nnd lcdig, jung nnd alt, gesund und krank. An einer Menge von ge- snudcn kräftigen Jniigfrauen und Frauen nahm er die absurdesten Untersilchungen vor und fast alle Kranken belästigte er in ekelhafter Weise. Viele verbaten sich sein Benehme», wiesen ihm die Thüre, doch niemand getraute sich gegen ihn aufzutreten. Seine schamlosen Handlungen— so sage» die Zeugen— beging er(angeblich stets zu Heilzivecke») selb st a n Todkranken, unmittelbar vor oder »acl>, ja sogar während der Beichte, vor oder nach der heiligen Wegzehrung, oft kurz vor den» Tode. Das AergerniS hierüber ist hi»n»elschreic»d. In der Beichte malirätierte er das weibliche Geschlecht und vergcivaltiglc es zu den unflätigsten Aussagen; selbst auf der Kanzel nnd in der Schule, in der Christenlehre redete er in Ausdrücken, die edcm das Blut in die Wangen treiben mnsttcn. Die Zeugen bc- stätigen auf Eid hin alle die Angaben der Anklageschrift. Nur die sogenannten„Bundischen", d. h. die Dkitgliedcr des Jniigfrauen« bnndcS, dessen Vorstand der Pfarrer war. ivaren in ihren Aussagen sehr zurückhaltend. Sie scheinen es als selbstverständlich gehalten zu haben, dast der Pfarrer sie nnihalse, streiche, drücke, greife zc. und nntcrsliche, ob sie auch wirklich tauglich wären, in de»„Jungfrauen"- Bund aufgenonnnen zu iverden. Ans den Zeugenaussagen geht hervor, daß der Pfarrer in der Gcincinde gefürchtet gewesen sei. Am meisten hiervon hatte der Bauer Martin Ostcrholzcr auszustehen, der die.Schwciucrcicn" endlich vor 18 Monaten zur Anzeige brachte. Kapilalieu wurden ihm gekündigt, verachtet war er von vielen. Er ist jetzt nicht mehr in der Pfarrei Pöcking. Einem anderen wurde die Vereinsdiener- telle beim Raisfeisenvercine abgenommen, weil er einen Belastungs- zeugen zu sich in die Wohnung genommen habe. Eine Lehrerin, die mehr als 20 Jahre zur vollsten Znfriedenheit in der Schulgenieinde gelvirkt, wurde zehn Jahre lang vom Pfarrer, ihrein Lokal-Schul- inspektor, in der grimmigsten Weise verfolgt, augezeigt, in DiSei- plinnruntersuchnug gezogen, weil sie ihm nicht behilflich war, zwei Sittlichkcitsverbrccher, die den Pfarrer mit 300 M. bestochen hatten, zu retten. Die Zeugenaussagen eröffnen einen bodenlosen Ab- grund von Verworfenheit, Unsittlichkeit, Mistbrauch der heiligsten Gewalt. Merkwürdig dabei ist der Einfluß, den er auf das iveibliche Geschlecht zu üben wußte.„Hab' ich nur die Weiber," sagte er, dann gehören mir auch die Männer!" Nur einzelne ließen den .S.. baren" nicht wieder ans Krankenbett kommen. Die meisten lietzcn ihn Iviedcrholt holen oder suchten ihn, falls sie in gesegneten Uniständen ivaren, auf. Ausgesagt haben die wenigsten, und die- jenigen, welche während seiner mehr als 40jährigcn Priest crzcit untersucht, kuriert, belästigt zc. wurden, ohne daß sie jemals ein Wort hierüber verlauten ließen, dürsten jedenfalls Legion sein. Manche Zeugen liest er sich zur„Absolution" oder„Gcucrnlbeichte" aufs Zinimer kommen. Die ineiften kamen, manche nicht; denn es war icit Jahren in Pöcking und Umgebung ruchbar, und ivurdc selbst unter Schulkindern erzählt, wic's der Pfarrer treibe. Sonderbare Ansichten hat der„Priester" und„Seelsorger" über den Eid. Er stcllle den Satz auf:„Wenn jemand eine n Meineid schwört, durch ivelchen einem Dritten kein Schaden zugefügt Ivorden sei, so wäre er ei» Narr, wenn er sich wegen dieses Meineides selbst zur A uz e i g e b r i il gen iv ll r d c."— Mit energische» Worten geißelte der Vor- ltzende solche Moral aus dem Munde eines Gebildeten, eines Priesters. Zwei dramatische Sccucn wickelten sich im SchwurgerichlSsaalc ab.'Die Mutter der Angeklagten Marie Gimpl(„selbst eine Unter- suchte") steht so unter dem Banne deS Pfarrers, daß sie die schäud- lichstc» Dinge gegen ihre leibliche Tochter aussagt, um darzuthun, dast man ihr in keiner Weise Glauben schenken dürfe, dast sie also den Pfarrer falsch bezichtigt.„Für den Pfarrer verschwör' i Leib und Scel'!" äußerte sie. Daß ihre Tochter wegen Meineids an- geklagt ist, das betrübt sie nicht sonderlich; daß aber der„un- schuldige" Pfarrer sitzt, da wird ihr das„Herz ganz trucka" (trocken). Sic scheint völlig unter dem Geistesbann des Pfarrhcrrn zu stehen. Abends wurde noch der Söldner Karlsietter von Pöcking ver- nomine», ein Freund Moosauers. Man war gespannt auf seine Aussage», da er änderte,„er haue den Pfarrer heraus". Eindringlich ivurde er über Wichtigkeit und Heiligkeit des Eides belehrt, trotz- dem setzte er sich in Widerspruch zu nichrcren beeidigten Zeugen. und vor dem Kruzifix an den Stufen des Richtertisches fiel er nach der offenbar falschen Aussage beivusttlos zu Boden. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des pfäsfischcn Scheusals zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, die Mitangeklagten ivurdcn freigesprochen, wohl, weil die Geschworenen angenommen haben, dast sie völlig unter dem Banne deS geistlichen Herrn gestanden hätten und sich der Strafbarkeit ihrer Handlungs- weise nicht bewußt gewesen seien. Vielleicht übt dies abscheuliche Sittenbild einen etwas er« nüchternden Einflust auf jene stants- und religionsrettcnden Eiferer aus, die oft in bewußter Heuchelei Großstadt nnd Socialdciuvkratie in Grund und Boden verfluchen und die idyllischen Sittcnznftände auf dem Laude durch Zwangsmittel aller Art in ihrer bisherigen Reinheit erhalten wissen wollen. Auch jene frommen Leute, denen es besonders profitabel dünkt, die Socinldenrokratie der Vcr- Herrlichimg des Meineids zu zeihen, mögen sich der erfolgreichen Lehren des Pfarrers Moosauer erinner». Vevsamntlnnsvn. Die Putzer hielten gestern Abend eine gut besuchte Versamm- lung bei Keller, Koppcnstraste, ab. Nach dem Bericht der Lohn- konnnission, den Dähne erstattete, haben bereits 112 Arbeitgeber, darunter 37 Mitglieder des Bundes der Bau-, Maurer- und Ziinmcnncister, die aufgestellten Forderungen bewilligt. Es arbeiten folgcdcsscn gegenwärtig ca. 1000 Putzer, das sind etwa 5/s der gcsamtcn Putzer, zu den neuen Bedingungen. Von den 1126 Mann, die sich von Anfang an der Beivcgung beteiligt, sind zur Zeit noch 208 ausständig. Es ist Aussicht vorhandeu, daß die Zahl der Ausständigen noch im Laiife dieser Woche erheblich reduziert ivird. Dieser günstige Verlauf der Bewegung dürste, wie angeführt ivurde, wahrscheinlich auch die Unternchiner veranlassen, einen andere» Stand- Punkt einzunehmen ivie bisher, so daß für die Zukunft stabile Vcr- Hüllnisse geschaffen werden können. Von der Kommission, sölvie von den übrigen Rednern wurde gewünscht, dast insbesondere die älteren Kollegen möglichst in Arbeit gebracht werden. Lebhaft kritisiert ivurde, dast die Putzer auf einigen Bauten Nebenverträge, die init den aufgestellten Bedingungen nicht übercinstinnucn, unterschrieben haben. Einslinimig wurde sodann beschlossen, daß der Streik in der bis- hcrigcn Weise weiter geführt werden soll. Neue Arbeitseinstellungen sollen nicht vorgenommen iverden, bevor mit der Kommission darüber beraten wurde. Die Beiträge zum Streikfonds betragen von dieser Woche ab pro Tag 25 Pf. Ansterdenr ivurde beschlossen, dast die Filialen aufgehoben iverden und die Bankontrolle und alle übrigen Geschäfte nur noch vom Centralbureau Rosenthaler- straste 57 zu erledigen sind. Als ständige Komniissionsmitglieder ivurden Schulz, Kohl, Richter, Kelpin und B u d a ch gewählt._ Tetzko Nachvichken und Depeschen. LaSkowitz i. Wcstpr., 3. Oktober.(33. T. 33.) Der erste der beiden Ballons der internationalen Ballonfahrt, welche heute vor« mittag vom Tempelhofer Felde bei Berlin aufgestiegen, ist um 2'/2 Uhr nachmittags nach fünfstündiger Fahrt bei Graudenz glatt gelandet. Der Ballon, in dem Dr. Berson vom Meteorologsichen Jnstitilt in Berlin und der Direktor des Meteorologischen Instituts für Elsaß- Lothringen Professor Hcrgescll sich befanden, erreichte eine Maximal- höhe von 6600 Metern,'wobei die Temperatur bis auf 23 Grad Kälte sank. Frankfurt a. M., 3. Oktober.(B. H.) Die„Frkf. Ztg." meldet aus Konstautinopel: In Silvas(Klein-Asien) Ivollten die Armenier eine Demonstation vor dem Palais des Gouverneurs veranstalten. Als Truppen die Kundgebung zu verhindern versuchten, trat der Gouverneur huiaiiS, um einen Zusammenstoß vorzubeugen. Slllein er wurde durch eine Kugel verletzt. In dem Konflikte zlvischen den Truppen und den Armeniern gab es eine große Anzahl Schiver- verwundeter.— Ein Jrade deS Sultans ordnet die Teilung UenienS in 4 Verwaltungsbezirke an. Budapest, 3. Oktober.(B. H.) In der heutigen Sitzung de» AbgcordnetcuhnnscS ivurde der Slntrag KoffuthS bezüglich Chrnng der in Arad Hingerichteten Generale verhandelt. Auf Antrag de« Ministerpräsidenten Szcll ivurde beschlossen, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses damit betraut werde, einen Kranz auf da» Denkmal in Arad niederzulegen. Paris, 3. Oktober.(B. H.) Der Socialdemokrat Viviani ist in Crcuzol eingetroffen. 1200 Arbeiter erwarteten ihn am Bahnhof und begleiteten ihn zur Sladt. Vivimii hielt ans einem öffentlichen Platze eine Ansprache, worin er den Arbeitern sagte, er bringe ihiien die Nntersiützung des gesamten französischen Proletariats. Seine Worte fanden großen Beifall. Paris, 3. Oktober.(W. T. B.) Das in drc englisch« venezolanischen Grenzstreitigkeitsfrage eingesetzte Schiedsgericht hat heute seinen Schiedsspruch einstimmig zu Gunsten Venezuelas abgegeben. PariS, 3. Oktober.(B. H.) Die Generalräte von Marseille nnd Constnntine haben Adressen an das Kabinett gesandt, worin sie dasselbe für die republikanische Politik, die eS so energisch vertritt. beglückwünschen. Der Gencralrat von Marseille drückt noch den Wunsch aus. die Regicrnng möge die Kriegsgerichte abschaffen, sowie den Staal von der Kirche trennen. PariS, 3. Oktober.(B. H.) Der Richter GroSjean zu Vcr- sailles, der durch die Enthüllungen des in der Koinplottaffaire vorgeladenen Zeugen Berlot kompromittiert ist, hat sich nach Belgien geflüchtet. Paris, 3. Oktober.vciß aber nicht, wer mit diesem be- sonders verkehrte, namentlich weiß sie nicht, ob der Prinz von Thurn nnd Taxis mit diesem eng verkehrte und Ann und Ann mit ihm gegangen sei.— O b e r st a a t s a n iv a l t: Die Zeugin hat früher gesagt, daß Herr v. Kröchcr häufig bei Herrn v. Schachtmeyer war. Haben Sie da gehört, daß die Herren über Spielnngelegcnheitcn konferierten?— Zeugin: Darüber kann ich nichts sagen. P r ä s.: Auf Grund eines eingegangenen anonymen Schreibens frage ich die Angeklagten v. Kayser und v. Kröchcr: Kennen Sie eine Valerie Sch. oder eine Dörths E., oder haben Sie bei der zurückgelassenen Gattin des ollen ehrlichen Seemann hannoverschen Andenkens verkehrt?— Beide Angeklagte bestreiten entschieden alle diese Andciitungen des anonymen Schreibens. Justizrat S e l l o hält eine Vorladung der Frau Seemann und des Herrn Eichler für notivendig, wenn auf solch auonymeS Geschreibsel überhaupt etwas gegeben werden sollte. Ticnstmädchcu Beyer. Die nächste Zeugin ist das Dienstmädchen Anna Beyer, über deren Geisteszustand Bedenken obwalten. Sie hat seiner Zeit bei dem Angeklagten v. Schachtmeyer bczich»uigsivcise dem Fräulein Ulrich gedient. Sie behauptet, sie habe eines Tage» gehört, daß v. Schachtmcycr daS Fräulein Ulrich schlug und da habe sie sich furchtbar erschrocken und sei davon gelaufen. Sie will die Angeklagten v. Kröchcr und v. Kayser öfter bei v. Schachtmcycr gescheit nnd bemerkt haben, daß sie Roulette spielten. Auch ein älterer Herr(die Anklage behauptet Herr Wolffi sei öfter bei v. Schacht- mcyer gewesen. Die Zeugin begleitet ihre Aussagen wiederholt mit einem eigentümlichen Lachen. Der StaatSanivalt verzichtet auf eine Vereidigung der Zeugin, da er Bedenken bezüglich ihres Geistes- znstandcs hat. Der Gerichtshof beschließt, die Zeugin nicht zn vcr- cidigcn, da sie sich über die Tragivcite ihrer Aussage nicht klar sein dürfte. Die Sitzung wird, hierauf um 4'/z Uhr geschlossen und soll Mitt- ivoch 9 Uhr forigcsctzt werden. Mmmnutrnles. Der Auöschnsi zur Beratung der Magistratövorlagc, be- treffend eine den städlischen Kanzlistcn vom 1. April 1900 ab zn gc- währende AlterSzulagc, die nach 10 Jahren 15 M. und nach 15 Jahren 20 M. monatlich bclragcn sollte, hat gestern abend niiter Vorsitz dcS Stadtv. Michclet getagt. Bezüglich der von dem Stadtv. Singer angeregten Frage, die Kaiizliftci! als Beamte anzuerkennen, beschloß der Ausschuß, der Angelegenheit im Augenblick keine Folge zu geben, dagegen den Magistrat zu ersuchen, der Stadtvecordnetc»« Versammlung nach dem Inkrafttreten des Komminialabgabcn-Gcsctzcs— 1. April 1000— eine Vorlage zwecks definitiver Regelung dieser Frage zugehen zu lassen. In Bezug auf die vom Magistrat vorgeschlagenen Altcrszulage beschloß der Ausschuß dem Antrage Singer entsprechend an Stelle der MagistratSvorlagc bereits nach 3 Jahren 10 M.. nach 10 Jahren 15 M. und nach 15 Jahren 20 M. monatlich zu gewähren. Diese Erhöhung soll auf Antrag des Stadt. Dr. Gerstenberg schon vom 1. Oktober d. I. eintreten.— Anffcrordcntlichc Sitzung dcö Magistrats vom Dienötag. Auf sein Ersuchen ist dem C o m e n i u§« V e r e i n vom Magistrats- kollcgium auch für dieses Jahr eine Beihilfe von 400 M. gewährt worden. Die gleiche Summe von 400 M. ivurde dem Verein der Goßnerschen Klciiikinder-Bewabranstalt gewährt.— In einem an den Magistrat gcrichtetcu Gesuche ivird die Bitte ausgesprochen, die gegenwärtig bestehenden H c n- nnd S t r o h m ä r k t e auf dem Gartenplatz und am Ostbahnhof aufzuheben. Das Magistratskollegium hat beschloffcn, bevor es über das Gesuch eine endgültige Entscheidung trifft, zunächst ei» Gut- achten der Aeltesten der Kaufmannschaft über die Notlvendigkcit des Bestehens der bezüglichen Märkte einzuholen. Im gleichen Sinn oll eine Anfrage an das königliche Polizeipräsidium in dieser Angelegenheit gerichtet werden.— Zur Verbesserung der Des- i n f e k t i o n s m c t h o d e n hat daS Magistratskollegium beschlossen, das Formaldehyd neben der Dampf-Dcsinfcklion in Anwcndnng zu bringen und hierzu eine Mehrausgabe von 5300 Mark für das Material und 1650 Mark für die Apparate in den nächsten Etat einzusetzen._ Lokales. Von den Harmlosen weiß man jetzt wenigstens, warum sie sich diesen poetischen Namen beigelegt haben, oder beigelegt haben sollen. Der Präsident inachte nämlich am gestrigen VcrhandluugStag in Moabit die humoristische Bemerkung, die angeklagten jungen Herren hätten ihre Jeugescllschaft wohl„Klub der Harmlosen" genannt, Ivcil die Besnchcr dcS KludS o harmlos gewesen seien, die angewandten Tricks nicht zu sehen. Ob man jedoch den Leuten, die auf der Anklagebank stehen, irgendwelche Kniffe wird nachiveisen können, steht noch sehr dahin. Auch am Schluß dcS zweiten Ber» Handlungstages sieht die Sache für die Angeklagten sehr günstig ans. Man hat ihnen bis jetzt noch nicht einen einzigen Widerspruch nachweisen können. Und es läge ja auch, wie das kleine Hofjonrual so schön nachgewiesen hat, nur im Interesse der Rcputa- tion der Staats- und Gesellschaftsordnung, wenn die angeklagten Edelsten nnd Besten freigesprochen würden. Aus wie feinen Ge- sellschaftslreiscn man sich die Angeklagten diesmal geholt hat, geht daraus hervor, daß der eine von ihnen, Herr von Kayser, noch zivei Tage vor seiner Verhaftung den kleinen Hofball mit- gemacht hat. Auch sonst kam wieder allerlei recht Charakteristisches zur Sprache. So wurde, um den Aufwand des Herrn v. Kröcher fest- zustellen, mitgeteilt, daß dieser junge Mann in einem Zeitraum von ö/« Jahren für etiva 4000 M. Garderobe gebraucht habe, lind d.;5 schönste war, daß ein alter in vieler Herren Diensten erfahrener Kannner- diener vorGericht diesenGarderobenvcrbranch als keineswegs besonders hoch bezeichnete. Die. blauen Lappen", wie die Hundertmarkscheine bei den Harmlosen genannt wurden, müssen den Herren also recht lose gesessen haben. Mancher Mann, der sein Lebelang ehrlich gearbeitet, hat noch nie einen solchen blauen Lappen in Händen ge- habt, wie sie von den jungen Prassern, die sich noch keinen Thalcr ehrlich erarbeiten konnten, paketiveiS verjeut nnd verjubelt wurden. In kein besonders günstiges Licht wurde von den Angeklagten der untersuchungführcnde Kriminalkommissar v. Manteuffel gestellt, der die Angeschuldigten wechselweise zu ungünstigen Aussagen über die Kameraden habe verleiten Ivollen, indem er jedem vor� spiegelte, der andere habe Ungünstiges über ihn ausgesagt. Er hätte, wie die Angeklagten meinen, lieber dafür sorgen sollen, daß Wolff und Dr. Kornblum nicht inS Ausland entivischteii. Etwas dramatisch ivurde die Sache am Dienstag, als die Geliebte eines der Angeklagten, des Herrn v. Schachtmeyer. über ihre gegenseitigen Verhältnisse vernommen wurde. Die äußerst chik gekleidete Jungfrau erzählte von der gemeiuschaftlichen Wohnung und dem Lebcnsaufivand, der sich in bescheidenen Grenzen gehalten habe. Den stark kompromittierten Wolff habe sie nie in der Woh- innig bei sich gesehen. DaS hatte sie beschworen. Dann aber kam ihr früheres Dienstmädchen und sagte, der Wolff sei oft dagewesen. Die Situation wurde kritisch. Aber daS Mädchen machte den Ein- druck einer Schwachsinnigeu, und alles atmete auf, als der Gerichtshof beschloß, sie nicht zn vereidigen. Gegen Schluß der Bcrhaudluugen kam eS zn ziemlich unangenehmen Zusammenstößen der Verteidiger mit dem Ober-Staats- auwalt. Namentlich der Sicchtsauwalt Dr. Schachtel nahm sich sehr tcmparamcntvoll seines Klienten von Kayser an und sprach bereits von einer Freisprechung desselben untcr Ablehnung der wcitcrcir Beweisaufnahme. Aber so leicht will es doch der eben von Breslau»ach Berlin gekonimcne neue Ober- Staatsanwalt Jscnbiel den Herren nicht inachen. Ist eS doch sein erster großer Prozeß, den er hier führt, und er vertritt mit einer gcivissen feierlichen Ruhe den Standpunkt der Anklage. Am Mittwoch sollen der Herr v. Manteuffel und der Lieuteuaut Graf Reventlow über die Gebräuche in den feineren Spielcrkrcisen ver- nommen werden. Danach würde dann zu beurteilen sein, ob eS bei den Harmlosen kair zugegangen ist. Die Erhöhung der Kohlenprcise wird jetzt von den Arbeiter- frauen mit Angst und Schrecken wahrgenommen. Das fehlte gerade noch zn der gegenwärtigen Lebcnsmitrelteueruiig, die zu dem jäinmet- lichcn Einkommen der meisten Arbeiter in gar keinem Verhältnis steht. Seit einigen Tagen ist bei den Kohlenhändlern die abnorine Preissteigerung eingetreten. Tie Händler geben als Ursache an, daß wegen des großen Bedarfs der Industrie nicht genügend Kohlen si)r den Privatbedarf zu Tage gefördert werden könnten. Das ist er» sehr schlechter Trost für die Arbeiterfrauen und nun heißt es sich noch kärglicher einrichten als bisher schon. Ob dies über- Haupt möglich ist, danach fragen die Jntercffenten der kapitalistischen Weltordnnng nickt. Ganz teilnahmslos stehen die Herren allerdings auch nicht'da. Auch ihnen ist die Not der Arbeiter nnangenehni »nd daher sinnen sie nach Gebühr auf Abhilfe. Sie kalkulieren so, daß es vor allem erforderlich sei, die Merkmale der Berschlechternng in der Lebenshaltung nicht äußerlich hervortreten zu lassen. Die Merkmale geben sich kund in Ausständen und anderen ilnerfreulichen Erscheinungen. Diese Fatalitäten gebietet der wahre Patriotismus mit allen erforderlichen Machtmitteln zn verhüten und daher schreit das staatSerhaltcnde lliiterlichnicrtum heute lauter denn je nach dem — Z u ch t h a>l S g c s c tz. Ter Streit um die kolumunale Politik der Sannuluug wird in der bürgerlichen Presse weiter ausgcfochten. Die„Volks- Zeitung", die das Abkommen für die Stadtverordnctcmvahlcn auf- gedeckt hat, höhnt weiter über den„Koiiiinnnal-Dreibnnd" und fragt in einer Polemik gegen Herrn Engen Oiichtcr und seine Getreuen: „Haben nicht mehr als 20 freisinnige Vereine der alten Fraktion der Linken ihre Entrüstung ausgesprochen über ihre schul- und lchrcrfciud- lichc Haltung bei der Lchrcrbcjolduugsfragc? Haben nicht zahlreiche frei- sinnige Vereine ihre begründetste Ilnzufriedcnhcit mit der alten Fraktion der Linken laut werden lassen wegen ihrer Begünstigung groß- kapitalistischer Monopolbestrebimgen bei der Beratung der ElektricitätS- vorläge? lind nun, wo es an die Rettung der Mandate geht, nun soll alles eitel Lust und Freude, Wonne nnd Seligkeit sein? Nun. Ivo es darauf ankommt, ein bißcken aufzuräumen zwischen den vcr- knöchertsten Trägern eines nnsocialcn LiberaliSmns, der den An- schlpß an neue Ideen verpaßt hat nnd den LiberalisumS bei jeder Gelegenheit zum Vorteil der Socialdcmokratie koiupromitriert. mm soll eS heißen: qnieta non movere? O, mordet nicht den Schlaf!? lind mit dicscin allgemeinen Friedens- und Schlnnniier- pnnfch will man die Wähler einlullen selbst zu Gunsten der konser- vativcn Elemente der Bersanimlung? Wahrlich, wenn_ sich die freisinnige Wählerschaft Berlins das bieten und gefallen ließe, dann verdiente sie den spöttischen Hohn, über den die Autiscniite». Konservativen und Nationallibcralcn dcS Landes einerseits und die Socialdemokraten andererseits verfügen." Ja, wenn Spott und Hohn der liberalen Versumpfung noch etwas anhaben könnten! Die lllnflösung der Kraukenkassc der Drechölcr-Jmiung ist in der letzten Gcncralversanunlung dieser Jnnnng beschlossen worden. Für ihre Auirechterhaltung sprachen sich außer dem Rendautcn nur noch einige Meister auS. Laut Statut muß die Auflösuiig der Kasse von zivel Dritteln der anwesenden Mitglieder beschlossen werden. Anwesend waren 244 stimmberechtigte Mitglieder. 163 machten also die zwei Drittel auS. Für die Auflösung stimmten aber nicht weniger als 2l4 Mitglieder. Zur endgültigeu Auflösung fthlt»un»»r noch die behördliche Bestätigung, die wohl kaum ausbleiben kann, wo eine io große Mehrheit der Mitglieder über die Zivcckdicnlichkeit nnd Schädlichteit besonderer Jimuiigs-Krankcnkassen ihr Urteil abgegeben hat. Beim hiesigen Gcwcrbcgericht finden vom 5. bis 12. Oktober keine Sitzniigen statt, da in diesen Tagen der Umzug deS Gerichts »ach dem Markthallengcbäude in derZimnierstraße vollzogen wird. Auch iverdeu in dieser Zeit kciiie Klagen anfgeiiommcit, jedoch sind bis zur Beendignng des Umzuges die Herren Geiverbcrichtcr v. Schulz oder Bnrcauvorstehcr Miclisch in dringenden Angelcgcnhcitc» täglich im bisherigen GcrichtSgcbäiidc(Köllnischcs Nathans, Breite- straße)' zu sprechen. Solche Aiigelegcnheitcn, die keinen Aufschub vertragen, sollen thinilichst auch in der„Zichzcit" erledigt ivcrdcn. Tie beiden Luftballons, mit denen die Berliner Wisseilschaft- lichcn Kreise sich an den von Paris, Straßbnrg, München, Wien. Berlin nnd Petersburg aus geplanten internationalen Erforschungen der böbere» Luftschichten beteiligt haben, sind gestern vonnittag vom Tcmpelhofer Felde cius aiif�estieqcn. Die eine dieser Fahrten er- folgte ans Kosten und Veranlassung des Kgl. Meteorologischen Instituts, die zrjj�te ans Kosten der Deutschen Gesellschaft zur Förde- rnng der Lustschinahrt, die zugleich für beide Fahrten ihre großen, tS80 Kubikmeter fassenden Ballons zur Verfügung gestellt hatte. Mit der Leitung der ersten Fahrt mar oom Meteorologischen Institut Dr. Bcrson betraut worden, ihm schloß sich der Direktor des Mcteo- rologische» Laudesdienstes sür Elsaß-Lothringcn Prof. Hcrrgescll an. Gilt heiliger Wind ans SW zu WSW in der Geschwindigkeit von 7—8 Meter in der Sekunde erschwerte etwas die letzte» Arbeiten. Kurz nach 9 Uhr Ivar alles znr Auffahrt vorbereitet, die beiden Herren nahmen in der Gondel Platz, und um 9 Uhr 9 Min. 30 Sek. stieg der Ballott langsam und ruhig in südöstlicher Nichtiittg in die Lüste. Nach Schätzung der Fachleute dürfte der Ballon die Richtung nach Posen zit innehalten, es ist nicht ausgeschlossen, daß er russisches Gebiet erreicht. Sofort nach der Abfahrt des ersten Ballons wurde der zweite Ballon herbeigeholt. Dein Führer des Ballons, dem Dr. Süring vom Meteorologische» Observatorium in Potsdam, schlössen sich der Professor Forel- Lansanne, Professor Wichert- Göttingen und Dr. Thilcnins- Straßburg an. Der Wind hatte in- zwischen wesentlich nachgelassen, so daß die Vorbereitungen flott von statten gingen und um- 9 Uhr 43 Min. auch der zweite Ballon freigegeben werden konnte. Der Aufstieg erfolgte in bester Weise, der Ballon hob sich sofort.nf 300 Meter und stieg schnell immer höher, bis er etwa in 1000 Meter Höhe in den Wolken verschwand. Beförderung von Gcldfässcr»?c. durch die Post. Der „Neichs-Anzcigcr"_ enthält folgende Bekannttnachnng. Unter Auf- Hebung der Beschränk»»� ivonach bisher die Mehrzähl der Berliner Postanstalten zur Annahme von Geldbeuteln, Gcldfässcrn und Geld- kisten nicht befugt war,� find fortan snintlichc Berliner Postanstalten, bei denen Pakctanflicse nng stattfindet, ermächtigt, Geldbeutel im Einzelgewichte bis zu 1 Kilogramm zur Beförderung anzunehmen. Schwerere Geldbeutel fe vie Gcldfässer und Gcldkistcn können nach wie vor nur beim Hof-Postamt und bei den hiesigen Bahnhofs- Postanstalten aufgegeben werden. Kurpfufchcrci. Fi süddeutschen Blättern wird amtlich vor lolgeudeu Kurpfttscherciei gewarnt: 1. Specialbchandlung von Kopf-, lerven- und Ma g e n l'i i d e n durch Gustav Hermann Braun, Breslau. Schweidnitz» str. 37; 2. E l e k t r i s ch c S e l b st k n r c n t on. H i l d e b a d, Karlsruhe; 3. Heilung von H a u t- K r a n k- b e i t e n uc. durch An r g e n j en in H e r i s a n, Schweiz; 4. H e i l- verfahren von Paul W e i d h a a s in N i e d e r l ö ß u i tz bei Dresden; ö. G eh öröi- Extrakt von H. Wolter, Bank- beamtcr a. D. in C h a r l o t t c n b u r g; 6. Lebens Wecker, Lcbcnsöl, Heiliustruineut ro,, Franz Otto in Berlin, Wintcrfeld- WvßoLö;? Dr. D res eis Nervei, fluid, aiigcpricscn vom „Diätisten� W. Li c b ert in Connewitz und von Emil Reiß in Leipzig, Arndstr. 59 Die Präparate dieser Kurpfuscher werden amtlich als schwindelhaft u bezeichnet. Tie Liquidation de« verkrachten"VatevS„Alt-Berlin", ber famosen Gründung de! Herrn Bln.itcnreich in der Berliner Ge- werbc-Ausstellting 1895, ist uuinehr als beendet zu betrachten, nach- dem der Liquidator den Os'nbarnngSeid für die Gesellschaft geleistet hat. Der Arbeitsausschuß er Ausstellung hat 8000 M. erhalten. so daß er nur noch einer Verlust von 2000 M. zn beklagen hat. Alle übrigen Gläubiger de� UntcrnchmciiS sind dagegen völlig leer ausgegangen. Ter Güterverkehr ist bn Berlin augenblicklich so stark, daß er von den Eisenbahneii kaum' ewältigt werden kann. Am Montag ist nim, wie der.Konfctiionär'nincldet. der Fall zum erstcnmale ein- getreten, daß die Güter-Abschiignttgsstelle an dem Anhalt-Drcsdener Bahnhof, nachdem die Giiterdöden bis um 11 Uhr vormittags über- hanpt geschlossen waren, hn stierte von Fuhrwerken von 7 Uhr früh ans die Abnahme ihrer iiiiter vergeblich gewartet haben, den Spediteuren tclephonisch den Bescheid zugehen ließ, leine Güter mehr zur Bahn zu senden, da ei. e Abnahme derselben wegen Güter- iiberfüllting nicht bewirkt wet?cn könne! � Boin eigenen Gcspa. n überfahren und getötet wurde gestern mittag ein Kutscher vor dem Hause Kutfürstendamm 112. stiückliche ffcl von seil:m mit Steinen bcladcncn Wagen so nuglucklich herab, daß er unt r die Räder geriet, ivelchc ihm über den Rücken gingen und die D.irbclsänle brachen. Der Schwerverletzte wurde auf die Sanitätswache v sebracht, wo er nach einer halben Stunde verschied. g» Feuer in CastanS Pai/� ilikui» alarmierte die Fencrivehr in vorletzter Nacht. Kurz nach 12 Ihr bemerkten Straßenpnjfanlen, daß Rauch aus mehreren Fenstern nng und schlugen Lärm. Im„Vor- stcllungssaale" hatte die Spc ilitätcnbühne Feuer gefangen, das schließlich den ganzen Saal faßte. Die Feuerwehren aus der Mauer- und Zitnmerftraße des« intten nach halbstündiger Arbeit das Feuer ans seinen Herd, so daß die in d.n angrenzenden Räumen bcftndlicheit Fignreu vollständig erhalten blieben. Da jedoch der Saal vollständig ausgebramtt ist, müssen die„Specialitäten" einst- weilen unterbrochen werden. Wodurch der Brand entstanden ist, konnte nicht festgestellt werden, da zur Zeit seiner Entstchung das Panoptikuin längst geschlossen und das Personal nicht nnivcsend ivar. . Ein grösserer Braud auf dem Ccutral- Viehhofe machte g>ltern früh der Feuerwehr viel zu schaffen. Auf der Haarwäscherei lu-ii Samt er u. C o mp. ivaren durch Selbstentzündung in Ballen und«äckcn enthaltene Tierhaare in Brand geraten, der bald größere Ausdehutiitg nnnahin und auf das alte Kesselhaus überspraug. dessen Dach er größtenteils einäscherte. Die Feuerwehr hatte fast zwei Stunden mit dem Ablöschen und A»frä»mett zu thnn. Die in Brand geratenen-Haare waren von auswärts eingeführt, aber jedenfalls nirbt vollständig getrocknet, bevor sie zu Ballen gepreßt wurden, wodurch dann die Selbstentzündititg erfolgte. Es ist dieses übrigens der erste derartige Fall, der auf dein Central-Viehhose erfolgte. Ter Tirrktor der Treptow- Sternwarte, Herr Archen- hold, hielt in Kellers Fciisälcn vor einer zahlreichen Zuhörerschaft ttnen mit Lichtbildern reich illustrierten astronomischen Vortrag, der sich der ungeteilteit Aufmerksamkeit der Antvesenden erfreute und dadurch von neuem zeigte, wie lebendig in der Arbeiterschaft das Strebe» nach Wisse» ist. Auch der folgende Teil des von der Frei- V: igiösen Gemeinde veranstalteten Äbendö verlief in iviirdiger .Harmonie; vor allem fandcit die Votträge des GesangschorS der Gemeinde wohlverdienten Beifall. Der fiiianzielle Erfolg deS Festes kann hochcrfrcnlich genannt werden, sodaß dem BanfondS der Ge- meinde eine beträchtliche Summe zugeführt tvird. Wie man uns mitteilt, bereitet die Freireligiöse Gem. inde zum 19. Februar nächste» Jahres eine G i o r d a n o Bruno-Feier vor. I» der städtischen raudstummenschiile, Markusstr. 49, findet die «ufiiahui- innaiigs Oktober und ansaugö April statt. Eltern und Vor- Münder taubstummer schulsahiqcr lind noch nicht eingeschulter Kinder haben Ainncldiingcii bei dein Direktor Ä u tz in a n n, Marlusstr. 49, anzubringen. Die städtische Taubstniniilenschule miterrichtet in 13 Klassen IM) Kinder. Ostern d. I. wurde von den städtischen Behörden eine Vorbildungsklafic eingerichtet, in ivelchc auch Kinder«ufgetionunen werden köiuicii, die daS fiiiiste Lebensjahr vollendet habe». Das Wintersemester beginnt die Anstalt am 12. Oktober d. I. Im Zlpollo-Thcater übt daS Ausstattungsstück„Frau Lniia" immer noch eine nngeschtvächte Zugkraft ans. Daß die Sommer- operette sich weit über die ihr»rfprüiiglich vorgezeichncte Lebens- daner bis in den Herbst hinein hält, mag daran liegen, daß Verfasser und Komponist es verstanden haben, so ziemlich allen Geschmäckern crccht zn iverden. Wem an populären, flotten Melodien gelegen ist, er findet in den Schöpflmgen des Kapellmeisters Linke ein reiches Ragout. Liebhaber blutiger Kolauer kommen bei den Herren Bender und Stcidl aiif die Kosten, und Freunde bunten Flitter- glanzcS erhalten in der AlisftatrimgSpracht mehr beschert, als sie erwartet haben niochtcn. Aber selbst höhere» Anforderungen wird das Stück gerecht; daS Lnftballctt Grigolatis bietet in feinen Bc- wegniigen voller Grazie ciiicn, man kann ohne Nebertreibung sagen, reine» ästhetischen Genuß. Bor dem mannigfacheit Glanz der Ausstattungsoperette treten die eigentlichen Specialitäten zurück, obgleich auch unter ihnen recht tüchtige Kräfte vorhanden find. Erwähmiitg verdienen die Pantomimisten The BlosiomS und die amerikanische Barratruppe, der es gelungen ist, auf dem ab- gcgraftcu Boden cxceutrischer �Künste neue wunderliche Blüten zu ciitdccken. Vor allem aber mag die spanische Täuzcriu Chavita geuaunt werden, die uuS in ihrer Kunst gar seltsame, an Tausend lind Eine Nacht erinnerude Märchen vorgaukelt. Fcnerbericht. In der Nacht zum Dienstags wurde die Feuer- wehr mehrfach in Aiifpriich genommen. Fruchtstraße 29 kam in einer Tischlerei ein Brand aus, der die Wehr längere Zeit be- schäftigte. Ein Gardinenbrand verursachte einen Alarm nach R a t h e n o w e r st r a ß e 56. Außerdem liefen Feuerincldmigen ein von Neinickendorferstraße 7, D e n n e w i tz st r a ß e 11, Brau den bürg st raße 69 und L o t h r i n g e r st r a tz e 65. In sämtliche» Fällen handelte es sich jedoch lediglich um geringsügige Brände, die meistens ein Eingreifen der Feuerwehr nicht er- forderten.- SliiS de» Nachbarorten. In Nixdorf hält der Frauen- und Mädchen-BildungS- verein am Donnerstag eine Mitgliederversanimluiig ab, in der Dr. Borchard referieren wird. Männer als Gäste sind ivillkommeii. In Reinickendorf spricht Geiioffc Arthur Stadthagen Doiincrstagabcnd 8 llhr im Lokal„Zinn Brocken", Scharmveber- straße 120, über das Thema:„Fort mit dem Unrecht, her init dem Recht". In Wilmersdorf ist heute abend S'/s Uhr Genernlversamnilung des socialdemokratischen Vereins. Aus Rixdorf. Die städtische» Laternenwärter haben eine Lohnerhöhung erbeten und beantragt, ihnen auch im Sommer, wo nur ein Teil der Laternen brennt, den gleichen Lohn wie im Winter zu gewähren. Der Antrag wurde vom Gasknratorinin ab- gelehnt, dagegen soll eine allgemeine Lohnerhöhung dem Magistrat bei Aufstellniig des nächstjährige» Etats znr Berücksichtigung empfohlen werden. Um den Lateruenlvärtcrn hin und wieder eine freie Nacht gewähren zu können, wurde ferner die Aiiftcllimg einiger Hilfswärtcr beschlösse». In der letzten Sitzung der Britzer Gemeinde- Vertretung machte Gcinciiidevorftchcr R e g l i n g die überraschende Mitteilung, daß die Englische G a s g e s e l I s ch a f t in Berlin drei Viertel aller Aktien des Britzcr Gaswerkes angekauft»nd so in den General« versnuimlimge» die Majorität habe. Die Englifche Gnsgcsellschaft hatte sich senier Zeit gleichfalls tim die Konzcsstoiticr»»g eines Gaswerkes in Britz beworben, ivar aber von der Gcincindc abgewicsc» worden. Durch die Ertverbimg des größten Teiles der Aktien hat die Gesellschaft iiidirckt ihr Ziel doch erreicht.— Eine Vorlage, nach welcher die H n n d c st e n e r von 3 auf 12 M. jährlich erhöht werden sollte, wird auf Antrag deS Genossen Dorn abgelehnt, dagegen bcschlosscit, die Hundesteuer nicht mehr in einer, sondern in zwei Raten zu erheben.— Eine längere Debatte rief ein Antrag des Britzer KapellenbauverciitS hervor, dahiiigehend, die Gemeinde möge für die Zwecke des Vereins ein an der Bürger- straße belegenes Grundstück zum Preise von 11 500 M. erwerben und später für den Kaufpreis an den Verein überlassen, die bis dahin die Zinsen tragen wolle. Genossen Dorn niid I e u u e r protestierten energisch gegen diesen Aulrag, da es nicht Sache der Gemeinde sei, rcligiöscii Verciueir zu dienen. Die Mehrheit der Gemeinde- Vertretung beschloß jedoch, dein Antrage deS Vereins zu entsprechen imd das erforderliche Kapital als Darlehn aiifzuiiehnten. Fraglich bleibt es freilich, ob der KreiSausschutz diesen Beschluß genehmigen wird. Bei einem Z»sa»i»ie»stoß zweier Straßcubahuziigc am Riiigbahuhof in Rixdorf Imirde Montagiiachmittag der Wagenführer Schmidt lebensgefährlich verletzt. Die Linie Schönhauser Allee— Rixdorf ist seit dein 1. d. M. bis Britz verlängert ivorden, die Anhängelvagen verkehren jedoch nur bis zum Riiigbahuhof in Rixdorf und bleiben dort bis zur Rückkehr des Ncciimttlatoreitwagcnö stehen. Vorgestern nachitiittag gegen 3 Uhr Ivaren Schmidt niid der Schaffner Stark dabei beschäftigt, die Kuppe- limg des Aithängewagens zn lösen, als ans demselben Geleise ein Straßcnbahnzng hcra»gcsa»st kam. Der Führer brcinste zn spät niid so fuhr der Wagen mit großer Gewalt ans den vor ihm stehenden Anhäiigewagen auf. Stark kouute noch rechtzeitig zur Seite springen, Schniidt geriet jedoch zwischen die beiden WaggouSI und erlitt eine schwere Quetschung des Brustkastens, so daß er nach dein Britzer Krankcnhaiise gebracht werden mußte. Charlottcnbnrg. Für die im November erfolgeiideit Stadt« oerordueten-Wahleit werden von allen Parteien die größten Anstrengunge» gemacht,»in nicht nur ihren alten Besitzstand zn be- hailptcn. sondern tvomöglich auch die Mandate der beiden aus- scheidenden socialdeniokratischen Stadtverordneten zn erringen. Allen voran fordert die konservative„Bürger- Zeitung" auf, ebenso wie im Jahre 1897 auch jetzt wieder„in selbstloser Weise" Schulter an Schulter zu stehen gegen die„vatcrlaiidsloscn, überall den Um» stürz verbreitenden Genossen". Vor zwei Jahren gelang es den Socialdemokrntcn, in der dritten Wählerklasse die relativ größte Stimmenzahl auf sich zu vereinigen; von 6126 ab- gegebene» Stimmen lauteten 1332 ans socialdentokratische, 1770 auf liberale, 1677 ans konservative und 1129 auf unpolitische Kaudidatcn. In fünf Bezirken kam die Socialdemokratie in die Stichwahl; sie brachte aber keinen einzigen Vertreter durch, da, wie die„Bürger-Zeitiing" völlig zutreffend ausführt, in der Stichwahl auch die freisiiinigen Wähler strengster Observanz gegen die Social- demokratie stimmten. Obgleich nun der Charlottenburger Freisinn weit erhaben über dem Verdacht steht, die Socialdemokratie aiub mir entfernt b e g ü n st i g e n zu köimc», predigen doch die Konservativen ans Furcht vor der Opferwilligkeit und der Organi- sation unserer Geiiofscu schon jetzt wieder die Politik der Sammlimg aller staatscrhalteiideit Parteien gegen den Umsturz.„Wir wolle» hoffen", so schreibt das konservative Blatt,„daß auch bei den jetzt bcvorstchciidcii Wahlen die Zusammengehörigkeit der staatSerhalreu- den Parteien zu Tage treten wird. Es ist nicht zu leiigneu, daß die Socialdemokratie bei ihrer in jeder Beziehung ausgebildeten Organi- sation. ihrer systematischeit Agitation, bei ihren uiibcschräiilten Mitteln und dem willig jedem Befehl der Leitenden gehorcbenden Ueberflutz an fleißigen Arbeitern den anderen Parteien überlegen ist." DaS Lob, daß das konservative Organ mit diesen AnSführnngen der Opfcrwilligkcit der Socialdemokratie spendet, quittieren mir gern; wenn aber in dem Artikel von einer„ohne jede Skrupel durchgeführten Wahlinache" unserer Partei die Rede ist, so klingt ei» solcher Vorwurf höchst lächerlich, wenn man bedenkt, wie gerade die Konservativen eS sind, die die zahlreichen in Charlottenburg tvohueiideu kleinen Beamten und abhängigen Geschäftsleute, die bei der geheimen RcichstagSwahl zum allergrößten Teil foeialdemo- krntisch stimmen, durch die unlautersten Mittel zwingen, bei der offenen Äoi»mu»almahl gegen ihre eigene Ueberzeugimg zu stimmen. Im übrigen läßt dicjer die Wahlen einleitende Artikel der„Bürger-Zeitung" darauf schließen, daß wir uns auf einen heftige» Wahlkampf gefaßt zu machen haben. Rechnen die bürgerlichen Parteien damit, daß bei der Stichwahl alles geschloffen gegen die Socialdemokratie eintritt, so werden wir ihnen diese Rechmuig durchkreuzen und dafür sorgen, daß unserem Kandidaten bereits im ersten Wahlgange der Sieg zufällt. Auch der Haus- und Grundbesitzcrverein von 1895 hat beschlossen, sich energisch an den Kommunalwahlen zn be- teiligcn und für die Kandidaten der angeblich unpolitischen Fraktion Alt-Charlottenburg einzutreten. Für Wahlzwccke bewilligte der Verein 800 M. Die Aufstellung der socialdemokratischen Kan- d i d a t e n erfolgt in der am Donnerstag tagenden Kommunal- wähler-Verfammlung._ Grvirhks--Jeitung. Arzt«nd Hebamme. Die Instruktion für Hebammen be- stimmt im§ 9: Die Hebammen sollen den von Schwangeren. Gebärenden oder Entbundenen zu Rate aezogenen Aerzten unt ge» biihreitder Achtung begegnen, ihnen ln ber Ausführung ihrer vor» fchriften und Anordnungen bebilflich fein und auch dahin streben. daß ihnen von ber Kranken und ihrer Umgebung genau Folge geleistet wird. Für die Provinz Haimover ist nun am 21. Januar 1888 eine Polizeiverordnung erlassen worden, die Zuwiderhandlungen der Hebammen gegen die obigen Vorschriften mit Strafe bedroht. Auf Griiitd dieser' Verordnung wurde die Hebamme Pengel zu einer Geldstrafe verurteilt, indem angenommen wurde, daß sie sich in der Bchausiuig einer Wöchnerin einem Arzte gegenüber ungebührlich be- tragen habe. Die Frau legte Revision ein nnd bestritt die Rechtsgültigkeit der Oberpräsid ial- Verordnung vom 21. Januar 1888. Für eine Polizeiverordnung, die ein Respekts- vcrhältnis zwischen den Hebamme» und den Aerzten schaffe, fehle jede rechtliche Grundlage. Der Oberpräsident habe damit seine polizeilichen Besiignisie Überschritten. Der Oberstaatsanwalt am K a m m e rg e rich t betonte dagegen, daß die Verordnung des Oberpräsidenten rechtsgültig sei. Ihre Gültigkeit beruhe auf dem § 6 k des Polizeiveriva'ltungs-GesetzeS, wonach zu den Gegeitstäuden polizeilicher Vorschriften auch die Sorge für Leben und Gesundheit deS Publikums gehöre. Zweifellos könne es einer Wöchnerin ganz erheblich schaden, wen» Meinungsverschiedenheiten am Wochenbette zwischen der Hebamme und dem Arzt ansgefochten würden. Der Oberpräsident sei deshalb beim Erlaß jener Polizeivcrordnuiig ini Rahmen seinerBefugnisse geblieben. Der Strafsenat des Kanimcrgerichts wies die Revision zurück und erklärte die Verordnung ebenfalls sür rechtsgültig. Der Senat schloß sich vollkommen den Ausführungen des Ober-StaatS- anwalts an. Vor dem Schwurgericht in München spielt sich zur Zeit ein M o r d p r o z e ß ab, der als Kulturbild ein Iveiteres Interesse be- ansprucht. Es handelt sich»ut die Metzgersfran Saiiter, eine 44jährige Person, die während ihres Ehestandes mit diversen Dutzcuden von Mannesbilderil Liebesverhältnisse unterhalten hatte. ohne daß ihr bis dahin der Ehegatte besonders im Wege gewesen märe. Erst als sie den Schauspieler S e u f e r t auShielt, reifte der Entschluß in ihr. ihren Gatten zu beseitigen, damit sie den neuen Geliebten heiraten könne. Sie drang in die Kartenlegerin Therese Gänzbäner, den Schlächter» meister aus dem Wege schaffen zn helfen. Um vor den Zlidriiiglichkeiten der Frau Ruhe zu haben, gab die Wahrsagerin ihr »ach längerem Sträuben ein Pulver, das sie als wirksam bezeichnete. ivenn es dem Gatten in die Socken gestreut werde. Es war Harm- lose Eiizianimirzel, die natürlich unwirksam war. Nunmehr machte die Santcr der Wahrsagerin wegen des untauglichen Mittels Vor- würfe, bezeichnete»och verschiedene andere Personen, unter denen auch ihre drei Kinder wäre», als solche, die nach dem Tode ihre? Maimcs in ei» besseres Jenseits befördert werden sollten, und drang durch Versprechen von Geschenken mit solcher Energie in ihre Beratcrin. daß diese, von Angst getrieben, endlich bei der Polizei Anzeige erstattete. Au, 14. April d. I. hatten Beamte Ge- legenheit, in' einem Nebenzimmer zu beobachten, wie die Sanier lvegcn der AnSführuitg ihrer gegen neun Personen gerichteten Mord- plane mit der Gänzbäner miterhandelte. Die Wahrjagerin legte etn Blatt Papier vor mit der Aufforderung, die Reihenfolge und die Namen der zn tötenden Personen darauf zn schreiben. Und wieder ging das, man möchte schon bald glauben, Ivahiisimiige Weib, darauf ein und beschrieb das Blatt, ivie folgt: Aiiton. bis Dienstag, geh Du ins Himmelreich t+t, Mathilde. geh Du ins Himmelreich ttf, Theres ttt. Franziska, geh Du ins ewige Reich ttf, Adam ttt Elisabeth, gehst in das ewige Reich ttt, Joseph. Otto, Katharina. 3 Kinder, geht ins Reich ttt Damit hatte die Angeklagte die Absicht, einen neuufachen Mord zu bcthätigen, sogar schriftlich bestätigt. Am 18. April wurde die Schlächtersfrau unter einem sehr schoiteiidett Vorwaude verhaftet. Die Angeklagte gab in der Berhaudlttug den Ehebruch zu. leugnete aber, daß es ihre Absicht gewesen sei. ihren Manu, geschweige denn andere Mcuschcu zu töten. Ein sachverständiger Arzt schildert die Angeklagte als eine Person, die infolge von Unterlcivslciden geistig anormal geivordeu sei, doch könne mau sie nicht als nuzurechnungS» fähig bezeichueu. VevnriMkes- lieber daö furchtbare Unglück auf dem Klosterthor-Bahn- Hofe in Hamburg wird dem„Hamb. Korr." berichtet: Ein Kom- mando von etwa 50 Rekntteit, die für das 13. Dragoncr-Regiment in Metz bestimmt waren, ivar mit dem Zuge von Kiel angekommen: davon entstieg die weitaus größte Anzahl dem Zuge, der zum Teil unter dem Tunnel beim Steinthor dicht vor dem Bahnhof hielt. Die Leute sollten sich zu Fuß nach dem Hamioverscheil Bahnhof be- geben und standen teils auf dem an der Seite des Bahnhofes be- fiiidlichett Geleise, als ein Zug mitten� in die Leute hin ei n fuhr. Es entwickelte sich ein entsetzliches Bild, furchtbare Aiigstrufe drangen ans dem Tniiitel hervor. Diejenigen Unglücklichen, die nicht unter die Räder der Wagen des Zuges gerieten, suchten sich dadurch zu retten, daß sie sich dicht an die Tunnclwaiid ftellteii, viele von ihnen wurden indes von dem Zuge erfaßt und nuter die Wagen gcrisjen. Einer Anzahl der jungen Leiste gelang es rechtzeitig, die Böschung vor dem Tunnel zn er- reichem so daß sie sich in Sicherheit bringen konnten. Sofort nach dem gräßlichen Unglück wurden die weitgehendsten Anstalten zur Hilfeleistung getroffen, außer den Mannschaften des ersten ZngeS der Feuerwehr eilten mehrere Aerzte, Mitglieder des Rothen Kreuzes sowie ein großes Kontntaitdo von Schutzleuten, etwa 50 Mann, znr Stelle. Leider war die weitaus größte Zahl der Leute verletzt, viele konnten mir mit Mühe unter den Wagen hervorgezogen werden. Dem einen waren die Beine oder die Arme vom' Körper losgetreniit, andere hatten lebensgefährliche Quetschungen erlitte». In ivenigen Minuten bildet der. Tunnel sowie die Umgebung desselben einen großen Verbandsplatz, von dem das ciitsetzliche Stöhnen der niiglücklichen Opfer herdrang. Der ganze Wartesaal vierter Klasse liegt voller Verwundeten, denen die Beine abgefahren oder die B r n st ein- gedrückt worden ist. Auf den Geleisen lagen Stiefel, worin Beine steckten. Die Toten und Verwundeten wurden auf Wagen und Tragbahren iuS Lazarett gebracht.— Der amtliche Bericht lautet:„Gestern abend 9'/, Uhr fuhr der Personenzug 1359 auf Bahnhof Klosterthor hicrsclbst in einen Trupp Rekruten, welche mit dent Personcnztige 555 angekommen niid im Aussteigen begriffen waren. Dabei wurden 7 Mann schwer und 23 Mann leicht verwundet. Sämtliche Verwunbeten sind sofort von zwei Bahnärzten unter Hilfeleistung der Sanitätskolonne der hiesigen Feuerwehr verbnndeit und dem Allgemeinen Krankenhanse zugeführt worden." Die Zahl der Toten verschweigt dieser Bericht. Nach einer Meldung deS„Berk. Tagebl." ist die gestrige Mit- teilmig deS„Wolffschcii Telcgrapheiibureaiis" unrichtig, wonach die Rekruten dem Befehl des Offiziers entgegen auS den Wagen gestiegen sind. Dem Blatte wird vielmehr berichtet: Als der Zug mit dem MilitärtranSport auf dem Klosterthor-Bahithof eingelaufen ivar, fragte der kommandierende Offizier einen Beamten, ob'das Nebeiigeleife frei bleibe. Die bejahende Antwort veranlaßte den Befehl an die Rekruten, auszusteigen und das Gepäck an sich zu nehmen. Kaum hatten diese auf freiem Geleise Aufftellung oe- nommen, da fuhr der von Blankenese kommende Zug ein.- Die Rekruten flüchteten nach beiden Seiten und kamen zwischen die Timnelwand und den einfahrenden Zug. Sie wurden von der Lokomotive seitwärts erfaßt und iveiter geschleift. 33 Personen sind schwer verletzt. Roch ein Eisenbahn-Nnglück. Wie da»„Helmstedter Kreis» blatt" meldet, sind in der Nacht zum Dienstag kurz nach 12 Uhr fünf Wagen des Güterzuges 216 infolge Auffahrens auf einen im Bahnhof Helmstedt haltenden Zug entgleist. Beide Einfahrts» gcleise sind von Magdeburg ab gesperrt. Die Züge werden über Schöningen und Eilsieben umgeleitet. Der Materialschaden ist be» deutend, Menschen sind nicht verletzt. Die Andräcsche Polarboje. Au» Stockholm, 2. Oktober, bringt der Draht über die UntersuSung der Anorteschen Polarboje lgende Ncichricht: Die Untersuchini� der Andrscschcn Polarboje nahi» heute vorinittag 10 Uhr ihren Anfang. Kapitän Svcdenborg, welcher dem Ballonanssticg beigewohnt hatte, erklärte: Der Karabiner- haken scheine nicht an dem Hakenauge befestigt gclvesen zu sein. Die Boje sei also nicht mittels der Leine herabgcsenkt worden. Danach schritt man zur Leffnnng der Boje. Zuerst wurde das Knpfernetz am Rande des untersten Teils der Boje abgesägt, wobei etwas Strandsand herausfiel. Sodann wurde die Knpferspitze mit der daran befestigten kupfernen Rohre herausgenommen. Das Innere der letzteren enthielt etwas Wasser.' Die kupferne Röhre wurde danach unten abgesägt; in ihrem untersten Teile fand sich ein Gummistvpscl, darauf etwas Kies. Die Juuenscite der Röhre zeigte einen papierähnlichen Ucberzug, welcher bei der mikroskopischen Untersuchung als eine Art Mccralge festgestellt wurde. Professor Nathorst erklärte, die Boje könne nicht'vom Pol bis König- Karksland getrieben sein. Kapitän Svcdenborg meinte, die Boje sei leer ausgeworfen. Professor Montclius sprach sich dahin aus, eS sei nicht festgestellt, dast die Boje leer ausgeworfen und meinte, dag das Oberteil nicht später abgeschraubt sei.' Professor Nordcnskjöld äußerte seine Ansicht dahin, mau müsse im nächsten Jahre eine Untersuchung des König-Karlslandes anstellen. Ein internationaler Kongreß für Physik wird während der Pariser Wcltansstellung in Paris tagen; er tritt auf Anregung der Lociete franfaise de physique in der Zeit vom 6.' bis 12. August 1900 zusammen. Voran geht vom 23.-31. Juli der vierte internationale Kongreß für angewandte Chemie, für welchen auch in Deutschland unter dem Ehren- Präsidium von Geh. Rat Emil Fisch er- Berlin sich ein OrgauisatiouSkomitec gebildet hat. Kefselexplosion ans einem Dampfer. Auf dem Dampfer „NicolauS", der mit 300 Passagieren an Bord von Schlüssclburg nach Petersburg unterwegs war, fand gestern in der Nähe von Petersburg eine Kesselexplosion statt, bei welcher drei Mann von der Besatzung getötet und einer schwer verwundet wurde. Während der hierdurch verursachten Panik stürzten zwei Männer und eine Frau ins Wasser und ertranken vor den Augen der Passagiere. Die Leichname der Ertrunkenen sind noch nicht gefunden. Eine Fencröbrnnst hat in der Gemeinde Golleschan bei T r o p p a u 69 Häuser eingeäschert. Eine Frau und ein Kind sind in den Flammen nnigekommen. Daö russische Barkschiff„Ninor", von Riga nach Cardiff mit Grubenhölzern unterwegs, ist in der Nordsee untergegangen. Drei Mann von der Besatzung wurden durch den Fischdampfer „Bloodhound" in Hull gelandet; sieben Mann sind ertrunken, f Briefkasten der Redaklion. Wir bitte», bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahv anzugeben,»nter der die Antwort crtheilt werden soll und die letzte Abonneinentsquittüng beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wortet und schriftliche Antivort wird nicht ertheilt. Tie juristische Sprechstunde findet Montag, DienStag und Freitag abends von k bis 8 llhr statt. A. B. 40. Nur am 15. zum 1., nicht umgekehrt am 1. zum 15. können Chamvregaruisten»nd Schlaflcute, falls nichts anderes vereinbart ist, kündigen.— F. L. Darüber, daß ein Krankenhans ohne Einwilligung des Verstorbenen oder seiner Angehöngen Seciernngen vornehmen dürfe. ist nirgend eine Bestinimmig getroffen. Die Kranlcnansialtcn erachten sich aber sür hierzu befugt. Ein deshalb vor etwa einem halben Jahre an- gestrengter Strafprozeß endete in erster Instanz mit Verurteilung, in zweiter mit Freisprechung. Dasselbe Resultat würde mangels gesetzlicher ausdrück- licher Regelung dieser Frage ein anderer Prozeß haben.— Miser. Rein. - R. D. 100. Rein. SÄ. P.»9». In Celle.- W. G. 1. Innerhalb drei Monaten nach geschlossener Heirat müßte der Antrag gestellt werden. 2. Der Antrag ist an die untere VertvaltnngsbchSrde(auf dem Lande an den Landrat, hier an den Magistrat(Abteilung fürAlters- und JnvaliditSts- Versicherung, Klosterstr. 41) zu richten.— 199 SÄ. Die Recherchen, ob Kosten an einen Angeschuldigten zu zahlen sind, wird in der Regel auf Regnisitioir deS Staatsanwaltschaft in Berlin durch die Polizei angestellt. Der Angeschuldigte hat daS Recht zu erklaren, daß er jede Auskunft ab- ichnt und derartige Recherchen nicht wünscht.— St. P. In Magdeburg. — 91. B. 40. Chambrcgarnisten und Schlafburschen können, wenn nichts anderes vereinbart ist, bis am 15. zum ersten, nicht aber am ersten zum 15. kündigen.— N. 99. Man nimmt an, daß mangels besonderer Verein- barnng der Vertrag zwischen einem Wirt und einem Gast dahin auszulegen ist, daß die verabreichten Getränke und Speisen nur im Lokal zu verzehren, nicht aber mitzunehmen sind.— R. Fritsche. 1. Sie müßten sich zunächst an den Schiedsmann des Bezirks wenden, in dem der zu Verklagende wohnt. Alsdann können Sie nach fruchtlosem Sühncversuch die Privatbelcidigungö- klage beim Amtsgericht einreichen. Die Klage muß innerhalb 3 Monaten nach der Beleidigung bei Gericht eingegangen oder in derselben Zeit Strasantrag bei der Polizeibehörde oder bei der Staatsanwaltschnst gestellt sein. 2. Nein. — Ol. B. 109. Nein.— I. H., Eörlibcrstr. Sind Ihre notivcndigcn Auslagen der Staatskasse auferlegt, so können Sie nach Rechtskraft des Urteils beim Amtsgerichte beantragen, daß die Ihnen erwachsenen Auslagen, die Sie in dem Antrage detaillieren und unter Beweis stellen müßten, Ihnen ersetzt werden. Bis Sie Bescheid erhalten, können Monate vergehen. — N. H. 15. 1. Wer zur Nachtzeit bei Fnckellicht oder unter Anwendung schädlicher oder explodierender Stoffe unberechtigt fischt oder krebst, wird mit Geldstrafe bis zu MV M. oder mit Gefängnis bis zu 3 Monaten bestraft. 2. Legen Sie in Ruhe den Sachverhalt dem Gericht dar.— R. T.<» D. Die Antwort auf Ihre Fragen hängt davon ab, Ivo und wann das Kind geboren ist, ob die Mutter zur Zeit der Geburt selbständig war und, falls sie dies nicht war, wo der Wohnsitz ihres Vaters war. Wiederholen Sic eventuell Ihre Anfragen unter Berücksichtigung dieser Punkte. Marktpreise vo» Berlin an, 2. Oktober 480V nach Ermiltellingcn deS lgl. Polizeipräsidiums. ')Weizeu D.-Ctr. �Roggen, Fnttcr-Gcrste, Hafer gut „ niittel ,. gering Richtstroh H-n sfErbsc» fffSpeisebohnen Minsen Kartosselin neue Rindfleisch, Keule 1 kg do. Vanch„ ») Ermittelt pro Tonne von der Centralstelle der Prcnß. Landwirt- schastSka, nmern— Nolicrniigsflelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidinm für den Toppel-Centner. ff) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 3. Oktober 18gg. Für Roggen und Weizen wurden anfangs um eine Mark höhere Preise ge ordert, die Käufer hielten sich aber sehr reserviert. Bei sehr beschränktem Handel gaben beide Artikel schließlich wieder nach und schloffen nur noch V- Mark über gestern. Hafer lag gut behauptet. Rüböl unverändert. Am Spiritus markt wurde» 15 009 L ter 70er loco mit 43,80 (— 0,30) gehandelt. Termine waren fast ohne Umsatz. Kartoffelmehl loco 21,25 M. Trockene.'tartoffelstärke loco 21,25 M. Feuchte Kartosselstärle loco 11,40 M.> SÄitternugSnbersicht vom 3. Oktober li«v, morgen» S llhr. Stationen Swincmde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien L S l5 S= 5= ®e --= Z« 750 WNW 761 762 WSW 766 SW 769 SSW 764 WSW Wetter b'wolkig 4rv olkig 4hlb. bcd 3hlb.bed 4bcdeckt 2,hlb.bed. af &". 5» tri SE v£ Statione n|a ie| Haparanln Petcrsbu h Cork Aberdeew Paris 742S 763�ISW 7463 769'S Wetter bedeckt 5 bebeckt 4 bedeckt 2wolkcnl e»« . a «s. 10 14 11 8 SÄetter. Prognose für Mittwoch, de, 4. Oktober 189». Mild und zeitweise heiter, vorherrschend vwlkig mit leichten Regenfäller und ziemlich frischen südwestlichen Winde». Berliner Wetterb urean. iSeutscher fü etallarbeiter-Merband. (VciMvaltniigsstellc Berlin.) ßeute, mimi 4. Mober, munttagS 10 llhr, in„tei'onci", KMusersirch 4a: ÜP Devsnttttttlung"fSf sämtlicher streikenden Metallarbeiter. Tagcs-Ordnung: Dev«vgetttvÄvkigv nttfevev Bvtvegttttg. Aclitnng-, V crtrauensleutc! Die heutige Vertrauciisuläniier-Sitziing für den Westen fällt ans. _____ IMe Orlsvcrrvaltii ng. Metalrarveiter 7 Mittwoch, den 4. Oktober, abends 8 Uhr: tanminp Kuchhandlung Korwarts Berlin, Bcnthstrasse 2. Soeben ist erschienen: Im Rompromiss!** * Rein Wahlbündnis! Bon Wilhelm Liebknecht. Brei» I« Pf. Porto 8 Pf. ■j- in folgenden Lokalen: I. 3»« Lufsenstödlise&ea Konzertliaus, Alte Iakobstr. 37, Ä. In der WlK'nzsZsn, Wra»lgelstrafte 9—10. 3. Bei Hasenheide 53—53. 4. Bei Xieft, Weberstraße 17. 5. Bei Zlium ermann, Badstratze 58. O. Inr Köslinea* Ifof, Köslinerstraße 8. 7. Bei Peters, Alt-Moabit 80—81. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: Der Streik 00» Berliner MeiMriieiiern um den Btg«Sune»iaß. Referenten: vspl kiS«ssstLvk, StöpsiSn, WiSkeln, pZtsol, ttepmsnn Tvkefflsp, tk, Cohen, F. Schlegel, Otto Naethei*. Die Kollegen aller Branchen, wie Former, Gürtler, Drücker, Dreher, Schloffer, Schleifer, Klemplier werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. 116/11 Der Vevtrauensmmm der Metallarbeiter. ___ Otto Naether, S., Aimenstraße 69, Achtuilg! Msursr. Achtung! Dounerstug, k\\ 5. Atober, ubeuds 8 llhr, in Kellers Festslilen, JInppciijtr. 29: Grösse MersamminsBig der Mitglieder des Nerdandes aller-iim Streißgebiet Berlins«nd zlnigegend gehörigen Zahlfteüe». Tagesordnung: 1. Sociale und hvgienische Winke zur Wohlfahrt der Bauhandwerker. Referent: Br. BeriiMtclu. 2. Beschluhsassüng über die Höhe der BeitragSleistung zum StrcilsondS. 3. Gewerkschaftliches. Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam, daß nach dem Vertrage vom 1. Oktober ab die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um eine halbe Stunde eingetreten ist. Es ist sonach bei Beibehalliuig der Pausen abends &Va Uhr Feierabend zu machen. Wir ersuchen die Kollegen, sür die strikte Durchführwig dieicr Bestimimmg Sorge zu tragen. 137/t2 Die BerbaudSleitnug. I. A.: K. Panser. Mittwoch, deu 4. Oktober, abends 8�s Uhr: Oeffcutliche Korbmacherdersammlung bei Wilke, Andrcasstraste Nr. S«. Tagesordnung: Die Praxis unfrer Snbmisstoiis-Uiltcrnchmer und wie stellen wir uns dazu? 122/9 Der Einberufer. Rnlitohat gr. Auswahl, pfundweise llllll iaUltb, u. in Ballen R. Kettttcr, Oranicnstr. 6. s24VSL' In der Broschüre legt Liebsnccht„im Auftrage von Genossen Berlins und Umgebung" scinen Standpunkt dar zu den gegenwärtig in der Partei spielenden Streitfragen über Bcnislciii, Taktik der bayrischen Laiidtagswahl-Abinachungcn, deu Eintritt Millcrauds ins französische Ministerium usw.- ein Standpunkt, der schon im Titel seilten klaren Ausdruck findet. Um der Broschüre größte Vcrbreitungsmöglichkeit zu geben, wurde der Preis ans nur 10 Pf. festgesetzt. Athkttng! 053?" Achtung! HM- nnii Ctschiiftsdiener, PM, Palkermen nnd Winstskntscher nller Brniichen! Tonnerötag, den 5. Oktober, abends 8�/2 Uhr, im Lokale „Rrminhallcn". Donnerstag, den ff. Oktober, abends H1/» Uhr, bei Hoffmann (Englischer Garten), Alcxaiidcrstr. S7c: Außtlorkentl. Gkilelalversommlimg Tages-Ordnnng: 1. Geschäftliches. 2. Neuwahl des ersten Bevollmächtigten. 3. Neuwähl deS ersten Schriftführers und eines Beisitzers. 4. Verschiedenes. Z» die'cr Dcrsainmliiug sind die Mitglieder der Filialen II und III ebenfalls eingeladen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Mitglieds- buch legitimiert. 10/16 Die Verwnltnng. SO Achtung! Sonnabend, den 7. Oktober, abends präc. 8 Uhr, im Lokale Arminhalle»", Kommandautenstr. LH: -m»««! Bergolder. Oktober, abends präc. »alle»", Kommandanten Gr. öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Berhandlungen der Fünfer-Kommisston mit der Innung. 2. Verschiedenes. StF" Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. 227/4 Dl« Kommission. rodos-Anzcizre. Allen freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß der Schriftstzcr tztto Grnndmann am 3(). September verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 4. Ok der, nacknnittags 4 Uhr, vom Städt chen Krankenhause in Moabit aus i tt. 30648 Die auerude« Hinterbliebenen. Deatscher Meillarbeiler-Verband Verwaltungsstelle Berlin). n Todes-Anzelgo. Ar. Sonntag verstarb unser Mit» gliet lder Klempner Ulbert Böttcher am yphuö. i Ehre seinem Andenken I D! Beerdigung findet heute, Mitt- >00 ck,, nachmin>igs S'/j Uhr, vom Kr»,'.'enhaus am Urban aus nach dem En' anokirchhos statt. 114/10 � Die Ortsverwaltnnjj, m Danksaennff. . Für die große Teilnahme und 5-e herrlichen Blumenspenden c der Beerdigung meines innig lebten Mannes, des Schrift- .xers Oskar Haupt, sage Nlen Dcrwandten, Freunden und lekannten, sowie scmen Kollegen leinen herzlichsten Dank. Ottilie Hanpt, 0596 geb. Ruthe. Statt jeder besonderen Meldung. Heute, am 2. Ottober, verschied nach zweijähriger schwerer Krankheit mein ältester Herr- licher Sohn Brnst, aufs tieffte betrauert von Eltern, Groß- clterv, Urgroßmutter und Gc- schwistern. 2057b Emil Hirschfeld, prakt. Arzt. Harburg(Elbe). Charlottenburif. Allen Freunden uub Parteigenossen zur Kenntnis, daß ich Schillcrstr. 91 ein Grüukrauigrschäst übernommen habe._ G. Wilke, Tischler. Hei'zug's Bail-Halou Hemelorstr. 67. Sonnabend, den 28. Oktober 1899, u. Sonnabend, den Z. Märj 1999, ist mein ca. 400 Personen fassender Saal zusammen zu vergeben. Ernst Herzog. Achtttttg! Bereiue! englischer karten A 1 e x a n d e r» t r. 27 c. Neu renoviert k 2 grosse ParkettsNIa sind noch einige Sviinabcnde und Sonntage im Ok- tobcr und November zu vergeben. 2360«» V. HoP »ITmanii. monatlich 10 SUi, liefert elegante Herrengarderob# it. Maß, Tomporowski, Schncidermstr., Neandcrstr. 16, II, an der Aiuiciifit, (Auch bar Kassa billigste Preise.)» M-W-Hllt fertige Auzug, 20 M., haltb. Zuth., zwei Anproben, saubere Näharbeit, nur unter Garantie sür gute» Sitz. BSinterPaletot 18 M., cchtfarbiger Sammctkrageu, warmes, weiches Futter Engel, Münzstr. 20. Zluzngrcste, Paletot-»nd Hosen- restc. Spottbillige Gelegenheitskäufe. 2512L»s Bnxel, Miliizflr. 29, p. 7zkngZjAlk10�bl'Ll!ai'ZNtje. 7!,1lN!IP7k«r»,r!aff,ffl.eIp-Igerstr.IZ0, Im Haused, UeiltzamM rvlimsv?! tllllllal II»»«»>r,�IZttttjokpyotogr. Lchaarwiteliter. »NMI'Ä. �In.�ei.en 1 Mark. Sprechst. 9-7 Uhr.[ Teilzahliuig wiiclicntl. 1 Bark, Plomben 1,50 Mk. Letpzlgerstr. 130, Im Hause des [b Empschle allen Freunden und Partei- genossen mein ncucS Lokal Bismarck- straffe. Vercinszimmer, 120 Personen fassend Jeden Sonntag nnisikalischc lintcrhaltiiiig. 2677«« 11. Wernicke, früher„Bismarckshöhe". ChlirlMrnlinrg. Derantwortlicher Redactenr: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil oeraiitmnrtilcki: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading in Berlin nt. 232. i6. mm. 2. KeillM des„Wmsrts" Kerlilltt Wlksbllltt. t. NM« SociLllcs. Zu dem Bauclufllirz in Köln wird niis geschrieben: Die Kölner Bauhandwerker nahinen in einer überfüllte» Versnininlung Stellung zu der Katastrophe, die Zwölf braven Arbeitcni das Leben geraubt hat. Die Aussührnnge» der sachverständigen Redner stellten schwere Anklagen dar gegen die Gewinnsucht eines gewissenlose» Unternehmertums und gegen das System der Kölnischen Bau- Polizei. Nach dem der Baupolizei unterbreiteten Baupläne sollte eine vorhandene, einen Stein starke Mauer abgerissen lvcrden, um einer neuen Platz zu machen. Statt dessen ließ man die alte Mauer stehen und klebte einen halben Stein davor. Wenn man bedenkt, daß die Mauer 23 Meter hoch ivar und die ungeheure Last der eisernen Träger des vierstöckigen Lagerhauses tragen mußte, kann man die ganze Gewissenlosigkeit des Ban-IInter- nehmcrs ermessen. Nicht minder aber trifft die Schuld das System der Kölnischen Baupolizei. Sie prüft die Baupläne peinlich und kleinlich bis aufs Tipfc�hen; die Ausführung läßt sie nicht über- wachen. Sie beschränkt- sich auf die sogenannten Abnahmen! und damit ist den gcigagtesten Manipulationen freier Raum gelassen. Die Kölnischer Bauhandwerkcr haben seit Jahren wieder- holt die Anstellung von.Controleuren ans der Mitte der Arbeiter- schaft gefordert. Auf ih c Eingabe crhicllen sie von ocr Stadtvcr- ivaltnng ausweichende Artlvorten. Ob man jetzt die UnabwciSbarkcit der Ardeiterfordcrung c icrkcnnt? Wir glauben kaum: denn die Herrschenden sind für soKie Mene Tekcl,'wie das grausige Unglück unzugänglich. Oder hat es bisher an ähnlichen furchtbaren War- nnngcn gefehlt? Die N gicrung hielt es nicht mal für nötig, auf deu Berliner Arbeitersch ltz-Kongrcß der deutschen Banhandiverker einen Vertreter zu entsetden. Sie hatte„keine Zeit", um die Bc- ratungen und Vorschlage achverstandiger Leute anzuhören, handelte es sich doch nur um Gesn dheit und Leben von Arbeitern. Sie hat ihre Zeit nötiger,>n Schaucnnnterial zur Begründung ihres Zuchthausgesetzes gegen d cse Arbeiter zusammenzusuchen. Zum Schluß sei die Resolution kurz wiedergegeben, die die Kölnischen Bauarbeiter einstimmig annahmen. Es, heißt darin: Der Zusammci turz des Neubaues zeigt wiedernm. daß ei» Bauarbeiters, utz- Gesetz für das Bauhandivcrk eine unbedingte Nonvcndic cit ist. Die Bauarbeiter verlangen, daß in erster Linie eine Koni olle der Bauten durch eine fachmännisch gebildete, von den Arbeit.» i» freier Wahl gewählte Konmüssion erfolgt. Die Konunission mß eine ständige und so von der Stadt zu bezahlen sein, daß eine andere Berufsthätigkcit nicht erforderlich ist.. Es ist Rücksicht dara f zu nehmen, daß die Befähigung der Gewählten festgestellt wir! Weiter verweist die Versammlung auf die Forderungen, di, von>ten des Banarbciterschutz-Kongresjes in Berlin aufgestellt wurden; nd sie macht diese Forderungen zu den ihrigen. Die Bcrsammluiu hält es für unumgänglich notivcndig, daß die Baupolizei nur is entsprechend gebildeten Fachleuten zusammengesetzt und durch.vahlcn aus den Arbeitcrkreise» zu er- qänzcn ist.' Sparwirtschaft im s Gstsche» StaatSbahnbetriebc. Auf dem Dresdener Bahnhofs' Leipzig wurde kürzlich die folgende Gclcnkigkeitsverordmmg er"- en: .Zufolge Verfügung i"' Fahrdiensibnrcaus sind ab t. Oktober die sämtlichen hiesige» P'ncnzugskolonncn auf fünf Mau» zu reduzieren. Hierbei tvird ausgesetzt, daß sich sowohl der Zug- führer, als auch der Brem«, irter, letzterer, so weit es sein Dienst erlaubt, am Lcffnen und' chlicßcn der Wagenthürcn beteiligt. Indem das Personal hierin in Kenntnis gesetzt ivird, erwartet man, daß der Dienst niit der'ei Personenzügen unbedingt erfordcr- lichen Umsicht und Gelenk k e i t versehen wird. Leute, denen diese Eigenschaften abgehen, l. neu künftig im Personendienste nicht mehr Verwendung finden." Durch diese Maßnahme> rden von dem auf diesem Bahn- Hofe stationierten Fahrpcrsou allein 23(drciundzwanzig) Mann überflüssig I In Drcsden-Friedrichstadt ourde folgendes bekannt gemacht: .Zufolge einer vorläufigci Verfügung des könial. Fahrdienst- bureaus werden ab l. Oktob, eine Anzahl Bremser übrig und dürfte das 40 bis öl) Mann dc dieustjüngeren Leute betreffen. In Tharandt ist noch ei> Bremscrstelle zn besetzen; dafern einer der dienstjüngeren Brem den Wunsch haben sollte, beim Fahrdienst zu bleiben, dürfte i' hierzu Gelegenheit bieten, wenn er sich freiwillig und unter Verzicht der Umzngskostcn versetzen lassen würde. Besonders geeignet erscheint es für unverheiratete Bremser. Drcsdcn-Fr., den 24. September 1889." Nach der auf dem Dresdener Hauptbahnhofe angeschlagenen Verordnung werden von dem Personenzugspersonal 77 Bremser vom Fahrdienst entfernt und zn Wagcnrückern u. dergl. degradiert. Auf anderen Bahnhöfen sieht ähnliches in Aussicht. I» Görlitz werden neun Man» vom Fahrdienst entfernt. Eine neue Arbciterordnung droht denijcnigen sofortige Eni- lasiung an, der seine Kollegen„zur Erzwingung höherer Löhne anreizt".— Das ist Socialrcform in Musterbetrieben. Vevsmmttluttjgen. Die Textilarbeiter und-Arbeiterinnen beschäftigten sich in einer am Montag abgehaltenen Versammlung mit dem Streik in der Fcibischschen Teppichfabrik. K o tz k e. der über diesen Punkt referierte, bezeichnete die Situation des Streiks als eine durchaus giiiistigc. Von den Streikenden fei noch nicht ein einziger abgefallen. Wenn sich auch einige Streikbrecher aus Bernau und Nowawcs gefunden hätten, so könne das auf den Verlauf der Bewegung gar keinen Einfluß ausüben, denn diese Personen seien nicht im stände, die Streikenden auch nur zum kleinsten Teil zu ersetzen. Die Arbeitswilligen ans Notvaivcs sollten Übrigens schon lvicder aufgehört haben und nur 4—<5 Bcrnauer Weber in der Fabrik thätig seien. Weiter teilte der Redner mit, daß der Fabrikant Feibisch die Weber in Bernau dadurch verhindert habe, sich nüt ihrdn Berliner Kollegen solidarisch zu erklären, daß er ihnen drohte, er«verde ihnen die Arbeit abholen lassen. DaS sei jedoch eine leere Drohung, durch die sich niemand bange lasse» brauche. Was Feibisch den Bernauer Wcbcrn alles zu bieten wage, zeige der Umstand, daß dieselben ans die Bezahlung aller Nebenarbeiten verzichten und sich sogar durch Revers verpflichten müssen, den Bcitragsauteil des Unternehmers zur Altcrs- nnd Invalidenversicherung selber zn zahlen. Die Bcrnaner Kollegen, meint der Redner, Ivären selber schuld an solcher Vchandlnng. Wären si? mit den Berlinern gemeinsain in den Streik getreten, dann wurde derselbe längst beendet seist. Zuverlässigen Nachrichten zu- folge sei das Lager des Herrn Feibisch nahezu geräumt, er könne seine Kunden nicht mehr befriedigest, und es sei demnach zu erivarten, daß der Streik bald mit einem Siege enden werde.— In der Diskussion wurde bemerkt, daß der Ausstand schon insofern einen Erfolg gehabt habe, daß die gerügte» hygienischen Mißstände in dcr Fabrik von Feibüch anscheinend gehoben feien, ivcnigstcus könne inan bemerken, daß jetzt die Fabrikscnstcr geputzt sind. Weiter wurde bemerkt, daß die Streikende», welche die Fabrik beobachten, einer uuaiiSgesetztcn, scharfen polizeilichen Kontrolle unterzogen werden. Ein Redner teilte mit, er sei zur Vernehmung vor einen Polizeikommisiar geladen worden, weil er zu einem Streikbrecher gesagt haben solle, er werde ihm die Knochen zerschlagen. An dieser Denunziation sei jedoch kein wahres Wort. Das habe selbst der angeblich Bedrohte vor dem Polizeikommisiar angegeben. Der Redner ist der Ansicht, solche unbegründeten Dcnnnzialioncu kämen aus dem Feibischschen Coinptoir. Ter Verein der Franc« und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am Montag, den 25. September, seine regelmäßige Vereins- Versammlung ab, in der Fräulein Altmgnn über moderne Mndchcnrrzichnng sprach. Rednerin rührte ans, daß zn einer modernen Erziehung in erster Linie Familie. und Schule übcrein- stimmend auf das Gemüt des Kijides wirken müssen, und beide, Schule und Haus, nur das eine Ziel iin Auge haben müßten, thätige und nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft zu erziehen, bc- sonders müßte man darauf bedacht sein, eine Belastung des Gedächtnisses besonders durch Lernen biblischer Sachen nicht herbeizuführen, sondern dafür die Denkarbeit ein- zuführen, aufklärend in jeder Weise z» wirken, was die kindliche tlnschuld durchaus nicht beeinträchtige. Knaben sowie Mädchen sollte man in der freien Zeit sich tummeln lassen, und besonders letztere nicht init Handarbeiten beschäftigen. Rednerin wünscht Einführung nnenlgeltlicher obligatorischer Schulen. Anlagen»nd Fähigkeiten würden dann in der modernen Erziehung maßgebend sein. Außerdem müßten besonders folgende Lehrfächer erweitert rcsp. eingeführt werdest: Naturwissenschaft, Geographie. Geschichte, moderne Sprachen, Turnunterricht, Tanzuntetricht, Hand- arbeiten und Handfertigkeiten, Pflege des menschlichen Körpers, An- lcitmig zur Schätzung der Künste, Geietzeskunde. Dem sehr beifällig aufgenomnicnen Vortrage folgte eine rege Diskussion.— Die nächste Vereinsversammlung findet am 9. Oktober statt. Die Korbmacher tagten am 23, September bei Wille, An den Vortrag von Fritz über Konsum- und Produktiv-Geuosieiischaftcn schloß sich eine lebhafte Dislussiou. Sodann fanden verschiedene Vereiilsangelegciihcitcn ihre Erledigung, Am 8, Oktober vormittags findet bei Pauls, Rummclsbnrg, eine Versamuilnng statt. Der Verein der Kleber hielt am Dienstag, den 26, d. Mts,, bei Paster, Jnselstr. 10, seine laufende Versamnilung ab. Die Para- graphen des Kartells fanden die Zustiumnmg der Versammlung. Hierauf entspann sich eine längere Debatte über die„Einigkeit" als Aerbandsorgan und ivurde dieselbe bis zur nächsten Versammlung vertagt. Ferner gab S t r a s s e r Bericht über die Lohnbewegung bei dem Unternehmer Wintcrfeld, die mit einem Erfolge der Kol- legen endete. Der Unternchiner habe sein Bedauern darüber gc« rnißcrt, daß die Zuchthansvorlage noch nicht perfekt sei, da dann, seiner Ansicht nach, jeder Streik unmöglich sei. Nach einer herben Kritik niehrcrer Kollegen über das konlante Handhaben der Vorsitz- rechte in der letzten öffentliche» Versammlung, wurde die Sitzung geschlossen. FriedrichSbcrg. Am Dienstag, den 18. September, tagte in Friedrichsberg eine' Versammlung des socialdeinokratischen Wahl- Vereins. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des verstorbenen Genossen Aug» st Jacobey und forderte die Genossen auf, sich von ihren Plätzen zu erheben. Dies geschah. Sodann hielt Genvsie K ö r st e n einen Vortrag über: Die Ge« Werbegerichte und ihre Bedeutung für die arbeitenden Klassen. An der Diskussion beteiligten sich Tilsch, Hort mann, La WS, Hampel, David und Grauer. Ein Antrag Grauer, welcher lautet: Die Versammlung beschließt, bei der zuständigen Gemeindebehörde um die Errichtung eines Gcwerbegerichts vorstellig zu werden und beauftragt den Vorstand, die nötigen Schritte zu thun, Ivird einstimmig angenommen. Adlcröhos. Der Socialdemokratische Arbeiter- Bilduugsverein für Adlershof und Umgegend hielt am 2t. September eine Generalversammlung im Lokal von Schmanser, Bismarckstraße, ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ivurde das Andenken der verstorbenen Genossen I a c o v e y und Lehma n n in der üblichen Weise geehrt. Der Vorsitzende giebt belamit, daß in diesem halben Jahre 8 Borstandssitzungen und 5 Vereins- versanmilungen stattgefunden haben. Dann gab der Kassierer den Kassenbericht. Bestand im März d. I. 152.65 M., Einnahme 237,45, M. SnNnna 380.10 M. Ausgabe 231,80 M., bleibt Bestand 158,30 M, Die Mitglicdcrzahl beträgt 135 Personen, Die Revisoren erklärten Bücher und Kasse in bester Ordnung geftinden zu habe»: darauf wurde dein Kassierer Decharge erteilt. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Erster Vorsitzender Worbs, zweiter Vorsitzender Hitze; Schriftführer V o l l m a n n; erster Kassierer N e» in a n», zweiter Kafsicrer D r i e st; Beisitzer B c s s e r m ö n z. Revisoren Müller und V ö l i ck e'; Bibliothekare K u s i n S k i und G o n d e l l. Dann wurden noch verschiedene VereiuSangclcgeuhciten erledigt. WaidmannSlnst. Hier tagte am Sonntag, den 24. d. MtS,, nach siebenjähriger Pause eine öffentliche Versammlung. Genosse K o tz k e hielt einen Vortrag über:„Der Kampf gegen das Unrecht." Der Vortrag fand allseitigen Beifall und wurde eine Resolution im Sinne des Referenten eiustunmig angenommen. Zum 3. Punkt der Tagesordnung: Gründung eines Wahlvcreins, sprach Genosse R ci d e ck e in längeren Ansführnngcn für die Gründung einer politi- scheu Organisation. ES zeichneten sich viele Genossen in die Listen ein, und wurde dann eine sünfglicdrige Kommission zur Vorberatung der Statuten gewählt. Die nächste Versammlung zwecks Gründling des Vereins findet am 15. Oktober statt. Bemerkt sei noch, dag durch Verfügung des Amtsvorstchcrs in Dalldorf den Frauen der Zutritt zur Berstimmluug verboten war. Steglitz. Am Mittwochabend fand in den„Kaiferhallen" eine von der Geiverlschastskoiiiiniision einberufene öffentliche Versamm- lung statt, in welcher Genosse Z u b e i l über die socialpolitische Gesetz- gebung des Deutschen Reiches referierte. Die zahlreich Versammelten solgten mit regstem Interesse den zweistündigen Ausführungen des Redners und spendeten zum Schluß lebhaften Beifall. Eine Reso« lution im Sinne des Vortrages wurde einstimmig angenommen. LliiidSmamischaft der Schleswig- Holsteiner. Mittivoch, den 4. Oktober, abends 8'/, Uhr: Generalversammlung Alte Jakobsir. 7o. Beim(Q«iirtrtisuiechfil empfehlen sich folgende Partei-Tfleditionen: Iterlli»■viertel' Walilkrei"«>-5 Robert 28 eng eis, Fruchl- strahe 30, Hof II,— SO.: Friy tlbiel, Skalitzerstr, Zö v. pari.— Sechster'Wahlkreis(71oiibt>: Karl Anders, Salzivedelcr- slraße 8, pari, im Laden.— Weliliux und OvanicuhnrRov Torntadt: Emil Stolzenbur,, aC-tefciiftrnHe 14.— fiesniul- hraiinea: Wilhelm G a b m a n i, Grlwthalerflr. 6b.— IloNe»- thnlcr Vorstadt und SchUnhauscr Vorstadt: Karl MarS, Kastanien- Allee 05/V6.— Charlottcnhnrg: Gustav .S charnberg, Schillerstr. �4, v. 1 T— Oeatseh-Wlliaers- dorf: Frau K ü t> l e r, Gtgmariugc und Frau H einem an n, Elgmariugenstr. 35.— Grünau:> l, Dahmeftraße 6.— Itlv- dorf: O fl e i ni a nn, Erlstr. 6.— Sihüncherj;: Wilh. B ä» m l e r, Apostel PauluSstr. 13, Quergcb. Hochp— Johnnulstthal-Xlcdcr- «iid Oher-Schtiuewcid»-: Otto I o h», Ober-Schüneweide, SiemenSstrabe 7, Cigarreiigeschäi:, Auiahinestellen: Nieder-Schünelveide: Karl Weber, Eiaarrcugeschä't. Johainiislhal: Senft leben, r.- Adl"".. Crl'UiHU». Sonntag. 8 Oktober: �irrÜS&SIU. 03 volles LVu est Essels wozu einladet s2S7öLj G. l/indenhayn. Elektrotechnik. Ncner Abendkursus der„Elektra" Touiicrstag, den 5. Oktober 1889, abends 8 Uhr, fit EleMomoutage, Installation u. Maichiiicniach, Zeichnen u. Algebra, Aelfeste u. einzige Lehranstalt auf wlssenschaftl.- praht. Grunalage. I Steine Borlnmtnisse— glänzende Resultate. Praktische Abendlurse im elektrotechinscheii Laboratorium. Diploinzeiigniö— Stellunge-nachwetS. I Zlnineldlingell schleuiiigit persönlich, auch SonniagS bis 1 Uhr. iÄriaiceastrasse Vo. 55.— Prospekte gratis und franco. Reftauralcur. lershot: M'? Worbs, Metzerstrabe 4.— Cttpenlck: Franz Weber, Cigarren-Handlung, Grünauerstr. I. 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Im Tunnel: prelllonrort. Ans. 0 Uhr. Donnerstag wegen Vorbereitung zur Novität geschlossen. Freitag, zum erstenmal: Ter Weltuntergang. Gr. AiiösiattnngSstnckmit Gesang aus dem Engl. d. A. Smith, für die Bühne bcarb. von Dir. Karl Weih u. Jos. Dikl. Musik v. M. Fast. Sonntagnnchinittng ü'/zUhr: Freie Volkäbiilmk. III. Abteilniig: Faust SchillerThtlittr iWalluer-Thcalcr». Mittwoch, abends 8 Uhr: �iort». Schauspiel In 3 Alten v. Henrik Ibsen. Donnerstag, abends 8 Uhr: Itkv LI»»-«. Freitag, abends 3 Uhri Alora. Crntval Thrntev Dtreltlon: to,ö porenory. Div(Qvizslztt oder:/, Ohr, im �dSÜA-l'dkSter, Dresdoneretr. 72: Erste ordentliche VeFclns-Yocstcllans. Zur Aufführung gelangt: Stellet. Trauerspiel in 5 Akten von Goethe.— Regte: Herr F r i e d r. M o e st. Die Verloosung der Plätze beginut l'/z Uhr nachmittags. Die Mitglieder werden gebeten, ihre alten Karten gegen neue um- zitkaufcheN und rege zu agitieren. Rciic Mitglieder werden in uuteu- stehenden Zahlstellen anfgenommm. Einschrcibegcld 50 Pf. VorstcstungS- deitrng 50 Pf. Monatsbcltrag 25 Pf. Zahlstellen: K: Fritz-Schräder, Stralsunderstr. 63; Ab. L ö h r, Ackersir. 38, II; E. Diele, Restaurant, Ackerstr. 123; I. K r e ch, Rest., Chausseestr. 64; E. Knapp, Rest., Grünthalerstr. 5; E. Schmidt, Rest., TrcSckowstr. 22; M o h r m a n n, Ackerstr. 93. dlO.: W. S ch r o l l e, Frileur, Landwchrstr. 3; Karl Spät, Rest., Georgenlirchstraste 65. NW.; h. Becker, GotzkowSknstr. 9; H.Gebauer, Restaurant, Birkenstr. 25; t a r t n n g, Oranieubiirgerstr. 54. 8W.: C. W e r l i n g, Eigarrengesch., offenrrstr. 32; H.Landgraf, Neucnburgerstr. 15; J.Pech, Schuh- aeschäft, Möckcriistr. 120. 8.: T h. Pähl, Rest., Dresdencrstr. 71; H e r m. V o b s i e n, Koiiiiiiaiidaiiteiiflrabe 62; Zlrbeiter-Konsiimgeiioffeiischaft„B e- f r e i u n a", Skalitzerstr. 6 im Ladeu; Bruno Tübcke,«Natthieustr. 19, 4 Tr. SO.: T h. S tauip eh l, Mariaiinenstr. 26; H. Köhn, Restaur., Naunyiistr. 83; M. H e e r d e, Mariaunen-User 2. 0.: C. Q u a r d e r, Wasinertheaterstr. 17, IV.; W. Tabert, Marlusstr. 14, Eingang Grüner- Weg; Aug. B ö l k e, Rlldersdorferstr. 18, Ecke der«oppenstrahe. Johannis- thal- Aug. Krause, Parkstr. 3. Steglitz: A. D u r e ck,«childhornstr. 91. Ve»- Vonstand. 150/16 Heinrich Nett, Kassierer t. B., Gcorgcukirchstr. 24a, 2. Hof, ScitenP 1 Tr. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr; FranLuntst mit dem sensationellen Luftballett: „ürrlgolatls". Otto Reutter The Barras Clmita Yuuiata Tiero Blossoms Francis Gerard etc. eto. etc. Kasseneroffnunp; OVz Uhr. Anfang der Vorstellung 7Vi Uhr. Vorverkauf täglich ImTheater und beim„KQnstlerdank", Unter den Linden 69. iSamssouci Kottbnscrstr. 4 a. Täglich aubcr SoiiiiabcndS Rossmanlis Rord- deulseke Länger. Anfang Wochentag» 8 Uhr. Entree(Voroerlauf) 30 u. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag »ach der Soiree: Vaiisi-KrUasehea W. Noacks Theater, Brnnnrnstrabe 16. Heute, Mittwoch, den 4. Oktober er.: Wegen PrioatsestlMt keine Vorsteönng. Morgen, Donnerstag: Der Stahstreinpeter. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Palast-Iheater KV früher-5WS Feen- l'alnwt. Biirgstraste Z'Z, DaS durchweg neue riefengrohe Oktober-Programm. Zum 1. Male in Berlin: Vssilescu»Tnio. Unübertreffliche Meister- Hochturner am sechsfachen Lustreck. In dieser Vollendung noch nie dagewesen! Novität! Um 8V, Uhr: Novität! Susanne im Bade. Origtiial-BurleSkc m. Ges. tn 2 Bildern. Hauptrollen: Rieh. Winkler und Wilhelm FrBbel, Anfang 7Vj Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kasseiiüffimiig 1 Stunde vor Anfang. Billet-Vorverkauf vorm. v. 11— 1 Uhr. Victonis» Tkssten C. Alezanderstr. 40. Fernsp. VII 1711. Direkt.: V. Bausenweln u, C.Emmerich. Ansang Vz8 Uhr. Zum 25. Mal mit vollständig neuer AusstatNing: Novität! Die weisse Henne. Novität! (La poulo blanche). Vaiidcville tu 3 Alten von Hciincqnin und MarS. Deutsch v. Bolten-Bäckers. Musik v. V. Roger. In Paris mit sensat. Erfolge über 500 mal gegeben. ISO» «ed. 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