Ilnterhalwngsblatt des Horwärts N?. 189. Freitag, den 21. September. 1901 Machdruck verboten.) 13] DvKttf los! Roman von Jonas L i e. Ja, nun war er, Rejer Juhl, in die Welt hineingesprungen, einsam und unbekannt, mitten in den Ameisenhaufen I Wenn er sich sonst vorstellt, wie es weit draußen war, so hatte er stets an Batavia gedacht, war auf dem„Generalgouverneur Swardecroon", der alten Schute mit dem hohen Hinter- kastell und den schwellenden Segeln an den Raaen, deren Bild daheim an der Wand hing, hinausgcsegelt, so wie einst sein Stammvater I Wie wohl dem die Welt erschienen war?— Zäh war er gewesen und hatte vorwärts kommen wollen, der Bursche! Und das wollte vielleicht heutzutage der eine oder der andre Juhl auch! Aber ärmer als dieser ist der Alte kaum gewesen— nicht zwei Thaler in der Tasche I „Nun, wenigstens bin ich Koch! Müssen halt sehen, irgciwwo den Löffel hineinzukricgen, nach nicht viel bekünunerN, ob sich jemand dabei die Schnauze verbrennt!" Wie sein Blick halb in Gedanken auf und nieder streifte, schien es ihm mit einemmal, als müsse er diesen schwarze» Krauskopf in der Reihe unter ihm kennen. Der Steucrinann I Freilich ist das der Steucnnann Lind! Das ganze Haus bekam ihm ein andres Aussehen; cL war jemand da. den er auch kaunte! Der Vorhang ging auf, er aber mußte während des ganzen Aktes nnmerfort den Steuermann anschauen. Das Seidentaschcntuch guckte ihm flott aus der Brusttasche seiner feinen Jacke, die Mütze lag auf dem Knie. Er bcugte sich zu einer Dame, welche gerade vor ihm saß. Sie war bleich und trug eine Nelke im schwarzen Haar. Er sagte ct>vas, worüber sie lachte und dann fächelte sie sich. Nun schälte er eine Apfelsine und reichte sie ihr. Er war ungeincin höflich und sprach und plauderte fortwährend. Keiner von den beiden kümmerte sich weiter um das, was ans der Bühne vorging. Der Stencrmaun und die schöne Dame fesselten Rejers Aufmerksamkeit bis zun: Schluß des Stückes. Zu seiner großen Verwunderung entfernten sich beide mit einander und er sah sie noch einmal flüchtig beim Eingangsportal aus der Menge auftauchen. Eine Weile später spazierte er bei Laternenschein ans dem Molo auf und ab und erlvartete die andern, che er den Alert anprajte. Es war ein bißchen einsam hernnten am Hafen oder eigentlich voll von Gesindel, und dann hatten sie diese langen katälonischcn Messer... Aber er tastete öfters nach der Scheide, welche er unter der Jacke trug.— er hatte dafür ein Aafjorder Schnitzmcsser, und noch obendrein das von seinem Vater k Dennoch erleichterte es sein Herz, als der Stencrmann Lind herabkam; derselbe war in hochgestimmtcr Laune und summte vor sich hin. „Guten Abend, Rejer!" Wie keck und seemännisch er aussah I Schon die Art, wie er die Hand an den Mund legte und wiederholt prajte, bis ein„Hallo!" weit draußen ihm antwortete I— Rejer schwärmte für den Stencrmann. „Hören Sie, Steuermann!" fragte er plötzlich,„was für eine spanische Dame war es denn, mit welcher Sie droben im Theater saßen?" Der Steuermann sah ein wenig überrascht drein. „So I Warst Du dort? Sie... na... sie ist so eine Art Verwandte von mir." „Hier in Barcelona?" „Ja, sie ist hergekommen— zufällig... eigentlich etwas wie Geschwisterkind... weit entfernt..." „Versteht sie norwegisch?" „N— ja, so so... ein bißchen... Aber Du brauchst gerade nicht darüber zu reden, daß Dil uns zusammen ge- sehen,— zu keinem Menschen an Bord I— Du begreifst?" Er pfiff leise vor sich hin. „Sahst Du die mit der dünnen Taille und den großen Augen, die, welche Cachucha tanzte?— Das ist etwas andres, als tvas Du in Norwegen findest! Und die Castagnetten, mit denen sie schlagen und klirren, so daß es Feuer und Flammen sprüht und sich das Herz einem um und um dreht I Sie sind aus Holz— aus festem, glattem, steinhartein Holz... Aber schaust Du, so eine Schwarzäugige setzt sie in Flammen und da klirren... klirren... klirren sie, mein Junge!"— Er pfiff die Melodie.„Hm! Du hast noch viel zu sehen, Rejer, und es ist ein Glück, daß Du noch nichts weißt... ich möchte Dich gern vor allem bewahren... aber ein bißchen Verstand nmß ich Dir doch beibringen, sonst wirst Du Dich nicht in acht zu nehmen wissen." Leise singend ging er auf dein Molo auf und ab.„Und höre nun, mein Junge: ich weiß ja, Du hast Dein Ober- stiibchen nicht ganz leer... laß Du Dir es nie einfallen zu zeigen, daß Du mich kanntest, ehe Du an Bord kamst. Das wäre der gerade Weg. von jedem der Leute Haß zu ernten... Nimm lieber alle Reibereien hin;— sie gehen schließlich vorüber— und ich werde, wo ich kann, für Dich mein Bestes thun. Nun, denke ich, werde ich es dahin bringen, daß der Stelvard in der Kambüse die halbe Arbeit thut." „Heda, Ihr, tummelt Euch ein wenig!" rief er dem Zimmermann-entgegen, ivelcher, laut schwätzend, mit seinem Begleiter von oben hörschlenderte, während die Jolle schon an der Landungsbrücke anlegte. Beim unsicheren Laternenlicht warfen die Fahrzeuge tiefe, schwarze Schatten auf den Grund des Hafens, und das Fort Montjuich sah wie eine drohende Riesengestalt in die Nacht hiireiu, während die Matrosen sie an Bord ruderten. Droben zwischen den zahllosen Masten und Raaen funkelten große glanzvolle Sterne und Rejer gedachte ihrer, die Cachucha getanzt hatte und wie er das gar nicht verstanden. Nun sah er sie ivieder in seinen Gedanken... jede Bewegung... hörte die Castagnetten... Ach, wie er sich doch auf dem Laude unterhalten hatte! „Gut gerojet!" sagte der Steuermann, als sie bei der Schiffsseite anlegten. Sie lagen drinnen am Molo und nahmen Ladung ein, während jeden Morgen die Marktboote mit ihrem Handel sie umdrängten. Das war ein Treiben, ein Rufen, ein Schleppen, daß nian sein eignes Wort nicht vernahm, und man brauchte sich nur über die Reling zu beugen, um all sein Geld los zu werden. Dieselben Boote legten sich täglich an dieselbe Stelle; Rejer begann sie zu unterscheiden. Während er inr Morgennebel da stand und sich an die Verschanzung lehnte und die alte Nachteule von einer Ver- känferin erkannte, die bei den Halsen saß und in ihr eignes Genmse hineinschrie, gab es achterwärts beiin Sonnensegel ein andres Schauspiel. Ein junges Mädchen in Weißen Strümpfen und leichten Schuhen saß mit aufgestrickten Aermeln und mit einem schnee- weißen Handtuch im Schoß da und wusch und kämmte ihren kleinen Bruder, ehe sie die Brücke hinaufging. Unaufhörlich that sie ihm schön. Wenn er sich widersetzte; sie bewunderte offenbar ihren kleinen, schwarzgelockten, eigenwilligen Prinzen von einem Bruder. Da plötzlich riß er sich von ihr los. Sie sprang ihm nach und ergriff ihn, als er sich gerade an einem Tecrkübel beschmutzen wollte und die alte Nachteule im Kohl drinnen schalt. Wie um Zeugen für ihr Recht zu fordern, sah sie sich um. Ihre Augen begegneten denen Rejers. Sie errötete ein wenig, während sie zugleich lachend der Alte» antwortete und den Jungen zurückzog. Aber welches Lächeln, welche Augen I Er sah sie an, er stahl sich näher, um sie anzusehen, that. als kehre er ihr den Nacken zu, während er sich rittlings auf das Geländer setzte und eine Hüsing um einen Bolzen surrte... Er stieg an der Schiffswand eine Leiter auf und ab, als habe er da irgend eine Arbeit und etwas Wichtiges nachzuschauen— alles bloß, um keinen Blick von ihr wenden zu niüsscn, bis sie endlich mit dem Bruder auf dein Molo oben stand. Gewist wollten sie zur Kirche oder in Besuch, so geschmückt waren sie, ihr Linnen so weiß wie Schnee, die Füße so fein l Er hatte stets gemeint, es gebe nirgends so prächtige Staatsgewänder als im Nafjord daheim; aber was war das Kopftuch, was die schwere Mütze gegen solch einen Hut, der so keck auf dem Haupte saß... und dann der dicke Friest- Wulst, den die Mädchen daheim um den Leib trugen, was war er gegen die Art, wie ihr Kleid um die Hüften fiel... Und als sie der Alten ein Lebewohl hinabnickte, war Rejer nicht ganz sicher, ob die dunklen Augen, welche so groß schienen wie spanische Nüsse, nicht einen Moment mit schelmischem Lächeln zu ihm flogen, als wollten sie sagen, daß sie ihn tvohl bemerkt Hütten. Rejer ging den ganzen Tag wie im Taumel herum und paßte auf, aber die beiden kamen nicht zurück und die Felucke segelte ohne sie ab. Anr nächsten Morgen legte dieselbe wieder an, und Rejer handelte ein Mast Nüsse um das andere der schwarzhaarigen Alten ab, ehe sie von der Landungsbrücke abfuhren. Sie hatten eben draußen im Haufen den Anker gelichtet und Rejer hatte sich im Sonnenbrände in Schweiß gebracht, indeni er die Kette vom Spill»vegholen half— sie fuhren mit einer Fracht von Häuten und Seidenivaren nach Civita vccchia hinüber— als sie eine Sekunde lang die Felucke wieder neben sich sahen. Die beiden Geschwister standen bei den Körben und sprachen nnt der Alten, legten vermutlich Rechenschaft ab. Die Felucke glitt vor der Brise hin, während Alert noch mit dem Buganker still lag, und Rejer, der alles vergast, außer sie zu sehen, eilte längs der Schanzbekleidung nach vorn; er stand schließlich auf dem Back oben... Die Alte hatte vennutlich von all den Nässen erzählt, die er gekaust, denn das junge Mädchen lachte laut und munter zu ihm ans, nickte ihm erst zu und wendete sich dann um und winkte ihm mit einer Kette, die sie in der Hand hatte, wie man es einem thun darf, den man nie mehr auf Erden wieder zu sehen er- wartet. Aber diese Weißen, schinnnernden Zähne, diese Sternen- äugen... und Juanita hatte die Alte sie genannt! Es war eine Trosse einzunehmen, die sie draußen gehabt hatten, um sich vor dem Nachbarschiff, einem schweren Zucker- fahrzeug aus Venezuela, sie klar zu Warpen,— und Rejer sprang blindlings herzu. „Na, Du Dummkopf, willst Du vielleicht die Vorhand haben vor jvollbefahrencn Leuten? Warum nicht vor deni Bootsmann auch?" tönte es ihm barsch und höhnisch entgegen, „packe Dich l Nach hinten, hörst Du?" Rejer schenkte dem„Vollbefahrenen" einen Blick, der— nun ja, er verfügte sich, wenngleich etwas langsam, achter- wärtö zum Ende des Taues, wo er als letzter beim Anholen stand. Aber seines Herzens innerste flamniende Neigung war eine andere... ob nun Bootsmann oder Zimmermann, voll- befahrener oder leichter Matrose, ob schließlich Steward oder Echiffshund— wenn sie nur geahnt hätten, wie weit unter seiner Würde Rejer Jansen Juhl diese ihre ganze Rang ordnung fand! Grobheiten von ihnen, das waren nun einmal' die Kotspritzcr, deren nicht zu achten er sich vor- genommen! „Klar zum Wenden!" ertönte es eine Weile später, als sie aus dem Einkauf gekommen waren. Der Steward, welcher noch eine Nelke im Knopfloch trug, flog elegant trippelnd zur Grostschoote; Rejer schleuderte in der Kombüse den eisernen Schöpflöffel aus der Hand und fuhr zur Fockschootc im Lee. „Hart in Lee!" lautete das nächste Kommando. Rejer ließ losgehen, setzte hierauf nach Luv über und holte das schlaffgewordene der Schoote in deinselben Maße ein, wie die Vorderraaen rund gebraßt wurden. Während der Fock sich füllte, tornte er und hielt fest wie ein Löwe, bis er Hilfe zum Anholen bekam. Er besaß nun schon Nebung genug in der Pflicht des Kochs, der Fockschootc im Lee wahrzunehmen, und so oft er aus der Haut des Kochs heransschlüpfte und in die des Matrosen fuhr, that er jede Arbeit mit einem hitzigen Eifer, der die Heiterkeit der Zuschauer erregen mußte. „Schaut Euch doch einmal den Koch an, wie er beim Dornen anspannt! Immer geht er links voran I Er faßt das Tauende wahrhaftig an, als wär's ein Lcitseil I Hü, hn! Marschier nur.wieder in den Stall hinein!" und man fchnalzte ihm niit der Zunge nach, als ob es ein Pferd sei! Jedoch am Abend bezog Rejer die Wacht mit ganz andren Gedanken, als die Bitterkeiten des Tages sie ihn» eingaben. Die Sonne sank hinter den spanischen Bergen, das Meer schwoll empor mit einer Farbe wie geschmolzenes Eisen oder dunker Wein; ein oder der andre Bonite') erhob seinen Kopf über die Wasserfläche. Juanita hatte die Alte sie genannt... Juanita! Sie war hinreißend schön gewesen, als sie gestern zu ihm hinauf- sah... Und gar heute, als sie, mit der Kette in der Hand, Leib und Arme halb gehoben, ihm winkte nnd entgegen- lachte I Alle Weiber der Erde sollten schwarzäugig sein— das wäre etlvas andres als all die blauen Milchwasser im Norden droben l Jawohl, s i e lachte... er jedoch lachte nicht! Hätte er sie doch niemals gesehen l Was machte er sich sonst aus Frauenzimmern! Aber diese— Juanita, Juanita hieß sie l Sie wollte, mußte er wieder treffen... Er würde trachten, wieder nach Spanien zu kommen. Er ging auf und ab mit dem gemischten Gefühl, die ganze Zeit über ihre Gestalt vor sich zn sehen und sie dennoch nicht fassen zn können! Hie und da blieb er an der Reuling stehen nnd schonte hinaus. Vorn auf dem Pallpfosten saß der Göteborger sang: „Jsß älskad en ros i min blommiga var." g nicht weniger als 200 000 Kilogramm Veilchen- Wurzeln(Iris florentina). Die Schwierigkeiten, die sich der Ge- lviunung der Riechstoffe ans den Pflanzen cntgegcnslelle», find sehr bedeutend, und erst in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts völlig übcrivundeu Ivordcn und in Bezug auf Darstellung von Rosenöl hat Deutschland seit Jahre» schon die berühmten türkischen Fabrikate überholt. Indessen sind die Tage der Parfiiinerien aus natürlichen» Riechstoffe gezählt, denn es ist der synthetischen Chemie gelungen, eine grosze Anzahl vortrefflicher Riech- sloffe künstlich und zu billigen Preisen herzustellen. Die Essenzen, lvelche ihren Namen nach dem Dufte des Flieders, Maiglöckchens, des Wald- »neislers, Heliotrops, der Vmiille usw. führen, sind sämtlich Kompo- sitioncn, die teilweise als Surrogate bezeichnet»verde» müssen, zum Teil aber auch den gleichen Körper, tvclcher Träger des Wohl- genichs in der Pflanze ist, jedoch künstlich dargestellt,'enthalten. Zu letzterer gehören n. a. Vanillin, Kumarin, Wintergreenöl. Die Jahres- cnite an Vanille wird auf drei Millionen Mark geschätzt, das ihr ciit- sprechende Quantum Vanillin, a»S dem Kambialsaft von Tanne und Fichten künstlich getvonnen, stellt sich arif nur 100 000 M. Das Kumarin, welches das riechende Princip des Waldineistcrö, dcr Tonka» bohne, des Weichselholzes und andrer Getvächse ist und früher uur durch Extraktion der Tonkabohne. die es sehr spärlich enthält, gc- tvonnen»vurde, wird gcgcnivärtig künstlich ans Salicylaldchyd hergestellt, und zivar'/?' des natürlichen Kumarins. Das künstliche Bittermandelöl ist mit dem natürlichen völlig gleich und tvird mis Benzhlchlorid gewonnen. Es stellt sich im Preise aber so viel billiger als das natürliche, das; es vielfach zu Verfälschungen des letzteren,»velches teurer in» Preise steht, benutzt»vird. Das Gaulthcrinöl, unter dem Name» Wintergreenöl bekannt ui»d als Parfüuiniitcrlage in Amerika all- geniein benutzt,»vird aus Salicylsäure, Methylalkohol und Schwefelsäure hergestellt. Der künstliche Moschus ist mit dem natür- lichcn nicht identisch, hat aber denselben Genlch. Er wurde zuerst von Baur dargestellt, in Ivesentlich verbesserter Gestalt dagegen später von Valentin und Schivarz in Leipzig unter den, Name» Tonquinol. Merklvürdizzerlveise verliert letzteres jedoch seii»e» Geruch völlig, wenn es in kochendein Wasser gelöst»vird, auch soll das künstliche Produkt mit der Zeit an Fülle»nd Kraft des Duftes verlieren, während.der natürliche Moschus unter gleichen Verhält- nisten gewinnt.—'(Köln. Ztg.") Biologisches. -- Die Mutationstheorie von de VrieS. Die Bahn, welche Dattvin und Haeckel der DeScendenzlehre gebrochen, ist breiter Verantwortlicher Redacleun Carl Leid in Berlin. und breiter geworden. Sie vereinigt jetzt die Forscher auf allen ein« schlägigcn Gebieten. Ueberall sind die Gegner zurückgedrängt. Aber eine letzte Burg ist ihnen geblieben. Unausgesetzt' haben sie von dieser aus die neue Lehre bekänipft. Diese Burg ist die Unver- änderlichkeit der Arten; der schivache Punkt der Theorie ist die Lehre vo»» der ganz allmählichen Umwandlung. Die Un- vcrändcrlichkeit der Arten ist Beobachtuiigsthatsache. Ihr gegenüber stellt die Abstammungslehre die Annahme, daß die Veränderungen so langsame seien, daß sie sich erst in« Lailfe der Jahrhunderte zeigen»vürden. Aber eine solche Behauptung hat nie völlig be- sricdigc» können. Darlvin selbst kanute ihre Schlväche. Nun hat der holländische Botaniker de Vries die Beobachtung gemacht, daß die grobblumige Nachtkerze, eine altbekannte, bei uns»vcit verbreitete Wiesenpflanze, plötzlich ganz neue Varietäten erzeugt. Auf Grund seiner Studien kommt er zu dem Resultat, dab Pflanzen und Tiere je circa 4000 Jahre lang unverändeite Nachkommen erzeugen nnd dab dnn» plötzlich„explosionsartig" eine Veränderung eintritt. Diese Theorie. lvelche unter de» Naturforschern das gröszte Aufsehen erregt, da sie vieles bisher Unverstandene erklärt, veröffentlicht de Vries in allgcmeinverstäudlichcr Darstellung' in der„Umschan"(Verlag von H. Bechthold, Frankfurt a. M.)— Aus dem Pflanzenleben. SS. Auf die Vielgestaltigkcit der Birnen weist Jancroivsti im„Botanischen Ccntralvlatt" hin. Die Forn» der Früchte ist nämlich bei ein und derselben Sorte nicht nur von den Verhältnissen des BodeuS und dem Einflub des Klimas abhängig, sondern kann auch an demselben Baun» merklich verschieden sein. Jancroivski ist der Ursache dieser Mannigfaltigkeit nachgegangen und hat sie in der Stellung der Frucht innerhalb des BlütcnstandeS entdeckt. Die Blüten' des Birnbauiiies stehen zu mehreren in einer Doldentraube zusammen, und die am Ende befindliche Knospe blüht am spätesten auf. Gerade diese Eudblüte enllvickelt aber»vcit seltener eine Frucht als die scillicheu Blüten; von der Ernte eincs Baumes kommt nur ein geringer Teil auf solche Früchte. Wegen des späten Aufblühens erfolgt auch die Reife dieser cud- ständigen Früchte später als die der seitlichen, so dag es angezeigt ist. sie in»» ein bis zlvci Wochen nach den andren einzuenlten. Die Stiele der seitlich gewachsenen Birne sind an ihrer Basis verdick: und brechen leicht von dem geineinsanicn Stiel des Blütcnstandes ab. Die Stiele der Endfrüchte dagegen, die eine direkte Fortsetzung der Achse des BlütcnstandeS bilden, sind kürzer und lassen sich, auch »vcnn sie ihre volle Reife erlangt haben, nur mit einem gewissen Kraflauswaud abbrechen. Die beiden Arten von Früchten Hilter- scheiden sich nun aber auch in der Gestalt. Die Verschiedenheit tritt nicht bei allen Birnensorten hervor, z. B. nicht bei jenen mit langen und schmalen oder mit sehr kurzen Früchten. Bei einer ganzen An- zahl von Sorten ist sie jedoch sehr deutlich und fällt auf de»» ersten Blick auf. Im allgemeinen besteht sie darin, das; die cndsländigcn Früchte länger, ferner au der Basis»vcnigcr abgestumpft, also niich weniger scharf gegen den Stiel abgestumpft sind. Das Gelvicht dieser Früchte ist bei fast allen Sorten um ei» Zehntel geringer als das der seitlichen, sie haben also demeutsprcchcnd einen geringeren Wert.— Hunioristislstes. — M ä c c n a s. Eigentli, wen» i denk, i» S a Gemeinheit. wanws in da Zeitung schreib'»», mir Münch'ner tbaten»ix für d' Knnst; i Hab mir von die Herren Knnstmaler, die mir'n Zins schnldi blieb'» sa», a ganz a schöne Galerie z'scmnnenpfändt."— — Reservat recht.„Hain Sie's g'schgn? Der Berliner do hint'u krieagt jetzt scho dö viert Mas;!!" „Hab'S scho g'sehg'n, Herr Nachba I Aba— unta uns g'sagt— so hat's knmma illüasz'il! Oa Rescrvatrecht ums andre geht s ch ö' langsam zun» D e i f i 1 1'—(„Jugend.") Notizen. — Clara Müller:. S t u r m l i e d e r von, Meer." Stuttgart, I, H. W. Dietz. Preis geb. 2 M.— Teils StimnningS- bilder, zum auderu Stoffe aus dem Arbeiterlebei» und der modernen Arbeiterbewegung, in die Forme» der Ballade oder Hymne gekleidet. Das Büchlein kann empfohlen»verde».— — B j ö r n s o n S„L a b o r e in i» s" erhielt bei der Aufführung in» K o p e n h a g e n e r D a g in a r- T h e a t e r kaum einen Achtungserfolg.— t. Ein eigenartig gezeichneter Schmetterling der Art kieris rnonnsto, also ein Verwandter uiisres gemeine» Kohl- »veiizlingS.»vurde bei Neu-Smyrna in Florida gesaugen. Der linke Ftüjiel des Thiercs bcsaj; die Färbung des»veiblichcu, der rechte die des niännlichen Geschlechts. Aendcrungen in der Farbe der Schmetterlingsflügel sind keine ungcivöhuliche Erscheinung, aber sie find bekannt»ur als Folge von Frost, dessen Einwirkung die Färbimg gleichmäßig verändert. Hier aber liegt eine Laune der Natur vor. die änszerst selten zu beobachten ist und auch eine Erklärung non. nicht gefunden hat.— Die nächste Nummer de» Unterhaltuugsblattcs erscheint an, Sonntag, den 29. Septeinber. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.