Mnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 192. Mittwoch, den 2. Oktober. 1901 lNachdruck verbalen.) io] Dvnnf kos! Noman von Jonas L i e. „Fünfzig Dollar an Bord der Perle l" rief Nejer:„erst nach Bahia... binde mich nicht länger l" „Tausend Donner... ich gehe mit!" Die Sache ward abgemacht, während sie zur Barkasse hinabschritten. Diese war mit neugeworbcner Mannschaft angefüllt,— wunderliche Gesichter von aller Welt her. Auf dem Boden des Bootes sah man die Rücken von einigen total betrunkenen dunklen Gasten in roten Hemden.... „Stoht ab!" erscholl eS. Sie waren alle lustig und sangen um die Wette, biS sie an der Schiffsseite waren, und das dauerte einige Zeit, da die „Perle" ein Stück weit draußen verhalt war. Auf dein Deck fanden sie aber einen ganz unerwarteten Empfang, indem sie ohne jedwede weitere Erklärung au die Packarbcit komniandicrt wurden. Schwere Säcke und Kisten standen rings umher; eS war eine ganze Schichte der Last wieder umzuladen; es sah aus, als sei die Arbeit plötzlich verlassen worden, Das war eine ganz ehrlose Neberiinnpelung,— ganz gegen allen amerikanischen Brauch, wo alles klar zum Auker- lichten sein muß. wenn die Neugeheuerten an Bord kommen, so daß sie von aller Packträgerci verschont bleiben. Hier schien es aber gar nicht, als sei das Schiff segelklar; auch war eS kaum mehr als halb bemannt. Die Euttäuschuug und Erbitterung war unbeschreiblich. Alle waren sie gekommen, angelockt von den herrlichsten Versprechungen, und nun. nur einen Moment später, standen sie einer Reihe bnitaler Offiziere gegenüber, die an Zahl ihnen nahezu gleich war und sie mit Revolvern und schlvercn Stöcken an die Arbeit trieben.... Einen Augenblick herrschte das Stillschweigen der Neber- raschung. Im nächsten stürzte» sie alle zum Matrosciirnff hin und verschanzten sich darin wie in einer Festung. Im Kampfe, der sich nun euüvickelte, gelang es den Ofstziercn, einzubrechen und ein Paar der Vordersten aufs Deck herauszuziehen. Zwei andre, die verfolgt wurden. flüchteten sich hinauf aufs Schcilicht. Der Widerstand wurde mittlerweile so kräftig, daß man vorläufig den Ansturm auf das Ruff einstellte,— aber nur, um draußen auf dem Deck die beiden armen Ergriffenen so grausam und jannncrvoll zu prügeln, daß es einen Stein rühren konnte. Das hatte auch die beabsichtigte Wirkung— die Matrosen kamen heraus, einer nach dem andern, mit ge- beugten Häuptern und unterwarfen sich ohne»veitcres der Arbeit. In der Nacht wurden sie wieder ins Volkslogis gesperrt, um sich zu versichern, daß sie nicht durchgingen, che man die Anker lichtete. Es war drinnen dunkel und noch schwül und heiß von der Sonnenhitze des Tages. Alle— mit Ausnahme der Betrunkenen— waren einig darin, daß sie fort wollten, was es auch kosten möge. Man überlegte in der Stille, man untersuchte und be- fühlte Planken und Luken und jede Möglichkeit, einen Weg hinaus zu finden; es galt, sogleich zu handeln! Man schnitt ein Loch in die Wand, und um halb zwei in der Nacht schlüpfte man, einer nach dem andern, in den Raum, wo der Zimmermann seine Gerätschaften hatte, und voil hier auf das stockfinstere Deck. Einer schlich in den Strümpfen nach rückwärts, wo nian einen großen, bissigen Hund bemerkt hatte, und spaltete ihm den Kopf, ohne daß das Tier einen Laut von sich geben konnte. Drei Personen wurden als Wache vor den Bootsmann hingestellt, welcher schlief und sich in dieser Vezweisiungs- stunde einem unglücklichen Schicksal ausgesetzt hätte, wenn er zufällig erwacht wäre. Zu ihrem Entsetzen fanden sie alle Boote aufgezogen und befestigt. Die Offiziere hatten jede Flucht unmöglich gemacht. Plötzlich erinnerte sich einer der Matrosen, daß er im Kielwasser eine kleine Prahme an einer Fangleine be- merkt habe;— jedoch wie rückwärts ailfs Deck kommen? Da verfiel der Götheborgcr darauf, durch die Klüse an der Ankerkctte hinab zu gehen und sich im Dunkel von der starken Strömung an der Schiffsscite entlang so weit treiben zu lassen, bis er die Prahme erfassen könne. Das gelang mit Müh und Not. Nun zeigte es sich aber, daß die Fangleine, welche die Prahme festhielt, ciiw Eiscukctte ivar; jeder Weg schien ver- sperrt! Wieder drei Mann schwammen iir der stununen Finsternis achterwärts, um die Kette anfznzwickeln. Endlich, mit unaussprechlicher Vorsicht, hatten sie die Prahme bis rmter die Klüse vorgeschoben. Während die Flüchtlinge Mann um Mann hinabstiegen, brach eine Ruderbank mit so viel Lärm, daß der Bootsmann erwachte. Diejenigen, welche sich noch auf dem Verdeck befanden, warfen sich ungestüm ins Boot herab. Zwei, drei, stürzten ins Wasser und retteten sich, indem sie sich am Dollborde festhielten. Der Rest stand, zusammengedrängt wie die Heringe, im Boot. Kaum waren sie abgestoßen, so hörten sie die Offiziere nach vorn stürmen und vernähme» das Knacken der Revolver, deren Hähne gespannt waren. Da»Nd dort zuckte ein Blitz auf. Kugeln sausten durch die Luft, aber dank der Finsternis, der raschen Strömung und den so gut befestigten Booten,— sie entkamen aufS Land. Es ivar fast vier Uhr morgens, als Rcjer und der Götheborgcr wieder in ihre alten, wohlbekannten Kojen an Bord des„Alert" einzogen,— aber keiner von beiden schlief diese Nacht! Rcjer schien es, als habe er etwas erlebt»nd als sei er seine Amerikagrillen vollkominen losgeworden. Während er unter dem Eindrucke der wechselnden Bilder. welche die Erlebnisse dieses Tages spiegelten, gegen die Köjcnwand geiveudct dalag, stieg ein bleiches, regelmäßiges Antlitz vor ihm auf, mit lichtem Haar und matten, runden, milchblauen Augen— man sah in dieselben hinein wie in ausdruckslosen Ranch... Die glitzernden weißen, kleinen Zähne und das Kinn, das sich förmlich unter den Mund zurückzog. „Ohne Zweifel war das der Blauhai!" rief er aus. „Lizzy Pump antlvortete der Götheborgcr aus seiner Koje heraus.„Ja, so viel habe ich in Montreal Wohl ver- noinmen, daß niemand dem Pump entschlüpft, che derselbe ihn nicht auf drei Jahre nach Kap Horn oder in den Sklaven- Handel von Guinea cinaccordiert hat!" Das Spill ging, sie wanden die Kette auf und Warpke» den Anker heraus, um nach Qnebeck zu gehen. Gedämpft klang der Aufgcsang: „Wir ankertcn dann in Portlands Bai— Ho— i— o, hiev und hall ES schluckt' uns den Anker ein blauer Hai-*■ Ho— i— o. hiev uud hall Da tvarptcn>vir alle Mann zu Hanf— Ho— i— o, hiev und hat! Gossen Brandt) und Gin mit Wasser drauf Ho— i— o, hiev und hall Das Gangspill drehte sich so galant— Ho— i— o, hiev und Hai 1 Vis Rock und Hut Ivar versetzt als Pfand— Hei, Hund, gieb her und bezahl! lind schließlich verschachern wir uilsrcn Stolz— Ho— i— o. hiev und hal! Frachten Mcnschenfleisch und Ebenholz— Ho— i— o, hiev und hal! Und rackern nnS. tanzen um schmählichen Sold--- Ho— i— o, hiev und hal! Für Jahre verdungen um blutiges Gold Hei, Hund, gieb her und bezahl!" Und als eines Herbstes der Alert seinen HeimaiZort Frcderiksvärn anlief, stand Nejer in traurigen Betrachtungen da. Die Stadt lag innerhalb der leergeblasenen, öden Schären, welche den Hafenciulauf bildeten,— und ebenso öde und leergeblascn war Rcjers Tasche. ■— 7 ?Iid)t in gulniüttcov Stimuiung begrüßte er die grauen, denninftigen, kalten Klippen seines Vaterlandes. Vor drei Wochen etwa hatte er in Bremen drunten dem Steuermann sein letztes Häuflein Geld leihweise abgetreten. Der Steuer- mann war zu seinem Bedauern„ganz blank"! Daß der Steuermann sich an ihn gewendet, schmeichelte Nejcrs Eitelkeit sehr, denn es bewies ihm, daß jener, trotzdem er ihm mm als Vorgesetzter gegenüberstand, nicht vergessen hatte, auf welchem Fuße sie sich anfänglich zu einander be- fnnden hatten und ihn in der Stille als einen Menschen aus ebenso guter Familie, als seine eigne es war, betrachtete. Die Sache hatte aber noch eine andre Seite! Durch diese„kleine Gefälligkeit" gingen nämlich die Mittel für Rejers Stcuernlannsprüfnng verloren. Er hatte diesen Rest zusammengeknickert, um die Wintermonate, während welcher der„Alert" zur Reparatur auf dem Dock lag, frei von Arbeit daheim verbringen zu können,— und nun kam die Geld- Verlegenheit des Steuermanns als wahres S.. Pech zu all seinem andern Pech I Ohne Geld keine Stenermannsprüfung, das war mehr als sicher... das heißt... wenn man sie nicht dennoch machte... Hm I Irgendwelche Arbeit tagsüber suchen und bei Nacht studieren? Bei Nacht studieren?! Als ob er nicht über drei Jahre an Bord vom„Alert" überflüssig genug geschlafen und sich in seiner Koje herum- gewälzt hätte I So viel als möglich von seinen Sachen losschlagen... Uhr und Kravattennadel verkaufen... die Staatskleider auch... . Das Antlitz wurde fest und scharf, das Kinn schob sich vor und er pfiff durch die geschlossenen Zähne. 8. Wannn ging dieser flinke Junge denn nur immer so bleich und schläfrig herum? Da gähnte der Kerl wieder, während er zur Schulthür hinaustrat... „Du!" rief der Navigationslchrer ihm Plötzlich nach, „Du. Juhl, sag' mir doch einmal hier unter vier Augen... warum bist Tu immer so dünn gekleidet?" „Ich? Mir ist nie kalt I" „So? Du hast doch nicht Maugel?" Das griff an Rejers Stolz. „Aber nein! ich habe eine vermögende Familie... wenn ich mich an dieselbe wenden wollte." „Nun, nun, mein Freund! es war ja blos eine Frage... in guter Absicht!" Er verabschiedete Rejer mit einem Kopf- nicken. Der Navigatioirslehrer hatte da einen Zögling, der ihm Erstaunen verursachte. Derselbe konnte manchmal so fürchtcr- lich gähnen oder auch ein Gähnen nach dem andern unter- drücken, daß man ihn wohl als trag und ohne Interesse für die Gegenstände hätte betrachten mögen. Sobald er aber etwas nicht begriff', so stand er auf und fragte und fuhr fort zu fragen, nicht sehr laut und mit einem mißvergnügten Zug um den Nasenwinkel, aber sehr beharrlich, ohne sich um das Kichern der anderen zu kümmern,— zu fragen und den Grund zu erforschen, bis derselbe ihm ganz klar war. Es war darin ein"unerschütterliches Drauflosgehen I Aber immer mehr gewann der Navigationslchrer die Ueberzeugung, daß alles, was Rejer einmal in seinen Lastrauni gehoben, darin sicher lag und dabei besser verpackt war, als bei irgend einem der übrigen. Es schien. alS sollte dieser der beste Eleve des Jahrganges werden. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck serbotena JTiefcevdifik. Bei den verschiedenen fieberhaften Krankheiten ist der Höhe- Punkt der Krankenpflege die zlvcckinähige Ernährung. Aber so wichtig sie ist, so schwierig ist sie gerade hier. Der Kranke ist benommen, er Ieidet_air Appetitlosigkeit, die bis zur völligen Abneigung gegen jede Speise gehen kann, und die Thätigkcit des Verdauungsapparates ist gestört, so daß bei der Reizbarkeit des Magens die Nahrungsmittel nicht nur schwer aufgenommen, sondern auch, ivenn sie nicht gut verdaulich sind, nur zu einem geringen Teil aus- genutzt werden. Auf der andern Seite aber erheischen die Schwäche des Kranken, seine Abmagerung und die Erhöhung der Kvrperteniperatnr dringend die-Unterstützung der Widerstandsfähigkeit gxgen die Kranlheilsgift.e durch eine ausreichende, leicht be- könrnlliche Kost. Im allgemeinen ist von der Nahrung, die den Fiebernden zit verabreichen ist, zu sagen, daß sie die drei Nährstoffarten, Eiweiß, stärkcmchlhaltige Stoffe und Fett, enthalten, fein zerteilt, nur schwach gewürzt und reich an Flüssigkeit sein soll. Alle diese Erfordernisse erfüllt in vorzüglicher Weise die Milch. Daher muß die Milch, wenn irgend möglich, die Hanpt- nahrnng der Fiebernden bilden. Schon ein einziges Liter Milch enthält 33 Gramm Eilveiß, 35 Gramm Fett und 45 Gramm Zucker. Aber die Verabreichung der Milch nmß in bestimmt geregelter Weise geschehen. Zunächst sei bemerkt, daß die Milch gut gekocht und in einem bedeckten Gesäß auf Eis gehalten werden muß. Sodann ist, da die Kranken erst an den größeren Milchgenuß gewöhnt werden müssen, nur mit einer kleinen Menge zu beginnen, die ganz all- mählich gesteigert wird. In den ersten Tagen genügt ein halbes Liter Milch für den Tag. Ntan reicht davon dem Fiebernden in ctiva zweistündigen Pausen ein Weinglas voll. Dieses Weinglas Milch ist dann aber nicht in einem Zug hinabzuschluckcn, sondern nur ganz langsam, in Absätzen zu trinken. Am zweiten oder dritten Tag erhöht man die Milchmenge der Einzclportion auf ein halbes Trinkglas und kann vom vierten oder fünften Tage zu Einzelportionen von einem ganzen Trinkglas übergehen. Immer aber hat der Kranke die Milch nur schluckweise zu sich zu nehmen. Zur Leerung cines ganzen Trinkglases hat er deshalb— Vi Stunde zu gebrauchen. Wie die Einzelportionen vergrößert, so werden Schritt für Schritt die Zwischenpausen verkürzt. Hat man in den ersten Tagen zweistniidliche Pausen ein- gehalten, so reicht nlan die Milch später anderthalbstündlich und endlich stündlich dar. So ivicd mau dahin kommen, daß der Fiebernde am vierten oder fünften Tage zwei Liter Milch zu sich nimmt. In manchen Fällen ist aber den Kranken der Geschmack der Milch widerlich. Man muß sich unter diese» Umständen dadurch zu helfen suchen, daß man der Milch Zusätze beifügt. Hierzu kann man Kaffee oder Thee, je nach der Vorliebe des Kranken, verivenden, die etwa ein Viertel der Gesaintflüssigkeit ausmachen können, oder man kann auch in einem halben Liter Milch einen Thcclöffcl Kakao mitkochen. Ferner läßt sich die Milch nüt Baldrianthee oder Pfeffcrmllnzthce zu gleichen Teilen versetzen. Desgleichen verbcffert Cognac den Geschmack der Milch bedeutend. Man kann hiervon, je nachdem es dem Kranken zusagt, zehn Tropfen bis zu einem Thee- löffel zu einer Taffe Milch nehmen. Dort, wo nicht mindestens zivei Liter Milch vertragen werden. empfiehlt es sich, die Milch durch de» Zusatz von Milchzucker noch nahrhafter zu mache». Der Milchzucker wird in einer kleinen Menge Wasser aufgekocht und die Lösung dann der Milch zugefügt. An- fänglich ist ein Znsatz von 50 Gramm Milchzucker zu i Liter Milch zil verivenden. Stellen sich mehrere Tage hindurch keine störenden Erscheinungen ein, so kann man den Milchzuckerzusatz auf 75 und endlich auf 100 Gramm für das Liter Milch steigern. Es wurde bereits erwähnt, daß i» den ersten Tagen dem Kranken nicht mehr als ein halbes Liter Milch zu verabreiche» ist. Diese Menge vermag aber den Nahrungsbedarf nicht zu decken. Sie muß daher in dieser Zeit ergänzt werden durch eine Suppe. Sehr gute Dienste leistet eine Hafennchl- Suppe, von der ebenfalls ein halbes Liter für den Tag zu geben ist. Als erfrischendes Getränk ist anr meisten geeignet Citronenlimonade. die in der gleichen Menge über den Tag verteilt zu verabreichen ist. In den Fällen, in welchen überhaupt keine Milch von den Kranken angenommen ivird, sind als Ersatz in erster Linie Suppen heranzuziehen. Auf die Hafermehlsuppe wurde schon hingewiesen. Man bereitet sie so, daß man in einem halben Liter Wasser 1—2 Theclöffel Hafer- mehl aufkocht. Ein schlvachcr Zusatz von Salz und Flcifchextrakt macht die Suppe schmackhafter. Anfänglich soll der Fiebernde die Suppe ohne eine nährkräftigere guthat' zn sich nehmen. Später kann man ihr Eigelb oder eines der bekannten Nährpräparate zufügen. Zu einer Portion Suppe genügt es, eine» Theclöffel von Nulrose oder Somatose oder Eucasin oder Flcischpeptou cinzurührc». Für die Hafermehlsuppe können auch Suppen aus Rcismehl, Erbsemuehl oder Bohnenmehl benutzt werden. Es ist außerdem cmpsehlcns- wert, um die Eintönigkeit in der Ernährung zu vermeiden, mit den genannten Suppen abzuwechseln. Was von der Milch gilt, gilt übrigens auch von den Suppen und ihrer Verabreichung. Denn auch sie sollen von dein Kranke» nur ganz langsam und absatzweise verzehrt werden. Mögen nun aber auch diese Suppen durch Zusätze nahrkräftigcr gestaltet' werden, so werden sie doch inimer nur höchstens den halben Nährwert der gleichen Menge Milch erreiche». Aus diesem Gründe muß der Fehlbetrag, der sich bei den Mchlsuppen als HaupwahrungSmittel ergiebl,' noch durch anderweitige NahrungS- zufnhr gedeckt werden. Als solche Ergänzuiigsmittel der Mehlsuppen sind die Obstsuppcn zu nennen,.die ztvar nur wenig nahrhaft sind. dafür aber von besonders erfrischender Wirkung. Mail kann sie ans Aepfcln, Pflaumen, Kirschen oder einem Beerenobst herstelle». Man kocht 1 Liter der betreffenden Obstsorte in 1V� Liter Wasser ans, schlägt de» Brei durch, versüßt und würzt ihn, kocht ihn mit Stärke- mehl auf und fügt etwas Citrouensaft hinzu. Ist man gezwungen, getrocknetes Obst zu verwenden, so muß dieses erst ungefähr 12 Stimden in Wasser aufgequollen werden. Von den Eiern wurde bereits bemerkt, daß sie zur Erhöhung der Nährkraft der Mehlsiippen gebraucht werden können. Ebenso kann man das Eigelb in eine Tasse Bouillon einrühren. Die Bouillon an sich besitzt nur einen gmiz geringen Nährwert. Dagegen übt sie ans die Herzthätigkeit n»d das Nervensystem eine anregende Wirkung aus. An Stelle des Eigelbs kann man der Abwechselung halber auch einen Theelöffel der oben genannten Nährpräparate in der Bouillon aufkochen. Die Verwendung des Eiweijzes in der Bouillon ist nur aus dem Grunde nicht rätlich, weil dann die Fleischbrühe vielen Kranken widersteht. Ferner kann man das Eigelb in Wein oder Cognac einquirlen, in welcher Form es den Kranken gewöhnlich angenehm ist. Auch allein kann man das Ei dem Fiebernden vcrab- reichen. Es muh dann halbweich gekocht sein. Man giebt es dem Kranken am besten löffelweise, soll ihm aber nicht mehr aufdränge», als er von selbst zu nehmen geneigt ist. Dort, Ivo die Milchdiät nicht durchführbar und auch die Suppen- ernährung mit Schwierigkeiten verknüpft ist, ist auch das Fleisch als Ergänznngsmittel zu verwenden. Am meisten eignet sich das weihe Fleisch junger Tiere, aber auch das Rindfleisch ist brauchbar. Das Fleisch ist auf das feinste zu schaben und in einzelnen kleinen Portionen dem Kranken darzubieten. Mehr wie hundert Gramni soll jedoch die Gesamtmenge für de» ganzen Tag nicht betragen. Von Gebäcken ist für den Fiebernden am einpfchlenswertestcn gerösteter Zwieback, der in einer Flüssigkeit aufgeweicht wird. Brot und Kuchen sind, da sie ein kräftiges Durchkauen erfordern, nicht an- gebracht. Ein vortreffliches Kräftigungsmittel für die Kranken ist weiter- hin Zucker, der wegen seiner Koncentrierthcit der in ihm enthaltenen Nährstoffe den Nährpräparate» an die Seite zu stellen ist. Drei Stück Würfelzucker oder eineinhalb Theelöffel Pnlverzncker haben fast den gleichen Nährwert wie ei» Ei. Zudem wird der Zucker wegen seiner leichten Löslichkeit auch von dem in seiner Verdauungs- thätigkeit gestörten Magen sehr schnell aufgesaugt und im Körper so gut ivie völlig verwertet. Daher ist es empfehlenswert, alle Speisen und Getränke, bei denen es angängig ist, ivie die Milch, die Mehl- und Obsffnppcn, Kaffee, Thee, den Wein, Kognak und die Limonaden reichlich mit Zucker zu versühe», da sich ans diese Weise ihre Nähr- kraft leicht und wesentlich steigern läht. Daaegcn kann der Zucker nicht durch einen künstlichen Sühstoff, wie Säccharin, ersetzt werden, da dieses durchaus keine» Nährwert besitzt. Gemüse sind im allgemeinen für die Fiebernden zu vermeide», weil sie nur ganz wenig Nährstoffe aufweisen und nicht besonders verdaulich sind.' Wenn es sich aber bei der Milchvcrweigcrnng und der sonstigen mangelhaften Ernährung darum handelt, den Kranke» auf jede nur mögliche Weise mit Nahrungsmitteln zu versorgen, so kann mit kleinen Portionen von Kartoffelbrei ein Versuch gemacht werden. Von den Getränken wurde bereits die Citronenlimonade er- wähnt. Derselben schlieht sich in ihrer erfrischenden Eigenschaft die Himbeerlimonade an. Als Frühgetränke sind zu verwenden Kaffee, Thee und Kakao mit Milch und Zucker. Doch sollen die Aufgüsse vom Kaffee und Tbce für gewöhnlich nur schwach sein. Unter den alkoholischen Getränken leisten namentlich die Südweine, wie Sherry, Madeira und Portwein, sowie Ungarwein, Bordeaux, gehaltreiche Rheinweine und Cognac den Fiebernden gute Dienste, da der Alkohol sowohl durch seine Verbrennung der Gewcbszersetzung entgegenarbeitet, als auch das Herz und die Nerven an- regt. Durch den Zusatz von Zucker gewinnen, wie schon dargelegt, die alkoholischen Getränke auch einen beackitens- werten Gehalt an Nährstoffen. Ueber eine halbe Flasche Wein für den Tag ist zumeist nicht hinauszugehen. Vom Cognac soll dem Kranken nicht niehr als ein Weinglas voll im Tageslauf in kleinen Portionen dargeboten werde». Endlich kann den Fiebernden, wenn sie danach verlangen, auch Bier dargereicht werden, wobei die Art des Bieres keinen groszen Unterschied aus- macht. Eine zweckmäßige Diät versorgt nicht nur den Körper der Fiebernden mit den nnentbehrlichen Nahrungsstoffen und verhütet den gefährlichen Kräftevcrfall, sondern sie befähigt zugleich auch die Körpergcwebe, der Angriffe der Krankheitsgifte leichter Herr zu werden und sie schneller zu überwinden. Alle Sorgfalt daher, die auf die Diät verwandt wird, wird die Schwere der Erkrankung be- trächtlich abschwächen und den Kranken um so rascher der Genesung entgegenführen.— Theo S e e l in a n n. Kleines Feuilleken. — Das Nackte und die Scham bei den Ninos und Japanern. Die.Umschau" citiert folgende Episode aus einem Artikel von E. Baclz in der„Zeitschr. f. Elhnol.", der sich mit den Menschenraffen OstasienS beschäftigt: Wie weit die Scheu der Aino- Frauen vor der Entblößung geht, habe ich einst in sehr charakteristischer Weise erfahren. Ich kam in eine Missionsschule, in der Aino- Kinder unterrichtet wurden; dort sah ich ein Mädchen, das auf einem Bei» hinkte und einen schmerzhaften Buckel hatte, also offenbar an Wirbelentzündung litt. Ich wurde gefragt, ob man da etwas thun könne; natürlich sagte ich, erst müsse ich das Mädchen untersuchen. Darauf erklärte dasselbe, das bereits 7 Jahre in der Missionsschule war, lieber würde es sterben, che eS seinen Rücken einem Manne, auch wenn er Arzt sei, zeige» würde. Diese übertriebene Angst vor Entblößung ist um so auffallender, als sie zur javanischen Auffassung in schroffem Gegensatz steht, denn in Japan gilt die Nacktheit an und für sick, durchaus nicht als unanständig. Aber allerdings wenn die Japanerin Kleider trägt, so thut sie es, um de» Körper zu verhüllen, und das eigentümlichste japanische Kleidungsstück, der bekannte Gürtel(Obi) hat den Zweck, die weiblichen Formen unsicht- bar zu machen, indem er die Taille ausgleicht, und der große Lappen, der hinten herunterhängt, hat ebenfalls einen verhüllenden Zweck. In Ost-Asien findet man überall, nicht bloß bei den Japanern, sondern auch bei den Chinesen, eine Kleidung, welche die Körper« forin verhüllt und verdeckt; ein„Zurschautragen der ivcib- lichen Geschlcchtsabzeichcn".»m einen schopenhauerischcn Ausdruck zu gebrauche», widerstrebt allen dortigen Anschauungen. In der That hat mir einmal ein vornehmer Chinese, der lange Zeit in Europa war, gesagt:.Ich habe allmählich Eure Auffassungen verstehen gelernt; aber in die Köpfe meiner Landsleute zu Hause wird es niemals hineingehen, daß ein Wesen, welches die Kleider benutzt, nicht um die weiblichen Forme» zu verhüllen, sondern um sie zu zeigen und sozusagen dem Blick eines jeden Mannes auf der Straße preiszugeben, auch nur eine Spur von Schamhaftigkeit haben könne." Dies ist auch einer der Gründe für die besondere Abneigung gegen die weibliche» Missionare.— Archäologisches. K. Die Ergebnisse der Ausgrabungen von K n o s s o s. lieber die Ausgrabungen von Knossos, die der englische Archäologe Evans im Lanfe des letzten Winters auf Kreta vor- genommen hatte, sind bereits eine Reihe von einzelnen Mitteilungen vekannt geworden. Jetzt veröffentlicht Evans selbst im„Journal of hellenic stndies" einen umfassenden Bericht über seine Arbeiten, der durch Abbildungen erläutert wird, die de» künstlerischen Wert der Funde erkennen lassen. Auf Grund dieser Veröffentlichungen hat der französische Archäologe Salomo» Reinach in der„Chronique des arls" eine Studie erscheinen lassen, in der er die wichtigen Er- gebnisse dieser Ausgrabungen zusammenfaßt. Die neuen Entdeckungen habenganzunerwartete Enthüllungen gebracht, dieallc Vorstellungen, die man sich bisher über die Entwicklnng der hellenische» Civilisation gemacht hatte, über den Haufen werfe». Die ans Tageslicht geförderten Dokumente erweisen, daß vierzchnhundert Jahre vor unsrer Zeit« rechniing bei den Griechen eine Kunst blühte, die der des siebenten und sechsten Jahrhunderts weit überlegen war, die mit der ägypti- scheu Kunst verwandt, jedoch weit individueller, ausdrucksfähiger und kraftvoller als diese war. Am bemerkenswertesten sind Reinachs Ausführungen über die zahlreichen Fragmente von Malereien, die von äußerster Wichtigkeit sind. Man kannte bereits durch die Ans- grabungen von Mhkene und Tirynth einige mykenische Malereien; aber alles, was man bis jetzt besaß, ist nichts im Vergleich mit dem, was die Ausgrabungen von Knossos gebracht haben; cS sind Gemälde mit Figuren von Lebensgröße, Landschaften und Genremotiven, von denen man glauben könnte, daß sie gestern entstanden wären. Unter den Figurcnbildern ist eins der vollkommensten und besterhaltencn ein Porträt eines jungen Mannes, im Profil gesehen, mit regelmäßigen Gesichtszügen, schwarzen Augen und schwarzen gelockten Haaren. Sein Körper, der über de» Hüften sehr dünn ist. ist mit einem Rock bis zu den Knien bedeckt, der von einem mit Rosetten und Spiralen geschmückten Mctallgürtel an der Taille sehr eng gegürtet ist. Die Wiedergabe des Auges im Profil, sagt Evans, die Modellierung des Gesichts und der Glieder zeigen eine künstlerische Vollendung, die das historische Griechenland erst acht oder neun Jahrhunderte später, im fünften Jahrhundert wiedererlangt hat. Die Figur wird über- dies noch durch eine Anzahl seltener Juwelen gekennzeichnet; sie trägt ein silbernes Halsband, Ohrringe und Ohrgehänge aus Metall, lieber- raschend ist auch die Genremalerei. Es ist ein langer Fries von kleinen Figuren, deren Konturen, sowohl die äußeren wie die inneren, schwarze Linien sind, die init einer außerordentlichen Feinheit ge- zogen sind; das Malverfahren ist sehr summarisch und erinnert an den ponipejanischen„Impressionismus". Die Farbcngebung der Fleischtöne ist wie in den andren Fresken von Knossos konventionell: die Frauen sind weiß, die Männer braunrot. Das behandelte Motiv ist noch bemerkenswerter als die Ansführnng. Man sieht Hofdame», die mit glänzenden Toiletten bekleidet sind, während ihre frisierten Haare in langen Locken auf die Schultern und den Rücken herab- fallen. Sie tragen ungeheuere Kculenärnicl, die durch ein schmales Band verbunden sind; davon abgesehen, sind sie bis zum Ansatz der Röcke nackt, sofern man nicht annehmen will, daß sie Busenschleier von einem durchscheinenden und ganz feinen Stoffe gc- tragen haben. Ihre Taillen sind außerordentlich dünn, und ihre Röcke mit Volants, die mit gestickten Streifen geschmückt sind, sind nach hinten zurückgeworfen, wie ungeheure„Tournürcn". Diese Damen sitzen in lebhafter Unterhaltung, die sich durch auSdrncks- volles Gestikulieren verrät, auf Balkonen. In einem andren Bilde sehen drei Frauen durch ein Fenster, wieder in einem andren er- heben zivci Reihen Frauen den linken Arm, wie um ihren Herren zu grüßen. Augenscheinlich sind diese„Hofdamen" Insassen des könig« lichen Harems, dieses HaremS des Minotauros, dein Athen jedes Jahr sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen liefern mußte.— Aus den» Tierlcben. — Der Pirol. H. K r o h n schreibt in der Wochenschrift „RerthuS"(Altona-Ottenscu. Chr. Adolfs): Viel, zuweilen drei Wochen, spaicr nls brv ihttfitd und fcHencv vor Ablauf der ersten Hälfte dcS Monats D!.,i trifft bei uns ein Vogel ci», der dann sofort seinen Nnf durch den Wald erschallen lästt, kann, so Ivcit vcr- nehmbar, ivie der des Genannten, aber doch so votltvinnid und eigenartig, das; er stets die Anfinerksanikeit eines jeden ans sich'lcnkcn'innst und fast so freudig bcgriistt ivird ivie die erste Kundgebung des Knckurks. Es ist der Pirol, der dann eingezogen ist. Gern' lauscht der Besucher des Waldes den drei- bis viersilbigen Strophen, denen»nan die niannigfattigsten Deutungen gegeben hat. von ivelchen hier mir eine,»äintich.„Bogel Büloiv" genannt sein mag. noch lieber aber sähe er de» Sänger selbst einmal, ei» Wunsch, dem freilich häufig genug die Erfüllung versagt ist. Der Pirol(Oriolns galbnla), nach der Zeit seiner Ankunft auch Pfingstvoqcl,»ach seinem jtleide häufig Golddrossel genannt, ist ein echter Baümvogel. Rur selten läfit er sich in niedriges Gebüsch, viel weniger»och ans die Erde herab. Sein Reich liegt in den Baumkronen, in deren dichten Belanbung er nicht allein Nahrung, sondern gewissermaszc» auch Schuh zu finde» und den Nachteil ans- znglcichcn sucht, den die Natur durch Verleihung eines wirllich herrlich ausgestatteten Kleides über ihn verhängt hat. Sein prächtiges, orangengelbes Gefieder, von welche», sich die schwarzen Flügel und der ebenso gefärbte Schwanz scharf und doch harmonisch abhebe», würde ihm im„Freien", d. h. etwa ans offenem Felde, leicht znii, Verräter werde» und wohl gar zu häufig das Auge der vielen Feinde, welche in», einmal einem staar- bis drosselgrofie»»nd an sich recht wehrlosen Vogel naturgcniäfi in ver- dcrbenbringender Weise gegenüberstehen, auf sich lenken. Es darf also sei» Aufsehe» erregendes Kleid gclvifi mit Recht als die Haupt- »rsache seiner der Verborgenheit geweihten Lebensweise angesehen werden. Im Geäst selbst, zwischen Zweigen und Blättern, spielt der Pirol dagegen keineswegs de» Einsiedler. Hier ist er i» nnablässiger Bewegung, nnstät und flüchtig, als würde er fortwährend getrieben, aber auch zänkisch und kämpf- lustig, als müsse er immer angreifen. Kann, hat er den einen Bann, anfgesncht, so vernimmt man seine» Ruf schon wieder ans einen, andern. Was ihm in den Weg kommt, ob seinesgleichen oder andre kleine Vögel, wird ohne weiteres angegriffen und in die Flucht ge« drängt, uiid die, wen» auch nur ziemlich iniltelniäfiige Nachahmung seines Rufes erregt ihn in so hohem Masze und macht ihn seine Scheu vor de», Menschen so vergessen, dag er, eine» Rivalen im Revier tvähncnd, oft ans der Ferne herbeizulocken ist und zu längerer Begleitung vcranlaszt werden kann. ' Dafi ein so lebhafter Vogel vieler Nahrung bedarf, leuchtet ein. Käfer und Schmetterlinge, auch andre Insekten sowie deren Larven und Raupen liefern hierfür die Hanptmenge während der ersten Zeit seines Hierseins. Später wendet er sich mit Vorliebe den Beere» zn i besonders den Kirschen stellt er leidenschaftlich»ach. Unter diese» vermag er stark nnfzuränme». dennoch aber nicht in so schäd- licher Weise, wie zeitweilig der de». Kern nachgehende Kernbeißer, da er sich mit dem Fleische der Frucht begnügt und an diese», sich viel schneller sättigt, als der andre an de», weit kleinere» Kerne. Behende und schmuck in seiner Erscheinung, vollzieht der Vogel auch seinen Nestbau mit besonderer Kunstfertig- keit und Zierlichkeit. Ei» Pirolnest zählt zu den schönsten Gebilden, welche Vögel als Wohnung herzustellen vermögen. Oft ist es dreißig Fuß und mehr von, Boden entfernt auf eine», Banme angebracht, zuweilen aber mich so niedrig stehend, daß es mit ausgestrecktem Arn, zu erreichen ist. Vielfach wählt der Vogel überhängendes Geäst, fast immer aber eine Gabel für die An- bringung der Wiege seiner Jungen. Biegsame Halme und andre »och nicht ganz ausgedörrte Pflanzenteile verschlingt und verwebt er so kunstvoll in einander und m» die Zwieselung, daß ein tiefer, fast beutclförmiger Napf entsteht, der mit iveichen Stoffe»: Wolle, Haaren, Federn»sw. dicht ausgekleidet wird. Die Eier, fast immer 4 oder 5 an der Zahl, sind weiß mit gröberen, tief dnnkelbramien Punkten. Als empfindliches Wesen beschränkt der Pirol, der einzige hiesige Vertreter einer reichen Anzahl tropischer Artverlvandten, bei uns, «vie überhaupt in Europa, seinen Aufenthalt auf sehr kurze Zeit, mehr fast als irgend ei» andrer Zugvogel. Sihon im Anglist verläßt er»nsre Gegenden, um»ach dem Süden zu ziehe». Es laßt sich nicht sicher feststellen, ob es die Witterung oder Nahrungsmangel ist. tvas seine Abreise beschleunigt. Wahrscheinlich ist die erstcrc ausschlaggebend und sind zumal kühlere Nächte ihm zuividcr, auf welches auch schon seine Verbreitung himveist. Die lehtere umfaßt die Laub- und gemischte» Wälder des gemäßigte» Europas, ivcnigstcnS des Flachlandes. I» diesem fehlt er selten, kommt aber, da er ein größeres Brntgebict beansprucht, in be- sonderer Häufigkeit nirgends vor. In Schleswig-Holstei» ist er, d. h. mindestens die bewaldete Ostküste hinauf, überall anzutreffen, doch überschreitet er die Nordgrenze nicht und tvird daher in Dänemark tiur ganz ausiiahmsweise bemerkt.— Hnuioriftisflics. — I n, Eifer. A.:„Na, funktioniert die neue Schreib- Maschine gut?" B.(wütend):„Kaput ist sie: gestern hatte ich eine» Mahnbrief ?n schreiben, und da habe ich mich so aufgeregt, daß ich die ganzen Tasten entzwei geschlagen habe!"—_" Berautwortlichrr Rcdactcur: Carl Leid in Berlin. — R e t t e A n s s i ch t. B rän ti ga im:„Was bevnihrt Deine Mutter eigentlich so geheimnisvoll in jenem Schranke auf?" Braut:„Das sind die Phouographenwalzen ihrer Gardinenpredigten, die bekomme ich mit in die Ehe."— («Meggcnd. hin,,. Bl.") Notizen. — Die bekannte Ibsen-Schauspielerin des Kopen- Hagener Nationaltheaters Frau Hennings wird mit einer dänischen Gesellschaft Ende Oktober in, Berliner R c s i d e u z- T h e a t e r eine Reihe von Jbsen-Vorstellungeil geben und besonders„Nora" und„Die Wildente" spielen.— — Im„Bunte» Brettl" an, Alcxanderplatz werden während des Winters monatlich ein bis zweimal unter der Leitung von Otto Ploecker-Eckardt Sondervorstellungen veranstaltet werden, in denen ein- und mehraktige Werke von litte ra ri- schein Werte, die zunächst einem kleinen Kreise von Beurteilern vorgeführt lverden sollen oder die Censur noch nicht passiert haben, zur Aufführung gelangen. Die erste dieser Sondervorstellungen wird Mitte dieses Monats stattfinden und unter audcr», zwei litterarische Parodien, nämlich„ B i b a»> u s" von Otto Erich Hartleben und„Der Veterinärarzt" von Hanns v. G u m P p e u- b e r g zur Darstellung bringen.— — T h e a t e r a g e n t e n. Die Schauspielerin JreueTriesch war von einem Frankfurter Thcatcragenten ans Zahlung von 5000 M. Schadenersatz verklagt ivorden. Fräulein Driesch hatte ent- gegen ihren, Abkommen, wonach der Kläger allein ihr ein Engagement verschaffen sollte, ihr derzeitiges Berliner Engagement durch einen andren Agenten vermitteln lassen. Nachdem ein Ver- gleich zu stände gekommen, sprach das Landgcrickit zu Frank- furt a. M. dem Kläger 3000 M. zu. wogegen derselbe sich verpflichtete, den in seinem Besitz befindlichen Briefwechsel an die Künstlerin auszuliefern.— — Der B n d a? e st e r Stadtrat hat das Ansuchen W o l z o g e n S und B i e r b a n n» s um Ilebcrlassung der Redoute für zehn Vorstelliingen abgewiesen mit der Begründung, daß er nicht geneigt ist, die tlcberbrettl- Stichtung der Kunst zu fördern.— — Die Errichtung eines p o l n i s ch c n A r b c i t e r t h e a t c r s mit monatlich einer bis sechs Aufführnngcii polnischer Theaterstücke wird von polnischer Seite in Königs Hütte beabsichtigt! daS Theater ist als Gegengewicht gegen das staatlich subventionierte Obcrschlesische Volks-Theater gedacht.— — Max Ob erlcith nerS Oper„G Hitana", Text von Johann Wildenradt, erzielte bei der Erstaufführung im Kölner Stadttheater eine» starken Erfolg.— — Im K ii n st g c w e r b c- M u s c» m werden auch in diesem Winter öffentlich und unentgeltlich Vorträge ge- halten lverden. Es lese»: an de» Dienstagen(vom 8. Oktober an) Dr. Luer über:„Die Kunst in der Tischlerei"; an den Donners- tagen(vom 10. Oktober an) Prof. Dr. A. G. M e y e r über:„Die nenklassische» Stilarten bis zum Tode Schinkels; an den Freitagen (vom 11. Oktober an) Dr. Schub ring über:„Das Grab in alter und neuer Zeit." Alle Vorträge beginnen abends um 8>/e Uhr.— — Von Max K l i n g e r sind gegeulvärtig zwei»ciic Bildwerke in einen, Dresdener St u n st s al o» ausgestellt. Das eine ist ein überlebensgroßer„sterbender Athlet", daö zweite ein jugeudlich-herber iv c i b l i ch e r K o p f.— t. Eine Expedition nach den H a iv a i- I n s e l» wurde vor einigen Monaten von der Regierung der Vereinigten Staaten zum Zweck der Erforschung des FischrcichtnmS der Inseln nusgesandt. Nnch den jetzt eingetroffenen Berichten haben die Forscher über 3000 Fischarten gesammelt, von denen viele noch ganz unbekannt gelvescn sind.— — Der H o u i g e r t r a g der Schweiz wird in güustigei, Jahren ans 37 500 Doppclcentner berechnet, ein Qnantnin, das 375 Bahnwngen füllen würde. Der Wert dieser süßen Fracht be- tragt, zun, Engros-Preise berechnet, über sechs Millionen Franken.— " t. Eine genaue Messung der M c e r e s>v e l l c n hat der englische Hydrograph Professor Shield erreicht, und zwar auf Grund eines neuen Verfahrens, das die Bestimmung aller Eigen- schaftc» einer Welle(Höhe, Breite, Länge und Geschlvindigkcit) gestattet. Es sind mit dieser technisch sehr vollkon, inen erdachten Neuerung Versuche tvährcnd der letzten große» Acquiuollial- flut in dem schottische» Hafen Peterhead gemacht ivorden. Die Mecrcstvogcn erreichten eine mittlere Höhe von 14 Metern und folgten in Zeitabständeu von 13— 17 Sekunden aufeinander. Die mittlere Breite an der Basis wurde auf 5,40 Meter bestimmt, die Geschlviudigkeit auf 10 Kilometer pro Stunde. Die größte Länge der Wogen betrug 210 Meter. Nach dem gleichen Verfahren hat Professor Shield berechnet, daß bei starkem Seegang die Wellen des Altantischcn OreanS bis zu 20 Meter Höhe und 800 Meter Länge erreichen können, während ihre Geschlviudigkeit oftmals 13 Meter in der Sekunde(05 Kilometer stündlich) überschreitet.— — Dieser Tage ivird in Rheinau(Baden) der h ö ch st e S ch o r n st e i n Deutschlands vollendet. Die chemische Fabrik „Rheuania" hat ihn erbauen lassen, um die der Laudlvirtschaft schäd- lichen Gase abzuleiten. Die Höhe beträgt 122 Meter.— Druck und Verlag von Rtax Babing in Berlm.