194. Freitag, den 4. Oktober. 1901 Machdruck verboten.) 18] Dvsuf los! Roman von Jonas L i c. „Die alte Mutter Wahl wird nicht ihren Nnf verderben, indem sie andre als gcntile Leute ins Haus nimmt... ich habe ihn noch nicht einmal auch nur so viel Schitaps trinken sehen", sagte sH'an Wahl,„bloß Kaffee, Herr Lieutenant!— und daran kann niemand bei einem jungen Menschen etwas Böses finden..." „Und Wort für Wort sagte er so:„Macht er so weiter, wie er begonnen hat", sagt er,„so gähnt er sich zum Examen durch, der Kerl!... Aber mit dem Baren scheints zu hapern", sagte er, und lachte und ging hierauf fort!" Walla war durch die Aufmerksamkeit, die ihr Mieter er- regt hatte, sehr froh gestimmt; die Zunge ging in einem fort, während sie Feuer anzündete und aus dem Korb niit Heu, in ivelcheni sie tagsüber ihre Füße stecken hatte, allerlei vcr- wickelte Lappen zog, die sie an die Ofenniaucr zum Trocknen hängte. „Die alte Mutter Wahl hat auch bessere Tage gesehen, mein lieber Juhl!— damals, wie ich droben ans Njaekstad beim Vater des Konsuls als Stubenmädchen diente... und beide Fräulein so fein wie Puppen in Seide und Flor zum Tanz ankleidete!... und wenn sie am Morgen ans der Stadt vom Ball heimkamen... mit schaumbedeckten Pferden... und sie hinaufgingen... und Fräulein Nella sich niemals niederlegen wollte... sondern oben im großen Saale saß und ins Morgengrauen schaute und nur weinte und weinte..., Anna Wahl wußte wohl, ivcShalb sie weinte— o ja, o ja!..." „Da war dieser saubere Lieutenant Engelskjön, mit dem sie sich heimlich verlobt hatte.... Die andre, die drinnen lag und schlief, die brauchte nicht zu iveinen!... die ivußte sich so fein und schlau zu drehen und zu wenden, als es dazu kam... und dann reiste Fräulein Nella nach Kopen- Hagen und der Lieutenant hielt mit der Schwester auf Rjack- stad Hochzeit.... Ach ja, Fräulein Nella erinnert sich wohl noch daran, wie Anne Wahl sie in den Schlitten packte und ihr HoffniannS-TroPfen eingab!... Sie weinte, daß sie nicht aus noch ein wußte.... Und die Anne weinte natürlich mit... sie mußte aber dabei die Tropfen zählen, wie sich's für eine rechtschaffene Dienerin gehört... dreißig Tropfen... Fräulein Nella nahm sie niit geschlossenen Augen... Leb' tvohl, Anne!" sagte sie,„erzähle niemand, ivas Du weißt...!" „Aber auf Rjackstad hatten sie nicht einen frohen Tag mehr; denn er war nicht so süß, der Lieutenant, wie er aus- sah!... Ja, ja, ein alter Dienstbote könnte viel aus seinem Leben mitteilen... und gute Zeiten habe ich dort gehabt, etwas andres kann ich nicht sagen!... die hatte ich wirklich!... Aber man will doch seine Umstände ändern und die Füße unter den eigenen Tisch setzen. Die Frauen sind einmal nicht anders... und da füllt man in die Grube!... Er, der Wahl, hatte einen Branntweinladcn... und damals trank er noch nicht viel und hatte sein gutes Aus- kommen... Aber mit der Zeit wurde das alles ärger... und als er starb, ivaren Kisten und Kasten leer und Anne mußte zum Kuchenkorb greifen... „Und unten bei der Ecke der Haupfftraße sitze ich im Monat März nun schon die dreizehn Jahre... Aber dafür habe ich gottlob ein gutes Bett... Ach nein, nein, nun * müssen Sie warten und mit der alten Madame Wahl eine Schale Kaffee trinken!" Je länger Walla sprach, desto mehr ging ihr das Herz auf. Ihr rundes, blaßgraues Antlitz mit den grauen Haar- zotteln, dem dicken kleinen Knopf von einer Nase, dem größeren runden Knopf von einem Kinn und den noch größeren Rundungen der Wangen leuchtete, während sie in Bekräftigung dessen, was sie erzählte, wie ein Walroß nickte. „Auch hörte ich, wie vernünftig Sie sich mit dem Kanonier verglichen, mein lieber Juhl! „Die alte Haubitze und ich, beide sind wir Kinder dieser Stadt... Ja, wie die Zeit vergeht... Ach. du mein, jetzt humpelt er so mürrisch und bissig auf einem Bein herum... aber er besaß doch einmal deren zwei, und dazu noch recht gesunde; denn so stürmte keiner durch den Tanz- saal ivie er... Ach, du mein! wie er zum erstenmal aus Kopenhagen kam... er war damals Jungmann... Da brauchte sich Anne Ludwigscn nicht zweimal umzu- scharien, um ihn hinter sich zu haben... Hoch trug er den Kopf... und die Tochter hält ihren Nacken gerade so steif... Wir waren ja auch ehrbar, in meiner Jugend, ... aber so stramm wie diese Sara Rördam... „Djf Mannsleute mögen diesen Eigenwillen nicht— außer vor der Hochzeit. Sie»vollen doch keinen Dornbusch in ihr Haus ziehen... denn, wenn auch in der Jugend noch so viele Rosen dran blühen, so wird es doch schließlich, mit Respekt zu melden, nichts andres als dürres Zleisig und Dornbusch..." Die alte Walla saß mit einem Tuch um den Kopf in Strümpfen da und wärmte sich die Füße am summenden Ofen. Sie hatte sich die Äreidepfcife angezündet und dampfte nun und genoß das Dasein nach dem schwer und mühsam hingeschleppten Wintertag. Die Glut, welche hier in der Feuerstatt leuchtete- und funkelte, war für Walla der Licht- Punkt ihres Lebens. Als Rejer nachher für die Beivirtung mit Kaffee dankte und wieder in sein Gemach ging, pfiff er leise vor sich hin, ehe er sich wieder an das Buch setzte. Merkwürdig, ivie zuvorkommend die Walla heute ge- Wesen! Wahrscheinlich die Wirkung der Anrede des Lieutenants Albrechtsen... Also stolz war sie, diese Sara Rördam! Das hatte er übrigens selbst bemerkt... Nun, seinetwegen mochte sie die Nase nach Herzenslust in die Höhe strecken... was ging das ihn an?— er hatte nur sein Holz zu spalten und zu speilen... Und ivie Rejer in den Jultagen schlief!— am liebsten hätte er alle vierundzwanzig Stunden verträumt, besonders seitdem Walla in überquellender Freundlichkeit den Einfall gehabt hatte, ihm ihren alten braunen Mantel als Zugabe auf die dünne Decke zu legen, unter ivelcher er in dem kalten Zimmer bebte und fror. Am rotgcmalten Klapptisch des Kanoniers herrschte zu Mittag nicht geringe Unruhe. Drei wilde, stets hungrige Knaben und ein kleines Mädchen, Kinder aus RördamS zweiter Ehe, gaben ihrer ertvachsencn Halbschwester genug- sam zu thun und der Kanonier ivar grade auch uicht an- spruchslos. Am zweiten Weihnachtstag hatte man Kohlsuppe und frisches Fleisch und der Kanonier nötigte Rejer selbst, seinen Teller stets neu zu versehen.„Er wolle von Ziererei nichts wissen," sagte er,„nicht halbe Portionen für ganze Arbeit liefern; er wisse schon, was ein junger Mensch vertragen könne... Als ich in Deinem Alter stand, lieber Freund,— ich war schon drei Jahre von Kopenhagen aus auf der See gefahren, ehe ich fester Gast an Bord der Brigg„Lolland" wurde,— da wünschte ich immer, die ganze Schüssel in den Magen schieben zu können, wie man sie in einen Backofen schiebt... Es war damals Kriegszeit. Am ärgsten hatten wir es in der englischen Gefangenschaft, als wir trockenen Milndcs dasaßen und riechen mußten, ivie sie Beefsteak mit Lauch brieten..." Am Nachmittag kamen SaraS Freundinnen zu Besuch und wurden mit Met und Kuchen bewirtet. Es waren artige, hübsche Jungfrauen, wie es Rejer schien; aber sie zogen sich immer in die eine Ecke zurück und flüsterten und wisperten, so daß er, der neben der alten Haubitze festgemaucrt saß, gar nicht recht zum Sehen kam. Doch verwandte er kein Auge von ihnen. So oft ein neuer Gast eintrat, bot und nötigte man wieder ringsum,— der Kanonier war gar nicht knauserig, — und so mußten sie jedesmal zum Kredenzbrett hin. „Hm... hm!" räusperte sich der Alte plötzlich und puffte Rejer in die Seite,— er blinzelte zu dem plaudernden jungen Mädchen hin... „Vater!" sagte Sara und kam zum Tisch, indem sie die Seite mied, auf welcher Rejer saß,„im Seemaiinsvcreiir will man am zweiten Neujahrstag einen Ball abhalten." „Tanzet meinetwegen so viel ihr könnt, ich habe einen Stelzfuß I" Sic Ijielt dic Zand auf die Tischkante gestützt und es entging Rejers kritischem Auge nicht, daß diese Hand bis übers Gelenk vom Waschen aufgerauht war,— eine kleine, runde, rote Arbeitshand, sonst aber gar nicht häßlich... „Sie kommen gerade vom Hochbootsmann," fuhr sie fort, und dort hat niau ihnen gesagt, daß er seinen Namen nicht auf die Liste setzt, ehe er weiß, daß auch Du Dich ein- zeichnest I" „Zu meiner Zeit'hatten nur die Männer zu bezahlen, ' die Frauenzimmer gingen nnt drein!" sagte der Kanonier bissig. „Ich begreife gar nicht, wie die Frauenzimmer zu Deiner Zeit mögen gewesen sein!— Ich bedanke mich schön, für mich die Männer bezahlen zu lassen!" Der Alte murrte... „Na, na, Vater!— Du weißt ja, ohne Erlaubnis gehe ich nicht. Es kostet zwei Mark." „Für jede Person!— für jede Person!" rief der Kano- nier,„zwei Mark auch für meinen Stelzfuß!— Vier— vier Mark... Könnte ich zusammenlegen, was ich seit fünfzig Jahren für derlei Spüße ausgegeben und bezahlt habe!" Nach alledem, was er von Walla gehört hatte, zweifelte Nejer keinen Augenblick an der Wahrheit der Worte des Kanoniers— nur daß die Hauptauslagcn vielleicht vor die Zeit der Tochter fielen. Sara hatte wohl eine andre Antwort erwartet; denn sie stand etwas verlegen da und sah von ihm weg auf den Tisch herab und blickte wieder auf und ihn an und ein Schimmer von Unwillen flog über ihr Gesicht. „Manchesmal hat man eben Lust, etwas andres zu thun, als in der Küche herumzustehen... ich habe ja doch keinen Stelzfuß, Vater l" bemerkte sie. „Ja, ja, ja," sagte er und trat den Rückzug an,„ich weiß wahrhaftig nicht, weshalb Du fragst, da ich ja dennoch nach Deiner Pfeife tanzen muß!" „Wir alle wollen gern tanzen, Herr Oberkanonicr!"— bestürmten ihn ringsum die Mädchen und eines derselben, ein zartes, blondes, kam, etwas rot im Gesicht, mit der Liste heran. „Wenn sich der Herr Kanonier unterschreibt, so ist der Hochbootsmaun auch gleich dabei I" Endlich hatte er sein dickes„C. Rördam samt Tochter" aufs Papier gemalt und mit Tabaksaschc bestreut. „Nun, mein lieber Freund Juhl, findet sich für einen Secgast Gelegenheit, sich zu drehen. Es kostet nichts als die Unterschrift,— ja, auch zwei Mari!" sügte er trocken hinzu. „aber so viel findet dic Jugend immer!" Die jungen Mädchen guckten Rejer neugierig an; sie standen um den Tisch herum und warteten aus die Liste. „Wir haben ja keine solche Eile, alle unterzeichnen zu lassen, Vater!— Herr Juhl mag es sich überlegen!" meinte Sara. Es wurde Rejer ganz heiß. Er fühlte gut, dies gelte dem Holzhauer. Aller Augen ruhten auf ihm. „Ich pflege nicht lange zu überlegen, Jungfrau Rördam! — Köninck die Liste zu mir, soll Rejer Jansen Juhl darauf stehen I" sagte er mit scharfer Betonung. Sara stutzte; xs lag ein kräftiges Selbstgefühl in seinen Worten und in seiner Miene und er schnarrte das„Rejer" stark heraus. „Wir behelfen uns schon niit dem einfachen Juhl", meinte Sara lachend. Sie zwinkerte leicht mit den Augen, als sie ihn ansah und die Liste in Empfang nahm;„wenn Sie die andren Namen hinzuschreiben, könnten Sie am Ende gar für drei bezahlen..." Ganz spanisch stolz war sie, darüber war kein Streit möglich; war sie aber stolz, so war er ivieder stolz l Es schadete nichts, daß sie seine Namen gehört hatte! „Die da kapert man mir nicht so leicht weg!" flüsterte der Kanonier und deutete nüt der Pfeife nach Sara, welche soeben mit ihren Freundinnen zur Thür hinausging. „Ich muß Ihnen nämlich sagen, mein Freund,— hm, hm! wir bekomnien andres Wetter... das fühle ich in meinem Stelzbein I" unterbrach er sich mit einer Grimasse,„ich habe ihr ein Stück Fernrohr ins Kajütenroof mitgegeben, danut sie sich vorsehen und ihren Mann observieren kann.... Es ge- nügt nicht, daß einer in weiten Hosen und mit einem langen seidenen Hickband, das bis über die Schnauze hängt, heran- stolziert konimt. Sie kennt das schon, sollte ich meinen I— ein Liebchen in jedem Hafen.... O, ich habe � sie in die Umstände eingeiveiht, ganz und gar eingeiveiht! Ich bin's gewöhnt, alles heraus zu sagen und jedes Ding benu rechten Namen zu nennen! — Da sie ihre vier Geschwister versorgen muß, wenn ich abfalle... Entweder ein Kapitän, der keine Schulden hat, Sara, habe ich ihr gesagt, oder einen Steuermann, einen Menschen, an den man sich ordentlich halten kann,— oder gar keinen!... Kommt ein Matrose,— und er wäre wacker wie Gold... steifen Kurs gehalten und nicht einmal hingeschaut!... Und was Seeoffiziere betrifft, so nur gleich luven und dann ganz über Stag und auf den andern Bug... Aus ihrem Fahrwasser, Sara! sag' ich; diese Leute sind totale Havarie!" „Siehst Du, lieber Freund, ich habe ihr nichts zu geben als die zwei Augen im Kopf! und darum... hi, hi, hi! kji, kji, kji..." er puffte Rejer in den Arm, �„es kreuzen gar viele nach ihr; aber... hi, hi, hi! kji, kji, kji!" er pfiff und kreischte nick seiner Stimme und hustete dazwischen—„sie weiß, was sie sich denken soll...." Rejer überlegte sich es einstweilen, welches Glück es sei, daß er sich noch nicht von seinen feinen blauen Seemanns- kleidcrn getrennt habe. Vor dem Christabend war er nahe daran gewesen, die Jacke zu versilbern; er hatte schon vor Walla etwas verlauten lassen; da kam aber die Einladung des Kanoniers dazwischen und er hatte es bis nach Neujahr aufgeschoben.... Aber etwas Kredck mußte ihm Walla er- öffnen; ganz ohne Geld mochte er auf dem Ball nicht da- stehen.... Und eigentlich konnte er ja auf das Geld hin borgen, das er beim Steuermann Lind gut hatte!... Diese Angelegenheit sollte noch heute geordnet werden; es war am besten zu schmieden, so lange Walla bei guter Laune war.... „Guten Abend, Herr Oberkanonicr!" enipfahl er sich Plötzlich. „Na, na," sagte dieser aufblickend,„mußt Du so bald fort?"— Ach, wie das im Beine weh thntl— Gute Nacht, gute Nacht, lieber Freund I" (Fortsetzung folgt.) Glück. Skizze von Nicola« s Kraust „Willst Du denn ewig Hütbub bleiben?" Da-Z Wort des Försters ging ihm noch innucr im Kopfe herum. Na, so schlecht ivar c-Z cigcutlich nicht. Man hatte sein Essen und Trinken, die zwanzig Markeln Lohn ivaren auch nicht zu verachten, rmd so in der Sonne liegen auf dem durchwärmten Grasboden, während drüben in der zwanzigjährigen Kiefernschonung die Kühe ruhig weideten... Ja, aber im Winter! Daheim in der eiskalten Stube bei der Mutter und den kleinen Geschwistern I lind nichts als Kartoffeln, nichts als Kartoffeln I Nein I Der Franz mutzte etwas andres werden! Aber was? Fleischhauer? Ja, daS war'S I Da komite man Knackwürste essen, so viel man wollte. Der Hütbub zog die Beine an, legte die verschlungenen Hände unter den Kopf und blickte zur alten Föhre empor, unter der er lag. Die Sonne war vom Erdbode« den braunrote» Stamnr hinauf- gewandert. „Wenn ich zwanzig zähle und die Sonne ist vom Astloch bis zu den ersten Acsten hinauf, dann Iverde ich Fleischhauer. Franz zählte, und die Sonne wanderte. „Zwanzig!" schrie er, aber das breite Sonnenband schnitt noch weit unter den Aesten ab. „Auch nicht schad' I Ich hätt' so kein Lamm totmachen können." Aber er muhte doch etivas werden I Alle Gewerbe, die der Hütbub kannte, lieh er au seinem Geist vorüberziehen. Zu einen, Schuster hätte ihn seine Mutter gern gemacht. Brr I Das dumme, dalkete Pech!... Schneider? Alle Schneider, die er kannte, Ivaren so dünne Spietzer. Und wie komite es einem gut gehen, wenn er kaum so dick war wie ein Hasclstecken?! Soldat? Hm I Ja... Feldwebel? Da konnte man schon kommandieren I Und die dicke, große Brieftasche vorn ans der Brust. Ja, Feldwebel war eine feine Sache! Franz setzte der Sonne ein neues Ziel und begann zu zählen. Er zählte ruhig und gewissenhaft. Vielleicht ging es auch noch höher hinauf. Offizier...' Man konnte nie wissen... Er schloß vor Vergnügen die Augen. 'Plötzlich ritz er sie ganz erschrocken wieder auf. Er hatte doch einnial Soldaten gesehen, mitten im Winter. Bis zu den Knien sanken sie in den Schnee, bis zil den Knien... Und ganz vcr- froren sahen sie aus... Eiskalt fuhr es dem Jungen über den Rücken. Da hätte er ja bald was Schönes angerichtet I Feldwebel— so ein Feldwebel hatte ja nicht einmal ein Pferd zum Reiten. Nein, er wollte nicht Soldat werden! Nicht um alles in der Welt! Ja, aber, er hatte ja»och nicht zn Ende cio�nljlt. Siedendheiß wnrde es ihn,. Wenn jetzt die Kühe eine Dumniheit gemacht hätten, daß er hinter ihnen hätte hertanfcn müssen, er hätte etwas dafür gegeben. Aber sie grasten ruhig weiter, fast regelmäßig zog der Ton ihrer tiefen Glocken herüber. Da beschloß der Hütbub, zu mogeln. Er setzte das Zählen aus, bis die Sonne das Ziel über- schritten... Der Freude, auf so schöne Manier dem Schicksal entronnen zn sein, folgten schnell wieder die Wünsche. Franz war im vergangenen Winter mit seiner Mutter auf dem Amtsgericht gewesen. Ihm, dem Junge», war ein Eiszapfen aus der Hand ent- schlüpft und dein Bäcker ins Fenster geflogen. Gleich darauf hatte es geklirrt. Er hatte gleich gesagt,' daß er keine Schuld daran habe, sondern der Eiszapfen, der so glitschig gewesen. Und seine Mutter hatte das auch geglaubt. Aber die Frau des Bäckers ivar ihnen ins Hans gekommen, hatte geschrien wie ein Zahnbrccher und etwas von„Bezahlen" und„Verklagen" herumgeredet. Der hatte aber die Mutter ihre Meinung gesagt! Alle Leute hatten gelacht, und auf eins— zwei war sie zum Tempel hinaus. Nacht acht Tagen wollte auch der Herr Amtsrichter der Mutter ihre Meinung hören, und so Ivaren sie denn hinaufgegangen. Während die Mutter gleich resolut zum Richter hineinging, halte er im Vor- zimmer warten müssen. Zivei Männer waren da. Einer, der schrieb und ein andrer. Der andre hatte es schönt Jetzt stocherte er im Ofen herum, dann ging er um den grünen Tisch, rieb sich die Hände und blickte zum Fenster hinaus. Dabei rauchte er aus einer großen, langen Pfeife. Und hatte er gar nichts zu thun, so stellte ,er sich mit dem Rücken gegen den Ofen und ließ sich durchtvärmen. „So einer möcht' ich werden, wie der am Ofen," flüsterte der Hmtbub, setzte der Sonne das Ziel und begann zu zählen. Und diesmal zählte er gewissenhaft, mit Ueberlegung, verständig. So konnte auch der Erfolg nicht ausbleiben. Im ersten Augenblick war Franz ganz zufrieden. Das war was Sicheres! Er strampelte mit den Beine». Glück muß der Mensch haben, dann bringt cr's in der Welt zu ivas I Aber— wenn man einmal Glück gehabt, kann inan's wieder haben... Woher hatte der Mann beim Ofen die große, häßliche Glatze? Und zum besten schien es ihm auch nicht zu gehen. Die großen Herren rauchen Cigarren und nicht aus einer alten Pfeife. Das Gesicht des Hütbubc» ivurde puterrot, seine Augen glänzten. Er riß die Hände unter dem Kopf hervor, schlug sie ineinaildcr und schrie: „Ich wag's I Förster will ich werde», und einen Federbusch stech ich niir auf den Hut, dreimal so groß wie»nscrm Herrn seiner!" Und Franz wurde Förster. Er thnt einen scheuen Blick zur Seite. Ging das mit rechten Dingen zn? Na, ihn» konnte es recht sein. Das war heute ein Glllckstag! Eigentlich, wenn man eS recht betrachtete, so ein Förster... Da war noch der Forstmeister, dann der Stadtrat, der den Wald unter sich hatte... Einen Augenblick dachte der Junge an den Bischof. Der schöne silberne Stecken mit dem gebogenen Ende, und die goldene hohe Mütze! Aber da erinnerte er sich, daß auf den Bildern, die er ge- sehen, alle Bischöfe weiße Haare gehabt hatten. Nein, so lange konnte er nicht warten. Plötzlich stockte ihm der Herzschlag. Dann fuhr ihm das Fieber durch die Adern. Einen gab'S, dem keiner in seinen Dienst etwas hineinzureden hatte... Und das Ends-Trumm von einer Flinte!... Franz wurde ruhig, ganz ruhig. Mit wägendem Blick maß er die Föhre. Auf einem ganzen Stück des Wipfels lag noch die Sonne. Da konnte man bis fünfzig zählen, sich einrichten... Diesmal zählte der Junge laut. Bald stieß er mehrere Zahlen in einem Atem hervor, dann machte er wieder längere Pausen, die weit aufgerissenen Augen ivaren starr nach oben gerichtet. Als er bei zweimidvierzig war. verspürte er in der linken Seite ein Brennen. Er zählte lvcitor. Jetzt biß es ihn am Schenkel— er zählte. Plötzlich erschien es ihm, als wäre sein ganzer Körper in Feuer getaucht. Ueber die Nase lief es ihm hin. Mit. einem Wutschrci sprang er empor, warf sich hinter der Föhre ins Heidekraut und wälzte sich hin und her. Er schrie und krümmte sich vor Schmerz. Da erinnerte er sich seines Wunsches. Der alte Baum lag im Schatten. Thräncn schössen ibm ans den Augeir und er wimmerte:„Jetzt Hütt' ich Nachtwächter werden können... wenn die dummen Ameisen nicht gewesen wären...* Tief und leise klangen die Kuhglocken.— Kleines Feuilleton» c. Eine begrabene Welt. Aus London wird berichtet: Ueber seine außerordentlich ergebnisreichen Ausgrabungen in T u r k c st a n, die eine ganze alte Civilisation ans Tageslicht förderten, machte der bekannte englische Forscher Dr. A. Stein einem Vertreter von „Reuters Bureau" sehr interessante Mitteilungen. Es handelt sich uni Orte, die fast 2000 Jahre unter einem Sandmecr begraben waren und deren Geschichte bis jetzt völlig unbekannt war. Eine gründliche Untersuchung der Skulpturen, Fresken, Gegenstände der industriellen Kunst, Siegel usw., die ans den Tempeln und Wohn-- Häusern der vergrabenen Stätten hervorgezogen wurden, sagte Dr. Stein, wird dazu helfen, die Civilisation einer Gegend, die in der Geschichte als Glied zwischen dem alten China und Indien und dem klassischen Westen eine ivichtige Rolle gespielt hat, Ivieder aufleben zu lassen. Jetzt sind zum erstenmal Einblicke in das tägliche Leben, die häuslichen Industrien und Künste der Bewohner der Dörfer und Niederlassungen in Chinesisch-Turkcstan. die in den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung ver- lassen wurden und seitdem unter fortschreitenden Sanddüueu ver- graben waren, ans Tageslicht gekommen. Wie sehr die Wüste sich ausgedehnt hat, zeigt der Umstand, daß einige der von mir ans- gegrabenen Niederlassungen ganze hundert englische Meilen jenseits der Grenze des jetzigen bebauten Bezirks liegen. Die große leblose Wüste wird natürlich von den in den spärlichen Niederlassungen am Saum der Wüste lebenden Bewohnern sehr abergläubisch betrachict, und die Schwierigkeiten, genügend Vorräte und Wasser mitzuführen, hat die eingeborenen„Schatzsucher" zum Glück davon abgehalten, die entfernteren und auch älteren zerstöricu Orte aufzusuchen und anszu« beuten, die jetzt unter dem Schutz der indischen Regierung zum erstenmal erforscht wurden. Es besteht lein Zlvcifcl, daß die Kultur jener Orte hauptsächlich aus Indien stanmite, und daß die Belvohner Buddhisten waren. Meine Ausgrabungen zeigen die sehr vorgeschrittene Kultur und auch, daß der künstlerische Einfluß Griechenlands und Roms sogar in jener großen Entfernung von den Ceutren klassischer Kultur bemerkbar wurde. Die überraschenden Ausgrabungen machte ich mitten in der nördlich von Niya gelegenen Wüste, wo die Niederlassung mit ihren zerstreuten Wohnhäusern und heiligen Stätten ein Gebiet von sechs zu vier Meile» bedeckt. Ehe nnt dem Graben begonnen wurde, sah man nur unheimlich aussehende Reihen gebleichter Bauholzstückc, die wie das Fachwcrk eines gestrandeten Schiffes zwischen den Sanddünen hervorragten. Von besonderem Interesse waren die Haufen, die wir bei einigen zerstörten Häuser», die augeiischeiulich einst von Dorf- bcamten beivohnt ivaren, ausgruben— gewissermaßen Papierkörbe mit Hunderten von Dokumenten, die schön auf hölzernen Täfelchcn geschrieben und sorgfältig zugebunden und versiegelt waren. Infolge der konservierenden Natur des Sandes waren viele in prächtigem Zustand, die Tinte so schwarz und Siegel und Schnüre so vollkommen, als wenn sie nur einige Wochen alt wären. Da diese Dokumente in einer bekannten indischen Schrift geschrieben sind, werden durch ihre Entzifferung viele Einzelheiten des alten Dorflebens enthüllt werden. Aber diese Aufgabe wird viele Jahre angestrengten Studiums erfordern, da die auf diese Schrift bezüg- lichen Materialieu in Indien sehr spärlich sind. In weniger alten Orten fanden wir auch Papicrdokuniente in Sanskrit, Chinesisch und auch tibetanische Manuskripte. Nirgends fand ich unbekannte Schrift- zeichen. Um die meisten vergrabenen Hänser fanden sich sorgfältig angelegte Gärtchen mit Banm-Alleen, eingefriedigten Wegen, Obst- bäumen usw. Als wir den Sand weggeräumt hatten, fanden wir unter den verschrumpften Hecken Hausen trockener Blätter, gerade wie sie vor Jahrhunderten gefallen waren. Die Gärten waren meist so Ivie die noch jetzt in Turkestan gefundenen. Von Bäumen zeigten sich am meisten Pappeln, Pfirsich-, Maulbcer- und Aprikosenbäume. Es ist kein Beweis vorhanden, daß diese Orte infolge einer plötzlichen Katastrophe verlassen wurden. Das allmähliche Verlassen erfolgte augenscheinlich durch die Unmög- lichkeit fortgesetzter Belvässernng, was ein Vorschreiten des Sandes verursachte. Während daher wirkliche Wertgegcustnnde von den Be- sitzern entfernt ivaren, fanden wir in den Wohnhäusern viele Hansgeräte von geringerem Wert, Ivie Heugabeln, Mausefallen, Stiefel, Stühle, Schuhmacherleisten nsiv. In den zerstörten Tempeln fanden wir eine Art unbeabsichtigter Ausstellung der Fabrikate jener Zeiten, denn vor einigen Götzenbildern lagen Haufen zerrissener Lappen schön gearbeiteter Seiden- und andrer Stoffe, die als Weihgeschenke niedergelegt worden waren. In einem Tempel merkten wir z. B., daß ein besorgter Pilger, der so viele Gottheiten als möglich günstig für sich stimmen ivollte, ein tibetanisches Manuskript zerrissen und unter die verschiedenen Götzenbilder verteilt hatte. Diese Bruch- stücke sind jetzt wieder unter Glasscheiben vereinigt worden. Aus den Klöstern und Tempeln wurden viele Kolossalstatuen in Stuck ansgegraben. Ein Tempel enthüllt in seinem Kreuzgang über hundert überlebensgroße Statuen. Soviel wie möglich wurden gesäubert und Photographien davon genommen! nur wenige konnten gerettet werden, denn als der schützende Saud entfernt war, drohten die großen Stuckfiguren zusammen zu brechen, da das Holzwerk im Innern verfault war. Interessante Teile sind jedoch glücklich fort- gebracht worden. Wie sehr die heutigen Bräuche schon damals im Schwange waren, sieht man daraus, daß meine Arbeiter eine Eis- grübe fanden, die mit trockenen Blättern ausgefüttert war. An- scheineiid brauchte man sie also schon damals, um das Eis gegen die schreckliche Sommerhitze zu schützen.— Aus dem Ticrleben. LS. A u s d e n L e b e n s g e w o h n h e i t e n d e r K r n st e n- tiere teilt der Zoologe Stelibing einige besonders merkwürdige Thatsachcn mit. Er spricht zunächst von' eincni kleinen und zarten Krebstier, das auf eine eigentümliche Weise sein Dasein verbringt. Es lebt auf Korallen, auf denen eS galleuähnliche Auswüchse bildet. Es läßt sich von den Korallenbauten vollständig einschließen und sorgt nur dafür, das genügende Oeffnnngen für den Eintritt und Austritt des Wassers übrig bleiben. Auffallend — 1 und schwer erklärlich ist die Thntsache. dnst nur Weil'- chcn bicfcS, Krebses in solchen Kornllcniicstern gestinde» worden sind. Wahrscheinlich leben beide Geschlechter bis znm Vollzug der Ehe in nngcbnndencr Freiheit iin Meercsivnsser, und erst dann bc- ziehen die Krcbsfranen allein ihr eigenes Heinn für dessen Bau sie die Korallcnlicrchcn sorgen lassen, ileberhaupt bieten die Krnstc»- tiere nianchcs Beispiel seltsamer Veränderungen. Darunter sind die zivar seltenen, aber doch nicht ganz vereinzelten Arten zn rechnen, bei denen ein und dasselbe Individuum zuerst ein Männchen und dann ein Weibchen ist. I» einer Gruppe der Krebstiere giebt es nach der Annahme eines hervorragenden Forschers Tierarten, deren Larven überhaupt noch kein bestimmtes Geschlecht aufweisen, sondern dessen Ausbildung erst im Verlauf ihrer Eutlvicklung erwerben. Diejenigen Jungen die zunächst unter gute NahrmigSverhnllnisse konimcu. entwickeln sich zn Weibchen, Ivährcnd andre später sozusagen„endgilltige Männchen" werden, die übrigen bleiben in dem unentschiedenen Instande, der vielleicht noch im Verlauf der Eutlvicklung anfgcllärt wird. Eine andre Krcbsart huldigt einer Art von mugekrhrtem Morinoncutnin, indem ein einzelnes Weibchen dazu berechtigt ist, zaht- reiche Männchen in einer strengen Ehcfesscl � zu halten. Eine Eigenschaft der Kruster, die namentlich bei gewissen Krabben stark hervortritt, ist eine erstaunliche Gefräßigkeit. Auf einer kleinen»in- bewohnten Saudbank in der Inselgruppe der Lakkadivcn im Indischen Ocean fand Stcbbiug zahlreiche Schivärine einer großen Sccschwalbeu- art bei der Brut. Es ivaren junge Vögel jedes Alters vorhanden, aber keine Eier. Eine furchtbare Gefahr drohte den jungen Vögeln von denKrabbeu des Strandes, besonders von einer großen Art deS Einsiedlerkrebses, die sich in Massen vorfand. Die junge Brut wurde ohne irgend ein Nestaus den Strand niedergelegt, sodaß sie in Abwesenheit der Eltern den Krabben auf Glinde und Ungnade ausgeliefert ivar. Nach den vielen Knöchelcheu und Federn zu urteilen. die den Bode.» bedeckten. mußten Hunderte von Vögeln den Krabben zmn Opfer gefallen sein, und mehrfach konnte die Beobachtung gemacht»verde», ivie eine frischgetötctc Vogcllciche unter den» unermüdlichen Maul ge- fräßigcr Krabben lag.— Bergbau. — Genau sünfzig Jahre ist es jetzt her, schreibt mal» der..Boss. Zeitung", daß die ersten Goldfuude in Australien ge- niacht wurden. Zwar hatte der Forschnngsrcisende Strzelecki schon 1840 goldhaltigen Schwefelkies vorgewiesen, aber er fand keine Beachtung: ebenso»venig Erfolg hatte der Gelehrte Sir N. Murchison 1844 mit dem Hiniveis auf die Achnlichkcir des geologischen Baues der Ostkette Australiens mit dem des Uralgebirges. 1840 brachen bOOO Australier»ach Kalifornien, den» soeben entdeckten Eldorado, auf, kehrten aber, größtenteils enttäuscht, bald zurück. Einer von ihnen, Hargreavcs,' erbot sich in» April 18öl, in» Dienste der Ac- gierung das australische Scheidegcbirge auf Gold zu Untersuchen, da es die gleiche Formation aufivics,»vie die kalifornische» Ge- birge. Im August entdeckte Hargreavcs die großen Goldfelder in Reilsüdlvales: als dann ein schlvarzer Schäfer einen ccntnerschlvercn Goldklnmpei« auf seinen» Felde fand, brach ein»vahres Goldfieber aus. Sofort bot Victoria 100 000 M. demjenigen, der die ersten Funde in dieser Kolonie»»achen»vürde, und noch in deinsclbe» Jahre entdeckte man hier die außerordentlich reichen Felder bei Bcndigo>»»d Ballarat. Melbourne, bis dahin ein Laudstädtchcn, wurde über Nacht zur Großstadt: nns allen Herren Ländern, auch aus Deutschland, strömte»» die Glücksjäger in Scharen herbei. Den Beaintcn»vurde das Drei-, ja Fünffache ihres bisherigen GehaltS geboten— sie bliebe»»licht; die Schiffe lagen abgetakelt in denHäfeu. denn die Matrosen verschtvauden— eine unübersehbare Schar von Menschen, Pferden, Vieh und Karren aller Art strebte den Goldfeldern zu. Die reichsten Funde»vnrden damals in» Alluvium,»veiiige Fuß»lnter der Erde, gemacht, darunter die riesigen„NuggetS"(Goldklumpen) ..Willkommen" und„Willkonnncner Fremdling", im Werte von 180 200 und IVO 080 M.. aber auch Stücke von 30—100000 M. waren nichts Seltenes; auf den„Berlin Diggins" z. B. fand man nicht Iveuigcr als 320 Klumpen im Werte von 100 bis 40 000 M. In den 20 Jahren, die seither verflossen sind, ist in Australien und Neuseeland nach den soeben veröst'cutlichtcu Angaben des Regierinigsstatistikers von Victoria für 8882 Millionen Mark Gold gewonnen»vorden. Davon entfallen auf Victoria 2120, auf Queens- laud 1030, auf NensüdwaleS 970, auf Westaustralien(Ivo die ersten Goldfnude 1894 gemacht»vnrden. und das jetzt an der Spitze aller Goldländer steht)' 420 Millionen Mark. Den höchste» Ertrag, welcher je in einem Jahre gelvonnen»vurde,»veist Victoria in» Jahre 1323 mit über 220 Millionen Mark auf. Die gesamte Goldproduktion der Erde betrug im Jahre 1900 nach amerikanischer Berechnung 230 Millionen Dollar gegen 304 Millionen im Vol-jahre 1399 lden Ausfall trägt fast ausschließlich Südafrika),»uid in den letzten fünf Jahrzehnten hatte sie den Wert von 002 Millionen Dollar.— Physikalisches. — Wärme-Entwicklung einer elektrischen Glühlampe. Wenn man die Vorteile der elektrischen Beleuchtung durch Glühlampen aufzählt, so pflegt man hervorzuheben, daß die Zusammensetzung der Zinimerluft durch dieselbe nicht beeinflußt und ihre Temperatur nicht erhöht»verde. Das mag richtig sein, lveun man dabei einen Vergleich mit der Petroleum- oder GaSlainpe im Berantwortltcher Redacteur: Gart Leid in Berlin. Sinne hat— pflege»»vir doch an recht kalten Wintertagen,»vem» es in» Zimmer nicht»varni»verde»»vill, die Gaslampe anzuzünden, »in» der ungeniütlich niedrigen Temperatur schneller aufzuhelfen—, aber niemand dürfte es einfalle»», die elektrische Glühlainpe zu diesem Ziveck einzuschalten. Irrig»väre es jedoch, deshalb nun an- zunehme», daß die elektrische Glühlampe gar leine Wärme ausstrahle, man wird sich von den» Gegenteil leicht überzengen können, Iveim man die Hand auf das Glas einer solche» legt, die schon längere Zeit gebrannt hat. Wie große Wärmemengen eine Glühlampe aus- zustrahleu vermag, ergab ein Versuch mit einer Lampe, die sich iir einem Pariser Theater in der Nähe des Schaltbrettes befand. Nach Schluß der Vorstellung»vurde einem Arbeiter der Auftrag erteilt, die Lampe auszudrehen. Anstatt dies zu thu», bedeckte er sie mit eine»» feuchten Tuch. Zivei Stunden später kau» der Nachtlvächter und fand sie auf seinem Rundgange ganz eriveicht vor. Die Wärme- strahlen,»velche sich bisher uumittelbar der umgebende»» Luft niit- teilen konnten,»vnrden durch das Tuch zurückgehalten und führten auf diese Weise eine Erhitzung der Glasbirne bis zun» Eriveichen deS Glases herbei.—(„Prometheus".) Technisches. u. Wie lange sind schon d i e E i s e II b a h II s ch i e II e II b e k a n» t? Im allgemeinen ist»»an»vohl der Meinung, daß die Erstndnng, die aus llnebeuheiten des Weges den» Transport von Lastlvagen erivachsendeu Sch>vicrigkeiie» dadurch zn beheben, daß »nan eiserne Schienen auf den» Erdboden befestigt, auf denen die Wagenräder mit nur geringer Reibung dahingleiten, höchstens ein Jahrhundert alt sei; aber diese Annahme ist irrig. ES existiert nämlich ein im Jahre 1241 in Basel erschienenes, kulturhistorisch recht inlereflaiiteS Buch: Eosmographie oder Beschreibnng aller Länder. Herrschaften, fürueinsten Stetten, Geschichten, Gebräuchen uslv., von Sebastian Münster. In diesem mit zahlreichen instruktiven Holz- schnitten versehenen Werk befindet sich auch eine Abbildung des iin Lebcrthal im Elsaß betriebenen Bergbaues, und dort sieht nia»»»eben mehrere»»»nit verschiedenen andren bergbaulichen Arbeiten beschäftigten Leuten auch solche,»velche die geförderten Grubenprodukte auf Wagen fortschassen, und diese Wagen bcivegen sich ganz deutlich anf eisernen Schiene». Danach ist der Gebrauch dieser Einrichtung mindestens schon drei und ein halbe? Jahrhundert alt, und bis zu»»» BeiveiS des Gegenteils wird mau diese ivichtigc Erfindung als eine deutsche an- sehen dürfen, llcbrigens gleichen die in jenen» Bild dargestellten Förderivagen genau den noch heute in» Bergiverksbetriebe allgemei« gebräuchlichen„Hunten".— Humoristisches. — Schwäbisch. S ch a f f n e r des Schnellzuges zum Baiteist „Zeiget se mir Ihr Zuschlägle."(Zuschlagkarte.) Bauer:„I Hein» kein Zuschlägle." Schaffner:„Sie müsset aivcr e Zuschlägle heni», dös isch jo e Schnellzügle!" Bauer:„Ja noiii, i»vill kein Zuschlägle heiin, i Hann keil» so große Eile." Schaffner:„Sic müssen alver jo e Zuschlägle»»achlöset, sonscht n,»cß ich Si ein Herrn Stationsvorstchcr vorführe." Bauer:„Ja noin, dann fahret halt a bisl langsamer I"— — S ch i ck s a l s t ü ck e. Wenn ein junger Poet einer belletristischen Zeitschrift 20 Gedichte einsendet und 21 zurückerhält.— („Jugend".) Notizen. — Detlev von Lilie ncron behält seinen Wohnsitz iit Altona bei: er ist mir zu einem mchrmaligcn Auftreten im „Bunten Brettl" allmonatlich verpflichtet.— k.„K i»," heißt das neueste Werk von Rudyard Kipling, das bei Maemillan in London in Buchform erschienen ist:„Kiin" spielt in Indien.— — Die„Naturwissenschaftliche Woche uschrift� ist mit Oktober in den Verlag von Gustav Fischer in Jena übergegangen und kostet statt' 10 M. jährlich jetzt»ur 0 M.— —„Nachdem S ch ii tz e u f e st" betitelt sich eine einaktige „Melodram.-Burlcske" von E r i k M e y e r- H e l m u n d, die g'c- legentlich der Premiers von„Lose Blätter" in» E c n t r a l t h e a t e r ziim erstenmal gegeben»vird.— — Der Wiener Bildhauer H a n S S ch e rp e hat das Modell für das A u z c n g r u b e r- D c n k n» a I vollendet. Auf einem Felsen steht die überlebensgroße Figur Anzengrnbers. Unten an, Fuße deS Felsens fitzt der„SteinklopfcrhnuS", der von der Arbeit ausruht, »vähreud Auzengruber, der ihm hier in» Walde begegnet ivar, anf die AilSlassungen des Steiuklopfers zn lauschen scheint. Die ganze Gruppe»vird in einen» Waldboskctt stehen.— Die nächste Nummer deS UnterhaltungsblatteS erscheint am Sonntag, den 0. Oktober. Druck und Verlag von Max Bndiug in Berlin.