Nnterhaltungsblatt des Forwärts Nr. 200. Sonntag, den 13 Oktober. 1901 lNachdruck verboten.! 24] Dveruf los! Noman von Jonas Lie. „Kann ich das wissen, Steuermann?" Rejer drehte das Rad heftig um.„Sie ist luvgierig, die verdammte Grete! I" Der Steuermann blieb nachdenklich beim Heck stehen, bis eine neue Hagelbö ihn unter Deck trieb. Für Rejer dagegen kam der Hagelschauer gerade recht. Während die Eisnadeln sich ihm in die Wangen und m die entzündeten Augenlider gleichsam hineinbvhrten, tobte in seineni Innern ein nicht viel milderes Unwetter. Warum fragte ihn der Steuermann? Was hatte der Steuermann um sie herumzuspionieren? So... er wollte seine Verhältnisse ordnen...abzwacken und knickern... So... so! Das war eine Empfindung, die er bisher noch nicht ge kannt hatte! Er wurde ihm ein bischen heiß, der Tanz! Er sah sie bor sich... mit dem goldschcckigcn Haar, so schön und prächtig.... Und der Ausdruck, mit dem sie von ihm Abschied genommen.... Einen Seemann? Nein, so etivas mochte sie nicht! lachte er höhnisch. Aber die Arme I Einen« hübschen Steuermann, der gewinnt,>vo er inimer sich zeigen niag, dem wird sie wohl auch nicht widerstehen können! Ein Mann für sie? Dazu gehört etwas, mein lieber Lind... Also so steht's mit Dir! Es war eine schwere Sturzsee, die Rejer auf dieser Wache über den Kopf bekommen... Eine Entdeckung, um so ge- wichtiger, da sein Blick eigentlich ebenso wenig tief in sie ein- drang als in die Nacht. So unklar wie das Meer draußen standen vor ihm seine eignen Gefühle und die Gesinnungen Sara Rördams. Nur eines sah er: daß der Steuermann ein Auge auf sie geworfen. Rejer begann nun nach dem Steuermann scharf Ausguck zu halten. Derselbe glich wahrhaftig sich selbst gar nicht mehr l Die Leute hörten von ihm kein angenehmes Wort mehr... Und sonst war er es, der mit seiner Lustigkeit alles aufzufrischen pflegte, wenn es schief stand! er wollte, daß die Arbeit von statten gehe wie ein Tanz. Darum konnte er«nit der Mannschaft auch machen, was er wollte, sie um den Finger wickeln wie ein Seidcnband! Fein und flott, immer, an Bord und zu Land, wie geboren fürs Kommaudobrctt l— Daraus verstand sich Rejer. Richtig, der Steuermann verließ in Cardiff nicht das Schiff,— sonst Pflegte er der letzte zu sein, welcher Lnstbar- keiten verschmähte! Noch mehr bestärkt lvurde Ncjcrs Verdacht an einem der letzten Tage in Cardiff. als der llntersteuermann die Post vom Kousnlatc brachte und darunter ein Brief für Rejer ivar. „Höre. Juhl," sagte der Steueniiaun Lind abends, als sie mit dem Löschen der Ladung fertig gelvorden,„ich habe mich ans dem Land mit extrafeinem Rauchtabak versehen... ein halbes Pfund davon ist für Dich aufgehoben, das wird auf der Reise hinab uns zu gute kommen l" „Vielen Dank. Steuermann!" „Du bekamst heute einen Bries? Ich sah„Frederiks- väru" nuj das Convert geschrieben. Wohl von einen« der Kameraden? Gicbt es etwas Neues? Verlobt«nan sich flott?" „Oho I" dachte Rejer. „Nein, der Brief war von daheim... an die Reederei geschickt." „Ah so I Aber es ist wohl möglich, daß Dir jemand von de» Kanwraden in Frederiksvärn einmal schreibt?" „Kanu sein!" „Du mußt mir's erzählen, lvcnn Du etwas Neues hörst, —«vas immer cS sei! Man langlveilt sich auf der Reise... und ich bin dort gebore», darum macht es mir Vergnügen." Sie hatten Dungerneß und die Südlvestspitze von Eng- land hinter sich und strebten nun schon die dritte Woche mit einer Ladung Stückgut, die nach Kapstadt und Port Elisabeth bestimmt tvar, mit allen Segeln, die ziehen konnten,— die Kojenkleidcr und die zum Trocknen aufgehängte Wäsche ein- gerechnet,— nach dem Süden. Sie liefen neun Knoten bei stetig klarem Himmel, stesig zunehmender Hitze und— wie die Mittagssonne bewies— stetig verminderter Breite. Nach und nach erschien ein Stück Sonnensegcl achterwärts und dann ein Stück vorn. Auf dem Deck spazierten die Hühner umher und scharrten in den Hobelspänen des Ziminermanns, während dieser arbeitete. Hund und Katze hatten allen Krieg eingestellt; sie mochten nicht mehr in dieser Hitze. Er lag mit der Schnauze zwischen den Pfoten in dein Stümpfchcn Schatten des Groß- mastes, sie streckte sich und guckte nach den Hühnern. Unter der Back flickte man Schuhe und Stiefel oder schneiderte. Ueberall gab es Werkstätten. Bootsmann Jakobscn, der nun von der Hitze auch genug bekommen, hatte sich'S bei der Anfertigung zweier Prächtiger, neuer Blockstccrte unter eincin besonderen kleinen Zelte beim Vordermast bequem gemacht. Der Götheborger befand sich achterwärts; er war ein Tausendkünstler und hatte nur zur Aufgabe, die Brust des Steuermanns Lind zu tätowieren. Ein Anker, lautete der Befehl; als es aber dazu kam, verlaugte der Steuermann ein Ankertau nach eigener Zeichnung, das aussah wie ein großes 8. „Einer Aukcrtrosse glich cS nicht!" spöttelte der Göthc- borger vorn in den Bart. Rejer stand in Grübeleien versunken im Lee.„Ein Ankertan wie ein 8 1 Hahaha!" Er fand cS hier fürchterlich heiß! Der Wind ivar so gut wie ganz erstorben, so daß die Schooteil und Taue schlaff herab hingen und die Blöcke klapperten. Man befand sich nun ungefähr unter der Linie: es war tagsüber bis Sonnenuntergang ungewöhnlich dunstig und schwül gewesen. Nun ballte sich in der Ferne etwas wie Wolken zu- sammen... diese zeigten inimer schärfere Goldränder. Nim ivar's im Westen nicht mehr Dunst, sondern hastig fliehende Wölkchen, die einen dunkleren Farbcnton annahmen... mit da und dort aufblitzendem Schimmer. Der Kapitän und der erste Steuermann, die mit ein- ander auf dem Heckbalkcn standen und Beratung pflogen. erkannten auch gleich, was das bedeutete. Es kam eines der rasch vorübergehenden, orkanartigen Gewitter, welche in diesen Breiten nicht selten sind. Da war kein Augenblick zu verlieren: es galt, das Bark- schiff allen Tuches zu entkleiden. Lcesegcl, Oberscgel, Sonne»- segel und alles, ivas man Segel nennen konnte. � zu berge», bis das Fahrzeug nur vor den Stümpsen dalag. Vor der Hütte brüllte das Sprachrohr, der Wind begann mit allerlei schneidenden Tönen zupfeifen, während die Abend- sonne im Niedergange unter den hinsagenden Wolken gleißte und flammte und wie aus langen dunkelroten Blutfähnen über die Wogeuspitzen. welche rabenschwarze Schatten warfen, hindrohte. Das Fahrzeug, welches mit lebendigen Segeln in den Wind gedreht Ivar, tauchte schon hie und da die Nase in die Deiningen und bekam manchen Schaumspritzer im Luv. Die Sonne sank hinab und ließ eine ticfrote Glut unter der Wolkcnbauk zurück, und im nächsten Moment ivar das Schiff mit peitschenden und schlagenden Segeln in wilde Finsternis gehüllt, in welcher Blitze auszuckten, sich jagten und ihre Zickzacklinien kreuzten.— zivanzig bis dreißig in der Minute, und der Himmclsgott fuhr mit krachenden Wagen über sie hin und der Sturm schrie und gellte im Tauiverk. Die Leesegclspieren waren eingeschoben, die Bram- und Toppsegel geborgen, die Untersegel aufgegeit, wobei die Taue sich raffelnd und heulend in ihren Blocken und Taljen über- holten Die Besan ward ausgegeben und nun ging es an die Marsraaen—„reff dicht!" Keine Hand blieb müßigt „Marsbulienen los... Marsbrassen im Luv hol ein... Marssegel laß fallen!" Die Mannschaft enterte im Dunkeln über die große Marsraae: da schlug das Segel aber plötzlich back,— das Fahrzeug war zu stark in den Wind gejagt— es fing eine eulo.') Das Segel krachte und schlug den Leuten mit der Kraft eines halben Orkans um die Ohren, bis es sich selbst reffte, indem es sich in Stümpfe und Fetzen zerriß und zerpeitsch le. Ein paar Leute wurden umgeworfen, erhielten sich aber noch oben. Einer fand sich- selbst unten in den Webelcinen. Das Fahrzeug drängte stark über... Es schien kein Unglück geschehen zu sein. Der Ziegen strömte nun herab; die Arbeit ging weiter; man mußte wenden. Erst später, als man ihn bei den Vorbrassen vermißte. fragte man um den Untersteucrmann Nilsen. Man fand ihn nirgends, und obgleich niemand das Wort als erster ans- sprechen wollte, so war doch jeder im Innern überzeugt, daß derselbe über Bord gegangen. Als der Steward ihn zum letztenmalo sah, wollte er eben das Nockbindsel anlegen,— es war dies der Moment, in welchem das Segel back schlug, der Steward selbst von der Raae purzelte und mit den Händen in der Peturleine hängen blieb... Um Mitternacht war der eigentliche Sturm vorbei; jedoch die Ziacht blieb stockfinster und der Regen rieselte bis um vier Uhr morgens herab, während der„Alert" vor dem Winde trieb. Als die Sonne goldklar und strahlend am Himmel empor- stieg, war das Schiff schon viele Meilen von dem Grab des Untersteuermanns entfernt. Seine Pfeife fand sich unter der Bank vor dem Kajüten- roof neben dem offenen Tabaksbeutel; seine Pantoffeln standen unten bei der Kajntentreppe und in seinem Verschlag, wo seine Kleider und sein Strohhut noch so dalagen, als ob er sie gerade verlassen, hing seine Uhr neben der Koje und tickte. Die letzte Einzelheit erzählte der Steward vorn auf der Back und sie versenkte den Zimmermann in tiefe Grübelei... „So lang die Uhr geht, ist noch Leben in ihm!" murmelte er und schüttelte leise das Haupt___ Und es erleichterte förmlich die Stimmung der Mannschaft, als später gemeldet ward, die Uhr sei um halb neun stehen geblieben.... Nach und nach bekam der Alert wieder den alten Ucber- zug von Segeltuch,— jeder Quadratfuß Windfang wurde ausgenützt und die Fahrt wurde wochenlang über den sachte wogenden, unendlichen, blauen Meeresspiegel fortgesetzt, ohne daß man ein Segel geändert oder eine Brasse berührt hätte. Morgenfrische zur Zeit des herrlichen, glutstrahlenden Sonnen- ausgangs, zunehmende Hitze während des Tags, bis der Sonnenuntergang Erleichterung brachte und der Himmel plötzlich als hochgewölbte schwarze Kuppel mit großen, glänz- vollen Sternen, dem Argo, dem Oktanten. dem Eridanus und dem Walfisch, sowie dem immer näher auftauchenden blitzenden südlichen lkreuze ihnen zu Häuptcn stand. Ein paar Tage waren verflossen, ohne daß in Betreff des Untersteuermanns eine andre Bestimmung getroffen worden, als daß Lind Rejer beaustragt hatte, des Toten Posten in der Stcucrbordwache zu übernehmen und die Nachthauslampen und die Laternen in Ordnung zu halten. In der Kajüte aber waren über die Sache schon Erwägungen gepflogen worden. Kapitän Berentsen war ein ordentlicher, stiller, korrekter Mann von einem so winkelrechten und rechnungsmäßig genauen Wesen, daß es ihn für jede persönliche Annäherung, jedes an- dere Gefühl als für die fast übernatürliche Achtung, welche die Mannschaft ihm zollte, nahezu unzugänglich machte. Seinem vorsichtigen, menschenscheuen Charakter war es eigen, vor allem, was ungewöhnlich erschien, eine gewisse Funht, eine nervöse Angst zu empfinden. Und Rejers hochmütige Nase, sein Ansseyer waren an einem einfachen Matrosen nicht korrekt... das ganze Auftreten war um zwei, drei Töne zu hoch gestimmt. Luids Vorschlag, Rejer als Unterstenennann anzustellen, stieß daher auf unerwartet zähen Widerstand, auf Verzögerung. auf viele Bedenken, aber auf nicht einen wirklichen Gegengrund, außer— wie Steuermann Lind in seiner flotten Manier die Sache präcisierte— auf die große Nase. Der erste Steuermann war eigentlich das einzige Binde- glied zwischen dem Kapitän und der Mannschaft. Mit seiner Gabe, der Besatzung Respekt einzuflößen und zugleich sich *) Wenn das a in Winde(das heißt sechs Striche von der Richtung, woher der Wind kommt) segelnde Schiff den Wind Plötz- lich von vorn oder von der andren Seite bekommt, so legen sich die Vorsegel an den Mast(schlageH back) und das Schiff bewegt sich ritckwärts. Wenn ein Schiff' so sehr i n die Windrichtung gc- dreht wird, daß diese Folgen eintreten, so hat es eine Eule ge- fangen. beliebt zu machen, übte er auf den Kapitän einen zwar un- bemerkten, aber um so größereu Einfluß aus. Die Ansicht des ersten Steuermanns drang immer durch, wenn er sie. so wie in diesem Fall, steif aufrecht hielt. (Fortsetzung folgt.) SonttkÄgsplttudrvvi« In der guten frommen Stadt Stuttgart hat der Asseffor X. ein Kind gekriegt. Oder, mn die Naturwissenschaften nicht zu verwirren, will ich sorgfältiger den Thatbestand dahin fixieren: Ter Assessor Zc. wurde Vater eines Kindes. Man weih, wie viel Wert der Germane auf Familienfreuden lind Kindererzengung legt. Schon TacituS hat daS hervorgehoben. Und ist Mutterliebe das Süßeste und Innigste, was die gernianische Rasse kennt, so ist die Vaterschaft das Stolzeste, deffen sich ein deutscher Mann rühmen darf. War demgemäß unser germanischer Assessor nicht glücklich zu preisen, daß es ihm gelungen, des höchsten aller Güter teilhastig zu werden? Der Assessor 3;. in Stuttgart dachte anders; ihn be- lästigte die Vaterschaft und er schämte sich ihrer. So dunkel, wirr und undcntsch ist bisweilen das Seelenleben eines Assessors. Freilich hatte sich der zureichende Grund des Kindes außerhalb der Kirche und des Standesamts durchgesetzt: Fräulein Rosa ivar noch ein Fräulein, als der Assessor eS zur Mutter machte. An diese», Um- stand nahm die Sittlichkeit des rechtsbcfliffenen jungen Mannes Anstoß. Das Kind entzog sich dem harten Konflikt der Pflichten auf eine für sein Alter höchst verständige Weise. Es war offenbar ein früh- reifes Wesen und sein Verstand sagte ihm bald, was es vom Leben zu erwarten hätte. Darum starb es bereits wenige Monate nach feiner Geburt. In der Todesstunde deL klugen Geschöpfes fiel eS der Mutter, eben jenem Fräulein Rosa, ein, daß es thatsächlich eines Assessors unwürdig sei. illegitim zur Vaterschaft zu gelangen. Und sie gelobte sich, dem Verlorenen die Ehre wiederzugeben, indem sie ihn heiratete. Die Zeitungen, die über den Fall berichten, geben allerdings ein andres Motiv des Mädchens an: Sie habe sich zugeschivoren, daß der Assessor ihre Ehre wiederherstellen müsse— und zivar durch das Mittel einer amtlich beglaubigten Heirat—, indessen man wird zugestehen, daß, da es nach der gesellschaftlich gellenden Meinung unschicklich ist, daß ein Assessor außerehelich Vater wird, die Heirat weit mehr im Interesse des Mannes lag, der doch ans seine Vcamten- qualität Rücksicht zu nehmen hatte. Sicher ist, daß Fräulein Rosa kein Mittel unversucht ließ, um die Ehre des Assessors wieder herzustellen und ihm die Ehe anzubieten. Sie that es, indem sie ihn aus Schritt und Tritt verfolgte, sich als Schatten an seine Sohlen heftete; sie begleitete ihn ivie ein Geheimer verdächtige Socialdemokraten, und keinen AuSfliig konnte er unternehmen, ohne daß i» unmittelbarer Nähe Fräulein Rosa ficht- bar wurde. Außerdem erzählte sie jedem, der es hören wollte, daß der Assessor von ihr ein Kind gehabt habe. Leider durchkreuzte der Assessor iliit der gleichen Hartnäckigkeit alle diese Bemühungen, ihn ehrlich zu machen. Der gefallene Assessor wollte verstockt in seiner Schande verharren und locigcrte sich, durch die Ehe seine Reputation wieder zu erlangen. So eigensinnig und verblendet sind bisweilen deutsche Assessoren. Aber der Assessor that noch ein übriges. Die opferwillige Liebe und Anhänglichkeit des Fräulein Rosa ivurde ihm unerträglich und er wandte sich schutzsuchend an die Gerichte. Anfangs gedachten die Herren GerichtSkollcgen des Assessors mittels des groben Unfug- Paragraphen den Kläger von seiner Begleiterschenmng zu befreien. Aber selbst dieses z» allem willige Ungetüm weigerte sich in dem Falle seine Dienste zu leihen; es wurde nicht als grober Unfug erklärt, daß Fräulein Rosa bemüht Ivar, die Ehre LeS Asjefforo iviederhcrzustellen. Jedennoch: Was nicht der grobe Unfug kann, Das sieht man als Beleidigung an. Das Stuttgarter Gericht konstatierte das Verbrechen der B e- l e i d i g u n g. Und zivar hatte nicht etiva der Assessor das Mädchen beleidigt, iveil er ihm außerehelich ein Kind zugefügt und dann die Ehe verweigert hatte, sondern der Herr Staatsanwalt beantragte vielmehr gegen Fräulein Rosa sechs Monate Gefängnis wegen der „systematischen Kompromittierung eines angesehenen Beamten". Die Strafkammer erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen, weil Fräulein Rosa de» angesehenen Beamten dadurch beleidigt habe, daß sie zu Dritten äußerte, sie habe ein Kind von dem Assessor gehabt I Mit dieser Gerichtsentscheidung haben ivir endlich wieder ein neues Verbrechen erhalten: Die beleidigende Vaterschaft. Hatte Napoleon I. die Recherche der Vaterschaft verboten, um die Erobernngslust des Mannes durch die UnVerantwortlichkeit zu befeuern und so genügenden Soldatennachivuchs zn sichern, so haben die Stuttgarter Richter einen neiie» Rechtsgnindsatz aufgestellt, der besagt: die Erivähnnng der Vaterschaft ist beleidigend.' Es ist diese lrimiuelle Bestimmung eine angemessene Ergänzung und Ausführung jener glorreiche» Entdeckmig deS Vürgerlicheu Gesetzbuches, daß der natürliche Vater nicht verwandt mit seinem Kinde sei. Der Satz ist offenbar die Grundlage der Stuttgarter Entscheidung: Ist der natürliche Vater nicht verwandt mit seinem Kinde, so kann sich anch ein Assessor verbitten, dah irgend jemand eine solche Verwandtschaft behauptet. Es ist das die Behauptung einer nicht erweislich wahren Thatsache, die geeignet ist. den natürlichen, aber nicht verwandten Vater verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Für den Juristen ist damit der Fall glänzend erledigt. Für den natürlichen, aber mit dem Juristischen nicht verwandten Verstand wird die Entscheidung zu einem Marterqnell des Unfaszlichen. Wie? Jeder Mensch, anch ein angesehener Assessor, hat daß Recht auf natürliche Vaterschaft. Wenn aber die Mutter die That- fache ivahrheitSgemäh behauptet, wird sie wegen Beleidigung ver- urteilt! Es ist keine Schande, wenn ein Assessor angerchelich ein Kind kriegt. Aber es ist eine tödliche Beleidigung für ihn, wenn die Mutter sich zu ihrem Geliebten bekennt. Ei» Assessor wird nicht in seiner Carricre gestört, wenn er ohne Standesamt ein Mädchen zur Mutter macht. Aber er muß im Interesse seiner Carriere geschützt werden davor, dast das Mädchen das süße Geheimnis verrät. Ein lAssefsor wird keineswegs in seinem Ansehen gemindert, wenn er sich weigert, eine von ihm verführte Frau zu beiraten. Die Frau aber wird ins Gefängnis gesperrt, wenn sie den Anspruch auf Heirat erhebt und begründet. Die That ist weder schändlich noch strafbar, aber die B e« hauptung der That ist sowohl höchst schändlich als auch höchst strafbar. Siehe da: die bürgerliche Sittlichkeit in eine m Satz! Darf hinfort nun noch ein Mädchen, wenn es die Alimeutierung ihres Kindes gilt, dem Vormnndschaftsgericht den Namen des Erzengers offen nenne»? Ist das nicht beleidigend, nicht geeignet, angesehene Männer zu kompromittieren? Und man stelle sich vor, das; Fräulein Rosa eine Gcncralstochter ge- Wesen.„Wer ist der Verführer" donnert der Vater.„Der Assessor TL" flüstert das Fräulein weinend. Der General eilt zu dem Assessor:„Heiraten Sie jncine Tochter oder ich schiesze Sie nieder wie einen tollen Hund." Der Assessor TL aber lächelt spöttisch:„Ich kann Ihnen nur raten, Ihren Mund zn halten und das(Serücht nicht weiter zu verbreiten. Ich bin allerdings der Vater. Wenn Sie das aber öffentlich sagen, citiere ich Sie wegen Kompromittiernng meiner Person vors Militärgericht. Das wird Sie eklich verknacken! denn ich bin ein angesehener Veainter I"... Fräulein Rosa war offenbar keine Generalstochter I... Fräulein Rosa hatte ihre Gefängnisstrafe verbiistt. Kanin war sie heraus, da begann sie aufs neue, den Assessor an seine Pflicht zu mahnen und zn erzählen, dag er von ihr ein Kind gehabt habe. Da machte sich der Assessor auf und floh nach Berlin. Das Fraulein folgte ihn,. Diesmal wandte sich der Assessor nicht an die Gerichte, fondern an die Polizei. Und alsbald erhielt Fräulein Rosa den polizeilichen Ansiveisungsbefchl für Berlin und sämtliche Vororte. Sie wurde in der Zuschrift als eine Person bezeichnet, die für die öffentliche Sicherheit und Moral gefährlich sei. Denn abgesehen von ihrer unsittlichen Lebensführung habe sie sich einmal einer Assessorbeleidignng schuldig geiuacht. Nun habe aber das Ober- VerwaltnngSgericht entschieden, das; anch eine MajestätSbeleidigung genüge, nn, die Begriffsbcstimnnnig des Vagabundcn-Gesetzes zn er- fülle», das gegen gefährliche Individuen die lokale AuSweisnngS- bcfngnis gewährt. Der Schutz, den der'König genicj-e, müsse anch den Beamten des Königs zn teil werden. Folglich habe Fräulein Rosa nnverzüglich Berlin und die Vororte zn verlassen. Das geschah denn auch! Ann endlich war der Assessor frei und nnbeheltigi. Briefe, die Fräulein Rosa an ihn schrieb, liest er uneröffnet zurückgehen. Nichts störte mehr sein Ansehe» und seine Carriere. Bald wurde er Staats- ainvalt, erster Staatsanwalt, Oberstaatsanwalt. Abgesehen von den Gerichtsfcrien verging lein Tag, an den, er nicht mindestens zehn Jahre Freibeilsstrafe» beantragen konnte. Als seine Haare an den Schläfen grau wurden, beschlost er zn heiraten. Er hatte eine junge Dame ins Auge gefastt, die allster ihrer Schönheit nichts besäst. Obwohl nun alle ernsthafte» Leute, Vater und Mutter voran, dem Mädchen znredclcn, den ehrenvollen Antrag anznnehnien, da sie dann ihr Leben lang gut versorgt wäre. zögerte die Schöne; den» sie»lochte den„alten Kerl" nicht. Eines Morgens erzählte ihr ein Onkel die Geschichte von dem Stuttgarter Gerichlsspruch, dessen Held der Oberstaatsanwalt in seinen jungen Jahren gewesen. Da zuckte ein eignes Leuchten über das Gesicht des Mädchens und zum allgeincinen Erstaunen erklärte sie: Ich werde ihn also heirate». Am Abend desselben Tages aber küßte sie vor dein Schlafengehen das Bild eines beltelarnien, schwärinenden Eindenten... Die Hochzeit ivnrde mit allen, stanllichen nnd kirchlichen Zubehör pomphaft gefeiert. Nach der schicklichen Karenzzeit erschien ein kleines wttnderniedlichcs Mädel ans dem Plan. Der Oberstaats- anwalt war so glücklich, dast er an dem Tage doppelt so hohe Strafen beantragte, wie sonst. Als aber die junge Mutter sich bon ihrem Lager erhoben, tanzte sie jubelnd nnt dem Kindcheit' umher,»nd kam einer von der Ge- vatterschast znr Gratulation, so rief sie strahlend aus:„Das Aller- schönste aber ist, dast ich meine» Mann nicht beleidigt Hab"." Ob dieses dnnllen Rätselwortes erstaunten Vetter» und Basen nnd sie drangen ans die Erklärung:„Aber das ist doch ganz einfach", ries lustig lachend die junge Mutter,„ich habe sei n A u s e h e n n i ch t l o n, p r o», i t t i e r t; d e» n d a s K i n d l e i n ist nicht von i h in". Ein erstaunliches Summen und Raunen ging durch die gute Gesellschaft. Von Mund zn Mnnd lief das Wort:„Die Frau Ober- staatsnnwalt hat ihren Mann nicht beleidigt, weil ihr Kind nicht von ihm ist." Bald erfuhr's anch der Herr Oberstaatsanwalt. Er raste vor Zorn. Als er seine Frau znr Rede stellte, lachte sie ihn aus nnd berief sich auf den Stnitgnrter Spruch: Es sei doch für ihn gerichtS- notorisch beleidigend, wenn er von einer Frau ein Kind kriege! Der Herr Oberstaatsanwalt kanftc sich darauf ein Dutzend Revolver und beschloß, die trenlose Frau und ihren Buhlen nieder- znschiesten. Da aber einerseits seine Gattin jede Auskunft über den wirklichen Vater verweigerte, andrerseits es ihm noch zur rechten Zeit einfiel, dast es sich für einen Oberstaatsanwalt nicht gezieme, eine strafbare Handlung zn begehen, so verzichtete er auf die Knallerei und liest sich von seinem Weibe scheiden. Ansterden, aber verklagte er sie wegen Beleidigung I Die geschiedene Frau Oberstaatsanwalt wurde rechtskräftig zn vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie einen angesehenen Be- nmten dadurch beleidigt hätte, daß sie zu Dritten geändert, sie habe kein Kind von dem Oberstaatsanwalt gehabt.— Joe. Kleines Feuilleton. th. Vahnhof Alexanderplatz. Drüben, wo die Stadtbahn hält, sieht das Leben den ganze» Tag nicht still. Zug auf Zug donnert in die Halle, Wagen ans Wagen. Eilt der eine hinaus, komnit schon der andre. Die Räder schüttern, der Boden dröhnt, phantastische Gestalten malt der weiße Rauch an Wand und Decke. Auf de», Fernbahnhof ist eS stiller, halbe Stunden vergehen, ehe ein Zug einläuft. Wer den seinen verpaßt hat, muß lange warten. Er kann nicht gleich mit dem nächsten fahren, sie flattern hier nach allen Windrichtungen auseinander. Weit her kommen sie: von Ost und West, von Ungarn und vom Rheine her. Weithin eilen sie: nach Paris und Petersburg, nach London nnd nach Bukarest und weiter noch. Und Menschen kommen nnd gehen. WaS für Mcnschcn? Keine Dutzendgesichter, aber ganz und gar nicht I I» den oberen Klassen allerdings, da wo man in bequemen Schlafwagen auf eleganten Plüschbänken fährt, da allenfalls. Dieses „gute Publikum" bleibt sich imiiier gleich, ob eS ans Frankreich oder Deutschland kommt. Es trägt elegante Toilette» nnd thut riesig vor- nehm. Die Damen schauen gelangweilt aus das Bahnhofstreivcn, die Herren sehen kann» von ihren Zeitungen auf, nur wenn sie Bier kaufen wollen, oder ganz und gar aussteigen müssen, richte» sie sich empor ans ihren sam», einen Polstern. Besonderes ist nicht dar- unter. Hin und iviedcr zwar doch eine glniängige Ungarin, eine blast- blonde englische Mist, auch wohl ein Serbe oder ein lebhafter Fran- zose; die Leute sehen ihnen nach nnd staunen, aber es sind und vleiben Ausnahme». Bei den übrigen Wagen ist daS ganz anders. Dritter Klasse. vierter Klasse: was bekommt man da nickt alles zn sehen I Das Leben! Wie ein aufgeschlagenes Buch liegt es da, und die Seiten kehren sich von selber»m. mau braucht nicht einmal zu blättern. Jede Seite zeigt eii, andres Bild. Donnernd fährt der Zug in die Halle; nach Osten geht er: „Roch Schlesien" zeigt der Weiser. Nach Schlesien, irgend wv da unten hin nach der polnischen Grenze: Nester liegen da, die lein Mensch kennt. DaS junge Mädchen schlllchzt, während sie den Koffer in den Wogen schiebt. Sie schluchzt herzbrechend. Die Mutier klopft ihr tröstend auf die Schulter:„Aber Miczekcn, is ja doch'ne gute Stelle, die De kriegst, nnd ich schreib' Dir ja anch alle Woche." Ihre Stimme zittert. Das junge Mädchen schluchzt noch lauter, aber sie wehrt der Mutter Hand:„Last' doch man, Mutter, deS is es ja jar»ich, aber „ii da unter die' Pollackcn, nnd elektrisches Licht jicbt's da nich, und niemals kann»,an nichr tanze» jchen nach de Hnsenheide!" Der Mann init der zerlumpten Jacke geht ganz langsam. Tief- gebengt, als schleppte er Eentnerlasten, trägt er sein armseliges Bündel. Einen langen Blick wirft er durch die Bahnhofsfenster ans die Stadt zurück— aus Berlin. Oh Berlin! Was liegt in diesem Blick! So viel Hoffnungen, die jäh zerschellten, so viel Wünsche, die sich nie erfüllten. Oh, Berlin! Die kleine Dame mit den vielen Paketen rennt, rennt aber sehr gravitätisch, jeder Laufschritt noch repräsentierende Würde, Beamten- fran ans Kleinstadt, must sehr rechne», spielt aber doch eine Rolle im Nest, Die beiden Frauen ans der Bank scheu ihr nach nnd lachen: „Du, die und ihr Sanimetcnpes, die passen zusammen." „Wie saurer Hering und Schlagsahne." „Det Kleid und der Hut sind von Anno Toback und»Ich mal teuer,»nd nn det elegante SammetcapcS, ncnstc Mode und sogar Pelz is»och bntm vum, bct hat feine fnszig Mälker iefeft', ivic's neu luar." »Ja, wie'S neu war, i§ aber»ich mehr»e»," „?>ee, Iveihte, Ivo se bei her hat? Jn»z entschiede» von'» Trvdelfrihe», da kriegt man die Dinger for sieben Ntark, aber in Posemiickel thnt se sich nu dicke mit ihr„teures Snnnniccpes* ans Berlin." »Ab— fahr'« schreit der Perronbeamte. Keuchend und pustend fahrt der Zug ans der Halle. Aber neue Zuge fahren ein. Lauge Wagen ball russischer Ans- »'anderer. Dicht' �nsaimnengepfercht sitzen und stehen sie in der jammervollen vierten Klasse. Ä» die schmalen kleineu Fenster drängen sich ihre reisemüden Gesichter. Merkwürdige Gesichter, niedrige Stirnen, knochige Züge, in den Augen ein Ausdruck halb Hossminq, halb Scheu, Hofsunug auf Freiheit, Scheu vor der Knute, der sie eben entronnen sind, selbst die Kinder sehen mit dieser Scheu in die Welt. Drüben bei dem Ausgang lachen und schwatzen sie, Landvolk ist es oben ans Ostprentzen: stäiiiniiqe Burschen, dralle Mädchen. In Bündeln und Päckchen, in rote» Tüchern und hohen Kiepe» tragen sie ihre Habe. Aermliche Habe, aber die Augen leuchten und es ist ei» Gesuche und Gejubel unter ihnen! lausend sast eilen und springen sie die Treppe hinab. »Nach Berlin I" Die kleine hübsche Blonde lacht hell auf:»Na det soll mir passen, Tüsseln buddeln aufs Int for Jroscheus dreie'n Dag. Nee ick such' ina'n Dienst in Bolin» da siebt's Jeld." »Bille Jeld— hat min Modder sagt." Die Burschen stimmen jubelnd ein:»ville Jeld I' „lind keene dreckige» Tüsseln und olle Modderarbeet ausS Land." »Und frei is man,»ich wie aus de Jäter I" „Frei I" Ein Jauchzer tönt ans frischen Kehlen. Und so steigen sie die Treppe hinab in den brausenden Lärm der grosien Stadt. Mit ihren Hoffnungen und Wünschen, mit ihren zukunflsfrohen Plänen. Nach Berlin!— — DaS Aufbewahre» der Zwiebel». Obergärtner A. Sliwa schreibt in der Wochenschrift„Nerthus": Vorbedingung zu einer gnle» Ueberwinterung ist, dab die Zwiebel» im richtigen Reise- zustande geernlet werden. Dieser kennzeichnet sich dadurch, datz der Zwiebelhäls weich ist und die gelblichen Rohre sich niederlegen. Ileberreif gewordene Zwiebeln schlagen bei fenchiem Augustwetter sofort Wurzeln und faulen dann über Winter ebenso leicht, wie nicht ausgereifte. Bei ungleichmäbig eingetretener Reife hat demgemäß die Ernte mit Auswahl zn erfolgen. Nachdem die reifen Zwiebel» bei trockenem Sommerwetter ans dem trockenen Erdboden dünn a»s- gebreitet und mehrfach gewendet, bei nassem Welter in einem lustigen Schuppen oder Boden nachgetrocknet wurde», zum Teil auch wohl mit zusammengebundenem Kraute luftig und sonnig zur Nachreife aufgehängt waren, sind sie etwa im November zu reinige» und zn sortieren. Kleine Vorräte steckt man danach in Netze und hängt sie frostfrei, aber nicht zu warm, jedenfalls in einem trocknen Raum auf. Große Mengen schüttet man in 40 bis 50 Ceutimeter hohe Haufe» in frostfreie Räume; sind letztere nicht ganz frostfrei, so »verden bei Frostwetter Säcke über die Haufen gelegt und diese mit Heu bedeckt. Dann läßt sich allerdings nicht vermeiden, daß die Zwiebeln in„Schweiß" geraten. Bei milder Luft ist deshalb die Decke zu entfelnen, Ziiglnft zu veranlassen und wiederholt ein Um- schaufeln zu besorgen, bei welcher Gelegenheit alle fauligen, weichen - S>ücke auszulesen sind. Auch kleinere Borräte sind im Winter durch- zusehen. Sollten Zwiebeln angefroren sein, so dürfen sie nicht berührt werden, sondern erst, nachdem sie ohne weitere Maßnahmen möglichst langsam aufgetaut sind.— Litterarisches. — n. Felix H ü b e I:„J n einer W i n t e r n a ch t." Eine Gespenstergeschichte. Leipzig. Hermann Seemann Nachf.— Die Geschichte spielt in einem württembergischen Dorf und behandelt das alte Thema von dem Mädchen, das einen andren heiraten soll, als den, de» sie lieb hat. Der Rechte kommt aber»och im letzten Augenblick— am Hochzeitstage. Kühn entschlossen entführt er die Braut. Die angetrunkene Hochzeitsgesellschaft setz! den Flücht- liugen nach und eine Pistolenkugel lolet das Mädchen. Der Enl- führer entkommt, und niemand hat ihn wieder gesehen. Der Stoff wäre somit etwas Alltägliches. Nicht aber die Form, die Art, mit der die Erzählung vorgetragen wird. Auf seinen ersten zwanzig Seiten ließ sich das Büch- kein wie eine mittelmäßige Kalendergeschichte au. Dann aber kommt ellvas Unheimliches in die Erzählung, etwas daS zwischen den Zeilen steht, und de» Leser packt, daß er daS Bach in eine Ecke schleudern möchte. Und doch in n ß man eS z» Ende lesen. Mit einer brutalen Kunst wird die Handlung in kurzen, nur andeutenden Strichen skizziert, und somit der Phantasie des Lesers der denkbar weiteste Spielraum gewährt. Die Art der Mittel. »sit denen der Autor zu wirken sucht, erinnert lebhaft au Edgar Verantwortlicher Redaeteur: Carl Leid in Verlin. Alle» Poe, mit dem er auch das Unheimliche und Fascinierende gemeinsam hat.— Geographisches. — Der Umfang der noch unerforschten Gebiete Kanadas beträgt, wie der„Globus" einem Berichte des Direktor? der Geologieal Survey des Domininms entnimmt, zur Zeit mehr als ein Drittel des Gesamtareals, so daß man mit Recht behaupten kann, daß die Erforschung Jnnerafrikas in den letzten 50 Jahren schnellere Forlschritte gemacht hat, als die Britisch-Nordamerikas. Abgesehen vom Südosten und Süden Kanadas ist kaum mehr als die Flüsse und Seen bekamsi, während zwischen diesen nngehenre Flächen sich ausdehnen, die noch nie eines Forschers Fuß betreten hat. Von den 3 235 000 Quadrat- Kilometer unerforschten Gebietes kommen 705 000 Quadrat-Kilometer auf die arktischen Teile, von denen mir die Küsten notdürftig aufgenommen sind. Es giebt darunter unerforschte Stellen, die zweimal so groß sind wie Schott» land, ja das doppelte Areal Englands umfassen. Selbst an der Südküste der Hudsonbai trifft man zwei Stellen von 38 000 und 57 000 Qnadrat-Kilometer unerforschten Gebietes, während südlich und östlich der Jamesbai. also in der Nähe der dichter bevölkerten Teile Kanadas, noch 00 000 Qnadrat-Kilometer zu untersuchen wären. Auf der Insel Labrador harren im ganzen noch 743 000 Quadrat- Kilometer— ein Gebiet, doppelt so groß als die britische» Inseln— der ersten Untersuchung. Nur einige, namentlich durch Löwe auf- genommene Flüsse ziehen sich als bekannte Linien ins Innere hinein.— Hnmorirtislkies. — Hoch st e Faulheit. Bauer:»He, Sepp, hast' den Sack Haber'neing'fahr'n zum Bräu?" Sepp sschweigt). Bauer:„Du, Sepp, hast' net g'hört: Ob D' den Sack Haber 'neing'fahr'n hast zum Bräu?" Sepp sschweigt). Bauer:„Krenzbombenelemeut! WaS war' denn dös? Ob D' den Sack Haber'neing'fahr'n hast zum Bräu, Hab' i g'fragt?" Sepp(nickt). Bauer:„Warum red' st den» nacher nix?" Sepp:„ I' Hab halt g'rad'»i ei' Maul so schön zug'habtl"— — Summarisch. Bekannter:»Nun, was giebt's denn diesen Abend bei Ihnen, Herr Direktor? Schmiere n direkter:„Die Jnngfran von Orleans und Erbsensuppe mit Schweinsohren!"— — Ausgewichen.„Herr Wirt, da s ch w i m m t ja eine Fliege in meinem Vier herum!" „Nicht möglich I... Wo das Thier! das nur gelernt hat!"— („Flieg. Vl.") Notizen. — Otto S o m m e r S t o r f s hat sich dem Deutschen Theater aufs neue bis zum Sommer!004 verpflichtet.— — Ibsens„Wildente" geht am 19. Oktober neu ein- studiert im Deutschen Theater in Seene. Else Lehmann spielt die Gina, Vassormam« den Hjalmar Ekdal.— — DaS„Bunte Brettl"(Alexanderplatz) veranstaltet heute nachmittag seine erste Sondervorstellung, bei der die beiden litterarischen Parodien„Bibamus" von Otto Erich Hartleben und „Der Veterinärarzt" von Hanns v. Gnnipenberg zur Erstanfsührnng gelangen. Eingeleitet wird die Vorstellung durch den Einakter »Sturmwind" von Henriette Lhon.— — Adolph L' A r r o ir g e s Lustspiel„Die Wohl- thäter" erlebt am 17. Ollober im Hamburger Thalia- Theater seine erste Ausführnng.— — Die öffentliche Hauptprobe zum 1. Philharmo« «is che» Konzert unter Arthur Nilischs Leitung und solistischer Mitwirkung von Teresa Earreno findet heute, mittags l2 Uhr, in der Philharmonie statt.— —„Die zertanzte» Schuhe," eine Operette von L e o p o l d H a s s e» k a m p. ist vom C e u t r a l- T h e a t e r zur Aufführung angenommen worden.— — lieber die Bedeutung deS jetzt so viel gebrauchte» Wortes Khaki klärt Dr. Hubert Jansen auf. Khak, schreibt er. worin das Kh wie deutsches ch in Rache gesprochen wird, ist ein persisches Wort und heißt„Staub". Das davon gebildete persische Adjektiv Khaki(chaki) heiße„staub-, erdfarbig". Beide Wörter gehören auch. als persische Lehnwörter, zum Sprachschätze des nordind'ischen Haupt« idioms, des Hiudostani oder llrdn. Die von den Engländern erprobte Erdfarbe der Soldateukleidung wurde von den einheimischen Sol- dateu NordindienS mit dem entsprechenden Worte Khaki bezeichnet: selbstverständlich kann dieS nur die Farbe bedeuten. Irrigerweise wurde eS auch auf den Stoff übertragen.—(. Globus".) — Der höchste Schorn st e i» Deutschlands befindet sich, wie uns von seinem Erbauer H. N. Heinicke mitgeteilt wird, bei Frei- berg i. S.: es ist der 140 Meier hohe Schornstein der Hals- b r ü ck» e r Schmelz h ü l t e n.— Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.