Interhallungsblatt des vorwärts »ix. 205. Sonntag, den 20. Oktober. 1901 Machdruil verboten.» 29} Vrauf los! Roman von Jonas L i e. „Am vorletzten Angust war es," sagte die Wala,„als er zu eweni Schöpfer berufen ward. Ja, ja! Die Gicht meldete sich da half es nichts, gegen den Stachel zu löken,— fort mußte er von all den unversorgten Mäulern und das Stelzbein verlassen. Das Hans ist wohl gar nicht so viel wert... Seither hat die Tochter die Feinwäscherei für die Herren Offiziere über- nommcn. Die Buben gehen in die Schule, wie ich sehe... Für sie selbst ist es aber ein hübscher Unterschied zwischen früher und jetzt I Die Haubitze war gewissermaßen eine hoch angesehene Person in der Stadt, auf der Straße und überall, wo man eine Obrigkeit brauchte, und>vie die Windfahne auf dem Dach des Kaiioniers sich drehte, so drehten sich alle, fast bis nach Stavärn hinab..." Nejer hörte ihr nicht länger zu. „Guten Abend, Madame Wahl!" sagte er plötzlich und schon sah sie ihn den Weg hinabsteuern, den er ge- kommen war. Wieder bog er zum Hause des Kanoniers ab und nun ging er gerade darauf los. Koste es, was es wolle— er kehrte nicht anders zurück, ohne Sara gesehen und sich Klar- heit verschafft zu haben, wie er bei ihr stand. Im Hofranm drinnen sah er einige der gespannten Schnüre rücke» und sich bewegen und aus dem Holzverschlag leuchtete eine Laterne. Er wußte, wer sich dort befand, che er sich näherte. Sara wendete ihm den Rücken zu und nahm für die Nacht den Rest der aufgehängten Wäsche ab. „Guten Abend, Jungfrau Rördam!" sagte Nejer. Sie wenoere sich so rasch um, daß der Strick herabfiel. Da l»n- schaften angefüllt ui»d werden gleichzeitig die durch die SIlaven- Wirtschaft entvölkerte» Gebiete Galliens mit Germanen besiedelt. An diese für Rom n>it Unheil schlvangcreu Thatsache» gemahnt auch diese Urkunde aus ASkalon.— Geographisches. — Die Grotten der tausend Buddhas. In den jetzt erschienenen„Oomptes-Renckus" der„Aeadöniie des inscrip- tions et belies-lettres"(Bulletin Mars-Avril) ist ein Borbericht des französischen Reisenden Charles-Eudes Bon in über seine Reise(1898— 1900) nach Central-Asien enthalten, wobei er im Süd- osten der Stadt Sha-Tcheou an der westlichsten Spitze der ivestlichen chinesischen Provinz Kansn die schon vorher bekannte», aber noch»ncht richtig geschilderten Grotten der tausend B»iddahs besuchte. In ei>»er Sandwüste, die sich bis zum Fuffe des Han-Shan-Gebirges erstreckt, findet sich die Oase, welche die für die ReligionS-»md Kunstgeschichte gleich wichtigen Grotte» birgt. Jetzt ist eS eine giinzlich verlnssene *) Die„Familie" einer römischen Truppe'war ihre Reserve an jungen Mannschaften, die in diesem Fall anderswo stalioniert war, als der eigentliche Truppenteil. Die durch Pünktchen bezeichneten ausgefallenen Worte müssen enthalten haben, daß Ageiimlidus zeit- weilig diese Familie befehligte. '') Ans der Rückseite Ron» und Konsiantinopel darstellend. imb vergessene Gegend; einst, Im ersten Jahrhundert vor Chr., zur Zeit der Han-Dhnastie, führte die grohe HmidelSstraße, die Europa mit dem änkersteu Osten verband, hindurch, und auch Marco Polo ist sie noch gezogen. Tsie»-fo-Tong heißt der Wallfahrtsort, wo sich in einer Lößaufschichtung, die niauchmal sich über 50 Meter über dem ansgetrockuctcn Fluß erhebt, die Grotten gleich den Zellen eines Bienenstockes befinden. Alle sind leer und in das ewige Schweigen der Wüste versenkt, aber ihre Wände sind mit glänzenden und, infolge der fortwährende» Trockenheit der Luft wie am ersten Tage frischen. Malereien bedeckt. Das Flußbett ist jetzt mit hundertjährigen Baumen beivnchscn, die ein heiliges Gehölz bilden und die Grottenfassaden teilweise bedecken. Keine Grotte gleicht der andren; je nach der Höhe der Lößschicht sind drei und vier übereinander, von denen manche nur einen oder zwei Meter tief sind, die Mehrzahl aber 8—10 Meter im Quadrat habe», während die größten Grottensäle 15— 20 Meter Breite und Tiefe umfassen. Untereinander standen sie nur durch Holzbalkone in Ver- bindung, von denen noch Spuren geblieben sind. Die in ihren volle»' Farben noch leuchtenden Fresken sind zum größte» Teil ini reinsten indischen Stil auf einen Kalkbetvnrf genialt. Es zeigen sich große und kleine, sitzende, ruhende und stehende Buddhas, dann die Göttin Tara, Scenen aus dem Leben und der Berehrung Buddhas, Fcstzüge, deren Teilnehmer arische Gesichts- bildung und indische Kleidung tragen, und lvobei namentlich die Grazie der dargestellten Frauen ausfällt. China selbst ist nur an den Wänden der größten Grotten mit den üblichen Scenen aus dem täglichen Leben des Chinesenvolkcs repräsentiert. Als hervorragende Grotten bezeichnet der französische Neiscnde eine Pagode mit einem 15 Meter großen liegenden Buddha i eine andre, deren 25 Meter hohe Bnddhagestalt durch drei Stockwerke gehend ans dem Löß gearbeitet ist' den Centraltenipel, der fünf Etagen und einen ungefähr 30 Mteler hohen Buddha birgt; einen große» Saal mit Idolen und Inschriften. Ivo- bei eine religiöse Formel in sechs alten tcilivcise verschwundenen Alphabeten abgefaßt ist; eine große Grotte mit drei Gruppen von je drei Figuren vor einem ruhenden Buddha, alles im indischen Stile. Die Inschriften verteilen sich von 366 n. Chr. an ans die Tangepoche<776 und 894), auf einen König von Sining RamenS Suleiman<1350), der ein Urgroßueffe des Tchcngis-Khan war, und auch das 19. Jahrhundert ist in einer kleine» Pagode nächst de» Grotten mit einer Inschrift aus dem siebenten Jahre Kiaking<1802) Vertrete».— Aus dem Tierleben. -—Heber die Mengen, in denen Tiere auftreten können, enthält die Schrift„Gesellige Tiere" von W. Marshall verschiedene Angaben. Es solle» auf der kleinen Insel Baß bei Schottland früher jährlich 75 000 Pärchen des Tölpels genistet haben. Die Troltlmnmen bilden ans den nordischen Bogelberge» Herden von mehr als 100 000 Stück. Abbot fand auf den Falkland- Inseln ans einer Fläche von 25 000 Quadratmeter mindestens 100 000 Eier von Pinguinen: da aber jedes Pärchen»nr ein Ei erzielt, brüteten dort 200 000 dieser Vögel. Pöppig sah an der Westküste Südamerikas schwarze Vcrkchrtschnäblcr in solchen Mengen sitzen, daß sie entlang des Strandes ein dunkles Band von 11—12 Kilometer Länge bildeten. Bei Van- Diemensland beob- achtete Kapitän Flindros 1850 einen dichten Zug Sturmvögel von 300 englischen Ellen Breite und 50—80 Elle» Höhe, der IV» Stimde lang vorbeizog; er schätzte ihre Zahl auf über 151 Millionen Stück. Kapitän Bogant sah das Ufer der Insel St. Paul auf eine Länge von etiva 18 Kilometer und in einer Breite von 70 Meter von Bärenrobbe» bedeckt; er schätzte ihre Zahl auf 1 152 000 Stück. Noch vor 50 Jahren wurden am oberen Kongo Antilopen- Herden von mindestens 30 000 Köpfen beobachtet. In einem einzigen ostprenßischcn Reviere wurden 1853/54 etwa 150 Millionen Eier des NonNenspinnerS gesammelt. Die Schwärme der Wanderheuschrecke mögen sich auf Milliarden von Individuen belaufen. Im Frühjahr 1372 wurden an einer Strecke der Westküste Schleswig-Holsteins über 5 Millionen Heringe gefangen. Ihr Mageninhalt bestand fast ausschließlich ans' einer kleinen Krebsart, durchschnittlich 21 000 Stück in jedem Magen. Es kommt also nur anf diese Heringe die gewaltige Zahl von beinahe 16 Milliarden Krebse, die doch nur einen Bruchteil der überhaupt vorhandenen darstellen. Wo bleiben da, wenigstens der Zahl nach, die 1500 Millionen Menschen der ganze» Erde?— Technisches. gr. Soll die Kohle vor dem Aufwerfen genäßt werden? Ueber die Frage, ob es zweckmäßig ist, die Kohle vor dem Aufwerfen zu nässe», sind bekanntlich die Ansichten sehr geteilt. Da nun aber die richtige Beantwortung sowohl für kleine als auch für große Fcuerungsanlagen große Wichtigkeit hat, so wird die Meinung des Fachblattes für die Praxis der Dampfkestel- und Dampfmaschincnbetriebe Beachtung verdienen. Der rein wisscnschaft- kich und theoretisch gebildete Mann wird sagen, daß das Befeuchte» der Kohlen keine Ersparnis mit sich bringt,' weil das Wasser zersetzt wird, und weil dazu ebenso viel Wärnie gebraucht wird, als man später zurückgewinnen kann. Ferner ist es möglich, daß beim Umwandlungsprozeß ein direkter Verlust entstehen kann, weil eben keine Umwandlung Verantwortlicher Redacteur: Gart Leid in Berlin. ohne Verlust möglich ist. Die Praxis zeigt jedoch, daß z. B. die Lokomotivheizer fast ohne Unterschiede ihre Kohlen nässen, denn thun sie es nicht, so jwird viel Kohle durch die Rohre hindurch« gezogen und durch den Schornstein ausgeworfen, bevor sie die Möglichkeit hatte, gänzlich zu verbrennen. Wo weiche Kohle bei stationären Kesseln' verbrannt wird, werden die Feuerungen häufig weit mehr beansprucht, als sie könnten, wenn nicht verstärkter Zug gebraucht würde: hier ist es nun am Platze, die Kohlen zu befeuchten, denn diese Behandlung verhindert den Ruß, sich in den Röhren an- znsammeln. Ei» andrer Grund ist der, daß die Kohle lebhafter verkokt, und obgleich es dadurch erforderlich wird, das Feuer in kurzen Zwischenräumen aufzubrechen, so wird die Kohle doch nicht durch die Rostspaltcn fallen, weil sie durch den infolge der Feuchtig« keit entwickelten Zusammenhalt daran gehindert wird. Wen» man einen einfachen Versuch machen will, so braucht man nur eine Schaufel voll feiner, trockener, weicher Kohle in ein leb- Haft brennendes Kcsselfcuer zu werfen; hier zeigt sich, daß sich die ganze Menge anf einmal entzündet, wodurch die Hitze an einer Stelle noch größer wird, als sie an und für sich schon ist. Dieses Resultat muß natürlich in der Praxis ver- miede» werden. Bei feuchter Kohle wird der Verbrennungsprozeß verzögert, bis die Heizgase weiter»ach dem Schornstein hingekommen sind, wo die Hitze besser abgegeben werde» kann, so daß dadurch bessere Resultate erlangt werden. Jedenfalls unterstützt der sich bildende Dampf die Verbrennung. Diese Annahme wird auch durch folgende Beobachtung unterstützt: man hat nämlich beim Gebranch von Ge- bläscn und Dampfstrahl- Apparaten gefunden, daß die bei Gebläsen gebildete Schlacke hart und nicht so leicht zerbrechlich ist, während die bei Benutzung von Dampfstrahl erzielte Schlacke viel weicher ist und daher auch wesentlich leichter zerbrochen werden kann.— Humoristisches. — Im Luftkurort.„Sagen Sie'mal, Führer, das muß doch wirklich eine gesunde Gegend hier sei»! Aus allen Straßen sieht man ja uralte Leute vor den Hänsern sitzen I* „Na, gnädiger Herr, unter uns: das sind man bloß die söge- nannten N c n o in m i c r g r c i s c; die werden alle Frühjahr von der Kurverwaltung engagiert und zum Herbst wieder heimgeschickt!"— — Boshaft.„Cignrrenspitz' gefällig?"—„Hat mein Mann schon 1"—„Vielleicht e' Portemonnaie?"—„Mein Mann hat erst eins geschenkt bekommen I"—„Oder wünschen Sc c' Taschenmesser?" —„Mein Mann hat schon zwei I"—„Dann kann ich vielleicht dienen mit schöne Hcmdknöpfchcr?"—„Geben Sie sich keine Mühe— mein M a n n braucht nichts!" Hausierer(zur Frau):„Vielleicht e' paar Hosenträger gefällig?"— — E h r f n r ch t s v e r I c tz n n g.„... Warum hat die Frau Bürgermeister eigentlich eine solche Wut anf Sie?" „Ach. wissen S', m e i' Ma' und i h r Ma' hab'n dö gleich' Krankheit g'habt— dös hat s' scho' damisch gift't I Nacha is m e i' Ma' noch vor i h r' m M a' g' st o r b' n— da war's aus!"-(„Flieg. Bl.") Notizen. — 18000 M. sind als Ehrengabe für Wilhelm Naabe zusamincngekonunen.— — Maxim G o r k i s G e s u» d h e i t S z» st n n d hat sich wieder verschlimmert; die Aerzte wollen ihn nach dem Süden schicken.— — Der polnische Dichter Michael B a l u ck i hat sich in Krakau erschossen. War 64 Jahre alt geworden.— — Die Mitglieder des Deutschen VolkstheaterS in Wie» beschlossen in geheimer Versammlung, in Stücken von H erm a n» B a h r n i ch t m e h r aufzutreten, tveil er als Kritiker sie abfällig beurteilte.— — Adolf L' A r r o n g e s Lustspiel„Die Wohlthäter" wurde bei der Erstaussührnng im Hamburger Thalia- Theater mit Beifall ausgenommen, in Stuttgart abge- lehnt.— — Dem Tonlünstler LI o b e r t Franz wird in Halle a. S. ein Denkmal errichtet werden; der Entwurf kommt von Professor Schaper.— — Neo-KatholiciSmuS. Der czecho-slavische, in Paris lebende Plakatzeichncr und Maler A l p h o n s M u ch a ist dem mystischen Katholicismus verfallen. Der ehemalige Lebemann will demnächst eine Reise nach Jerusalem unternehmen und danach trachten, „Werke einer ewigen Kunst zu schafieu und nicht nur satten Menschen ein gefälliges Bild für ihre lüsternen Angen zu geben."— — Eine Professur für G e w e r b e h y g i e n e wird an der Universität München errichtet werden.— — In S a n t o s(Südbrasilien) soll anf Staatskosten ein botanischer Tropen garten errichtet werden, der ebenso wie der Tropengarten von Buitenzorg auf Java europäischen Forschem Gelegenheit geben soll, im Besitze aller notwendige» Hilfs« mittel die Tropenflora zu studieren.—_ Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.