Unterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 207. Mittwoch, den 23. Oktober. 1S01 (Nachdruck verboten.» 81] Dvauf los! Roman von Jonas L i e. Rejer erkannte so ziemlich alle. Der dort, welcher auf seinem Sacke ausruhte und auf dem Knie trommelte und die Füße leise bewegte, war der Spielmann Knut, klein und gebrechlich, mit winzigen roten Augen. Wenn er zu tief zusammensank, so warf er den Kopf empor, als ob er sich zu einem neuen Tanzlied ermannen wolle; ja, einen Schilling für jede Hochzeit, auf der er auf- gespielt hatte... Jene Fainilie mußte von den oberen Höfen sein! Und diese, die dicke, alte Maid, welche dem Knaben vorsang Rejer mußte lächeln— war keine Geringere als die Schwester- tochter von Jörun. der 5luhmagd, dieselbe, in welche er so unglücklich verliebt gewesen, als sie auf Haarstad diente. Sie war entsehlich anzuschauen,— groß und grobknochig, das Moudscheingesicht in lauter niännliche Furchen verwandelt... Die beiden, welche an der alten Vorderladerbüchse mit dem Steinschloß herumbosselten, kannte er gleichfalls; sie gehörten in das Annex, in die Nordsetnachbarschaft. Keiner von ihnen war über dreißig Jahre alt, aber wie gebeugt und schlverfällig schon der Körperl Und die Weiber wie die Männer, ja sogar die kleinen Buben und Mädchen, welche alten, verwachsenen, hölzernen Gesichter... Das»var das Heimatsbygd; so zwerghaft verkrümmt sah es da aus,— hatte gleichsam Spinngewebe auf allen Truhen l Die Leute hatten sich im Zwischendeck ringsum ein- gerichtet mit all ihren gemalten und geblümten Koffern und Schreinen, mit Schaffelldecken und Betttücher und Rocken und einer ungeheuren Menge von unpraktischem Gerümpel. Es war in der That nur gut, daß sie nicht auch ihre Schleifsteine mitgenommen, und in einem Sacke stak auch wirklich ein solcher und eine alte Sichel! Schuhmacher Jo blickte nicht auf, sondern schnitt nur auf seinem Brett weiter darauf los. „Du nähst noch innner Schuhe, sehe ich I" sagte Rejer. Jo schaute den venncintlichen Steuermann oder Befehlshaber an Bord halb schüchtern an: „Ja Wohl,— die Frau des Schusters und die Mähre de?. Schmieds haben nie eiueil Schuh auf dem Fuß, wie Du weißt I" „Schuhmacher Jo!" rief Rejer im Aafjorddialekt. Schuhmacher Jo sah mit dem Messer in der Hand und aufgerissenein Munde empor. „Ich komme nüch nur erkundigen, wie es mit den Stiefeln steht, die ich damals zu Weihnachten zurückließ I" Schuhmacher Jo sprang auf. „Wenn das nicht Rejer ist, so werft mich gleich unter die Opdaler Steinlalvine l" rief er in seiner gewöhnlichen lebhaften Weise. Die Köpfe ringsum machten eine kleine Wendung und die Gesichter wurden gleichsam länger; aber es zeigte sich in ihren Mienen keine Spur von Ueberraschnng. che nicht Rejers Erklärung und Jos Zuruf ihnen die Wahrheit der Neuigkeit vollkommen bestätigt hatte. Und während sie sich da alle erhoben und Rejer ihnen die Hände schüttelte, tönte es um ihn her:„Nein, der Rejer I Nein, wirklich! Der junge Juhl l" Rejer sah aber hinter den knappen Worten noch mehr, denn da und dort zuckte es in den Gesichtern. Es schien, als ob sie in halbem Vorwurf:„Gerade, da wir reisen, kommst Du!" sagten. Rejer fragte, wie sie denn auf die Idee verfallen seien, nach Amerika zu gehen. „Frostjahre und Steuern und schweres Dasein!" „Und wenn das Bygd seine alten Versorger verliert", warf eine Frau beißend ein. „Und dann, seitdem die Leute einmal am Hering Ge- schmack gewonnen", meinte Jo,„so dachte jeder von ihnen nur noch an den Aafjordssand. Aber besondre Seeleute sind sie nicht, und dann hörten wir voir Amerika.... Manche glaubten, wenn sie nur den ganzen Weg immerfort den Strand entlang ruderten, so müßten sie wohl hinkommen, aber der Proviant würde ihnen wohl ausgehen! Da kam aber der Agent den Fjord herein und erklärte ihnen, daß sie da auf ein Schiff müßten..." Darauf folgte ein Sprechen und Ausfragen, aus welchem Rejer so gut wie alles über das Bygd erfuhr, über die letzten Tage der Mutter, über das Hammernäs, über die„Blisse", welche erschossen worden. Madame Juhl hatte es nicht ver- tragen, daß der Lensmann das Pferd auf Haarstadt hinüber bekomme. Man redete in einer eigentümlich traumbefangenen Stinimung und mit einer dem Aafjordbauern ungewohnten Offenheit,— etwa so, wie man vor seinem Tode reden mag. Jedoch hie und da entstanden im Gespräche, welches man diesen Sommerabend im Zwischendeck mit halbgedämpfter Stimme führte. Pausen, so still und drückend, daß man ver- nehmen konnte, wie draußen das Wasser an die Schiffswände plätscherte. Rejer wünschte auf der Hardangerfiedel ein Lied spielen zu hören, und so begann denn der Spielmann Knut zu spielen und spielte einen„Slaatt"') um den andern; es lag aber etwas wie zurückgehaltenes, wildes Weinen in den Begleiümgs- tönen und zwar, ob er nun Stücke wie den„Zauberfirn" und den„Goldberg" geigte oder ob er sich Mut faßte zur Lustigkeit des„Mühlradslaatts" und des„Wirbels". Hie und da vernahm man ein leises Schluchzen oder den be- klonimenen Seufzer irgend eines Weibes, als ob sie alle da säßen und darüber nachdächten, wie sie doch nie geglaubt hätten, daß sie jemals zu Knuts Ficdelklängen den Tanz treten sollten, den sie nunmehr traten. Rejer saß eine Weile und drehte die Hände, so daß sie in den Fingergelcnken krachten; plötzlich aber erhellte sich sein Gesicht, wurde scharf, männlich bestimmt und der Blick fest... Sein Zukunftsweg lag mit einem Mal wie in vollem Licht vor ihm!— Das Haminernäs streckt sich nicht umsonst in den Fjord hinein, auf dem geraden Weg zum Meere. und er »var vielleicht auch nicht umsonst hinausgezogen auf die See! „Der Hering... Der Hering l Rettung für den ganzen Aafjord I Das Hammernäshaus frisch aufgebaut,—»venn gleich anders, als Mutter und Schwester sich gedacht,— und das Bygd hatte vielleicht»nieder seinen Juhl!" Rejer machte diese Nacht seinen Lebensplan. „... Uitd so nimmt es ein Ende zwischen mir und dein „Alert", sagte Rejer eines Tages, nachdein er Lind in seine Heringspläne eingctveiht.„Aber ohne Kapital geht es nicht... Werde klein anfangen... mit meinen ztvei-, dreihundert -Thalern eine Teilhaberschaft an einer Schaluppe zu bekoinmen suchen I Damit gehe ich in» Sommer nach Spanien um Salz, verkaufe es im Winter in den Heringsfischerdörfern und führe dann Hering und Thran in die Ostsee! Das muß etwas zu verdienen geben und geht»vie ein Uhrwerk das ganze Jahr rundum!" Lind saß auf dein Sofa der Kajüte; er schob die See- mannsmntze über sein schtvarzlockigcs Haupt hinab: „Mein Vaterbruder, der alte Lind in Laurvig, hat eine Brigg. für die er keinen Führer, außer für den Holzhandel bekonnut; sonst ginge sie um Salz nach St. Aves... Geh mit ihm in Compagnie; möglichcrtveise schwimmt das Wrack noch... Er»vird dafür nichts verlangen, denn er hat im Handel viel verdient.— Aber clP mußt Du die Schute probieren; es»vürde sich doch nicht lohnen, darauf zu Grunde zu gehen!" „Ja»vohl, ja wohl, Lindl Schreiben Sie nur dem Alten, er kann nun einen haben, der ihin die Brigg treibt!" 14. „Arcturus von Laurvig" stand mit Verivischten gelben Buchstaben auf dem Acht.'rspiegel der Brigg, welche Rejer zu kommandieren hatte. Es»var ein rechter alter Trog, und dann hatte die Schute die Eigentüinlichkeit, stets schlechtes Wetter mit sich zu ziehen. Aber Rejer führte sie nun scho» das vierte Jahr von St. Ives nach der Heringsküste, und *> Slaatt ist ein Tanzlied - 8; von da wieder nach der Ostsee.— wie in einer Tretmühle herum! Während dieser Zeit hatte er sich ein hübsches Stück Geld zurückgelegt und noch obendrein sich gleich nach der ersten Tour verheiratet. Sein Heim war das alte Haus des Kanoniers in Frcderiksvarn, und als er nun ans der Ostsee zurückkam— es war so uni die Johanniszeit herum—. da hatte Sara ihm einen drei Monate alten Knaben zu präsentieren. Es war»schon Nummer zwei. Der älteste hieß Jan. Den zweiten wollte Rejer, der Sicherheit wegen, gleichsalls Jan nennen; aber auf welche Art?— Darüber war an diesem Tage zwischen den Eheleuten ziemlich heiß gestritten worden. Und als die Lösung gefunden war, indem man beschloß, den Jungen Konrad— nach dem Kanonier— zu taufen, da kam erst die Hauptschlacht! Da Sara ihren Willen durchgesetzt hatte, war sie ganz mild und freundlich geworden und ging vergnügt mit dem Gegenstand des Zwistes cmf dem Arm auf und ab.— Sie war als Frau»och schöner denn als Mädchen; es war fast, als paßte sie mehr dazu und sei erst jetzt eigentlich recht in ihrem Gleichgewicht. „Aber Rcjcr," sagte sie und kam mit liebenswürdiger Miene zu ihm hin, so nahe, daß der ungetaufte kleine Konrad ihm nach der Nase greifen konnte.—„wann, ineinst Du, können wir nach dem Norden ziehen?— Denke an die Kinder I Wir dürfen es nicht hinausschieben, bis der Herbst uns überfällt!" Ihre heimliche Angst war vielmehr, daß er wieder mit dem verrufenen, alten, lecken Salzschiff hinausziehen wolle! „Bei dem guten Verdienst, den ich heuer gehabt, denke ich. es wäre am richtigsten, noch eine Zeitlang fortzusetzen,— und nächstes Jahr gehen wir hinauf." „Du willst wieder nach Spanien!" rief sie. „Sommertage I— Schönes Wetter!" „Schönes Wetterl— Das sagst Du immer, wenn Du heimkehrst, Rejer!" „Ja, was denn! Hast Du vielleicht etwas dagegen«in- zuwenden?" „Nein; aber Rejer, einmal muß es ja doch ein Ende nehmen!— Einmal müssen wir ja doch in Aafjord an- fangen, denk' ich!" „Je mehr Kapital ich in den Fischfang stecke, desto Keffer, — das siehst Du doch ein." „Auf diese Art kannst Du freilich bis zum jüngsten Tag fortsetzen!— Und wie schön Du mir von allem vorerzählt hast, was Du im Aafjord machen wolltest, Rejer!— Und jetzt?"— Sie warf den Kopf auf die spanische Art zurück, ungefähr als wollte sie sagen, sie halte nun gar nichts von all seinem Geschwätz! Sie begann wieder auf und ab zu gehen. „Also nach Spanien... ich dachte. Du wärest danüt fertig?— Ich hätte nicht geglaubt, daß Du so wankelmütig bist, Rejer!" „Aber begreifst Du denn nicht, daß Geld Geld ist... daß dies das Pulver ist, mit denr ich schießen will?" � „Du hast schon über elfhundert Thalcr, Rejer!— und auf dem Hause liegt ein Angebot, so daß Du zweihundert Thalcr bekommst,— das, was drinnen steht, gar nicht gerechnet!— Ja freilich, wenn Du hier bleiben willst, so ist's etwas andres; das sehe ich ja am liebsten, schon wegen der großen Jungen.— Dann lassen wir aber den Hering und all das, wovon Du geredet, bleiben, wo es ist!... Ja, ja, dann wohnen wir hier weiter! Und Du kommst von der See zweimal im Jahr für vierzehn Tage heim— das giebt gerade einen Monat im Jahr— oder in dreißig Jahren dreißig Monate... So können wir in nnscrm ganzen Leben vielleicht doch zweieinhalb Jahre zusammen verbringen l... Da wird man einander auch nicht so leicht satt!"— Sie ging zur Wiege und legte den Knaben hinein; allein die heftige Art und die zoruvolle Miene sagten hinreichend, was sie meinte. „Du kannst es nehmen, wie Du willst, Sara I— aber was ich gesagt habe, steht fest!... Nächstes Jahr ziehen wir hinauf!" „Hör' einmal, Rejer," sagte sie langsam und sah von der Wiege, über die sie sich beugte, zu ihm auf,„ich wäre im stände. Dir mit dem Buben Deinen Willen zu lassen und ihm auch irgend einen Namen nnt Jan zu geben... wenn wir nur gleich jetzt ini Norden ansingen." „Nein,— das geht nicht!" „Tu willst nicht?" 6— „Nein." Sic fuhr empor: »Also Du willst nicht?... Lieber mit der Salzladrmg in dem schändlich verfaulten Fahrzeug auf den Grund des Meeres sinken!— Du sagst immer:„Schönes Wetter!"— aber meinst Du. ich habe niemand andren gefragt als Dich?... Jedesmal fetzest Du alles aufs Spiel, erzählte der Zimmermann; ihn bekommst Du nicht mehr mit!... Bitte sehr, geh nur unter!... Ich kann schon selbst für alle sorgen,— für die beiden hier auch!... aber ich werde Dir's nie— niemals vergessen, Rejer, daß Du es über Dein Herz brachtest, mich ohne Notwendigkeit so großem Kummer auszusetzen!... Ich hörte es wohl, das vorlctztemal, wie es in der spanischen See, vor Brest, bei all den blinden Klippen zugegangen ist!— Da standen Geld und Leben sehr in Frage I— Aber so lange es nicht anders geht, geht es nicht anders, dachte ich mir damals... Was würdest Du sagen, Rejer," schloß sie mit blitzenden Augen,„wenn wir zwei, der da und ich, uns einfach in diese Wiege hier setzten und uns nach Spanien auftnachten?... Es ist schändlich!— auf das habe ich mich Dir wahrhaftig nicht verlobt!" „Der Zimmermann ist ein feiger Hund.— froh, daß ich ihn los bin,— das Klatschmaul!— Versteht nicht mehr, eine„Leckheit" zu beurteilen als sie zu stopfen.... Darum lasse ich ihn aus der Schiffsrolle streichen, wenn Du auch darin Bescheid wissen willst. So ganz desparat bin ich doch auch nicht; wenn ich untergehe, ertrinke ja ich!... Und sollte mir ein Unglück zustoßen auf dem Wege, den mit mir zu machen Du Dich nicht verlobt hast,— so bleibst Du ja mit Geld genug zurück, um die Kinder damit vorwärts zu bringen!" (Fortsetzung folgt.) lNochdruck verboten.) Pfrvfccfccuif. Ein Genrebild aus Kleninitzlaud. Von Maxim Gorki. Im Kirchdorf ist Jahrmarkt, dicht neben einander stehen in langen Reihen Wagen und Fuhren. Tansende von Stimmen schivirren dnrch die Luft, die schwül und staubig ist. Die Leute schwatzen, handeln, feilschen; dazwischen hört ma» in singendem Ton die hellen Stimmen der Weiber. Der Kleinrusse spricht in der Minute so viel wie zwei Inden, und ein Zigeuner bringt es fertig, so viel zu reden wie drei Inden. Den Kleinrusscn kann man nnt einer Kanone, den Inden mit einem Schncllfenergeivehr und de» Zigeuner mit einer Mitrailleuse vergleichen. In derMcnge macht sich derZigcniicr durch die schwarzbraune Hautfarbe das schwarze Haar und die weißen, raubtierarlige» Zähne bemerkbar, seine charakteristischen, leidenschaftlichen Gutturaltöne dringen schmetternd ans Ohr, seiner Rede vermag man kaum z» folgen. Die Bewegungen und Gesten sind flink, doch folgt man ihnen nicht ohne Argwöhn, das schnellblickendc dunkle Auge init dem bläulich-weißen Apfel verrät List und Verschlagenheit. Gewandt und geschmeidig, gleicht er dein Fuchs in der Fabel, und er fletscht die Zähne wie ein 'hungriger Wolf. Vier Zigeuner nmstehe» einen Kleinrusseu, ihre Ilcberredungs- kiinste, niit denen sie ihnjiibcrschüttcn, scheincn ihn mürbe gemacht zu haben. Dem langsam denkendcn Russen geht es wie ein Mühlrad im Kopf herum. Er steht da, kratzt sich den Hinterkopf und ist in Nachdenken versunken. Er führt ein junges Pferd am Zügel, das von Wespen ebenso verfolgt wird wie sein Herr von den Atzzcuneri«. Die Gruppe ist von der Menge umstanden, die die Abwickümg des Geschäfts mit Aufmerlsamkeit verfolgt. „So ivarte doch...', sagte der Klcinrnssc. „Was ist da zu warte» I" ruft der Zigeuner...„Soll ich warten, da ich ja durch Warten mir eine Lumperei erarbeite. Ich sage Dir, bei Gott, mit meinem Pferde kann meinetwegen der Gouverneur nach Petersburg fahren. So ei» Pferd habe ich.— Und was ist Deines wert? Die beiden Tiere sind sich nur darin ähnlich, daß Dein Pferd auch vier Beine und euieu Schweif hat. Aber wnS für einen Schweif?— Ein Heiibüiidel und keinen Schweif." Der Zigeuner rupft das Pferd üigrimmig am Schweif, befühlt es mit den Händen, besieht es mit de» Augen und redet ohne Ende. Seine Landsleute raten ihm in wegwerfendem Ton:„So laß doch. Du hast ja doch nur Schaden von dem Tausch." „Und wenn ich Schaden habe, so ist das meine Sache! Bin ich nicht Herr meines Pferdes und meines Geldes! Mir gefällt der Man» und ich will ihm den Gefalle» thun I— Gevatter, sprich Dein Gebet." Der Kleinrusse nimmt seine Fellmütze ab, und sie bekreuzigen sich beide mit Inbrunst.„.. „So flcBc der Herr seinen Se<;cn I" ruft der Zigenncr...„Dn hnst D» mein Pferd, aber wisse, daß Du eS meinem guten Herzen verdankst. Nimm es und zahle mir noch fünf Harte drauf... Das ist alles I Topp, schlag ei,,.* Der Kleinrnsse laßt seine Hand mit Wucht in die Hand deS Zigeuners niederfallen und sagt: „Zmei gebe ich!* „Biereiuhalb!* „Nein, zlvei l* Der Zigeuner schlägt klatschend in die Hand des Russen ein. so daß dieser vor Schmerz anfzulkt und aufmerksam seine Handfläche betrachtet, gleichsam um fich zu vergewissern, ob fie noch heil ist. „Vier Rubel!* „Zwei!" wiederholt der starrköpfige Kleinrusse. Der Zigemrer wird matt und ruft:„Geh zu Deiner Frau und sage ihr, was Du für ein Esel bist!" „Zweieinhalb...*, sagt der Kleinrusse. „So bete dem«!* Von neuem wird gebetet, und es erfolgt neuer Handschlag. „So nimm das Tier, Dir zum Glück und mir zmn Schaden; es ist nicht meine Absicht, Euch, gutem Mann, einen Groschen mehr aus der Tasche zu nehmen, da Du nichts hast.— Willst Du dreieinhalb geben?" Der Kleinrusse schüttelt den Kopf und betrachtet die ruppige Mähre des Zigeuners. „Drei mit einem Viertel?* „Nein." „So«nag Dein Weib Dir ebenso hnndertinal nein sagen, wenn Du sie um einen Teller Beteusuppe bittest... Gieb drei Rubel und Du hast das Pferd... Auch das«ticht? So gieb denn Deinen Preis und ich bin un, mein gutes Geld und nie««« braves Roß ärmer.* Die Pferde werden gewechselt, und der Kleinrusse zieht ab, indem er die große fuchsrote Stute am Zügel führt, die»nit ihren steifen Vorderbeinen gleichmütig dahiutrottet. Seme glanzlosen Augen schauen traurig auf die Volksmenge, die sie mit kritischen Blicken betrachtet. Bald kehrt der Kleiurusse hastig zurück. Er hat seineu Schritt beschleunigt, so daß das Pferd kaum„achfolgen kann, er schaut beschämt und hilflos drein. Die Zigeuner sehen ihn ruhig kommen und sprechen etwas untereinander in ihrer eigenartigen Sprache. „Es ist nicht mit rechten Dingen zugegangen, das Geschäft ist nicht gültig I* ruft der Kleiuniffe fich ihnen nähernd und schüttelt den Kopf. „Welches Geschäft?* erkundigt sich einer der Zigeuner. „Dieses da... Ihr habt mir...* „Was haben wir?" „So wartet doch! Ihr habt...* „Ja. ivas denn?* „So laßt mich doch ausreden...* „Was hast Dt« denn noch zu fragen?" Es folgt ein ehnischer Witz, und die Menge lacht. Der betrogene Kleinrusse appelliert in seiner Hilflosigleit an die Menge. „Gute Leute— ratet niir. Sie haben mir eine zahnlose Stute vertauscht an Stelle meines guten Pferdes, das alle Zähne hatte!* Die Menge mag die Ungeschickten ebenso wenig wie die Schlvacheu. Sie»iinint für den Zigevuer Partei. „Wo hast Tu denn Deine Augen gehabt?" fragt den Kleinnissen ein weißhaariger Alter. .Mach' Du keine Geschäfte mit Zigeunern!' belehrt ihn ein Zweiter.... Der Betrogene erzählt, daß er den« Tiere ins Man! gesehen, doch auf die oberen Zähne nicht geachtet habe, von denen drei fich als abgebrochen herausgestellt hätten. Wahrscheinlich hätte das Pferd einmal einen starken Schlag aufs Maul bekommen und hätte dadurch die drei Zähne verloren. Wozu tauge ein solches jetzt? Fressen könne es nicht— das sehe man n» den« ansgcblähten Bauch.— Zwei, drei Bauern aus der Menge stellen sich auf die Seite des Kleinruflen, es kommt zn heftigen,' Wortwechsel, und lauter als alle schreit und fuchtelt ohne Unterlaß der Zigeuner. „Mein Bester, was machst Du denn für Geschrei, weißt Du denn nicht, was dazu gehört, um Pferde zu kaufen? Dabei muß man ebenso niusichtig zu Werke gehe«,, als wem« nian eine Frau wählt, die Sache ist ebenso wichtig... Hör' mal zu, ich will Dir eine Geschichte erzählen, es waren mal drei Brüder, zlvei von ihnen waren klug und der dritte ei» Dum,»köpf— einer von jenen bin ich und der dritte bist Du!..." Die andren Zigeuner schreien und ereifern sich gleichfalls im Chor und rechtfertigen ihren Kameraden, die ttleinrusscn replicieren träge, die Menge wird immer dichter und größer. „Was bleibt«nir nun übrig, gute Leute?"— fragt der Ueber- vorteilte verzweifelt. „Wende Dich an die Polizei I" ruft mau ihm zu. „DaS thu' ich auch I* sagt er in entschiedenem Tone. „Halt. Manu I"— apostrophiert ihn der Zigeuner.„Du willst mich ruinieren. Wohlan, es sei. Gieb mir drei Rubel— und ich gebe Dir Dein Pferd zurück. Du willst uicht? So gieb mir zwei! Run, da«»« geh und klage!* Dein Klein ruffen ist es gar nicht recht, vor Gericht zu gehen und er überlegt. Von allen Seiten werden ihn« Ratschläge gegeben. aber er bleibt' taub und stumm, und faßt fiir sich irgend eine Eilt- schcidnng. Endlich ist er schlüssig... „So höre denn." sagt er melancholisch,„mag Gott selbst Dein Richter sein. Gieb Du mir mein Pferd zurück— und behalte die zweinndciuhnlb Rubel, die Du als Zugabc verlangtest... Pest und Teufel über Dich, plündere nur so fort I" Und der Zigeuner plünderte den Kleinrnsse» und machte dazu eine Miene, als erweise er ihm die größte Wohlthat. „Die verstchn's!*— sagten die Kleinnissen und gingen voller Anertennnng über die Talente des Zigeuners auseinander.'— Kleines �euillekon» D*r Impresario.(Nachdruck verboten.) Ein fein gekleideter Herr, mtt goldenen Ketten und zufriedenem Gesicht, spazierte an einen« der Kanäle Amsterdams entlang. Er war„Geschäfte* halber in der Stadt.«Lor ihm her ging eine Dame mit ihrem Kinde. Plötzlich fiel das Kil?d durch irgend einen Zufall ins Wasser. Die Mutter stieß einen laufei« Schrei ans... sprang dem Kinde nach und rettete es. Der feiugekleidete Herr sah diesem Vorfall zu, zog ein Notizheft hervor, und begann etwas dart«« zu notieren. „Gnädige Frau, darf ich nur erlaube», nach Ihrem Namen und nach Ihrer Adresse zu fragen?' „Mein Kind, mein Kind I O..'ch habe mein Kind wieder!' „Jawohl, aber darf ich so frei sein... I* „Ich Hab' mein Kind wieder!* wiederholte fortwährend die Mutter, die nicht begriff, wie man sie»ach etwa«?"herein fragen konnte, als nach ihrem Kinde. „Mit der Fra» ist nichts anzufangen", murmelte der fein- gekleidete Herr. „Hören Sie, lieber Mann, ich werde Sie reichlich belohnen, wein« Sie bis morgen den Namen und die Adreffe von dieser Dame erfahren." Mit diesen Worten wandte der Fcingekleidete sich an einen der Umstehende», und es scheint, daß er erfahre» hat, was er zn wissen wünschte, denn am andern Tage ließ er sich bei der glückliche» Mutter anmelden. „Gnädige Frau, ich hatte die Ehre, anwesend zn sein...* „O, waren Sie dabei, mein Herr? Haben Sie es gesehen? Ich sah nichts, ich hörte nichts,— ich sprang..." „Reden wir nicht davon, gnädige Frau, ich habe gehört.. ,* „Gehört?" „Ja, gnädige Frau, ich habe gehört, wie Sie..." „Gehört? Was denn?" „Ich habe gehört, wie Sie geschrieen haben, verehrte Frau... Ich konnne, um Ihnen ein Engagement beim Theater anzubieten." Anne Mutter I Dieser Mann war ein Impresario, der Zugstücke suchte. Er hieß: Publik» in.— M»« l t a t u l i. ß. Ei» merkwürdiges Charakterbild Ludtvigs XVI. findet sich in dem soeben erschicuencn zweiten Baude des von Paul Born- stein übersetzten Buches„Der Herzog von Lanzuu" von Gaston Maugras. Die Throi'besteigrnig des sehr jugeudlichcu Königs— er war im Jahre 1774 erst zwanzig Jahre all— hatte hochgespannte Hoffiinngen erregt, die die Zukunft jedoch Lügen strafen sollte. Die schlechte Erziehung, die er genossen,«nacht seine Schwächen zum Teil erklärlich. Sein Geist war grob und ungeschliffen, an intelleltnellcn Arbeiten fand er keinen Gefalle», und nur zu häufig beivics er durch die Gemeinheit seiner Späße seine geistige Ve« schränktheit. Das„Coucher" des Königs, das unter einem eigcutümlichen Ccrcmouiell stattfand, war selbst für des Königs ergebenste Freunde zu einer wahren Qual geworden. Man zog dem König den Rock, die Weste und schließlich das Heind aus, so daß er bis zun« Gürtel nackt stand. Dal«» tonnte man ihn in Gegenwart des ganzen HofeS und oft auch zahlreicher, vornehmer Frenlden sich reiben und kratzen sehen, als ob er allein wäre. Sollte dann eine Persönlichkeit seiner engeren Umgebung ihm das Nachthemd anziehen, so glaubte er über- ans witzig zu sein, wenn er Gesichter schnitt, auswich, und zur Seite sprang, so daß nmu ihm mit dem Heinde nachlaufen uuißte. Dabei lachte er dann aus voller Kehle. Hatte man ihn endlich dazu gebracht, das Hemd anzulegen, so kam der Schlafrock an die Reihe. Drei Diener öffneten die Haken am Gurt und den Knien der Hose,«velche alsbald auf die Füße fiel. In diesem Zustand, mit den durch die Hose beeugten Füßen herunischlürfend,«nachte der König die Rniide unter den Versammelten. Es lvar ei» ganz jämmerliches Schau- spiel; aber die Anwesenden hüteten sich, merken zu laffen, was sie empfanden. Ein andermal wieder warf er den Höflingen sein blaues Band ins Gesicht, oder er hakte es denen, die, wie der Prinz von Ligue, Ohrringe trugen, in die Ohren. Eines Tages verließ der Herzog von Laval empört ganz offen den Saal..Fürchte» Sie sich doch nicht so, niciil Herr!" rief ih»n der König nach;„von Ihnen will ich ja gar nichts". Und es blieb beim alte». Grob und gewaltsam «vareu auch die Spiele des Königs; er rang z. B. mit einigen begünstigten Höflinge,, und schlug sie dabei oft ganz gehörig, eines Tages hätte er den Prinzen von Ligne beinahe erdrosselt. Die Leidenschaft für körperliche Uebnugen trieb er bis ins Extrem. Auf Parforcejagden ritt er bis zur völligen Erschöpfmig und kehrte dann in wahrhaft jämmerlichem Zustand zurück; die Herren seiner Umgebung vermochteil ihm nicht zu folgen. Bei den Mahlzeiten ah er über- trieben, fast gefräjjig. Hier das Programm einer seiner Vormittags- leistungen: Um 6 Uhr klingelt der König und fragt, was es znm frühstück gebe.„Sire, ein fettes Hühnchen und Cotelettes"..Das ,st aber gär nicht viel; man soll mir Setzeier machen I' Er über- wacht persönlich die Vorbereitungen, ifzt vier Cotelettcs, das fette Hühnchen, sechs Setzeier, eine Scheibe Hammelkeule und trinkt dazu ein und eine halbe Flasche Champagner. Dann kleidet er sich an, geht auf die Jagd und kommt mittags mit unglaublichem Appetit zum Diner.— Physiologisches. ss. Wieviel Salz man geniesjen soll, erörtert Dr. Nessel aus Prag in einem neuen Aufsatz, nachdem er schon in früheren Arbeiten als erster auf den Einflusz des genossenen Salzes auf die Entstehung schlechter Zähne, Bleichsucht und englischer Krank- heit hingewiesen hatte. Im besonderen hatte er festgelUllt, daß die englische Krankheit, namentlich bei künstlich ernährten Kindern, durch ungenügende Aufnahme von Salz bedingt wird. Diese Auffassung ist seitdem von andren Nerven bestätigt lvorden, sodaß der neuen Veröffentlichung Neffels eine erhöhte Beachtung zugestanden werden niufe. Zur Verdaming ist die Mitwirkung der Salzsäure im Mg, gen unerläßlich, und ihre Bildung ist selbstverständlich nur dann möglich, wenn im Körper ein gelvisser Vorrat an Salzsäure vorhanden ist, der nur durch eine entsprechende Zufuhr von Salz erzeugt und aufrecht erhalten werden kann. Durch den Genuß ungesalzener Speisen und Flüssigkeiten wird der Vorrat an Salzsäure vermindert und kann bis auf jenen Nest, der sär die Zusammensetzung des Blutes über- unentbehrlich ist, verschwinden. In gesundem Zu- stand muß das Blut auf 1000 Teile 6 Teile Kochsalz oder Chloruatrium enthalten. Wenn dieser notwendige Salz- Vorrat nicht zum Schaden des allgemeine» Gesundheitszustandes herabgedrückt werden soll, müssen sämtliche Nahrungsmittel etwa einen entsprechenden Salzgehalt besitzen. Durch die Atmung und die Ausdünstung der Haut wird allerdings das Salz im Blut etwas konzentriert, aber gerade dieser Ueberschuß ist notwendig, da er zur Wirkung der in der Verdauung mitwirkenden Salzsäure aufgebraucht ivird. Dr. Nessel vertritt die Lehre, daß auf jedes Liter' flüssiger Rahning 6 Gramm Salz zugegeben werden müßten, um die gesunde Blutmischung aufrecht zu erhalten. Wenn sich Verdauungsstöningen, Blutarmut und ähnliches bei den Kindern zu zeige» beginnt, muß a»f das genügende Salzen der Speisen geachtet und die Zufuhr von Mehlspeisen und Zucker eingeschränkt werden.— Geographisches. — A l S höchster Berg Nordamerikas galt bisher mit seinen 5522 Meter der Mount Elias im südöstlichen Teile Alaskas. Dieser Ehre ist er nun verlustig gegangen. Im Norden des Cook Jnlet erhebt sich im Innern Alaskas ein seit etwa 100 Jahren den dortigen russischen Ansiedlern bekannter Berg, dem sie den Namen Bulschaia, d. h.„Groß", gaben. 1896 kam ein amerikanischer Prospektor Namens Dickey in die Nähe des Bulschaia, der feine Höhe auf.über 20 000 Fuß" schätzte und ihn „ivte Kinleh" taufte. Unter diesem Namen ffgnrierte der Berg seitdem auf unsren Karten, doch hat man sich ihn erst im Sommer 1898 näher angesehen. Wie Robert Mnldrow jetzt im Augusthcft des„Rat. Geogr. Mag." mitteilt, war er damals mit einer Abteilung der.Geological Snrveh" im Gebiet des Schuschilna- fluffes thätig, der in der Nähe des Monut Mc Kinley entspringt, und benutzte die Gelegenheit, auf trigonometrischem Wege die Höhe de? Berges zu ermitteln. Er maß Winkel an sechs verschiedenen Stelle» und aus Entfernungen von 69 bis 142 Kilometer und fand als Mittel für den Mount Mc Kinley 20 464 Fuß oder 6241 Meter. Zwar sind trigonometrische Messungen nicht notwendigeriveise zuverlässig, doch verfügte Muldrolv immerhin über sehr gute Hilfsmittel, so daß die Werte trotz der großen Distanz Ver- trauen verdienen. Der Mount Mc Kinley bleibt also nur wenig hinter den Bergriesen Südamerikas zurück— Der Berg bildet, wie Muldrow weiter mitteilt, den Mittelpunkt einer gewaltig erhabenen GebirgSmasse im Quellgebiet der Flüsse Schnschitna und KuSkokwim. die wiederum einen Teil der der pacifischen Küste Nordamerikas folgenden Kordilleren darstellt. Die Berggruppe ist nnkerordentlich rauh und schroff, und ihre Eis« und Schneckappe reicht bis zur Höhe Von 600 bis 750 Meter herunter. Sie entsendet zahlreiche Gletscher, von denen einer, der nach Nordoste» geht, 10 bis 13 Kilometer breit und 30, vielleicht 45 Kilometer' lang ist. Ihm entströmt der Tschu- litnafluß, der bedeutendste Qnellann des Schnschitna.— („Globus."1 Astronomisches. bt. Doppel st er n bahn. Mit dein großen Refraktor in Potsdam find im März und April dieses Jahres zahlreiche Spektral- aufnahmen des Doppelsterns M i z a r, des mittelften der drei Schwanzstenie des großen Bären, gemacht worden, die zu inter- «ssanten Ergebnissen geführt haben. Ein scharfes Auge erkennt schon ohne Glas über Mizar einen zweiten kleinen Stern, welcher A l k o r Veraniwortlichcr Redactcur: Carl Leib in Berlin. oder das Reiterchen genannt wird; derselbe hat von Mizar eine Entfernung von 12 Bogenminuten. Das Fernrohr läßt außerdem in einer Entfernung von 15 Bogensekunden einen Begleiter von Mizar wahrnehmen. Aber auch der Hauptftern selbst wurde im Jahre 1889 durch Beobachtungseines Spektrums als doppelt erkannt. Auf der H a r v a r d- Sternwarte in Nordamerika beobachtete P i ck e r i n g eine periodisch eintretende Verdoppelung einer Linie des Spektrums, woraus er auf das Vorhandensein zweier einander umkreisender Sterne schloß. Es war dies die erste derartige Entdeckung, welcher bald eine Reihe andrer folgte. Aus Pickerings Beobachtungen ergab sich, daß die beiden Sterne, aus denen Mizar besteht, eine Umlaufszeit von 104 Tagen haben. Doch wollte diese Zeit mit später in Cambridge augestellten Beobachtungen nicht recht stimmen, und hat sich jetzt durch die Beobachtungen in Potsdam als irrtümlich herausgestellt. Die Umlaufszeit der beiden Gestirne um einander beträgt nur 20Vs Tag. Weiter folgt, daß die große Axe der elliptischen Doppelsternbahn 70 Millionen Kilometer, etwa 9 Millionen Meilen ist. Auch in ihrer größten Entfernung stehen sich die beiden Gestirne also mehr als doppelt so nahe, als Sonne und Erde. Die Ellipse ist ziemlich lang gestreckt, da die Excentricität den Betrag von 0,5 hat. In Bezug auf die Sonne hat das Mizarsystem eine Bewegung, zufolge deren es mit einer Geschwindigkeit von 16 Kilometern (2 Meilen) in der Sekunde auf uns zukommt.— HmnoriMsches. — Alles umsonst.„Sag', Emma, erreichst Du denn bei Deinem Mann nichts durch Thräncn?" „O, nein! Wie er bei mir nur eineThrknc sieht, ruft er gleich: nur kein Wasser I— und läuft ins Wirtshaus."— — Moderne Ehe. Freundin(zur jungen Frau):„Nun, wie hat denn der erste Kuß geschmeckt?" Junge Frau:„Den habe ich noch gar nicht gekriegt."— — Neues Wort.„Ist cS wahr, daß die Nedncteurin der lyrischen Zeitschrift so gefürchtet ist?" „Ja, die reine MusenkindSmörderi» l"— („Meggend. Humor. Bl.") Notizen. — Im Deutschen Theater geht aiifangs November Hebbels„Maria Magdalena" und im selben Monat Hauptmanns nencS Stück„Der rote Hahn" in Scene.— — Zur Aufführung beider Teile von Goethes „ F a n st" soll im L e s s i n g- T h e a t e r eine drehbare Bühne eingericktet werden.— — ivl a x Halbes n e n e s D r a m a. dessen Titel noch nicht endgültig festslebt, soll im R e s i d e n z- T h e a t e r in München noch im Laufe dieses Winters zur Darstellung kommen.— — 108 000 M. zahlt das Berliner M e t r o p o l- T h e a ter seinen drei Komikern Joseph Josephi, Emil Thomas und Bender als Gage für eine achtmonatliche Spielzeit.— — Die amerikanische Sängerin G e r a l d i n e F a r r a r, die vor kurzem am Opernhaus debütierte, wurde vom 1. Januar 1902 ab auf drei Jahre für diese Bühne verpflichtet.— c. Obligatorische Abzeichen für Ehemänner. In New Jersey giebt es ein Gesetz, in dem steht, es wäre ein Ver- gehen für einen Mann,„eine andre Frau als seine Gattin zu lieben oder sich als lediger Mann auszugeben". Soeben ist nun, wie ans New Dorl berichtet wird, Williain Perkins aus New Dork wegen eines Verstoßes gegen dieses Gesetz verhaftet worden und wird sich demnächst zu vcrantlvortcn habe», tveil er einem Mädchen die Heirat vorgeschlagen hat, obgleich er seit acht Jahren verheiratet ist. Die Legislatur von New Jersey hat demnächst auch einen Gesetzantrag zu beraten, durch den verhcira.ete Männer gezlvimgeu werden, Abzeichen zu tragen, die ihren verhei.ateten Zustand anzeigen.— Büchcr-Einlauf. — Henryk Sienkiewicz:„Ums liebe Brot". Anlorisierte Uebersctzung aus dem Polnischen von Jonas Fränkel. Bern, A. Bentcli. Leipzig. K. F. Köhler.— — Robert R i e m a n n:„Björn der Wiking". Drama. Leipzig. Hermann Seemann Nachflg.— — Otto R i e m a s ch:„Die Episode". Drama. Leipzig. Hermami Seemann Nachflg.— — Richard L c Mang:„Der Wohlthäter". Drama. Dresden und Leipzig. Karl Reißner.— — Adolf Thiele:„Hinauf zur bildenden Kunst". 2. Aufl. Leipzig. Hermann Seemann Nachflg. Preis IM.— — I n l i n s Zettle r:„Nietzsches A e st h e t i k". Leipzig. Hennann Seemann Nachflg.— — Grete Meisel-Hcß:„In der ntodernen Welt- a n s ch a n u n g". Leipzig. Hermann Seemann Nachflg.— Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin.