Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 211. 35] and dump tanio time to und dimus Dienstag, den 29. Oktober. in Drauf los! Roman von Jonas Lie Gulf Cosm 3. shout ( Nachdruck verboten.) de ello ( Schluß.) ist scheid Rejer tam immer zwei, drei Tage früher als die Boote, und in diesen zwei, drei Tagen, in denen er nicht beschäftigt war, herrschte heller Sonnenschein im Hause. 16. 1901 Ein halbes Dußend Jahre weiter im Leben. Die Hammernäsföhre, die so mancherlei Stürme ausgehalten und so viele Sprossen des Juhlgeschlechtes kommen und gehen gesehen, hatte einen ihrer gewaltigen Aeste verloren. Sie, stand nun auf der Höhe droben mit einer Spalte und einem schwarzen, fressenden Loch in ihrem Stamme; doch streckte sie den einen Arm so verdreht und so knorrig und troßig aus wie nur jemals zuvor und schaute hinab auf die blinkenden blauen Dachschiefer der Hammernäsbucht. Dort war alles im Wachsen und Blühen und Gedeihen, wenngleich auch etwas mühsam, da die Männer jetzt, um die Winterzeit, auf Heringsfang aus waren. Er glaubte immer unerwartet zu kommen; allein man fannte ihn und hielt scharf Ausguck, so daß bei der Landungstreppe ihn schon Sara mit der Kinderschar umdrängte. Da friegte die Frau aber gewöhnlich seine Bärentagen zu fühlen. Auf dem Hügel lagen kreuz und quer die Spuren von Sein Gruß bestand zumeist darin, daß er sie halb emporhob und ihre solide Gestalt in der Unbändigkeit seiner Freude auf der Brücke herumschwang. Immer gleich schön! Ininier gleich spanisch! Ist das ein Weib!" 11 " Und wie ist es ausgefallen?" fragte sie im Hinauf gehen wie if Brav bei den meinigen, schlecht bei denjenigen, mit welchen ich in Compagnie bin! Immer zu spät! Immer der eine nur im Kielwasser des andern, ganz wie die Heringe. Das ist Aafjorder Art! Sie krabbeln und kriechen, schwerfällig wie die Schildkröten." Hast Du bei ihnen viel verloren, Rejer?" Ach, deshalb, ich bin mm dennoch zu zwei, drei tausend gekommen!" om sjut of Und damit verschwand die Schar im großen Hause, auf dessen blauem Schiefer und auf dessen Fenstern die März sonne mit dem ihr eigentümlichen, stechenden Frühlingslicht blitzte. In der Stube drinnen war sein gewöhnliches Kunststück, mit fünf oder sechs Kindern, die ihm auf den Armen, auf Hals, Schultern und Rücken saßen, herumzuwandern, gehörig bewundert worden und hierauf hatten sie die Richtigkeit der Striche geprüft, durch welche die Größe jedes Einzelnen ant Thürstock ausgezeichnet war- Stopf an Stopf, in allen Haar farben prangend, von der lichtblonden der Mutter an bis zu Rejers rotbrauner. Nun saß der Heimgekehrte bequem auf dem Sofa, während Sara ihm lebhaft und aufgeräumt alles mitteilte, was feit seiner Abreise geschehen war. Und nun kann Inger die ganze biblische Geschichte bis zum Neuen Testament... und Theodor hat für Dich in der Geographie Norwegen, Schweden und Dänemark geLernt." „ Schön, schön!" Schneeschuhen und Handschlitten, von großen Füßen und kleinen Füßen, Fährten, welche die Knaben und Mädchen auf ihren täglichen Botengängen und Besuchen bei Tante Ottilie droben zurückließen; denn diese saß noch immer auf Hammernäs und beachtete es gar nicht, daß es im Gebäude fputte!" Draußen auf den Tristholmen war das Lagerhaus zu einer förmlichen Sulzerei mit einer Plattform voran angewachsen; Rejer Juhl hatte hier viel Geld hineingesteckt, aber auch manchen guten Schilling herausgezogen. Und nun, mitten im Winter, Dienstag, den achtzehnten Februar, befand er sich in einem schrecklichen Wetter draußen. Der Sturm rütfelte Stoß um Stoß am Holzbau, während Rejer drinnen umherging; unten im engen fleinen Hafen lag seine kleine Jacht vor zwei Ankern und einer Warp und zerrte und tauchte, so daß der Schaum ihr über den Bug sprühte. In Wasserstiefeln ging er in der grauen Morgenstunde auf und ab; einige Seeleute standen an die halbdunkle Wand gelehnt und warteten auf Bescheid. Er wanderte, mit den Händen auf den Rücken, auf und ab und sie sahen, daß es in ihm start gärte. Das furchige, scharfe Gesicht mit den graugesprenkelten Bartzotteln war um den Mund herum zusammengepreßt und hart wie Bein. Er räusperte sich und räusperte sich... „ Die Jacht hält sich!" bemerkte sein Sohn Jan. Rejer Juhl antwortete nicht, ging nur auf und ab... „ Nun, Anders!" rief er, als dieser eintrat. Es war sein bester Wateubaas, der alte Baas", der auf Ausguck droben gewesen.„ Meinst Du, daß er noch mehr nach Süden umspringt?" Fast ganz Südwest! Das bedroht die Stangen, im Norden. Drei Watneypläße gerade in der Strömung drin! Die spart es nicht! Das sind viel tausend Tonnen Hering, die zum Teufel gehen... tann ein schwerer Tag werden für den Aafjord"! Es wären wohl Trossen und Warpe: nötig, wenu die Nege halten sollen!" ,, Am ärgsten steht es um Martin Sorhagens große Stange!" bemerkte jemand. Der Sturm packte wieder die Dachsparren. ,, Gut, daß wir nur an dieser einen Anteil haben, Vater!" Und höre einmal, was ich mir mit dem Garten aus gedacht habe: ihn wenigstens um das Vierfache zu erweitern! Ich werde mich auf Morellen und Kirschen verlegen, vielleicht auch auf Aepfel, das soll mein Betriebszweig werden!" .Recht so, Sara! Nur drauf los! Sege die Leute in Thätigkeit. Wenn ich an die armen Teufel hier ringsum denke; eigentlich war ja ich es, der sie zum Heringsfang gebracht hat! Geht es jedoch einmal schief, so ist es dafür auch, als müßte ich es verantworten. Obschon ich wohl sagen darf, daß ich mein Bestes gethan habe, um sie aufzurütteln! Hätten sie Boote nach ihrem Ebenbild, so wären es Boote mit verkrümmtem Kiel, verkrümmtem Steven, krummem Steuer, gewundenem Mast und hängendem Segel, schiefrudrig und trägflüssig. Die alte Landkrabbe steckt in ihnen, die aufs Geratewohl vorwärts und warten will, bis alles ihr in die Hand fällt, statt geradeaus darauf los zu fahren! hm!" Und weißt Du, worauf ich nun sinne, Sara? Kleine Wald- Der Wind zerrte am Gebälte. Wieder guckte Rejer hinkomplexe zu kaufen und aus dem Holze Jachten zum Verkaufe aus; es raste über die Holmen hin. zu bauen; das könnte sich lohnen." Und Du hättest auch im Sommer etivas zu thun, Nejer, denn da kannst Du, wie Du weißt, manchesmal beschwerlich werden!" sagte Sara lachend. " Ja wohl, das wichtigste dabei wäre aber, daß die Aafjordinge dadurch stärker aufs Meer hingewiesen würden, denn so brauchen sie geraume Zeit dazu, die Bursche!" Der warme bewundernde Blick, mit welchem Sara die neue Idee aufnahm, zeigte, daß sie die Frau war, welche ihn verstand. and Rejer wendete sich heftig um: Gut, gut!" wiederholte er. Er ging zur offenen Thür und schaute hinaus. Das Wetter ist nicht ärger, als daß wir mit ein paar tüchtigen Leuten hinauffegeln und Trossen und dergleichen mitführen, wir haben den Tag für uns." Niemand antwortete. Rejer wendete ihnen grimmig den Rücken zu.... „ Hm All der Hering wieder ans Meer verschwendet! Ich denke, wir gehen drauf los!" entschied er.„ Es wäre eine Schmach, wenn wir mit allem notwendigen Geräte hier liegen blieben und all den Segen dem Meere wieder überließen. Nun, Anders?" donis hul mod Anders war willig. " Ich gehe mit Dir, Vater!" sagte Jan. ,, Du bleibst hier!" lautete die kurze Antwort. Zwei andre boten sich an und sogleich begannen die Leute alles klar zu machen. 842 Wenn es heute nacht zu unsrem Herrgott geht, so ist es mit einem gut, daß ich so wenig für eigne Rechnung in den Stangen habe!" äußerte Rejer zum alten Baas. Jan wanderte unruhig am Strand herum und wagte gegen den Vater allerlei Anspielungen, daß es Landungsplatz dort nordwärts schlecht ausschaue. Es kostete nicht wenig Mühe, in der Flufwvelle die Taue, Troffen und Netwarpe an Bord zu bringen. Heute will ich mit Dir, Vater!" Bei den Aussichten, die sich aber nun aufthaten, ver stummte jeder Mund. Schwer und bleich zogen die Gedanken durch Rejers Schon stellte Jan den Fuß auf die Bootplanke, als sein Haupt. Das war ein unerwarteter Abbruch solch eines kraftVater, der auf der Ruderbank faß, sich plöglich umdrehte und vollen Lebens! Vollwichtige Bursche, die es nach mir auffeinem sechsundzwanzigjährigen, verheirateten Sohn einen nehmen können, sowohl Jan als Jan Konrad! Und Sara, Stoß in den Nacken gab, der ihn unvermutet über den glatten soll sie mich nicht mehr auf der Brücke treffen? Das wird Tang zwischen das Ufergeröll hinschleuderte. ein rascheres Ende, als mir's gelüftete!" Das Leben war mir ein Brauttanz, seitdem ich sie bekam." Er lüftete den Südwester, um Luft zu kriegen! Zugleich stießen sie ab und bald langte die Jacht mit Rejer und drei Mann Besatzung an Bord, den Südwind im Rücken, durch Seeschaum und Gischt dahin. Das war ein Sturzbad! Jedoch um Mittag näherten sie sich auch schon den Stangen, und höchste Zeit war's. Besonders die große äußerste Wate war ungemein gefährdet und es galt, bei der schwierigen Lage, in welcher die Jacht selbst sich mitten im Seegang befand, noch allerlei dünne Trossen und Warpe zu befestigen. Die Wassertonne wurde in eine Boje verwandelt, um das Netz besser flott zu erhalten und der fleine Reserveanker abgegeben, da die Wate sich an ihren Dreggen abzu wegen drohte. Es war ein Spiel um hohe Werte, allein diese schienen nun auch ziemlich gesichert; nur war Rejers Jacht für diese Nacht ohne Hafen und mußte in der Dämmerung wieder weiter segeln, um im Lee der Insel auf der andern Seite der Fjordmündung Schutz zu suchen. Sein ganzes Dasein lag mit einem Male wie ein Spiegel vor ihm. Nun hatten sie die brausende Brandung zu beiden Seiten. Plötzlich bliste es scharf und unmittelbar vor dent Bug auf. ,, Nein, es geht wie mit meinem Vater, der auf dem Kirchenhügel stand und gegen den Heringsfang predigte, es nützt nichts, Anders!" Jm nächsten Moment stießen sie auf. Die Luft wurde weiß... die Brandung jagte über sie hinweg. Unter den vielen Wrackstücken und Rundhölzern, welche nach jener Sturmnacht überall auf den Klippen lagen oder zwischen den Schären schwammen, befanden sich wohl auch die von der Braudung zerschellten Spanten und Blanken der mono Jacht. Aber ganz unbezweifelbar wurde das Unglück erst, Wie der Sturm stets zunahm und wie hoch das Meer als nian eine Woche später das Brett, welches des Bootes ging! Das beobachtete Jan auf dem Tristholm voll Angst in Namen trug, einige Meilen südwärts hineingetrieben fand. jener Nacht, bis der Orkan so anwuchs, daß die Dachsteine Jan kam mit der schweren Meldung und suchte bedachtsam herabzufliegen begannen und sie genug zu thun hatten, das Lager- die Mutter so schonend wie möglich vorzubereiten. Sie griff haus durch Troffen zu sichern. Jan hoffte mur, fein Vater habe sich aber gleich nach seinem Arm, und niemals sollte er mehr den in einen Sund schleudern lassen und hier das Festland ge- Blick vergessen, mit welchem sie ihn ansah; es war, als durch wonnen. Nach seiner Herzensmeinung hatte er einen un- schaute sie ihn wie Glas. verständigen Vater, dem man ein andermal den Kappzaum Erzähle, mein Junge! Ich verstehe nicht, was Du anthun müsse. nd shipping dat fagst, aber ich merke mir jedes Bort! Erzähle von allem Aber draußen auf dem Meere lag Rejer in seiner Jacht genau... und alles!" und führte so große Segelftümpfe, als der Mast nur vertrug, uno preßte die See, so daß die Spanten krachten und das Stevenholz zitterte. Der Wind hatte sich nun mehr westwärts gedreht, so daß Rejer für die Nacht hohe See gewinnen mußte. Das Leuchtfeuer hatten fie fortwährend im Lee, aber fie fonnten és nur wahrnehmen, wenn sie gerade nicht mitten in den Wogen staken. in 17 is„ Eine ernfte Geschichte, Jungen, für jeden, der nicht gewöhnt ist, eine Jacht zu segeln!" fagte Rejer, als sie spät in der Nacht eine fürchterliche Sturzfee genommen hatten. Wir haben auf dem Lande ein gutes Licht im Leuchter; in diese Nichtung gehen wir nicht, und wenn man uns bezahlt!" Aber bald zeigte sich's, daß sie dennoch in diese Richtung mußten inimal Es herrschte ein gewaltiger Sturni und der Wind war ganz nach Weften umgesprungen, ein wahrer Landwind und dazu Landströmung! Da half nichts, und durch die weiße See und die schwarze Nacht ging's der Küfte zu. " ,, Aufs Feuer könnten wir verzichten, Jungens!" bemerkte Rejer trocken. Wie fanft der Wind fich anläßt, seitdem wir ihn hinter uns haben. Er weiß, der Racker, eben, was wir vor uns haben," fügte er leise bei und nickte gegen die Küste hin. " 1 id jiutt Sie wurde bleicher und bleicher, während sie ihm zuhörte... wollte einmal den Kopf auf den Tisch legen, richtete sich aber plötzlich wieder auf. „ Und das ist alles, Jan? Wenn Du etwas vergessen hast, so fage es mir!" Sueldibil 16 red dogte Sie ging hinaus, er wollte sie stützen. Danke, nein, mein Kind, laß ntich allein fein!" Und da mit sperrte sie sich ein. GRIE Sie waren in großer Angst um sie, da sie auch am nächsten Morgen nicht heraustam, und Jan ging mun zu ihr hinauf. Er fand sie figend, in steinerner Ruhe und ganz bleich. " Du mußt hinunter kommen, Mutter, und Dich beschäftigen!" Eine Weile faß sie noch unbeweglich und fah vor sich hin. „ So sehr hatte ich doch gemeint, Deinen Vater zu lieben, um ihn nicht überleben zu können. Aber so ist das Dasein nicht... und wir dürfen nicht stehen lassen, was er im Aafjord begonnen hat, Jan!" 10200 14 Ja, ich erhielt feine letzte Aufmuunterung, einen Stoß in den Nacken, Mutter, der mich auf den Strand warf. Nun aber weiß ich, warum es geschah er wollte nicht zwei von uns auf ein Brett wagen. Es bedeutete so viel als, daß wir ,, Uebrigens, Du, Anders!" sagte er mit einer getvissen nicht hier sizen und trauern follen, Mutter, sondern vorHeiterkeit zum alten Baas, der neben ihm an die Rnderstange wärts gehen und drauf Tos!" gefurrt da stand; der Westwind half der Aafjorder Watney- lished the stange gehörig; nur kommen sie gut durch." tial duti " Jawohl, siekommen gut durch!" meinte Anders mit Frau Betti Hennings als Nora. eigentümlicher Betonung. sing mano ( Residenz Theater.) Schwarze Nacht, himmelhohe See, Brandungsgischt und Eigentlich war Frau Hennings Gastspiel eine gewagte Sache; sie Geheul um die Ohren, und vor sich, wie eine auftauchende, fand hier ungünstige Bedingungen vor. Nicht als ob deutschdunkle, schreckhafte Ahnung, etwas Gleißendes, Weißgezahntes, nationale Momente ihr hätten gefährlich werden können das war Ediges, Düſteres. von vornherein ausgeschlossen. Was man der deutschen Kritik auch immer vorwerfen mag, von nationaler Befangenheit ist sie frei, vielleicht sogar freier, als sich mit der Entwicklung unsrer nationalen Sunst verträgt. Der sinnlose Kultus des Fremdländischen liegt ihr immer noch näher als nationaler Dünkel, und vor allem Frau Hennings als Dänin durfte der wärmsten Sympathie sicher sein. Die letzte deutsche Generation, hat von Standinavien viel empfangen und so konnte das Gastspiel einer Dänin nur freundliche Stimmungen In schräger Richtung sieht es besser aus, auf ein bißchen Wasser mehr oder weniger fommt es uns jetzt nicht an! Und mit geändertem Kurs ging es weiter einwärts; hie und da schob sich von rückwärts eine brandende Woge über das Verdeck. Näher und näher kani das Schwarze, Gleißende, Backige! Der Tod war's, welcher ihnen entgegengriste. Jede Woge, die im Dunkel aufblizte, goß Schrecken in ihr Herz. auslösen. Die Schwierigkeiten, die ich fürchtete, waren ganz andrer Art. Wir sind in den letzten Jahren gelegentlich von Schauspielern und T>> 843 Schauspielerinnen überlaufen worden, die uns weniger efivas bringen,[ ans. So entseglich es ist, wenn in dieser Seene cine Art Pathos als vielmehr etwas bei uns holen wollten, nämlich Geld. Die Naub der Frauenrechtlerinnen Platz greift, so notwendig ist es, züge der Duse forderten mit ihrer rücksichtslosen Reklame die schärfste daß hier die Nora zur Größe emporwächst. Es ist leicht Kritit heraus und haben sie glüdlicherweise auch gefunden. In verständlich, daß es nicht geschah. Intimität und Wucht Publikum und Kritit war eine leberfättigung eingetreten, die leicht gehen felten Hand in Hand. Wer beides von einer Künstlerin zu dem Ausruf führen fonnte: Herrgott! Schon wieder eine aus verlangt, verlangt schließlich psychologische Wunder, und Wunder ländische Schauspielerin! Laßt uns doch endlich in Ruhe!" Bu fann man in Kopenhagen so wenig wie in Berlin verrichten. Alles diefer Neberjättigung kam dann noch ein andrer Umstand, in allem aber hat uns das Gastspiel einen prächtigen Nachmittag. der Umstand nämlich, daß wir im Deutschen Theater eine verschafft. Man sagte mir, daß Frau Heunings am Tage ihres Jbsen- Bühne besitzen, der man keine andre an die Seite stellen Berliner Debüts ihren Geburtstag feierte. Wenn von der warmen kann. Wir haben mit der Anerkennung des Auslandes nie gefargt; Stimmung des Publikums etwas auf die Bühne gedrungen ist, kann umsoweniger find wir verpflichtet, unsre eignen Vorzüge zu ver- es nicht ihr schlechtester Geburtstag gewesen sein. Leuguen. Es steht nicht mir am Deutschen Theater, sondern überhaupt in Deutschland um die Schauspieltunft gut. Welch eine Reihe prächtiger Namen kann allein Berlin ins Treffen führen! Unfre dramatische Kunst ist, gemessen an der größeren Vergangenheit, nicht reich, ohne doch arm zu sein. In Bezug auf Schauspielkunst aber sind wir reich. Bardon! Diese und ähnliche Betrachtungen flößten mir Besorgnis ein. Ich stehe den Dänen näher als meine Kollegen im allgemeinen und so hätte ich eine Niederlage mit persönlichem Schmerz empfunden. Im so frober bin ich, daß ich einen schönen und warmen Erfolg melden kann. Das Publikum wurde mit In der Umgebung der Künstlerin befand sich niemand, der mit fren guten Schauspielern zu vergleichen gewesen wäre; an unfre beften darf man gar nicht denken. Eine Ausnahme möchte ich nur für Frau Rosenberg machen, die als Frau Lind eine Scene von ausgezeichneter Kraft und Einfachheit hatte. Die Scene, in der Frau Lind sich mit dem bankrotten Juristen wieder zusammenfindet, habe ich noch nie so gut gesehen. Bei aller Einfachheit war jeder Ton von der echtesten Empfindung durchtränkt. Vielleicht war Frau Rosenberg für die Rolle allzu jugendlich; aber dieser Fehler ver liert sich ja von selbst... Erich Schlaikjer. geriffen, obwohl nur wenige die dänische Sprache verstanden. Kleines Feuilleton. Frau Hennings hatte die Herzen bereits nach dem ersten Aft gewonnen.. " Was unterscheidet ihre Nora von derjenigen der besten deutschen k. Die Künfte der modernen„ Schönheitsdoktorinnen" erSchauspielerinnen? Sie ist, zunächst allgemein gesprochen, intimer fahren im neuesten Heft der Harmsworth Magazine" eine gründund wärmer. Daß die Dänen fünstlerisch sehr intim sind, wissen liche Beleuchtung. Es heißt da: Eitelkeit muß Zwang leiden", sagt: wir alle. Ich brauche zum Beweis nnr an J. P. Jakobsen zu er ein altes Sprichwort und tennzeichnet damit eine uralte Erfahrung. innern, der an intimer Stimmung überhaupt von niemandent er- Die heutigen Londonerinnen folgen HHr Sem Beispiel der reicht wird. Ilm diese nationale Tugend der Intimität zu erzeugen, Orientalinnen, Griechinnen und Römerinnen, wenn sie die Dienste werden viele Faktoren zusammentvirken. Vor allem wohl das nordische von Mrs. Delia Watson, Conduit Street 53, in Anspruch nehmen. Klima, das eine Intimität des Hauses erzeugt, die ich in dieser Form sonst Tausende von Frauen befuchen sie jährlich, niedergeschlagen nirgends kenne. Für das dänische hygge" hat auch die deutsche bei dem Gedanken aur ein vorzeitiges Alter, und sie ver, Sprache kein entsprechendes Wort; unser gemütlich" ist sozusagen lassen sie in voller Hoffnung für die Zukunft. Mrs. Watson lauter und weniger fein. Am nächsten täme unser„ traulich", aber hat natürlich feine Baubermittel zur Verfügung, sondern schließlich bedeutet es doch eine andre Nuance. Dann hat Dänemart hat jahrelange Studien ir Amerika, Paris, Brüssel und feine große Judustrie, die mit ihrem Lärm und Geraffel die Aegypten gemacht. Ein böser Feind ist z. B. das Doppelfinm; Jutimität zum Tenfel jagt, und endlich ist es ein wohlhabendes dessen Behandlung wird folgendermaßen geleitet: Die Patientin" Bauernland, was gleichfalls der Intimität zu gute font. Die Not feßt sich in einen höchst eleganten Stuhl, und dann wird das Kimm macht hart, unerbittlich. radikal. Vielleicht steckt hierin etwas von mit Watte gewaschen, richtig massiert und gefnetet und ein Präparat der Psychologie des Norwegers, die von den Dänen sehr verschieden Mes. Watsons, slenderine" genannt, gebraucht, das in einer Woche find, wie wenig es auch den Deutschen zum Bewußtsein kommt. vier bis sieben Pfund entfernt. Nun werden die schlaffen Mustelu Frau Hennings Nora ist durch und durch dänisch und um die Kimmlade durch ein Glasinstrument gereizt und belebt, das Kinn eben darin liegt der Wert, den sie für uns Deutsche hat. Die In- wieder gewaschen, massiert und mit einem Pulver zur Verhütung jeder timität und Feinheit, die sie der Geftalt giebt, fann eine deutsche Nauheit besirent. Mrs. Watsons Zimmer find mit Photographien, Schauspielerin ihr nicht geben, aus dem zureichenden Gründe, daß ihrer Patienten bedeckt. Da sieht man Mrs. Langtry und die Melba, fie eben eine Deutsche ist. Die Wohnstube des Advokaten Helmer unter den Damen, die sich einer fünftägigen Behandlung unterzogen füllt sie mit der feinen und traulichen Stimmung, die eben in haben, deren Kosten allerdings eine vierstellige Zahl betragen. Kopenhagen beffer gedeiht als in Berlin oder anderswo. Hier bringt Runzeln werden nacheinander für je 100 W. weggebracht, wobei fte eine nationale Besonderheit mit, die wir gar nicht haben können. weder die Haut entfernt, noch Dampf oder Elettricität Mit Ausnahme des Herrn Personne, der schwedisch sprach, sprachen angewendet wird. Mrs. Watson gebraucht nur ihre eignen alle Mitglieder der Truppe dänisch. Nichtsdestoweniger habe ich bei alben und sehr ingeniös ersounene fleine Justrumente. feinem Einzigen auch nur eine Sefunde vergessen, daß ich in Berlin So plättet die lapilette" fozusagen das Gesicht aus war, und daß mich, wenn ich das Theater verließ, der Osten Verlins und ist ein passendes Hilfsmittel für die Anivendung von empfangen würde. Sie brachten alle die Sprache ihrer Heimat mit; Grême. Ein audres hat die Form eines Paars Kleiner Elfenbein aber ihre Farbe und Stimmung brachten sie nicht. Fran Hennings Hämmer zur Belebung der Muskeln, und der Fächer wird zum aber riß mich aus allem heraus. Ich vergaß zunächst das Theater, schnellen Trocknen des init Salben bedeckten Gesichts verwandt. Das dann Berlin und befand mich mit einem Edlage in dem Rot kommt aus Japan, wo die Frauen so wundervolle Koloristen" traulichen wohlhabenden Heim des Advokaten Helmer in Kopenhagen. sind, und wenn es auf Backen, Kim, Ohr usw. aufgelegt ist, die Frau Hennings hatte Dänemark mitgenommen, als sie ihre Roffer Augenbrauen mit einer dunkel färbenden Paste gebürstet sind, padte, um nach Berlin zu fahren, und das eben ist ihr Verdienst. nimmt Mrs. Watson ein starkes Vergrößerungsglas mud prüft Deutschland braucht nicht erst nach Deutschland gebracht zu werden. Auch fritisch ihre Arbeit, uni feinen kleinen Fleck zu übersehen. braucht man nns teine fünstlerischen Werte zu bringen, die wir selbst Ginen Auflug von Schmurrbart vertreibt man am besten fchon hervorgebracht haben. Sollen die ausländischen Gastspiele durch Elektrolyse. Man muß sich aber an eine tüchtige Kraft, wie einen Sinn haben. miiffen sie uns Dinge bringen, die wir nicht be- Mrs. Pomeroy in der Old Bond Street, wenden. Elektrolyse ist das fizen. Ein solches Gastspiel war beispielsweise das der Rejane. einzig fichere Ansroffungsmittel fiberflüssiger Haare, denn sie Und ein solches Gastspiel war auch das der Frau Hennings. werden mit der Wurzel von der elektrischen Nadel ansgezogen, gegen Ein Kollege meinte im Zwischenaft, daß fie fast zu viel nüanciere. eine Entschädigung von 10 M. für dreißig Haare. Vei wenigen Nun, kann eine Rolle ja zu viel Nuancen enthalten, dan nämlich, Haaren geht das fchurell, aber bei üppigem Wuchse sind mehrere wenn man den Eindruck des Grübelus und Tiftelus empfängt. Ju Sigungen nötig, da sonst die Hant bei Entfernung dicht aneinander den besten Fällen kann man eine solche Schauspielerei geistreich stehender Haare entstellt wird. Auch ein Muttermal fanm entfernt neunen; sie begleitet ihre Leistung mit fingen Anmerkungen, die werden. Den schnigen vertrockneten Hals heilt Mrs. Pomeroy vielleicht intereffieren, wenn sie auch nicht ergreifen. Unter Um- durch ein Dampfverfahren, besondere Massage und Elektricität, woständen kann die Fülle solcher Anmerkungen blenden, kann wie Reichtum durch die verschrumpften Muskeln wieder dick werden, die rauhe aussehen, obwohl sie ein sicheres Zeichen der künstlerischen Armut ist- Haut weich und sogar die Konturen geändert werden. Zwischen der Armut an Gestaltungskraft. Wer eine lebendige Gestalt geben dem Arzt und dem Schönheitsdoktor" besteht übrigens ein sehr fann, verzichtet auf fenilletonistische Anmerkungen, feien sie an sich auch gutes Verhältnis, sie senden sich gegenseitig ihre Patienten zu. Da noch so fein. Anmerkungen vergißt man, fchon weil man inzwischen die Franen einander die Quelle ihrer Triumphe gern verbergen, beffere hört. Eine Gestalt vergißt man nie; denn jede künstlerische findet mant die Schönheitsdoktoren in London i vielen Gestalt existiert nur einmal. Was Frau Hennigs gab, war eine ruhigen Straßen, und ant den Thüren befindet sich kein Gestalt. The Reichtum an Nuancen war fein Notbehelf, sondern Schild. Auch Paris ist ein beliebtes Centrum dafür, eine Folge ihrer intimen und stimmungsreichen Kunst. Jutimität befonders werden dort Augentvinpevn gemacht. Dazu werden Kopfund Stimmung bedingen schnellen und feinen Farbenwechsel inner haare ansgezogen, eingefädelt, richtig eingenäht und dann in der. halb derfelben Grundfarbe. Was auf diese Weise entsteht, find nötigen Länge geschnitten und hübsch gekräufelt. Fallen diese Wimpern Teine Nuancen in des Wortes fpiter und unangenehmer Bedeutung; nach einiger Zeit aus, so wird die Operation erneuert. Wer Sorge es find Schattierungen und lebergänge, ohne die das ganze Genre um sein haar hat und es tizianrot gefärbt haben will, geht zu einem der Kunst nicht möglich wäre. Mit den künstlerischen Vorzügen bekannten„ Tizian" nach Petersburg. Dieser Haarspecialist, zu dem Frau Hennings, die wir bisher geschildert haben, hängt ihre fünft- Leute aus allen Teilen der Welt strömen, braucht manchmal die ein lerische Schwäche zusammen. In der großen Schlußicene, in der fachsten Mittel. So verordnete er gegen starken Haarausfall frischen Nora mit ihrem Mann abrechnet, blieb die ertuartete Steigerung Sped. Silberveißes Haar kann durch Behandlung nicht sid 11 844 erzielt werden. " Wenn man daher nicht eignes filber- man sich an ihn kaum vergebens wenden. Außerdein führt er, soweit weißes Haar hat, muß man es faufen, was sehr tener ich schätze, mehr Novitäten auf, als alle andern Musikmächte Berlins ist. Die Friseure bezahlen 800 m. für eine Unze davon. Man trägt zusammen. Um aber den Philharmonikern, die sonst darin heut zwar nicht mehr Perrücken, sondern eine sogenannte„ coverette", auch nicht sehr stark sind, kein Unrecht zu thun, bemerke ich, daß sie fogar Damen mit viel Haar tragen sie. Die Zofen tragen die Haare in ihrem letzten Nickisch- Konzert, das mir durch Kollision entging, ihrer Damen in einen Kästchen von einem Landhaus zum andern eine symphonische Dichtung„ Elaine und Lancelot" von Anton und haben fertig frisierte Coiffuren für jede Gelegenheit. Eine verkamp brachten, eines seit längerem in Amsterdam auch durch „ coverette" oder„ transformation" aus natürlich krausem Haar historische Konzerte wirkenden Komponisten. Aus dem Programmbüchlein foftet 160 M., und hat man drei, so dauert das Trio mehrere konnte ich nur entnehmen, daß es sich um typische moderne Motive Monate. Braucht man eine Frisur für den Morgen ohne Hut, eine mit der üblichen Verarbeitung zu handeln scheint. mit Hut, eine für den Nachmittag, eine für Diners, eine für die Man überschäße aber nicht den Abstand zwischen einer solchen Oper mit einer Tiara und eine fürs Theater mit einem ein Eindrucksspur und dem Eindruck vom wirklichen Hören des Ganzent facheren Schmuck, so ist das ein ziemlich großes Conto; mit Urteile nicht nach dem Erstenmalhören über eine Komposition", 3000 M. ist da noch nicht viel zu machen. Der geschickte sagt Robert Schumann. Er hat Recht; aber schließlich hat die französische Haarkünstler M. Lys macht ,, transformations", die nicht aktuelle Musikkritik auch ihr Recht wenn man's nur relativ genug zu erkennen sind. Er kämmt das Haar flach zurück, kräuselt es und nimmt. Die Seligkeiten" des Franzosen César Franc macht den Knoten. Ueber das zurückgekämmte Haar legt er dann( 1822-1890), eines der vielen im Leben nicht recht Anerkannten, den vorderen Teil und vermischt es mit dem Haar der Trägerin. nach Einmalhören zu beurteilen geht noch schwerer, als dies soust Das glänzende Auge wird durch Eintröpfeln eines harmlosen oder geht. Der Text lastet auf uns durch seine Elendigkeit, die Musik auch gefährlichen Mittels erzielt; es wird auch eine schwarze Band- durch die Gewalt des in ihr entfalteten könnens, und die„ Singbinde nachts darüber getragen, oder eine in einer Borlojung ge- akademie", die das Werk neulich brachte, durch manche tränkte Leinenbinde. Nachts trägt die Schönheitsfanatikerin überdies noch immer nicht abgestellte Gepflogenheiten. Doch war Herrn eine amerikanische Schönheitsmaske und besonders präparierte Hand- Direktor Georg Schumanns Arbeit mit den Chöreit schuhe mit perforierten Handflächen, die mit einem Crême über aller Ehren wert, zumal bei einem Werk, dessen Wahl allein schon zogen sind. für jenes Justitut einen Aufschwung bedeutet. In diesem und beMusik. reits in manchen andren Konzerten gab es" Musikführer" aus dem Verlage von Hermann Seemann Nachfolger ( Leipzig), der uns überhaupt schon manches Gute gebracht hat; sie enthalten zwar auch überflüssigen und ungerechten Schwulst, find aber sonst um so mehr zu empfehlen, als das Eindringen in den Gehalt und Bau von Kompositionen heutzutage noch vielleicht die dunkelste Partie unsrer Mujitbildung ist. Wer hat sich nicht schon an symmetrischen Spielereien in der sicht baren Natur gefreut?! Wir sprigen auf ein Stück Papier Tinte, falten es drückend zusammen und erhalten nun zwei einander wie im Spiegelbild entsprechende Figuren. Oder wir betrachten eine Landschaft durch unsre Beine hindurch oder in einer sie wieder spiegelnden Wasserfläche. Jnteressant ist in all diesen Fällen die Wirkungskraft rein formaler Verhältnisse: was an sich noch gleichgültig erscheint, giebt mit seinem Spiegelbild, seiner symmetrischen Alm fehrung" zusammen ein reizvolles Ganzes. Nun versuchen wir Gleiches in der Musik. Wir nehmen irgend eine Melodie und verwandeln sie dadurch in ihr Gegenbild, daß wir das, was aufwärts geht, mit ganz genau gleichem Abstand nach abwärts, und das, was abwärts geht, ebenso nach aufwärts führen. Die Ilm lehrung darf aber nicht so, wie sie schon bisher allgemein üblich war, nach der herrschenden Tonart modificiert werden, sondern minß völlig spiegelgleich" sein: aus einem Ganzton nach oben wird ein Gangton nach unten, usw. Die Sache läßt sich ja ohne weiteres an jeder Melodie ausprobieren. Und wie wir ein Nacheinander von Tönen derart umdrehen können, so vermögen wir es auch mit ihrem Miteinander, mit Accorden: aus einem Dur- Dreiklang auswärts wird ein Moll- Dreiklang abwärts. So entsteht ein Dualismus, cine Polarität in der Musik wie in der Elektricität: jedes+ bekommt fein Das hat schon im 16. Jahrhundert Zarlino erkannt und haben seither mehrere Theoretiker näher verfolgt, zulegt besonders A. v. Dettingen und H. Niemann, ohne jedoch durchzudringen; wir andern können uns immer noch allzuschiver an Accorde nach unten" usw. gewöhnen, obschon gegen die theoretische Konstruktion rein als solche nichts einzuwenden ist. Und wie die Hälfte einer tönenden Saite oder Pfeife den Oktavton, ihr Drittel den oberen Quintton, ihr Fünftel den noch höheren Terzton giebt, so daß der Geiger durch das Flageolet und der Bläser durch das Ueberblasen" die Obertöne" erzeugt: ebenso muß eine Saite oder Pfeife von doppelter Länge die Interoktave, von dreifacher die nächst tiefere Quinte, von fünffacher die noch tiefere Terz( von cz alfo As) geben, so daß die Obertöne" ihre symmetrischen Untertöne" finden. Könnten wir diese mur einmal wirklich aus Einem Tone heraus so zu hören bekommen, wie aus ihm herans die Obertöne zu hören sind! 1 Humoristisches. SZ. Aber das - Die Kugelgestalt der Erde. Sergeant Müller hat fürzlich vertretungsweise die wissenschaftliche Instruktionsstunde übernehmen müssen. An der Hand seines Leitfadens müht er sich mun, den Kerls die Lehre von der Kugelgestalt der Erde beizubringen. Also früher glaubte man, die Erde sei eine Scheibe. könnt Ihr Euch doch selber denken, daß das nicht stimmt. Hentzutage weiß man eben, daß die Erde eine Kugel ist. Wer das etwa nicht einsehen will, der kann mal' n paar Stunden tiefe Kniebeuge mit Gewehrstrecken üben! Es giebt aber auch noch andre Gründe für die Kugelgestalt der Erde." - Ehrlich. Sag mir aufrichtig, Karl, was hättest Du gethan, wenn ich Dir nein gesagt hätte?" „ Das will ich Dir aufrichtig sagen: meine Zahlungen hätte ich eingestellt." („ Simpl.") Notizen. C. Karlweis, dessen Stück Der neue Simson" vor einigen Tagen mit Erfolg über die Bretter ging, ist im Alter von 53 Jahren in Wien an Leberkrebs gestorben. -In Grönland giebt es eine einzige 3eitung, die Wochenschrift Atuagagdlintit". Die Zeitung wird geleitet, gesezt, gedruckt, gefalzt, expediert und sogar illustriert von einer und der felben Person Namens Lars Moeller. Das Landgericht München I hat jest im objektiven Vers fahren die Einziehung des Buches von Panizza, Parisiana, deutsche Verse aus Paris", verfügt. Panizza war wegen dieses Buches in Anklagestand versetzt, es wurde jedoch das Verfahren gegen ihn eingestellt, nachdem er von den Frrenärzten als unzurechnungsfähig erklärt worden ist. Das Schauspielhaus bereitet eine Neueinstudierung von Shakespeares„ Nichard III." vor; Pohl wird die Titelrolle spieleit. Wolzogen wird sein neues Theater in der Köp niderstraße am 15. November cr. mit dem Einafter Die Medaille" von Ludwig Thoma eröffnen. - Oberregisseur Reglaff vom Opernhause ist von seiner Stellung zurückgetreten. Professor Hermann Schröder behauptete, die Unterlöne auf einer Geigenfaite durch veränderten Strich- also durch ein Gegenstück des Flageolets erzeugen zu können. Hätte er sie uns doch wirklich zu hören gegeben! Im übrigen war sein Vortrag am vor gestrigen Sonntag: Die symmetrische Umkehrung in der Musik" cine glänzende Illustration zu allem vorher Gefagten. Wir hörten Melodien, die wir erraten sollten, in Umkehrung was zum Teil bis zu parodistischen Effekten ging. Der tiefste Ernst der Sache aber schien mir in dem klingenden Beweis dafür zu liegen, welche einander gegensäglichen Ausdrucksformen dabei zu Lage tommen können!" Wenn sich zwei Herzen scheiden": dieses schwer-- Das süße Mädel", Operette von Alexander Landsberg mütige Lied wurde in der Umkehrung zu einem hellen Jubel:„ Wenn und Leo Stein, Mufit von Heinrich Reinhardt, fand dei der Aufsich zwei Herzen finden." Herrn Professor Schröder mögen die Ver- führung im Wiener Carl Theater reichen Beifall. Direktor wechslung mittelalterlicher mit antifen Tonfolgen, die Verkennung Ferency hat das Stück für das Berliner Central Theater des Einschlusses der modernen in den ersteren und der unhistorische erworben; dort wird es am 16. November in Scene gehen. Seitenhieb auf die moderne Halbtommifit( Chromatit" verziehen Fünf Künstlervereinigungen, die„ Gesellschaft " # werden; und wie weit seine Sache nur Spielerei ist, weiß er wohl deutscher Aquarellisten", der„ Künstler- Westklub", die Freie Kunst", felber, daß wir aber auf diesem Wege zu Erweiterungen unsres der Märkische Künstlerbund" und der„ Klub Berliner Landschafter", Systems von Toufolgen gelangen, muß all denen eine Freude sein, veranstalten am Sonntag, den 3. November, eine gemeinsame die schon längst danach drängen. Ausstellung im Künstlerhause( Bellevueftr. 3). Die Ausstellung Der Berliner Tonkünstlerverein"( sozusagen der bleibt bis zum 29. November geöffnet. eigentliche Berufsverband der hiesigen Tonkünstler) hat sich durch die Die, Neue Gemeinschaft" feiert in der Nacht vom gastfreundliche Veranstaltung dieses Vortrages neue Verdienste zu 23. zum 24. November in der„ Urania"( Taubenstraße) das„ Fest seinen bisherigen erworben, die ohnehin, wie schon sein jetziger des Todes". Ginlaßkarten zu 3, 2 und 1 M. sind vom Heim der Jahresbericht zeigt, nicht geringe find. In musikalischen Nöten wird Neuen Gemeinschaft"( Uhlandstr. 144) zu beziehen. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Drud und Verlag von May Bading in Berlin.