Ztr. 234 Aboimemritts-Kedingungcn: Abonnements-Prel» pränumerando: «Zierleljährl- 3,30 Mb, monatl. 1,10 Mb, möchenllich 2S Psg, sret in» Hau», Einzelne Nummer b P?g. Gonntag», Slummer mit»luslrtcrler Sonnlag»- B-ilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- ilbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post-Zetlung»- PretSltst« sür ISSV unter Nr. 7»30. Unter Kreuzband sür Teutschland und Oesterreich»Ungarn»Mark, für da» übrig,»u»land s Marl pro Monat. UrscheinI liglich aufter Montag». Vevlinev Volksblatt. 16. Jalzr«,. Dt» Inftrtions- Gebühr öeträgt sür die sechSgespaltene Kolonel- «eile oder deren Raum»0 Psg,, sür politische und geioerlschallltche VereinZ» und Bersammlung»» Anzeigen 20 Psg. „Kleine Knielgeu" jede» Wort 3 Psg. (nur da» erste Wort seit). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festragen dt» S Uhr vormittag» geössn«. Fernsprecher-»mt I, Nr. 160& Telegramm-Adresse: „Sorialdemostrat vrrlin" COntrawrgan der sorialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaklion: SW. 19, Brullj-Slrasze 2. Freitag, den 6. Oktober 1899. Expedition: SW. 19, Beukh-Skrahe 3. Eine Stichprobe. Aus Schlesien wird uns berichtet: Tie Unzuverlässigkeit des Materials der berüchtigten „Denkschrift" zum Zuchthausgesetz tritt besonders kraß hervor bei den aus Obcrschlesien beigebrachten Mitteilungen. Daß die Regierung ein besonderes Interesse an dieser Gegend hat — mehr als 20 Stellen behandeln Oberschlesisches— ist sehr erklärlich. Wer weiß im allgenieinen viel von Ober schlcsicn; wer kann die Berichte der Regierung rektifizieren? Bielleicht dachte die Regierung: wenn Strcikexzesse aus einem so sromnien Lande wie Oberschlesien berichtet werden, so müssen unsere Mitteilungen ganz besonders beweiskräftig sein. Hat sie so gedacht, dann hat sie sich sehr getäuscht. Eine eingehendere Betrachtung der Nachrichten über die oberschlesischen Streikvergehen— es handelt sich fast ausschließlich um die Streiks der Bergleute im Jahre 1397— ergiebt zweierlei: erstens die Thatsache, daß die Berichte der Denkschrift aus Obcrschlcsicn in hohem Grade unzuverlässig sind, zweitens, daß die unangenehmen Vor gänge, wären sie auch der Wahrheit gemäß berichtet, nichts weniger beweisen würden, als die Notwendigkeit neuer Aus nahmeniaßregeln gegen die organisierte Arbeiterschaft, daß sie in Wirklichkeit die Notwendigkeit beweisen, den Organi sationen der Arbeiter freien Spielraum zu gewähren. Das Jahr 1897 war für den oberschlesischen Industrie� bezirk ein streikrciches Jahr. Das Streiken begann im März, bezeichnenderweise auf einer Grube des Grafen Ballestrem, „Wolfgang", und dauerte mit kürzeren und längeren Unter brechuugen bis tief in den Herbst hinein. Ein völlig klares Bild über diese Streiks zu erhalten, war seiner Zeit fast uu möglich und ist natürlich heute noch viel schwieriger als damals. Das kommt daher, weil die Streiks fast sämtlich nicht im Innern des Industrie- Reviers, sondern an dessen Peripherie ausbrachen, die den Führern der organisierten Ar heiter damals noch ziemlich unzugänglich waren, und weil die Polizei mit äußerster Sorgfalt darüber wachte, daß keiner von diesen Führern einen Streikort betrat. Sofortiger Verhaftung und sonstiger noch viel schlimmerer Unannehmlichkeiten hätten sich die„Hetzer" aus gesetzt, wenn sie die Streikorte betreten hätten, sie hätten den Streikenden nicht helfen können und hätten zur Verbreitung des tendenziösen Märchens von der„Verhetzung" nur will kommenen Anlaß gegeben. Die Thatsache, daß an keiner der fast zwei Dutzend der Stellen in der Denkschrift über Streiks in Oberschlesien von socialdemokratischer oder gewerkschaftlicher „Verhetzung" die Rede ist, beweist die Zurückhaltung der damals zum Frieden mahnenden organisierten Arbeiter. Die bürgerliche Presse Oberschlesiens hatte entweder kein Interesse an der sachgemäßen Berichterstattung über die Streiks, oder sie be- richtete, wie der„Oberschlcs. Anzeiger", getreu nach den Mit- teilungen der Polizisten, Gendarmen und Grubenbeamten, d. h. einseitig. Vom Hören des„anderen Teils", der Arbeiter, hielt sie nichts. Was berichtet nun die Denkschrift von den oberschlesischen Streiks im Jahre 1897? Zunächst fällt es unparteiischen Lesern auf, daß, obwohl nicht einmal die Hälfte der wirklich vorgefallenen Streiks er Ivähnt wird, durch Wiederholungen inhaltsloser und uu kontrollierbarer Bemerkungen der Anschein erweckt wird, als ob die Bösartigkeit der oberschlesischen Streiks ganz be sonders groß gewesen sei. Von den Ausständen auf„Kaiser Wilhelm" und„Richthofen", auf„Jenny- Otto" und„Cäcilie", auf„Giesche" wird je zweimal berichtet(S. 115/6 und 14; S. 43 und 93�4; S. 13 und 43), obwohl kein Anlaß dazu vorliegt. Ist hier vielleicht der„Grundsatz" maßgebend ge- Wesen:„Doppelt hält besser?" WaS soll mau ferner mit Sätzen anfangen wie:„Wieder- holt wird berichtet, daß Arbeitswillige in Wirtschaften geohrfeigt wurden, so aus Beuthen O.-S.(S. 34);—„einzelne Fälle, wie das Verhalten der eingeschüchterten Arbeitswilligen, die aus Furcht vor Nachstellungen streikender Kameraden einen Straf- antrag zu stellen nicht wagen. werden in größerer Zahl mit- geteilt, z.B. aus Beuthen O.-S."(S. 104): �„treu gebliebene Arbeiter bitten aus Befürchtung vor Bedrohungen seitens ihrer ausständigen Kameraden um Urlaub, beginnen aber die Arbeit vor Beendigung des Streiks, so im Bergrevier Tarnowitz während des Bergarbeiter-Ausstandes von 1897" (S. 94):"„Sachbeschädigungen, von denen die Arbeitgeber bei Ausständen betroffen wurden, werden ferner berichtet aus Oppeln"(S. 16):—„der Regierungspräsident zu Oppeln berichtet, daß häufig von Arbeitern darüber geklagt worden sei, wie sie gegen ihren Willen zum Eintreten in den Aus- stand gedrängt würden"(S. 64), u. dergl. mehr. Wer will solche Behauptungen, bei denen die Angaben der näheren Umstände, ja sogar die von Ort und Zeit fehlen, kontrollieren? Oder sollen sie etwa gerade durch ihre Un- bestinimtheit einer kritischen Prüfung entzogen werden?! Aber die Denkschrift enthält auch kontrollierbares Material. Nach ihrer Mitteilung sind bei sechs(der etwa zwanzig) 1897 er Streiks in Oberschlesien Dinge vorgekommen, die zu Bestrafungen führten rcsp. hätten führen sollen. Sie kamen vor auf der„Gieschegrube"(S.�13, 42/3, 14), auf„Alfred" und„Königin Luise- Grube"(S. 43), auf„Cäcilie" und „Jenuy-Otto"(S. 43 und 93�4) und in einer Kattowitzer Schwellcnbeize(S. 83). Was ist auf diesen Streikplätzen geschehen, das die Ver- schärfung der bestehenden Gesetzesbestimmungen über Streik- vergehen begründen könnte? Auf„Cäcilie" und„Jenny-Otto" hatten sich die jüngeren Schlepper, von denen die Ausstände„angezettelt" waren, „zusammengerottet", unter Tage die Hauptstrecken, Füllörter und sonstigen Betriebspunkte„belagert", über Tage.die Ein- und Ausfuhrpunkte sowie die Zugänge zu den Grubenplätzen und die Anfahrwege„besetzt" und„die zur Arbeit und Ver- ständigung willigen Arbeiter bedroht und beschimpft". Also„Zusammenrottung",„Belagerung".„Besatzung",„Be- drohung" und„Beschimpfung"! Das wäre allerdings stark, das wäre ja der reinste Landfriedensbruch— wenn es wahr wäre. Aber das ist es ja, grade mit der Wahrheit dieser Be- hauptung hapert es in bedenklichem Grade, und zwar nach den Mitteilungen der— Denkschrift selbst. Das obige steht auf Seitc43. Auf Seite 93/4 muß berichtet ivcrden, daß von einer Verabredung oder Vereinigung der Ausständigen nicht geredet werden kann, daß also keine„Zusamnienrottung" usw. stattfand, kein strafbares Strcikvergehcn und kein Landfriedensbruch vor- lag. Wozu also der Lärni? Wir können sicher sein, hätte die Beuthener Staatsanwaltschaft nur das kleinste Endchen eines Beweises sür den Thatbcstand des Landfriedensbruchs ge- fuuden, dann hätte sie die Anklage erhoben. Angesichts dieser denkschristlichen Selbstberichtigung können wir darauf verzichten, aus unseren eigenen Wahrnehmungen über die Ausstände auf „Jenny",„Otto" und„Cäcilie" zum besten zu geben. Keinesfalls jedoch können wir darauf verzichten, der Denk- schrift die„amtliche" Mitteilung des königl. Bergrats Heinke, des Revicrbeamten im Revier Ost-Beutheu über die genannten Ausstände gegenüberzustellen*). Nach der Aufzählung von fünf Ausständen, unter denen sich auch die obigen befinden, sagt Heinke kurz und klar:„Nennenswerte Ruhe- störungen sind bei keinem derAus stände vor- g e k o m m e n." Der Rcdacteur der Denkschrift hat wohl gar nicht gewußt, daß es auck�- amtliche Berichte der Bergbehörden giebt? Auch zur Abfassung von Denkschriften gehört etivas mehr Unisicht und Vorsicht, als in der Abfassung der vor- liegenden Denkschrift bethätigt ist. Warum erwähnt übrigens die Denkschrift nicht die Thatsache, daß auf„Jenny-iötto" die Ausständigen durch die Entlassung der gesamten Belegschaft uilnötig und schwer gereizt wurden? Ihr Verfasser wußte ivohl wieder nichts davon, oder verschweigt er es, weil es nicht in seinen Kram Paßte? Bei Heinke stand diese Thatsache verzeichnet(a. a. O.). Daß es ferner mir dem Streikvergehen auf„Königin- Luise" und„Alfred" nicht weit her sein kann, geht sowohl daraus hervor, daß die betreffenden Revierbeamteil in ihren 1897er Berichten nichts zu melden wissen, als auch daraus, daß keine Bestrafungen borgekomnien sind. Auch den Schreiber dieser Zeilen ist von Gewaltthätigkciten der Ausständigen weder durch die bürgerliche Presse noch durch andere Mitteilungen etivas bekannt geworden. polikifchv Aebevficht. Berlin, den 5. Oktober. DaS Geheimnis deS Harmlosen- Prozesses. Die Intimitäten unserer herrschenden Klasse, wie sie der Moabiter Spielerprozch wider die Harmlosen unbarmherzig bloßstellt, werden noch deS öfteren einer kritischen Betrachtling unterzogen werden müssen. Einstweilen aber drängt sich anläßlich der heutigen Haftentlassung der Angeklagten eine ebenso wichtige wie dunkle Frage auf: Warum hat man die Leute überhaupt in Untersuchungshaft gebracht und sie dort acht Monate lang fest- gehalten! Gebessert sind sie gewiß nicht durch diese Einsperrung worden, und ein Untersuchungsgefängnis hat überhaupt nicht die Aufgabe eines moralischen Erziehungsiustituts: eS dient zur Herberge für Personen, die eines kriminellen Vergehens dringend verdächtig sind. Gegen die Kröcher. Kayser und Schachtmeyer hat überhaupt niemals kriminelles Belastungsmaterial von irgend wie ernsthafter Bedeutung vorgelegen. Das haben die Verhandlungen vom ersten Tage an bewiesen. Sie sind nicht schuldiger gewesen, als alle die Aristokraten, die dem Jeu fröhnen; und wenn das gegen die Harm- losen vorgebrachte Anklagematerial genügen soll, um einen Menschen in Untersuchungshaft zu bringen, dann würden die vornehmsten Regimenter wohl bald ziemlich von den jüngeren Offizieren entblößt werden. Man wird uns keinerlei Sympathien für die Harmlosen, diese Drohnen der Gesellschaft, beschuldigen, da» hindert uns ober nicht. im Interesse der Rechtssicherheit die Frage aufzuwerfen, wie eS zu erklären sei, daß man auf solch ein Nichts von Verdachts- gründen die drei Adligen eingesperrt hat, gerade als ob sie nicht frivole Spicljünglinge, sondern erusthaft-kämpfende und arbeitende — U m st ü r z l e r wären. Wie kommen diese Herren zu einem Ver- ahren, das nia» sonst nur socialdcmokratische» Redacteuren,„Terro- risten gegen Arbeitswillige" usw. zu widmeil pflegt? Es hat vielleicht die Absicht bestanden, einmal ein Exempel gegen die Spiclwut der Offiziere z» statuieren. Aber wie kommt es. daß drei unabhängige Gerichte die durch nichts zu recht- crtigende Haft beschlossen und aufrecht erhalten haben? Gerichtliche Aktionen sollen doch zunächst keine derartigen crzieherisch-abschreckenden Zwecke in moralischer Hinsicht verfolgen, sondern nur Schuldige im Sinne des Strafgesetzbuches zur Rechenschaft ziehen. Die Angeklagten selbst zeigten ein lebhaftes Interesse, dies Rätsel zu lösen. Als sie aber am Mittlvoch durch den Antrag aus Vorladung des fnihercn Oberstaatsanwalts Drescher versuchten, hinter das Geheiinnis zu kommen, wurde durch den Hinweis auf die Unabhängigkeit der Gerichte die Erörterung dieses Themas ab- geschnitten. Es ist also zu vermuten, daß die Frage keine Aufklärung finden wird, wie die vielen anderen„Frageil" unserer Rechtspraxis, deren Bitterkeiten freilich sonst nicht die Edelsten zu verspüren haben, sondern„lumpige" Proletarier.— •) Vergl. JahreSkorr. d. kgl. pr. Reg.» u. Gew.-Räte u. Berg- behörden für 1899 S. 600. Vormarsch der Boeren. Die Boeren beabsichtigen offenbar alsbald die Grenze zn überschreiten und den Gegner, der nicht genügend vorbereitet ist, in heftiger Offeilsive zurückzuschlagen. „Daily Telegraph" meldet aus Newcastle, dem nördlichsten Orte von Natal:„Die Boeren haben im Laufe der Nacht von Dienstag zu Mittlvoch Laings Nek besetzt und stehen in großer Zahl auf den Bergen südwestlich von V o l k s r u st, dicht au der Grenze. Am Mittwoch hat der Vormarsch der Boeren mit einer allgenieinen Vorwärtsbelvegung der Artillerie seinen Anfang genoinmen. Unser Korrespondent berichtet, wie er höre, würde Majuba Hill besetzt werden. Die nächsten britischen Truppen stehen in Lady- smith, die Engländer schicken sich an, Natal von der Grenze bis nach Glcncoe zu ränmen. General Symons hat Vorkehruilgen getroffen. Newcastle binnen 24 Stunden zu verlassen." Die letztere Absicht der Engländer, sich vorläufig zurück- zuziehen, wird auch durch eine Reutev-Meldung aus Newcastle bestätigt. Danach hat der Premierminister von Natal ein Telegramm gesandt, in welchem es heißt, Truppen könnten Newcastle nicht zur Hilfe kommen, die Boeren hätten die Absicht, anzugreifen. Widerstand sei unnütz. Der Premierminister rät deshalb zur Entfernung der Frauen und zur Uebergabe des Platzes. Dagegen wird das Gerücht, daß britische Truppen die Grenze des Oranje-Freistaats überschritten hätten, von Kap- ftädter Amtsstelle für unbegründet erklärt. ». In England ist die kriegSfcindkiche Stimmung der Bevölkerung gewachsen. Der gcschäftsfiihrciide Ausschuß d e r nationaleiiliberalcnVereinigung nahm eine Resolution an, in welcher erklärt wird, daß die drohende Lage in Südafrika durch die bestehenden Differenzen nicht gerechtfertigt sei, und das Bedauern ausgesprochen ivird, daß der Streit über die Frage des Wahlrechts auf den Boden der Suzeränitätsfrage hinübergeratcn sei. Die Resolution drückt ferner die Hoffnung auS, daß Transvaal jetzt das Wahlrecht nach fünfjährigem Aufenthalt bewilligen werde, da es die Bersicheriing erhalten habe, daß seine Unabhängigkeit gewahrt werde. Schließlich wird Lord Salisbury daran erinnert, daß er für die Weiicrfithrung der auf den Frieden abzielenden Verhand-' luugcn verantwortlich sei. *» Aeuyches Weich. Zur inucrc» Lage sind heute ein par konservative EntschuldignngSzettek zu erwähnen, in denen rührend versichert ivird, man habe niemals gegen Hohenlohe gehetzt. Die Konservativen sind in ihrer Oppositionslage so nervös geworden, daß sie nichts weiter thun als zu widerrufen, waS sie selbst geschrieben. Die gute„Kreuz-Zeitung" beteuert unnachahmlich komisch: „Ob nun der Fürst Hohenlohe oder Herr Dr. v. Miguel besser zu dem Mittelpunkt geeignet ist, um den sich ein einheitliches Ministerium krvstallisieren kann, wollen wir nicht näher unter- suchen. Es wird weniger darauf aukonimen, ob dem einen das Centrum und die Liberalen, dem anderen die Konser- vativen größeres oder geringeres Vertrauen entgegenbringen, sondern wem von ihnen oder wem sonst sich daS Vertrauen Sr. Majestät in erster Linie zn- wendet. Ein Feldgeschrei„hie Hohenlohe, hie Miguel" lehnen wir ab." Es sieht beinahe so aus, als ob die„Kreuz-Zeitung" dem Sterne Miguels nicht mehr traut, und mit der Möglichkeit rechnet, daß Hohenlohe doch den größeren Einfluß habe. Nebenbei bestätigt heute die„Kreuz- Zeitung" im wesentlichen die Meldung der„Gernlarna", daß in der Redaktion der„Kreuz- Zeitung" thatsächlich ein Friedensschluß mit Miguel erfolgt ist. wenn sie es auch für bedauerlich hält,„daß nunmehr auch die„Germania". die Usancen der socialdemokratischcn Presse acceptiercnd, Schnüffeleien auf fremden Redaktionen für eine verdienstvolle Thätigkcit ansieht." Schnüffeleien auf fremden Redaktionen sind bisher, unseres Wissens, nur von der„Post" ausgeübt worden, deren Berichterstatter auf dem Korridor der„Vorwärts'"-Redaktioii die von uns geführten Gespräche erlauschte und sie dann brühwarm in dem Organ Stumm» zum Abdruck brachte.—_ Dem Stumm-Zedlitz-Blatt beben wir gestern Unrecht gethan. Wir hatten gesagt, i» scineni Artikel zur Verteidigung der Zunft- diplomatie und der noble» Gesellschaft des Tausch-Lcckcrt- und deZ „Harmlosen"masien ihr zum Opfer fallen müßten. Es dürfte wenige Städte in Deutschland geben, wo die WohnnngSverhält- mit einer Woche Gefängnis. Der dritte Fall bezieht sich auf den längst beendeten Dresdener Manrcrstrcik. Ein Maurer Setter soll da durch Streikposteiistehen„groben Unfng" verübt haben. Da» könnten ihm zivar miS eigenem Wissen zwei Bekastiiugszcngcn, ein Polizist nnd ein Bannnternehmer. nicht bc- weisen, aber letzterer besann sich schließlich daraus, daß sich andere Leute durch daS Auftreten des S. geärgert gefühlt hätten; nach Angaben deS Schutzmanns hat S. ga>iz ruhig dagestanden. Dem Gericht genügte das Zeugnis des B»iiiu»ternchuicrs vollständig. i»n zn einer Vcrnrteilnng zu 20 Mark Geldstrafe— nach Mastgabe des polizeilichen Strafbefchls— zu gelangen. München, 4. Oktober.(Eig. Ber.) Die Hochwasser-Kata- strophe beschäftigte beute zum zweitenmal die Abgeordneten- tammer. Es handelte sich nm A b w e h r in a ß r e g e l n, Ivozu ein Antrag der EciitnintSpartei vorliegt. Dr. P i ch l e r bemängelte die schlechte Organisation des Nachrichtendienstes bei Hochwasser, die Einengung der Flußbetteii durch ungünstig veranlagte Dämme, den Mangel an Durchlässen bei manchen Dämmen, die ungenügende Finidierillig von Dammträgerii nnd Brückenpfeilern usw. Er forderte Ausdehnniig des Telephoimetzes ans jene Orte, welche besonders vom Hochwasser bedroht erscheinen, Ber- tiesiing der Wassertäiife. Verbreitening der Flußbette, Fels- iprcngniigen, wo durch Festen die Wasserläufe gestört werden. Auf- sorstniigcii, sowie Beseiligung der wegen der Zolldefraudaliouen gegebene» Bestimmungen, durch welche den Grenzbewohnern� ver- boten wird, Kähne in beliebiger Zahl zn halten. Die gerügten Mängel hätten zur Vergrößerung der Katastrophe sehr wesentlich beigetragen. Ein anderer Ceiitnimsrediicr erörterte die unklaren Nechtsverhältnisse der Privatverhältnisse, welche der Korrektion der Flustlänfe hindernd im Wege stehe, forderte Reform deS Wassergesetzcs und des UferschntzgesetztS und lud die Abgeordneten ein, die snrchlbaren Vcrlvüstunge» von Gmund bis Roienheini persönlich in Augenschein zu nehmen.(Soweit die socialdeinolratischen Abgeordneten in Betracht kommen, ivar diese Anregung verspätet: unsere Fraktion hat schon vorige Woche eine Kommisstotl zur Besichtigung der Höchivasicr- ichädcn entsendet.) M i n i st e r v. Fcilttzsch befürwortete Verwöisiing des Antrages an eine Kommission. Die Gesetzgcbniig dürfe sich nicht von Gefühlen beberrschen lassen, bei den Anträgen bandele eS um Ausgaben von vielen Millionen, die Wasser- nnd Nserschntzgcsetz- gedtnig Bayerns sei analog der in den nieistcn deutschen Staaten, Staat und Private müßten zusammenwirken; am besten errichte man für diesen Zivcck Genossenichaften, denen mit Staatsmitteln nutcr die Anne gegriffen werden soll. Der Wildbachverbaunng sei alle Sorgfalt zuzuweudeu, vielfach sei Bayern ohnniächtig. da die Qnelleiigcbicte der meisten Flüsse in Oesterreich oder der Schweiz liegen. In sciiien Seen habe Oberbayern natür- liche Stamverke, außerdem seien in den letzten 10 Jahren von Staat tind Geineindeit, mit AnSschliist der Hafenbanten, 27 Millionen Mark für Flustkorrettionen ausgegeben worden. Die Debatte wird fort-« gesetzt. Der dem Landtage zugegangene Entwurf für eine StandcS- und Ehrengerichts- Ordnung der Aerzte enthält nur Bcstim« mnnaen über Organisation der Äerztekammern und den Ehrengerichts- Hof, sowie über die Höhe der Disziplinarstrafen, welche bis 2000 M. betragen. Der Erlast der„StaitdeSordnuug" selbst soll deni Ministerium des Innern vorbehalten werden. Die staatSgefährliche Trikolore. Aus Slfaß-Lothringen wird nn« geichneben: Die offiziöse Presse de» Lande« bemüht sich, den üblen Eindruck, den die Nachricht von der Konfiskation von Kraiizschlcifen in den französischen Nationalfarben bei der zn Thann im Obereisast erfolgten Beerdigung Scheurer-KestnerS weit über die Grenzen Elsaß-Lothringeiis hinan« hervorgerufen bat, durch ge« wnndenc Dementis nach Möglichkeit abzuschivächcn. Ter Mülhanser „Expreß"— dasjelbc ÜirgieriinaSblatt, daS den Versuch gemacht hat, die selbst seitens der Militärbehörde unividersprocheu ge- bliebene Nachricht von dem vor einigen Wochen infolge von Hitzschlag eingetretenen Tode zweier Reserve- Ilntcroffizicrc ciiicS Mnlhmiscr Regiments als nnbegründet hinzustellen, dabei aber von den Fninilieii der Verstorbeiien durch eine iinzweideiitige Er- klän»ig ans die Finger geklopft bekam— ließ sich auch jetzt die Reinwaichniig der reichsländischen Polizeibehörden als erstes an- gelegen sein, indem es die aus den, BaSler Nachrichten" in zahlreiche andere Blätter übergegangene Meldung von der Thaimer Schleifenkonfiskalion als„völlig ans der Luft gegriffen" bezeichnete. Demgegenüber stellt das genannte Schweizer Blatt an der Hand eines ihm von einem Bruder de« verstorbenen Senators zugegangenen Briefes soivie auf Grund eigener Erhebungen fest, daß seine nrspriing- liche Mitteiluiig allerdings iinofei ii nngenau ivar. als die Eiitsermiiig der franzüsischeit Enbleine nicht bei der eigentlichen Begräbnisfeier erfolgte. Es hätten bei der Beerdigung vielmehr alle derartigen Zeichen an den Kranz- tind Bluincnipenden gefehlt, und von„auroritativer S'e i t c" sei ans die diesbezügliche Arage geantwortet worden, die französischen Farben wurden auch bei diesem Anlaß nicht geduldet. Die Thatsache, daß die reichs- ländischen Behörden der Entfaltting der von den Verehrern deS verstorbenen Senators ans Frankreich eingelaufenen letzten Ehren- spenden hindernd in den Weg traten, bleibt also trotz aller offiziösen AbleugnungSversuche bestehen. Berichtigung. In der Notiz über das JnvalidenversicherungS- Gesetz in gestriger Nummer hat sich ein sinnstörender Fehler ein- geschlichen.' Im 2. Absätze muß eS heißen: die Aiisschtistmiiglieder iverden jetzt(nach dein neuen Gesetze) von den VertratieiiSleuten der Versicherten bei den tinteren Vetwalt»ngsbehörde>t, diese Vertrauens« lettte selber aber von den Kassenvorstäiiden gewählt. Ausland. Ter französische Komplottprozeß. .Jiittansigeant" meldet, daß infolge der Enthüllungen dc§ Generalanivalts Melcot in der Komplottaffaire der Senator und Vorsitzende Berenger in einer Unterredung mit dem Sicherheit»- die................. Chef Lepine Haftbefehle gegen den Richter G r o s j e a n, I Feldkornets stehen. Oestrcich- Ungarn. Die„Nene Freie Preffe" meldet: Der NcichSratcs lvird zwischen dem 17. und Die Negicrnng ist noch nicht schlüssig, ob die Session fortgesetzt oder geschlossen wird. Jedenfalls wird sie in ihrer Programmerklärimg ein Sprachengcsctz ankündigen, dasselbe aber erst ffpäter einbringen. Vor dem Zusammentritt de? Reichs- ratcs werden die Sprachciiticrordiiungcn bcdingnngölos aufgehoben werden. Das Ministermin wird eine Notstand-vorläge und das Budget für 1900 dein Neichsrat vorlegen.— Schtveiz. Bern, 5. Ottober. Der Ständerat hat da? Kranken- nnd IliifallversichrrniigS-Gcsetz cbensnlls aiigenoninien und daS In- lrafttretm des Gesetzes auf den 1. Januar 1903 festgesetzt.— Nnstland. Tie HtingerSiiot dauert fort. Die Hoffnungen auf die neue Ernte haben sich niclit erfüllt. Die östlichen und ein Teil der mitt- leren Gouvernements, in denen die Hungersnot seit Jahren die Bevölkcnmg dezimiert, haben eine sehr nüttelmästige Enite gehabt, die für die Ernährtuig des Volkes bei weitem nicht ausreicht. Ist also hier an das Ende der Hungersnot nicht zu denken, so lauten die Nachrichten aus dem Norden und Süden, wie wir der Oktober-Nuininer von„Frei-Rußland" entnehmen, geradezu entsetzlich. In der nördlichen Provinz Archangel hat kowffaler Schnee- fall im Winter und Regen- Ueberfluß im Frühjahr die Ernte voll- ständig zerstört, so daß für die Vieh- und Neimtierherden daS Futter sihlt. In den südlichen Provinzen Beffarabien, Cherson, Kiew und zum Teil in Tschemigow, Jckaterinoslaw, Tauris und anderen südlichen Landstrichen ist die Getreide-, Rüben- und Kattoffel- ernte mißratrn. In der Krim. die viel Wein zieht, sind die Trauben durch die ungünstige Witterung ganz zu Grnnde gerichtet. Da« Elend ist unbeschreiblich, die Regierung thnt aber so gnt wie nichts, und waS die Privat« Wohl- thätigkcit.thnt, ist mir ein Tropfen auf einen heißen Stein. Der Skorbut, die Folge itiaugelhaftcr Nahrung, wütet unter der Be. völkerung, und der Skorbut ebnet un Ztorden und Süden der Hungerpest den Weg. die in den östlichen und mittleren Provinzen sich eingebürgert bat und von da sich immer weiter ausbreitet. Da» ist das Werk des Zaren und seiner Leute..An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen".— KrirdrnSzar. AnS Petersburg wird gemeldet: Der Voranschlag der M a r i n e- A u S g a b e n für 1900, welcher die Gesamtsumme von 88 Millionen Rubel umfaßt, bestimmt 38 Millionen für die Weiterfiihriniq der Schiffs-Nenbauten und für Neiibcichafsnlig von Geschähen. Insoweit entspricht der Anschlag dem im vorigen Jahre angenommenen 200 Millioiien-Plan: es wird jedoch als sicher angesesieu, daß»och vor Schluß des Jahres ein ErgäilziliigSaiischlag über etwa<10 Millionen Rubel aufgestellt wird, welcher den vorjährigen Plan noch um den Bau von drei Schlachtschiffen erster Klasse und fünf Torpedobooten zur Küsieuvertcidigimg erweitern soll.— Die Kriegsheere in Südafrika. Transvaal. Ueber das Heerwesen Transvaals geben wir nach den Löbell» scheu inilltärischen Jahresberichlen einige Mitteilungen. Nach den letzten Angaben zählt die weiße Bevöllerung 137 947 männliche Personen, dazu kommen 123320 erwachsene männliche Kaffern. Die Zahl der dienstpflichtigen weißen Personen beträgt 23 500, von welchen 14 259 von 18—34 Jahren. 8152 von 34—60 Jahren. 4089 unter 18 und über 60 Jabre. Dazu können gegen 30000 Ein- geborene unter ihren Häuptlingen, die den Titel Kapitän führen, einberufen werden. Diese gesainte aufzubietende Truppenmacht bildet die„Bürgerlvehr". Die stehende Truppe besteht au» einem Korps Staatspolizei und auSeinemKorp» reitender Artillerie. Dieses Korps, da« den Kern der KttegSmalbt der Republik bildet, hat sein ständiges Lager bei Pretoria. Die Zahl der Geschütze ist nicht genau bekannt; eine frühere Mitteiluna iprach von 3 leichten und 6 schweren Knippkanonen. 4 leichten und 3 sanveren Schnellscner- Kanone», einer gezogeiieii VorderladungS- Kanone nnd einer Mitraillense. Doch sind in den letzten Jahren er« hebliche Verbessernngen und Vermehrnngen vorgenommen worden. FrciwilligenkorpS. Um die Lust für Waffen- n»d Schieß- Übungen zn befördern, ivnrde im Jahre 1894 ein Gesetz erlassen, welches gestattete, ein Infanterie- oder Kavallerie- FreiivilligciilorpS von wahlberechtigten Bürgern zn errichten, weint in einem Distritt. Wyk, Stadt oder Torf wenigstens 50 Bürger sich dazu vereinigten und sich gegenüber dem Staate auf Grund von Statuten, welche dein Kommandant- General eingereicht und dein Gutachten des Exekutivrates unterbreitet werden mußten, zu dem Folgenden verpflichteten: 1. der Ausführung aller von der Regierung befohlenen Dienste, das Unterdrücken von etwaigen Unruhen mit etnbegttffen; 2. dem Verrichten all' solcher Dienste, welche besonders die Alisrechterhaltuitg der Ordnung und vffeitilichen Sicherheit bezwecke», in dein Distrikt, wo ein solches Korps besteht, wenn die Regierung oder die örtlichen Behörden es dazu ansfordcrn; 3. dienstbereit zu sein, wann und wo auch von der Regierung einberufen. Hat die Regierimg die Erttchtnng eine? solchen FreiwilligenkorpS genehmigt, so erhält jeder Freilvillige ein Gouverneineiitsgeivehr in Gebrauch, so lange er zu dem Korps gehört, 20 Patronen�inonatlich, um sie ans einer von feiten der Regierung angeivicsenen Schiestbahn zu verschtestcit, und 8 Pfd. Sterl.— wenn er beritten ist, 18 Pfd. Sterl.— jährlich für Uniform, sobald er ein Zeugnis von seinen Offizieren aufweisen kann, dast er im Gebrauch der Waffen und im Schiesten hinreichend geübt ist. Diese Vorrechte gehen jedoch ver- loren, wenn nicht das Korps, soviel möglich, durch alle seine Glieder beim jährlichen Nationalfest zu- Paardekraal vettreten wird, welches zur Eriitnerung an die Unabhängigketts-Erklärung von 1881 gestiftet wurde. Schon 1892 und 1893 waren in Pretoria mit Zustimmung der Regierung solche FreiwilligenkorpS errichtet. Die Infanterie- Ab- teilung daselbst zählte 100 Mann. Die Abteilung Kavallerie war 110 Mann stark. Orgauisatio» der Landesverteidigung. Die Republik ist in Distrikte geteilt, jeder Distrikt in Feldkornetschaflen oder Wykcn. Befehlshaber des Gan/en ist der Koinntandantaencral, gcgenwärtia "S. I.----------*---.......-_' I. I o u b e r t, die Distrikte ivcrdcn befehlig: von Kommandaitte», Feldkoriictschaften von Feldkornets, unter denen noch Assistent- Mit Stimmenmehrheit wählen die wahlberechtigten Bürger, welche über IS Jahre alt sind, in den Feldkornctschafien die Feldkornets und Assistent-- Feldtornets, in den Distrikten die Koin- Mandanten, Der Kominandantgeneral ivird von und ans den wähl- berechtigten Bürgern der Republik gewählt, welche das Recht haben, die Mitglieder des ersten Volksrates zu wählen. Die Assistent-Feldkornets und Feldkornets werden für 3 Jahre, die Kommandanten und der Äommandantgeneral für 6 Jahre er- nomit; nach diesem Termin sind sie sogleich aufs neue wählbar. Für jeden Distrikt darf nur ein Kommandant gewählt werden. Bewaffnung, Ausrüstung und Berittenmachung. Jeder Mann hat für seine eigene Ausrüstung, Kleidung, Nahrung, Pferd, Waffen und Munition zu sorgen. Außer Gewehr und Munition führt er getvöhnlich mit sich einen Sack mit Zwieback oder Mais. Schnitten getrockneten Fleisches— Biltong—, ein Söckchen Kaffee, Tabak, Feuerzeug und eine Decke. llniformierr ist nur die stehende Truppe; doch ist die Tracht der Boercn eine so übereinstimmende, daß die Korps den Eindruck machen, uniformiert zu sein. Der Anzug besteht aus einer kurzen Jacke, Baaitzo, und Hose aus englischem Stoff, grauem Filzschlapphut, dazu den Patronengürtel von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte reichend. Beritten sind die Boercn sämtlich, zwar nicht aus schönen, aber vorzüglichen und außerordentlich willigen Pferden, welche zu- gleich ungemein dauerhaft sind, besonders wenn sie„gesalzen" sind, d, h, ivenn sie die Pfcrdekrankbeit gehabt haben. Wenn der Reiter absteigt und die Zügel zur Erde legt, sollen diese Pferde wie „hypnotisiert" stehen bleiben, und auch ohne beaufsichtigt zu werden, sich nicht von der Stelle rühren, eine Eigenschaft, ivelche dem südafrikanischen Pferde überhaupt eigentümlich sein soll. Ausbildung und Fcchlwcise. Eine eigentlich militärische Gcsamtausbildung fehlt, dafür sind aber die Boeren vorzügliche i! ii c r m ii d l i ch c Reiter und ausgezeichnete Schützen. Ter Boer komnit sozusagen mit der Flinte auf die Welt. Von frühester Jugend übt er sich in ihrem Gebrauch und erlaugte bei seinem scharfen Auge, seinem ruhigen Temperament und seiner sicheren Hand eine solche Fertigkeit, daß die nicisten Boercn als Kunsrschüyen gelten können. Die Boeren sind geborene Guerillas, Sie ziehen ins Feld ohne Bagage oder Train. Jeder Mann führt außer seinen Waffen und Munition an der einen Seite des Sattels einen Sack mit Biltong, an der anderen ein Säckchen mit Zwieback oder Mais usw. mit und kann so ausgerüstet 14 Tage vom„Lager" entfernt bleiben. In der Regel kämpfen die Boeren als Schützen, wobei sie den Feind beschleichen, wie in gewöhnlichen Zeiten das Wild. Auf meisterliche Weise wiffcn sie selbst von den geringsten Terrainobjekten und Tcrrainfalten Nutzen zu ziehen, um, ohne' sich bloß zu geben, den Feind in den Bereich ihres me fehlenden Schusses zu bringen. Gegen einen Feind, der standhält, avancieren sie auf ähnliche Weise wie unsere Tirailleurlinien. Während der eine Teil der Linie den Feind beschießt, avanciert verändere unter derDeckung dieses Feuers und nistet sich mehr vorwärts im Gelände ein. Kanonen und Schnellfeuer- geichütze� nutzen ihrem Gegner nicht viel. Die Boeren bieten ihm keine günstigen Ziele und schießen Pferde und Bedienungsmann- schaften fort. In der Auswahl de? Gelände?» in welchem sie den Fciud angreifen wollen, sind sie Meister. Besonders merkwürdig ist die Schnelligleit, womit sie sich unge- sehen aus der einen Position in eine andere zu begeben wiffcn und unversehens daS Feuer eröffnen aus einer Stellung, wo man sie ani wenigsten vermutete.� Diese raschen Stellungswechsel geschehen zu Pferd. Wenn sie absteigen, um zu kämpfen, lassen sie ihre Pferde ungefähr 400 Meter hinter sich. Sie sind der Typ_ einer vorzüglich berittenen Infanterie. Als ausgezeichnete Reiter können sie mit großer Schnelligkeit den Punkt erreichen, den sie angreifen oder verteidigen wollen, Sie steigen alsdann ab und kämpfen, indem sie ihre Pferde in der Nähe behalten, um sie für den Rückzug zu gebrauchen, wenn nötig, oder um an einem anderen Punkte offensiv aufzutreten. Sie vereinigen also die Schnelligkeit des Kavalleristen mit der Feuerwirkung des In« fanteristen. Merkwürdig sind gewiß die großen Verluste, welche die Boercn in ihren Kriegen dem Feinde beibringen, selbst wenn sie gegenüber einer großen Uebermacht stehen, und die g e- rrngen Verluste, die sie selb st erleiden. Bei Laings Neck, den 18. Januar 1881, schlugen 80 Boercn 1000 Mann Infanterie. 200 Mann Kavallerie und 200 Mann ?lrtlllerie mit 6 Feldkaiiouen und 3 Naketengeschützen in die Flucht. Bei Schuins Hoogle wurden 400 Mann mit 4 Feldkanonen vv» 165 Transvaalern nach einem hartnäckigen Streit von 8 Stunden total geschlagen. Beim Majubaberg stürmten bO Boeren den von 400 Schotten und Matrosen besetzten Berggipfel und jagten nach füiifftündigem heftigen Gefecht den gut verschanzten Feind in wilder Fluchr zurück. Bei Bronkhorst Spruit standen 250 Boeren 300 Eugländeni gegen- über, die sich 8 Minuten nachdem der erste Schuß gefallen war. auf Gnade und Ungnade ergaben. Der Krieg 1880/81 kostete den Engländern 115g an Toten und Verwundeten, während von den Boeren mir 113 Mann außer Gefecht gestellt wurden, wovon 44 Tote. Der Orattje-Freistaat. Die Verhältnisse find ganz ähnlich wie in Transvaal. Die Zahl der Wehrpflichtigen wird auf ungefähr 20 000 veranschlagt. Die stehende Truppe im Fort bei Bloemfontein ist nur einige 80 Mann stark; ihre Reserve beträgt 400 Mann. Die Artillerie weist 14 Kruppkanonen von 7,5 cm, 5 Armstrong V-Pfünd« und einige Marine-Kanonen auf. England. � lieber die englischen Kriegsvorbereitungen teilt die„Kölnische Zeltung" folgendes mit: Die englischen Nachrichten über militärische Dinge sind immer verworren. Bald werden Regimenter Brigaden gciiauiit, bald Bataillone Regimenter, und neulich erörterte ein großes englisches Blatt, was eigentlich ein Amieccorps sei. Trotzdem taun mau jetzt mit einiger Gewißheit von der Zahl und den Namen der für den Krieg iii Bereitschaft gesetzten oder schon an Ort und Stelle befind- lichen Truppen sprechen. Gegen Mitte Oktober wird die englische Streitmacht in Südafrika betragen: 18 Infanterie-, Schützen- und Füsilier-Bataillone zu je 1003 Mann Kombattanten(Offiziere und Mannschaften). 4 Neitcr-Neginrenter zu je 472 Kombattanten, 9 Feldbatterien, 4 Pionier-Compagnien und 1 Ballon-Detachement. außerdem zahlreiche Compagnicn des Army Service Corps. Die Reiterei stand mit den 6. Lauzenresiern und den 18. Husaren in Natal. Sie wurde ebenfalls durch eine Brigade ans Judieii verstärkr. die unter dem Befehle deS OberstlieuteuautS Wolseley-Jeukins steht und zusamiiiengescyt ist aus de» 9. Lanzen- reitern uiid den 19. Husaren. Die Feldartillcrie besteht aus den Baltcrien 13., 67., 89.(alle drei bisher in Natal), ferner 18.. 62., 75. und der„Brigade-Division" des Oberstlieutenauts Eoxhead aus Indien, 21., 42., 53. Die Pionier- Compagnien führen die Nummern 7., 8., 23. und 29., letztere Festungspioniere. An Jnsauterie würden also vorhanden sein: 18 054 Koni- battanten, a» Reiterei 1888 Säbel, an Artillerie 54 Geschütze und 1530 Kombattaiileii, an Genietruppen annähernd 1000 Kombattanten, i m g a ii z e n a l s o 22 472 K o m b a t t a n t e n und 54 Feld- g e I ch ü tz e. Außerdem verfügen die Kapländer noch über eine Menge kleiner Freiwilligencorps, deren Ziffer sich auf 276 Offiziere, 933 Unteroffiziere und 4579 Maiiii mit 11 Feldgeschützen stellen soll, wodurch die Gesamtzahl der Kombattanten auf 28 260 Mann und 65 Geschütze erhöht ivird. Nach dem Urteil von fachmännischen Kennern des Landes ist der Wert dieser asriknnischeii Freiwilligen- corps erheblich geringer, als der der englischen Freiwilligen in Europa. Man soll es sin Kaplnnd lieben, iii hübscher Uniform zu paradiere», militärisch sollen die Leute wenig brauchbar sein. Außer den geuauitteu Truppen ist noch im Lager von A l d e r- s h o t die Brigade des Generalmajors Fitzroy Hart zur Abfahrt nach Afrika bereit gestellt. Es sind dies die Bataillone Nr. 2 der Royal HighlanderS Nr. 42, Nr. 1 deS Welsh- Regiments Nr. 41, Nr. 2 deS Northamptonshire-NcgimentS Nr. 48. Nr. 2 des Shropshire Light Jnfantry-Negiments Nr. 53 und Nr. 2 des Wiltshire-Regiments Nr. 62, also 5015 Kombattautcii. Ferner sind noch zwei Reiter- Negiiueuter in Aussicht genommen, 944 Kombattanten. Im ganzen scheint England bis jetzt' den Krieg also mit r n n d 34 200 K o m- battanten und 65 Geschützen führen zu wollen. Theoretisch ist geplant, außer den bis Mitte Oktober ein- getroffenen Truppen noch ein Armeecorps(ein für England neuer Begriff) und vielleicht auch eine Kavallerie- Division aufzustellen. Zu' diesem Armeecorps gehört die obenerwähnte bereit gestellte Brigade in Aldershot. Angesichts der sehr bedeutenden Kosten einer solchen englischen Mobilmachung— man spricht jetzt schon von an- nähernd 2 Millionen Pfund, während die Faschoda- Bereitschaft nur 80 000 Lstrl. gekostet hat— und auch in Anbetracht der Reibungen, die dabei eingetreten sind, ist die Neigung zu weiterer militärischer Machtentwicklung nicht sehr groß. Indessen die Not- ivendigkeit wird sich bald herausstellen. In diesem Falle wird die Zahl der englischen Truppen, die für den Krieg bereit- stehen und ihn führen, um rund 36 000 Mann aller Waffengattungen (unter Eiurechnung der Nichtkombattanten) mid um 96' Geschütze wachsen. Diese Ergänzungstruppen werden die Aufgabe haben, zu- nächst den Ausfall' zu decken und sodann voraussichtlich in nicht langer Zeit nach Afrika abzugehen, um den Angriff durchzuführen. Die bis Mitte Oktober in Südafrika verfügbaren Kräfte genügen für den Angriff nicht; die Ercigniffe der nächsten Tage werden lehren, ob sie zur Abwehr der sich an den Grenzen regenden Boeren genügen werden._ Navkei�Machvilszten. Erklärung. Da meine letzte Entgegnung im„Vorwärts' in der Frage des CentralorganS, wo ich zweifellos in der Hitze des Gefechts über die Schnur' gehauen habe, nun von meinen politischen Widersachern in der Partei— wie die süddeutsche Parteipresse zeigt— dahin ausgenutzt wird, die wichtigen sachlichen Erörterungen auf dem Parteitag über Programm mid Taktik durch persöulichcu Klein- kram abzulenken und zu verwirren, so halte ich es für meine Pflicht, was ich auch ohne dies gern thue, hiermit zu erklären, daß ich meine für die Redacteure des„Vorwärts" persönlich beleidigenden Ausdrücke bedaure und sie zurücknehme. Verlin-Friedeuau, 5. Oktober 1899. Rosa Luxemburg. Politeiliches, Gerichtliches uftn. — Z« 100 M. Geldstrafe wurde der verantwortliche Re- dactem der„S. A.-Ztg.". Genosse Block in Dresden, verurteilt, weil er durch eine Notiz seines Blattes einen Cigarrenfabrikanten in Freiberg i. S. beleidigt haben soll. Die Behauptungen deS Blattes wurden bis auf eine geringfügige Kleinigkeit erwiesen, dennoch die hohe Strafe. Auch der ambulante Gerichtsstand kam wieder in An- Wendung. Die Verhandlung fand nämlich in Freiberg statt, während das Blatt in Dresden erscheint. Bürgerliche und proletarische Franeubewegnng. In Deutschland, wo die Franenbeweguiig relativ am spätesten im Verhältnis zu den aiidereu Kulturländern' ausgetreten ist, ist auch der Gegensatz zwischen der bürgerlichen und proletarischen Fraileubewcguug schroffer als anderwärts. In England, in Frankreich, in Italien, ja selbst in Ocstreich sehen wir, wenn auch nicht ein Zusammengehen, so doch eine eugeFühIung zwischen denVorkämpferinnen derFrauciiemanzipation und den organisierten Proletarierinnen. Die deutsche Franenbewegmig entstand eben erst, als unser öffentliches Leben bereits von der Socialdemolratie beherrscht wurde, und die Frauen, die für die Interessen der Arbeiterinnen eintraten, standen bereits zu sehr unter dem Baun der durch die Socialdcmakratie vertretenen Auffassung von dem Interessengegensatz zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen, um ihre Sache mit den schwächlichen Versuchen einiger wohlwollender Frauen aus unserem Bürgertum zu verknüpfen und nicht vielmehr die Solidarität der Arbciteriuncu mit ihren mäuiilichen Klassengeuossiii zu verkünden. Wenn vielleicht die Führcriuiieii der Arbeitersimoii- belveguug in der Bethätiginig dieler au sich richtigen Grund- anschnuuiig zu weit gegangen sind und die bürgerlichen Frauen- rechtlcriunen mit zu großer Schroffheit zurückgewiesen haben, so erklärt sich das auS dem berechtigten Unwillen über die Lcisetretcrci, mit der gerade die deutschen Frauen ihren Befreiuiigskampf ein- leiteten, und der so gar nichts von dem Sturm imd Drang an sich hatte, der der Fraiienbewegniiq anderer Länder die Sympathien aller Vorgeschrittenen zuführen mutzte. Mittlenveile haben es freilich die deutschen Frauenrechtlerinnen an Bemühungen, mit den Arbeiterinnen Fühlung zu bekomnien, nicht fehlen lassen. Vor allem ist eS der Verein Frauemvohl, der»nter Leitung der Frau C a u e r steht, der bereits seit einiger Zeit große Anstrengungen nach dieser Richtung hin macht. Der Verein Fraiieuwohl hat bekanntlich im verflossenen Halbjahr große Erschütterungen in seinem Innern durchgemacht, die mit der Secession einer Anzahl seiner tüchtigsten Mitglieder endeten. Er hat jetzt begreiflicheriveise das lebhafteste Bedürfnis, für frische Blutzufuhr zu sorgen und es ist nur natürlich, daß er das durch Inangriffnahme neuer Aufgaben zu erlangen hofft. Das war wohl der hauptsächlichste Beweggrund, der den Delegiertentag de» Vereins, der heute in Berlin seine Sitzungen begann, veranlaßt hat, als ersten Punkt auf die Tagesordnung die Arbeiterinnenfrage zu setzen. Als Referenttn hatte man eine Arbeiterin gestellt und zwar eine Frau Z erbst, die Vorsitzende eines Vereins der Näherinnen und Stickerinnen in Berlin. Der Verein steht auf Hirsch-Dlinckerscker Grundlage, und so war es natürlich, daß Frau Zerbst in ihrem Referat sich in sehr mäßigen Grenzen hielt und vor allem an das Mitgefühl der bürgerlichen Frauen appellierte. Das Referat selbst war ziemlich verständig gehalten, wenn eS freilich auch nur einen ganz Ileiiien Teil der'Arbeiteriunenfrage behandelte, nämlich n»r einzelne Angaben über die in der Haus- iiidustrie bcjchäfrigten Frauen machte. Das Ziel, da? sie aufstellte, war die möglichste Einengung der Heimarbeit überhaupt. Sie ging dabei von dem sehr richtigen �Grundsatz aus, daß die Bedingung für jede Organisation der Arbeiterinnen, die doch allein eine dauernde Befferstellung der Lebenshaltung garan« ttcrcn könne, das gemeinsame Arbeiten in der Fabrik bildet. Sie trifft ja in diesem Punkt durchaus mit unseren Anschauungen zu- sammen. Freilich scheint sie zu glauben, daß die Arbeiterinnen nicht aus eigener Kraft zu einer solchen Organisation gelangen könnten, und daß es vor allem die Pflicht der bürgerlichen Frauen sei. die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen und die nötige Organisationsarbeit zu leisten. Das Vorhandensein der socialdemokratischcn Arbeiterinnen- beweguiig scheint ihr völlig unbekannt zu sein. Sie forderte die besser situierten Frauen auf. sich zu den Arbeiterinnen zu begeben, da die Arbeiterinnen sich nicht zu den besser Situierten begeben könnten. Die Frauen, die nachher in der Diskusston sprachen, waren ja nun allerdings alle von lebhaftem Wohlwollen für die Arbeiterinnen erfüllt und es liegt uns fern, zu behaupten, daß dies Wohlwollen etiva nur der Heuchelei entspringt. Man hatte aber im großen und ganzen doch den Eindruck, daß es diesen Damen nicht recht ernst mit der neuen Aufgabe, der Jnscenierung der Arbeiterinnenbewegung sei. Sie denken sich auch die Sache viel zu gemütlich; das geht schon daraus hervor, daß sie sich von dem gutmütigen sreisinnigen Abg. Dr. Max Hirsch Belehrung und Rat holten. Das Wort Socialdemokratie wurde im Laufe der Verhandlungen überhaupt nicht erwähnt.— Charakteristisch für das Verständnis, das die Delegierten im all- gemeinen der Arbeiterinnenbewegung entgegenbrachien, waren die Äusführuilgcn des Frl. Auerbach, die als bestes Mittel, um der ganzen socialen Nor in den unteren weiblichen Stünden ein Ende zu machen, empfahl, daß man die Mädchen veranlassen sollte, nicht Arbeiterinnen, sondern Dienstmädchen zu werden. Sie versprach sich davon die allergünstigsten socialen und vor allem sittliche Wirkungen. Frl. P a p p r i tz, eine Dame, dl» überhaupt einen sehr verständigen Ein» druck machte, antwortete ihr allerdings sehr mit Recht, daß für die 600 000 Fabnkmädcheu, die wir in Deutschland haben, sich wohl schwerlich Herrschaften finden würden', daß also schon aus diesem Grunde jener schöne Plan hinfällig sei, ganz zu schweigen davon, daß die Dienstmädchen eben in vieler Hinsicht sogar noch den Fabrikarbeiterinnen gegenüber benachteiligt seien, vor allem in der Bewegungsfreiheit, und' daß eS auch mit dem sittlichen Halt, den so eine Familie gewähre, zuweilen sehr bedenklich stehe, was vor allem qus der Thatsache hervorgehe, daß eine große Anzahl der Prostituierten sich aus Dienstmädchen rekrutierten, die von ihrer Herrschaft verführt worden sind. Die Diskussion, die anfangs in recht sachlicher Weise geführt wurde, vor allem durch Frl. Dr. Anita Augspurg, endete leider daniit, daß man die Liebe als Allheilmittel gegen alle socialen Schäden aufrief. Ein evaugelisch-socialer Pfarrer Hoffet aus Colmar, der im übrigen ein sehr sympathisches Wesen zeigte, kam gar auf die merkwürdige Idee, daß die Frauen der besitzenden Klassen alle diejenigen Arbeitgeber boykottieren sollten, die ihren Arbeiterinnen schlechte Löhne auszahlen, uud daß sie sich freiwillig erbieten sollten, für die Ware mehr zu zahlen, wenn den Arbeiterinnen dadurch geholfen werden würde. Dieser Vorschlag erregte großen Enthusiasmus unter den anwesenden Damen. Es wäre wirklich interessant, wenn man erfahren könnte, wie viele von diesen Damen beim nächsten Besuch in ihrem Kolifektionsgeschäfte dem Besitzer diesen Zuschlag'ans die Ware zu dem oben erwähnten Zwecke wirklich an- bieten werden. Trotz aller Lächerlichkeiten, die die bürgerliche Frauenbewegung bei uns unfehlbar zeitigen muß, wenn sie sich mit einem socialen Problem von der Tragweite der Arbeiterinnenfrage beschäftigt, ist doch u. E. eine scharfe Zurückweisung der hier angebotenen Hilfe von unserer Seite nicht am Platze. Es ist in der That der Umstaud nicht zu unterschätzen, daß der Klassciigegensatz zwischen Besitzenden und Besitzlosen bei den Frauen nicht die Rolle spielt, wie bei den Männern, da die Frau nur in den seltensten Füllen als Unter- nehmerin ihren Gcschlechtsgenossiimen gegenübertritt, daher auch ideologischen Regungen viel mehr zugänglich ist, als der mann- liche' Unternehmer.(Bezeichnenderweise sind diese ideolo- gischen Regungen nicht vorhanden, wo die Frau als Dienstherrschaft dein Dienstmädchen gegenübersteht.) Es ist ferner nicht zu verkennen, daß auch die Frauen der� oberen Stände unter einem Ansiiahmerecht zu leiden haben. Personen aber, die selbst leiden, haben auch für die Leiden anderer mehr Mitgefühl. Sonnt ist es sehr wohl möglich, daß die bürgerliche Frauenbewegung der proletarischen in manchen Punkten Vorschub leisten kann. Es wurde zwar heute einstimmig folgende Resolution angenommen: Die Delegierten der Bereine Frauenwohl sowie befreundeter Vereine fassen folgende Resolution: Die Arbeiterinnenfrage ist in daS Programm der Vereine aufzunehmen. Die Vereine halten eS für ihre Pflicht, diese Frage theoretisch und praktisch in Angriff zu nehmen. Sie richten zu diesem Bchufe eine Kommission ein, welche die nötigen Schritte thut, um VerstäiidinS für diese Frage herbeizuführen: a. durch Vorträge uud Einrichtung von Kursen über GeWerk- vereine, Gewerkschaften. Arbeiterschutzgesetze, Art und Weise» Engnstcn zu unternchmeii usw. b. durch Anbahnung von Organisationen der in jeder Stadt vor» hoiidcuen Arbeiterinnen in den einzelnen Bernsen, unter Hinzu« ziehnng von Arbeiteriimcn als gleichberechtigte Mitglieder des betreffenden Lrbeitsansschnsscs. Aber die Ausführung des praktischen Teiles liegt_ in weitem Felde. Einige Damen, die aus Provinzialstädten delegiert waren, und die in ihrer Provinzeinfalt noch der Meinung waren, daß man das, was man in einer Resolution verspricht, auch sofort in die That umsetzen müsse, wurden sehr ängstlich und erklärten, daß ihre Vereine viel zu schlvach seien, um derartige Dinge zu inscenicren. In der That würden wir auch sehr fehl gehen, wenn wir von der Mitarbeit der Frauenrechtlerinnen als M a s s e etlvaS erwarten. Wohl aber könnteii uns einzelne Persönlichkeiten nützen. Die Frauenbewegung verfügt, wie jede aufstrebende Bewegung, über eine Anzahl von Intelligenzen, die, in vernünftiger Weise ausgenutzt, unserer Bewegung große Dienste leisten lönnten. So könnien vor allem die studierten Frauen dadurch, daff sie die ihnen gebotenen Hilfsmittel der Wissenschaft zum Studium der Arbciteriimenfrage verwenden, wertvolle Ilntersnchungen anstellen, die die Grundlage für die zu erstrebenden Reformen und für die Ziele des ivirtschaftlichen Kampfes abgeben könnten. Es ist nicht allzu viel,»vas uns die um den Verein Frauen» wohl bieten können. Aber Ivos sie uns bieten, das nehmen wir an. WaS den Delcgierttntag selbst betrifft, so wurde heute noch die Bildung von Propaganda- Ansschüssen lebhaft diskutiert und eine Anzahl vortrefflicher Vorschläge angenommen. Ob sie auch praktische Resultate zeitigen werden, steht einstweilen noch dahin, die schon erwähnten Delcgierliimen aus der Provinz ließen sich auch hier wieder sehr ängstlich vernehmen. Besonders schlecht soll es nach dem Berickit einer älteren Dame aus Breslau um Schlesien stehen. Der freisinnige Reichstags-Abgeordnete Herr Dr. Müller« Sagau, der in diesem Kreise nicht über„Postalisches" sprechen konnte, verteidigte lebhaft die Provinz, in der er so lange gewirkt. Einen sehr anmutigen Eindruck machte eS auch, als Frau Tauer den Herrn Dr. Max Hirsch an sein« Zusage, den Frauen da» Wahl» recht zu verleihen, erinnerte. Einstweilen hat er leider sein Wort nicht einlösen können, er gab es aber heute erneut ab, was allerseits sehr zu befriedigen schien. In der Nachmittagssitzung hielt Fräulein Dr. jur.«nita«ugs» purg ein Referat über die kommunalen Aemter der Frau. Abends wird Pfarrer Hoffet in einer öffentlichen Versammlung über die Sittlichkeitsfrage sprechen.__ GrzovLkslckMfklilszeS. Berlin und Hmgegend. Die Verhandlungen der Berliner Steinmetzen mit den Unternehmern sind abgebrochen. Gesellenansschuß uud Jnmings» vorstand traten am Mittivoch zu einer Sitzung zusammen. Es kam aber nicht mehr zu Verhandlungen, sondern, da die Vertreter der Innung von dem Gesellenansschuß verlangten, daß die Steinmetzen ihre beim Einigungsamt eingereichten Anträge zurückziehen müßten. ehe auf weitere Tarifverhandlungen eingegangen werden könnte, und da die Vertreter der Arbeiter hierauf nicht eingehen konnten, fand die Sitzung einen jähen Abschluß. Der Kampf wird also nun um so erbitterter weiter geführt werden. Achtung, Metallarbeiter! Im Ausstand befinden sich die Kollegen folgender Betriebe: F. F. A. Schulze; Gerecke; Äutzke Aktiengesellschaft; Grimm u. Sohn; Ende u. Devos; Teichelmann; Kramme; Brotrecht; Lövy, Gartcnstraße; Eilner; MuskuluS; Nürnberg; Speck; Beruh. Joseph; Schwidlinski; Kneisel; Speter n. Cie.; Schiller; Jul. Hand; Gladcnbeck, Akttengesellschaft, Friedrichshagen; Frister, Ober-Scköneweide. Zuzug von Formern, Klempnern, Gürtlern, Drückern. Drehern, Schlossern, Schleifern, Ciseleuren und sonstigen Metallarbeitern ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verband«?. Achtung, Holzbildhauer! Wegen Nichtbewilligung der ge» stellten Forderungen sind Kollegen folgender Werkstätten in' den Ausstand getreten': Thum, Grimmstr. 35; Arndt, Neue Königstr. 10 (arbeitet für Brunzloiv); Vogel, Nixdorf, Kncsebeckstt. 115; Bartz, Friedrichsbergerstraße 10: Beyer, Britzerstr. 7; Peth, Memelerstr. 31; Brunzlow, Neue Königstr. 15; Schulz, Ziegelstr. 30; Jacquemin, Alte Jakobstr. 88; Kirschner, Adalbertstr. 42; Grix, Pallisadenstr. 57; Krämer, Koppenstraße 60; Solontz, Rixdorf. Walterstraße 26; Brandenburg. Wilbelmstr. 124; Gröger, Kottbnser Damm 95; Reumann, Manteuffelstr. 22; Ozorkeivitz, Hochstr. 2. Es wird ersucht, diese Werkstätten streng zu meiden. Meldungen, auch der Firmen, welche bewilligt haben, sind umgehend an die Lohnkommission, Köpnickerstr. 62(Restaurant Spielberg, Telephon Amt VII 9?t. S982), In der Zeit von g— 1 und 8—7 Uhr zu richte». Sammellisten sind ebenda zu erheben. Die organisierten Holzarbeiter werden ersucht, die in ihren Gc- schäften arbeitenden Bildhauer ans die Forderungen aufmcrlsam zu »lachen. Die L o h n k o ni in i s s i v n. Achtung? Posamcnticrc. In der am Mittwoch stattgehabten Besprechung sämtlicher Werkstcllcn der Posamentcnbranche haben sich alle ausständigen Kollegen bereit erklärt, so lange im Ausstand zu verharren, bis sämtliche Forderungen. bewilligt sind, fjolgcnbc Firmen sind deshalb zu nieidcn: Büugcr Wlv.. Wendel u. Comp., E. Gustedt, Kvstcrmann u. Zarinzanski, 5lcszlcr, Sinsel, Hoff« inann u. Weiland, Wagler, Reist u. Burmcister, E. Hoppe, P. Hoppe. Eisner u. Haussig, Przygode, Vollmer, Brchmcr, Schniidt, Ebel Nachfl. Die Lohnkommission. Deutsche» Reich. In den Düsseldorfer Emaillierwerken von Wartmann u. ElberS reichten wegen erheblicher Lohnabzüge sämtliche Klempner, Brenner, Planierer und Anschläger zusammen 80 Mann, die Kündigung ein. Da schon der Stanznieistcr Weh unterwegs ist, um Arbeitswillige zu werben, lverden die Kollegen obiger Branchen ersucht, auf der Hut zu sein. Heinrich Jäker, Bevollmächtigter dcS Deutschen Metallarbeitcr-VerbandeS Gerichtliche Bekämpfung dcS Acht- Uhr- Ladenschlüsse» Gegen acht F r i s e u r g e h i l f e n in Pforzheim, die in der Gehilfcnbewcgung zur Erreichung dcS Acht-llhr-Ladcnschlusscs aktiv beteiligt waren, hat nach der„Franks. Ztg." das AintSgericht Straf befehle wegen Vergehens gegen die§§ 132 und 153 der Gewerbe- Ordnung erlassen. Der Vorsitzende des Gehilfcnvercins erhielt vierzehn Tage, die drei Mitglieder der Kommission je zehn Tage, vier andere Gehilfen, die ein F!ng> blatt verbreiten halfen, je fünf Tage Gefängnis, der Vor sitzende austerdcm, weil er kein Pflichtexemplar des Flugblattes ein- reichte, noch zwei Tage Haft. Das Amtsgericht fand daS Vergehen darin, dast die Gehilfen in Pforzhcimcr Blättern Annoncen erlassen und anstcrdcm ein Flugblatt vcr- ö f f c n t I i ch t hatten, in denen die zustimmenden und die ablehnenden Prinzipale namentlich aufgeführt, auch zwei Prinzipale, die ihre Unterschrift nicht eingelöst haden sollten. besonders benannt waren. Zum Schlüsse war an die Pforzhcimer Arbeiterschaft die Aufforderung gerichtet, ihr Solidaritätsgefühl und ihre moralische Unterstützung dadurch zu bethätigeu. dast sie die den Ladcnschlust ablehnenden Prinzipale niciden. Sie haben damit nach der Entscheidung dei Amtsrichters andere durch VcrrufScrklärung zu bestimmen versucht, an Verabredungen zur Erlangung günstiger Arbeits� bediiigungen teilzunehmen oder solchen Verabredungen Folge zu leisten. Es ist daS die zweite Verurteilung, die aus dieser Bc wegung hervorging. Hoffentlich wird Berufung eingelegt, denn die Strafbefehle sind unhaltbar. Was zunächst die Strafe wegen dcS Nichtcinrcichcns eines Pflichtexemplars vom Flugblatt anlangt, so besteht eine solche Verpflichtung nicht. Eine solche besteht vielmehr nur für periodisch erscheinende Druckschriften politischen Inhalts. Aber auch die Bestrafungen aus§Z 152 und 153 lassen sich nicht aufrecht erhalten. Der§ 153 ist nur anwendbar, wenn der Arbeiter den Arbeiter, bczw. der Unternehmer den Unternchnier „durch Anwendung körperlichen Zwanges sc." zu bestimmen versucht. an„solchen Verabredungen tcilzunehnicn" sc. Versucht ist allerdings worden, zwar nicht die„Schwarzen Listen" der Unternehmer, wohl aber die Bekanntgabe derjenigen Unternehmer, welche die Forderungen nicht bewilligt haben, wenn sie seitens der Arbeiter erfolgte, als„groben Unfug" oder„VcrrufSerklärungcn" zu ahnden. Die Versuche sind durch Entscheide höherer Instanzen endgültig gescheitert. Seitdem erscheinen die Bekanntmachungen der Streikkomitees, wie„Zuzug ist fern zu halten" oder„die Firmen so und so haben nicht bewilligt" unbc helligt. Der gleiche Fall aber liegt in Pforzheim vor, die amtS- richterlichen Strnfbefehle muffe» von der höheren Instanz unzwcifch Haft kassiert werden. Ausland. Die Tchncidcrgchilfcn von Czernowitz(Bukowina), 200 an der Zahl, sind in den Ausstand eingetreten. Schweizerischer Eiscnbahnarbcitcr-Tag. DaS Centraikomitee der Arbeiterunion schivcizerischer Transportanstaltcn hatte am letzten Sonntag einen Eisenbahnarbciter-Tag nach Ölten einberufen, um zur Eiscnbahn-Bcrstaatlichung Stellung zu nehmen. Die Beteiligung daran war eine unerwartet groste, indem sich über 1500 Mann dazu einfanden und die Nordostbahn einen Cxtrazug für dieselben ablassen mustte. Zu Mittag wurde unter der Mitwirkung von fünf Musik- tapellcn ein Demonstrationszug durch die Stadt ausgeführt und sodann auf dem Schulhausplätz unter freiem Himmel die Ver fammlung abgehalten. Genosse Nationalrat W u l I s ch l e g e r referierte über die Forderungen der Eisenbahnarbcitcr an die Bundesbahnen und Genosse A I b i s s c r- Lrizern über die Not- wcndigkeit einer starken Organisation. In einer zur Annahme ge- langten längeren Resolution wurden als notwendige Forderungen aufgestellt: Feste Anstellung der Werlstättenarbeiter nach einjähriger Dienstzeit(gegenwärtig sind von 25 tX>(1 Angestellten der fünf Haupt- bahnen nur 11 738 fest angestellt) mir genügender Kranken-, llnfall- und Altersversicherung, genügende Lohuvcrhältnisse mit regelmästigcr Aufbesserung und Ausdehnung des GchaltSschcmas aus die bisher nicht vertraglich angestellten Arbeiter. Das Centralkomilce erhielt den Auffrag, eine bezügliche Eingabe an die Bundcsbchörden zu machen. Zum Ausstand in Crenzot liegen heute folgende telcgraphische Nachrichten vor: In einer Versammlung der Ausständigen, die am Mittwochabend stattfand, schlug der socialistische Abgeordnete V i v i a n i vor, die Regierung zum Schiedsrichter zu wählen, indem er daran erinnerte, dast Loubet im Jahre 18S3 zur Zeit des Ans- standcS in Carmaux den Glasarbeiterstrcit geschlichtet habe. Die Versammlung nahm VivianiS Vorschlag an und wählte sieben De- legierte für die weiteren Schritte. Wie eS heistt, wird Waldcck- Rousscau das Schiedsrichtcramt in dem Ausstände zu Creuzot an- nehmen, wenn beide Teile hiermit einverstanden find. Schneider soll geneigt sein, einen Schiedsspruch anzunehmen. Die Berliner Kommnnalwahlen beschäftigten gestern abend zehn öffentliche Kommunalwähler- Vcr- sammlungen, einberufen von den Vertrauensleuten der socialdcmo- kratischen Partei. Für sämtliche in Frage kommenden Wahlbezirke wurden seitens der Socialdemokratie Kandidaten für die III. Ab- teilung aufgestellt. Damit ist der Wahlkampf für die im November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen eröffnet, hoffen wir, dast er im Interesse der werkthätigen Bevölkerung zu einem erfolgreichen Ende geführt werde. lieber die einzelnen Versammlungen liegen unS folgende Berichte vor: Die Versammlung beS im ersten ReichStagS-W ahlkreis gelegenen 1. Wahlbezirks fand bei M i e g e l in der Stralaner- ftraste statt. Ein Referent war in der Versammlung nicht erschienen, die Versammlung aber auch nur sehr schlecht besucht. Da man kein eigentliches Referat hatte, so ging man gleich zur Diskussion über, in der Bohn. Täterow und Manasse auf die vielen Miststände in derstädtischen Verwaltung aufmerksam machten und zu regcrBeteilignng an den Stadtverordneten- Versammlungen aufforderten. Als Kandidat wurde schliestlich Fritz P r e u st aufgestellt, während in das Wahlkomitee Gustav Seiler, Lucht. Kubath, Wuttich und Dieseler delegiert lvurden. Die Versammlung für den 3., 3. und 7. Kommunal- Wahlbezirk tagte bei Gostmann in der Krcuzbcrgstraste. Als Kandidaten wurden aufgestellt für den 3. Bezirk Friedrich Lutz. für den 6. Bezirk Ferdinand Ewald und für den 7. Bezirk Karl L a n k o iv. Markwald schlug vor, auch in der 1. und 2. Wähler ablciluug Kaudidatcn aufzustellen, damit einige Parteigenossen aus diesen Abteilungen bei der Wahl durch ihre Stimmenabgabe zu Gunsten der Socialdemokratie dcmoustricrcn könnten. Nachdem Z u b c i l und andere dagegen gesprochen hatten, zog M a r k w a l d seinen Antrag zurück. In das Wahlkomitee wurden I a e o b, H e n» i g, K o l z He n fei. Lach in a u n, Dame, FellMer, Scholz und Ohnesorge gewählt. Für den 16. und 19. Bezirk fand eine Versammlung im Luisenstädtischen Konzerthause statt. Theodor Metz n er legte in überzeugender Weise das kommunale Programm der Social demokratie dar und schilderte das arbeiterfeindliche Verhalten der gegnerischen Vertreter im Rathause. Albiu Körsten ergänzte die Ausführungen des Referenten, indem er be sonders die auf dem Gebiet der Volksschule bestehenden Mist stände besprach. Nach einem Schlustwort des Referenten wurden M e tz n c r für den 16. und Körsten für den 19. Bezirk als Kandidaten proklamiert und für jeden Bezirk ein Wahlkomitee ein- gesetzt. Die Wähler des 16. Bezirks hielten ihre Versammlung im Lokal„Südost", Waldemarstrastc 76, ab. Das Referat hielt Paul Singer, zu dessen Bezirk bisher der jetzt neugcbildete 16. Bezirk mit gehörte. Singer dankte seinen Wählern für das ihm seither bc wiesene Vertrauen und ersuchte dieselben, das gleiche Vertrauen dem- jenigen entgegenzubringen, der nunmehr in diesem Bezirk aufgestellt lverden würde. Dann führte der Redner aus, dast die Arbeiter, trotz der Ilngcreckltigkeit de§ Dreillasseuwahlrechts, sich an den Kommunal Wahlen beteiligen und Vertreter ihrer Klassenintereffen in das Rote Haus senden müssen. Wie in politischer und wirtschaftlicher Be ziehung, so sei auch auf kommunalem Gebiet die Socialdcmo kratie die einzige konsequente Vertreterin der arbeitenden Klasse Der Redner führte diesen Gedanken weiter aus an der Hand der wichtigsten Vorkommnisse in der Stadtverordneten- Versammlung. Er wolle durch seine Darlegungen die hier Anwesenden, die ja alle überzeugte Parteigenossen seien, nicht belehren, sondern sie nur an- regen, dast sie die hier ausgesprochenen Gedanken weiter tragen, um die Indifferenten aufzuklären und die Säumigen heranzuziehen. Ehrenpflicht eine? jeden Parteigenossen sei es, dafür zu wirken, dast der bevorstehende Wahltag ein Sicqcstag der Socialdemokratie werde. Dem beifällig aufgenommenen Referal folgte eine kurze zustimmende Diskussion. Als Kandidat des 15. Bezirks wurde Genosse T o l k s- d o r f, den Singer warm empfahl, der krankheitshalber aber nicht anwesend sein konnte, aufgestellt und dann ein Wahlkomitee eingesetzt. Der vierte Wahlkreis(Ost) hatte seine Versammlung für die Wahlbezirke 26. 21, 26 und 27 bei Stecher! in der AndreaSstraste. Die ziemlich gut besuchte Versammlung hörte ein sehr interessantes Referat des Genossen Dupont, der darauf hinwies, dast überhaupt erst Leben ins Rote Haus gekommen sei, als die Socialdemokratcn begannen, sich an den Ge> meindewahlen zu beteiligen. Der Redner ging auf die llebeb stände in der städtischen Verwaltung ein, wie beispielsweise das mangelhafte Schulwesen, das Armenwesen sc. Alles dränge darauf hin, dast die Arbeiterpartei entschieden auch in die Stadtverordneten- wählen eintreten müsse, um dicjMiststände zu beseitigen. Der Referent appelliert an das Pflichtgefühl' der Genossen, daS sie treiben müsse, sich ebenso wie an den Reichstagswahlen, so auch an den Stadt verordnetcnwahlcn zu beteiligen.— In der Diskussion sprach i l k e und Buchhändler Heymann. Als Kandidaten wurden sodann bestimmt: für den 20. Bezirk Dr. Friedeberg, 21. Bezirk Fritz Wille, 26. Bezirk Buchhändler Hey mann 27. Bezirk Adolf H o f f m a n n. In die WahlkonutceS wurden gewählt für den 26.: Qninting, Schulz, Lofebrc: 21: Lindcner, Spohnholz, Büchner! �6. Francke, Joppig, Rott, Schnitze, Willner 27. Barenthien, Zimmermann, Gutzy, Rcül und Krause. In d c n B o r u s s i n- S ä l e n in der Ackcrstraste referierte I o h. S a s s c n b a ch. Redner kritisierte u. a. die ablehnende Haltung des Magistrats zu dem von unseren Vertretern gc- forderten Wahlrecht für die sogenannten„Schlafburschen". Das Monopol der Hausbesitzer in kommunalen Angelegen- hcitcn wurde vom Referenten, unter Bezugnahme auf eine vom Professor Dr. Karl B ü ch n e r in Leipzig verfnhte Abhandlung über diese Frage eingehend besprochen. Die Aus- führungcn des Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen und hierauf Johann S a s s e n b a ch als Kandidat für den 36. Bezirk aufgestellt. In das Wahlkomitee wurden Muck, Friedländcr, Dictz, Fränkel und H o r s ch gewählt. Die Genossen des 33. Wahlbezirkes hatten sich in Schneiders Salon in der Bclfortcrstraste zusammengefunden. Als Refepeut fungierte Genosse Koblenzer, welcher zunächst die Ungerechtigkeiten des Kommunaltvahl-Gcsetzcs gcihclte und die Not- wcndigkeit darlegte, Arbcitervertreter in das„Rote HauS" zu entsenden. Er charakterisierte dann das Verhalten des Berliner Freisinns und 'childcrte die Miststände der städtischen Verwaltung. Der Redner, welcher vielfach von lautem Beifall unterbrochen wurde, empfahl den Anwesenden, nach Möglichkeit dafür Sorge zu tragen, dast in der dritten Wählcrklasse die Vertreter der Socialdemokratie ge- wählt lverden. In der Diskussion sprachen die Gcnoffen feiffer, Cohn und G e r l a ch— An Stelle dcS Genossen G i e s h o i t, der aus Gesundheitsrücksichten die Kandidatur nicht annehmen kann, lvird Karl Koblenzer einstimmig als Kandidat aufgestellt.— In daS Wahlkomitee werden geivählt: Gennert, B e r n d t, P i n n e r, K r o m b a r t, Stegemann, Zimmer- m a n n und Mars. Bei der in W e i m a n n s V o l k S g a r t e n in der Badstrahe abgehaltencn B c r s a m m I u n g, welche von etwa 600 Personen besucht war, legte Reichstags-Abgeordneter P f a n n k u ch die For- deruugen der Arbeiterklasse in Bezug auf die kommunalen Ver- hällnisse, namentlich daS Wahlrecht und die Schule dar. Der Freisinn must auch hier zu der Bedeutungslosigkeit gebracht werden, aus der er schon in den gesetzgebenden Körperschaften an« gelangt ist. Wichtige Aufgaben bestehen für die Kommunen in Bezug auf öffentliche WohlfahrtS-Einrichtungen zur Hebung von Gesundheit und Ernährung, der WohrningS- Verhältnisse, Armen« und Waisenpflcge, zu deren Erfüllung wir eine progressive Einkominciisteucr und die Ucbernahme der öffentlichen Verkehrs-, BclcuchtinigS- und Kraftbctricbe durch die Gemeinde fordern, ebenso wie auch der gesamten Polizeiverwaltung im Interesse des Gemeinwohls.(Lebhafter Beifall.) Die Versammlung vertritt den 38. und 48. Wahlbezirk: letzterer ist der frühere 42.. der vom verstorbenen Genossen Jacobcy vertreten war, zu dessen Andenken 'ich die Versammlung von ihren Sitzen erhebt. Pfannknch wird ein- timmig zum Kandidaten für den 48. Wahlbezirk als Nachfolger Jacobeys gewählt und für den 38. Wahlbezirk der bisherige Ver« treter K l e inert wiedergewählt. Es werden noch je fünf Genossen in das Wahlkomitee für die beiden Bezirke bestimmt. Die Versammlung für den 46., 46. und 47. Wohl« bezirk tagte in Millbrodts grostem Saal, der von über 666 Per- 'onen besetzt war. Genosse Vogtherr, der das einleitende Referat hielt, gcistclte in trefflicher Weise das Verhalten der freisinnigen Majorität im Roten Hause und das Dreiklassen-Wahlsystem, unter dem das Proletariat als Wähler nicht zu seinem Rechte ge- langen könne. Unter Beifall erklärte Redner, dast die Social- demokratie seit Jahren das öffentliche Gewissen der Berliner Bürgerschaft bedeute, unbeinflustt von dynastischen und kapitalisti« ■cheii Jntcresie». Am Schlüsse bemerkt Redner, dast er leider eine Kandidatur nicht wieder annehmen könne, bittet je- dock, das ihni geschenkte Vertrauen seinem Nachfolger eben- alls entgegen zu bringen. An der Diskussion beteiligten ich die Genossen A u g u st i n rmd Dr. Frendenberg. Eine im Sinne des Referats lanteude Resolution fand einstimmige Annahme, worauf für den 46. Bezirk Dr. Frendenberg, für den 46. A u g u st H i n tz e und den 47. A u g u st i n als Kaudidale» nominiert wurden. In Ahr e n s Brauerei(Moabit) erfteute sich die öffent- liche Kommnnalwähler-Bersammlung eines zahlreichen Besuches: es mögen ungefähr 466 bis 566 Personen anwesend gewesen sein. Das Referat lag in den Händen deS Stadtverordneten Borgmann, welcher auf die Bedeutung der bevor- stehenden Kommunalwahlen hinwies und in eingehender Rede die Forderungen der Socialdemokratie auf kommunalpolitischem Gebiete begründete. In der Diskussion wurde von einigen Rednern daS Sub- missionswcscnj kritisch beleuchtet. Darauf wurden für den 43. Bezirk Ferdinand Ewald, für den 44. Bezirk Rudolf Millarg und für den 45. Theodor Glocke aufgestellt. Vevjauuttluttigen. Holzarbeiter-Verband. In einer Versammlung der Laden- einrichtungs-Branche, die am 28. September im „Englischen Garten" tagte, referierte Güth über„die Lage der Ladcntischler und wie verbessern wir dieselbe?" Redner bespricht zu- nächst die EntWickelung resp. Verfeincrimg des Geschmackes bezüglich der architcktonifcheu Ausführung der Einrichtungen, welche es mit sich bringe, dast in den meisten Werkstätten fast anSschliestlich nach Zeichnung gearbeitet wird. Dies habe aber zur Folge, dast selbst dem technisch bcstgeschultcn Kollegen in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit es selten möglich sei. die Arbeit derart zu kalkulieren, dast er dabei nicht zu kurz komme. In den meisten Fällen würden die Arbeiter beim Accor- dieren nach Zeichnung vom Unternehmer übers Ohr gehauen. Es sei deshalb vor allem zu wünschen, dast das A c c o r d s y st c m ab- geschafft und allgemein die Lohnarbeit eingeführt würde.— Auf die Organisationsverhältnisse in der Branche eingehend, bedauert Redner die Interesselosigkeit, den Jndifferentismus eines grasten Teiles der Kollegen. Referent fordert am Schlüsse seines dreivicrtclstündigen Vortrages die Anwesenden auf, in ihrer Branche mit allen Kräften für Anschlust an den Verband zu wirken und dafür zu sorgen, dast in Zukunft die Versammlungen besser besucht seien. In der Diskussion erklärten sich alle Redner mit dem Rcscrenten einverstanden, besonders betonen alle die Notwendigkeit der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Schliestlich wird eine Kommission von 11 Mitgliedern gewählt, welche die Agitalion in der Branche betreiben und Vorschläge zur Verbesserung der Lage der Branche machen soll. Nachdem der Vorsitzende noch auf die nächste Verbandssitzung aufmerksam gemacht hat, erfolgt Schlust der Versaniinlung. Zu unserem Bericht über die Maurcrvcrsammlimg(Vcr- traiicnsmäniier-Ccntralisation) in Nr. 233 vom Donnerstag geht uns nachstehendes zu: Die in dem Bericht enthaltene Resolution ist in so sinncntstellciider Weise wiedergegeben, dast wir um nochmaligen Abdruck derselben ersuchen müssen. Die Resolution lautete: Die Versammlung beschlictzt: 1. Diejenigen Maurerpoliere, die Ve Jahr Mitglied des Bundes der Maurerpoliere Berlins sind und in der Zeit sämtliche Beiträge richtig bezahlt haben, sind, wenn sie zeitweilig und zwar nicht länger als drei Monate als Geselle arbeiten, nicht gehalten, sich der Gesellen- organisation anzuschliesten. Jedoch haben sie während dieser Zeit zum öffentlichen Fonds derselben zu zahlen: 2. verpflichten sich die Mitglieder des Bundes der Maurerpoliere, für strenge Jnnehaltung der Arbeitsbedingungen und Ausführungsbestimmungen der Acht« zehner-Kommission einzutreten und keinen Gesellen, der für letztere, sowie für seine Organisation eintritt, zu entlassen! 3. erklärt die Mitgliedschaft des Bundes, keinen Gesellen vom einseitigen Arbeits- Nachweis des Arbeitgeberbundes einzustellen, keine Entlassungsscheine zu verlangen und keine Accordmaurcr zu beschästigen. Dieser Bc- Ichlust bezieht sich nur auf die Mitglieder des Poliererbundes. Jeder anders organisierte oder gar nicht organisierte Maurerpolier ist vom Punkt 1 der Rcsolutton ausgeschlossen und wird in allen Punkten jedem Gesellen gleich behandelt. D i e L o h n k o m m i s s i o n. I. S.: H. Metzle. Nehke Ltachvitlzken und Vevesthvn. Transvaal. Kapstadt, 4. Oktober.(Meldung de»„Reuterschen Bureaus'.) 33 Mitglieder des Kap-Parlamcnts hatten durch Vermittelung deS Gouverneurs Sir A. Milner an die Königin Victoria eine Petition gerichtet. In derselben hiest eS: Die Petenten seien durch Bande zes Bluts, der Verwandtschaft und der Verschwägerung mit den Bewohnern von Transvaal eng verknüpft. Sie seien an dem Frieden in Südafrika materiell interessiert und seien überzeugt, dast eine aktive britische Intervention unnötig sei. Brisbane, 6. Oktober.(W. T. B.) Die Regierung der Kolonie Queensland erhielt die telcgraphische Aufforderung, das Kontingent der Kolonie vor dem 31. Oktober nach Südafrika zu senden. Die hierzu nötigen Vorbercitungcn sind bereits eingeleitet. Turban, 6. Oktober.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Heute nachmittag trafen ans Indien vier Trnppen-Tranöport- chiffe hier ein.' Die Truppen wurden sofort gelandet und mit der Eisenbahn weiterbefördert. Newcastle(Natal), 6. Oktober.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Frauen und Kinder verlasse» Newcastle. Die Ne- gierung hat Entschädigung für Verlust au Eigentum versprochen. Frankfurt a. M., 6. Oktober.(B. H.) Der„Franks. Ztg.' wird aus Paris telegraphiert, Ministerpräsident Waldeck-Rousseau hat heute früh eine Deputation deS Streikausschusses von Creuzot empfangen und sich bereit erklärt, das Schiedsrichteramt zu über- nehmen. Die Ausständigen unterwerfen sich seiner Entscheidung im voraus. Frankfurt a. M., 6. Oktober.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus New-gorl: Nach einer Konferenz mit dem Admiral Dewey beschlost Präsident Me Kinley, ein Geschwader, mit dem Panzerkreuzer.Brooklyn' an der Spitze, nach Manila zu entsenden, um den Fcldzug auf den Philippinen in energischer Weise führen zu lassen. Strafiburg i. E., 5. Oktober(28. T. B.) Internationale Ballonfahrt. Der am Dicnstagvormittag 9V, Uhr vom meteorologischen LandeSdienst aufgelassene Negistrierbataillon„Strastburg" ist gestern nochmitiag bei Hcbrnck zwischen Pilsen und Prag gelandet. Die mittlere Geschwindigkeit deS Ballons betrug in der Sekunde rund 28'/2 Meter. Wien, 5. Oktober.(W. T. B.) Das Exekutivkomitee der Rechtet» beschlost laut einem heute auSgegebeneu Communique in einer unter dem Vorsitz des Obnianucs Ie.worSki abgehaltenen Sitzung nach längerer Debatte einhellig folgende Resolution: Tic Parteien der Rechten verbleiben auch weiter in dem Verbände und sind entschlossen, ihr gemeinsamcs Programm zur Verwirklichung zu bringen. Sie werden insbesondere die endgültige Beilegung des Sprochenstreites auf Grund der verfaffungSmästig gewährleisteten Gleichberechtigung aller Völker Oesterreichs, sowie die Bildung einer den Majoritälsverhältniffeu entsprechenden Regierung anstreben. Wien, 5. Oktober.(B. H.) Graf Clary konferierte heute vor- mittag mit mehreren polnischen Parlamentariern wegen des neuen Sprachcngeselic». Heute nachmittag wurde der frühere Finanz- minister Bilinsli zum Grafen Clary berufen. Prag, 6. Oktober.(B. H.) In Jaromierz fand eine groste Strasicndcmonstration gegen das neue Kabinett statt. Paris, 6. Oktober.(B. H.) Es bestätigt sich, dast die Kammer ür die ersten Tage des November einberufe« wird. Paris, 6. Oktober.vir uns erinnern, durchweg in Gemeindeschulen vorgekommen, nicht einer in den höheren Lehranstalten. DaS läßt an sich schon darauf schließen, daß die Herstellung einer ivirklichcn Volksschule" daS Vorkommen solcher Ausschreitungen so gut wie sicher verhüten würde. Die Prügelpädagogcn würden dann lernen müssen, sich zu beherrschen; denn würden sie etwa aus Versehen gegenüber dem Sohne eines hohen Regierungsbeamten, eines Stadtrats oder dergl. so verfahren, ivie es mehrfach gerichtlich festgestellt wurde, so dürste ihnen dies kaum für ihr weiteres Fortkommen förderlich sein. Auch die dann sicher sofort eintretende Herabsetzung der Schülerzahl in den einzelnen Klassen ivürde in der gleichen Richtung wirken; sie würde die heute vielfach bestehende Ucberanslrengung und Uebcr- reizung der Lehrer und damit die Hanptquelle solcher Verfehlungen beseitigen. Selbstverständlich fällt es uns durchaus nicht ein, die gesamte Lehrerschaft fiir Handlungen einzelner verantwortlich zu machen. Im Gegenteil: wir ivisseu, daß die übergroße Mehrheit der Lehrer jene Ausschreitnngen ebenso scharf verurteilt, wie ivir, und daß sie weiter auch mit uns in den bisher besprochenen Programmfordc- ruiigen durchaus übereinstimmt. Denn Wcltlichkcit der Schule, obligatorischer Besuch der Volksschule, Beschränkung der Klassen- 'req'uenz usw., das sind Forderungen, welche seit langem auch der Lchrerstand im Interesse der Schule verficht. Nontmutmless Stadtverordneten- Versauimlung. 28. Sitzung vom Donnerstag, den 5. Oktober, nachmittags 5 Uhr. Der Ausschuß für die Vorberatung deS Antrags Singer betr. die Sonntagsruhe im Handclsgewerbe ist gewählt und hat sich kon- ftituiert; den Vorsitz führen Dr. Langerhans und Michelet. Dem Ausschuß gehören u. a. auch die Stadtverordneten Singer und D u p o n t an. Zunächst werden Ersatzivahlen vorgenommen in die GesundheitL« Pflege- und in die Parkdeputafion. In die letztere ivird Stadtv. Buchow mit 43 von 08 Stimmen gewählt. Die Wahl in die Gesundheitspflege-Deputafion ergiebt kein definitives Resultat; in engerer Wahl siegt mit 50 Stimmen Geh. Sanitätsrat Dr. Rüge gegen SanitätSrat Dr. Neumann(20). ._ Die Erorteruiisl der Anlzclegcuheit betreffend die Ordinariate indischer Lehrkräfte an den hiesigen G e nr e i d e- f ch ii I c h, die schon von der Tagesordnung der vorigen Sitzung ivegcn Abivesenhcit des Ncfcrenten Dr Herines abgesetzt ivorden lvar, findet auch heute nicht statt, vielmehr tvird auf Antrag P r e n ß beschlossen, die Angelegenheit abermals und glvar bis Ende des Monats zu vertagen. Ter bekannte Antrag Noscnow betreffend die städtische b o h c r e Webe schule war am 22, Juni er. einem Ausschüsse nberivicscn worden. Inzwischen hat der Handelsnünistcr von seinem Verlangen, den Namen der Schule, die auch von Staatszuschnssen lintcrhaltcii wird, in„Preußische Webeschule" zu ändern, Abstaiid gc- »oimncn, auch sich damit einverstanden erklärt, daß statt eines drei- jährigen Etats ein solcher nur für das Jahr 1Ö00 ausgestellt werde. Jufolge idicscs Entgegenkommens des Ministers und auch aus praktischen Erwägungen ist man im Ausschuß auf das Verlangen des Antragstellers, die Verbindung der Anstalt niit dem Staate völlig zu lösen, nicht mehr znrückgekounncn. Im übrigen hat man sich über folgende Beschlußfassung verständigt: Die Versammlung ersucht den Magistrat 1, ihr baldigst eine Vorlage betreffs der dringend notwendigen Vergrößerung der Schnlräume für den Färberei- und Appretur- Unterricht der städtischen höheren Webcschule zugehen zu lassen; 2. zu veranlassen, daß der Direktor der städtischen höheren Webeschule seine volle Lehrthätigkeit der Schule widme; 3, bei der Staatsrcgicrnng vorstellig zu tverden, daß das Schulgeld für sämtliche deutschen Schüler gleichmäßig festgestellt werde, Dieser Ausschnßantrag wird, nachdem sich auch Stadtverordneter R o s e n o w damit einverstanden erklärt und seine Gcnugthnung über das Einlenken des Ministers Ausdruck gegeben hat, air genommen. Die Vorlage wegen Erhöhung des Unter st ützungs fonds für Studierende an der hiesigen Universität von 3600� auf 10 000 M, wird auf Vorschlag des niedergesetzten Aus ichusses mit der Maßgabe genehnngt, daß auch über die Verteilung der mehr ausgeworfenen 6400 M, eine gemischte Deputation(nicht, wie die Vorlage wollte, der Magistrat allein) beschließen soll. Die Deputation soll gemäß einem zur Annahme gelangenden Antrag M eher ans drei Stadträten und vier Stadtverordneten bestehen, Für die Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung der Stadt- verordneten- Versainniliiug für die zum 1, Januar 1900 ans- scheidenden Mitglieder, für die Neuwahl der 13 Vertreter der neu- geschaffenen Mandate und für die Ersatzwahl für den verstorbenen Jaeobcy hat der Magistrat für die III., II. und I, Abteilung den 6,, 7. und 8, N o v c m b c r festgesetzt. Sämtliche Bezirke der III, Abteilung niüssen in Unterabteilungen zerlegt tverden. Die Versammlung tvird ersucht, für jede Unterabteilung beziehungsweise für jeden Wahlbezirk je 2 Beisitzer und' 2 Stellvertreter zu ernennen. Je 1 H a u s b e s i tz e r i st z u>v ä h l e n i n d c n Bezirken 6, 9, 11. 14, 16 der I., im 3. Bezirk der II, und m den Bezirken 6, 7. 26. 27, 30, 33. 43. 44 und 46 der III, Ab- tcilung. Von den Stadtv. Singer und Genossen liegt der Antrag vor Den Magistrat zu ersuchen, die Wahl der Stadtverord- n c t e n der HI. Abteilung am Sonntag, denS. No> v e ni b e r, stattfinden zu lassen. Stadtv, R o s e n o w: Wir können die Vorlage nicht vorüber- gehen lassen, ohne darauf hinzuweisen, wie dieselbe den plutokratischcn Charakter dieses Wahlrechts zur städtischen Vertretung ungemein schroff zum Ausdruck bringt. Wir haben nur noch 691 Wähler I, Ab- teilung und 7742 Wähler II, Abteilung gegenüber 30S 521 Wählern III. Abteilung. Da muß doch einmal eine Anregung zur Acndcrung dieses Wahlrechts gegeben werden. Wir werden schon in der nächsten Zeit einen dicien Zweck verfolgenden Antrag ein- bringen. Es geht nicht länger an, daß 691 Wähler ebenso viele Stadtverordnete wählen, als die III, Abteilung, welche über 400mal so viel Wähler zählt, Stadtv, B o g t h err: Ich bcdanre keineswegs, daß es nur noch 691 Wähler I. Abteilung giebt, sondern ich hätte lieber gesehen, daß der Vorredner sich mit mir in den, Bedauern vereint hätte, daß es überhaupt Wähler I. und II, Abteilung giebt. Die ungeheure Zahl der Wähler III, Abteilung wird Sie hoffentlich dazu veranlassen, dieser wichtigsten Abteilung dazu zu verhelfen, daß sie ihr Wahlrecht überhaupt und in einer cinigerinaßen menschliche» Art ausüben können.(Zuruf des Stadtv. P r e tz c l: Sonntagsruhe! Heiterkeit und Unruhe.) Unter den heutigen Verhältnissen kann davon nicht die Rede sein, trotzdem auch diesmal wieder die Stunden von 9bis� frei gegeben sind,(Widerspruch.) Gerade diesem Umstände ist es zuzuschreiben, daß die Beteiligung auch in der dritten Abteilung noch nicht auf der durch die Wichtigkeit der Sache gegebenen Höhe steht, Wir dürfen uns ruhig daS Verdienst zuschreibe», eine größere An- zahl Wähler III. Klasse in Berlin auf die Beine gebracht zu haben. (Zuruf: Auch gegen Sie!)— Gewiß. Aber morgens um 9 Uhr sind zwei Drittel der Wähler schon bei ihrer Arbeit, mittags kann eine große Anzahl die Wahl nicht vollziehen, da ihre Arbeits ktättcu zu weit von dem Wahllokal entfernt sind. Aus demselben Grunde häufe» sich in den letzten Abendstunden die Wählermassen so an, daß eine ordnungsmäßige Wahl viel fach garnicht vollzogen werden kann. Schon 1391 hat man deshalb die Mahlzeit der dritten Abteilung um eine Stunde ver- längcrt. Aber auch nach dieser kleinen Verbesserung haben wir erlebt, daß tumnltuarische Sccneir erfolgten, welche zu Wahlprotcslen und sogar zu Annullierungen führten. Wenn Herr Pretzcl, der mir „Sonutagsrnhe"! zurief, ein so warmer Freund derselben ist. hätte er in seinen Kreisen schon längst dahin wirken niüssen, die kirchlichen Wahlen am Sonntag zu beseitigen. Diese Kirchenwahlen finden doch aber sicherlich unter Billigung und im Einverständnis der Behörde gerade am Sonnlag statt; die ungleich wichtigere Wahl der Stadtverordneten kann also doch hin- sichtlich dieses Punktes nicht im geringsten zu Bedenken Anlaß geben. In Frankreich, Belgien, in der Schweiz finden durchweg die Wahlen am Sonntag statt. Die Einwendung, daß eine Aendcrnng der bereits bekannt gegebenen Wahltermine nicht inchr zulässig sei, ist nickt stichhaltig; der Magistrat hat erst 14 Tage vor dem Wahl- tcrmin diese bekannt zu gebe» die Pflicht. Wir beantragen, die Wahl an, Sonntag vorzunehmen, besonders auck im Interesse einer nock größeren Beteiligung der Wähler, Die Wählerschaften dritter Abteilung sind so kolossal stark in den einzelnen Bezirken, daß der kleinste Bezirk deren noch 4319 enthält, der größte aber770O. Diesen Massen kann man unmöglich in den festgesetzten Stunden zu ihrem Rechte verhelfen. Der Magistrat könnte auch nock zu glatterer Abnnckelung des Wahlgeschäftcs beitragen diuck gründlichere Informierung der Wahlvorsteher über die Legitiinationsprüfung. damit nicht wieder, tvie vor ztvci Jahren, die Jnvalidrtätsknrte als nicht ausreichend er- klärt und so eine Anzahl von Wählern des Wahlrechts beraubt wird, Hier ist eine umfassendere Instruktion der Wahlvorsteher durch den Magistrat voiuiötc». Wir sind der Anschauung, daß die Bersamm- l»ng selbst das größte Interesse daran hat, daß die Mandate auf einer möglichst großen und breiten Grundlage ruhen, womit denn, auch das Interesse an den kommunalen Angelegen- heilen in die weitesten Kreise der Bevölkerung geträgen wird; deshalb erwarten wir die Annahme unseres Antrages. Stadtv, R o sie n o w erklärt noch, daß seine Freunde im Princip gegen das Dreiklassen-Wahlsystem überhaupt sind, Der Antrag Singer wird gegen die Stimmen der social- demokratischen Mitglieder'und einiger'weniger Mitglieder anderer Fraktionen abgelehnt, die Vorlage angenommen. Schluß �7 Uhr. Lokales. Tic Ttadtbcrordnetcit-Versaninllnng hat gestern den A n t r a g unserer Genossen, die Versamm- lung solle den Magistrat ersuchen, die Stadtverordneten- Wahlen der 3. Abteilung auf den Sonntag (5. November) zu legen, mit sehr großer Mehrheit ab- gelehnt. Zur Begründung des Antrages hatte Genosse Vogtherr darauf hingewiesen, daß die allermeisten Wähler der 3, Abteilung an einem Wochentage sich entiveder überhaupt nicht oder doch nur zu gewissen Stunden, in der Mittagspause oder des Abends etlva von 5—7 Uhr, an der Wahl beteiligen könue». Es liege aber gerade im'Interesse der Stadtverordneten-Versammlnng und der ganzen städtischen Verwaltung, daß allen Wählern Gelegenheit gegeben werde, sich an der Wahl zu beteiligen. Dadurch werde zugleich in weitesten Kreisen der Bevölkerung die Neigung, sich mit städtischen Angelegenheiten zu beschäftigen, geweckt und ge- fördert. Den Gegnern des Antrages, von denen keiner das Wort ergriff, dürfte gerade dieser Gedanke sehr unsympathisch gewesen sein. Sie fürchten nichts mehr als eine lebhaftere Teil- »ahme der weniger bemittelten Bevölkerung an den städtischen An- gelegenheiten, denn sie wissen sehr wohl, daß dabei nur die Social- demokratie gewinnen kann, ebenso wie auch die Verlegung der Wahlen auf einen Sonntag in erster Linie die socialdemokratischen Stimmen vermehren würde. Von diesem Standpunkte aus versteht man die Ablehnung des Antrages. Sie ist von der Furcht diktiert, und sie zeigt den Wählern der 3. Abteilung wieder einmal mit aller Deutlichkeit, was sie von der jetzigen Mehrheit der Stadtverordneten zu ertvarten haben. Die nicht- socialdemokratischen Wähler dieser Abteilung mögen sich bei ihren freisinnigen Vertretern dafür be- danken, daß auch sie durch die Ablehnung des Antrages in ihrem Wahlrecht beeinträchtigt sind. » Tie Harmlosen sind aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil nach dem bisherigen Gange der Verhandlung kein dringender Verdacht des Falschspiels gegen sie mehr vorliegt. Es waren recht dramatische Momente am Schluß des gestrigen Verhandlungstages, als der Gerichtshof sich zur Beratung zurückzog und dann erklärt lvurdc, er habe sich ans eigener Initiative mit der Frag besckäftigt, ob es gerechtfertigt sei, die Angeklagten noch länger in der Untersuchungshaft zu lassen. Der Ober staatsantvalt beantragte, die Entscheidung über diese Frage noch auszusetzen, die Verteidiger befürworteten natürlich dringend die Hnftentlaff'nng. Nachdem dann die Angeklagten versprochen hatten, sich den iveiteren Verhandlungen zu stellen und der Gerickts Hof sich nochmals zurückgezogen hatte, kam'er mit der frohen Bob schaft zurück, daß die Pforten von Alt Moabit 12a,, das ist näm- lich das Untersnchungsgcfäiigms, den jungen Jcu-Rattcn zum freien Entweichen geöffnet ivürdcn.. Alles stürmte nun auf die Anklagebank, um die jungen Herrn zu bcglückivünscheN. Der alte General v. Kröcher, der im Laufe des Tages ein dem Sohne sehr günstiges Zengmß abgelegt hatte, und die Frau Generalin umarmten und küßten ihren Sohn, auch die übrigen Angeklagten ivareu riesig vergnügt, und es wird getviß einen sehr fidclcn Abend gegeben haben. Der Prozeß geht, tvie gesagt, weiter. Die Verhandlungen am Donnerstag waren den Angeklagten wieder überaus günstig und reich an interessanten Episoden, Vormittags beherrschte die Situation der Sohn des Abgeordneten v, K a r d o r s f. Der junge Graf ist gegenwärtig Regiernngsrefcrendar in Licgnitz, und trägt ein äußerst selbstbewußtes Austreten vor Gericht zur Schau, Es gab denir auch einen heftigen Zusammenstoß mit dem Präsidenten Dcnso, der sich gezwungen sah. dem jungen Kardorff den Mund zu verbieten, da dieser ans eine Acnßernng des Oberstaatsanwalts durch aus nicht schtveigcn wollte. Nachher, nach der Mittagspause, teilte der Präsident mit. daß Herr v. Kardorff als korrekter junger Mann bei ihm gewesen sei, um ihn um Entschuldigung zu bitten, Den Angeklagten stellte Herr v. Kardorff das beste Leunmnds zcngnis aus, und bei den Harmlosen im Ccntralhotel, Ivo er bei seinen Abstechern nach Berlin gelegentlich ein Spielchen machte, hat er nie eine Unregelmäßigkeit bemerkt. Dagegen kann der Kriminal- konnnissnrius v. Mantcnffel in den Bckundnngen des jungen Kardorff sehr schlecht weg. Auch eine blutjunge Durchlaucht, der Prinz von Thnrn und Taxis erschien in der Uniform der Garde- Kürassiere vor den chrankcn und erzählte von seinen Erfahrungen im Klub der Harm- losen. Auch er weiß nicht das geringste Belastende gegen die An geklagten. Er hat nach dcni Erscheinen der berühmten Zcitungs artikel mit ihnen ruhig weiter verkehrt und ist noch kurz vor der Verhaftung der Angeklagten mit Herrn von Kayscr in der Festvorstcllung zu Kaisers Geburtstag im Opernhaus gewesen, wohin sie in Gala-Uniform kommandiert waren. Nach der Mittagspause erschien dann im Civilanzuge der General v. Kröcher vorm Gericht. Er zeigt sich als der netteste Bater, den sich ein junger Mann wirklich nur wünschen kann. Denn er erklärte mit lautester Kommando stinmre, daß er seinen Sohn nie im Stich gelassen und Schulden anstandslos für ihn bezahlt haben würde. Das ist alles, was man verlangen kann.— Der Leidtragende auch nach der Vernehmung des Generals war der Kriminalkommissar v. Man- tenffcl. Denn der alte General bestritt entschieden, seinen Sohn Herrn v, Mantcnffel gegenüber belastet zu haben, wie es der Kriminal kommifsar am Mittwoch beschworen hatte. Am Spätnachmittag spielten sich im Schwurgerichtssaale sehr heitere Scenen ab. Der Zauberkünstler Herrmann mußte dem Gericht allerlei Kartenkunststücke demonstrieren, die jedoch zu dem Ergebnis führten, daß derlei Kunstgriffe im.Klub der Harm lösen" kaum angewandt worden sein können. Schließlich wurde noch ein Graf Konigsmarck vernommen, der etzt beim„Kleinen Journal" engagiert ist und der in der Vor Untersuchung ein ziemlich ungünstiges Urteil über den jungen Kröcher abgegeben hat, das er jetzt jedoch wesentlich modificiert. Er meint, daß er durch Herrn v. Manteuffcl voreingenommen gegen die Angeklagten gemacht worden sei. Und dann brachte er noch eine recht böse Sache vor. Er habe in irgend einer Untersuchung ein Herrn v. Manteuffel betreffendes Zeugnis ablegen sollen, und der Kriminal- Kommissar habe ihni die zu niachende Zeugenaussage auf einem Zettel vorgeschrieben. KönigSmarck legte diese Instruktion dem Gerichtshofe vor, doch wurde die weitere Behandlung der recht heiklen Angelegenheit durch die Diskussion über die Freilassung der Angeklagten unterbrochen und vertagt. Da in der ganzen viertägigen Verhandlung noch nicht ein Zeuge aufgetreten ist, der Belastendes gegen die Angeklagten ägen konnte, so muß man sich wirklich wundern, wie die Anklage überhaupt zu stände kommen und wie es gerechtfertigt werden konnte, die drei Harmlosen seit acht Monaten in Untersuchungshaft zu halten. Der phantasievolle Herr v. Manteuffel, wie er mehrfach gc- nannt wurde, auf dessen Mitteilungen die Anklage aufgebaut wurde, schneidet in diesem Prozeß ungewöhnlich schlecht ab. Er soll das allerdings gewöhnt sein._ Herr im Hause. Wie wir schon früher mitgeteilt haben, hat die Eisenbahnvcrwaltung den BahnhofS-R est aurateuren die Verpflichtung auferlegt, künftighin über ihre Einnahmen und Ausgaben in genauester Weise Buch zu führen und der Eisenbahn- behörde Einblick in die Bücher zu gestatten. In wie eingehender Weise diese Buchführung vorgeschrieben ist. ergiebt sich aus einem uns vorliegenden Formular, das unter anderem folgende Rubriken enthält: Einnahmen beziehungsweise Ausgaben für Bier, einheimisches und echtes, Porter-, Grätzer-, Weißbier zc., Cognac, Liqneure, Korn- und andere Branntweine, Wein, Selterswasser, Sauerbrunnen, Thee, Schokolade, Kaffee, Milch, Zucker, Ciqarreu. Wurst. Käse, Butter. Aufschnitt. Brot. Fleisch. Kartoffeln, Gemüse, Früchte, Automaten- wäre usw. DiejenigenBahnhofs-Restaurateure,', welche sich der vorgeschriebenen Kontrolle nicht unterwerfen wollen, haben eine Kündigung ihres Kontraktes zu erwarten. Der Fiskus steht dem Restauratenr hier in dem rein privaten Verhältnis des Grundherrn zum Pächter, des Hauswirts zum Mieter gegenüber. Wenn der Hausbesitzer Meyer den Budiker Müller darüber kontrollieren wollte, wieviel Käse er verkauft, so würde Müller wahrscheinlich von seinem Hansrecht energischen Ge- brauch machen. Und gar wenn Arbeiter in nur zu berechtigter Wahrung ihrer Interessen einem Unternehmer Nachteile für den Fall in Aussicht stellen, daß er eine ihnen gefährliche Person in seinem Betriebe weiter beschäftigt, dann leiert nicht allein die gesamte staatserhaltende Presse das Lied vom Herr im Hause sein herunter, sondern der Staat sorgt auch dafür, daß die Arbeiter wegen des in anderen Fällen als ehrenrührig geltenden Vergehens der Erpressung mit einigen Monaten Gefängnis bestraft werden. Zu dem Beschluß der Verkehrsdcpntatio» auf Uebernahme neuer Straßenbahnlinien in städtiscke Regie hat sich Stadtverordneter R o s e n o lv am Mittwoch im Bezirksverein des Köpenicker Stadt- Viertels geäußert. Herr Noscnow betonte, daß dieser Beschluß dem bisherigen Verhalten der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft entsprungen sei, welche auf Umwegen sich ihr Monopol über 1919 hinaus zu erhalten suche, indem sie anderen Gesellschaften konzessionierte Linien einfach an- kaufe und um Anordnungen der Vcrkehrsdeputatiou, welchen viel- fache Beschwerden aus dem Publikum zu Grunde lagen, sich nicht k ii m in e r e. Dinge, die von den Socialdemokraten im Roten Hause alle vor Jahr und Tag vorausverkündet worden sind. Herr Rosenow meinte weiter, daß die Wähler der ersten Abteilung sich bei dem be« stehenden Wahlrecht schämen müssen, weiter von ihren Wählern ernannt zu werden. Ob Herr Rosenow ein Beispiel zu nennen weiß, daß jemals eine bevorrechtete Kaste aus Schamgefühl auf ihre Privilegien verzichtet hat? Die Errmlgcilschafte» ans photograpliischem Gebiete sind deni Publikum, wie bekannt, durch Kinematographen, Mutoskope und wie die Apparate heißen, so bequem als möglich zugänglich gemacht Iverden. Recht oft werden in diesen lebenden Photographien Genre- bilder ctwaS verfänglichen Charakters vorgeführt; doch geben sich die kleinen Drolericn nicist in so schalkhafter Liebenswürdigkeit, daß verständige Leute nur mit Bedauern von den perversen Neigungen jener frommen Sittencifercr sprechen, die auch gegen diese Harmlosigkeiten die Polizei in Belvcgung setzen wollen. Anders liegt die Sache aber bei Vorführungen ähnlicher Art, gegen die wir beileibe nickt die Polizei, wohl aber den guten Ge- schmack des Publikums mobil machen möchten, Wir meinen gewisse„automatische A u S st e l I u n g c n", die neuerdings in lebhaften Straßen eröffnet worden find. Ein auf Dummheit und Sinnlichkeit spekulierender Unternehmer hat sich Läden gemietet, die er mit stereoskopischcn Guckkasten vollpfropft. Gegen Einwurf eines Nickels zeigt der Automat dem Besucher meist neun Stereoskopbilder, deren künstlerische Ausführung auf ziemlich niedriger Stufe sieht. Was den Bildern aber an Schönheit fehlt, wird ersetzt durch den sinnlichen Anreiz, der, wenn auch nicht in ihnen selber, so doch in den Aufschriften gegeben ist, die die Apparate tragen. Da liest man„Chimay und Riga zu Bett gehend", „Morgentoilette einer Französin",„Der Mord der Prostituierten" und ähnliches. An einigen Apparaten steht„Nur für Herren" oder auch der als besonders zugkräftig erachtete Hinweis, daß die Bilder- seric von der Sittenpolizei konfisciert worden, vom Gericht aber wieder freigegeben sei. Hier ivird nach der Methode des ordinären Anrcißertums auf die Dumnihcit namentlich der jüngeren Besucher spekuliert, die man durch möglichst aufregende Aufschriften zur Opferung ihrer sauer verdienten Groschen anzureizen sucht. Ihrem sittlichen Werte nach mögen die Veranstaltungen mit den Animierkneipen etwa auf einer Stufe stehen. Wir hoffen durch diesen Fingerzeig auf die künstlerisch und wissenschaftlich gleichfalls völlig wertlosen AnSstellnngen das Publikum mit Erfolg vor einem Rcinfall gewarnt zu haben. Das städtische„Allgemeiitc Krankenhaus im Fricdrichs- hain" feiert am 8. Oktober einen Gedenktag: Am 8. Oktober 1874, vor jetzt 25 Jahren, wurde die Anstalt eröffnet, nachdem die Vor- arbeiten zu ihrer Errichtung und die Ausführung des Baues volle 10 Jahre gedauert hatten. Für die Entwickclnng des städtischen Krankenpflegcwesens bedeutet die Begründung des Krankenhauses im FricdrichShnin ein Wendepunkt, Schön lange war das Abhängigkeits- Verhältnis. indem die Gemeindeverwaltung zur Charits und zu privaten Krankenanstalten stand; drückend empfunden worden. Die Stadt wünschte für die von ihr zu verpflegenden Kranken ein eigenes Krankenhaus zu besitzen, wie sie für die Unheilbaren eigene Hospitäler hatte. Da überwies im Jahre 1864 ein Rentier Fasquel der Stadt ein Kapital von 150 000 Mark zum Bau eines städtischen Krankenhauses. Die Schenkung war an die Bedingung geknüpft, daß bis Ende 1868 mit dem Bau begonnen sein müsse. Das war für den Magistrat der äußere Anlaß, bald darauf die Architekten Gropius und Schmieden! mit den für den Bau erforderlichen Vor- arbeiten zn beauftragen. Nachdem die unter Zuziehung ärztlicher Sachverständiger ausgearbeiteten Entwürfe genehmigt waren, konnte noch kurz vor Schluß des Jahres 1868 mit den Fmidnmenticrungcn begonnen werden. Die Fertigstellung der nach dem Pavillonsystem erbauten, eine Fläche von über tz'/e Hektar einnehmenden Anstalt erforderte sechs Jahre. Die Kosten des Baues und der Einrichtung beliefen sich ans rund 4�/2 Millionen Mark, das Dreißigfache der von Fasquel gespendeten Summe, Die Zahl der Betten war anfangs 620, ist aber später und noch bis in die neueste Zeit hinein wiederholt vermehrt worden, ohne daß damit dem fortgesetzt wachsenden Bedürfnis genügt wurde. Gegenwärtig behandelt die Anstalt im Jahre rund 10 000 Kranke und leistet rund 250 000 Ver- pflegungstage. Inzwischen sind zwei weitere städtische Krankenhäuser errichtet worgen: das ursprüngliche nur für Pockenkranke bestimmte „Barackenlazarett" in Moabit, das im Jahre 1872, also noch vor Vollendung des Krankenhauses im Friedrichshain, in der kurzen Zeit von nur drei Monaten aufgestellt wurde, und das Krankenhaus am Urban, das 1390 fertig wurde. Seit 1897 wird auch noch das ehemalige Siechcnhaus in der Gitschinerstraße als Krankenhaus benutzt. Telephon Bcrlin-PariS. Aus der französischen Hauptstadt wird berichtet: Aus hiesigen unterrichteten Kreisen verlautet über die Grundlagen, auf denen ein Abkommen betreffend die Telephonlinie Paris— Berlin beabsichtigt wird: Die Länge der Linie wird etwa 1100 Kilometer betragen, die Leitung wird aus ChKlous-sur-Marne, Verdun, Metz und Frankfurt a. M. gehen. Für die Berechnung der Gebühren sind beide Länder in zwei Zonen geteilt. Die jedem Lande zustehende Gebühr beträgt 2 Fr. für die erste Zone, 4 Fr. 'ür die zweite Zone. Die Gesamtsumme des Betrages setzt sick aus der Summe der beiden Ländern zustehenden Gebühren zu- ämmen, so daß das Gespräch zwischen Berlin und Paris 6 Francs kostet. Auch dringende Gespräche sind zulässig zu erhöhter Gebühr. Weiter wird berichtet: Der Unterstaatssekretär der Posten. Mougeot, erklärte dem„Echo de Paris" zufolge, daß die Taxe für ein Telephongespräch von drei Mimiken zwischen Paris und Berlin 6 Francs betragen werde und kündigte die baldige Errichtung einer Telephon-Verbiiidung Beifort— Mülhausen an. Ferner sieien Ver- Handlungen im Gange betreffend eine Telephonlinie Paris— Rom und Paris— Mailand. Rechenmaschinen im Statistischen Amte. Das geisttötende Exenipel-Rechnen ebenso, Ivie viele komplizierte Handarbeiten der Maschine zu übertragen, bildet mehr und mehr daS Ziel der Er- finder und Techniker. Ncichdcm vor Fahren schon der greise Schrift« steller von Gutbicr die Uiicntbchrlichkeit der Nechenmaschinen im praktischen Leben nachgelvicsen hat. ist man jetzt bemüht, das Arbeitsgebiet dieser Hilfsmittel des Geistesarbeiters zu er- weitem. Nach dieser Richtung hin sind besonders die Ver-- suche interessant, welche zur Zeit im Kaiserlichen Statistischen Amt geniacht worden, woselbst es mehr als anderwärts gilt, schnell und sicher mit ungeheuren Zahlengruppen fertig zu werden. Zunächst wurde dort ein sehr komplizierter Apparat, eine elektrisch betriebene Sortier- und Zählmaschine, erprobt, indes beivährt sich diese nicht; sodann schaffte man eine amerikanische Additionsmaschine au, welche ziemlich gut funktioniert und wenn sie sich weiter so be- währt, wohl zur Einführung gelangen dürfte. Freilich kann die tote Maschine nicht, wie der Mensch, alles machen, sie mutz von Menschenhand bedient werde» und markiert ihre Resultate auf sogenannten Zählstreifen, deren Zusammenfassung und Ver« nrbcitung wieder viele Meuschenkräfte erforderlich macht. Man hofft indes, durch Zuhilfenahme solcher unglaublich schnell rechnenden Maschinen es alsbald dahin zu bringen, dast das periodisch zur Veröffentlichung gelangende Zahlenmaterial des Statistischen Amtes erheblich früher als jetzt wird herausgegeben werden können. Der Oktobcr-Nmzug hat nach dem Urteile aller Beteiligten, der Spediteure, Fuhrleute, Arbeiter und Nmziehcudeu einen Umfang angenommen, wie selten zuvor. Buchstäblich in jedem Hause wird gezogen; drei und vier Umzüge sind selbst in kleineren Mietshäusern keine Seltenheit. Nachdem der Umzug der Mieter der kleineren Wohnungen in den ersten Tagen des Monats unter großen Schwierig leiten durchgeführt worden ist, sind jetzt noch vicle Kräfte mit dem Umzug der großen Mieter beschäftigt. Die Berliner Nnfallstationen sind im Monat September d.J. in 82S4 Fällen gegen 2987 im gleichen Monate des Vorjahres für erste Hilfe in Anspruch genommen worden, und zwar 2777 nial bei Unfällen und 477 mal bei plötzlichen Erkrankungen. Ein heftiger Znsanimcnstost fand Mittwochnachmittag um iU/4 Uhr aus dein Molkcnniarkte zwischen einem elektrischen Straßen- bahnwagc» der Linie Gesundbrunnen— Krenzberg und dem Omnibus der Linie Landsberger Thor— Hallcschcs Thor statt. Der OmnibnS wollte vom Köllnischen Fischmarkt her über das Stratzenbahnglcise hinweg von der ivcstlichc» nach der östlichen Straßenseite fahren. Dabei faßte ihn der vom Rathause konimende Straßenbahnwagen hinten an der linken Seite, zertrümmerte ihm die Achse und warf ihn nach rechts auf die Seite. Zwei Fahrgäste, die ans der Plattform des Omnibus standen, flogen auf das Pflaster, kamen aber mit leichten Hautabschürfungen davon. Die Lcntc inl Innern des Wagens wurden stark durcheinander ge- rüttelt, blieben aber unversehrt. Auf dem elektrischen Wagen wurde niemand verletzt. Der Verkehr stockte fünf Minuten. Der OmnibnS mußte außer Betrieb gesetzt werden. Ein tranrigeS Ende hat der 84 Jahre alte frühere Töpfer Karl P. genommen, der noch vor zwei Jahren in guteil Verhältnissen lebte. Der Mann hatte in der Reichenbergerstraße ein blühendes Milchgeschäft. Dem Trunk ergeben, mißhandelte er oft Frau und Kinder so schwer, daß diese sich vor drei Fahren von ihm trennten. Vor pl/e Jähren wurde die Ehe geschieden und P. für den schuldigen Teil erklärt. Nun verkaufte er sein Geschäft für 8000 M., brachte das Geld in einem Jahre durch und lebte seitdem von GclcgenhcitS- arbeiten. Ain Donnerstag brannte er seiner Wirtin ani Kottbuscr Danim Nr. 8 mit der Miete und den Sachen durch. Gestern nach- inittag landete man ihn am Knpfcrgrabeu als Leiche aus dem Kanal. Nansen in der Urania. Wohl den bedeutendsten Tag seit ihremiBestchen durfte die Urania gestern erleben. Fritjof Nansen, der Held der wissenschaftlichen Polarforschnng, hielt dort über seine Erlebnisse einen Vortrag. Es war ein erhebender Genuß, den Gelehrten in kurzen Unirissen die bisherige Geschichte der Nordpolfahrten vortragen zn hören und dann zu ver- liehnien, wie er mit der Bescheidenheit, die wahrhast große Männer kcnnzcicknict, die Bcdcntnng seiner eigenen Entdeckungen andeutete. Nansen ging aus seine Grönlnnd-Dnrch- querung ein, schilderte dann die letzte große Entdeckungsfahrt in plastischen Umrissen und flocht mit rührender Liebe in die Dar- stcllung seiner Forschungen die Genrebilder ein, die die Erinnerung an seine treuen Hunde und an sein kernfestes Fahrzeug, den„Frain', in ihm werkte. Wahrhaft packend war dann die Schilderung der Polarnacht mit ihren Schrecke» und ihren erhabenen Schönheiten: ein Bild, üi dem sich die Sehnsucht nach einer Welt, in deren Nacht die Krone der Wissenschaft alle Leidenschaften der Menschheit überstrahlt, mit poetischem Zauber wiederspiegelte. Die Begeisterung der Zuhörer fand kein Ende, als Nausen am Schluß seines Vortrages die Anwesenden ermahnte, über die Teilnahme, die feine» Thaten gespendet sei, nicht die stillen Mühen jener Gelehrten zn ver- gcssen, die fernab von der Popularität des Tages Großes vollbringen, ohne daß ihr Name der Welt bekannt wird. Wie klein stehen doch neben dem Helden, der im Dienste der Wissenschast llebermenschliches leistet, jene Zwerge da, die vom blöden AfterpatriotiSinuS als Heroen gepriesen werden! Z« dem Vortrage, welchen Professor Frithjof Nansen gestern Abend in der„Urania" hielt, haben nur sehr wenige Karten ausgegeben werden können, weil fast alle Plätze von den Abonnenten der Centenarvorträge belegt waren. Nansen hat sich deshalb ent- schlössen, morgen sFreitagj noch einen Vortrag an derselben Stelle zu halten, und zwar wird er diesmal, um sich nicht zu wiederholen, über seine eigenen Erlebnisse sprechen, nämlich über daS Thema: „Die norwegische Norpol-Expedition auf der Fram". Feucrbericht. Nach Neue Friedrich st raße 21» wurde die Wehr Dounerstagnachmittag 5 Uhr gerufen, weil hier in der Strnmpfwarcnfabrik von A. Elkiich ein Feuer ausgebrochen war. das bei den dort lagernden Strumpf- und Wollevorräten leicht gefährlich werden konnte.' Es gelang jedoch der Wehr, die Flammen noch im Entstehen zu ersticken, so daß der verursachte Schade» nicht bedeutend ist. Vormittags 19 Uhr brannte in der W i e l e f st r a ß e auf einem freien Platze eine Partie Stroh. Kurz vorher war P r i n z e n st r. 47 in einer Tischlerei ein Schadenfeuer abzulöschen, das Hobelbänke und anderes Werkzeug zerstörte. Im Laufe des Tages erfolgten noch einige Alarniiernngeu, die jedoch auf ganz geringfügige Ver- auläffungen zurückzuführen waren. Ein großes Feuer kam Mittwochabend nach S Uhr in den Deutschen Stahlwerken sG. m. b. H.) in der verlängerten Kolonie- straße an, Treffpunkt der Grenzen von Berlin, Reinickendorf und Pankow, auf noch nicht aufgeklärte Weise zum Ausbruch. Es brannte in den Fabrikräumen und besonders wurden das Dach des Maschinenhauses und die Einrichtung von den Flammen heimgesucht. Die Berliner Wehr entsandte zwei Löschzüge, die bei ihrer Ankunft schon einen ausgedehnten Brandherd vorfanden. Später erschienen noch die OrtSfcnerwehren aus Reinickendorf(Ost), Pankow und Nieder-Schönhansen. Es gelang den vereinten Anftrengurgen, die Flammen nach 10 Uhr zu löschen. SlnS de» Nachbarorte». Im socialdemokratischen Verein vou JohanniSthal-Nieder- schöncweide(bei Senftleben) ist Sonnabendabend ö'/e Uhr Vorstandswahl und Berichterstattung. In der gestrigen Sitzung der Stadtberordneten-Versam»»- lnng von Rixdorf erstattete die Komnnssion, der vor vier Wochen gegen die Stimmen der Soeialdemokraten die Vorbereitung der Wahl von Mitgliedern zur Militär-Ersatzkommisston und z» den Steuerveranlagungs-Kommissionen übertragen worden ist, ihren Be- richt. Neben anderen schlägt sie für die Gebätidesteuer-Veranlagungs- Komnnssion den Stadtv. Dachdeckermeister Keller(Soe.) und für die Gemeindesteuer-Veranlagungs-Kommission den Stadtv. Conrad(Soe.) vor. Unter den von ihr vorgeschlagenen Stellvertretern befindet sich auch der Stadtverordnete Köpke(Soe.). Die Militär- Ersatzkommission wird ohne Widerspruch gewählt. Sodann erklärt Stadtverordneter Retzerau(Soe.), daß die socialdemokratische Fraktion daran festhalten müsse, wie bisher auch in Zukunft selber zu bestimmen, welches ihrer Mitglieder in diese oder jene Konimission hinein soll. Mit dem Vorschlage Kellers für die Gebäudestener- VeranlagungS kommiffion wolle nian aber einverstanden sein, schon weil die Vorschlagskommission die Hand zum Frieden biete und weil auch Soeialdeinokraten über Sünder sich fteuten, die Buße thun.(Heiter keit.) Für die Vorschläge der Vorschlagskommission stimmen darauf auch die Soeialdunokraten. Die Vorichläge für die Einkommen steuer-VeranlagungSkommissiou werden nach kurzer Debatte eben falls einstimmig angenomnien. Zur Verhandlnng kam sodann der Antrag der soeialdemokratischen Fraktion aufEinfühmng der obligatorischen n nd unentgeltlichen Desinfektion. Der Referent, Dr. Silberstein(Soe.) erklärte, eine derartige Einrichtung speeiellfür Rixdorf mit seiner Bevölkerungsdichtigkeit für durchaus notwendig. Die Aerzte feien allerdings verpflichtet worden, bei ansteckenden Krank heiten sofort der Behörde Anzeige zu erstatten, und ein DeSinfektions ofen sei auch vorhanden. Jene Pflicht werde aber jetzt nur noch durchaus mangelhaft erfüllt und betreffs des DesiufektionsofenS habe ihm, Redner, der Biirgermeister Boddin erklärt, es könne jeder seine Sachen zum Zwecke der Desinfektion dorthin bringen. Daß eine solche Möglichkeit nicht im geringsten den Anforderungen einer soeiale» Hygiene entspreche, liege auf der Hand. Nicht nur obli gatorisch, sonder» auch unentgeltlich müsse eine Desinfektion sein, wenn sie alle Ansteckungsherde beseitigen soll. Redner verbreitet sich ausführlich über den Segen der moderne» Desinfektion.— Stadtv. Abraham und Bürgermeister Voigt erklärten sich für Ueber- gang zur Tagesordnung, indem sie sich auf daS neue Gesetz über die Dienststellniig des Kreisarztes und über die Bildung von Gesundheitskommissionen beriefen. Man möge die Einführung der Gesundheitskommissionen abwarten. Herr Voigt machte auch sonst noch mehrere Einwendungen. Retzerau(Soe.) sah keinen Grund. nnt Reforme» lange zn warten. Der Antrag der soeialdemokratischen Fraktion wurde gegen die Stimmen der Soeialdemokraten a b gelehnt. Die Versammlung erledigte schließlich noch eine Reihe Straßen-, Schill- und Verivaltungssachen. Grost-Lichtcrfclde. Die Tagesordnung der jüngsten Gemeinde vertreter-VersaimnIung ivar überaus reichhaltig. Gemeindevorsteher Schulz verlas den GenehmigungSbescheid der Ministerialkommission, betr.Ankauf deS Gutes Werben zu R i e s e l z w e ck e n. Es wird beschlossen, die Beivirtschaftung des GuteS in eigene Regie der Ge meinde zu nehmen. Von feiten der Finna Siemens u. H a l S k e liegt ein Gesuch vor, ihr die Benutzung der Teltotverstraße für die elektrische Versuchsbahn auf ein weiteres Jahr zu gestatten. Dieses Gesuch bot die passendste Gelegenheit endlich einmal mit der Gesell schaft über eine zeitgemäße Umgestaltung des elek> irischen Bahnverkehrs und einer Herabsetzung der Fahrpreise einen vernünftigen aber energischen Ton zu reden. Die Firma Siemens u. Halske hat in unseren! Orte daS Verkehrsmonopol; sie nützt diese ihre Stellung gründlich aus. Die Erhebung deS doppelten Fahrgeldes für die Benutzung des letzten Nacht Wagens ist eine fiskalische Glanzleistung, die sicherlich den Neid unseres FinanznnnisterS Miguel erregen könnte. ES ist tief zn bedauern, daß die Gemeindevertretung das Gesuch der Firma genehniigte. ohne auch nur den Versuch zu machen, auf Ab- stellnng der ärgsten Mißstände zn dringen. Herr Gemeinde- Vorsteher Schulz meinte, es sei nicht opportun(!), diese Frage jetzt aufzurollen: es solle nicht den Anschein erwecken, als wolle man die Zwangslage der Gesellschaft ausnützen. Das ist ja sehr rücksichtsvoll' und auch für die Finna sehr ailgeuchm, aber praktisch und für die Einwohnerschaft vorteilbaft ist die Geltendmachung und der schließliche Sieg solcher«Gefiihlsgrüude" nicht. Ein weiterer Punkt, bei dem die Rückständigkeit unserer ört- lichen Verhältnisse kraß in die Erscheinung trat, war die Frage der Acndening des sogenannten Vrennkalcnders. Schließlich ist doch die anSreichende Beleuchtung einer Gemeinde notioendig und die daftir nötigen Mittel müssen eben aufgebracht werde». Unsere Wege- und Etat-Kommijsion hatte in der Belenchtuiigsfrage wirklich eine erleuchtete Idee. Es soll»ünilich mit dem Anzünden der Laternen eine Viertelstunde früher begonnen, sie sollen aber auch eine Viertelstunde früher ausgelöscht werden. Mit dem Auslöschen solle zuerst an den Bahnhöfen begonnen werden. Ein Vorort- bahnhof einer Gemeinde von 2S 009 Einivohnern beim Einlaufen der letzten Abendzüge in vollständiger Finsternis— das gäbe eine prächtige Skizze für den Zeichner Heine vom SimplieissimnS I Die Idee der„BeleuchtiingS-Koinmission" wäre übrigens noch außerordentlich entwicklungsfähig. Wie wäre es z. B., wenn man überhaupt die Beleuchtung gänzlich abschaffte und jedem im Orte aiisässigen Steuerzahler von Gemcindeivegen monatlich eine Schachtel Wachsstrcichhölzer lieferte? Mit den durch diese Einrichtung erzielten Ersparnissen würde man schließlich der in unserer Gemeinde sich immer mehr fühlbar machenden Kirchennot einigermaßen begegnen können. DaS Ergebnis der DiLkufsion über die BelcuchwngSangelegen- heit war die Vertagung auf S Wochen. Lichterfelde wird also vor- läufig nach dem alten Brennkalender weiter verdüstert.— Der Scldstmordvcrsnch etneS Fünfzehnjährigen erregt in der Nachbarstadt Nauen einiges Aufsehen. Der Schreiber Max Schmidt, der in der Maschinenfabrik von Lindener beschäftigt war. machte dort Dummheiten und wurde deshalb am vergangenen Sonntag von seinenl Vater zur Rede gestellt. Der Junge wollte sich die Züchtigung nicht gefallen lassen, ging am Montag früh nicht wieder ins Geschäft, sondern kaufte sich einen Revolver, um sich zu erschießen. Mit der Waffe und Patronen ausgerüstet, ging der jugendliche Lebensmüde zur Stadt hinaus, suchte«nd fand einen abgelegenen Platz und schoß sich hier eine Kugel mitten in die Stirn. Schwer abec nicht tödtlich verwundet, blieb Schmidt hilflos und unbemertt liegen. Unterdessen fragte der Geschäftsinhaber bei seinen Eltern an, weshalb der Junge nicht zum Dienst gekommen sei. Jetzt wurden sofort Nachforschungen angestellt, aber erst am Montagabend fand man endlich den Verwundeten auf. Zunächst in der elterlichen Wohnung ärztlich behandelt, wurde Schmidt, da sein Zustand sich verschlimmerte, gestern mit der Bahn nach dem Lehrter Bahnhof und von dort mit emem Koppschen Rettungswagen in die königliche Klinik gebracht. mäßig sein, weil sie die Abwickelung deS Wahlgeschäftes beschleunige. indessen sei sie gesetzlich nicht zulässig. Sie widerspreche den Vor- schristen der Städtcordinnig, die im Z 14 mir die Bildung von Wahlbezirken nach dort festgelegten Grundsätzen vorsehe und die auch in anderen Paragraphen'imnier»ur aus derartige Wahlbezirke zurückgreife.„_ Muß der Polizeistaat Prenßen einem Kultnrstaat weichen? Der Gutsbesitzer Schreiber hatte aus Anlaß der beendeten Ernte seinen Lcntc» Bier spendiert, das in einem Lokal in Heringen aus- getrunken Ivurde. Man wahr fröhlich und guter Dinge und achtete nicht darauf, daß inzwischen die Polizeistniide eingetreten war. Der Gendarnl Bärs aus Hahn gebot Feierabend, worauf die Gäste nach und nach das Lokal verließen. Sie blieben jedoch auf dem freien Platz vor dem Lokal stehen. Der Hofmeister Jänicko und der Arbeiter Rumpf ließen sich auf der Veranda des Wirtshauses nieder und folgten mich nicht der wiederholten Aufforderung des Gendarmen, sich zu entfernen. Dieser wollte schließlich ihre Personalien fest- stellen. Als die Leute vor dem Gasthofe lachten, trat er unter sie und forderte sie zum Fortgehen auf. Dann hieb er mit seinem Säbel um sich, angeblich, weil er einen Stoß in das Genick erhalte» hatte. Die Leute wehrten sich derart, daß Bärs in das Lokal flüchten mußte. Natürlich regnete es zu guterletzt Anklagen wegen Wider- standeS gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung, öffentlicher Beamtenbeleidigung und Laiidfricdcnsbrnchs. Das Schwurgericht verneinte das Vorliegen eines Laiidfriedcnsbnlchcs. Die Angeklagten wurden Ivegen Beleidigung, Widerstandes und Körperverletzung teils zu Gcldstrcife», teils zu Gefängnis verurteilt. Ein Arbeiter erhielt neun Monate Gefängnis. Beim Austeilen der Säbelhiebe, die da? thätliche Vorgehen der Fcstgenosscn gegen den Gendarm erst veranlaßt haben, war eine Arbeiterfrau Sachse, erheblich verletzt worden. Sie klagte später gegen Bärs im Civilverfahren und verlangte an Kurkosten, Schaden- crsatz und Schmerzensgeld von ihm 86 M. Bevor es zur Beweis- erhcbung kam, erhob' die Regierung zu Merseburg zu Gunsten des Geildarnicu den Konflikt und führte zur Begründung aus: Es dürfe nicht gegen BärS vorgegangen ivcrdcn, weil er seine Anltsbefugnisse nicht überschritten habe.' Er habe zur Waffe greifen können. nachdem er in das Genick gestoßen worden sei. Hierfür könne er zwar wegen der Dunkelheit, in der sich der Vorgang zutrug, keinen Zeugen nennen. Indessen ver- dienten die Angaben dieses Beamten wegen seiner guten Dien st führ ung vollen Glauben. Aber auch die Art. wie Bärs die Waffe gebraucht habe, sei nicht zu bemängeln. Er habe sich einer Menge gegenüber gesehen, die nicht ganz nüchtern war. Die Frau Sachse verschulde eS übrigens selbst, wenn sie eins abbekoinmen habe, denn' sie hätte früher nach Hause gehen können. Der erste Senat des OberverwaltungSgerichteS erklärte denn auch den Konflikt für begründet, so daß daS Civil- verfahren gegen den Gendarm sofort einzustellen ist. Vovmifchkos« SchiffSlinglück. Aus Hamburg wird vom Donnerstag be- richtet: Der nachts von hier abgegangene Dampfer.Helfried Biß- mark" stieß bei Papensand mit der im Schlepptau einkommenden italienischen Bark„Leon Panealdo" zusammen. Letztere ist ge« funken, die Mannschaft gerettet. Der„Hclfried Bißmark" ist beschädigt nach Hamburg zurückgekehrt. Ei» Nachspiel zur Chikagoer Wektanöstcklililg. AuS Eh i ka g o wird berichtet: DaS Urteil gegen die AuSstellungSgesell« schaft Chikago, den französischen Ausstellern eine Summe von 187 999 Dollars als Schadenersatz für den lvährend der Ausstellung infolge einer FenerSbrnnst entstandenen Schaden zn zahlen, wurde vom Appellhof kassiert. Ein neues Verfahren wird eingeleitet. In Kairo hat ein W o l k e n b r u ch in der Nacht zum Mitt- woch einen Stadtteil überschlveninit, einen Teil der Eisenbahnlinie zerstört und auch anderen unerheblichen Schaden angerichtet. Marktpreise von Berlin am 4. Oktober 18VS »ach Enuiltelungen deS kgl. PolizeipriisidtmiiS. D.-Ctr. »)W-Izen »)Roagen Futtcr-Gerste. Hafer gut „ mittel„ „ gering Nichtstroh. He» flSrbseii i-)Speisobohnen. Minsen. Kartoffeln, neue Riudfletsch, Keule 1kg do. Bauch. ) lZnuittelt pro 15,45 15,40 13,90 15,20 14,40 13,00 4,82 7,10 40,- 50,- 70,— 7- 1,60 1,20 Tonne Schweineflelsch Kalbfleisch Hainmelsieisch Butter Eier Karpsen Aale Zander Hechte Barsch« Schlei« Blei- krebse Ibg 60 Stflck 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,80 4,50 2,20 2,80 2,60 2,- 1,80 2,80 1,40 12,- !Z 2,- 3,86 1.2? 1,2« 1,2? 0|8t 1,2« 0,8« 2,- Gevichks Rettung. I» dem Mordprozess gegen die Metzgersfrau Sauter in München haben die Geschworenen auf Freisprechung erkannt. Allgemeines Anflehen erregte eZ in der Verhandlung, als die Wahr- sagerin Frau Gänzbauer zugeben mutzte, daß sie gewissermaßen im Auftrage der Polizei die Sauter aufgefordert habe, ihr die Liste der Todeskandidaten vorzulegen. Unser Münchener Partei« Organ faßt seine Meinung über diesen Teil der Tragödie in folgenden Worten zusannnen:„Diese„Proskriptionsliste" ist nicht das Werk der Frau Sauter, sondern der Frau Gänzbauer. Dieser Zettel ivar bestellte Arbeit. Die Frau Ganz- bauer war von den beiden Polizeibeamten bestimmt worden, der Frau Sauter womöglich einen schriftlichen„Schuldbeweis" zu ent- locken. Oder wie der Herr Verteidiger sich ausdrückte:„Frau Gänzbauer hat in obrigkeitlichem Auftrage die Frau Sanier zur Begehung eines Verbrechens aufgefordert." Ungesetzlich« Einteilung von Kommunal-Wahlbezirke». In Stettin wurden vor den letzten regelmäßigen Ergänzunas- wählen zur Stadtverordneten-Versammlung für die Wähler der dritten Abteilung sieben Wahlbezirke gebildet, die wieder in je drei AbstimmungS-Bezirke geteilt wurden. Wegen dieser Einteilung wurde gegen die Gültigkeit der Wahlen Einspruch erhoben und, als dieser keinen Erfolg hatte, das Verwaltungs-Streitverfahren beschritten. Der Bezirksausschuß erklärte die Wahlen für ungültig und da? Ober-Verwal- t u n g S g e r i ch t trat ihm darin bei, indem es ausführte: Zwar möge die Zerlegung der Wahlbezirke in Abstimmungsbezirke zweck- 14,70 14,20 12,70 14,50 13,70 13,- 4,- 4,40 25,— 25,— 30,- 6,- 1,20 1- von der Eentralflclle der Preuh. Landwirt» lchaftSkammern— Nolicrungsstellr— und umgerechnet vom PolijelprSsidium für de» Doppel-Centucr. ff) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 8. Oktober 189S. Am Früh markt waren Weizen und Roggen je 0.50 M. billiger zu haben. Mittags traten Deckungen in Wirkung, wodurch beide Artikel, namentlich in spätern Sichten, bewahr ihre gestrigen Schlugpreise wieder erreichten. Hafer lag äußerst still, Rübfll gab bei ruhigem Handel 0,10 M. nach.— Am Spiritusmarlt ver- iolgte die Preisbewegung eine weitere absteigende Richtung. Loco 70« stellte sich auf 43,50 M.(— 0,20). Am Markte waren 21 000 Liter Termin- wäre bei schwacher Grundtendenz fast geschäftsloö. Kartofselfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto WN. Sack 11,20 M. Prima reine Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack und Mehl 21—21,25 M. Ottober-Dezember. Supra trockene Kartoffel- stärke— M. Kartoffelmehl per 100 Kg. brutto—. Prima Kartoffelmehl 20— 20,60 M., proulpt— ,— M. per 100 Kg. Eierbericht vom 5. Oktober. Nonnale Eier je nach Qualität von 3,10—3,60 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,70—2,80 M. per Schock. Kalleier je nach Qualität von— bis— M. per Schock. Tendenz:.lebhafter. Briefkasten der KedaKtton. Die juristische Sprechstunde findet Montag, DienStag und Freitag abends von 6 bis 8 tthr statt. P. F. IS. Wir haben eine andere Adresse deS betreffenden Herrn nicht; eS werden in der Sache aber jedenfalls noch weitere Vcröffent- lichungm folgen._ Briefkasten der Expedition. W. K.«. 91. m. Die Bestellung auf den„Vorwärts" muß spätestens 8 Tage vor dem Quartalsschluß erfolgen; für Nachlieferung be- rechuet die Post 10 Ps. Porto. SiMtternnflSfiberRcht vom 5. Oktober 1800, morgen» 8 Ubr. Wetter »s --» ä II «1 2 Regen INeoel 1 heiter 1 hlb. bed. 4 Nebel OiNebel Stationen 89" aparanda eterSburg Cork Aberdeen PariS 8 S 745 757 SW 768 NNO 767WNW 7630510 I Wetter ■—» vs: Eid «?=. 6heiter 3wolk>g Scheltet llbetter 1 Dunst 4 IX 7 6 Wetter-Prognose für Freitag, de« 6. Oktober 1800. Ein wenig kühler, teils heiter. tetlS nebelig bei mäßigen westlich«! Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburea». Verantwortlicher Ncdacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke 1» Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing tu Berlin. 8r. 234. 16. 2. gcilap Ks Dwärls" Kttlim DÄsM->«'»«»°-w«' VevsAtninlungvn. Die Textilarbeiter und-Arbeiterinnen hielten am Mittwoch eine öffentliche Versammlung ab. Die Arbeiter und Arbeiterinnen derFabrilcn von Mcngers u. Söhne, Riedel und C a b a niS waren hierzu besonders eingeladen und erschienen. Genosse Jahn referierte über„Die Arbeiterfrage der Gegenwart* unter lebhaftem Beifall der Anwesenden. In der hierauf folgenden Besprechung wurden die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in obengenannten Fabriken von einigen Rednern in scharfer Weise unter lebhafter Zu- stimmnng der dort beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen getadelt. Ueber die Zustände in der Fabrik von Mengers, wo etwa Tausend, zumeist„ungelernte* Arbeiter und Arbeiterinnen be- schäftigt sind, sind.bereits in Versainmlnngen in früheren Jahren lebhafte Klage» erhoben worden, ohne daß eine durchgreifende Besse- rung erzielt worden ist. Jahn»var bekanntlich vor einigen Jahren dicserhalb von Herrn Dr. jur. Mengers als„beleidigter" Inhaber der Firma unter Anklage gestellt, nach erfolgter Beweis- aufnähme durch zahlreiche Zeugen, welche seine An- gaben in mehreren Gerichtsverhandlungen be« stätigten, aber freigesprochen worden.'' Die Ar- bciter hatten die Genugthuung, daß nach jenem Prozeß die Fabrik von der Behörde etwas schärfer kontrolliert wurde. Aber Ankleideräume, Waschgelegenheiten usw. sollen nach den Ausführungen der Redner heute noch ungenügend sein. Die Löhne betragen für m än n l i ch e Arveiter bis 1ö, für weibliche bis höchstens 9 und 19 M. pro Woche. Bei alledem sind die Arbeiter gezwungen, in den betreffenden Räumen bei 35 Grad Hitze zu arbeiten und Ueber st un den über die von den Behörden genehmigte, gesetzliche Zeit hinaus zu leisten. In den Fabriken von Riedel und von Cabanis sollen teilweise ebenso schlimme Zustände herrschen. Eine ältere Dame, welche seit 39 Jahren in diesem Beruf, seit 8 Jahren bei Riedel beschäftigt ist, versuchte die erhobenen Beschwerden zu entkräften, wurde aber von zwei Arbeitern unter stürmischem Beifall der Anwesenden widerlegt, worauf sie die Antwort schuldig blieb. Die Zu- stände in der Fabrik von H a k s ch, wo unter gleich traurigen Zuständen noch schlechtere Löhne gezahlt werden, sollen in einer späteren Versammlung besprochen werden.— Der Vertrauensmann der Färber und Berufsgenassen, Gose märker, erstattete den Bericht, wonach im letzten Quartal 5 öffentliche Versammlungen stattgefunden haben und 42,57 M. eingenommen und ausgegeben wurden. Die Revisoren bekunden die Nichtigkeit der Abrechnung, worauf die beantragte Entlastung erfolgt. Als Vertrauensmann für diese Branche wird nunmehr Läpple gewählt. Nach einer dringenden Mahnung an alle in diesen Fabriken beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter, die künftigen Versammlungen_ zahlreich zu besuchen, den„Vonvärts" zu lesen, und sich der Organisation. dem Verbände der Textilarbeiter:c.. anzuschließen, erfolgte Schluß der Versammlmig. Die Tapezierer(Filiale Nord) hielten am 3. Oktober ihre Mit- gliederversammlung ab. Nach einem einleitenden Referate der Genossin Frl. Ida Altmann über Goethe und seine religiösen Anschauungen, wurde der Situationsbcricht der Lohnbewegung gc- geben. Bei den niit Herrn Töpke gepflogenen Verhandlungen habe Herselbe erklärt, mit den bei ihm arbeitenden Leuten(d. h. den von der hiesigen Innung gesandten sechs Meistern) auszukommen uiid gebrauche er die Berliner Gehilfenschaft nicht, und ist deswegen die Sperre verhängt worden. Ebenfalls sind bei der Firma Lichtenstein die erst kürzlich bewilligten Forderungen zum Thcil wieder rückgängig gemacht worden. Dort werden täglich drei Ueberstnnden gearbeitet und die erst abgeschaffte Accordarbeit ist wieder eingeführt. Den daselbst beschäftigten Werkfiihrer Dubasch treffe die meiste Schuld. Derselbe war, obgleich gewerkschaftlich organisiert, von vorn- herein gegen die minimalen Forderungen und zwar nur aus dem Grunde, weil er einen Ausfall seiner ihm zustehenden Prozente be- füchtete.— Nachdem noch auf die Gründung der Fachschule hin- gewiesen, deren Bericht später kommen wird, erfolgte uin �»12 Uhr Schluß._ ffiie den Inhalt der Iuscrale übernimmt die Skedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantwortnng. Freitag, den S. Oktober. Opernhaus. Margarete. Anfang 7V, Uhr. Schauipielhaus. Maria Stuart. Anfang 7 Uhr. Deutsches. Cyrano von Bergerac. Ansang 7»/, Udr. Lcssing. Als ich wiederkam Anfang 7V, Uhr. Berliner. Zaza. Ansang Uhr. Schiller. Nora. Anfang 8 Uhr. Neues. Kiwito. Anfang 71/2 Uhr. Westen. Linda von Ehauwunix. Anfang 7>/,Uhr. Thalia. Der Platziiiafor. 7'/, Uhr. Residenz. Iagdfreudcn. Familien-Souper. Auf. Luise». Molly Carrs. 8 Uhr. Ccutral. Die Welsha. 7V, Uhr. Ostend. Geschloffen. Bictoria. Die weiße Henne. fang 7-/, Uhr. Friedrich< Wilhel», städtisches. Die Reise nach der Tcusclsinfel. Anfang 8 Uhr. Metropol. Rund um Berlin. Im Reich« der Secession! Anfang 8 Uhr. Ilpollo. Frau Luna. Dpeclalitäten- Vorstellung. Anfang 7'/, Uhr. ReichShallen. Stettiner Sanger. Aiisang 8 Uhr. Palast. Spreelottchen. Speciali- täten-Borstellung. Ans. 8Vj Uhr. Passage> Panopittnni. Speciali- tntcli-Vorstcll»»g. Urania. Iuvalidrnstr. 67/62. Täglich abends von s— 10 Uhr: Stcriilvartc. Taubeustr. 48/4«. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. T'jmlm-TIikalkr. Tel. AmtlVa 6440. Dresdeneretr. 72/73. Zum 27. Male: Der Platzmajor. Thema«, Tieischer, Helmerdlng, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mutoskop- Terzett. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Anfang Vorher: 7l/z Uhr. Ansang Anfang A». SiMtt-Thellter (Walluer-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Xoi-l». Schauspiel in 3 Akten v. Henrik Ibsen. Sonnabend, abends8Uhr: JVora. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: üluria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Ehre. Metropol-Theater. Behrenstr. 55 57. Direktion: Itichurd Schulz. Sensationeller Erfolg! Der Schlager der Saison! Täglich anSvcrkanft! Jubeln! Lachen! Staunen! Um 9 Uhr: Nund um Nrrlin. Berliner Lolalrevue v. JulinS Freund. Musik von JuliuS Einödshofer. Mit feenhafter Ansslatlung: Um 10$ Uhr: Im Reiche der Secession. Ferner das drill. Oktober-Prograuiiii. Ansang 8 Uhr. zriedrilli-Willitliilst. Thtilttt' Chaasseeetr. 25/20. AbendS 8 Uhr: Zum 27. Male: Dic Reise ilchdttÄilDiiisel Burleske Abenleuer-Poffc mit Gesang und Tanz in 5 Alten von»»» Musik von Albert Wichen In Scenc ncscbt volii Dir.Mar Sams!. 1. Bild: Auf zu Dreysiis. 2. Bild: Vterbündcte Machte 3. Bild: glttcntat und Verrat. 4. Bild: Das belagerte Haus. b. Bild: Tic vlerichtsverhaudluiig. 8. Bild: Apotheose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Morgen, Sonnabend, 7. Okt., nachm. 4 Uhr: Gr. Kindervorstellung: Der Rattenfänger von Hameln. Sonntag, den 8. Ott., nachm. 4 Uhr zu kleinen Preisen: Der Trompeter von Täkkiugeu. Ulrania TnuheiKitraMae 48/40. Im Theater abends 3 Uhr: Die norwegische Nordpol-Expedition auf derFram. luvalidensitr. 57/0*5: Täfll. Stern warte. Nachmittags 5—10 Uhr. Passage-Panopllcuin Geöffnet von früh bis abends. Compagnia e. Posllippo. Italienisches Instrumental und Vokai- Ensemble. Lstkild-Klir! Weiß- Theater. Gr. Frankfnrlcrsirasie IS». DM" Dekorativer u. maschineller Schwleriakeiten wegen bleibt das Theater heut geschlossen. Morgen, Sonnabend, zum erstenmal: Der Weltuntergang Grobes Ausstattunasstück mit Gelang in S Akten(14 Bildern) aus dem Engl, des I. Smith, für die hiesige Bühne eingerichtet vom Dir. Karl Weib u. Jos. Dill. Gesangstexte von I. Dill. Musik v. M. Fall. Anfang 8 Uhr. Die bereits zum Freitag gelösten BilletS behalten für Sonnabend ihre Gültigkeit. Soimtagnachmittag 2t/« Uhr: Freie Volksbühne, III. Abteilung: Faust. Contvttl Thenkev Direktion: lose sserencrx. Die Geisha oder: Eine japanische TheehanS- geschichte. Anfang 7>/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen:«Tie Fledermaus� von Johann Straub. Rosalinde: Laura Wallerstew a. D. Adele: Marie Mauel a. D. Clrkni) Unsch. Heute, Freiiag, den 8. Oktober er., abends 7t/z Uhr: Humoristisch. Wjend. Charivari, ausgeführt von 100 mann- lichen u. weiblichen Clowns! Clown vanlels als Champion-Boxer. Olympische Spiele der römischen Cäsaren- zeit. Frl. hlartha Molmke, Schul- reiterin. Sportsalt: a) Polo zu Pferde, h) Nachtmützen- Rennen. Q)Bicycle-Wettfahreli. Die wunderbar dressierten Seclöwcn und Seehunde des Kap iVehh. Auftreten der gesamten Clowns! Morgen, Soimabend: Cala-Abend. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: FrauEjima/ mit dem sensationellen Luftballett: „Origolatis". Olto keuller The Barras Cbavila Yumata Tiero Blossoms Francis Gerard etc. etc. etc. Kasseneröffnung; O'/j Uhr. Anfang der Vorstellung 7l/j Uhr. Vorverkauf täglich ImTheater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. CASTÄNS PAKOPTICÜMl 165. Frledrichstrasss 165. Mpn I Die heulenden L'aiil IlCU, und tanzenden""U. JDcrwIscSte kaut* Ober-Aegypten! |Ohm Kröger* Oreyfusj Mercier* Zola. Victoria-Theater C. Alexanderstr. 40. Fern so VII 1711. Direkl.; V. Bausen wein u. C.Emmerich. Ansang l/ß Uhr. Zum 27. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Novität! Die weisse»enne. Novität! (La poule blanche). Vandcville in 3 Akten von Hennequin und MarS. Deutsch v. Bolten-Bärkers. Musik v. V. Roger. In Paris mit feiisat. Erfolge über 500 mal gegeben. Palast-Theater _ früher__ Feen-1'ulaMt. Burgstraste 22 Das durchweg neue riesengrobe Oktoder-Programm. Zum 1. Male in Berlin: Vasilescii-Trio. Unübertreffliche Meister- Hochturner am sechsfachen Luftreck. In dieser Dollendung noch nie dagewesen! Novität l Um 81/2 Uhr: Novität I Susanne im Dade. Original-Burleske m. Ges. m 2 Bildern. Hauptrollen: Rieh. Winkler und Wilhelm FrBbel. Ansang 7Va Uhr. Sonntags 6 Uhr. Kassenöffnung 1 Stunde vor Ansang. Billet-Vorverkauf vorm. v. 11—1 Uhr. �Uoajzar-'I'Iioater Variet<5 I. Rnngea Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Austreten von absolut erstklassigen sveeialitäteil Anfang: Wochentags 3 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf. 2368L») Tie Tirckiio»: Richard Winkl« r. NeichShallen. Täglich: Stettiner Säuger lMeiiscl. Plekro, Briila», Sloidl. Krone. K i r ch m a y c r, Schneider und Schräder). Zum Schluß: StnckeS Pfingftfahrt. Ensemble v c n Mensel. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tageslaffe 11-1 Uhr. Sanssouci Kottbnseratr. 4 a. Täglich auber Sonnabends SolTmaavs Norddeutsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 u. b0 Pf. Sonntags 7 Uhr. Eutree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tan�-KriLnzehen. W. Noacks Theater, Heute, Bruniieiistrabe 16. Freitag, den 6. Oktober Der Stabstrompeter. Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Mannstädt. Musik von Steffens Jeden Sonntag, DieuStag und Donnerstag nach der Vorstellung:. Tanzkränzche». laehrs Theater Oranlenstr. 24. Rost» m dem Mtn. AuSstattungs-BurleSke.. Tos großartige Oktober- Programm. Elsa Messer, Kostüm- Soubrette. Mstr. Pauly, Conlorfionlst. Mstr. Döbbrick, Champion-Handstandkünstl. Franziska Held, Soubrette. Gustav Eulenburg, Humorist. Anfang 8 Uhr. Sonntags G Uhr. Vorzugskarten an Wochentagen gültig. Trauer-' KrällZ© C. Jürgens Boiiguet- und Krauzbinderei Kotthnserstr. 3. Wasserthorstr. 69. Achtung, Wcistensec! Empfehle allen Parteigenossen, Kol- legen, Freunden und Bekannten mein Weist- und Bayrisriibier-Lokal. A. tjiartx,[t92* Lehder- und Friedrichstraben-Ecke. Die als Neisemnsterbenntzten Damen- Kostlimröcke von 4,50—3 M.. lacken- kostUme von 6—18 M., Golfcapes, Staub- u. Regenmäntel von 4,50— IvM. stelle am 6. u. 7. Oktober zum Einzel- verkauf. IHnrit!» ShntNch, 146/1!)* Taubeustr. 23, II. ophastoffe auch if&~ in Rips, Damast, Eröpe, Pliantasir, Gobelin und Plüsch spottbillig! s2420L* rmiiea traue»! in allen Onulllftlen zu Fwrilpreifon, Berlin S., Oranirnstr. Rr. 158. 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Die tieftrauernden Hinterbliebenen J. Krüger u. Kinder, Rixdorf, Zicthenstrahe 38. Di« Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Neuen Rixdorfer Kirchhofes, Ru- dowerstraße aus, statt._[30346 Bon der Reife zurück. 30886 Dr. Joseph Löwenstein, Kl. Erankfnrterntr. 5. KraM-UllttMilllgs- u) Legriiblllskilsse her Zederzurichter Berlins (E. H. Nr. 50.) Sonntag, den 14. Oktober, vor- mittags 11 Uhr, Weinstraße 11 bei Feind: 3085b Geilttlll-Versltiümhliig. Tages- Orb n n n g: 1. RechnniigSlegnng vom dritten Quartal 1800. 2. Wahl der Revisoren. 3. Geschäftliche Mitteilungen. Her Veiritaud. I. A.: G n st av V u s s e. 17 Soeben erschleytAi CJasseibst- und Fernztilidern ist in den Räuinen der Magdeburger Feiicrpcrsictieruiigs-GeseNschaft, Eingang Ziinmcrstrabe Nr. 25 I. Etage, läglich von vonnittags II Uhr bis rachmittags 5 Uhr geöffnet. Die Besichtigung steht dem Pudliknm gratis z r Verfügung und ist jedermaiin, besonders Besitzern von Schaufenstern zu -mpfehlen. Sriilusi der Nusstekliing Sonnabend, den 7. Oktober, nachmitlagö 5 Uhr. 26S0L IJnliiniii der Sattler Deutschtaiids. Filialen Berlins. Am Sonnabend, den 44. Oktober 189», in den„Ceutral- Festsnle»", Alte Jakobstrasie ZS: 11. Stiftlmgs-Fest. Auftreten der Gesellschaft Straelewlca, sowie des Gesangvereins der Sattler. Festrede, gehalten vom Kollegen Assmann. Anfang SVa Uhr. Eintritt inkL Tanz Herren G.liü M., Damen 9,49 M."VK Empfehle allen Freunden und Partei- genossen mein neues Lokal Bismarkt- straffe 34. VereinSziminer, 120 Personen saffend. Jeden Sonntag uinsikalische Unterhaltung. 2677L* H. Wernlcke, früher„Bismarckshöhe". Oiljarloitfnliüii. Wilhelmsbad, Charlofttenburg, 109 Berlinerftr. 109, empfiehlt speeiell heiße Saud-, Trockenluft-, Loh-, Tannin-, Dampfbäder, täglich für Damen und Herreu von 8 Uhr morgens bis S Uhr abends, Sonntags bis 1 Uhr. Bäderliefenmg für sämtliche Krankenkassen.[2586L» Zähne 2 Mk 10 Jahre Garantie. 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Ter Verlag war inSbelon- der« destrebt, auch den diesjährigen Kaieuder au einem praktischen Nachschlagebuch für GewerHschaften in gestalten.> «Znchhandlunz PorwSrt» ptrllu SV., gtutljfir. 2. Alsjtitng! Mlim Hos. Besonderer Umstände halber ist der Xoten-Soniitag frei und dieserhalb an einen grasten Verein abzugeben. Ldsrlotlenburg. Allen Freunden und Parteigenossen zur Kenntnis, daß ich Schillerftr. 91 ein Grünkramgeschäst übernommen habe.<3. Wilke, Tischler. Brauerei ouui 2573L* Vertnitr Büren 35 Wetktttbttrgerstr.33. Täglich von 7 Uhr siüh biS 7 Uhr abends MäBin-neckaus (Branerei-Abzug). ■ Vorzugspreise an Kantinen und Fabriken ohne Zwischenhändler. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute. Freita». abends 8-/, Uhr. bei«olm. Beuthstr. 20-81. Sitzmig der Orts- Vei'waltunjg. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Bezirksverfammlung für Friedrichsberg »w 8»ni»t»xx, So» 8. Vlktod«? RSVV, vorn». UV« Uhr, im Lokale deS Herm Unntoa, Franlftnt« Allee 174. TageS-Ordnung: l W!e stellen stch die Korbmacher zu einer Vollndeweguna. Referent: Kollege G. Voigt. 2. DISkusston. 3. Werkstattongelegenhetlen gßf Sämtliche Holzarbeiter find verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Versammlnng der miRKStZSI? findet nlcht statt. Die Kollegen werden ersucht, sich an der am Sonntag stattfindenden Versammlung der Ortö-Krankcnlafle der Tischler und Pianosorte-Arbeiler Beriins zu beteiligen. 122/13 XB. Xar Bcachtnnc fMr forden. Die Zahlstelle V, Swiiiemiinderstraste 96 ist nach Swtnenilinderstrahe 81 oerlegt. In der Gartenftrnste 162 bei Vlion»»» ist eine Zahlstelle eingeriiWet Fitr MUdweMten ist die Zahlstelle von Zubeil, Lindenstrahe 10», nach Mark- grafenftraftc 102 bei 8r»»« verlegt. ____ Die Ortover-wnltoBC. Lerbanii her Bau-, Erh-u. gewerbl. SilsSgrlititer Deutslhl. Zahlstelle Berti» 1. Mitgli-der-Uersammlung mit Fraue« a« Sonntag, de« S. Okt.. nachm. 6 Uhr. Alte Jakobstr. 7b(PaK.-Saay. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 13vg. 2. Naturerkenntnt» und Welt. fortschritt. Referent: Genofle 0. Vollkeim. S. DiSlussio». 4. Verbands. Angelegenheiten.*5/8 Nach der Versamml«g: Gemütliches Beisammensein. Die Mitglieder, welche im Besitz von BilletS zur Sternwarte waren, werden ersucht, in der Versammlung hterniit abzurechnen. Die günstigsten Beobachtungen durch das Riesen-Yermoht find vorzunehmen: Sonntag, den 1«. Oktober, nachmittag» 1V,-10 Uhr. Sonntag, den 28. Oktober, nachmittags 7V,-10 Uhr. Sonntag, den 5. November, nachmittags 81/»—«Vj Uhr. Sonntag, den 12. November, nachmittags SV,-10 Uhr. Sonntag, den 19. November, nachmittags tt'/,— 10 Uhr. Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags Z-10 Uhr. __________ Die OrtSverwal tnng« VlÄtkunn»"VlI üSf jfititutx» Mitglmer hes Verbandes her Bau.««h ßeuieMlhe« Hilssarbeitcr Deutschlauds lZahißelle Berlin lll). Sonntag, den 8. Ottober, vormittags 11 Uhr. im Bereinslokal von liran», Badstraste Nr. 12 t Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben Um regen Besuch bittet 4S/7_ Die Ortsverwaltnng. I A.: Otto Scdmlitt Tiftlzlev- Vevein. Sonnabend, den 7. Oktober, abends 8»/, Uhr, Melchiorftraste ISt General-Berfammlung. TageS-Ordnnng: 1. Abrechnung vom Z. Quartal ISSS. 2. Bericht über die vtbliothel. Z. VercinSangelegenheiten.— Ausgabe der Billcts zu dem am 21. Oktober stattfindenden Stistungsseft.— Mitgliedsbuch legitimiert. 190/5 Der Vorstand. Verein der Bauanschläger Berlins uttd Ilmgegend. Am Sonntag, den 8. Oktober, vormittag» 10V, Uhr, bei Bnake, Orcnadierstrasae 83: VevfamntltutQ. Tage»- Ordnung: 1. Ausnahm« neuer Mitglieder. 2 VereinSangelegenheiten. 8. Verschiedene» und Fragetasten.[33/11] Der Vorstand. Beiträge werden nur zwischen 10 bis 11 Uhr angenommen. Dkrimd der Satiler. Tapeziem und vcrm. Berufsgenossen(Filiale Berlin I>. Am Tonuabend, de» 7. Oktober» abends 8 Uhr, im Lokale „Englischer Hos". Nene Roststr. 8: Mrlgliedtei».15«i»ssnHRHHkiiig Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die Schäden der Hausindustrie-. Meferentin Frl. Ola»>a Baase. 2. Diskussion. 3. Berschtedenes. 157/11 Um zahlreiche? und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Alhtung! IToIirSr. Sil» Sonntag, de» S.Oktober, nachmittag? 8 Uhr, im Lokal des.Herrn Frlta XV 11k e, AndrcaSstraste 86: Oesfentliche Versammlung der Rohrer Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:..Nutze» und Wert der wewerk- schastS-Orgamsation-. 2. DtSlussion. 3. Wie stellen sich die Rohrer zur Gründung eines Vereins? 4. Eventuelle Wahl eineS provisorischen Bor- staudeS. b. Verschiedenes. g094b Rege Beteiligung erwartet Der Elnbernfer. Samariter Ä Kursus für Arbeiter and|| Arbeiterinnen. V 0 g t 11 11 des Winter-Kursus 18V9— IVOd om S.Oktober in der Centrale: Restaurant„Dresdener Garten", Dresdener- straste 45, und am lk. Oltober in der Filiale bei A. Neumann, Brunnen- strafte 150. Veginn jedesmal abends 9 Uhr. Jeder Arbeiter und Arbeiterin ist hierzu eingeladen. 155/12 Der Besuch der ersten beiden UcbungSabende steht jedem alS Gast frei. Emil Stein, Vorsitzender, Georg Hellmuth, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 40. Berlin 0-, Langestraße 2J. Mim! Putzer. Achtum! Sonntag, den 8. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Lokale „Arminhallen", Kommandantenstr. 20: Mitglieder- Versammlung der Zahlstelle Berlin 1. des Centralvrrb. der Maurer Deutschlands. TageS- Ordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung und daS Verhalte» ein- zelner Kollegen»nd Mitglieder. 2 VereinSangelegenheiten. Btf* Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist daS Erscheinen sämtlicher Mitglieder notwendig. 191/17 Die L/okalverrvaltang. Achtung! Ächtung! VamrlMr MMf-Vritz. Am Sonntag, den 8. Oktober, nachmittags I Uhr: OsfkKiräB. ¥ersametil?jng- Dcr wichtigen Tagesordnung wegen ist es Psiicht eines jeden Kollegen, zn erscheinen. 43/S I. A.: J. Kiesan. Gr. Mäunervortrag. Heute, Freitag, in.Sanssouci-, Kottbuserstrafte 4», über Geheime Leiden. Der Dortrag wird an großen Lichtbildern vom vrakt. Naturheilkundigen Grundmum erklärt»Nd ist für Männer sehr wichtig. Gäste für 20 Ps. 1 Broschüre. Anfang SVt Uhr. verlin er N a t u r h«il>v« rein. Unterrichten Sie stch! über das MtetSrecht nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. ErschSpfende Auslunst hierüber giebl die Broschüre:[2öl0L« A- Rechte«d Pflichten w Mieters von Rich. Lipmsli. Preis einfchlieftlich Porto«8 Bfennlge. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen uud den Verlag von Bloh. Lilplnakl, Leipzig. Reudniberstrafte 11.____ für Hüte auszugeben, man erhält auch zu billigen Preisen gute Sachen, wenn man die richtige Bezug?- guelle kennt.[23762* KnabenfllzhOte 8.0,759t. an HerrenfilzhQte. 1,60.. Cyllnderhate, 4,—,, ElntegnunaihDt«l,25.. Plflschhüte.7,00.. Chapeeux claques zu 8,—, 9,- n. 10,- M. tm Einzelverkauf bei Arnold& Eggert Hut- Engro», Lager Waldemars«?. 44, pt. 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Werkmeister, Fabrrkangestellte und andere Personen, welche einen großen Bekanntenkreis haben, können sich auf leichte und höchst anständige Weise einen sehr lohnenden Nebenverdienst verschasten. Zu näherer Auskunst btn ich an Wochentagen vonnittagS?>/, bis 9 Uhr und nachmittags 7 btS 8 Uhr, am Sonntag nur vormittags 7»/, bis 8»/, Uhr mündlich, sowie auf Anfrage auch brieflich gern bereit. A. Sabor, Berlin W., Passauerstrafte 37, Garten- Hans recht« III._ 3091b Elektrotechnik. Neue Abendkurse für Schlosser. Mechaniker und ver- wandte Gewerbe zur Ausbildung als Maschinist, Elektromonteur. Werkführer zc. Man informiere stch durch Prospekte und erkundige sich bei Schülem der Anstalt über die erzielten Erfolge. Jackson, Alte Jakob- strafte 24._ 30896 Zahnärztliche» Institut Jnva- lidrnstrafte 107, parterre,»linikp reise. 10-12. 3-8. t®3r Nnfallsachen. Klagen, Eingaben. Putzger, Steglitzerstrafte 65. 1891!* �rdeitsmarkt. Stell enan g eb ote. Musik< Lehrlinge stellt ein Oskar .Held. Mrrsikdirektor tu Jüterbog.[20546 Sleiterer Gefangvcreiu sucht einar Dirigenten für Mittwoch. Offcrleli sind zu senden au Heinrich Engel. Görlitzerstrafte 38, vom 4 Tr. 166/6 Klempner für Gas und Wasser verlangt Schäneberg, Hauvtftrnfte 09 Arbeiter verlangen Brandenburg strafte 20, Hos links parterre.[3v81b Rollkutscher, tüchtige, Ufer 44 gesucht. Elisabeth 3083b A. v. Arbeitöburschm gesucht. chulze, Oranienstrafte 185. Belegerinnen für Goldletsten. auch solche, die«S erlemen wollen, verlangt Ed. DurzynSki, Neu-Weiften- see, Streustrafte 42.__-f«2 Kravatten> Vorarbeiterinnen ver- langt Supps, Wienerstrafte b8b, Eck- ausgang. �73 Damenkragen-, Manschctten- näherinnen verlangt bei höchsten Preisen. Jannufchek, Brminmstrafte 16, Ausgang 4._ 76/19 Maschineuspuleri» findet sofort Vcschästigung bei Laer& Sohn, Wallstrafte 67. 3090b Etilfastfranen, Wendefrauen, Filz- schuhfabrtt, Lmidsbergcrstr. 92,[3037 b Drnhthefteriuneu verlangt die GeschästSbüchersabrtk, Holzmarltstr. 67. Paginicrerinuen verlangt die Äeschästsbüchersabrik, Holzmarktstr. 57. Arbeitert» verlangt Bergoldcrei, Hollmannstrafte 24. 30716 B l use» h emde»-Arb eiterinneir auf Bordcrtcile, Kragen, Manschetten, Zu- samnieyietzen und ganze Blusenhemden im Hanfe und aufterm Hause gesucht. Eugen Lichtensiein. Biichosstr. 19/20. Eartoiiarbeitcrinnc», geübte, verlangen Day u. Co., Oranien- strafte 6, II. Aufgang. 115/18 Mädchen, junge, 14—16 Jahre, für leichte Fabrikaiionsarbeit ver- langen Day u. Co., Oranienstrafte 6 II. Aufgang._ 115/19 Schirmnäherin, dauernde Aröeit. Wochenverdienst 30 Mark, verlangt Schirmsabrik, Wallstrafte 11. 307öb Im ArbeitSmarkt durch besonderen Drurk hervorgehobene Anzeigen kosten 40 Pf. pro Zeile. Achtung! Achtang! mg! Acnr Nabitzpntzer u. Plattenanfsteller. Der Arbeitsnachweis befindet sich jetzt Kommandantenstr. 65, im Lokale des Herm Ladewig. Die Arbeitsvermittlung findet von 8-9 Uhr abends statt. Auch werden dort jeden Sonntag oon 10— 12 Nhrvor- mittags Beiträge entgegengenommen. Die Ortsverivaltinig. ID-lgUlltergtstth-Ldjloßer, mehrere tüchttge AdjUlÜhC für Waggonbau finden sofort dauernde Beschäftigung bei guten Accordsäyeu. I268ÜL Waggonfabrik, Deutsche GaS< bahu-Gefellschaft. Dessau veiagattnnen, geübt auf Goldleisten, finden dauernde Beschäftigung bei August Werkmeister, Brmmenstr. 194. Annahme-Stellen für„Kleine Anzeigen". Osten: Robert WeugelS. Fmchtst,. 30, H. L. Bogel Wwe.. Soppmstr. 83. Ehr. Schultz. Blumeustr. 14. Vwrdoaten: I. Renl, Bamimstr. 42. Xardcn: W. Gahma»». Grünthalerstr. 65. Karl Mars, Kastanien-Alle« 95/9«. Emil Stotzeubnrg, Wiesenstr. 14. L. Dechand. Ruheplatzstr. 24. H. Bogel. Demminerstr. 32. A. Die«?. Jnvalidmstr. 124. A'vi'drvcstcn: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. tSitdrvcstcn: ?. Oh n e so rg e, Be rgmaim ftr. 23, H. II. . Schröder. Kreuzbergstr. 15. SiUden: Hans Baake, Dresbenerstr. 52/53. F. Gutschmidt. Kottbuser Damm 8 Südosten: Fritz Thiel. Slalitzerstr. 35. W. Gesche. Wrangelstt. 58. Wiartin Mescha. Adalbertstr. 24. Ocntranr: P. Horsch. GipSstr. 27. A. Dietz, Breirestr. 23. Cliarlottcnhnrg: Gusi. Scharnberg. Schillerftr. 841. Vrlcdenaa: H. Bernsee. Kirch str. 15. Fricdrlchsbcrg: Union Kopp, Friedrich Karlstr. 4. Pnnkaw: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Hlxdorf: E. Ostermaiin, Ercksir. 6. E. Retzerau. Hennannstr. 50. «■»chttnchcrg: Wilh.Bäuullcr.ZlpoftelPauluSstr.lS Weisscnseo: Heinrich Bachmaim, Lehderstr. 1. Julius Schillert. Königchauflee 39». Rod. Liebschwager. Gustav-Adolf- strafte 16. Verantwortlicher Redaclcur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke tn Berlin. Druck und Verlag von Max Badiog in Berlin.