NnttthaltungMatt des Horwürts 231. Mittwoch, den 21. November. 1901 (Nachdruck verboten.) 20] Ronran von Bret Harte. DieLichtung war leer, zwar ließ sich ein leises Rascheln inden Lorbeerbäumen vernehmen, doch kein menschliches Wesen war zu entdecken. Dennoch schien das alte Gefühl der Sicherheit und Einsamkeit, welches seit Mc Kinstrys Bekenntnis schon nicht mehr das nämliche geblieben war, die Waldschule gänz- lich geflohen zu haben; in einigem Aerger verschloß er darum sein Pult und entschied sich, nach Hause zu gehen. Sein Weg führte sonst durch die erste Fichtengruppe nach dem Grubenfelde, allein heute hieß ihn eine unbestimmte Eingebung den Weg längs des Waldrandes einschlagen. Er war noch nicht weit gekommen, als er Rupert Filgen und weiter hin dessen Brudet Hans bemerkte. Bei dem Anblick dieser beiden Lieblingsschüler überkam es Herrn Ford wie ein Vorwurf, daß er sie in letzter Zeit vernachlässigt habe, vielleicht weil Ruperts hochmütige Verachtung des„ein- fältigen" Geschlechts ihm nicht mehr so viel Vergnügen be- miete wie früher, vielleicht auch, weil Hansens Neugierde ihm zu Zeiten unbequem gewesen war. Er beschleunigte seine Schritte und trat zu Rupert, dem er wie ehedem die Hand vertraulich auf die Schulter legte. Zu seiner Ver- wunderung nahm der Junge diese Freundlichkeit mit einer gewissen Zurückhaltung auf, wobei er unruhig nach Hans hinschaute. Ein plötzlicher Gedanke kam dem Lehrer. „Hast Du eben ins Schulzimmer hineingesehen?" „Nein, Herr Lehrer." „Du hast nicht durchs Fenster gesehen, als ich noch da war?" forschte jener weiter. „Nein, Herr Lehrer." Der Lehrer sah Rupert fest an. Wahrhaftigkeit lag in Ruperts wildem Charakter, obgleich, wie der Junge oft mit Bitterkeit gestanden hatte, das ihm immer zum Schaden ge- reichte. „Gut," sagte der Lehrer, von der Wahrheit völlig über- zeugt.„Dann muß ich mir's eingebildet haben; aber mir war, als sähe jemand hinein— oder ging am Fenster vorbei. Inzwischen aber warf sich Hans, der das Gespräch ge- hört und sich genähert hatte, plötzlich auf seines Bruders Beine und begann unter unverständlichem Gemurmel daran hcrumzuzerren. Ohne nach unten zu sehen, sagte Rupert ruhig:„Laß das jetzt— ich will nicht, hörst Du," und machte einige Bewegungen, um Hans von sich abzuschütteln. „Was giebt's, Hans?" fragte der Lehrer, dem diese Zerre- reien nichts Neues waren. Hans antwortete nur mit einem abermaligen Griff nach Ruperts Hosen. „Ja, Herr Lehrer", sagte Rupert, der allmählich wieder zutraulicher wurde,„Hans will, daß ich Ihnen'was sagen soll. Wenn er nicht der niederwächtigste Lügner in ganz Hndianerbrunn wär'— wenn er nicht schon morgens im Bett Lügen ausdenken möcht' für den ganzen Tag, dann hätt' ich's Jhn'n schon vorher gesagt. Weil Sie aber fragen und weil Sie denken, Sie haben einen am Schulhaus gesehen, will ich nur sagen, daß Hans gesehen hat, daß Seth Davis herum- spioniert und Jhn'n überall folgt. Er sagt, er wär' Ihnen nachgeschlichen." „Mit'm Messer und Pistol," fügte Hans zur Vervoll- ständigung hinzu. Herr Ford sah scharf von einem zum andern und mit einem gewissen Argwohn, daß sie von seiner letzten Affaire mehr wüßten, als aus Hansens Worten zu er- kennen war. „Und was denkst Du davon, Rupert?" fragte er leichthin. „Ich denk', Herr Lehrer," entgegnete Rupert,„wenn Hans wirklich nicht lügt, daß es am End' Cressy Mc siinstry ist, der Seth nachspürt, und weil sie Ihnen immer nachrennt—" er hielt inne, und da er unter heftigem Erröten merkte, daß ihm seine verhängnisvolle Wahrheitsliebe zu einer Unzarthcit gegen den Lehrer verleitet hatte, fügte er hastig hinzu:„Ich mein', Herr Lehrer, am End' ist er eifersüchtig auf Onkel Ben, der nun reich genug ist, daß er sie kriegen kann, und weil er weiß, daß er nachmittags in die Schul' kommt, vielleicht—" „Das ist es nicht!" fiel Hans schnell ein.„Seth ist da an der Schul' und Cressy ißt bei dem Konditor Eis mit Onkel Ben." „Na, wenn das ist, dann weiß es Seth nicht. Du Dumm- köpf!" entgegnete Rupert scharf. Dann fuhr er, gegen den Lehrer gewandt, höflicher fort:„Das wird's sein! Seth hat gesehen, wie Onkel Ben mit Cressy'rumscharmuziert, und denkt, er wird sie mitbringen. Meinen Sie nicht auch?" Doch dem Lehrer war nur eines klar: das Mädchen, das erst vor zwei Tagen es leichtfertig ihm überlassen hatte, die kompromittierende Situation ihrer Mutter zu erklären— dieses Mädchen, das ihn in einen Grenzstreit verwickelt hatte unter Gefährdung seiner Stellung und ihres guten Rufes, aß ruhig Eis mit einem annehmbaren Verehrer, ohne an die Vergangenheit zu denken! Die Folgerung war vielleicht un- logisch, aber jedenfalls nicht angenehm. Sie war um so unerfreulicher, als nicht nur die schönen Augen Ruperts, sondern auch die runden des kleinen Hans mit einem Aus- druck von ahnungsvollem Mitgefühl auf ihn gerichtet waren. „Ich denke, Hans glaubt, was er sagt— nicht, Hans?" fragte er lächelnd, mit erzwungener Gelaffenheit;„aber ich sehe augenblicklich keine Notwendigkeit, Seth Davis zu zwingen, daß er Frieden halte. Erzähle mir von Dir, Nup. Ich hoffe, Okel Ben denkt nicht daran, jetzt, da er reich ist. seinen jungen Lehrmeister zu entlaffcn?" „Nein, Herr Lehrer." entgegnete Rupert fröhlich,„er hat mir versprochen, er will mich nach Sakramento mitnehmen als Privatsekretär oder Buchhalter, wenn— wenn— er zögerte wieder in ungewohnter Scheu,„wenn alles so geht, wie er will." Er hielt inne, und seine braunen Augen ver- düsterten sich.„Am End', Herr Ford, macht er bloß mich zum Narren— und— sich selbst." Des Knaben Augen suchten neugierig den Blick des Lehrers. „Das weiß ich nicht." entgegnete Herr Ford verdrießlich bei der Erinnerung an Onkel Bens Sieg über seinen eignen Unglauben;„bisher hat er sich ja noch nicht als Narr oder Großprahler erwiesen. Mir scheint Deine Aussicht eine schöne und ich wünsche Dir Glück dazu, mein Junge." Er strich wie früher liebkosend mit der Hand über Ruperts Locken, um so zärtlicher vielleicht, als er in den braunen Augen des Knaben Anzeichen von Sturm und Regen zu gewahren glaubte. „Lauft beide nach Hause und kümmert Euch nicht um mich." Er wandte sich weg, allein schon nach wenigen Schritten fühlte er ein Zupfen an seinem Rock. Sich umsehend gewahrte er den kleinen Hans.„Auf diesem Wege gehen.j sie nach Hause," flüsterte er, sich emporrichtend. „Wer?" „Cressy und er." Doch bevor noch der Lehrer auf diese gut gemeinte Mit- teilung anfworten konnte, war Hans wieder zu seinem Bruder geeilt. Die beiden Knaben winkten ihm mit geheimnisvollem Mitgefühl zu, bei dem er nicht wußte, ob er lächeln oder erzürnt sein sollte. Dann verfolgte er seinen Weg weiter. Doch— wohl nur aus dem Grunde, weil er niemand zu be- gegnen wünschte— als er die Stelle erreicht hatte, von wo der Pfad direkt ins Dorf hinabführte, schlug er einen weiteren Umweg durch den Wald ein. Die Sonne stand bereits so tief, daß ihre Strahlen unter den Aesten in den Wald drangen und den schlanken Fichtenstämnien einen goldigen Schimmer verliehen, während das dichte Gezweige darüber in tieferem Schatten lag. Indem er in diesem gelblichen Dämmerlicht lautlos über den weichen, elastischen Nadelteppich hinschritt, schien es dem Lehrer, als wandle er im Traum durch den Wald. Kein Laut war zu vernehmen als der gleichmäßige Doppelschlag des Waldspechtcs oder schläfrige Töne von einem früh zur Ruhe gehenden Vogel; alles, was an die Ausiedlung und an menschliches Dasein erinnerte, schien weit hinter ihm zu liegen. Es dünkte ihn darum wie der freundliche Gruß eines Waldgeistes, als auf einmal sein eigner Name matt zu ihm herübertönte. Schnell wandte er sich um; Cressy eilte hinter ihm! Wie sie so daher kam, mit zusammenge- rafften toeifjcn Nocken, barhäuptig, den schlanken Nacken nach vorn gebeugt, das fliegende Haar vom Hute befreit, der cm den Bändern über dem Arme hing, hatte sie eine Achnlichkeit mit einer verfolgenden Eumenide, die ihn einen Augenblick stutzig machte. Er blieb stehen; sie sprang auf ihn zu, schlang lachend die Arme um ihn und hing atemlos an seinem Halse. Nach- dem sie dann wieder zu Atem gekommen, sagte sie langsam: „Ich bin im Jndianertrab hinter Dir hergekommen, seit Du vom Weg abbogst, aber Du bist so schnell gegangen, bis ich Onkel Ben abgeschüttelt hatte, daß ich durch den Wald Hab' jagen müssen, um Dich zu erreichen." Sie hielt inue und sah ihm in die trüben Augen, dann nahm sie sein Gesicht zwischen die Hände, brachte die zusammengezogenen Brauen bis dicht an ihre feuchtblauen Augen und sagte: „Du hast mich noch nicht geküßt. Was hast Du denn?" „Meinst Du nicht, daß i ch die Frage thun sollte, nach- dem ich Dich drei Tage lang nicht gesehen habe, und Du mich in einer ziemlich unangenehmen Situation Deiner Mutter gegenüber zurückgelassen hattest?" fragte er kühl. Er hatte sich die Frage schon vorher zurecht gelegt, doch nun sie laut geworden, erschien sie ihm matt und kraftlos. „Das also", sagte sie mit offenem Lachen, indem sie ihr Gesicht an seiner Weste barg.„Sieh'mal, Schatz, ich dachte, es wär' deshalb besser, wenn wir'n paar Tage auseinander blieben. Na," fuhr sie fort, indem sie sein Halstuch löste und wieder knüpfte,„wie bist Du denn da'rausgekommen?" „Willst Du mir weismachen, daß Deine Mutter Dir das nicht erzählt hätte?" fragte er unwillig. „Warum sollte sie?" entgegnete sie langsam.„Ueber so 'was red't sie nie mit mir, Liebster." „Und Du weißt nichts davon?" Creffy schüttelte den Kopf, dann schlang sie einen ihrer Zöpfe um seinen Hals, forderte ihn stumm auf, das Ende in den Mund zu nehmen, und als er sie ernst abwies, nahm sie es selbst zwischen die Zähne. Selbst ihre Unbekanntschaft mit jenen Vorgängen konnte deni Lehrer nicht als ausreichende Erklärung ihres langen, gleichgültigen Schweigens gelten, und wenn er sich auch bewußt war. daß seine gegenwärttge, wenig heroische Haltung keinen besonderen Eindruck machen werde, fuhr er sarkasttsch fort 7 „Darf ich fragen, was Du Dir dachtest, daß geschehen würde, als Äu mich im Stiche ließest?" „Na," meinte Cressy zutraulich,„ich dachte. Kind, Du könnt'st lügen, wie jeder andre, und da Du so klug bist, würdest Du Ma'was ganz Apartes vorschwindeln. Ich Hab' nicht viel Phantasie, aber ich Hab' Pa'was aufgebunden, als er mich fragte. Der dumme Masters hat mir ver- sprachen, daß er d'rauf schwören will, er sei mit mir in der Scheun' gewesen. Dann Hab' ich Pa gesagt, daß Du zufällig vorbeikamst, eben bevor Ma anlaugte, und daß ich mich mit Masters aus dem Staub' geniacht Hab'. Natürlich," fügte sie schnell hinzu und zog die Schlinge fester, der er sich zu entziehen suchte,„Hab' ich Masters nicht gesagt, warum er mir's hat versprechen müssen,"oder daß Du dort gewesen bist." „Cressy," sagte Ford in höchster Erregung,„bist Du toll oder glaubst Tu. daß ich es bin?" Das Mädchen wechselte die Mienen. Sie warf einen halb erschreckten, halb fragenden Blick zu ihm empor und dann nach dem dunkelnden Walde.„Wenn wir uns zanken wollen, Hans," sagte sie hastig,„wollen wir'L aber nicht vor den Leuten thun." „Was in aller Welt," fragte er und folgte ärgerlich ihren Blicken,„willst Du damit sagen?" „Ich meine," entgegnete sie mit einem leichten Schimmer von Ergebung und Spott,„wenn Du— ach Liebsterl Wenn wir sein sollen wie die andern, dann soll's doch lieber unter uns bleiben." Er starrte sie in sprachlosem Staunen an. Erschien ihr in der That ein'Bekanntwerden ihres Zwistes schrecklicher, als wenn ihr Verhältnis bekannt würde? „Komm," fuhr sie nach einem besorgten Blick um sich zärtlich fort,„komm! In der Höhle ist's bequemer. Es ist nur ein paar Schritte." Mit den: Zopf ihn noch haltend, führte fie ihn halb, halb zog sie ihn. Zur Rechten lag eine jeuer Vertiefungen, welche durch Senkung des Erdreichs entstanden find oder durch Entwurzelung größerer Bäume. Als sie ihn in die Bodensenkung hinäbgelcitet hatte, drückte sie ihn aus «ine moosbewachsene Wurzel nieder, schüttelte halb kindlich, halb kokett ihre Röcke zurccht und setzte sich gemächlich ihm auf den Schoß, indem sie an Stelle des Zopfes ihren Arm um seinen Hals schlang. „Nun hör zu und sei nicht so laut," sagte sie, sein Gesicht sich zudrehend.„Was hast Du denn nun eigentlich?" Noch im Zorn wiederholte der Lehrer kalt seine Vorwürfe wegen ihrer auffallenden Gleichgülttgkeit und ihrer noch auf- fallenderen Aufführung und berichtete dann über sein Zusammen- treffeil mit ihrer Mutter, seine erzwungene Teilnahme an der Verteidigung der Scheune, über Seths offene Beschuldigung und ihren stummen, wütenden Kampf auf dem Scheunenboden. Aber wenn er erwartet hatte, daß die Tochter des alten Rauf- boldes eine Spur von Freude verraten würde über die Teil- nähme ihres Liebhabers an einem der charakteristischen Kämpfe — wenn er nach Lob für seine Heldenthat trachtete, so hatte er sich bitter getäuscht. Sie löste fteiwillig ihren Arm von seineni Nacken, wand den Zopf los und mit den gefalteten Händen im Schoß und gekreuzten Füßen bot sie, wenngleich sie noch auf seinem Schöße saß, das Bild tiefftcr Nieder- gcschlagenyeit. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verdoti».) Rebev Velzmevk. Der Tierpelz ist das älteste Schutzmittel gegen die Unbill der Witterung, und wie derselbe unsre Urahnen bekleidete und gegen die Kälte schätzte, so ist er noch heute das sicherste Mittel, um sich vor Erkältung zu bewahren. Doch nicht alle Tierfelle eignen sich gleich gut für diesen Zweck, namentlich auch um desivillen nicht, weil der Mensch von Nainr eitel ist. Daher werden nur solche Stoffe zur Bekleidung gewählt, die auch auf den Beschauer einen wohlthuendc» Eindruck ausüben. Immerhin liefert das Tierreich eine grotze Menge solcher Pelze, die mehr oder weniger den an sie gestellten Anforde- rungen— Weichheit, Zartheit. Dichtigkeit und schöne Färbung der Behaarung— genügen. Aus diesen werde» denn auch in hin- reichender Zahl Bekleidungsstücke, wie Jacken, Pelze, Mützen, Muffen, Kragen, Stiesel, Futzsäcke, Decken und Teppiche hergestellt. Obgleich die Güte der einzelnen Felle besonders von den ort- lichen Verhältnissen und dem Wohlbcsinden der sie liefernden Tiere abhängt, unterscheidet man doch im allgemeinen nach ihrer Schön« heit, Leichtigkeit und Güte drei Klassen Pelze, die jedoch nicht strenge von einander getrennt sind. Zur ersten gehören neben dem aus dem hohen Norden stannnenden Heniieliu der nicht minder geschätzte russische Zobel, der Seeotter oder Kamschatkabibcr. der Schwarz«, Blau- und Silberfuchs, der Pelzseehund oder Sealstin. der Biber, der anierilanische Zobel, einige Bärenarten, der virginische Iltis, der Fischotter und der Chinchilla. Zur zweiten Klasse zählen der Schuppen, der Skunks (Stinktierfelle). Nörz, Baum- und Steinmarder. Luchs, Rotfuchs, Landiltis, Wiesel, Sumpfbiber lNutria), Krimmer, Kalinken, Persianer. Wolf n. a. Zur dritten Klasse gehöre» die übrigen Tierpelze, namentlich das russische Eichhörnchen(Feh), der Bisam, Opofinm, alle Kaninchenatten, Murmeltier, Astrachan und Schmaschen(Lamni- fellc), Katzenfelle». a. Unter den besten und größten Lieferanten von Tierpelzen steht Rußland und Nordamerika, hier besonders Kanada und Alaska oben an. In Amerika bestehen große Aktiengesellschaften, welche den Pelz- Handel im großartigen Maßstäbe betreiben, wie z. B. die Hudsonsbai- Cömpagnie soivie die Alaska-Compagnie s» San Franzisko. In Rußland ist der Hauptmarkt in diesem Artikel. Nishuy-Nowgorod. Auch London und besonders Leipzig sind Hrniptstapelplätze dafür. Der jährliche Umsatz letztgenannter Stadt in Pelzen beträgt durch- schnittlich 70 Millionen Mark, wovon 7S Proz. auf den Ausland- Handel kommen. Da bei dem großen Begehr an Pelzen den Lieferanten derselbe», den Tieren, emsig nachgestellt ivird, ist eine Abnahme nicht zu verhindern. Aus diesem Grunde und,»folge sonstiger Verhältnisse ist der Preis der Pelze seit 1720 auf das drei- fache gestiegen, obgleich die Ausbeute noch immerhin recht erheblich ist. So liefern Asien, Amerika, Nußland. Schwede» und Island zusammen immerhin noch etiva 140 000 Zobelfelle, während sich die Zahl der übrigen Pelze wie folgt stellt: Eicbhörnchen 700 000, See» Hunde 600 000, Iltisse 600 000/ Ottern 35 000, Edelmarder 180 000, Hermelin(Wiesel) 300 000, Pelzseebunde 60000 usw. Letztgenannte Pelze sind neben denen des Zobels besonders geschätzt,' da sie unter dem langen straffe» Grannenhaar eine dichte, feine, seidenartige, gelbliche Grundivolle haben, welche, nachdem das Oberhaar rntfcrnt wordtti. eine schöne Färbung annimmt. Diese Zurichtung geschieht ausschließlich in England. wohin sie von der Alaska- Cömpagnie— welche den Handel mit diesen Pelzen in Händen hat—_ ans San Franzisko kommen und zwar in Rollen, die von je zwei Fellen gebildet werden, deren rauhe Seiten gegen einander gepreßt und stark ein- gesalzen wurden. Diese Rollen' sehen sehr unansehlich aus und haben nicht die entfernteste Aehnlichkcit niit dem Seerobbe»«Pelze., wie er später verarbeitet wird. Eine Kongreßalte verbietet jetzt der Alaska- Cömpagnie, während eines Jahres mehr als 100 000 dieser Tiere AU töten;-Mick dürfen nur niännliche Tiere getötet werden und zwar nicht vor einem bestimmten Alter. Eine solche Vorsicht Ivar nötig, damit nicht diese Pelztiere gänzlich ausgerottet werden. Da die Häute beim Trocknen hart und brüchig werden, müssen sie mit den Haaren einer Art Gerbimg, einer Zurichtung unterworfen werden, damit sie toeich, dehnbar und dünn werden. Auch müssen sie von dem natürlichen Schmutz und Fett befreit sowie geruchlos und möglichst glänzend»Verden. Dies geschieht nach zwei Haupt- Methoden, erstens mittels der Walkmaschine und zweitens durch Au- Wendung von Beizen. Bei Fellen, denen noch geringe Fleischspuren anhaften, müssen diese erst entfernt iverden» dann reibt man sie auf der Lederseitc mit Fell ein, um sie darauf nach deni Eindringen desselben in die Walktröge zu bringen. Dort werden sie von auf- und ablvärtsgehenden Walkhämmern so lange bearbeitet, bis das Lcder geschmeidig und dehnbar geworden ist. Dies kann aber auch durch Bestreichen mit Beizen ans Salz und Alaun, oder Salz und Oleum u. a. erzielt lverdcn. Nun iverden die Felle gereinigt in rotierenden, mit Sägefpähnen und Sand gefüllten erwärmten Trommeln und darauf, nachdem die Ledersei'te wieder augefeuchtet worden, mit dem Fleischeise» dünn geschabt oder mit der Gerberfalz schlank gefalzt. Schließlich trocknet man die Felle, um sie zri putzen, klopfen, kämmen und strecken. Bei verschiedenen Felle», wie z. B. bei denen der Pelzotter, des Biber, Fischotter, Nutria usw. befaßt sich auch die Zurichterei mit der Eut- fernüng' der langen härteren Grannenhaare, die über die»veiche Grundwolle hervorragen. Viele Felle müssen auch gefärbt werden,»vaS besonders große Schwierigkeiten bietet, da dabei ans die Erhaltung des Leders bc- sonders Bedacht genommen werden muß, deshalb dürfen die Beizen und die Farbeubäder nicht zu heiß sein. Auch haften die Farben auf den Haaren, namentlich der Wildfrlle, nicht so leicht des Fett- gehalts wegen! daher müssen sie erst gänzlich entfettet werden. Bei der Pelz- oder Rauchwarenfärberei unterscheidet man vier ver- schiedene Arten: die Schwarz-, Braun-, Buntfärbcrei und das Blenden, denen stets eine Behandlung mit einer Beize vorangeht. Bei der Schwarzfärberei besteht diese meist nur ans Soda und Kalk. Nachdem die Felle 2— 6 Stunden in derselben gelegen haben, werden sie gewaschen und dann in das Farbeubad gebracht. daS ans Blau« Holzextrakt, Eisen-, Kupfervitriol. Gallus, holzessigsaurem Eisen, Curcuma uslv. besteht. In dieses werden sie mehreremale gelegt und abwechselnd in die Luft gehängt, damit durch den Sauerstoff der Luft die Farbe oxydiert und sich so besser entwickle. Sobald der ge- wünschte Farbenton erzielt ist(blau, schwarz, tiefschlvarz)»verde» die Pelze gewaschen, getrocknet und dann gestreckt. Bei der Brauusärberei werden entweder die Beizen und Farben kalt mit einer Bürste aufgetragen oder es»verde» n»r die obersten Grannenhaare und Wollteile so behandelt, während die untersten Grimdwollhaare durch Eintauchen in erwärmte Farbeubäder gefärbt werden. Manche Sorten Felle müssen bis zwanzignial gestrichen und nach jedem Bestreichen mit den Haarseiten zusammengelegt werden, worauf man sie von den Unrcinlichkeiten befreit. Die Beizen sind dieselben wie oben, während die Farven aus gebranntem Gallus, Salmiak. Schwefelantimon, Pottasche, Kupfervitriol, Rotholzcxtrakt, Alaun zc. bestehen. Die Buntfärbcrei besteht in dem Auftragen verschiedener Farben mit Ausnahme von Schwarz und Braun, sie»vird besonders bei Imitationen angewandt. Man verivendet als Farbstoffe: Gallus, Schwcfellcber, Alaun, Extrakte von Blau-, Gelb- und Rotholz und verschiedene Anilinfarben. Das Blenden wird besonders bei Bisamfellen angewendet. Ivo- bei das Verfahren darin besteht, den darunter vorkommenden hellen und schlcchlfarbigen Fellen eine dunklere Decke zu geben, sowie auch mn dunkle, fast schwarze Streifen in der braunen Decke zn .erzielen. Auch Zobel, Marder, Skunks usw. werden damit dunkler gefärbt. Weiße Felle werden auch Ivohl gebleicht,»vährend beim Feder- Pelzwerk, den Häuten einiger Waffervögcl, teilweise erst die Decksedern entfernt werden. Beim Färben ist es eine Hauptsache, daß die Felle ein schönes glänzendes Aussehen erhalten. Hierin besteht das Geheimnis, wodurch die Engländer das Monopol bezüglich der Pelzotterfelle haben. Das Geheimnis liegt in der Bereitung der Mischung, oder des Mittels, wodurch. bei dem Pelze des Seehundes der eigentümliche schöne Glanz erzielt wird. Daß das Geheimnis noch nicht entdeckt ist. liegt nickt ain Mängel au Talent. Man hat viel versucht, doch die Versuche sind nicht geglückt. Eine Firma zn Albanh im Staate New Dork hat eine sehr gute Imitation zn stände gebracht, doch hat diese die andauernde Qualität des Originals nicht erreicht.— Fr. Wernicke. Kleines Feuilleton. 6. Von dem Könige, der kein Unrecht thnn konnte. Die Fürsprecher des Absolutismus in England, wo diese Rcgicrungsfonn durch Karl I.(IWS— 1649» ihre abschreckendste Verkörperung erfahren bat, haben das berüchtigte Schlagwort geschaffen:„Der König kann kein Unrecht thnn." Daß der Enkel Maria Stuarts sich thatsächlich von diesem prächtigen Grundsatz leiten ließ und sich in seinem politischen Handeln jenseits von Gut und Böse fühlte, dafür legt seine ganze staatsmännische Laufbahn Zeugnis ab. Nicht genug damit, daß er...sich über die vcrfassuugsmäßiqen Rechte des Parlaments hinwegsetzte und lauge Jahre ohne dessen Mitwirkimg regierte, Steuern und Zölle, die ihm gar nicht beivilligt worden ivaren, eintrieb und nach seinem Gutdünken verwandte, scheute er anck nicht davor zurück, die Rechtsprechmig des Landes seine» tyrannischen Zwecken dienstbar zn machen, indein er Richter, die ihm nicht zu Willen waren, nach seinem Gutdünken absetzte und ihnen willfährige Werkzeuge seines Despotismus zu Nachfolgern gab, die' dann seine politischen Widersacher, vor allem die frei- hcillich gesinnten Steuerverweigerer, verurteilten, ohne sich um das Gesetz einen Pfifferling zn kümmern. Besonders charakteristisch- aber für das Treiben des Königs, der in seinem Willen das höchste Gesetz erblickte, der für erlaubt hielt alles, was ihm gefiel, ist die umfang- reiche, von ihm geübte Kabinettsjnstiz. Dazu diente ihm die so- genannte Sternkammer in London, ein Staatsgcrichtshof, dessen Mitglieder auf Karls direkten Befehl und unter seiner steten Aufsicht der Gerechtigkeit Hohn sprachen, indem sie einerseits auf ungeheure, im ganzen auf über ILOOOOOOO M. veranschlagte und natürlich zn Nutz und Frommen des Absolutisnius verwandte Geldstrafen erkannten, andrerseits wegen der geringsten Anflehnung gegen das Treiben des Königs und seiner Helfershelfer blutrünstige Urteile fällten, die in ihrer barbarischen Grausamkeit an das Un- glaubliche streifen. Ein paar von diesen letzteren seien mitgeteilt. Im Fahre 1636 wurde Alexander Leighton wegen eines Buches gegen die Bischofskirche zn 266 666 M. Geldstrafe und lebens- länglicher Einkerkerung von der Sternkammer verurteilt; außerdem aber follte er gepeitscht und auf beiden Wangen gebrandmarkt, sollte seine Nase aufgeschlitzt und sollten seine Öhren abgeschnitten werden: und das wurde buchstäblich ausgeführt. Im Jahre 1637 erschienen vor der Stcrnkammer wegen etlicher Flugschriften politisch-rcligiösen Inhalts: Pryuue, Burton und Dr. Baftwick. Die drei Märtyrer der Freiheit wurden zu je 166 666 M. Geldstrafe. lebenslänglichem Gefängnis und Abschneide« der Ohren verurteilt. Diese letztere Prozedur ließ sich an dem besonders mißliebigen Pryime nur unvollkommen ausführen, da er bereits früher einmal von der Stcrnkammer zur gleichen Strafe verurteilt worden Ivar und nur durch die Ungeschicklichkeit des Henkers einen Teil der Ohren behalten hatte: dafür wurde gegen ihn außerdem noch dahin erkannt, er sei auf beiden Wangen mit de» Buchstaben 8. I-. (Leckitions Libeller= Verfasser aufrührischer Schmähschriften) zu brandmarken. So geschah es denn auch am 36. Juni 1637. Die Proben aus dem Sündenregister der Sternkammer ließen sich be- liebig vermehren: noch Mitte 1638, als es mit der absolutistischen Herrlichkeit schon mächtig bergab ging, verurteilte der Staats- gerichtshof zum Ohrenabschneiden, Nasenaufschlitzen und Zungen- durchbohren. Die mitgeteilten Erkenutnisse genügen aber, um Karl L und seine Richtschnur:„Der König kann keni Unrecht thnn" in vollen» Glänze erscheinen lassen.— — Wie lehrt ma« junge Stare sprechen? Will man sich einen Star zum Anlernen anschaffen, so muß derselbe möglichst jung, gerade erst befiedert sein. Zu junge Vögel bedürfen noch zu sehr des mütterlichen Schutzes, zn alte sind zum lernen schon zu „erwachsen". Der junge Star muß vor allem gesund und munter sein, und um ihn auch ferner bei. guter Konstitntion zu erhalten, muß man ihm eine möglichst naturgemäße Nahrung reichen. Es ist ganz falsch, junge Stare, wie es so oft bei Unkundigen geschieht, mit Abfällen vom Mittagbrot: Kartoffeln, Flcischstücken, Brotkrumen zn füttern, sondern man reiche seinen Pflegebefohlenen ein gutes Nachtigallen« Mischfutter, wie es in jeder Vogelhandlmig zu haben ist. Mehlwürmer zu füttern würde ein ziemlich kostspieliges Vergnügen sein, dagegen fressen Stare die Regenwümier oder sogenannten„Piratzen" gern. Das Futtergcfäß muß im Bauer gut befestigt sein, da es solch' einem Starenjüngling eine besondere Freude macht, dasselbe umzuwerfen. Badewasser nmß selbstverständlich vorhanden sein. Hat man sich einen Star zum Anlernen angeschafft, so muß man sich vor allem die Gunst seines Schützlings zu erringen suchen: bei der Zutraulichkeit der Stare eine ziemlich leichte Sache. Man unter- halte sich freundlich mit ihm und belohne ihn öfter mit Dar- reichen eines fetten Mehl- oder Regenwurms. Hat sich der „Junge" erst einmal an uns gewöhnt, so ist es Zeit, mit dem Unterricht zn beginnen. Man gebe dem Star einen Namen— wöhl die meisten Stare heißen Jakob— und rufe ihn stets bei dem- selben. Bald merkt der Vogel nicht nur, daß er mit dem Namen gemeint ist. sondern er bemüht sich auch, den Namen so gnt oder so schlecht es geht, nachzusprechen. Hat der Star erst einmal seinen Namen nachgesprochen, und ist er dafür erst einmal belohnt worden, so findet er„Geschmack" am Sprechen sowohl wie an der Belohnung. Jetzt muß der lernbegierige Schüler aber vor jedem nachahmungs- unwürdigen Laut bewahrt werden, denn noch viel eher als das zu Erlernende ahnit er Schimpfworte, das Knarren einer Thür, das Krähe» eines Hahnes zc. nach, jedenfalls mehr zu seinem eignen, als zu des Besitzers Ergötzen.� Die beste Zeit zum Unterricht ist die«Schummerstunde". Zu dieser Zeit spreche man dem Star einen kleinen Satz. z.B.:„Wie geht's dir?" vor, und warte, ob er am andern Tage den ihm noch öfter wieder- holten Satz nachspreche. Thut er es, so nehme man nach und nach andre Sätze hinzu, belohne ihn. wenn er seine Sache gut macht, mit den obenerwühntenLeckcreien, zwinge ihn aber keinesfalls durch Schelten oder gar Schläge zur Wiederholung des Vorgesprochenen. Ist der Schüler gelehrig, so macht er reißende Fortschritte, gehört er zu denen, die„schwer, aber auch dann noch unvollkommen" lernen, ja üclfen Gewaltmabregeln auch nicht. Auch lehre man ihm nie zu lange Sätze, da er' dann oft das Ende und den Anfang desselben verwechselt, was sich zwar manchmal sehr possierlich anhören mag. jedenfalls aber vermieden werden kann. Auch pfeiien lernt unser Starmatz ziemlich leiäit; zu diesem Zwecke lehre man ihm zuerst ein kleines Signal, welches man ihn stets ganz hören laste, da er einen Teil desselben genau wie er es hört nachpfeift.— s.Haus, Hof u. Garten".) Litterarisches. K. B n ch e rs ch i ck s a I e. Die Geschichte weiß von vielen Büchern zu erzählen, schreibt eine englifche Zeitschrift, die ihren Ver- fastern oder Verlegern Vermögen eingebracht haben, nachdem sie zuerst immer und immer wieder abgelehnt wurden. Wenige Schrift- steller haben mehr Zurückiveisungen erfahren als Thomas Carlyle, und er hatte längst das mittlere Alter überschritten, ehe die höchst unwillkommene Änkündignng„Mit Dank abgelehnt" ihm nicht mehr vertraut war. Für„Sartor Resartus" suchte er lauge vergeblich einen Verleger; als es schließlich einen Platz in den Spalten von „Fräsers Magazine" fand, wurde weniger als der gelvöhn- liche Satz dafür bezahlt, und dennoch quälten den Ver- leger Zweifel, ob er klug gcthan, es überhaupt zu ver- legen. Thackerahs„Vanity Fair" wurde etwa zwanzigmal ohne Förmlichkeiten zurückgewiesen, ehe der Dichter, dessen Glaube an sein Werk durch keine Zurückweisungen erschüttert werden konnte, sich dazu entschloß, es selbst zu verlegen, mit welchem Ergebnis, ist be- kaunt. Eine merkwürdig ähnliche Erfahrung hatte I. H. Shorthonse mit„John Jnglesant", einem der glänzendsten und originellsten Werke der vorigen Generation. Kein Verleger wollte es auch nur ansehen, und in seiner Verzweiflung ließ der Dichter auf seine eignen Kosten einige Exemplare in Virmiugham drucken. Und dann über- boten sich die Verleger, um das Vorrecht zu erhalten, es zu ver- legen. Ein ebenso bekanntes Buch„Mr. Barnes of New Dork" w'urde von allen Verlegern Amerikas und Englands, denen es an- geboten ivurde, zurückgewiesen, bis Mr. Gunter sich entschloß, es auf seine eignen Kosten zu verlegen. Es Ivurde sofort außer- ordentlich beliebt, und nur der Autor kann jagen, wie viele Tausende es ihm eingebracht hat. In einem einzigen Jahre allein hatte er davon eine Einnahme von 200 000 M. Sogar„Onkel Toms Hütte", vielleicht die weitcslverbreitete Geschichte, die je geschrieben wurde, konnte überhaupt keinen Verleger finden, der es in Buchform heraus- geben wollte, und schließlich erschien cS serienweise in einer obskuren amerikanischen Zeitung. Selbst dann wollten die bekannten Verleger es nicht wagen und überließe» es einer kleinen Firma. die es mit ungeheurem Nutzen für sich und die Dichterin verlegte. Charlotte Broutö wurde ständig zurückgewiesen, so daß einer weniger tapferen Frau jedenfalls der Mut gesunken wäre. Ihre Manuskripte in braunem Packpapier kamen mit der größten Regelmäßigkeit in die Pfarre zu Haworth zurück; wahrscheinlich hat ihr Ro»ian„Der Professor" einen Rekord im Zurückweisen erreicht. Kinglakes Buch Über Orientreisen„Eothen" wurde so oft zurückgewiesen, daß er in seinem Aergcr eines Tages das Manuskript herausnahm und es dem ersten Buchhändler an- bot, dessen Laden er antraf. Dieser erkannte seine Vorzüge und verlegte es, und Lockharts Kritik über das Buch in der„Qnarterly- Review" machte solche Reklame dafür, daß der Erfolg sich sofort einstellte. Tom Hoods berühmtes„Lied vom Hemd" wurde so ständig abgewiesen, daß er das Gedicht dem Herausgeber des„Puuch" sandte und ihn bat, es eventuell in seinem Papierkorb zu begraben. Sogar Miß Corelli, deren schriftstellerische Laufbahn gewöhnlich für eine ununterbrochene Reihe von Erfolgen gehalten wird, und die heute die meistgelesene englische Autorin ist, begann mit Zurückweisungen, und Hall Caine fällte ein vernichtendes Urteil über ihr Buch„Romimcv of Two Worlds". Der verstorbene Graut Allen pflegte zu sagen, daß seine ersten hundert Manuskripte aus- nahmslos von den Verlegern zurückgeschickt worden wären, und sein erstes Buch mußte er allein verlegen.— öuuioctftiirticS. — Die Hauptsache. Bürger m ei st er(zu seinen Bönen,): „Leute, wenn wir nur erst das Geld für Plakat und Annoncen bei- famnü haben, dann ist unser Dorf auch a Luftkurort!"— — Schönes Wort.„Du weißt noch immer nicht, ob Du Emma Schulze oder Emma Müller heirate» sollst?" „Ja, schrecklich, dieses E m m a d i l e m m a."— — Modifiziert.„So, der X. ist solch eingefleischter Vegcta- rianer?" „Ja. wenn der einmal tot ist, muß man sagen: er ist den Weg aller Gemüse gegangen."— l.Meggend. hum. Bl."j Notizen. — Der„Franks. Zeitung" wird aus Stuttgart berichtet: Der Vorstand des Berliner G o e t h e- B u n d e s hat einstimmig beschlossen, den einzelnen Goethe-Bünden den Antrag zu unterbreiten, daß ein deutscher V o l k s- S ch i l l e r» P r e i s für das beste Drama der drei letzten Jahre gestiftet werde. Die erforderlichen Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid rn Berlin. Mittel sollen durch einen Aufruf an das deutsche Volk zusammen- gebracht werden. Das Statut soll sich möglichst an die ursprüng« lichen, nunmehr abgeänderten Bestimmungen des alten Schiller- Preises anschließen, die Preisverteilung in den Händen einer vom Goethe-Bund eingesetzten Jury liegen.— — Josef Kainz wird im Frühjahr vier Wochen im Lessing-Theater gastieren.— — ,. D' M a l i", ein Schauspiel von Max Bernstein, wird noch in diesem Winter im Deutschen Theater zur Auf- führung gelangen.— — Sn derma nn hat vor einigen Tagen sein neues, in Deutschland nocki nicht gegebenes Stück„Es lebe das Leben" den Schauspielern des Pariser„Vandeville" vorgelesen. Dcutfche Dramen scheinen überhaupt gegenwärtig in Paris stark begehrt zu werden: Von Hartleben werden„Die Erziehung zur Ehe" und„Rosen- montag" ins Französische übersetzt; beide Stücke werden im Theater „Antoine" gegeben werden.— — Die„U eberrote Ueberrobe", eine Parodie von Karl Costa, gelangt demnächst im Alexanderplatz-Vrettl (Direktion: Brausenwein) zur Aufführung.— — A u d r o Messagcrs Operette„Die Brantlo tterie" ist vom Theater des Westens zur Aufführung erworben worden.— — In München ist der Komponist Josef v. Rheinberger im Alter von 02 Jahren gestorben.— — R a o u l M a d e r, der Komponist des Balletts„Die roten Schuhe", ist zum Direktor der Budapester H o f o p e r ernannt worden; Mader war fünf Jahre laug Kapell- Meister dieser Bühne.— — Die Ausstellung„Zeichnende Künste"(Berliner Secession) wird am Sonntag eröffnet. Vertreten sind Klinger, Liebernianu, Th. Th. Heine u. a.— o. D a s Originalexemplar der amerikanischen U n a b h ä n g i g k e i t s- E r k l ä r u n g i st u u l e s e r l i ch ge- worden. Die Tinte ist vollständig ausgebleicht. Ein Teil der Urkunde ist noch entzifferbar, aber die Unterschriften und fast die ganze andre Schrift ist verschwunden.— — liebet die Temperatur elektrischer Glüh- l a m Pen bat der französische Physiker Janet der Pariser Akademie der Wiffenschaften neue Untersuchungen mitgeteilt. Die Messungen der Wärme-Entwicklimg, die in dem Kohlenfaden einer elektrischen Glühlampe vor sich geht, ist, wie der„Gastechniker" mitteilt, ziemlich schwierig und kann, ivcil der Faden durch einen luftleeren Raum von der äußeren Umgebung abgcschloffen ist, nur auf Um- wegen durch ein besonderes Verfahren ermittelt werden. Janet hat durch Untersuchungen von vier verschiedene» Lampen herausgefunden, daß die Kohlenfäden eine Temperatur zwischen 1010 und 1720 Grad Celsius erreichen. Erstaunlich ist es, daß bei einer so hohen Tcm- peratur eine Glühlampe so wenig Hitze in die umgebende Luft hinaussendet; immerhin ist ihre Wärnie-Eutwicklung bedeutend genug, um zu großer Vorsicht bei der Anwendung solcher Lampen in der Nähe feuergefährlicher Stoffe zu mahnen.— Bücher-Einlauf. — Ernst Preezang:„Lieder eines Arbeitslosen." Lyrik. Berlin-Nahnsdors. Ernst Preezang.— — 98. R e i ch e r m a n n:„U t N o a t a n g e Lyrik. Königs- bcrg i. Pr. Thomas u. Oppennann.— — Wilhelm v. Polenz:„Junker u n d F r ö h n e r." Drama. F. Fontane u. Co.— — Friedrich D u k m c y e r:„Der Zorn JehovaL." Drama. München. Staegmeyrsche Verlagshaudlung.— — Gustav Wied:„Das schwache Geschlecht." Vier Satyrspiele. Berlin. S. Fischer.— — Leon G o l d s ch m i d t:„Die litterarischeGesell- s ch a f t z u Hamburg." Ein Rückblick auf die ersten zehn Jahre ihres Bestehens. Hamburg. Verlag der litterarischcn Gesellschaft zu Hamburg.— — Hugo R i e m a n n:„Große Ko in positiv ns- lehre." 1. Bd. Der homophone Satz. Berlin und Stuttgart. W. Speemann.— — Paul Sakolowski:„Bayreuther Nächte. Ge- danken ein es Ni b e lun g en." Musikalische Essays. Leipzig. Hermann Seemann Nachf.— — D r. Paul Sakolowski:„Rollwenzel ei und Eremitage." Bayreuther Stimmungen. Leipzig. Hermauii Seemann Nnchfl.— — Wilhelm Bode:„Kunst und Kunstgewerbe am Ende des 19. Jahrhunderts." Berlin. Bruno und Paul Cassirer.— — Robert Franceschini:„Woher und Wohin?" Essays. Dresden und Leipzig. Karl Reißner.— — Ferdinand Pfohl:„West-Oestliche Fahrte»." Reiseschilderungcn. Leipzig. Hermann Seemann Rachf.— — Heinrich Che Valley:„Durch das Mittelmeer nach dem Kaukasus." Reiseschilderungen. Leipzig. Hermann Seeiuaun Nachf.— Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.