Nr. 235 Abonntintitts-Kedingungein Abonnements- Preli pränumerando: vierteljährl. ZL0 Mb, monall. l.ioMb, wöchentlich LS Plg. srei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntag», Nummer mit illuftrierier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste sür liig9 unter Nr. 7tIS0. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. V«SM Erscheint täglich auszer zvonlug«. Vevlinev Volksblakt. 16. Jahrg. Die Insertions-Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Psg., für politische und gswerlschaflltche Verein«- und Versammlung»-Anzeigen Lv Psg. „Kleine Anirigrn" jede» Wort 5 Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» S Uhr nachmittag» in deriSxpedition abgegeben werden. Tie Erpcdttion ist an Wochentagen btS 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen dt» öUhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher.» Amt l, Nr. 1508» Telegramm- Adresse: „SorUldemoKrat Berlin" Centraiorgan der soriatdemokratisthen Vartei Deutschlands. Hrdaktion: SW. 19, Benth-Strafze 2. Sonnabend, den 7. Oktober 1899. Expedition: SW. 19, Beutlz-Steafze 3. Guitknng. Im Monat September gingen bei dem Unterzeichneten folgende Partcibeiträge ein: Augsburg. U. 20,—. Altona-Ottensen 1000,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 4. Kreis Südost 1500,—. 6. Kreis Rosen- thaler Vorstadt und Gesundbrunnen 400,— �darunter Ucberschuß der 5lranzsp. Sanatoriuin Gütergotz 2,30). 0. Kreis Moabit 200,—. 6. Kreis Schönhauser Vorstadt 800,—(darunter Masseur Bürgert 10,—. 31. B. Mister 1,—). 6. Kreis, Wedding und Oranicn- burger Vorstadt 650,—(darunter Polarlicht 150,—). Berlin, diverse Beiträge: Machctes 5.—. Zivilberufsmnsiker 21,15. Dr. L. 31. 50,—. tV"»f Hutmacher, Königstr. 25, 10,—. Bronze. Ritterstr.. 93,—, desgl. Bicrprozente 29,—, Sa. 122,—. Rote Buchbinder. Grünstr., 5.—. L. u. H. B. 10.—. Cigarreufabril v. R. Schulz, Friedrichsfelderstr. 21, 10,50. A. B. 50,—. P. S. 50,—. Von den Mitgl. der Gclverksch. der Buchdrucker im„Vorwärts" 15.—. Von den Mitgl. des Verbandes deutscher Bnchdrricker im„Vorwärts" 150,—. Tonblnte 6,60. Morgenrot, Köpenick, 4,50. Von den Mitgliedern der U.-Dr., sliig.— Sept. 13,80. Onkel 1,—. Werkabteilung von M. Babing 20.—. I. B. 0,50. Breslau, Rückzahlung der„Volks- wacht" 1000,—. Basbeck b. Hannover 2,20. Barth a. Ostsee 12,—. Bernburg 10,—. Bern 50,—. Braunschweig, v. d. Genossen der Stadt Br. � durch den Vertrauensinanu O. 200,—. Bremen, von Parteigenossen 300,—. Breslau, von einem ehemaligen Gewerkschaftler. 3. Ouartalsbeitrag 3.—. Baniberg. Jäcklcin Rohr- dach 5.—. Calbe, d. d. Vertrauensmann, dar. 13,25 für Löbtau, 33,25. Coblenz, Parteibeitrag 10,—. Crimmitschau, Aalrcitcn 2,—. Dortmund, von' Gewerkschaftlern für Löbtau gesammelt 29,35. Eppendorf. Wahlkr. Bochum. Veritas 10,—. Falkenberg(Oberschl.) 2.—. Frankenhausen a. K. 10,—. Frei bürg i. B., von badischeu Genossen 20.—. Greiz. Wahlkr. Reuß ä. L. 50,—. Guben, durch den Vertrauensmann 5.—. Görlitz 150,—. Genf, ein Deutscher 60,40. Greiz, unter allen Wipfeln ist Ruh I Ein Vogtländer 100,—. Gorns- dorf i. S., Rote Garde 2,80. Gießen, E. K. 10,—. Graudenz, Ungenannt 7,95. Hamburg, 3. Wahlkreis 3000,—. Heddernheim, 1. nassauischer Wahlkr. 50,—. Hastedt b. Bremen, v. d. Parteigenossen 10.—. Hamburg, i. Monat Sept. in der Cxped. d.„Echo" eingeg. 99,85. Jena. 3. Weimarischer Wahlkreis, 3. Quartal. 30.—. Aupfcrdreh. durch«. L.. 11.—. Leipzig. 12. u. 13. sächsischer Reichstags-Wahlkr. 2000,—. LeiSnig, Geburtstag von Lobe u. Fern 5,—. Leisnig, d. Jf- W. 16,—. Lüneburg, v. d. Parteigenossen 20,—. Luxemburg, L. 200.—- Mittweida, G. Rckzhl. 2,—. München, Waldläufer 5,—. Miinster i SB., für konfmende ReichstagSwahl 1,50. Mühltroff i. V.. bei einer Hochzeit gesammelt 5,—. Memel, von Parteigenossen 30,—. Nürnberg, noch für Löbtau gesammelt 23,17. Neudamm, vom Ver- trauensmann 17,10. Ohlau 50,—. Offenburg i. Baden, von einem alten Offenburger 2,25. Reichenbach i. V.. durch den Vcrtr. 50.—. Richzenhain. Bl., Kindtaufe d. H. B. 1,50. Rostock i. M.. von Parteigenossen 100,—. Ronsdorf d. d. Vertr. 5.—. Schönebeck a. E.. d. d. Vertr. 20.—. Stuttgart. G. U. 10.—. Solingen, d. d. Vertr. 30.—. Tönisheide, d. A. L. 20,—. Waldheim, von Parteigenossen 50,—. Württemberg 50.—. Werden, A. L. I,—. F. S. 1,—, L. H. 0,50, ®a. 2 50. Zschorlau, aus den, jüngsten Backofen 1,40, Zeitz, Spar- kaffenbuch von einigen alten Genossen durch I. G. 82,16. B- r l i n. den 6. Oktober 1899. Für den Parteivorstand: A. Gerisch, Katzbachstr. 9. Eine Stichprobe. ii. Bleiben die Streikvergehen in der Kattotvitzer Schwellen- beize und auf„Giesche"(„Kaiser Wilhelm"- und„Nicht- Hofen"- Schacht gehören zur konsol. Giesche-Grube). Dein Be- cicht über den Ausstand in der Schwellenbeize gegenüber müssen wir uns ebenso verhalten, wie gegenüber den Be- richten über„Alfred" und„Königin Luise"; weder der zu- ständige Gewerbe-Jnspektor noch sonst jemand hat seiner Zeit berichten können, daß ein Streikvergehen von Bedeutung vor- gekommen sei. Wenn das Gericht trotz Anzeige und Anklage kein Vergehen eines Streikenden gegen§ 153 R.-G.-O. konstatiert hat, sondern nur eine Beleidigung, so können wir, angesichts der Nervosität auch der oberschlesischen Gerichte gegen Streik- vergehen annehmen, daß auch thatsächlich kein Streikvergehen vorgekommen ist. Wie aber steht es um den großen„Landfriedensbnich" auf der Konsol. Giesche-Gnibe? Hier ist doch thatsächlich eine Vejtrafnng mehrerer Ausständiger wegen dieses Verbrechens se�sa�a �r �uständige Bergrevierbeamte berichtet über Diesem Haupttrumpf der Denkschrift gegenüber— er wird viermal ausgespielt— sei folgendes bemerkt. Wäre auch die berichtete Thatsache unparteiisch berichtet, dann wäre mit ihr immer noch nicht viel Staat zu machen. Ist es etwas so sehr außerordentliches, daß bei einem von Zwanzig Ausständen junge Leute, erbittert durch daS Ab- schlagen ihrer bercchtigsten Forderungen und erhitzt vom Schnaps, eine Skandalsccne herbeiführen, von der es, selbst wenn man den Thatbestand zugiebt, immer noch sehr zweifel- Haft ist, ob sie einen groben Unfug u. dcrgl. oder einen Land« friedcnsbruch darstellt. Durch mehr als einen oberschlesischen Prozeß ist bekannt geworden, wie schnell man mit einer An- klage und Verurteilung wegen Landfriedensbruchs bei der Hand ist, wo es sich um einen Auflauf handelt, bei dem Beleidigungen ausgestoßen werden, oder einige Steinwürfe feststellen �kann, Dinge, die vor die Strafkammer, aber nicht vor das Schwurgericht gehören. Im vorliegenden Falle liegt die Sache aber noch ganz anders, so nämlich, daß, wenn der Verfasser der Denkschrift den wahren Sachverhalt gekannt hätte, er am besten gethan hätte, den Streik auf Giesche überhaupt nicht zu berühren; freilich wäre er damit um seinen Haupttrumpf ge kommen. Nach den glaubwürdigen Mitteilungen Beteiligter wurden nänilich die Ausständigen, wenn auch nicht absichtlich, so doch thatsächlich, zu ihrem unklugen Vorgehen geradezu provoziert. Als sie sich nämlich vor der Grube ver sammelten, unr ihre Forderungen vorzu bringen, antwortete nian ihnen von feiten der Grube mit der— Feuerspritze, genau nach dem System Bronsart v. Schellendorff. Diese grandiose Thorheit beantworteten die aufgeregten Schlepper niit einer anderen, mit Schimpfen und S leinwerfen, und daS wiederum führte zum„EinHauen" mit der flachen Klinge seitens der zahlreichen Gendarmen. Was bleibt da von dem Prachtstück der oberschlesischen Beweise für die Notwendigkeit des Zuchthausgesctzes übrig? An dieser Stelle sei ein ganz ähnlicher Fall behandelt, der zwar kein oberschlesischer ist, aber doch auch zeigt, wie einseitig die Berichterstattung der Denkschrift ist. Sie erwähnt nämlich(S. 78, 79 und S. 100) von einem angeblichen Streikvergehcn im Landgerichtsbczirk G l a tz. Ein Arbeiter soll dort die Kollegen durch folgende Worte zum Stteiken auf- gefordert haben:„Ihr wäret verflucht dumm, wenn Ihr ein führet; Geld bekommen wir doch nicht. Wenn Ihr einfahrt, dann sollt Ihr sehen, wie es Euch geht, eher müßtet Ihr Prügel bekommen." Der Verfasser der Denkschrift meint natürlich, in diesem Falle sei eine Bestrafung nötig gewesen, und(wenn die bestehende Gesetzgebung diese Bestrafung nicht ermögliche, dann müsse sie verbessert, verschärft werden. Das Glatzer Landgericht und das Reichsgericht haben den An- geklagten— es handelte sich um den Schlepper Franz Heislcr aus Ebersdorf im Kreise Neurode in der Grafschaft Glatz— freigesprochen, und sie thaten daran sehr recht. Die näheren Umstände dieses Falls waren diese: HeiSlep arbeitete auf der„Fortuna" in Ebersdorf. Die Eigen tümerin war eine Gewerkschaft, zu der auch der zuständige Amtsvorsteher Moschner in Ebersdorf gehörte, der das Streik vergehen zur Anzeige brachte. Auf dieser Grube war der Gerichtsvollzieher kein seltener Gast, auch die Bergleute or- hielten längere Zeit ihren Lohn nicht ausgezahlt, angeblich einmal ein Vierteljahr lang nicht. Heisler ging nun auf die Rubensgrube nach Kohlendorf. Als er von„Fortuna" seine Papiere und seinen Lohn holte— es war gerade die Ein- fahrtszeit— kam er mit seinen bisherigen Kollegen zilsammen; und als er diesen sagte, daß er nicht mehr einfahre und daß sie, die Kollegen,„schön dumm" seien, wenn sie weiter ein- führen, ohne Lohn zu erhalten, kam es den: Steiger gegen- über zur Streikandrohung für den Fall, daß der rückständige Lohn nicht ausgezahlt würde. Zum Streiken selbst kam es indes gar nicht. Was beweist jetzt, nach Darlegung des wirklichen Sach- Verhalts, dieser Fall für die Notwendigkeit des Zuchthaus- gesetzes? I Dem zuständigen Bergrevierbeamten ist er so wenig auf- gefallen oder er hat ihn für so ungeeignet für die Bericht- erstattung gehalten, daß er ihn gar nicht erwähnt hat. Und so geht es fort, von einem Falle zum anderen, von einem„Beweise" zum anderen. Sie beweisen sämtlich nichts weniger als die Notwendigkeit neuer Gesetzesverschärfungen. Immer und überall wird es in der Denkschrift versäumt, die den angeblichen Streikvcrgehen zu Grunde liegenden Sachverhalte aufzudecken und deshalb ist nian berechtigt, sie für tendenziös und parteiisch zu erklären. Wie wir also gezeigt haben, ist sogar in Oberschlesicn, wo Excesse der wenig gebildeten und häufig unter dem Einfluß des Schnapsgenusses stehenden Arbeiterschaft, zumal wenn sie durch die meist schroff auftretenden privaten und oe hördlichen unteren Beamten gereizt sind, nicht verwunder- lich>vären, bei den ca. 20 Streiks des Jahres 1897 nichts vorgekommen, was zur Begründung der Zuchthaus- Vorlage beitragen könnte. Um hier noch ein offizielles Urteil zu erwähnen, sei darauf hingewiesen, daß auch bei den drei Ausständen im Rattborer Reviere im Jahre 1897 alles ruhig zuging. Der Berichterstatter, Bergrat Triebe!. bemerkt: „Sämtliche Ausstände verliefen vollständig ruhig, so daß nach keiner Richtung hin Aus- schreitungen zu beklagen Ware n." Material zur Begründung einer Zuchthausvorlage sind solcheiSätze nicht, deshalb suchen wir sie in der Denkschrift vergebens. Was aber an Unannehmlichkeiten und uicklugen Handlungen seitens der Arbeiter vorgekommen ist, das beweist das Gegen- teil dessen, was die Denkschrift beweisen will und soll; das beweist nämlich die Notwendigkeit der Organisation der Berg- leute, nicht die Notwendigkeit, den Arbeiterorganisattonen mit Zuchthausgesetzen zu Leibe zu gehen. Denn eine der Ursachen der 1897er oberschlesischen Gruben- ausstände— die Hauptursache war die allerseits zugegebene Steigerung der Lebensmittelpreise und die Nichterhöhung der Löhne seitens der Grubenverwaltungen— war die Organisationslos igkeit der o b erschlesischen e r g l e u t e. Auf keiner der Gruben, auf denen ein be- ttächtlicher Teil der Belegschaft organisiert war, sei es im polnisch- katholisch-socialen Beuthener Verbände, sei es im deutschen Berg- und Hüttenarbeiter-Verbande, kam ein Stteik zu stände. Soweit es den organisierten Bergleuten möglich war, rieten sie von Ausständen ab; hätten sie das nicht ge- than, dann wäre es 1897 in Oberschlesien zu viel bedeuten- deren Ausständen gekommen. Nur da. wo die Organisationen noch wenig oder gar keinen Einfluß hatten, brechen fort- während Streiks aus. Daher rührt die sonst unerklärliche Thatsache, daß die überwiegende Mehrzahl der Ausstände nicht im Centrum des Kohlenreviers, sondern an dessen Peripherie, in der Rybniker Gegend und im Erzrevier vorfielen, wo die Zahl der organisierten Bergleute noch sehr gering war. Das ist die Wahrheit über die 1897 er oberschlesischen Bergarbeiterftreiks mit ihren Streitverbrcchen und Landes- friedensbrüchen. Eine gründliche Kontrolle dieser„Beweis- materialen" der„Denkschnft" ergiebt das Gegenteil dessen, was bewiesen werden soll: die Schädlichkeit des Zuchthaus- gesetzes und die Notwendigkeit der Freiheit und Stärkung der Ärbciterorganisationen. Der Konflikt in Siidafrika. Die Meldungen, daß die Boeren die Grenze von Natal und die Engländer die Grenze des Oranje-Freistaates überschritten hätten, stellen sich endgültig als verfrüht heraus. Präsident Krüger erklärte noch am Donnerstag, die Republik b e a b- sichtige nicht, die Offensive zu ergreifen, wenn sie dazu nicht gezwungen werden sollte durch die kriegerische Haltung Englands, die in der Zu- sanimenziehung von Truppen in der Richtung auf die Grenze oder in der Entsendung beträchtlicher Verstärkungen nach Afrika zu erblicken sein würde. Und der Präsident des Oranje- Freistaates, S t e y n, sagte in einer Ansprache an die ausrückenden Mannschaften: Der Freistaat beabsichtige keinen Angriff, wolle aber seine ihm teuren Rechte stolz verteidigen. Der Feind sei stark; lvenn der Feind aber die Grenze über- schreiten sollte, würde er von den Burghers, die für die Unabhängigkeit ihres Staates kämpften, angegriffen werden. Da nun aber die Verstärkung der englischen Truppen in Südafrika sowie die Zusammenziehung dieser Truppen an der Transvaalgrenze mit größtem Eifer betrieben werden, so wäre der Kricgsgrund jeden Augenblick gegeben, in dem es den Boeren gut scheint, loszuschlagen. Eine Meldung aus K a p st a d t besagt: Mitteilungen aus Transvaal zufolge rechnen die Boeren darauf, daß d i e Afrikander in Natal einen Aufstand herbeiführen werden, sobald die Boeren ihren ersten Sieg über die englischen Waffen davongetragen haben. England fährt inzwischen in der Verstärkung seiner Truppen, macht fort. Aus London wird vom Freitag gemeldet: Heute haben sich in S o u t h a m P t o n weitere nach Süd- afrika bestimmte Truppenabteilungen an Bord der„Braemas Castle" eingeschifft. Das„Reutersche Bureau" meldet aus Melbourne: In einer Versammlung der M i l i t ä r k o m ni a n d a n t e n der australischen Kolonien wurde die Bildung einer nach Südafrika abzusendenden Streitmacht von 2000 Mann empfohlen. Der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain richtete telegraphisch die Aufforderung an die Kolonien Victoria und Neu-Südwales, je 250 Mann und an Süd- Australien 125 Mann und zwar vorzugsweise Infanterie, als Verstärkung des Kontingents von Queensland nach Südafrika zu senden. Alle diese Truppen müßten vor dem 31. Oktober eingeschifft werden. Die Kabinette der betreffenden Kolonien beraten jetzt über diese Angelegenheit. i» Unser Londoner Korrespondent giebt folgend« Situationsschilderung: London, den 4. Oktober 1893. Nun der Krieg mit den Boeren jeden Augenblick beginnen kann, wird verschiedenen der hiesigen Hetzorgane doch etwas bänglich zu Mute. Die bramarbasierende Sprache, die Drohungen, mit den Boeren kurzen Prozetz zu machen, lassen bedeutend nach, und statt ihrer erbauen den Leser jetzt Alarmnachrichte» über die unzulänglichen Vorbereit unge n Englands und die numerische Uebermacht der Boeren an allen wichtigen strategischen Punkten. Man beginnt, wider da? Kriegsministeriun, und die Leitung der Marine zu murren. Und in der That, wenn die englische Regierung bei ihren Verhandlungen mit der TranSvaal-Regierung auf'den(Krieg abzielte, dann wird man ihr alles mögliche, nur nicht zielbewußte Vorbereitungen nach- sagen können. Daß die Boeren, wenn sie jetzt zum Angriff über- gehen, erheblich im Votteil sind und den Engländern Schläge bei» bringen können, kann als unbezweifelt gelten. Es werden noch ver« schiedene Wochen vergehen, bis die Engländer genügend Truppen und Munition an Ott und Stelle gebracht haben, um den Boeren in jeder Hinsicht überlegen zu sein. Inzwischen meldet heute DalzielS Agenwr, die Transvaal- Regierung jlvolle in den nächsten Tagen da« weitere Landen englischer Truppen am Kap für einen Kriegsfall erklären. Dalziel ist sonst nicht sehr zuverlässig, ist aber gerade über die Ab» KW»W>WW»WW> � sprach auf die Oberhoheit erhebt, eine Herausforderung wäre, welcher die letztere nach heutigen diplomattfchen Begttffen und nach den An» schauungen, wie sie bei den in Südafttka in Bettacht kommenden Volksclementen überwiegen, gar nicht auSIveichen kann, ohne ihr Ansehe» völlig einzubüßen. Doch fehlt eS auch sonst nicht an anderen Vottommaiffen, welche die britische Regierung nötigen, schon in den nächsten Tagen die Reserve aufzugeben, die sie sich so plötzlich auferlegt hat. Die von allen Seiten lommendea Meldungen über M vaab ißhaiildlnngen von Engländern durch bewaffnete Tran»- al-Boeren mögen übertrieben sein, aber e« find ihrer zu viele, al» fnü f mt Kcgicvajw jic i.qnoncrtn könnte, die es mit dem Motto de ltvis]tnt.talm,icu8— der Proklmilicrmist des Rechts des britischen Atoabtbürocrs— poniphafl die diplomatische Aktion aufgenommen bntte. Tazn die Ansioeisimgcii oder Heransdrnngclnngcn von Eng- ländcrn ans dem Minendistrikt. die trostlosen Znstande in Johannes- bürg, die über Hundertc von englischen Familien Ruin gebracht haben— all' das drängt zn Gegeminpermigen der englischen Regie rung. Wenn die„Pall Mall Gazette" heute im Hinblick auf er- Ivahnte Dnlzielsche Meldung protzig schreibt,' unter diesen Umstände» würden in den nächsten Tagen Äricgsgriinde so billig werden wie EecschiierkeN,— b, h. England werde die Truppenlandungen um so rntschiedcncr fortsetzen, so können die Bocrcn den Hohn mit den Worten zurückgeben, in England scheine man die Seeschnecken zur Zeit etwas thencr zn finden. Und billig kommt der Artikel wirklich nicht. Nach derselben„Pall Mall Gazette" wirdZdie Regierung vom Parlaments das auf den 17. Oktober zu einer augcrordcntlichen Sitzung einberufen werde» soll, einen außcrordentlichcii Kredit von 200 Millionen Marl behufs Durchführung der„Operationen" in Süd-Afrika verlangen und sind von dieser Summe schon 70 Millionen für Kricgsvorbereitnngen ausgegeben worden. Daß trotz dieser Ausgabe die hiesigen Blättet nur davon zu reden haben, ob die englischen Besatzungen der meist- bedrohten Grenzplätze ausreichen, um eineni etwaigen Angriff von feiten der Boeren erfolgreich Widerstand zu leisten, zeigt, daß die Wege der englischen Milttärverwaktung, gleich denen der Vorsehung. ziemlich langsam sind. Einige Blätter schieben übrigens die Haupt- schuld auf die Marineverlualtnng, die nicht rechtzeitig für die Sicherung der nvti> Es ge gesorgt habe. daß man in Regiernngskreisen längere »»WWW WWWW geglaubt hat, durch das bloße Mittel der Einschüchterung zum Ziel zu kommen, und die Streitkräfte unterschätzt hat, welche die Boeren aufzubringen im stände sind. Im englischen Boll herrschen hierüber die unglaublichsten Selbsttäuschungen. Man koimtc überall Leute treffen, die sich einbildeten, mit einem Land zu thun zu haben, dessen Bewohner allenfalls aus gedeckter Stellung mit Flinten zu schießen, sonst aber vom Krieg gar nichts verstehen. Wenn nicht niit denselben Worten, so doch dem Sinne nach übersetzte sich für sie der 1370cr„Spaziergang nach Berlin" in einen Spaziergang nach Johannesburg und Pretoria. Uebrigens wird auch von bester unterrichteten Leuten darauf ge- rechnet, dag die Boeren nur für den irregulären Krieg, das Aus- schwärmen, Herumstreichen, Schießen und Ucberfavcn aus dem Hinterhalt und der�Ieicheir brauchbar, für den Kampf in offener Schlacht aber den geübten englischen Soldaten nicht gewachsen sind, zu gegebener Zeit also— d. h. iveim England genug Truppen zu- sammcn hat— den Marsch nach Pretoria nicht aushalten können. Das wird abzuwarten sein. Dem radikalen„Manchester Guardian" wird von seinem Korrespondenten, einem sehr bekannten englischen Socialisten, telegraphiert, daß die Regierungen von . Pretoria(Transvaal) und Blocmfontein(Oranje-Frcistaat) entschlossen sind, nicht von selbst zur Offensive überzugehen. Die einzige Ge- fahr sei, daß Laings Neck, das bekannte Joch an der äußersten Nord- spitze der Kolonie Natal, ohne Auftrag von Transvaaltnippen werde genonimen werden. Es liegt auf der Hand, daß. wenn dieS eintritt, der Krieg auch da ist. Thatsächlich hat die englische Heer- sührnng um Transvaal die Verteidigung von LaingS Neck zur Zeit ausgegeben und den dort gelegenen Platz CharleStown geräumt. Fast eine Einladung an die jenseits der dortigen Grenze in starker Zahl kampierenden Boeren(11 000 Mann, davon 6000 beritten), ins britische Gebiet einzurücken. Jeder Tag verschlechtert die Aussichten der Boeren, weil immer neue britische Truppen an die Grenze nach geschickt werden. So stehen zur Zeit die Dinge. An Alarmnachrichten aller Art ist natürlich kein Mangel. Nach den einen ist fast die ganze holländisch-sprechende Kapbevölkerung mit der Transvaal-Regierung im geheimen EmverständniS und herrscht eine weitreichende Ver- schwörung, die Engländer vom Kap zu verjagen und eine hollän- dische Federation von Südafrika zn bUden, nach anderen haben die Boeren Häuptlinge der Schwarzen bestochen, gegen die Engländer sich zu erheben, und anderes mehr. Daß ein großer Teil der hob ländischen Bevölkerung in Natal und im Kapland mit dem Trans vaal lebhaft sympathisiert, ist außer Frage, in dieser Hinsicht ist der Boden für die Engländer ziemlich heiß, und dürfen sie, falls sie im Feld Rückschläge erleiden,� auf manche Ueberraschungen gefaßt sein. Der nationale oder Rassengegensatz ist zu außerordentlicher Höhe gediehen. � Was die Frage der Schlvarzen anbetrifft, so haben beide Parteien Grund zu Befürchtungen: die Boeren wie die Engländer. Die kriegerischen Basutas werden sich zehnmal eher gegen die Freistaat-Boeren als gegen die Engländer erheben, und dasselbe gilt von den Swasims gegenüber' dem Transvaal. Zweifelhafter sind die eigentlichen Zulustämme, und daß die Boeren, wenn sie einen Einfall in Rhodesia unternehmen, an den MatabeleS besonders begeisterte Freunde der dortigen Engländer finden werden, ist nicht gerade anzunehmen. So würde es gegebenen- alls zwar nicht heißen: haust du meinen Schwarzen, haue ich deinen Schwarzen, sondern umgekehrt: läßt du meinen Schwarzen los, sc jage ich dir deinen auf den Hals. Ader das ist ein sehr bedenk liches Manöver und verstößt gegen den Ehrenkodex der Weißen in Südaftika. Schwarze gegen Weiße auszuspielen, geht gegen alles Völkerrecht— der Weißen. Denn es kann ihnen allen gefährlich werden. Konimt eö jedoch zum Kriege, so wird man auf beide» Seiten schwer der Verführung widerstehen, unter der Hand wirksame Bundesgenossen zu suchen, wo man sie findet. Uebermorgen(Freitag) ist Ministerrat und am Sonnabend soll Staatsrat unter dem Vorsitz der Königin stattfinden. Das„Daily Chronicle", daS mit lobenswertem Eifer, aber mit nicht immer den geschicktesten Argumenten die Sache de? Friedens verficht, behauptet, daß die Königin von neuem ihren Einfluß zu Gunsten deS Friedens geltend gemacht hat. Daneben stellt eS für spätere Zeit Ent- hüllungen über Chamberlains, auf Erzwingung von Eng- landS Oberhoheit gerichteten Umtriebe in Aussicht. Sonst ist die Friedensagitation zwar in etwas lebhafteren Fluß geraten, aber ifaft ganz auf bestimmte religiöse Kreise und die äußerste politische Linke(Sorialisten und Radikal- demokraten) beschränkt. Die paar konservativ-unionistischen Protestierer zählen nicht, ihnen stehen die doppelle Anzahl von Liberalen gegen- über, die wohl gewisse Maßnahmen der Regierung kritisieren, mit dem Ziel ihrer Südafrika-Polltit aber einverstanden sind.— Krnppblatt�hatte»leulich gemeint,! die Arbeiter hätten schon viel zu viel Lohn den Unternehmern abgetrotzt, weil sie Geld übrig hätten für dicUnterstützung ihres erhabenenFreiheitskamPfes. Und als wir antworteten, sie hätten im.Gegenteil zw.wenig abgetrotzt, sonst könnte die herrschende Klasse nicht die Arbeitergroschen in allerlei Ausschweifungen vergeuden, da schrie man über demagogische Verhetzung. Ter Harmlosen-Prozeß liefert jetzt grelle Illustrationen zu unserer Behauptung. J» Volitischo itebeL�lJjk. Berlin, den 6. Oktober. Noch nicht! Der Moabiter Spielerprozeß gegen die Harmlosen erregt den Reaktionären Grausen. nicht sowohl deshalb. weil nach dem Buchstaben des Gesetzes offenbar Unschuldige infolge geheimnisvoller Umstände acht Monate in Untersuchungshaft gesperrt worden sind, sondern weil bei dieser Gelegenheit aus dem Leben des Adels Bilder entrollt werden, die dem Volk die Augen öffnen, in welcher Weise die Hüter der Nation ihr Dasein verbringen. Die Einrede ist hier nicht mehr möglich, eL handle sich um Ausnahmen, da allein das Aufgebot der Zeugen beweist, daß diese Ausschweifungen die Regel sind. Niemand aus der ganzen Gesellschaft hat ja auch bisher Anstoß an dem Thun und Treiben der Harmlosen genommen. Alle die Freiherren, Barone und Grafen halten solch Leben für selbstverständlich. Wenn Arbeiter ihr Dasein um ein paar Pfennige Lohn- erhöhung verbeffern wollen, so schreit man nach Zuchthaus- gesetzen, um die unersättliche Begehrlichkeit zu zähmen und zu zügeln. Und nun sieht man die Klaffe, aus der die Schreier stammctl, in einer Nacht Summen verspielen, von denen zehn Arbeiterfamilien«in Jahr lang leben müssen. DaS dem Bewußtsein, wie dieser Prozeß wirken muß, suchen jetzt die Blätter, die es angeht, selbst den Kritikern durch heuchlerisches Gejammer zuvorzukommen. So bemerkt die„Po st": „Nichts bietet eine willkommenere Ausbeute für die socialdemo kratische Hetzarbeit, als derartige Enthüllungen über das Leben und Treiben von Vertretern der guten Gesellschaft. Jeder besonnene und vernünftig denkende Mensch, der sich aus eigenen Erfahrungen ein Urteil über die in den besseren Kreisen herrschenden Anschau- ungen und Geivohnheiten zu bilden im stände ist. weiß ja, daß ein derartiges Leben und Treiben noch nicht zur Regel geworden, sondern daß es innner nur ein kleiner Prozentsatz ist, der den Ver- snchungen des Spielteufels erliegt und der dämonischen Spiekwut mit Leib und Seele zum Opfer füllt. Aber ivas soll der schlichte Arbeiter denken, der im Schweiße seines Angesichts den Unterhalt für sich und seine Familie erwerben muß, wenn er liest, wie diese jungen Leute mit den angenehmen Lvbensgewohnheiten in einer Nacht ganze Vernlögett gewinnen und verspielen? Muß er nicht der socialdemokratijchen Verhetzung, welch« ihm vorredet, daß ei» derartiges Treiben in Spiel und Maitressenwirtschaft in den höheren Ständen die Regel bilde, widerstandslos zum Opfer fallen? Und wahrlich, die socialdemokratische Agitation ist nicht müßig, die sich ihr so bequem bietend»: Gelegenheit, den Haß und die Empörung in den Seelen der arbeitenden Schichten zu ent- flammen, nach Kräften auszunützen." Die Harmlosen-Lebensführung ist also der„ P 0 st" zu folge noch nicht die Regel. Sie lebt aber in der berechtigten Hoffnung, daß sie bald die Regel sein werde. Dieselbe An ficht haben offenbar die„Berliner Neuesten Nach richten" und sie plaidieren im Unternehmerinteresse dahin, daß zwar nicht solche Ausschweifungen, wohl aber die End hnllungen darüber zu vermeiden seien: „Wie die Dinge liegen, darf man jedoch, selbst wenn neue Eiiischärsiingen erfolgen, zweifelhast sein, ob der vorliegende Prozeß notwendig und berechtigt war, und ob er nicht mehr ge- schadet als genützr hat. Denn durch öffentlichen Skandal werden schlimme Sitten nicht kuriert, sondern nur durch bessere Erziehung uiid Moral; daß auf diese htngewirkt werden muß, dazu bedurfte es kaum eines Prozesses." Die„V 0 s s i s ch e Zeitung" erinnert an die Kabinetts- ordres Wilhelms II. gegen die Spielsucht und den Luxus in Offizierskreisen: „Der oberste Kriegsherr hat da« Spiel den Offizieren verboten, wie er ihnen auck die Benutzung des Totalisators umersagt hat. und dennoch ist eine Menge Offiziere überführt, skfi an dem Hazardspiel mit sehr hohen Beträgen beteiligt zu haben. Wie ist das möglich? Wie konnte daS geschehen trotz der KabinettSordre, die der Kaiser nach dem Hannoverschen Spielerprozeß erließ, und trotz des Er- lasies vom 29. März 1890, worin der Herrscher als seinen Willen aussprach, daß bei der Infanterie ein Offizier mit höchstens 45 M., bei der Kavallerie mit höchstens 150 M. monat- licher Zulage zu seinem Gehalt auskommen müsse? Er schätze diejenigen Regimenter besonders hoch, deren Offiziere sich mit ge- ringen Mitteln einzurichten und doch ihre Pflicht mit der Befriedi- gung und Freudigkeit zu erfüllen wissen, die den preußischen Offizier von alters her ausgezeichnet haben. In dem Erlaß heißt es weiter: „In diesem Sinne mit Aufbietung aller Kräfte zu wirken, ist die Aufgabe der Tnippenkommandeure. Unausgesetzt haben sie sich klar zn niachcn, daß es heutzutage mehr als j< darauf an- konimt, Charaktere zn wecken und großzuziehen. die Selbst- verleuginnig bei ihre» Offizieren zu beben, und daß hierfür das eigene Beispiel in erster Linie mitwirken muß. Der Kaiser verpflichtete die Kommandeure, kostspieligen Geschenke», Festessen, übertriebenem Aufwand entgegenzutreten, eine einfache, standesgemäße Geselligkeit zu fördern, und er fuhr fort: „Wenn ich hiermit bestimme, daß mir solche Offiziere namhaft zn machen sind, die den auf die Vereinfachung des Lebens ge- richteten Einwirkungen ihrer Vorgesetzten nicht entsprechen, so werde ich die Comm and eure wesentlich mit danach beurteilen, ob es ihnen gelingt, einen geeigneten und ausreichenden Nachwuchs an Offizieren heranzuziehen und daS Leben ihres Ossiziercorps einfach imd wenig kostspielig zu gestalten. Ich wünsche von Herzen, daß ein jeder meiner' Offiziere nach erfüllter Pflicht seines Lebens froh wird. Dem überhandnehmenden Luxus mutz aber mit allem Ernst und Nachdruck entgegengetreten werden." In der KabinettSordre von 1893 wurde namentlich darauf hin gewiesen, daß schon die Verordnung vom S. Mai 1874 als Hand lnngen, die dem Ruf des einzelnen und der Genossenschaft nachteilig werden können, ausdrücklich nennt: alle Ausschweifungen, Trunk, Hazardspiel, sowie jedes Streben nach Gewinn auf einem dcsien Lauterkeit nicht klar erkennbar ist.„Völlige Erichntterung des Grund und Bodens", heißt es da,„worauf der Offizierstand steht, ist die Gefahr, die das Streben nach Gewinn und Wohlleben mit sich bringen würde." Für uns hat es nichts Ueberraschendes, daß man sich in einer Gesellschaft, wie sie im Spielerprozeß auftritt. die für keine menschheitlichen Ideale ringt, die also nichts kennt, waS daS Leben innerlich wertvoll und würdig gestaltet, so im sinnlichen Taumel betäuben muß. Aus ihrer Lebens- weise folgt auch ihre Politik, wie ihre Politik durch Lebens- weise bedingt ist. Die„ P 0 st' hat, unbewußt natürlich, einmal die Wahr- heit gesprochen. Eine Gesellschaft, die in elender Bereiche- rungs- und Unterdrückungspolitik ihre ganze und höchste Auf- gäbe sieht, muß in wachsende Sittenversumpfung verfallen, muß schließlich dahin kommen, daß alle ihre Mitglieder so leben, wie es bisher für die Gesamtheit„noch nicht" der Fall ist. Ohne Ideale, ohne selbstlosen Kampf für die Erhöhung der Menschheit, ist das Leben eine„schmutzige Gewohnheit", die nur im Schmutz sich bethättgt.— Centrum und Gewerkschafte«. Wiederholt hat es die Centrumspresse ausgesprochen, daß christ- lich gesinnte Arbeiter nicht mit Socialdemotraten in einer und der- selben Gewerkschaft zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen zusammenwirken könnten. In ihrer Nummer vom 3. Oktober kommt die„Kölnische Vollszeiwng" aus Anlaß eines Artikels des„Hamburger Echo" zu dem Schluß, daß. wie die Dinge in Deutschland liegen, mit Socialdemokraten zusammen christliche Ar- beiter ein« Gewerkschaftsbewegung nicht machen können. Eine scharfe Scheidung zwischen socialdemokrotisch gesinnten und christlich gesinnten Arbeitern sei unabweiSIich. Diese Besorgtheit, ge- rade für die christlich gesinnten Arbeiter, ist um so auffallender, als die C«nt?«mSpreffe und auch die„Kölnische VolkSzeiwng" bei de« Organtsationsbestrebmige» der Unternehmer nicht im geringste» versuchen, einen religiöse» TrennungStetl tu die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen sämtlicher Arbeitgeber hwetnzutretben. Noch nie hat ein CenlrumSblatt den Grundsatz auf» gestellt, daß christliche Arbeitgeber mit freireligiösen oder protestantischen und jüdischen Arbeitgebern nicht zusammen in einem Syndikat vereinigt sein könnten. 1 Nur bei dem schwächeren Teil, den die Arbeiterklaffe im heutigen wirtschaftlichen Kampfe repräsentiert, sucht also daS Ctntrnm zer- splitternd uiid trenuend zu wirken, und dies sogar in dem- selben Augenblick, Ivo seine eigene Presse, voran die nämliche„Kölnische BolkSzeitung", dem Vortrag des Professors Lujo Brentano über die Zuchthausvorlage uneingeschränkten Beifall spendet. Und gerade in diesem Vortrag wird die einheitliche wirtschaftliche Interessenvertretung der Arbeiter als Grundbedingung für eine wirksame Gleichstellung mit den Arbeitgebern betont. Hat doch nach dem Bericht der„Kölnischen Vollszeitung" Professor Brcn- tano ausgeführt, daß die Arbeiter, um das Angebot ihrer Ware so regeln zu können, daß sie einen Einfluß auf deren Preis auszuüben vermögen, möglichst umfassend organisiert sein müssen. Wären es nur die Arbeiter eines Betriebes oder die Arbeiter desselben Berufes nur an einem Orte, so wäre ihre Koalition meist völlig bedeutungs- los. Es würde für die Arbeitgeber eine Kleinigkeit sein, für die Arbeit, die die Feiernden vorenthalten, sich die Arbeit anderer zu beschaffen. Damit eine wirksame Re- gelang des Arbeitsangebotes durch die Arbeiter statt- finden könne, müssen die Verabredungen und Vereinigungen der Arbeiter möglichst alle Arbeiter eines und desselben Berufes, und zwar nicht nur an ein und demselben Orte, sondern an allen Orten deS Landes, an denen das Gewerbe betrieben wird, um- fassen. Wenn sich das Centrum auf diesen Standpunkt stellen will, und die„Kölnische Volksztg." thut das in aller Form, dann muß es einheitliche wirtschaftliche Organisationen der Arbeiter befür- warten, ohne Rücksicht auf die religiöse lleberzeugung der einer Gewerkschaft migehörenden Arbeiter zu nehmen. Was es von den Gewerkschaften allein verlangen kann, ist der Ausschluß religiöser Erörterungen und die Achtimg vor jedem religiösen Bekenntnis. Aber wegen des religiösen Gesichtspunktes Sonderorganisationen gründen, heißt nichts anderes, als denArbeitern bei ihren wirtschaftlichen Kämpfen in den Rücken fallen, heißt nichts anderes, als das Unternehmertum im Kampfe stärken, die Arbeiter aber durch Zersplitterung schwächen. Die heute vom CentruZr betriebene Sonderorganisiernng der christlichen Arbeiter ist mit einer wirksamen Interessenvertretung der Arbeiter durchaus unverträglich. Das Centrnm thäte daher besser daran, bei seiner Stellungnahme gegenüber den Gewerkschaften sich auf den Standpunkt des Bischofs v. K e t t e l e r zu stellen, dem das zwar auch nicht zusagte, daß die damaligen Arbeiter- associationen vom atheistischen Geiste angehaucht waren, der aber er« kannte, daß vor allem die wirtschaftliche Jntereffenvertreiung eine einheitliche sein müßte und deshalb in seinem Vortrage über die Arbeiterbewegung den Grundsatz aussprach:„Es wäre eine große Thorheit, wenn wir uns diesen Bestrebungen(Arbeiterassociaffonen) fremd gegenüber verhalten wollten, weil in diesem Augenblick die Anregung zu denselben vielfach von Männern ausgeht, die dem Chriftentrim entfremdet sind. Die Lust bleibt doch Gotteslust, wenn fie auch der Gottesleugner einatmet, und das Brot, das wir genießen, bleibt doch die von Gott uns gewährte Nahrung, wenn der Bäcker, der es backt, auch ein Gottloser ist. So geht es auch mit dem Vereinöwesen: es ruht auf der göttlichen Ordnung und ist wesentlich christlich, wenn auch die Männer, die es pflegen, den göttlichen Willen nicht daran erkennen und es sogar vielfach mißbrauchen." Alle Wenn und Aber helfen dem Tentrum nicht. Entweder will es für die Arbeiter eintreten, dann mutz«S für Einheitlichkeit der Organisation eintreten und seinen Kampf gegen die Gewerk« schaften und seine Agitation für Sonderorganisationen aufgeben, oder aber eS giebt diese Agitation nicht auf, dann hat eS auf Grund seiner Zustimmung zu dem Vortrage deS ProfefforS Brentano sich selbst daS Zeugnis ausgestellt, daß eS zur Schwächung der Srbetter im Kampfe gegen daS Unternehmertum mithelfe. Deutsches Weich. Die innere» Wirren werden durch die Zeitungen der hadernden bürgerlichen Partelen nach Kräften weiter verwirrt. Die nahe Ankunft des Kaisers hat die Leute z» erhöhten Anstrengungen gespornt. Dabei wird ganz mit den Mitteln ans der Zeit der Konterrevolution gearbeitet. So beschäftigt sich die„Kreuz- Zeitung" z. B. anstatt näher liegende Fragen wie die Kanalvorlage, die Kriegserklärung gegen Hohenlohe, die Beanitcn-Maßregelungen oder den Harmlosen-Prozeß zu erörtern, heute damit, daß' sie als die dringlichste Aufgabe der Social- demokratie die Beseitigung des GottesgnadentumS hinstellt. Wenn das nicht wirkt I Scbr melancholisch schreibt heute der fromme„ReichSbote": „ES ist ein widerwärtiges Jntriguenspiel, was sich da abspielt und erinnert an das Wort:„wenn der Herr nicht zu Hause ist. tanzen die Mänie auf dem Tisch". Die Jnttiguenspiele gegen Minister und für Minister dauern»un schon fast zehn Jahre und bringen die innere Lage in immer größere Verwirrung, wie man sie früher nicht gekannt hat, und jeder Patriot muß den dringenden Wunsch haben, daß das endlich aufhört— aber wann und wodurch wird es aufhören? „Man redet von Zickzack-KurS. sieht die Minister schwankend und unsicher, spricht von Meinungsverschiedenheiten unter ihnen, die ihre Reflexe in die Preise werfen und statt einen Ausgleich zu finden, sich dort nur erweitern, verschlimmern und zu Angriffen auf einzelne Minister verdichten— bis wieder ein Minislerwechsel stattfindet. Aber dann erhebt sich bald dasselbe Spiel mit einer kleinen Verschiebung; die Jntriguen werden immer häßlicher. richten immer größere Verwirrung an— und ihr Niederschlag ist wachsende Unzufriedenheit und Verdrossenheit in immer weiteren Kreisen. Man fühlt sich nndchnglich und unsichcr wie auf einem Schiffe, auf dem der Kommandant nicht am Platze ist und verliert das Vertrauen. Man ruft nach einem starken Manne, der die ügel straff und fest in die starke, sichere Hand nehmen soll. urch das alles fallen aber Schatten auf die Männer an der Re- gierung. und dann sagt wieder ein anderes Blatt: was scheren uns Minister, fie sind nur Nummern, sie haben nur einen höheren Willen auszuführen. So schwirren die Stimmen von allen Seiten durcheinander, und die einen benutzen wieder die Sttmmen der andern, um sie zu weiterer Jntrigue und Beschul- digung auszunutzen. So verfilzt und verwirrt sich die innere Lage immer mehr und nach jedem Ministerwechscl wird die Sache ärger als vorher. Wie soll das anders werden? Die Nebel weichen nur, wenn die Sonne aufgeht und ihre Strahlen in alle Höhen und Tiefen sendet, und die Unsicherheit und Ver- trauenslosigkeit auf dem Schiffe schwindet, wenn der Kommandant des Schiffes ruhig mit klarem Ausguck auf der Kommandobrücke steht und mit eigenem Auge alles überschaut. Dann schweigt die Unzufriedenheit, die Verdrossenheit, jedermann geht an seme Arbeit und man freut sich über das schöne stolze Schiff, auf dem man nach großem Ziele steuert." Da« ist eine ganz zulreffende Schilderung der— eigenen konservativen Familirnverhälttiisse; denn die Jntriguen werden aus, schließlich von den Junkern und Junkergenossen angesponnen.— Weifte Rabe«. Eine seltsame Versammlung fand in Göppingen statt. ES wurde die Beschäftigung verheirateter Frauen ,n Fabriken erörtert. Alle Arbeiterorganisationen waren vertreten. daneben Lehrer. Geistliche und Vertreter anderer Berufe. Zunächst sprach Genosse Thiel«"dann Pfarrer Dietrich und der Gewerbe. inspettor Hardegg. Hierauf führte der Pfarrer Blumhardt � nach einem Bericht de»„Hohenstaufen" au»: „Ich kann nicht ins Einzelne eingehen wie die Vorredner; aber das Herz ist mir schwer geworden bei dem, was ich gehört habe. Wenn ich mich in die Lage eines Arbeiters hineindenke ,■ dann wird es mir fast schwindelig. und ich kann nur beklage», das? es die menschliche Gesellschaft noch nicht weiter gebracht hat. Auf dem Wege der Gesetzgebung werden keine wesentlichen Fort- schritte erzielt; wenn durch Gesetze auch einzelne Erleichterungen geschaffen werden mögen, so lassen sie doch daS Ganze faul. Was nun aber? Sollen wir einem Ideal nachjagen? Ich, meine Herren. jage ihm nach l Ich denke an eine völlig neue Gesellschaft. Ich habe gefunden, dast diejenigen, die einem Ideal nachjagten, in allewege weiter kamen. Ich bin religiös erzogen worden und stand unter dem Eiuflny meines streng religiösen Vaters. Aber schon frühe fand ich. das; für mich eine Religion keinen Wert hat, wenn sie nicht die Gcsrllschaft umändert, wenn sie mir nicht schon das Glück auf Erden verschafft. So habe ich meine Bibel, so habe ich meinen Christus verstanden. Und darum fühle ich mich verwandt mit den Leuten, denen man vorwirft, daft sie einer Utopie nachjagen, ich fühle mich ihnen verbündet, ich kann nicht anders, ich mnst das ausspreche». Möge die Zeit kommen, in der es gelingt, die Gesellschast anders zu ordnen, wo nicht mehr das Geld, sondern das Leben der Menschen die Hauptsache ist. Und nun, Ihr Arbeiterinnen I Gebt einmal Euer ganzes Herz her und nicht bloß 10 oder 20 Pf. I Denn von innen heraus muß es anders werden. Was Ihr wollt, das wird, was aber nicht gewollt wird, das wird nicht. Aber was werde» muß, was mein Ideal ist, das ist ein christliches Reich, das i st eine G o t t e s o r d n u n g. Verzeihet mir jetzt diesen Ausdruck I Meine Freunde I Unter diesem Lichte schwindet mir alles andere dahin. Könnte ich nicht in diesem Lichte leben und »ach diesem Ziele streben, ich wäre schon längst zusammen- gebrochen. Es muß ein Tag in unserem Herzen leuchten, dann können wir Verbesserungen schaffen, ein Tag der Liebe, der Geist der große» Mcnschheitsidce! Siehe da, ein Geistlicher, der wirklich ein Christ ist! Wie werden nun die schwarzen Kanzelraben über den weißen herfallen, der Ernst mit seinem Christentum macht.— Das System Esser. Vom großen Afrikaner Esser berichtet in der„Tägl. Rundschau" Dr. Hans Wagner folgendes:„Das militär-chrengcrichtliche Versahren gegen Dr. jur. Esser ist nunmehr zum Abschluß gelangt. Auf meine Aufrage au das Bezirkskommando IV ist mir von diesem folgende Antwort zugegangen: „Herr Dr. Max Esser gehört der Armee nicht mehr an. DaS ehrengerichtliche Verfahren gegen ihn hat durch eine ihm erst vor einigen Tagen publizierte allerhöchste Entscheidung seinen Abschluß gefunden." „Außer dem Vorwurf, daß Dr. Esser die Reise nach dem Kunene nicht gemacht hat, habe ich diesem.Afrikaforscher" Plagiate an den Werken von Prof. Eching, Wohltmann, Schmidt u. a.(Esser, An der Westküste Afrikas) nachgewiesen. „Ob Dr. Esser sich noch deS Besitzes des Kronenordens II. Klasse erfreut, ist nicht bekannt geworden. Er hat es wohl vorgezogen, diese Dekoration an der Stätte seiner kolonialen Spekulationen in Brüssel spazieren zu führen. „Wann dieser kühne Mann die Zeit für gekommen halten wird, wiederzukehren und mit der ihm anererbten Zähigkeit auf seine Ziele von neuem loszusteuern, läßt sich nicht taxieren. Es wäre aber im öffentlichen Interesse sehr wünschenswert zu erfahren, ob mit Dr. Esser auch sein System beseitigt ist. Dieses System gipfelte in dem Bestreben gewiffer kapitalistischer Kreise, sich an die Person unseres Kaisers heranzudrängen. Wenn Dr. Esser lediglich ein Kolonialschwindler und BramarbaS gewesen wäre, der irgend welche persönlichen Ziele verfolgte, als da sind Ordens- und Adelstitel oder das Recht, bei Hofe tadellose ESkarpins zu zeigen, so könnte man ihn ruhig der Bewunderung seiner männlichen und weiblichen Freundschaft überlassen. Dr. Esser aber war eine wichtigere Persönlichkeit. Er war von einer bestimmten Kapitalistrngruppe vorgeschickt, um in dem Kaiser die Anschauung zu erwecken, als ob das Kapital in seiner Arbeit schwer bedroht wäre. Man weiß, welche Wand- Inn gen die socialpolitischen Anschauungen des Kaisers erfahren haben. Die hohe Auszeichnung, die Dr. Esser ohne Befürwortung deS Kolonialamts vom Kaiser direkt erhielt, beweist, welch' geschickten Vertreter sich die Scharfmacher t« dtesem„Afrtkarcisenden" erwählt hatten." So iveit Herr Wagner. Ob ober Esser gerade von den Scharf« machern vorgeschickt ist, scheint uns mehr als zweifelhast.— Die arme„Post". Gestern thaten wir ihr Abbitte. Heute bezeigen wir ihr unser austichtiges Beileid. Solche Gebrochenheit und Zerknirschung entwaffnet den eingewurzeltesten Groll. Wie könnten wir ungerührt bleiben, wenn das einst so hoch- mutige Zedlitz- Stumm« Organ uns in überströmendem Dank die Hand drückt und ganz außer sich ist vor Freude, daß wir unsere Angriffe gegen sie zurückgenommen, oder wie eS im„Hirmlosen" Junkerdcutsch heißt,„revociert" haben? Und wie könnten wir noch daS kleinste Nestchen von Zorn im Herzen behalten, wenn uns in demütiger Beflissenheit nachgewiesen wrrd, daß wir uns wirklich einmal„ungebeten" in den französischen Parteistreit eingemischt und uns die„Finger verbrannt haben". Es war anläßlich der Streitfrage, die durch den Eintritt Millerand» in das französische Kabinett hervorgerufen ward. Die„Post" hat gewiß ganz recht mit ihrer Belehrung. Nur in zwei Punkten irrt sie. Erstens war unsere Einmischung nicht„un- gebeten", sondern wir waren im Gegenteil von den französischen Geiiossen dazu aufgefordert worden.v a l t, der Verteidigung und dem Herrn v. Mantenffcl. Letzterer meint, daß doch eine Reihe von Momenten vorlagen, die die Verhaftung rechtfertigen konnten, bei- spielswcise, daß Papiere weggeschafft worden waren und Gefahr vorlag, daß der Thatbesiand verdunkelt würde.— Der O b e r- st a a t s a n w a l t lehnt es ab, über die Veranlassung zur Verhaftung, die auf inneren Gründen beruhe, nähere Ans- kunft zu geben. Die Verhaftung sei von den maßgebenden Instanzen als gerechtfertigt anerkannt worden. Das genüge. Er müsse doch auch hervorheben, daß vor der Verhaftung die eidliche Beruehnrnng des Grafen Königs mark liegt, die noch verlesen werden wird. — In sehr lebhafter Form wünscht v. Kayser eine Aufklärung von Herrn v. Manteuffel, wie er zu der ungeheuerlichen Behauptung gekommen sei, daß er sAugeklagtcr) in der Wohnung der Frida Voigt„Leute ausgenommen" habe. Er wünsche eine ganz präcise Antwort darüber.— Zeuge v. Manteuffel beruft sich auf Gerüchte, die ihm zu Ohren gekommen seien.— v. Kayser: Kann der Zeuge einen Manu nennen, von dem er dies falsche Gerücht, welches belastend gegen mich verwertet wurde, erhalten hat?— v. Manteuffel: Ich glaube, daß ich vom Grafen Königsmark so etivas gehört habe.— v. Kayser: Der königl. Kriminalkommissarius v. Manteuffel hat zunächst den Bor- namen„Frida" Voigt gar nicht gekannt, er hat erst geglaubt, es handle sich um ein Fräulein Tilly Voigt.— v. Manteuffel: Ich glaubte zuerst, daß es sich um ein Fräulein Tilly Voigt handelte, die mir noch aus meiner Lieutenautszeit in der Erinnerung vor- schwebte.— v. Kayser: Wann war die Lieutenautszeit des Herrn v. Mantcuffcl?— Zeuge: Vor 20 Jahren etwa.— v. Kayser: Da war Frida Voigt 4 Jahre alt!(Große Heiterkeit.) Amt und Person. Ich stelle also fest, daß der könfigl. Kriminal- k o m m i s s a r i n s v. Manteuffel o h n e j e d e n Anhalt dem Herrn von Kröchcr gegenüber gesagt hat: „Ach, der Herr v. Kayscr scheint schon der rechte zu sein, der nimmt ja in der Wohnung der Frida Voigt die Leute ans". Hält der Zeuge dies mit seinem Amte für vereinbar?— v. Manteuffel(erregt): Ich muß doch entschieden bitte», daß hier meine Person von meinem Amte getrennt wird. Ich kann als Beamter sehr wohl in die Lage kommen, an Personen Fragen zu stellen, die den Ziveck haben, andere Dinge zu erforschen, auch wenn diese Fragen nicht den nundesten thatsächlichcn Hintergrund haben.— Rechtsanwalt Schachtel: Dann Ivcrden wir den Herrn Minister des Innern fragen müssen, ob es seinen Intentionen entspricht, daß ein königlicher Kriminalkvmmffsar in dieser Weise, lediglich um auf den Busch zu klopfen, über einen Regierungs-Referendar s o l ch e Gerüchte ohne positiven' Untergrund ver- breitet,— Präs.: Ich muß doch entschiede» bitten, nicht fortgesetzt Ausführungen zu machen, die nicht mit der Sache zusammenhängen.— Rechtsanwalt Dr. Schachtel: Diese Ausführungen sind doch sehr wichtig, es handelt sich für uns darum, die Glaubwürdigkeit eines Zeugen zu prüfen. Sie wollen doch nicht vergessen, daß sichHerr v. Kayser auch vor dein Minister zu veranttvorten haben wird, und wenn sich herausstellen sollte, daß Herr v. Manteuffel sich solche Dinge aus den fünf Fingern g e- sogen habe» sollte, so wird e r vielleicht in die Lage kommen, sich vor dem Minister vcrautwortcu zri müssen. Der Herr Minister wflti eS jedenfalls weit von sich weisen) daß ein solches Verfahren eines königlichen PolizcikommissarS gebilligt werden könnte.— Der Oberstaatsanwalt stellt fest, daß Herr v. Mantcuffcl gesagt hat, er könne in die Lage kommen, Fragen zu stellen, und daß er nur der vorgesetzten Behörde dafür verantivortlich sei, wie er die Untersuchung führe.— Die Vernehmung des Zeugen Dr. Leipziger tvird alsdann beendet. Er schildert ebenso, ivie gestern Graf Königsmark, das Zustandekommen des Artikels iiu „Kleinen Journal", der von den fehlenden Zeugen bandelt. Herr v. Mantcuffcl sei von dem Erscheinen deS Artikels unterrichtet ge- wcscn. Der Ziveck des Artikels sei auch erreicht worden, es hätten sich ja nichrerc Zeugen gemeldet.— Der Angeklagte v. Kay s e r macht darauf aufmerksam, daß der Zeuge v. Manteuffel dem Zeugen Grafen Königsmark die Verteidigungsschrift v. KayserS überreicht habe und fragt, ob das mit dem Amte eines Kriminalkommissars vereinbar sei.— Zeuge v. Mantenffcl erklärt den Fall für nnbcdenklich, als rein private Handlung. Der Oberstaatsanwalt tritt dem bei. Neue Zeugen. Zeuge v. Werner war zwei- oder dreimal bei den„Harm- losen", er ist der Meinung, Herrn Wolff nicht gesehen zu habe», er kennt ihn nicht. Beim Spiel ist n i ch t s A u f f ä l l i g c S passiert. Die Herren v. Kayscr und v. Kröchcr hätte» gewonnen, aber auch verloren, cinmäl habe cr vom Angeklagten v. Kayscr 1000 M., ein ander Mal 2000 M. gewonnen. Herr v. Kayscr habe nicht gleich bezahlt, aber später reguliert. In der Voruntersuchung habe er de» Zeitramn des SchuldigbleibcuS irrtünilicherweisc als zu laug an- gegeben. Zeuge Vicckonflil a. D. Moos hat nur vor der Eröffnung des Klubs bei den„Harmlosen" verkehrt. Er hat schon im Winter 1895/96 bei Josty, später bei Hecht, Knoop und Wittkop gespielt. Seit dem März 1898 hat cr nicht mehr gespielt. Im ganzen hat er etwa 16 000—20 000 M. Verlust gehabt. Die Angeklagten kennt cr ans der letzten Zeit. An den Angeklagten v. Kayscr hat er verloren.— Vors.: Sie haben die Herren v. Kayser und Konrblum als„siamesische Zwillinge" bezeichnet? Zeuge: Jawohl. Herr v. Kayser hat ja selbst zugegeben, daß cr mit Kornblnm befreundet war.— Vors.: Ist sehr hoch gespielt worden? — Zeuge: Jawohl.— Vors.: Sie sind ja auch Schuldner des Herrn v. Kayser gewesen?— Zeuge: Ich bin es noch. Ich schulde ihm noch eine Nestsumme von 1060 M. Auch früher habe ich schon einmal eine größere Summe an ihn verloren, ivohl über 1000 M. Ich habe aber auch von ihm ge»von neu. Zeuge bestreitet, den Wolff näher gekannt zu haben, auch zu den Artikeln des„Berliner Tageblatt" habe er keine Beziehungen gehabt. Die Verteidigungsschrift im Zcngenziminer. Der Zeuge hat auch die Verteidigungsschrift gelesen. Er be- hauptct, sie ini Zcugcnzimmcr gefunden zu haben. Rechtsanwalt Schachtel gicbt'Auskunft, daß cr die Verteidigungsschrift in 100 Exemplaren habe drucken lassen, dannt später der Angeklagte jedem zeigen könne, was gegen ihn vorgelegen habe. Einige wenige Exemplare seien jetzt schon an die Mit- glieder des Gerichts und einige Interessenten abgegeben worden. Der Zeuge Moos hat einmal bei Hecht den Wolff die Bank halten sehen. Wolff habe stark gewonnen, aber sonst habe er nichts Auf- fälliges bemerkt. Der Geleimte sei an diesem Abend Kornblum geivcsen. Korublum habe ihn einmal auf Wolff aufmerksam gemacht. Kornblnm hgbe an diesem Abend wohl über 2000 M. an Wolff verloren. Der Wagemut Kornblums sei ihm aufgefallen. An jenem Abend seien aber die drei Angeklagten nicht zugegen gewesen. (Mittagspause.) Das Protokoll des Grafen Königsmark. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird zunächst das Protokoll über die Bernehmuiig des Grafen v. K ö n i g s m a r k vor dem Untersuchungsrichter verlesen. Es ergiebt sich daraus, daß Graf K. bei dieser Vernehmung recht ungünstig über den Angeklagten v. Kröcher ausgesagt und sich unter anderem dahin geäußert hat, daß der Artikel im'„Tageblatt" nicht übertrieben, sondern in allen wesentlichen Teilen den Thatsachcn entspreche. Er halte Herrn v. Kröcher für einen gewerbsmäßigen Spieler, dieser habe sich einmal geweigert, die Karten vom Block abzuziehen, v. Kröcher habe Herrn v. Gali in wenigen Tagen 40 000 M., Herrn v. Reccum 20 000 M. abgenommen; v. Kayscr habe im Oktober und November zusammen 50—100000 M. gewonnen ec. ec.— Zeuge Graf Königs mark erklärt hierzu, daß er an dieser beeideten Aussage natürlich festhalte, aber doch� folgendes nochmals betonen ivolle: Er habe vorher 5 bis 6 Konferenzen mit Herrn v. Manteuffel gehabt, in denen dieser immer wieder sagte, eS seien so und so viel Herren vernommen, die sehr belastend aus- gesagt haben sollten. Außerdem habe er damals viel im Spiel ver- lorcn. Nun sei es psychologisch natürlich, daß nach solchen Be- sprechnngen dann Kleinigkeiten oft in ganz anderem Licht erscheinen, als wenn man sie ruhigen Blickes betrachte. Der Untersuchungsrichter. Der alsdann vorgerufene Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Herr bestätigt, daß' v. Mantenffcl ihm allerdings semer Zeit gesagt habe, der General v. Kröchcr habe selbst seinen Sohn als einen gewerbsmäßigen Spieler bezeichnet, indem er sagte:„Ich weiß ja, daß mein Sohn ein gewerbsmäßiger Spieler ist."— General v. Kröchet wiederholt" seine gestrige Aussage. Er habe keineslvegs seinen Sohn für einen gelverbSmäßigcn Spieler gehalten und glaube kaum, daß er eine solche Wendung gebraucht habe, denn cr habe damals noch gar nicht gewußt, was eigentlich gewerbsmäßiges Spiel sei und Herrn v. Manteuffel erst danach gefragt. Er ivolle indessen offen anerkennen, daß in diesem vertraulichen Gespräch Herr v. Manteuffel eine von ihm(Zeugen) in dem Zustande größter Aufregung gethane Bemerkung mißverstanden haben könne.— Ober- staatsanwalt Dr. Jsenbiel: Die Staatsanwaltschaft legt auf diese Bemerkung eines in voller Bestürzung über die Verhaftung seines Sohnes befindlichen Vaters keiucn Wert. Wenn General v. Kröchcr das Gespräch mit Herrn v. Manteuffel damals als vertrauliches gehalten, so werde er doch wissen, daß v. Mautcuffel amtlich verpflichtet war. mit seiner Kenntnis nicht zurück zu halten.— General v. K r ö ch e r erklärt, daß er dies damals allerdings nicht gewußt habe. Landgcrichtsrat Herr wird alsdann auch noch über das Protokoll betreffend die Vernehmung des Grafen Königsmark ver- nonnnen. Er betont, daß Graf Königsmarks Aussage der Haupt- g r n u d gewesen sei, die Haft gegen v. Kröcher und v. Kayser zu beschließen'. Der Zeuge tritt nüt großem Nachdruck für die Zu- verlässigkcit der Protokolle ein, die mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieser Sache besonders penibel und äußerst sorgfältig abgefaßt seien und eine ungeheuere Arbeit verursacht hätten. Er müsse absolut verneinen, daß Graf v. Königsmark bei der Vernehmung den Ein- druck eines präoccnpierten Zeugen gemacht habe. Im Gegen» teil habe er den Eindruck gehabt, daß im Gegensatz zu manchen anderen Graf K. ein Zeuge sei, der redlich sich bemühte, die volle Wahrheit zu sagen. Er habe mit Berwundernng gelesen, daß Graf K. gestern behauptet habe, sein Brief an Herrn v. Kröchcr, in welchem er an ihn schrieb, mau sei ans ihn aufmerksam zc.. sei nur„Scherz" geivcsen. Davon sei bei der Vernehmung gar keine Rede geivcsen, ini Gegenteil, es sei bitterer Ernst gewesen! Bei der Verhaftung des Angeklagten v. Kayser habe auch die Behauptung deS Grafen K. eine Rolle gespielt, daß v. Kayser und v. Kröcher zusammen getuschelt hätten und v. Kayser ivcgcn jenes Briefes dcni Grafen Königsmark auch Vorwürfe gemacht habe.— Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Hat Herr v. Manteuffel auf die Protokolle irgend welchen Ein- fluß ausgeübt?— Zeuge erklärt, daß er Herrn v. M. zu den Bcrnchmnngcn, bei denen es sich um Einzelheiten deS Baccarats handelte, zugezogen habe. Er übernehme jede Ver- antwortlichkeit für die Zuverlässigkeit der Protokolle. Herr v. Man- teuficl habe ihm allerdings bei der Redaktion und der Niederschrift der Protokolle geholfen, er habe aber immer, sobald ein Zeuge durch irgend eine Geste anzeigte, daß er nicht ganz richtig verstanden zu sein ivähnte, durch eingehende Fragen die Sachen genau festzustellen. Der Zeuge iveist dann noch auf die unendlichen Schivierigkeiten hin, die bei der Erledigung der Voruntersuchung zu überwinden waren; er habe alles gethan, um den einzelnen Zeugen, die zu vernehmen waren, das Peinliche zu nehmen, cr habe das Menschenmögliche ge- leistet, um die Voruntersnchnng verhältnismäßig schnell abzu- schließen. DicS sei am 20. April geschehen. Daß die Angeklagten vom 20. April bis jetzt gesessen' haben, sei nicht seine Schuld.— Der Zeuge ivird hierauf entlassen. General v. K r ö ch e r und Frau General v. K r ö ch e r erklären sich auf Befragen bereit, ihre Aussage zu beeidigen. Der Gerichtshof verzichtet auf diesen Eid, ivobei der Vorsitzende hervorhebt, daß der Gerichtshof in der Lage sei, auch ohne Eid diesen Aussagen volle» Glauben beizumessen. „Riescndnscl." Es folgt dann die Vernehmung mehrerer Zeugen, die mit de» Angeklagten zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten ge- spielt haben. Der eine bekundet, daß im Bictoria-Hotcl Herr v. Kröcher einen„Riescndüsel" an einzelnen Abenden gehabt habe. Solchen Dnsef haben aber manche Spieler hier und da. v. Schachtmcycr habe nur klein gespielt, v. Kayser sei ein riskicrtcrer Spieler gewesen. Ver- dächtigcs habe sich beim Spiel nicht gezeigt, auch das„Zukaufen auf Sechs" sei nicht auffällig gewesen. Gutsbesitzer v. Schräder ivird über das schon mehrfach cr- wähnte Spiel in Wiesbaden, an welche»! auch v. Kröcher. V.Schacht- mcycr und Wolff teil nahmen, vernommen. Die Anklage ist der Meinung, daß.hier ein zwischen den dreien abgekartetes Spiel vor- gclcgen'habe und es nur darauf angekommen fei, Herrn v Schräder '„auszunehmen".— Angckl. v. K r ö ch e r bestreitet dies ganz ent- schieden. Es sei nicht wahr, daß er Wolff alS einen„reichen Franzosen" vorgestellt und dem Zeugen v. Schräder erst Geld habe leihen müssen, damit derfelbe spielen konnte.— Der Zeuge bekundet, daß das Spiel in keiner Weife Verdacht bei ihm erregt, sondern sich in ganz fairer Weise abgespielt habe, lieber die Rolle deS Wolff als f, reicher Franzose" soll später ein Zeuge vernommen werden. Herrn v. Kröchers Verhältnis. Die nächste Zeugin ist die Schauspielerin Lona Kussinger, die seiner Zeit vorübergehend ini Central-Theater engagiert>var. Die 19 jährige, schneidig gekleidete Dame hat den Angeklagten v. Kröchcr in Berlin kennen gelernt.— Präs.: Wo war denn das? — Zeugin: Ich kann mich nicht darauf besinnen.— Präi.: War eS in den Armorsälen, oder Blumensälen, oder solchen Orten? — Zeugin: Solche Orte besuche ich nicht.— P r ä s.: Oder war eS in der American Bar?— Zeugin: Das weiß ich wirklich nicht.— Präs.: Sie hatte» dann ein Verhältnis mit Herrn v. Kröcher gehabt?— Zeugin: O, aber nur 3 Wochen lang. Präs.: Hat Herr v. Kröcher großen Anfivand für Sie gemacht?— Zeugin: O bewahre I— Präs.: Haben Sie nicht zuiammen diniert, oder soupiert und viel Gelder verzehrt?— Zeugin: Nein, das hat nicht viel gekostet. Wir verkehrten ge- wohnlich im Savoy-Hotel.— Präs.: Na, da pflegt man auch nicht Weißbier zu trinken.(Heiterkeit).— Zeugin: Wir haben ja manchmal Sekt getrunken, zumeist aber Pilsener Bier und die Rechnung der Mahlzeiten ivar nicht sehr groß.— Die Zeugin bestreitet des weiteren, daß v. Kröcher ihr kostbare Geschenke gemacht habe. Sie habe weder Brillantringe, noch Wohnungsmiete von ihm erhalten, v. Kröcher habe vielmehr nur einmal eine Schneiderrcchnung von etwa 150 M. für sie bezahlt und ihr einen Fächer geschenkt, der etwa 140 M. Wert gehabt haben dürfte. Kriminalkommissarius Damm, der alsdann vernonimen wird, weiß wesentliches zur Sache nicht zu bekunden. Seiner Zeit war einmal Graf Königsmark bei ihm und hat ihm gesagt, daß ein Jeu-Klub begründet iverden solle, was da zu thun sei und ob eine polizeiliche Anmeldung notwendig sei. Er, Zeuge, habe ihm geantwortet, daß das Spielen in einen, Kliib an sich iß nicht strafbar sei, daß man sich aber vor dem Eindringen schmutzigex Elemente hüten niüsse. Er habe ihm ferner gesagt, daß er naher» Auskunft über die Pflicht zur Anmeldnng:c. in der betr. Abteilung des Polizeipräsidiunis erhalten könne. Als dann der Artikel un •Berliner Tliczeblatt" erschienen tnnr, IinBc er dem jetzigen Polizei- direttor er Meerscheid-Hiillessem»litj�eteilt, dos; Gros KünPsmtuk dmnols wogen der Vegründimg eines KludS bei ihm war.— Tie Angetlogten behaupten, daß sie geglaubt hätte», durch die Unter- hatlung des Grase» jtönigsmart mit dem siriminallommissar Damm sei die polizeiliche Amneldmig, wenn es einer solchen bedürfe, erledigt, Ans der schließlich erfolgenden Veniehmnng des Kellners L a n g e ist mir hervorzuheben, daß nach seiner Meinung zu den Spielabenden bei Philipp Albrecht v. Kröcher hänfig die Karten mit- gebracht habe,— Nechtsamvalt Dr. S ch lv i n d t läßt durch den Zeugen feslstellen, daß diese Karten aber stets in der Original- Verpackung ivaren, wie sie aus der Fabrik kommen. Der Zeuge weiß auch, daß au den Spielabenden französischer Sekt getrunken wurde und giebt auch zu, manchmal einzelne» Spielern Geld geborgt zu haben. Hierauf wird die Sitzung bis Montag 9 Uhr vertagt. Delegieviettversammluttg des Berems Franettwohl. � Die Verhandlnngen wurden am Donnerstagnachmittag mit einem Vortrage deS Fräulein Dr. jur. Anita A n g s p n r g über kommunale Aeiuter d e r F r a 11 fortgesetzt. Fräulein Augsburg, unter den jüngeren Kräften der Frauenbewegung imzweifel- Haft eine der befähigtesten, hat trotz ihrer relativ kurzen öffentlichen Wirsiainkeit sich bereits eine FnhrerrolU in ihrem Kreise errungen. Vor einigen Jahren, noch als oanä. jur.. vielleicht gar als Fuchs, hat sie in einer Rede den Soeialisinns zu vernichten ver- siicht. Heilte würde sie das schwerlich mehr unter- nehmen.— Mit den AuSsnhrungen ihres ivohl durch- dachten Referats durften auch wir S o e i a l d e m o k r a t e n uns in, großen und ganzen einverstanden erklären. Die Grundzuge desselben sind im wesentlichen in der folgenden, von ihr eingebrachten Resolution enthalten, die auch einstimmig zur Annahme gelangte. Sie lautet: Die hier vcrsaunnelten Delegierten Deutscher Franenvereine erklären, daß eS wünschenswert sei. daß sich die praktischen Be- thätiguugen der Franenvereine vorwiegend auf die B e t e i l i g u n g der Frauen au den Arbeiten der kommunalen und st a a t l i ch e n Verwaltung und nicht nur auf die Gründung privater, gemeinnütziger Veranstaltungen zu richten habe. Sie befürworten, allerorts in den Vereinen auf Einstellung von Frauenkräften, vorerst in der Armen- und Waisen- Pflege, in der S ch u l v e r w a l t u n g, dem Gefängnis- w c f c ii, in der Gewerbe-Inspektion und bei den G e- w c r 6 c g c r i ch t c 11 hinzuarbeiten, andererseits aber auch, sich die tüchtige Vor- und Durchbildung geeigneter weiblicher Kräfte zur Uebernahme solcher öffentlichen Aeiiiter angelegen sein zu lagen. Freilich, über die Art, wie all diese Forderungen durchgesetzt werden sollten, wußten die Awesenden nicht viel auszusagen. Die schwachen Anfänge, die nach dein Bericht einiger Delegierten in Remscheid, Bonn und Eolmar mit der Beteiligung von Frauen an der öffentlichen Armenpflege gemacht sind, geben noch tvenig Hoff- nnng, da sie mehr oder Iveniger privaten Konnexionen zu ent- sinimncii scheinen. Sehr mit Recht wies Fräulein Dr. H a ck e r darauf hin, daß der einzige Weg, in diese Verwaltungs- zweige einzudringen, � der sei. daß man die öfient- liche Meinung in diesem Sinne zu beeinflussen sucht. Das geht doch aber nur, wenn man eine politische Partei für sich gewinnt, die die betreffenden Forderungen in ihrer Presse und in den maßgebenden Körperschaften vertritt. Wenn die Frauen da nun auf die Partei des Herrn Dr. Max Hirsch als auf einen roeber de bronce bauen, so, fürchten wir, dürften sie manche Enttäuschungen erleben. Die Liberalen haben sich gerade in den Kommunal- Verwaltungen, wo sie die Macht in Händen haben, als sehr reaktionär erwiesen. Wie wäre es. wenn die Führerinnen der Frauenbewegung ihren ganzen Einfluß aufboten, um beispiels- Iveiie bei den bevorstehenden Kommunalivahlen in Berlin gelvisse Kandidaten auf ihre Forderuugen zu verpflichten? Sie müßten sich dann allerdings auch dazu bequemen, von dem Vorhandensein der soeialdeniokratischen Partei Notiz zu nehmen. Man muß anerkennen, daß die Verhandlungen über die kommunale Thätigkeit durch ihre Sachlichkeit einen sehr guten Eindruck machten. Ilm so mehr mußte das, was nun folgte, enttäuschen, Der bereits gestern erwähnte Herr Pfarrer Hoffet hielt uäin- lich am selben Abend in einer voni Delegiertentag veranstalteten öffentlichen Versammlung einen Vortrag über die S i t t l i ch k e i s- frage. Herr Pfarrer Hoffet ist unzweifelhaft ein Mann vonUeber- zeugung, aber seine Ueberzeugung ist eine derartige, daß man nicht begreifen kann, wie ein Verein, der niit der Sache der Frauen- emanzipation doch auch die Sache des Fortschritts überhaupt, die Sache der kommenden Kultur verfechte» will, sich mit ihr identi- fieieren kann. Herr Pfarrer Hoffet ist Mitglied der„Internationalen Federation zur Bekämpfung der patentierten Unzucht". Und er verfuhr dem- gemäß. Er öffnete die Schleusen der inneren Mission und richtete unter der andächtigen Zuhörerschaft furchbare Verwüstungen an. Für ihn ist daS Sittlichkeitsproblem nur aus dem Süudenfall heraus zu erklären. Die Prostituierte fuhrt ein Sündenleben, das wir ver- abschenen muffen, weil sie ihren Leib, gleichviel ob für oder ohne Entgelt, zu unsittlichen Zwecken feilhält. Jeder außereheliche Ge« schlechtsverkehr ist unsittlich. Jene Behörde, die eine Frau wegen Kuppelei zur Verantwortung zog, weil sie einen Verkehr ihrer Tochter mit ihrem Bräutigam geduldet hatte, niußte also das Wohlgefallen des Herrn Hoffet erregen. Prostitutivii ist persönliche Sünde, denn der Mensch ist nicht unter das Muß. sondern unter das Soll gestellt. Unsere Jugend atmet die verpestete Luft einer unsauberen Litteratiir, einer von ihrer Höhe herabgesunkenen Knust. Die materialistische Ge- fiunung würdigt den Menschen zum bloßen Naturwesen herab. Viel Schuld haben auch die verbrecherischen Aerzte, die dem jungen Manne raten, seinen Leidenschaften freies Spiel zu laffen, sowie die Vergnügungen der Großstadt. In diesem Stile ging die Predigt weiter. Die Maßregeln, die der Herr Pfarrer gegen das Ueberhaiidnehmen der Unzucht empfahl, ließen die ultraniontmijte tax Heinze als ziemlich zahm erscheinen, Um gerecht zu sein, wollen wir nicht übergehen, daß Herr Hoffet als eine der Ursachen der Prostitntion auch die Hungerlöhne der erwerbsthätigen Frauen bezeichnete. Nur wußte er als Heilmittel dagegen nicht viel mehr vorzuschlagen, als die Liebe, die ja bekanntlich auch den tiefsten Abgrund ausfüllt. Vor allem gilt es, eine gleiche, und nicht allzumilde� Moral für Mann und Frau zu statuieren. Für das Weitere wird schon der liebe Gott sorgen. Und der Berein Franenwohl spendete diese» Ausführungen jubelnden Beifall I Die folgende Diskussion bewegte sich auf völlig gleichem Riveau. Fast am verständigsten sprach noch ein Arzt, er hieß Dr. Hacker oder so ähnlich; er erhob sich wenigstens über die allerplatteste Moral. Er erwartete die allmähliche Beseitigung der Prostitution von der Heranziehung der Frau zu allen Kultur- aufgaben. Nur ein Frl. Freytag- Charlottenbura schien trotz mancher Sonderbarkeiten den Kern der Sache zu treffen, indem sie auf den soeialpsychologischen Urgrund der Prostitution hinwies. Die übrigen Redner aber brachten nach und nach folgende Institutionen zur'Aushebung der Prostitution in Vorschlag: Jünglingsvereine. LuxnS-, insbesondere Rauchverbot, Kirchenbesuch, Naturheilkunde und dergleichen. Die ganze Verhandlung mußte auf den überzeugten Anhänger der Forniel: Frauenemaiieipation gleich Kultnrforffchritt äußerst deprimierend wirken. Zum Glück bewies die Fortsetzung der Ver« Handlungen des Delegiertentages am Freitag, daß das Verhalten zur Sittlichleitslrage doch nicht symptomatisch für die geistige Höhe der Franenvewegimg ist. ES handelte sich um die Beratung der Organisation eines Verbände», der die einzelnen ver- eine mehr als bisher in den Stand setzen sollte, ihren Aufgaben zu genügen. Fräulein L i s ch n e w s k a, eine Volksschullehrerin, legte in einem vorzüglichen Referate den Unterschied zwischen der zahmen Tonart der Alten und der energischen der Jungen, der.Radikalen" dar. Un- zweifelhaft befolgen hier die Radikalen die weit zweckmäßigere Taktik. Gar so radikal sind sie übrigens auch nicht. Das bewies die Absage, welche Fräulein Lischnewska an die Adresse der Soeialdeniokratie richten zu müssen glaubte. Diese Absage soll ihr übrigens nicht so sehr verdacht werden. Denn man loinitc ans ihren Worten die tröstliche Gewiß- heit gewinnen, daß sie vom Wesen der Soeialdeniokratie nicht allzu viel ivußte. Es ist also anzunehmen, daß sie bei näherer Veschäfti- qniig mit dieser Materie, logisch, wie sie ist, zu etwas anderen Anschauungen gelangen wird. Die Einzelheiten der Verhandlmigen boten zivar manches Charakteristische, haben aber für die Leser des„Vorwärts" geringes Interesse. Man einigte sich schließlich auf die Annahme folgender Thesen: 1. Der weitere Fortschritt der deutschen Frauenbewegung, die kraftvolle Vertretung der neiieii Ideen und der neuen Formen des Handelns fordern die Gründling unseres Verbandes. 2. Die Stellung des Verbandes, zu den Hauptfragen der deutschen Fraiienbewegiiiig ist folgende: a) Der Verband will durch allgemeine Aufklärnng und durch Schaffung örtlicher Organisationen im Dienste der S i t t- lichkeitSfrage den Grundsatz der doppelten Moral und seine Folgerungen bekämpfen. b) Er will die Frauen zur Wertschätzung politischer Rechte, inS- besondere des F r a n e n- S t i m m r e ch l s, führen. c) Er bezeichnet die höhere Töchterschule als eine der Ver- gangenheit angehörende Schöpfinig, ivelche völlig nn- geeignet ist, die deutsche Frau zur Mitarbeit an allen Kiilturbestrebiingeii ihres Volkes vorzubereiten. Er sieht in der Gründung von Mäd ch e n-R e a Is ch nl en und Mädchen gymiiasien eine der dringendsten Aufgaben des Staates und der Städte und tritt zugleich für den Ge- danken der Einheitsschule ein. 6) Der Verband lehnt jede Trennimg der bürgerlichen Frau von der Arbeiterin entschieden ab. Er wird aufrichtig bestrebt fein, die Arbeiterinnen für seine Ortsvereine zu gewinnen und so eine gemeinsame Arbeit im Interesse des Arbeiterinnen- st a n d e s zu ermöglichen. Am Nachmittage wurden dann die Satzungen deS neuen Ver- bandes einer Speeialdiskussio» unterworfen. Uolrnles» Die Harmlose» sind jetzt wohl die populärsten Persönlichkeiten in Berlin. Nachdem sie nun auf freiem Fuße sind, drängt sich morgens, mittags und abends, so off die hannlosen Jeu-Ratten das Portal des Kriminal- Palastes passieren müssen, eine dichte Menge von Herren und Damen auf der Straße zusammen, um das Glück zu genießen, die berühmt gewordenen Vertreter der goldenen Jugend von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Besonders der junge Kröcher versteht es großartig, zu repräsentieren und der ichauliistigen Menge für ihre Geduld auch etwas zu bieten. Sein generöser Bater hat ihn jedenfalls schleunigst mit dem nötigen Klein- geld ausgerüstet. Und so fährt der junge Herr denn stets mit dem Weißlackierten vor, er hat sich den modernsten Herbstpaletot zugelegt und trägt die elegantesten Lackstiefel. Da im Schwurgerichtssaal leben Morgen großer Zeugenappell ist, so giebt es vor dem Gerichts- Palast um diese Zeit auch soiist genug patente Männlein und Fräulein, die als Zeugen fungieren sollen, zu sehen, und manche elegante Equipage trägt die blaublütigen Herrschaften aus dem Klub der Harmlosen heran. Allgemeine Aufmerksamkeit erregen auch die als Zeuginnen vor- geladenen„Verhältnisse" der Angeklagten. Die gestrigen VerHand- lungen wurden durch die Anwesenheit von Fräulein Lona Kussinger, der Geliebten Kröchers, verschönt. Sie erscheint sehr chic, im 'chwarzseideneii Schleppkleid, mit kokettem Hütchen und iveiß verschleiert, und wird iinimterbrochen von den zahlreichen Kavalieren umschwärmt, die sich mit ihr bestens unterhalten. Bei der Veniehmimg der Lona stellte sich nachher heraus, daß das Verhältnis dem jungen Herrn nicht übermäßig teuer gekommen ist. Denn er habe mit ihr nur im Savoy- Hotel diniert, Champagner getrunken, ihr eine Kostümrechnnng über 290 M. bezahlt und einen Fächer für 150 M. geschenkt. Unsere Leser werden sicherlich staunen, wie man bei so bescheidenen Aufivenduiigen überhaupt existieren kann. In der Vonnittagssitzung trat Dr. Leipziger vom„Kiemen Journal" auf, von dem man bei Angabe seiner Personalien erfuhr, daß er mit Vornamen Leo heiße und evangelisch ist. Dann folgte Herr v. Manteuffel und verwickelte sich dermaßen in Wider- ipriiche und kam so tief inS Gedränge, daß der Vorsitzende ganz»cht hatte, als er meinte, es habe den Anschein, als ob die Untersuchung gegen Herrn v. Manteuffel und nicht gegen die Aiigeklagten geführt werde. Der gestern erwähnte Z:" auf dem er dem Grafen Königs- marck die Zeugenaussage auffchrieb, die dieser in einer gezen Manteuffel schwebenden Untersuchung machen sollte, lautet folgender- maßen: „v. Manteuffel wandte sich an Graf v. Königsmark schriftlich mit der Bitte, ihm behufS Ermittelung mehrerer Zeugen behilflich zu fein. Diese Zeugen waren Graf Schiverin, v. Gersdorff und v. Moers. Graf Schiverin ist durch die Beniühungen des Grafen Königsmari ermittelt worden. Graf Königsmark ließ den Brief unbeantwortet, und wir trafen uns dann bei Trarbach, wo wir uns sprachen. Bei diejer Gelegenheit klagt v. Manteuffel über die Schwierigkeiten, die ihm aus der Nichtanffindbarkeit der Zeugen erwüchsen. Graf Königsmark glaubte der Sache einen Dienst zu erweisan, wenn er die Sache in der Zeitung zur Sprache brachte. An der Nennung der Namen der Zeugen durch die Zeituug und der Form des Artikels ist v. Manteuffel ganz unbeteiligt und hat auch vor Erscheinen des Artikels von dem Inhalte desselben keine Kenntnis gehabt." Wir glauben, dieses Vorschreiben einer zu machenden Zeugen- aussage wird dem vielseitigen Kriminalkommissar noch recht unau- genehm werden. Und, die ihm winkenden Unannehmlichkeiten zu erhöhen, trug auch die Prozetzverhandlung am Freitag ihr redlich Teil bei. Er wurde auf der Thatsache festgenagelt, daß er den entlvffchten Kronzeugen Dr. Kornblum als einen Gentleman bezeichnet hatte, gegen den nichts vorliege.— trotzdem er selbst eine Untersuchung wegen gewerbsmäßigen Glückspiels gegen ihn geleitet hatte. Er hat verbreitet, in der Wohnung VeS einen der Auge« klagten würden die Leute ausgenommen, trotzdem er für diese Behauptung nicht den geringsten Anhalt nachweisen konnte und sie gegenüber Dritten nur aufgestellt hat, um etwas zu erfahren und Material für die Anklage zu gewinnen. Der Herr Kriminalkommisiar niußte sich in offener Gerichtssitzung sagen laffen, daß er. d a S Gegenteil der Wahrheit" in die Presse lanciert habe, und gab schließlich im Gedränge die Erklärung ab, daß er als Beamter berechtigt sei, um Material zu gewinnen, etwaS zu sagen. daS einen thatfächlichen Hintergrund nicht habe! Dies versteht aber Herr v. Manteuffel vortrefflich mit der Thatsache in Einklang zu bringen, daß er persönlich ei» Ehrenmann ist. Denn ,.A m t und Person müßten von einander getrennt werdeis", wie er mitteilte. Herr v. Mmitenffel ist aber auch ein vielseitiger Kriininalbpainter. der es vorzüglich versteht, Spitzel zu gewinnen, natürlich alles znin Zwecke der größeren Sicherheit und Sittlichkeit in Berlin. So hat er noch vor wenigen Wochen an den Grafen Königsmark, der im„Kl. Journal" thätig ist, den folgenden Brief gerichtet: Berlin, 5, Rathenowerstr. 46, d. 21. 9. 99 Lieber Herr Graf v. Königsmark! Wollen Sie nicht so liebenswürdig sein und mir zur Adresse des Herrn v. Gersdorff, Lt. d. Res. im Westfälischen Husaren- Regiment 11. Rankestr. 33. bei der Mutter z» erfragen, und des Grafen v. Schwerin, zuletzt Eislebenerstraße 14. bei der Mutter wohnhaft, verhelfen? Sie versprachen mir Nachfrage zn halten. auch wollten Sie mir die Adresse des Vice-Konsuls und Literaten Moos beschaffen. Ohne Graf S ch iv e r i n und v. Gers- d o r f f, die sehr wichtige Zeugen sind, ist, fürchte ich. eine Ver- Handlung nicht möglich,' und Ihnen wird man die Ausknnft, wenn Sie privatim nachfragen, sicher nicht verweigern. Ist Ihnen ein Graf Z e ch- B n r k e rs r o d a bekannt, der Winter 1896/97 mit v. K r ö ch e r gespielt und an diesen verloren hat? Wenn Sie sich ivirklich für die Sache interessieren, können Sie uns durch diese Auskünfte sehr nützen. Haben Sie von v. Kaysers Verteidigungsschrift durchstudiert und wollen Sie mir diese nicht wieder zustellen? Lassen Sie doch bald einmal von sich hören. Viel Zeit ist nicht mehr zu verlieren. Ist Dr. Leipziger nun auch schon vorgeladen? Was giebt es sonst Neues? Wie geht es vor allem Ihnen selbst? Wenn Sie mich einmal auffuchen wollen, schreiben Sie mir, bitte, tags zuvor ein paar Zeile». Am Sonnabend bin gar nicht zu haben. Herzlichen Gruß. Hochachtungsvoll Ihr Manteuffel. Ein etwaiges Ausscheiden des Herrn Kriminalkommissars aus dem königlich preußischen Dienst wäre bei solchen Leistungen auf alle Fälle zu bedauern. Die weiteren Verhandlungen deS Harmlosen-ProzesseS— der im übrigen ziemlich auf dem alten Flecke steht, da besonderes Be- lastuiigsiuatenal nicht vorgeführt werden konnte>— sind auf Montag früh vertagt._ Soll die Gemeinde-Eiiikommeusteuer für die Einkomme» von titiO— ötU> Mark erhoben werden oder nicht? Mit dieser Frage wird sich in den nächsten Tagen die städtische Steuerdeputntion beschäftigen. Die Einziehung der Steuern verursacht der Steuerdeputation in den untersten Stufen große Mühe u n d Kosten,— so große, daß das schließliche Ergebnis des Eiiiziehlliigsgeschästes dazu in einem sehr ungünstigen Verhältnis steht. Die wenig bemittelten Steuerpflichtigen dieser Stufen ziehen hänfig um, müssen dann von neuem ermittelt und durch den Steuererheber aufgesucht werden, bleiben dabei aber vielfach unauffindbar. Andere erweisen sich nach fruchtloser Mahnung ic. als überhaupt zahlungsunfähig. Das ist besonders oft der Fall in Zeiten eines weit verbreiteten Notstandes der Ar- beiterbevölkerung; aber auch in weniger schlimmen Jahren müssen in den untersten Steuerstufcn stets zahlreiche Posten wegen Zahlungsunfähigkeit der Steuerpflichtigen gänzlich niedergeschlagen iverden. Es darf daher erwartet werden, daß die Steuerdeputation sich dafür entscheiden wird, künftig auf die Erhebung der Steuern wenigstens für die Einkommen von 660 bis 900 Mark von vornherein zu verzichten,— nicht aus Rücksicht auf die wirtschaftliche Notlage von Leuten, dle sich mit einem so erbärmlichen Einkommen durchschlagen müssen, sondern ans rein praktischen Erwägimgen._ Unsere Leser wissen, daß schon einmal ein solcher B e« s chlnß gefaßt worden ist und einige Zeit Gelhing gehabt hat. Bei der Genicindesteuer-Neforin im Jahre 1894 wurde aber der frühere Zustand wieder hergestellt, und seitdem ist eS dabei geblieben. Es geschah das auf Antrag und mitunter« stützung von Stadtverordneten, an deren„ent- schieden freisinniger" Gesinnung kein Zweifel erlaubt ist. Die Freunde dieser Matzregel begründeten ihre Haltung mit dem Satze, wer mitraten wolle, der müsse auch mit- thaten; das fordere die Gerechtigkeit. Auf die„GerechtigkeitS- forderuugen" besinnen sich diese wackeren„VolkSfteunde" immer nur dann, wenn sie den Unbemittelten und Armen eine neue Last aufpacken wollen. Außcr der SiegeSallce sollen auch die übrigen Houptweg« des Tiergartens elektrisch beleuchtet werden. Die Kosten der Anlage sind für 92 Bogenlampen veranschlagt auf 43 446.60 M., die Betriebskosten auf 33 660 M. jährlich, wovon indessen 4717 M. für die in Fortfall kommenden 99 Lampen abzurechnen sind. In dem„Harmlosen- Prozeß" kommen fortgesetzt Spieler« ausdrucke, wie„Anschuß in Sicht",„Unbares Spiel" usw. zur An» Wendung, über deren Bedeutung der Vorsitzende mehrfach um Aus- kunft ersuchte. Die Spieler haben ihr eigenes Rotwälsch, daS dem Laien unverständlich erscheint. In einer Karte, die in der Verhand- lung zur Verlesung kam, standen die Worte:«Hier ist jetzt alles das, nnbar wird nicht angenommen." Dieser Satz bedeutet, daß bekannte Spieler sich vereinigt baben, flott spielen, daß jedoch Spielverluste sofort in barem Getde entrichtet werden müssen. Das Wort»unbar bedeutet Begleichung der Spielschuld durch Wechsel. Von einem Grafen F. wurde behauptet, daß er gleich am ersten Abend„gehörig an- geschossen" worden, d. h.. daß er am ersten Spiclabend ganz be- deutende Verluste erlitten habe. Eine angehliche Depesche„Anschuß in Sicht" bedeutet, daß Spieler vorhanden wären, die un„Jeu" nicht fest sind. Ein guter„Schießer" ist ein guter Spieler.„In die Pinke zahlen" bedeutet, einen bestimmten Geldbettag in eine gemeinsame Kasse zu entrichten, aus welcher die Kosten für Karten- geld k. gedeckt werden.„Schuß in gutem Gange" heißt Glück beim Spiel, und jemandem etwas„abschießen" bedeutet, jemandem etwas abzugewinnen. Mit„senken" ivird angedeutet, daß der Geivinner, während er»och beim Spiel beschäftigt ist, den ganzen oder einen Teil der Beträge in die Tasche steckt. Mit jemandem immer„eng sein" heißt, mit einer bestimmten Person stets gemeinsam spielen. Der Bankhalter bei den„Hann- losen" soll, nach Behauptung der Angellagten. fast nie anders als „vom Block" gegeben haben. Der Block ist ein Holzkasten.'» dem eine größere Anzahl von Kartenspielen offen liegen. Die Spiele sind»ebeneinander gestellt. Der Bankhalter sticht mit einer leeren Karte— eine Karte, die noch nicht bedruckt ist— eine Anzahl Karti.ii von dem Block ab und legt sie dann, wie es beim Spiel üblich, rechts und links auf. Die Zahl der abzustechenden Karten ist natür- lich nicht bestimmt, der Bankhalter muß unter Umstände» mehrmals abstechen. Wird die Karte vom Block gezogen, sp Ivird dieselbe auch nicht gemischt.— Auch die Einbrecher, Zuhälteric, haben belamittich ihre eigene Sprache. „Plötz-Cigarren" vertreibt der mittelstandsrettende Bund der Landivirte zum Besten seiner Kasse. Soll der Raucher sich beim Genießen des DufteS dieser Cigarren deS lebenden oder deS toten Führers vom Bunde erinnern? Zur Erleichterung bei Verzollung der mit der Post vom Auslände eingehenden zollpflichtigen Pakete besteht im Einverständnis mit der Steuerverwaltiiiig für Berlin die Eiiirichtinig, daß ans Verlangen des Empfängers die zollamtliche Schlußabfertigimg der gewöhnlichen Pakete und der Wertsendungen im Einzelbetrage bis 1000 m. durch Vermittlung der Postbeamten erfolgen kann. Diese Sendungen werden nach der Verzollung wieder sorgfältig verpackt, amtlich'verschlossei,. und den Empfängern mit der nächsten Paket- bestellfahrt zugeführt. Für die Bestellung und die Erfüllung der Zoll- förmlichkeiten durch die Post wird für jedes Paket bis zum Gelvicht von 5 Kilo«ine Gebühr von Lv Pf. erhoben! bei schwereren Paketen tritt dieser Gebühr das tarifmäßicie Bestellgeld hinzu. Für die Wiederverpackung der Sendungen kcmimt eine Gebühr mir in dem Falle in Ansatz, wenn dadurch bare Auslagen entstanden sind. Bon dem Eingange einer zollpflichtigen Postsendung wird der Empfänger bei der Bestellung der zugehörigen Begleitadresse in Kenntnis gc- setzt. Wünscht er die zollamtliche Schlusjabfertigung durch die Post bewirken zu lassen, so hat er seine— mit der Pakeiadresse zu- gestellte— gedruckte Erklärung zu vollziehen und beide Ggenftäude dem Briefträger zurückzugeben oder— soweit es sich um Zollpakete ohne Wertangabe handelt— unter Briefumschlag mit der Bezeichnung „hierin Zolladresie" an die betreffende Poslvcrzollungsstelle zu senden, wofür kein Porto berechnet wird. Auf dem Fundblireau. Emsig rasseln die Federn der Bureau- oeamieu über das Papier, dickleibige Folianten werden auf» und zu» geklappt, ein jeder ist in seine Arbeit vertieft. Plötzlich wird die herrschende Stille unterbrochen, die Thür wird aufgerissen und in das Bureau stürmt ein den„besseren Ständen" angeböriger„Herr". ß e r t; Ist hier vielleicht eine Cigarrcntasche abgegeben worden? Beamter: Nein, dies ist nicht der Fall. Herr: Nicht? Daun hat sie der Strolch also richtig für sich behalten. Beamter: WaS für ein Strolch? Herr: Nun, der Strolch, der Kutscher I Beamter: Wissen Sie auch genau, das; der Kutscher, welcher Ihrer Meinung nach ein Strolch ist, die Tasche an sich ge- uommen hat? Herr sin Erregung geratend): Jawohl weih ich das I In Gegenwart von Zcngeu hat der Strolch die Tasche eingesteckt I Beamter: Es ist aber mindestens nicht anständig von Ihnen, einen Droschkenkutscher hier als Strolch zu bezeichnen. Das ist eine Beleidigung für den ganzen Stand. Herr: Ich verlange, daß man mich hier anständig behandelt. Beamter: Wie können Sie den Kutscher einen Strolch nennen? Ist es nicht möglich, daß der nächste Fahrgast nach Ihnen und das kommt häufig vor—, der ebenso anständig ist, wie Sie, die Tasche eimiesteckl hat? Herr(außer sich vor Wut, stoßt unzusamntenhängende Worte hervor). Beamte»(sehr gelösten): llebrigens— wenn Sie doch so anständig sein wollen, dam; nehme» Sie gefälligst den Hut ab l Herr: Bitte sehr! Ich danke für Ihre gütige Belehrung l Ich empfehle mich! Der„Herr" aus den„besteren Ständen" verläßt unter ironischen Verbeugungen das Fundburcau. Emsig rasseln die Federn wieder über daS Papier. Die Burcanbcamten find an solche kleine Ztvisckicnfälle bereits gewöhnt. Tie Turmuhr der Bartholomäuö-Kirchc am Friedrichshaiti hört seit Donnerstag abends schon Uhr acht zu schlagen auf. Kürz- lich teilten wir mit, daß das Schlagwerk der Uhr in Rücksicht auf die Nervosität eines Pastors abends g Uhr abgestellt wird. Diese Maßregel hat anscheinend nickt viel Erfolg gehabt. Die Einwohner jener Gegend wollen den Magistrat ersuchen, für Aufstellung einer neuen Uhr in jener Gegend zu sorgen. Es braucht ja keine Kirch- turm-Uhr zu sein. Einem neue« Schwindel ist ein Posamcntenhäudler in Moabit »um Opfer gefallen. Dieser Tage erschien bei ihm ein junger Maun, der sich als Vertreter einer Stempelsabrik in Hannover vorstellte und einen Stempelkasten mit b80 Gummishpen zum Preise von 10 M. zum Kaufe anbot. Der Reisende erhielt einen Auftrag, und zwei Tage darauf bekam der Geschäftsmann aus Hannover einen Stcmpelkastcn, ohne einen Pfennig gezahlt zu habe». Leider hatte der Kasten aber den doppellen Umfang wie der ihm von dein Reisenden vorgezeigte. Dafür lautete die beigelegte Rechnung nicht auf 10, sondern auf 20 M. Am Abend sprach der Reisende wieder vor, um die 10 M. einzukassieren. Als er nun von der Sendung hörte, bedauerte er, daß eine„Vcrwcchs- lnng" vorgekommen sei, und erbot sich, den Kasten mitsamt den 10 M. der Einfachheit halber selbst zur Sendung nack Hannover aufzugeben. Da die Verpackung die Ausschrift„Hans Gräfe, Stempelfabrik, Hannover" trug, so zahlte der Geschäftsmann an- ftandSlo? die Summe und erhielt von dem Reisenden die Vor- sichening, daß der richtige Stempelkastcn„A 680" in einigen Tagen eintreffen werde. Statt des Kastens langte jedoch, der„Deutschen TageSztg." zufolge, ein Brief folgenden Inhalts au:„Besten Dank für die 10 Mark, kommt auf jeden fünf. Den Stcmpclkasten können Sie sich pfeifen. So fischt man Dumme." Tie Strafsache gegen den Bankier Max Arendt, den Reit- stallbesitzer Albert Levy und den Direktor Georg Bernstein gestaltet sich sehr umfangreich und verwickelt. Die Voruntersuchung führt jetzt, weil der Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Tclle schon ander- weilig durch Dienftgesckäfte stark in Anspruch genommen ist. Land- gericktSrat Grunow. Levy hat gegen seine Verhaftung Bcschiverde erhoben; diese ist jedoch gestern vom Kammergericht zurückgewiesen worden. Ein seit 45 Jahren bei der Firma S. I. A r u h c i m an» gestellter Schlosser hat, wie die„Nordd. Allg. Ztg." weitläufig be- richtet, gestern das„allgemeine Ehrenzeichen" erhalten. Im allgemeinen haben Arbeiter sehr wenig Sinn für derartige Zuweu- düngen, Lohnerhöhungen sind ihnen meistens lieber. Die Centcnarfcier de? Friedrich Wilhelm- Hospitals ist gestern durch Festspeisung, durch Ansprachen sowie durch Verteilung von Orden an die höheren Beamten begangen worden. Allgemein fiel es im Hause auf. daß zwei der ältesten Beamten, der Heizer B. und der Portier E., von denen der letztere 38 Jahre im Dienst steht, keinerlei Zuwendung erhalten haben. Auf Orden und Titel ver- zichtcn sie, immerhin hatten sie aber schon deshalb auf eine kleine Zuwendung gerechnet, weil sie in der langen Dienstzeit niemals eine Gehaltszulage bekommen haben. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich gestern vormittag in der Fruchtstraße. Ter vier Jahre alte Sohn Eduard des Steppers Wenzel aus der Friedrichsfelderstraße 12 lief, während seine Mutter glaubte, daß er auf dem Hofe spiele, auf die Straße hinaus und wollte über den Fahrdamm der Fruchtstraße hinweg nach der Münche- bergerstraße gehen. Dabei fiel er hin und geriet unter einen Last- wage». Der Kutscher suchte seine Pferde zum Stehen zu bringen, bei dem starken Verkehr gelang es ihm jedoch nicht. Ein Borderrad des schweren Wagens ging dein Knaben über den Hals und trennte ihm den Kopf fast ganz vom Rumpf. Der Kleine starb auf der Stelle. Nach den Aussagen von Augenzeugen trifft den Kutscher keine Schuld. Einen Sclbstmorddersnch ans offener Straffe machte gestern nachmittag der 32 Jahre alle Schlosser Richard Schüttle an der Ecke der Brcitcnstraße und des Schloßplatzes, indem er eine größere Menge Salzsäure nahm. Ein Schutzmann des 2. Reviers fand ihn hilflos daliegen und brachte ihn in ein Krankenhaus. Ueber den Beweg« gtiind und seine Verhältnisse giebt der Mann keine Auskunst. Selbstmord eincö achtjährigen SchülerS? Der acht JahlZ alte Sohn Ernst des Architetten F. aus der Friesenstr. 5 war seit Dienstag voriger Woche verschwunden. Er besuchte die Klasse IV a der Gcnieindeschule in der Bergmannstraße und hatte sich dort etwas zu schulden kommen lassen. Aus Furcht vor Strafe ging er nicht mehr»ach Hanse, sondern lief planlos in der Stadt umher. Abends sahen ihn Scknffer am Hafenplatz am Ufer des Laudwehrkanals fitzen und bald darauf im Wasser treiben. Ihre Rettungsversuche miß- langen. Gestern landete man die Leiche aus dem Kanal. Ob der Knabe infolge Uebermüdung eingeschlafen und verunglückt oder stet- willig ins Wasser gegangen ist, läßt sich nicht feststellen. Arbciterrisiko. In der Bnckdnickerei von Krause. Beuthstr. 7. ist gestern morgen 10V« Uhr der Steindruck-Hilfsarbeiter Matternewitz ans der Elbinflerstraße schwer au der Maschine verunglückt. Erstand mitten in der Schnellpresse, al» die Maschine sich plötzlich au« noch nicht aufgeklärten Ursachen in Bewegung setzte, den Arbeiter erfaßte und ihm lebensgefährliche Quetschungen beibrachte. Der Verunglückte ist nach einem Krankenhanse gebracht worden. Der etwa 50 jährige Mann ist Familienvater; er ivar in der Fabrik von Krause bereits sechs Jahre beschäftigt. Ter Konsuniverein Berlin- Nord hat als Eingetragene Ge- nossenschaft mit beschränkter Haftpflicht am 1. Oktober Vinetaplatz 1 seine erste Verkaufsstelle eröffnet. Der von Arbeitern gegründete Verein beabsichtigt»och weitere Verkaufsstellen zu errichten. Wie uns vom Vorstande mitgeteilt wird, sind in dem Betriebe die be- kannten Arbeiterfordcrungen, wie Acht- Uhr-Ladenschluß, Sonntags- ruhe zc. venvirklicht. Das Eintrittsgeld beträgt 50 Pfg.; den Geschäftsanteil von 30 M. kann man sich u. a. durch Aussparung der Dividende erwerben. Ueber das Bürgerliche Gesetzbuch werden in der Aula des Friedrich-Realgymnasiums, Albrechtstr. 27, eine längere Reihe von Vorträgen für Bureauangestellte gehalten. Der erste Vortrag findet nächsten Sonntagvormittag N/z Uhr statt. Der Kostenbeitrag für alle Vorträge ist auf eine Mark festgesetzt. Das Programm ist im Centralverein der Bureauangestellten durch Herrn W. Ohse, Borsigstr. 4, erhältlich. Tie 7. städtische Fortbildungsschule für Mädchen, Nauntrn- (trnhe 63, beginnt ihre Unterrichtskurse für das Wtnte> semester am Mittwoch, den ll. Ottober er. Die Unterrichtsgegenstände find: Deutsch(Recht- schreibung, Briefstil, Aufsatz, Lektüre), kausmännische Korrespondenz, Schreiben, praktisches Rechnen, einsache und doppelte Buchführung, gewerbliches Zeichnen, Gesang, Turnen, alle Arten von weiblichen Handarbeiten, wie Hand- und Maschinennähen, Wäschezuschneiden, Sticken, Plätten, Schneidern, Putz- machen und Maschinensiickerei. Außerdem Wird im Französischen und Engli- scheu für den praktischen Gebrauch Unterricht erteilt. Auch Stenographie nach Stolze-Schrey wird gelehrt und Ucbung im Gebrauch bewährter Schreibmaichinen erworben. Das Schulgeld beträgt monatlich 50 Pf., für Schneiderei und Plätterei 1 M., für Französisch und Englisch halbjährlich 3 M. Anmeldungen werden entgegengenommen des Nachmittags von 6 Uhr ab im Amtszimmer der 42. Gemeindeschule beim Rektor Zander. Der Verein für volkstüwliche Kurse von Berliner Hochschul- lehrern, der den Zweck verfolgt, die Ergebnisie wissenschastiicher Forschung in volkstümlicher Darstellung weiteren Volkskreisen näher zu bringen, ver- anstaltet in diesem Winter zwei Serien lolcker Kurse, deren erste— 7 Kurse umfasiend— in den Monalen Ottober bis Dezeniber stattsinden wird. Jeder Kursus»mfaßi 6 Vorttagsabenbe von je l'/zfi lindiger Dauer, beginnt abends um 8'/« Uhr und ist für Vi ä n n e r und Frauen zugänglich. Der Ein- tritispreis für den einzelnen Kursus beträgt eine Mark. Für Arbeiter, Vereinigungen zc. werden Karten zum ermäßigten Preise von 60 Pf. durch Bennittelung der Vereinsvorstände ausgegeben. Programm: 1. Montags: Geh. Medizinalrat Prof. Walde»er:„Die Musieln des Menscven und deren wichtigste Leistungen", im Hörsaal des anatomtichcn Instituts, Philipp- straßc 12: Anfang: 23. ONober. 2. Dienstags: Prof. Dr. Frentzel: „Ernährung und Bolksnahnnigsmittel", im Hörsaal I der Landwirtschaft- lichen Hochschule, Jiivaiidenstr. 42; Anfang: 24. Oltober. 3. Diensiags: Prof. Dr. v. L u f ch a»r„Bilkerlunde der deutschen Schutzgebiete", im Museum iür Vöikerluiide, Königarätzerstr. 120; Anfang: 24. Oktober. 4. Mittwochs: Pros. Dr. O e r t m a n n:„Familienrechl des Bürgerlichen Gesetzbuches", Aula des Friedrich-Werderschen Gtimnasiums, Doroiheenstr. 13/14, Anfang: 25, Oltober. 5. Mittwochs: Pros. Dr. Frey:„Raphael und Michel Angelo", Hör- saal 26 der königl. Universität; Anfang: 1. November. 6. Doniiersrag: Prof. Dr. H a n s c m a n n:„Ueber die durch Gewohnheiten und Mißbrauche eiilstaudcnen Kranlheiten", Aula des Friedrich-Werderschen Gviunasiul»s„ Doroiheenstr. 13/14; Ansang: 26. Oktober. 7. Freitags: Geh. Bergrat Prof. Dr. H. Wed ding:„Eisenhütlenwesen", Bergakademie, Invaliden- straße 44; Anfang: 27. Oktober. Ausführliche Programme, sowie Eintritts- larten zum Preise von 1 M. für den Kurus(6 Vorträge umfasiend) sind zu haben bei: Georg Belling, Cigarmihoiidlmig, W., Leipzigersir. 136. A. Schütz, Reudaut, 0., Holzmarttor. 60 II(10—1 und 4—6 Ubr). Cbr. Ttichendörfer, C., Sophiensir. 20 pari, im Laden(8—7 Uhr). Tramweinsche Buchhandlung, W., Leipzigerstr. 8. Centraistelle für Arbeiter-Wohlsahrts- Ei»rtchtil»gen, W., Köthenerstr. 23 H(8—3 Ubr). Zum Kursus Nr. 5 (Pros. Frey) und Nr. 7(Prof. Weddiug) sind die Eintrittslarteii bereits b ergriffen. Von Kießlings„Berliner Bs' kehr", dem bekannten roten Westen- taschen-Kursbuch sämtlicher Berliner Verlehrsmitiel erschien pünktlich die Winter- Aus gäbe(30 Pf.). Die Fahrpläne sind wie bisher Übersicht- lich acordnet; der praltisch bearbeitete„Kleine Ließ.ing" verdient nebst seiner Ergänzung„Taschenptan von Bertin"(20 Ps.) die beste Empsehlung. Theater. Im Schiller-Tbeater wird heute das Jbscnsche Schauspiel„Nora" wiederholt. Für Mittwoch, den 11. d. M., ist die erste Aufführung von Blumenibals und KadeidurgS„Großstadllnji" angesetzt. Nach diesem Lustspiet kommt Caiderons Schauspiel„Der Richter von Zalantea" in der Uebersetzung von Wilbrandt, dann„Chprienne" in der Btihnenbearbeitung von OSiar Blumenthal und zum 10. November„Die Jungsrou von Orreons" zur Au>siibruiig.— Der nächste der Dichter- und Tondichter-Abende, die das Schiller-Theater im Bürgeriaale des Rathauses veranstaltet, ist dem Äompouisten Joses Haudn gewidmet. Den einieuenden Vortrag hält Dr. Karl Krebs.— Im Deutschen Theater geht am Sounabeiid. den 14. Oktober, Gerhart Haripminims Bühnendichtung„Das Fr i e d e n s f est" zum ersienmale in Scene. Als Dar sieher wirlen dann die Damen Louise Tumonr, Gi e.a Jurberg, Loucie von Pöllniv, Annie Trenner und die Herren Hans Fischer, Emanuel Reicher, Max Reinhardt, Jiudotf Ritiner mit.— In der Urania ivricht Professor Bank heute über die E» twtcklungSg«schichte der Erde.— Im O st e n d- K a r l Weiß-Theater gelangt beule das AiiSstatttmgssillck„Der Welt- Untergang" zur Anfsührung.— Im P a s s a g e-P a n o p t t k u m wird Dienstag in dm neu bergesteuien Saat das Pastage-Theater mit tüchtigen Vansts-Kräflen eröffnet. Fenerbericht. In der Nacht zum Freitag kam Brandenburg st r a ß e 2 0 in einer Tischlerei ei» Brand aus, der noch im Entstehen gedämpft werden konnte. Dasselbe war der Fall bei einem Kellerbrnnde, der Invaliden straße 9 abzulö'chcn war und Kisten, Körbe, soivie Gerümpel einäscherte. Im Lause des vorhergehenden Abends erfolgte» verschiedene Alarmienmaen, die aber durchgehends auf unbedeutende Brände zurückzuführen waren. Kr o n e n st r a ß e 4 5 war durch einen defekten Gasichlanch GaS entzündet und hatte Gardinen in Brand gesetzt. Z o s s e n e r- straße 32 gingen Möbel in einer Wohming in Flammen auf. Feuermeldnngen von Elisabeth st ratze 29, Alexander- straße 70 und Wilhelni straße 42 waren auf versetzten Rauch bezw. auf blinden Lärm zurückzuführen. SluS den N ach bin orte». Tie Parteigenossen von Britz werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Geueralversamintuug des Volksbildungsvereins Umstände halber am Montag, den 9. Oktober, bei Dorn stattfindet. Rixdorf. Den Mitgliedern des Socialdemokratiscken Vereins „Vorwärts" zur Nachricht, daß am Dienstag, abends 8>/e Uhr. in Gröplers Salon, Bergftr. 147(neuer Saal) die Generalversammlung stattfindet. Tagesordnung: Abrechnungen sc. und Vortrag des Genossen Paul �ahn über: Materialistische Geschichtsauffassung. In dieser Versammlung werden auch Billets zur Treptower Sternwarte a 25 und 60 Pf. ausgegeben. Das Stiftungsfest findet am 15. No- vember im Apollo-Theater statt. Eine Polizeiverordimiig über Einschränkung der gewerblichen Thätigkeit schulpflichtiger Kinder wird für den Stadtbezirk Charlottenburg bald erlassen werden. Der Magistrat hat soeben dem Entwurf' zu einer solchen Polizeiverordnung seine Zu- stimmung erteilt. Nach demselben wird es von nun an verboten sein, Kinder im schulpflichtigen Alter in der Feit von S Uhr abends bis 6 Uhr morgens zu irgend einer Beschäftigung gewerblicher Art heranzuziehen. Ferner ist für Charlottenburg m der genannten Zeit die Verwendung der Schulkinder zum Austragen von Zeitungen. Backwaren und Milch verboten. Gleich wie in Berlin ist der Erlaß einer solchen Verordnung auch in Charlottenburg aus der Mitte der dortigen Stadtverordneten-Berfammlung in letzter Zeit mehrfach ge- fordert worden. Für die Umwandlung der Schöneberger Mittel« und Volksschulen in f i e b e n st u f i g e, die von der Schulaufsicht«- Behörde angeregt und sowohl von der städtischen Schuldeputation wie vom Magistrat einstimmig beschlossen worden ist, hat letzterer nunmehr den Stadtverordneten eine Vorlage zugehen lassen, nach welcher die Umwandlung zu Ostern 1900 eintreten soll. Durchstechereien im EtrafgefängniS Plötzens««. Soeben ist wieder die Verhaftung eine« Gesangenenauffrher» in Plötzense« y erfolgt. Bei einer Revision der Zellen, welche da» Ziel verfolgte. die geheimen Aufbewahrungsorte der eingeschleppten Konterbande zu ermitteln, wurde in der Zelle eines Kalfaktors an einer dunklen Stelle eine Art Keller entdeckt. Mit großer Sorgfalt und einer feinen Säge war ein Stück aus dem Fußboden geschnitten worden. Darunter befand sich eine Höhlung, in welcher sich ein reiches Lager von Bier, Schmalz. Speck, Tabak, Eigarren u. dgl. m. befand. Da sich schwere Verdachtsmomente ergaben, daß der Aufseher um dieses Versteck gewußt haben muß und bei der Zufuhr der Konterbande nicht unbeteiligt ist, so wurde der Mann in Haft genommen. Wenn die Gefangenen nur so ernährt würden, daß sie keiner ge- schmuggelten Nahrungsmittel bedürften, und wenn die Aufseher nur eilten Lohn erhielten, der sie mehr vor Versuchungen schützte I Fricdcnan. Die Verlegung der G a r t e n b a u s ch u l e für Frauen nach dem neuen Heim in Marienselde ist in vollem Gange. Der Umzug der Schule selbst ist beendet; eS erfolgt nun- mehr der Trausport der sehr wertvollen Bäume und Sträucher.— Der Gemeiudevorstaud von Friedenau hat bei der Gemeinde- Vertretung, wahrscheinlich in Rücksicht auf die jüngst passierte Ein- und Ausbreckergeschichte, die Mittel zum Bau eines A m t s-- g e f ä n g n i s s e s beantragt. Steglitz. Von der Gemeinde wird die Errichtung eines Arbeit er sekretariats als Austunfts- und VermittelungS- stelle in Arbeiter-Versicheruiigsangelegenheiten geplant. Gevi»szks Wegen Nebcrtretnng der KonsekttouSarbeiter-Verordnung war der Schneidermeister Trcufeld augeklagt worden, weil er in seinem Betriebe noch nach 8Vs Uhr abends Arbeiterinnen beschäftigt hatte. Trcufeld bestritt, daß die Verordnung auf seinen Betrieb an- geivendet werden könne. Er sei weder Inhaber eines Konfektions- gesckäftes, noch könne seine Arbeitsstube als ein Großbetrieb nugeseheu werden. Das Scköffeugericht stellte folgendes fest: Der Angeklagte läßt in der Saison von seinen Arbeitern und Arbeiterinnen wöchentlich 500 bis 600 Dameujacketts fertigstellen. Den Stoff hierzu erhält er von Konfektionsgeschäften. Er schneidet den Stoff zu und giebt dann die Stoffteile an außerhalb seiner Werkstatt beschäftigte Schneider zur Verarbeitung. Die Kragen werden indessen später in seiner Werkstatt aufgesetzt, ebenso werden hier die Knopflöcher hergestellt. Zu diesem Zivecke hält sich der An- geklagte eine Anzahl junger Mädchen. Um diese handelte eS sick bei dem vorliegenden Strafvcrsahren. Treufeld wurde auf Grund des mitgeteilten Thatbestnudes in allen Instanzen verurteilt. Das Li a m m e r g e r i ck t führte begründend aus: Die kaiserliche Verordnung vom 31. Mai 1897 dehne die Schutz- bestimmuuge» der§§ 135 bis 139b der Gewerbeordnung mit kleinen Abweichungen auf die Werkstätte» aus, in denen die Anfertigung oder Bearbeitung von Kleidern oder Wäsche im großen erfolge. Sie sei zutreffend auf die Werkstätte des Angeklagten angewendet worden. Treufeld fertige Kleider im großen an, wenn er während der Saison wöckentlich 500 bis 600 Jacketts liefern könne. Auch irre der An« geklagte mit der Annahme, daß die Verordnung nur auf die Werk- stätte» des Unternehmers(des Konfektionärs) Anwendung finde. Zwei Jahre Zuchthaus für Gatten», ordvrrsuch. Die Wirtin Vogtmann aus Worms, welche mittels Giftes ihren Mann beseitigen ivollte, wurde vom Mainzer Schwnrgerickt zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Frau hatte ein Verhältnis mit einem Unteroffizier, welcher ihr auch das Gift verschaffte. VevTanuuIungett« Der Verband deutscher Manrcr hielt am Donnerstag eine von etwa 1800 Personen besuchte Versammlung bei Keller, Koppen« straße, ab, in der Dr. A. Bernstein über:„Sociale und hygienische Winke zur Wohlfahrt der Bauhaudwerkcr" referierte. Der Redner wies daraus hin, daß drei Arten von Krantheiten, Tuberkulose, Alkoholis- niuS und ErkällungSkcankbeiteii bei de» Bauarbeitern besonders vor- herrschend sind. Die Häufigkeit der Krantheiten durch � Erkaltung führt er nicht zum geringsten Teil auf die schlechte Beschaffenheit der Baubuden zurück, in denen der von der Arbeit erhitzte Körper der Zugluft und der kalten Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Der Alka- bolismus sei im wesentlichen die Folge der schlechten socialen Verhältnisse und werde noch besonders durch die Arbeitsweise und die verschiedenartigen Umstände im Baubernfe begünstigt. Ueberanstrengung bei der Arbeit und infolge des nicht ausreichenden Verdienstes ungenügende Ernährung. Ein großer Fehler sei es, den ermüdeten, ausgemergelten, schlecht ernährten Körper durch Alkoholgeuuß zu belebe» versuchen, wie dies häufig geschieht und wodurch die Gesundheit nur»och mehr gefährdet wird. Der Redner weist des ferneren nach, daß der Verbreitung der Tuberluloie auch nur Einhalt gcthan werden kann, durch gute Er- nShrung, Pflege des Körpers, gesunde Wohnräume, kurze Arbeitszeit um die notwendige Erholung zu ermöglichen, und überhaupt durch vernunftgemäße Lebensweise. Dem Vortrage folgte eine kurze Diskussion, in der darauf anftnerksam gemacht wurde, daß nach dem Vortrage vom 1. Oktober ab die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um eine halbe Stunde eingetreten ist und daß unter Beibehaltung der bis- herigen Pausen abends um 5�/> Uhr Feierabend gemacht werden soll. In mehreren Fällen sind die Vertragsbestimmungen nickt eingehalten worden und wurde von den Rednern aufgefordert, luiler allen Umständen für die stritte Durchführung der Abmachungen Sorge zu tragen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, in Rück- ficht mit die gegenwärtigen Kämpfe anderer Berufe, die der Unter- stütznng bedürfen, bis mkl. 21. Oktober noch 50 Ps. und erst dann 25 Pf. pro Woche für den Streikfonds zu erheben. Listen sollen nicht mehr zur Allsgabe gelangen und wurden diejenigen, die noch im Besitz von Listen sind, aufgefordert, dieselben umgebend an den Kassierer abzuführen. Einstimmig wurde beschlossen, den Ausständigen Steinmetzen 500 M. und der Agitntionskommission der Maurer für die Provinz Brandenburg 1000 M. ans dem Streikfonds zu über- weisen. Als Hilsskaisierer für die Oranienburger Vorstadt wurde Rollos gewäblt. Nach einem Bericht über die Berhandlnngen mit dem Bund der Maurerpoliere, die auf dessen Veranlassung mit den Vertretern der Maurer beider Richtungen stattgefunden haben, ge- langte folgende Resolution zur Amiahme: Die Versammlung giebt auf eine diesbezügliche Anfrage des Bunde? der Mauerpoliere folgende Antwort: Die Mauerpoliere im allgemeinen sind dem Fortschritt bezüglich der Aufbesserung der Lage der hiesigen Maurer bisher stets ein Hindernis gewesen; die Maurer sind deshalb seit Jahren gewöhnt, die Handlungen ihrer Poliere als feindselige zu betrachten. Die Versammlung hält diesen Zustand für die Interessen beider Teile für bedauerlich und begrüßt es als ein erfreuliches Zeichen, wenn der Bund der Poliere Umkehr hält und in Zukunft gewillt ist, mit offenem Visier für die Interessen der Arbeiterschaft, zu welcher Klaffe sie selbst gehören, einzutreten. Vor allen Dingen verlangt die Versammlung, daß sich der Bund der Maurerpoliere entschließt, I. für die strikte Einhaltung der Vertrags- bestimmungen einzutreten. 2. Keine Maßregelnngen der Maurer vorzunehmen, d. h. Kollegen zu entlasten, weil dieselben für die Jnnehaltting der Vertragsbestimmungen sorgen, für ihre Organisation agitieren oder Mißstände auf den Bauten aufdecken usw. 3. Keine Gesellen von dem einseitigen Arbeitsnachweis der Arbeitgeber zu entnehmen und gegen die Einführung der Entlassungsscheine zu kämpfen. 4. Keine Arbeit in Accord ausführen zu lasten. 5. Sich zur Pflicht macht, daß den Gesellen eine beffere BeHand- lnng zu teil wird. Die heutige Versammlung beschließt, daß, falls der„Bund der Maurerpoliere" diese unsere Wünsche zu Recht anerkennt und die- selben zur Durchführung gelangen läßt, wir diese Organisation als KampfeSorganisation begrüßen und kein Mitglied derselben beein- flussen, in unser« Organisation«inzutreten resp. zu unserem Streik» ond« zu sammeln. D»e Mehl- mid Gctrcidekutschcr hicltcn nm Donnerstagabend wieder eine gnt besuchte Versammlung ab. Wie Schumann in seinem mit lebhaftem Beifall aufgenommeneii Referat ausführte, handle es sich jetzt namentlich darum, au den in so kurzer Zeit er- zielten Forderungen: 27 M. Wochenlohn sc., auch festzuhalten, und alle bereits gemachten Versuche einzelner Unternehmer wegen Nicht- bcwilligung entschieden zurückzuweisen. Ein rühmenswertes Beispiel hierfür haben bereits die Kutscher bei der Finna Splinter Nach- fchgct gegeben, indem dieselben durch sofortige einmütige Arbeits- elnstcllung die geforderte Lohnerhöhung durchsetzten. Die Firma hatte es auch versucht, sich von anderen Firmen das Mehl fahren zu lassen, was aber rechtzeitig vereitelt wurde. Hoffmann und Kahler forderten zum Ausharren auf, gleichzeitig aber auch an der Organi- fanon, dem Verbände derHandels- und Transportarbeiter, festzuhalten, mit besten Hilfe die Lohnaufbesserungen erreicht und ausrecht er- halten werden können. Um aber auf allen Höfen eine genaue und gute Kontrolle durchführen und Lohnherabietzungen verhindern zu tonnen, sei es unbedingt erforderlich, dah für jeden Hof ein Ver- trauensmann gewählt werde, dessen Aufgabe es sein muß, über alle Vorkommnisse sofort Mitteilungen an das Bureau des Verbandes. Blschofstr. 13, gelangen zu lassen. Mit einem begeisterten Hoch auf die Arbeiterbewegung wurde die Versanunlung geschlossen. Die Grabcnrc und Ciscleure tagten am Dienstag in einer Filialversammlung im„Dresdener Garten", lieber den Stand der Neunstundenbewegung der Ciseleure berichtet Grill, daß sich jetzt ca. 20 Kollegen im Ausstand befinden. Bei V o I l g o l d u. Sohn, Levi, Brot recht usw. haben die Kollegen die Kündigung ein- gereicht. Sollten in Frage kommende Firmen nicht bc- willige», so erhöht sich die Zahl der Streikenden auf 00. Bei A r n d u. Markus wird zum Montag die neun- stiindige Arbeitszeit eingeführt. Bei Engel u. Hegewald lFristcr), wo zum Teil schon 9 Stunden gearbeitet wird, soll für die ganze Fabrik die neunstündige Arbeitszeit eingeführt werden. Die Berichte in der„Morgenpost".„Lokal-Anzeiger" usw.—„der Streik sei beendet"— wird für unwahr erklärt. Hieran schloß sich ein mit Beifall aufgenommener Vortrag des Genossen M a r q u n r t über: „Die Gewerkschaften im allgemeinen". Kciling giebt noch bc- kauut, daß am Sonntag nachmittag 5 Uhr in der Sternwarte in Treptow ein Vortrag stattfindet. Ebenso teilt er mit, daß laut einer tuschickuug vom Knnstgewerbe-Museum in den Monaten Oktober bis lezcmber im Hörsaale unentgeltlich Vorträge stattfinden. Eine öffcutliche Lithographcn-Vcrsauimlnng in den Armin- hallen � nahm am 28. Auguft den Bericht über den Lithographen- kongreß entgegen. Aus dem Berichte Dübclts sei folgendes hervor- gehoben:„Die Durchführung der Lohnarbeit in Berlin dürfte nicht so schwer sein, als wie bis jetzt angenommen wurde, denn von 000 Lithographen arbeiten bereits 60 Proz. auf Lohn. Die Leipziger Verhältnisse sind als mittclniäßige zu bezeichnen. In Süddeutsch- land sind die Verhältnisse im allgemeinen besser, als wie in Norddeutschland, ausgenommen Hannover und Wandsbek. In Schlesien stehe es am schlechtesten. Die Festsetzung eines Minimal- lohnes auf 24 Mark, der in Hannover bereits bestehe, sei ein bedeutungsvoller Beschluß, lieber den zweiten Kongrcßtag bc- richtete Tischendörfer. Durch Errichtung von Scktioiicn sei den Lithographen die volle und selbständige Vertretung ihrer Interessen gesichert. Den Anhängern der Sonderbestrebung iväre hierdurch die Möglichkeit geboten, sich dem Verein wieder anzuschließen. Durch die Schaffung des Vertrauenskomitees wird die Organisation sehr gefördert werden. Betreffs unserer Stellung zur Privatlithographie schlug Legten, Vertreter der Gcwerkschastskommission, vor, eine Ein- gäbe an den Bundesrat zu richten, um Bestimmungen herbeizuführen, wie bei den Schriftgicßern. � Tischendörfer gab der Hoffnung Ausdruck, daß die vom Kon- greß aufgestellten Grundsätze eine Basis gewährten, auf der erfolg- reich weiter gearbeitet werden könne. Von einigen Kollegen wurde es gerügt, daß staatlich angestellte Lithographen nebenbei billig für Privatlithographien arbeiteten. Die Versammlung beschloß, derartige Kollegen einfach bei den betreffenden Behörden anzuzeigen. Eincu stürmischen Verlauf nahm die Generalversammlung des Vereins der männlichen und weiblichen Dienerschaft Deutich- lands, die ani Donnerstag in den Victoria-Sälcn tagte. Zwischen dem Vorsitzenden Schröder einerseits und dem Redactenr Perlmann und Rektor Buchholz andrerseits, die bisher die Agitation unter den weiblichen Dienstboten gemeinsam leiteten, sind' Differenzen cnt- standen, die sich so zuspitzten, daß beide Parteien Flugblätter er- ließen, in denen die schwersten Vorwürfe erhoben wurden. Die Diskussion gestaltete sich äußerst stürmisch; verschiedene Mädchen, die sich Störungen zu schulden kommen ließen, wurden unter großem Halloh ans dem Säle entfernt. Es wurde, nachdem der Vorsitzende Schröder für seine Geschäftsführung ein Vertrauensvotum erhalten hatte, die Generalversammlung durch allgemeinen Gesang geschlossen. Wie verlautet, will Perlmann einen Konkurrenzvereiii ins Leben rufen. Charlottenburg. In die Agitation für die bevorstehenden Stadtverordnete»wähle n ist unsere Partei durch eine öffentliche Kommunalwähler-Versammlung eingetreten, die am Donnerstagabend in der Gnmbrinus-Brauerei tagte. Genosse Dr. Zadel- Berlin, der das einleitende Referat überiiommeu hatte, suchte zunächst die Gründe für das verhältnismäßig so langsanie Eindringen der Socialdemokratie in die städtische Verwaltung Charlotteiibnrgs zu erklären. In erster Linie komme hier das Dreiklassenwahl-System mit seiner offenen Stimniabgabe in Betracht. In Charlottenburg beginne die dritte Abteilung mit einem Steuerbetrage von 001 M. abwärts: es sei also verständlich, wenn unter so wohlhabenden Wählern viele nicht für die Socialdemokratie eintreten. Erschwerend falle für die Agitation ferner die Thatsache ins Gewicht, daß anscheinend in den bürgerlichen Kreisen Charlottenburgs mehr Verständnis für die sociale Frage bestehe, als in den Kreisen der Berliner Stadtväter. Trotzdem würden die Er- folge weit größer sein, wenn nicht vielfach unter den Genossen die Bedeutung des städtischen Parlaments noch so sehr unterschätzt würde. Auch in Berlin habe einst eine gewisfe Juteresienlosigkeit geherrscht. Jetzt, wo die Socialdemokratie gezeigt habe, was sie im roten Hause leisten könne, sei es besser geworden. Gerade in der Stadtvertretuug können wir einen großen Teil unseres Progranims schon jetzt verwirklichen, und wenn wir auch infolge des Dreiklasscii-Wahlsystems nicht über eine Mehrheit ver- fügen, so seien wir docki die treibende Kraft für die bürgerlichen Elemente. In Berlin z. B. seien wichtige Reformen namentlich auf dem Gebiet des Volksschulwescus lediglich der Anregung der social- demokratischen Stadtverordneten zu danken. Redner erläuterte sodann eingehend die Aufgaben, die die Stadtvertrctung zu erfüllen habe. Vor allem müsse die Wohnungsfrage gelöst werden, die in Charlottenburg akut geworden sei. Es herrsche ein großerMaugel an kleinen Wohnungen, so daß sogar die Cholcra-Barackcn bereits' belegt werden inUssen Kleine Wohnungen würden so gut wie nicht mehr gebaut, weil die Hausbesitzer kein Interesse daran haben. Wenn man weiter däs ungeheure Steigen der Grundrente bedenke, wenn man bedenke, daß allein im Jahre 1897-93 den Grundbesitzern infolge der höheren Mietserträge in Charlottenburg 24 Millionen mühelos in den Schoß gefallen seien, so müßte man sich doch fragen, ob nicht die Stadtverwaltung die Pflicht habe, dafür zu sorgen, daß die Rente der Allgemeinheit zu gute komme. Weiter empfehle sich die Einrichtung von Arbciter-Logierhäusern nach dem Muster englischer Geniciiidcn sowie die Schaffung eines städti- scheu Wohliungsamtes, damit die besitzlosen Klassen nicht der Willkür der Hausbesitzer so preisgegeben werden, wie es heute der Fall sei. Eine andere Aufgabe der Stadtverwaltung sei die Beseitigmig der Monopole des Privatkapitals und die Uebernahmc aller gemein- iiützigen Einrichtungen in eigene Regie. Die städtischen Betriebe müßten in Bezug auf Arbeitszeit, Arbeitslohn und alle sonstigen Arbeitsbedingungen Musteranstalten werden. Um dies Ziel zu er- reichen, sei es nötig, möglichst viel socialdemokratische Stadtverordnete zu wählen und mit allem Eifer in den Wahlkampf einzutreten. Im Anschluß an den mit lebhaftem Beifall anfgenommeueu Vortrag teilte der Stadtverordnete Beyer einzelne Fälle aus der Charlottenburger Verwaltung mit, die den Beweis liefern, wie viel auf komniunalem Gebiete noch zu thun ist.— Zu einer lebhaften Debatte kam es bei der Aufstellung d c r Kandidaten. Von den beiden bisherigen Stadtverordneten, deren Wahlperiode abgelaufen ist, lehnte Genosse Wcrnicke eine Kaudi- datur ab. während Genosse Beyer, der sich zur Wiederwahl stellte, von dem Wahlkomitce nicht empfohlen wurde. Nach recht uuerquick- sicher Erörterung, die sich bis nach'�2 Uhr hinzog, wurde folgende Äaiididatculiste genehmigt: Für den ersten Bezirk Gastwirt Pasche, für den zweiten Schriftsteller C u r t Vaake, für den dritten Schrislstcller Paul Hirsch, für den vierten Spediteur Gustav Scharnbcrg, für den fünften Dr. BrunoBorchardt und Cigarrcuhändler A u g u st S e l l i n, für den sechsten Drcchslermeister R e i n k e und für den siebenten Gastwirt Leder. Mit der Mahnung, allen Zwist zu vergessen und einmütig für die Kandidaten der Partei einzutreten, schloß der Vor- sitzende gegen 2 Uhr die Versammlung. Friedrichöfclde und Niiigegcnd. Den Mitgliedern des Socialdeino- kratischcn Wahwcreinö zur Keuiitins, daß die General-Vcrsamiiilimg am Sonntag, den 8. d. Mts., iiachuiittagö ptluktlich 4 Uhr, stattfindet. Auf der Tagesordiiuiig steht: 1. Bericht des Borsiandcs. 2. Neuwahl desselben. 3. Nerschtedenes. Gleichfalls bringen wir hiermit den§ 5 des Statuts in Erinnerung. Der Borstand. In der Humanistischen Gemeinde, Mohrenstraße 47, im oberen Saale des Brandenburger Hauses, hält am Sonntag, den 3. Oktober, vorinittagö lO1/, Uhr, Herr Dr. Rudolf Penzig den Vortrag über:„Die Staatsraisvn." Damen und Herren haben freien Zutritt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 8. Oktober, vorm. 8>/z Uhr, im oberen Saal des„Eng tischen Gartens", Alexanderstraße 27o, Versainmlung: Freireligiöse Vorlesung.— Um lO1/« Uhr vormittags ebendaselbst Vortrag des Herrn E. Vogtberr:„Glück und Leidenschaften." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Tischler-Verein. Heute abend S'/j Uhr, Melchiorstraße 15: General- Versammlung. der Enthaltung von Nahrung. Sowie der Bauer bemerkt, daß sein Getreide' bei nonnalem Konsum nicht bis zum Ende des Jahres reicht, richtet er sich auf eine Einschräukmig � seiner Nahrungsuorni ein. Da er aber weiß, daß er dann seine Gesundheit und vor allem seine Arbeitskraft in dem bisherigen Unifange schwer erhalten kamt, crgiebt er sich der„Ljoschka", d. h. legt sich für 4—5 Monate auf dem Ofen schlafen. Nur nufstehend, um ein Stück Brot mit Wasser zu sich zu nehmen oder den Ofen zu heizen, ist er bestrebt, sich inöglichst wenig zu bewegen und möglichst viel zu schlafen. In diesem Zu- stände ist nun der Mensch im stände, alle physiologischen Prozesse aufzuhalten, den Stoffwechsel auf ein Minimum zu beschränken und daher, ohne besondere Schädigung seiner selbst, die Nahrungs- aufnähme zu verringern. Ohne sich zu bewegen, vielleicht sogar ohne irgend etwas zu denken, ist im Laufe des ganzen Winters seine einzige Sorge die, daß er möglichst wenig Wärme seines Organismus ausgebe, um weniger zu essen, weniger zu trinken, sich weniger zu bewegen, mit einem Wort, weniger zu leben; dieser Einschränkung des Lebens sind alle Gedanken des Menschen während der„Ljoschka" ge- widmet.... Um weniger zu essen, muß man sich weniger bewegen, sogar ganz aufhören sich zu bewegen, zu sprechen, wenn möglich, zu atmen und zu denken, dafür schlafen, schlafen und schlafen, da im Schlaf alle Prozesse aufgehalten werden.— Im Hause herrscht Finsternis und Stille. In verschiedenen Winkeln, vor allem ans dem Ofen und in Verschlagen liegt in Haufen oder einzeln dic� ganze Familie. Die Gedanken aller sind von der„Ljoschka", der Einstellung des Lebens, verschlungen. Einige Male am Tage und die ganze Nacht geht der Zustand in Schlaf über..." Und nicht nur eine einzelne Familie ober ein Dorf, sondern auch eine ganze Anzahl derselben, ein ganzer Kreis, versinkt in diesen Winterschlaf, ein Märchenreich des Elends bietend,„wo während des langen Winters der tiefe Schlaf herrscht, wo sich der Tag in dumpfe, lichtlose Nacht verwandelt, die in dunklen Hütten hunderttausende schlafender Körper und Geister fast ohne Lebenszeichen umhüllt, wo alles schläft, Tiere wie Menschen, und wo die menschliche Rede vier Monate lang nicht ertönt und ersetzt wird durch allgemeines Schnarchen". Muttenuord. Russischen Blättern zufolge kehrte kürzlich der 20jährige Arbeiter Tarassow in Petersburg von einer Hochzeitsfcicr betrunken heim und verlangte von der Mutter Geld, um weiter trinken zu könuen.?Us ihm die Mutter die Bitte versagte, riß er die Flinte von der Wand und entfernte sich mit derselben. Auf der Schwelle jedoch kehrte er um und schoß der Mutter eine Kugel durch die Schläfe. Die Frau brach sofort tot zusammen. Der verhaftete Mörder erklärte in der Untersuchung, seine Mutter ohne Absicht ge- tötet und nicht gewußt zu haben, daß das Gewehr geladen war. Marktpreise von Vcrlin am 5. Oktober 1899 nach Ermilteliiiigen des kgl. Polizcipräsidiuins. Wevmisrhkes. Z« der Eisenbahn-Ktatastrophe iu Hamburg wird der „Berliner Zeitung" noch berichtet, daß von den Rekruten, die zur Einstellung in das 13. Dragonerrcgimcnt nach Metz bezw. Diedcn- hosen befördert werden sollten, drei wahrscheinlich die am Montag- abend auf dem Klostcrthor entstandene Verwirrung benutzt haben und desertiert sind. Vom Regiment ist nämlich die Meldung ciiigegaugcn. daß 30 Rekruten veriniht werden; es sind jedoch nur 33 bei der Katastrophe verunglückte Ltekrutcu in die Krankenanstalteii eiiigclicfer-t. Gegen Ende dicseö Monats begeht die Stadt Marseille die Feier ihres Bestandes von 2500 Jahren mit großen Festlichkeiten. Darunter befinden sich namciitlich Sportfeste. In den Theatern (Oper, Operette und Schauspiel) werden Galavorstellungen mit be- rühmten Künstlern zuerst für geladene Gäste gegeben und dann für das Publikum gratis wiederholt werden. In Wiesbaden ist au dem vom Stadtbauamt geleiteten Neu« bau der Volks-Kleinkinderschule an der Gustav Adolfftrnße ein auS Backsteinen gemauerter Thorpfeiler eingestürzt. Zwei Arbeiter wurden erschlagen. Ter Russe und der Hunger. Von einer eigenartigen noch wenig bekamiten Erscheinung des russischen bäuerlichen Lebens, die von psychologischem und socialem Interesse ist, wissen russische Blätter zu berichten. Sie führt die Bezeichnung„Ljoschka", was in wörtlicher Ueberfetzuug„das Liegen", in freierer, aber sinngetreuer Ucbertragung etwa„Winterschlaf" bedeutet. Diese„Ljoschka" wird dort am häufigsten beobachtet, wo chronischer Mißwachs sich mitunter zu einer vollen Mißernte verschärft. Es ist natürlich, daß eine Bevölkerung, die beständig von dem Hunger bedroht ist, irgend einen Ausweg aus dieser Lage sucht. Aber zu nichts vorgebildet und vom Staate und der Gesellschaft in völligem Unwissen erhalten, dabei geduldig bis zur Askese, hat sie im Laufe vieler Jahrhunderte keinen besseren Ausweg gefunden, als die„Ljoschka". Diese„Ljoschka" ist im übrigen im Grunde nur eine Anpassung an minimale Bedürfnisse, ein eigenartiger Versuch �Weizen D.-Ctr. »Moggen Fiiticr-Gcrste„ Hafer gut „ niittcl„ ., gering Richlstroh„ Heu sOErbsen -ilSpeisebohiim fjLiiiieii Kartoffeln, neue Rindfleisch, Keule Iük do. Bauch„ •) Ermittelt pro Ibg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,80 4,50 2,20 2,80 2,60 2- 1,80 2,80 1,40 12- 1,10 1,- 1,- 2,- 2,80 1,20 1,20 1,20 1- 0,80 1,20 0,80 2.- 15,40 14,60 Schweinefleisch 15,30 14,10 Kalbfleisch 13,80 12,70 Hammelfleisch 15,20 14,40 Butter 14,30 13,60 Eier 13,50 12,80 Karpfen 4,82 4,- Aale 7,10 4,40 Zand« 40,- 26,- Hechte 50,— 25,— Barsch» 70,— 30,— Schleie 7,- 6,- Bleie 1,60 1,20 Krebse 1,20 1,— .............. Tonne von der Centralflelle der Prenß. Landwirt» fchastskaiiimern— Nolienuigsslelle— und uuigerechuet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ceutuer. ft) Kleinhandelspreise. P r o d u k t e ii in a r k t vom 6. Oktober 1899. Weizen und Roggen konnten ihre gestrigen Schlußpreise für nahe Sichten ziemlich behaupten; Oltober-Roggen war etwas schwächer. Am Schlüsse des Mittagsverkehrs griff für beide Artikel eine leichte Erholung platz. Hafer zog im Lieferungs- Handel 0,50 M. an, da auswärsige Offerten nicht rentabel sind. Rüböl lag still und unverändert. Spiritusmarkt tendierte Locoware fest bei minimalem Handel. Gezahlt wurden für loco 70er 43,60 M.(-st 0,10). Am Markte waren nur etwa 5000 Liter. Termine waren fast ganz gcschäftslos. Kartoffelfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack 11,20 M. Prima reine Kartoffelstärke per 100 Kg. bmtto inkl. Sack und Mehl 21—21,25 M. Oltober-Dezember. Supra trockene Kartoffel- stärke— ,— M. Kartoffelmehl per 100 Kg, brutto—. Prima Kartoffelmehl 20—20,50 M., prompt— ,— M. per 100 Kg. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. DienStag und Freitag abends von 6 bis 8 Uhr statt. M. L. Das Haus Chauffeestr. 98 gehört zum 39. Wahlbezirk(Stadt- bezirk 272), In diesem Bezirke finden zur Stadtverordnetcn-Versammlung keine Neuwahlen statt. BsitternngSübersicht von, v. Oktober 189S, morgen» 8 Uhr. & Cr» a II gö Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 750 e s NW 767, N 766iWSW 765,NO S Welter a 3 'Ja 2 wölken! 0 hlb.bed Ibcdeckt �bedeckt | 0 C 8 11 Wetter- Prognose für Soiinabend, den 7. Oktober 1899. Nachts etivas kühler, am Tage mild, vielfach heiter, zeitweise nebelig bei schwachen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb nre an. Am 4, Oktober starb mein lieber Mann, der Maler 7b Rande. Beerdigung: Sonntag, 3. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Zwöls-Apostel-Kirch- Hofes in Schöneberg. iSocialdemoKnUisdiür Verein für den V. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß öer Genosse Tischler 245/13 Berndt Im 39. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. d, Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes, an der Falkenberger Chaussee, aus statt. Um rege Beterli- gung ersucht 0er Vorstand. Heimgekehrt vom Grabe meines lieben Mannes, uns eres Vaters Willi. Labltz sagen wir allen Verwandten und Bekannten für die Beweise aus- richtiger Teilnahme und die überaus reichen Blumenspenden, sowie den Chefs und den Kutschern der Firma Marzillier unseren tiefsten Dank. 30g8b paullno Lubltz nebst Kindern, Lützowstr. 101. Am Donnerstag den 5. Oktober, abends 11 Uhr, starb nach kurzem, schweren Leiden mein lieber, guter Mann und Vater, der Tischler August Berndt im 39. Lebensjahre. 7b Dies zeigt tiefbetrübt an Emma Verndt und Kind. Die Beerdigung findet ani Sonntag, den 8, d, M,, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Bartholomäus- Kirchhofes, an der Falkenberger Chaussee, aus, statt._____ Freie Sr anken-v.BegriibmS- kased.SWmihers.BerO- pofcii Berlins.«s.H.N-.»7) General-Versammlung Montag. 1«. d.M., abends 8 Uhr. im Lokal des Herni Herabere, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Abänderung des Statuts, Ztz 3, 5, 6, 7, 8. 8d, 9, 10, 20, 28. 3. Innere Kassenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.""ML aloob Der Vorstand. NB. Am Sonntag, den 12. Novbr., findet das 28. SttfMngssest, Alexander- straße. Ecke Holzniarktstraße(„König- stadt-Kasino") statt. r Buchhaudlung Vorwärts, Berlin 8�. 19, Soeben ist erschienen: Eine Junker-Revolte. Drei Wochen preußischer Politik. Von Preis 50 Pf. Kurt Etsner. Porto 5 Pf. A gitations-AuSgabe für die Parteigenossen 20 Pf. Die Tragikomödie der Junker-Revolte anläßlich des KanalhandelS und das daraus sich entwickelnde polltische Jntriguenspiel bietet für uns Socialdemokraten soviel des.Interessanten und auch für die Zukunft Merkenswerten, daß eine eingehendere Darstellung in Broschiireiiforin sehr wohl angebracht erscheint. Der Verfasser fchilbert die aus den wirtschaftlichen Interessengegensätzen resultterende Zer- sahrenheit der preußischen Verhältnisse, die Ohnmacht und Unklarheit der Regierung, die Kurzsichtigkeit und Charatterlofigkeit der bürger- lichen Parteien, den übermächtigen Absolutismus des Junkertums— eine politische Verwirrnis und Versumpfung, an der die parlainen- tausch ausgeschlossene Socialdemokratie zwar keinen Anteil hat, deren Ueberwindung aber ihre historische Aufgabe ist. Die Broschüre gliedert sich in 6 Kapitel: 1. Die Politik der Mitte. 2. Kulturinteresse und Jntercssenkultur. 3. Der persönliche Wille. 4. Bilder aus der ver- kehrten Welt. 5. Die Komödie der Drohungen. 6. Ohne Social- dcmottatie. Wir empfehlen dies« krittsche Agitationsschrift bestens. M Gawirtk. In einer Stadt Sachsens(sehr industriereicki, ca. 10 000 Einwobner) steht den Parteigenossen weder ein Saal, noch auch nur ein Berkehrslokal zur Verfügung. Jetzt böte sich für einen Gastwirt, der geneigt wäie, mit der zahlreichen socialdcniottatisch. Arbeiterschaft Hand in Hand zu gehen, eine günstige Gelegenheit zum Ankauf eines gröberen Gasthofes mit Saal, Garten und Sluöspaniiung. Die Parteigenossen wende» sich daher an die Oefsentlich- keit mit der Bitte, Reflektanten darauf aufmerksam zu machen. Offerten bittet man in der Redaktion des„Vorwärts-- abzugeben._ ?n Arbeiter-RMlUtt- Berel „Berlin". Morgen Vi8 Uh Prenzlauer Thor, nach Biesenthal(üb. LckNle). Donnerstag: Vor- samuilung II, Kolbergerstr. 23. Ne» eröffnet k Teile Kollegen, Freunden und Bekannten mit, daß ich Schwedterstr. 52, Ecke Odcrberger- straße, einen Schultheiß An»- schant eröffnet habe und bitte um geneigten Zuspruch. Albert Bäron, Fahrräbtr, Teilzllliliing, Woche von 3-5 M. l2300L« Oraalenstrnsse 33, II. Neu eingetroffen! „r-aborl", weiche chice Form.. 2,75—3,50 M. ...Vnierieala". steife chice Form. 2,50—3,00„ „IMUschhiite", extra Qualität. 7,00—7,50„ t/ltle", eleganter Cylinder.... 7,50 M. „Chapcanx Claque", la Qual. 8,50„ ÄlYin Sussmann, Hut-Engros, Holzmarktstp. 38, part. Ausschneiden! vergüte hieraus 10 Pf. zur Fahrt. Möbel und Po lfterware». Reelle Arbeit. Ganze Einrichtungen zu billigen Preisen. s2437L» Franz Tntzaner, Vruunenstraste 152. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Zb. Glocke in Berlin. Druck und Verla» von Mar Badina m Berlin It. 235. 16. ä ßtilant Ks.Zmiick" Sttlim NcksdlÄ Ein Wort der Abwehr. Zur Kritik von Kautkys Schrift„Bernstein und das socialdemokratische Prograun»". Kautskhs Schrift kommt zu numittelbar vor dem Parteitog heraus, um es mir möglich zu nmche», ihr eine längere Widerlegung pl widmen. Auch ist das Interesse der Leser an der Diskussion zur Zeit erschöpft. Ich beschränke mich daher auf ein kurzes Wort der Abwehr. Kautsky erklärt sich im Vorwort der Schrift vom Nesnltat der Diskuision über mein Buch enttäuscht; sie sei recht unfruchtbar geblieben. Ist dies der Fall, so würde sich die Frage erheben, durch Westen Schuld? Ka»tsky schiebt sie mir zu. Er habe gehofft, Gegensätze klar zu stelle», je mehr aber die Diskussion fortschreitet, je niehr fühlte 'ch mich.nnstverstanden— absichtlich misjverstandeu"(S. VI). Auf diesen Vorwurf des Nichtverstaildeiifeinwollcns. den Kautsky Bei jeder Gelegenheit gegen mich misspielt, habe ich folgendes z» erwidern: Wenn ich sage, drei mal drei ist neun und jemand mich sagen läßt, drei mal drei ist zehn, so sind nur zwei Fälle möglich. Entweder es liegt bei ihm ein Mißverständnis oder eine böse Ab- ficht vor. Es ist die Regel anständiger Polemik, stets zunächst das erstcre vorauszusetzen. Es handelt sich in unserer Kontroverse vielfach um Fragen, bei denen ein ehrliches Mißverständnis möglich ist, weil die Begriffe keine so strenge Begrenzung haben wie Zahlen. Wie oft ist nicht Marx mißverstanden worden, von Freund und Feind, von Kennern und Anfängern. Auch Kautsky hat sich schon ost mißverstanden gc- fühlt. Es giebt Mißverständniffe aus Voreingenommenheit, sei es, daß man unter dem gleubenWort Verschiedenes versteht, sei es, daß man beim anderen Absichten vermutet, die er nicht hat, sei es, daß überhaupt starte Empfindungen den Blick trüben. Wenn nun Kautsky einen einzigen Fall anfwcist, Ivo ich in dieser Polemik den Vorwurf � deS Mißverständnisses erhoben habe, ohne das Vorhandensein eines solchen überzeugend zu beweisen, so will ich ihm erlauben, sich über meine»Idiosynkrasie oder- was sonst so lustig zu machen, wie er will. Bis dahin aber muß ich seine betreffenden Spötteleien als billige Verlegenheits mittel entschieden ablehnen. Einige Beispiele mögen die Art illustrieren, wie Kautsky sich bcniüht, mich richtig zu verstehen. In meinem Schreiben an den Stuttgarter Parteitag be merkte ich: »Die Zahl der Besitzenden ist nicht kleiner, sondern größer geworden. Die enorme Vennehrung des gesellschaftlichen Reich tums wird nicht von einer zusammenschrumpfenden Zahl von Kapitalmagnaten, sondern von einer wachsenden Zahl von Kapi talisten aller Grade begleitet. Die Mittelschichten ändern ihren Charakter, aber sie verschwinden nicht ans der socialen Stufen- leiter." Gegen diesen Satz wandte sich Kautsky in Stuttgart mit großer Vehcinenz. Wäre er richtig, erklärte er, dann sind die Grundlagen falsch, aus denen wir unsere Ansichten aufgebaut haben, dann kommen wir überhaupt nicht ans Ziel.(Protokoll S. 127—128.) Ich habe mich daraufhin beniüht, durch Zahlen aus der Statistik die Richtigkeit des Satzes zu beweisen, für die ja nuzählige Er- schcinungen des öffentlichen Lebens laut genug sprechen. Kautsky giebt denn auch in seiner Schrift die Sache selbst bei Gelegenheit zu. Marx und Engels, schreibt er, haben„nie geleugnet, daß die Zahl der Kapitalisten zunimmt'.(S. 83.) Wenn dem nun so. ist, wozu dann der Lärm gegen meinen Ausspruch? Mit dieser Er- klärung giebt Kautsky als Interpret von Marx-Engels den von mir angefochtenen Satz von der„beständig" abnehmenden Zahl von Kapitalmagnaten" vollständig preis. Statt dies offen einzuräumen, verlegt er sich jedoch darauf, meine Beweis- führung herabzusetzen. Daß diese erschöpfend sei, fällt mir nicht ein, zu behaupte». Aber sie genügte meines Erachtcns, die Thatsache selbst über allen Zweifel sicher zu stellen. Was Kautsky gegen sie vorbringt, entkräftet nichts davon. Da die Statistik der Besitzvcrteilnng noch sehr im argen liegt, mußte ich mich wesentlich an die Einkommensverteilung halten. Ich durfte dies, weil gerade in den höheren Einkommensklassen Besitz und Einkommensgruppierung sich zwar nicht absolut decken, aber doch im großen und ganzen korrespondieren. Als ein Beispiel dafür wies ich auf die preußische Steuerstatistik hin, die bei 347 328 Cen- fiten mit über 3000 M. Einkommen(1897/98) 385 000 Censtten mit über 32 000 M. steuerbarem Vermögen aufweist(1395/96). Kautsky geht über den Kern dieses Hinweises mit einigen Geschmacklosigkeiten hinweg, fragt, wo denn eigentlich bei mir derBegriff deS höheren Einkommens beginne, und deckt im übrigen seinen Rückzug mit moqnierenden Bemerkungen darüber, daß ich abwechselnd von Kapitalisten und Besitzenden spreche, welch' letzterer Begriff aber keine Klassenscheidung abzeichne. Etwas Besitz habe ja auch der Proletarier. Bedauerlicherweise. geht indes dieser abwechselnde Gebranch der beiden Begriffe durch die ganze socialistische Littcratur und macht auch— die Feder sträubt' sich, es niederzuschreiben— vor dem Erfurter Programm nicht Halt. Nachdem dort in den ersten drei Absätzen von Kapitalisten die Rede war. wird im vierten plötzlich vom sich erweiternden Abgrund zwischen Besitzenden und Besitzlosen gesprochen. Ich weiß nicht, ob Kautsky minnrehr eiligst sich denen zugesellen nürd, die das Programm für revisionsbedürftig halten. Nach seinen Bemerkungen wider mich müßte er eS. Verzichtet er darauf, weil niemand, der den Satz liest, sich einbilden werde, es sei damit der Abgrund zwischen den Be- sitzern von einem Vierteldutzend Tabakspfeifen und denen gemeint, die ohne diesen Luxus durchs Leben wandeln, so war es wohl auch mir erlaubt, bei meinen Lesern Verständnis dafür vorauszusetzen, in welchem Sinne das Wort„Besitzende" gebraucht wird. Uedrigens ist auch der Begriff des Kapitalisten dehnbar, bilden die Kapitalisten nichts weniger als eine einheitliche Klasse. Meine Definition, Be� sitzende seien diejenigen, die kraft ihres Eingcntums höheres Ein- kommen beziehen, trifft auch generell für den Begriff des Kapitalisten zu. Für die große Gegenüberstellung ist der eine Begriff so branchbar wie der andere, für die specielle Klassenbestimmung sind beide zu dehnbar oder vieldeutig. Kommen wir zur Frage der Einkommensverteilung, so wirst mir Kautsky unter anderem vor, daß ich van dem kolossalen Zahlenmaterial, das aus Sachsen vorliegt, nur spärlichen Gebrauch mache. Er ergänzt meine Angaben auf Grund einer von Herkncr in dessen „Arbeiterfrage" gegebenen Tabelle. Was aber beweist diese? Nach ihr betnig im Königreich Sachsen die Zahl der eingeschätzten physischen Personen: Mit einem Einkommen von bis zu 800 M. 800- 1600„ 1600— 3300„ 3300— 9000„ 9600—54000 ,. über 54000„ 1879 828 636 165 362 61 810 24 072 4 683 238 1894 972 257 357 974 106 136 41 890 10 513 886 Zunahme absolut in Prozenten 143 571 192 612 44 326 17 818 5 835 648 17,3 116,4 71,6 74,0 154.4 272,0 Zusammen 1034 851 1 489 661 Durchschnitt 37,3 Kautsky liest aus diesen Zahlen heraus, daß, abgesehen von der Klasse der niedrigsten proletarischen Einkommen, die aber die zahl« reichste ist, gerade die beiden Schichten der mittleren Einkommens- klaffe», von denen ich spreche,„am langsamsten wachsen". Hätte er die Snnuniennig vorgenommen, wie ich sie hier am Schluß der Tabelle gebe, so würde er gefunden haben, daß diese beiden mittleren Schichten jedenfalls bedeutend schneller zugenommen haben. wie die Gesamtzahl der Censiten, die Schicht der mittelbürgerlichcu Einkommen fast genau doppelt so schnell: 74 Proz. gegen Z7,S Proz. Daß die Schichten der größten Einkomnien verhältnismäßig noch schneller wachsen als diese, habe ich nirgends bestritten. Ich habe lediglich bestritten, daß die Zahl dieser„Magnaten" z u s a m ni e n- schrumpft. Wenn irgend eine Statistik alles, aber auch alles bestätigt, was ich in dieser Hinsicht an den Kongreß von Stuttgart geschrieben habe, so ist es gerade die sächsische, und ich kann nur den Mut Kautskys bewundern, mit diesen Zahlen irgend etwas gegen mich beweisen zu wollen. Daß die klein« und mittelbürgerlichcn Censiten sich nicht ichnellcr vermehren als die Zahl der Censiten mittelprolctarischcn Einkommens. ist hier ganz gleich- gültig. Die Frage ist vielmehr: wie verhält sich die Bewegung dieser Klassen zu der des Proletariats überhaupt. Und wenn wir, nm dies festzustellen, die beiden ersten Einkommensklassen als die des Proletariats zusammennehmen, so erhalten wir eine Zunahme von 994 043 auf 1 330 231, d. h. nm 33,8 Proz., so daß in den fünfzehn Jahren eine Zunahme stattfand von Proletarischen Censiten....... Bestbezahlten Arbeitern und Kleinbürgern Mittelbürgeru.......... Großbürgern.......... Kapitalmagnaten......... Durchschnitt der Zunahme..... um 33,8 Proz. 71,6„ 74,0. 154,4„ 272.0. 37,3„ Und das soll irgend etwas von meinem Ausspruch widerlegen: „die Mittelschichten verschwinden nicht(Ich wiederhole aber, daß ich hinzufügte:„sie ändern ihren Charakter."), die Zahl der Be- sitzenden nimmt absolut und relativ zu." Weit ungünstiger für die Klasse der mittelproletarischcn Ein- kommen als diese sächsischen lauten die Zahlen der preußischen Statistik für den Zeitraum von 1876 bis 1890. Aber auch sie zeigen ein rascheres Wachstum der Zahl der bürgerlichen und groß- kapitalistischen Einkomme» als das der gesamten Censiten. Die ersten wuchsen von 5,22 Proz. auf 5,71 Proz., die letztere» von 0,10 Proz. auf 0,13 Proz. der Gesamtzahl. Für mehr habe ich diese preußischen Zahle» nicht vorgeführt. Statt dies zuzugeben, hebt Kautsky lediglich hervor, daß sie ein stärkeres Anwachsen der niedrigsten proletarischen Einkommen als der mittclproletarischen Einkommen aufzeigen, und ruft dann pathetisch ans: „Das nennt Bernstein eine Zunahme der Besitzenden, A n S- g l e i ch u n g der socialen Gegensätze, die so offenkundig zn Toge liegt, daß cs Thorheit wäre, sie sich verbergen zu wollen." (S. 92.) Ich will mich enthalten, diesen Ausruf zu qualifizieren. Ich be- schränke mich auf die Bemerkung, daß der gesperrte Zwischen satz ureignes Fabrikat' Kautskys und von ihm ein- geschoben ist. Man wird ihn vergebens bei mir suchen. Schon einige Seiten zuvor hatte Kautsky mir unterstellt, daß die Zahlen der preußischen Vermögcnsstcuer-Vcranlagnng, die selbst dem„gut bürgerlichen" Herkncr schwere Bedenken hervorrufen, mich „mit Befriedigung erfüllen". Und doch sei ich nicht bürgerlicher Nationalökonom, sondern nennte mich Socialdemokrat und Marxist! (S. 86/87.) Wie schwach muß sich Kautsky in beweiskräftigen Argumenten fühlen, daß er zu solchen Mitteln der Polemik greift. Keine Silbe wird man bei mir finden, die ihn zu dieser Gegen- überstcllnng berechtigte. Der Vernnschaulichungszweck, zu dem ich die Zahlen citiere— als Indikator für die Korrefpoiidenz zwischen Ein- konimens und Besitzverteilung— hat mit dem Gesichtspunkt, unter deni Herkncr sie erörtert, nicht das geringste zu thun. Ebenso wie es für mich ganz gleichgültig sein konnte, welche Reflektionen der Redacteur der»British Review" an die Zahlen knüpfte, die ich diesem Blatte entnahm. Für mich genügte es und durfte es ge- niigcn, daß sie m i t a l l e n A n z e i ch e n ü b e r e i n st i m nr t e n, die ich sonst, in den amtlichen Listen wie in den Werken anerkannter Statistiker, über den gleichen Gegenstand fand. Kautsky selbst bringt auch nichts zu ihrer Widerlegung vor. Er bernft sich nur darauf, daß der Reichtum Englands zu einem großen Teil aus seinen Kolonien stammt. Aber so richtig das ist, so zeigen, wie wir gesehen haben, andere Industrieländer, die keinen Kolonialbesitz haben, in dem Punkt, dem meine Unter- suchung gilt, das gleiche Bild auf wie England. Außerdem aber gilt meine Untersuchung lediglich der Verteilung des nationalen Einkommens der vorgeschrittenen Länder Europas und weise ich selbst/.. Uhr. deutsches. Der Biberpelz. Anfang 7'/- Uhr. Gesfing. AIS ich wiederkam... Anfang 7l/z Uhr. Berliner. Madame de Lavalette. Anfang 7'/2 Uhr. Schiller. Nora. Anfang 8 Uhr. NeueS. Kiwito. Anfang?>/, Uhr. Bieste«. Der Waffenschmieds Am fang 7'/, Uhr. Dhalia. Der Plahinajor. Anfang 7'/- Uhr. ßtesideuz. Jagdfrenden. Vorher: Familien-Sonper. Auf. 7'/, Uhr. Luise«. Molly Carre. Anfang 8 Ubr. Tcutral. Die Geisha. Anfang 7i/z Uhr. Cfkciid. Weltuntergang. Anfang 8 Uhr. Bictoria. Die weiße Henne. An- sang 7l/z Uhr. Friedrich- Wilhelmstadtisches. Die Reise nach der TeufelSinsel. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Der Rattenfänger von Hameln. Metropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Seeession! Anfang 8 Uhr. DlPollo. Fran Lima. Speeialitäten- Borstellling. Ansang 7>/2 Uhr. Beichshalleu. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Spreelottchen. Speeiali- täten-Borstellung. Ans. 8'/, Uhr. Passage- Panoptikum. Speeiali- täten-VorsteNitng. Urania. Hnvalideusir..">7 62. Täglich abends von ö— ll) Uhr Sternwarte. Xaubcnstr. 48/49. Im Theater: Entwickelungögeschichte der Erde. Anfang 8 Uhr.— Der Sieg des Menschen über die Natur. Au- fang nachm. 4 Uhr Urania Tunbciiutrause 48/4 v. Im Theater abends 8 Uhr: Professor Dr. Peuck(Wien): Entwicklungsgeschichte der Erde (II. Centenarvortrag.) Nachm, 4 Uhr, zu ermassigten Preisen: „Der Sieg des Menschen über die Natur". liiTnlitlcnatr. 57/08: Tagl. Sternwarte. Nachmiltag» 5—10 Uhr. Passage-Paiiopiicu in' Geöffnet von früh biS abends. compagnla Posillppo. Italienisches Instrumental und Vokal- Ensemble. WIIMeckr (Walluer Sonnabend, Theater). a b ends 8 Uh r: Nora. Schauspiel in 3 Akten v. Henrik Ibsen. So nntag, nachmittags 3 Uhr Zlaria Htnavt. Sonntag, abend» 8 Uhr: Die Ehre. M o»t t a g, abends 8 Uhr: Viel Ehrmen um nlclit«. Centonl Dhrntov Direktion: Jose Ferenczy. Dir G r i s h K »der: Sine japanische Theehaus- geschickte. Ansang?>/„ Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zn halben Preisen:»Die Fledermaus" von Johann Strauß. Mosalinde. Laura Wallerstei» a. D. Adele.. Marie Manei a. D. zriedrich-WilhelRst.Thtilter Chansseestr. ZS/2S. Heute nachm. 4 Uhr, zn kleinen Preisen: «roste Kiiider-Borstellung. Da Ratttilsällgtr voll Haiiiclil Zaubermärchen mit Gesaug in 7 Bild. von Dr. Gustav Braun. Preise der Plätze: 10 Pf., tzv Pf., 30W. 10 Pf.. 50 Pf., 60 Pf., 75 Pf., MbcndS 8 Uhr: Zum LS. Male: DieReiselllllslberTtiiselsiilsel Burleske Abeuteuer-Pofse mit Gesang und Tanz in£> Atten von Musik von Albert Wicher. Un Scene gesetztvom Dir. Max Samst. 1. Bild: Auf zu Drehfus. 2. Bild: Berbiindete Mächte. Z. Bild: Attentat und Berrat. 4. Bild: Das belagerte Haus. 4. Bild: Die«erichtsverhaudlung. 6. Bild: Apotheose. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Morgen nachmittags 4 Uhr: Auf allgemeines Verlangen: Der Drom- ?!ter von Saktiuge».(Kleine reise).____ CASTANS PANOPTICUM 166. Frledrlchstrasse 165. Up..! Die heulenden«p„« »r-U! und tanzenden nr-il! I>vrHvK8«I»v vvor-AivKA'pten l ans Ohm Krüger« Dreyfus Mercier» Zola. Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. Direktion: Kichard Schulz. S/BF' Sensationeller Erfolg! Der Schlager der Saison! Täglich ausverkauft! Jubeln! Lachen! Staunen! Um!) Uhr: Nund tturVrvlitt. Berliner Lokalrevne v. Julius Freund. Musik von JnlinS EinödShofer. Mit feenhafter Ausstattung: Um IOVj Uhr: Im Reiche der Seeessiou. Ferner daS brill. Oktober-Programm. _ Anfang 8 Uhr. Apollo-Ihkater. Abends 9 Uhr: Franlstina mit dem sensationellen Luftballett; „Origolatls". Oito Reufter Tbe Barras Cbavita Tumata Tiero Blossoms Francis Gerard etc. etc. etc. Kasseneröffnung 6V2 Uhr. Anfang der Vorstellung 7V2 Uhr. Vorverkauf täglich ImTheater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. SanssoiiCE KottbnBcrstr. 4 a. Täglich außer Sonnabends Mmanns Norddeutsche Sänger. Anfang wochentags S Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 11. 50 Pf. SonntagS 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tanz- Kränzchen. Thalia-Theater. Tel.AmtIVa 6440. Drasdenerstr. 72/73. Zum 28. Male: Der Platzmajor. Thomas, Tieischer, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt; Gr. Mutofkop-Terzett. Anfang 7>/z Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Maehrs Theater Oraulcnstr. 24. Rost»(im ileill Zijötll. AusstattnngS-BnrleSke.. DaS grostartigr Oktober- Programm. FIsa«esser, Kostüm- Soubrette. äistr. Fauly, Contorsionist. Mstr. Döbbrick, Ehampion-Handstandkünstl. Franziska Held, Soubrette. Gustav Eulenburg, Humorist. Ansang 8 Uhr. SonntagS 6 Uhr. Porzngokarten an Wochentage» gültig. Lsteilil-Ciitl Wtijj-TlMttt. Gr. Fraukfurterstraste 132. Zum 1. Male: Der Weltuntergllilg GrusteS Ausstattungsstück mit Gesang in 6 Alten(14 Bildern) auS dem Engl. deS I. Smith, für die hiesige Bühne eingerichtet vom Dir. Karl Weiß n. Jos. Dill. GesangStexte von I. Dill. Musik v. M. Fall. Orchester- Dirigent: Kapellmstr. Carn. Schüler. Regie: I. Dill. Die neuen Dekora- tione» nach Angaben und Entwürfen des Dir. Weiß aus dem Atelier von Falk. Kostüme von Elzel-Beck. Ma- fchinerie» von W. Krüger. Belench- tungSeffekte von Gründl u. H. Kluth. Ansang 8 Uhr. VorzugSbilletS haben Gültigkit. Im Tunnel vor und»ach der Bor- fteiiiing Frei-Konzert. Anfang 7 Uhr. Sonntag u. folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Anfang Uhr. Sountagnachmittag 2'/« Uhr: Freie Volksbühne, III. Abteilung: Faust. zcdlung! Vereine! Sonnabend, den 18. und 23. November freigeworde». Fest-Säle, Kommaudautenftr. 72 <„KIsidhaii»"j. 46 Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 8. Oktober, vormittags 10 Uhr: Versüiumlniig der Ksempner im Lokale deS Herrn Cohn, Beuth st raste Nr. 20/21, 1 Treppe. Ter gegeiiivlirtige Staild lluserer Lohlibeivegmig. Montag, den N. Oktober, abends 8Vs Uhr: Versammilliig»n Gürtler«. Drülker iu de» Armin hallen. Koinmaudauteustr. 20. TageS-Ordnung: Der gegenwärtige Stand unserer Bewegung. Montag, den S. Oktober, abends 8Vs NHr: Versammlung für den Gesundüruiiiien im Lokale der TiVsv. Schirm, Badstraste 19. TageS-Ordnung: 1. Vortrag der Frau Cunna Ihrer über: Tie Grundlage der Bildung und Freiheit. 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen werden um zahlreiches Erscheinen ersucht. 114/12 Die Oz'tAiverwaltuu�. Rixdorf. SofifllüfuioHiftt. Wem.Horivarts" Dienstag. Iv. Oktober, abends 8�- Uhr, in Gröplers Salon, Bergstr. 147(neuer Saal): General- Versammlung. T a g e s- O r d» u n g: I. Abrechnung deS Kassierers. 2. Bericht deS Vorstandes und deS Bibliothekars. 3. Vortrag deS Genossen iPanl Jahn über:„Materialistische GeschichtSaussaffung. 4. Diskussion. 5. VereinSangelegenheiten und Fragekasie». 232/12 Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand Jeder Arbeiter Jeder Hairdwerker sollte zur Arbeit die Lederftose Herhiile» tragen. Allein-Verkauf. Sehr starke Ware in praktischen grauen u. braunen Streifen. Hinten u. vorn am Bund auS einem Stück gearbeitet. Nietwöpse u Kapp- nähte. Feste Leder-Pilot-Taichen, die Hose tbei Entnahme von) M Q|}f 50 [ 6 Stück 26 Mk./ � Ml. 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Die Baudelegierten sind verpflichtet, der Lohnkommission biS zum Beginn der Versammlung über die Zahl der beteiligten Kollegen Mitteilung zu machen. Pi'iedriehstiklKkn und Köpenick. Montag, den 9. Oktober 1899, nachmittags 4 Uhr, bei Lerche in Friedrichshagen(Rundteil)? Oesseiltl. Uerfiimmlmls der Töpfer von Frirdrichshagen und blöpenick. Tagesordnung: Stellung zum Streik der Töpfer Berlins und Umgegend. Regelung der Lohnverhälwisse in Köpenick und Friedrichshagen. 193/17 Die Lohnkommisftoii. Verband der an Dolzbtarbettnngs-Maschinen besdläMgten Arbeiter Berlins und der Umg. Montag, den 9. Oktober, abendö 8'/» NHr, im„Englischen Garten", Alexanderstraße 27 0: Ofoueval- Devfelttttnlung TageS-Ordnung: I. Verlesung der Mitglieder- Liste. 2. Abrechnung. 3. Anträge. 4. Gewerkschaftliches. 83/1 Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Borstand. Palast-Theater Smr- früher Feen.Palaat. Burgstraste 22. Sonnabend, den 7. Oktober: SW Gesellschafts-'Abend"W Vorstellung 11. Dauzkräuzchen. DaS große Oktober-Programm. Ntu! Um SVj Uhr: Nau! Die erfolgreiche Original- BurleSke Snsanne im Bade. Sehen! Um 10 Uhr: Staunen! Vasilescu-Trio, Unübertreffliche Meister- Hochturner am sechsfachen Luftreck. In dieser Vollendung noch nie dagewesen! Ansang 7>/z Uhr. Tanz 11 Uhr. Kaffen-Oeffnung 6lj2 Uhr. Entree: Vorstellung und Tanz 50 Pf. Besucher der Vorstellung Frei-Tanz. Ehren- u. VorzugSkarten sind gültig! Verband der in Buchbindereien, der Pupier- uud Leder- Gulauteriewaren-Jndustrie beschcift. Arbeiter uud Arbeiteriunen Deutschlauds. Zahlstelle Berli». Wir geben bekannt, daß die für morgen, Sonntag, den 8. Ollober, nachmittags 4 Uhr, sestgesetzte Urania-Vorstellung erst ttllt 5 Uhv beginnt. Die Physit-Däle jedoch sind HLSN 4 an biS zum Beginn der Vorstellung geöffnet. Nach der Vorstellung in»Feuersteins oberem Saal", Alte Jakobstraße 75: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Eintritt iucl. Tanz a Person 20 Pfg. Eintrittskarten sind bei den Controleuren in der»Urania", sowie bei K,vn», Alte Jakobstr. 69, zu haben. Nt Biilttg zur„Urania" sind ansverbanft. 25/11_ Die Ortsverwaltunf. Achtung! Ächtung! Sonntag, den 8. Oktober er., vormittags II1/* Uhr: OrfftiM. Mitglltdewersammluiiiiw. str Lrls-lirmstilstsse i. Ashln 11. Pimsttimdnttr Seil. Bezirk A- Habels Brauerei. Bergmannstr. S-7. Bezirk L.:»Kolberger Salon", Kolbergerfteafte. Bezirk C.:„Tüd-Ost". Waldemarstr. 75. SB e 3 1 1 1 D.: Stechert. Andreasstraste«l. TageS-Ordnung: Berichterstattung der Delegierten. Aufstellung von Kandidaten zur Generalversammlung.— Pflicht eines jeden Mitgliedes Ist eS, in der Versammlung zu erscheinen. MitglieoSbuch erforderlich. 122/11 I. A.: Der Vertrauensmann der Holzarbeiter BerlmS: Otto Kling» r, Grüner Weg 3g. IM« Ausstellung: von Gasselbst- uud Fernzünder», welche in den Räumen der„Magdeburger FeuerversichemnaS- Gesellschaft" Eingang Zimmerstraste 2k-, 1. Etage, stattftndet und dem Publikum gratis zur Besichtigung freigegeben ist, wird aus allseitigen Wunsch morgen Sonnabend, den 7. M., noch nicht geschlossen, sondem bleibt noch, mit Ausnahme deS morgigen SonntagS, biS zum Mittwoch, deu 11. Oktober, nachmittags S NHr, geöffnet.__ SNilM!!, de» 18. 11. 25. Nov., sowie dt« Bußtag habe noch zu vergeben. L.«»angv» Lonisenstädtisches Konzerthaas, Alte Jakobstrafte 37. Telluahlnnc wöchentl. 1 Hark, Plomben 1,50 Mk. Tähnp 9 Mk lOJahreGarantie C.UIIIIÜ C. mn._. j pf yf Leipzigers tr. ISO, Im Haute dea UnlUinrnm cahm.«!'a"na"ZlWo,f'JelZlHofphotogr. SchaarwÄohter. Volikomni. scnilitrzl. Zäh,, wichen X Hark, Sprachst, 9-7 Uhr.[b Verband der Welpslierer. Heut abend in XsUsrs ksstsslso. Koppenstr. 29: StiUimAssi-A'vlSt. Während der Vorstellung im kl. Saal: Xuttratan der Gesellschaft Strzelewlcz. Nach derselben in beiden Sälen: Dan». Pflicht eines jeden MtgliedeS ist eS, sich mit BilletS zu versehen. Die- selben sind auf unserem Arbeitsnachweis und bei den bekannten Kollegenzu haben. Montag. 9. Ottober, abends 8Vz Uhr, Brunuenstr. 150: Ta leSordnun 1t bessere T ersammluugf. 1 9: 1. Vortrag der Frau«losch:.Hat die wirtschaftliche Verhältnisse einzutreten?" 2. D Wahl. 4. Werkstellen-Angelegenheit. Die Generalversammlung findet am IS. Ottober statt. rau die HufflOB. 147/17 Der Vorstand. Neichshallen. Täglich: Stettiner Sänger (svievsel, Pirtro, Britto«. Sieidl, Krone, K i r ch m a y e r. Schneider und Schräder). Zum Schluß: Stuckes Pfingstfahrt. Ensemble von Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr. SonntagS 7 Uhr. Tageskasse 11-1 Uhr. VictaHa» C. Alezanderstr. 40. Fernfp. VXI 1711. Direkt.: V. Bausenwein«.C.Emmerich. Anfang Vj8 Uhr. Zum 28. Mal mit vollständig neuer Ausstattung: Novität! vle weisse Henne. Novität! (Do xoule blanche). Vaudeville in 3 Atten von Hennequin und Mars. Deutsch v. Bolten-BäckerS. Musik o. V. Roger. In PariS mit sensafi Erfolge über 500 mal gegeben. 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Xb.«locke in Berlin. Druck und Verlag oou Mar Bavina li,«erlin.