Anlerhaltungsblall des vorwärts »k. 249. Sonntag, den 22. Dezember. 1901 (Nachdruck verdaten.) v) Dev Fluvschütz. Roman von Alfred Bock. Die Sache kam vor den Direktor. Der machte nicht viel Auf- Hebens davon und sagte:„Schwalb, Sie sind ein begabter Mensch. Sie müssen sich aber nicht einbilden, daß hier eine Extrawurst für Sie gebraten wird. Sie sind Ihrem Klassen- lehrer Gehorsam schuldig. Versäumen Sic weiter den Unter- richt, so mach' ich kurzen Prozeß mit Ihnen und weise Sie aus der Anstalt aus." Das war klar und deutlich gesprochen. Und weil der Direktor manierlich war, ließ Jakob fünf gerade sein und ging zu dem Fliegenschmidt zurück. Doch hatte er sich vorgenommen, wenn der Krippenbisser ihm wieder was aufmutzen that, sollten ihn keine zehn Pferde mehr in die Fachtlasse bringen. Was der Schasskopp zeichnete und kleckste. hatte er wahrhaftig und Gott schon vergesien. War er Johanni des Unterrichts ledig, konnte es ihm daheim nicht fehlen. Zwar blieb er in Eschenrod nicht hängen. Unter das Bauern- Volk paßte er nicht mehr. In Frankfurt wollte er seßhaft • werden. Das war eine wunderschöne Stadt, und Geld war dort, o je! wie Heu. Da lebte ntan wie im Schlaraffenland. Er hatte große Rosinen im Sack und baute Luftschlösser, ein wahrer Staat!'s Nettchen hörte aufmerksam zu. Der Protz, wußte sie. war in sie verschossen. Sie dachte nun, wie man ihn ausbeuteln könne, um ihni hinterdrein eine Nase zu drehen. Der Gimpel ging ihr schnell auf den Leim. Sie vertraute ihm, wie elend sie sei. Sie müsse den Leuten freundlich thun und bis in die Nacht die Kellnerin spielen. Sie habe bessere Tage gesehen. Jetzt halte der Vater sie furchtbar knapp und gönne ihr kaum das bißchen Putz. Ja, wenn man so glücklich sei wie der Herr Schwalb und auf des Vaters Geldsack poche. Seufzend ließ sie sich neben ihm nieder und duldete, daß er den Arm um sie schlang. Jhin rieselte es glühendheiß durch die Adern. ..Herzig Mädchen," wisperte er,„ich thu' alles für Dich." Er zog sie näher an sich heran.„Schätzi, Sonntag geh'n wir zusammen aus." Sie willigte ein. Er war ganz toll. Das schöne Mädchen, um das sie alle mit begehrlichen Blicken herumschwänzelten, war sein Schatz. Gleich kaufte er ihr eine Korallenbrosche, ein paar Tage später ein Ohrgehänge. Kaum, daß er den Sonntag erwarten konnte. Sie wollten sich in der Kommuni- kationsstraße treffen. Er wartete und wartete, sie blieb aus. Der Vater hatte sie festgehalten. Sie vertröstete ihn auf den nächsten Sonntag. Da kam denn wieder etwas dazwischen. Sie lockte ihm allerlei Geschenke heraus und hielt ihn Woche für Woche hin. Unterdessen lief er in seiner Liebesglut wie behext herum, versäumte Arbeit und Unterricht und ließ sich mit feilen Dirnen ein.— Aschermittwoch war's, um die Frühstückszeit, daß Jakob mit katzenjämmerlichem Gesicht in die Wirtschaft zu seinem „Schätzt" kam. Vorn im Lokal saßen ein paar Professio nisten, knappertcu ihren Limburger und tranken Vier dazu. Ein fcingekleidetcr Herr, den glänzenden Cylinder im Nacken, hatte sich über den Schenktisch gebeugt und tuschelte dem dahinter sitzenden Nettchen ins Ohr. Das war ihr offenbar so interessant, daß sie den eintretenden Jakob gar nicht be- merkte. Dieser wandte sich unruhig an die Handwerksleute. „Wer ist denn der Herr dahinten?" „Dat is der Nettche seiner, de Schwalenbach," flüsterten sie ihm zu.„Sie wissen et doch, der den: Scheuer jeholfe hat wie er im Dreck drin saß." Von einer großen Wut erfaßt, schlug Jakob mit seinem Nohrstock auf den Tisch und schrie: „Ein Glas Bier!" Das Pärchen am Schenktisch fuhr auseinander. Herr Schnialenbach drückte den goldenen Kneifer auf den Nasen- sattel und sagte, den Ankömmling musternd: „De Lümmel hat noch de Fasselabend im Kopp I" Jakob ging herausfordernd aus ihn zu. „Wen meinen Sic dann mit dem Lümmel?" „Wer fragt," fuhr ihn der Geschniegelte an.„Sie haben sich hier anständig zu benemme." Jakob trat das Blut ins Gesicht. „Seit wann haben Sie mich denn Anstand zu lernen?" Der Herr wies nach der Thür. „Enus mit Siel Sie sind ja besoffe." „Was sagen Sie, Sie Affekunges!" Jakob packte den Nebenbuhler am Rock. Dieser entschlüpfte ihm und flüchtete hinter den Schenktisch. Jetzt legte sich das Nettchen ins Mittel. „Herr Schwalb, ich verbitten nier hier die rohe Späss'." Jakob schwang sich mit einem Satz auf den Tisch. „Halt Du doch Dein Maul, Du falsche Ärott. Dem Lapps da tränk ich den Lümmel ein." Klatsch! traf den Stutzer ein Schlag ins Gesicht, daß ihm das Blut gleich aus der Nase schoß. Der Getroffene schrie Zeter und Mordio. Da eilten die Handwerksleute herbei, rissen den Jakob vom Schenktisch her- unter und traktierten ihn mit den Fäusten. „Waart, Luskirl, de kommst ins Kachöttche. Enus, enus!" Er flog in Wahrbett zur Thüre hinaus und schlug der Länge nach ans den Bürgersteig. Passanten halfen ihm auf die Beine. Zuerst war er willens, in die Kneipe zurückzu- kehren, dann besann er sich eines anderen und rannte fort. Als er zehn Minuten darauf sein Quartier in der Kasernenstraße erreichte, fand er zwei Briefe vor; der eine kam voni Direktor der Kimstgewerbeschule, der ihn wegen fortgesetzter Versäumnis des Unterrichts aus der Anstalt >vies, der andre war von seinem Vater, der Geld zu schicken versprach, aber jede fernere Unterstützung verweigerte. Jakob ivarf sich auf sein Bett. Noch kochte die Wut in ihm über die eben erlittene Schmach. All' die Zeit her hatte das Nettchen seinen Uz mit ihn: gehabt, hatte ihm die Mark- stücke abgeluchst. Daß er so ein Dummerjan gewesen wart Dazu»och der Schinipf, sich von ihrem Buhlen anranzen zu lassen. Zwar hatte er dem Zieraff eine ins Gesicht geflatscht. Was machte sich die Scherbe! daraus. Die lachte sich ins Fäustchen, wie er den Handwerkern in die Kluppen fiel und seine Prügel krag. Er zerknüllte die Bettdecke. Die Hinter- listige hätte er abmurksen können. So übel hatte ihm noch keine mitgespielt. Nun kam auch alles Unglück zusammen. Der Direktor schloß ihn vom Unterricht aus, der Vater zog die Hand von ihm ab. Was jetzt? Er wälzte sich beunruhigt hin und her. Ja, wenn die Mutter noch lebte. Da hätte er eine Für- sprecherin gehabt. Daheim am letzten Michelstag war's, daß sie ihn aufs Gewissen fragte:„Jakob, was bist Du Deinen Hausleut schuldig und sonst etwan in Düsseldorf?"„Ei hundert Mark," schwindelte er ihr selbigmal vor, denn alles in allem macht' es nur sechzig aus. Etz zog sie ans dem Bettsack einen schweren Strumpf hervor und zählte dreiund- dreißig blanke Thaler und ein Markstück auf den Tisch. Wie er das Geld einstrich, liefen ihr die Thränen über die Backen.„Jakob," sprach sie,„ich geb's ja gern, wann's auch nicht recht ist, daß Dein Vater nix davon weiß. Die Sünd' muß ich halt auf mich nehmen. No bitt' ich Dich um alles in der Welt, bleib doch von den Weibsleut weg. Du machst Dich unglücklich Dein Leben lang." Ja freilich hatte sie recht. Als halbwüchsiger Bursch lief er in Eschenrod schon hinter jeder Schürze her. Dazumal hatte er's ernsthaft mit dem Justus Hobach seinem Kathrinchen, aber es hatte weiter nichts zu bedeuten gehabt. Das Kathnnchen heiratete später den Hufschmied Kümmel. Der Teufel hat sein Spiel dabei, daß er das Karessieren nicht lassen konnte. In der Stadt als Weißbinder trieb er's flott und war bei den Mädchen Hahn im Korb.' Heidi, heida! alle paar Wochen eine andre; Abwechslung mußte sein. Etz zog den Soldateurock an. Die Leut' von seiner Compagnie kneipten in der„Goldenen Gans". Da kam er und die Christtne beidsander. Das Mädchen hatte ein paar Augen im Kops, die gingen einem durch und durch. Mit den vielerlei Liebschaften schnappt's ctz ab. Sein Trachten ging nach der Christrine. Die ließ ihn aber ordentlich zappeln, denn sie war nicht so wie die andren und nahm seine Freite ernsthaft auf. No tvar er rein verpicht auf das Mädel und könnt' sein Klappermanl nicht halten und that gleich von der Hochzeit schwätzen. Da machte sie keine Sperenzchen mehr. Und sie waren zusammen wie geheirate Leut und lebten in den Tag hinein. Auf einmal>var das Unglück da: die Christine ging mit einem Kind. Er war sell verstabcrt und schwitzte Blut. Zum Glück kam's Manöver, da zog er ab. Die paar Wochen gingen schnell herum. Wie er zurückkam als Reserve- mann, hielt sie ihn gleich auf der Strohe an uud fragte, wann die Hochzeit war'. Er drückte sich um die Autwort hemm. Sie las ihm die Gedanken aus dem Kopf, sah aus, als Hütt' sie im Grab gelegen. Den Tag darauf machte er nach Düsseldorf. Etz schrieb sie sich die Finger- wund. Er schwieg fein still, aber er quälte sich doch mit der Sache herum. Nun war ein Kamerad auf der Ge- werbeschulc, der schrieb sich Heyer und stamnite von Alzey. Ein grundgescheiter, feiner Kerl. Bei dem lud er seine Sorgenlast ab. Der Heyer ließ sich alles haarklein ver- zählen und sagte drauf:„Horch einmal, Schlvalb. Der Napoleon war ein großartiger Mann. Der hat akkurat über Dein' Fall ein Gesetz geschrieben. Danach geht's noch heut bei uns vor Gericht. Dadrin heißt's, wann der Vater nicht will, braucht er so ein Kind nicht anzuerkennen. Der Napoleon hat sich sein' Kopf für viel Leut zerbrochen, hat gemeint, zuletzt sind die Wcibsleut dran schuld. Etz sei kein Narr, schlag Dir's aus dem Sinn. Da sitzt manch eine mit ihrem Paketchen und flennt und trägt's am End' allein." Wie der Heyer ihm so zureden that, war's ihm auf einmal leicht zu Mut. Zum Teuxel. weg mit der Sauertöpfigkeit! Alsfort fidel l Wozu war mau jung? Und ein Jahr verstrich in Lustigkeit. Etz starb die Mutter, er mußte heim. Unterwegs packt' ihn eine barbarische Angst, daß er auf die Christine stoßen könnt'. Er wußte, sie diente als Magd in der Stadt. Am besten, er ließ sich da gar nicht blicken und ging vom Bahnhof den Feldweg nach Eschenrod. Herrgott von Dachsbach, wann sie ihm doch in die Quere kaml Nitzcfcucrrot wär' er geworden. Vor ihren schtvarzen Guckeln gab's kein Verdcssendieren. Wahrhaftig und Gott, sie hätte ihn festgehalten, und mit. dem Herumflankiereu war's vorbei. Etz lief aber alles wundergut ab. Auf dem Rückweg von Eschenrod ritt ihn der Teufel, -daß er doch durch die Stadt und über den Marktplatz ging. Von der Christine war keine Spur zu sehen. So kam er ungewaschen davon.— Im Grund genommen war's ihm recht, daß der Vater so scharf jetzt ins Zeug nnt ihm ging. Nun mied er künftig Eschenrod und die Stadt, wo's doch wegen der Christine nicht geheuer war. Aber zum Geier! wohin? Hier brannte der Boden ihm auch unter den Füßen. Beim Scheuer vorhin hatten sie ihm nachgerufen:„Waart, Luskirl, De kommst in's Kachöttche". Spaß beiseit! Das könnt' ihn ein Paar Wochen kosten, daß er dem Gischpel eine ausgewischt. Ein Gedanke schoß ihm durch den Kopf. Da war auf der Kunstschule ein junger Holländer gewesen, Gröning mit Namen. Mit dem hatte er gute Freundschaft gehalten. Der schaffte jetzt in Anisterdam und, wie er schrieb, in einem großen Geschäft. Vielleicht, daß er dort ein Unterkonimon fand. Die Arbeit ging ihm ja leicht von der Hand, er hatt' es von der Natur in den Fingern. Toppl das war ein Plan, nach Amsterdam!— Rasch sprang er auf. Just trat der Gcldbriefträger herein und brachte von, Vater zweihuudertzwanzig Mark. Der hatte es mit den« Abschicken eilig gehabt. Er gab dem Postboten eine Mark Trinkgeld und sackte großthuerisch die Goldfüchse ein. Dann klingelte er seine Wirtin herbei, bezahlte die schuldige Miete und sagte, daß er ziehen müsse. Gegen Abend war er reisefertig. Mit dem Nachtzug fuhr er nach Amsterdam.— VI. Ein harter Nachwinter hatte die Hoffnung der Bauern Mif ein gutes Frühjahr zu nichte gemacht. Wer, durch ein paar wanne Tage verleitet, mit dem Säen der Feldfrüchte begonnen, mußte befürchten, daß die Aussaat im kalten Erd- reich zu Grunde ging. Noch am Gcrtraudeutag, da die Maus den Faden am Spinnrocken abbeißt und in der Regel die Feldarbeit ihren Anfang nimmt, schüttete Frau Holle die Federn aus. Grämlich hockte man in den Stuben und hörte draußen den Nordtvind pfeifen. Tie einen haderten laut nnt dein Hiiiimel, die andern sprachen gottergeben: „Duckt euch, laßt voriibergahn, Das Wetter will sei» Fortgang hau." Endlich ani Palmsonntag wich die rauhe Witterung, und ein linder Südwest brachte Wärme und Regen. Nun kam aus einmal Leben uud Bewegung in die Gassen uud Eäßchen von Eschenrod. Die verspätete Arbeit forderte doppelten Fleiß; wer irgend konnte, ging mit aufs Feld. Auf dem Geiersberg stand der Flurschütz und überflog mit scharfem Auge sein Revier. Sein Amt war ihm Heilig. Hatte er doch einen leiblichen Eid geschworen, mit allen Kräften zu schützen, was seiner Obhut anvertraut war. Er hatte den Bauern gegenüber keinen leichten Stand, denn da sie ihn wie ihresgleichen betrachteten, kostete es sie Ueber- Windung, die Obrigkeit in ihm zu respektieren. Er ließ sich das nicht anfechten und hielt auf Ordnung und Recht in seinem Bezirk. Kannte er sich doch unter den Eschenrödern aus. Bei denen traf auch das Sprüchlein zu: alte Leute, alte Ränke, junge Leute, neue Schwäuke. Wunderliches Volk! Nicht genug, daß der Boden fruchtbar war— wenn man den Finger hinein- steckte, ward er speckig— nicht genug, daß jeder das Seine hatte, sie thaten wahrhaftig und Gott wie Hunde, die allesamt an einem Knochen nagten. Und belugsten sich mit scheelen Blicken und machten sich kein Geivisseu daraus, einander die Feldfrüchte zu stehlen, ja hehlings die Flursteine zu versetzen. Es stak wie eine Krankheit in ihnen, daß sie rappscheu und immer rappschen mußten. Sinnend schritt er den Berg hinunter. Da er dem Flach- land näher kam, unterschied er die Bauern auf jeder Gewann. Da zogen sie die Furchen mit scharfem Pflug, streuten be« dächtig den Samen ans uud betrieben so friedsam ihr Geschäft. als ob sie kein Wässerchen trüben könnten. Ja, konnten sie nicht zufrieden sein? Sie schafften nicht um Tageslohu wie die Städter in Werkstätten und Fabriken. WaS sie in die Erde legten, gab sie tausendmalig zurück. Sie durften sich herzhaft schmecken lassen, was ihnen auf eignem Grund erwuchs. Freilich, das Ackern kostete Schweiß, aber so ein Tagewerk gab auch Kraft. Das hatte der Mensch vor dem Vieh voraus, daß er das Mark in den Knochen gespürte. Eine starke Iiatur, das war doch alles! Er schwang gclcnk seinen Knotenstock, als wollt' er die eigne Kraft erproben. Nun ging er längs dem Höllerbach. Auf dem Ribbacherweg gesellte sich der Sägmiiller zu ihm. Der hatte in Weißenborn Geschäfte gehabt. Dort hatte die Gemeinde in ihren Waldungen Bestände abgettieben und an einen Holzhändler in der Stadt verkauft. Die Stämme sollten zuvor vierkantig beschnitten werden und der Sägmüller hatte die Arbeit auf dem Submissionsweg übernommen. Er berichtete mancherlei aus dem Nachbardorf. Offenbar war es den Weißen- hörnern darum zu thun, mit den Escheurödern, die sie bei dem Grenzstreit übers Ohr gehauen hatten, wieder auf gutem Fuß zu stehen. Der Adlerwirt, der im Gemeinderat saß, hatte dm Sägmiiller auf den„Rcinhardsfels" geführt. Da war ein statt- liches Wirtshaus im Bau, für Sommergäste aus der Stadt bestimmt. Der Saal sollte von einen: Maler ausgeschmückt werden. Dabei dachte man an den Jakob Schwalb von Eschenrod, den sein Lehrherr warm empfohlen hatte. Nun sollte zunächst der Flurschütz sich äußern, ob sein Sohn wohl ein paar Wochen abkonimen könne. Dann wollte mau gleich »ach Düsseldorf schreiben. Der Flurschütz blickte finster drein und sagte barsch: „Die können sich das Schreiben sparen. Ich weiß gar nicht, wo der Jakob steckt." „Wieso dann?" fragte der Sägmüller erstaunt. „Ei, ans Fastnacht hat er zuletzt geschrieben. Dann ist noch was von seinem Direktor gekonimen, sie hätten ihn kurzer Hand fortgejagt, weil er sich um den Unterricht nix mehr kümmern that. Etz Hab' ich ihm dadrüber Vorstellungen gemacht, aber die Post hat den Brief retour geschickt. Ter Jakob wär' fort, kciu Mensch wüßt' wohin." Der Sägmiiller war ganz verblüfft. „Das ist ja das erste Wort, was ich hör'." Der Flurschütz hob ein wenig die Schultern. „Jä meinst Du dann, daß ich's ausschellen lass'." „Bei Leib nicht, Daniel, aber Du thust mir leid, Ivo Dich der Bub doch schon soviel kost'." „Ich schätz', er ist übers Wasser gemacht." „Was das betrifft, der schlägt sich durch." Der Flurschütz lüftete die Mütze und trocknete sich den Schweiß von der Stirn. „Ja. ja, man erlebt was an so einem Bub." „Ein Schlippchen ist er sein Lebtag gelvest. Ich weiß, wie er noch ein Rotzjung' war, ist er einmal in die Sägmühl' ge- koninien und hat nnt dem Lieschen seine Sparrgitzchen gemacht. Etz krag er von mir den Buckel voll. Ich denk', dem sind die Sputzen vergangen. Was meinst Du? Den andren Tag kommt er wieder und spricht, he war' dem Lieschen sein Bräuem und Pfingsten sollt' die Hochzeit sein." Der Flurschütz lachte bitter. „Was ein Haken werden will, krümmt sich beizeiten. 's ist ja'ne Sünd' gegen mein eigen Fleisch, aber ich Hab' den Bub' nie ausstehn können." Mittlerweilen hatten sie das Dorf erreicht. Der Säg- müller blieb bei der Krone stehen und sagte, er habe einen mordsmäßigen Durst, auch.gebe er ein Dippchen zum besten. Der Flurschütz lehnte ab, er dürfe die Zeit jetzt nicht verpassen, denn der Bürgermeister habe ihn bestellt. Mit einem„Mach's gut!" gingen sie auseinander.— Der Bettelkaspar schnupperte um des Flurschützen GeHöst herum. Sobald er ausspioniert hatte, daß der Hansherr abwesend war und die Christine in der Küche schaffte, niachte er sich an das Mädchen heran. „Christine, mein Schätzchen, willst Du für einen armen Hungerleider was thnn?" Christine niochte den Strunzer nicht abweisen und gab ihm Speck und Brot. Kaspar setzte sofort seine Kauiverkzeuge in Bewegung und quatschte dabei mit vollen Backen: „Kein besser Leben ist Auf dieser Welt zu denken, Als ive»» man ißt und trinkt Und läßt sich gar nichts kränken." Den Muffel hinunterschluckend, bat er um ein Gläschen Aepfelwein. Christine lachte. „Heut wird nix verzapft." „Schad', sagte der Kaspar, sich auf einem Küchenschemcl niederlassend.„Hütt' gern was zum Neben eingenommen." „Zum Neben? Du Schelm I Du brauchst Dein Mund- stück nicht zu schmier'»." 's könnt' doch der Fall sein, Ivo ich als Freiersmaun komm'." „Als Freiersmanit?" «Akrat zu Dir." Sie dachte: der will sich ein Späßchen machen und setzte sich lächelnd in Positur. Er aber nahm die Mütze ab und sprach: „Geschrieben steht: es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Dadrüber Hab' ich die Tag' nnt dem Katzen- Hannes gesprochen. Der hat seine achtzehn Morgen Land, könnt' Mädchen haben, soviel er wollt'. Letzt ist ihm eine angetragen worden ans Klingcnrod— mit zehn Stück Vieh. Wann einer was hat, spielt die Aclt' keine Roll'. No ist der Hannes ein putziger Mensch. Der sitzt bei seinen Kätzerchen und denkt: kommt Zeit, konnnt Rat. Etz bin ich aber doch einmal hinter ihn gangen und Hab' ihn gcherigd ausgehorcht. Ja. spricht er. wann dann gehcirat' werden soll, die Christine beim Flnrschütz, die war' mir recht. No. sprech' ich, soviel ich das Mädchen keim', die schlägt eine gute Versorgung nicht aus. Wann Dir's recht ist, gch'n ich als Freiersmaun. He sagt ja. Etz bin ich da und sprech': Der Johannes Schäfer hält um Dich an und steht Dir bei in Kreuz und Leid. Bist Du's zufrieden, gilt der Versprnch." iFortsetznng folgt.) Sotttttngsplmldevci. Vermischte Nachrichten v o ni Tage. „Der Parlamentarismus ist auf dem— Marsäie," so erklärte unser Freund Schuhmeicr im ostreichischen Abgeordnctcnbause. Erschrocken über die Kühnheit seiner Behauptung stotierte er bei dem letzten Worte ein wenig. Von diesem Stottern hat man dann viel WesenZ gemacht, und man fand den Zivischcnruf nicht— geleckt genug. » Bei einer der Geisterseancen der Potsdamer Aristokratie erschien neulich auch der Geist deS Ritters Götz von Berlichingcn mit der gepanzerten Faust. Was hältst Du von uns und imsrer Zeit— fragte den Geist der Baron von Spiritusselitz. Da machte Herr Götz eine schensälige Geberde und rief in die Gesellschaft donnernd sein berühmtestes, jetzt parlamentarisch gewordenes Wort. Alles wurde entgeistert, die Gräfiiiuen fielen in Ohnmacht und die Frei- fräuletn erröteten sogar im Dunkeln. „Aber habt Euch nicht so, Kinder", schrie der Geist verwnndert, «die ollen Griechen nannten auch ihre Venus— Kallipygos und das war doch das Hehre, das Ideale!" * Der Berliner Magistrat hat beschlossen, die von ihm angefertigten Anschauungskarte» über die Entwicklungslinien der Arbeitslosigkeit zn vervielfältigen und an alle Arbeitslosen zu Weihnachten zn ver- teilen. Keine Stadtverwaltung hat bisher in so großherziger und vollkomniener Weise das Problem der Arbeitslosigkeit gelost. Die Arbeitslosen beabsichtigen infolgedessen, den Herren Kirschner und Fischbeck je eine Ehrenschnee-Schippe zu überreichen. Den Socialdemokraten kann man es niemals recht machen. Immer beklagen sich die Genossen, daß ihre Gegner sich keine Muhe geben, sich über das Wesen der Socialdeuiokratie zu unterrichten und nichts davon verstehen. Wen» nun aber die Polizei diesen Vorwurf als berechtigt anerkennt, und ihrerseits die redlichsten Anstrengungen niacht, sich über die Socialdemokraue zn informieren, so schimpfen sie wie unsinnig über— Spitzel. „Schade." sagte dieser Tage, im Olymp Meister Phidias zn den Kollegen Michel Angelo und Douatello,«schade, daß ich auf der Erde keine auffindbare Lcichcnstätte habe." „Was kann Dir daran liegen," fragten die beiden andern. „Ich hätte mich dann so schön im Grabe herum drehen können." bemerkte der alte Phidias. Donna Laura, die Schwiegermutter des Grafen Biilow, be- absichtigt sich von dem Reichskanzler scheide» zu lassen.„Ich kann nicht mehr nnt Dir leben," erklärte sie neulich zornig zu dem un- glücklichen Grafen,„denn Du willst ja nicht mehr auf die Stimme des Auslandes hören." Rein hold Vegas hat eine Lehrstelle für Acsthelik an einem renommierten Töchterpensionat des Berliner Westens angenommen. In akadennschen Berliner Künstlerkrcisen hat es da? peinlichste Aufsehen erregt, daß der Nobelpreis für idealistische Kunst an keinen der bei der Siegesallce beschäftigte» Bildhauer verliehe» worden ist. Man wird infolgedessen ans diplomatischem Wege das dringende An- sinne» an die schwedische Regierung richten, künstig das Preisgericht nach Berlin zn verlegen. Die socialdemokratische Fraktion wird in der Zollkommission einen Antrag aus hohe Schutzzölle für ausländische Orden Anbringen, die der Tarif freiläßt. Das ist endlich einmal eine vernünftige socialdemokratische An- regung. Die inländische blühende Produktion muß in der That gegen die ausländische Schmutzkonknrrenz geschützt werden, die gc- eignet ist, den Wert der inländischen Orden hcrabzudrückeu. Außerdem finden wir es überhaupt in nnsrein Zeitalter sdes nationalen Egoismus nicht hübsch, wenn Minister fremde Orden tragen. Das deutet doch daraus hin, daß sie sich Verdienste um das— Ausland erworben haben. Sb M e p h i st o, sagte neulich nieine Frau zu mir, als ich sie durch eine Bemerkung geärgert hatte.«Du irrst Dich, Kind," berichtigte ich sie,„Du meinst— S o kr a t e s."� Die nationalliberale Partei wird demnächst zum KatholicismuS übertreten. Spahn wird die Taufe vornehmen und Paasche der Papst des nationalliberale» Kathollcisuuis werden. Die Polizei hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft soeben in den Berliner Geschäftsräumen der Bibelgesellschaft sämtliche Bibeln, sogar die für Blinde gedruckten, in Beschlag genommen. Die Konfiskation geschah auf Grund des 8 130 der Strafgesetzgebung: Aufreizung verschiedener Bevölkerungstlnsscn zn Gewaltthätigkeiten. Jnlrimiuiert sind besonders folgende Stellen: �. Amos 2, 6, 13«. 14; Sie treten den Kopf der Armen in Kot und hindern den Weg der Elenden Siehe. Ich will's unter euch knarren machen, wie ein Wagen voll Garben knarret, daß der, so schnell ist, soll nicht entfliehen, noch der Starke etwas vermögen, und der Mächtige nicht soll sein Leben erretten können. A m o s 5. 7 und 21: Die ihr das Recht in Wermut ver- kehret, und die Gerechtigkeit z» Boden stoßet— Ich bin euren Feiertagen gram,»ud verachte sie, und mag eure Versammlungen nicht riechen. Amos K, 3 ff.: Die, ihr euch weit vom bösen Tag achtet. und-trachtet immer nach Frevelregiment: und schlaft auf elfen- beinernen Lagern, und pranget ans euren Ruhebetten, llnd trinket Wein ans de» Schalen, und salbet ench mit Balsam, und belümniert euch nicht mn den Schaden Josephs. Darum sollen sie nun vorn angehen unter denen, die gefangen weggeführt werden, und soll das Schlemmen der Pranger anfhörcn... Denn ihr wandelt das Recht in Galle, und die Frucht der Gcrechligkeit in Wermut. Und tröstet auch des, das so gar nichts ist, und sprach: Sind wir denn nicht stark genug mit miscrn Hörnern." Alle diese und viele andre Stellen sollen nach staalsaitwaUIicher Auffassung gegen den Zolltarif der Regierung aufreizen. Chamherlai» und Eduard VII. hallen sich»ach Bcth- l e h e ni begeben, um dort das Weihnachtsfest zu feiern.— Joe. Kleines Fenillekon» th. Die Spatzeu..Eins, zwei, drei, vier! Nein, da kommen schon wieder zwee! Sechs, acht! Jetzt sind es sogar zwölf Stück! Das ist ja. reizend, entzückend ist ja das! Und sie bleiben ruhig sitzen, auch wenn man a» das Fenster tritt." Die junge Frau klatschte in die Hände vor Vergnügen. „Manchmal sind fünfundzivaiizig hier", sagte die andre. Sie standen beide im Erter und sahen auf de» Balkon hinaus: Da lagen Brot, Kartoffeln und Hanfkvrner, und die Spatzen flogen ab und zu. «Morgen mach' ich nur auch'neu Futterplatz", rief die zunge Frau.«Nein Tante, das ist ja süß. Jetzt kommen schon wieder drei dazu." „Ja ich glaube so an fünfzig, sechzig kann ich den Tag über satt machen. Die Tante lachte, sie rückte sich einen Sessel heran und lieff sich hineingleiten:„Gott, mein Mann lacht mich inimer aus, weil es nur Spatzen sind. Na ja, die Spatzen sind Gassenjungen, aber die Gassenjungen wölk» doch auch leben und es bleibt so viel übrig in der Wirtschaft. Ehe es nmkonunt, tönnen es doch die Bogel bekommen. Und Spaß macht es." „Furchtbaren Späh!" Sieh I Sieh I Sieh: jetzt beißen sie sich. Der große Dicke hackt immer auf den Kleinen ein; und der Kleine hat ein.Krüppelbciuchen I" „Ach, der ist auch wieder da?" Die Tante richtete sich auf. „Ja solcher sind zivei, einer hat sogar nur ein Bein. Aber das ist gemein, daß die großen Dicken überhaupt so gierig find, die beißen die Schwachen und die Krüppel imnier fort." „Freches Volk!" Die junge Frau lachte. „Jetzt holen sie sckion wieder die ganzen Kartoffeln fort. „Ja, im Essen leisten sie was," sagte die Tante,„das ist nun schon beinahe unglaublich. Ich glaube, für'» Groschen Brot verfüttern wir!am Tage, und die Kartoffeln noch gar nicht mal gerechnet. Wenn ich des Morgens'ne Schrippe zerbröckele und hinlege, dann ist sie in'»er halben Stunde alle." „Sie tragen sich auch große Stücke fort." Die junge Frau sah noch immer hinaus. „Sieh mir, jetzt fliegt der Dicke wieder mit'ner Kartoffel ab. nein, so ei» Geselle! Nimmt sie dem andern gerade vor'in Schnabel weg. Die großen Dicken sind Ruppsäckc!" „Ja, das sind sie," nickte die Tante.«Aber Spaß macht es doch, und siehst Du. ich sage immer: Die Vögel muß man futtern im Winter, wenn'S auch nur Spatzen sind. Die armen kleinen Kerle! Da lungern sie draußen im Regen und im Schnee hennn, und finden nichts und ivieviel mögen noch erfrieren. Wer sich der Vögel nicht annimmt, der hat kein gutes Herz!" „Hat er auch nicht" die junge Fron setzte sich gleichfalls.„Ich schütte gleich morgen früh was vor das Fenster. Man denkt immer, in der Stadt kommen keine! Sich»nr, jetzt sitzt einer auf dem Fensterbrett." „Ja, da kommen sie auch hin." Die andre lachte wieder.„Ach. cS ist überhaupt eine ganz freche Gesellschaft. Wenn mal nichts mehr da liegt, sitze» sie auf dem Ballongeländer kund mache» Spektakel. Besonders der große Dicke, der schimpft ivie ein Großer: schüp, schüp, schüp. So geht das, als hätte er acht Tage nichts zu freffen gehabt. Frechling'!" „Und der nimmt gerade am meisten! wenn er da ist, läßt er keinen andern heran, lieber wirft er noch was in den Schmutz, als daß er es den andren gönnt." „Alte Geschichte; die, die etwas haben, wollen immer noch mehr haben." „Nu machen wir auch noch Charakterstudien an den Spatzen." Dir' junge Frau jauchzte hell auf. „Kanu man auch machen, LniSchen. Die sind wie die Menschen, und Du hast ganz recht, die Dicken und Großen sind die aller- rrippigsten." Sie lachten beide zu gleicher Zeit. „Es klopft I" sagte die junge Frau. „Ich Hab' nichts gehört. Ach ja, doch! WaS ist denn?" Sie rief es»ach der Thür, die ging langsam auf, das Mädchen steckte den Kopf herein:„Frau Doktor! Ich wollte mau sage». Frau Doktor haben zwar gesagt, es soll nichts mehr gegeben werden, es ist aber schon wieder'u Bettler da, es ist'u aller Mann; er hat nur einen Arni und—" „Herrgott, darum stören Sie� uns noch. Auguste?" Die alte Dame wurde ärgerlich.„Sagen Sie einfach, es giebt nichts! So! Jeden Tag fünf, sechs Bettler, das ist ja gar nicht mehr gut zu niachen." „Aber es ist doch so'n alter Manu," das Mädchen stand noch iiuuier an der Thür. „Wenn ich sage, es giebt nichts, dann giebt es nichts! Und ich verbitte mir Ihr Dreinreden. Ich habe auch nicht nial kleines Geld, nur Sechser und Groschen. Gebe» Sie ihm meinetwegen'ne Schrippe, aber das ist das letzte Mal!" Sie drehte sich wieder ihrer Nichte zu:„Nein, das kann man ja nicht. Das ist ja geradezu unglaublich,>vas hier gebettelt ivird,>lud besonders in diesem Jahr. Gestern waren drei hier, heute kommt schon der zlveite!"/ „lind wenn man erst einem giebt, kommen sie alle," sagte die Nichte. „Ja gewiß, das muß aber mal'« Ende nehmen, ich gebe jetzt keinem einzigen mehr was, das ist zu bunt! Nein, ich habe'doch hier keine Futterstelle für Vagabunden I"— Aus dem Tierleben. — Die Wärmehaltung der niederen Säuger hat C. I. M a r t i n in einer der Londoner Königlichen Gesellschaft vorgelegten Arbeit untersucht rnid seine Aufmerkiamkeit besonders aus ihre zunehmende Fähigkeit, die Gleichförmigkeit der Körper- temperatnr zu erlangen, gerichtet. Danach muß der australische A m e i s e n i g e I als der unvollkommenste Warmblüter betrachtet werden. In seinen Bestrebungen— wenn man so sagen darf—, eine gleichmäßige Blnttemperatur zn belvahrcn, hat er so wenig Erfolg, daß er um 10 Grad zurückbleibt, ivenu die Luftlvnrme zwischen� 6 und 3ö Grad ivechselt. Während der kalten Jahreszeit fällt er in einen scchsmonatlichcn Winter- schlaf.und seine Körperlvärme steigt dann nur um einige Zehntel Grade über die des umgebenden' Mittels. Für die ivarnie Zeit mangeln ihm die Schweißporen, und er scheint auch keine vasomoto- rische Anpaffnng für die Regelung der Wärme-Ausgabe durch die Haut erlangt zu haben. Bei dem W a s s e r s ch u a b e l t i e r ist ein merklicher Fortschritt festzustellen. Denn die Körperwänne dieses Tieres ist, ivenn auch sehr niedrig, doch nahezu konstant. Es be- sitzt rings um den Schnabel Schweißporen. In dem Maße, ivie die äußere Temperatur wechselt, vermehrt oder vermindert sich auch die ausgeatmete Kohlensäure. Das Tier kann also die Wärnieverluste durch erhöhte Wärnie-Erzeuguiig ausgleichen. Seine Atmung beschleunigt sich mit der steigenden Temperatur. Bei den Benteltieren treten iveitcre Fortschritte auf, ihre Atmung beschleunigt sich unter dem Einflüsse der Wärme ein Ivenig. Bei den höheren Säugern endlich hängt die Beständigkeit der Körper- wänne von einer Regulierung der Wärme-AnSgabe ab wobei die Schnelligkeit der Atmung eine ivichtige Rolle spielt. Man ersieht hieraus, daß der primitive Modus der gleichmäßigen Wärmehaltung oder Homöotheimie auf einer Variabilität der Wärmc-Erzeugung, der fortgeschrittene Modus auf einer Variabilität der Wärnte-Ausgabe be- ruht. Im Laufe der Euttvicklnug, die von tvechsellvarnicn zu gleichmäßig warmen Tieren führte, hat sich ein Mcchanismns ausgebildet, mit dessen Hilfe sich die Wärme- Erzeugung i» Wechselwirknng mit den Wärnieverlnsten abändert. Dadurch ivird der Nachteil beseitigt, unter tvelcheni die niederen Organismen leiden, bei denen die Lebensthäligkeit vollständig von der äußeren Temperatur abhängig ist. Das höhere Tier hat vermöge der erreichten llnabhäiigigkeit von der äußeren Temperatur seine Wohnsitze bis in die kalten Striche ausdehnen können, tvelche den tvcchsellvarmen Amphibien, Reptilien und niederen Säugern verschlossen find. Und ebenso baden sie durch die Ausbildung eines Mechanismus, der die Körper- tcmperatur auch von der Körperthäligkcit abhängig macht, sich auch nach Gegenden mit höherer Tcmperatur ausbreiten können»iid so die Lebensfähigkeit für zivei einander entgegengesetzte Richtungen gewoniirn.—(„Prometheus.") Meteorologisches. — Eine merkwürdige Erscheinung der Luft- elektricität wurde am 11. Dezember während Schnecwetters von l1/» bis 8 Uhr abends bei Bnchholz in der Nähe von Wickerath wahrgenommen. Der Beobachter schreibt der„Köln. Ztg.":„In dieser Zeit sah mau an den Enden der Ncgenschirmstaugen und der Spitze des Schinnstockes leuchtende Punkte, anfänglich winzigen Glühlämpchen gleich, die bald darauf in Lichtscheine von 2 Centi- mcter Länge und Ve Ccutimeter Breite übergingen, die unter deutlich veruehnibarem Zlnisteru denselben 1V Minuten lang ent- strömten. Sobald man sich dem Lichlschimnier auf etiva 10 Ccuti- meter mit der Hand näherte, wurde er abgelenkt, um nach Ent- fernmig der Hand sofort in der frühereu Richtung weiter zn strahlen. Gegen 8 Uhr, als ein nicht Vau Douner begleiteter Blitzstrahl auf- leuchtete, verschwand die wunderschöne Lichterscheiuuug plötzlich." Diese Erscheinung ist in nnsren Gegenden sehr selten, kommt aber etivas häufiger auf hohen Bergen vor, sie ist mit dem schon iin Altertum bekannten St. Elmsfcitcr nahe veuvandt und zeigt sich vorwiegend zur Winterszeit bei Schneefall.— Humoriftisldes. — Uebertrnmpft.„... Wenn mein Mann mich ärgert, entzieh' ich ihm seine Leibspeisen!" „Und ich koch' ihm seine Leibspeisen und laß' sie an- brennen!"— — Besorgnis. Knude(in die Buchhandlung tretend): „Sie haben da ein Buch im Schaufenster liegen:„Die Kunst, in vier Wochen französisch zu lernen"!" Co mmi s:„Jawohl! Hier ist es, mein Herr I" Der Kunde setzt sich und beginnt eifrig zn lesen. C o ni m i s(»ach einer halben Stunde):„Mein Herr, hier können Sie aber nicht vier Wochen sitzen bleiben I"— — Vertrauensvoll. Lehrer:„Wer von Euch weiß mir ivas vom Vogel zu sagen?.,. Wie, Du, Sepperl?!... Na laß' hören!" S e p p e r l:„I' weiß a' Vogelnest— aber niemand'was sagen, Herr Lehrer l"—_(„Flieg. 93!.") Verantwortlicher Nedactcur: Carl Leid in Berlin. Druck und Verlag von'lvtax Babing in Berlin.