Interhaltungsblalt des Mriväris Nr. 253. Dienstag, den 31. Dezember. 1901 (Nachdnick verboten.) io] Dvv uv schürz. Roman von Alfred Bock. (Schluß.) Sie hielt inne und sah ihn bedeutungsvoll an. Er trat ans Fenster, seine Verlegenheit zu verbergen. „Weil wir gerad' davon schwätzen," fuhr sie fort,„ich müßt' ja falsch sein, wenn ich Dir's nicht ins Gesicht sagen thät', wie Du Dich an mir versündigt hast. Etz sdn's bald zwei Jahr, daß Du fortgemacht bist. Scll Hab' ich gedenkt, Du müßt' mich kennen, daß ich mich vor Dir nur aufnesselt Hab' und sonst vor keinem mehr auf der Welt. Ja, sein dann die Weibsleut allegar liederlich, daß kein Mannsbild so was glauben darf? Guck, wärst Du nicht so treulos gewest, das Bubchen Hütt' mir nix gemacht. So hoch Hütt' im mein' Kopf getragen!" Sie stand auf, und eine entschiedene Haltung hob ihre schlanke Gestalt. Unwillkürlich wandte er sich um, und ihre Blicke begegneten sich. „Christine," bekannte er offenherzig,„ich bin kriminalisch schlecht geWest." „Du hast keine Ahnung," sprach sie weiter und ihre Stimme dämpfte ein schmerzlicher Klang,„wie mir's gewest ist in den zwei Jahr'. Guck, wann eins ein Mctzgcrnieffer nimmt und stößt mir's akrat in die Brust,'s kann nicht so weh thun, wie mein Vrast. Und daß Du's nur weißt, ich Hab' Dich verstammt und verflucht und"— setzte sie schamhast errötend hinzu—„Hab' mich während dabei erwischt, daß ich Dich doch noch lieb haben that." Er zog sie beseligt an seine Brust und beteuerte: „So wahr Gott im Himmel ist, ich mach's wieder gut l" „Das hoff' ich." sprach sie vertrauensvoll. Eine Weile genossen sie stumm ihr Glück, dann sagte er: „Ich Hab' mir das so ausgedcnkt. Du sollt'st zuerst mit dem Vater reden." � „Jakob, ich denk', wir reden beidsammen." Er runzelte die Stirn. „Ich fürcht' halt, er wird kollerig." „Dein Vater ist kein unguter Mann." „Ja schon, aber wo ich so jähliug komm'. Und auf den Stutzer noch unser Sach'." „Ich kenn' Dein' Vater," ermutigte sie ihn.„Der schäumt gleich auf und donnert loS. Etz wann er's vcrworgt hat, giebt er nach." Er hegte doch noch mancherlei Zweifel, ob alles gut verlaufen werde. Sie meinte, er sei so lang draußen ge- Wesen, daß ihm der Vater fremd geworden. Sie erzählte, wie sie's angefangen, daß der Flurschütz sie niemals an- geschnauzt habe. Wer ihn nur recht zu nehmen wiffe, der könne ihn um den kleinen Finger wickeln, denn im Grund habe er ein treues Herz und mute niemand Unbilliges zu. Das verdeutlichte sie an allerlei Zügen, die sie bei ihm be- obachtet hatte. Jakob wunderte sich ein über das andre Mal. wie erz- gescheit die Christine war. Wenn die's darauf anlegte, seinen Vater herumzukriegen, da mußte er die Segel streichen. Das Bild des Flurschützeu, das er sich in düsteren Farben ausgemalt, erschien ihm gemach in freundlicherem Lichte. Seine Besorglichkeit wich einer beruhigten Stimmung. Nach seiner Art entwarf er Zukunftspläne, setzte sich aufs hohe Pferd und überließ sich einer großen Fröhlichkeit. „Juchhe! Martini muß Hochzit sein!" Jubelnd hob er Chnstine in die Höhe, setzte sie auf seinen Schoß und herzte sie, daß ihr der Atem verging. „Jakob, Du bist nicht recht klug," wehrte sie. Ihre Zurückhaltung steigerte seine Leidenschaft. Er preßte sie an sich und bedeckte ihren Mund mit brennenden Küssen. Sie stemmte die Arme gegen seine Brust und stammelte angstvoll: „Jakob, lass' ad!" Seine wilde Sinnlichkeit riß ihn mit fort.—— Sie widerstrebte ihm mit aller Kraft.— So kämpften sie einen heißen Kampf.— Hoch in den Lüften kreist ein Schwärm von 5lrähcn. Schnell wie die Windsbraut stoßen ihrer zwei auf frisch be- stelltes Ackerland herab. Mit hörbarem Brausen folgt der ganze Flug. Die schwarze Legion bedeckt den lockeren Grund und macht sich über die Wintersaat her. Dem Bauersmann sind die Krähen verhaßt, was man ihm auch von ihrem Nutzen vorpredigen niag. Er weiß, sie wackeln hinter dem Sämann her und lesen die leckeren Frucht- körner auf. Spricht die Obrigkeit ihr Placet aus, so wird das Krähenschießen zum Fest. Am Saum des Gemeindewaldes, vom Stamm einer mächtigen Kiefer gedeckt, steht der Flurschütz, das Gewehr im Anschlag. Jetzt drückt er los. Zwei Räuber bleiben tot auf der Stätte. Die übrigen ergreifen die Flucht, aus der Höhe klingt ihr krächzendes Kroa. Der Flurschütz lädt aufs neue sein Gewehr, freilich nur dem Jägerbrauch folgend, denn er kennt die Krähen als schlaue Patrone. Zum Schuß wird er diesen Morgen kaum wieder kommen. Gemächlich nähert er sich dem Feld und bindet die Jagd- beute zusammen: zwei alte, feiste Gesellen, das Gesicht vom Bohrgeschäft federlos. Die haben mancherlei auf dem Ge- wissen. Nun hat sie ihr Verhängnis ereilt.— Der Flurschütz überschreitet die Gewann und begiebt sich hinunter zuni Hollerbach. Am Uferrand läßt er sich langsam nieder. Er ist seit Tagcsgrauen auf den Beinen, da thut ein wenig Ruhe gut. Der Platz ist ihm gar wohl vertraut. Hier hat er oft als Kind geseffen, der Gänsehannes neben ihm. Hannes, Popanncs. Was machen die Gäns? Sie sitzen im Wasser Und pnddeln die Schwänz." Der Gäusehannes erzählte Geschichten, von Röcken und Nixen, wunderbar. Und das Wasser rauschte so seltsam dazu, da konnte man das Gruseln lernen. Der Jugendfreund ist lang schon tot, und die Röcken und Nixen auch. Nur das Wasser rauscht wie jenesmal. Im Dorfe läutete es zehn Uhr. Was mochte jetzt die Christine schaffen? Wahrscheinlich war sie in ihrer Kammer und packte ihre Siebensachen. Daß sie heute Abschied nahm, war ausgemacht, wie er sie kannte. Danach ging sie wohl in die Stadt zurück und that sich nach einer Stelle um. Das Mädchen gab einem Rätsel auf. Sie brachte sich lieber kümmerlich durch, als daß sie behäbig im Wohlstände lebte. Oder waren ihr die Mannsleute allesamt ein Greuel? Dem widersprach ihr leibliches Kind. Der Schnappersgritt Rede nach hatte sie's von einem Infanteristen, der längst über alle Berge war. Sein Name war nie über ihre Lippen ge- kommen. Und doch— bedachte man's genau, gab's für ihr Thun nur eine Deutung: der Soldat hatte seil es ihr angethan, daß sie ihn nimmer vergessen konnte. Wahrhaftig, das mußte ein Mordskerl sein!— Wenn man unter den Weibsleuten Umschau hielt, es gab nicht viele wie die Christine. Er hatte seine Freude an ihr gehabt, ja daß er sich's nur eingestand, er war bis über die Ohren in sie verschossen. Vergangene Woche hatte ihn der Balthasar Röckel ge- laden. Sie probierten den neuen Acpfelwein und saßen, als hätten sie Pech an den Hosen. Er hatte ein bißchen viel ge- trunken. Um Mitternacht trat er in seine Hofraithe ein. Da überkam ihn unbändige Jugendlust. Und accurat wie die jungen Burschen thaten, holte er die Leiter aus der Scheuer herbei, stellte sie unter der Christine Fenster und stieg behende die Sprossen hinauf. „Steh auf. du wackere Z Mädelcin, Komm, laß mich zu Dir herein." Droben regte sich nichts. So krabbelte er bedumpft herunter und stellte die Leiter an ihren Ort. Am andern Morgen hielt er Einkehr bei sich. Der Teufel sollte den Aepfelwein holen. Der hatte ihn zu dein Streich verführt. 1 Im Stillen leistete er einen SHwnr, sein Gelüste nieder- zuhalten, es fei denn, die Christine wurde sein ehelich Weib.— Nun hatte er gestern seine Hoffnung begraben. Kochend war er fortgestürnit, die Straffe bi"-".ter ins freie Feld. Die halbe Nacht war er hemmges-�-eu. Im Wald hatte ihn das Gelvitter überfallen. Und mitten im Toben des schweren Wetters hatte er seine Ruhe wiedergewonnen. Die klare Besinnung gebot, zu verzichten.— Unser Herrgott hatte eine» großen Gatten. Vielerlei Pflanzen wuchsen darin, und jegliche fordette ihren Platz. Konnte man's eineni Menschenkind verargen, daß es seine eignen Wege ging? Die Chttstine war nicht wie andre Mädchen. Die mußte man mit besonderem Maße messen. Ihr Bild stieg greifbar vor ihn: auf, wie sie gestern zitternd vor ihm stand: das Bild einer armen Geängsteten.„?tehmt's nicht für ungut, es kann nicht sein." Das hatte unsäglich traurig geklungen. Da war gewiß kein Falsch dahinter. Sollte er den Stab über sie brechen? Er schämte sich seiner Ansgebrachtheit. Verflixt! Wenn er hundert Jahre alt wurde, die Gäule gingen halt mit ihm durch. Das war ein Erbteil von seineni Vater. Der hatte mit seinem hitzigen Blut das halbe Torf sich feind gemacht. Und war der beste Mann von der Welt. Ja, stak in ihm denn Boshastigkeit? In seiner Gefreundschaft wußten sie's: es war kein Tröpfchen Gift in ihm. Und Ivenn's die Chttstine nicht glauben mochte, jetzt sollte sie ihn kennen lernen. Er gab ihr den vollen Jahreslohn und für ihr Bubchen was dazu. Wollte sie diesen Nachmittag ziehen, hieß er den Postmüllcr anspannen. So schwer's ihm wurde, er fuhr sie selbst. Das hatte sie um ihn verdient.— Gegen Mittag kehrte er ins Dorf zurück. Dort hatte die Kirmesfreude ihren Höhepunkt erreicht. Auf der Schleifwiese tummelte sich das junge Volk, die Musik intonierte den Siebensprung. Vor der Krone saßen die reichsten Bauern und becherten Wein. Etliche waren schon benebelt. Als der Flurschütz eben vorüberschritt, trank ihm dieser und jener zu. Er mochte nicht unhöflich erscheinen und ließ sich bereden, ein wenig zu bleiben. Darauf that er der Sitte nach jedem Bescheid. Das starke Getränk stieg ihm zu Kopf. Von ungefähr kam der Röckel dazu. Der nahm den Vetter geheintthuerisch beiseit. „Daniel, Hab' ich dann recht gehört?" Der Flurschütz sah ihn verwundert an. „Was ist los Der Röckel stutzte. „Wo kommst Du dann her?" „Direkt voni Feld." „Das ist nicht schlecht." „Ich glaub'. Du hast Dein' Uz mit mir." „Bewahr' l No Du wirst Augen machen." Dem Flurschützen ttß die Geduld. „Etz sprcch' Dich aus." sagte er fast grob. Der Röckel neigte sich nah' zu ihn? hin. „Alleweil ist mir der Bettelkaspar begegnet." „Ja und?" „Der hat mir's verzählt. Hab' gemeint, ich müßt' auf den Rücken fallen. Dein Jakob ist diesen Mvrgen ge- kommen." „Der Jakob I" prallte der Flurschütz zurück und stützte sich wie schwindlig auf feinen Stock. „Den bringt der Teufel," sagte der Röckel, denn er wußte als Freund und Anverwandter, wie Vater und Sohn mit einander standen. „Krieg die Kränk!" richtete sich der Flurschütz auf, und die Flammen schlugen ihm aus dem Gesicht.„Ich Hab' mit dem Nautnutz nix mehr zu schaffen." „Ruhig Blut!" redete ihm der Vetter zu.. „Wo soll he dann sein?" „Wie der Kaspar spttcht, bei Dir zn Haus." „Oha I Da sein ich der Herr, da hat he nix zu suchen." „Ich denk' doch. Du wirst fertig mit dem." Der Flurschütz hob den Arm enipor. „Ich sein Dir gut dafür." Er sagte der Tischgesellschaft hastig„Adjes!" und ging. War ihm die Hiobspost in die Knie gefahren oder war's der ungeivohnte Wein, er tottelte förnilich über den Platz.— Der Röckel setzte sich zu den Bauern. „Was hast Du dann mit dem Daniel gehabt?" ging man ihn neubegierig an. »Ich?" sagte der Röckel,„dreimal nix. Das Neueste ist: der Schwalbejakob ist wieder dal" Ein paar Fäuste schlugen aus den Tisch. „Ter Schwalbejakob 1" „Kreuzdonnerwetter." „Wo hat dann der Kleckser die Zeit her gestocken?� „Drüben in Amerika." „Das heiß' ich unverhuts Kirmesbesuch." „Der hat noch gefehlt." „Achtung, ihr Leut', der Bull' geht um." „Sperrt ctz Euer Mädercher ein." „Ja, he hat's vormals arg gettteben." „Und fängt am End' das Geschäft wieder an." „Schwätz' doch kein Blech!" „Wieso?" „He wüßt' genau, wo er anpochen könnt'." „No, no." „Das versteht sich." „Bei so was sein immer zwei, die's wollen." „Eschenrödcr Mädercher Legt Euch i» die Bohne, Wann der Schwalbejakob kommt, Wird er Euch belohne." Brausendes Gelächter erschütterte die Luft. Die Gläser dröhnten aneinander, der Wein rann in Strömen durch die Gurgeln.— Indes schwankt der Flurschütz die Gasse hinunter, den hochroten Kopf vornübergebeugt. „Himmelsakerment, sein ich dann durmelig?" spttcht er mit sich selbst.„Schwätz' Dir nix ein. Du bist nicht durmelig. Ja freilich der Wein. Mußt niich dann der Teufel reiten, daß ich das Zeug herunterschütt'? Ich sein doch durmelig. Daniel, Hab' Deine Gedanken zusammen. Der Stromer ist wieder lebig worden. Das hätt' ich mir nicht träumen lassen. Gott straf' mich, Hab' gemeint, he ist racke- maustot. Was ist dann an so einem Mensch verloren? Daniel, Daniel, ho ist doch Dein Kind I Fein gesprochen. Und was für ein Kind! Hatt' he ein' Funken Lieb' zu seinen, Vater? Fauklerei I Als Faß sein ich ihm gut gewest. Das heißt, so lang er dran zapfen könnt. Spund zu! Der konuut mir recht. Von mir aus kein' roten Pfennig mehr!" Nimmt denn die Gasse heut kein Ende?„Nllo, allo I" Der Schiveiß dringt ihm ans allen Poren. Da wohnt der Schmalbach, da der Röckel.„Allo, allo I" Nun kommt sein Gehöft. Am Gartenzaun steht der Bettelkaspar und grient ihn an. „Daniel, Arensch, wo steckst Du dann? Sput' Dich, hast Besuch gekriegt. Das Jaköbchen ist wieder da. Hat Bäckelcher wie Milch und Blut und ist den Mäderchcn so gut. Daniel, sput Dich!" Der Flurschütz läßt den Kaspar tralatschen und schreitet das Staket entlang. Jetzt biegt er in die Thorfahrt ein. Zwei Stufen führen ins Haus hinauf. Die Küche ist leer. Wo ist die Christine? Vielleicht in der Scheuer. Horch doch, horch I Was war dann das? Da stöhnt jemand, als ging's ihm ans Leben. Daniel, Daniel, bist wirr im Kopf. Horch I Jetzt wieder. Ein verhaltener Schrei. „Gottes Donner, das ist die Chttstine!" Ein Sprmig, er stößt die Stubenthür auf. Das Blut erstartt in seinen Adern, die Augen quellen ihm aus den Höhlen. Ein Mann über die Christine her. Vergewaltigt sie. Hölle und Teufel I Nun erkennt er ihn. «Jakob 1" Der Boden wankt ihm unter den Füßen. Vor seinen Augen züngeln- Flammen. Ein Wirbel rast durch seinen Kopf. Im Nu reißt er das Gewehr herunter. Knack! schnappt der Hahn. Da kracht der Schuß. Rittlings schlägt der Jakob zu Boden. Die Kugel ist in den Kopf gedrungen. Er ist tot!— Die Chttstine schnellt auf. Der Wahnsinn will ihr Ge- Hirn uniklammern. Ein gräßlicher Schrei entringt sich ihren Lippen. „Was habt Ihr gethnn? He ist der Vater von meinem Kind I" Der Flurschütz taumelt ein paar Schritte vorwärts und stürzt an der Leiche seines Sohnes nieder. Uni seine Schultern baumeln die Krähen, die er am Morgen geschossen hat.— Der Bettclkaspar hat den Schuß gehört. Halb neugierig, halb erschreckt, schleicht er ins Haus und lugt in die Stube herein. „©ott soll sich erbarmen I" Das Entsetzen packt ihn, er rennt fort. „Mordio, Mordio!" Das Wort schlägt wie der Blitz in die Häuser. Die Leute sammeln sich auf der Gasse.. „Mordio, Mordio 1" Die Schreckenskunde dringt in die Krone � Die Alten lassen den Wein im Stich. Den Jungen ist die Lust zuni Tanzen vergangen. Die Musiker klettern von ihrem Podium herunter. „Mordio, Mordio I" Der Kronenwirt steht mit schlotternden Knieen. „Ihr müßt es drin den Gendarmen sagen." Da kommen sie schon in voller Wehr. Vorwärts, in des Flurschützen Haus! Trapp, trapp! Hinter ihnen drängt die Menge nach. Niemand getraut sich laut zu sprechen, die Stimmen sinken zum Flüstern herab. Trapp, Trapp! Die Gasse erdröhnt vom Tritt der Kolonne. Halt! Jetzt sind sie am Ziel. Die Gendarmen wenden sich um: „Daß sich keins untersteht, das Haus zu betreten!" Der Bürgernleister und der Ortsdiener keuchen heran. Als Amtspersonen haben sie Zutritt. Darauf gehen sie selbvier hinein.— Wohl eine Viertelstunde verstreicht. Die Menge verzehrt sich in Ungeduld. Endlich öffnet sich die Thür. Voran ein Gendarm, dahinter der Flurschütz, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Er trägt sein Dienstabzeichen ans der Brust. Die Mütze hat er tief ins Gesicht gedrückt. Seine Blicke sind auf den Boden geheftet. Er scheint sich mühsam fortzuschleppen. Die hohe Gestalt ist völlig gebrochen. Der Menschenschwarm weicht scheu zurück und bildet un- Versehens Spalier. Bei den Weibern hört man unterdrücktes Schluchzen, die Männer sehen finster drein. Das Mitleid folgt dem Unglücklichen, den die Gendannen vor den Richter führen. Vom Kirchenplatz geht's mählich hinan. Uralte Bäume besäumen den Weg, sie tragen roten Blätterschmuck. Die leuchtenden Farben bedeuten das Leben. Der Wind aber ist ein Uiigliicksprophct. Der rauscht, sie bedeuten den Tod. Mit eineni Male flammt die Sonne auf und entzündet die Kronen zu gleißender Glut. Eine Feuersbrunst loht die Straße hinauf. Und die Riesenfackeln zur Rechten und zur Linken geben dem Flurschützen das Geleit. Kleines Feuillelon» — Backpflaunic»- Industrie in Frankreich. Die Bock- pflaninen-Jiidilftrie desteht i» Frankreich schon seit mehreren Jahr- hunderte». Im Departement Lot et Garonne ist ein Flächenranni von mehr als tOOa»dt. Man pflanzt in» Januar oder Februar, und kann, ivenu die Vegetation kräftig ist, in» August pfropfen. Nach einem Jahre hat das Bämnchen die Höhe von ctlva 2 Meter erreicht; man schneidet es Ende Februar oder Anfang März ans I.A) Meter oder 1,80 Meter zurück, indem man Sorge trägt, ihn» drei oder vier Knospen z» lassen, welche bestimmt sind, den Grund- stock des Baumes zu bilden. Nach dem zlveiten Ausschlagen ist die Erziehung des Bäuinchens in der Baunijchnle vollendet und die An- Pflanzung kann beginnen. Die höchste Tragkraft erreicht ein Bann, mit 18—20 Fahren. Der Ertrag eines ausgeivachsenen Bannies ist 6—6 Kilogranim Pflaumen. Diese Bäume. 0—8 Meter hoch, haben eine amnutige ausgebreitete Gestalt, sie sind in parallelen Linien von 10—20 Meter Abstand immer 8— 10 Meter von einander ge- pflanzt, und oft sind zwischen diesen Reihen lange Reihen von Wcinstöcke» angepflanzt, welche den» Fuße der Bäume angcnehnie Kühle bieten. Die Bäume werden regelmäßig jedes Jahr zivischen Dezcniber und März verschnitten. Im Frühjahr bedecken sie sich mit den Blüten, dann erscheint das zarte Lanb, und die Frucht setzt an und reift alluiählich. Es vergehen fünf Monate der Pflege»nid Sorgfalt bis zur Ernte. Wenn die Getreide-Ernte vorüber ist, werde» die abgefallenen Pflaumen anfgesamnielt. Das Abfallen bildet die Garantie der Reife, außerdem lassen sich die Pflaumen dann besser backen, bekommen mehr Wohlgeschmack, mehr Gewicht und Umfang und werden bedeutend schivärzer, als Iven» sie gepflückt werden. Sobald die Früchte gefannnelt sind, werde» sie ans lange Hürden gebreitet. Dieselben bestehen ans einen, Baden von Drahtgeflecht mit HLlzerticiii Rande, und sind 1,40 Meter lang und 0,40 Meter breit. Ans diesen läßt man sie einige Tage der Sonne ausgesetzt stehen, dann bringt man sie in die Trockenöfen. Der Trockenofen besteht ans eine», Manerban von Ziegeln und Erde, ungefähr 2 Meter hoch, 2,50 Meter breit und 1 bis 2 Meter tief. Das Innere besteht aus einen Eiscnkäfig, ivelcher acht übereinander gestellte Fächer trägt, tvclche auf Seitenschiene» gehen und 0,25 Meter übereinander liege»?. In diese Fächer schiebt man die Hürden. Je nach Größe und Steife bleiben die Pflaumen bis zwei Tage in den» Apparat, ivelcher all- mählich zu 40 bis 70 Grad geheizt ivird. Auf diese Weise können 15 bis 20 Centncr. Pflannlen an einem Tage behandelt werde»?. Wenn die Pflaninen aus den Trockenöfen genäminei? iverden, habe» sie 2/3 ihres Gewichtes an Wasser verlöre»?, und ihr Aeußercs ist wesentlich verändert. Die festen, glatten, violetten, bläulich an- gehauchten Pflaninen sind schwarz»nid runzelig geworden. Das Backen im Backofen vollendet nin» die Pflaumen und giebt ihnen einen appetitlichen Glanz und ein köstliches Aroma. Hölzerne Hürden init Rohrstangen sind bereit, sie bei»»» Verlassen des Trockenofens aufznnchincn; sobald sie darauf ausgebreitet sind, werden sie in den Backofen geschobei». In diesen» bleiben sie IVe bis 6 Stunden und werden zwei- bis dreimal hiiieingeschobe»?, bis sie vollständig gebacken sind. Nun werden sie je nach der Größe aus- gelesen und in größere und kleinere Körbe verpackt und ans den Markt gebracht, wo sie nach Pfund oder Centner verkauft werde»?. Der Preis jchivankt nach der Zahl der Früchte in» Pfund. Je»veniger anf 1 Pfund gehen, also je schöner sie sind, desto teurer»verde» sie bc- zahlt. Der Durchschnittspreis ist 0,60 Frank das Pfund und 35 Frank der. Centncr. In den Magazinen der Kanfleute iverden die Pflnnnien noch einmal nach Größe und Güte sortiert, mit einer Packniäichine in Kistche» verpackt, nachdem sie zivischen 2 Kautschuk- cylindern brcitgcdriickt»vordei» sind. Unvollkommen gebackene»verde» noch einmal in den Backofen geschoben. Die anf Lager bleibenden Pflainnen»verde»» ii» Zinkinnffeln zu 120 Grad erhitzt, dann her- metisch verschlossen und können nun jahrelang anfbeivahrt»verde»,. Die Gesamtproduktion des Dep. Lot et Garonne»vird anf durch- schniltlich 600 000 Centner geschätzt im Werte von ungefähr zwanzig Millionen Frank.— Theater. Bierbaums Trianoi,-Theater. ES möchte einen um Bierbauni, den liebenswürdigen, lebensfrohen Poeten, den, wir so manches schöne Lied verdanken, leid thu»,, aber von den, ver- »lichtenden Urteil,»velches das Publikuin in der Eröffnungsvorstellung der Triauon-Bühne über die neue Theatcrkunsi des Dichters abgab, »vird auch das größte Wohlivollen schivcrlich etwas abhandeln können. So schroff die Ablehnung»var, so gerecht»var sie. Die Idee der„lebenden Lieder" und der drainatisierten Märchengeschichten — das Programm, dem die Bühne dienen soll— erwies sich, wie schon aus allgemeinen Gründen der Theaterpsychologie zu verniuten »var, als totgeborenes Projekt. Dem Lebe»,, das Lieder in sich selbst haben und das der einfache recilatorische oder musikalische, mimisch beivegte Vortrag aus ihnen herauszuholen vernrag, kann der umständliche Thcaterapparat der Dekorationen und Belenchtungseffekte iiichts mehr hinzufügen. In» Gegenteil. Schon das fortivähreiide Fallen und Aufrollen des Vorhanges, das bei solcher Jnscenierung desLyrischc», notwendig ist, läßt keine rechte Stimmung aufkommen. Vollends schlimn» aber wird die Sache,»vein» allerhand kleine Einfälle, die zu einen, Gedicht, einer Fabel, einem Märchen etiva arisreichen mögen, von» Dichter schon in, voraus fiir Bühnenzlvecke künstlich präpariert und in eine Art dramatischer Scheinform gegossen»verde». Ein Lied, auch iven» über Gebühr durch besonderen Dekorationsschmnck heraus- geputzt, ist bald vorüber, und»veiui die Stimmung ausbleibt, kann in.»» sich mit der Hoffiinng auf das nächste tröste»,, Aber die dramatische Herrichtung des innerlich ganz Undrrnnatische» zu breit ansgesponnencn allegorischen und Märchen-Scencn, dieses Necken und Dehnen des bescheidensten Inhalts zu thcaterinäßiger Länge»virkt mörderisch aus die Stimmung. Meist geirügen ein piiar Minuten, um die kleine Schlnßpointe, auf»vclche solche Sceuen hin- steuern, am Horizonte zu erkennen und zugleich die furchtbaren Umständlichkeiteil, die anf der Fahrt zu diesem Ziele den» Hörer noch bereitet iverden sollen, in direkter Einpfindung voranszuahiieni Die Ungeduld regt sich, vage Hoffnungen, daß irgend eine lieber- raschiing doch noch in» Hintergrund verborgen sei, tauchen zuiveile» anf, aber nur, un, ebenso schnell zu verschiviuden. Ein Ende ist nicht abzusehen und das hartnäckig gleichmäßige un- anfhörliche Geplätscher der Vers- und Prosareden»virkt landrcgenartig anf die Gcinüter. Den» da giebt es nicht,»vie für den lieben und geneigten Leser ein Recht des Drübcrhinhnschcns und Ueberschlagens. Wie Prometheus an de», Felsen gefesselt, ist der Theatermcnsch auf seinen» Stuhle jeder, auch der langgedehntesten Unbill schutzlos preisgegeben. Tropfen un, Tropfen muß er auf sei» Haupt hernnterregnen lassen, bis der Vorhang fällt. Schon die„Dame von» Monde", die„Drainatische Phan- tasie",»velche den Abend eröffnete.»var eine harte Probe. In »varmer Soininernacht. an, Terüpel der Venns, erscheint die„Dame" zu flüchtiger Tändelei einem schönen Jüngling»nid, bei grauenden, Morgen entschivebend, hinterläßt sie seiner Seele unstillbare Liebes- seh», sucht. Alle Frauen der Erde, die er begehren wird, Iverden ihn lieben, aber die Erinnerung an die duftige, überirdische Schönheit der Moudscheinkönigi»»vird ihn, bei keiner Rast und Befriedigung vergönnen. Eine lyrische Pfjmitasie, nicht ohne zarten Reiz, aber so nndramatisch wie möglich l lieber den unleidlichen Längen des Dialogs ging' alle Stimmung, die ein Gedicht dein Stoffe hätte' abgewinnen können, spurlos verloren. Doch das war mir e i n Akt.„Die Hirtin und der Schorn- st e i n f e g e r", ein„Singspielchen" von Bierbaum und Franz Blei mit Mnsik von Carl Lafite, hatte trotz des verkleinernden Kosenamens drei vollgezählte Akte! Bei diesem Schluffstück wurde die Ungeduld geradezu' zur Nervenfolter. Die Sache soll so ctivas Wie ciii philosophisches Märchen sein. Die handelnden Figuren sind ein Pagode ans Meißner Porzellan, die Hirtin aus Berliner Porzella», der Schornsteinfeger aus Backpflaumen und ein Faun ans Nußbaum; Schauplatz der Handlung ist eine Zimmerecke, ein Schornstein und ein Dachfirst. Der Pflaumenmann von niederer Herkunft und jugendlichem Idealismus liebt nämlich die zierliche Hirtin, verleitet sie zu einer Eskapade in die freie Welt, durch den Schornstein ausS Dach hinauf, und muß dann, da oben ein gewaltiger Schneesturm über das Liebespaar hereinbricht, mit seiner Dame auf dein gleichen Wege den Rückzug nach der alten Zimmerecke antreten. Das Porzellanfräulein dankt den stürmischen Jüngling ab und nimmt dafür den alten Cyniker, den Faun, zum Mann. Das alles zu drei Akten auseinandergezogen und mit einer phantasielosen Einfalt des Dialogs vorgetragen, wie man sie selbst diesen Backpflaumen- uud Porzellanfigurerl nicht zutrauen sollte! Im ersten Akte war man verblüfft und Ivartete, im zweiten und dritten brach der Sturnr los. Irgend ein lebhaftes Interesse vermochten auch die»kleinen Spiele" und„lebenden Lieder" des zweiten Teils nicht zu errege». Auch war zn dem.Vergnüge» am Heimlichen, Feinen, Kleinen", das die„kleine Muse" im Prolog versprach, der ungeheuer lang gestreckte Theatersaal, in den das Rollen der Stadtbahnzüge höchst modern hineinklang, so schlecht rvie möglich gewählt. Schließlich hat aber Bierbanms Versuch nur bestätigt, IvaS einzelne Experimente in„Schall und Rauch" lvie in Wolzogcns neuer Bühne schon vorher gezeigt: daß jedenfalls in dem melo- drarnatisch-dekorativen Genre nicht die Zuknuft der„Ueberbrcttl" liegt. Wo sie vornehm werden wollen und ihre Herkunft von dem Brettl stolz verleugnen, da hat als ständiger Gast sich auch die Lange- weile eingestellt. Es ist kein Zufall uud keine Unvernunft, daß das brettlinäß'igste der Berliner Ueberbrcttl, das alte Secessions-Theater, noch immer am besten floriert.— dt. Musik. Es hält heutzutage wahrlich nicht schwer, einen, Liederabend ein Programm mit wertvollen, aber noch nicht oder Ivenig bekannten Werken zu geben. Erstens ist der Schatz unserer sogenannten Klassiker und Romantiker trotz aller Abgedroschenheit einzelner Gruppen von Stücken noch lange nicht ausgeschöpft; wie vieles lagert nur allein in den späteren Bänden Schubert! Zweitens flehen»vir jetzt bereits wieder inmitten eines ziemlich reichen Liederfrühlings. Die aus diese», zuvörderst zu neunenden Namen haben wir bereits mehrfach hervorgehoben. Mindestens quantitativ reiht sich daran schon deswegen viel an. weil ja auch Komponisten, deren hauptsächliche Bestrebungen andcrsivo liegen, sich gerne ab »n,d zu mit der jedenfalls wenig umständlichen Kunstform des Liedes berühren. Dazu dann der Reichtum an tondursligen Texten ans älterer iind nun a»ich aus neuester Zeit. So stehen jetzt mehrfache Altersschichten»ivderiicr Liederkon, pomsten vor uns: junge, jüngere, jüngste. Der künstige Geschichtschreiber der jetzige» Stufe in der Musiken tlvicklung wird natürlich besser als wir verschiedene Strömungen unterscheiden können: Lieder mit specifisch vokalen, Sinn, also mit einem Ueberwiegen des Gesailglichen über die Be- gleitung. und solche mit specifisch instriuiiciitaleni Sinn, also mit den, umgekehrten Ueberiviege»; dann Lieder, die daö Schwergcivicht auf ihre Gesanithaltnng, und solche, die es auf Einzelheiten legen; usw. Zivei Komponisten, die uns eben wieder vorgeführt Ivorden find, könnten für Diskiissionen darüber manchen Anhalt darbieten, wenn ivir gerade eine größere Menge ihrer Werke vor uns hätten. Allein„Koinpositionskonzerte" sind in unsrer Musikpflcge— ans- genommen Ivo es anerkannte Tonmeister gilt— eine Seltenheit. Den neulich gehörten Komponisten Eduard B e h n, und Max Reger würde eine solche Bevorzugung jedenfalls zu gönnen sein. Von' jene»,(geb. 18ö2) ivarcii in letzter Zeit bei uns ein KlavieArio und„Zigeuucrliebe" für Solo und Chor anfgefiihrt worden. Die eben jetzt vorgetragenen zwei Lieder sind nach Gedichten von I. Kerner und W. Hertz; jenes, das besonders viel Beifall fand, mit de», Titel„Zwei Särge", dieses mit den, Titel„Hilter blühen- den Bäuinen". In beiden Kompositionen lassen sich Züge einer de- kannte» Mache, eines Losgehcns auf starke Wirkungen, eines Bevor- zngens von Details nicht leugne»; jedenfalls aber sind es nicht nur dankbare, sondern auch reichhaltige Leistungen. Die Ueppigkcit der Begleitnng teilen mit ihnen die zwei uns jetzt zn Gehör gekoinmenc», jedenfalls' noch sehr jungen LiederS op. 31 inid op. 43) von Max Reger(geb. 1873), einem LieblingSschttler Hugo Riemanns, einem in Berlin»och ivenig bekannten Koniponisten, der in seinen jungen Jahren bereits vieles(». a. besonders Orgelwerke) vollbracht hat. Die zwei Lieder von neulich sind Vertonungen nach Oskar Wiener und Anna Ritter; jenes betitelt:„Sag es nicht", dieses:„Mein Traun,"; das letztgenannte das eindrucksvollere und jedenfalls ei» Verantwortlicher Redacteur: Earl Leid in Berlin. bemerkenswertes Werk. Gegenüber den erwähnten Eigenschaften Behms ist Reger, nach diesen zwei Proben zn schließen, der Schlichtere, ivcn»gleich nicht Kunstlosere, und— was freilich schon iin Stinnnimgs- charakter jener Vorlagen liegt— der mehr auf den Gesaniteindruck Bedachte. Seine genannten Lieder gehen weniger kräftig ins Gehör als die erwähnten, würden aber voraussichtlich bei näherer Be- schäftigung mit ihnen bedeutend gewumen. Das Konzert, das uns, abgesehen von mancherlei Aelterenr, diese halben Novitäten brachte,>var das alljährlich iviederkehrende von Engen G ur a(Vater), den, längst weltberühmten Opern- und Liederbaryto» aus der Jsarstadt. Man dankt diesem großen Künstler für seine Darbietungen ivohl an, besten dadurch, daß man Unvoll- kommciiheite», die sich an ihm überhaupt oder vielleicht erst jetzt finden(Nachlässigkeiten in einzelnen Vokalen u. dgl.), als d a S betrachtet, was sie eben bei diesem Künstler sind: untergeordnete Pmikte, die gegenüber den Hanptsacheu— der achtungswürdigen Stimm- bilduiig und den, einfachen, aber machtvollen Ausdruck � so ivenig in Betracht kommen, wie sie bei positiv ärmeren Sängern allerdings mehr in Betracht kommen ivttrde».— sz. Humoristisches. — An S den Wiener Gerichtssälen. Richter:„Wo sind Sie geboren?" Angeklagte:„In Wien." Richter:„Wer waren Ihre Eltern?" Angeklagte:„Mein Vater ivar ein Italiener und meine Mutter eine B ö h m i n." Richter:„Wohin sind Sie zuständig?" Angeklagte:„Nack, II n g a r n." Richter:„Ihr Beruf?" Angeklagte:„Tiroler Natursängeri n." Richter(zur Klägerin):„Wäre denn nicht ein Ausgleich möglich?" ' Klägerin:„Wieso denn? I Hab' fünf Kinder und kann mir nit g'falleu lassen, daß mi a jung's Madcl abwatschcnt." Richter: Ihre fünf Kinder haben ja nichts davon, wenn die Geklagte bestraft wird. Scic» Sie doch versöhnlich und machen Sie einen Vorschlag z n r G ü t e." Klägerin:„Na also, Herr Richter, Sie sollen sehen daß i a versöhnliche Person bin. Wenn sie sich von mir die Watschen z'ruckgebeu laßt, gleich i mi aus l" Richter:„War der Angeklagte betrunken?" S i ch e r h e i t s>v a ch in a n n:„Nein, er hat ganz v c r- nünftig gesprochen." Richter:„Was hat er den» gesagt?" S i ch c rh ei ts w a ch in a n n:„Er hat fort und fort über die Wache geschimpft."— („Wiener Extrabl.') Notizen. — Die französische Ausgabe von Zolas Roman„Arbeit" ist bereits in 77 000 Exemplaren verbreitet.— — Das Schauspielhaus bringt Ende Januar als nächste Novität„Miß Hobbs", ein Lustspiel, das nach den, Englischen des Karl I e r o in e bearbeitet ist.— — Waldemar Runge, bisher Oberrcgisseur des Neuen Theaters, ist Regisseur an, Schiller-Theater geworden.— —„Der Clown", ein Verseinakter von Hans Bethge, ist für das Alexanderplatz-Brettl erworben worden. Das Stück wird zusammen mit der Parodie„Die einsamen Menschen vom Schliersee" Ende Januar aufgeführt werden.— — DaS neuesteUeberbrettl.TheaterCharivari" wird an, 8. Januar im L u i s e u st ä d t i s ch e u KonzerthauS (Alte Jakobstraße) eröffnet werden.— — Wegen„polizeilich gewünschter Verändern, igen baulicher Art" bleibt das Trianon-Theater auf einige Tage ge- schlössen.— Zulassen!— —„So ist das Leben", ein Drama von Frank Wede- t i n d, und Richard Boß' neues Drama„ U m k ehr" sind vorn München er Schauspielhaus zur Aufführung an« genommen worden.— — S„ d e r n, a n I, 3 Drama„Die drei R e i h e r f e d e r n" wird zu Beginn der nächsten Spielzeit in, Wiener B,irg» Theater aufgeführt werden.— —„TillEulenspiegel", eine Oper von E. N. v.Ncznicck- erlebt an, 12. Januar im Karlsruher Hoftheater die erste Aufführung.— — Das Stipendium der Adolf G i n s b e r g- S t i f tai n g ist für 1902 den Malern Fritz Gen»tat aus Berlin und Willy S ch u l tz e ans Belzig i. M. zu gleichen Teilen verliehen worden.-» — Der von der Stadt erworbene G e h g er s ch e Marmor» Stier soll nunmehr im Humboldthai» aufgestellt werden.—. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.