Anterhallungsblatt des Horwärts Nr. 3. Sonntag, den 5� Januar. 1902 tNachdruck ocrBoten.) 3] Foma Govdiejvtv. Nomsn von Maxim Gorki. Deutsch von Klara Brauner- Endlich kam die Hebamme eilig von oben und rief ihm mit dünner, freudiger Stimme zu: „Gratuliere Dir zum Sohn, Jgnat Matwjeitsch!" „Lügst Du nicht?" fragte er tonlos. „Was fällt Dir denn ein, Väterchen?" Jgnat seufzte aus der Tiefe seiner mächtigen Brust auf, stürzte auf die Kniee und murmelte mit zitternder Stimme, indem er die Hände fest an die Brust drückte: „Ich danke Dir, Gott! Du hast also nicht gewollt, daß mein Geschlecht aufhören soll! Meine Sünden werden vor Dir einen Fürbitter finden... Ich danke Dir, Gott... ach I" Und gleich nachdem er sich erhoben hatte, begann er laut zu kommandieren: „He I Es soll jemand hinfahren und den Popen holen! Sagt, daß Jgnat Matwjeitsch ihn zu sich bittet, er mochte für die Wöchnerin beten!" Ein Dienstmädchen kam und sagte aufgeregt zu ihm: „Jgnat Matwjeitsch I Natalja Dominischna ruft Sie... ihr ist schlecht!" „Schlecht ist ihr? Wird schon gilt werden!" brüllte er mit freudig lenchtenden Augen.„Sag. ich komm' gleich I sag. daß sie ein Prachtweib ist. Ich werd' nur ein Geschenk holen, dann komm' ich! Wartet l Bereitet für den Popen einen Imbiß vor... laßt den Gevatter Majakin holen!" Seine reckenhafte Gestalt schien noch gewachsen zu sein, und er stürmte vor Freude berauscht sinnlos durch das Zimmer; er lächelte, rieb sich die Hände, Ivarf den Heiligen- bildern gerührte Blicke zu und bekreuzte sich, mit der Hand lveit ausholend... Endlich ging er zu seiner Frau. Dort fiel ihm vor allem ein kleines, rotes Körperchen in die Augen, das die Hebanrrne in einem Trog wusch. Als Jgnat es sah, stellte er sich auf die Fußspitzen, legte die Hand auf den Rücken und näherte sich, indem er vorsichtig auftrat und auf eine komische Weise die Lippen vorschob. Und das Körperchen wand sich und zappelte im Wasser, nackt, kraftlos und rührend in seiner Hilflosigkeit. „Du. faß ihn vorsichtig an, er hat ja noch keine Knochen." sagte Jgnat bittend und halblaut zur Hebamnic. Sie lachte, indem sie ihren zahnlosen Mund aufmachte, und warf geschickt das Kind von einer Hand auf die andre. „Geh doch zu Deiner Frau!" Er näherte sich gehorsam dem Bette und fragte im Gehen: „Nun, wie ist's, Natalja?" Dann schob er den Vorhang fort, der das Bett im Schatten ließ. „Ich werd's nicht überleben!" hörte er eine leise, heisere Stimme. Jgnat schwieg und blickte starr in das Gesicht der Frau, das in das weiße Kissen vergraben war. auf dem die dunkeln Haarsträhnen sich wie tote Schlangen abhoben. Gelb, leblos, mit schwarzen Flecken um die riesengroßen, weit offenen Augen erschien es ihm fremd. Auch den Blick dieser furcht- baren Augen, der nnbelveglich irgendwohin in die Ferne durch die Mauer hindurch gerichtet>var, kannte Jgnat nicht. Sein Herz, das von einer bangen Vorahnung zusammengepreßt wurde, hielt sein freudiges Schlagen auf. „Das macht nichts... gar nichts... das ist immer so I" sprach er leise und beugte sich, um seine Frau zu küssen. Doch sie stöhnte ihm ins Gesicht hinein: „Ich werd's nicht überleben!" Ihre Lippe» waren grau und kalt, und als er sie mit seinen Lippen berührte, begriff er, daß der Tod schon in ihr war. „O, niein Gott!" flüsterte er erschrocken, indem er fühlte, wie die Angst seine Kehle zusammenkrampfte und ihn nicht atmen ließ. „Natascha! WaZ soll denn mit ihnr»verde»? Er muß ja die Brust haben! Was ist denn mit Dir? Er schrie seine Frau fast an. Um ihn herum trippelte die Hebainme; sie hielt das»veinende Kind hoch in der Luft und sagte etwas sehr eindringlich, doch er hörte nichts und konnte seine Augen von dem furchtbaren Gesicht seiner Frau nicht losreißen. Ihre Lippen bewegten sich und er hörte leise Worte, verstand sie aber nicht. Er saß am Rande des Bettes und sprach mit tonloser, schüchterner Stimme: „Denk nur, er kann ja nicht ohne Dich sein... er ist ja ein Säugling! Mach Dein Herz stark: jag diesen Gedanken von Dir! Jag ihn fort!" Er sprach und wußte, daß es unnütz war. Thränen stiegen in ihm auf, und in seiner Brust bildete sich etwas, daS schiver wie Stein und kalt wie Eis war. „Verzeih... mir... leb wohl! Gieb acht, gieb acht .... daß Du nicht trinkst!" flüsterte Natalja lautlos. Der Geistliche kam, bedeckte ihr das Gesicht und begann seufzend leise flehende Worte über ihr zu sprechen: „Allmächtiger, alles erhaltender Gott, der jedes Leiden heilt... heile auch Deine heute niedergekommene Sklavin Natalja und richte sie von dem Lager auf, auf dein sie liegt, wenn»vir auch nach den Worten des Propheten David„in Unzucht gezeugt werden und vor Deinem Antlitze alle unrein sind". Die Stimme des Alten zitterte, sein mageres Gesicht war streng und seine Kleider rochen nach Weihrauch. „Behüte das von ihr geborene Kindlein vor allem Bösen... vor jeder Schlechtigkeit... vor jedem Sturm... vor den bösen Geistern des Tages und der Nacht..." Jgnat hörte dem Gebet zu und»veinte schiveigend. Seine großen, warmen Thränen tropften auf den bloßen Arm seiner Frau. Doch ihr Arm fühlte wohl nicht, wie die Thränen darauf fielen: er blieb unbe»veglich, und seine Haut erbebte nicht unter der Berührung der Thränen. Nachdem Natalja das Gebet angehört hatte, verlor sie das Bewußt- sein und starb am nächsten Tag, ohne zu jeinand noch ein Wort gesagt zu haben— sie starb ebenso schlveigsam, wie sie gelebt hatte. Nachdem Jgnat seiner Frau ein prunkvolles Begräbnis hatte zu teil»Verden lassen, taufte er seinen Sohn, den er Foma nannte, und gab ihn mit schwerem Herzen in das Haus des Taufpaten, seines alten Freundes Majakin, dessen Frau auch vor kurzem niedergekoininen war. Der Tod seiner Frau machte in Jgnats dichtein, dunkeln Bart viele Haare grau, doch in dem finsteren Leuchten seiner Augen erschien ein neuer Ausdruck von etwas Weichem, Hellem und Freundlichem. Zweites Kapitel. Majakin wohnte in einem geräumigen, zweistöckigen Hause mit einem großen Vorgarten, in dem mächtige, alte Linden- bäume ihr reiches Geäst ausbreiteten. Die dichten Zweige bedeckten die Fenster des Hauses wie mit dichten, dunkeln Spitzen, und die Sonne drang mit Mühe in zersplitterten Strahlen in die kleinen Zimmer hinein, die mit vielerlei Möbel und großen Koffern angefüllt waren, so daß im Hause immer ein trauriges, strenges Halbdunkel herrschte. Die Familie war froinm— der Geruch von Wachs, Weihrauch und Lampenöl erfüllte die Zimmer, Bußseufzer und Worte von Gebeten schwebten in der Luft. Die rituellen Gebräuche wurden genau und mit Freude erfüllt, die ganze unverbrauchte Scelenkraft der Haus- bcwohncr löste sich darin aus. In der dämmerigen, schivülen und beklemmenden Atinosphäre der Ziminer bewegten sich lautlos, mit steten Büßeriniencn, dunkel gekleidete»veibliche Gestalten mit»Deichen Pantoffeln an den Füßen. Die Familie des Jakow Tarassowitsch Majakin bestand ans ihm, seiner Frau, seiner Tochter und aus fünf»vcib- lichcn Verwandten, von dimen die jüngste vierunddreißig Jahre alt»var. Sie»varen alle gleich fromm, ohne Individualität und voll Ergebenheit gegen die Wirtin des Hauses. Antonina Jivanoivna, eine große, magere Frair mit einein dunkeln Gesicht rurd strengen, grauen Augen, die herrschsüchtig und klug glüirzten. Majakin hatte noch einen Sohn Taraß, doch dessen Name wurde im Hause nie er- »vähnt, die Bekannten wußten aber, daß Jakoiv sich von seinem Sohn losgesagt hatte, seit der neunzehn- jährige Taraß zuin Studium»rach Moskau gefahren war. wo er nach drei Jahren gegen den Willen des Vaters heiratete. Taraß war ohne jede Kunde verschollen. Man sagte, er sei ans irgend einem Grunde nach Sibirien verschickt... Jakow Majakin war eine sehr seltsame Erscheinung. Er war klein, mager, beweglich, hatte ein feuerrotes, spitzes Bärtchen und blickte mit seinen grünlichen, schlauen Augen, als wollte er zu allen und jedem-sagen: „Macht nichts, Verehrtester, beunruhigen Sie sich nicht! Ich verstehe Sie zwar, wenn Sie mich aber in Ruh' lassen, werde ich Sie nicht verraten." Sein Kopf sah einem Ei ähnlich und war krankhaft groß. Die hohe, durchsiirchte Stirn ging in die Glatze über, und es war, als ob dieser Mensch zwei Gesichter habe—: eines davon war scharfsinnig und klug, mit der langen, knorpeligen Nase und allen sichtbar, darüber befand sich das zweite, ohne Augen und Mund, daß nichts als Furchen hatte, dahinter schien Majakin Augen und Mund zu verbergen, doch nur bis zu einer gewissen Zeit..., dann, so schien es, würde er die Welt mit andern Augen anblicken und ein andres Lächeln haben... Er war Besitzer einer Seilfabrik und hatte in der Stadt, am Hafen, einen kleinen Laden. In diesem Laden, der bis zur Decke mit Seilen, Stricken und Hanf angefüllt war. hatte er eine kleine Kammer mit einer knarrenden Glasthür. In der Kammer stand ein großer, alter, häßlicher Tisch und vor diesem ein tiefer Ledersessel, dort saß Majakin tagelang, wobei er Thee trank und immer die „Moskowskija Wjedomosti" las, auf die er sein lebe- lang jährlich abonnierte. Er wurde von der Kaufmannschaft geachtet und galt als ein„Hirnmensch"; er liebte sehr, das Alter seines Geschlechts hervorzukehren, indem er mit heiserer Stimme sagte: „Wir Majakins waren schon unter dem Mütterchen Jekaijerina Kaufleute... ich bin also ein Mensch von reinem Blut..." In dieser Familie verlebte Jgnat Gordjejews Sohn sechs Jahre. In seinem siebenten Jahr war Foma ein groß- töpfiger, breitbrüstiger Knabe, der nach seinem Wuchs und dem ernsten Blick der dunklen, mandelförmigen Augen älter aussah, als er war. Er war still, schweigsam und beharrlich in seinen kindlichen Wünschen und beschäftigte sich ganze Tage lang mit Spielsachen zusammen mit Ljuba, der Tochter Majakins, unter der schweigenden Aufsicht einer der Ver- wandten, einer pockennarbigen, dicken alten Jungfrau, die man aus irgend einem Grunde Busja nannte. Sie war ein ganz lautloses, gleichsam über etwas erschrockenes Geschöpf; selbst mit den Kindern sprach sie halblaut und einsilbig. Sie kannte viele Gebete, erzählte Foma aber nie ein Märchen. Mit dem kleinen Mädchen vertrug sich Foma gut, wenn sie ihn aber durch etwas in Zorn brachte oder ihn neckte, erblaßte er, blies seine Nüstern auf, glotzte drollig mit den Augen und schlug sie tüchtig. Sie weinte, lief zur Mutter und beklagte sich bei ihr, doch Antonina liebte Foma und beachtete die Klagen der Tochter wenig, was noch mehr dazu beitrug, die Freundschaft der Kinder zu festigen. Fomas Tag war lang und eintönig. Nachdem er aufgestanden war und sich gewaschen hatte, stellte er sich vor das Heiligenbild und sagte � beim Flüstern der narbigen Busja lange Gebete auf. Dann trank man Thee und aß viele Semmeln, Plätzchen und Kuchen dazu. Nach dem Thee gingen die Kinder im Sommer in den dichten, riesengroßen Garten, der in einen Graben auslief, auf dessen Grund es immer dunkel war. Von dort wehte es feucht und beängstigend her. Man ließ die Kinder nicht einmal an den Rand des Grabens, und das flößte ihnen Furcht ein. Im Winter spielten sie vom Thee bis zum Mittagessen in den Zimmern, wenn es draußen sehr kalt war, oder sie gingen auf den Hof und rutschten dort vom großen Eisberg herab. (Fortsetzung folgt.) SmmkÄigspUutdevei. Greifs wald. Prof. Aineyer, seine Frau. Sie: Wenn wir nur erst aus diesem furchtbaren Nest heraus wären. Man verbauert— Er:— verjnnkert— Sie: Wenn D» solche Witze machst, werden wir ewig hier bleiben. Keine Aussicht für Berlin? Er: Hm, ich bin eigentlich der einzige, der für den Lehr« stuhl in Betracht kommt. Aber ich bin den Kerlen zu bedeutend, sie fürchten mich. Sie: Aber dann wende Dich doch an die Regierung. Du hast ein Recht darauf, in Berlin zu wirke». E r: Nein, mein Kind, das geht auf keinen Fall. Ich will nicht von Gnaden irgend eines Ministerialrats vorwärts kommen. Der Stolz der Wissenschaft verbietet es, und dann— die ganze Gesellschaft ist mir zuwider. Ich will lieber in Greifswald sein und ein Charakter bleiveu— Sie: Ist heute nicht das Mthoff-Essen? Er: Jcv glaube ja— was geht mich dieses— na— Zeichen der Zeit an? Sie: Hast Du schon Deinen Glückwunsch telegraphiert? Er: Aver wo denkst Du hin, Frau— ich solche Komödie mit- spielen? Sie: Meines Erachtens handelt es sich einfach um eine Takt- frage. Er: Der Charakter steht höher als der Takt— Sie: Ein schwacher Charakter, der dadurch verdorben würde, daß er den Pflichten deS Taktes genügt I E r: Aber es ist mir zulvider. Man könnte denken, daß ich um meiner Berufung nach Berlin ivillen—— Sie: Also ans purer Feigheit willst Du die Anstandspflicht unterlasse», nur damit nicht jemand denken könnte, daß Du aus S t r e b e r e i taktvoll handelstl Ueber solche Verleumdungen müßtest Du doch erhaben sein... E r: Es ist nicht unlogisch, was Du sagst— Sie: Kurz, ich werde Dir das Dienstmädchen schicken, daß es das Telegramm nach der Post bringt. Du schreibe es inzwischen auf, aber recht deutlich, damit es nicht verstümmelt wird.(Ab.) E r setzt sich, leise seufzend, an den Schreibtisch, überlegt, ruft leise: ä Berlin, ä. Berlin, und— schreibt. «* V r e s l a ti. Bemeyer, außerordentlicher Profesior, seine Frau. E r: Geld, nichts als Geld! Ich merke, wie meine Arbeits- kraft unter den ewigen Sorgen schiviudet. Sie: Die Wirtschaft kostet Geld! Er: Die Nenjahrsrechnungeu betragen mehr, als ich in einem halben Jahre einnehme. Sie: Mit dreitausend Mark jährlich läßt sich eben nicht leben. Ich laufe so schon zum Skandal mit nicinem Kleide herum. E r: Natürlich die Toilette I Was Wichtigeres kennt Ihr Weiber natürlich nicht. Sie: Nenne mir eine Fran, die sich so einfach kleidet, wie ich. Du kennst keine. Meinen Winterhut habe ich mir selbst gemacht, er hat mich fix und fertig kaum 10 Mark gekostet. Aber natürlich an- ständig muß mau gehen. Er: Laß mich in Friede» I Sie: Uebrigens, der Junge muß morgen sein Schulgeld haben. E r(verztveifclt): Ich habe keinen Pfennig. Die Schule kann warten. Es ist ein Elend I Sie: Ja, ivarnni wirst Du nicht endlich Ordinarius l Er: Weil ich den Hochmögenden nicht hofiere. Sie: Das kann jeder sagen. Wenn man nicht genügend Talent hat, dann schiebt man's ans de» Charakter. Er: Soll ich etiva nach Berlin reisen und bcün Althosf-Esscn mir den Magen verderben? Sic: Ach. Du bist ja gar nicht eingeladen. E r: Na, daß ich telegraphiere, das erwartet man von mir. Wenn ich so ein Kriecher iväre— Sie: Bloß keine» Stolz vorschützen! Wenn Du wüßtest, daß eS etwas nützt, ivürdest Dil schon telegraphieren. Aber Du Ivcißl eben, daß es Dir an wisscuschaftlichen Fähigkeiten niangclt. Nun schützt Du mannhafte Unabhängigkeit vor.(Weinend.) Deriveilen muß ich mit geflickten Kleider» herumlaufen. E r(wütend): Du bringst mich zum Rasen! Aper ich werde Dir zeigen, woran es liegt, daß ich nicht befördert werde— i ch werde telegraphiere»! •* * Bonn. Ceincycr, Privatdozent. Käthe. Er: Woran denkst Du, Schatz? Käthe: Wann wir endlich heiraten werden. Er: Du bist sehr offen I Käthe: Aber, Liebster, sollen ivir es denn bis zum diaman- t e n e u Verlobungstag bringen? Wenn Du doch erst die Professur hättest? E r: Ich passe nicht in die Welt. Käthe: Gerade deshalb liebe ich Dich. Aber Du bist so klug, Du weißt viel mehr als die andern. Er: Aber ich rede nicht einmal für die Marine. Ich bin Atheist, von verdächtigem Monarchismus, beinahe Socialdemokrat. Ich lveiß, daß man meine Vorlesungen bespitzelt, daß man mich in Verlin denunziert... Käthe: Man braucht doch aber nicht allen Leute auf die Nase zu binden, was man denkt. Wenn Du erst Professor bist, kann man Dir nichts mehr anhaben und— wir können heiraten. Er: Wenn— Käthe: Weißt Du, ich habe niir etlvaS Wunderschönes auS- Sedacht. Ich habe beim Gärtner eine» groß« Lorbeerkranz gekauft, tolz) von dem Erlös meiner Stickerei— Er(gerührt und erstaunt): Einen Lorbeerkranz— aber wozu? Käthe(schmeichelnd): Schicke ihn dem Althofs. E r(erregt): Niemals I Käthe(küßt ihn): Es thut doch nicht weh I Oder hast Du mich nicht lieb? E r: Ich kann icht— Käthe: Hör', i ch werde ihn schicken— in Deinem Namen, dann hast Du eigentlich mit der Sache gar nichts zu thun. Bitte. bitte.., E r(senkt den Kopf): Thu', Ivas Du— w i 1 1 st. «* Königsberg. Professor Demeher liegt im Bett. Sein Arzt. Der Professor: Bei nnsrer langjährigen Freundschaft be- schwöre ich Sie, sagen Sie mir die volle Wahrheit. Ich habe lange genug gelebt. Ich' s e h n e mich»ach Ruhe. Ich fürchte den Tod nicht. Also sagen Sie: Ist meine Krankheit tödlich? Der Arzt: Sie werden nicht genesen. Der Professor: Dank! Und w a n n werde ich sterben? Der Arzt: Das kann man so genau nicht ivissen. Der Professor: O. ich sehe, daß Sic es wissen. Herr Doktor, es liegt mir unendlich viel daran, zu erfahren, wann es mit mir zu Ende sei» wird. Erfüllen Sie mir diesen Wunsch— ich habe keine weitere Bitte mehr auf Erden. Reden Sie! Der Arzt: Binnen 24 Siundcn... D er Professor(freudig): Sind Sie dessen ganz sicher? Der Arzt: Kein Zweifel, mci» liebster Professor I Der Professor: Dann reichen Sie mir einen Zettel und einen Bleistift— ich will meinen letzten— oder(lächelnd) eigentlich meinen e r st e n Willen niederschreibe». Der Arzt: Gern(reicht ihm das Gewünschte). Der Professor(schreibt, dann): Für den Fall, daß ich inner- halb der nächsten 24 Stunden wirklich sterbe» sollte, geben Sie, lieber Doktor, dieses ain folgende» Tage als Telegramm auf. Sie werde» mir das versprechen? D e r A r z t: Ich verspreche es Ihnen. Der Professor(ängstlich): Aber nur, wenn Ihre Voraus- setzung eintrifft. Der Arzt: Nur dann.— Adieu, mein teurer Freund(geht nach der Thnre). Der Professor(dein Arzt iiachrnfend): Noch eins, Herr Doktor! Bevor Sie das Ding abschicke», sehen Sie ja genau»ach, ob ich nicht e t iv a nur scheintot bin... * Berlin. In der Wohnung des Professor Schmoller. Alle Zimmer sind voll Professoren. Selbst das Schlafzimmer ist aus- gcrännit. Man schmaust an langen Tafeln. Beim dritten Gang erhebt sich Prof. Harn ack, schlägt ans Glas und beginnt die folgende Rede: Hochverehrliche Anwesende, Freunde, Kollegen. Excellenzen l Ein Tag der Freude, der Genngthimng, der Ehre ist dieser Tag. Die Mächte der Finsternisse liegen am Boden. Das Licht triumphiert. (Sehr richtig!) Wir haben eine Zeit hinter uns, in der die Unklar- hcit und Wirrnis herrschte, in der die Verleumdung umging und ruchlose Schmähcr sich am Heiligsten und Ehriviirdigsten vergriffen. (Beifall.) Diese trübe Zeit liegt, Gott sei Dank, hinter uns.(Bravo.) Es war utrsre Pflicht, als Männer, Deutsche, Christen und Lehrer der lautere» Wissenschaft den Kampf mit dem bösen Feinde aufzunehmen. Aber nicht nur unsre Pflicht, sondern auch unsre Freude. Als freie unabhängige Pioniere derForsckmng bekenncu wir hier mutig durch unser gemeinschnltlichcs Abendmahl, dav die Angriffe der Feinde ein hohles Nichts waren.(Sehr richtig!) Meine Herren I Wir haben ein ge- wattiges Plcbiscit zu stände gebracht, ein Plebiscit— gewksser- masscn— der gesamten Aristokratie des Geistes und der Seele. Alles, ivas im Reiche des freien Gedankens Ansehen und Verdienst hat, ist persönlich oder doch mit teilnehmendem Geiste hier vcr- sammelt, um laut und ehrlich zu bekunden. ivaS wir dem grossen Schutzherr» der freien Wissenschaft schuldig sind. (Stürmischer Beifall.) Und wen» wir noch eines Beweises bedürfen, dass es sich hier nicht, wie die Feinde der Wissenschaft behanple», mn einen Akt der Streberci und des Zwangs handelt, so brauchen wir nur die Namen der Männer zu verlesen, die uns zu diesem Feste aus der Ferne so herzlich Glück und Segen gewünscht haben. Es sind Gelehrte darunter, die eine politische Gesinnung haben, die die Mehrzahl nnsrer Freunde als schädlich verwirft. Auch sie haben offen den Zoll der Dankbarkeit de»» hochverdienten, schnöde ver- lästerten Mann entrichtet, den rmsre Herzen hier feiern.(Sehr richtig I) Und auch die hcramvachsende. stürmisch gärende Jugend hat freudig an der gewaltige» Kundgebung teilgenommen. Sehen Sie diesen Lorbeerkranz auf dem Platze unsres Ehrengastes. Ihn hat ein junger Gelehrter gesandt, der uns Alten wegen seines ungestümen Radikalismus ernste Sorge» bereitet hat. Niemand wird diesen Trotzkopf verdächtigen, dass er aus äusseren Gründen das den Geber ivie den Empfangenden gleichermassen ehrende Zeichen der Liebe und der Achtung gesandt hat.(Beifall.) Auch dieser schäumende Most wird, das hoffen»vir zu Gott, zun» Segen unsres Vaterlandes klarer, köstlicher Wein Iverden. Meine Herren I Auch ich gehöre zu den Männern, die offen und unerschrocken aus dem Boden der v o r a u s s e tz u n g s l o s e n Wissen» schafl stehen, selbstverständlich der t h n n l i ch st e n VorauSsetzungs- lofigkeit. Die Wissenschaft darf»icht abhängig sein von fremdartigen, ein für allemal starren Grundannahnien, Sie muss sich frei ent- wickeln dürfe»», innerhalb der natürlichen Schranken, die den Lehrern der Jugend auferlegt»verde»», die berufen sind, die Liebe für Thron und Altar, die Treue zum Vaterland, die Zufriedenheit mit Slaat und Gesellschaft, die Begeisterung für Heer und Marine zu pflegen und zu fördern.(Bravo!) Aber, meine Herren,»vem» ich dermahen die Notwendigkeit einer voranssetzuugslosen Wissenschaft»in- bedingt anerkenne, eine Voraussetzung hat all' unsre Wissenschaft,(Widerspruch.) Sie murren, meine Herren, Sie werden mir beistimmen. wenn Sie die Voraussetzung gehört haben. M. H. Wein» die deutsche Wissenschaft, die deutschen Universitäten sich gegenlvärtig— den» Auslände ein Gegenstand des Neides— zu einer so herrlichen Blüte entfaltet haben, ivie»ieinalS zuvor, so verdanken wir das in der That einer VoranSsetznng. All das Grosse, Erhabene, Fruchtbare, Gesegnete wäre»»icht möglich geivesen ohne die Voraussetzung— unseres teuren, allvcrehrten, genialen, aufopfernilgsvoll hingebenden, alles irdische Wisse» uinfassenden, Menschenkeimenden, gerechten, freien, tapferen, christlich- froimnen Schutzherrn, Seiner Excelleuz--- (Ein Bricfbote überbringt ein Telegra»»»»». Die auiinierte Tisch- gesellichaft ruft: Lesen, vorlese» I) Prof, H a r» a ck(erbricht das Telegramm und beginnt zu lesen): „Ich bin gestern gestorben"(stüriuische Heiterkeit— Harnack stockt— lebhafte Rnfe: Weiter lesen.) Prof. Harnack: Es geht nicht. Viele Rufe; Trinken Sie sich Mut, wenn Sie nicht lesen können. Prof. Harnack: Aber— Direktor A l t h o f f(gnädig): Sie können ruhig alles lesen, lieber Freund! Prof. Harnack(liest):«Ich bin gestern gestorben. Also kann ich heute endlich die Wahrheit sagen.(Bravo, sehr richtig, Gelächter.) Ich wünsche, dass all' die Essenden, Trinkenden, Redende», Tele- graphiercnden sich baldigst zun» Teufel scheren möge»: dass dieses ganze verruchte Zeitalter der Lüge. Feigheit, Doppelzüngigkeit und Falschspielerei, der gespreizten Unwissenheit und jämmerlich heuchelnden Charakterlosigkeit in einem Erdbeben der Freiheit und Wahrheit zu Grunde ginge. Prof. Demcycr ss" (Allgemeines verlegenes Schlveigen. Ein Professor flüstert: hlonv Tekal Upharsin.) Prof. Harnack: Verzeihen Sie diesen peinlichen Zwischenfall, den ich nicht verschuldet habe. Meine Herren I Als Christen müssen »vir auch diesem Unwürdigen, diesem Friedensstörer verzeihen, wir wolle» trachten, hoffe», dass— Direktor A I t h o ff(salbungsvoll)— hoffen, dass der Mann noch a n, L e b e n i st I— ll 0 c. Klvinss Feuilleton. dg. Drausten.„Draussen! Na ja im Sommer niag es angehen I Es kommen dann iveuigsteus Berliner hinaus und man bekommt etivas zu sehen. Aber im Winter? Nein, das versteh' ich nicht, wie man es im Winter draussen aushalten kann 1" Sie versteht es wirklich nicht, die kleine blonde Frau Lily, und so viel andre verstehen es auch nicht, ganz und gar nicht. «Draussen im Winter? Hm, ja l'N bisschen anders ist eS, als drin in der grossen Stadt." «Keine Theater giebt es," ferifzt Frau Lily,«und auf den Strassen geht kein Mensch. Sterben muss man ja da vor Lange« weile, wei'ter gar nichts hat man als den See und den Wald." «Nein, lveitcr gar nichts!" „Und in, Wald kann man nicht mal Blumen pflücken, und die Kaffeekücheu sind alle geschlossen!" „Sind sie in der That, Frau Lily,»nid die Karussells im Waldschlösschen drehe» sich nicht,»nid auf der Rutschbahn tönt kein Juchzen und Quietschen, ganz leer und still»st der Wald! Stundenlang kann nia» wanden» darin und trifft nichts andres, als ein altes Holzlveib, und hört keinen Laut, als heiseren Krähenschrci. lieber den Thälcrn brütet das Schlveigen, Nebel brauen über Sumpf und Moor. Haben Sic das schon mal gesehen, Frau Lily? Wundersam, solch ein Wald im Dänunern. wem, auS den Wiejeu der Nebel steigt. Zu Gestalten ballt er sich zusammen. zwischen de» Bäumen ein Wiegen und Schweben, Flattern und Neigen... Es winkt und greift mit feuchten Händen und die Eiche drüben an» Hang steht wie ein Spnkbild im Zlvielicht, wie ein Ungeheuer aus Wendenzeilcn." „Grässlich," sagt Frau Lily.«im Nebel gehe» ist ungesund und in» Wald bekommt man nasse Füsse- Und dann so ein Wald und immer wieder Wald, das ist ja stumpfsinnig. In Berlin steht»»an doch noch Schaufenster." „Schaufenster mit Diamanten, richtig, Frau Lily. Diamanten haben»vir hier»icht. Nichts haben»vir, als die Regentropfen, die an den Ziveigspitzcn hängen bleiben, an jeder Zweigspitze einer. Ja das haben Sie wohl auch nicht gesehen, Frau Lily: solch einen kahlen Baun», daran sich die Regentropfen schaukeln?" „91IS ob eS daran noch etwas zu sehen giebtl" Frau Lily zuckt verächtlich die volle» Schaltern. „Nichts giedt es daran z» sehen, Frau Lily, nichts als cdcn einen kahlen Baum voller Regentropfen; nur wenn die Sonne drüderläuft, funkelt und blitzt er in tausend Farben; es sieht grade ans ivie Diamanten, und luemi der Wind die Zweige schüttelt, fällt es herab wie ei» Fnnkeiiregeil." „Man kann sich aber das Zeug dabei verderben", sagt Frau Lily,„unter nasse Bäume gehe ich nie und am»venigsten im Winter, die Wintcrhiite sind so empfindlich," „Hm, ja. Frau Lily. das sind sie freilich l" Frau Lily betrachtet ihre Fußspitzen und bohrt mit dem schmalen Lacksticfelchen in den weichen Tcppich. Für Winter-Wald- Wege wären die nicht gemacht I „Und nun sitzen Sie hier und sehen ans den See und immer wieder ans den See, ist denn das nicht zum Sterben langiveilig? Wenn ich raussehe, Hab' ich doch die Potsdamer Brücke vor mir und alle Augenblick ist was anders los und man hört die Elektrischen binimcln I Aber Sie hier mit dem See... Da würde ich inelau- cholisch! Jnimcr dasselbe 1" „Immer dasselbe, Frau Lily! Sehr richtig I" „Im Sommer, ich sage ja, wenn»olb Sommer Iväre, da ist mal'ne Regatta und die Dampfer fahren, und man hört die Menschen singen und lachen... Aber jetzt das Einerlei..." Und Frau Lily sieht durch das Fenster hinaus,., „In der Thnt Frau Lily, ein schreckliches Einerlei so ein See! Jinnier dasselbe Bild! Wenn die Sonne lacht liegt er blau und still... ein einziger kristallklarer Spiegel. Wenn der Sturm ihn fegt, bäumt er sich ans und die Wogen sprühen weißen Schani» und jage» und überstürzen sich. Immer dasselbe: ist kein gutes Wetter, ist sicher schlechtes." Und im Winter ist meistens schlechtes," seufzt Frau Lily in inniger Teilnahme,„nein ich sage, tvie man nur hier draußen bleibe» kann I Und tvenu es nun erst gar noch friert I" „Als ob es nicht schon gefroren hätte, Frau Lily I Wenn auch nicht bei Euch da drin in der Stadt, hier draußen doch! Als ivir eines Morgens erwachten, triebe» auf dem Wasser weiße Schollen, und sie trieben und schoben und stießen aneinander mit dumpfem Klang, und rundumher stand der Wald im Rauhreif, silberüberspoinie», niärchcnglitzernd. Jeder Baum eine Riesenkoralle, jeder Wipfel verloren in blnutveißen flimineniden Dlinst. Große Vögel kamen von den Bergen und strichen flngelschlagend durch die Luft, nnd die Sonne stieg auf aus Gold und Purpur und tvarf über all die iveiße Pracht ein weites, goldnes Strahlennetz! Und nächstens wird der See zu sein, Frau Lily, und ivir iverde» den Stahlschuh au die Sohle schnallen und drüber hinfliegen, vom Sturm getrieben!" „Aber elektrisches Licht brennt nicht dazu", trotzt Frau Lily, „und kalt mutz es denn auch werden; o Gott, o Gott, ich wette, Sie stecken zwanzig Preßkohlen in den Ofen und baben das Zimmer noch nicht warm. Wie werden Sie den Winter über- stehen?" „Als ob der Winter noch lang ist, Frau Lily I Nächsten Monat ist ja schon Februar, da blühen im Garten die Schneeglöckchen, und dann konnnt der März und der April nnd die Kaffccküchcn thnn sich auf, das Karussell und die Rutschbahn geht! Und der ganze Wald ist voller Berliner! Dann gicbt es wieder etwas zu sehen!"— Volkskunde. — Eine neue Wiedertäufer-Sekte an der Wolga. Im„Globus" erzählt N. v, S e i d I i tz nach einer rnssischcn Quelle: Das große, etwa öv Werst westlich von der Wolgastadt Wolsk, unfem der von dort nach Riasan führenden Eisenbahn im Gouvernement Ssaratoiv gelegene Dorf Kriashin ist seit den siebziger Jahren des jüngstvcrflosiene» Jahrhunderts zum Schauplatz einer höchst cigenlümlichcu Sekte geworden. ivelche hierher von den Bauern Sinowjew und Filatow ein- geführt wurde nnd den Namen der„ P e r e k r e sH ch e n z y" sWiedertänferj führt, Filatows Schwester Irina, kein Genüge findend an der Taufe, mittels welcher ihr Bruder die von der rechtgläubigen Kirche Uebcrtretendcn in seine Gemeinde aufnahm, gründete ihre eigene Sekte. Ein jeder Adept mußte wiedergeboren werden, Ivozn an erster Stelle eine besonders anSerivählte Hebamme geladen wurde, welche die zur Geburt nötigen Gegenstände vorbereitete, so: Wäsche, Windeln. Seife. Waschbecken nnd dergleichen mehr, worauf Irina ein weites nnd langes weißes Hemd anthat und sich mitten auf der Diele niederlegte, worauf der Kandidat zur Wiedergeburt sich von Kopf zu Fuß entblößte und nuter da? Hemd kroch. Unterdessen stöhnte, ächzte Irina, nnd die Hebamme arbeitete und mühte sich um sie ab wie um eine wirklich Gebärende. Sobald aber der Geborene heraiiSkmn(was scbr langsam— in einer halben bis einer Stunde geschah), rief die Wchmnttcr:„Sie ist entbunden!" ans, �„Dank sei dem Herrn I" rief die Gcbärerin, worauf man sie in ein Bett legte. Der„Neu- geborene" aber lag indessen ans dem Boden nnd schrie wie ein kleines Kind. Tann begann die Wehnniltcr den„Kleinen" zu waschen, wickelte ihn und trug ihn mit Hilfe andrer auf den Ofen. Der.Neugeborene" mußte in solcher Lage acht Tage vcr- bleiben, sich aus den Händen der Hebamme nähren, am achten Tage fand seine Taufe statt. Darauf trat das Leben in seine Rechte ein.— Verantwortlicher Nedacteur: Earl Leid in Berlin, Kulturgeschichtliches. br. A p o t h e k e n u n d. D e st i l l e n Es ist bekannt, daß in den Einzclstaalen der uordamerikauischen Union, die den Verkauf geistiger Getränke verboten haben, die Apotheken einen zwar geheimen, trotzdem aber schwungvollen Handel mit Spirituosen, die sie natür- tich nur zu Heilzwecken führen dürfen, treiben. Aus dem 17. Jahr- himdert ist ähnliches auch aus Deutschland zu melden. Der Bräunt« wein tauchte in Deutschland durch Vermittlung von italienischen Kaufleuten im lt. Jahrhundert als Heilmittel auf, in Hessen nicht vor dem Schlüsse des IS. oder dein Anfange deS 16. Jahrhunderts. Als früheste Spur des Branntweins in Hessen wird erwähnt, daß 1472 Landgraf Wilhelm„gebranntes Wasser" nach Rauschenberg geschickt erhieit. In der Gesetzgebung kommt er vor ISOS nicht vor. Auch damals und noch lange Zeit nachher war es kein dem Wein nnd Bier gleichstehendes allgemeines Getränk, sondern Handelsartikel und Medikament, nur wurde er schon früh mißbräuchlich zu Gelagen und Zechen verwendet. A. Stölzel führt in seiner Abhandlung„Wein- und Branntweinschank in Kur« Hessen" eine Reihe dieser zum Teil schivere Strafen auflegenden Verordnungen an: so wurde 1622 und 1656„Branntwein aus Frucht zu machen hiufüro gänzlich verboten". Die Kirchcnordnung von 1657 dagegen will des Sonntags nur die„Weinkeller, Apotheken und Bicrschenken" zugehalten haben und kein Gcsanfe unter dem Gebete gestatten. Der fürstliche Befehl vom 28, September 1672 findet, daß gegen die früheren Sabbathordiinnge»„in denen Wein-, Branntwein-, Bier- und andren Wirtshäusern, Keller» und ver- dächtigen Orten", sogar in den Apotheken Gäste gesetzt werden, nnd schärft das Verbot ein. 1795 heißt es in einem amtlichen Aktenstücke:„In den älteren Zeiten war Wein der einzig bekannte potns hilaritatis(Trank der Heiterkeit), der Branntwein höchstens in Apolhcken bekannt. Das sind ganz bekannte Dinge. Die Zeiten haben sich indes verändert und hat der Brauutwein nunmehr den Wein verdrängt..." Heute sind die Apotheken in Deutschland nicht mehr in Ver- snchnng, Branntwein zu Trinkzwecke» zu verkaufen, denn Gelegenheit zum Branntweiutrinken ist in überreicher Weise vorhanden. Der Staat und das gleich ziehen aus demselben großen Gewinn, noch größeren die Junker.— Humoriktisisies. — Beim Wort g c n o m m e n. Schauspieler:.... Mit der Gage auszukommen, ist wirklich eine K n n st!" Direktor:„Ich Hab' Sie auch als Künstler enga- giert!"— — Stoßseufzer. Moderner Dichter:„Wenn doch endlich'mal jemand meine Gedichte kommentieren wollte! Ich wäre zu»engierig, was sich die Menschen dabei denken!"— — H ö ch st e Eifersucht.„Was machst Du denn, Emilie? Du willst mir doch nicht das Bild Deines Gatten aus dem Photo- graphic-Album nehmen?" „Nein! Ich will ihm nur einen a n d e r n Platz anweisen— hier zwischen den jungen Damen braucht er nicht zu stecken!"— (.Flieg, 3)1.") Notizen. — Johannes Schlaf hat ein»enes Schauspiel„Elfchcn" geschrieben; das Stück spielt im Jahre 1843.— — Adolf Klein ist ans weitere sechs Jahre dem L e ss i n g- Theater vcrp'flichtct worden.— — Die„Neue Bühne*, deren Vorstellungen an Nachmittagen im Neuen Theater staltfinden werden, wird noch in diesem Monat in ihrer erste» Vorstellnug zwei Stücke von Herbert Eulen- berg„Apollo und TheSpiS" und„Münchhausen" bringe».— — Dr. Martin Zickel ist als O b e r r e g i s s e u r an W o l z o g c n S„Buntem Theater" engagiert worden.— — Das„ T r i a n o n- T h c a t c r". aus dem Vierbaum bereits geschieden ist, wird in den nächsten Tagen zum zivcitcnnial „eröffnei" werden und wieder zu den liebe»„Lebenden Liedern" zurückkehren.— — Wolzoge» will am 18, Januar in seinem Bunten Theater eine Ileberbrcttl-Subskriptionsredoute veranstalte». Eintrittskarten kosten IV M.(Künstlerkarten 5 M.); für das Belegen von Loge» oder zusammenhängenden Parkettplätzen wird eine Extragebühr von 20 M. erhoben.— Auf diese Weise kann ein neuer Aufschwung des Ueberbrettls nicht ans- bleibe». Bansewein wird nächstens eine» bürgerlichen Mittagslisch, daS Trianon-Thcater einen NachmittagSthee veranstalten, die„silberne Punschterrine" eS mit„frischen Puffern" versuchen,— — An der Wiener H o f o p e r gelangt demnächst eine Oper von Josef Förster„Der tote Mann" zur Aufführung. Der Text ist einem Fastnachtsspiel von Hans Sachs entuomuic!!.— c. Wie aus Paris gemeldet wird, ist R a f f a e l S berühmte Madonna d c S h I, A n t o n i u s von Padua von Pierpont Morgan für 2V00 0V0 M, gekauft worden.— Druck und Verlag von Sttax Babing i» Berlin,