Anterhaltungsblatt des Horwärts Sd7. 9. Dienstag den 14 Januar. t902 «Nachdruck verboten.! 9Z Fointt Govdjejelv. Roman von Maxim G o r k i. Deutsch von Mlara Brauner. „Hast Du etwas zum Essen mitgebracht?" empfing Jeschow Foma und schnupperte mit seiner ipitzcu Nase.„Gieb her, ich bin mit deni leereu Magen von Haus fortgegangen. Ich Hab' mich verschlafen, der Teufel ho�s... Hab' bis zwei Uhr nachts immer gelernt... Hast Du die Rechenarbeiten gemacht? Ach, Du Schlafmütze! Nun, ich werd's Dir gleich herunterleiern!" Er biß mit den kleinen, scharfen Zähnen in das Back- Werk hinein, schnurrte wie ein Kater, schlug mit dem linken Friß den Takt dazu und sagte zugleich die Rechenarbeiten auf, indem er Foma kurze Sätze hinwarf: „Hast Du gesehen? In einer Stunde sind acht Eimer ausgeflossen... und wieviel Stunden hat's gedauert?— sechs. Ach, bei euch ißt man gut l Man muß also sechs mit acht multiplizieren... Magst du Kuchen mit Schnittlauch? Ich mag es sehr! Nun. also sind aus dem ersten Hahn in sechs Stunden achtnndvierzig ausgeflossen... und im ganzen hatte man in den Kessel neunzig hineingegossen.,. verstehst Du's weiter?" Jeschow gefiel Foma besser als Smolin, doch war er mit Sniolin besser befreundet. Er bewunderte die Begabung und die Lebhaftigkeit des kleinen Mannes, sah. daß Jeschow klüger und besser war als er, beneidete ihn und war auf ihn deswegen eifersüchtig, und zugleich bemitleidete er ihn mit der Herablassung des Satten zum Armen. Vielleicht war es gerade dieses Mitleid, das ihn daran hinderte, den lebhaften Knaben dem langweiligen, rothaarigen Smolin vorzuziehen. Jeschow, der seine satten Kameraden zu bespötteln liebte, sagte zu ihnen oft: „Ach, ihr Kuchenkistcnl" Fonia nahm ihm seinen Spott übel und sagte einmal, 'ls er sich tief getroffen fühlte, mit Verachtung und Bosheit: „Und Du bist... ein Bettler!" Jeschows gelbes Gesicht wurde fleckig, und er antwortete ingsam: „Gut. meinetwegen! Ich werde Dir nicht mehr vorsagen, und Du wirst ein Klotz werden!" Sie sprachen drei Tage nicht mit einander zur großen Bekümmernis des Lehrers, der genötigt war, dem Sohn des allgemein geachteten Jgnat Matwjeitsch in diesen Tagen schlechte Censnreu zu geben. Jeschow wußte alles: er erzählte in der Schule, das Stubenmädchen des Staatsanwalts habe ein Kind geboren, und die Frau dcS Staatsanwalts habe ihren Mann dafür mit heißem Kaffee begossen; er wußte, wann und wo man mr besten Barsche fischen konnte; er verstand es, Fallen und läsige für Vögel zu verfertigen; erzählte genau, warum und oie sich der Soldat aus dem Boden der Kaserne aufgehängt atte; von welches Schülers Eltern der Lehrer heute ein Ge- chenk erhalten hatte und was für eins. Der Kreis von Smolins Kenntnissen und Interessen be- schränkte sich auf das Leben der Kaufmannschaft, vor allem liebte der rothaarige Knabe, zu bestimmen, wer den andern an Reichnnn übertreffe, und schätzte die Häuser. Schiffe und Pferde ab. Das alles wußte er ganz genau und sprach mit Begeisterung davon. Jeschow gegenüber bezeigte er dasselbe herablassende Mitleid wie Foma, nur war er freundschaftlicher und gleich- mäßiger. Jedesmal, wenn Gordjcjew mit Jeschow in Streit geriet, bemühte er sich, sie zu versöhnen, und eines Tages, als sie ans der Schule nach Hause gingen, sagte er zu Foma: „Warum zankst Du Dich innner mit Jeschow?" „Warmn wird er denn so frech?" erwiderte Foma zornig. „Weil Du so schlecht lernst, und er Dir immer hilft. Er ft klug. Und hat er denn schuld daran, daß er arm ist? Er kann alles lernen, was er nur will, und wird dann auch reich werden." „Er ist wie eine Mücke", sagte Foma wegwerfend,„er summt und summt und sticht dann auf einmal". yoch es gab etwas im Leben dieser Knaben, was sie alle verbaip. es gab Stunden, in denen sie das Bewußtsein der Verschu-denheit ihrer Charaktere und ihrer Lebensstellung der- loren. A,» Sonntag trafen sie sich alle bei Smolin, krochen aus das Dach d-s Seitengebäudes, in dem ein geräumiger Taubenschlag eingerichtet war, und ließen die Tauben heraus. Die schönen, satten Vögel schüttelten ihre schneeweißen Flügel, flogen einer nach dem andern aus dem Tauben- schlag, setzten sich auf dem Firstbalkeu des Daches in eine Reihe und prangten dort girrend und von der Sonne beleuchtet vor den Knaben. „Aufscheuchen!" bat Jeschow, vor Ungeduld zitternde"- Smolin schwenkte eine lange Stange mit einem Bastwisch an ihrem Ende in der Luft und pfiff. Die erschrockenen Tauben stürzten in die Luft, die sie mit dem eiligen Flattern ihrer Flügel erfüllten. Jetzt steigen sie rhythmisch im weiten Bogen in die Höhe, in die blaue Tiefe des Himmels und schwimmen, mit dem Silber und Schnee deS Gefieders leuchtend, immer höher. Einige von ihnen bestreben sich im gleichmäßigen Fluge eines Falken das Himmelsgewölbe zu erreichen, sie breiten die Flügel weit aus und scheinen sie gar nicht zu bewegen, andre spielen, überschlagen sich in der Luft, fallen wie Schneeballen her- unter und fliegen wie ein Pfeil wieder in die Höhe. Jetzt scheint ihr ganzer Zug unbeweglich in der Wüste des Himmels zu stehen und ertrinkt darin, immer kleiner werdend. Mit zurückgeworfenen Köpfen bewundern die Knaben schweigend die Vögel, ohne die Augen von ihnen zu wenden, müde Augen, in denen stille Freude leuchtet, nicht ohne einen gewissen Neid diesen beflügelten Wesen gegenüber, die so fern von der Erde in dem reinen, stillen, von Sonnenglanz erfüllten Raum dahin- fliegen. Die kleine Gruppe dem Äuge kaum sichtbarer Punkte, die in die Bläue des Himmels eingestreut sind, zieht die Phantasie der Kinder mit sich, und Jeschow giebt dem ihnen allen gemeinsamen Gefühl Ausdruck, indem er leise und nach- denklich spricht: „Wenn wir so fliegen könnten, Brüder!" Und Foma, der wußte, daß die dem Himmel zufliegende Menschenseele die Gestalt einer Taube annimmt, fühlte in seiner Brust ein starkes, brennendes, unbestimmbares Gefühl aufsteigen. Durch das Entzücken vereint, still und aufmerksam die Rückkehr der Vögel aus der Tiefe des Himmels er- wartend, sitzen die Knaben dicht aneinander geschmiegt und sind dem Wehen des Lebens ebenso fern, wie die Tauben der Erde; in dieser Stunde sind sie nichts als Kinder und können weder beneiden noch zürnen; allem fremd, sind sie einander nah, verstehen ihre gegenseitigen Gefühle ohne Worte am Glanz der Augen und sind selig wie die Vögel am Himmel. Doch jetzt schweben die vom Flug ernrüdeten Tauben auf das Dach herab und werden in den Taubenschlag gejagt. „Brüder! Auf nach Aepfeln!" schlägt Jeschow vor, der alle Spiele und Unternehmungen inspiriert. Sein Ruf verscheucht aus den Kinderseelen die durch die Tauben hervorgerufene friedliche Stimmung, und sie schleichen sich vorsichtig wie Raubtiere, mit einer raubtierähnlichen Wachsamkeit bei jedem Laut durch die Hinterhöfe in den Nachbargarten. Die Angst, ertappt zu werden, wird durch die Hoffnung, ungestraft stehlen zu können, im Gleichgewicht gehalten. Das Stehlen ist ja auch eine Arbeit und noch dazu eine gefährliche, und alles, was durch eigne Arbeit gewonnen wird, ist so süß! Und es ist nm so süßer, je größer die Anstrengung war. Die Knaben steigen vorsichtig über den Gartenzaun und kriechen gebückt zu den Apfelbäumen hin. indem sie scharf und ängstlich um sich schauen. Bei jedem Geräusch zittert ihnen das Herz und stockt der Pulsschlag. Sie fürchten ebenso sehr ertappt wie erkannt zu werden; wenn sie aber nur bemerkt und angeschrieen werden, wollen sie zu- frieden sein. Auf den Schrei werden sie nach allen Seiten fliegen und verschwinden, und dann werden sie sich wieder versammeln und mit vor Entzücken und Tollkühnheit funkelnden Augen einander lachend erzählen, was sie fühlten, als sie an- geschrieen und verfolgt wurden und was mit ihnen geschah, als sie so schnell durch den Gorten liefen, als brenne die Erde unter ihren Füßen. In solche Räubcigüge legte Fomo mehr Seele hinein, als in alle andern Abenteuer und Spiele und zeigte bei den Uebersällen einen Mut. der seine Kameraden verblüffte und erboste. Er hielt sich in fremden Gärten mit absichtlicher Um Vorsichtigkeit auf. sprach ganz laut, brach lärmend Zweige oer Apfelbäume ab, und wenn ihni ein wurmsticher Apfel in die Hand kani. schleuderte er ihn nach der Richtung des Hauses des Gartenbesitzers hin. Die Gefahr, auf frischer That ertappt zu werde», erschreckte ihii nicht, sondern regte ihn an. seine Augen verdiinkeltcn sich, er preßte die Zähne aufeinander, und sein Gesicht wurde stolz und boshaft Smolin sagte zu ihni, indem er seinen großen Mund verächtlich verzog: „Du thust gar so wichtig... „Ich bin einfach keine Memme." antwortete Fonia. „Ich weiß, daß Tu keine Memme bist, aber nur Dumm- köpfe machen sich damit wichtig. Man kann auch ohne Wichtig- tbu-rei seine Sache nicht schlecht machen." Jeschow verurteilte ihn von einem andren Stand- Punkt aus. „Wenn Du ihnen selbst in die Arme läufst, dann geh zum Teufel! Ich bin nicht dabei. Wenn man Dich ertappt, wird nian Dich zu Teincni Vater führen, und er thut Dir nichts; mich wird man mit dem Riemen so durchbläuen, daß sich alle meine Knochen abschälen werden." „Memme I" sagte Foma eigensinnig. Eines Tages wurde Foma von den Händen dcS Stobs- kapitäns Tschumakow. eines kleinen, mageren Alten, ge- .angen. ' Tschumakow war lautlos an den Knaben heran- geschlichen, der die gepflückte» Aepfel in den Brustlatz seines Hemdes schob, packte ihn bei den Schultern und schrie ihn drohend an: „Jetzt Hab' ich Dich. Du Räuber! J�a!" Foma, der damals fünfzehn Jahre alt war. entschlüpfte geschickt den Händen des Alten. Doch er lief nicht davon, sondern sagte mit gerunzelter Stirnc und geballten Fäusten: „Versuch's... rühr mich an.. „Ich werde Dich nicht anrühren... ich werde Dich auf die Polizei bringen! Wer bist Du?" Das hatte Foma nicht erwartet, und sein ganzer Mut und sein Zorn verrauchten plötzlich. Die Polizei erschien ihm als etwas, was der Vater ihn, nie verzeihen würde.... Er fuhr zusammen und sagte verwirrt: „Gordjejew..." „Jgnat Matwjeitschs Sohn?" »Ja" Jetzt war der Stabskapitän verlegen. Gr nahm eine militärische Haltung a», preßte die Brust heraus und räusperte sich eindringlich. Dann senkten sich die Schultern, und er sagte zu dem Knaben väterlich belehrend: „Eine Schande ist's I Der Erbe einer so angesehenen und verehrten Persönlichkeit... und auf einmal! Das ist Ihrer Stellung unwürdig. Sie können gehen. Wenn sich das Geschehene aber nochmals wiederholt... hm! dann werde ich genötigt sein, es Ihrem Vater mitzuteilen... den ich übrigens meiner Hochachtung zu versichern bitte..." Foma beobachtete das Mienenspiel des Alten, und es wurde ihm klar, daß er seinen Vater fürchtete. Er blickte Tschumakow finster wie ein junger Wolf an; jener drehte sich mit komischer Würde den Schnurrbart und stand in verlegener Stellung vor dem Knaben, der. ungeachtet der ihm erteilten Erlaubnis, nicht fortging. „Sie können gehen", wiederholte der Alte und zeigte mit der Hand den Weg in fein Haus. „lind was ist mit der Polizei?" fragte Foma mürnsch und erschrak sogleich in der Erwartung der Antwort. .„Ich habe... gescherzt", und der Alte lächelte.„Ich wollte Ihnen angst machen..." „Sie haben selbst vor meinem Vater Angst," sagte Foma, wandte dem Alten den Rücken zu und ging in die Tiefe des Gartens. „Ich habe Angst? Ah t Also gut!" schrie ihm Tschumakow nach, und Foma erkannte am Klang der Stimnie, daß der Alte gekränkt war. Er schämte sich und wurde traurig; bis zum Abend schlenderte er allein herum und ivurde vom Vater mit der strengen Frage empfangen; „Foma. Du bist in Tschumakows Garten gestiegen?" „Ja I" sagte der Knabe ruhig und sah dem Vater in die Augen. Jgnat schien eine solche Antwort nicht erwartet zu haben! niiS schwieg ein paar Sekunden, indem er sich den Bar� gwttete. „Dummkopf! Wozu denn? Hast Tu denn zu wenig eigne Aepfel?" Foma senkte die Augen und blieb schweigend vor dem Vater stehen. „Siehst Du— jetzt schämst Du Dich! Dieser Jeschow hat Dich wohl überredet? Ich werd's ihm schon zeigen, wenn er konimt... oder ich werde Eurer Freundschaft überhaupt ein Ende machen!" «Ich war es selbst," sagte Foma bestimmt. „Es wird immer ärger I" rief Jgnat aus.„Aber wozu war denn das?" „So...!" „So!" äffte der Vater nach.„Wenn Du schon so was thust, mußt Du es Dir selbst und den Menschen erklären können. Komm her!" Foma trat näher zum Vater, der auf einem Sessel saß, und blieb zwischen dessen Knien stehen. Jgnat legte ihm die Hände auf die Schultern und blickte ihm lächelnd in die Augen. „Schämst Du Dich?" „Ja 1" seufzte Foma. „So ein Dummkopf I Machst Dir und mir Schande?" Er preßte den Kops des Sohnes an seine Brust, glättete ihm das Haar und fragte wieder: „Wozu brauchst Du fremde Aepfel zu stehlen?" „Ja, ich weiß nicht!" sagte Foma verlegen.„Vielleicht aus Langeweile. Man spielt und spielt... es ist immer dasselbe... man kriegt es satt! Und das ist— ge-- fährlich!" „Es packt einem das Herz?" fragte der Vater lächelnd. ,,Ja!" „Hm. vielleicht ist's das... Sorge aber trotzdem dafür. Foma, daß das aufhört! Sonst werde ich streng mit Dir sein!" „Ich werde niemals und nirgends wieder hinsteigen I" sagte der Knabe mit Gewißheit. „Daß Du selbst die Verantwortung für Dich trägst, ist schön. Was einmal aus Dir wird, das weiß Gott, aber vor» läufig geht's an. Es ist schon etwas, wenn ein Mensch für seine Handlungen selbst, mit seiner eignen Haut zahlen will. Ein andrer an Deiner Stelle hätte alles auf die Kameraden geschoben, und Du bekennst, daß Dn es selbst warst. So muß es auch sein, Foma. Deine Sünde mnßt Du selbst ver- antworten. Wie war's? Hat Dich der Tschumakow nicht geschlagen?" fragte Jgnat mit Nachdruck. „Jch hätt's ihni gezeigt!" erklärte Foma ruhig „Hm I" brummte der Vater vielsagend „Ich Hab' ihm gesagt, daß er vor Dir Angst hat." Darum hat er sich bei Dir über mich beklagt. Er wollte sonst gar nicht zu Dir gehen." „Wirklich?" „Bei Gott! Versichern Sie Ihren Vater meiner Hoch» achtung," hat er gesagt. „So?" ..Ja I" lFortsctziiiig folgt.) Nleincs FenMekon» ra. Antike Weiberfeinde. Unter ihren sieben Weisen zählten die alten Griechen de» BiaS von Prien e. Von ihm ist uns die Auskunft überliefert, die er einem jungen Manne gab auf defien Frage, ob es besser sei, zu heiraten, oder ledig zu bleiben Da lieg der Weise den« Gehege seiner Zähne folgenden iviinderbaren Orakel- sprnch entrinne»:„Enlivedcr ivirst du eine Schöne heimführen oder eine Hägliche: tvenn eine Schöne, so hast du eine, die„Gemeingut" ist; ivenn eine Hätzliche, so bist du erst recht gestraft. Nimm dir also keine Frau." Ob diese merkwürdige Weisheit mit zu den Ansprüchen des BinZ gehört, in den KriiS der sieben Unsterblichen anfgeuommen zu tverden. mutz dahingestellt bleibeiii Sicher ist aber, dag es noch mehr solcher grund- sätzlichen Misogynen im alten Hellas gab. Ein Epigramm auf den sterbenden Hagestolz Aristokratcs lägt ihn, ehe er zum Hades fährt, eine Betrachtung abhalten über den Segen geordneter Häuslichkeit, wie die Ehegemeinschaft sie bringt; aber der Dichter setzt hinzu: „Ach! Aristokratcs ivugte, was gut war. aber er haßte Tief in der Seele der Frau'n übelgeartetes Herz." Das konnte die männliche Selbstzufriedenheit natürlich nicht ein- sehen, daß die falsche Stellung der Frau in der Gesellschaft an ihren Mängeln schuld sei. Eine rühmliche Ausnahme mich freilich gemacht werde»; das war der große Philosoph Plato, der auch die sociale Lage der Frau verbessern wollte und die Anerkennung ihrer Gleichberechtigung mit den, Manne eindringlich forderte. Damit ragt er hoch empor über den ihm sonst vielfacki überlegenen Denk- riefen Aristoteles, der in Bc�ng auf die Frauenfrage sämtlichen Bor- nrleilen seiner Landsleute und' seiner Zeit huldigte. Erklärte er doch ganz unbefangen für Zweck und Mittelpunkt der irdischen Natur nicht de» Menschen, sondern den männlichen Menschern Ein weibliches Kind ist ihm ein minderer Grad von Mißgeburt, und das Weibliche überhaupt etwas Verstümmeltes im Vergleich zum Männlichen. Er war also zweifellos durchaus einverstanden mit der griechischen Praxis, die Frau in der Abgeschiedenheit der„gynaikonitis", deS Weibergemachs, von der Außenwelt gänzlich abzusperren, und mit der griechischen Auffassung, daß die Frau und die Ehe nur dazu da sei. de», Mann zu enicr„echten" Nachkommenschaft zu ver- helfe». Diese prächtige Anschaunng galt denn auch im älteren Rom, während hier allerdings die Bewegiingsfreiheit der Frau etwas größer war. Es geht jenes allein schon ans der Thatsache hervor, daß die römischen Bürger alle fünf Jahre vor dem Censor beschwören mußten, sie hätten ihre Frauen, um Kinder zu bekommen. Dieser Eid soll die Veranlassung z» der ersten Ehescheidung bei den Römern ge- geben haben, indem Spnrins Carvilins, der seine Frau sehr liebte und hochschätzte, eS wegen ihrer andauernden Kinderlosigkeit 23t v. Chr. nicht länger mit seinem Gewissen vereinbar fand, jene Formel nachzusprechen. Unter solchen Umstände» kann man sich nicht lvunderu, wenn ein Censor aus dem Geschlechte der Mctcller im Jahre 131 v. Chr. seinen Mitbürgern die Pflicht des HciratenZ in der Weise einschärste. daß er den Ehestand als eine drückende, aber von den, Patrioten gleichmäßig zu übernehmende öffentliche Last bezeichnete:„Wenn wir ohne Gattin sei» könnten, Quiriten," meinte er,„so würden wir freilich alle von dieser Last «US befreien. Da aber die Natur es so eingerichtet hat. daß ivcder mit den Frauen sich bequem,»och ohne die Frauen überhaupt sich leben läßt, so ziemt es sich, auf dauernde Wohlfahrt mehr zu achten, als auf kurze Wollust." Man sollte also schier glauben, daß im alten Rom die reine Weiberherrschaft bc- standen habe. Wie cS aber, wenigstcns in der älteren Zeit, damit aussah, darauf wirft deutliches Licht ein charakteristischer Satz eines berühmten Römers:„Wenn Dn Deine Gattin beim Ehebruch betriffst, so kannst Dn sie ohne richterliches Urteil straflos löte». Wen» sie dagegen Dich beim Ehebruch ertappt, so darf sie es nicht ivagcn. Dich auch nur mit den, Finger anzurühren. Und so ist es recht und billig/' So sprach der alte Cato, der in der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts für die gute alte Zeit eiferte und demgemäß auch mit vieler Vorliebe schwärmte für die allmählich außer Hebung geratene» Gesetze, die die Frau zur ivillen- losen Sklavin des Mannes machten. Man kann sich also seine» Griinn, vorstelle», als in, Jahre 195 v. Chr. ein paar Bolkstribinien de» Antrag stellten, ein in vergangenen Kriegs- nöte» erlassenes Gesetz gegen de» weibliche» Luxus anfzuheb». das den Frauen Tragen von bunten Kleidern und goldenen Schmucksache» untersagte Die Frauen betrieben eine eifrige Agitation für diesen Antrag und fetzten de» zur entscheidenden Vollsversammlmig ziehenden Beamten uns Bürgern auf den Straßen und dem Forum hesiig im Sinne ihrer Forderung zu. Cato donnerte nicht schlecht wider solche Neuerung, die ihm gleich de» Umsturz der ganzen Staatsordnung vor Augen treten ließ:„Wenn jeder von uns", er- klärte er u a.,„bei seiner Frau Stecht und Majorität des Mannes mit Bedacht aufrecht erhalten hätte, so würden ivir hier ivemger Schwierigkeiten mit den sämtlichen Weibern habe».' jetzt wird nnsre in der Hänslichkeil überwundene Freiheit auch hier aus dem Forum schon von der iveiblichen Unbändigkeit zerbrochen und mit Füßen getrete», und weil wir den Einzelnen nicht Stand halten könne», fürchten ivir sie auch insgesamt..... Unsere Vorfahren wollte», daß die Frauen keine, nicht eiiimal eine private Angelegenheit ohne Eintreten eines Volninnds betreiben könnten, daß sie in der Hand ihrer Väter. Brüder. Männer sein sollten i wir dulde» sogar schon daß sie von der Republik Besitz ergreife» und sich sogar in die Volksversammlungen einmischen.... Laßt die Zügel ihrer herrschsüchtigen Natur, den, unbändigen Geschöpf und hofft dann noch, sie selbst würden ihrer Willlnr eine Schranke setze». Dies ist noch das Geringste von de»,, was die Frauen unwilligen Geistes als diirch Sitte» oder Gesetze anferlegt leiden. Sic wünsche», im, die Wahrheit zu sagen. Freiheit, nein, Zügellosigkeil i» alle» Tingen... Und wenn sie erst angefangen haben, uns gleich zu sein werden sie alsbald überlegen werden." Trotz dieses warnenden Kassandrarufes wurde der Antrag auf Aufhebung des Lnxusgcsctzcs vom Volk angenommen, und alsbald ging der donnernde Jupiter Cato wutentbrannt zu feiner Armee nach Spanien ab, wo er denn unter lauter Männern war. In einer Anrede an seine Soldaten suchte er auch einmal Rache zn nehmen für die Niederlage in Rom. Wie er in seiner Art ein ver- schmitzter Fuchs ivar, so erzählte er seinen militärische» Zu- Hörer» ein äußerst boshaftes Geschichtchen, das sich vor Jahr- Hunderten in Rom zugetragen haben sollte. Da hätten die Sena- torSii noch ihre unerlvachsenen Söhne mit in die Sitzung gebracht. Nach einer wichtigen Beratung wurde einmal sämtlichen Teilnehmern Stillschweige» darüber auferlegt, Einem Knaben aus der Familie der Papirii aber setzte seine neugierige Mutter dermaßen mit Fragen zu, daß er sich schließlich mit der Lüge rettete, es sei darüber beraten worden, ob mit größerem Nutzen für das Staats- ivohl ein Mann zwei Frauen oder eine Frau zivei Männer haben solle. Andren Tags erschienen die Frauen in Masse vor dem Senat und baten mit Thränen und Händcringen die versammelten Väter, nm GotrcSwillen zu beschließen, daß jede Frau zwei Männer bekäme... Daraus sprach denn freilich nur der ohnmächtige Groll des alten Weiberfeindes über die veränderten Zeiten.— Theater. — n, Freie Volksbühne.„ D a n t o n s Tod.' Drama in drei Akten von Georg Büchner.— Als Georg Büchner„Dantons Tod" schrieb, ivar er einundzwanzig Jahre alt': in 38 Tagen hat er sein Stück vollendet, das im Pathos der Sprache vielfach an Schillers Jugeudwerk„Die Räuber" erinnert. Strenge historische Treue kann man dem Büchner'sche» Drama nicht nachrühmen. Dem Dichter ivar es auch weniger darum zn thun. als um den rein menschlichen Gegensatz zwischen Danton und Robespierre. den, lebensfrohen, temperamentvollen Gennß- menschen und dem starren Togmatiker. Büchner hat sich und seine Weltanschauniig in der Figur des Danton selbst gezeichnet: es ist eine spitzsindige Philosophie, die gern mit großen Worten»m sich wirst. Sein Danton kennt nur Epiknräcr auf der Welt,„feine" und„grobe": er kennt keine Gegensätze zivischen„gnt" und„böse"; nur da?„persönlich vorteilhafte" ist ihm erlaubt nnd der Gipfel- Punkt aller nieuschlichen Weisheit ist ihm das„Nichts". Eigentlich eine ganz moderne Philosophie, die die Bühiienlcbensfähigkeit deS Stückes garantieren könnte; allein die Schönheiten des Dramas sind zu zerrissen, zu wenig mit Bedacht verteilt, der Aufbau zu uu- gegliedert. Die Bearbeitung nnd Jnsccnierung von Alfred Hain, machte ans dem Stücke das, was irgend zn stände zu bringen Ivar. Die Streichungen nnd Scenenzusammcnziehmigen waren noch größer, doch auch geschickter, als bei der Ausführung der„Neuen Freien Volksbühne". Der einheitliche Charakter des Ganzen blieb geivahrt; namentlich zerriß nicht das allzuhänfige Fallen des Vorhanges— wie dies bei der Aufführung der„Neuen Freien Volksbühne" der Fall ivar— die Illusion des Zuschauers. Auch die Dekoration ließ ans scenische Wirkung hin nicht viel zu wünschen übrig; be- sonders fiel dies in den Volksscenen auf, die durch die ge- eignete Jnsceniernug— in der Gerichtsscene und in der Ver- sammlungSscene— vorzüglich zur Geltung kamen. DaS Schauerliche einzelner Episoden wurde durch Spiel hinter den Coulissen sehr gemildert, allzu stark aufgetragene Kraslstellen tvarcn zum Besten des'Gesamteindrucks gestrichen ivorden. Die Aufführungen der beiden Volksbühnen unterschieden sich so wesentlich von einander, daß wer Gelegenheit hatte, der Vorstellung der„Neuen Freien Volks- bühnc" beizuwohnen, in der Bearbeitung des Dramas in der „Freien Volksbühne" ei» ganz andres Stück sehen konnte. Die Darstellung bot in, einzelnen nud in den Volksscenen Gutes. Der Danton Josef Kleins war eine geschickte schau- spielerische Steigerung vom sicheren Selbstbewußtsein und spöttelnder Trägheit bis zum flammenden Pathos des Helden, der um sein Leben kämpft. Von Sccne zn Scene wuchs Temperament nnd Feuer, um erst kurz vor dem Gang zur Guillotine effektvoll zu verlöschen. Carl M ü l l e r- H a u s e n spielte den bedeutend schwieriger dar- ziislellcnden Robespierre. Er brachte das Starre, Kalte dieses Fanatikers nach besten, Können zum Ausdruck, er verstand eS, in die nächtliche Scene, in der sich Robespierre über die Notwendigkeit des Todes Danions klar wird, jene Weichheit hineinzulegen, die diese Scene erfordert, allein sein Spiel ließ kalt, riß nicht mit,— eine Wirkung, deren Ursache mehr in der Nolle selbst, als in der Leistung des Schauspielers zu suchen ist. Desto wirksamer nnd zündender Ivar daS Spiel Julius Irwins, der den jugendlichen Camille Des- monlins verkörperte, und Oskar Wagners, der den blut- dürftigen St. Just gab. Die Franeurollcn treten in der Halinsche» Bearbeitung des Stückes gänzlich in de» Hintergrund. T i l l y Traun spielte die Julie,' Marie Mayer die Lucile; beide Leistnngen zeugten von Fleiß und Temperament.— Trianon-Theater. Die zeitweilige Schließung der Bühne nach der ersten überstürzten Eröffnnngsvorstellung ist ihr, wie sich am Sonntag zeigte, besser, als man erwarten mochte, bekommen. Mit Bierbainns, des liebenswürdige» aber theaterfremden Poeten, Rück- tritt aus der leitenden Stellung, sind auch— einstweilen wenigstens— die phantastischen Märchenpantomimen, das neue Genre, den, die Bühne, wie es hieß, in erster Reihe dienen wollte. aus dem Programm verschwunden. Man ist viel bescheidener ge- worden. Doch für die so viel niedriger gesteckte» Ziele scheinen jetzt auch die vorhandenen Mittel und Kräfte zn reichen. Nur ein kleiner vereinzelter Versuch in dem neuen Programm erinnerte etlva noch an die ursprünglichen Intentionen: das Sinnspicl:„Der Einsiedler". In romantischer BergwildniS entdeckt ein griechisches Liebespaar den ehr- würdigen Alten tief in grüblerisches Sinnen versunken. Er bietst ihnen einen Trunk ans seiner Zauberquelle, nnd die Klarheit seiner eignen allen Schein durchschauenden Erkenntnis, teilt sich ihnen plötzlich mit. In dieser Helligkeit erlöschen alle färben- frohen Reize des Lebens. Angst nnd namenlose Sehnsucht faßt den Jüngling wie das Mädchen, und der Alte, ge» rührt durch ihr Flehen, erlöst durch einen neuen, ihnen dargebotenen Trunk sie von der unwillkommenen Gabe. Auch dieses poetische Experiment, obwohl es durch die gelungene Kürze sehr vorteil« Haft flcflen die»Dame vom Monde' der ersten Vor- stellimg abstach, zeigte wieder, wie wenig solche Allegorien von der Bühne herab ivirken. Im übrigen machte man es sich ganz bequem und lies; Litteratur Litteratur sein. Die Kleinkunst»lebender Lieder", durch zierlich aumutige Tanzsceneu in bedächtigem Menuett- stil unterbrochen, füllte den Abend ans. Aber in diesem engen Rahmen wurde mancherlei Hübsches geboten. Allerliebst war das„Bändchen". eine reizende Mozartschc Gesangssccne, mit der die Vorstellung eröffnet wurde. Munter und frisch wirkte, um aus der Fülle der bunt znsainmeugewürfelten Programnunmuuern noch einiges herauszugreifen,»Nach der Tanzstunde", ein von Erick Meyer höchst launig komponiertes Backfisch- und Sekuudaner-Zivie- gespräch,»Flirt", ein vorzüglich gespieltes kleines.Strandidyll" mit Text und Musik von Lndivig Meudelsohn, und die Geschichte vom „G'schlafrigen Deaudl", in der der neue Regisseur, Herr Laurcuce, als verliebter Tyroler Baucrnbnrsche ganz unverhoffte Huuiore zeigte. Es ivaren nicht sowohl»Lieder"— bei diese» hätte der dekorative Apparat nur störend wirken können— sondern fast überall war daS Thema zu kleinen, gesanglich komponierten Dialogsceneu und Situationsbilder» mit irgend einer Spur von Handlung ausgespounen ivordcrr. Die Jnsccuiernng schloß sich sehr stimmungsvoll dem Inhalte an und überraschte durch einige feinlomponierte Meer- und Gebirgs- laudschaften. Doch was au Stimmung so gewonnen wurde, das ging durch die fortiväbrenden fatalen Pausen, die der Dekorations- ivechsel nollvendig machte, zum gute» Teile wieder verloren. Nach jedem Lössel dieser kleinen spielerischen Lnxuskunst, so und so viel lange Minuten, um über nicht vorhandene Tiefen nachzudenkc», wer soll da nicht ungeduldig werden! Es müßte sich durch einen Zwiichenvorhang, der die dekorativen Arbeiten verdeckt, doch leicht soviel Raum ans der vordere» Bühne geivinncn lassen, daß in den Pausen von dorther Gedichte, Schwänkc ec. deklamiert iverden können. Nichts ist gcfähr- sicher für diese Kunst, als daß mau Zeit hat, zur Besinnung zu kommen. ät. Charivari- Brettl. Herr Albert Kühne, der Direktor tiefes allerneucsten llnternehmcns, das feine Pforten in der Alten Zokobstraße am Sonnabend auflhat. trägt seinen Name» nicht um- sonst. Das Bestehende hat seinem Geiste nicht genügt, und mit mutigem Entschließen schuf er ein Neues. die Synthese, die höhere Vereinigniig von Brettl und Ncber- brettl in seinem Charivari, dein Brettl mit den Ueberbretll- preisen. Die Kunst, die in den Singspielhallen minderen und mindesten GradeS für 20 oder 30 Pf. Einheitspreis a» Wochentagen und für SO Pf. am Sonntag verzapft wird, ist hier durch eine wahr- hast-litteransche Zahlgebnhr geadelt und verklärt. Die mit Papiernummern beklebten, knallrot angestrichenen, knarrenden Gartenstühke, auf denen man in drangvoller Enge den Genuß entgegenzunehmen hatte, hießen dafür aber auch »Orchefterfitze". Und um die Illusion der Boniehmheit noch ein- dringlicher zu machen, war finnig Borkehning getroffen, daß die »Küustler" und.Knnstlcriniien" gleich Sternen ersten Ranges mit begeistertem Applaus vom»Publikum' begrüßt wurden. bevor sie noch den Mund geöffnet, ja selbst— und das war noch erstaun- sicher— nachdem sie ihn geschlossen hatten. Auch pflegte dann mit pünktlicher Gewissenhaftigkeit ein gallonnierter Genius des Hauses mit Blumensträußen— Uörbeu— Kränzen au die Bühne z» stürzen, um durch Entledigung von seiner Bürde den Künsten eine Hnldigmrg darzubringen. Rur einmal während der zwei Progrannnteile die ich dort miterleben durfte. blieb der laute Beifall ans. Doch ohne Schuld der Künstler. Der Borhang, der von vornherein die Neigung zu verdächtigen Hopsercie» verraten, verdarb beim Fallen durch allzu boshaft-heitere Extravaganzen nach einer äußerst gefahrvollen Scene die notwendige Stimmung. Ein v» eapo erzielte Pcpi Weiß in einem anmutigen Gesang»intimer" Kunst, in dein sich»frische Wasch" auf.fesch" zu reime» hatte. und Herr Direktor Albert Kühne selbst mit seinem.Corpsstudentenliede". Es sind Strophen darin, die durch die«rast des Rylhinus und des Reimes einem unvergeßlich bleiben. Z. B.: „Der Corpsstndent. der Eduard I lind das ist seine Trude! So wie er seine Kneipe kennt, So kennt sie seine Bude."— — ät. Musik. Franz M o h a n p t hat sich mit einem noch»»gedruckten Klavier-Qnintctt op. II in C-dur als ein tüchtiger Komponist ein« gesührt. Zlvar der äußere Erfolg lvar bei der Aufführung im Waldemar M e y e r- Q u a r t e t t au» vorgestrigen Sonntag so gering, daß man von einem.abgefallen" sprecven kann. Allein es geschah damit ein Unrecht. Mohanpt verfügt über eine entschiedene Fähigkeit, plastische Thenren zu erfinden und zu verarbeiten: in letzterer Beziehung bewährte er sich besonders in deni ivohl be- deutendsten, dem dritten Satz, einer Variationenreibe. Das Finale — viel leeres Stroh— ist wie so häufig ein Zeugnis uachlasiender Kraft. Neue Wege ivaudelt der Komponist allerdings nicht. Ebenso wenig ivaudelt sie jene Quarteltgesellschaft. Was wir über die Waldemar Meyers speciell und über gegenivärtiges Vortragsivesen im allgcineinen gesagt, soll natürlich nicht iviederholt Berrniuvortlicher Revaeteur: Carl Leid in Berlin. werden. Schlver ist es nicht, einem Willigen bald so viel über Aus- druck in musikalischer Reproduktion beizubringen, daß er merkt, waS hier noch zu macheu Iväre. Auf ein günstigeres Schicksal angelegt sind einige ebenfalls noch nngedruckte Lieder von James Roth st ein. Ihr Komponist, bereits n. a. durch ein Streichquartett und durch Lieder teils künst- lerifchen, teils überbrettlichen Absehens bekannt, vereinigt eine ziem- sich gewöhnliche thematische Erfindung mit einem geschickten Ausdruck in der musikalischen Textwiedergabe und mit einer guten Fähigkeit, Stimmung darzustellen. Letzteres gilt zumal von zivci Liedern, «Liebesnacht" und„Im Frühling oder im Traum". Das Zurück- stehe» der Hauptsache, des melodischen Fadens, hinter die verschiedenen Nebenmittel, das heiiizntagc gar häufig zu finden ist, war im ersten dieser Lieder ziemlich stark, im zweiten weniger zu merken; bei dem dritten,»Königslied", schien die Fähigkeit des Komponisten, gerade der ticsen Eigenart des Textes charakteristisch gerecht zn iverden, nicht eben groß zu sein. Jedenfalls aber zeugte die Wahl dieser Dichtungen— von R. M. Rilke— von einein vorzüglich feinen Geschmack. Auch D. v. Liliencrons.Frühling" wurde in der an- sprechenden Vertonung RothsteinS gerne wieder gehört. Am vorteil- haftesteu wirkte für diesen die Nachbarschaft zweier Lieder Wein- g a r t n e r s; soll das Salon-Moderne sei«? Der Sänger dieser und andrer Lieder, Herr Willy Birken- seid, ist einer der wenigen Tenore mit einer im ganzen guten Bildimg der hohen Töne. Seine Art neigt zum Weiblichen »nd würde ihn für ein Käriithiier Oiiiiitett besonders passend sein lasse». So recht qnalitätreich sind seine Töne freilich nur dort. Ivo es sich nicht eigentlich um die Verbiiidiiiig des Tones mit dem Wort handelt. Darin wird er ivohl noch am»leiste» zu lernen haben, falls»la» die Hoffiiiiiig, ihn über seinen geiteiiivärtige» Mangel an Eharalterisicrung hiiianskomineii zu sehen, gar nicht hegt. In- defien soll auch da nicht das Vertraueii auf einen Erfolg Unterricht- sicher Bemühniigeii verlassen Iverden. Eine Wiedergabe weicher Stiin- niuiigeu gelingt ihm schon jetzt recht gut. Trotz aller Sorgfalt im frühzeitigen lleberschaiien des Konzert- Repertoires entging uns die Aufnahme einer Viosinsoiiate lv-molls von I n l i n s Z e l l n e r in das Programm eines Quarteltadends G ii st a v Holländer. Wir können nur nachträglich dein Quartett- führ« unsre Aiierkenniliig dafür aussprechen, daß er für den so schlver Verkannten eingctrcten ist und zugleich die Geigerwelt ans ei» so gediegenes»nd dankbares Werk aufmerksam gemacht hat.— 82. Notizen. — Der Grillparzer- Preis, 2400 Gulden in Silber, ist Otto Erich Hartleb en sür sein Drama„Rose» m o n t a g" zncrkanlit worden.— — Der Ausschuß des Berliner Goethebnndcs hat die Gründniig eines Deutsche» Bolks-Schiller-Preis es beschlossen.— c. Englische R o in a n- S cki r i f t st c I l c r i» n c n. Nack „The Englishwoinan's Uear Book" sind im vorigen Jahr über 250»ene Romane inid Nenansgabc» von Bändeii von schri'l- stellernde» englischen Frauen veröffentlicht ivordeir. Einige dreißig Dichterinue» haben»ichr als ein Buch produziert. Die beiden berühmteste» Romane von Frauen ivaren im vorigen Jahr»The Serions Woomg" von John Oliver HobvcS und»The History of Sir Richard Calniady" von»Lucas Malet".— — Felix D ö r m a n n S Schauspiel»Der Herr von Abadessa" wird im Februar im S ch a u s p i e l h a u s e erstnialig in Scene gehen. Matkoivski spielt die Titelrolle.— — Das Lessing-Theater bringt demnächst M o l i ä r e s »Amphitryo»"»nd den.Eingebildeten Kranken" in der deutsche» Bearbeitung von Fulda.— — Das Schanspielhnns wird von nächster Woche au die gesamten S h a k e s p e a r e s cki c n K ö n i g s d r a in e n, u. a. auch „König Heinrich V."»nd„König Heinrich VI.", i» chronologischer Reihenfolge zur Aufführung bringen.— — Das Toquelin-Gast spiel am S ch a u s p i c l b a u s e ist iiocki auf Donnerstag und Freitag ausgedehnt worden. Gespielt wird am Donnerstag„ G r i n g o i r e" von Bauvillc,»Der ein- gebildete Kranke" von Moliäre; am Freitag(bei Kroll> „Tartüfse" und„LesPrecieusesridicules' von Moliere.— — R e z» i c e I s Bolksoper»Till Enlenspiegel" hatte bei der Erstairfführung i» Karlsruhe einen großen Erfolg.— — Franz B eidler, der Schivicgersohn Cosima Wagners, ist als K a p e l l in c i st e r i ii r das deutsche Landes- theater in Prag engagiert ivorden.— — Island soll mittels Marconis drahtloser Tele- g r a p h i e i» Verbindung mit Europa gesetzt iverden.— Druck und Verlag von Max Badiug m Berlin.