Nnterhaltungsblatt des Dorwärts Nr. 11. Donnerstag, den 16. Januar. 1902 (Nachdruck verbotene n, Fomn Gordjejelv. Roma» von M a x i»> G o r k i. Deutsch von Klara Brauner Und im Frühjahr sandte Jgnat den Sohn mit zwei Gctreidebarken an die Kama. Die Barken wurden von Gordjejews Dampfer„Der Fleißige" im Schlepptau geführt, da?> Kommando darauf hatte Fomas alter Bekannter, der frühere Matrose Jefim, jetzt Jefim Jljitsch; er>var ein dreißigjähriger, vierschrötiger Mensch mit Fuchsaugen, ein ver- nünftiger. bedächtiger und sehr strenger Kapitän. Die Reise ging schnell und lustig, denil alle waren gntcr Laune. Foma war stolz auf den ihm auferlegten ersten Verantwortlichen Auftrag. Jefim freute sich über die An- Wesenheit des jnngen Herrn, der ihn nicht jeder Fahrlässigkeit wegen zur Rede stellte und ihn nicht mit derben Schimpf- Worte» bedachte; die gute Laune der beiden Hauptpersonen aus dem Schiff verbreitete sich in senkrechten Strahlen auf die ganze Mannschaft. Das Schiff war von dem Ort, wo das Getreide aufgeladen wurde, im April abgefahren und befand sich schon Anfang Mai am Ort seiner Bestimmung, die Barken ankerten am Ufer, und das Schiff blieb daneben stehen. Fonra hatte den Auftrag, das Getreide möglichst schnell abzuliefern und nach Einkassierung des Geldes sich nach .Perinj zu begeben, wo ihn eine Ladung Eisen erwartete, die Jgnat für den Jahrmarkt zu liefern hatte. Die Barken standen einem großen Dorf gegenüber, das sich an zwei Werst vom Ufer entfernte Föhrenwaldungen anlehnte. Gleich am nächsten Tag nach der Ankunft erschien früh am Morgen eine große, lärmende Menge von Bauern und Bäuerinnen zn Fuß und zu Pferde am Ufer; schreiend und singend verstreuten sie sich über das Deck, und in einem Augenblick war die Arbeit im Gange. Die Frauen stiegen in den Schiffsraum hinab und schütteten das Korn in Säcke, die Bauern hoben die Säcke auf die Schulter und liefen eilig über die Stege ans Land, voin Ufer zogen sich mit dem langersehnten Korn schwer beladcnc Fuhren dem Dorfe zn. Tie Bäuerinnen sangen Lieder, die Bauern scherzten und suchten lachend miteipnnder Händel anzufangen, die Matrosen, die sich als Hüter der Ordnung gebürdeten, schrien die Arbeiter an, die Bretter der Stege, die sich unter den Füßen einsenkten, schlugen auf dem Wasser schwer auf. am Ufer wieherten die Pferde, knarrten die Wagen und knirschte der Sand unter den Rädern...- Die Sonne war eben aufgegangen, die Luft tvar belebend frisch und ganz mit Föhrcndnst getränkt; das ruhige Wasser des Flusses spiegelte den klaren Himmel wieder und murmelte freundlich, indem es an den Vorderteilen der Schiffe und an den Ankerketten zerschellte. Der lustige, laute Arbeitslärm, die jimge Schönheit der von der Sonne freudig beleuchteten Frühlingsnatnr, das alles war voll frischer, gutmütiger, etivaS grober Kraft, die Fomas Seele angenehm erregte und in ihm neue unbestimmte Empfindungen und Wünsche wachrief. Er saß unter dem Sonnendeck des Danipfschiffes am Tisch und trank Thee mit Jefinr und dem Empfänger des Getreides, dem Beamten des Sjemstwo ,*) einem rothaarigen, kurzsichtigen Herrn mit Brille. Der Beamte erzählte mit heiserer Stimme und nervös zuckenden Schultern davon, wie die Bauern hungerten; Foma hörte aber unaufmerksam zn, erblickte bald auf die Arbeit und bald auf das andre Ufer, das einen hohen, gelben, sandigen Abhang bildete, an dessen Rand Fichten standen. Dort war es menschenleer rmd still. „Ich werde dorthin hinüberfahren," dachte Foma. Und an sein Ohr drang wie irgend woher aus der Ferne die un- ruhige, miangeuchm scharfe Stimme des Beamten: „Sie werden es nicht glauben— es haben sich schließ- lich schreckliche Dinge ereignet! Es geschah folgendes; In Odessa kam zu einem den besseren Kreisen angehörenden Mann ein Bauer und brachte seine sechzehnjährige Tochter mit.„Was willst D»'c"'.—„Ich habe da meine Tochter für Euer Wohl- geboren mitgebracht/'—„Wozu?"—„Ja, vielleicht nehmen Sie sie; Sie sind ja ein lediger Mann."—„Das heißt, wieso? Wie nieinst Du das?"—„Ja, ich Hab' sie Kreislaudvcrsannnliiua. überall' iü der Stadt herumgeführt und wollte sie in Dienst geben, aber niemand nimmt sie; nehmen Sie sie wenigstens als Geliebte!"— Verstehen Sie das? Er bietet seine Tochter au, begreifen Sie! seine Tochter, als Geliebte! Der Teufel weiß, was das. ist! Der andre war natürlich entrüstet, fiel über den Bauer her und schimpfte ihn aus. Der Bauer sagt ihm aber ganz vernünftig:„Euer Wohlgeboren l Was ist sie mir in dieser Zeit? Sie ist ganz überflüssig; ich Hab' aber drei Knaben, die werden einmal Arbeiter, die muß ich erhalten; gebt mir zehn Rubel für das Mädel, dann werd' ich mich und die Burschen in stand setzen." Was sagen Sie? Ich finde das einfach furchtbar." „Schön ist's nicht!" seufzte Jefim.„Es heißt. Hunger ist niemands Freund. Der Magen, sehen Sie, hat seine Gesetze." In Foma rief diese Erzählung ein ihm unverständliches. intensives, aufreizendes Interesse für das Schicksal des Mädchens hervor, und er fragte rasch den Beamten: „Nun. und hat dieser Herr sie gekauft?" „Natürlich nein!" rief der Beamte vorwurfsvoll ans. „Nun. Ivas ist denn aus ihr geworden?" „Es fanden sich gute Menschen, die sich ihrer an- nahmen." „So!" sagte Foma und erklärte Plötzlich hart und zornig:„Ich hätte diesen Bauern so durchgeblänt! Ich hätte ihm das ganze Gesicht zerquetscht!" und er zeigte dem Beamten seine große, geballte Fanst. „Wofür denn?" rief der Beamte unnatürlich laut aus und riß die Brille von der Nase.„Sie verstehen das Motiv nicht." � „Ich versteh' schon?" sagte Foma und nickte eigensinnig mit dein.Kopf. „Was hätte er denn thun können? Es fiel ihm so ein." „Kann man denn einen Menschen verkaufen?" „Ach I Ich gebe ja zu. daß es unmenschlich ist, das weiß ich." „Und noch dazu ein Mädchen! Ich. hätte ihm die zehn Rubel gezeigt!" Der Beamte ließ den Arn� hoffnungslos sinken und schwieg. Seine Geste machte Foma verlegen, er erhob sich, ging aus Geländer heran und blickte ans das Deck derBarke, das. mit der fröhlich arbeitenden Menschenmenge gefüllt war. Der Lärm berauschte ihn,, und das Uiibestimmte, das in seiner Seele gärte, nah»« die Form des mächtigen Wiinschc? an, selbst zn arbeiten, eine niärchcnhaftc Kraft und riesenhafte Schultern zn haben, auf die er ans einmal hundert Cäcke Roggcn ausladen könnte, um alle in Erstaunen zn setzen. „Rührt Euch— schneller!" rief er laut hinab. Ein paar Köpfe erhoben sich zu ihm. einige Gesichter strichen schnell vor über, und eins davon, das Gesicht einer Frau mit schivarzen Augen, lächelte im freundlich und verlockend zn. Von diesem Lächeln slanuntc in seiner Brust etlvas ans und ergoß sich in einer heißen Welle durch seine Adern. Er riß sich vom Ge- länder los und trat an den Tisch, wobei er fühlte,' daß seine Wangen glühten. „Hören Sie!" wandte sich der Beamte an ihn.„Tele- graphieren Sic Ihrem Vater, er möchte noch etwas Korn zum Ersatz der Leckage spenden! Sehen Sie, wieviel dabei verloren geht, und hier ist ja jedes Pfund teuer! Das muß man doch begreifen! Was Sie für einen Vater haben," schloß er mit einer scharfen Grimasse. „Wieviel soll ich spenden?" fragte Foma wegwerfend und mit Bravour.„Wünschen Sie hundert Pud? Oder zweihundert?" „Ich... danke Ihnen!" rief der Beamte verwirrt und freudig aus.„Wenn Sie das Recht haben." „Ich bin der Herr!" sagte Foma bestimmt.„Sie haben aber kein Recht, über den Vater so zn sprechen und Gesichter zu schneiden." „Verzeihen Sie! Und.... ich zweifle nicht an Ihrer Vollmacht.;. ich danke Ihnen und Ihrem Vater ans- richtig im Namen aller dieser Menschen, im Ramendes Volkes." Jefim blickte seinen jnngen Herrn ängstlich an und schnalzte init den vorgestreckten Lippen. während sein Herr die schnelle Rede des Beamten, der ihm fest die Hand druckte, mit stolzer Miene anhörte. „Zweihundert Pud! Das- ist russische Art, junger Mann! Ich werde den Bauern gleich die Mitteilung van Ihrem Geschenk machen. Sie werden sehen, wie dankbar, wie froh sie sein werden." Und er schrie laut hinunter: „Kinder! Der Herr schenkt zweihundert Pud.. „Dreihundert!" unterbrach ihn Fonm. „Dreihundert Pud... o I Dank! Dreihundert Pud Korn, Kinder!" Der Effekt war aber schwach. Die Bauern hoben die Köpfe, senkten sie wieder schweigend und gingen an die Arbeit. Einige Stimmen sagten unschlüssig und wie gegen ihren Willen: „Tanke... Gott vergelte es Dir... Wir danken unter- thänig.. Und jemand rief lustig und verächtlich aus: „Was ist denn das! Wenn man uns ein Gläschen Schnaps geben würde, das wäre eine rechte Gnade l Und das Getreide ist nicht für uns. es ist für das Sjemstwo..." „Ach I Sie verstehen nicht!" rief der Beanrte verlegen aus.„Ich werde hingehen und es ihnen erklären." Und er verschwand. Doch Foma interessierte das Ver- halten der Bauern seinem Geschenk gegenüber nicht, er sah, daß die schwarzen Augen der rotwangigen Frau ihn so seltsam anblickten, und das war ihm angenehm. Sie dankten ihni, liebkosten und riefen ihn, und er sah nichts außer ihnen. Diese Frau war ans städtische Art gekleidet. sie trug Schuhe und eine Kattunjacke, und ihr schwarzes Haar war mit einem seltsamen Tuch bedeckt. Groß und schlank, wie sie war, saß sie auf einem Holzhanfen, besserte Säcke aus, indem sie ihre bis zum Ellbogen entblößten Arme flink bewegte, und lächelte Foma immer zu. „Foma Jgnatjisch!" hörte er die vorwurfsvolle Stimme Icfims.„Das war gar zu viel Bravour.— ja, wenn es fünfzig Pud wären! Aber so l Gieb acht, daß wir beide nicht mit unsrem Buckel dafür zahlen müssen I" „Laß mich!" sagte Foma kurz. „Was macht's mir? Ich kann ja auch schweigen, weil Du aber jung bist, und man mir gesagt hat, ich soll aufpassen, werde ich für ungenügende Aufsicht schon was auszukosten haben." „Ich werd's dem Vater sagen, schweig nur!" sagte Foma. � „Nun, Gott mit Dir, Du bist hier ja der Herr." „Laß also gut sein." »Ich sag's ja Deinetwegen, Foma Jgnatjewisch. weil Du jung und unerfahren bist...." „Laß mich in Ruh', Jefim!" Jefim seufzte und schwieg. Und Foma blickte auf die Frau und dachte: „Wenn man mir so eine zum Kauf anbieten würde..." Als Foma jetzt die schwarzäugige Arbeiterin bewunderte, fühlte er deutlich einen brutalen Trieb zu ihr, und er schämte und fürchtete sich vor etwas. Jefim stand daneben und sagte zu ihm belehrend: „Jetzt schaust Du auf das Frauenzimmer... und ich kann nicht schweigen... Du kennst sie nicht, da sie Dir aber zublinzelt, kannst Du bei Deiner Jugend und bei Deinem Charakter so etwas anstellen, daß wir von hier zu Fuß längs des Ufers zurückkehren müssen... und es noch gut sein wird, wenn wir unsre Kleider am Leibe behalten..." „Was willst Du?" fragte Foma, ganz rot vor Ver» legcnheit. „Ich will nichts. Du mußt aber auf mich hören... Was die Weibergeschichten anbelangt, kann ich mit vollem Recht Dein Lehrer sein. Mit einem Frauenzimmer muß man sehr einfach umgehen— man giebt ihr eine Flasche Schnaps und etwas zu essen, dann zwei Maß Bier und zum Schluß zwanzig Kopeken bar. Für diesen Preis wird sie Dir ihre ganze Liebe geben." „Du lügst", sagte Foma leise. „Ich lüge? Wie kann ich denn lügen, wenn ich diese ganze Politik vielleicht an die hundertmal durchgeführt habe? Also, überlaß es mir, mit ihr zu verhandeln... ja? Ich werde Dich niit ihr gleich bekannt machen..." „Gut", sagte Foma und fühlte, daß er nur mit Mühe atmen konnte, und daß ihm etwas die Kehle zusammen- schnürte. „Nun, ich bringe sie also am Abend." Jefim lächelte Foma beifällig ins Gesicht und ging. Vis zum Abend ging Foma wie in einem Nebel Herinn. ohne die ehrerbietigen und sich einschmeichelnden Blicke der Bauern zu beachten, die der Beamte abgerichtet hatte. Es war ihni bange, er fühlte sich vor jemand schuldig und antwortete allen, die sich an ihn wandten, demütig und freund- lich, als entschuldigte er sich... Abends gingen die Arbeiter teils fort, teils versammelten sie sich beim großen, hellen Feuer am Ufer und gingen daran, sich ihr Abendbrot zu bereiten. Bruchstücke von ihren Gesprächen schwammen in der Stille des Abends hin. Der Wiederscheiu des Feuers fiel in roten und gelben Flecken auf das Wasser, sie zitterten auf dem ruhigen Wasser und auf den Fenster- scheiden des Schiffroofs, m dem Foma saß. Er hatte sich in eine Ecke des mit Wachstuch überzogenen Diwans verkrochen und wartete. Auf dem Tisch vor ihm standen ein paar Flaschen mit Schnaps und Bier, und Teller mit Brot und einem Jnibiß. Er hatte die Fenster verhängt und zündete kein Licht an; der schwache Schein des Scheiterhaufen, der durch die Vorhänge drang, legte sich auf den Tisch, die Flaschen, die Wand und zitterte, indem er bald Heller, bald schwächer wurde. Auf dem Dampfschiff und den Barken war es still, nur von dem Ufer drangen undeutliche Laute der Gespräche herüber, und der Fluß plätscherte kaum hörbar am Bord des Schiffes. Foma war es, als lauere jeniand neben ihni, horche und beobachte ihn heimlich. Jetzt geht jemand über den Steg zu den Barken... er geht eilig. mit schweren Schritten, die Bretter des Steges klatschen laut und zornig auf das Wasser... Foma hört das dumpfe Lachen des Kapitäns und seine gesenkte Stimme. Jefim steht an der Thür des Roofs und spricht leise, aber eindring- lich, als belehre er jemand... Foma wollte plötzlich aus- schreien: „Es ist nicht nötig I" Und er hatte sich schon vom Diwan erhoben, doch in diesen! Moment öffnete sich die Thür des Roofs. die Gestalt einer großen Frau erschien auf der Schwelle; sie schloß lautlos die Thür und sagte leise: „Gott, wie dunkel es ist.... ist hier jemand Leben- diger?" „Ja," antwortete Foma leise. „Dann guten Tag." Und die Frau rückte vorsichtig vorwärts. „Ich werde gleich... Licht anzünden..." versprach Foma niit versagender Stimme, ließ sich wieder auf den Divan sinken n»d verkroch sich in eine Ecke. „Das macht nichts; wenn man sich gewöhnt, dann sieht nian auch ini Dunkeln alles." „Setzen Sie sich." sagte Foma. „Wollen wir uns setzen..." Sie setzte sich zwei Schritte von ihm auf den Diwan, Foma sah das Glänzen ihrer Augen und das Lächeln auf ihren vollen Lippen. Ihm schien, daß sie anders als vorher lächelte— nicht lustig, sondern traurig. Dieses Lächeln flößte ihm Mut ein. er atmete leichter beim Anblick dieser Augen. die sich plötzlich senkten, als sie seinen Augen begegneten. Doch er wußte nicht, wo von er mit dieser Frau sprechen sollte, und etwa zwei Minuten schwiegen sie beide, es war ein schweres, unangenehmes Schweigen... Sie sprach zuerst: „Sie langweilen sich wohl allein?" „Ja— a." erwiderte Foma. „Gefällt Ihnen unsre Gegend?" sragte die Frau halblaut. „Es ist schön... es ist viel Wald hier.. lFonietzmig folgt.) (Nachdruck verboten.» Vackfifiche. von Wladimir K i r j a k o>v. „Na. wie steht'S denn mit Deinem Tagelnich, Olga?... Du ivokltest Dir doch eins anlegen, hattest ja schon ein dickeS Heft gc- kauft?" „Ach nein, ich habe mir die Sache doch anders überlegt, Nadja..." „Und warum?... Es wäre doch sehr interessant gewesen..." „Ja, aber es sprechen auch so manche Gründe dagegen... Erstens mal: wann soll ich schreiben?... Am Tage werden mich die Brüder stören... Und spät abends bin ich immer so schrecklich schläfrig... Dann: ivohi» mit dem Tagebuch?... Mein Schreib- tisch hat keinen Schlüssel... Njnta Limonina hatte auch ein Tage- buch geführt, tu das sie all' ihre®{bmilen r»id Gefühle hinein» schrieb'... Unter auderin schimpfte sie auch mal gaitz schrecklich auf ihre Eltern... Na und eines schönen Tages fand ihre Mutter das Tagebuch und nahm es ihr Iveg... Es gab eine schreckliche Scene... ihre Mama in Thränen und solche Sachen... Ich zerreiße mein Tagebuch lieber zu Papilloten, dann brauch ich Papa nicht immer inn Kauzleipapier zu bitten... Er wird jedesmal so böse, lvenn ich danach komme.. /' .Denk' Dir bloß mal, Mauja, was mir gestern abends bei Snssnossows passiert ist!* „Na, was denn, Marja? Ist Dir beim Abendbrot wieder eine Gräte im Halse stecken geblieben,>vie voriges Mal?" „Nein, viel schlimmer!... Dimitri Wassiljewitsch hat mir eine Liebeserklärung gemacht I" „Wie kam denn das?" „Das iveitz ich eigentlich selbst nicht mehr!... Nach der Mazurka gingen wir ins Kabinett, um auszuruhen... Außer uns war keiue Menschenseele im Zimmer... Und plötzlich begann er mir eine Liebeserklärung zu machen...* „Na und was thatest Du?" „Ich fing natürlich an zu weinen!... Denk' doch bloß: DaS passicric mir ja zum erstenmal in meinem Leben!"... „Na nud was that er?" „Er erschrak heftig und entschuldigte sich, er habe nur gc- spaß:..." „Wie blaß Du bist. Sinai.. „Ach. Jeimh, ich bin verliebt I.. „Um Gottes willen!... In wen denn?" „In Victor Pawlowilich..." „Und wer ist dieser Victor Pawlowitsch?" „Der Held des letzten Romans, welchen ich gelesen habe.... Gott, ivas sür ein Mensch das ist!... Ich kann überhaupt keiue Nacht mehr schlafen.... Immerfort muß ich au ihn denken..." „Wie kann mau bloß so dumm sein, Siua I... Sich in den Helden eines Buches zu verlieben!..." „Was ist dabei?... Dieser Victor Pawlowitsch ist doch sicher nach irgend einem lebenden Menschen geschildert... Na und vielleicht begegne ich dem einmal im Leben.. „Nicht ausstehen kann ich diese Diners!...* „Warum denn nicht, Lina?" „Weil ich immer hungrig von Tisch nnsstchc!...'Sobald ein Gericht aufgetragen wird, zupft mich Mama, welche natürlich stets neveu mir sitzt, ganz heimlich am Acrmcl. ich soll nicht zu viel essen... Schrecklich, wie ärgerlich daS ist I... Ich muß mich dann später am Kuchen schadlos halten..." „Ich habe gestern den ganzen Tag schrecklich viel gelacht.. „Worüber denn?" „llcber nichts... Nur so... einfach so... Gestern schien die Sonne so schön... Und wenn die Sonne scheint, muß ich vor Freude immer lachen... Dafür möchte ich bei Mondschein- Abenden, besonders auf dem Laude, am liebsten immerfort weinen..." „Ach, wenn ich mich doch bald verloben könnte!...* „Mit wem?" «Ganz gleich mit wem... Nur Braut sein.. „Merkwürdiger Wunsch!" „Durchaus nicht... Ich esse schrecklich gerne Konfekt nud Bräutigams müssen ihren Bräuten jeden Tag Konfekt mitbringen... Daun werde ich mich aber mal ordentlich daran satt essen!... lind waS ich nicht aufesse, verwahre ich mir bis nach der Hochzeit... Ich tveiß, die Männer sind sehr veränderlich: nach der Hochzeit bringen sie ihren Frauen niemals mehr Konfekt mit..." „Aber Sonja, so jung und schon so blasiert!'" „Das steht alles in den Roinauen drin... Wir sind in der Leih- bibliothek abonniert!...* „Aber warum nimmst Du nicht die Medizin ein, welche Dir der Doktor verschrieben hat?" „Weil sie doch nichts hilft... Wozu soll ich denn das garstige Zeug schlucken?" „Und warum bist Du so fest überzeugt, daß die Medizin nichts helfen wird?" „Weil der Doktor meine Krankheit nicht verstanden hat und auch nicht verstehen konnte." „Wie kommst Du darauf?" „Weil ich seine Fragen nicht richtig beantwortet habe..." „lind warum nicht?" „Weil ich mich schämte.... Er that so... so unmistäudige Fragen, daß ich ihm um alleS in der Welt nicht die Wahrheit hätte jagen könucn..." „Ja. aber warum bist Du denn überhaupt zum Doktor ge- gangen?" „lim Mama nicht zu betrüben..." „Es ist Ihnen wohl sehr unangenehm. Wladimir Jwanowitsch, baß Sie mich nach Hanse begleiten müssen?..." »Aber ich bitte Sie. gnädiges Fräulein..." „Ach bitte, keiue Höflichkeitsphrasen... Mir ist es ja selbst schrecklich unangenehm. Sie bemühen zu müssen... Aber was ist da zu machen?...'S ist doch mal so gang und gäbe, daß eine Dame unter allen Umständen nachts»ach Hanse gebracht werden muß... Aber damit Sie dieser lästigen Verpflichtung schneller ledig sind, schlage ich vor, wir nehmen eine Droschke..." „Mit Vergnügen!" „Jedoch nur unter der Bedingung, daß wir die Droschke zu gleichen Teilen bezahlen... Ich wünsche weder, Ihnen verpflichtet zu sein... noch Sie meinetwegen in Unkosten zu stürzen... Hier sind fünfzehn Lkopeken... Aber nehmen Sie bitte eine geichlosseue Droschke... und noch eine Bedingung: in der Droschke dürfen Sie mich nicht um die Taille fassen!..." Kleines Feuilleton. K. Wie Franz Schubert komponierte. Die Art, wie Schubert seine Lieder entwarf, schildert ein Abschnitt in der neuesten Biographie, die Richard Hellberger soeben hat erscheinen lassen.(Franz Schubert. Berlin..Harmonie".> Schon im Jahre 1813, als der Komponist sechzehn Jahre alt war, stand sein Arbeitssystem, das auf schritt- weises Ausmerzen aller Uuvollkommenheiten gerichtet war, fest. Nach dem ersten Entwürfe. den er fast immer ganz und in allen Einzel- heiten zu Ende führte, pflegte er dasselbe Stück, und zwar meistens gleich wieder vorzunehmen und olle etwaigen Mängel der ersten Fassung zu beseitigen. Manchmal genügte ihm auch diese Form noch nicht, und er schrieb dasselbe Stück ein drittes, ein viertes Mal. Zwei seiner berühmtesten Lieder.„Der Erlkönig" und die„Forelle", existieren in vier von einander abweichenden, immer vollendeteren Lesarten. Schubert schrieb die Melodie und die für die harmonische und thematische Gestaltung der Begleitung wichtigste» Stellen mit größter Schnelligkeit i» ei» paar Minuten hin, und schritt sodann gleich an die Ausarbeitung, so daß das Ganze in einem Zuge augefangen nud vollendet wurde. An seinen Skizzen ist zusehen, daß er im Momente des Schaffens und Schreibens— dies war eins bei ihm— sogleich verschiedene Versionen überdachte, verglich, beurteilte und die beste derselben schließlich beibehielt. Diese Gleichzeitigkeit von Inspiration und Schreibarbeit war bei Schubert iveseutlich. Man besitzt keine Nachlicht darüber, daß Schubert je— gleich Beethoven— sich im Freien. auf Spaziergängen Notizen gemacht hätte; auch hat er wahrscheinlich nie ein Skizzenbnch gehabt. Selbst sür seine größten Werke scheint er keiue Plaue von langer Hand vor- bereitet zu haben. Aus dieser Art des Schaffens ist die Sorgfalt, Gleichmäßigkeit nud Genauigkeit von Schuberts flüssiger, von jeder Pedanterie freien Schrift erklärlich. Unter den zahllosen vor- handeneu, zusammen nach tausenden von Seilen zählenden Auto- graphen voll Schubert sucht man fast ganz vergebens nach eiller zweifelhaften Note oder nach einem Schreibfehler. Von der Produktivität Schuberts kann man sich einen Begriff machen, lvcuu man ans den den Liedern beigefügten Kompositiöns- baten erfährt, daß der Meister z. B. am 1ö. Oktober 1815 acht Lieder, vier Tage später, am 19. Oktober, deren sieben schrieb. Bei dieser massenhaften Produktion ist dennoch keiue Spur von Flüchtigkeit oder gar Oberflächlichkeit zu bcinerke»; Schubert ist iiinuer mit ganzer Seele, mit glühendem Eifer am Werke. Das einzige, was hie und da auf die Gleichzeitigkeit der Entstehmig hin» weist, sind ähnliche Tonfälle in der Melodie, ähnliche Rhythmen in der Overstimmc, ähnliche Vegleitnugsfonncli und die Gleichheit der Tonart. Nach einem Worte Schumanns hätte Schubert, dieser „fleißigste Künstler", dieser„Musikmensch der uenestcn Zeit vor allein", „nach und nach wohl die ganze deutsche Litteraiur in Musik ge- setzt". Man meinte eine Zeitlaug, er habe ziemlich wahllos zu- gegriffen nud, von seinem Genie gedrängt, die Verse genommen, wo ulid wie sie sich ihm darboten. Das ist durchaus nicht richtig. Schubert suchte sich seine Gedichte mit feinstem Geschmack aus. ließ aus ästbelischen Gründen hier und dort Strophen lveg, milderte oder verstärkte einzelne Ausdrücke und brachte, Ivo er in Versen oder Reimen geändert hatte, mit geschickter Hand wieder die sprachliche Form ins Reine. Im ganzen hat er Gedichte von 85 Dichter» komponiert, und die Zahl der Lieder, die auf jeden der- selben entfallen, zeigen deutlich genug, ein wie tiefes Verständnis er sür den Wert lilterarijchcr Produkte besaß. Goethe ist mit 72. Schiller mit 46,- Wilh. Müller mit 44, Matthisson mit 28, Hölty mit 23. Kosegarten mit 22, Körner mit 13. Klaudins mit 12, Ossian mit 9. H. Heine— der eben erst ans dem Plan erschien— mit 6 Gedichten vertreten. Von den ihm persönlich nahestehenden Dichter» hat Schubert nur Meycrhofer bevorzugt.— — Die Mumie» im Bremer Bleikcller. Zu der durch die Blätter gegangenen und auch von uns gebrachten Notiz«Im Bremer Bleikeller" wird der„Franks. Ztg." geschrieben: Die in dem sogenannten Bremer Bleikeller aufbewahrten mumificierten Leichen verdanken ihre Konservierung nicht einer besonderen Eigen- tümlichkeit dieses Kellers, sondern die Leichen sind k ü u st l i ch konserviert, einbalsamiert. Die in dieser tvie in andern ähn- lichen Krypten(z. B. iti Bonn) beigesetzten Leichen wurden von Kapuziner-Mönchen nach einer noch jetzt bekannten Methode ein- balsamiert, welche wohl ursprünglich von den Aegypter» stammt und später durch arabische Aerzte auf die Kapuziner-Mönche überkommen St. Letzteren Iiec,t, wie man weiß, in de» katholischen Ländern die ehnndliing der Leichen ob nnd in Crypta dei Capprieiai in Palermo, woselbst viele Tansende menschlicher Leichen in vor- znglich konserviertem Znstande anfireitellt sind nnd ivosclbst noch bis zum Jahre 1881 diese Vlit der Einbalsamiernng der Verstorbene» allgemein üblich war, kann man ebenso alte nnd in gleicher Weise >vic im Bremer Bleikeller konservierte Leichen sehen. Die ncnerdings in dem Bremer Ltcller aufgehängten kleinere» Ticrkörper< Hühner, Katzeii, Hasen) kann man in gleicher Weise in jedem trockenen, lnftige» Räume lnfttrocknen»iid mnmificieren lasse», llcbrigens fanle» zersetzbare, nicht sterile Stoffe, z. B. Blut, Fruchtsäfte usw. in, Bremer Bleikeller ebenso wie an andren Platze».— Hygienisches. — Das Waschen im KindeSalter. Von gröbter Wich- tigkeit sind beim kleinen Kiiide die täglichen Waschungen resp. Bäder; dadurch wird nicht»nr die Reinigung des zarten Leibes erreicht, sondern auch die Hantthätigkcit wird dadurch angeregt und für die Offen- Haltung der Schiveiffdrüsen gesorgt, so daß denselben alsdmm ermöglicht ist, die Ansdünstimg der der Gesundheit schädlichen Stoffe aus dein Körper zu bewirken. Ferner ivird infolgedessen eine regere »nid gleichinätzigere Blnt- nnd Lyinphcirknlation erzielfs wodurch eine bessere Ernährung der jtnochen, Mknskcln, Sehnen nnd Nerven stattfindet. Es ist stets eine genaue Messung der Temperatur des Wassers, ivelchcs zum lvarmen Waschen der Kinder benutzt wird, »nit dem Thermometer vorzunehmen, ivclcbes nur durch ein längeres Hineinhalte», aber nicht durch schnelles Hineintanchen des Thermo- »neters geschehe» kann. Die Gcivohnhcit. welche manche Mütter haben. durch Hiiiemhalte» des Ellbogens ins Wasser die Wanne desselben messen zn ivollen, ist sehr trügerisch, tveil einem ivannen Arm das Wasser kälter vorkommt, hingegen einem kalten Arm dasselbe Wasser iväriner vorkommt, wie es wirklich ist. Durch die Anivendung deS warme» Wassers»verde» die Talgpartikelchen, ivclche in der Haut liegen nnd die Hantporcn ver- stopfen, anfgclöst; die Haargcfäffe, diese kleinsten nnd fciusten Acderchen, welche unter der ganzen Hantobcrflache liegen, tvcrden alsdann»nit Blnt gefüllt nnd durcki die geöffneten Hautporen hat die Luft dadurch alsdann einen sehr begncnien Weg.»im in die Hantschicht einzudringen; jehoch findet bei täglicher Au- tvtiidrmg von lvarmen» Wasser zn Waschungen oder Bädern eine Erschlaffung der Haut statt, so datz die Schlicffmig der Poren nicht»nchr in der Weise stattfindet, ivie r? seil»»ins:: eben- falls ivird dadurch die Beriveichlichnng der Haut hervor- gerufen und die Erkältungsgefahr vergrößert, lim dem aber vorzubeugen, soll nach jeder Anwendung von ivarmem Wasser eine kurze Sblvaschnng von kalten» Wasser folgen. ES findet durch das kalte Wasser die Schlicffmig der Hantporcn, sowie das Herausdränge»» des Blutes ans den Haargefäßen statt, jedoch kehrt dasselbe sofort i» größerer Menge dahin zurück, dehnt nnd»vcitet die kleinen Aedcrchci» ans, so daß alsdann die Hantschicht strotzend voll Blut»vird und in der schönsten, rosigen Farbe erscheint,»vas sich durch ein ganz be- deutend höheres Wärnicgefühl kund gicbt. Ilm also einer Berweichlichnng und Erschlaffung der Haut und der Haargefäße, ivclche letztere dann nicht mehr in» stände find, die Blutkörperchen, Ivelchc zur Erlvärnrnng der Hantobcrflächc nötig sind, anfziinehiiren, was sich durch die blasse Farbe der Haut be- merkbar»nacht, vorzubeugen, sollte» iva»i»ie Waschungen oder Bäder zur Rcinignng des Körpers nur ein- bis ztvcimnl benutzt»verde»/ deiie» alsdann, wie schon bemerkt, leichte kalte Abivnschnngen folgen »nüssen. Zu tägliche» Waschiingen»lüffen stets kältere Wasfer- tenipcratnren benutzt»ver'dcii. Es»st von der größten Wichtig- keit, daß die Ainvendnug der kälteren Abivaschnugcn schon bald nach der Geburt geschieht; jedoch ist cS streng z» beachten, daß keine Kaltwasserkur stattfinden soll, sondern inir alluiälig mit der Be- Nutzung des kälteren Wassers vorzugehen ist. Hauptsächlich handelt es sich dar»»»», daß die Körperkonstitution des Kindes beachtet»verde» »miß, denn jedes allznschncll oder allzuviel bringt Schaden; lieber ein bißchen vorsichtig ist der richtigste Grmidsay.»vas nur dadurch zu erreichen ist. daß alle 6 bis 8 Tage die Wärine des Wassers>»>» ein Grad reduziert ivird. bis zu dem niedrigsten Standpunkt der Wasser>vär»>ie von ungefähr IV Grad.— („Kleines Journal für Hygiene.") Aus den» Tierreiche. ss. Das k I e i n st e W i r b e l t i e r d e r E r d e. Jede Tier- klaffe iiininit in nnsrer Vorstellung einen Begriff ein, der an geivissc Eigeuschaften gcbnudcn ist. Zu diesen Eigenschaften gehört selbst- verständlich auch die Körpergröße. Wir»visscn sehr»vohl, daß cS Kroße, sogar riesenhafte Fische gicbt nnd daneben auch kleine, und denken dabei vielleicht einerseits an Haie, Rochen nnd Delphine, andrerseits an Maränen. Stinte nnd Stichlinge. Wenn inai» aber jemandem ein Tierlei» von l Centinietcr Länge in dicHand gebe» und ihn» sagcnwürdt, das wäre ein ausgewachsener Fisch, so würde diescrJemaird doch»vohl eine erstaunte Miene dazu machen, lind doch giebt es solche Fische, und sie sind nicht einmal erst seit gester» oder ehegtslcrn bekannt. Die sehr sorgfältige Ilniersnchnng der im Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika lebenden Fische bat sogar»nehrere Arten solcher Wesen teiinen gelehrt. Eine davon lebt in» südöstlichen Landesteil von Süd- Earolina bis Florida und erreicht eine mittlere Länge von 25 Millimeter in den Weibchen, und 18—19 Millimeter in den Männchen. Ein andrer nur in Florida vorkommender Fisch der Gattung Lucania Ivird tfahrfcheinkich in keinen» Fall länger als 1 Zoll; allerdings sind von ihn» bisher überhaupt nur tveinge Exemplare gefunden worden, die zwischen 2V und 22 Millimeter maßen, wobei die Schtvanzflosse»och nicht einmal ctngerechiict ivar. Das Männchen einer andren Ztvergart ans der Familie der Zahnkarpfen. Gambusia affinis, erreicht zn- weilen eine Länge von' tii'/s Millimeter, obgleich die Weibchen bis zu 50 Millimeter groß sind. Auch ans der Barschfaniilic giebt es i» Amerika eine»» winzigen Fisch. Der kleinste bisher bekannte Fisch»var der a» den Jufelgestade» in» Mexikaniftben Meerbusen ge- sangene Lanzeltfisch von cliva 19 Millinictcr Länge. Riniinehr teilt die staatliche Fischerei- Koinniisfion der Zeiffchrift „Science" niit, daß sie aus den Philippinen die Nach- richt von der Entdeckung einer Fischart erhallen habe. die ganz sicher nicht iinr den kleinsten Fisch. sondern überhaupt das kleinste Wirbeltier der Erde darstellt. Die Größe ihrer Vertreter erreicht im Höchstfälle mir das Mindestniaß der eben gc- nannten Arten, bleibt aber ineist beträchtlich darunter. Die Fische wurden gefunden in dein Bnhi-See im südlichen Teil der Insel Manila. Nach seiner kvrperlichrn Beschaffenheit gehört dieses Zivcrg- ivescn zn der über die ganze Welt verbreiteten Fischfamilie der Grnndeln. besitzt aber soviclc besondere Eigenschaften, daß es zn einer iieucii Gatt»n»p�xrhobe» werden»»iß. Für deren Beiieinnmg ist der Ausdruck Mistichlhhs voxgeschlagci» worden, der als griechische Bezeichnung für den Begriff„kleinster Fisch" gebildet ist. Das Fischlein ist lebend fast ganz durchsichtig und trägt nur wenige schtvarze Zeichnungen mit bei» Körper. Wahrscheinlich bringt es seine Junge» lebend zur Welt, wie es auch bei andren Zivcrgfischci» der Fall ist. Die Weibchen sind»vicderinn etwas größer als die Männchen»nd incssc» 12—15 Millimeter, die Männchen sind nur 10—13 Millimeter groß. Es ist»vunderbar genug, daß dieses »vinzige Geschöpf trotzdem ein Nahrniigsinittel von beträchtlicher Bcdcnlniig darstellt, das von den Eingeborenen jenes Insel- landcs sehr geichätzt tvit-d. Reis nnd Fische bilden über- Haupt die ivefcntlichste Nahrung der»leisten Filippinos. die iir »innchen Provinzen sogar nnsichlicßlich davon leben. Jene Zivcrg- fische»verde»»nit großen dichtgeivcbte» Tücher» gefangen»nid m dichtgcflochtenc Körbe gethan. ans denen das Wasser bald abläuft. worauf eine- dicke Masse von Fischen zurückbleibt, die dann ans Banuiblätlcr» in der Sonne getrocknet»verde»». Diese Speise ist von den Eingeborenen so begehrt, daß die landenden Fische bereits von einer großen Menge von Leuten einpfaugcn»Verden, die etivaS von den» Fang für ein paar Kupferuiüiizen oder für etwas Reis cintanschen ivollen. Gekocht»verde» die Fische mit Pfeffer und andren Gcivürzen und sollen nicht schlecht schmecken.— HumoriftiildeS. — I n» Z»v c> f e l. S ch r i f t st e l l e r:„Drei Witze Hab' ich mir ausgedacht-- jetzt iveiß ich nicht, soll ich ein Lastspiel drans »nachcii oder ein Witzblatt gründen?"— .— G e m ü t s in e n s ch. A.:„Was schleppen Sie denn da? Z>v e i Melone»?■"■■■ B'„Ja.»iiciiic Schiviegermntter sagte: Für Melonen läßt sie ihr halbes Leben, na und dw habe ich gleich z>v e i gc- kauft."— — Ein klassischer M» s i k f r c n n d.„Kennen Sie die Meistersinge». von Nürnberg?" „Die Stettiner und die Leipziger kenn' ich von früher— aber jetzt bin ich seit langen Jahre» in kein Barist« gekommen."— t.Llist. Bl.") 1• Notizen. —„ S o i r«". ein Einakter von Richard Wilde, ivird ü» der ersten Hälfte des Februar in» Alexandcrplatz-Brettl aufgeführt»verde».— — Hermann B a h r S Komödie„Der Herr Hof rat" („Der Eranipns") fand bei seiner Aufführung in» Deutschen S ch a» s p i e l h a u s e zu Hamburg eine geteilte Aufnahnie.— — Johann Strauß' Operette„Wiener Blnt" gelangt am Freitag zun» ersten Mal im Theater des W c st e n s ziir Aufführung.— — Die Große Berliner K u n st a n s st e kl»in g 1 902 »vird am 3. Mai eröffnet werden nnd bis zum 28. September danern. Die Einsendung der Werke niuß zwischen dem lö. März nnd 3. April erfolge».— — Eine Nckropolis mit iiitcressantcn Grabreliefs ans der griechischen Epoche»vnrde in der Nähe von T a o r in i n a(Sizilien) entdeckt, r- t. E i n riesiges Nebelhorn ist soeben im St. Lorenz Golf errichtet ivordeu. ES besitzt 12 Fuß Länge nnd an der Mündung einen Diirchnicsser von 4 Fuß. Der Ton ivird durch Preßluft hervor- gebracht. nnd ztvar in zivei verschiedenen Arten, als ein schriller Schrei und als ein tiefes, dumpfes Hcnle», die in bestimmten Zeit- abständen einander folgen. Der ganze Betrieb vollzieht sich automatisch durch ein Uhrwerk. Bei günstiger Witterung kann das Horn ans eine Entfernung von 12 bis 15 englischen Meilen gehört »verde».— Berantworllicher Redacteur: Earl Leid in Berlin. Druck und Berlaz von Max Bading»i Berlin.