Ur. 236. Abomlrments-Krdingungen: Äbonncments- Preis pränumerando: vierteljährl. 3,30 Ml., monall, l.ioMl., wöchentlich 28 Pfg. srei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonnlagZ- Nummer mir illufiricrler EonnlagZ- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofi- «bonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- ZellungZ- Preisliste für 18B9 unter Dr. 7820. Unter streuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn i Marl, für da» übrige BuSland 3 Marl pro Monat, Erscheint täglich«ufter Montag». Devliner Volksblatt. 16. Jahrg. Die Knftrtwns-Stbüls? bitragt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerlschaftltche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Aiiseigen" jede! Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inf erate für die nächste Nummer muffen bis t Uhr nachmittags in derExpeditton abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher!»mt l, Dr. 1C08. Telegramm> Adresse: „Sorlaldrmokrat Berlin" Centrawrgan der socialdemokratifthen Vartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Strasze 2. Sonntag, den 8. Oktober 1899. Expedition: SW. 19, Ventlz-Skrafze 3. Auf Hannover sind jetzt die Augen des klassenbewußten Proletariats nicht bloß Deutschlands, nein, aller Kulturländer der Welt gerichtet. Und auch die Augen unserer Feinde richten sich auf die Stadt, wo Montag, nach einer Vorfeier am Sonntag, die deutsche Socialdemokratie ihr Parlament abhält: die deutsche Socialdemokratie, das heißt weitaus die zahlreichste. bestorganisierte, zielklarste und in sich festest geschlossene Partei Deutschlands, welche nach Caprivis bekanntem Wort schon seit Jahren die Achse bildet, um welche die innere Politik der deutschen Reichsregicrung sich dreht. Es ist unser zehnter Parteikongreß seit dem Fall des Socialistengesetzes. und wie jeder unserer früheren Parteikongresse wird auch dieser eine weitere Etappe auf dem Weg zum Sieg sein. Das hoffen wir nicht — das wissen wir. denn das beständige Fortschreiten liegt im Wesen unserer Partei� ist begründet in den organischen Gesetzen der polisisch-socialen Entwicklung. Immer vorwärts, niemals rückwärtsl— dieser alte Wahl- spruch des tapferen S e u m e ist auch der Wahlspruch der Socialdemokratie. Vor sechsunddreißig Jahren wurde der All gemeine Deutsche Arbeiterverein begründet. Welch' kleiner Anfang und welch' mächtige Entfaltung l Vom Jahr seiner Gründung an hat der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein jedes Jahr eine General- Versammlung gehabt. Und der internationale Zweig der deutschen Arbeiterbewegung, der sich nach dem Nürnberger Kongreß von 1868, auf dem Eisenacher Kongreß des Jahres 1869 zu einer festen Organisation zusammenthat, hielt seinerseits bis zum Jahre 1874 alljährlich einen Parteitag. Im Jahre 1875 fand der Einigungskongreß von Gotha statt, auf dem die beiden Ströme der deutschen Arbeiterbewegung zu einem Stromesich vereinigten. Seit dem Einigungskongreß sind jetzt24Jahre vergangen, so daß die deutsche Socialdemokratie im nächsten Jahre und auf dem nächsten Parteitage das 25 jährige Jubiläum ihres gemeinsamen Seins, Wirkens und Kämpfens feiern wird. Dem Einigungskongreß folgte alljährlich ein Parteitag der geeinten Partei, bis das Socialistengesetz uns ächtete und Parteitage in Deutschland unmöglich machte. I» den 12 Jahren des Socialistengesetzes hielten wir drei Kongresse im A u s l a n d ab: den ersten in W Y d e n, auf dem wir dem Socialistengesetz und seinen Machern den Krieg erklärten und den Kampf unter den uns aufgezwungenen neuen Kampf- Be- dingnngen organisierten: den zweiten in Kopenhagen, den dritten in St. Gallen. Die Wahlen des Jahres 1896 offenbarten aller Welt, daß wir unter der Herrschaft des Socialistengesetzes die stärkste Partei Deutschlands geworden waren. Das Socialistengesetz war moralisch vernichtet: der zwölfjährige, opfervolle Kampf hatte mit unserem vollständigen Siege geendet— das Socialistengesetz mußteffallen, und niit ihm Fürst Bismarck. Wir konnten nun wieder regelniäßig alle Jahre unseren Parteitag in Deutschland abhalten. In ihren Kongressen hat die deutsche Socialdemokratie ihre Geschichte— das Maß ihres Wachstums, die Stationen ihres Fortschritts. Ein wunderbares Wachstum. Es ist die biblische Fabel vom Senfkorn. Und der Fortschritt— das Rollen der stürzenden und im Sturz wachsenden Lawine. Ein Wachsen und Anschwellen, das in der Geschichte nur ein Seiten- stück hat: daS Wachsen und Anschwellen des jungen Christentums, das jeder Verfolgung und Unter drückung spottete, aus jeder Verfolgung und Unterdrückung neue Kraft sog und jede Orgie der Gewalthaber in einen Triumph für sich verwandelte. Genau wie heute die Socialdemokratie. Ein zweites Seitenstück kennt die Geschichte nicht. Wir haben in den Kulturländern manche Bewegung gehabt, welche die Massen ergriff und fortriß, allein es fehlte das planmäßige Vorgehen, das stetige Fortschreiten— und kurzem Aufschwung folgte stets der Stillstand, der Rückgang und endlich der Zusammenbruch. In einigem ähnlich unserer Bewegung ist die der Chartisten in England, die auch dem Inhalte nach manches Verwandte hat. Sie nahm in kurzer Zeit einen riesigen Umfang an, erfaßte die Massen des Volks: Millionen, wogte dann wieder ab, wogte wieder auf, einer Springflut gleich und— verlief sich. Im ganzen hat die Chactistische Be- wegung ein Dutzend Jahre gedauert— so lange wie das Socialistengesetz, das nur eine Episode bildet in oer Ge- schichte der deutscheu Socialdemokratie. Im Jahr 1836 tourde» die fünf Punkte der„Charter"(Volks-Charte) aufgestellt, und 1843 war die Macht des Chartismus gebrochen, so daß drei Jahre späte, bereits einer der Führer von den„är), Bones", den„verdorrten Knochen" des Chartismus, sprach. Die Dauer der s o c i a l i st i s ch e n Bewegung in Deutsch- land ist heute schon eine dreimal so lange: und es ist keine auf- und abwogende Bewegung— es ist ein fort- währendes Steigen und Wachsen, und heute das Steigen und Wachsen so schnell, so elementar und gesund, wie nur jemals zuvor in der günstigsten Zeit. Von Parteitag zu Parteitag die Partei größer und stärker, von Wahl zu Wahl das Heer der Anhänger um Zehntausende, um Hundert- tausende vermehrt— mit einziger Ausnahme der ersten Wühl unter dem Socialistengesetze, als die Partei sich noch nicht auf den Kampf gegen die Proskriptions-Politik eingerichtet hatte und ein beispielloser Terrorismus, namentlich in den kleineren Städten und auf dem Lande, jeden, der seine Freiheit und Existenz nicht aufs Spiel setzen wollte, von der Wahlurne fernhielt. Die gewaltsam zurückgedrängte Kraft war aber nicht vec loren— sie wirkte und webte fort im stillen und brach bei der darauffolgenden Wahl hervor in die Oeffentlichkeit. Dieses stetige Wachsen und Fortschreiten scchsunddreißig Jahre hindurch— dreimal so lang wie die chartistische Be wegung in England— ist an sich allein schon für jeden vcr nünftigen Menschen ein Beweis der N a t u r n o t w e n d i g � k e i t unserer Bewegung. Und jeder vernünftige Mensch, der da beobachtet, wie die nämliche Bewegung sich, wenn auch nicht überall mit gleicher Schnelligkeit und in den gleichen Formen vollzieht wie in Deutschland, muß zu der Erkenntnis kommen, daß es sich hier um eine allgemeine, nicht auf .ein einzelnes Land beschränkte, also um eine int er- nationale 5kulturbewegung handelt. Allein unsere sogenannten Staatsmänner haben dies nicht begriffen— ähnlich den Herrschern des alten römischen Welt reichs dem Christentum gegenüber, vermeinen sie eine Be wegung vor sich zu haben, die das willkürliche, ja ver> brecherische Werk einzelner Menschen ist und mit mechanischen, brutalen Geivaltmitteln erstickt werden kann. Das Schicksal des alten Römerreichs und seiner Herrscher hat unsere Staatsmänner nicht belehrt. Das jämmerliche Fiasko aller ihrer bisherigen Versuche, die Socialdemo kratie auszurotten, hat sie nicht belehrt. Das Socialisten gesetz mit feiner Schande und Korruption hat sie un> berührt gelassen. Sie sind blind für die Zeichen der Zeit; sie haben keine Augen für das flammende Äsuo Delcel: sie bemerken nicht die Vergiftung unseres politischen Lebens durch eine blöde Klassen- und Cliquen-Politik, welche die besten Kräfte der Nation beiseite werfen oder ge�qjjj-im ertöten will und in niorschcn Ruiüen die einzigen Stützen des Staats sieht. Nicht das warnende Schauspiel des Prozesses, der gegen wärtig die Sippe dieser Kaste auf der Anklagebank in ihrer wahren Gestalt zeigt— nicht das jäninierliche Bild der Zerfahrenheit, das augenblicklich unsere innere Politik dar- bietet,— nicht die Bankrotterklärung der reaktionären S a m m e l p o l i t i k e r, die herzerbarmend wehklagen, daß das Volk sich g e g e n sie, die Sammler sammelt— nichts, keine Lehre, keine Warnung ist stark genug, unseren Gewalthabern das Verderbliche der von ihnen befolgten Politik zur Erkenntnis zu bringen. Und so wird der Kampf gegen unsere Partei fortgesetzt. Was das Socialistengesetz nicht vermochte, soll jetzt durch das Zucht Hausgesetz, das heißt durch Vernichtung des K o a l i t i o n s r e ch t s, erreicht werden. Das Jähr, welches hinter uns liegt, stand im Zeichen des Z u ch t h a u s g e s e tz e s; der vorige Parteitag organi- sierte den Widerstand gegen den Zuchthauskurs, der Partei- tag in Hannover wird Sorge tragen— denn die Gefahr ist noch nicht vorüber—, daß der Widerstand nicht erlahmt, daß das deutsche Proletariat nicht eher ruht und rastet, bis das Zuchthausgesetz und die Politik des Zuchthausgesetzes für immer überwunden ist. Itichts einigt die Menschen mehr als gemeinsames Leiden, es zwingt zum gemeinsamen Kämpfen. Und hier trübt kein Schatten die Einigkeit der Partei, die sich auch auf dem jetzt bevorstehenden Parteitage bewähren wird. An Arbeit wird es dem Parteitag freilich nicht fehlen. Wenn wir unseren Parteitag oben unser Parlament nannten, so war das keine prahlerische Redefigur. Wir vertreten ein volles Viertel der Gesamtbevölkerung von Deutschland, die sich auf über 52 Millionen be- lauft: folglich gut 13 Millionen. Und da durch den Wirtschaft- lichen und politischen Druck Hunderttausende, die zu uns gehören, oder hinneigen, verhindert sind, uns ihre Stimmen zu geben, so können wir mit Fug und Recht die Zahl noch viel höher veranschlagen. Eine solche große Partei zu verwalten ist keine Kleinigkeit, und oberste Verwaltungsbehörde, wie oberste Gesetzgebungs- und Vvllziehungsbehördc für die Partei ist der Parteitag, auf �em die Partei durch ihre Delegierten souverän die Partei- geschäfte ordnet und leitet. Außer mit den Geschäften der Partei wird er diesmal sich mit sdem Programm und der Taktik der Partei zu befassen haben. In Stuttgart wurde die Frage aufgeworfen» ob unser Programm und unsere Taktik noch zeitgemäß sei. Der Parteitag, treu dem Grundsatz, daß eine auf dem Boden der Wissenschaft stehende Partei das absolute Recht der Kritik anerkennen und üben muß, beschloß, daß die gegen Progranim und Taktik erhobenen Ziveifel in einer eingehenden Schrift dargelegt und begründet werden sollten. Das ist geschehen.'B e r n st e i n hat seine Schrift ge- schrieben. Sie erschien'Anfang März dieses Jahres. Mit der Ruhe, welche dem Bewußtsein des Rechts und der Kraft ent- springt, begab sich die Partei an die Prüfung des Materials, das über Programm und Taktik vorgebracht ward; und die Diskussion begann. Einen seltsamen Kontrast zu dieser würdigen Ruhe bildete die würdelose Aufregung, in welche die bürgerlichen Parteien gerieten. Sie entdeckten in der Schrift Zugeständnisse an die bürgerliche Weltanschauung, und begrüßten sie teils als den Keil, der die Partei zersprengen würde, teils als die An- kündiguirg, daß die Partei mit Sack und Pack in das bürger- liche Reformlager einziehen wolle. Der„Vorwärts" verspottete dieses alberne Treiben, stellte ihm die Haltung der Socialdemokratie gegenüber, und schrieb lam 28. März d. I.): „Kein hysterisches Gezänkc! Kein Gemunkel und Gctitschel im Dunkeln! Keine würdelose und giftige Katzbalgerei— wie es Mode ist in den bürgerlichen Parteien. In aller Ruhe und im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit prüft die Socialdemokratie daS ihr vorgelegte Material. Nicht ein paar Parteibonzen, wie das bei den anderen Parteien der Fall wäre— nein, die ganze Partei durchdcnktdieMeinungsv er schiede nheiten. die da aufeinander stoßen. Die ganze Partei sitzt zn Gericht. Die Parteipresse spricht ihre Ansicht ans. Die P a rt e i g e n o s s e n, welche sich berufen fühlen, geben ihr Votum ab. Und im nächsten Herbst, wenn die Fragen allesamt durchgesprochen sind, tritt der Parteitag zusammen und wird als höchste Instanz der Partei aus« sprechen, was er für wahr, was er der deutschen Arbeiterklasse für heilsam erachtet." So ist geschehen, und so wird geschehen. Die Partei hat das Material geprüft. Das Für und Wider ist mit Ruhe und Gründlichkeit abgewogen worden, die Angelegenheit ist spruchreif und der Parteitag wird sein Urteil abgeben. Es wird das Urteil der Partei sein. Und wir können mit Stolz sagen, keine andere Partei wäre im stände ge- wesen, eine die innersten Principien und das Fundament der Partei berührende Streitfrage in gleicher Weise zu erledigen. Durch diese wissenschaftliche Behandlung der Frage ist das persönliche Moment aus der Debatte entfernt worden. Die Debatte in Hannover wird lebhaft, vielleicht leidenschaftlich sein, aber nicht gehässig. Ueber der Person steht die Sache, über den Genossen die Partei, über den Einzelmeinungen das Parteiinteresse, über Augeublicksvorteilen das Parteipriucip mit seinen elvigen Wahrheiten. Der Parteitag von Hannover wird das.Recht der Kritik nicht minder hoch halten wie die Pflicht gegen die Partei. Die Socialdemokratie als Kampfpartei bedarf zielbewußter Klarheit, straffer Einheit, strenger Disciplin und der Unterordnung des Ein- zelnen unter das Ganze. Der Parteitag wird über das Wohl der Partei wachen und seine Schuldigkeit thun. polikifcho Avbevfichk» Berlin, den 7. Oktober. WaS lehren die sächsische» Landtagöwahlcn? Es ist eingetreten, so>vird uns aus Sachsen geschrieben, was vorauszusehen ivar. Die Spaltung und Zersplitterung der bei den Landtagswahlen thätigen Parteikreise und die Widerspruchs- volle, an zlvci entgegengesetzten Polen schnurstracks der Einheit zuwiderlaufende Agitation hat das Resultat noch ungünstiger gestaltet, al§ es unter dem elenden Dreiklassenwahlsystem hätte auösallr» können. Hie Wahlbeteiligung— hie Wahlenthaltung, diese zersetzende, die Genossen gegen einander aufrufende und erbitternde Agitation wurde sogar in einem, ein geschlossenes Ganzes bildenden Wahlkreise beliebt, so daß die Genossen in einigen Städten dieses Kreises sich an der Wahl beteiligten, während die Genossen anderer Städte sich der Wahl enthielten. Also vollständige Desorganisation I DaS mutz den Hohn und den Spott der Gegner herausfordern und sie übermütig machen. Haben sie von dieser selbst- mörderischen Taktik etwas zu befürchten? Im Gegenteil. Ihre Agitation bekam dadurch freies Spiel, ihre Wahl- lügen blieben unaufgedeckt, ihre schändliche Landtags« Wirtschaft wurde den Wählern nicht vor Augen geführt, die so in Unkenntnis über die Verhältnisse des Landes gelassen wurden. WaS in einigen Kreisen doch in dieser Hinsicht geschah, war nicht genügend, wenn wir cS mit dem vergleichen, was früher die Partei hierin leistete. Die Leipziger Genossen haben mit anerkennenswertem Eifer ein Massenflugblatt verbreitet, daS zur Wahlenthaltung auf- forderte; aber ist die Schandwirtschast der Gegner darin aufgedeckt? Kaun das früher so rege Interesse der Arbeiter an den voli- tischen und wirtschaftlichen Landesangelegenheiten in dieser Weise erhalten werden? Der Hinweis auf die Wahlrechts- Räubereien genügt dazu nicht. Die ungenügende Thätigkeit unserer Presse bei der Landtagslvahl wurde schon im„Vorwärts" betont. Soll daS so weitergehen? Das darf nimmermehr geschehen, wenn daS große Ansehen, das die sächsische Socialdemokratie bisher in und außer Sachsen genoß, nicht unendlich leiden soll. Irgend ein Weg mutz gesimden werden, um die Einheit wieder herzustellen, denn ohne sie hätten wir die sächsische Bevölkerung nicht in dem Maße für die Partei gewonnen, wie es der Fall ist. Ohne sie wird die zukünftige Entwicklung der Partei geschädigt bleiben. Es war sonst eine Lust, einig und im freundschaftlichen Verein mit den Genossen allerorten für die Partei zu wirken. Jetzt hat die Mißachtung der Lmidesversanimlungs-Beschlüssc, das undeniokratischc Ueber-den-Haufen-werfen derselben durch eine Minderheit den Keil in diese Parteifreundschaft getrieben. Di« Abstinenzler müssen sich dieser undemokratischen Handlungsweise, dieses Unrechts an der Partei bewußt sei», und das muß ihrer Offen- heit und Herzlichkeit gegenüber treuen Genossen Eintrag thun, das muß das gut« Einvernehmen stören. Wer sich dessen bewußt ist, muß darum dahin streben, die Einheit wiederherstellen zu helfen. Daß da» nicht geht, wenn der im Unrecht befindliche'Teil auf seinem Unrecht trotzköpfig besteht, ist klar. Aber wir meinen, eS H'usz$P?ittcI und Auölrege nclicn, und Bei gutem Dillen finden sie sich.' Ms Wieder zu vereinen. Man veriveise uuS nicht auf die gemeinsame Aktion bei Reichstags- oder Gemsiiideivahlen. Der Nöckschlag der Uneinigkeit Bei LandtagSwahIen macht sich überall bemerkbar. Bei LandtagSwahlen»nch erst die Einigkeit und einheitliche Aktion ivieder zur Geltung kommen. Schon der gemeinsam aufgestellte Plan einer sachgeinäßen, an der Landtags-Thätigkeit der Gegner anknüpfenden Agitation siir das ganze Land kann die gespaltenen Teile der Partei wieder zusammenbringen, so daß wenigstens das TohntvaboBu einer ungeregelten Agitation beseitigt wird. Und eS werden sich noch andere EinigungSpnnkte finden lassen. Wenn jetzt die Gegtter versuchen, durch Verhöhnuug unserer Uneinigkeit und daS Ausspielen der Abstinenzler gegen die Wahl- beteiliger und umgekehrt, uns noch mehr gegeneinander zu bringen, so Ivird das zwar nicht gelingen, aber eS zeigt uns, welche Lorteile den Gegnern ans unserer Uneinigkeit erbltihon. Jeder Genosse inuß die Absicht der Gegner erkennen und sie durchkreuzen helfen. Ueber das, was zwischen den beiden in der Lndtagswahl entgegengesetzten soeialdeniokrntischen Lagem geschehen ist. �branchen wir deshalb nicht zu schweige»..Aber lösen wir ans dem Geschehenen die Erfahrungen, die den Nachteil der Partei uns klar zeige», dann muß eS, jedeS Genossen Pflicht sein, ernst und würdig und in opfer- williger Treue zur Partei, mit einem Worte: echt soeialdemokratisch zu helfen, den Schaden auszuwetzen. Wenn diese Lehre aus dem diesjährigen ungünstigen Abschlufj 6er LandtagSwahlen gezogen wird, dann werden der Partei auch wieder grostcre agitatorische Erfolge zufallen. Kollege Zedlitz. Freiherr v. Zedlitz kehrt zur Zunft zurück. Im schmerzlichen Widerstreit der ihm ilmelvohneudeu zwei Seelen, deren eine enntfich für Autorität und Königstrcue stritt, deren andere iu den Spalten der„Post" gegen die königliche Kaimlvorlage rebellierte, hatte die Amtsseele Macht gewonnen und Herr v. Zedlitz hatte dem Journalismus feierlich entsagt. Doch der Zeilencifcr fraß in ihm und nach kurzen Wochen kcht Herr v. Zedlitz'zurück zu der trmiemd zurückgelassenen Exkollegenschast des Sttmimschen Organs. Herr v. Zedlitz, der Präsident der Seehaudlimg. hat sciu Ent- lassungsgcsuch ctngcrcicht und er wird zu Beginn des nächsten Jahres mit der gesetzlich ihm zustehenden Pension'.in den Ruhe- stand treten das ist die Kunde des heutigen Tages. Herr v. Zedlitz soll an seiner Gesundheit plötzlich Schaden genommen haben, er sei — so erzählen einige Zeitungen— a n g e n I e i d e n d. Aber, wir hoffen, daß dieses Leiden, wenn es anch für die mühcbolle Thätig- feit in der Seehandlung unverträglich sein mag, doch die jour- nalistische Leisttmgsfähigkeit des Herrn v. Zedlitz nicht beeinträchtigen luird. Herr v. Zedlitz gedenkt nämlich nicht, den wohlverdienten Ruhestand still auskosten zu Wollen, vielmehr will er den Kampf gegen den Kanal um so entschlossener wieder ansnehmen, je weniger cc nun zu fürchten braucht. seinen kanalfreimdlichen Obcrhcrrn zu kompromittieren. Herr v. Zedlitz kehrt zur Feder zurück. Und die heroische Aufopferung des hohen Amtes wird von der„Post"« Gesellschaft nicht niedrig gewürdigt. Die Mitarbeiterschaft deS von jeder Amtspflicht befteitcn ftciherrlichcn Kanalgegners läßt sich Herr v. Stumm gern etwas kosten. Herr v. Zedlitz wird bei seiner Rückkehr in die„Post" ftirder nicht mit lumpigen 2S M. pro Artikel und 12.50 M. pro Eiitrcfilct besoldet werden. Seine Mitarbeit, die sich zu einer Leitung des Scharfmacherorgans verdichten dürfte, wird auf eine Summe von brcifiigtanfcnd Mar? eingeschätzt, so daß Herr v. Zedlitz unter Zunahme seiner nicht geringen Pension die Bürde des Amtes leicht verschmerzen wird. Der Kaiser ist am Freitagabend von längerer Reise zurück- gelehrt. ES ist natürlich mir ei» Zufall, daß akSb'ald nach des Kaisers Rückkunft Herr v. Zedlitz daS schwere Augenleiden entdeckte. ES liegt uns fern zu vermuten, daß das Augenleiden ansteckend wirken und anch Herrn von Miguel befallen könnte. Der Lieeprästdent des preußischen Staatsministcrimns hat den Mantel, der fallen mußte, nach einigem Sträuben freiwillig von sich geworfen, auf daß in seinem Fallen der Herzog nicht mitgerissen werde. Der Konflikt in Siidafrika. Die Lage ist unverändert. Die Gegner stehen sich im Nordwinkel von Natal schußbereit gegenüber, aber eine letzte Hoffnung auf Emlenkung in friedliche Bahnen hält den Schuß in der Flinte zurück. Die B o e r e n zögern, offensiv vorzu- gehen, offenbar um nicht doch als eigentliche Störer des Friedens zu gelten, sondern auch weil der Oranje-Freiftnat laut der bestehenden Vertrüge und Abmachungen nur zur Verteidigung im Falle eines feindlichen Angriffs verpflichtet ist und dieser Fall nach Ansicht der Regierung des Oranje- Freistaates bisher noch nicht vorliegt. In England aber sprechen hervorragende Polittker noch immer für die Notwendig- keit erneuter Verhandlungen und Vermeidung der Kriegsgreuel. Campbell-VaunerinannL Rede teilten wir gxstern bereits mit, auch John Morley hielt, Ivie aus London gemeldet wird, eine zum Frieden auffordernde Rede. Er legte dar, daß Großbritannien keinen Wunsch hegen könne, an der Unabhängigkeit Transvaals zu rühren. Er könne nicht einsehen, weshalb es Großbritannien und Transvaal unmöglich sein sollte, sich zu einigen. In allen seinen bisher gehaltenen Reden habe er es Transvaal stets nahe gelegt. Großbritannien auf halbem Wege entgegenzukommen. Er de- dauere, daß Transvaal das Anerbieten, den UitlanderS nach fünfjährigem Aufenthalt im Lande das Wahlrecht zu ge- währen, zurückgezogen habe, nichtsdestoweniger sei es aber die Pflicht Großbritanniens, die Thür für weitere Vcr- handlnngett»och offen zu halten. Die englischen Rüstungen gehen aber ihren Gang, und das Parlament, dessen Einwilligung bei höheren Geldforderungen zu Kriegszwecken nötig ist, ist nun that- fächlich auf de» 17. Oktober einberufen worden. Ferner ist eine Proklamation, welche die Reserve- liianttschnfte« einberuft, nnterzeichnet worden. Es werden so viel Mannschaften einberufen, als nötig sind, um jedes nach Südafrika bestimmte Bataillon auf liXX) Mann zu verstärken. Die Einberufenen haben Befehl, sich am 17. Oktober zu stellen. Ferner wird gemeldet, daß bedeutende englische Trnppenniassen von der Küste nach der Grenze der südafri- tanischen Republik aufgebrochen sind. In Transvaal führen unterdeß die erregten Leiden- schaften zu allerlei Exceffen. Allerdings sind die aus englischer Quelle fließenden Nachrichten nur mit Vorsicht aufzunehmen. Das„Renter-Bureau" meldet aus Kapstadt: Ueber die Beleidigungen, welche den Flüchtlingen ans ihrer Reise durch Transvaal«nd den Oranje-Freistaat zugefügt wurden, herrscht hier eine tiefgehende Erbitterung. Das Blatt„Argus" bemerkt, außer den Leiden, welche diese unglücklichen Leute auf ihrer langen Reise durchzumachen gehabt hätten, hätten sie sich noch auf jeder Bahnstation höhnische Zurufe und Beleidigungen von bewaffneten Burghers gefallen lassen muffen, welche die hungrigen Reisenden vcr- hindert hätten, sich Lebensmittel zu verschaffen, wehrlose Männer mit Peitschenhieben mißhandelt und sogar Frauen geschlagen hätten. Andererseits haben aber die Boercnfamilien, deren Familienhäuptcr an die Grenze gezogen sind, bereits über die Feindseligkeiten der Eingeborenen- bcvölkernng zu leiden. Tausende von Eingeborenen, besonders die Kaffern, strönicn in die Städte und plündern die Häuser. *»* In der vierten Beilage unserer heutigen Nummer geben wir eine größere Karte, ma den Leser» einen Ueberblick über die Gebiete z» geben, welche von dem jetzigen Konflikt zwischen England und Transvaal berührt werden. DkUtsches Meich. „Herren im Hause." IlikS siegt nachstehendes Sibriftstiick vor: „Berbaud Berliner Metall-Jndustrieller. Geschäfts- und ArbeitSnachlvels- Stelle 4, Gartenstraße!C0. Rundschreiben Nr. 13 pro 1899. Berlin, den T Oktober 1899. Wir erhalten soeben die Benachrichtigung, daß sich bei einer größeren Zahl bon Firmen der Vereinigung der Berliner Metall- wareii-Fabriranten die sämtlichen Arbeiter sSchlosser, Dreher, Metallformer. Klempner. Eiseleure, Arbeiter usw.) wegen Nicht- bewillignng der nennftündigen Arbeitszeit im Ausstand' befinden. Nach dein zwischen der Vereinigung»nd unserem Verbände bestehende» Vertrage gelten die Ausständigen auch für unseren Verband bis auf weiteres als gesperrr. Da nur durch strengste Durchsührnng dieser Sperre die AuS- ständigen von dem Ernst der Lage zn überzeugen sein werde», in welche sie sich haben hineiureißeil lassen, so empfehlen wir unseren Mitgliedern, von d e n B e st im m u n g e n des§ 10b des Anhanges zu unseren Satzungen, nach welchen Arbeiter d r r e k t angenommen werden können: a) usw. b) wenn es sich um Arbeiter handelt, die in dringenden Fällen zu vorübergehender augenblicklicher Aushilfe außerhalb der Werkstatt gebraucht werden. Der Arbeitgeber ist in solchen Fällen aber verpflichtet, solches innerhalb 24 Stunden unter Benutzung eines der ge- lieferten Scheine zu melden. zunächst in möglichst beschränkter Weife, am besten jedoch gar nicht Gebrauch zu machen. Wir wollen hoffen, daß der weitere Verlans des AnsstandcS uns nicht dazu zwingen wird, obengenannte Bestimmung zeitweise oder ganz außer Kraft zu setzen. Bei der ganz ansiiahmSweisen Einstellung von Arbeitern nach § 10 wird daher zunächst vorherige telephonische An- frage bei unserer Nach weis stelle jedenfalls not- wendig sein.—> Auf zeitgerMic Nücksendnng der den Eingestellten abzunehmen- den NackuveiSscheine bezw. Handzettel sowie daraus, daß die Hand- zettel stets durch den Inhaber p e r s ö n l i ch in unserer Nachweisstelle vorgelegt werden müsien. machen wir zur Ver- meidiing von Weiterungen»och besonders aufmerksam. Wir verweisen ini übrigen ans das, in unserem Rundschreiben Nr. 7 pro 1899(Seite 1 letzter Absatz und«eite 2) Über denselben Gegenstand Gesagte und sind davon überzeugt, daß unsere Mit- glieder in ihrem eigensten Jnteresie durch nochmalige genaue Belehrung ihrer mit der Annahme von Arbeitern betrauten Beamten, Meister usw. uns die strengste Durchführung der Sperre nach Möglichkeit erleichtern und dadurch auch die im Kampfe gegen ftivole und unberechtigte Forderungen stehenden Bernfsgenossen kräftig unterstützen werden. Indem wir noch hinzufügen, daß die Nachweisstelle der Vereinigung der Berliner Metallwaren- Fabrikanten seit dein i. d. Mts. nach Dresdener» st r a ß e III verlegt worden ist, zeichne» wir Die B e r t r a n e n s- K o»n m i s s i o n. Fritz Kühne mann." Im„Schwarzen Kabinett" in der Gartenstraße befinden sich wohlgeordnet die Listen der Streitenden. Meldet sich ein Streikender in einer Fabrik, so soll, ehe er eingestellt wird, erst angefragt werden, ob er nicht zu den Verfemten gehört. Und handelr es sich auch nur um eine vorübergehende Beschäftigung: der Unternehmer, derselbe, der seinen Arbeitern gegenüber peinlichst darüber ivacht, „Herr im Hanse" zu bleiben, muß selbst erst um Erlaubnis fragen, ob er ihn einstellen darf oder nicht. Treten die Arbeiter seines Be- triebes an ihn heran, um ihn um Abstellung von Mißständen zu er- suchen, so ivird das als„ftivole und unberechtigte Forderung" und als„ungehörige Einmischung in den Prodnkrivnsbctrieb" zurück- gewiesen; gegenüber dem Unternchmerverband hat die Selb- ständigkeit des einzelnen Unternehmers voll- ständig aufgehört, den„terroristischen" Befehlen der Kühnemänncr hat er sich zu unterwerfen bei Strafe wirtschaftlicher Bechtimg. DaS nennt sich„H e r r e n im e ig e n e n H au s e"I Nu» haben aber anch die Arbeiter ihre Berbände, und anch für deren Mitglieder bestehen Statuten, denen sie sich im Interesse der Wohlfahrt aller und im Dienste der Kulttcr fügen sollen, lieber Machtmittel, wie die der Unternehmer» Organisationen, verfügen dabei die Arbeiter keineswegs. Suchen die Arbeiterführer ihre Kollegen auch nur in der loyalsten Weise zu überreden zur Teil- nähme au der Organisation oder am Streit, so schreien die Kühne- mämier über„soeialdemolratische Verhetzun g", und sie, die den einzelnen der Ihrige» jeder Selbständigkeit berauben, üe- geistern sich plötzlich für die Freiheit d e S I n d i v i d u n m s, heischen ZnchthcniSstrafe für die, welche die Solidarität der Arbeiterklasse ver- künden I— Gedenksteine. Der„Graudenzer Gesellige" bringt eine seltsame Kunde: „Ein sehr günstiges Jagdergebnis hat in der Rominter Heide der Kaiser in diesem Jahre erzielt, obgleich er nur an fünf Tagen gepürscht hat und nach echter Waidmannsart nur ältere Hirsche schoß. Elf Hirsche hat der Herrscher erlegt. Das kapitalste Geweih ist das des zuerst erlegten Vierzehnenders(Gewicht 17�/2 Pfd.), demnach beinahe so schwer wie daS Geweih des vor drei Jahren erlegten Zwanzigenders. welches 18 Pfund wog. Das Geweih dcö diesjährigen Zwanzigenders loiogt nur 14Ve Pfund, das deS vorjährigen 24-Eudcrs 17'/- Pfund. Den ganz kapitale» Hirschen wird aus Wunsch des Kaisers auf der Stelle der Erlegung ein Stet» gesetzt, der die Inschrift trägt:„Hier erlegte Sc. Majestät Kaiser Wilhelm II. im(Datum und Jahr) einen kapitalen(Enderzahl).' Es sind bisher drei solcher Steiuc gesetzt, und zwar dem 20«Ender im Belauf Hirschthal, dem 22°Ender Belauf Fuchsweg und dem 24«Ender Belauf Reif. In diesem Jahre dürsten dazu kommen, der 14-Ender im Belauf Budweitschen und der 20-Ender im Belauf FnchSweg." Die tranzrnden Mäuse. Die Verwirrung in den regierenden Kreisen kennzeichnet recht lieblich eine Notiz der„Köln. Ztg.": „Freunde verwirrter Verhältnisse mußten sich augenblicklich in Deutschland ungemein wohl fühlen, denn nachgerade geht bei uns alles derartig durcheinander, daß viele sich überhaupt nicht mehr werden zurechtfinden können. Neuerdings wird nun anch noch viel von Jntrignen gesprochen, die man teilweise sogar ctloaS phantastisch aufzuputzen versucht, grade als ob wir in Paris lebten im Zeitalter der verschleierten Damen und der vermummten Generakstabs-Offiziere."— Ter Nrbritgcbrrbnud für da? Baugewerbe hatte den Staatssekretär des Innern Grafen Posado wsky und den HaiidelSminister Brefeld ersucht, zur außerordentlichen General- v e r s a m in I n ii g des Bundes, die am 10. d. M. in Karlsruhe ziismnmeniritt, Regierungsvertreter zu entsenden. Die Minister haben diesen Wunsch jedoch ablehnend beantwortet,„da die Geschäfts« läge dieser Behörden eS nicht gestatte". Die Terroristen um Felisch haben darum keinen Grund zur Verdrießlichkeit. Sie wissen, daß die PosadowSky-Regierung ihre Wünsche erfüllt, ehe sie noch ausgesprochen sind. Mehr als das ZuchthauSgesetz werden die Bescheidenen ja wohl nicht ersehnen l Eiuc fast miglanbliche nachträgliche Meldnug vom Kaiser- manöver entnehmen wir dem„Bad. LandeSboten":„Ein während der Manöver vermißter Dragoner wurde am 23. vorigen Monats bei P f o r z h e i m in einem Graben tot aufgefunden; demselben waren beide Beine gebrochen. Der Bedauerns- werte scheint vom Pferde gestürzt und. da er unbeachtet blieb, dein Hiiugertvde versallen zu fein."— Ehe wir an diese grauenhafte Nachricht weitere Bemerlmigen liiiipfcii, warten wir ab, ob sie be- slätigt wird.— München, 6. Oktober.(Gig. Ver.) In einem ausgedehnten Wunschzettel verlangt die Ccntrniuöpartei: Reform der landwirt- schaftlichen Uiifallvernchernng. Verstaailichmig der Mobiliarversiche- rung. Reform der Arinengesetzgebnng, Aenderung der Grund- und Haiissteuer, Revision der Mehliarife. eine Wohiiuiigsenguete.� die Herstellung von Rrntengiitern, Vorkehrnnge» gegen Waldverwüsiiiiig und Ueberschwemmnng usw. Schon das bunte Dnrcheiiiaiiderivürfeln so grundverschiedener Materien beweist, daß es der CentrumSpartei in der Hauptsache mir um eine Reklame zu thnn ist. Jndeflen, die Anträge werden einem wirtschaftlichen Ausschuß überwiesen iverden, in dem anch die soeialdemolratische Fraktion vertr-len ist, und wir werden ja dan» hören, was das Centrmn Großes im Schilde führt. Der Landtag ist bis zum 10. Oktober vertagt.— Chronik der MajcstätöbcleidigungS-Prozcsse. Ans Leipzig wird vom 6. Oktober berichtet: Vom Land- gericht I in Berlin ist am S. Juni der Tapezierer Karl Henke wegen Beleidigung des Kaisers zu zwei Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. Er befand sich an, 10. März in angetrunkenem Zustande in einer Konditorei. Nachdem er die Geschichte von Diogenes und Alexander dem Große» erzählt batte, schwang er sich zu einer kurzen und verblüffenden MeinungSäußerinig über die geistigen Fähigkeiten sämtlicher Könige auf. Einer der Anwesenden hielt sich siir verpflichtet, den Schwätzer zu fragen,� ob er nicht wenigstens unserein Kaiser eine AnSnahmeslellnng einräume. Darauf that dann Heule dieAenßernng, in welcher die Majestätsbcleidigung vom Land- gericht gesmiden worden ist.— In der R e v i s i o n des Angeklagten führte der Verteidiger Beschwerde darüber, daß ein von ihm gestellter Beweisnnrrag abgelehnt oder vielmehr während der Verhandlung im- berücksichtigt geblieven ist. Er habe beantragt gehabt, den Arzt, der den Angeklagten seit 15 Jahren leime und behandele, darüber zu vernehmen, daß Henke, der im übrigen sehr nüchtern sei, wenn er trinke, ansauge zu quasseln und zu reuonnnieren und dann seiner Sinne nicht mehr mächtig sei.— Da Urteil und Protokoll nicht erkennen ließen, daß mit diesem Antrage ordmingSmäßig verfahren ist, so hob heute das Reichsgericht daS Urteil a« f und verwies die Sache an das Landgericht zurück.—_ Sächsisches in der Schweiz. Ans Züricki wird uns geschrieben: Das soeialdemolratische „Volksrechl" veröffentlicht einen Bericht ans Winterthur, wonach gegen einen daselbst domizilierten sächsischen Staats- a n g e h ö r i g e n wegen eines Vergehens eine Strasimtersuchung eingeleitet, aber bald wieder sisticrt wurde. In deren Verlauf er- suchte die Wiuterthurcr Bezirksauwaltschaft die Polizeidireklion der Heimakgemeiiide, die Stadt Z.(Zwickau?) um Ausslelliing eines Vermögens- und Leuinundszeugmsses über den Angeschuldigten. Ein Schutzmann erstattete min seiner vorgesetzten Behörde zu Händen der genannten Bezirksanwaltschaft folgenden Bericht: „Der Angeschuldigte hat kein Vermögen und keine Anwart- schnft. Strafen gegen ihn sind nicht bekannt. Er wird von seinem früheren Dieastherru als ein fleißiger Arbeiter, dabei aber als verschlossen und S o e i a l d e m o k r a l geschildert. WaS die ökonomischen Verhältnisse betrifft, so ist er sparsam und ordentlich gewesen." Die schweizerischen Behörden kennen ja wohl auS der schweizerischen Presse die in Sachsen bis zum Uebennaß gesteigerte Verfolgung der Soeinldemokrate» und so mag auch die Winterthurer Bezirks- ainvaltschaft nicht überrascht gewesen sein von der Auskunft über die politische Gesinnung des Angeschuldigten, die sie nicht verlangt hatte und die glücklicherweise in der Schweiz noch nicht zu einem erschwerenden Umstand vor Gericht geworden ist. Aber gerade darum blamieren sich die sächsischen Behörden geradezu vor der Schweiz, also vor dem AuSlanv, mit ihrer gegen die Soeialdemokratte gerichteten VerfolgungSsucht und sie blamieren sich hier auch aus dem Grunde, weil in den schweize- rischen Behörden aller Art doch vielfach offene und heimliche Social- demokratrn als Beamte sitzen. Weiß man dies in Sachsen nicht? DaS Leiimnndszeugnis gestattet wohl den Schluß, daß man in Sachsen einheitlich und planmäßig in alle solche amtlichen Zeugnisse die soeialdemolratische Gesinnung drs betreffenden LandeskindeS hineiusetzt und dasselbe dadurch unter Umständen schädigen kann. Ausland. Frankreich. Pariö, 7. Lltober. Auf Vorladung BSrengerS begaben sich General Rogct und der Richter GroSjean nach dem Palais du Luxeinbourg und wurden von BSrenger über ihre Beziehungen zu dem Komplott gegen die Republik ver- n o m m e n. Hierauf fand im Palais du Lnxembourg zwischen Börenger, dem Jnstizminifter, dein GeiieralstaatSanwalt und dem Staatsanwalt eine Besprechung statt.— Dänemark. Dem Folkethiug ist ein neues Äommunalwahlgesetz zugegangen, das eine Herabsetzimg des Wahleensus von 1000 Kr. auf 800 beantragt. Tie Zahl der kommunalen Wähler würde da« durch um 10 000 verrnehn werde». Gleichzeitig soll Verhältniswahl eingeführt werden. Selbständige steucrzahlcnde Frauen bekommen Stimmrecht. Es findet jedes zweite Jahr die Neuwahl von Vs der Bürgerrepräsentanten statt. Unsere Partei ist mit dem Rc- qierimgsantrag keineswegs zufrieden. Er schließt noch immer ÜOOOO'F olkethingS Wähler von der Kommunalwahl aus, die nicht Einkommensteuer von 800 Kr., aber z. B. Areal« und andere kommunale Stenern bezahlen. Ferner schließt er die unbemittelten Franc» ans. Die Rechte ist für die Verhältniswahl, weil sie anfängt, überall in der Minorität zu sein; aber sie erhält dies« natürlich nur, wenn in der Herabsetzung des Census ein Aequivaleut geboten wird.— Schweden. Das WahlergebutS. Da« Resultat der Wahlen zum schwe» dischen Reichstage ist schon telegraphisch gemeldet. Die Linke hat 18 Plätze gewonnen, aber anch acht Plätze verloren. � Dazu kommen einige Verlchiebungeu zu Gunsteu der mehr gemäßigten Gruppen. In Bezug auf die d r e i H a u p t f r a g e n, die der Reichstag in bcn Jiihvci! 1Ö00— 1002 zu entscheiden haben wird, stellt sich daS �chlnsiergebnis folgendermaßen: S t i m n, r e ch t s f r n g e: Für allgemeines Stimmrecht 32, für verbcsicrtcö Stimmrecht 76, Snmma 108; unsichere Stimmen 32, gegen jede Neförm 90, Summa 122. In den„unsicheren Stimmen" liegt also die Entscheidung, daS heißt eine Verbesserung des Srimmrechts wird erreicht werden, wenn die Linke eine sehr energische Haltung einniinmt und die Regierung sich für eine Reform ausspricht. Dann wird die Mehrzahl dieser Stimmen für eine Reform gelvonnen werden. Arbeiterfrage: Für Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter 75, unsichere 31, Summa 106; gegen jede AuLnahine-Gcsctzgebung 124. Für Arbeiter- schntz-�jesetze 142, gegen Arbeiterschntz-Gcsetze 56, unsichere 32, Snnnna 88. Weitere Ausnahmegesetze, als das„ZuchthanSgesetz" vom Vor- fahre, können aber nicht Annahme finden. Nach dieser Richtung ist eine Wandlung in der Kammer vor sich gegangen. Ilnd für Arbciterschutz-Gesctze, namentlich eine Altersversicherung, wird sich zweifellos eine bedeutende Majorität finden; aber es wird trotzdem incht viel dabei herauskommen, da die Bcwilligungshöhe eine sehr geringe sein wird. In der n o r w e g i s ch e n F r a g e zählt die Kampfpartei 53, die Vcrhandlungspartei 133, die Friedcnspartei 44. Immerhin weiß also die Fnedenspartci, die Norwegens Recht anerkennt, seine Angelegenheiten selbst zu ordnen, eine stattliche Minorität auf. Entscheidend wird bei allen Fragen das Verhalten der„Verhandlungs- mäimer" sein. Afrika. Tanger, 7. Okiober. sMeldung der„Agence Havas.') Dem- nächst ivird in Marocco eine deutsche Postaustalt eröffnet werden; das Centralburean wird sich in Tanger befinden. Die Post wird den regelmäßigen Dienst für das Küstenland und im Innern vermitteln.— Eine internationale Umfrage über soeialdemokratische Taktik. Von den in der„Petite Rspubligne" veröffentlichten Antworten teilen wir noch mit: Hyndman, der englische Führer: Es ist für mich klar, daß die Socialdemokratie, sobald sie an dem politischen Kampf aktiven Anteil nimmt, auch Stellung nehmen muß zu den Streitfragen, die zwischen den Herr- schenden Parteien entstehen, ohne daß dabei daS Princip des Klaffen- kampfcs verletzt werden müßte. So hat z. B. in England der Imperialismus und die indische Frage direkt nichts mit der Arbeiter- klaffe zu thun, und wir haben doch Partei ergriffen für die aus- aebeuteten, geknechteten Jndier. Freudig haben»vir dabei die Unter- stützung von Nichtsocialistcn entgegengenommen; wir haben gegen die Mißwirtschaft der englischen VerwalwngSorgane protestiert, obwohl wir uns sagen müssen, daß wir irgend weichen Einfluß in Indien auf absehbare Zeit nicht werden ausüben können. Auch jetzt kämpfen wir wieder an der Seite einer kleinen Frakfion der Liberalen gegen die konservative Partei und den größeren Teil der Liberalen in der Tr a n s v a a I f r a g e. Ebenso haben wir Partei genommen in der irischen Frage', und zwar haben wir den Iren, obwohl sie. religiös fanatisch, eine bürgcr- liche Partei, die unfern Grundsätzen ebenso feindlich gegenübersteht, wie alle anderen, doch unsere Unterstützung angedeihen lassen in ihrem Kampfe gegen politische und sociale' Unterdrückung. Hätte der Fall Drey fus sich in England abgespielt, so hätten sicherlich auch wir, die englischen Socialistcn, Gerechtigkeit verlangt für einen Unschuldigen und ich hoffe> daß wir unter den gleichen Umständen mit demselben Mut und der zähen Ausdauer gekämpft haben würden. Ueberflüsstg beizufügen, daß wir in diesem Kampfe auch dre Hilfe solcher Leute entgegengenommen haben würde», mit denen wir sonst keinerlei Gemeinschaft haben. Die erste Frage(Teilnahme der Socjalistcn an der DrehfnS- elffaire) würde ich also dahin beantworten, daß eS für eine kämpfende Partei, wie die Socialdemokratie, unmöglich ist, sich der Teilnahme an Bewegungen, welche die ganze Gesellschaft berühren, zu entschlagcn, selbst wenn die altive Teilnahme sie zeit- wciljg mit anderen, sonst gegnerischen Parteien in Verbindung bringt. Das� scheint niir in keiner Weise kompromittierend zu sein oder die Klassengegensätze zu schwächen. Nachdem Hyndman des weiteren vorausgeschickt, daß die zweite Frage(Fall Millerand) viel schwieriger zu bcantlvorten sei, verweist er darauf, daß die Taktik der Socialdeniokratcu aller Länder die sei, in alle Verwaltungs- und gesetzgebenden Körperschaften einzudringen, um so zur'Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen beitragen zu können. In den Gemeinden in Frankreich und England säßen überzeugte Socialistcn als Gemeinde-, Stadträte und auch Bürgermeister. Wenn wir die Möglichkeit hätten, sagt Hyndman, einen Socialisten zum Lord- mayor von London zu wählen, wir würden es, ich glaube ohne daß einer unserer englischen Genossen dagegen opponieren würde, so- fort thun. Aber in allen diesen Fällen handelt es sich nicht um eine so unglückselige Situation, wie die in Frage stehende war. Nun will ich gern zugeben, daß es Perioden des Uebergangs geben kann, wo es notwendig wird, daß wir mit unfern Gegnern, den Imperialisten, den Militaristen, den Klerikalen zusammengehen, und dieses Zusammengehen kann selbst blS zur Mitübernahme ministerieller Verantwortung gehen. Aber ich glaube, daß ein solcher Schritt, dessen Folgen unter Umständen die internationale Socialdemokratie treffen löiinte», niemals ge- than iverden sollte, ohne daß die gesamte Parteigeiiossenschast ihr Votliiii darüber abgegeben hat. Es mag ja sein, daß die Masse bei ihrer Abstimmung auch nicht das unfehlbare Kriterium der Wahr- hcit liefern ivird, die Gefahr erscheint mir aber auf jeden Fall geringer als die, welche entstehen kann, wenn nur die Parteiführer, uud seien sie noch so geachtet und von noch so anßerordentlichcin Wissen, allein darüber zu befinden haben. Henry Queich. Redactenr der englischen„Justice", des Organs der Socialdemocratic Fedcration, stimmt»i scinen Antworten mit seinem Landsmann Hyndman fast vollkommen überei». Auch er ist der Meinung, daß die Socialdemokratie immer und überall einzutreten hat gegen Gewalt und Unrecht, gleichviel, ob diese gegen die Arbeiterklasse oder Angehörige anderer Gescllschaftsschichten angetvendet werden. In solchem Kampfe brauche sie auch die Hilfe anderer Parteien nicht zurückzuweisen. Was die zweite Frage anlangt, so stehe von vornherein fest, daß es für einen Socialisten äußerst schwer sei, einen Teil der Verantwortung für die Maßnahmen der Regierung mit zu über- nehmen, deren oberste Aufgabe doch die der Äufrechterhalwng der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung fei. Aber nichtsdestoweniger könne er sich Situationen denken, welche das Eintreten von Social- dcmokcaten in bürgerliche Ministeriell rechtfertigen, z. B. wenn es sich um die Abwehr eines Staatsstreichs handelt. Ein solcher Schritt muffe aber vorher von den Parteigenossen ausdrücklich gebilligt fein. Jedenfalls aber sei der Posten von dem betreffenden Socialisten wieder zu verlassen, sobald die gefährliche Situation vorüber, eine Gefahr nicht mehr vorhanden sei. Sygbald Olsen, P. Knndsen, A. C. Meyer, die drei Dänen, erstatten ihre Ansicht gemeinsam: Wir meinen, die Arbeiterklasse kann nicht nur, sie hat die Pflicht, in die Kämpfe der bürgerlichen Parteien ciiizuareifen. Die Socialdemokratie ist nicht eine Sekte, deren Anhänger sich� durch rote Uniformen von den übrigen Parteien abheben, sie darf keine Gelegenheit versäumen, sie muß jede Situation ausnutzen, für die Arbeiterklasse etivas zu erreichen, sei es in politischer, socialer oder moralischer Beziehung. Den Kampf gegen die schivarze Reaktion bat sie Seite an Seite mit dem Liberalismus zu führen, zur Be- länipfung der politischen Reaktion ivird sie die Hilfe der Radikalen nicht zurückweisen. Unser» Gegnern ist nur die Feindschaft gegen uns gemeinsam, im übrigen sind sie vielfach gespalten irnd bekämpfen sich häufig ans das heftigste. Unter der Fahne des Proletariats vereint sich alles, was nntikapitalistisch denkt, unter ihr gicbt es nur eine Politik, die des socialistisch denkenden Proletariats, dessen Aufgabe ist, von den Konflikten innerhalb der Bourgeoisie Nutzen zu z'iehcii. In dem Kampfe, den unsere fran- zösischen Brüder um die Befreiung eines Unschuldigen führen, um die Gerechtigkeit und HmnamtSt, gegen Niedertracht und Heimtücke, fühlen wir uns eins mit ibnen. Die Befürchtung, daß die Socialdemokratie, sofern sie von ihrer rein ablehnenden Haltung abgebt, ihr Programm verleugnen oder verwässern könnte, teilen wir nicht. Denn wäre diese Gefahr vorhanden, dann wäre sitz schon in dem Moment gegeben, da die socialistischen Abgeordneten in den gesetz- gebenden Körperschaften neben Repräsentanten der bürger- Iichen Parteien sitzen, die doch stets die absolute llMehrheit haben. Aber das socialisttsche Programm verlangt ja gerade das Eindringen der Vertreter der Arbeiter« partei in alle Verwaltungs- und GesetzgebungS- Körperschaften, um dort den Umsturz der alten Gesetze und Institutionen zu betreiben. DaS ist die parlamentarische Revolution, weniger gewaltsam, aber radikaler, als die der Straßenkämpfc und der Putsche. Nun haben die französischen Genoffen einen der Ihrigen in daS Ministerium eintreten lassen: Millerand an der Seite des Kommune- schlächters Galliffet. Wird Millerand seine Farbe behalten? Seine Aufgabe ist es jetzt, die Energie des Galliffet zu verwenden, um den JesuitiSmns zu ersticken, den Militarismus zu entthronen. Gelingt ihm das nicht, bleibt er nach wie vor Socialdemokrat, hat er Er- folg. so bedeutet dies ein großer Schritt nach vorwärts: Neue Koalitionen ergeben sich gejjen da? Princip, dessen Symbol der Schlächter Galliffet ist, und die Arbeiterklasse, gestärkt durch den Er- folg, verfolgt schnelleren Schrittes den Weg zu dem gesteckten Ziel. Delegiertenversammlttng des Vereins Franeikwohl. In einer öffentlichen Versammlung, die der Delegiertentag am Freitagabend veranstaltete, erstattete' Frl. Klara Krieg, die Vorsteherin der weiblichen Abteilung des Mniichcner städtischen Arbeitsamtes, einen Bericht über die Geschichte und die Thätigkeit dieses Jnstitus. Sie lieferte damit einen höchst inter- essanten Beitrag zur Beurteilung der kommunalen Arbeits- nachweise. Es wäre angesichts der kommenden Berliner Stadt- verordnetcn-WahIcn ganz gut, wenn dieser Vortrag im Druck er- schiene. Die Dislussion nahm einen etwas sonderbaren Verlauf. Der bekannte Herr Weigert predigte von den Gefahren der Großstadt und wünschte die Errichtung eines Dienst- botenheimS. Und ein Stellcnvermittler verteidigte seinen Stand gegen den Vorwurf der Ausbeutung und entrüstete sich über die schnmtzige Konkurrenz. Fräulein Krieg, die durch ihre ruhige Sachlichkeit und ihr schlichtes Anftreteii einen sehr gewinnenden Eindruck machte, tröstete ihn wohlwollend, indem sie anerkannte, daß eS auch nuter den Stcllcnuermittlcrn anständige Leute gebe. Die Versammlung nahm hierauf folgende Resolution an: Die Versammlung sieht die Notwendigkeit der Einrichtung eines städtischen Arbeits- Nachweises für Frauen ein und ersucht den Magistrat von Berlin nutet* Beifügung dcS Materials des Münchencr städtischen Arbeitsnachivcises, iveibliche Abteilung, von der Stadt Berlin aus eine den lokalen Verhält- niffen entsprechende ähnliche städtische Einrichtung zu treffen. Die Cinberufer dieser Versamnilung werde» beauftragt, diese Otesolution und die genannten Schriften dem Magistrat zu übermitteln. Der günstige Eindruck, den das Anftretcn des Fräulein Krieg hervorrufen mußte, wurde durch die am Sonnabend fortaesetzten Verhandlungen des Dclcgiertentages anfangs nicht geschwächt. Ans der Tagesordnung stand wieder die Sittlichkettsfrage. DaS konnte Bcdcnkcii erregen. Aber der Vortrag des Fräulein P a p p r i tz war in einer ganz anderen Tonart ge- halten, als neulich die seichte Predigt des Herrn Pfarrer Hoffet. Nichts von platter Moralrctigkcit, nichts von Sünde und christlicher Liebe, dagegen ein tiefes Dittgefühl mit dem Lose jener Eiiircchtctcn und ein richtiges Erfassen der socialen Ursachen.„Prostitntion ist Sünde: denn der Mensch ist nicht unter das Muß gestellt, sondern unter daSEoll", hatte derHerr Pfarrer gepredigt.„DaS Gebäude unserer heuchlerischen Moräl bricht zusammen, und jede von uns muß sich sagen: Daß ich eine„anständige" Fran bin, das verdanke ich dcni Zufall der Geburt, denn ich habe nicht gehungert I" Dies Wort, das Fräulein Pappritz den versniimiclten Damen der wohlanständigen Kreise zurief, bewies, daß die Rednerin das Zeug in sich hatte, aileS zu begreifen. SiP steht im übrigen einstweilen noch im Bann der Abolittonisten-Bewcgmrg und hat sich von moralischen Vorurteile» auch noch keineswegs frei gemacht. Es? ist aber anzunehmen, daß sie mit der Zeit zu einer andern Betrachtungsweise gelangen wird. Freilich, in diesem Kreise dürfte ihr das ziemlich schwer gemacht werden. Die auf den packenden Vortrag folgende Diskussion, die nach der Ermahnung der Frau Cauer sich auf keine Details ein- lassen, sondern nur die„großen Gesichtspunkte" ini Auge behalte» wllte, sank sehr bald auf das Niveau Hoffet herab. Es ivar durch- aus kein erfreulicher Anblick, wie die Führerinnen der Frauen- bcwcgung den Herrn Pastor hofierten und seine salbungsvollen Platlttudcn beklatschten. Es ist vielleicht ein Zeichen weiblichen Taktgefühls, wenn man die schöne Harmonie nicht stören will. Aber das darf doch nicht zu einer kompromittierenden Gemeinschaft aus- arten. Unter den geistigen Häuptern dcS Franenwohl soll eS auch Nietzscheaneriinicii geben: diese können doch nicht aus purer Höflich- keir einer tristen Stlnvcmnornl zujubeln l Der einzige Redner, der eine freiere Auffassung des Geschlechtsverkehrs vertrat, wurde, Wohl mit Rücksicht auf den Herrn Pfarrer, alsbald dementiert. Da durften sich die Damen denn nicht wundern, wenn der Tenjrums- Abgeordnete Dasbach die reaktionärsten Paragraphen der lex Heuize ihrer Sympathie empfahl. Nach längerem Hin und Her gelangte schließlich folgende Resolution zur Annahme: Der Verband fortschrittlicher Frauenvcreine erklärt im Sinne der?eckerat.ioQ sboIitioimiZts iaternationale bei den gesetzgebenden Körperschaften und städtischen Behörden für die Aufhebung der staatlichen Reglementierung der Prostitution zu wirken und bessere Schutzgesetze für Minderjährige zu beantragen und die öffentlichen Hanser, sowie jede Lokalisierung der Prostitution zu verbieten. Er ivird aber auch bemüht sein, sociale und gesetzliche Reformen herbeizuführen, welche der Jugend des Volkes vor sitt- lichcm Niedergang schützen. Trotz der vorgerückten Zeit hielt dann Fräulein Thekla Fried- l ä n d e r noch einen Vortrag über Fürsorge für iv e i b l i ch e Gefangene. Sie erwartete sehr viel von der Beihilfe der Religion ür die Besserung entlassener Strafgefangener. Der Geist des Herrn rer Hoffet schwebte andauernd über der Versamnilung. Mit einigen tiefgefühlten Dankesworten an verschiedene Adressen 'chloß Frau Eaucr den Deligiertentag. Insgesamt könne» wir wohl sagen, daß die Sache der Ardelte- rinnen von diesen Bestrebiillgen nur in beschränktem Maße etwa? zu crivarteil hat. Eine freundliche Haltung im allgemeinen und eine thätige Unterstützung bei besonderen Anläffen— wie z. B. der große Konfektioiisarbeiterjtreik ein solcher war— daS ist alles, waS man von den bürgerlichen Frauenvercinen als solchen verlangen kann. Mehr kömlen sie als Gesamtheit nicht leisten und sie hindern sich clbst mir an der Erfüllung ihrer eigenen Aufgaben, wenn sie zu viel wollen, wenn sie etwa danach streben, sich„an die Spitze" der Arbeiterinnen- Bewegung zu stellen. Das kömien sie nicht, und da braucht man sie nicht. Wenn sie nur ihre eigenen, die specifischcn F r a u e n- Interessen vertreten, wenn sie dazu beitragen, die Frau aus ihrem langen geistigen Schlafe zu er- wecken und sie zu gleichwertiger Mitarbeit an der Kultur zu er, ziehen— dann haben sie der Sache deS Fortschritts und der Emancipatlon des Menschengeschlecht, mehr gedient, ak» dadurch, daß sie ihre Kräfte in Aufgaben zersplittern. an deren Erfüllung sie früher oder später ihre eigene Klassenlage hindern wird. Die„Hebung" des Arbeiterinnen- standeS tvird das Werk der Arbeiterin selbst sein, die sich mit ihren Klassengenossen, den weiblichen und auch den mann- liehen Arbeitern, zusammenschließt. Die Verstärkung, die sie dabei aus den Reihen ihrer Schwestern auS den besser sitniertcn Klaffen erhält, wird sich darauf beschränken, daß einzelne der Intelligentesten und idealistisch Veranlagten der socialistischen Bewegung gewonnen werden. Der Verein Frauenwohl und die verwandten Vereinigungen brauchen aber nicht zu glauben, daß sie nur dadurch die Anerkennung der Vorgeschrittensten erlangen können, daß sie in corpore die sociale Frage lösen. Mehr als durch den socialen Sport nützen sie der Allgemeinheit durch die Aufklärungsarbeit in ihren eigenen Reihen, durch den Kampf gegen die Borniertheit der bürgerlichen Männer- Welt, durch den freien Hauch, den die Beteiligung der Frauen unserm gesamten öffentlichen und geistigen Leben bringt. GewevkMaftlichvs« Berlin und UmAgend. An die Arbetterinnen Berlins. Die Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung, die zum Schutze der Arbeiterinnen erlassen sind, werden vielfach seitens der Unternehmer nicht beachtet und die Rechte der Arbeiterinnen gekürzt. Durch Gesetz ist folgendes erlassen: Dauer der Arbeitszeit für Arbeiterinnen über 16 Jahre höchstens 11 Stunden täglich, mit einstündiger Mittagspause; an Vorabenden von Sonn- und Festtagen 10 Stunden, die Arbeits- statte muß bis spätestens Est/s Uhr verlassen sein. Jugendliche Arbeiter von 14—16 Jahre dürfen nur täglich 10 Stunden mit einstündiger Mittagspause, sowie je stündiger Frühstücks« und Vespcrpause beschäftigt werden. Kündigung und Entlassungen. Gründe für so- fortiges Verlassen der Arbeit sind zum Beispiel: Unsittliche Angriffe der Arbeitgeber oder deren Vertreter sowie Thätlichkeiten, grobe Beleidigungen, unregelmäßige Lohnzahlung, bei Accord- arbeit nicht ausreichende Beschäftigung usw. Die Kündigungsfrist ist für Arbeitgeber wie Arbeiterinnen eine 14tägige, jedoch kann durch gegenseitige Vereinbarung dieselbe ausgeschlossen werden. Wenn Kündigungsfristen bestehen, müssen dieselben für beide Teile gleich sein. Ausstellung von Zeugnissen. Die Arbeiterin hat das Recht, ein Zeugnis über' Art uud Dauer ihrer Beschäftigung zu verlangen; besondere Merkmale, welche die Schädigung der Arbeiterin zur Folge haben können, sind ungesetzlich und sind zurückzuweisen. Strafgelder. Bestimmungen über Lohnabzüge in Form von Strafgeldern müssen in der Fabrikordnung, die sichtlich auS- Hüngen mutz, bekannt gegeben sein. Jede Vcrhängung von Straf- geldern mutz der Arbeiterin ohne Verzug mitgeteilt werden. HygienischeundSchutzmatzregeln.ungesundellr- beits räume, Ankleideräume, Waschvorrichtungen und getrennte Aborte. Arbeitsränme, Betriebsvorrichtungen, Maschinen und Gerätschaste» sind vom Arbeitgeber so einzurichten »nd zu unterhalten, daß die Arbeiterinnen gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. Es ist für genügend Licht, reine gute Luft. Beseitigung von Staub und Abfälle» zu sorgen; ebenso sind Schutzvorrichtungen an Maschinen anzubringen. In Anlagen, deren Betrieb es mit' sich bringt, daß die Arbeiterinnen sich umkleiden und nach der Arbeit reinige», müssen ausreichende, für beide Ge- schlechter getrennte Ankleide« und Waschräume vorhanden sein. Die Bedürfnisanstalten müssen in genügender Zahl vorhanden und so eingerichtet sein, daß Sitte und Anstand nicht verletzt werden. Um es den Arbeiterinnen zu ermöglichen, ohne NaSteile für ihre Existenz die Mißstände in den Arbeitsstätten zu beseitigen, sind nachstehende Personen bereit, wahrheitsgetreue Be» s ch w e r d e n entgegenzunehmen und für schleunigste Abhilfe Sorge zu tragen. Die Namen der Beschwerdeführer werden streng geheim g c h a l t e n I Frl. O. B a a d e r, StrauSbergerstr. 23, v. IV. Fran Bau f ch ke, Rostockerstr. 47, Stfl. II. Frl. H a a s e, Alexanderstt. 15, vorn IV. Frau Jung, Fichtcstr. 25. Frau Lutz, Wilhelmstrl 21, Hof Part. Frau A. M e s ch. Lychcnerstr. 3, linker Ausg., IV. Frau M. T i e tz, BInmenstr. 63, I rechts. Frau Schneider, Höchstestr. 29, I. Frau Sprung, Mariannen- Ufer 7, Hof III, rechts. Jeden Mittwochabend 7—9 Uhr. R n d. M i I l a r g. Gcwerkschaftsburcau, Annenstr. 16, I. Me Wochentage von 9—1 und 6—8 Uhr. Nchtnng, Holzbildhauer! Wegen Nichtbewilligung der ge- stellten Forderungen sind Kollegen folgender Werkstätten in den Ansstand getreten: Vogel, Nixdorf, Knesebecksiraße 115; Bartz, Friedrichöbergerstraße 10: Beyer. Britzerstr. 7; Peth, Mcmelcrstr. 31; Vrmizloiv, Neue Königslr. 15: Schulz, Ziegelstr. 30; Jacquemin, Alte Jakobstr. 38; Kirschiler, Adalbertstr. 42; Grix, Pallisadenstr. 57; KraMer, Koppenstvaße 60; Solontz, Rixdorf, Walterstraße 26; Brandenburg, Wilhclnistr. 124; Gröger, Kottbuser Damm 95; Renmaun, Manteuffelstr. 22: Ozorkewitz, Hochstr. 2. Es wird ersucht, diese Werkstätten streng zu meiden. Meldungen, auch der Firmen, welche bewilligt haben, sind umgehend an die Lohnkoinmission. Köpuickerstr. 62(Restaurant Spielberg, Telephon Anit VII Nr. 8982), in der Zeit von 9—1 und 3—7 Uhr zu richten. Sammellisten sind ebenda zu erheben. Die organisierten Holzarbeiter werden ersticht, die in ihren Ge» schäften arbeitenden Bildhauer auf die Forderungen aufmerksam zu machen. Die Lohnkommission. Achtung! Buchbinder, Falzerinnen! In der Buchbinderei von Werner, R i l t e r st r. 26, sind wegen Nichtbezahlung des Tarifs Differenzen ausgebrochen. lieber die Buchbinderei und Contobnchfabrik von Moriz u. Kummer, Lanhsbergerstr. 72, ist die Sperre verhängt Iv o r d e n. Wir ersuchen alle Kollegen und Kolleginnen, dieses streng zu beachten.' Die Vertrauenspersonen. Achtung! Cisclenre uud Stahlgravcure! Bei nachfolgenden Firmen befitiden sich die Kollegen wegen Nichtbewilligung des Neun» stundentagcs im Streik: Aktiengesellschaft von Spinn u. Sohn, Waffcrthorstr. 9; S. A. Lövy, Cartenstr. 158, Vollgold u. Sohn, Köpmckerstr. 72 (diese Firma ist für Cisclcure und Stahlgraveure gesperrt); Brodreck, Stallschreiberstr. 6; Frisier(Inhaber Engel u. Ncgcwald, Linden- straße 23: Speck, Dresdencrstr. 36; Gericke, Sebastianstr. 20. Streikarbeit wird angefertigt bei den Ciselcuren Fischer, Wiener» straße 29; Greulich, Adalbertstr. 75 und Liebmann, Prinzenstr. 98. Von allen diesen Werkstätten ist deshalb Zuzug strengstens fernzuhalten. Die Kommission. DcntschcS Reich. Der Ausstand der Lederarbeiter in Wilster, der seitens der Arbeitgeber im wahren Sinne des Wortes zu einer Machtfrage ge» stempelt ist. dauert mm bereits die 18. Woche. Uitterhandlungcn, die von den Arbeitern angebahnt wurden, sind gescheitert. Die Arbeiter sollen,' daS ist das Prineip der Arbeitgeber, ausgehungert werden und alsdann sich willenlos in die Wünsche der Unternehmer fügen. Die Arbeiter stehe» trotz deS 18wöchentlichen Kampfes ungebeugt da. Keiner ist umgefallen und keiner will zu den von den Unternehmern gestellten Bedingungen: 15— 30Proz. Lohnabzug, Verlängerung der Arbeitszeit von 10 auf 11 Stunden und Austritt aus der Organisation, die Arbeit aufnehmen. Eine geheime Abstim» mutig darüber, ob die Arbeit unter solchen Bednigungen aufgenommen werden soll, ergab, daß 428 mit nein und 1 Stimme mit ja stimmte. Gewiß ein Zeichen von Einigkeit und Tapferkeit in einem so schweren und langivierigcn Kamps. Die Arbeiter werden in diesem Kampfe aus- halten, komme es, wie eS wolle. Gegeillvärtifl befindet sich die Rofilcdergerberei in der besseren Konjunktur und die Kunden können durchaus nicht befriedigt werden. Der Schaden, welcher dem Arbeitgeber erwächst, ist unermeßlich. Die Millionen selbst dieser Hamburger Großkaufleute schmelzen be trächtlich zusammen. Was in dem Betriebe zur Zeit gearbeitet wird, ist so minimaler Natur, daß es gar nicht in Frage kommt abgesehen davon, daß das. was fertiggestellt wird, fast un- branchbar ist. In Anbetracht dieser Thatsachen sind die Lederarbeiter gezwungen, den Kamps fortzuführen. Daß bei diesem Kampfe der Organisation, die 5000 Mitglieder zählt, wovon über 60l) 18 Wochen ausständig sind, die Mittel ausgegangen sind und sie sich an das Soli daritätSgefiihl der allgemeinen Arbeiterschaft wenden muß, ist wohl verständlich. Die Lederarbeiter hoffen, daß das so oft bewiesene Solidaritätsgefühl der deutschen Arbeiterschaft für kämpfende Brüder des In- und Auslandes auch in diesem Falle nicht versagen möge DieZLcderarbeitcr haben stets dort, wo eS galt, die Interessen der Arbeiterschaft wahrzunehmen, ihre Pflicht erfüllt und werden das auch für die Folge thun. Gelänge es dem Unternehmertum seine Forderungen durchzusetzen, müßten die Arbeiter in diesem ihnen aufgedrungenen Abwehrstreik unterliegen, so hieße das für die Organisation der Lederarbeiter mehr als einen schweren Rückschlag auf Jahre hinaus selbst die politische Bewegung für Schleswig-Holstcin hätte darunter zu leiden, da die gut organisierten Lederarbeiter auch den Stamm fürS politische Leben bilden. Tansende müßten für Agitation auf gewendet werden, bevor ein solcher Rückschlag wieder gut gemacht wäre und es ist daher gewiß angebracht, die Kämpfenden thatkräftig zu unterstützen, damit sie den Sieg davontragen und eine Nieder- läge, die für die Unternehmer zu jeder Zeit ein Triumph ist erspart bleibt. Gelder wolle man direkt nach Wilster an A. Winkel, Ahrcns Herberge, oder an H. B e i tz w e n g e r, Berlin. Prinzen-Allee 80, bilden. Achtung, Posamcntiere Deutschlands! Seit vier Wochen liegen die Posamenticre Berlins im Streil. Die Forderungen sind neunstündige Arbeitszeit, 27 M. Minimallohn. Bei 17 Finnen mit 90 Gehilfen wird bereits zu den neuen Be- dingungen gearbeitet, 14 Firmen mit 6S Gehilfen stehen noch im Ausstande. Trotzdem dieselben die Forderungen der Gehilfen für gerecht und zeitgemäß anerkennen, so läßt es ihr Hcrrenstolz doch nicht zu, die Forderungen zu bewilligen. 100 M. Konventionalstrafe trifft denjenigen, ivclcher einen Streikenden in Arbeit nimmt, des gleichen denjenigen, welcher Arbeit für einen Kunden Arbeit anfertigt, bei welchem die Arbeit niedergelegt ist usw. Da es den Unter- nehmern nur in einzelnen Fällen gelungen ist, Arbeitskräfte ans der Provinz heranzuziehen, so versuchen sie es nun im Auslande. So ist ein Herr Hugo Kau der nach Wien, Budapest und Prag gereist, um alles, was er an Arbeitskräften nur finden kann, nach Berlin zu schleppen. Kollegen! Folgt den Vorspiegelungen dieser Herren nicht, sondern unterstützt uns in unserm Kampfe und zieht zuvor Er- kundigiing bei unserem Arbeitsnachweis: Alte Jakobstr. 16, ein. Folgende Firmen haben bisher nicht bewilligt: Witive Bünger, Wendel u. Co.. E. Gustedt, Köstermann u. ZarinzanSki, Keßler, A. Sinsel, Hoffmann u. Weiland, Wagler, Reiß u. Bunnetstcr, E. Hoppe, P. Hoppe, Eisner u. Haussig, Przygode, Vollmer, Brchmer, H. Schmidt, Ebel Nachf.l Die Arbeiterpresse Oestreich-UngarnS wird um Abdruck gebeten. Die Lohnkommission. DaS Gewerkschaftskartell in Grünberg(Schlesien) hatte sich wegen der ungerechten Zusammensetzung des dortigen Gewerbe- gerichts zunächst beschwerdeführend an den Regierungspräsidenten und nach der von dort erfolgten Zurückweisung der Beschwerde mit derselben an das Ministerium für Handel und Gewerbe gewandt. Die Beschwerde richtete sich darauf, daß zum Grünberger bewerbe gericht 8000 städtische Arbeiter 5 Beisitzer, dagegen 1200 ländliche Arbeiter 20 Beisitzer wählen. Außer der dadurch verursachten Ver- kürzung des Wahlrechts der städtischen Arbeiter, veranlaßt dieser Wahlmodus auch erhebliche Mehrausgaben, indem ein städtischer Arbeiterbeisitzer pro Sitzung 3 M. Vcrsäunmisgeld erhält, während einem Arbeiter- Beisitzer vom Lande 6 M.' und außerdem noch 7,60 M. Fahrgelder vergütet werden müssen. Das Ministerium hat die Beschwerde der Grüberger Arbeiter jedoch ebenfalls zurück- gewiesen und zwar unter Konstatierung der von den Beschwerde- fiihrern gar nicht bestrittenen Thatsache,' daß das Gewerbcgericht in seiner jetzigen Zusammensetzung seiner Aufgabe, in unparteiischer und ausgleichender Weise Justiz zu üben, gerecht gelvorden sei. Auf die eigentlichen Beschwerdepunkte aber geht die vom Minister Brefeld selbst unterzeichnete Antwort gar nicht ein. Eine merkwürdige Art, Beschiverdcn zu erledigen. Die Lünebnrgcr Strafkammer verurteilte zwei Maurer zu L Monaten bezw. 14 Tagen Gefängnis, weil sie einen Arbeits- willigen bedroht bezw. Hausfriedensbruch verübt haben sollten. Di« EtniSarbciter von Gmünd sind in eine Bewegung eingetreten. Sie fordern die 10 stündige Arbeitszeit! für Ueberstunden bis zu 3 Stunden pro Tag 33�/3 Proz. Aufschlag, für weitere bO Proz.; Montags und Sonnabends dürfen Ueberstunden nicht ge- nracht werden. Das sind die Hauptforderungen, die aber von den Fabrikanten samt und sonders abgelehnt worden sind. Die Arbeiter sind hierauf in den Streik eingetreten; die Bevölkerung, die nicht unwesentlich von dem Ausstand in Mitleidenschaft gebracht ist, bringt der Arbeiterschaft große Sympathien cngegen. Nachträglich hat ein Fabrikant bewilligt. Ausland. S«0 Italiener streikten am Albulahmnel(Kanton Graubünden) wegen Anstellung eines neuen Unteraccordanten. Sie verbarrikadierten den Tunneleingang, verhielten sich im übrigen aber ruhig. Die Polizei ließ die Wirtschaften schließen und ermahnte die Arbeiter zur Ruhe. Der Streik wurde nach dreitägiger Dauer wieder be- endet, jedoch ist nicht bekannt, mit welchem Erfolg. Daö Ende dcS Streiks in Creuzot scheint bevorzustehen. Die neueste Depesche lautet: Paris, 7. Oktober. Der Ministerpräsident Waldeck-Rousseau empfing heute vormittag gleichzeitig eine Abordnung des Arbeit- gebers und eine solche der Arbeitnehmer von Creuzot, welche in inehr als zweistündiger Unterredung mit dem Ministerpräsidenten gegenseitig ihre Anschauungen durch Frage und Antwort darlegten. Man glaubt, daß der Schiedsspruch heute abend oder spätestens morgen gefällt werden ivird. Eine' frühere Depesche sprach noch davon, daß ein Teil der Ar- beiter keinen Schiedsspruch wollten und auf dem Zug nach Paris beständen. Das ist aber eine grundlose Alarmnachricht. Die«hundert Ausständigen", die jetzt noch angeblich auf dem Zug nach Paris bestehen, zählen nicht bei 10 000 streikenden Arbeitern. Wie wir der«Petite Röpublique" entnehmen, hat das Streikkomitee fast einstimmig— mit 22 gegen 1 Stimme— sich für die Unterwerfung unter den Schiedsspruch des Ministeriums ausgesprochen, und ist dieser Be- schluh von einer Versammlung aller Streikenden«fast einstimmig" angenommen worden. Hiernach ist, da auch Herr Schneider rückhaltlos den Schieds- fpruch anzuerkennen erklärt hat, nahezu mit Geivißheit das Ende des Streiks unmittelbar zu erwarten.— Ans Vev Frnuvnbvmegung. Ueber die Lage der Schrankenwärtcrinncn an östreichischen Bahnen berichtet eine solche in der östreichischen„Arbeiterinnen- Zeitung". Die Wärterinnen sind Eheftauen von Wärtern. «Wenn man Frau eines Eisenbahnwächters sein will, muß man ein ärztliches Zeugnis über entsprechende Gesundheit beibringen. Dann muß sich die Frau einer Prüfung über sämtliche Dienstes Vorschriften unterziehen. Die Prüfung wiederholt sich zweimal im Jahr und die Wächtersfrau muß sich durch ein Gelöbnis der be- treffenden Bahnanstalt gegenüber verpflichten, nach bestem Können und niit allen ihren Kräften zu dienen. Der Dienst der Wächtersfrau beginnt gewöhnlich um 5 Uhr früh und dauert bis 7 Uhr abends, oft auch länger, was ganz von dem persönlichen Wohlwollen des Vorgesetzten abhängt. Der Dienst der Schrankenwächterin besteht darin, daß sie bei allen Personenzügen und Frachtenzügen, wenn der Wächterauf der Strecke ist, die Schranken schließt und öffnet. Laut Instruktion muß sie die Schließung 5 Minuten vor Ankunft eines jeden ZugeS vornehmen und denselben nach Passicruug 10 Minuten decken. Auf vielen Linien verkehren täglich 30 bis 40(auch noch mehr) Züge, und man muß jeden Zug fahrplanmäßig erwarten Die Züge haben aber oft Verspätung, lvodurch es vorkommt, daß man oft stundenlang beilden Schranken auf die Einfahrt eines Zuges wartet. Auf das Signal kann mair sich nicht verlassen, da oft ohne Signal eingefahren wird, wenn der Apparat fehlerhaft ist oder der Beamte in der Station vergißt, das Signal zu geben Die Kinder sind während dieser Zeit aufsichtslos und richten manchmal mehr Schaden an, als man den ganzen Tgg verdient Verläßt man sich aber einmal aufs Signal und der Zug kommt ohne ein solches, so ist es ein Wunder, wenn kein Unglück passiert und man nur von der Bahnanstalt gestraft wird. Das Strafshstem ist ein sehr sonderbares, und ich muß länger dabei verweilen; zeigt sich doch in diesem System die raffinierte Schäbigkeit und Gränsanikeit der Bahnaustalten. Keinem Unter- »ehmer, auch nicht dem schäbigsten, wird es einfallen, für Ver sehen seiner weiblichen Bediensteten deren Männer verantwortlich zu machen; dies zu erfinden, blieb erst den Bnhnnnternchmungen vorbehalten. Freilich ist dies Manöver ziemlich durchsichtig, denn die Frau bekommt täglich nur 16Vz kr., das sind monatlich 6 fl. davon kann man ihr aber doch nicht mehr als den halben Betrag strafweise abziehen, da das aber zu wenig profitabel ist, hilft sich die humane Bahnanstalt damit, daß sie einfach den Wächter um 50 kr. oder einen Gulden an seinem Lohn straft. Man merke wohl: für Vergehuugcn seiner Frau!" Weibliche Studenten in der Schweiz. Im letzten Winter- scmester 1898/88 betrug die Gesamtzahl der an den 7 schweizerischen Universitäten und Akademien vorhandenen Studenten undZnhörer4438 wovon 937 weiblichen Geschlechts waren. Von den letztern frequentierten 282 die Universität Genf, 231 Zürich, 172 Bern, 130 Lausanne, 52 Neuenbürg. 35 Basel und 25 Freiburg. Die Fakultäten partizipierten daran folgendermaßen: die philosophische mit 502, medizinische mit 304, die juristische mit 10 und die theologische mit 1. Nach deni Hcimatlande verteilten sie sich wie solgt: 335 stammten aus Rußland, 82 aus der Schweiz, 53 aus Deutschland, 25 aus Bulgarien, 17 aus Asien, 9 aus Oestreich, je 7 aus Serbien und Nordamerika, 0 aus Ungarn, 4 aus Rumänien, je 3 aus England und Holland und je 1 aus Italien, Spanien, Norwegen und Afrika. Indes handelt es sich hierbei nur um die eingeschriebenen 555 Studentinnen. Ueber die Nationalität der 382 ZuHörerinnen werden keine Mitteilungen gemacht. Von den 53 deutschen Damen studierten 38 in Zürich, 8 in Genf, 5 in Bern und 1 in Laufannc. Auf die Fakullären verteilten sie sich mit 30 auf die medizinische, 21 auf die philosophische und 2 auf die juristtsche. Sociales. bayrischen Durch die Für die Revision dcS Berggesetzes ist der Abgeordnetenkammer eben ein Gesetzentwurf zugegangen. Novelle soll Titel VII der Ncichs-Gciverbe-Ordnung auch auf die Bergarbeiter ausgedehnt werden. Die Bestimmungen über Ein- und-Austritt der Arbeiter werden den besonderen Bctriebsvcr- Hältnissen angepaßt, für minderjährige Arbeiter Arbeitsbücher vor- geschrieben uiid Arbeitsordnungen obligatorisch für alle Betriebe mit mehr als 20 Arbeiter vorgeschrieben. Die Betriebsinspektion wird den Bergämtern entzogen und dafür eigene Aufsichtsbeamtc in Aussicht genommen. Den Inspektoren sollen„sachkundige Hilfskräfte ähnlich wie bei der Fabriken- und Gewerbc-Jnspektion" beigegeben werden. Der Bergwerksbesitzer wird verpflichtet, zu gestatten, daß die Arbeiter auf ihre Kosten durch einen von ihnen, oder, wenn ein ständiger Arbeiterausschuß besteht, von diesem aus ihrer Mitte ge- wählten Vertrauensmann das Verfahren bei Feststellung von Abzügen bei Gedingen überwache» lassen. Ist im Falle der Fortsetzung der Arbeit vor demselben Arbeitsort das Gedinge nicht bis zu dem in der Arbeitsordnung bestimmten Zeitpunkte abgeschlossen, so ist der Arbeiter berechtigt, die Feststellung seines Lohnes nach Maßgabe des in der vorausgegangenen Lohnperiode für dieselbe Arbeitsstelle gültig gewesenen' Gedinges zu verlangen. Der Rauminhalt der Förd'ergefäßc muß in deutlicher, außen sichtlmrer Weise an den Gefäßen zu erkennen sein. Genügend und vorschriftsinäßig beladene Fördergefäße zur Strafe in Abzug zu bringen, ist unzulässig. Auch das Statut für die Knappschaftskassen wird von den: Gesetzentwurf in ver- 'chiedeuer Richtung geändert, worüber gelegentlich Näheres zu berichten ein wird. Im großen und ganzen bringt der Gesetzentwurf eine erheb- liche Verbesserung des bisherigen Zustandcs, er wird die Bergarbeiter aber keineswegs befriedigen, da lang geforderte und berechtigte Reformen keine Berücksichtigung gefunden haben. Sonntagsruhe im Handclögcwerbc. Schon geraume Zeit quälen sich die Dresdener städtischen Kollegien mit der Lösung der Frage der Sonntagsruhe im Handclsgewcrbe in Bezug auf den Ladenschluß herum. Den Anlaß dazu hat eine Petition ans Handluugs- gchilfcnkreiscn gegeben. Charakteristisch für den Geist, der das Dresdener Rats-' und Stadtverordneteukollegium beherrscht, ist, wie diese wichtige Frage behandelt wird. Ein Herüber- und Hinübergezerre sondergleichen. Dresden ist bekanntlich eine euer wenigen Großstädte in Deutschland. die in Bezug auf diese Frage die widersinnigsten und für die Angestellten im -andelsgcivcrbe ungünstigsten Einrichtungen hat. Vor einiger eit- stellten sich die Stadtverordneten auf einen den Petenten zustimmenden, der Rat auf einen ablehnenden Stand- Punkt, ebenso der referierende RcchtSausschutz. Der Rat veranstaltete darauf eine Umfrage an die Ladengeschäftsinhabcr. Von 2333 Be- ragten sprachen sich 1521— also die große Majorität— f n r die Petition auS. Trotzdem bcharrte der Rat auf seinem ablehnenden Stand- Punkt. ES wurde vom Rcchtsausschuß von neuem die Sache beraten und nunmehr von diesem in der letzten Stadtverordnetcnsitzung ein Gutachten vorgelegt. In demselben wurde Schluß der Ladengeschäfte im Handelsgewerbe an Sonn- und Festtagen— unter den üblichen Ausnahmen— von nachmittags 2 Uhr ab vorgeschlagen. Gewiß ein sehr bescheidenes Zugeständnis. Außerdem sollte der Rat in geeigneter Weise erörtern, ob und wie weit eine Beschränkung des Ver- kaufs mit Brot und weißer Vackware. sowie für den Kleinhandel mit Heizungs- und Bcleuchtnngsgeg cnständcn an Sonn- und Festtagen ausführbar und wünschenswert sei. Die Frage schien also in ein anderes, für die Petenten etwas günstigeres Stadium getteten zu ein. Merkwürdigerweise hat sich nunmehr die Majorität der Stadt- verordneten die Sache anders überlegt, und diese Anträge mit 32 gegen 25 Stimmen abgelehnt. Nach viclmonatelangem Hin- und Her- zerren bleibt alles beim alten! Und was gegen den Ladenschluß am Nachmittag vorgebracht wurde, dürfte an Unbegreiflichkeit kaum überboten werden. In der tvegwerfendsten Weise wurde von den 300 Bediensteten"— den Petenten— gesprochen. Es sei weiter nichts dabei, wenn sie 12—15 Stunden arbeiten müßten. Da könnten auch die Kellner, Straßen- und Eisenbahner Sonntagsruhe verlangen. Die kleinen Leute hätten nicht Keller und Eisschränke, Die Einführung einer Baukontrollc steht in Ludwigshafen bevor. Der Bauausschuß hat bereits einen Entwurf dazu ausge- arbeitet, der jetzt— ein sehr empfehlenswertes Verfahren— der Ocfscntlichkcit unterbreitet wird. Unser dortiges Parteiblatt fordert die Gewerkschaften auf, die Vorschläge einer Prüfung zu unterziehen und ihre Meinung dazu zu sagem_ MkkovAvifches. Partcilittcratur. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts sind jetzt zwei Broschüren erschienen, die das lebhafteste Interesse der Parteigenossen in Anspruch nehmen. In der ersten nimmt Genosse Liebknecht unter dem Titel: Kein Komproinis!! Kein Wahlbündnis? Stellung zu den schwebenden Partei- fragen. Genosse Liebknecht vertritt darin den Standpunkt, daß wir keine«Bündnisse, Verabredungen, Kartelle, Verträge" eingehen dürfen,«durch welche ein Priucipienopfer bedingt oder überhaupt das Verhältnis unserer Partei zu den bürger- lichen Parteien in einer für uns nachteiligen Weise geändert wird". Eine Ansicht, über die in der Partei nur einerlei Meinung herrschen dürfte. Strittig ist nur die Anwendung dieses Grundsatzes auf be- stimmte Fälle. Wie Genosse Liebknecht über die Anwendung dieses Satzes auf bestimmte Fälle denkt, das mag der Leser in der Broschüre lesen. Die zweite Broschüre, von Kurt Ei Sner, behandelt unter dem Titel„Eine Jmilcrrcvolte" die Fragen der inneren preußischen Politik unter Anlehnung an den Kaualhandel und prüft diese Frage vom Staudpunkte des Socialismns. Der Stoff ist gegliedert in folgende Kapitel: Die Politik der Mitte, Kultnrintcresse und Jntercssenkultus, der persönliche Wille, Bilder aus der verkehrten Welt, die Komödie der Drohungen, ohne Socialdemokraten. Im ersten Abschnitt ivird das Verhältnis zwischen Industrie und Land- Wirtschaft in Preußen mit Hilfe von Zahlen über Bevölkerungs- gliederung, Bodcnbeiiutznng, Einfuhr und Ausfuhr von Industrie- erzeugnisscn und Nahrungsmitteln geschildert. Der Verfasser kommt am Schlüsse seiner interessauten Dar- legungen zu der Forderung, daß wir auch in Preußen die Eroberung der politischen Macht mit allen tauglichen Mitteln anbahnen müssen, und verlangt einheitliche und bindende Beschlüsse zur Frage der preußischen Landtagswahlen. Diese Broschüre ist somit gewissermaßen das Gegenstück der crsterivähnten und eS ivird deshalb kein Leser der einen versäumen dürfen, die andere zu lesen. 0. Gevictzks--Zeikung» Ein betrübender Unglücksfall, ivobei ein junges blühende? Menschenleben zu Grunde ging, beschäftigte gestern die 2. Straf- kamnier des Landgerichts I. Ain Vormittage des 3. Juli war der Schlosscrmeistcr D a y ck e mit seinen Lehrlingen beschäftigt, Eisen- stangen verschiedener Stärke und Form vom Hausflur nach dem Hofe zu schleppen, wo die Stangen auf ein an der Wand angebrachtes Regal untergebracht ivurden. Der 15jährige Lehrling Pick war damit beschäftigt, die Stangen von der offenen Schmalseite des Regals mittels eines eisernen Hakens in die richtige Lage zu bringen. Warum der Lehrling unter das Regal kroch, hat sich nicht feststellen lassen, aber in demselben Augenblick, als er sich darunter befand, brach das Gerüst zusammen und Pick Ivurde unter der schweren Last begraben. Die herbeigerufene Feuerwehr arbeitete mit möglichster Schnelligkeit, der arme Lehrling war aber bereits erstickt, als man ihn hervorzog, Deycke wurde wegen fahrlässiger Tötung zur Verantwortung gezogen, es konnte aber im Termine kein SchuldbewciS herbeigeführt werden, so daß ein fteisprechendeS Urteil erfolgte. De» fromme Glaube i» der Medizin. Der Vertrieb eines angeblichen Heilmittels gegen Epilepsie hat dem Apothekenbesitzer Karl Prall eine Anklage wegen Betruges zugezogen. In der Apotheke, die der Angeklagte vor etwa fünf Jahren übernahm, ivurde schon seit vielen Jahren ein seiner Zeit von einem Arzte angegebenes Mittel gegen Epilepsie und Krämpfe hergestellt, welches durch Zeitungsreklamen dein Publikum als Heilmittel augepriesen wurde. Das Mittel bestand aus einer Anzahl Pulver und einem Päckchen Kräuter, welche als nervenstärkend geltend, wie Faul- banmrinde, Eichenmispel, Baldrian, Kamille, Bibergeil sc. Der Preis für Pulver und Thee betrug zusammen 10,50 M. Die Anllagcbchörde behauptete, daß der Angeklagte bei der Anpreisung und dem Verkauf des Mittels sehr wohl gewußt haben müsse, daß es sich gar nicht um ein Heilmittel handele und daß der Preis, der dafür gefordert wurde, in gar keinem Verhältnis zu dem un- bedeutenden Werte der Bestandteile des Mittels stehe. Diesen Standpunkt vertrat gegenüber den lebhaften Einwendungen de? Angeklagte» insbesondere der Gerichtsphysikus Dr. Stürmer. Das Schöffengericht hielt seiner Zeit auch einen Betrug für vor- liegend und erkannte aus 300 M. Geldstrafe. Hiergegen hatte der Augeklagte Berufung eingelegt, die von den Rechtsanwälten odländ'cr und Le'onh.' Friedmann wirksam vertreten wurde. Als Sachverständige waren außer dem Apothekcn-Revisor Mcdizinalassessor Dr. Schacht der Gerichtsphysikus Dr. S t ö r m e r und der Vorsitzende des Deutschen ApothckerverbandeS Max Fröhlich in der Berufungsinstanz(5. Strafkammer) thättg. Die Sachverständigen waren sich in ihrer Ansicht über den Charakter des Mittels als Heilmittel nicht einig, so daß der Vorschlag gemacht wurde, ein Obergutachten einzuholen. Der Gerichtshof glaubte hiervon Ab- stand nehmen zu sollen, da er aus den von den Verteidigern geltend gemachten Gründen zur Aufhebung des ersten Urteils kam. Der Gerichtshof hielt nicht für genügend nachgewiesen, daß der Angeklagte gemußt habe, daß das angepriesene Mittel gar kein Heilmittel sei. Es handle sich um alte Volksheilmittel, welche neuerdings wohl außer Mode gekommen seien. Es lasse sich nicht leugnen, daß doch auch bei den Heilmitteln eine gewisse Mode bestehe, wie die Eni- Wickelung der Hcilmitteltheorie in den letzten Jahrhunderten zeige. und so könne man nicht wissen, ob nicht auch diese Heil- mittel doch noch einmal modern werden. Dazu komme, daß ein Arzt dieses Mittel Ende der sechziger Jahre als Heil- mittel hergestellt, daß sich zwei andere Aerzte zu ihm de- kannt haben, daß es seit 80 Jahren verkauft und als ein hochwertiger Bestandteil der Apotheke von den Erwerbern derselben'mit übernommen ist und daß schließlich eine ganze Reihe von Atteste» vorliegen, in denen Personen bestättgcn, daß sie durch das Mittel Besserung und Heilung erfahren haben. Der Gerichtshof hielt deshalb eine Schuld des Angeklagten nicht für genügend nach- gewiesen und erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils auf Freisprechung._ Urlzko Tlschvichken und Depeschen. Einbcrufnng der Rcichsratö in Oestreich. Wien, 7. Oktober.(B. H.) Der Kaiser empfing heute den Grafen Clary in Audienz und unterfertigte während derselben ein Hand- chreiben, mit welchem die Session des Reichsrats geschlossen und llr den 18. d. M. einberufen wird. Graf Clary übermittelte bereits das EiilbcrufungSschmbcn für die Abgcorductcu dem Priisi- deuten des Abgeordnetenhauses Fuchs. Transvaal. London, 7. Oktober.(W. T. B.) Das Kriegsamt giebt be- kannt, daß etwa 25 000 Reservisten die Aufforderung sich zum aktive» Dienst zu stellen, erhallen werden. Rom, 7. Oktober.i k in a l ist, in den es hat hineingeschoben werden tnüsten! Bürgliche Blätter veröffentlichen jetzt das Urteil des Bezirksausschusses in der bekannten Angelegenheit. Mehr als sechzig Seiten füllend, behandelt das Erkenntnis in seiner ersten Hälfte den Thatbe stand sehr ausführlich, wobei der Referent Berwaltungsgerichts- Direktor Freusberg bis in das Rcvolutionsjahr 1848 zurückgreift und genaue Angaben über die Bestattung der damals Gefallenen, die später Exphumierten und auf Kosten der Gemeinde anderweit Beerdigten, die Geschichte des Kirchhofs, seinen gegenwartigen Zustand und die geplante Verbesserung des letzteren beifügt. In den sehr sorgfältig ausgearbeiteten„Gründen" wird zunächst die Frage er- örtert, ob der Polizeipräsident befugt lvar, aus politischen Gründen eine Bau- Erlaubnis zu versagen, und falls dies zu bejahen, ob die in seiner Verfügung angegebenen Gründe fstr zu- treffend zu erachten seien. Wie vor ihm das Ober-Verwaltungsgcricht, so hat auch der Bezirksausschuß angenommen, daß die Polizeibehörde sich bei Erlaß der Verfügung vom 13. Februar d. I. durchaus auf einem ihrer Zuständigkeit unterstellten Gebiete bewegt habe f denn „die nötigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicher- heit und Ordnung und zur Abwehr der dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern drohenden Gefahr, ist das Amt der Polizei". Zudem verbiete das Gesetz einen Bau, welcher dem Genieindowesen „zum Schaden oder zur Unsicherheit" gereiche. Die Begründung jener Verfügung, wonach das geplante Friedhofsportal eine„Ehrung der dort begrabenen Märzgefallenen, mithin eine politische Demon- stration zur Verherrlichung der Revolution" bezwecke, müßte nach den Verhandlungen der Stadtverordneten- Versammlungen für zutreffend erachtet werden. Der Behauptung des M a g i st r a t s, daß ihm jedwede politische Tendenz fern gelegen habe, sei zwar vollen Glauben beigemessen worden, die Stadtverordneten aber haben wiederholt deutlich zu erkennen gegeben, daß sie eine Ehrung der Märzgefallenen bezweckten, und dies sei auch in dem Vertvaltungsstreite des Magistrats gegen die Stadtverordneten wegen der geplanten Kranznteder- leg u n g deutlich zum Ausdruck gekommen. Es sei dabei un- erheblich, ob den Stadtverordneten die im Magistrat ventilierte I n- schrift zur Beschlußfassung vorgelegen habe oder nicht; wenn der Magistrat vor dem Lber-Verwaltungsgericht jene Tendenz bekämpfte, so mußte er als ausführende Behörde auch in der Portals- frage gegen den Stadtverordneten-Beschsnß ans denselben Gründen Stellung nehmen, Der Beschluß auch nur einer der Heiden städtischen Körperschaften sei für ausreichend zu erachten; die Stadtvcrordueten-Vcrfammluug habe in beiden Fällen ihre Be fugnis überschritten. ES könne sich daher nur noch um die Frage handeln, ob der von den Stadtverordneten beabsichtigte Zweck, die Märzgefallenen bezw. die Revolution zu verherrlichen, durch das projektierte Bauwerk auch zum Ausdruck gebracht worden wäre. Auch diese Frage hat der Bezirksausschuß bejaht, da es sich hier um einen Monumentalbalt handle, her zu dem kleinen, einfach aus- gestatteten Friedhofe in gar keinem Verhältnisse stehe. Unterstützt werde die Ansicht des Gerichtshofes über die Unzulässtgleit des ge- planten Baues durch die Thatsächen, daß der Friedhof im Friedrichs Hain alljährlich am Gedenktage per Märzrevolution von vielen Tausenden besucht werde, daß die öffentliche Diskussion i» Wort und Schrift sich dieser Angelegenheit niit außergewöhnlicher Lebhaftigkeit bemächtigt habe, und daß aus der Bürgerschaft heraus zahlreiche Proteste gegen den Portalbau erhoben worden seien. Ans allen diesen Gründen sei der Verfügung des Pylizeiprnsidenien bei- zupflichten und die Klage des Riagistrats kostenpflichtig abzuweisen. Dann heißt es im offiziös inspirierten Stjl: Dem Magistrat steht nun nach 8§ 83, 85 des LandeS- berwaltnngS-Gei'etzes gegen daS Urteil binnen zwei Wochen die Berufung an das Ober-VerwaltungSgericht zu, indes hofft man. ganz abgesehen vyn der völligen Aussichtslosigkeit dieses Rechtsmittels, daß der Magistrat von dem letzteren keinen Gebranch machen, vielmehr auf den Vorschlag des Polizeipräsidiums, einen bescheideneren Entwurf einzureichen, eingehen werde, wie dies Bürgermeister Kirschner in der bekannten Mai- sitzung der Stadtverordneten bereits empfohlen hatte. Geht e« nicht an, daß der Magistrat auch auf den bescheideneren La» verzichtet? In solcher frommen Entsagung läge ein der Re- gierung so wohlgefälliges Stück Devotion, daß die Belohnung nicht ausbleiben dürft« I Iv-Z d. MtS. ab Montags, Lakales. Die juristische Gprechstunde findet bi» zum Nicht von S— 8 Uhr, sondern von l/,8 Uhr Dienstags, und Freitags statt. Achtung, 1. Wahlkreis! Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß die Mitglieder des WnhlvereinS am Sonntag, den 16. d. M., einen Ausflug nach Treptow machen, um durch das Riesen-Fcrnrohr den Mond zu beobachten. Billets zur Sternwarte sind in den Zahl- stellen und beim Vorstand zu haben. Nähere Angaben siehe an dieser Stelle am nächsten Sonnabend und Sonntag. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand Die Mitglieder deS Wahlvereins für den zweiten Berliner ReichStagö-Wahlkrcis werden an dieser Stelle noch besonders auf die am Dienstag bei Habel in der Bergmannstraße stattfindende Generalversammlung hingewiesen. Die wichtige Tages- ordnung macht das Erscheinen aller Ritglieder erforderlich. Arbeiter- Bildungsschule. Heute abend in Cohns Feftsaal, Veuthstr. 13 I: B o r t r a g des Rechtsanwalts F r ä n k l über: „Bildungsbestrebungen der Arbeiter". Die Aendc- .rung im Lehrplan(siehe Inserat) wollen die Genossinnen und Genossen gest. beachten. Freie Volksbühne. Die dritte Abteilung hat ihre„Faust"» Aufführung heute nachmittag L'/e Uhr im Ostend-Theater, für die sechste Abteilung S?/« Uhr im Lessing-Theater werden die „Journalisten" gegeben. Pünktliches Erscheinen wird den Mit- gliedern zur Pflicht gemacht. Die ö. Abteilung ist geschlossen. — Die Zahlstelle L3 von Fritz Zubeil befindet sich jetzt Markgrafenslraße 102 beim Restauratenr Saß. Die Billets zum Herbstfejt 14. Oktober, Brauerei Friedrichshain, gelangen jetzt m allen Zahlstellen zur Ausgabe a 50 Ps.(Bitte die heutige Annonce im Inseratenteil zu beachten.) Der Vorstand. I. A.: E. WtnIIer. der Borlage über die Stadtverordnetenwahlen eingebracht wurde. Mit der Neuen Fraktion der Linken stimmten auch die Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s und M i ch e I e t. das Gros der„freisinnigen Stadtverordneten stimmte aber gegen den Antrag. Gründe wurden dafür nicht angegeben." Ob dieseßAngaben vollauf zutreffen, können wir nicht Ion trollieren, doch nehmen wir sie als richtig hin, und das um so mehr, als wir erwarten, baß die Herren bald Gelegenheit haben werden, unter ihren weiter nach rechts stehenden Freunden für eine Erleichterung der Teilnahme an der Wahlhandlung zu agitieren. Aus dem Rathause liegt nämlich folgende Mitthcilung vor: Die Entscheidung des Ober-Verwaltungsgerichts vom 8. d. M.. wonach die Teilung der einzelnen Gemeinde- Wahlbezirke in sogenannte Abstimmungsbezirke unzulässig ist, wird, wie es scheint, incht ohne Einfluß auf die Anordnung der für Anfang November in Aussicht stehenden Berliner Stadt verordncteMvahlen sein. Bekanntlich werden zur Erleichterung des Wahlgeschäfts seit einer langen Reihe von Jahren sowohl in Berlin wie iii anderen großen Städten die Wahlbezirke in Teile zerlegt, in denen unter gesonderten Wahlvorständeii und in getrennten Lokalen die Stimmen abgegeben werden. So sind nach der Be kanntmnchung des Magistrats vom 2. d. M. sämtliche Wahlbezirke III. Abthcilung in zwei und auch drei Abstimmungsbezirke zerlegt Nachdem dieses Verfahren zur Ungültigkeitserklärung der betreffenden Wahlen(Stettin) durch die höchste entscheidende Instanz geführt bat. dürfte diese Sache den hiesigen Magistrat in seiner nächsten Sitzung beschästigen. Beabsichtigt wird, wie verlautet, in jedem Wahlbezirk nur in einem Wahllokal vor einem Wahlvorstand wählen zu lassen, außerdem aber einen Antrag auf entsprechende Aendernng des 8 14 der Städte-Ordnung an die Staatsregiernng zu richten. Zur schnelleren Abfertigung der Wähler sollen besondere Ein- xichtungen getroffen werden, Ivelche ermöglichen, daß auch unter den ver änderten Umständen der ordnungsmäßige Verlauf der Wahlen ge sichert ist. Zu statten kommt dem Wahlverfahren hierbei die Neneinteilung der Wahlbezirke, welche in diesem Jahre zum ersten mal in Wirksamkeit tritt, während früher einer der Wahlbezirke III. Abteilung etwa 26 000 Wähler umfaßte, gehören jetzt jedem der neuen Wahlbezirke 6—7000 Wähler an. Nach Lage der Dinge sind wir dcrUcberzeugnng, baß auch in Bezirken mit 6000—7000 Wählern e i n Lokal nicht genügen wird, wenn nicht ganz besondere Maßnahmen getroffen werden. In den letzten Stunden hat in früheren Jahren schon bei der Wahlhandlung ein fast lebensgefährliches Gedränge geherrscht, trotzdem man nach dcni vom Obervcrwaltungsgericht beanstandeten Tcilungsprincip verfahren war. Bei den in vier Wochen stattfindenden Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung wird die Kamalität sich u m vieles schwieriger gestalten, werden viele Wähler, die erst am Abend ihr Wahlrecht auszuüben im stände sind, dieses Rechtes v e r l u st i g gehen, wenn nicht entsprechende E r- leichter ungen dadurch geschaffen werden, daß man den Sonntag als Wahltag wählt. Ohne Zweifel werden die socialdeniokratischen Stadtverordneten angesichts der neucntstandcneii Schwierigkeiten ihre sn der letzten Sitzung unbeachtet gebliebenen Forderungen nunmehr in entsprechender Form wieder vorbringen. Dann wird sich angesichts der veränderten Situation ja um so schärfer zeigen, ob der Magistrat und die freisinnige Stadt verordnetenmehrhcit gesonnen ist, dem Arbeiter die Ausübung seines Wahlrechts zu' e r m ö g l i ch e n oder ob die politische R e ch tl o s m a ch u n g des Arbeiters, die die reaktionären Parteien unverblümt fordern, von der Mehrheit der kommunalen Vertreter auf Schleichwegen in die That umgesetzt werden soll. Wie wird zur Stadtverordneten» Versammlung gewählt werden? Die Volksfeindlichkeit der Ablehnung deS socialdemokratischen Antrages, den Wahltcrmin in der dritten Abteilung auf einen Sonntag zu verlegen, wird auch auf linksfreisinniger Seite allmählich betont. Nachdem die demokratische„BolkSzeitung" sofort die Stadtverordneten- Versammlung wegen ihres Votums getadelt hatte, sieht sich jetzt auch die„Berliner Zeitung" in einer Polemik gegen das Organ des Herrn Eugen Richter veranlaßt, die zu ihr haltenden Stadtverordneten vor dem Ver- dackit des Liebäugeins mit der Stadtverordneten» Mehrheit zu reinigen. Das Blatt betont. daß die Neue Fraktion der Linken für den socialdemokratischen Antrag gestimmt habe. Weiter schreibt die„Verl. Ztg.":„Einen Beschluß über den Antrag hatte die Fraktion nicht fassen können, da er nicht auf der Tages- ordnung stand, sondern während der Sitzung als Amendement zu Die Hcrabsetzmig des Preises des zur Beleuchtung verwendeten GgseS ist eine Forderung, die so lange immer wieder erhoben werden muß und so lang» immer wieder erhoben werden wird, biS sie in aus- reichender Weise erfüllt ist. Der Einwand, daß die finanzielle Lage der st ädtischen Gaswerke eine solche Maßregel nicht gestatte, ist heute hinfällig. Die Gaswerke niachcn, nachdem der Gasverbrauch eine Zeitlang zurückgegangen war, seit einigen Jahren wieder bessere nnd gegenwärtig sogar recht gute Geschäfte, und zwar gerqde infolge einer Maßregel, wie es die geforderte ist, infolge der Er Mäßigung des Preise« des zum Kochen, zum Heizen und zu gewerblichen Zwecken ver wen- beten GafeS. Diese im Jahre 1835 durchgesetzte Ermäßigung hat eine ganz außerordentliche Vermehrung des Ab- satzes von Koch- usw. Gas zur Folge gehabt und hat so den städtischen Gaswerken und dem Stadlsäckcl nicht nur keinen Schaden, sondern vielmehr einen bedeutenden Nutzen gebracht. Am 1, Juli 1835 trat die Herabsetzung des Preises von 12�/- Pf. auf 10 Pf. pro Kubikmeter in Kraft. Die Wirkung war eine so durch- schlagende, daß der Verbrauch dieses verbilligten Gases von 1834/35, dem Jahre vor der Ermäßigung, bis zum Jahre 1837/38 von noch nicht 10 Millionen Kubikmeter auf über L4Vs Millionen Kubikmeter stieg, also in nur drei Jahren auf das rund 21/, fach» de« früheren Verbrauches. In derselben Zeit stieg der Reingewinn— selbst nach der etwas wenig urchsichtigen Berechnung, die in den Magistratsberichten über die Berwaltung der städtischen Gaßwerke gegeben wird— von nind 31/z Millionen Mark auf fast 5 Millionen Mark oder pro 1000 Kiibid meter produziertes Gas von 32,14 Mark auf 40,58 Mark. Aus dem Jahresabschluß pro 1338/33 ergiebt sich, soweit bis jetzt bekannt geworden ist, eine weitere erhebliche Steigerung des Absatzes und des Reingewinnes. Eine' so bedeutende Besserung des finanziellen Er- gebnisses der städtischen Gaswerke rechtfertigt doch wohl die Forderung einer Preisherabsetzung auch für Gas zu BeleuchtungKzwecken. Obenein dgrf als zienKich sicher angenommen werden, daß diese Herabsetzung eine ähnliche Wirkung haben würde, wie die Verbilligung des Gases zum Kochen usw. sie gehabt hat. Von den Gewerbetreibenden— denn namentlich sie kommen als Abnehmer von Gas in Betracht— würden die kleineren in ihren Ausgaben für Beleuchtung der Arbeits- und Verkäufsrälime entlastet werden, pie größeren aber würden durch um so stärkeren Verbranch des verbilligten Gases nicht bloß den Einnahmeausfall decken, sondern den Gaswerken noch ein Mehr an Gewinn bringen. Angeblich wird schon für die nächste Zeit eine Verbilligung des Leuchtgases geplant, doch soll sie, wie eS heißt, durch Verteuerung des Koch- usw. GaseS wett gemacht werden. Gegen die Absicht einer solchen Lösung der GaSfrage muß auf das aller- schärfste protestiert werden. Leider ist aber von einer Stadt- v e r 0 r d n e t e n- V e r s a m m l u n g, die wie die gegenwärtige zusammengesetzt ist, zu befürchten, daß si» auch dazu Ja und Amen sagen würde._ In der Harmlosen-Sache veröffentlicht das„Kl. Journal" den folgenden, an den Herausgeber des Blattes gerichteten Brief: „Berlin, NW., Rathenowerstr. 48, den 22./1. 90, Sehr geehrter Herr I Am Freitag, den 20. d. MtS.. erschien im„Kleinen Journal" ein Artitel. welcher die jetzt so beliebt«„Spieleraffaire" besprach. Mich interessiert nicht, woher jene Informationen stammten. Ich verlange also keinen Verrat des Redaktions-GeheimnisicS. Sie waren ein- mal so freundlich, im Interesse der Frau Gräfin Brockdorf in dem„Kleinen Journal" auf einen von dieser Dame zum Besten der in Schlesien Ueberschwcmmten veranstalteten Verkauf hinzu- weisen. Aus Dankbarkeit und, weil ich weiß, daß ich einer guten Sache diene, möchte ich Ihnen nahe- legen, Informationen, welche darauf hinzielen, einen gewissen kleinen Dr. K. in der öffentlichen Meimiiig Herabzusetzen, keinen Glauben zu schenken. Jene Mitteilungen sind, wie ich weiß, un- wahr und entstellen den wahren Sachverhalt. Insbesondere habe ich keine E r ni ist t e I u n g c n wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels gegen Dr. K. angestellt. Ich überlasse es Ihrem Zartgefühl und Ihrem Takt, in geeignet erscheinender Weise, natürlich ohne meinen Namen und Amt zu nennen, von meinen Mitteilnngcn Gebrauch zu machen zu Ihrem Nutzen und Frommen. Soviel ich weiß, ist jener Mann ein G e n t l e- man, dem durch jene Veröffentlichung bitteres Unrecht geschehen ist. Ich bin fest überzeugt, daß Sie in bokaiinter Liebenswürdig- keit und Unparteilichkeit der angegriffenen Ehre jenes Mannes Gerechtigkeit werden widerfahren lassen. Ich zeichne mich Hochachtungsvoll und ergebenst Hans von Manteuffek, Krim.-Kommissar und Hauptmann der Garde-Landwehr- Feld-Artillcrie." Angesichts de? Ilmstandes, daß in jener Zeit doch gegen den Dr. Kornblnm Ermittelinigei« wegen gewerbsmäßigen G l n ck s p i e l s im Gange waren, schreibt das erst durch die Gerichtsverhandlungen der letzten Tage aufgeklärte Blatt noch recht geärgert: „Zu jeiier Zeit waren wir noch so naiv zu glauben, daß ein königlicher Kriuiinalkoniiiiissar, der Träger eines preußischen alt- adeligen Nanicns, ein Hmiptmaiin der Garde-Feldartillerie nicht im stände sei, in der frivolsten Weise wissentliche Unwahrheiten unter der Maske der Dankbarkeit in die Presse zu lancieren." Geschieht dem würdigen Journal schon recht. Mit einem Blatte, da» sidi überhaupt, gleichviel ans welchen Gründen, mit Organen der Polizei in ein ko'rdialos Verhältnis einläßt, kami man wirklich kein Mitleid haben. Ihm gegenüber ist nur höchstes Miß- trauen am Platze. I», Kampfe gegen die Arbeiterschaft marschieren Reaktion und Wasser st iefel-Freisinn in Reih und Glied miteinander. Als am 21. September die socialdemokratischen Anträge gegen die Kinder-Ausbeutung im Stadtparlament behandelt worden, schrieben die„Neuesten Nachr.", das Organ der Herren Krupp und Compagnie, voller Verlegenheit: „Die Eltern der Kinder, welche übermäßig ausgenutzt werden, stehen aller Wahrscheinlichkeit nach ganz überwiegend im social- demokraiische» Lager. Auf diese Eltern, ihre„Genossen", sollte die Socialdcmokratie zunächst wirken, bevor sie nach dem Polizei« stock ruft." Und gestern war in einem furchtbar grimmig gehaltenen Artikel der„Freis. Ztg." des Herrn Eugen Richter zu lesen? „In erster Reihe sind für diese Ausbeutung nicht die städtische Verwaltnng, sondern die Eltern der Kinder verantwortlich, und diese Eltern werden zu einem großen Teil Genossen der Socialdemokratie sein. Man hat noch nicht davon gehört, daß in socialdemolratischen Versammliuigen man auch an die Eltern appelliert, von solcher Ansbentung abzulassen." Wir traten den„Neuesten Nachr." seiner Zeit mit dem Hinweis entgegen, daß doch Tag für Tag iu der socialdemokratischen Presse der vermißte Appell an die Eltern ergehe, indem diese Presse sehr zum Verdruß der Scharfmachcrci die Eltern auffordere, sich bessere Zustände zu erkämpfen, Zustände, nntcr denen die Bei- Hilfe der Kinder zum Broterwerbe vollauf e n t b e h r l i ch sei. Daß eine solche Einwirkung socialdemokratischer Zeitungen den Zuchthausschlpärmern ein Dorn im Auge ist, weiß die Welt, wie sie ebenfalls weiß, daß die Kämpfe des Proletariats»m Verbesserung einer Lebenshaltung auch vom Freisinn Nichte r s ch e r Observanz mit scheelen Augen betrachtet und mit ordinär« kapitalistischen Gründen begeifert worden sind. Die„Freis. Ztg." hat unrecht und sie wird, wenn auch wider Willen, anerkennen müssen, daß die socialdemokratische Preffe im Vollbewußtsesn ihres Pflicht- zefnhls den Appell an die socialdemokratischen pnd nicht social- demokratischen Eltern als eine ihrer wesentlichsten Auf« gaben betrachtet hat. Oder erging der Appell nicht in der richtigen Weise? Hätte die socialdemokratische Presse ihren Lesern vom Or- ganisicre» abraien und sich auf Moralpredigten int Sonntaanach- mittags-Predigtstil beschränken sollen? Aber nein! Soviel Thor« heit trauen wir denn doch auch Herrn Richter nicht, zu, daß er von einer Arbeiterpresse verlangt, sie solle ihr Publikum mit 'reisinnigen Kapitalistenphrasen beleidigen! Oeffentliche Uhren. Infolge des Ersuchens der Stadt- verordneten-Vcrsainmlung an de» Magistrat, ihr eine Borlage über Errichtung öffentlicher centralregulierter und selbsfthätig kontrollierter Uhren zugehen zu lassen, hat der Magistrat der Versammlung mit- geteilt, daß er nunmehr beabsichtige, 17 Kandelaberuhren, welch» Reklamezwecken nicht dienen sollen, durch die Gesellschaft Normalzeit ansführen zu lassen. Als Plätze für die Aufstellung derselben sind in Aussicht genommen: 1. Lnisenstraße bei der Schumaimstraße, 2. Putlitzstraße, Ecke Stephanstraße, 3. Nettelbeckplatz. 4. Exercier« platz, Ecke Koloniestraße. 5. Humboldthain bei der HimmelfahrtS- kirche, 6. Vinetaplatz, 7. Wörtherplatz. 8. Platz an der Bartholomäus« kirche, 3. Elbingerstrqße, Ecke Wernenchenerstratze, 10. Landsberger« platz, 11. Baltenplatz, 12. Warschaucrstraße, Ecke Gubenerstraße, 13, bei der Oberbaumbrücke, 14. Hohenstaufenplatz, 15. Planufer beim Urbanhafeu, 16. Hornstraße, Ecke der Großbeerenstraße, 17. Bülowstraße, Ecke Manstelnstraße. Veim Unternehmertum hat sich bekanntlich die schöne Sitte planmäßiger Gesetzesverletzung zu einer gewissen Virtuosität heraus« gebildet. Wie arg es mit der Mißachtung der in Streiksällen natür« l,ch eiligst zur Stelle citierteii gesetzlichen Autorität bestellt ist, zeigt eine recht schonend abgefaßte Mitteilung des Polizeipräsidiums: Die Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe inden, namentlich soweit eS sich um die in der Oeffentlichkeit weniger !ervortretende Beschäftigung in Eomptoiren und Bureau« siandelt, noch immer nicht genügende Beachtung. In Hinblick hierauf machen wir die Handelsgewerbetreibenden zur Vermeidung unliebsamen Einschreitens der Polizeibehörde(wie zart I) daraus auf« mcrksam, daß»ach der Verordnung über die Sonntags« ruhe im Handelsgewerbe vom 20. Funi 1892, von den dort zugelassenen Ausnahmen abgesehen, Gehilfen, Lehr« linge und Arbeiter am ersten Weihnachts«, Oster- und Pfingst« 'etertage überhaupt nicht, an den übrigen Sonn- und Festtagen aber nur in der Zeit von 7 bis 10 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uho nachmittags beschäftigt werden dürfen. Diese Bestininumg bezieht ich auf alle Zweige des Handelsgewerbes: Keinen Beschränkungen in der angegebene» Richtung unterliegen lediglich die im§ 105 i der Reichs-Gewerbe-Ordnung aufgeführten Gewerbe, nämlich das Gast« und Schankwirtschaftsgcwcrbe, Mnsikalifführungen, Schaustellungen, theatralische Vorstellungen oder sonstige Lustbarkeiten, sowie da« VcrkehrSgcwerbe. Arbeitern passiert es selbstverständlich nicht, daß sie in so chonendcr Form etwa auf die Fußangeln und Schlingen hingewiesen werden, die ihnen im Vereinsgesetz gelegt sind. In solchen Fällen wären öffentliche Belehrungen ja auch gewissermaßen unlogisch. Der Betrieb mit elektrischen Omnibussen, welcher der All« �meinen Omnibuö-Aktien-Gcsellschast während der Motoren-AnS« tellung gestattet war, ist derselben nunmehr vom 1. Oktober ab vom Anhalter Bahnhof durch die Köinggrätzerstraße, Sommerstraßo, Reichstagsufer, Kronprinzenbrücke, Karl-, Friedrich-, Elsasser-, Novalis-, Eichendorfstraße nach dem Stettiner Bahnhof vom Polizeipräsidium unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs genehmigt worden. Die große Berliner Kunstausstellung dieses Jahres hat guten finanziellen Erfolg gehabt. Die Rechnungen sind zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber es ergiebt sich bereits, daß der Nein- ertrag gegen 70 000 M. belaufen wird, Beim Bau dcr elektrischen Hochbahn sind in der letzten Zeit sehr wichtige Fortschritte gemocht worden. Für die Fortführung der Bahn nach Osten hin ist jetzt am Schlcsischen Thor mit den Fnnda- mentierungsarbeiten begonnen worden. Nach Westen zu ist vom Sedanufcr bis zur Geleise- Anlage der Potsdamer-, Ring- und Wannseebahn dcr Viaduktbau teils bereits fertig, teils in Angriff genommen worden. Westlich von der Möckernbrücke werden auf beiden Ufern des Kanals die Fundicrungsarbeite» für die hier ge- plante große Uebcrschreitung dieses Wasserlanfes und der Anhalter Eisenbahnbrücke vorgenommen. Auch das Kraftwerk der Hoch- bahn in der Trebbinerstraße, welches eine der großartigsten An- lagen dieser Art zu werden verspricht, geht seiner äußeren Vollendung entgegen. In der Buchdrucker- Berufsgeuosseuschaft währt der Kampf dcr� Zünstler gegen die Jnnungsgegner fort. In der Sektionsversammluug dcr Unfall- Berufsgenossenschaft, die am 28. Mai laufenden Jahres tagte, haben die persönlich erschienenen ' Zünftler 14,? durch Vollmachten vertretene Jnnungsgegner dadurch mundtot gemacht, daß sie die Vollmachten durch Abstimmung ungültig erklärten. Auf Beschwerde hat das Reichs-Versichernngsamt nun entschieden:„Für die Annahme, daß die Vertretung von Sektions- Mitgliedern durch andere Sektionsmitglieder unzulässig sei, bieten das Gesetz und das Statut keine Grundlage svergleiche ß 16 Abs. 3 des Unfallversichernngs-Gesetzesj. Die auf dieser Annahme beruhenden Beschlüsse der Sektionsversamnrlung voni 28. Mai l. I. sind a l s dem Gesetz und dem Statut widersprechend ungültig".„Der Vorstand wird ergebenst ersucht, eine neue Sektionsversaminlung einzuberufen und auf deren Tagesordnung' alle von dcr Ungültigkeit der früheren Versammlung betrostenen Gegenstände der alten Tagesordnung zu setzen. Der Versuch der Zünftler, die Majorität vergewaltigen, ist wieder also zurück- geschlagen, was sie aber sicherlich nicht abhalten wird immer wieder neue Versuche in dieser Richtung zu unternehmen. Der anarchistische„Arme Konrad" hat ritzt dem gestrigen Tage sein Erscheinen eingestellt! das Blatt sollte namentlich der Massenagitatiou unter der arbeitenden Bevölkerung dienen, hat es aber nie zu irgend welcher Bedeutung bringen können. In Berlin erscheinen noch zwei anarchistische Blätter„Neues Leben" und „Socialist". Et« bbseS Ende nahm gestern, Sonnabendmorgen, ein Streit zwischen zwei Kutschern. Der 32 Jahre alte Kutscher Karl Sievert aus der Wittstockerstraße 5 fuhr mit einem Kohlenwagen am Opern- hause vor einer Droschke her, deren Kutscher ihn schimpfte, weil er nicht ausweiche. Einen Peitschenschlag erwiderte er, und so kamen die beiden Männer, neben einander herfahrend, iu eine Schlägerei von Wagen zu Wagen. Schließlich fiel Sievert aufs Pflaster und ein Rad seines eigenen Wagens zermalmte ihm das rechte Bein. Der Droschkenkutscher jagte davon und konnte nicht festgestellt werden. Gestern vormittag hat die Abnahme der für den elektrischen Betrieb eingerichteten Linie„Vinetaplatz— Mansteinstraße" und „Moritzplatz— Knescbcckstrabe"(Rixdorf) stattgefunden. Der Betrieb auf derselben wird Sonntag früh aufgenommen werden. Unter dem Verdacht deö KindesmordcS verhaftet wurde daS Dienstmädchen Marta G., Kurfürstendamm 216. Die G. war Donnerstag von einem Kinde entbunden worden, das spurlos her- schwundcn ist, so daß angenommen wird, die Mutter habe es ge« tötet. Die Verhaftung der G., die sich jetzt als Polizeigefangcne in der Charits befindet, erfolgte gestern in der Wohnung ihrer Schwester in der Chorinerstraße. Durch einen Sturz vom Dache ihres eigenen Hause? hat sich gestern in der siebenten Morgenstunde die 48 Jahre alte Grund- desitzerin Witwe Johanna Jllgncr aus dcr Holzmarktstr. 36a getötet. Fräu Jllgncr verlor im vergangenen Sommer plötzlich ihren' Mann durch den Tod und zeigte seitdem ein sehr aufgeregtes Wesen. Sie lebte mit ihrem sechsjährigen Sohne ans zweiter Ehe zu- sannnen, während ihre beiden Töchter aus erster Ehe verheiratet sind. Am Donnerstag wollte die Frau 1060 M. Hypothckcnziuscn bezahlen und ging zu dem Zwecke nach der Äochstraße. Ans dem Wege dorthin kam ihr das braune Beutelportemonnaie, daö 666 Mark in EinHundertmarkscheinen und ebenso viel in Gold enthielt, abhanden. Ob sie es verloren hat oder ob es ihr aus dcr Tasche gestohlen wurde, weiß man nicht. Da die Zinsen bis zum 8. d. Mts. gezahlt werden sollen, so geriet die ohne- hin nervöse Frau wieder m eine große Aufregung und setzte sich Wohl in den Kopf, daß sie aus der Verlegenheit keinen Ausweg finden könne, obwohl ihr das nicht schwer geworden wäre. Gestern morgen gegen 6l/2 Uhr schickte sie ihren Sohn zu dem in demselben Hause wohnenden Bäcker hinunter, damit er Frühstück hole. Zu gleicher Zeit stieg sie auf den Boden ihres vierstöckigen Hauses hinauf und kletterte über Kisten und Kasten durch die Luke auf das Dach. Leute, die ihr gegenüber wohnen, und ein patrouillierender Schutzmann sahen nun, wie die unglückliche Frau an den Rand des Daches herankam und sich niederlegte. Sie riefen ihr zu und suchten sie von ihrem unheilvollen Beginnen ab- zuhalten. Im selben Augenblick ließ aber Frau Jllgncr' die Dach- rinne, die sie bis dahin festgehalten hatte, los und nun rollte sie über die Rinne hinweg und stürzte auf die Straße hinab, wo sie bewußtlos und mit zerschmetterten Gliedmaßen liegen blieb. Aerzt- liche Hilfe konnte nichts mehr ausrichten, die Frau starb auf der Stelle. Die Leiche wurde zunächst ans den Hausflur getragen und dann nach dem Schauhanse abgeholt. Zur Verhaftung GöneziS und seiner Frau in Rio de Janeiro wird aus dortigen Blättern noch bekannt, daß bei der Festnahme Gönczi anfangs heftigen Widerstand leistete; er wurde aber bald überwältigt und nebst feiner Frau abgeführt. Wichtige Schriftstücke wurden bei Durchsuchung seiner Wohnung gefunden. Selbstmordversuch eines Dcfraudanten. Auf dem Dönhoff- platze sich zu erschießen versuchte in der vergangenen Nacht um 12Va Uhr der 18 Jahre alte Kaufmannslehrling Heinrich Wiesen- berger ans Pest. Wiesenberger, der Sohn eines Schneidermeisters, war vor drei Wochen seinem Lehrhcrrn mit 866 Gulden durch- gegangen. Ein Schutzmann, der den Verwundeten fand, brachte ihn nach der Charitö. Zu den neuesten Erwerbungen des Berliner Aquariums baben verschiedene Länder- und Mecresgebicte beigesteuert. Zwei ganz absonder- liche Gestalten stammen von Madagaskar. Es sind zwei Varis, einer Art ans der zur Ordnung der Halbaffen gehörenden Familie der Malis oder Lenmren. wie man die schmächtig gebauten, suchsköpsigen, mit mittellangen, reichlich behaarten Ohren, glcichlangcn Gliedmaßen, mehr als körperlangem buschigen Schwanz und weichem Pelz ausgestatteten Vertreter jener Ordnung nennt, die auf dcr genannten Insel die Wälder dicht bevölkern und als Dnmmcrungs- und Nachtwandler dort mit einbrechender Dunkelheit in Gesellschaften und unter betäubendem Geschrei und„höllischem Hohnlachen" * ans Nahrung(Früchte und Insekten ze.) ausgehen. Dr. A. BlaschkoS Klinik für Hautkrankheiten ist am 1. Oktober nach Brücken st raße 13 verlegt worden; Sprech- stnud'cn werden für Kassen kranke von 12—1 Uhr(Sonntags 11—12 Uhr), für Unbemittelte wochentags von 1—2 Uhr abgehalten. Fcucrbcricht. Auf dem Grundstück der Akticn-Gesellschaft für Anilinfabrikation, Ecke L o h m ü h l e n- und Jordan st raße, kam Freitagabend 16 Uhr durch Explosion von Explosivstoffen ein größerer Brand an?, der mehrere Löschziigc von Treptow und Berlin fast zwei Stunden beschäftigte. Dcr aus Fachwerk bestehende Fa- lbrikationsschuppen für Vlaufarbe stand in kurzer Zeit in hellen Flammen und wurde vollständig eingeäschert, doch blieben die übrigen Fabrikgebäude unversehrt. Der verursachte Schaden ist be- trächtlich. Zur selben Zeit erfolgten noch mehrere Alarmierungen, so daß fast sämtliche Berliner Löschzüge unterwegs waren. Neue Königstr. 17 erfolgte eine Explosion, ohne indes wesentlichen Schaden zu verursachen. A l e x a n d r i n e n st r. 71 wurden bei einem Wohnungsbrandc Möbel und die Schaldecke eingeäschert. Ein Alarm N'Ä Fri e d rtch st r. 234 war durch das Herabfallen einer Hänge- lampe verursacht. Nach K l o st e r st r. 76 wurde die Wehr gerufen, weil hier Tische und Putzmaterial Feuer gefangen hatten. Sonnabend früh erfolgte Alarm nach Kleine F r a n k f u r t e rst r. 22, wo Betten eingeäschert wurden. Ans de» Nachbarorten. Charlottenbnrg. Die zum Oktober verzogenen Mitglieder des Wahlvereins, sowie diejenigen, die bisher von ihren Abteilungs- führern niemals Einladungen erhalten haben, werden ersucht, ent- weder beim Kassierer H e n s ch k e, Goethestraße 13, oder beim Schriftführer Will, Osnabrückerstraße 27, recht bald ihre Wohnung anzumelden. Ter Arbeiter-Bildungsverein für Mariendorf und Um- gegend hält am Dienstag in Tempelhof, im Lokale des Herrn Gerth, seine Generalversammlniig ab. Die Mitglieder werden ersucht, ihren etwaigen Wohnungswechsel den Beitragssammlern anzuzeigen. Steglitz-Fricdenau. Die nächste Versammlung deS Arbeitcr- Bildnngsvereins findet am Dienstag bei Schellhase, Ahornstraße, statt. Gen. K ö st e r- Schöneberg spricht über die Frage: Kann die Socialdemokratie Konipromisse eingehen? In Schöneberg steht der W i l h e lm s h o f. Ebersstraße 86 (Jnh. Metzold) dcr Arbeiterschaft nicht zur Verfügung. Das Lokal ist daher zu meiden. Schöneberg. Die Haltestelle in der Eisenacherstraße wird am Montag nochmals die Siadtverordneten-Versammlung beschäftigen, da die beiden Straßenbahn-Gesellschaften erklärt haben, daß sie die nnt der Genehmigung von dcr Stadtverordneten-Vcrsammlung ver- bundenen Bedingungen nicht annehmen können. Die Gesellschaft lehnt es hauplsächlich ab, die Linie Vinetaplatz— Mansteinstraße durch die Bahn- und Kolonnenstraße bis zum Militär-Bahnhof durch- zuführen und will auf diese Linienführung nur dann eingehen, wenn es gelingt, bei dcr Stadt Berlin die Ausgabe der im nächsten Jahr zu erbauenden Linie Eichhornstraßc— Flottwellstraße— Bahnstraße— Kolonnenstraße— General Papestraße durchzusetzen. Der Magistrat beantragt, die von den beiden Gesellschaften gewünschten Abände- rungcn zu genehmigen. Tie Friedenauer Gemeindevertretung hat nunmehr in ihrer letzten Sitzung die so vielfach bekämpfte„Baumfrage" in ihrem Sinne, trotz des Einspruches des Gemeindevorstehers, er- ledigt. Noch einmal führte Herr Major R ö n n e b e r g die Gründe seiner Weigerung an; auch der Hinweis, eine Frau Direktor schließe ihn alle Abend in ihr Gebet ein, weil er der einzige sei, der für Erhaltung dcr Bäume eintrete und selbst die dunkle Drohung, daß er den Kommissionsbeschluß nicht ausführen könne, es sei dann, daß er durch„höhere Einsicht" hierzu gezwungen werden sollte, vermochten nicht, die Mehrheit der Vertretung von der Schädlichkeit der Bäumeentfernung zu überzeugen. Sie beschlossen die Ent« fernung der Straßenliäume in der Jll- und Kasselerstraße und zwar einen Baum um den anderen, sofern die betreffenden Hausbesitzer nicht Einspruch erheben. Abermals ein Opfer der„Elektrischen". Gestern nach- nnttag verunglückte an der Ecke der Motz- und Eisenacherstraße in- folge eines Zusammenstoßes mit einem Straßenbahnwagen der Linie Alexanderplatz— Heinrich Kiepertstraße der Kutscher Franke. Er wurde von seinem Arbeitswagen herabgeworfen und überfahren, so daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Ter Rummelsburger Gänsemarkt steht augenblicklich auf seiner Höhe und wird diesen Stand noch bis zum Dezember hin behaupten, da er bekanntlich mit dem Beginn des Weihnachtsfestes sein Ende erreicht. Täglich treffen gegen zwanzig der eigens für den Gänse« tranSport eingerichteten Eisenbahnivagen inRummelsburg ein, während an den Montagen und Donnerstagen, den beiden Haupt-Markttagen, regelmäßig zwischen 46- und 66666 Gänse dort ankommen. Die Mehrzahl dieser 3—16 Pfund wiegenden Tiere wird von den Besitzern der großen Mästereien erworben, welche in dxr Nähe Berlins, besonders in FricdrichSbcrg und Lichtenberg, zahlreich zu finden sind und in denen die Magergänse in Fettgänse verwandelt werden. Aber auch der Kleinhandel steht augenblicklich auf dem RummelSburger Gänsemarkt inivoller Blüte. Eine Kessclexplosion, bei der sechs Arbeiter zum Teil schwer verletzt wurden, hat gestern, Sonnabendnachmittag um 3 Uhr in der Rummelsburger Zweigfabrik der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation stattgefunden. In einem Kessel, der Säuren und Eisenspäne enthielt, trat infolge einer zu starken chemischen Reaktion eine Ueberspannung ein. Der Boden des Kessels platzte und auch ein Dampfrohr wurde in Mitleidenschaft gezogen. Sechs Arbeiter, die sich in dem Kesselraum befanden, wurden durch die ausströmenden Säuren und Dämpfe am Gesicht, an der Brust und an den Armen mehr oder weniger schwer verbrüht. Am schlimnisten erging es dem 37 Jahre alten Arbeiter Freitag aus der Kronprinzenstraße zu Friedrichsfelde, dem 46 Jahre alten Arbeiter Kretschmann aus der Königsbergerstraße Nr. 4, und dem 43 Jahre alten Arbeiter Köhn aus Rummelsburg. Erheblich, aber nicht ganz so schlvcr wie diese drei, wurden auch der 43 Jahre alte Vorarbeiter Matzinsky aus der Simeonstraße Nr. 66 zu Friedrichsfclde und der 24 Jahre alte Schlosser Tnbartuch, Am Ostbahnhof Nr. 6, verletzt. Die Verunglückten wurden mit drei Lückschen Rettungswagen nach dcr Unfallstation 3 am Mariannenufer gebracht und blieben dort. Der sechste Arbeiter kam mit leichten Verletzungen davon und wurde am Platze verbunden; er konnte sich dann in seine Wohnung begeben. Eine Vergiftung dcr Verunglückten durch Säuren, die man be- fürchtete, fand glücklicherweise nicht statt. Der Raum, in dem das Unglück sich zutrug, wurde polizeilich gesperrt, bis die Staatsanwalt- schaft und ein Sachverständiger der chemischen Bcrnfsgenossenschaft ihn besichtigt haben werden. Gevirizks-Bcifunfl* Tic Anklagcsache gegen den Grafen Ha»S von und zu Egloffstcin beschäftigte gestern wiederum die siebente Strafkammer des Landgerichts I. Wie erinnerlich sein wird, wurde von Egloff- stein im April d. I. von derselben Strafkammer wegen Betruges in zwei Fällen zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Es handelte sich um Wechselsachcn. Auf die von dcr Verteidigung eingelegte Revision hat das Reichsgericht des Urteil insoweit aufgehoben, als zwei Betrugsfälle angenommen worden waren, während der eine Fall sich als Unterschlagung in ideeller Konkurrenz mit Untreue kenn- zeichnen dürfe. Dieser Fall sei demnach von der Vorinstanz noch einmal zu verhandeln. Dcr Gerichtshof beschloß gestern, das Urteil am Montagmittag 12 Uhr zu verkünden. Die bekannte Schulaffaire in Schöneberg, die den Tod des Knaben Fischer im Gefolge hatte, wird nochmals die Gerichte be- fchäftigen. Das Reichsgericht hat nämlich am Freitag da? Urteil der Strafkammer am Landgericht II a u f g e h o b e n ,' durch welches beileibe nicht der prügelnde Lehrer, sondern die Leute, die diesen Pädagogen krisiert hatten, mit schwerer Strafe belegt worden sind. In dcr Gemeindeschule zu Schöneberg hatte der Lehrer R. am 11. Oktober 1897 den 9Vs Jahre alten Knaben F. auf ver- schicdene Arten gezüchtigt, auch mit dem Stock auf das Gesäß geschlagen. Am nächsten Tage hatte der Knabe Erbrechen und in der Nacht zum 23. Oktober starb er an einer Bauchfellverletzung. Schon in den ersten Tagen des Unwohlseins des Knaben hatte sich dessen Mutter an den Rektor der Schule gewendet, um den Knaben aus derselben fortzunehmen. Der Rektor hatte sie erst in barschen Worten abgewiesen, bei ihrem nächsten Besuche aber sein Bedauern über die Angelegenheit ausgesprochen und sie dadurch zur Zurücknahme der Abmeldung veranlaßt. Als der Knabe gestorben war, wurde gegen den Lehrer eine Unter- suchung eingeleltet, die mit Einstellung des Verfahrens endete. Während die Untersuchung schwebte, veröffentlichte der Bericht- erstatter Alwin V o r m e n g in Schöneberg, welcher Vater schul- Pflichtiger Kinder ist, außer in anderen Blättern, auch im Schöne- berger Tageblatt" eine Reihe von Artikeln, die sich mit diesem Falle beschäftigten. Das Verhalten des Lehrers R. wurde darin als brutal und roh bezeichnet und auch gegen den Rektor wurden Vorwürfe erhoben, weil er das Treiben jenes Lehrers geduldet habe. Das Landgericht II in Berlin hat in diesen Artikeln Beleidigungen des Lehrers und Rektors erblickt und am 28. März d. I.' den verantwortlichen Redacteur des Blattes. Hugo Brüning, zu 666 M.. den Verfasser V o r ni e n g dagegen zu 366 M. Geldstrafe verurteilt.— Auf die Revision beider Ange- klagten(Herr Vormeng hatte die seinige mündlich begründet) hob das Reichsgericht am Freitag das Urteil a u f und verwies die Sache an das Landgericht I in Berlin In den Gründen wurde unter anderem ausgeführt: Daß Brüning als Einwohner von Schöneberg berechtigte Interessen wahrnahm, als er die Artikel veröffentlichte, will das Landgericht nicht anerkennen, weil er nicht selbst wie Vormeng ein Kind in der Schule gehabt habe. Hier- mit ist der Begriff der berechtigten Interessen zu eng aufgefaßt, denn jemand, dessen Kinder noch nicht schulpflichtig sind, kann sehr ivohl ein berechtigtes Interesse daran hahcn, daß das Züchtigungsrecht der Lehrer nicht überschritten werde. Dem Angeklagten Vormcng ist der Schutz des Z 193 zwar zugebilligt worden, aber das Landgericht hat aus der Form des Abdrucks(brutal und roh) die Absicht der Be- leidigung gefolgert. Diese Ausführung läßt erkennen, daß Fornr und Inhalt nicht genügend auseinandergehalten worden sind. Der Angeklagte wollte ja gerade dem Lehrer vorwerfen. daß er sich roh und brutal gegen die Kinder benommen habe. Das Landgericht hätte darlegen müssen, welche anderen Ausdrücke dcr Angeklagte anwenden müsse, um sich nicht strafbar zu machen. Auch bezüglich der„begleitenden Umstände" ist das Urteil widerspruchsvoll. In Braunschwcig ist dieser Tage ein Mordprozeß verhandelt worden, dessen Vorgeschichte auf antisemitischer Seite zur Kultivierung des Ritualmord-Rummels benutzt wurde. Es handelt sich um die Jctta Seiden, die in Gemeinschaft mit ihrem Bruder ihr Kind auf der Landstrahe ausgesetzt hatte. Die Geschworenen erkannten nach dreitägiger Verhandlung auf Nichtschuldig des Mordes, Totschlages oder der Beihilfe, dagegen Schuldig der Aussetzung mit tödlichem Erfolge. Der Staatsanwalt beantragte zwölfjährige Zuchthausstrafe. Dcr Gerichtshof kassierte das Verdikt, weil die Geschworenen sich zum Nachteil der Angeklagten geirrt haben. Versammlungen. Tie durch Vertrauensmänner centralisierten Maurer von Friedrichsberg- Rummelsburg und Friedrichs- selbe tagten am 4. d. M. in Fricdrichsbcrg. Nachdem G u h l über das neugcgründete Gewerkschastskartell referiert hatte, wurde das Regulativ gut geheißen und die Wahl Guhls als Delegierter gebilligt. Hieran schloß sich eine längere Diskussion über Mißstände auf Bauten, wobei darauf hingewiesen wurde, daß die Ausführungs- bcstimmungen der 18er Kommission strikte durchgeführt werden müßten. Allgemeine Fnmilien-Sterbe-Kaffe. Heute Zahltag: Ackerstr. 123, bei Diele, von 3—6 Uhr. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 9. Oktober, abendS SVz Uhr, in den Arniinhallen, Kommandantenstr. 20: Vortrag des Herrn Dr. Jacusiel über: Gesundheit— Krankheit— Heilung. Gäste sehr willkommen. Der Vorstand. Berliner Arbeitervcrtreter- Verein tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bei B u S k e, Grcnadierslr. 33, Abends Si/, Uhr. Unent geltlicher Rath wird erthcilt: Im Norden Berlins: Für Unfall-, JnvaliditätS- und Alters- Versicherung Abends von 7—3 Uhr: A. Daehne, Demminerstr. 36, v. 3Tr. K. Guthett, Wiesenstr. 29a, von 8—9 Uhr Abends. F. Pieschel, Gartenstr. S5, v. 2 Tr. E. S i m a n o w S k i, Gartenstr. 73, Portal 2, 2 Tr. M. S t u h l m a n n, Oderbergerstr. 37, 4 Dr., von 6—9 Uhr Abends. A. Voigt, Wiesenstraste 41/42. E. W a r n st, Kolbergerstr. 7. von 6—7 Uhr Abends. P. Reimann, Bellermannstr. 83. I. K r a u s e, Gartenstraste 13, 2. Ging. pari.— N u r sür JnvaliditätS- und Altersversicherung: F. Blume, Strelitzerstr. 58. F. Trapp, Soldinerstr. 39, von 7 bis 8 Uhr Abends. W. M o h s, Swinemünderstr. 64, vom linker Aufgang. Im Osten: Nur für Jnvaliditäts- und AlterSversichemng: E. Bader, Gr. Frankfurterstr. 34, v. 4 Tr.— Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: A. S ch ü tz, Holzmarktstr. 60 L Im Süd-Osten: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und AlterSversichemng: S ch a l t h o s f, Michaelkirchstr. 13.- Nur für Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung: W. Kühne, Pfuelstr. 1. Im Süden: Für Unfall-, JnvaliditätS- und AlterSversichemng: F. Stügelmaier, Grimmsir. 39. Im Süd-Westen: Nur sürUnsallverstchemng: G. Hänel, Solmsstr.44. Im Nord-Westen: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Alters- versichemng: M. S t e p h a n, Cuxhafencrstr. 2.— Stur für Jnvaliditäts- und Altersversichemng: R. R e h b e i n, Rostockerstr. 43. C. G u s e, Rdstockerstr. 43. I m N o r d- O st e n: Nur für Unfallversicherung: E. L ö s f l e r, Wadzeckstr. 15, vom part.IAbends 8 Uhr). G. Günther, Greifswalder- strafe 8, II links. Im Zentrum: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und AlterSversichemng: A. Sattler, Kl. Hamburgerstr. 2. Bei sämmtlichen vorgenannten Personen, bei denen hier keine Sprechzeit angegeben, ist dieselbe Wochentags von 7—9 Uhr. Vermisitzkes« Keine Hoffnung mehr auf AndröeS Rückkehr. Gelegentlich deS in den letzten Tagen in Berlin veranstalteten internationalen Geographenkongresses wurde der berühmte Polarforscher Nansen von verschiedenen Seiten über seine Meinung betreffs der Polarboje Andrees gefragt. Nansen hält die Auffindung der Boje für ein schlechtes Zeichen. Er sagte:„Ich glaube, daß die Unglücklichen diese Boje wie vieles andere ausgeworfen haben, nicht um Nachrichten zu geben, sondern als Ballast. Den Proviant konnten sie natürlich nicht auswerfen. Ihn brauchten sie noch. Aber daß sie die Boje nicht mehr brauchen würden, haben sie wohl damals schon gewußt. Die unglücklichen Männer I Ich habe keine Hoffnung mehr, daß sie gerettet und noch am Leben sind." Sieben Menschen verschüttet. Auf den in Schöllkrippcn be- legeneu Höchschcn Kupfergruben ist ein schreckliches Unglück passiert. Ein Schacht ist zusammengestürzt und hat sämtliche Arbeiter niit dem Verwalter verschüttet, von denen nicht einer lebend herauskommen dürfte. Der Schacht war in sehr weichem Gestein abgesenkt und soll viel Wasser enthalten haben. Ob dies die Schuld ist, oder ob eine Vernachlässigung beim Verbauen vorgckonnnen ist, wird wohl nicht mehr festgestellt werden können. Ein Arbeiter hinterläßt sechs, dcr Verwalter zehn unversorgte Kinder, die anderen fünf Ar- bcitcr waren noch ledig. Es sind also sieben Menschen ver- schüttet. Tic Kunde von einem Giftmorde kommt aus dem Industrie- orte Wiesnu im Kreise Sagau, das durch seine Glasfabrikation einen Ruf genießt. Unter verdächtigen Symptomen ist ein blühendes Menschenleben, der 26jährige Glasmacher Adolf Linke daselbst, eines plötzlichen Todes gestorben. Linke fühlt« Unwohlsein, ging darauf etwas in die frische Luft, um sich zu erholen, mußte aber bald zurückkehren und starb wenige Swndcn später unter entsetzlichen Qualen. Man vermutet, daß abermals eine Arsenikvergiftung und im Zusammenhang damit ein Verbrechen vorliegt; dies war seit kurzem der dritte Fall. Vor einigen Wochen starb an Arsenikvcr- giftung der Glasmacher Malsch, ebenso erkrankte der Glasmacher Jungwirth, welcher sich indessen wieder erholte. Der Vater des Malsch war kurz vorher plötzlich gestorben, und dessen Leiche ist vor einigen Tagen exhumiert worden. Die Untersuchung wird eifrig geführt. Soeben fand die Sektion dcr Leiche des Linke statt. Diese Fälle erregen in der ganzen Umgegend auch berechtigtes Auf- sehen.— Bemerkt sei, daß Arsenik in der Glasfabrikation Verwendung findet. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis zum IS. d. Mts. nicht bo» K— 8 Uhr, sondern von r/z8 Uhr ob Montags, Dienstags und Freitags statt. Heine. Die von Ihnen beanstandete Mitteilung zeigt, daß Heine doch Wohl 1737 geboren sein muß. E. G. I8K8. 1. und 2. Nein. 3. Wenden Sie sich an einen Kammer- jäger.— K. 37. Der Betrieb Ihres Gewerbes kann Ihnen auch nach dem sogenannten Handwerlcrgesetzc nicht untersagt werden. Nach demselben dürfen jedoch' den Meistertitel nur Handwerker sühren, wenn sie in ihrem Gewerbe die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen erworben und die Meisterprüfung bestanden haben. Diese Bestimmungen sind jedoch noch nicht in Kraft und werden schwerlich vor dem 1. April 1!KX» in Kraft treten. Wir werden dann dieselben nochmals eingehend darlegen.— N. K. 100. Der Schiedsmann ist im Recht. Wenden Sie sich an den Universitätsrichter(Dr. Daude) behufs Vornahme des Sllhnetermins. — H. P. Lippstadt. Ein Minderjähriger haftet für Schulden aus Dar- lehn und dergleichen Verträgen nur dann, wenn er nach erreichter Noll- jährigleit feine Schuld anerkennt.— D. Wie bereits im Briefkasten vonr 24. September dargelegt ist, verbietet die Vftsrommungs- Verordnung jede öffentlich bemerkbare Arbeit, insbesondere auch den Umzug am Sonntag, gestattet aber der Polizei, Ausnahmen von dieser Vorschrift zu'machcn. Das Austragen von Flugblättern ist keine„Arbeit", mithin nicht verboten. Das Kammergericht steht aber aus entgegengesetztem Standpunkt. Die Konsequenz des irrigen kainmergerichtlichcn Standpunktes wäre allerdings, eS auch als unzulässig zu erachten, die Arbeit des Tragens seines Spazier- stockes, oder einer in einem Laden gekausten Ware, oder von Zeitungen, Bibeln und dergleichen für unzulässig zu erachten, sobald diese Dinge öffent- sich sichtbar getragen werden. Vor Anwendung des kammergerichtlichen Frrtums ist man geschützt, wenn man die Flugblätter verhüllt trägt und erst im Hause die Hülle ausschlägt; das geschieht bereits seit einem Jahre in den meisten Kreisen mit Erfolg. Besten Gruß.— A. 1. Sie find im Recht. — Zl. F. 32. Gegen eine Heirat zwischen Onkel und Nichte ist nichts einzuwenden, wenn beide sich heiraten wollen.— R. 1. Eine brauchbare Ausgabe kann erst nach Erlaß der Aussührungsvorschristen erscheinen. „Wicdemanns Jnvalidenversicherungs-Gesetz" ist eine gute Textausgabe. 2. Diese werden allwöchentlich, meist in der Freitagsnummer des..Bor- wärts', unter Vereinen veröffentlicht.— St. F. 189». Auf der Heiratsurkunde Ihrer Eltem werden Sie wahrscheinlich auch den Geburtsort Ihrer Mutter finden. Sonst ist schwer zu raten.— 100. N. A. Ja, aber sicherer ist es, ausdrücklich das Bertvaltimgs- und Nießbrauchsrecht Ihres Mannes durch gerichtlichen Vertrag auszu chießen.— M. W. 100. Nein. — Fill. Sie würden verurteilt werden— es sei denn, daß Sie bei Ab- schluß des Vertrages minderjährig(unter 2t Jahre alt) waren und auch nach dem 21. Jahre den Vertrag anerkannt haben. Ist das der Fall, so wäre die Klage abzuweisen.— M. K. 40. Nicht Sic, sondern lediglich der Fuhrherr oder Kutscher hat die Scheibe— und zwar den volle» Wert — zu ersetzen.— M. M. Sie müßten sich schriftlich an die Schul- depntation wenden.— H. B., Gr.-Lichtcrselde. Die Klage würde ab- gewiesen.— N. L. 77. Wenn keine entgegenstehenden Vereinbarungen ausdrücklich abgemacht sind, hat Ihr Sohn diese Pflichten.— 3. 0. Nein.— Abonnent aus Köln a. Rh. Wenn nicht Gütergemeinschaft vorliegt, nein. N. D. N. Das wäre nicht zweckmäßig. Errichten Sie lieber einen Birdungs- oder einen Lese-Verein.— A. B. 1. Spcciell zur Pflege und Unterstützung von Wöchnerinnen gicbt es in Berlin: den Verein zur Vcr- pflegung und Unterstützung armer Wöchnerinnen(Vorsitzende Frau Prediger Hopbach), Verein zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen(Bor- sitzende Bertha Mayer, Nettelbcckstr. 10), Israelitischer Fraucn-Untcrstützungs- Verein(Vorsitzende I. Weinberg, Wasserthorstr. öv), Israelitischer Frauen- verein der Oranienburger Vorstadt(Frau Lina Koch, Alexanderstr. 36 a), Jüdischer Frauen- und Jungfrauen-Wohlthätigkeitsverein Mathilde(Doris Lichtcnstcin, Kaiserstr. 10), Fraucnverein Ost-Berlin(Mathilde Hildebrandt, Posencrstr.13), Regina Ephraimsohn geb.Bcrliner-Stiftung(Armenkommission der jüdischen Gemeinde), Betty Lachmann-Stiftung(dieselbe Verwaltung), Schlesingsche Stiftung für hilfsbedürftige Wöchnerinnen iVerwaltung: Armen- dircktion); neben anderen Zwecken ist auch der einer Fürsorge für Wöchnerinnen der Zweck der Abteilung für Sauspflege des Berliner Frauenvereins, dcS Frauenvereins Wöchnerinnenheim, des jüdischen Frauenvereins für die Luisenstadt, der städtischen Heimstätten für Genesende, der Eduard Reinthal-Sttftung und des WScbnerinnen-Pflegesonds des evangelisch- kirchlichen Hilssvereins. 2. Verjährung liegt vor, wenn nicht etwa die Schuld in der Zeit seit dem 1. Januar 1837 anerkannt ist. «SitteriiiigSübersicht vom 7. Oktober 18»», morgens 8 llhr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien -- 5 a? 764 SSW 764«NW 764 O 762 N 761 SO 763 Still Welter Vf. s* ä II Zip M 2 wolkig 2bedeckt 2 bedeckt lbedeckt LRcgen 0 bedeckt Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris 761 NNO 763 NNW 766W 764, NNW Wetter &S Ii 1 wolkenlj 3 heiter 2hciter 2>Duilst Ständiges Repertoire. Neues kgl. OpernDheater. Nächsten Sonntagnachmittag: Madame Sans-Gsne. Lessing-Dheater. Als ich wiederkam. Rejidenz-Theater. Jagdsreudcn und Familiensouper. Neues Theater. Colinette. Urania. Der Sieg des Menschen über die Natur. Eentral-Theatcr. Die Geisha. Thalia-Theater. Der Platzmajor. Bictoria-Thcater. Die weiße Henne. Ostend-Carl Weisj-Theatcr. Der Weltuntergang. Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater. Die Reife nach der Teufelsinsel. Sonntags-Nachmittags- Vorstellungen: Sonntag, 8. Ottobcr. Deutsches Theater: Fuhrmann Henschel. Berliner Theater: Dolly Rcstdenz-Theater. Trilby. Neues Theater: Heilige Frau. Theater des Westens. Barbier von Sevilla. Schiller-Theater: Maria Stuart. Central-Theater. Fledcnuaus. Bictoria-Theater. Der Leiennann und sein Pflegekind. Lnisen-Theatrr. Hüttcnbesitzcr. Friedrich-Wilhelm- städtisches Theater: Der Trompeter von Säkktngcn. Lstend-Carl Weist-Thcater. Faust.(Freie Volksbühne.) Wetter-Prognose für Sonntag, den 8. Oktober 180». Ziemlich kühl, zeitweife aufklarend, vorherrschend wolkig mit leichten Regensällen und mäßigen nordwestlichen Winden. B erliner Weit erb ureau Marktpreise vo» Berlin am S. Oktober 1899 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. »)Weizen «)Roggen Futtcr-Gerste, Hafer gut. „ mittel, - gering Richlstroh„ He»„ f-)Erbsen. Speisebohnen„ t)Üni(Eii, Kartoffeln, neue„ Rindfleisch, Keule 1kg dv. Bauch. ) Ermittelt pro 15,50 15,40 13,30 15,20 14,30 13,50 4,50 7,20 40,- 50,- 70,— 7,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpsen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,80 4,50 2,20 2,80 2,60 2- 1,80 2,80 1,40 12,- !? 1- 2,- 2,80 1,20 1,20 1,20 1,- 0,80 1,20 0,80 2,- 14,70 14,10 12,70 14,40 13,60 12,80 4,16 4,10 25,- 25,- 30,- 5- 1,20 1- W»Mvon der Centralslelle der Preith. Landwirt» schastSkammern- Nolierungsstelle- uud»mgerechnet vom Polizeipräsidium für den Toppel-Centucr. ff) Kleinhandelspreis«. Produktenmarkt vom 7. Oktober 1833. Gute Nachrichten über die Ernte in Indien, sowie Baiffe in Roggen, die sowohl in Holland alS in inländischen Plätzen hervortrat, verursachten, daß Weizen mittags um 1 M., Roggen um 50 Pf. niedriger stand als gestern. Die Kausordres auS dem Nillande haben ganz aufgehört. In Posen ist Roggen sogar offeriert. Hafer war in guten Qualitäten behauptet, geringere Sorten auf schlesischeS Angebot schwächer. Eine bemerkenswerte Hauffe vollzog sich in Rüböl auf Pariser Anregung und höhere Notierungen für Rüb- und Lemöl in Amstcr- dam und Antwerpen. Bei uns zog der Artikel 0,40 M. an. Die Offerten Indiens waren belanglos. Am S p i r i t u s m a r k t war das Geschäft still bei nominell un- veränderten Preisen. 5000 Liter 70 er loco wurden niit 43,60 M. wie gestern gehandelt. Kartofselfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack 11,20 M. Prima reine Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack und Mehl 21—21,25 M. Ottober-Dezember. Supra trockene Kartoffel- stärke— ,— M. Kartoffelmehl per 100 Kg. brutto—. Prima Kartoffelmehl 20— 20,50 M., prompt— ,— M. per 100 Kg. Städtischer S cb l a ch t v i e h m a r k t. Berlin, 7. Oktober 1833. Amtlicher Bericht der Dircktion. Zum Verkauf standen: 3356 Rinder, 362 Kälber, 11 177 Schafe, 8556 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) voll fleischige, ausgemästete, höchsten SchlachtwcrtcS, höchstens 6 Jahre alt 62—66, l>) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere anSgiinästete 57—61; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 54—55; ei) gering genährte jeden Alters 50—53,— Bullen: a) vollfleischigc höchsten Schlachtwcrtes 60—63; d) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 55—53; c) gering genährte 43—54.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00—00; b) vollflcischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 53—54; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut cutwickcltc jüngere Kühe uud Färsen 51—52; ck) mäßig genährte Kühe und Färsen 50—51; e) gering genährte Kühe und Färsen 46—43,— Kälber: a) feinste Mastkälber(Vollmilchmast) und beste Saugkälber 74—75, d) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 70— 73, o) geringe Saugkälber 64— 68,sl,ck) ältere, gering genährte Frcffcr 44—52.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthanmiel 63—66, b) ältere Mnsthammcl 65—53, c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschase) 47—53, ck) Holsteiner Nicdcnmgs- schafe(Lebendgewicht) 26—32.— Schweine: für 100 Pfund mit 20 Proz. Tara, a) vollfleischige der feineren Raffen uud deren Kreuzungen im Alter bis zu l'/, Jahren 48— 50, b) Käser 48, c) fleischige 47—48, ä) gering entwickelte 45—46, s) Sauen 44—45.— Verlaus uud Tendenz: Das Rindergeschäft wickelte sich ruhig ab und hinterläßt etwas Ueberstand. Der Kälberhandcl in guter Ware glatt, sonst ruhig. Bei den Schafen war der Geschäftsgang ruhig. Der Schweiuemarkt verlies glatt und wurde geräumt. IZeis bans Carl Stiller, Jerusalemerstrasse 40, die Zweckmässigkeit gesonderter Verkaufs- Abteilungen erkennend, hat im An- schluss an die im Frühjahr d. J. vorgenommene Vergrösserung der Verkaufsräume denselben einen weiteren Zuwachs gegeben. Diese neue Raum er Weiterung, welche Montag, den 9. Oktober, i ihrer Bestimmung übergeben wird, schafft neben den bereits bestehenden Abteilungen für Herren-, Damen- und Kinder-Schuhwaren eine solche für den Verkauf von Mädchen-Artikeln. Die geschätzten Käufer können infolge dieser beträchtlichen Vermehrung der Verkaufsräume fernerhin auf eine noch angenehmere und promptere Bedienung rechnen, denn die nunmehr vorhandenen Geschäftsräume werden hinsichtlich Ausdehnung und zweckmässiger Einrichtung von keinem anderen Geschäft gleicher Branche der Residenz übertroffen. AIS NerehelMe empfehlen sich: KI«o»-N nebst Wxnu. t!!I�o�gcb�t- statt. Ig2/lb Uin rege Beteiligung ersucht BHc �rttivciMvaUnng. Deulscher Melallarbeller-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). TPoelcM-Anaeige. Am Donnerötag, den 4. Oktober, verstarb unser langjähriges Mitglied, fiep Schlosser F. Schiitzler. Phre seinem Andenken I Die Beerdigung findet Sonntag, Nachmittags äVs Uhr, von der Leichen- Halle des Emmnliskilchhofcs aus statt. Tin Orisvertualinng. Allen Bciannlkii die traurige Nachricht, daß unsreliebeTvchtcr, | Schwester, Schwägerin u. Braut Nsriva am Oktober, niorgcnS S Uhr, iiir Aster van SB Jahre» nach längerem Stcchtnin durch den Tod von ihren Leide» erlöst wurde., I Die ttefbetrlibtc» Hinterbliebenen I Adolf fiunst, Marls Kunst, gcb Reuth, Eltern Oust. Degener, Schwager. Elise Degener, geb. Kunst, und Margarete Kunst, Schwestern. Emil Saliotter, Bräutigam. NB. Die Beerdigung findet 1 statt am DienStagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des 1 St. Markns-Kirchhllses in Wil- helmeberg. l-lstb Am Sonnabend, den' 7. Oktober, morgens 7Vz Nhr, starb nach schwerem Leiden mein lieber, guter Mann unser Bater, der Tischler(ijjnujjct) Gustav Schmidt tut 39. Lebensjahr. Dies zeigt tiefbctrnbt an Pauline Schmidt nebst Kluder». Die Beerdigung findet am Dieus- tag um b Uhr vom isteucn Zwölf- apostel-Kirchhvs i» Schöncbcrg ans statt. s31b Hirtes Fcstsäle. Empfehle den Bereincn meine» renouietle» Saal und Ncbcnrönme siir Sonnabend und Sonntag zu Festlichkeiten. Auch sind Vereins- zimmer sowie 2 Kegelbahnen zu ver< geben. 20818* ElisribcthUircIistr. 14. WvntiMiiles.Ac.-Mer O. Hütiel KW., Mcnssel- Strasse 05. Wöchentl. 10 Stunden. Monat 8 M. Beginn 1. Okt. Schlug End« März. '.lnmeldnngeu jederzeit. sLlQVL* Acht»»». stLoificusee! Entpsehle allen Partetgcnosie», Kol- legciis Freunden und SfÄinme» mein Weif!-»»d Payrischbier-Lokal. A, tsari«,[t82- L»hder- und griedrichstrafien-Ertt. ciiariollenburg. Allen Freunden und Parteigenossen zur Kenntnis, dag ich Schillcrstr. 91 ein Grünkraingeschäst übernommen habe._ G. Vt'illic, Tischler. Die aus letzter Eugros-Saisoil noch vorhandenen grohen Lagerbcstände, teils Reisemuster, verkaufe einzeln enorm billig. sl47/U Damen-Jackenkostunie KestümrB«ke in allen Stoffen und Farben a 4�/2—10 M. Morltr Sknlzcli, Tatlbcnstr. 2Z, H. ra» BD D Q B BE Anf Teilzahlung! 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Der Veriasser ichildert die aus de» wirtschaftlich«» J»te>essrngcgeiisätzen resultierende Zee- saheenheit der vreilbischen Verhältnisse, die Ohnmacht Nttd Unklarheit der Nraierung, die Kurzsichtigkelt»nd Eharallerlofigkeit der bürget- ltchen Parteien, den ührrtujichtiae» Absolutismus des Juuleriums— ciuc politische Vcrwirruis und Versumpfung, a» der die parlameil- tarisch ausgcschlpssc»- Socialdemokrati« zwar feinen Anteil hat, deren Ueberwlndnng aber ihre historische Ausgabe ist. Die Broschüre gliedert sich in 0 Kapitel! 1. Die Politik der Mitte. 2. Kulturinterene und Jiiteresienkultiir. 3. Ter persönliche Wille. 4. Bilder aus der ver- lehrlon Welt. b. Die Komödi« her Drohungen. 6. Ohne Social- deuwkratie. Wir empfehlen diese kritische Agitationsschrift bestens. Achtung! Decatewre. Die Filiale BcHin III. bege tober cr.. im Saale lieulgshaa diesjähriges am Sonnabend, de» 1!. Ok- Gr. 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Keine der in den letzten Jahren erscheinenden politische» Schriften hat wohl ein solches Aussehen erreqt, wie Bernsteins Broschüre über die„Voraussetzungen des S o c i a l i s in n s und die Aufgaben der S o c i a l d e m o l r a t i e". Die Reihe der Schriflew Aufsätze, Kritiken, die teils direkt an Bernsteins Ausführungen anknüpfen, teils durch ihn aufgeworfene Fragen bc- handeln, schwillt iinnier mehr an, und selbst.' wenn '»an sich in der Aufzählung allein auf die in Zeit schriftc» veröffcntlichtc» Abhandlungen und Besprechungen be� schrnult,_ lägt sich schon ein recht stattliches bibliographisches Verzeichnis zusammenstellen� Fast keine der gröberen Wochen- und MonatS-Revuen hat sich versagen können, wenigstens einen Hinweis auf die Vernichtung des Marxismus durch den bisherigen Marxisten Bernstein zu bringen und bannt mehr oder weniger unpassende Bc- trachtungen über den Wechsel alles Irdischen und der socialistische» Theorien im besonderen zu verknüpfen. Selbst das Ausland hat daran teilgenommen, und wenn diese Teilnahme eine Verhältnis- mätzig„stille" geblieben ist, so wahrscheinlich deshalb, weil die ver- schiedeucn einhcinüschcn„Affairen" das Interesse ablenkten. Wer gleicht man mit dieser Ausdehnung der„Bernstein- Littcratur' ihre Qualität, ergicbl sich allerdings ein recht bedenkliches Facit. Ein eigenes kritisches Eindringen in Bernsteins Ausführungen findet sich nur selten. Meist bestehen die Auslassungen aus nichts als einigen tendenziösen Hervorhebungen aus Bernsteins Broschüre, etwas Gerede über die Ocde oder Sterilität des Marxismus und zum Schlutz ein mehr oder weniger eingeschränktes Lob für Bern- stein, der so mutig der:„Baun" zu durchbrechen wage. Doch selbst ivcnn man von solchen durch die Parieistellung ein- seitig bestimmten Acntzcrungen absieht, bleibt noch eine stattliche Anzahl von ernsteren Artikeln und Besprechungen übrig; und ich mutz deshalb in Anbetracht des knapp zugemessenen Raumes auch diejenigen Aufsätze von der Ucbersicht ausschlietzcn, die wenn schon durch Bernsteins Schrift angeregt und auf einzelne seiner Be- merkungen reagierend, sich auf die Behandlung einzelner besonderer wirtschaftlicher Themata beschränken, z. B. auf die Erörterung der Bedeutung des Genossenschaftswesens, der landwirtschaftlichen Be- triebskonzentration, der Stellung der Socialdemokratie zur Nationali- tätcnfrage usw. Selbst wenn alle solche Aufsätze von vornherein ausscheiden, mutz zwischen den übrigen noch eine engere Auswahl getroffen werden.*) Beginnen wir zunächst mit der,.Neuen Zeit", die als wissen- schaftliche Wochenrcvue des Socialismus und als dasjenige Organ, in welche,» Bernstein zuerst seine kritische Diskussion der Probleme des Socialismus veröffentlicht hat, auch zuerst gegen ihn das Wort ergriff. Die Nrn. 27—29 lJahrg. 1898/99) enthalten drei Aufsätze von Karl Kaiitöky über die Marxsche Methode und Theorie: 1.„Bernstein und die materialistische Gcschichts- auffassung", 2.„Bernstein und die Dialektik". 8.„Bern st ein über dieWerttheorie unddieKlasse u". Im ersten dieser Aufsätze wendet sich Kautsky gegen die von Bernstein ausgesprochene Ansicht, die materialistische Geschick, ts- auffassung sei nur in ihren Anfängen eine streng detcrininistische gewesen, später aber nicht mehr. Kautsky erklärt Bernsteins De- finition„Materialist sein, heitzt die Notwendigkeit alles Geschehens behaupten", nicht für zutreffend. Gewih behaupte der Materialist die Notwendigkeit alles Geschehens, das heitzt die Geltung des Kansalitätsgesetzes für alle Thatsachcn unserer Erfahrung, aber es gäbe auch idealistische Philosophen, die dasselbe behaupten, z. B. Buckle. Die Behauptung Bernsteins, Marx und Engels'seien erst Deterministen gewesen, später nicht mehr, bedeute:„sie waren an- fangs konsequente, später aber inkonsequente Denker". Der Fortschritt der Wissenschast bestehe darin, da? Reich des Zufalls und der Willkür einzuschränken, das der erkannten Notwendigkeit auszudehnen. Die grotze That von Marx und Engels sei, datz sie mit besserem Erfolg als ihre Vorgänger das Gebiet' der Geschichte in das Reich der Notwendigkeit einbezogen und damit die Geschichte zu einer Wissenschaft erhoben hätten. Kautsky meint. Bern- stein verlvcchsele Determinismus mit Mechanismus.„Allerdings", sagt er.„mechanisch vollzieht sich nirgends die sociale Entwicklung, sie ist das Produkt des Handelns und Strcbens bc- wutzter Menschen; sie vollzieht sich auch nicht schablonenhaft, überall in gleicher Weise. Aber was beweist das gegen ihre Notwendigkeit." Kautsky wendet sich sodann gegen die von Bernstein aus' einer vergleichung der Vorrede zur„Kritik der politischen Oekonomie" mit einem späteren Engelsschen Brief Abgedruckt im„Socialistischen Akademiker", Oktoberheft 189S) gezogene Folgerung, datz Engels in seinem späteren Leben die Wirkung des ökonomischen Faktors wesentlich eingeschränkt hätte. Bernstein unterscheide nicht zwischen den an der Oberfläche der Geschichte wirkenden Faktoren und dem ökonomischen Faktor als Ursache letzter Instanz. Alle, die von Bernstein neben dem ökonomischen aufgezählten Faktoren, die Rechts- und Moralanschauungen, religiösen Traditionen zc., seien selbst wieder «in Bedingtes, sie liehen sich bei näherem Zusehen ebenfalls wieder auf ökonomische Faktoren zurückführen. Bernsteins Forderung laufe darauf hinaus, datz man die Geschichte jener Zeit aus ihrer eigenen ökonomischen Geschichte allein nicht erklären könne, sondern datz man dazu der gesamten ihr vorhergehenden ökonomischen Entwicklung samt ihren Hervorbringungen von der Urzeit an„Rechnung tragen" müsse. DaS sei richtig, der materialistische Historiker hätte bei jeder seiner Untersuchungen ab ovo zu beginnen. Im nächsten Aufsatz erörtert Kautsky Bernsteins Einwände gegen die Dialektik, die im Grunde genoinmen nur die Lehre sei: die Triebkraft aller Entwicklung ist der Kampf der Gegensätze. Bernstein vermöge nichts anderes gegen die Dialektik einzuwenden, als datz sie, unrichtig angewandt, die Gefahr willkürlicher Konstruktion in sich schlietze. Das könne zugegeben iverden, meint Kautsky, aber es be- wiese nichts gegen die Dialektik. Hätten Marx und Engels wirklich nicht verstanden, sich ihrer richtig zu bedienen, so spräche das gegen beide, nicht aber gegen ihre Methode. Auch Bernsteins Behauptung, datz Marx' Revolutions-Prophezciungk im Kommunistischen Manifest und Engels Annahme einer demnächstigen europäischen Erschütterung im Jahre 1885 auf einen guten Rest von Blanquismus zurück- zuführen sei, der in beiden steckte und sie zu hegelianischen Eni- wicklungslonstruktionen veranlatzte, läßt Kautsky nicht gelten. Nach seiner Ansicht ist es nicht blanquistischer Revolutionarismus, der in beiden Fällen Marx und Engels zu verkehrter Beurteilung der poli- tischen Situation führte, sondern ihre beidemalige Ueberschätzung der revolutionären, oppositionellen Kraft des Bürgertums. Allerdings bestehe zwischen dem Politiker Marx und dem Evolutionstheoretiker Marx ein gewisser Gegensatz, aber der Gegensatz des Forschers und deS Kämpfers.„Wenn der Forscher den notlvcndigen Zusammenhängen des Geschehenen ruhig und unbefangen nach- geht, so ringt der Kämpfer um das, was, mag es ehernen Gesetzen unterliegen, doch noch unerkannt und anscheinend frei vor ihm liegt, als dunkles Zieh als fernes Ideal, das seinen Willen und seine Thatkraft anspornt, seine Leidenschaften aufs mächtigte erregst." Kautskys Entgegnung auf Bernsteins Erörterung der Marxschen Werttheorie fällt sehr kurz aus. Er hebt hervor, das Wertverhältnis der Arbeitsprodukte sei ein„gesellschaftliches Verhältnis", das zwar nur als eine den Austausch beherrschende Tendenz, nicht als metzbare Grötze auftrete, nichtsdestoweniger sei es jedoch ein wirkliches •) Eine Kritik der von den verschiedenen Autoren geäußerten Ansichten, wie sehr sich diese auch gegenseitig widersprechen mögen, habe ich streng vermieden; der obige Artikel will nichts als eine kurze Revue der Auffassung bieten. Verhältnis, keine, wie Bernstein annehme,„rein gedankliche Konstruktion". Die Marxisten suchten im Wertbegriff nur den Schlüssel zum Mechanismus der kapitalistischen Produktionsivcife, und als solcher, das sage ja Bernstein selbst, fungiere er vortrefflich. „Aber das kann er nur, wenn er ebenso wie die logisch aus ihm abgeleiteten Begriffe ein Abbild wirklicher, sich historisch mit der Warenproduktion entwickelnder gesellschaftlicher Verhält- Nisse ist." Weitläufiger geht Kautsky auf Bernsteins Ansichten über den Klassenkampf ein. Er vermitzt eine präcise Stellungnahme Bernsteins, dessen Bestreben nur sei, die Klassensolivarität der Arbeiter und ebenso den Klassengegensatz zwischen ihnen und de» Kapitalisten recht gering erscheinen zu lassen. Die Beispiele, die Bernstein ans dem englischen Gewcrkschastsleben anführt, will Kautsky nicht gelten lassen; denn England nehme in Bezug auf proletarische Solidarität eine Ausnahmestellung ein, zu der, ivie Kautsky zu begründen sucht, das Bündnis des Proletariats mit dem radikalen Bürgertum und der Mangel einer eigenen politischen Arbeiterbeivegnng wesentlich bei- getragen habe. Desto entschiedener betone Bernstein die Klassen- unterschiede dort, Ivo sie socinldemokratische Anschauungen zu wider- legen schienen, so behaupte, er die Zeit zur Aufhebung der Klassen- unterschiede sei noch nicht gekommen, da die dazu erforderliche Höhe der Entwicklung der Produktivkräfte noch nicht erreicht sei. Kautsky unternimmt die von Bernstein zur Stützung seiner Ansicht bei- gebrachten Hinweise auf Engels, Atlanticus und I. v. Neupauer als unrichtig nachzuweisen, und erörtert dann zum Schlutz Bernsteins Stellung zum Marxismus. Nach Kautskys Auffassung nimmt Benistein eine Zwitterstellnng zwischen Kathcdersocialismus ein. Auch der Kathedersocialismns hätte Bedeutendes ge- leistet, aber auf keinen Fall könne man gleichzeitig auf zwei verschiedenen Standpunkten stehen, zwei verschiedene Methoden an- wenden. Sollte Bernstein den Weg zum konsequenten Marxismus nicht zurückfinden, wird er auch als Kathedersocialist Treffliches leisten können.„Aber als ethischer Empiriker der historischen Schule Marxistisch-Böhm-Bawcrkscher Richtung bleibt er zur Unfruchtbarkeit verdammt." Auschlietzend an Kautsky hält F. Mehring in den Heften 31, 33 u n d 34„ E i n e N a ch l c s e". Er sieht nur eine zwecklose Zeit- Verschwendung darin, über Materialismus und Determinismus in der von Bernstein beliebten Allgemeinheit zu sprechen. Wenn Bernstein mit dem Materialismus und Determinismus von Marx und Engels anbinden ivollte, hättejci�zucrst feststellen müssen, welchen besonderen Sinn diese allgemeinen Worte im Munde dieser beiden Denker hätten.„Ihre materialistische Geschichtsthcorie ist eine Methode wissenschaftlicher Forschung, welche die Notwendigkeit alles historischen Geschehens aus der Thatsachc zu begreifen sucht, datz die Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens den Menschen erst zum Menschen macht; ihr Determinismus, der nicht aus dem englischen oder französischen Materialismus, sondern gerade auS dem deutschen Idealismus stammt, erklärt die Unabhängigkeit des mensch- lichen Willens von den Naturgesetzen für einen Traum und sieht die menschliche Freiheit nur darin, datz der Mensch diese Gesetze erkennen und dadurch beherrschen lernt, wodurch die Freiheit zu einem Produkt der geschichtlichen Entwicklung wird." Mehring erörtert dann näher die Bedeutung der Dialektik. Wenn das dialektische Denken in unserm Jahrhundert so grotze Fortschritte gemacht hätte, so aus dcni Grunde, weil die historische Entwicklung ein überaus stürmisches Tempo angenommen habe, und somit gewissermatzen mit Händen greifbar wurde,„datz sie in einein beständigen Flusse, in einem ewigen Jneinanderflietzen von Ursachen und Wirkungen, in niemals abreitzenden Uebergängen und Umwälzungen besteht". Selbst wenn es von Lcibniz bis Hegel keine deutsche Philosophie gegeben habe, würde Deutschland nicht um die historische Dialektik herumgekommen sein: eine Behauptung, die Mehring eingehender durch Bei- spiele aus der Kriegsgeschichte näher zu begründen sucht. Sehr energisch wendet er sich im dritten Artikel gegen Bernsteins Verfahren,„Blanquismus und Marxismus in einen Topf zu werfen". Marx sehe in den politischen Revolutionen nur Aeutzerungen der gesellschaftlichen Evolution.„Die herrschenden Klassen setzen die politische Gewalt, in deren Besitz sie sind, jedem ökonomischen Fortschritt entgegen, der ihre Macht zu gefährden droht, und der ökono- mische Forffchritt mutz die politische Gewalt zerbrechen, um sich durchzusetzen." Die Gewalt werde zu einer„ökonomischen Potenz". In einer einmal ausgebrochenen Revolution gäbe es aller- dingS einen praktischen Berührungspunkt zwischen BlanqnisnmS und Marxismus. Sobald eine Revolution ins Leben getreten sei, hätten die Blanquisten ein Interesse daran, sie möglichst voranzutreiben, weil sie in der Revolution alles Heil sähen, während die Marxisten die- selbe Tendenz verfolgte», um möglichst gründlich mit allen Hiuder- nisscn des gesellschaftlichen Fortschritts aufzuräumen. Auf Kautskys Artikel antwortete in Heft 35, 37, 33, 44, 43, 48 Bernstein in vier Artikeln, betitelt:„Die Notwendigkeit in Natur und Geschichte",„Dialektik und Eni« Wicklung",„Arbeitswert od er Nutz wert?",„Klassen- kämpf- Dogma und K l a s s e n k a m p f- Wi r k l i ch k e i t." Bernstein bemerkt eingangs des ersten dieser Artikel, datz er zugebe, der Abschnitt über die marcrialistische Geschichtsauffassung in seinem Buche lasse hinsichtlich der Ausdruckswcise zu wünschen übrig, es fehle der Darstellung an Präciston. Aber mit der Berufung auf gewisse Verstötze sei auch Kautskys Triumph zu Ende. Dessen Fehler bestände in einer Identifizierung der Begriffe von Ursächlich- lichkeit und Notwendigkeit. Beides seien aber verschiedene Begriffe. Datz alles Geschehen eine Ursache hahen müsse, heitze eben noch nicht, datz alles Geschehen eine natürliche skcine mit übersinnlichen Mächten zusammenhängende) Ursache haben müsse, noch weniger, datz alles Geschehen auf mechanische Ursachen zurückführbar sei.„Die Ur- sächlichkeit alles Geschehens behaupten, heitzt also noch nicht, die un- bedingte physische Notwendigkeit alles Geschehens behaupten. Datz alles, was geschehen ist. notwendig geschehen mutzte, ist eine An- nähme, die innerhalb bestimmter Grenze» eine hohe Wahrscheinlich- keit für sich hat, die aber niemals unbedingt Gewitzheit werden kann." Bernstein erörtert dann die Frage„der Gesetzmätzigkcit oder Notwendigkeit der menschlichen Handlungen" und kommt zu dem Resultat, datz wenn die Erkenntnis der Abhängigkeit des mensch-, lichen Denkens von der materiellen Umgebung einst ein sehr be-i deutender Fortschritt gewesen sei und für viele praktische Zwecke stets unentbehrlich bleiben würde, so doch der Fortschritt der Erkenntnis statt zu einer Steigerung, zu einer immer stärkeren Einschränkung des physischen Determinismus führe.„Der Gedanke, datz unsere Welt genau so ist, wie sie sein mutzte, ist im Grunde nur eine Er« vauungsvorstellung für Materialisten, die einen Trost für die Nieder- trächtigkeiten dieser Welt brauchen." Auch seinen Aufsatz„Dialektik und Entwicklung' leitet Bernstein mit einer Einschränkung ein; seine Kritik gelte nur der Hegelschen Dialektik,„wie diese auf die socialistische Theorie von Einflutz gewesen sei." Er erörtert dann weiter Engels Definition der Dialektik als der Auffassung, datz«die Welt nicht als ein Kom« plex von fertigen Dingen zu fassen fei, sondern als ein Komplex von Prozessen." Kautskys Satz:„die Triebkraft aller Entwicklung sei der Kampf der Gegensätze", sei einseitig; auch das Zusammen« wirken verwandter Kräfte sei eine grotze Triebkraft der Entwicklung. „Die gesellschaftliche Entwicklung durch den Gegensatz der Interessen, die Oekonomie als erklärende Ursache der Kämpfe in der Geschichte, die Auffassung der Geschichte als eine in veränderten Formen sich wiederholende Reihe von Klassenkämpfen— all das ist älter, wie der Marxismus und ohne Kenntnis der Hegelschen Dialektik gesunden worden." Was Marx und Engels an wissenschaftlicher Erkenntnis dem Werk ihrer socialistischen Vorgänger hinzugefügt hätten, laufe weit mehr auf die'präciseren Formeln der Spencerschen Schule hinaus, als auf die„Negation der Negation". Bernstein sucht dann nachzuweisen, datz thatsächlich Marx und noch mehr Engels sich durch die Dialektik zu willkürlichen Konstruktionen haben verleiten lassen und polemisiert ferner gegen Kautskys Auffassung der gc- schichtiicheir Bewegung von 1848 und Marx Stellung zu dieser. Nach einem dritten Artikel, in welchem Bernstein darzulegen sucht, datz der Wert(Tauschwert) nicht nur durch die zur Herstellung einer Ware gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, sondern von der Nützlichkeit(Gebrauchswert) und den � Herstellungskosten abhängt, erörtert er sodann das„Klassenkampf-Dogma". Bernstein findet, datz der einseitige Egoismus, die„kommer- ziclle Gesinnung", die im englischen Gcwerkschaftsleben her- vortritt, keineswegs nur, wie Kautsky meine, eine Eigeutünilichkeit des englischen Arbeiters sei; auch auf dem Festland sei sie zu finden, wenn auch dort das Ueberwiegen der politischen über die gewerk« schaftliche Arbeiterbewegung manche Auswüchse verhindert habe. Wenn Engels vor zwanzig Jahren schon meinte, daß der Eut- wickluugsgrad der Produktionskräfte hoch genug sei zur Abschaffung der Klassenunterschiede, so zeige schon die seitdem verstrichene Frist, datz er sich geirrt haben müsse. Es sei unrichtig, immer nur von den drei großen Klassen der Lohnarbeiter, Kapitalisten und Grund- eigeutiimcr zu sprechen. Es gäbe eine ganze Reihe Mittel- und IlcbcrgangSstnfen, eine unendliche Zersplitterung der Interessen und Stellungen. Damit solle nicht bestritten sein, datz ein Kampf der Klassen'besteht.„Ich bestreite nur," sagt Bernstein,„die Richtigkeit der schabloncuniätzigen Auffassung dieses Kampfes, wie ich bestreite, datz er notwendig zu iniiner schrofferen Formen der Kampfart, zur Zuspitzung der Gegensätze in der Form führe» muh, datz die be« zcichiieten grotzen Klassen eines Tages rinbeciuittelt einander gegenüberstehen"..,, c c. ♦ Von den bürgerlichen Zeitschriften haben sich besonders die „Jahrbücher fürNationalökonoinie un d S t a t ist r 1 eingehend mit„Krisis der Socialdemokratie" beschäftigt, speciell koinmt hier ein unter vorstchendem Titel erschienener Artikel von Dr. Wladimir Gr. Simkhowitsch im Juni-Heft in B.tracht. Siinkhowitsch bespricht nicht direkt Bernsteins Buch, aber bezieht sich mehrfach auf dieses. Er giebt eine Art Schilderung der Entstehung des Marxismus. Wie Bernstein, findet auch Siinkhowitsch zunächst den Revolutionarismus als wesentlichen Bestandteil des Marxschen Systems, später jedoch trete dieser mehr und mehr zurück, rmd hellte sei er fast verschlvundcn. Sodann erörtert der Autor die sogenannte Verelciiduugs- und Krisentheorie und ivirft die Frage auf, ob das Proletariat reif sei, die Leitung der Betriebe zu übernehmen: eme Erörterung, bei der Siinkhowitsch zu denselben Ergebnissen kommt, ivie Bernstein, nur datz er überall iveit absprechender über die Marxsche Theorie urteilt. Besonders abfällig bespricht der Verfasser die materia- listische Geschichtsnuffassunq. Seine Ansichten fntzt er dahin zusammen: „Die Marxschen Lehren und das svcialdemokratischeProgrammhabenstch als unhaltbar erwiesen. Doch ist Bernstein, der zu dieser Ueber« Windung des Marxismus wesentlich beigetragen hat, kein Apostat. Es war' vielmehr Marx' eigenstes Grundprincip, datz die Arbeiter- bcwegnng nicht auf lltopien, sondern auf wissenschaftlicher Einsicht in die sociale Wirklichkeit basieren müsse, das Bernstern für die gegcnivärtigcn Verhältnisse dein Stande unserer wissenschaftlichen Erkenntnis geinätz anzuwenden suchte."_ Zu wesentlich anderem Ergebnis gelangt rm Juliheft derselben Zeitschrift Professor Karl Diehl in einer 18 Seiten langen Besprechung des Bernsteinschen Buches. Diehl ist nicht nur ein gründlicher Kenner der Marxschen Lehren, sondern auch jener der älteren französischen Socialisten, und seine Besprechung ist denn auch wohl die fachkundigste, die von bürgerlicher Seite erschienen ist. Diehl ficht in Bernsteins Schrift eine bedeutende wissenschaftliche Leistliug und bespricht siejautzerordentlich günstig, doch hat er im einzelnen manches auszusetzen, und zwar ist es überraschend, zwischen ftnier und Kautskys Auffassung manche Berühruiigspunkte zu finden. Diehl meint, Bernstein ginge in seiner Kritik zu iveit, namentlich wenn er MarxHnlbhciten, Widersprüche und Rückfälle in den lltopismusvorwerse. Vor allem könne Marx kaum der Vorwurf des„Blanquismus" gemacht werden.„Wir halten", sagt er„die Charakterisierung der Marxschen Theorie als eine halb-blanquistische für irrig; es erscheint uns viel- mehr, datz ein schrofferer Gegensatz als zwischen der Marxschen und Blnnqnischen Socialtheorie gar nicht denkbar ist." Den Blanquisten fehle eine positive, sociale Theorie; da sie nur auf den Umsturz der bestehenden Verhältnisse hinarbeiteten, proklamierten sie je nach Zeit, Ort und tkmständen: heimtückische Attentate oder offene Rebellion; dagegen erwarte Marx,„datz die Kräfte, die zur Umgestaltung der Gesellschaft führen, sich im Schotze der Gesellschaft lelbst cnt« falten". Marx gelte gewissermatzen die Revolution nur als Mittel der Evolution. Das Wort revolutionär hätte nur die Bedeiitnng. datz lediglich durch radikale� Umwälzung der Grundlagen der bestehenden Rechtsordnung die sociale Uingestaltung erfolgen könne. Auch mit Bernsteins Ausführungen über die Marxiche Werttheorie ist Prof. Diehl nicht einverstanden. Sie zeigten, meint .r,„datz Bernstein sich augenblicklich im Uebergangsstndium erneS Mannes befindet, der alten'Traditionen gegennber sich immer mehr tritisch ablehnend verhält, sich aber doch nicht entschlietzen kann, mit der gewohnten Auffassung ganz zu brechen." Bernsteins Ausführungen seien„so stark ideologisch, datz sie in der That auf eine völlige Preisgabe der Marxschen Grnndprincipien hinauslaufen." In Eng- land könne Bernstein seiner socialpolitischen Stellung nach bei den Fabiern, in Frankreich bei den Possibilistcn Aufnahme finden. In Deutschland gäbe es keine Partei, in deren Nahmen seine Doktrm passe.—_ Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahv anzugeben, imtcr der die Antwort ertheilt werden soll und die letzte Abonnementsquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beailt- wvrtet und schristUchc Antwort wird nicht ertheilt. Die juristische Sprechstunde findet Montag, DienStag und Freitag abends von k bis 8 llhr statt. P. Sch. 2V. Das Institut wird unseres Wissens schon im Laufe dieses Monats eröffnet werden. Zwei Wettende. Ihre Ansicht ist irrig. Die Landwehr wird in zwei Aufgebote eingeteilt. Im ersten bleibt der Dienstpflichtige nach der Reserve- zeit 5 Jahre, aber nur 3, wenn er bei der Fahne länger als 2 Jahre ge- dient hat. Im zweiten Aufgebot bleibt er bis zum 31. März des JahreS, in dem er das 39. Lebensjahr vollendet. Die der Landwehr 2. Aufgebots Angehörigen werden zu Hebungen und Kontrollversammlimgen nicht heran- gezogen, können ihre Meldungen auch durch Familienmitglieder erstatten und bedürfen zur Auswanderung keiner militärischen Erlaubnis. Werden sie zinn Kriegsdienst verwendet, so dienen auch sie niit Waffe. — B. 7. Nein, Sie erfordern die Koste» vom Schuldner und lassen, falls dieser nicht zahlt, den Zahlungsbefehl für vollstreckbar erklären oder laden zur Berhaiidlung vor das Gericht, wenn der Schuldner etwa Widerspruch erhoben haben sollte.— O. P.«8. Sie sind zu einer Zahlimg nicht ver- pflichtet. S ch r i s t l i ch e Antwort erteilen wir nicht.— 91. M. 75. Es erben in Ihrem Fall, wenn die Mutter hier oder in der Mark Branden- bürg bis zu ihrem Tode gewohnt hat, die Mutter und die Geschwister zu gleichen Teilen.— A. W. 1. Sie brauchen niemandem Bier verabreichen, nur in der Art der Ablehnung kann eine Beleidigung liegen. 2. Den Gästen ist noch Eiilttilt der Polizeisliiiide so viel Zeit zu lassen, daß sie ihr vor Eintritt der Polizeistunde gekaustes Bier austrinken können; zehn bis fünfzehn Minuten gelten als hierfür angemessene Zeit. — Osknr Baader. Ist nichts wert.— Nielich. Sie haben eine sechs- wöchentliche Kündiguiigsfrist zum Quartalsersteii.— Stockhcim. Invalidität im Sinne des Jnvalidenversicherungs-Gesetzcs kaim in Ihrem Falle aiierkaimt werden.— F. L Nein.— A. B. EL. Beantragen Sie bei dem Kuratorium für Dalldorf(Adresse Magistrat), datz Ihrer Frau eine Freistelle gewährt werde, oder datz Ihnen weniger Kosten berechnet werden. — E. 1., Warmbrunn. 1. Ja. 2. Ja, wenden Sie sich an den Landrat mit dem Antrage, das Nachkleben zu veranlassen. 3. Die nachgeklebten Marken sind halbpart zu bezahlen.— Streitfrage S9. Ja, autzerRutzland fast alle.— O. G.. Dnsseld. Durch Heirat erwirbt die Ehefrau die Nationalität ihres Mannes. Heiratet eine Deutsche einen Russen, so verliert sie ihre deutsche Staatsangehörigkeit und wird Russin. Wird der Russe Deutscher, so wird auch sie wieder Deutsche.— A. B. W. 5. Ja. Riit i>c» Iiibnlt der Juscratr iiberiiiiiiiiit die Ncdaktio» dem Bublirilm ftrgcliiibcr kciuerlci ?/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die heilige Frau. Montag: Coltnctte. Weste». Ivo Traviata. Anfang 7 Vi . Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Barbier von Sevilla. Montag: Die RcgimentStochtcr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7V- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nefidenz. Fagdfreuden. Vorher: Familien-Souper. Auf. 7:/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Jagdfreudcu. Familien- Souper. Luise». Molly Tarro. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Hütteubesther. Montag: Ken». Central. Die Geisha. Anfang 7V. Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Die Geisha. Ostend. Weltuntergang. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bictoria. Di« weiße Henne. An- fang 7V, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Leiermann und sein Pflegekind. Montag: Die weiße Henne. Friedrich- PSIlhrliiMdtisch«!». Die Reise nach der Tcuseisinsel. Anfang 8 llhr. Nachm. 4 Uhr: Der Trompeter von Säklingcn. Montag: Die Reis« nach der TcnfelSInscl. Mctropol. Rund um Berlin. IJim Reiche der Gecession! Ansang 71/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stpollo. Frau Lima. Specialitatcn- Vorstellung. Anfang 71/, Uhr. Reichshalle». Sleltiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Palast. Spreelottchen. Speeiali- taten-Vorftellnng. Ans. 8'/, Uhr. Passage- Pauopilkum. Specialis lälen-Avrslciiiiug. Ilrnuia. �uvalideusir. li7/<>ü. Täglich abendS von ö— 10 Uhr: Slernwarie. Tanbenstr.-L8/ÄS. Im Theater: Der Sieg des Mruschen Über die Natur. Anfang 8 Uhr. Urania Im Dheater abends 8 Uhr: „Der Sieg dos Menschen über die Natur'' Montag; dasselbe. Hörsaal: Herr G. Witt:„Schein und Wahrheit"(Astronomie 1). In vnlMcnstr. 57/OX: Stern warte. Nachmittags 5—10 Uhr. Passage Fanopticuin Geöffnet von früh bis abends. Conipagnia Posilippo. Italienisches Instrumental und Vokal- Ensemble. 333 castans"o8 PANOPTICÜM 165. Friedlichstrasse 165. Uon 1 Die heulenden 11.,, I HEU: und tanzenden»VU! Derwisclie ! aus Ober-Aegypten! Olim Kruner# Oreyfus Mercier* Zola. Crntvnl Tlzrntev Direktion: Josb Ferenczy. Nachm. 3 Uhr. zu halben Preisen: Die Fledermaus. Von Zobann Strauß. Rosalinde. Laura Wallerstcin a. D Adele.. Atarie Manci a. D. Aiisäng 7>/, Uhr. D i vlilil'?liestkf. kedrenstr. 55/57. Direktion: INehar«! kselinl». SW Sensationeller Erfolg!-Mgj Der Schlager der Saison! Täglich ausverkauft! Jubeln! Lachen! Staunen! Um 9 Uhr: Rund um Berlin. Berliner Lokalrcvne v. Julius Freund. Mnsil von Julius EinödShofcr. Mit frenhaftcr AnSstattnng: Um lOi/, Uhr: Im Reiche der Teeefsion. Ferner daS brill. Oktober-Programm. _ Anfang 7'/. Uhr. Fritlirilh-Wilhtliikß. Theatcr Vhausseestr. S5/ZS. Nachm. 4 Uhr: Zu kleine» Preisen: Aus aNgcmcineö Verlangen: Ter Trompeter von Sötkiiiaen. Romantisches Ritirrschaufpiel in S Akten von E. Hildebrand u. I. Keller, Abendö 8 Uhr: Zum 30. Mal«: TieNkiseiladiderTtüftlsiilstl Bnrleöke Abciiteiier-Posse mit Gesang und Tanz in 5 Alten von Milstk von Albert Wicher. In Serne gcscht vom Dir. Map Sauist. Marge«: Dieselbe Vorstellung. TMm-T'likAter. fei. AmtlYa 6440. Drssdenerstr. 72/73. Zum 29, Male: Der Platzmajor. Thomas, Tieischer, Helmerding, dunhermann. Jin 2. Alt: Gr. Mntoskop-Terzett. Anfang 7V, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. KUelirs Theater Oranlcnstr. 24. Rose» liilS iicni Siiöcii. AusstaUllngs-Burleske. Tai zrostartigc Oktober- Programm. Elsa Messer, Kostüm- Soubrette. Hstr. Pauly, Conlorsionist. Mstr. Döbbrick, Chauivioii-HandstandkünsU. Franziska Held, Soubrette. Gustav Eulenburg, Humortst. Ansang H Uhr. SonntagS 6 Uhr. Avrzngskarten an Wochentagen gültig. flpollo-lkatei'. Abends 9 Uhr: Frau Lima mit dem sensationellen Luftballatt; „C�rigolatls". Oito Remter The Barras Chavita Yumata Tiero fiiossoms Francis Gerard etc. etc. etc. Kasseneröffnung 6V, Uhr. Anfang der Vorstellung 7Vi Uhr. Vorverkauf täglich ImTheater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Victoria-Theater C. Alexanderstr. 40, Fernsp. VII 1711. Direkt.: V. Bausenwein u.C.Emmerlch. Ansang VjS Uhr. Zum 29. Mal mit voilstiiiibig neuer Ausstattung: Novität! Die weisse Henne. Novität! (La poule blanche). Bandeville in 3 Akten von Hennequin und Mars. Deutsch o.Boitcn-Bälkers. Rtusik v. B. Roger. JnParis mitsensat. Erfolge über bOO mal gegeben. AIcazar-Theatsr Tarl�t« I. Dresdenerstr. 52-53. Ranges Annenstr. 42-43, Ailftteieil 11011(ibsotiit erßklüssilit» Anfang: Wochentag? 8 Uhr. SonntagS 6 Uhr. Eutrce; Wochentags 20 Pf. SonntagS 30 Pf. 23682*] Tie Direktion: kilchard W i n k I e r. preie Vollisbükne. U Noacks Theater. Brunneiistrabe 16. Täglich: Die schöne Ungarin. Posse mit Geiang u. Tanz in 4 Akten von Weller und Mannstädt. Mustt von Stessens. Jeden Sonntag, Tieustag und TounerStag nach der Vorstellung: _ Tmizkränzchen. Palast-Hieater früher._ Feen-Falast, Bnrgstraste 22. Ganz Berlin spricht von dem großen Oktober-Programm. Ganz Berlin staunt über die tresslichen Meisterturner am sechsfachen Luftreck Vasilescta-Tric. In dieser Bollendnng noch nie dagewesen! Ganz Berlin lädst über Winkler und FrSbei in der urkomischen Original- AnSstattnngS-Gefangs-Bnrleökc Susanne im Dade. Anfang 7'/z Uhr. SonntagS 6 Uhr. ttaffenössiumg 1 Slunde vor Anfang. Billet-Vorverlauf vorm. v. 11— 1 Mir. Sonnabend, den 14. Oltober: äW~ Gesellschaftö-Zlbettd Tlorsleliuiig 11. Tauzkränzche». Clrkns Busch. Sonntag, den 8. Ollober: Zwei große brillante Borstelliliigcn. Nachm. 4 Uhr und abends 7»/, Uhr. Nachm. 4 Uhr hat jeder Ertvachlene ei» Kind unter 10 Jahren frei, weitere Kinder unter 10 Jahren zahlen halbe Preise ans allen Pin gen mit Ausnahme der Galerie, abends jedoch volle Preise. Nachm. 4 Uhr die wunderbar dressier- tcn JeeUiwen und Seehunde. Drcssnr- Spielcreten. Geschwister Elarke. Die Hengste und 2 Elephanteu ans dem Spielplatz..Unsere Marine." Großes Ballett, getanzt von 120 Damen des Corps de Ballett. Svortsalt: a) Polo zu Pferde, b) Phiaina-Stnles oder Ztachtnilltzen-Rennc». o) Bicyclc- Wettrennen— 100 Mark Prämie. Lsuls vaoliintrikl? im Oslsud-Ttiestsr III. Abteilnnj?: Goethes Faisst I. Teil und gleichzeitig VI. Abteilung 23/, Uhr im Lesslng-Theater: Die Joiii'iialistcu. 231/0 Die Mitglieder werden dringend gebeten, pünktlich zu erscheinen. Aohtnng! Die VGiiilstelle A'o. 23(früher bei Zuteil), befindet sich Jetzt bei Snss. Mni'kgl'afenstr. 102. Uillcts a oO i'f. zum Hei-bstfcst am 14. Oktober in der Itrancrei I'rledrlchrshnin gelangen für RitjglieAcr in allen Zahlstellen zur Ausgabe. Den Mitgliedern wird angeraten, sich umgehend mit Blllets zu versehen, da später die nicht gelösten auch an HlchtmltgHeder verkauft werden. Mitwirkende sind: Berliner bf Infonic- Orcbcster und Typographin. Die VI. Abteilung ist geschlossen. Die Zahlstellen-! inliaber werden gebeten, die übrigen Karten VI. Abteilung 1 zurückzusenden. Der Vorstand. LA.: G. Winkler. Arbeiter-Bildnagssclmle. | Am Sonntag;, den 8. Oktober, ztbeuds 7 Uhr, In Cohns FcstsiUcn. Ucuthstrassc 10: Vortrag des Rechtsanwalts Victor Fränkl öbar: „Bildungsbestrebuogen der irbeiler". fach dem Vortrag: Ccmütllches BclsammcnBcin n. Tanz Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf.&/B WW>W>W>W»W>WWU Verband aller im Handels- und Transportgewerbe bescliäft. Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend. Arbeltsnachwols und Bureau; Kommandantenstrasse 25,1. Telephon Amt IV 8973. Sonnabend, den 14. Oktober er.: XIII. Stiftungs" Fest in Kellers Festsälea, Koppenstr. 29. Prolog.- Festrede, geh. vom Gen. Vogtherr. Grosses Konzert, sowie Auftreten dos originellen Ulk-Trio. Dia Gesangsvortrilge werden von den Gesangvereinen Süd- West und Alpenblnme(Mitgl. d. A.-S.-B.) unter Leitung dos Dirigenten Herrn Günther Schulz, die Ballmusik wird von dem 24 Mann starken„BToncn JBcriincr Itonzept- Orchcstcp" unter Leitung des Dirigenten Herrn Rudolf Tlotz ausgeführt.[76/19 Anfang abends C Uhr. Blllats für Mitglieder 25 Pfg.— Gäste- Ellleta a 50 Pfg. Incl. Tanz. Billets für Mitglieder sind nur im Bureau, Kommandantenstrasse 23 I, zu haben. Gäste-Billets daselbst. in den Zahl- Um stellen, sowie bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern. Abendkasse findet nicht statt. zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. ivciircnucn— zun weorr Prnuur.| � �, ,,, gi Sanssouci r*raumanns �estsale, frier Renz, Kottbnserstr. 4n Täglich nußer Sonnabends KolTnianns Norddeutsche Sänger. Anfang wochentags S Uhr. Gutrcc(Ziorverkailf) 30 n. BO Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. DounerStag und Sonntag nach der Soiree: Tainc.Krünr.elieu. MnttttiZttstuetße 37. l Empfehle meine Säle, 9GG Personen fassend(auch mit Bühne), zu allen Festlichkeiten u. Versammlungen. Einige Sonnabende und»och frei für Vereint. Jeden Sonntag und DouuerStag: grosser Boll. Alle stbrigen Tage steht mein Lokal zn Vcrsaimnlmigen zur Bersügnng. ködert Lekeere, Mestanrant.Säuger h e t vf O. Bluiueu-Strasie 38. Telephoi:: Amt Vli Nr. 37V0. ! ArdeitSiiochtoeis der Möbelpolierer, Brauer, Brauerei-HilfSarbeiter. Zahlstelle des Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter, Buchbinder, der Ort«- Krankenkasse der Mäbelpolterer, der Central-Kranlenkasseu der Schuhmacher, Gold- und Siiberarbeiter, Buchbinder,»nd Zahlstelle des Wahlvereins für den 4. Berliner pjeichStagS-Ptählkrei«(Offen).[842QL* Reichshallen. Täglich: Stettiner Giinger lMehlel. Vietr«. Britton. Sleidl, Krone, ti j r ch in a» e r. Schneider nnd Schräder). Zum Schluß: Stiirkes Pfittgstkahrt. Ensemble von Mensel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 llhr. Tageökosse 11-1 Uhr. Empsihle allen Freunden nnd Partei- genofsrn ineln neues Lokal Bisnlaret- straffe 34. P-retiiSzÜumcr, 120 Pcrfoue» ' fassend. 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Ter Verlag war in4belon- v:re bestredt, auch den diesjährigen Kalender an einem prahtisesien Ilachschlageduch für Gewerhsdjaftcn 9 zu gestalten. J* Buchhaudluiiz Borwärt» Periiu SV., Keuttzar. 2. �Achtüög! Vereine! Svnuabeud, den 18. und 25. November sreigewordeu. Fest-Säle, Komuiandaittenstr. 72 (,,14 In bliaus")._ 4b GesellschaftshauS Siviuculiiudcrstr. 42. Säle löo-800 Personen fassend zu Versammlungen und Festlichkeiten au vergeben. Iliibncr.[24162* Urania Wrangelstrasse 10/11. Jede» Sonntag:[24152* j Grosser Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Auschlagsäuleu.\ Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiieu und Versammlungen. �Ml!er-K»rtU Am KönigSthor- Am MedrichShain. Jeden Soimtag: All Nslhkiltllgeil(iiib die Etile llilPtttine p vergtSt». H. Grupes Tanz-Institut, Annenstr. 10(früher KlubhauS). SonutagS-KursuS per Monat 3 M., DieuSlagnbend-SuriuS p. Monat 4M. Säle und BereiuSzimmer für Ver- sammluu gen u. gestlüi, leite».[26042* Mkamdna IVallncr- Theater-Gtr. 16. Jeden Sonntag und Donnerstag: Gr. 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Herrn Dtto V/ildauer.[* Tanz- Abonnement 76 Pf. Die Kaffeekiiche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Zwei Kegelbahnen, Vereitle erhatten Sptra-Preise. Wwe. Fliae Hau, | früher Skalltzerstr, 126. ZoclaldmMraMn Wlihiuneiil für dt» 2. BrrlI»« Reichstags- Wahldreis Dienstag, den 10. Qktobcr, abendS 8>/2 Uhr, in„Habels Brauerei- Ausschank", Bergmannstrahe 5—7: Genernl- Tagcs- D r d u u» g: 1. Bericht des Kassirers. 2. Ber icht des Vorstandes. 3. Vorstands Wahl. 4. Berichterstattung über die Einteilung der Bezirke. 5. Diskusston. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist dringend notwendig. Mit- gliedSbuch legitimiert. 238/18 Diejenigen Mitglieder, welche ihre Beiträge bisher bei Zubeil, Linden- strahe 106, bezahlt haben, werden ersucht, dieselben von jetzt ab bei Sah Markgrafenstraste 102, zu entrichten.___ SsllMenMrMlher Whlvere!» für den 3. Berliner Reichstags-Wnhlkreis Mittwoch, d. II. Oktober er., abends SVj llhr, i» Feuersteins oberem Saal. Zllte Jakobstr._ Geueral- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht über daä III. Quartal 1ZLS. 2. Vortrag des Herrn Dr. Zadcck übech„Kommunal. Soctaltsmua". 3. DiSkllssson. 4. Vereineangelcgenheiten. DS?" Das Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Der Vorstand. NB. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei folgenden Genossen Gottfried Schulz, Cigarrenhandlnng, Adiniralflr. 40a.; Wilhelm Börner. Cigarrenfabrikant, Rittcrstr. IS; Emil Glitte, Schankwirt, Brandenburgs strafte 18; Adolf Fkilk, Gastwirt, Sirueoqstr. 23; Ernst Lier, Bicroerlegcr Alte Jakobstr. 110; Martin Mascha, Eigarrenhaudlung, Adalbertstr. 2i- (Eingang Engeluser); Kranz Kruger, Restaura teur, Naunynstr. S4. Da- selbst werden Beiträge eritgegen- und neue Mitglieder aufgenommen. Sociaidemokratischer Mahlverem für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 1«. Oktober, abends 8�/« Uhr, im„Victoria-Garten"(Inhaber Kranz), Bad-Strasze Nr. IS: Versnlttttiluttg. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Jahn über„Parteibildungen". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 248/4 Gäste haben Zutritt. ver Vorstand. NB. Die Mitglieder resp. Bezirksführer werden ersucht, die event. noch vorhandenen Billets von der Sternwarte bis Freitag, den 13. Oktober, mit ihren Abtetlungsführern abzurechnen, da in der nächsten Generalversamm lung abgerechnet wird. Oeffentliche Versammlung aller in Bnchdrltlkereien und verwandten Berufen beschäftigte» Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen am Mittwoch, den 11. Oktober, abendS 8 llhr, im Lokale „Brminhallen", abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Hoffmann, Alexanderstrasie 27c; Uttfanmlung des Vereins m Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Tagesordnung: X. Vortrag des Herrn Dr. Imx über:»Der Stand der Technik am Ende des Jahrhnnderts." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenhelten. 120/10 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. I. A.: O. Herfort h. m Ter tl geW äscli© Emil Vogt Verliii SO., Orauicnstr. 169, zwischen der Sldalbertstrafte und dem Oranienvlatz. Oberdemdeu.Servitciirs, Kragen, Manschette», Krawatte», Damen- und Ktnder-Wäsche, Gardinen, Schürze» rc. Nur gute Ware zu billigen Preisen. Eigene Wäschenäherei im Haus«. IeliMHalzariielter-Berbavh. Montag, den 9. Oktober, abends 8�/« Uhr: Bezirks- Bersammlungen. Medding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herrn Haabe(Kolberger Salon), Kolbergerstr. 83. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Panl Jahn über:„Das bürgerliche Recht und die besitzloieu Klassen". 2. Diskussion. 3. Wahl des Bezirtsleiters 4. Wahl eines Beitragsammlcrs(Zahlstelle 18). S. Verbands- und Werkstatt- angslegenhciten. Rofenthnler und Schonhaufer Vorstadt: bei IVernan, Schwcdterstr. 83. Tages- Ordnung: Vortrag deS Herrn Dr. Bcutler über:„Krankheiten deS Proletariats". Diskussion. Vcrbandsangelegenheit. Verschiedenes. KM- Gäste und Frauen haben Zutritt."TDS Osttn und Nordasttn:** Mann'« Tages-Ordnung: 1.„Was lehrt uns die Statistil vom Jahre 1807". 2. Dislussion. 3. Verbandsangelegenheite»(Wahl des BcztrlsleiterS). 4. Verschiedenes. Tie Wichtigkeit der Tagesordnung macht es jedem Kollegen zur Pflicht, sür regen Besuch der Versammlung Sorge zu tragen.— Frauen und Nicht- Mitglieder haben Zutritt; letztere können sich aufnehmen lassen. gsp- Die Versammlung wird pünktlich 8�/z Uhr erössnet. WtsttN n. Südwesten: bei«ossmann.Krenzbergstr. 48 Süden und Südosten:"�Är.�""' Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Baron über:„Wunden, Wundheilung und Wundbehandlung". 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangelegcnheiten. Besprechung über Errichtung von zwei neue» Zahlstellen und Wahl von Bcitragsauiulkern. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. _ Die Versammlung wird Punkt 8Vz Uhr eröffnet. NCT" NichtMitglieder und Frauen habeu freien Zutritt."T#IQ Bezirksversammlim g für Friedrichsberg in» Sonntag, den 8. Oktbr., vorm. ItV: I hr, im Lokale des Herrn Fanten, Frankfurter Allee Nr. 174. Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Korbmacher zu einer Lohnbewegung. Referent: Kollege E. Voigt. 2. Diskussion. 3. Wcrkstattangelegcnhciten. laM- Sämtliche Holzarbeiter sind verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheine». 122/14_ Die Ortsverwaltnng. Verband aller in der Kürschnerei besch. Arbeiter u. Arbeiterinnen Berlins u. Umgegend. Montag, den 9. Oktober, abends 8>/, Uhr» isM" NUtglirdev�Nerseiinntluttg'MU im Lotale des Herr» Feind, Weiustrasje 11. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Rechtsanwalt Vietor Frttnhl über: Der sociale Charakter des neuen Bürgerliche» Gesetzbuchs." . Diskussion. 3. Abrechnung vom 2. Quartal IV. Jahrgang. 4. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Ächtung! Hiitmaclier. Ächtung! Große öffentliche Uersammlnng aller in der Hutbranche besch. Arbeiter u. Arbeiterinnen Montag, den S. Oktober, abends priicise 8'/g Uhr, in der Brauerei von Julius Bötzow, am Prenzlauer Thor. Tages-Ordnung: 1. Vortag über die Zuchtbnusvorlago. 2. Bericht der Delegierten der GewerkschaftSkommission. 3. Warm» haben die bei den Jnnungsmeistorn beschästiateu Hutwacher sich mit der Wahl eines AesellmausschuswS besaftt? Kollegen Berlins! Bietet alles auf, damit die Berfammliing gnt besucht wird. 86/3 Der Einbcriifcr. Vmiu der Nieber Derlins mtd Umgegend. Dienstag, den 10. Oktober, abends«»/, Fi»r. 5�- bei F a s t e r, I n s e i- S t r a s s e 10,'9S1 ERitgSlieder-yersamniBung. TaaeS-Ordnung: 1. Unsere Zeitung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 236 Der Vorstand. Achtung! Mtlrsefanaer! Achtung! Sonntag, den 8. Oktober 1899, abendS 6 Uhr, im„Englischen Garten", Zllexanderstr. 87e: Gr. öffeutliche Versammlung aller in der Kui'LütMei'bimlie beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen Tages-Ordnung: 1. Die letzten Vorkommnisse in der Berliner Gewerkschaftskommisston und unsere Stellungnahme dazu. Referent Kollege Vittig. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung: CeMiitlilhes BeisllMMeNskill llllh TllH. Der hochwichtigen Tages-Ordnung wegen ersuchen um zahlreichen Besuch /1934_ Die VertraneilSpersoncn. Tabakarbeiier und Tabakarbeiterinnen! Dienstag, den 10. Oktober, abends 9»/. Uhr, bei Herr» Hnske, Grenadierstr. 33: Große öffentliche Versammlung« Tages- Ordnung: 1. Rechnungslegung und Bericht der Kommission. 2. Bericht deS Dele- gierten zur Ecwerkschastskommission. 3. Neuivahl desselben und Neuwahl der Gesamtkommissiou. 187/3 Die Kommission. I. A.: 0»rl llutrv, Stralsunderstr. 41 III. Arbeiter- Bildongs- Schule Sfcne Rossstr. 3 part.,„Fngl. Hof". Lehrplan ftlr das IV. Quartal 1899. Unterrichtsfach Natur- Erkenntnis. National- Oeko- nomie. Geschichte. Behandeltor Lehrstoff Lehrer Die Fortsohritte in der Erkenntnis über den Menschen im neunzehnten Jahrhundert Grundriss der National-Oekonomie. Geschichte der grossen französischen Eevplution mit besonderer Berücksichtigung der geistigen Strömungen vor und nach derselben. Sohrift- steller Wilhelm Bölsohe. Schriftsteller Dr. Conr. Schmidt. Schriftsteller Dr.Rudolf Steiner. Unter- riohts- Abend Montag Donnerstag. Freitag. Der Unterricht beginnt in Xatnp-Erkeiiutnis Montag, den 16. Oktober; National-Oekonomie Donnerstag, den 19. Oktober; ttesclilclite Freitag, den 20. Oktober.— Jeder Kursus erstreckt sich auf 10 Abende und beginnt pünktlich um O llhr und endet pünktlich um VjH I hr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8—9 FI» geölkhet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- geld für jedes Fach betrügt pro Kursus 1 M. und ist»pttteatons am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuch frei.■ 5/4 Dia Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt— am besten bei Beginn jedes Kursus— im Schullokal Ronsstr. 3 und in nachstehenden Zahlstellen: Oottfr. ächal», Admiral- strasse 40a; Ueul, Barnimstrasse 42; Schiller, Eosanthaler- strasse 57; Krnus«, Müllerstr. 7 a. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann DnmmS, Berlin S. 59, Hasenheide 72, Hof 1. 4 Dr.. Geldsendungen an den Kassierer H. Kttnlgs, Berlin S. 59, Dieffenbachstrasse 75 Querg. IV, zu senden., Der Vorntand. Achtung, Kistenmacher! Am Montag, den V. Oktober, abends S'/s Uhr, im Lokale „Armiiihallen", Kommandautenstr. 20: Oessentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Unser Austritt auS der Berliner Gewerkschaftskommission. 2. Er- mäftigen wir unseren Streikfonds? 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 05/15 Der BertranenSmann. Verein sör Kauen und Mädchen der Arbetterlilasse. Am Montag, den S. Oktober, abends SVa Uhr, km Lokale „Arminhallen", Kommandantenstraße Nr. SO: Vortrag des Horm Dr. Jacnalel Wer:«Gesundheit— Krankheit— Heilung".— Gäste willkommen. 66/15 Der Vorstand. Soeialistlsclie Monatshefte. Internationale Revne des(Soclallsinns. PartailaBg-Nmumer.— Inhalt: Paul Kampffmeyer; Schrittweise Socialisierung oder gewaltsame Sprengung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Wolfgang Heine: Die Bernstein-Frage und die politische Praxis der Socialdemokratie. Dr. Conrad Schmidt: Nachträgliche Betrachtungen zur Bernstein- Diskussion. Eduard Bernstein; Noch etwas Endziel und Bewegung. Max Schippe!: Hertz gegen Kautsky. Karl Bleibtreu: Dje zukünftige Ueberlegenheit des Milizsystems. Wilhelm Bölsche: Maeterlincks Blaubart. Auguste Devinne: Wahlbündnisse. Heinrich Stllhmar: Gewerkschaften, Genossenschaften, Politik. Charles P6gny'; Jean J aures. Rundschau: Portrait von Jean Jaursa. Preis pro Heft 50 Ff., pro Quartal 1,50 H. Zu beziehen durch sämtliche Buchhandlungen, Postanstalten, Kolporteure und direkt vom Verlag tilcditsclistr. 83, Ucrlln W. + Kursus Arbeiterini Samariter__ für Arbeiter nnd D Arbeiterinnen, 13 c a t n n des Wittter-Knrstts 1899—1900 am 9. Oktober in der Centrale: Restaurant„Dresdener Garten", Dresdener- strafte 45, und am 16. Oktober in der Filiale bei A. Neu mann, Brunnen- strafte 150. Beginn jedesmal abends 9 Uhr. Jeder Arbeiter nnd Arbeiterin ist hierzu eingeladen. 15 Z/Ii Der Besuch der ersten beiden Uebungsabende steht jedem aw Gast seei. Emil Stein, Borsitzender, Georg Hellmuth, Charlottenburg, Kaiser Frtedrichstr. 40. Berkin 0., Langestrafte 22. 24a/25 Chausseestrasse 24a/25> svlschen Invalidenstrasso n. Friedrich-Vimelmstädtlscliem Theater.) 11 Brückenstrasse 11, zwischen Jannowitzbrttcke u. Köpnickerstr.(Ecke Bungestr.) 20 Gr. Frankfurterstr. 20, Ecke Koppenstrasse, am Bttrger-Hospltal. Ätintion«O MchchchWg ptrr knn- mil En gros.— En detail. Die Preise sind streng fest, sehr billig und in Zahlen an den Waren gezeichnet. Lieferanten an Garderoben-Geschäfte, Vereine, Institute und ausländische Gesellschaften. Eröffnung der Winter-Saisnn 1899 1900. 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Einige nebensächlichere Forderungen— z. B. das verlangen nach besonderen Schulklassen für minder Befähigte— beivegen sich in derselben Richtung. Daneben enthält aber dieser Absatz unseres kommunalen Programms eine Reihe von Forderungen, die mehr eine sociale Bedeutung haben, wenngleich sie mittelbar auch dazu beitragen, den Unterricht erfolgreich zu gestalten. Den Uebergang zu diesem Teile des SchulprogrammS der- mittelt die Forderung: Unentgeltlichkdit'des UNt'er richts und der Lehrmittel in den Volksschulen. Sie ist, soweit die Unentgeltlichkeit des Unterrichts in Frage kommt, bereits erfüllt, und der Liberalismus ist nicht wenig stolz auf diese angeblich ihm zu dankende Errungenschaft. Um so weniger ist es zu begreifen, datz die liberale Partei der Berliner Stadtverordneten Versammlung sich so hartnäckig gegen die weitere Forderung: U n entgeltlichkeit der Lehrmittel sträubt. Mit den faden- scheinigstcn Einwänden bekämpfte man die hierauf bezüglichen An träge unserer Genossen. Man bezeichnete ihr Verlangen als eine „socialistische Forderung", und übersah dabei ganz, datz. wenn das richtig wäre, doch auch die Gewährung der unentgeltlichen Schule schon einen Schritt in den»ZuknnftS ftaat" bedeutete. Dann wandte man weiter ein, datz man den Kindern der Bedürftigen auf deren Antrag die Lehrmittel be willigen wolle, daß mau aber bemittelteu Eltern geradezu eine Kränkung zufügen würde, wenn man ihnen eine derartige Wohlthat aufdrängte. Nun, es liegt unseres ErachtenS kein Grund vor, eme solche falsche Empfindlichkeit auf feiten der bemittelten Eltern vorauszusetzen. Dieselben erhalten in Gestalt des freien Schul- Unterrichts ein Geschenk von etwa SS M. jährlich, sie lassen sich das ruhig gefallen, und sie sollten sich plötzlich gekränkt fühlen, weil ihnen autzerdem noch die kleine Summe für Lehrmittel geschenkt wird. DaS erscheint wenig glaublich; dann mützten erst recht die noch wohl- habendcren Eltern der„höheren Schüler"— der Gymnasiasten, Real- schüler ec. vermöge ihres s elbstverständlich noch feineren Ehrgefühls eine schivere Beleidigung darin finden, datz ihnen von derStadt nicht bloß SS Mark, sondern rund 117 Mark alljährlich als Geschenk aufgedrängt werden. Soviel mehr, als sie an Schulgeld empfängt, zahlt nämlich die städtische Verwaltung für jeden höheren Schüler. Von einer solchen Empfindlichkeit ist jedoch bisher nichts zu merken gewesen, und man braucht daher darauf keine Rücksicht zu nehmen. Wohl aber mutz sich ein Kind tie gcdcmütigt fühlen, wenn es sieht, wie die Schulbücher von seinen Eltern gewissermatzen erst erbettelt werden müssen; ein solches Kind lernt schon frühzeitig erkennen, welche Verlogenheit darin liegt, wenn heutzutage behauptet wird:„Armut schändet nicht!" Alles spricht für, nichts gegen die unentgeltliche Gewährung der Lehrmittel. Und wenn man trotzdem sich ablehnend verhält, so kann eben dafür nur eine Erklärung gefunden werden: man fürchtet sich dem Teufel Socialismus den kleinen Finger zu geben, da er dann die ganze Hand nehmen könnte. Und den Willen, die ganze Hand zu nehmen, findet man auch bereits deutlich ausgedrückt in unserer weiteren Forderung: Errichtung von Schullantinen zur Verpflegung der Schulkinder. Datz ein großer Teil der Schulkinder infolge der wirtschaftlichen Notlage der Eltern ungenügend ernährt wird, datz andere sogar Tag für Tag hungernd zur Schule konimen, haben Untersuchungen, die in Brüssel, Wien und London, in Hanau, Frankfurt und Dresden angestellt wurden, unwiderleglich bewiesen. Das Schulkomitee des Londoner Grafschnftsrats konnte z. B. im Jahre 1389 feststellen, datz von 341 495 Schulkindern 43 843 oder 12,8 P r o z hungerten; in Brüssel erreichte im Jahre 1883 d i e Zahl der ungenügend ernährten Kinder sogar 20.97 P r o z. Es kann nicht bezweifelt werden, datz die Verhältnisse in Berlin ebenso oder ganz ähnlich liegen, und es besieht dem- zufolge für die Gemeinde die Verpflichtung, für aus- reichende Ernährung der Schulkinder Vorsorge zu treffen. Diese Verpflichtung' würde nun selbstverständlich am besten durch die Einrichtung von Schulkantinen im Sinne unseres Programmcs erfüllt werden. Auch hier wollen aber die Gemeinde- bchörden allerhöchstens die Speisung der Bedürftigsten als Almosen bewilligen, aber ja nicht schlechthin die Speisung aller. Und damit sie nicht etwa durch die Macht der Verhältnisse über diese Grenzen hinausgedrängt werden, wird gleich ein doppelter Riegel vor- geschoben. Man verhindert zunächst, datz der wirkliche Umfang des Bedürfnisses einwandsfrci festgestellt werde und sucht im Gegenteil die Zahl der Bedürftigen möglichst klein erscheinen zu lassen.' Des halb wurde der Antrag unserer Genossen, datz Erhebungen über die Zahl der hungernden Schulkinder angestellt werden sollten, im Jahre 1897 von der Stadtverordneten-Versammlung ohne Ausschutz. bevattmg abgelehnt. Deshalb forderte erst vor kurzem wiederum die Schnldcputation die Rektoren ans— vergleiche„Vorwärts" Nr. 227—, bei der Frühstücksverteilung „nur wirtlich notleidende Kinder" zu berücksichtigen, nur den„dringend erforderlichen" Bedarf anzumelden usw. Und zweitens ninimt die Stadt die Speisung der Schulkinder nicht in eigene Regie, sondern sie unterstützt nur Wohlthätigkeitsvereine, Stiftungen usw., die zu diesem Zwecke begründet sind. So verhütet man leicht zu wcirgehende Anforderungen. Man kann sich ja im Notfall immer auf die unzrircichenden Mittel der privaten Wohlthätigkeit berufen. Bei städtischer Regie dagegen könnte unter Umständen die«n- bequeme Ansicht sich Bahn brechen, datz die Bewilligungen sich nicht nach den verfügbaren Mitteln zu richten haben, fondern datz vielmehr die aufzuwendenden Mittel dem vorhandenen Bedürfnis anzupassen sind. Tie Errichlung von Schulkantinen zur Verpflegung der Schul- linder würde, so deutete bei der Beratung deS erwähnten Antrages der Stadtschulrat Bertram an, ein Schritt sein,„der in der That zu dem Anfang des KonuininismuS führt". Es sollte darin wohl zu- gleich der Vorwurf liegen, datz es sich um einen phantastischen, un- anssührlichen Gedanken, kurz um eiue Utopie handele. Dem ist jedoch nicht so. In einzelnen französischen, belgischen und englische» Genieinde» ist, größtenteils auf Veranlassung unserer dortigen Genossen, der Gedanke bereits in die Wirklichkeit übersetzt worden, vorläufig allerdings mit der Einschränkung, datz nicht alle Kinder umsonst an den Mahlzeiten teiliichmen, sondern nur die Be- dürftigen. Es wird aber dabei offenbar die Grenze der Bedürftigkeit sehr weit gesteckt, denn es wurden z. B. im 18. Arrondisiement von Paris inr Jahre 1391 von 2 4S()(X>0 Portionen 1 SSO 000— zwei Drittel— uinsonst abgegeben. Die Kosten haben sich dabei keineswegs als überwältigend hohe herausgestellt. J„ Paris stellten sich die Kosten einer Mahlzeit, be- stehend aus Suppe, Gemüse und Fleisch, auf 8 bis 16 Pfennige, in Roubaix auf etwa 14 Pfennige.� Mau kann danach berechnen, wie viel die Einführung einer solchen Maßregel bei uns kosten würde. Legt man als Einheitssatz 15 Pfennige zu Grunde und berechnet 300 Schultage im Jahre— eine viel zu hohe Zahl— so würde auf den Kopf des Schülers eine Summe von 45 M. jährlich Datz eine thatkräftige Fürsorge für die Ernährung der Schul- linder auch zugleich den Erfolg deS Unterrichts fördert, kann von vornherein als sicher angenommen werden. Icksns s»na In corpore sano, ein gesunder Geist kann nur in einem gesunden Körper be« stehen, das ist ein Satz, über dessen Wahrheit Erzieher und Aerzte einig sind. Die mangelhafte Fürsorge für die hungernden Schul- linder— vergl. den Erlaß der Schuldeputation(„Vorwärts" Nr. 227' — bedeutet zugleich eine Versündigung an der Volksbildung, welche doch sonst vom Freisinn angeblich so hochgestellt wird. Freilich war von dieser Hochschätzung der Bildung auch da nichts zu merken, als sich die Berliner Stadtverordneten-Versammlung auf Antrag unserer Genossen mit der Forderung: Verbot jeder Beschäftigun schulpflichtiger Kinder beschäftigen mutzte. Die Vev Handlungen, insbesondere das eigentümliche Verhalten des Leiters unseres BildungSwesens, Stadtschulrats Bettram, sind noch in frischer Erinnerung, und es kann daher ein tieferes Eingehen auf diesen Gegenstand hier unterbleiben. Nur eins fei erwähnt. Der Herr Stadtschulrat ging in seiner Abwehr gegen die Bestrebungen unserer Genossen sogar so weit, die gewerbliche Thätigkcit in gewissem Umfange als etwas Nützliches, als förderlich für die Energie uflv. hinzustellen. DaS Hauptbeweismittel bildete dabei die Thatsache, datz einmal sogar ein mit Frühstücks austragen beschäftigtes Kind es zum Primus— Klassen- ersten— gebracht hatte. Nun, man braucht nicht Stadtschulrat zu sein, um zu wissen, datz Einzelbeobachtungen in solchen Fragen nie- mals eine beweisende Kraft haben können, sondern datz diese allein umfassenden statistischen Erhebungen zukommt. Solche Erhebungen sind erst jüngst wieder in England vorgenommen worden, als es sich darum handelte, die Bestimmungen über die gewerbliche Beschäfti- gung der Schulkinder zu ändern'. ES wurden die sogenannten Halb zeitler— d. h. Schulkinder im Alter von 11— 18 Jahren, welche S'/e— 6 Stunden in der Fabrik arbeiten— bezüglich ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung mit anderen Kindern ihres Alters ver- glichen, und es ergab sich dabei nach beiden Richtungen ein starkes Zurückbleiben der ersteren Gruppe. An Gröhe und Körpergewicht z. B. konnte man zahlenmäßig dieses— recht erhebliche— Zurück- bleiben feststellen. Es ist selbstverständlich, datz auf diese mangelhafte Entwicklung der„Halbzeitler" nicht bloß die Erwerbsthätigkeit, sondern auch andere sociale Momente, in erster Linie die nicht ausreichende Er- nährung, von Einflutz waren. Aber daraus darf nicht gefolgert werden, daß man auf das Verbot der Erwerbsthätigkeit verzichten kann, sondern nur das, datz man das«in« thun. und das andere nicht lassen soll: d. h. man mutz für bessere Ernährung der Kinder sorgen, darf aber darum nicht unterlassen, sie vor Ausbeutung ihrer Arbeitskraft zu schützen. Auch unsere Forderung:„Obligatorischer Fort bildungs- Unterricht für beide Geschlechter bis zum 18. Lebensjahre. Erteilung des FortbildungS- Unterrichts an Wochentagen während der Arbeitszeit", fand bei der liberalen Mehrheit nicht die Aufnahme, welche angesichts der so eifrig beteuerten Bildungs freundlickkeit erwartet werden könnte. Auch hier war die Rücksicht auf die Unternehmer, die man in der Ausbeutung ihrer Lehrlinge nicht beschränken wollte, stärker als die Liebe zur Volksbildung Dabei konnten sich eigentlich die Herren Liberalen darüber nicht zlveifelhaft sein, datz ein Fortbildungsunterricht, der nach zehn stündiger oder noch längerer Arbeit in den Abendstunden erteilt wird, oder der die dürftige Sonntagsruhe beeinträchtigt, unmöglich als vollwertig angeschen werden kann; wohl aber kann eine der- artige geistige Anstrengung junger Menschen, die schon körperlich ab- gearbeitet sind, zu einer„Ueberbürdung" führen. ES waren ja gerade liberale Blätter, die seiner Zeit von Klagen über die„Ueber- biirdung" der„höheren Schüler" wimmelten. Hier, wie dort, handelt sich zumeist um die jungen Leute im Alter von 14—18 Jahren. Aber in den Zeiten der schlimmsten„Ueberbürdung" war es wohl als verschwindende Ausnahme anzusehen, wenn Gymnasiasten usw. mehr als 10 Stunden täglich durch die Schule in Anspruch genommen lvurden._ C. F. • GenksvkschKftlithes. Für die dänischen Arbeiter gingen bei der Berliner Wewer!- s ch a s t s i o in m i s s i o n folgende Beiträge ein: Arbeiterraucherbund Berlins und Umgegend, 2. Rate, 49,—. Modelltischler M. H. u. Co. 3,—, Kaufleute Berlins durch Hintze auf Listen 13,29. Schneider auf Listen durch Stubbe 5,70. Buchdruckereihilfsarbeiter durch Jahns auf. Listen 197,45. Arbeitsnachweis der Bügler, Fehrbellincrstr., 4,15. ' abrit- und Hilfsarbeiter d. Haupt auf Listen 3,55. Vertrauensmann der -ergolder, Longe, aus Listen 319,99. Porzellanarbeiter durch Rctchordt auf Listen 9,29. Durch Skandinavter, auf Listen, 19,69. Schuhmacher Berlms aus Listen d. Herrmann 49.29. Arbelterbildungsveretn Fnedrichshagen 49.—. Aus Adlershof d. Nonck auf Listen 4.39. Fabrik-, Land- und Htlfsarbeiter Berlin lcentral) d. Funk auf Listen 28,39. Tischlerei Bach u. Copitz, KBiiigsbergersir. 39, 11,20. Bau Riehmer, Hagelöbergerstrahe, 9,65. Krähen- luster Bauern, Ueberschub vom Erntefest 5,85. W. Schmock auf Liste 5,65. II. Wahlkreis d. Werner auf Listen tdarunter Firma Lubart u. Weichselberg 12,20)= 56,70. W. Hinz aus Liste 5,69. Zimmerer vom Hofztmmermcister Krause, Platz Zimmermann u. Sohn 2,59. Pianomechaniksabrik Schütz u. Freund, Köpmckersirafje, auf Listen, 4. Rate 11,90. Auf Listen gesammelt 31,15 d. Anschtitz(darunter Tischlerei Garotzki, Oranienstrahe, 13,25. Tischlerei Rtiktwartb n. Riegel, Wienerstr., 9,60. Tischlerei Wengler u. Mohr- ma»n, Köpnickerslraße, 4,59� durch Knobloch 2,—; durch List 1,89). Steiu- drncker aus Kaufbemen d. Schöpfe 28,69. Heese aus Liste 5,79. Sattler Berlins auf Listen d. Riedel 39,35. Cemmtiem, Zahlstelle 4, Berlin 31,65. Tischlereien Kastanien-Allee 79, 9,20. Kreuzberger Harmonie, Restrate, 58,59. Maler Berlins auf Listen d. Link 50,95. DeSgl. 9,19. Lottettcvcrem Glück auf bei einer Landpartie ges. 7,40. Skandinavier aus Listen d. Sabrol 5,59. Schuhmach, auf Listen d. Herrmann 19,29. Maurer Berl.(centr.) d. W. Schulz 121,—. Tischlerei Neumaim u. Bunar 20,—. Möbelfabrik Hanke u. Keber, Königsbergerstraste, 9,—. Graveure der Firma R. Auerbach. 3. Rate, 11,40. 2. Wahlkreis, d. H. Werner auf Listen 21,39. Gold- und Silberarbeiter Berlins auf Listen d. Brückner 26,59. Wäfchebranche, d. Trtnks aus Listen 26,89. Swccatcure Berlins, auf Liften durch Daschütt 65,49. E. Vogt, auf Listen«,85. Skandinavier auf Listen 19,50. Maurer Berlins, auf Liste ~ Schulz 16,20. Für die Steinarbeiter Berlin» gingen ein: Zimmerer Berlins(central) durch H. Knüpfer 599,—. Holzarbeiter (central) Berlins d. Miele 1999,—. Maurer Berlins(central) d. W. Schulz 599,—. Ucberschuß vom Erntefest im kühlen Grunde, Sickingenstraße, Moabit 8,85. Maschinisten und Heizer Berlms d. Zabel 49.-. Verband d. Steindrucker, Lithographen und Berussgenosien 299,—. Einige ziel- bewußte Eisenbahner 3,29. Konditoren 10,—. Stockarbeiter 50,—. Maurer(lokal) 200,-. Steinhauer 20,—. Tapezierer v. Fork, Kretschmar u. Co. 15,—. Aus dem Lager von Eyck u. Strasser 4,—. Tischlerei Unger, 1. Rate 5,-. D. Göritz 3,-. Druckerei A. Lindner, Grohbeerenstraße, 4,—. UnterstützungsfondS der Glasardeiter Stralaus 2. Rate 59,—. Verband der Schneider und Schneiderinnen Deutschlands, d. Ritter 199,—. Vertrauensmann der Metallarbeiter Berlins, O. Rüther, 350,—. Vertrauensmann der Vergolder, Lange, 199,—. W. Henze, Zorn- dorferstrah« 2,—. Durch Roch 4,75. Weitere Beiträge für dt« Steinarbeiter nimmt das Berliner . ewerkschaftSbureau, Annenstr. 1«, I(Rud. Mtllarg), in der Zeit von 9—1 Uhr vormittags und 6—8 Uhr abends entgegen. DerAuSschuß der Berliner ÄewerkschaftS-Kommission. entfallen. Die Stadt würde also für den Geineindeschüler— selbst wenn jeder in der Schule eine Mahlzeit erhielte— noch immer jährlich 10 Mark weniger zu zahlen haben, als sie heute schon für die„höheren Schüler" zahlt, die zum weitaus überwiegenden Teil den Kreisen der Bourgeoisie entstamnten. sten d. Vevsnmmlungen« Eine Metallarbeiter-Versammlung(Anhänger der Gewerk- chaft) tagte am 4. d. M. in den Arminhallen. Schneider referierte über die bekannten Zerwürfnisse innerhalb der Berliner Gewerl- chaften. Am Schlüsse verlas er das Regulativ des neuen Gewerk- schaftSkartellS. dem sich LS Gewerkschaften angeschlossen hätten. Nach längerer Debatte wird beschlosfen, sich dem Kartell anzuschlietzen, und den demselben angeschlossene» Gewerkschaften Solidarität zu wahren. Als Delegierter wird Schröder, als Ersatzmann Rein gewählt. Die in der Buchbinderei und verwandten Branchen be» schäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen(Zahlstelle Berlin) hielten am Dienstag, den 3. d. M., ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gelangt zur Kenntnis der Anwesenden, datz in Schwäbisch-Gemünd die Lederarbeiter in eine Lohnbewegung eingetreten seien und Zuzug nach dort infolge dessen fern zu halten sei. Krause referierte zum 1. Punkt der Tagesordnung:„Hebung der Zahlstelle Berlin". Redner ist der Meinung, daß es, einerseits um eine intensivere Agitation zu ermög- lichen und durch diese neue Mitglieder zu werben, andererseits um dem Uebelstande, daß bei jeder Neubesetzung eines Vertrauensmanns- Postens die gcthane Arbeit zum großen Teil von vorn anzusaugen sei, abzuhelfen, Wohl angebracht ist, eine besoldete Person zur Leitung der gesamten Agitation anzustellen. Der Vorschlag, die Redaktion der � Zeitung nach Berlin zu verlegen. sei von ihm in Erwägung verschiedener Umstände hauptsächlich des Kostenpunktes halber erfolgt. Brückner sympathisiert mit dem Vorschlag Krauses insoweit, datz er für Einstellung eines zweiten Beamten, jedoch gegen die Verlegung der Zeitung nach hier ist. B y t o m S k i ist gegen eine Anstellung eines zweiten Beamten, er wünscht, datz die' Vertrauensleute entschädigt würden. Gleichfalls dagegen sind die Kollegen Hoffmann und S ch m i d t, während Wilhelm in dem Vorschlag Krause ersprießliches für die Organi« sation erblickt. Eine Abstimmung über diese Frage findet wegen schwachen Besuchs der Versammlung nicht statt. Unter Verbandsangelegenheiten werden den Steinarbeitern Berlins 100 M. überwiesen. Ueber die Firma Moritz u. Kummer wird die Sperre verhängt. Nachdem noch mitgeteilt worden ist, daß Anmeldungen zum Hochschulkursus a 60 Pf. auf dem Bureau entgegengenommen werden und um rege Beteiligung zu der am 15. d. M. stattfindenden Gründung der Zahlstelle AdlerShof ersucht wird, tritt Schluß der Versammlung ein. Die Tapezierer(Kleberbranche) wählten in ihrer Versammlung vom 4. Oktober ihren Kollegen T t o a s s e r als Delegierten in da« Gewerkschaftskartell. Eine öffentlich« Bersatnmlung der Ttockarbeittr tagte am 3. Oktober bei Stechert. Zum ersten Punkt der Tagesordnung er« stattete L. Hildebrandt Bericht über den Ausgang des Prozesses Noa contra Birkner u. Gen. Herr N. klagte bekanntlich vom Streik Im' Januckr-Föbruar eine- Konventionalstrafe von 50 M. gegen vier Arbeiter wegen Kontraktbruchs ein. Vor dem Gewerbegericht lvurden die Arbeiter verurteilt, worauf Berufung an das Landgericht ein- gelegt wurde. Die Berufung gründete sich auf 8 84 Theil I des Allgemeinen Landrechts(Vorspiegelung falscher That- fachen bei Abschluß des Vertrages.) Nachdem mehrere Termine stattgefunden, fällte das Berufungsgericht folgendes Urteil: Schwören die Firmeninhaber E u. B. Noa, datz sie die Be- klagten oder nur einen der Beklagten nicht durch unwahre Angaben zur Unterschrift der Verträge verleitet, die Berustmgskläger mit der Berufung abgewiesen würden. Wie dem Berichterstatter aber bekannt war, hatte in einer Sitzung des Jnteressenwahrungs-Verbandes der Celluloidwaren-Fabrikanten Herr Noa erklärt, daß er diesen Eid nicht leisten werde. Daraufhin konnte man den Prozetz zu Gunsten der Arbeiter für entschieden halten, als im letzten Moment der mit» angeklagte Schmidt dem Rechtsanwalt mitteilte, datz er seine Berufung zurückziehe. Nachdem Schmidt von Noa wieder aufgenommen und ihm die Konventionalstrafe von 50 M. erlassen war, erschien er in einem späteren Termine als Zeuge, um nun zu Gunsten NoaS aus- zusagen. Hierauf wurden die übrigbleibenden drei Beklagten zur Zahlung der Strafe verurteilt. Im weiteren wurde aus Antrag Liebe über Einführung emeS Streikfonds verhandelt. Der Antrag wurde angenommen, und zwar als Einführungstermin der 1. November festgesetzt. Flucke befür» wortete sodann den Anschluß an das Gewerffchaftsrartell. Nach An- nähme eines diesbezüglichen Antrages wurde derselbe zum Delegierten gewählt. Mit der Aufforderung zu zahlreicher Beteiligung am Stiftungsfest am 23. Oktober im Schweizer-Garten schlotz.die Ver« sammlung. Die Handels- Hilfsarbeiter lokaler Richtung hielten am Dienstag eine außerordentliche Generalversammlung ab mit der Tagesordnung:„Wollen wir uns dem bestehenden Centralverbcmd anschließen öder nicht?" Der Vertrauensmann für Deutschland, Kollege Rein, befürwortete auf Grund seiner in der Provinz ge- machten Erfahrungen die Eentralisation und empfiehlt, wenn einem Zusamniengehen mit dem bestehenden Centralverband nicht sollte stattgegeben werden, einen neuen- Central- verband zu gründen; der jetzt bestehende, such« mehr durch die Agitatton die Kohlenarbeiter und Eträtzenbahu- Angestellten heranzugehen und so lönnte der neue sich mehr für die Hausdiener und Angestellten im Handelsgewerbe interessteren. SS 'olgte eine rege Debatte, in welcher sich einige Kollegen für und gegen einen Ccntralverband aussprachen. Es gelangte dann ein An- trag zur Annahme, wonach sich die Versammlung verpflichtet, die lokale Organisationsform beizubehalten. Schöncberg. Am Montag, den 2. Oktober, fand hier bei Obst die Generalversammlung des Arbeiter-BildungSvereinS statt. Der Vorsitzende Küter gab zunächst den Jahresbericht des Vorstandes. Nach demselben zählt der Verein jetzt 357 Mitglieder(im Vorjahr: 383). Die gesamte Jahreseiimahme betrug 358,20 M., die Aus- gäbe 752,31 M., somit der Bestand 205,23 M. Versammlunszen wurden 22 abgehalten, in denselben sprachen- zwölfmal Vereinsmitglieder und elf andere Referenten. Sodann kam 'olgende vom Vorstande aufgenommene Stattstik zur Verlesung: Nach den Berufen eingeteili zählt der Verein: 100 Maurer, 43 Zimmerer. 37 Arbeiter, 26 Tischler, 13 Buchdrucker, 18 Metall- arbeiter, 14 Schuhmacher, 11 Restaurateure, 3 Maler, 7 Stuceateure, e 4 Klempner, Sattler, Tapeziere, je 3 Hausdiener, Mechaniker, Schneider, Steinarbeiter, je 2 Barbiere, Bierfahrer, Böttcher, Buch- binder, Cigarrenhändler.Cigarrenmacher, Kutscher, Lithographen, Packer, Seiler, Stellmacher, Töpfer,(Uhrmacher und je 1 Büchsenmacher. Bureau- arbeiter, Bureauvorfteher. Drahtweber, Drechsler, Droschkenkutscher, Fliesenleger, Glaser, Graveur, Gürtler, Handlungsreisender. Heil- gehilfen, Kohlenhändler, Lackierer, Marmorarbeiter, Marmorschleifer, Schlächter, Schriftgießer, Steinschleifer, Steinsetzer, Vergolder, Xylograph. Gewerkschaftlich organisiert sind 285 Mitglieder.' Das Alter beträgt bei 26 Mitgliedern 20—25 Jahre. 87: 26—30 Jahre, 100: 31-35 Jahre. 68: 36-40 Jahre. 41: 41-45 Jahre. 22: 46—50 Jahre, 9: 51— 55 Jahre und 4: 56—60 Jahre.— Die Abrechnung vom letzten Quartal ergab eine Einnahme vqn 307,66 M., Ausgabe 102,37 M.. bleibt ein Bestand von« 205,23 M. Hierauf erfolgte die Ergänzungswahl des Vorstandes. Es wurden gewählt zum 1. Vorsitzenden: Küter; Schrift« iihrer: Wollermann; 2. Kassierer: Broccker; 2. Bibliothekar: Reiche und zu Revisoren: Buttry und Leitzner.— Zum Punkt Anträge wurde beschlossen, den bisherigen Titel des Vereins in:„Sozial- demokratischer Berein zu Schöneberg" umzuändern und wird der Vorstand mit den weiteren Schritten hierzu beauf- tragt. Zwei weitere Anträge, betr. Errichtung von Zahlstellen und Aufnahme resp. Ausschluß der Mitglieder durch den Borstand, wurden abgelehnt.— Die nächste Versammlung wird durch den„Vorwärts" bekannt gemacht. Rixdorf. Der Verband der Möbelpolierer hielt am Oktober seine regelmäßige Mitgliederversammlung bei Baden« ch n e i d e r, Hennannstr. 137, ab. Kollege D i ck sprach über„den verflossenen) dänischen Streik und seine Lehren" vor nur mätzig be- uchter Versammlung. Unter Verschiedenem wurde Kollege Nierich als Gewerbegerichts-Beisitzer-Kandidat empfohlen und der Erfolge der Kollegen bei der Firma Laborenz Erwähnung gethan. Kaufmann Max Mannheim 89, Frankfurter Allee 89. Saison-Neuheiten in Kleiderstoffen, Wolle und Seide vom einfachsten bis zum elegantesten Genre. Hansklelderstoffc, Meter 27, 88, 45, 60 Pf. Heinwollene Clieviots, Meter 0,45, 0,75, 1,00 Mk. Reinwollene Crepes nnd Ainnres, Meter 0,78, 1,25, 1,50 Mk, Mein grosses Lager in l�oiiTeauteH befriedigt selbst den vornehmsten Geschmack. Hohnlr-Karos,. Mtr. 75 Pf,| Xncli- n. An�ora-Karos,. 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I. der- öffentlichten Besprechung des Jahresberichtes der Handelskammer zu Bochum wird an die Ausführungen des Berichts über die hervor- ragende Anteilnahme der Arbeiter an dem stattgehabten Wirtschaft- lichen Aufschwung die Bemerkung geknüpft: „Die Herren Verfasser des Berichtes sind in ihrer Beweis- fllhrung etwas unvorsichtig. Wenn seit zwei Jahren die Ein- koimnensteuer um 20,4 Proz. gestiegen ist, der Lohn der Arbeiter dagegen im letzten Jahre nur um 3 bis S Proz.— vorausgesetzt, dah lctzrcre Angabe überhaupt zuverlässig ist—, so haben nicht die Arbeiter einen hervorragenden Anteil an der Zunahme des Wohlstandes gehabt, sondern die Unternehmer haben fast allein ihre wirtschaftliche Lage verbessert, um so mehr, wenn man bei der Rechnung berücksichtigt, dag die Gesamtbevölkerung sich bloß um 6, die Arbeiterschaft um 10 Proz. vermehrt hat." � Der Reccnsent scheint bei seiner Darlegung von der Annahme ausgegangen zu sein, daß wenn der Ertrag der Einkommensteuer um 20,4 Proz. gestiegen ist, auch das Einkommen in demselben Maße gewachsen sein muß. Wäre das der Fall, dann hätten allerdings die Arbeiter, deren Löhne in demselben Zeiträume im Durchschnitt um über 10 Proz. gestiegen sind(davon im Jahre 1898 uin 3 bis 5 Proz., nach sehr vorsichtiger Schätzung), in der That nicht gerade eineiig hervorragenden Anteil an dem Aufschivuug und an dem Wachsen des Wohlstandes gehabt. Jene Annahme ist aber grnnd- falsch, denn bekanntlich steigen die Steuersätze, namentlich in den hier vornehmlich in Betracht kommenden untersten Steuerstufen, viel stärker als die Einkommensbcträge, auf die sie sich beziehen. Wenn zum Beispiel das Ein- kommen von 901 auf 10S1 M.. also um 17 Proz. steigt, erhöht sich der Steuersatz von 6 auf 9 M.. also um SO Proz. Ebenso nimmt der Steuersatz, wenn das Einkommen von 10S1 auf 1201 M., also um 14 Proz. steigt, nicht etwa nur in demselben Maße zu, londern um 3ZVz � Proz. usw. Erst bei den Einkommen von ca. 9000 M. ab, beginnt die Steuer proportional mit dem Einkommen zu steigen. Die Erhöhung des Ertrages der Einkommensteuer Um 29,4 Proz. innerhalb zweier Jahre kann und sollte auch nur das beweisen, daß das Einkoinmen gestiegen ist. Um wie viel aber, das läßt sich aus dem Ertrage der Steuer nicht berechnen. Der Vorwurf des Recenscnten, die Verfasser des Berichts wären tn ihrer Beweisführung etivas unvorsichtig gewese», ist hiernach völlig haltlos." Wir sandten diese„Berichtigung" au den Verfasser der in Nr. 216 des„Vorwärts"(unter der Rubrik„Vom Weltmarkt") veröffentlichten Bciprcchnng des Bochumcr Handelskammer-Berichts und erhielten darauf folgende Erwiderung: ~!cl.1U bie verehrlichc Handelskammer in Bochum annimmt, ich halte bei meiner Kritik ihrer Angaben nicht berücksichtigt, daß die prozentuale Zunahme der Einkommensteuer nicht genau der pro- zeutualen Zunahme des Einkommcnstcucr-Betragcs entspricht, so beffiidet sie sich auf dem Holzivege. Die Thatsachc, daß die Steuer uberall � nach bestimmten Einkommenssätzen abgestuft wird und „Progressiv" steigt, ist so allgemein bekannt, daß jemand schon ein ganz unverbesserlicher Extra-Schafskopf sein muß, um sie bei einer Erörterung der Eiiikonnnensverhältnisse zu übersehen. Ich gebe also die Inkongruenz zwischen der Höhe der Einkommen und des Steuer- bctrages bereitwilligst zu, ivenn auch die von dcni Vorstand der Handelskammer herangezogenen Beispiele nicht beweisen was sie sollen. Denn wie jeder aus den ersten Blick sieht, ist der Vorstand diesmal nicht nur nicht„unvorsichtig", sondern im Gegenteil ganz ausnehmend vorsichtig gewesen, indem er sich wohlweislich die aller- günstigsten Fälle für seine Beweisführung herausgesucht hat. Mir sind_ die Bochumer Stcucrverhältnissc nicht bekannt, aber wie die Berichtigung zeigt, setzen bei 1061 und 1201 M. itcuc Steuerstufen ein. Hätte also die Handelskammer statt der Einkommen von 901 und 105 1 M.. die von 901 und 1050 M. miteinander vergleichen, so würde sie umgekehrt gefunden haben, daß, obgleich das Einkommen um 17 Proz. gestiegen, die Steuer gleich geblieben i st. Indes das ist nebensächlich; Thatsache bleibt, daß die Steige- rung der Einkoinmen nicht der Steuersteigerung entspricht. Ich habe deshalb, als ich den Handelskainmer-Bcricht las, auch gleich die Ein- kommenszunahme um etwa Z.Wz Proz. niedriger eingeschätzt als die Stelierzunahme, und deshalb erstcre nur mit ungefähr 20 Proz. veranschlagt. Doch ich nehme keinen Anstand, noch viel entgegen- kommender zu sein. Ich will sogar aunehinen, daß, wenn die Ein- lommenssteigerung 50 Proz. betrügt, die Einkommensteuer um das Doppelte, um 100 Proz. zunimmt, obgleich jeder Steuerstatistiker mir eine solche Einräumung sehr verdenken wird. Demnach würden 29,4 Proz. Steuerzunahme etwa einer Einkommcnsvcrnrehrung von 15 Proz. entsprechen. Dieses zu Grunde gelegt, crgiebt sich nun folgende Rechnung. Zunächst in welchem Verhältnis steht wohl die Arbciterbevölkc- rung zur Gcsamtbevölkerung des Handelskammerbezirks, der, wie bekannt, einer der Hauptcentren deutscher Industrie, und zlvar der Großindustrie ist? Wenn wir annehmen, daß das Verhältnis der Arbeiter zu den übrigen Eriverbsthätigcn sich wie 7 zu 3 verhält, so ist das entschieden zu niedrig angeschlagen, aber wir wollen bescheiden sein. Nehmen wir nun ferner an, daß die Arbeiterbevölkerung an dem Gesamteinkommen des Bezirks mit etlva a/5, die übrige Bevölkerung mit 3/s beteiligt ist, so crgiebt sich klar und deutlich, daß, Ivenii wirklich die Angabe der Handelskammer zutrifft und das Einkontmcn der Arbeiter um 10 Proz. gestiegen ist, doch noch immer das Ein- kommen der übrigen 8/w der Bevölkerung um mindestens 18 Proz. gestiegen sein muß. Zeigen wir das an einem Beispiel: Gesetzt, die Gesamtsumme des früheren Einkommens wäre 500 000 M.(die Ziffer dient nur zur Veranschaulichung), von denen 200 000 M. auf die Arbeiter und 300 000 M. auf die übrigen Erwerbthätigcn entfallen seien. Nun steige das Gesamteinkommen um 15 Proz., also auf 575 000 M., das der Arbeiter aber nur um 10 Proz., also von 200 000 auf 220 000 M., dann muß unbedingt der Anteil der übrigen Bevölke- rung von 300 000 auf 355 000 M. gestiegen sein, also um I8l/s Proz. zugenommen haben. Aber wird man vielleicht einwenden: So läßt sich das nicht rechnen, die Einkommcnsteuer-Vermehrung ist nicht nur Folge der Einkommenssteigerung, sondern auch des Wachsens der Bevölkerung. Das ist richtig; aber da der Jahresbericht konstatiert, daß die Bc- völkerung im letzten Jahr im ganzen um 6 Proz., die Arbeiter- bevölkerung allein um 10 Proz. zugenommen hat, so muß fast aus- schließlich die Vermehrung auf feiten der Arbeiter liegen, wodurch die obigen Vcrhältniszahlen sich noch weiter zu Ungunsten der Ar- beitcr und zu Gunsten der Nicht-Arbeiter verschieben. Dazu kommt jedoch noch ein anderes. Wenn wir oben berechneten, daß das Ein- kommen der nicht zur Arbeiterklasse Gehörenden sich um 18>/z Proz. erhöht hat, so ist dabei angenommen, daß alle diese gleich- mäßig an der Steigerung participicren. Das_ wird indes wohl in Bochum ebensowenig der Fall sein, wie anderswo. Ich weiß es nicht, möchte aber doch sehr bezweifeln, daß zum Beffpicl int gleichen Zeitraum auch die Gehälter der Be- amten und kaufmännischen Angestellten, die Jahreseinkommen der Angehörigen der liberalen Berufe usw. im gleichen Maße gestiegen sind. Je weniger das der Fall, um so mehr erhöht sich natürlich der Anteil der Unternehmerschaft an der Einkommensverntehrung. Danach dürfte es kaum zu hoch gerechnet sein, wenn man die Steigerung des Einkommens der' Unternehmer mit 25 bis 30 Prozent einschätzt._ Trotz der weitgehendsten Zugeständnisse, die wir bei unserer Be- rechnung der Handelskammer gemacht haben, sehen wir also, daß das Einkommen der Unternehmer im Bochumer Bezirk noch immer etwa zweieinhalb- bis dreimal schneller gewachsen sein muß, lvic das der Arbeiter. Selbst Ivenn die Angabe des Handelskammer-Berichts richtig ist, und der Arbeiter, der vor zwei Jahren 900 M. verdiente, heute 990 M. erhält, so hat sein Einkommen sich doch noch lange nicht in dem Maße gebessert, wie das seines„Arbeits- Herrn". Denn wenn dieser vor zwei Jahren 12 000 M. Einkommen hatte, dann hat er jetzt ein solches von 15 000 bis 16 000 M. Selbstverständlich können diese Angaben auf Genauigkeit keinen Anspruch machen z immerhin zeigen sie, inwieweit ich zu meinen Be- merkungen über den Jahresbericht der Bochumer Handelskammer berechtigt war. Ich kann das Urteil getrost dem Leser überlassen. Uebrigens galt mir der Bochumcr Bericht nur als Gelegeuheits- objekt. Es ist in letzter Zeit eine Sitte der Unternehmer geworden, in den Berichten ihrer Verbände und Korporationen auf Lohn- erhöhungen hinzuweisen und daran allerlei erbauliche Betrachtungen über die gute, herrliche Lage der deutschen Arbeiter zu knüpfen: Auslassungen, die dann regelmäßig von der Unternchmerpresse mit Behagen ausgeschlachtet werden. Dabei beruhe» durchweg die An- gaben über Lohnsteigerungen auf unzulässiger Verallgemeinerung einzelner Beobachtungen. Wo aber wirklich Lohnerhöhungen statt gefunden haben, entsprechen sie bei weitem nicht der Steigerung der Untcrnehmerprostte. Ii. C. Uttfnllverhiituttgs-Vorschriften zum Schutze gegen nitrose Gase. Die zahlreichen, vielfach tödlich verlaufenen Unfälle, die durch Einatmen von Nitrofen(salpetrigsauren) Gasen infolge von Unkenntnis über ihre gefährlichen Eigenschaften verursacht worden sind, haben endlich in diesem Sommer die Bcrufsgenossenschaft der chemischen Industrie veranlaßt, besondere Unfallverhütungs- Vorschriften zum Schutze gegen die Wirkung solcher Dämpfe und über den Verkehr mit Salpetersäure zusammenzustellen, die am 30. August cr. das Reichs- Gesundheitsamt genehinigt hat. Da außer den chemischen Fabriken auch zahlreiche andere Betriebe— wir nennen die Messing- und Bronze lvaren-Fabriken, die Ekekiricitätswerke, galvanokaustischen Anstalten und die Färbereien— mit größeren Mengen Salpetersäure in ihren Fabriken arbeiten, teilen wir im folgendcndasWcsentlicheaus dieser Bekanntmachung mit, deren Befolgung in der That geeignet sein dürfte, die schlimmen Folgen solcher Unfälle, wie sie siih leider auch wiederholt in Berlin ereignet haben, zu verhüten. Es heißt da zu- nächst im allgemeinen: Die Erfahrung hat gelehrt, daß die infolge Zersetzung der Salpetersäure entstehenden salpetrigsauren, resp. unter- salpetersanren Gase gesundheitsschädlich sind und in größeren Mengen eingeatmet selbst den Tod herbeiführen können. Die Gefährdung ist eine um so größere, als die Wirkung nicht sofort bemerkbar wird, sondern erst nach einiger Zeit eintritt. Diese rotbraunen Gase bilden sich bei der Einwirkung von Salpetersäure auf dcsoxydiercude Stoffe der ver- schiedenstcn Art, hauptsächlich auf Metalle(z. B. bei der Metall- brenne), auf organische Stoffe, wie Kohlenstaub, Holz, Stroh, Papier, Zcugstoffe, Pichwolle zc., sowie auf manche andere Substanzen, wie Schwefeleiscn, Salzsäure zc. Bei sehr starker Salpetersäure kann zugleich eine E n t z ü n d u n g brennbarer Stoffe erfolgen. In den verschiedensten Betrieben entwickeln sich schon normaler Weise salpctrigsaure Gase bei Verarbeitung von Salpetersäure oder Mischungen und Salzen derselben, so bei Herstellung von Nitro- glycerin und von Schießbaumwolle zc. Die für die Arbeitgeber und Betriebsleiter erlassenen Unfall- Verhütungsvorschriften lauten im wesentlichen folgendermaßen: 1. Glasballons, die mit Salpetersäure gefüllt werden sollen sind in erster Linie auf ihren guten Zustand zu untersuchen, und es dürfen solche nicht verwendet werden, die in zu schwachen Körben sitzen, oder an denen das Strohfuttcr unvollkommen ist; auch müssen die Körbe mit festen Henkeln versehen sein.(Es ist sehr angebracht, daß die Bekanntmachung die Aufmerksamkeit zunächst auf die Be- �chaffenheit der Ballons und Ballonkörbe richtet, denn die zu den Säureballons benutzten Körbe sind vielfach so schlecht, daß sie kaum einen einmaligen Transport aushalten, weil ihre Lieferung gewöhn- lich dem Miudestfordernden übertragen wird, der dann für seinen billigen Preis möglichst leickit gearbeitete Körbe liefert.) Ballons mit ogenainuen„Salzkörnern" im Glase sind auszuscheiden, ebenso solche, die einen Sprung im Glase oder stark ausgebrochcne Mündungen haben. 2. Alle für Salpetersäure zur Verwendung kommenden Glasballons bezw. deren Körbe mit dem Strohinhalt sind vor dem Gebrauch mit einer mindestens lOprozentigcn Lösung von Glaubersalz, oder Chlor calcium, Wasserglas oder dergl. Materialien, die die OxhdationL Wirkung der Salpetersäure hemmen, gründlich zu durchtränken. Dies muß wiederholt werden, wenn anzunehmen ist, daß die Wirkung der vorangegangenen Behandlung nicht mehr ausreicht. 3. Es ist darauf zu achten, daß die Ballons gut gespült und frei von organischen Substanzen sind und nur so weit gefüllt werden, daß noch ein Luft- raunt von ca. 2 Liter unter dein Stöpsel frei bleibt. Ein Verschluß der Flaschen mit einer Mischung von Schwefel und and ist genügend porös, um eilte Ansammlung von lieberdruck in der Flasche zu verhindern. 4. Beim Füllen, Aus- leeren oder aus anderem Anlaß in den Ballonkorb gelangte Sal- petersäure mutz sofort durch Abspülen mit Wasser unschädlich ge- macht werden. 5. Salpetersäure in Korbballons darf in den Fabri- kationsräumen nur so viel vorhanden sein, als es der Betrieb un- mittelbar erfordert. Es ist dabei darauf zu achten, daß bei einem Bruch der Gefäße die auslaufende Säure sich nicht über Stoffe, wie Holz, Stroh zc. ergießen kann. 6. Die Lager für Salpetersäure in Korbballons sollen von allen Seiten nicht zugänglich und so belegen ein, daß im Fall eines Brandes oder einer Zersetzung, sei es im Lager selbst oder in dessen llntgcbung, die Gefahr fürMenschen und benachbarte Objekte auf ein möglichst geringes Maß beschränkt ist. Bei Einlagerung größerer Mengen Salpetersäure sind die KorbballonS möglichst in durch Zwischenräume getrennte Gruppen vonslcicht über 100 Ballons in höchstens vier Reihen neben einander aufzustellen. Die Zwischen- räume müssen zweckmäßig von Gräben oder Rinnen durchzogen sein, die den Abfluß der etwa auslaufenden Säure ermöglichen. Der Lagerplatz ist so zu wählen, daß der Boden möglichst frei von desoxhdierenden Stoffen wie Holz, Stroh zc., wie auch frei von solchen Materialien ist, die sich bei Benutzung jvon Salpetersäure erhitzen, z. B. Kalkstein. Als besonders geeignet für Lagerung größerer Vorräte empfiehlt sich ein Belag des BodenS mit Sandsteinplatten, die in Lehm Igebettet und von Sandsteinrinnen für den event. Abfluß durchzogen und umgeben sind. 7. Als Lagergebäude für Salpetersäure in Ballons eignen sich am besten offne, möglichst feuersickiere Schuppen. Bei Lagertmg im Freien müssen sonstige Schutz- einrichtungen gegen atmosphärische Einflüsse oder mechanische Be- chädigungen getroffen sein. 8. In der Nähe des Lagers ist reichlich Wasser bereit' zu halten, damit in Fällen von Ballonbruch oder Brand sofort ausgiebig Wasser zugeführt werden kann. Wo Druck- Wasserleitung zur Verfügung steht, müssen um das Lager herum nach verschiedene» Windrichtungen Hydranten angebracht werden, von denen aus hinreichend Wasser über die bedrohten Teile geworfen werden kann. 9. Bei jedent Flaschenbruch oder Brande mutz die Wasserzuführung stets aus angemessener Entfernung mittels Spritzen oder an die Hydranten geschraubten Löschschlmichen erfolgen, nicht etwa durch unmittelbares Aufgießen von Wasser aus nächster Nähe der rauchenden oder brennenden Teile. Dabei ist darauf zu achten, daß die Mannschaft so aufgestellt ist, daß der Wind die Gase von ihr wegtreibt. Aufwerfen von Erde, unreinem Sand oder dergl.(die Bekannt- machung hätte hier auch ausdrücklich Sägespäne anführen iollen, da durch Aufwerfen solcher erst in diesem Jahre wieder ein tödlicher Unfall in Berlin herbeigeführt wurde) ungeeigneter oder direkt schädlicher Materialien ist untersagt. Das Löschen in Ge- bänden muß thunlichst von außen her durch Fenster oder Thiiren erfolgen, falls nicht besondere Verhältnisse, z. B. Aus- rüstung mit einem Apparate, der frische Atemluft zuführt, das Eindringen in das Innere ungefährlich erscheinen lassen. Nicht mit der Behandlung der Säure vertraute Arbeiter oder Fremde lFeuerwehrlente) müssen auf die Gefahren und nötigen VorsichtS- maßregeln aufmerksam gemacht werden. 10. Durch nitrose Dämpfe beschädigte Personen sind ohne Verzug einem Krankenhause zu sachdienlicher Behandlung zuzuführen. 11. Wenn bei chemischen Prozessen die Entwicklung von nitrosen Dämpfen unvermeidlich ist, ist thunlichst dafür zu sorgen, daß die Dämpfe nicht in die Arbeits- ränme entweichen können, der außerdem gut ventilicrbar sein muß. 12. Die Reinigung von Behältern, in denen sich nitrose oder andere giftige Gase befinden oder entwickeln können(z. B. Bleikammern, Kessel« wagen, Gloverthürnie) ist, soweit ausführbar, nur von außen zubewirken. Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Gase dem mit der Reinigung Beschäftigten nicht gefährlich werden können. Ist die Reinigung allein von außen her nicht ausführbar, so ist zunächst eine aus- giebige Ausspülung mit einer großen Menge Wasser vorzunehmen unter gleichzeitiger Lüftung des Raumes und Durchrührung der in demselben befindlichen Rückstände wie Bleischlamm und dergleichen, bis weiteres Auftreten nitroser Gase im Innern des Raumes aus- geschlossen erscheint. Auch dann darf der zu reinigende Raum nur init Erlaubnis des Aufsichtführenden betreten werden und in be- sonders schwierigen Fällen nur unter Zulnlfcnahme eines frische Lust zuführenden RespiratiouSapparates. Mundschwämme u. dergl. zum Schutz der Lunge und Material zum Schutz der Hände sind den mit solchen Arbeiten Beschäftigten zur Verfügung zu stellen und ist auf deren Benutzung zu halten. Die Aeinigung darf nur unter Aussicht erfolgen. Personen, die als lungen- oder herzleidend bekannt sind, dürfen bei den Rcinigungsarbeiten nicht beschäftigt werden.(Die Nichtbeachtung dieser eigentlich selbstverständlichen Vor- sorge hat schon mehreren Arbeitern das Leben gekostet.) Die Arbeiter sind von Zeit zu Zeit auf die mit der Arbeit verbundenen Gefahren aufmerksam zu niachen. Die für die Arbeiter erlassenen Vorschriften besagen: Die mit Salpetersäure beschäftigten Arbeiter sind verpflichtet, die zur Ver- Wendung kommende» Ballons in jeder Weise sorgfältig zu behandeln. Schadhafte Körbe dürfen nicht in Gebrauch genommen werden. Beim Fülleii derselben muß noch ein Raum von 2 Liter unter dem Stopfen freigelassen werden. Sollte auf irgend eine Weise Salpeter- säure in den Ballonkorb gelangen, so muß der Korb sofort mit Wasser begossen werden, um die vergossene Säure abzuschwächen. Entstehen durch Bnllonbruch oder auf sonstige Weise� größere Mengen von rotbraunen, nitrosen Dämpfen, so haben sich die Arbeiter mög- liclist rasch aus dem Bereich derselben zu entfernen und ihre Vor- gesetzten zu benachrichtigen. Aufwerfen von Erde, unreinem Sande und dergleichen(Sägespäne) auf ausgelaufene Salpetersäure ist streng verboten. In solche» Fällen ist die ausgelaufene Säure sofort mit reichlichen Mengen Wasser zu verdiinnen. Sind in einem Räume nitrose Gase vorhanden, so darf er erst betreten werden, wenn durch g r ü übliche Lüftung die Gase vollständig entfernt sind. Bei Reinigung von Bleikammern u. dergl. sind die Anordnungen des Aufsichtssührenden genau zu befolgen. Solche Räunte dürfen nur auf besondere Weisung betreten werden. Zur Durchführung dieser Bestimmungen ist den Arbeitgebern eine Frist von 6 Monaten gelassen. Diese etwas lange Frist kann sogar noch vom Genossenschaftsvorstande verlängert werden. Den Arbeitern wird bei Nichtbefolgung derselben eine Strafe von 6 M. angedroht. Die Befolgung liegt aber in ihrem eigensten Interesse, denn die Bestimutungen sind wohl geeignet, viele Unfälle zu vcr- hüten und wären sie schon früher erlassen worden, so wären wohl viele Menschen nicht ums Leben oder um ihre Gesundheit gekommen. Sociolv Mechlspflege. Mus« ein Arbeiter besondere technische Kenntnisse dem Unternehmer mitteilen? Der Scifcnsiedcrmeister P. hatte im Be- triebe der Firma Hahn u. Comp, zur Zufriedenheit des Chefs Grund- seifen gesiedet. Da diese Seifen seinem Vorgänger nicht immer ge- lungen waren, so wünschte der Fabrikant Hahn zu wissen, wie viel Wasser er dem Rohmaterial zusetze. P. verweigerte die Auskunft auf die wiederholten Fragen Hahns, worauf er entlassen wurde. Er verklagte dann die Firma wegen einer Lohnentschädigung beim G e w e r b e g e r i cki t und machte geltend, daß er nicht vcr- pflichtet wäre, seine Erfahrungen preiszugeben. Uebrigens habe er befürchtet, daß der Fabrikant sich nur habe informicreu wollen, um dann ohne ihn die Seifen herstellen zu lassen. Die Angelegenheit beschäftigte die Kammer VIII in mehreren Terminen. Zu der gestrigen Sitzung war als sachverständiger Beisitzer ein Seifeufabrikant hinzu- gezogen worden. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Gewerbe« richters Dr. Meier ivics den Kläger mit folgender Begründung ab: Die beharrliche Weigerung des Klägers, dem Arbeitgeber die Menge des zugesetzten Wassers anzugeben, sei einer beharrlichen Verweigerung der ihm aus dem Arbeitsverträge obliegenden Vcr- pflichtuügen gleichzuachten. Ein Recht, die Auskunft zu verweigern, habe P. nicht zugestanden, denn es handele sich hier nicht um ein ganz besonderes Produktionsgeheimnitz, da Grundseife überall produziert werde. Die Rechtslage wäre eine andere, wenn dem Kläger zugentutet worden wäre, ein mir von ihm gekanntes, viel- leicht patentiertes besonderes Herstellungsverfahren� preiszugeben. Unter den obwaltenden Umständen sei aber die Entlassung berechtigt. Wollte der Kläger die Menge des der Seife zugesetzten Wassers nicht angeben, dann hätte er sich das vertraglich ausbcdingen müssen. Vorarbeiter oder selbstäudiger Gewerbetreibender? Der Tischler S.. hatte sich oerpflichtet, für eine auswärtige Firma in Berlin Einsctzarbeitcn auszuführen. Er ließ sich dann bei der Arbeit von zwei 5tollcgcn helfen, die er selbständig angenommen hatte. Der Verdienst sollte gleichmäßig verteilt werden. Die beiden Mitarbeiter glaubten sich benachteiligt und erhoben iin Klagewege Lohn- anspräche, für deren Erfüllung sie den Berliner Vertreter der erwähnten auswärtigen Firma verantwortlich machten. Der Beklagte, ein Herr Fromm, wurde dann auch mit folgender Begründung verurteilt: Die Kläger und S. hätten gemeinsame Sache gemacht und es habe somit S. die Möglichkeit, einen Unter- nehmer'gewiun zu erzielen, gefehlt. S. könne deshalb nicht als Arbeitgeber, sondern höchstens als ein Vorarbeiter, der die Kläger für die Firma oder für Fromm eingestellt habe, angesehen werden. Die Kläger hätten sich mit Recht an Fromm gehalten. S. verklagte nunmehr Herrn Fromm ebenfalls, indem er sich darauf berief, daß dieser ihm einen Zuschuß versprochen habe. Fromm gab dies bedingungsweise zu, erklärte sich aber für nicht mehr ver- pflichtet, weil S. nicht mehr für ihn arbeiten wolle. Im übrigen beantragte der Beklagte, daß gegen die Forderung deS Klägers aufgerechnet werde, was er infolge des früheren Prozesses an dessen Mitarbeiter gezahlt habe. Die Kammer IV des Gewerbegerichts war der Meinung, daß Fromm zu diesem Verlangen berechtigt sei. Der Vorsitzende und einige Beisitzer gaben deshalb S. den Rat, die Klage zurückzunehmen. Der Kläger kam dem nach. Fälliger Lohn darf nach einer Entscheidung der Kammer VI des Gcwerbegerichts den gewerblichen Arbeitern nicht deshalb vorenthalten'werden, weil der Arbeitgeber infolge der Mitteilung eines Dritten befürchtet, daß der Betreffende ohne Jnnehaltung der Kündiguugsfrist die Arbeit niederlegen wolle. Werde der Lohn einem Arbeiter(Gewerbegehilfen) nur wegen einer solchen Befürchtung vorenthalten, dann sei der Betroffene berechtigt, die Arbeit sofort niederzulegen. Verantwortlicher Ncdacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing tn Berlin. i UGW il'ÜiS-.'lK.H'Üüil V'"T